Freitag, 24. Oktober 2014

Wehret den Fortschreitungen: Der gelbe Stern




Anmerkung: Diese bemerkenswerte und äußerst bedrückende Dokumentation aus dem Jahr 1980, für die der Autor Dieter Hildebrandt (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Kabarettisten) seinerzeit den "Bayerischen Filmpreis" sowie eine "Oscar-Nominierung" erhalten hat, lässt mich, je öfter ich sie sehe, immer sprachloser zurück. Im Begleittext der DVD zum Film heißt es:

Dieser Film unternimmt es, mit teilweise unveröffentlichem Archivmaterial ein authentisches Bild jener Vorgänge zu zeichnen, deren letzte Station die Vernichtungslager waren. Warum konnte sich die antisemitische Organisation Hitlers so rasch mit den Vorurteilen vieler Millionen Deutscher zu einem derartigen Verfolgungswahn verbinden? Der Film fragt vor allem auch nach den Anfängen, denen nicht gewehrt wurde. Die Ächtung begann nicht mit dem Pogrom 1938, nicht mit Buchenwald und Dachau oder den fernen Ghettos - sie begann in Dörfern und Städten, an Universitäten und Ministerien, in Sportvereinen und Amtsstuben, im Freundeskreis und in den Schulen, auf dem Weg zur Arbeit. (...) [Der Film] zeigt die Zerstörungswut der Nazis in der Kristallnacht des November 1938, und er dokumentiert die Fluchtwege, Rettungsversuche und Überlebenskünste in den Wochen und Monaten danach.

Es bleibt jedem Zuschauenden selbst überlassen, in den furchtbaren Darstellungen dieses Films - insbesondere in den Themenbereichen der menschenfeindlichen Bürokratie und beginnenden Ausgrenzung und Entrechtung ganzer Bevölkerungsgruppen - die furchteinflößenden Parallelen zur heutigen Zeit zu entdecken und die notwendigen Schlüsse daraus zu ziehen. Den "Anfängen" ist auch heute einmal mehr nicht "gewehrt" worden - die erneute Entrechtung und Verfolgung bestimmter Menschengruppen hat längst wieder begonnen und entfaltet sich, von interessierter Seite forciert, stetig weiter.

Der Satz des Autors, am Ende des Films geäußert, soll und muss uns allen eine böse Mahnung und dringliche Aufforderung zu entsprechenden Taten sein:

Vernunft, wenn sie zu lange unterdrückt wird, schafft sich zuletzt nur noch in Trauergesängen Gehör.


Mittwoch, 22. Oktober 2014

Anonyme Denunziation: Alltag in der behördlichen Willkür des Hartz-Terrors


Der gesetzlich legitimierte, politisch gewollte Hartz-Terror nimmt in Deutschland immer bedrohlichere Formen an. Laut einem Bericht von Telepolis hat das Landessozialgericht Rheinland Pfalz Anfang Oktober geurteilt, dass die anonyme Denunziation eines Betroffenen beim "Jobcenter" einen "begründeten Verdacht" darstelle, der die Behörde dazu ermächtige, "Sozialdetektive" loszuschicken und bei einer "mangelnden Mitwirkung" des Betroffenen sogar die Mietzahlungen inkl. der Nebenkosten komplett einzustellen. Im Text heißt es:

Im konkreten Fall bekam ein Jobcenter im nördlichen Rheinland-Pfalz einen anonymen Hinweis, dass die 64-jährige Hartz IV-Bezieherin bei ihrer Tochter wohnt und die Wohnung, die sie seit 40 Jahren gemietet hat, nicht mehr regelmäßig bewohnt. Darauf verlangte das Jobcenter, die Frau solle Sozialdetektiven Zugang zu der Wohnung ermöglichen. Das lehnte sie aber ab, weil sie nicht einsah, dass sie auf einen anonymen Hinweis die Verletzung ihrer Privatsphäre zulassen soll. Dabei hat die Frau auch Angaben zu ihren Wohnverhältnissen nicht verweigert, sondern mit Fotos und einer eidesstattlichen Versicherung kund getan, dass sie die Wohnung nutzt und dort recht spartanisch lebt.

Trotzdem entschied das Gericht nun, dass sie bis zur Klärung des Sachverhalts die Kosten für Miete und Heizung selber tragen muss. Damit reicht ein anonymer Hinweis aus und die Denunzierte muss einen Verdacht entkräften, der von ihr unbekannten Menschen, die sich nicht einmal zu erkennen geben müssen, erhoben wird. Das gibt natürlich Menschen Gelegenheit, ihnen missliebige Nachbarn und Kollegen mit Vorwürfen zu überziehen, wie es eine Hartz IV-kritische Seite mit einem Foto gut dokumentierte.

Das ist indes keine neue "Entgleisung" und erst recht kein "Einzelfall", sondern gängige Praxis innerhalb dieses furchtbaren behördlichen Willkür-Molochs, das die rot-grün-schwarz-gelben Hartz-"Gesetze" vorsätzlich geschaffen haben. Aus meiner eigenen Mitarbeit in einem Bürgerverein sind mir mehrere Fälle bekannt, in denen ähnlich willkürlich und brutal gegen verschiedene Menschen vorgegangen wurde - einen möchte ich exemplarisch herausgreifen:

Herr X (58) wird von einem Nachbarn beim "Jobcenter" denunziert, weil er angeblich nicht mehr in seiner Wohnung wohne. Das "Jobcenter" schickt daraufhin Schnüffler los, die ebenfalls niemanden in der Wohnung antreffen. Daraufhin verschickt die Behörde einen Bescheid an Herrn X und stellt die Miet- und Nebenkostenzahlungen ein. Einige Zeit später wird Herr X aus dem Krankenhaus, in dem er sich aufgrund eines Herzinfarktes befunden hatte, entlassen und findet den besagten Bescheid sowie eine Mahnung des Vermieters zuhause im Briefkasten vor.

Um es kurz zu halten: Alle "Klärungsversuche" gegenüber dem "Jobcenter" verliefen fruchtlos. Es musste der Bürgerverein eingeschaltet werden, der eine Klage beim Sozialgericht einreichte, bis dem Mann, der sich inzwischen glücklicherweise in einer Reha-Klinik befand, geholfen werden konnte und das Amt die verweigerten Mietzahlungen endlich überwies. Im Nachhinein stellte sich noch heraus, dass die "anonyme Anzeige", die laut "Jobcenter"-Bescheid zu dieser Farce geführt hatte, gar nicht anonym gewesen war. Die Behörde hat ihren "Kunden" also schlichtweg "amtlich" und wissentlich belogen.

Für mich war es ein Wunder, dass der Mann aufgrund dieses Behördenterrors nicht augenblicklich einen weiteren Herzinfarkt erlitten hat. Man stelle sich das einmal bildlich vor: Da erleidet jemand einen Herzinfarkt, kämpft um sein Leben, springt dem Tod noch einmal von der Schippe - und erfährt nach der glücklichen Rückkehr in sein Zuhause, dass er nun nicht mehr nur von bitterer Armut, sondern zusätzlich noch von Obdachlosigkeit bedroht ist. - Der Gipfel des Zynismus war aber ein nachgelagertes Gespräch mit dem zuständigen "Bereichsleiter" des "Jobcenters", dem ich beigewohnt habe. Dieser Mensch - ein hagerer Hornbrillenträger Anfang 30, der mit halblangen Haaren, verblichenen Jeans und Turnschuhen den optischen Prototypen des eigentlich "sozialen" Arbeiters abgab -, entschuldigte sich bei dem betroffenen Bürger nicht etwa, sondern rechtfertigte das Vorgehen des Amtes mit Aussagen wie "Herr X hätte uns sofort benachrichtigen müssen, er ist selber schuld" (mit dem Wissen, dass der Mann sich auf der Intensivstation des Krankenhauses befunden hatte), "Andere Leute sind eine Woche nach einem Infarkt schon längst wieder bei der Arbeit" oder "Das Attest [womit er die Bescheinigung des Krankenhauses über den Aufenthalt dort meinte] halte ich für ein Gefälligkeitsgutachten".

Mit solchen existenziellen, völlig grotesken, geradezu kafkaesken Problemen müssen sich Hartz-Terror-Opfer in diesem "freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat" neben ihrer staatlich verordneten Zwangsverarmung herumschlagen - ganz egal, ob sie alt, krank oder behindert sind. Da ist es doch wahrlich sehr ermutigend, wenn das Landessozialgericht Rheinland-Pfalz nun ausgerechnet solchen Figuren wie dem besagten "Bereichsleiter" das asoziale, faschistoide Treiben weiterhin fröhlich legitimiert.

Einmal mehr ist es an der Zeit, "Danke" zu sagen: Danke, Herr Schröder, Herr Fischer, Herr Steinmeier, Frau Göring-Eckardt - und ein nicht minder enthusiastischer Dank gebührt der damals hämisch lauernden schwarz-gelben Bande, der dieser schaurige Terror noch lange nicht weit genug ging und geht. Ich werde und werde den Verdacht nicht los, dass diese schmierigen Figuren erst dann zufrieden sind, wenn es endlich wieder "Lager" bzw. deren "moderne" Äquivalente gibt.

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"Der Zigarrenstummel des Proletariers"

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 19 vom 05.08.1919)

Montag, 20. Oktober 2014

Zitat des Tages: Die Stille zu ernten


Wie ein Apfel fällt im August,
Im Gehäuse die Stille
Eines unendlichen
Atemlosen Selbstgesprächs -
Des Sommers
Mit dem Sommer -

So fällt uns das Rauschen
Das Rote im Ahorn
Das Brio der Bienen -
Schlagen wir nieder
Verstummte
Im Staub -

Wir haben das Ohr nicht mehr
Der Stille zu begegnen -
Und schlüge sie
Mit Paukenschlegeln nach uns -
Die Nüsse die wir ernten
Sind taub.

(Ernst Günther Bleisch [1914-2003], in: "Zeit ohne Uhr. Ausgewählte Gedichte. 1952-1982", Limes 1983)


Freitag, 17. Oktober 2014

Song des Tages: This Is War




(Thirty Seconds To Mars: "This Is War", aus dem gleichnamigen Album, 2009 [Video: 2011])


If we don't end war
war will end us. (H.G. Wells)
This is a song about peace.

A warning to the people, the good and the evil
This is war
To the soldier, the civilian, the martyr, the victim
This is war

It's the moment of truth and the moment to lie
The moment to live and the moment to die
The moment to fight, the moment to fight
To fight, to fight, to fight

To the right, to the left
We will fight to the death
To the edge of the earth
It's a brave new world from the last to the first

To the right, to the left
We will fight to the death
To the edge of the earth
It's a brave new world, it's a brave new world

A warning to the prophet, the liar, the honest
This is war
Oh, to the leader, the pariah, the victim, the messiah
This is war

It's the moment of truth and the moment to lie
The moment to live and the moment to die
The moment to fight, the moment to fight
To fight, to fight, to fight

To the right, to the left
We will fight to the death
To the edge of the earth
It's a brave new world from the last to the first

To the right, to the left
We will fight to the death
To the edge of the earth
It's a brave new world, it's a brave new world

I do believe in the light
Raise your hands up to the sky
The fight is done, the war is won
Lift your hands toward the sun

Toward the sun ... the war is won

To the right, to the left
We will fight to the death
To the edge of the earth
It's a brave new world from the last to the first

To the right, to the left
We will fight to the death
To the edge of the earth
It's a brave new world, it's a brave new world
It's a brave new world

A brave new world
The war is won
The war is won
A brave new world.



Anmerkung: Das Video spricht für sich selbst. Am Schluss wird uns dort lapidar mitgeteilt: © 2011 Sisyphus Productions. Ob beabsichtigt oder nicht: Eine feinere und gleichzeitig so bittere und bitterböse Ironie habe ich wirklich selten zuvor so bewusst wahrgenommen.

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Realitätsflucht (5): Oblivion


Es ist mal wieder soweit: Die sirenenhaften Rufe aus den virtuellen Welten haben mich genötigt, mich ein weiteres Mal auf eine Abenteuerreise zu begeben, diesmal ins Land bzw. die Tamriel-Provinz "Cyrodiil". Ich habe das Spiel "The Elder Scrolls IV: Oblivion" vor einigen Jahren schon einmal gespielt, muss aber sagen, dass ich es jetzt - nachdem ich "Skyrim" gespielt habe - noch um einiges besser finde als damals.

Das Spiel ist, wie man es inzwischen aus der Elder-Scrolls-Reihe gewohnt ist, extrem opulent, sehr detailverliebt und dialogreich. Und auch wenn sich ein Vergleich mit dem Nachfolger "Skyrim" förmlich aufdrängt, sollte man den (abgesehen von der Story) tunlichst unterlassen, denn 2006 waren die grafischen Möglichkeiten und die so genannte "Künstliche Intelligenz" (KI) für derartige Spiele noch nicht in der Lage, das zu leisten, was für "Skyrim" fünf Jahre später bereits obligatorisch war. Wenn überhaupt ein Vergleich vonnöten ist, sollte man dafür Spiele wie "Risen" oder "Fable - The Lost Chapters" heranziehen.

Man merkt dem Spiel das Alter zwar an, selbst dann, wenn man die Auflösung, grafischen Details etc. aufs Maximum stellt, aber ich persönlich empfinde das keineswegs als störend - ich kann mich nach wie vor an dem grafischen Standard dieser Zeit erfreuen und brauche für ein gutes Spielerlebnis keine "HD-Grafik". Ich habe mich nach dem Start des Spiels in wenigen Minuten daran gewöhnt und im weiteren Verlauf nichts vermisst. 2006 gehörte "Oblivion" im Bereich der Grafik zum Besten, was damals möglich war.

Kommen wir aber zum eigentlichen Spiel, also zur Handlung und deren Umsetzung (eine Inhaltsangabe voller Spoiler lässt sich bei Wikipedia nachlesen). Das Spiel beginnt in einer fast schon traditionellen Szenerie: Unser Held, den wir spielen und dessen Erscheinungsbild wir wie gewohnt recht detailreich bestimmen können (Geschlecht, Spezies, Erscheinungsbild etc.), findet sich in einer Gefängniszelle wieder und erhält als erste Quest den Auftrag, daraus zu entkommen. Der Beginn ist, wie gewohnt, wie eine Art "Tutorial" gestaltet, in dem der Spieler die grundlegenden Funktionen und Aktionen kennen lernt. Gleichzeitig ist dieser Teil auch ein dramatischer Prolog, der den Auftakt für das folgende Spiel darstellt - ohne groß spoilern zu wollen, kann ich doch verraten, dass wir auf unserer Flucht Zeuge des Mordes an "Kaiser Uriel Septim VII." werden und von diesem, kurz bevor er stirbt, den "Hauptauftrag" erhalten, der durch das gesamte weitere Spiel führt.

Die Spielwelt, in die man nach der erfolgreichen Flucht gelangt, ist riesig und frei begehbar. Es gibt unzählige Orte (Städte, Dörfer, Höhlen, Ruinen, Grabstätten, Schreine etc.) zu entdecken, und man sollte tunlichst einen Notizblock neben der Tastatur liegen haben und akribisch jeden Ort, den man entdeckt und nicht sofort besucht, aufschreiben - ansonsten verliert man nach kurzer Zeit den Überblick und weiß nicht mehr, wo man bereits gewesen ist und wo noch nicht. Das Spiel gibt dazu nämlich leider keine Hinweise.

Überall trifft man auf NPCs, mit denen man sich unterhalten kann und dies auch in jedem Fall tun sollte, denn oft gelangt man so an wichtige Informationen oder erhält eine der unzähligen Quests, die in diesem Spiel zu erledigen sind. Dabei ist es allerdings wichtig, wie "freundlich" einem ein NPC gesonnen ist - dies lässt sich während jedes Dialoges mittels eines Minigames beeinflussen. Alternativ kann man auch "Bezauberungs-Magie" einsetzen, sofern man über diese Fähigkeit verfügt, um Personen "positiv zu stimmen". - Subjektiv empfinde ich "Oblivion" als weitaus dialoglastiger als jedes andere mir bekannte Rollenspiel (einschließlich "Skyrim"), was ich persönlich auch sehr gut finde. Allerdings sollte man das Spiel besser auf Englisch spielen, denn die deutsche Übersetzung wie auch die deutsche Synchronisation sind teilweise unterirdisch schlecht.

Was die Quests und Questreihen betrifft, muss ich ebenfalls feststellen, dass es in "Oblivion" weitaus abwechsungsreicher zugeht als in vergleichbaren Spielen. Hier heißt es nicht ganz so oft: "Betritt den Ort X, haue alles zu Klump, was sich dir in den Weg stellt, besiege den Endgegner und kassiere die Belohnung!" Es gibt ganze Questreihen, in denen man Leute beispielsweise verfolgen, belauschen, manchmal auch bestehlen soll, um weiterzukommen, und gelegentlich wird der Spieler auch völlig im Regen stehen gelassen und muss selber herausfinden, wie ein Problem denn nun zu lösen ist - Hinweise gibt es in diesen Fällen nicht. Das mag ich an solchen älteren Spielen sehr - leider ist diese Facette inzwischen fast gänzlich ausgestorben. Natürlich gibt es in "Oblivion" auch die verschiedenen "Gilden" (Magier, Kämpfer, Diebe) sowie die "Dunkle Bruderschaft" samt den jeweils zugehörigen Questreihen.

Außerdem gibt es noch die zweite Ebene dieses Spiels, nämlich die namensgebende Welt von "Oblivion", in der die "Daedra-Fürsten" und ihre bestialische Brut hausen. Ich möchte dazu nicht viel schreiben, dies hier muss reichen: "Cyrodiil" wird von den "Daedra" aus "Oblivion" bedroht und angegriffen, überall in der ganzen Provinz tun sich immer weitere "Tore" in dieses Höllenland auf, und es versteht sich von selbst, dass unser Held sie allesamt beherzt durchschreiten und in "Oblivion" gegen die "Daedra" kämpfen muss, um die Höllentore wieder zu schließen.

Bei diesem zweiten Ausflug in diese Welt von "Cyrodiil" und "Oblivion" habe ich eine Spielweise gewählt, die mir eigentlich gar nicht liegt: Ansonsten schwinge ich in solchen Rollenspielen stets mit Wonne große Schwerter oder dicke Äxte, diesmal aber habe ich mich entschieden, endlich auch einmal den Weg des Magiers auszuprobieren - obwohl ich zu Beginn gar keine Lust dazu hatte. Aber was soll ich sagen: Ich habe das Spiel jetzt etwa zu zwei Dritteln durch, und es macht wahrhaft höllischen Spaß, all die Skelette, Zombies, Goblins, Orks, Trolle, Geister, Daedra und was sich da sonst noch so alles in den finsteren Abgründen tummelt, mit Feuerbällen oder Blitzen zu überziehen, sie einzufrieren oder ihnen den Lebenssaft einfach aus der Ferne abzusaugen. Die Möglichkeiten für einen Magier sind äußerst vielfältig. Freilich muss man auch hier mit entsprechender Gegenwehr rechnen - es ist manchmal schon extrem witzig, mit welchen fiesen Zaubern und Flüchen starke Gegner agieren, auf die man als Spieler wiederum kreativ reagieren muss, wenn man nicht plötzlich in Unterhose völlig schutzlos vor dem Monstrum stehen und in kurzer Zeit den Löffel abgeben will.

Ich spiele die "Game-of-the-year"-Edition, welche die beiden Add-ons "Knights of the Nine" und "Shivering Isles" enthält. Beide sind durchaus empfehlenswert, allerdings sollte man beim ersten, das nahtlos in die Spielwelt integriert wird und schlicht eine eigene Questreihe darstellt, darauf achten, dass man sie konsequent von Anfang bis zum Ende weiterverfolgt und zwischendurch nichts anderes unternimmt - sonst kann es zu Problemen bei der Lösung kommen, die ich hier aus Spoilergründen nicht näher ausführen möchte. "Shivering Isles" hingegen ist eher das Rollenspiel-Äquivalent zu einem schrillen, abgefahrenen LSD-Trip, den ich so noch in keinem anderen Spiel dieser Art gefunden habe.

Fazit: "Oblivion" ist ein Spiel, das 2006 Maßstäbe gesetzt und Grenzen gesprengt hat und das auch heute noch zum Besten gehört, das auf dem Gebiet der Rollenspiele geschaffen wurde.


Mittwoch, 15. Oktober 2014

Song des Tages: Welcome to the Black Parade




(My Chemical Romance: "Welcome to the Black Parade", aus dem Album "The Black Parade", 2006)

When I was a young boy, my father took me into the city
To see a marching band, he said: "Son, when you grow up,
Would you be the savior of the broken, the beaten and the damned?"

He said: "Will you defeat them, your demons and all the non-believers,
The plans that they have made, because one day I'll leave you,
A phantom to lead you in the summer to join the Black Parade."

Sometimes I get the feeling he's watching over me,
And other times I feel like I should go,
And through it all, the rise and fall,
The bodies in the streets, and when you're gone
We want you all to know:

We'll carry on, we'll carry on,
And though you're dead and gone, believe me,
Your memory will carry on! - We'll carry on,
And in my heart, I can't contain it,
The anthem won't explain it.

And while that sends you reeling from decimated dreams,
Your misery and hate will kill us all,
So paint it black and take it back,
Let's shout out loud and clear,
Defiant to the end we hear the call:

To carry on, we'll carry on,
And though you're dead and gone, believe me,
Your memory will carry on! - We'll carry on,
And though you're broken and defeated,
Your weary widow marches.

On and on we carry through the fears,
Disappointed faces of your peers,
Take a look at me 'cause I could not care at all.

Do or die, you'll never make me,
Because the world will never take my heart,
Though you try, you'll never break me,
We want it all, we wanna play this part.

Won't explain or say I'm sorry,
I'm unashamed, I'm gonna show my scar,
Give a cheer for all the broken,
Listen here, because it's who we are.

I'm just a man, I'm not a hero,
Just a boy who wants to sing his song,
Just a man, I'm not a hero,
I don't care ...

We'll carry on ...



Statt einer Anmerkung: Das Schlussbild zu diesem Song aus dem offiziellen Musikvideo. Mehr gibt es dazu wohl nicht zu sagen - es geht eben alles immer wieder denselben Gang und fängt stets immer wieder von vorne an, ganz egal, was zuvor geschehen sein mag. Wir lauschen der hörbar gemachten Sinnlosigkeit der bisher gelebten Erfahrungen. Wenn man da nicht resignieren soll - wann denn dann?


Dienstag, 14. Oktober 2014

Enddarmleckerei in den Propagandamedien: Die "Mär vom Heiligen Heinz-Horst"


Heinz-Horst Deichmann ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Anlässlich dieses Sacks Reis, der in China bzw. Essen (NRW) umgefallen ist, beehrten uns die kapitalistischen Propagandamedien in den vergangenen Tagen mit vielerlei "Nachrufen" auf diesen "bedeutenden Mann". Herausgreifen möchte ich hier die Variante des WDR, die ganz besonders schmierig-schleimig und hirnzersetzend ausgefallen ist. Dort lesen wir:

Selbstdisziplin, Bescheidenheit im Privaten und Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und Gesellschaft prägten Heinz-Horst Deichmann. Er hat das elterliche Geschäft zur größten Schuhhandelskette Europas aufgebaut.

Damit ist die Richtung vorgegeben und der für diesen Text verantwortliche "Journalist" Christoph Stehr kann so richtig vom Leder bzw. aus dem Enddarm ziehen - ich empfehle vor der Lektüre den Konsum einer Flasche billigen Fusels, um den Inhalt des erbrochenen Textes satirisch auffassen zu können und nicht den Drang zu verspüren, den Schädel unentwegt gegen die Wand zu schlagen oder sich stundenlang unter die Dusche zu stellen.

Stehr zeichnet hier das Bild eines seligen Heiligen, der an Güte, Menschlichkeit und Selbstaufopferung kaum mehr zu überbieten ist. "Deichmann tut Gutes", fasst der Autor das zusammen, und nennt danach gleich reihenweise "soziale" Stiftungen und Projekte, die der Verblichene monetär unterstützt habe; sogar eine völlig verblödende, an biblische Jesus-Geschichten erinnernde Formulierung wie die folgende rutscht ihm aus dem Enddarm des Kapitalismus' auf die Zunge:

1977, während eines Besuchs in Indien, trifft er eine Gruppe von Leprakranken. Diese Begegnung veranlasst ihn, das Hilfswerk "wortundtat" zu gründen. Seit Jahrzehnten fördert es humanitäre Projekte in Indien, Tansania und der Republik Moldau. Kranke werden versorgt, Kinder erhalten eine Ausbildung, um später eine Familie ernähren zu können.

Man sieht den Heiligenschein über des Deichmanns Haupt förmlich leuchten, während man diese salbungsvollen Zeilen liest - und ich könnte noch weitere Beispiele anführen, was ich aufgrund meines akuten Brechreizes aber unterlasse. Interessierte lesen die "Mär vom Heiligen Heinz-Horst" ohnehin direkt beim WDR. - Lassen wir Herrn Deichmann lieber selber zu Wort kommen. Der Autor zitiert ihn so: "Unternehmer ist für mich nur der, der immer wieder sein ganzes Besitztum in das Geschäft steckt." Nur einen Absatz später schreibt er aber: "Deichmann steht wieder einmal auf der Liste der reichsten Menschen Deutschlands." - Ja, wie denn nun? Offenbar war der Mann doch nicht ganz so selbstlos, sondern hat stets so wenig wie möglich "investiert", um den größtmöglichen Profit für sich selbst daraus zu ziehen, wie es die kapitalistische Ideologie vorgibt - und keineswegs "sein ganzes Besitztum".

Es wird aber noch kruder: "Ohne Wachstum kein gesundes Geschäft", zitiert der Autor den Heiligen und geht, wie gewohnt, nicht weiter auf das kapitalistische Paradoxon des "unendlichen Wachstums" ein. Dieser Satz wird einfach als "Pater noster" der "Marktwirtschaft" in den textlichen Kontext gerotzt, das selbstverständlich nicht zu hinterfragen, sondern lediglich zu verbreiten ist. Passend dazu wird dann auch die offizielle religiöse Büchse aufgemacht, denn der Heilige war natürlich nicht nur raffender Kapitalist ("Unternehmer"), sondern auch Christ - ein studierter zumal. Stehr dreht auf:

Den Antrieb für seine karitative Arbeit schöpft Deichmann aus dem christlichen Glauben. In seinem Elternhaus wird zu jeder Mahlzeit gebetet und täglich aus der Bibel vorgelesen. "Der Ruf Gottes trifft einen auch als Unternehmer", sagt Deichmann. Seine Mitarbeiter sollten gern für ihn arbeiten, denn "sie gehören zum Unternehmen genauso wie der Unternehmer".

An dieser Stelle habe ich mich schnaufend übergeben - diese schrille Zeichnung eines "karitativen", gar "bescheidenen" Milliardärs ist an Wahnwitz gar nicht mehr zu überbieten. Man könnte genausogut auch vom "humanistischen" Nazi oder vom fleischfressenden Veganer schwadronieren. Der "Ruf Gottes" hat für Deichmann, wie für alle Kapitalisten ähnlichen Rangs, stets nur bedeutet, möglichst viele Menschen möglichst gnadenlos auszubeuten, um für sich persönlich möglichst viel absurden Reichtum anzuhäufen. Auf andere Weise wird in diesem furchtbaren System niemand zum Milliardär, ohne zu erben.

Mein persönlicher Nachruf auf diesen Habgierigen fällt entsprechend anders aus: Deichmann war einer dieser skrupellosen Verbrecher, die Billigware in Fernost zu Dumpinglöhnen produzieren und diese trotz des vergleichsweise niedrigen Preises anderswo äußerst gewinnbringend verkaufen ließen. Die vielen, vielen Millionen Euro, die andere Menschen so für ihn erwirtschaftet haben, hat er gerne an sich genommen, und es tat ihm nicht weh, einen Portokassenanteil davon für "soziale Projekte" auch wieder auszugeben. Wenn es einen Gott gäbe, schmorte diese Figur jetzt in der Hölle - so aber dürfen sich bloß die Erben seines ergaunerten Superreichtums darüber freuen, in die perversen Fußstapfen ihres bigotten Erblassers zu treten und das perfide Ausbeutungs- und Zerstörungswerk fortzuführen, bis das kranke System wieder einmal kollabiert.

Der Herr Stehr vom WDR hat sich mit diesem Orwell'schen Stück zu höheren Weihen im "Qualitätsjournalismus" bzw. Enddarm des Kapitals qualifiziert. Herzlichen Glückwunsch. Der Heilige Heinz-Horst wird ihn sicher reich beschenken.

---

[Der Heilige Heinz-Horst]


"Tja - große Gewinne erfordern kleine Opfer!"

(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 7 vom 12.05.1920)

Montag, 13. Oktober 2014

Zitat des Tages: Flockenfall


Es hat geschneit, mein Leben zugeschneit.
Hat zugeschneit,
zur Ruh geschneit,
was gestern war, Vergangenheit,
was ich vergaß, was ich besaß,
besaß und dennoch nie besaß:
die Kindheit und der Jugend Zeit,
Hass, Liebe, das erlittne Leid ...
(Das zugefügte liegt schon weit,
so weit vielleicht, dass nie ein Schnee
es decken wird. Wer weiß das je ...)
Und weiter schneit es und begräbt,
was sich nur noch als Hügel hebt,
darunter ich begraben hab
der Wünsche viel im Massengrab:
die Hoffnung auf Gerechtigkeit,
Vernunft, auf Frieden allezeit,
ein reines Bett für jedermann ...
ist alles, alles zugeschneit,
ist zugeschneit,
zur Ruh geschneit.

So wäre dann, was jeder haben kann
zu seiner Zeit
und keiner Zeit
das reine Bett Vergessenheit ...
in dem ihm endlich Ruh gedeiht,
in dem er ruht und doch nicht ruht;
denn immer ist sein Fuß beschuht,
und immer, wie die Flocke treibt,
des Vogels Fittich Spannung bleibt,
sind wir im Fallen, sind der Fall
der Flocken hier und überall,
sind eine leichte Flocke Schnee,
die diesen Ort seit eh und je
geschlechterweis im Fall bedeckt
und die kein zweiter Frühling weckt.
Denn wo wir sind, ist dünne Luft,
und wo wir landen, ist schon Gruft.
Nicht mehr als eine Flocke breit
so schnein wir zu, was zugeschneit,
und sind bald selber zugeschneit,
sind zu
und sind zur Ruh geschneit.

(Rudolf Hagelstange [1912-1984], in: "Zwischen Stern und Staub. Gedichte", Insel 1953)


Anmerkung: Auch Hagelstange gehört zu den hunderten von AutorInnen der Nachkriegszeit, die in den vergangenen drei bis vier Jahrzehnten konsequent dem kollektiven Vergessen preisgegeben wurden - es ist ein unerhörter literarischer Schatz, der da allein in deutschsprachigen Landen in Gänze zu verloren gehen droht. Ich will hier gewiss keine wilden Verschwörungstheorien bemühen - aber die gängige "marktwirtschaftliche" Erklärung (so sie denn überhaupt auf die Literatur angewandt werden sollte oder auch nur darf - aber das ist ein anderes Thema), nach der das "Alte" eben vom "Neuen", gar "Besseren" ersetzt werde, zieht hier einmal mehr nicht: Wo sind denn all die "neuen" LyrikerInnen, ErzählerInnen, DramaturgInnen unserer heutigen Zeit, die auch nur ansatzweise eine vergleichbare kritische Qualität aufzuweisen haben?

Mich erinnert das - wenn auch etwas zeitversetzt, also "in die Länge gezogen" - an das Los so mancher ehemals sehr erfolgreicher, sogar populärer Schriftsteller aus der Zeit des expressionistischen Jahrzehnts zu Beginn des 20. Jahrhunderts, von denen so viele nur zwei, drei Dekaden später (und damit oft noch zu ihren Lebzeiten) dasselbe Los erlitten haben. Wer kennt heute beispielsweise noch einen Walter Hasenclever, der einstmals als Begründer des expressionistischen Dramas und der neuen politischen Lyrik galt und der bis ca. 1920 im deutschsprachigen Raum etwa so populär war wie es heute ein Michael Schumacher ist? Abgesehen von einigen alten literaturwissenschaftlich Interessierten wohl niemand, nehme ich an. Hasenclever, ein Freund Tucholskys, musste nach 1933 miterleben, wie auch seine Bücher verboten und verbrannt wurden und floh danach aus Deutschland. Auch er nahm sich, wie Tucholsky, kurze Zeit später im Exil das Leben.

Heute allerdings ist es nicht mehr nötig, theatralische Bücherverbrennungen von unliebsamen Werken aus der Nachkriegszeit durchzuführen - die AutorInnen sind größtenteils sowieso bereits verstorben und ihre Bücher auch ohne offensichtliche Repressionen aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden. Das ist die "marktwirtschaftliche" Version der Bücherverbrennung: Das "kennt niemand" (weil es nicht neu aufgelegt oder in Anthologien nicht berücksichtigt wird), das "will niemand" (weil es eben deshalb niemand mehr kennt), das ist also "irrelevant" (weil es nicht in den kapitalistischen Zeitgeist passt).

Auch literarisch sind wir dem Jahr 1933 bedenklich nahe.

Als ich in den 80ern ein junges Bürschlein war, habe ich mich glühend für die Lyrik des so weit entfernten expressionistischen Jahrzehnts interessiert - ob es heute wohl auch junge Menschen gibt, die ein ebenso glühendes Interesse beispielsweise an der Lyrik der Nachkriegszeit entwickeln? Ich bin damals von außen dazu angestoßen worden, das zu tun (Schule, Bücher, Umfeld) - und wie ist das heute?

Oder haben die neuen, flammenlosen Bücherverbrenner bereits gewonnen?

Freitag, 10. Oktober 2014

Die Rückkehr des "Judensterns"


Fast unbeachtet ist vor einigen Tagen eine Meldung durch die Propagandamedien gerutscht, nach der es in den Kreisen der Polithuren in Berlin momentan verschiedene "Diskussionen" gebe, die unter anderem eine "Markierung von Reisepässen" zum Inhalt haben. Konkret geht es darum, irgendwelchen angeblichen "Dschihadisten" die "Ausreise aus Deutschland" zu erschweren [sic!]. Die Propagandaredaktion der "Tagesschau" formuliert das so:

Potenziellen Terrorkämpfern soll die Ausreise aus Deutschland erschwert werden. Aber wie? Verschiedene Vorschläge kursieren, der neueste: eine Markierung im Personalausweis. Mit diesem Ausreise-Sperrvermerk könnten deutsche Extremisten sich nicht mehr so leicht Richtung Dschihad aufmachen.

Im Grunde ist es müßig, auf einen solchen "Vorschlag" überhaupt einzugehen, denn er ist nun klar erkennbar grundgesetzwidrig und daher ohnehin nur eine weitere Nebelkerze im neoliberalen Krieg des Kapitals gegen die Demokratie und den Humanismus. Dennoch verbreitet die "Tagesschau" diesen Irrsinn willfährig, und zwar - wie gewohnt - vollkommen kritikfrei. Dabei wird einmal mehr versucht, den Eindruck zu erwecken, es handele sich hier um eine "rechtsstaatlich normale" Forderung. Das Gegenteil ist indes der Fall, denn hier wird nicht nur die amtliche "Kennzeichnungspflicht" irgendeiner Bevölkerungsgruppe gefordert, was für sich genommen schon verfassungswidrig und zutiefst menschenfeindlich ist, sondern sogar die amtliche "Kennzeichnungspflicht" aller Personen, die auch nur "potenziell" (!) einer diffusen Gruppe "zugeordnet" werden. Wer da allerdings zuordnet, unter welchen Umständen, aus welchen Gründen das geschehen und inwiefern das rechtsstaatlich abgesichert vonstatten gehen soll, bleibt selbstredend unerwähnt.

Die "Tagesschau" verbreitet hier also faschistische Pläne, die über den "Judenstern" auf der Kleidung, den Aufdruck "J" im Ausweis und den erzwungenen Namenszusatz "Israel" bzw. "Sarah" für jüdische Menschen im "Dritten Reich" noch hinausgehen: Inzwischen ist nicht mehr allein "das Blut" auschlaggebend für die staatliche Diskriminierung, es reichen stattdessen bereits Mutmaßungen und "Erkenntnisse" (vermutlich von irgendwelchen obskuren, unkontrollierten Geheimdiensten), um Menschen stigmatisieren und ausgrenzen zu wollen. Ich muss stundenlang unentwegt kotzen, wenn ich versuche, darüber nachzudenken.

Der Kotzreiz verstärkt sich allerdings noch, wenn ich im Propagandatext weiter lese:

Die SPD steht dem Vorschlag aufgeschlossen gegenüber. Mit der Union habe man sich verständigt, zu prüfen, "künftig auch Personalausweise zu kennzeichnen, damit diese nicht zur Ausreise etwa über den Transitstaat Türkei verwendet werden können", sagte die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Eva Högl. / (...) Der Grünen-Innnenpolitiker Volker Beck unterstützte den Vorschlag, mehr noch: Er forderte die Bundesregierung auf, möglichst rasch eine Kennzeichnung von Personalausweisen mutmaßlicher Terrorkämpfer zu beschließen.

Was soll man dazu noch sagen. Die Einheitspartei ist sich eben, wie immer in solchen Dingen ... EINIG. Und wenn man der "Umfrage", die unter dem "Tagesschau"-Text abgerufen werden kann, Glauben schenken will, dann ist zumindest eine deutliche Mehrheit der LeserInnen dieses üblen Propagandatextes derselben furchtbaren Meinung.

"Sieg Heil!" - Mehr weiß ich dazu nicht zu sagen - vielleicht mit Ausnahme der leider aussichtslosen Forderung, "mutmaßliche Rechtsextremisten" künftig einfach zum Mond zu schießen.

Wir leben erneut in einer Zeit des völligen Irrsinns.


("Markierter" Ausweis des deutschen Staatsbürgers Josef Heinrich "Israel" Chotzen von 1939, der zudem noch den Fingerabdruck enthält, der heute ebenfalls wieder von interessierter Seite wild gefordert wird.)

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Song des Tages: To Kill The Child




(Roger Waters: "To Kill The Child", Single, 2004)

The child lay in the starlit night
Safe in the glow of his Donald Duck light
How strange to choose to end a life
How strange to choose to kill a child
Hoover, Blaupunkt, Nissan, Jeep
Nike, Addidas, Lacoste and cheaper brands
Cadillac, Amtrak, gasoline, diesel
Our standard of living - could this be a reason
That we would choose to kill the child
That we would choose to kill the child

Allah, Jehovah, Buddah, Christ
Confucius and Kali and reds, beans and rice
Goujons of sole, ris de veau, ham hocks
Lox bagels and bones and commandments in stone
The Bible, Koran, Shinto, Islam
Prosciutto, risotto, falafel and ham
Is it dogma, doughnuts, ridicule faith
Fear of the dark, or shame or disgrace
That we would choose to kill the child
That we would choose to kill the child

It's cold in the desert and the space is too big
The rope is too short and the walls are too thick
I will show you no weakness, I will mock you in song
Berate and deride you, belittle and chide you
Beat you with sticks and bulldoze your home
You can watch my triumphant procession to Rome
Best seat in the house, up there on the cross
Is it anger or envy, profit or loss
That we would choose to kill the child
That we would choose to kill the child

Take this child and hold him closely
Keep him safe from the holy reign of terror
Take this child, hold him closely
Take this child to the moral high ground
Where he can look down on the bigots and bully boys
Slugging it out in the yard



Anmerkung: Ich finde es bemerkenswert, dass ein alternder Multimillionär wie Waters, der laut "Forbes" allein im Jahr 2012 satte 88 Millionen US-Dollar allein durch seine Bühnenshows (man beachte den Preis für ein einfaches Ticket!) hinzugerafft hat, sich dennoch kritisch mit solchen Themen befasst und gar einigen Firmen munter ans Bein pinkelt. Grotesk wird das ganze aber, wenn ausgerechnet ein so reicher Mensch gleichzeitig beklagt, dass womöglich "our standard of living" ein gewichtiger Grund für das furchtbare Elend auf diesem Planeten sei.

Ich will dem Mann gewiss nicht die ehrbaren, hochmoralischen Motive absprechen - Waters hat bis heute in vielerlei Hinsicht ein durchaus prägendes, auch sozialkritisches musikalisches Werk hinterlassen, das in der Geschichte der Rockmusik völlig zu Recht einen gewiss nicht unbedeutenden Platz einnimmt. Dennoch komme ich nicht umhin, auch hier zu fragen: Was soll diese Anhäufung von Millionen und Abermillionen? Der Mann ist heute 71 Jahre alt - wofür kann er dieses viele Geld, das anderswo so dringend, dringend fehlt, wohl noch gebrauchen? Warum nimmt jemand, der bereits so grotesk reich ist, überhaupt noch Eintritt für seine Bühnenshows bzw. beschränkt diesen Preis nicht auf eine Summe, die seine eigenen Ausgaben deckt? Ich werde diese kapitalistische Gier nach mehr und immer mehr, sogar bis ins hohe Alter hinein, wohl niemals begreifen.

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Die korrupte Bande - eine Satire der "Tagesschau"


Heutzutage ist es nicht immer nötig, Seiten wie den Postillon oder die Titanic aufzurufen, wenn man auf der Suche nach bissiger Satire ist - immer öfter genügt auch ein Besuch bei den "seriösen" Kuhmedien wie beispielsweise den Propagandaseiten der "Tagesschau". Dort las ich kürzlich einen Text, der sich mit Philipp Mißfelder befasst - ihr wisst schon, dieser furchtbare, faschistoide CDU-Dorfdepp, der Senioren keine neuen Hüftgelenke mehr gönnt, der die "Bundesagentur für Arbeit" privatisieren möchte und immer wieder gerne Soldaten in den Krieg schicken will.

Nun klärt uns die "Tagesschau" im besagten Text darüber auf, dass Mißfelder womöglich "die längste Zeit Politiker gewesen" sei - und begründet dies allen Ernstes mit seiner altersbedingten Aufgabe des Vorsitzes der "Jungen Union". Das ist an sich schon irrsinnig genug, zumal der Bursche inzwischen tatsächlich auch ein physisches Alter erreicht hat, in dem er in einer "Jugendorganisation" schlichtweg nichts mehr verloren hat (geistig war er wohl niemals jünger als 60 - aber das ist sicher repräsentativ für die "JU"). Die Autorin, eine gewisse Ute Welty, haut noch ganz andere Klöpse heraus, für die Priol, Uthoff & Co. lange grübeln und sicher eine Menge bewusstseinserweiternder Hilfsmittel einnehmen müssten. Ein Beispiel:

[Mißfelder] galt immer mehr als der Nutznießer von Macht, nicht als ihr Kritiker. 2009 wurde ihm das Etikett des "Schattenmanns" angeheftet, das er bis heute nicht losgeworden ist. Das "Spiegel"-Porträt zeichnete damals das Bild eines Politikers, der sich vor allem seiner Karriere verpflichtet fühlt, der für einen Blick, ein Lob, eine SMS der Kanzlerin alles tun würde.

Nein - welch eine sensationelle Erkenntnis: Das Leitbild der korrupten, neoliberalen Hurenbande ist auch das Leitbild Mißfelders! Wer hätte denn das auch ahnen können? Und so einer war zwölf lange Jahre lang Vorsitzender einer so seriösen, über alle Zweifel erhabenen, intellektuellen Vereinigung wie der "Jungen Union"? Welch ein skandalträchtiger, skandalöser Skandal! - Aber es geht munter weiter:

Mißfelder räumt ein, dass er es nicht geschafft habe, die JU zur "bürgerlichen Avantgarde" zu machen. Zu einer "Innovationsabteilung" der Union, die die Kräfte rechts von der Mitte sammelt.

An dieser Stelle musste ich eine Lesepause einlegen, weil mein hysterisches Röcheln mich zu sehr am Atmen hinderte - einen Begriff wie "bürgerliche Avantgarde", der an sich ja schon vollkommen absurd ist, auch noch im Zusammenhang mit der Union zu bemühen, das traute sich noch nicht einmal ein Georg Schramm. Unsere Ute aber zitiert den salbadernden Philipp munter weiter und lässt auch die völlig verblödende Verknüpfung von "Innovation" und "rechts von der Mitte" nicht aus, ohne in irgendeiner Weise näher darauf einzugehen bzw. die völlige Sinnfreiheit dieser Contradictio in adiecto auch nur zu erwähnen. Wenn die Propaganda vorschreibt, dass Greise junge Burschen zu sein haben, hat die "Tagesschau" das zu berichten - und nicht zu hinterfragen. So viel Humor muss sein.

Das Beste kommt aber, wie gewohnt, zum Schluss:

Mißfelder hat inzwischen bestätigt, einem Unternehmer 2010 die Teilnahme an einer Irak-Reise des damaligen Außenministers Guido Westerwelle vermittelt zu haben. Er bestätigte auch, dass dessen Firma zeitgleich insgesamt 49.000 Euro für Mißfelders CDU-Kreisverband und die Junge Union gespendet hat. Die regierungsunabhängige Transparenzinitiative Lobbycontrol fordert Aufklärung und spricht von gravierenden Vorwürfen. Es dürfe nicht sein, dass ein Spitzenpolitiker seine Position und seine politischen Kontakte zu Geld mache.

Hier versagen meine Worte und meine Fassung. Fast die gesamte korrupte Bande tut seit Jahrzehnten nichts anderes, was vielfach dokumentiert ist (der verlinkte Überblick bei lobbypedia ist leider noch immer fragmentarisch), aber die "Tagesschau" behandelt auch dies hartnäckig wie einen "bedauerlichen Einzelfall". Das übersteigt den Bereich der Satire und erklimmt mit wehenden Fahnen den Gipfel der Groteske.

Vermutlich geht es hier ohnehin bloß um unionsinterne Machtrangeleien verschiedener macht- und geldgeiler "Alphatiere", die unter anderem auch mit der Hilfe solcher Propagandastücke in den Medien ausgetragen werden. Für die Bevölkerung dieses Landes ist es aber völlig bedeutungslos, welche Triefnasen da gerade das Sagen haben und welchen Figuren an den lukrativen Stuhlbeinen gesägt wird - das Ergebnis wird immer dasselbe sein, nämlich eine perverse Politik gegen die Bevölkerung und für die Superreichen, frei nach dem kapitalistischen Motto:

"Ob Merkel, ob Mißfelder, Lucke, Trittin,
ob Gabriel, Schäuble, gar Özdemir ("Ih!") -
sie tun stets dasselbe, sie tun es sehr barsch:
Für Geld treten sie uns gepflegt in den Arsch."

---



"Wie fleißig du warst, mein guter Junge! Kaum zwei Monate Abgeordneter und schon ein Automobil!"

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 49 vom 02.03.1925)

Dienstag, 7. Oktober 2014

Zitat des Tages: Kein Ort. Nirgends


Sie kennt die Stelle unter der Brust, wo sie den Dolch ansetzen muss, ein Chirurg, den sie scherzhaft fragte, hat sie ihr mit einem Druck seines Fingers bezeichnet. Seitdem, wenn sie sich sammelt, spürt sie den Druck und ist augenblicklich ruhig. Es wird leicht sein und sicher, sie muss nur achten, dass sie die Waffe immer bei sich hat. Was man lange und oft genug denkt, verliert allen Schrecken. Gedanken nutzen sich ab wie Münzen, die von Hand zu Hand gehn, oder wie Vorstellungen, die man sich immer wieder vors innere Auge ruft. An jedem Ort kann sie, ohne zu zucken, ihren Leichnam liegen sehn, auch da unten am Fluss, auf der Landzunge unter den Weiden, auf denen ihr Blick ruht.

(...)

Wenn die Menschen gewisse Exemplare ihrer eigenen Gattung aus Bosheit oder aus Unverstand, aus Gleichgültigkeit oder aus Angst vernichten müssen, dann fällt uns, bestimmt, vernichtet zu werden, eine unglaubliche Freiheit zu. Die Freiheit, die Menschen zu lieben und uns selbst nicht zu hassen. / Begreifen, dass wir ein Entwurf sind - vielleicht, um verworfen, vielleicht, um wieder aufgegriffen zu werden, darauf haben wir keinen Einfluss. Das zu belachen, ist menschenwürdig. Gezeichnet zeichnend. Auf ein Werk verwiesen, das offen bleibt, offen wie eine Wunde.

(aus der Erzählung "Kein Ort. Nirgends" von Christa Wolf [1929-2011], Luchterhand 1979)


Montag, 6. Oktober 2014

Lesetipp des Tages: "Sparen mit dem Existenzminimum"


Der Kollege vom Frei-Blog hat am Wochenende, an dem ich mich auf meiner allzu kurzen virtuellen Urlaubs- und Erholungsreise vom neoliberalen, deutschtümelnden "Einheits"-Brei-Beschiss befand, einen kleinen, dafür aber umso aussagekräftigeren Text über seine eigene furchtbare Situation im menschenfeindlichen, grundgesetzwidrigen, rot-grün-schwarz-gelben Hartz-Terror verfasst, dem ich eine weite Verbreitung wünsche. Ein kleiner Auszug daraus:

Ich lebe von der Hand in den Mund, von Tag zu Tag, und am Ende eines Monats opfere ich meine drei angesparten Euros, um noch zwei Tage durchzuhalten. / Und dies schon seit Jahren, immer auf der Hut, nicht weiter brutal in die Gosse gekickt zu werden. Ich sollte mich gemütlich in der Armut einrichten, mein Almosen nicht verjubeln und dankbar dafür sein, dass ich noch geduldet bin.

In der Tat, die Betonung liegt hier auf dem "noch" - denn es ist absehbar, in welche braunen Abgründe die politisch forcierte Richtung geht und welche Konsequenzen sich in Zukunft daraus ergeben müssen, wenn das Ruder nicht doch noch herumgerissen wird. Dass bereits die gesamte vorangestellte Beschreibung - auch ohne dieses "noch" - bereits eine gesetzlich und politisch legitimierte, propagandistisch wohlwollend begleitete Kurssetzung in den faschistischen Sumpf darstellt, der von der großen Mehrheit der Menschen in diesem Land (und weit darüber hinaus) irrsinniger Weise gar nicht als solcher wahrgenommen wird, fällt da fast schon nicht mehr ins Gewicht.

Wenn heute nach wie vor immer wieder irgendwelche Huren und Callboys aus den Reihen der Propagandamedien und der Politik wie von Sinnen in die Welt tröten, das "Sozialsystem" in Deutschland sei eine "Hängematte", in der sich ein "wunderbares, von materiellen Sorgen freies Leben" führen ließe, dann muss man diesen (meist sehr üppig absahnenden) Figuren längst bösen Willen unterstellen, denn so dumm kann noch nicht einmal irgendein Hanswurst von der CSU oder irgendeine Schreckschraube von der BLÖD-"Zeitung" sein, dass er/sie nicht genau um die Absurdität einer solchen Behauptung wüsste. Die dahinter stehenden Absichten sind ja klar erkennbar - erst gestern hat beispielsweise Stefan Gärtner in seiner Titanic-Kolumne einen erhellenden, bissigen Text dazu veröffentlicht, der sich mit den furchtbaren Zuständen in privatisierten [sic!] "Asylunterkünften" in Deutschland und der schauderhaften Reaktion der FAZ darauf beschäftigt.

Das "Sozialsystem" in diesem Land ist von Rot-Grün mit tatkräftiger Unterstützung und Zementierung von Schwarz-Gelb von einer einstmals vielleicht wackeligen, längst nicht perfekten, immerhin aber halbwegs erträglichen Bruchbude zu einer schwelenden Geisterruine deformiert worden, für welche die Bezeichnung "Sozialsystem" nicht einmal mehr satirisch überhöht zulässig ist. Diese Bande hat ein staatliches Schikanierungs-, Unterdrückungs und Disziplinierungssystem der Willkür daraus gemacht, das permanent Angst, Unsicherheit, Zwangsverarmung und Zwangsarbeit verbreitet - eine "eiserne Hängematte" voller vergifteter Dolche über einem bodenlosen Abgrund, sozusagen.

Währenddessen schwillt der perverse Reichtum weltweit - natürlich auch in Deutschland - permanent an. Niemals zuvor gab es so viel Reichtum wie heute - das erzählen uns jedenfalls die Propagandamedien in schöner orwellscher Kontinuität immer wieder. Es wird dabei nur stets der "unwichtige" Hinweis "vergessen", dass dies nur eine kleine Mini-Clique betrifft, während die große Mehrheit der Menschen logischer Weise immer ärmer wird - solche Details sind aber auch nebensächlich, wenn es um den überbordenden Reichtum "unseres Landes" geht.

Und so wird die schwelende Geisterruine des ehemaligen "Sozialstaates" auch weiterhin abgebaut, bis irgendwann nicht einmal mehr Fragmente davon übrig sind - denn irgendwoher muss der überbordende, stets wachsende Superreichtum der "Elite" ja kommen. Und woher soll die Bande ihn denn nehmen, wenn in Afrika und Asien und selbst in exotischsten Regionen dieses Planeten nicht mehr genug zu holen ist? Richtig: Zuerst sind "Asylanten" und Arbeitslose, gerne auch Kranke, Behinderte und Rentner im eigenen Land an der Reihe ... aber wer glaubt, dass die Habgier der Perversen dann plötzlich aussetzen und nicht auch den Rest der Bevölkerung ins Visier nehmen wird, der muss mindestens ebenso doof sein wie "Herr Karl" oder der Rest der in der kapitalistischen Propaganda gefangenen, völlig desinformierten Bevölkerung.

Wenn Volker im verlinkten Text schreibt: "Wissen Sie, [wovor] ich Angst habe, wenn ich an eine Zukunft denke, die ich möglicherweise noch erleben werde?" - dann habe ich für mich die Antwort zum Glück schon parat. Wer sie wissen möchte, sollte Christa Wolfs grandioses Werk "Kein Ort. Nirgends" aufmerksam lesen. Ich werde den Terror des Kapitalismus gewiss nicht bis zur letzten Konsequenz ertragen, soviel ist sicher. Meine letzten Kräfte hebe ich mir auf für den letzten Akt, der tatsächlich nur mich allein betrifft.

---

Lebenszweck


"Mensch Aujust, bloß nich' schlapp machen! - Det Vaterland braucht dich noch for de Arbeetslosen-Statistik!"

(Zeichnung von Marcel Frischmann [1900-1952], in "Simplicissimus", Heft 45 vom 08.02.1932)

Freitag, 3. Oktober 2014

Song des Tages: "The Game is over"


(Marillion: "Script For A Jester's Tear", aus aus dem gleichnamigen Album, 1983)


(Studioversion von 1983)


(Liveversion von 1983, mit Originalsänger Fish)


(Liveversion von 2013, ohne Originalsänger Fish)

So here I am once more in the playground of the broken hearts
One more experience, one more entry in a diary, self-penned
Yet another emotional suicide overdosed on sentiment and pride

Too late to say I love you, too late to re-stage the play
Abandoning the relics in my playground of yesterday

I'm losing on the swings, I'm losing on the roundabouts
I'm losing on the swings, I'm losing on the roundabouts
Too much too soon, too far to go, too late to play - the game is over
The game is over

So here I am once more in the playground of the broken hearts
I'm losing on the swings, losing on the roundabouts, the game is over!

Yet another emotional suicide overdosed on sentiment and pride
I'm losing on the swings, I'm losing on the roundabouts
The game is over

Too late to say I love you, too late to re-stage the play
The game is over

I act the role in classic style of a martyr carved with twisted smile
To bleed the lyric for this song to write the rites to right my wrongs
An epitaph to a broken dream to exercise this silent scream
A scream that's born from sorrow

I never did write that love song, the words just never seemed to flow
Now sad in reflection did I gaze through perfection
And examine the shadows on the other side of the morning
And examine the shadows on the other side of mourning
Promised wedding now awake

The fool escaped from paradise will look over his shoulder and cry
Sit and chew on daffodils and struggle to answer why?
As you grow up and leave the playground
Where you kissed your prince and found your frog
Remember the jester that showed you tears, the script for tears

So I'll hold our peace forever when you wear your bridal gown
In the silence of my shame the mute that sang the sirens' song
Has gone solo in the game, I've gone solo in the game
But the game is over.

Can you still say you love me?



Anmerkung: Mehr muss man zum "Tag der Einheit" nicht sagen. Gedanken an längst vergangene Liebschaften sind mehr als genug der Ehre.

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Zitat des Tages: Vogelwolke


Ein Abend,
starrend von Staren ...
und wärs auch
Wortspiel, es schafft sich
Wahrheit,
so schwarzes Gezwitscher,
ein unerhörtes Labyrinth.

Das muss
der Herbst sein. Er
runzelt die Braue:
Die Vogelwolke
steigt auf aus
besudelten Wipfeln

und nimmt nach
Norden
unverständliche Richtung.

(Ernst Meister [1911-1979], in: "Die Formel und die Stätte. Gedichte", 1960)



Anmerkung: Und wir wundern uns ernsthaft, dass es immer kälter wird ...