Freitag, 25. Oktober 2013

Die nächste Runde des Hartz-Terrors gegen die Bevölkerung: Sie machen einfach weiter


Die Junge Welt von morgen berichtet, dass die Bund-Länder-Arbeitsgruppe härtere Gesetze für H4-Empfänger erarbeitet.

(Weiterlesen)

Anmerkung: Als ich über das Ein-Euro-Blog auf diesen Text aus der Jungen Welt gestoßen bin, stockte mir erst einmal der Atem. Es ist den versammelten Elitehuren von Lila-Rot über Grün bis hin zu Schwarz-Gelb längst nicht genug, die Verlierer des kapitalistischen Wahnsinns mit den bisherigen menschenverachtenden Daumenschrauben des Zwangsverarmungs- und Schikaneinstrumentes "Hartz IV" zu überziehen - sie machen immer weiter und hören nicht auf, auch noch die letzten Cents aus den klammen Kassen dieser Menschen zu klauben, bis nichts mehr übrig ist und tatsächlich nur noch die Autobahnbrücke und der Hungertod bleibt. Wie pervers muss man sein, um so etwas in - vermutlich durch entsprechendes Catering erlesen verköstigten - "Runden" zu "erarbeiten"? Die Habgier und der Neid müssen derartige Gehirne längst in verwesende Schwämme verwandelt haben, die einzig von den blinkenden Dollar- oder Eurozeichen noch zusammengehalten werden.

Auffällig ist dabei, dass wieder einmal Nordrhein-Westfalen eine treibende Kraft hinter diesem abartigen Szenario ist - die Rot-Grünen mit der Merkel-Plagiatin Hannelore Kraft an der Spitze können brutalen Faschismus eben am allerbesten. Es ist, wie wir wissen, ja "sozialdemokratische" Pflicht, den Ärmsten das letzte Hemd zu klauen und sie dafür auch noch hämisch selbst verantwortlich zu machen - die Kür ist es aber, diesen Menschen dann noch fortdauernd ins Gesicht zu spucken, auf sie zu urinieren und ihnen ganz offen mitzuteilen, dass sie keine Lebensberechtigung im "sozialdemokratischen" Staat mehr besitzen. Das beherrscht diese Bande in Perfektion, und sie hört damit nicht auf - auch dann nicht, wenn die Betroffenen längst geschlagen am Boden liegen und sich nicht einmal mehr rudimentär wehren können. Denn dann heißt es für die neoliberale Bande von Rot über Grün bis (natürlich) zu den Schwarzen und Gelben erst recht: Auf sie mit Gebrüll!

Hannelore Kraft wäre ein separates Posting wert - diese Intrigantin und Lügnerin ist im Wahlkrampf ja durch ihre stets wiederholten Pamphlete aufgefallen, dass eine "große Koalition" auf Bundesebene so gut wie undenkbar sei - und heute ist sie selbstredend die schärfste und lauteste Befürworterin dieser Konstellation. Da passt es nur allzu gut ins Bild, dass sie sich nicht nur herzlich gerne an der Jagd auf das faule, elende Pack der Armen, Kranken, Behinderten, Alten und sonstwie Profithemmenden beteiligt, sondern natürlich eine Vorreiterrolle einnimmt.

Es ist mir unverständlich, wie irgendein Wähler der SPD oder der Grünen noch nachvollziehen kann, was diese Parteien tun - es sei denn, ich müsste davon ausgehen, dass diese Wähler allesamt widerliche Faschisten sind. Bezüglich der CDU und FDP gehe ich ja längst davon aus.

Wenn diese Parteien weiterhin das Sagen behalten, werden auch diejenigen, die vom Hartz-Terror noch nicht direkt betroffen sind - und das ist mehr als nur eine üble, diffuse Drohung - in Bälde ihr blaues Wunder erleben, das sich wahrlich gewaschen hat. George Orwell (aus seinem Roman "1984") hat das letzte Wort:

"Wenn Sie ein Bild von der Zukunft haben wollen, so stellen Sie sich einen Stiefel vor, der auf ein Gesicht tritt. Unaufhörlich."

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Trost in Tränen


"Zu arbeiten gibt's schon lange nichts mehr - das letzte Hemd haben wir auch schon hergeben müssen - wenn jetzt noch die Preise so weit gesenkt werden, dass man alles umsonst haben kann, dann ist Deutschland das reinste Paradies!"

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 46 vom 16.02.1932)

Kommentare:

Mechthild Mühlstein hat gesagt…

Danke für Deinen ausführlichen kommentar hierzu.

Frau Kraft ist eine ist eine »ziehtochter« Clements und da wundert mich wenig. In »Ganz Unten« berichtete der Wallraff über die arbeitsbedingungen der ganz armen in NRW.

Heute ist derartiges »subunternehmertum« überall in Deutschland üblich und weitgehend legal.

Nein, ich würde die wähler solcher parteien keinesfalls als »faschisten« bezeichnen wollen. Das trifft es überhaupt nicht. Die haben im gegensatz zu mir den sozialkundeunterricht immer mindestens mit »gut« abgeschlossen. Und sind -im bürgerlichen rahmen- brave antifaschisten und mögen skinheads nicht, weil die radau in der fußgängerzone machen.

Es ist das ganz normale bürgertum, das sich »von denen da unten« abgrenzen will, zu denen es schlußendlich doch gehört, das jedoch nicht wahrhaben will.

Charlie hat gesagt…

@ Mechthild: Danke für die Ergänzungen - aber was ist denn die "Abgrenzung nach Unten" anderes als purer, widerwärtiger Faschismus?

Liebe Grüße!

Mechthild Mühlstein hat gesagt…

Ich bin dagegen, dinge, die einen fürchterlich ankotzen, voreilig als »faschistisch« zu bezeichnen. In der hinsicht bin ich recht empfindlich.

Jedoch habe ich noch einmal drüber nachgedacht. Der historische faschismus war eng mit dem kleinbürgertum verknüpft und kam nicht aus der arbeiterklasse, sondern aus der mitte der gesellschaft.

Die neuen faschisten sind keinesfalls bloß die paar figuren, die heute noch den Hitler gut finden, sondern auch die leute, die womöglich noch ans Jüdische Mahnmal pilgern, um dort betroffen aus der wäsche zu gucken und zu bekennen, wie schlimm sie das alles finden. Am nächsten tag hetzen sie gegen arme, alte, kranke und syrische flüchtlinge (oder woher flüchtlinge derzeit sonst noch so kommen).

In sofern gibt es wahrscheinlich inzwischen mehr »faschisten in der maske von demokraten« als mir lieb ist. Vielleicht würde ich das etwas vorsichtiger als »faschistoide tendenzen« oder so bezeichnen. Über den begriff, wie man das jetzt benennen sollte, müssen wir uns, denke ich, nicht streiten.

Charlie hat gesagt…

@ Mechthild: Ich pflichte Dir in diesen Überlegungen bei und darf Dir versichern, dass ich Worte wie "Faschismus" und "faschistisch", die Du leider, leider öfter in diesem Blog vorfindest, niemals "voreilig" oder (was dieses Wort ja nahelegt) "unüberlegt" benutzt finden wirst.

Nach meinem Verständnis sind beispielsweise Menschen, die in Deutschland von einer mehr oder weniger "erfolgreichen Flüchtlingsbekämpfung" (Merkel) reden, pure, abgrundtiefe Faschisten - und derlei Beispiele gibt es mannigfach, wie Du ja ganz sicher weißt. Die Frage, wie man nun die beispielsweise durch Stimmabgaben bei Wahlen aktiven UnterstützerInnen dieser üblen Figuren nennen soll, ist so alt wie der Faschismus selber. Natürlich kann man immer argumentieren, dass diese Leute gar nicht so genau verstehen und wissen, was sie da eigentlich tun und anrichten - aber ändert das denn irgendetwas am Ergebnis? Ob jemand nun aus tiefster Überzeugung faschistisch handelt - oder ob er es tut, weil er für sich selbst einen Vorteil erhofft, ohne darüber nachzudenken oder sich zu informieren, auf wessen Kosten das geschieht, bleibt sich nach meiner Meinung im Ergebnis und in der Bewertung gleich.

Wir müssen endlich damit aufhören, dem Faschismus die "Sonderstellung" in der Geschichte zuzubilligen, die er gar nicht hat: Auch Anfang des 20. Jahrhunderts gab es ihn nicht nur in Form die NSDAP in Deutschland, sondern europaweit - und heute ist er wiederum nicht auf die Verrückten braunen Gesellen in Ungarn, Amerika oder Rumänien beschränkt.

Auch sind - und da lehne ich mich bewusst weit aus derm Fenster - die "neuen" Faschisten gar keine "Neuen". Der Kapitalismus an sich ist faschistisch; mal mehr, mal weniger ausgeprägt - und wir erfahren momentan wieder einmal die extreme Phase, in der fast niemand mehr von diesem perversen System profitiert, sondern fast alle zu den Verlierern zählen. Und genau an diesem Punkt treten in der Geschichte immer wieder die Faschisten auf, die die Schuld dafür bei unbeteiligten, meist möglichst schwachen Minderheiten suchen und nicht bei den eigentlichen "Herren" und "Damen" und wenigen Nutznießern. Das alberne Spielchen lässt sich über viele Jahrhunderte in der Geschichte verfolgen, und es verlief bisher immer auf eine sehr, sehr ähnliche Weise. Wir müssen das auch gar nicht unbedingt "Faschismus" nennen, auch wenn der Begriff das Thema gut trifft - Ablenkung, Menschenfeindlichkeit, Propaganda, Feindbildprojektion usw. sind auch treffende Bezeichnungen.

Streiten will ich mich aber sowieso nicht mit Menschen wie Dir - ich fasse diesen Dialog nicht als Streit, sondern als Austausch auf.

Brechen wir das also sprachlich herunter: Wenn Dir der Begriff "Faschismus" zu heftig ist, dann tauschen wir ihn eben aus (Beispiele siehe oben) - an der Kernaussage ändert das aber nichts.

Die große und ungelöste Frage bleibt doch: Kann die Menschheit zur Vernunft gebracht werden oder wiederholt sich das perfide, ekelerregende Spiel solange, bis auch die letzten Reste der Zivilisationssimulation, die wir heute noch auf fernen Bildschirmen verfolgen und für unsere Realität halten, in sich zusammenfallen und alles wieder von vorn beginnt - solange der Planet und seine endliche Natur das noch mitmachen?

Ich habe darauf eine Antwort, aber sie wird niemandem - vielleicht abgesehen von den berühmten 0,1 Prozent der Menschheit, sofern sie wirklich so dumm sind, wie ich befürchte - gefallen.

Liebe Grüße!

Mechthild Mühlstein hat gesagt…

Den unterschied zwischen »herrschaftsform« und »wirtschaftsform« solltest Du nicht außer acht lassen.

Der kapitalismus ist eine wirtschaftform. Ihn gab (und gibt) es unter feudalistischer, faschistischer und bürgerlich demokratischer herrschaft.

Die kapitalistische wirtschaftsweise ist nicht auch sich heraus »faschistisch«. Feudalismus, die bürgerliche demokratie und der faschismus als herrschaftsformen setzen auf kapitalistische wirtschaftsweise. Zwischen diesen herrschaftsformen gibt es durchaus unterschiede aber auch gemeinsamkeiten, die sich teilweise aus wirtschaftlichen zwangläufigkeiten ergeben. Wenn man diese herrschaftssysteme vergleicht, fällt einem auf, daß die bürgerliche demokratie mit kapitalistischer herrschaft leider keine menschenfreundliche veranstaltung ist. Auch wenn ihre anhänger sie immer gern so sehen möchten und sich wundern, daß die realität mit den gedachten idealen nicht zusammenpaßt.

Faschistisch organisierte staaten, deren es leider eine ganze menge gab, gehen von der einheit von volk und staat aus. Weil das volk sich ohnehin einig sei und ein gemeinsames interesse hätte, brauchen die kein mehrparteiensystem. Bei wahlen, die es meist auch irgendwie gibt, geht es darum, dem system zuzustimmen. Die bürgerliche demokratie hingegen sieht das volk nicht als einheit, sondern als einzelne individuen. Um die leute bei der stange zu halten, gewährt sie »bürgerliche freiheiten« wie meinungs- und redefreiheit, religionsfreiheit, reisefreiheit, pressefreiheit oder auch wahlfreiheit in einem mehrparteiensystem. Man kann sogar eine eigene partei gründen und probieren, leute zu agitieren. Es nützt bloß nichts, denn das darf man nur, solange man keine gefahr für die bestehende ordnung darstellt.

Der faschistisch organisierte kapitalismus ist nicht völlig frei, die wirtschaft wird gelenkt, die industrie muß güter herstellen, die den staat voranbringen: rüstungsproduktion und neue waffen entwickeln, dafür bekommen die kapitalisten satte gewinne und die (Deutschen) arbeiter ein klein wenig sozialklimbim, aber nur wenn es nicht zu teuer ist. Und zwangsarbeiter, auf deren leben man keine rücksicht nehmen muß, die kann man schuften lassen, bis sie tot umfallen. Im demokratisch organisierten kapitalismus ist die industrie so frei, für satte gewinne die kriegsproduktion in gang zu halten. Die arbeiter erhalten ein klein wenig sozialklimbim, aber nur wenn es rentabel ist, weshalb es diverse formen von zwangsarbeitsähnlichen und zwangsarbeitsgleichen »beschäftigungsformen« gibt, damit der kostenfaktor arbeit möglichst gering bleibt.

Mechthild Mühlstein hat gesagt…

Faschisten begründen die volkszugehörigkeit ethnisch bzw. rassistisch. Für einen faschisten ist es das wichtigste »dem blut nach« zu seinem volk zu gehören. Dafür opfert der sich gegebenenfalls auf, der glaubt, daß er gewissermaßen in seinem volk weiterlebt. Bürgerliche demokraten sortieren auch gern menschen. Allerdings tun sie das nicht nach farbe, sondern nach staatszugehörigkeit. Wer einen Deutschen pass hat, kann auch afrikanisch oder türkisch aussehen, von staatsseite wird er nicht anders behandelt als die eingeborenen, wer keinen Deutschen pass hat, gehört hier nicht her. Es sei denn, er ist für die kapitalistische reproduktion verwertbar, dann wird vielleicht eine ausnahme gemacht. Es gibt immer wieder debatten, ob und wer denn »nützlich« sein könne. Die meisten flüchtlinge, die Deutsche kapitalinteressen selbst produziert haben, sind es nicht. Deshalb sollen die draußen bleiben. Da unterscheiden sich anhänger der bürgerichen demokratie nicht von faschisten: die sind der auffassung, daß die Deutschland schaden würden. Die erstgenannten begründen das wirtschaftlich, nämlich daß es nicht machbar wäre mit der hiesigen produktivität auch noch ein paar afrikanische hungerleider durchzufüttern, während die letzteren um die reinheit der arischen rasse fürchten wenn hier zu viele »neger« umherlaufen.

Klar, wenn die Merkel von »flüchtlingsbekämpfung« spricht, dann unterscheidet sich das nicht von »volksschädlingsbekämpfung«. Die bürgerliche demokratie und der faschismus haben das gleiche ziel: den nationalstaat in der internationalen konkurrenz nach vorn zu bringen. Der »freie westen« hatte nie ein problem mit den faschistischen regimes in Spanien, Griechenland oder Chile - eine klare grenze zwischen beiden gibt es nicht. In meinem blog habe ich für die bürgerliche demokratie den begriff des »verarschismus« aufgegriffen. Mir geht es nicht drum, daß mir der begriff »faschismus« zu hart wäre, ich bin durchaus ein freund davon, dinge mit drastischen begriffen zu benennen, aber man beraubt sich selbst der ausdrucksmöglichkeiten, wenn man begriffe undifferenziert verwendet. Die MerkelIn ist keine faschistIn. Die pfarrerstochter ist eine brave nationalistisch gesonnene demokratin, die gesagt hat, daß sie Deutschland dienen wolle. Mit all den ekelhaften auswirkungen, die das hat.


Ich glaube nicht, daß man »die menschheit zur vernunft« bringen könnte. Ich bin in dieser hinsicht äußerst pessimistisch. Nicht, weil ich den großteil der menschheit für blöde hielte, das keineswegs. Die leute sehen zu, wie sie mit den vorgefundenen gegebenheiten, die sie sich nicht selbst ausgesucht haben und die ihnen aufgeherrscht werden, klarkommen. Und das müssen sie auch.

Liebe Grüße

Tut mir leid, der text ist etwas lang geraten, mußte ihn in zwei teilen posten.

Charlie hat gesagt…

Liebe Mechthild,

ich hätte gerne ausführlicher auf Deinen Kommentar geantwortet, schaffe das aber aber aus blöden Zeitgründen nicht. Deshalb in aller Kürze:

Ich pflichte Dir in vielem bei, kann Dir aber bezüglich der Unterteilung von "Wirtschafts-" und "Herrschaftsform" nicht folgen, was die Bewertung dessen für uns "normale Menschen" betrifft. Dem ausgebeuteten Sklaven ist es doch egal, welcher Form seine Herren und Damen sich zugehörig fühlen - das Ergebnis ist für ihn dasselbe.

Selbstverständlich weist eine Person wie beispielsweise Merkel die Behauptung weit, weit von sich, sie sei eine Faschistin - andererseits dient sie klar erkennbar und ganz offensichtlich weder dem Nationalstaat, noch den Menschen, die in ihm hausen - sondern einzig der "Elite", also dem Kapital. Dieses ist inzwischen längst nicht mehr so stark an irgendwelche Nationalstaaten gebunden, wie das noch vor hundert Jahren der Fall war - allein deshalb ist diese Unterscheidung heute nicht mehr so bedeutsam wie damals. Merkel und ihren GesinnungsgenossInnen ist es schlichtweg egal, was mit dem Nationalstaat Deutschland und seiner Bevölkerung passiert - deren Fokus liegt auf dem Wohl der "Elite", und wenn die beispielsweise beschließen würde, den Staat Deutschland aufzugeben, wären Merkel und ihre korrupten GenossInnen als allererste mit dabei, die Abwicklung zu organisieren.

Der Faschismus tritt in vielen verschiedenen Erscheinungsformen auf - nicht erst seit heute -, und die infantile Berufung auf irgendeine "Nationalstaatlichkeit", eine bestimmte "Rasse" oder "Ethnie" sind nur mögliche Varianten davon. Letztlich ist das alles immer wieder nur eine Variante des altbekannten Dramas, dass das kleine Grüppchen der Superreichen ihren Superreichtum und ihre Privilegien erhalten und zementieren will und dafür jede auch noch so abstruse Idee der Abgrenzung von Menschen untereinander benutzt - nicht weil sie daran "glauben", sondern weil sie eben ihr perverses Ziel erreichen wollen.

Ich erkenne keinen Unterschied zwischen dem vergangenen Feudalismus und der so genannten "bürgerlichen Demokratie", die Du selbst so treffend als "Verarschismus" bezeichnest. Beides ist identisch.

Ich glaube - wenn ich ehrlich bin - auch nicht daran, dass die Menschheit in absehbarer Zeit zur Vernunft gebracht werden kann. Im Gegensatz zu Dir halte ich das aber durchaus für einen Beleg ihrer grenzenlosen Dummheit - denn gerade heute steht zumindest im Westen fast jedem Menschen das erforderliche Wissen frei zugänglich zur Verfügung, ohne dass dies irgendeine erkennbare Auswirkung hat. Ganz im Gegenteil werden auch heute wieder munter die dem dummen Volk von elitärer Seite vorgesetzten Ablenkungsfeindbilder aufgenommen und man grenzt sich eifrig ab - gegen Ausländer, Flüchtlinge, Arbeitslose, Kranke, Behinderte ... und schlägt munter auf diese wehrlosen Menschen ein, während auch weiterhin die ekelige Geld-"Elite" ihr superreiches Luxusleben führt wie immer - vollkommen unbehelligt.

Wenn das nicht die pure Dummheit illustriert, weiß ich nicht, wie sie noch deutlicher werden könnte.

Ganz liebe Grüße!

Holdger Platta hat gesagt…

Volle Zustimmung, Charlie, zu Deinen Aussagen! Mit einem kleinen, aber wohl entscheidenden 'Aber':

Die 'Dummheit', von der Du sprichst, geht bei sehr vielen Menschen darauf zurück, daß sie von einer übermächtigen Politiker- ud Medienpropaganda dumm gehalten werden und daß viele, sehr viele gar nicht mehr die Kraft haben und die Zeit, von sich aus dagegenhalten zu können: es fehlt ihnen nicht nur an entsprechender Vorbildung und Schulung, schon gar nicht an Intelligenz, es fehlen die physischen und psychischen Kräfte, noch dagegenhalten zu können. Kurz (allzukurz): reale materielle Verelendung und ebenso reale psychisch-mentale Verelendung gehen Hand in Hand.

Charlie hat gesagt…

Lieber Holdger,

vielen Dank für Deinen Einwurf, dem ich aber leider auch nicht gänzlich folgen kann. Sicherlich gibt es Menschen, auf die Deine Beschreibung zutrifft - allerdings müssen auch diese sich den Vorwurf gefallen lassen, sich wie kleine Schäfchen auf dem Vorhof des Schlachthofes zu verhalten. Andererseits gibt es in Deutschland und anderen "westlichen" Staaten noch immer nicht gerade wenige Menschen, die sich wenig materielle Sorgen (oder eben auf einem verdammt hohen Niveau) machen müssen und die durchaus die Zeit, Bildung, Energie und vor allem intellektuelle Kompetenz zur Verfügung haben, die es ihnen durchaus erlaubte, die richtigen, wenn auch schmerzhaften Schlüsse zu ziehen. Im "Kleinen" tun das viele von denen ja auch - der Biowahn der Mittelschicht beispielsweise ist ja ein deutlicher Beleg dafür.

Gerade in den letzten Wochen habe ich beispielsweise auch viele Aussagen von solchen "Mittelschichts"-BürgerInnen vernommen, die gerade angesichts der durchs Mediendorf getriebenen Sau bezüglich der Flüchtlingsdramen von Lampedusa stets argumentieren, dass "solchen Menschen selbstverständlich geholfen werden" müsse und dann trotzdem auf die Barrikaden gehen, wenn eine handvoll von denen vor den eigenen "Mittelschichts"-Türen untergebracht werden soll. Derlei Beispiele gibt es - wie gesagt - mannigfach.

Ich halte es für völlig unzureichend, ein solches menschenfeindliches, mehr als nur faschistoides Verhalten so erklären zu wollen, wie Du es tust.

Das wird sich in einigen Jahren oder Jahrzehnten durchaus verändern, wenn nicht gegengesteuert wird - es dürfte für Dich keine Neuigkeit sein, dass beispielsweise die Bologna-Deformierungen das Bildungssystem in diesem Land - insbesondere das Hochschulwesen - nicht versehentlich, sondern natürlich ganz bewusst und gezielt ruiniert haben. Mir persönlich graut es vor der nächsten Generation, die diese vollkommen pervertierten "Exzellenz-Universitäten" verlässt. Da wird man dann wirklich davon sprechen müssen, dass es an Vorbildung und Schulung mangelt.

Liebe Grüße!

Holdger Platta hat gesagt…

Lieber Charlie,

ich denke, wir sind doch sehr nahe beieinander: diese "Verrohung" der Mittelschichten - für andere als wichtiger Buchhinweis: die Untersuchungen dazu von Heitmeier (= "Deutsche Zustände") - sehe ich wie Du.

Ich wollte nur den Blick außerdem werfen auf viele, die sich mittlerweile kaputtrackern müssen, um überleben zu können, und in der wenigen verbliebenen 'freien' Zeit aufs kräftigste in den Mainstream der Verrohung hineinmanipuliert werden. Und auf diejenigen (die von Dir erwähnten Uni-Absolventen gehören dazu), die von Schule, Hochschule und sonstiger Ausbildung her nur noch im Interesse des 'status quo' "ausgebildet" werden. Gesellschaftskritisches Denken, Zusammenhangsdenken, ideologiekritisches Denken wird aus den diversen Curricula rausgeworfen und entsorgt, übrigbleibt nur noch das - angeblich einzig relevante - berufsbezogene Lernen, das, was von uns früher mal als bloße Zweckrationalität analysiert und angeprangert worden ist. Anders:

Ich wollte ein bißchen dazu beitragen, daß wir mit einem Begriff wie "Dummheit" nicht dem fatalen Irrtum Vorschub leisten, wir hätten es mit einer angeborenen, biologischen, rein intellektuell-defizitären Konstante zu tun, sondern verdeutlichen, daß vieles daran systemverursacht ist - und 'selbstverständlich' sehr systemerwünscht.

Mechthild Mühlstein hat gesagt…

Lieber Charlie,

da muß ich teilweise widersprechen: der ausgebeutete mensch sollte sich gedanken machen, was der grund seiner armut ist. Der ist unter feudalherrschaft anders als in der bürgerlichen demokratie. In der feudalzeit gab es, bis sich der frühkapitalismus entwickelte, naturalwirtschaft und den grundeigentümern gehörte nicht nur das land, sondern auch die menschen, die es beackern mußten, gleich mit. Die mußten hungern, weil die landwirtschaft oft nicht produktiv genug war, alle vernünftig zu versorgen. Es muß doch unterschiedliche gründe haben, ob man nichts hat, weil es nichts gibt oder ob alles reichlich vorhanden ist und man trotzdem nichts hat.

Das bild vom »modernen sklaven« paßt m.E. nicht, denn ein sklavenhalter, der seine sklaven so sehr antreibt, daß sie krank werden oder gar sterben, schädigt sich in seinem eigentum. Ein fabrikbesitzer, der so handelt, stellt einfach neue leute ein, wenn die arbeiter nicht mehr können. Das soll kein plädoyer für sklavenhaltung sein, sondern aufzeigen, daß die ausbeutung heute anders funktioniert. Die »doppelt freien lohnarbeiter« sind frei von eigentum und frei, ihre arbeitskraft an einen selbst gewählten »arbeitgeber« zu verkaufen. Daß das der blanke hohn ist, ist keine frage.

Ein unterschied zwischen dem feudalismus und der bürgerlichen demokratie ist, daß im feudalismus der 4. stand, die arbeiterklasse, rechtlos war. Der bürgerliche staat hat sie in sein rechtssystem eingebunden. Was keinesfalls bedeutet, daß arbeiterinteressen ins recht gesetzt wären.

Der Merkel ist es nicht egal was aus diesem nationalstaat wird. Die tut alles, um diesen staat voranzubringen. Das ist die aufgabe einer bundesregierung: das volk für das kapital verwertbar zu machen und das tut sie. Ob es den menschen dabei gut geht, ist dabei nicht wichtig. Schließlich haben die leute die freiheit, sich um sich selbst zu kümmern und sind somit selbst schuld, wenn sie unter die räder geraten. Hier gilt es, die kapitalvermehrung zu organisieren.

Faschismus ist eine variante, die obrigkeitsstaatliche hierarchie aufrecht zu erhalten, faschisten halten das für die »natürliche ordnung«, somit dürfte es einer faschistischen »elite« äußerst leicht fallen an das »große, ganze« zu glauben, denn dadurch haben sie ein »natürliches recht« auf ihre privilegien.

Liebe grüße

Mechthild Mühlstein hat gesagt…

Das mit der »dummheit« sehe ich ein stück weit anders. Das Deutsche bildungssystem spuckt jeden sechsten menschen aus, ohne daß er imstande wäre, einen längeren text zu lesen und zu verstehen. Darüber hat es kürzlich eine studie gegeben. Aus eigener beobachtung weiß ich, daß sehr viele menschen, die sogar abitur haben, nicht fähig sind, textaufgaben, die mit einem simplen dreisatz gelöst werden können, zu lösen. Die meisten menschen gehen mit kindlicher freude am lernen in die schule hinein und kommen als hohlbirnen aus ihr raus. Das einzige, was die schule den weniger selbstbewußten menschen beibringt ist, daß sie zum lernen zu blöde wären.

Das hiesige schulsystem dient nicht der bildung, sondern der selektion für den arbeitsmarkt. Und wer als kind oder jugendlicher nicht mitmacht, fliegt aus der lernkonkurrenz erstmal raus. Zwar kann man über den zweiten oder dritten bildungsweg wieder einsortiert werden. Es geht aber nie darum, daß die leute eigenständige und denkende persönlichkeiten werden, die sollen am markt funktionieren und weiter nichts. Es soll niemand auf die idee kommen, das bestehende system in frage zu stellen. Die bildung, die man hier bekommt, besteht allein aus zurichtung für den arbeitsmarkt. Und das nicht erst seit »Bologna«.

Stimmt, theoretisch gibt es viele möglichkeiten, sich wissen anzueignen. Wer lesen kann und internet hat, kann zu fast allem etwas finden. Das problem ist, daß man zuerst wissen muß, wonach man eigentlich sucht. Wer z.b. auf der suche ist, wie er seine persönlichen probleme bewältigen kann, wird wahrscheinlich erheblich eher auf irgendwelchen esoterischen scheißdreck zur »problembewältigung« stoßen, als auf literatur, mit der man die tatsächlichen ursachen des problems ergründen könnte.

Wenn man gegen die reichen und superreichen etwas sagen möchte, wird einem immer die moralische verwerfung, neidisch zu sein, vorgeworfen. Dadurch wird es fast verunmöglicht, gegen die etwas zu sagen.

Lustiger weise ist neid kein tabu, wenn es um sozialfälle geht. Da schlägt der »gerechtigkeitssinn« des braven bürgers gnadenlos zu: »ich geh arbeiten, aber der bekommt etwas, das ihm gerechter weise nicht zustünde«. Wer rational drüber nachdenken würde, käme ziemlich schnell drauf, daß es nicht erstrebenswert ist, im rollstuhl sitzen oder das schiksal eines kriegsflüchtlings zu erleiden, nur um ein paar groschen sozialgeld zu erhalten. Wahrscheinlich werden die ablenkungsfeinbilder nicht einmal vorgesetzt, sondern bloß benutzt. Die unzufriedenheit der leute wird in erlaubte bahnen gelenkt.

Charlie hat gesagt…

Liebe Mechthild,

auch diesmal leider viel zu verkürzt - wenn Du schreibst: "Es muß doch unterschiedliche gründe haben, ob man nichts hat, weil es nichts gibt oder ob alles reichlich vorhanden ist und man trotzdem nichts hat." -

dann kann ich darauf nur erwidern: Nein - leider, leider nein! Im kapitalistischen System kommt es einzig (!) auf die "Bedürfnisse" der Superreichen ein - wenn diese halbwegs gestillt sind, wird das noch Verleibende unter den restlichen Menschen (selbstredend höchst ungerecht) aufgeteilt - da spielt es keine Rolle, ob dieser Rest nun tatsächlich für alle "reicht" oder ob eine kleine oder auch größere Gruppe dabei leer ausgeht.

Heute "gehören" die "Arbeiter", die in den Fabriken ihre Lebenszeit verplempern, ganz genauso den "Feudalherren", denen die Fabriken "gehören", wie das damals auch gewesen ist. Der einzige relevante Unterschied ist eigentlich, dass man diesen Menschen heute einredet, sie hätten ja die "freie Wahl" zwischen einem materiell halbwegs gesicherten Leben und der Arbeitslosigkeit, die heute wieder einmal - nachdem das eigentlich längst abgeschafft war und von Gerhard Schröder & Co. wieder eingeführt worden ist - automatisch Verarmung, Existenznot und hündisches Elend bedeutet.

Wir nähern uns jetzt also - nachdem das ein paar Jahrzehnte ein wenig entschärft gewesen ist - wieder den ursprünglichen feudalen Strukturen und haben sie bald auch wieder eingeholt.

Der Unterschied ist nicht darauf zurückzuführen, dass es einen Unterschied zwischen dem vergangenen Feudalismus und einer "bürgerlichen Demokratie" gibt, sondern darauf, dass es historisch kurzzeitig eine tatsächlich existierende Alternative zum Kapitalismus/Feudalisismus gab, der die schlimmsten Auswüchse temporär unterbunden hat (was allerdings nichts über die Qualität dieser Alternative aussagt).

Ausbeutung funktioniert heute aber dennoch nicht wesentlich anders als in der Vergangenheit - es war ja immer so, dass es einen "überbordenden Überschuss" an mehr oder minder willfährigen Sklaven gegeben hat - die "Elite" musste sich niemals Sorgen darum machen, dass der "menschliche Nachschub" eventuelll einmal "ausgehen" könnte. Das beste Beispiel dafür sind - neben den heute vorzufindenen perversen Strukturen - die faschistischen Auslöschungsorgien der Nazis in den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts: Nicht einmal inmitten des tobenden Weltkriegs und der massenhaft sterbenden Menschen an den Fronten, den diese braunen Horden angezettelt haben, war es auch nur eine Sekunde lang einer Überlegung wert, die gefangenen, versklavten, deportierten Menschen ernsthaft als "Arbeitskräfte" gleich doppelt und dreifach zu missbrauchen. Ansatzweise hat man das natürlich getan - aber der Fokus lag doch erkennbar und extrem nachdrücklich auf der Ausrottung dieser Menschen. Solche "Elitespinner" (sowohl damals, als auch heute) sorgen sich nicht um den Nachschub an Sklaven - davon gibt es stets so unsäglich viele, dass solche Gedankengänge selbst in diesen verkommenen, halb vermoderten Gehirnen nicht vorkommen.

Faschismus ist nach meinem Verständnis keine "Variante", sondern das Fundament des Kapitalismus'. Und die wenigen Figuren, die davon profitieren, halten das tatsächlich für die "natürliche Ordnung" - das war in der Geschichte der Menschheit niemals anders und ist es auch heute nicht.

Charlie hat gesagt…

Was ich - als ehemaliger Bürger Westdeutschlands - bis heute nicht verstehe, ist die sehr drängende Frage, wieso es die DDR so dermaßen vergeigt hat, zu einer wirklichen Alternative zum widerwärtigen kapitalistischen Elitesystem des Westens zu werden und statt dessen ebenfalls zu einem wenig erfreulichen Untergangsstaat, in dem niemand ernsthaft leben will, mutiert ist. Ich begreife das bis heute nicht. Menschen sind vielleicht doch einfach zu doof?!?!

Eine solche wahrhaftig große Chance wie nach 1945 bekommt die Menschheit vielleicht (wahrscheinlich?) nie wieder.

Liebe Grüße!

Charlie hat gesagt…

Liebe Mechthild,

bevor ich mich auf eine Diskussion einlasse, eine kleine Frage: Reden wir über die intelligente, sich selbst zum "Herrscher des Planeten" erklärte Spezies, die diverse Eiszeiten, Kometeneinschläge und andere Ausnahmezustände überlebt hat - oder reden wir über fremdbestimmte, hirnlose, tumb in der Welt herumirrende Zombies? ;-)

Tut mir leid - aber ich kann das allmählich nicht mehr satirefrei diskutieren - ich selbst habe das erbärmliche Bildungssystem ja auch durchlaufen und bin (hoffentlich!) nicht zum Zombie geworden, sondern zum selbstständig denkenden Menschen - und ich bin noch nicht einmal so alt, dass man das altertümlichen Strukturen anlasten könnte.

Wieso um alles in der Welt sollten andere Menschen dazu nicht fähig sein, wenn man das Argument der Dummheit nicht bemühen will?

Eine blökende Schafherde ist dumm - und nichts anderes ist die Menschheit heute. Ob sie dummgehalten, dummgemacht oder dummgeboren wurde, spielt für das Ergebnis keine Rolle - dumm bleibt dumm.

Und damit meine ich ausdrücklich nicht die Unzufriedenheit der Menschen, sondern ihre hanebüchenen Schlussfolgerungen daraus - die ich sehr erkennbar für vorgesetzt halte und die da lauten: Nicht die wenigen Superreichen sind schuld an unserem schrumpfenden Wohlstand, sondern die Ärmsten der Armen. Eine solche völlig abstruse Gedankenfolge muss man erst einmal in ein Hirn pressen - das geht nicht von heute auf morgen. Und dennoch ist es Konsens und alltägliche Realität in unserer Welt.

Was soll man denn dazu noch sagen? - "Tut mir leid, dass Du Dein Gehirn nicht so benutzen kannst, wie Du es eigentlich tun solltest bzw. könntest?"

Liebe Grüße!

Mechthild Mühlstein hat gesagt…

Lieber Charlie,

so wahnsinnig »vergeigt« hatte die DDR nicht. Aus gutem grund hat es nie eine volksabstimmung gegeben, ob die leute tatsächlich in den kapitalismus eingemeindet werden wollen oder nicht. Auch wenn der bundesprediger vielleicht behauptet, daß die menschen »freiheit« wollten. Und die ist bekanntermaßen nur im kapitalismus unter bürgerlich demokratischer herrschaft möglich. Aber der hat nichts riskiert, hat nicht der opposition angehört, sondern hat sich gewendet als es gefahrlos war.

Die BRD steckte 1989 in einer wirtschaftskrise, die DDR in einer politischen krise. Die oppositionellen, die in der DDR auf die straße gingen, wollten nicht den sozialismus schleifen. Die wollten reisefreiheit, pressefreiheit, umweltschutz, frieden und mehr mitbestimmungsmöglichkeiten für die bürger.

Auf die gelegenheit, die instabilität des Ostdeutschen staates, den man nie wirklich anerkannt hatte, ausnützen zu können, wartete man in Bonn seit 40 jahren.

Die gründung der DDR war für das Deutsche (und natürlich auch internationale) kapital eine katastrophe: die produktionsmittel auf dem gebiet der DDR waren verloren. Die »heim ins reich« zu holen, war denen wert, für einen weltkrieg aufzurüsten.

Daß niemand ernsthaft in der DDR hätte leben wollen, halte ich für ein gerücht. Dafür kenne ich zu viele menschen, die dem staat keinesfalls kritiklos gegenüberstanden und -stehen, jedoch gern dort lebten. Die DDR hatte trotz aller fehler eine ziemlich solide wirtschaft. Allerdings kann ich es nachvollziehen, daß die leute, die gute konsumgüter produzierten, zweifel am sozialismus bekamen, weil all die schönen dinge aus der eigenen produktion an den klassenfeind geliefert wurden. Die DDR brauchte devisen, um rohstoffe auf dem weltmarkt kaufen zu können. Dadurch wurden die leute in der BRD mit preiswerten und guten konsumartikeln aller art versorgt, die den DDRbürgern fehlten.

So eine chance wird es leider tatsächlich nicht wieder geben. Ursprünglich war der sozialismus dafür angetreten, die konkurrenz abzuschaffen. Und wollte dann sieger in der staatenkonkurrenz werden. Das war eine blödsinnige idee.

Liebe grüße

Mechthild Mühlstein hat gesagt…

Lieber Charlie,

Du hast eine äußerst elitäre sicht auf die welt. Die teile ich nicht.

Es ist eine merkwürdige sache: Du beginnst damit, die armen menschen gegen das, was Du als »faschismus« empfindest, verteidigen zu wollen und endest damit, die gleiche personengruppe als blökende schafherde zu betrachten.

Das Westdeutsche schulsystem kenne ich zur genüge. Von sich selbst die meinung zu haben, trotzdem zum denkenden menschen geworden zu sein, ist noch lange kein indiz dafür, daß andere, wenn sie bloß nicht so ungeheuer blöde wären, das ebenfalls hätten schaffen können.

Das schulsystem bringt den kindern das wesentliche bei: »Du sollst nicht denken, sondern arbeiten.«

Den spott kannst Du Dir an dieser stelle sparen.

Liebe grüße

Mechthild Mühlstein hat gesagt…

Lieber Charlie,

Deine auffassung, jedwede historische form der ausbeutung miteinander gleichzusetzen ist falsch.

Es ist ein unterschied, ob man als leibeigener in einer feudalgesellschaft lebt, in naturalwirtschaft für den eigenen lebensunterhalt sorgt und den zehnt an den landesherrn abgeben muß, auch wenn die scholle nicht genug zum leben abwirft. Oder ob man in einer modernen industriegesellschaft nicht genug geld verdienen kann und man vor gefüllten bäckereischaufenstern verhungert, obgleich es keinen mangel an eßwaren gibt.

Der moderne fabrikherr hat kein interesse, den arbeiter zu besitzen. Der kauft nicht die ware »mensch«. Er kauft die ware »arbeitskraft«. Das ist etwas anderes.

Warum waren in den USA die kapitalisten im industrialisierten norden gegen die sklaverei, während die grundbesitzer im süden auf negersklaven nicht verzichten wollten?

Die industriellen im norden hätten gleichermaßen sklaven kaufen können, die hatten jedoch gute gründe das nicht zu wollen: die industrie strebt nach produktivitätssteigerung, das bedeutet nicht unbedingt, daß mit der selben menge an arbeitskräften mehr ware hergestellt wird. Sondern meist, daß mit weniger arbeitskräften die selbe menge an ware hergestellt wird. Da ist es von vorteil, nicht den menschen, sondern nur seine arbeitskraft einzukaufen. Dann muß man die überflüssigen leute nicht durchfüttern, wenn man sie gerade nicht braucht.

Ein leibeigener im feudalismus hatte ein scheißleben: der war auf gedeih und verderb seinem gutsherrn ausgeliefert und auf lebenslängliche treue verpflichtet. Seine existenz war aber nicht in frage gestellt. Er konnte im gegensatz zum »freien« industriearbeiter nicht gekündigt werden. Leibeigene, sklaven und lohnarbeiter sind ausgebeutete. Die ausbeutung sieht jedoch unterschiedlich aus, da ist nichts besser oder schlechter, sondern anders und wenn man das nicht bloß blöde moralisch verurteilen möchte, daß es »echt schlimm« ist, andere zu unterjochen, sollt man sich schon die mühe machen, die dinge zu unterscheiden und sich anzuschauen, welche gemeinheiten die unterdrücker der jeweiligen epochen so auf lager hatten und haben.

Du machst keinen unterschied zwischen faschismus und der bürgerlichen demokratie. Diese beiden systeme haben gemeinsamkeiten, sind deshalb jedoch lange nicht gleich.

Beide sind herrschaftsformen, die auf kapitalistisch organisierte wirtschaft setzen. Somit ist ihnen der klassengegensatz gemeinsam.

Die demokratie setzt rahmenbedingungen, in denen sich die gegensätzlichen interessen betätigen dürfen: Du darfst im rahmen der gesetze arbeiterinteressenverbände gründen. Du darfst im rahmen der gesetze streiken oder für Dein anliegen demonstrieren. Die kapitalisten dürfen im gesezlichen rahmen ausbeuten.

Im faschistisch organisierten staat gibt es diesen klassengegensatz auch, allerdings wird über die gegensätzlichen privaten interessen der »höhere«, der staatliche zweck, gesetzt. Jeder soll auf seinem platz, egal ob er kapitalist oder arbeiter ist, dem »großen, ganzen«, also dem staat dienen. Ein kapitalist, der nicht dem vorwärtskommen des staates dient und im ausland investiert oder ein arbeiter, der sich gewerkschaftlich betätigt, gilt einem solchen staat als verräter.

Es ist abzulehnen, dinge, die parallellen aufweisen, gleichzusetzen. Bürgerliche demokraten haben alles daran gesetzt, ähnlichkeiten zwischen faschismus und der bürgerlichen demokratie weit von sich zu weisen. Stattdessen haben sie gemeinsamkeiten zwischen realsozialismus und faschismus entdeckt und daraus die totalismustheorie zusammengebastelt. Der kommunismus sei das selbe wie der faschismus, weil nicht bürgerliche demokratie. Mit so einer gleichung kann man genau so gut »beweisen«, daß erdbeerkonfitüre das selbe wie scheiße ist, weil beides keine wandfarbe ist.

Mit so einer bestechenden logik stelle ich mich nicht auf eine stufe.
Liebe grüße