Über Steinbrücks Beziehung zum Geld und seine Mühe mit sozialdemokratischen Inhalten ist viel geschrieben worden. Sein steinernes, ja stählernes Gebaren, die Befehlston-Ästhetik seiner Sprachmelodie, der stiere Blick über dem zum umgekehrten "U" gebogenen Mund waren aber noch zu wenig Gegenstand der Analyse. Zeit für eine Glosse zur Kandidatur des Sozialdemokraten Peer Steinbrück. Hobby-Psychologe Sigmund Leid schürft tief und fördert eine altbekannte Weisheit zutage: Auch das Private ist politisch.
Anmerkung: Diesen wunderbaren Text solltet Ihr Euch nicht entgehen lassen, wenn Ihr Euch noch näher über den Merkel-Mehrheitsbeschaffungskandidaten Steinbrück informieren (oder einfach mal wieder herzhaft lachen) wollt. Über die "sozialdemokratischen Inhalte" würde ich indes mit dem Autor (nicht mit Steinbrück, um Himmels Willen) nur zu gern einmal ausführlich diskutieren und in Erfahrung bringen, was er denn genau mit diesem Begriff meint. Sind dies vielleicht der "Radikalenerlass" des Willy Brandt, der "NATO-Doppelbeschluss" des Helmut Schmidt oder die "Hartz"-Deformierungen des Gerhard Schröder? Oder muss man noch tiefer in der verstaubten und in allzu grellem, absurdem Rot angestrichenen Geschichte dieser ständigen Verräterpartei blicken, um auf tatsächlich "sozialdemokratische Inhalte" zu stoßen?
Man weiß so wenig. Gewiss ist aber die offensichtliche Tatsache, dass der neoliberale, asoziale, demokratie- und menschenfeindliche Katastrophenkurs der Kohls, Schröders und Merkels auch dann eisern beibehalten wird, wenn wider Erwarten und wider jede nachvollziehbare Logik Steinbrück zum Kanzler gewählt würde. Ich hege ja manchmal die naive Hoffnung, dass diese Offensichtlichkeit der nicht vorhandenen Unterschiede zwischen den Blöcken der neoliberalen Einheitspartei vielleicht doch dazu führen könnte, dass im Herbst mehr Menschen den Alternativen ihre Stimme geben - und dabei nicht den braunen Rattenfängern der Menschenfeinde vom noch rechteren Rand ins Netz gehen. Diese Hoffnung wird enttäuscht werden, das weiß ich schon jetzt - aber ich darf sie doch trotzdem formulieren, oder?
Ich will es mal drastisch ausdrücken: Wenn man die Wahl hat zwischen Kotze, Scheiße, Eiter, Pisse und einem Wasser, von dem man nicht weiß, ob es gut schmeckt oder gut tut - wieso um alles in der Welt wählt die überwältigende Mehrheit dann nicht dieses Wasser? Ich werde die Gedankengänge der schwarz-gelb-rot-grünen WählerInnen wohl nie nachvollziehen können - wobei die SPD-WählerInnen da noch besonders zu bewerten sind, weil sie sich immer wieder aufs Neue verarschen und verraten lassen, und das seit über 100 Jahren schon. Sind das denn alles Masochisten?
Ich muss mir bei diesem Thema an die eigene Nase fassen, denn ich selber war seinerzeit so dämlich, den Grünen meine Stimme zu geben, weil ich der irrigen (aus heutiger Sicht geradezu irrwitzigen) Meinung war, es sei sinnvoll und hilfreich, wenn Kohls furchtbarer Dauerregentschaft samt seiner asozialen Politik endlich ein Ende gesetzt würde - mit dem Ergebnis, dass Rot-Grün noch viel umfassender, nachhaltiger und asozialer im Land gewütet hat, als Kohl sich das jemals getraut hätte. Mir ist erst ein Licht aufgegangen, als der Freitag anlässlich Schröders Agenda-Politik titelte: "Dagegen war Kohl modern".
Und nun tritt also der Agenda-Genosse mit dem umgekehrten "U" im Gesicht an, um die Katastrophen-Angela mit dem umgekehrten "U" im Gesicht abzulösen und auch ordentlich Knete zu scheffeln wie diese, wie Gaz-Gerd, Panzer-Joschka und all die anderen rot-grünen GenossInnen und schwarz-gelben Christ-Liberallas. Was haben wir gelacht.
Bis zum bitterbösen Erwachen jedenfalls - einmal mehr.
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Der Bergmann
"Sie frieren nicht, sie brauchen keine Kleider, sie haben keine Zeit zum Essen - und wollen doch mehr verdienen."
(Zeichnung von Wilhelm Schulz [1865–1952], in "Simplicissimus", Heft 32 vom 07.11.1927)
Am gestrigen Abend ist mir Gewalt angetan worden. Ich bin von einem angeblichen "Freund" unter Androhung übelster Sanktionen dazu genötigt worden, mir den "Eurovision Song Contest" anzusehen, was ich freiwillig nicht einmal als Insasse einer Einzelhaftzelle nach drei Monaten Dauerfinsternis getan hätte. Und - was soll ich sagen: Meine schlimmsten Befürchtungen sind erfüllt worden.
Es war wirklich alles dabei, was das Klischee begehrt - dummes Herumgehüpfe, Anspielungen auf schwule/lesbische Sexualität, vermeintlich "hippe" Frisuren und modeübertünchte Outfits für Insassen der Psychiatrie, eine überaus "witzige" schwedische Moderatorin, ein noch dämlicherer deutscher Kommentator - und natürlich durfte auch der in der heutigen Zeit obligatorische Mützendepp nicht fehlen, der mit seiner Kopfbedeckung offenbar vergeblich verhindern wollte, dass ihm das Gehirn aus dem Schädel fällt. Eine erste Lachsalve nahm mir schon am Anfang für mehrere Minuten den Atem, als der Kommentator die an diesem "Wettbewerb" teilnehmenden Gestalten allen Ernstes und ohne den Hauch eines satirischen Anstrichs "Künstler" nannte.
Da war doch noch etwas? - Ach ja: die "Musik". Oder was man in solchen Kreisen eben so nennt. Es war die altbekannte Abfolge der ewig gleichen drei Akkorde, in Szene gesetzt mit den üblichen synthetischen Instrumenten - ein Sammelsorium von Versatzstücken und Plagiaten, die es schon tausendmal zuvor gab - also das, was man gemeinhin unter "Popmusik" oder auch "Schlager" versteht. Schauderhaft, belanglos, inhaltsleer, dumpf, in ewiger Wiederholung - alles im befürchteten Rahmen. Diese Schmerzen waren wahrlich erheblich.
Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass dieses "musikalische Angebot" eine exakte Kopie des politischen neoliberalen Parteienspektrums darstellte - es war alles gleich und gleich übel.
Es gab dennoch Höhepunkte, wenn auch negativer Art - beispielsweise als die "Vertreterin Deutschlands" ihr Stücklein trällerte. Ich weiß nicht, wen sie da genau zu vertreten meinte, aber ich gehöre offensichtlich nicht zu Deutschland - es war ein Zenit der Peinlichkeit, was ich da zwangsweise miterleben musste: Eine grotesk geschminkte (man verzeihe mir das folgende Wort) Tusse mit angeklebten Wimpernbüschen in Rabenflügelgröße trällerte ihr "Glorious" zu billigstem Synthie-Pop der übelsten, simpelsten Bohlen-Sorte, um kurz danach wie ein Elefant über die Bühne zu stampfen und Sätze wie "We can set the world on fire" und "The world is ours" ins Mikrophon zu plärren. Ich wäre am liebsten vor Scham im Boden versunken, als ich das sah und hörte - ich kann mich niemals wieder im europäischen Ausland blicken lassen, ohne völlig zu Recht ausgepfiffen und beschimpft zu werden. "We can set the world on fire" ... in der Tat, das können "wir" Deutschen.
Ich muss fairer Weise sagen, dass diese Dame, die sich aus unerfindlichen, wahrscheinlich nicht existierenden Gründen "Cascada" nennt, aus "künstlerischer" Sicht nicht unbedingt noch schlechter war als die übrigen Hampelmänner und -frauen auf dieser Bühne - es war größtenteils eben derselbe abgekupferte Stumpfsinn auf gleichem, bodenlosem Niveau. Allerdings war es vorhersehbar, dass niemals eine Mehrheit der Menschen in Europa, die an solchen bescheuerten "Votings" teilnehmen, für Deutschland stimmen wird - es ist doch gerade die Politik dieses Staates, die gerade halb Europa in Schutt und Asche legt und die Menschen brutal verarmt. Und wenn dann ausgerechnet die deutsche Trällerin ein Lied mit dem Titel "Glorious", das solche Textzeilen enthält, zum Besten gibt, braucht man für den Spott wahrlich nicht mehr zu sorgen.
Jener "Freund", der mir das angetan hat, wird sich angesichts meiner kommenden Revanche noch sehr lange an diese üble Tat, die ich ohne alkoholische Drogen niemals überlebt hätte, erinnern! ;-)
(Chris Hadfield: "Space Oddity", aufgenommen an Bord der "International Space Station", Mai 2013 - Original von David Bowie, 1969)
Anmerkung: Ich bin kurz davor, den finalen Punkt zu setzen. Ich habe keine Lust mehr zu bloggen und will mich auch sonst nicht mehr zu diesem Irrsinn äußern - am liebsten würde ich abhauen und diesem Wahnsinn den Rücken kehren - am allerliebsten an Bord der Enterprise, damit ich mit diesem verkommenen Planeten nichts mehr zu tun habe. Das geht freilich nicht, ich weiß.
Was bleibt als Alternative noch übrig? Mir gehen die Optionen aus. Vielleicht wäre ein baldiges Ableben doch nicht so verkehrt, auch wenn die versammelte Bande der Menschenfeinde dann bestimmt jubeln würde. Meine Gedanken driften jedenfalls immer öfter in diese Richtung. Wenn diese Gesellen den kapitalistischen Alptraum bis zum Exzess treiben wollen, sollen sie das tun, aber bitte ohne mich.
Dagegen sprechen dann kurzfristig solche Begebenheiten wie dieses Video des ISS-Astronauten Chris Hadfield, der uns zeigt, was alles möglich wäre, wenn dieser Planet nicht in der perversen Falle des Kapitalismus gefangen und so übel geknebelt wäre. Das ist Gänsehautfeeling pur - und gleichzeitig ein böser Schlag auf den Kopf, der sich gewaschen hat, denn während der Mann dort im Weltall Videos produziert und der Menschheit zeigt, was alles möglich wäre, befindet sich die Mehrheit der Menschen auch weiterhin in bitterster Armut und es sterben weiterhin alle paar Sekunden massenweise Menschen auf demselben Planeten, weil sie zu wenig zu essen oder zu trinken haben. Was soll man da noch sagen - außer: Das ist die Perfektion der Perversion?
(...) Wieviele [Personen] im Verfahren gegen die Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) tatsächlich auf der Anklagebank sitzen müssten, führte Angelika Lex, Anwältin und gewählte bayerische Verfassungsrichterin, auf einer Demonstration in München am 13. April aus: "Es fehlen vollständig die Verfahren gegen Ermittler, gegen Polizeibeamte, gegen Mitarbeiter des Verfassungsschutzes, gegen Präsidenten und Abteilungsleiter von Verfassungsschutzbehörden. Verfahren, die nicht nur wegen Inkompetenz und Untätigkeit, sondern auch wegen aktiver Unterstützung geführt werden müssten (...). Auf diese Anklagebank gehören nicht fünf, sondern 50 oder noch besser 500 Personen."
Anmerkung: Dieser Prozess gerät immer mehr zur Farce. Es ist mittlerweile ja hinlänglich bekannt, dass Zschäpe und ihre beiden verstorbenen Gesinnungsgenossen alles andere als allein oder gar autonom agiert haben. Das verwobene Netz aus staatlichen und nichtstaatlichen Mitwissern, Unterstützern, Helfern und Verschleierern wird allerdings nirgends ernsthaft thematisiert - die zuständigen Polizeibehörden und Staatsanwaltschaften bleiben trotz aller bekannter konkreter Hinweise ebenso untätig wie die zuständigen PolitikerInnen. Es scheint darauf hinauszulaufen, dass man der Zschäpe einen ausufernden, medienwirksamen (Schau-)Prozess machen und danach allmählich Gras über die Sache wachsen lassen will. Über die Gründe für dieses üble Spiel mag einjede/r eigene Spekulationen anstellen.
Und so etwas schimpft sich in andauernder, ewiger Wiederholung immer wieder "Rechtsstaat", gerne versehen mit dem bedeutungsschwangeren Präfix "freiheitlich-demokratischer". So laut lachen, wie ich es eigentlich tun müsste, kann ich gar nicht - wenn mir denn bei diesem Thema überhaupt zum Lachen zumute wäre. Da bleibt nur noch die temporäre Flucht in den Alkohol:
Man gewöhnt sich daran: Der Krieg wird zum Dauerzustand. Ende der 1990er Jahre mussten die uns Regierenden noch Horror-Geschichten erfinden, um dem deutschen Publikum die Notwendigkeit militärischen Eingreifens gegen die Serben einzureden. Jetzt, beispielsweise im Fall Mali, genügt es schon, die Gegner – das sind diejenigen, gegen die unsere französischen NATO-Partner, die ehemaligen Kolonialherren des Landes, mit deutscher Unterstützung an der Seite einer Putschisten-Armee kämpfen – als 'Islamisten' zu titulieren. Das Publikum weiß schon: Das sind Feinde, gegen die jedes Mittel recht ist. Kaum eine Zeitung, kaum ein Sender interessieren sich noch für Einzelheiten. Die sogenannte öffentliche Meinung, das heißt die veröffentlichte Meinung der Medienkonzerne, nimmt die Normalisierung des Krieges fraglos hin, sie reagiert sogar missmutig, wenn Deutschland an einem Krieg nicht teilnimmt, und fürchtet um 'das internationale Ansehen Deutschlands' (Der Spiegel vom 25.3.13, S. 22).
Anmerkung: So widerwärtig wie die sich ausweitenden Kriege der neoliberalen Bande, so strunzdämlich ist das "Argument" des angeblich schwindenden "internationalen Ansehens Deutschlands" im Falle einer Nichtteilnahme an einem Krieg, die es - aber das nur am Rande - trotz anders lautender öffentlicher Verkündigungen im vergangenen Jahrzehnt gar nicht gegeben hat. Nicht irgendwelche Kriegsmaßnahmen ruinieren das internationale Ansehen Deutschlands, sondern die radikale, menschenfeindliche Verarmungspolitik der neoliberalen Bande stößt europaweit - und das vollkommen zu Recht - auf einen steigenden Widerstand innerhalb der Bevölkerungen.
Man muss schon in wirklich extrem weit entfernten, hochalbernen Parallelwelten herumspuken, wenn man die Nichtteilnahme an einem widerlichen Krieg zu einem enddebilen Idiotenargument eines "schwindenen internationalen Ansehens" deformiert. Aber sowas wird heute wie selbstverständlich gedruckt und nennt sich auch noch - stets in elitärer Abgrenzung zum dilettantischen Internet - "Qualitätsjournalismus". Da weiß man eben, was man hat - nämlich gequirlten Kot bzw. dümmliche Propaganda.
Derweil erleben wir wieder einmal, wie sich der deutsche Kriegsminister mit schnittiger Bürstenfrisur sogar entblödet, beim Tod eines der zum Zwecke des Mordens in den Krieg geschickten Menschen mit deutschem Pass und deutscher Uniform ausnehmend theatralisch vor die Kameras zu treten und pathetisch sein "aufrichtiges Beileid" und sogar seine "Trauer" zum Tode dieses Gesellen zu verkünden - so als sei es ein bedauernswerter, unvorhersehbarer Unfall, wenn Soldaten im Krieg in fernen Ländern, in denen sie nicht das Geringste zu suchen haben, sterben. Dem ehrenwerten Herrn Dr. de Maizière hätte ich den Inhalt meines Magens entgegenschleudern können, als ich ihn in dieser absurden, lächerlichen Pose den Tod des Soldaten vermarkten sah - zumal er über die Opfer, die dieser Mörder in Uniform und dessen "Kameraden" womöglich auf dem Gewissen haben, selbstverständlich kein Wort verloren hat. Zu beklagen sind in solchen Kriegen für die Kriegsherren stets nur die Toten aus den eigenen Reihen - die ermordeten "Gegner" oder gar die völlig unbeteiligten "Zivilisten", also stets die Mehrheit der Kriegsopfer, interessieren solche Figuren nicht.
Es ist nicht zu leugnen: Die widerliche Bande hat es tatsächlich geschafft, dass der Krieg nun auch wieder für Deutschland, wo er aus gewissen Gründen für einige Zeit eher verpönt war, zur grotesken Normalität zurückgekehrt ist - ein Umstand, der für gutgläubige Menschen wie mich noch vor 30 Jahren völlig unverstellbar gewesen ist. Diese Welt befindet sich weiterhin auf unabsehbare Zeit im Stadium der dunkelsten Barbarei und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch in Europa wieder die Waffen und die Leichenberge Triumphe feiern. Bis dahin morden und brandschatzen sie eben in weiter entfernten Regionen und lassen sich das von der heimischen Medienpropaganda schönfärben und legitimieren - und mit Entsetzen muss ich konstatieren, dass diese unverhohlene Lügerei offensichtlich funktioniert: Die deutschen Schafe bleiben auch im Angesicht der hässlichen, rein ökonomisch begründeten Kriegslüsternheit dieser Verbrecherbande mehrheitlich ruhig.
Ob die Bande es diesmal auch schafft, die Massen wieder in Kriegsbegeisterung zu versetzen? Noch halte ich das für unmöglich - aber ich habe mich ja auch vor 30 Jahren schon einer billigen Illusion hingegeben, über die ich heute nur noch sarkastisch und bitter lachen muss.
(Antonín Dvořák [1841-1904]: "Stabat Mater"; Kantate für 4 Solostimmen, Chor und Orchester, Op. 58, 1876/77)
Anmerkung: Zu diesem großartigen Werk gäbe es eine Menge zu sagen, das letzten Endes wahrscheinlich aber nur einige wenige Begeisterungsfähige für solche Musik interessierte, so dass ich mich kurz fasse. Auch wenn es sich mit dieser in der europäischen Musikgeschichte nicht seltenen Vertonung des mittelalterlichen Gedichtes "Stabat mater dolorosa", das den Schmerz der Mutter Jesu anlässlich dessen erfolgter Kreuzigung zum Inhalt hat, um ein traditionell religiöses Werk handelt, liegt die Sache in diesem Fall doch ein wenig anders.
Der Komponist wurde in den Jahren 1875 bis 1877 von einer schier unfasslichen Tragödie heimgesucht, in deren Verlauf innerhalb eines kurzen Zeitraumes seine drei Kinder im Alter von zwei Tagen, elf Monaten und drei Jahren plötzlich verstarben und die seine Frau und ihn zunächst kinderlos zurückließ. Unter dem Eindruck dieses kaum nachfühlbaren Dramas entstand dieses opulente Werk (übersetzt: "Es stand die Mutter schmerzerfüllt"), so dass wir hier wohl weniger die Schmerzen der "Mutter Gottes", sondern vielmehr die unfassliche Trauer des Ehepaares Dvořák über den Tod ihrer Kinder in Töne gegossen anhören.
Ich habe das Werk schon mehrmals in großartigen Interpretationen live erleben dürfen und kann nur versichern, dass ein solches Erlebnis niemals ohne multiple Gänsehäute vonstatten geht. Wer die Partitur zur Musik während des Anhörens verfolgen möchte, kann dies hier tun - ansonsten gilt, wie immer bei solcher hochemotionaler Musik: Die optischen und sonstigen Nebenreize sind möglichst zu minimieren, während die Lautstärke aufs Maximum erhöht werden sollte. Den religiösen Aufhänger des Stückes kann man - nicht nur in diesem Werk - getrost ignorieren, er spielt nämlich einzig die Rolle, dass es ohne ihn für den Komponisten wohl kaum eine Möglichkeit gegeben hätte, das Werk aufführbar zu gestalten.
Gleichzeitig mag dieses Posting auch als ein Kontrapunkt zum vergangenen, zumindest in meinem persönlichen Umfeld einmal mehr allzu peinlich begangenen Muttertag verstanden werden. Rein statistisch betrachtet durften auch am vergangenen Sonntag wieder alle paar Sekunden Mütter und Väter auf dem ganzen Globus den sinnlosen, überflüssigen, vom Kapitalismus und seinen furchtbaren Folgen verursachten Tod eines Kindes beklagen, während in den privilegierten Regionen der Welt, die zunehmend kleiner werden, mit albernen Blumensträußen, Pralinen und ähnlichem Irrsinn von einigen Wenigen Milliarden verdient worden sind, die zusammen bereits so viel Reichtum gehortet haben, dass sie die gesamte Weltbevölkerung damit problemlos und dauerhaft vor eben diesem sinnlosen Sterben bewahren könnten. Das Drama der Dvořáks - und damit der hörbar gemachte Schmerz - wiederholt sich tausendfach jeden Tag aufs Neue auf diesem Planeten - und eine Veränderung dieser andauernden Katastrophe ist nicht einmal ansatzweise absehbar oder auch nur auf der Agenda der Mächtigen. Ganz im Gegenteil: Der Ausbau dieser dauerhaften Menschenvernichtung ist das Programm der Neoliberalen.
Für die deutschen Werktätigen war die Deutsche Demokratische Republik das, was Buchbesprecher einen "Glücksfall" nennen; nicht durchweg im Osten, wo der Aufbau schwer, die Politbürokratie kleinlich und die Konsumgüterversorgung allenfalls stabil war, aber jedenfalls im Westen, wo der Realsozialismus nebenan dafür sorgte, dass den westdeutschen Lohnabhängigen die größten Schweinereien erspart blieben.
Anmerkung: In diesem wunderbaren Text rechnet der Autor Stefan Gärtner im Rahmen seiner wöchentlich aktualisierten, generell sehr empfehlenswerten Titanic-Kolumne "Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück" mit der auch heute noch andauernden Unsitte der "großdeutschen" Mainstreammedien ab, die ehemalige DDR in sämtlichen Details und Einzelheiten so darzustellen, als sei dieser Staat die pure Inkarnation des Bösen gewesen - diesmal am Beispiel eines Pamphlets, das - natürlich - auf "Spiegel Online" erschienen ist. Wie von der Titanic nicht anders gewohnt, darf der Autor im Rahmen der Satire dabei ordentlich vom Leder ziehen und nimmt einmal mehr kein Blatt vor den Mund - und gerade in dieser satirischen Überspitzung trifft er auch diesmal exakt den Nagel auf den Kopf: "(...) die Hirn- oder wenigstens Sozialforschung ist aufgerufen zu prüfen, ob es jetzt wirklich soweit ist, dass man dem 'Spon'-Publikum derartig primitiven, unverhohlenen Agit-Nonsens als Journalismus verkaufen kann."
Zum Thema will ich noch anmerken, dass ich zwar nie Bürger der DDR war, das Land aber trotzdem durch regelmäßige Besuche vergleichsweise gut kannte. Es ist wohl unstrittig, dass es eine Menge an diesem Staat zu kritisieren gab, wobei die erwähnte "Konsumgüterversorgung" wohl die eher weniger bedeutsamen Themen berührt. Das traf und trifft indes auf den westdeutschen Teil des Landes bzw. das ganze Land seit 1990 genauso zu, so dass ich mich dem harschen Urteil Gärtners nur anschließen kann.
Deutschland wurde von der neoliberalen Bande seit 1990 in einen derart verkommenen, korrupten, menschenfeindlichen, autoritären, kriegslüsternen, asozialen, kapitalistisch-faschistoiden Überwachungsstaat deformiert - und dieser üble Prozess ist noch lange nicht abgeschlossen -, dass ich mit Fug und Recht behaupten kann, dass dieses heutige Deutschland furchtbarer und abscheulicher ist als es BRD und DDR zusammengenommen je hätten sein können. Wenn nach einem solchen desaströsen Verlauf (bzw. bewusst betriebenen Zerstörungswerk) von den Propaganda-Medien nun auch weiterhin wie von Sinnen einzig auf die DDR eingeprügelt wird, wirkt das so grotesk und absurd, dass ich eigentlich nur das Fazit Gärtners dick unterstreichen kann:
"Der Autor dieses neuerlichen 'Spon'-Drecks ('Das letzte Gefecht an der Bierflasche') heißt übrigens Hammelehe, nein: Hammelehle. Schade; 'Hammelehe', das hätte den Unflat ein bisschen glaublicher gemacht. Genealogisch."
Zwei Müllsäcke haben einem Obdachlosen (...) vermutlich das Leben gerettet. Der Mann hatte in einem Abfallcontainer Quartier bezogen. Er wäre fast in der Müllpresse gelandet.
Anmerkung: Dieser Bericht des WDR ist eigentlich schon bedrückend, widerwärtig und entlarvend genug, weil er wieder einmal das Schicksal eines der ärmsten, unter die Räder des Systems gekommenen Menschen dieses Landes effekheischend ins mediale Rampenlicht zerrt - und das nicht etwa, um die wichtigen Fragen zu stellen, wie es zu einem solchen Elend inmitten des überquellenden Reichtums überhaupt kommen kann oder weshalb nicht auf der Stelle ein Aufschrei durch dieses furchtbare Land geht, wenn ein offensichtlich obdachloser, hilfsbedürftiger Mensch wahrgenommen wird, sondern einzig um Klickzahlen, also "Traffic" zu produzieren, weil dieser lukrativ ist für den WDR. Andere Gründe sind mir nicht ersichtlich, weshalb der Sender in dieser oberflächlichen Form über den Vorfall berichtet. Mir wird speiübel davon.
Der Anlass, weshalb ich das hier einstelle, ist aber dennoch ein anderer - ich habe es nämlich gewagt, mir die Leserkommentare zu diesem Bericht durchzulesen, und siehe da: meine anfänglichen Befürchtungen sind mühelos weit unterboten worden. Was sich da an menschenverachtendem, faschistoidem Schmutz, vorgetragen von so harmlos klingenden Arschgeigen wie "Ede", "DetlefausDuisburg" oder "Elena - 1984", sammelt, hat meinen Brechreiz in ein akut stattfindendes Ereignis gesteigert - wer starke Nerven hat, kann sich das gerne selbst durchlesen, zitieren will ich daraus nichts.
Ich habe spontan auf der Seite auch einen (recht verhalten und diplomatisch formulierten) Kommentar hinterlassen, der aber trotzdem unverzüglich mit dem merkwürdigen Hinweis gelöscht worden ist: "Posting wurde entfernt. Bitte tragen Sie mit sachlichen Argumenten zum Thema des Artikels bei." Die Hetzkommentare sind hingegen natürlich weiterhin sichtbar - sie stellen nach Ansicht der Redaktion offenbar "sachliche Argumente zum Thema" dar.
Allmählich beginne ich zu erahnen, wie das damals in den 20er Jahren mit dem sich zuerst langsam, dann immer schneller und radikaler steigernden Antisemitismus und der generellen Menschenfeindlichkeit, gerade den Minderheiten und Schwachen gegenüber, gewesen ist. Diese handvoll Kommentare unter einem erbarmungswürdig widerlichen Artikel sprechen eine grausame braune Sprache, die mein Herz gefrieren lässt und mein Hirn in suizidale Regionen katapultiert. Willkommen in Deutschland.
(Peter Murphy: "A Strange Kind of Love", aus dem Album "Deep", 1989)
A strange kind of love
A strange kind of feeling
Swims through your eyes
And like the doors
To a wide vast dominion
They open to your prize
This is no terror ground
Or place for the rage
No broken hearts, white wash lies
Just a taste for the truth
Perfect taste, choice and meaning
A look into your eyes
Blind to the gemstone alone
A smile from a frown circles round
Should he stay or should he go?
Let him shout a rage so strong
A rage that knows no right or wrong
And take a little piece of you
There is no middle ground
Or that's how it seems
For us to walk or to take
Instead we tumble down
Either side left or right
To love or to hate
Anmerkung: Der Innenminister Friedrich warnt: Lauschen Sie diesen blasphemischen Klängen nicht, da es sich bei diesem Interpreten um einen fiesen Konvertiten handelt, der - bereits in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts - zum Islam konvertierte in den islamistischen Terror-Untergrund abdriftete und seitdem die Welt mit seinen böswilligen und profitfeindlichen Botschaften der Liebe und Harmonie terrorisiert. Der Bundes-Verfassungsterminator ist informiert und überwacht diesen Gefährder des Kapitals permanent.
Dieser satirische Einwurf soll keineswegs darüber hinwegtäuschen, dass ich persönlich jede mir bekannte Religion für einen abstrusen Popanz und ein Relikt aus der menschlichen Steinzeit halte - was aber gewiss niemanden davon abhalten kann und soll, für sich selbst zu anderen Ergebnissen zu kommen. Religion wird immer erst dann zu einem Problem, wenn sie institutionalisiert und/oder instrumentalisiert wird und gesellschaftliche und politische Macht erhält bzw. ausübt. Dazu zählt selbstverständlich auch die Instrumentalisierung einer Religion als Feindbild.
Sie streiten, wer Barbar sei unter ihnen,
und zum Beweise, dass stets nur die andern
vor aller Nachwelt solchen Ruf verdienen,
verwüsten sie mit schrecklichen Maschinen
Galipoli, Galizien, Serbien, Flandern,
Wolhynien und das Land der Beduinen.
Das Blut gerinnt, es häufen sich die Leichen
im Elsass, in Tirol, in Frankreich, Polen.
Auf hoher See und in den Tropenreichen
ist Kampfgetöse, Mord, ist Sieg und Weichen.
Es wird gebrannt, geschändet und gestohlen,
und über Trümmern ragen Ruhmeszeichen.
Aus Wolken fetzt der Mord, vom Meeresgrunde,
und Kinder müssen sterben, Frauen, Greise;
den Hunger ruft man sich, die Pest zum Bunde.
Der Mutter Träne und die Todeswunde
erhabenen Planens zu der Menschheit Preise
gibt von der Heldenzeit Europas Kunde.
Und jubelnd töten sie für ihren Zaren,
für ihren Kaiser, König, Präsidenten,
und starke Männer sinken hin in Scharen
und wissen, dass sie tapfere Streiter waren ...
Blut tropft und Jammer von den Firmamenten –
und jeder schmäht die andern als Barbaren.
Der Taxifahrer, der mich neulich zum Bahnhof fuhr, war 71 Jahre alt. Warum er noch arbeite, fragte ich ihn; eigentlich nur, um ein lockeres Gespräch zu beginnen. "Nicht aus Spaß am Taxifahren", erwiderte er. Seine Altersrente nach einem arbeitsreichen Leben betrage lediglich 750, die Miete allein schon 550 Euro.
Anmerkung: Diesen kleinen Text des Schriftstellers Wolfgang Bittner sähe ich sehr gern weit verbreitet in diesem narkotisierten, verseuchten Land. Beim Lesen solltet Ihr stets bedenken, dass Bittner Schriftsteller und kein Journalist ist und dass auch dieser Text somit vermutlich fiktionalen Charakters ist - wir lesen also nicht, was dem Mann wirklich begegnet ist, sondern was ihm seiner - und auch meiner - Meinung nach eigentlich zunehmend begegnen sollte und sogar müsste - wenn den Menschen nicht nur in diesem Land denn auch nur die spärlichen Fakten, die im Text genannt werden, hinreichend bekannt und bewusst wären.
Tatsächlich sehen derartige Gespräche mit den Opfern des Kapitalismus in aller Regel völlig anders aus, wie man in diversen Dokus, medialen Propagandaberichten und selbstverständlich auch im eigenen Umfeld immer wieder - und zunehmend - erleben muss: Da wird in der Regel wild die dumpfe neoliberale Propaganda heruntergeleiert, nach der der ganze Wahnsinn "alternativlos" sei, weil irgendwelche [an dieser Stelle bitte beliebige Menschengruppen einfügen, wie beispielsweise "Südländer", "arbeitsscheues Gesindel", "Ausländer", "Islamisten", "Gutmenschen", "Sozialbetrüger" und derlei Unfug mehr] Schuld daran seien, gegen die man selbstverständlich hart vorgehen müsse. Da kann man sich regelmäßig nur noch die Haare raufen und kommt auch mit belegbaren Informationen nicht weiter - die Mehrheit glaubt weiterhin wie von der Tarantel gestochen den unsäglichen Stuss, dass ihnen diejenigen, die wenig oder nichts mehr haben, schon eine Menge "weggenommen haben" und das auch zunehmend weiter tun wollen, und nicht diejenigen, die heute schon im unvorstellbaren, niemals "verkonsumierbaren" Super-Luxus ertrinken.
Wenn ich jemals in meinem Leben auf einen Taxifahrer oder irgendeinen anderen Menschen aus einem ähnlichen, stinknormalen Lebensbereich treffen sollte, der derart aufgeklärt und entwaffnend-erkennend auf den Irrsinn dieser uns einlullenden kapitalistischen Katastrophe blickt, wird das der Tag sein, an dem ich den Glauben an eine kleine Chance für den Fortbestand der Menschheit jenseits der Dystopie zurück bekomme. Bis dieser unwahrscheinliche Fall eintritt, sollten all diejenigen, die Bittners Taxifahrer ebenso ins Herz und vor allem Gehirn geschlossen haben wie ich, daran mitwirken, dass solche Texte eine möglichst große Verbreitung finden - und sei es auch nur, um der stetigen Propagandaflut aus den Senkgruben der Springer-, Bertelsmann-, Burda- und sonstigen Propagandamedien und natürlich aus denen der Neoliberalen Einheitspartei etwas entgegenzusetzen.
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Schacht dekretiert
"Ich erkläre den öffentlichen Luxus für staatsfeindlich. Luxus ist Privatsache."
(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 38 vom 19.12.1927. - Mehr über Hjalmar Schacht gibt's hier. Es gilt nun zu mutmaßen, welche der aktuell im Bundestag herumsitzenden elitären Damen und Herren wohl ebenso schnell wie der saubere Herr Schacht und so viele andere damals zu Vasallen der Faschisten mutieren würden - die politischen Haltungen unterscheiden sich zum momentanen Zeitpunkt jedenfalls nicht mehr. Ich mag gar nicht an solche grotesken, zumeist millionenschweren Figuren wie Westerwelle, Friedrich, Uhl, Schäuble, Steinbrück, Rösler, Özdemir, De Maizière, Trittin oder natürlich Merkel und so viele, viele andere denken - da wird es mir reichlich blümerant zumute, wenn ich freundlich bleiben will.)
Anmerkung: Diese so banal erscheinende Meldung des WDR birgt wahrlich Ungeheuerliches in sich. Ich fasse den Sachverhalt mal zusammen: Ein Mensch wirft fünf Glasflaschen in einen Altglascontainer - und wird dabei von einem nicht näher benannten Mitbürger "beobachtet", dem sodann "auffällt", dass das KFZ-Zeichen des Wagens, mit dem jener Mensch unterwegs war, frevelhafter Weise aus der Nachbargemeinde (!) stammt. Daraufhin fotografiert der "Beobachter" das Geschehen und denunziert den Glasentsorgenden sowohl beim Amt, als auch beim beauftragten Privatunternehmen, das die Glasentsorgung durchführt.
Bis zu diesem Punkt ist der Vorgang schon schrill und kann zu einigem Nachdenken über die Gesinnung mancher unserer Zeitgenossen - aber immerhin auch noch zur Heiterkeit animieren. Letztere geht aber schnell verloren, denn die Geschichte geht weiter: Der brave altglasentsorgende Mensch erhielt danach allen Ernstes einen Bußgeldbescheid mit der irrwitzigen und selbstredend falschen Begründung: "Das Befüllen von Depotcontainern mit Abfällen, die nicht im Verbandsgebiet angefallen sind, ist somit unzulässig." Es ist selbstverständlich völliger Quatsch, was da behauptet wird - natürlich darf jeder Bürger jeden Glascontainer im gesamten Bundesgebiet "benutzen" und damit der involvierten Recycling-Industrie kostenlose Rohstoffe schenken, mit denen diese eine Menge Geld scheffelt - allein vor diesem Hintergrund ist dieser Vorgang schon so überaus grell, dass einem die Schädelwände unverzüglich schmerzen. Aber nein, die Posse geht immer noch weiter:
Das zuständige Amt nimmt die Denunziation sehr gerne zur Kenntnis und lässt daraufhin eine Halteranfrage beim Straßenverkehrsamt durchführen, um den Namen und die Anschrift des Altglas-Terroristen zu erfahren. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, um den wirklichen Geschmack erahnen zu können: Jemand wirft Flaschen in einen Container, daraufhin ermittelt das Amt, wer sich so etwas Abscheuliches herausnimmt. Selbstverständlich hat diese Anfrage Erfolg - wir leben schließlich nicht in einem Rechtsstaat, sondern in einem totalüberwachten Alptraum. Und obwohl es keine auch nur annähernd greifende Rechtsgrundlage für einen Bußgeldbescheid in diesem absurden Szenario gibt, wird dieser Bescheid trotzdem erstellt und verschickt.
Der betroffene Mensch hat dann den WDR informiert, und das Amt begann erst dann zurückzurudern, als von dort entsprechende Anfragen kamen. Das Irrwitzigste ist dabei die "Begründung" des Amtes, wie es zu diesen Orwell'schen Auswüchsen kommen konnte. Der WDR berichtet aktuell: "(...) einem Mitarbeiter sei ein Fehler unterlaufen, das Ganze sei ein Irrtum" - weiter unten im Text wird dann aus einem Schreiben des Amtes zitiert, ein "Praktikant" sei der Schuldige - worauf ein Kommentator meint: "Praktikanten!! sind also selbständig und zunächst eigenverantwortlich mit der Überwachung der Bürger beauftragt?" (Kommentar von Aha am 02.05.2013, 15:37).
Wir sollen nun also glauben, dass einem Praktikanten oder Mitarbeiter eines Amtes ein "dummer Fehler" unterlaufen sei, während tatsächlich ein unglaubliches Prozedere in Gang gesetzt worden ist, das unter Anderem eine Halteranfrage beim Straßenverkehrsamt zum Inhalt hatte und in einem amtlichen Bußgeldbescheid gipfelte, der heutzutage gewiss nicht mit der Schreibmaschine erstellt worden ist, sondern für den es entsprechende Softwarevorgaben und Textbausteine geben muss - obwohl es gar keine Rechtsgrundlage für derartige Bescheide gibt? Und das alles geht zurück auf einen Denunzianten, der einen Menschen beim Befüllen eines Altglascontainers beobachtet, fotografiert und das alles ans Amt weitergeleitet hat?
Du weißt, dass du dich nur in Deutschland, der Welthauptstadt des Denunziantentums und des Irrsinns, befinden kannst, wenn du eine solche Meldung liest. Hier wird wahrlich alles zur Perfektion getrieben - das Denunziantentum ebenso wie der Irrsinn.
(Threshold: "This Is Your Life!", aus dem Album "Dead Reckoning", 2007)
Five miles tall,
And everything is small -
Everything is small ...
Five miles down,
You see your patch of ground -
It's not so bad at all!
BREATHE IN, OUT
- AND DON'T STOP BREATHING!
'Cos this, this is your life,
This is your world!
And everything that you've been trusted with!
It's small in your eyes,
But great is your worth,
And you can do this right -
This is your life!
Five miles high,
Don't want to leave the sky -
Everything's so clear!
Five miles on,
When clarity is gone ...
Just make it re-appear!
BREATHE IN, OUT
- AND DON'T STOP BREATHING!
'Cos this, this is your life,
This is your world!
And everything that you've been trusted with!
It's small in your eyes,
But great is your worth,
And you can do this right -
This is your life!
Anmerkung: Ein ordentlicher Tritt in den Arsch kann gelegentlich auch ganz hilfreich sein, wenn man zeitweise keine Lust mehr hat, wieder aufzustehen und dem alltäglichen Irrsinn forsch ins überaus hässliche, triefende Antlitz zu blicken. Dieser Song hat mich schon durch so manche finstere Zeit in den vergangenen fünf Jahren begleitet - und wenn man ihn in der entsprechenden Lautstärke und natürlich in der passenden Stimmung und Umgebung anhört, kann er wahrlich versteckte Kraftreserven mobilisieren, von deren Existenz man zuvor nicht einmal etwas ahnte.
"When clarity is gone ..." - was bei mir momentan öfter mal vorkommt - ja, dann: "just make it re-appear!" So einfach ist das, wenn man sich denn dem kraftstrotzenden Sound und der spielerischen Virtuosität dieser musikalisch hochversierten Formation aus Britannien ausliefern mag. Ich empfehle das ausdrücklich nicht nur depressiven, resignierten oder in "innere Welten" flüchtenden Menschen.
Fakt: Papst Franziskus hat mit einer weiteren Tradition gebrochen und am Gründonnerstag anstatt wie sein Vorgänger bei Priestern an Kriminellen die rituelle Fußwaschung vollzogen.
(...) Island hat gewählt. Die oppositionellen Konservativen und die liberale Fortschrittspartei errangen nach ersten Auszählungen mit ca. 48% der Stimmen die absolute Mehrheit. Designierter Ministerpräsident ist der konservative Parteichef Bjarni Benediktsson. Er löst damit die Sozialdemokratin Jóhanna Sigurdardóttir ab, die das Land aus den Folgen der Banken-Krise führte, in die es die Konservativen 2008 gebracht hatten. Das international bewunderte Krisenmanagement Sigurdardóttirs konnte das Wahldesaster der Grün-Linksregierung nicht verhindern.
Anmerkung: Wunderbar zusammengefasst - es fehlt nur das fällige Fazit: Ganz offensichtlich sind die Menschen sogar in Island schlicht und ergreifend zu dämlich, um weiter als von zwölf bis mittags zu denken.
Oder welche andere Erklärungen für dieses absurde Wahlergebnis bieten sich sonst an? Es ist so zermürbend und niederschmetternd, dass es wirklich weh tut.
Von Deutschland kennen wir eine solche Dämlichkeit des dumpfen Wahlvolkes ja zur Genüge, da wird es auch im kommenden Herbst keine positiven Überraschungen geben ... aber ausgerechnet ISLAND? Ich war so geschockt, als ich diese Jubelmeldungen am Wochenende auf den Seiten der spürbar erleichterten deutschen Systemmedien las, dass mir bis Sonntag die Spucke fehlte, um das angemessen kommentieren zu können.
Das Wort "Vergesslichkeit" trifft den Kern des Dramas aber nicht - es handelt sich (wenn nicht um Wahlfälschung, wovon wir alle mal gutwillig ausgehen wollen) wohl eher um eine krankhafte Ignoranz dieser Menschen, gepaart mit einer diffusen Hoffnung auf persönlichen Reichtum und persönliche Sicherheit - auch wenn das bedeutet, dass anderswo (und möglichst nicht im eigenen Land bzw. im eigenen Umfeld) massenhaft Menschen leiden, verarmen und sterben müssen. Das spricht man nicht aus, nimmt es aber stets billigend in Kauf, wenn die eigene Position dadurch scheinbar gesichert wird.
Kapitalismus im Normalzustand ist das, wie er überall in der westlichen Welt dargeboten wird - auch in Island hat sich nun wieder einmal gezeigt, dass Katastrophen beliebigen Ausmaßes nicht ausreichen, um das egoistische Treiben auf Kosten der anderen Menschen - obwohl es ja in Wahrheit stets nur einer verschwindend kleinen Minderheit nutzt, was der große Rest aber ignoriert bzw. gar nicht erst bemerkt - zu beenden. Ich habe dazu vor Kurzem ja schon ein paar Zeilen geschrieben.
Die neoliberale Bande kann den Karren offensichtlich so oft und so übel vor die Wand fahren, wie sie will - als Reaktion darauf erfolgen immer wieder nur zwei mögliche Varianten: Ein sehr schneller Neustart des kapitalistischen Katastrophensystems - oder ein etwas verzögerter Neustart des kapitalistischen Systems im faschistischen, scheinbar regional bzw. "völkisch" begrenzten Gewand, wie wir es heute in Griechenland oder besonders Ungarn beispielhaft sehen können. Eine so dringend nötige Abkehr vom Kapitalismus findet nie und unter keinen Umständen statt - jedenfalls nicht länger als für einen Augenblick.
Wenn man es realistisch betrachtet, war diese Entwicklung vorhersehbar und unausweichlich - auch in Island leben eben nicht mehrheitlich aufgeklärte, wache Menschen, die, anders als ihre geknechteten GenossInnen in den anderen Ländern, die kapitalistischen Folterinstrumente verstehen und den wenigen im überquellenden Luxus badenden Arschgeigen dauerhaft die rote Karte zeigen.
Es wäre ja auch viel zu schön gewesen. "Schön" im Sinne von "schön für alle" gibt es aber im Kapitalismus sowieso nicht. Island ist da weder eine Ausnahme, noch in irgendeiner Form ein Novum. Wir können schon froh sein, dass "nur" die üble korrupte Bande der kapitalistischen Eigennutzmehrer gewählt wurde - und nicht gleich die verwandte faschistische Jauche, die ganz offen Muslime, Sinti und Roma, Dunkelhäutige, Ringelschwanzinhaber oder meinetwegen auch Vierbeinige oder Dreiköpfige zu Sündenböcken stilisiert, die mit dem ganzen Terror nun so gar nichts zu tun haben. Hauptsache, die "Elite" ist aus der Schusslinie - das ist das erste und allerwichtigste Ziel all dieser Entwicklungen. Danach kann man dann gucken, was kommt - entweder ein dumpfer Faschismus wie in Ungarn, in dem diese fürchterliche Bande immer noch viel Geld verdienen kann, oder ein scheindemokratisches Schauspiel wie jetzt in Island, wo es - wie im Text ja auch erwähnt - ebenfalls darum geht, wieder Reichtum von der Bevölkerung zu ein paar Wenigen umzuverteilen.
Es ist wieder alles in bester, korrupter Ordnung im völlig irrsinnigen Reich des Kapitalismus. Auch im hohen Norden. Der Irrsinn ist die Normalität.
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Ein Mann, zwei Worte
"Als Parteimitglied muss ich sagen: Die Zustände schreien zum Himmel! Es ist ein unerhörter Saustall ---"
"--- aber als Minister kann ich nur erklären: Man muss sich auf den Boden der Tatsachen stellen."
(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 40 vom 01.01.1921)
Ich verstehe dieses Blog weder als "links", noch als "linksliberal" - es versucht, schlicht der Logik zu folgen, sucht die oft verschleierte Wahrheit und landet daher fast zwangsweise immer wieder in sozialistischen Regionen, in die es nie wollte. Die Logik lässt sich nicht so leicht austricksen wie es der interessengeleitete menschliche Geist tut.
Dennoch gilt auch weiterhin Spocks weiser Spruch: "Logik ist nur der Beginn aller Weisheit - und nicht ihr Ende."
Das gilt selbstredend auch für alle anderen Datenkraken und "sozialen Netzwerke".
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