Montag, 3. August 2015

Zitat des Tages: Heute noch


Heute kann ich dich ruhig
Schlafen gehen lassen,
Während ich mit einigen Männern
Noch eine Weile in der Straße
Den Mond betrachte.
Langsam wird er sich
Vor unseren Augen verändern,
Da der Zyklus sich nähert.

Wenn es mir gelänge,
Die Hunde zu überhören,
Die sich in der Ferne
Um die ersten Toten zanken!
Ihr Gebell hat schon das heisere Metall,
Das auch in unseren Stimmen sein wird,
Morgen,
Wenn die verbrannten Gesichter
Aus den Fenstern hängen
Und die blauen Silben des Wassers
Zu roten Buchstaben zerfallen.

(Karl Krolow [1915-1999], in: "Gesammelte Gedichte, Bd. 1", Suhrkamp 1965; geschrieben und vermutlich erstveröffentlicht 1956)

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Anmerkung: Über den Dichter Krolow habe ich vor neun Monaten bereits einige Zeilen geschrieben, die ich hier zur Vermeidung von Wiederholungen einfach verlinke. - Dieses Gedicht jedenfalls beschreibt nach meiner Wahrnehmung sehr eindringlich das Lebensgefühl einer nicht so lang vergangenen Zeit der vehementen Warnungen, über die wir heute aber schon längst weit hinaus sind: Wie immer sind alle Warnungen ungehört und wirkungslos verhallt und der stetig wiederkehrende, zyklische Wahnsinn der kapitalistischen Habgier hat den Bereich des Erahnten/Befürchteten längst verlassen und ist erneut in die Todeszone des schauderhaften Faktischen eingetreten.

In einem der vielen, vielen Nachrufe zum Tode Krolows im Jahr 1999 hieß es beispielsweise im Freitag: "Mit Krolow ist ein Dichter jener großen deutschen Literatur gestorben, der zweifellos zum gesicherten Bestand dieses Jahrhunderts zählen wird. Und wie jetzt eine mit Tinte beschriebene Serviette am leeren Platz seines Esstisches liegt, so auch bleiben die Bücher." - Wir erleben heute allerdings - in allzu trister Wiederholung - das Gegenteil und dürfen einmal mehr der Farce beiwohnen, dass für den kapitalistischen "Zeitgeist" bzw. deren UrheberInnen auch heute wieder läppische 16 Jahre ausreichen, um aus einem "gesicherten Bestand" eine vollkommen vergessene, redundante Randnotiz der jungen Geschichte zu machen, die fast niemand mehr kennt.

Nichts in dieser verkommenen Welt des billigen Scheins ist so "effizient" wie das kapitalistisch motivierte bzw. bewusst forcierte Vergessen.

Donnerstag, 30. Juli 2015

Rassismus: Semantik-Nachhilfe für den "Spiegelfechter"


Ein Gastbeitrag von Altautonomer

Jörg Wellbrock goes Lapuente. Er meint, mit populistischer Kritik am rassistischen Pöbel und seiner militanten Fraktion antifaschistischen Eindruck bei seinen Lesern machen zu können. Dabei übersieht er, dass seine eigenen Begrifflichkeiten genauso in die Kategorie der verharmlosenden Sprache gehören.

Wellbrock verharmlost in diesem Text die rechten Brandstifter und Schläger wie ein "Rechtsstaatpatriot" und verortet sie lediglich in der strafrechtlichen Kategorie der "Verbrecher" und "Kriminellen". Die nationalistische, völkische und volksverhetzende Komponente der Motive stellt er dabei gar nicht heraus. Es wäre in einem derartigen Text eine gute Gelegenheit gewesen, den gesellschaftlich-rassistischen Konsens hinter derartigen Gewalttaten explizit herauszuarbeiten.

Unbedarfte LeserInnen könnten angesichts dieses Textes nämlich den Eindruck gewinnen, dass diese militanten Rechten tatsächlich für eine Mehrheit agierten und dass das, was numerisch als Minderheit in Erscheinung tritt, in gesellschaftlichem Sinne eine Mehrheit hinter sich habe - so etwas wie eine "kulturelle Hegemonie", was die Straße, den öffentlichen Raum, den Diskurs, die Zuspitzungen und die klammheimliche Freude anbelangt. Und das alles auch noch mit der Gewissheit, beim Erwischtwerden ja doch bloß mit einer resozialisierenden Bewährungsstrafe davonzukommen, weil ja auch nach 1945 die Großväter schon für ihre Massenmorde mit einem Verwarnungsgeld hart bestraft wurden.

Im ersten Absatz erwähnt Wellbrock in einem begrifflichen Eintopf unter anderem den euphemistischen Begriff für Rassisten: "Ausländerfeinde", der zur Vermeidung des Substantivs "Rassist" besonders gern von der politischen Elite benutzt wird. Damit soll ausgedrückt werden, dass es gegenüber den fremden Ethnien doch nur an mehr "Freundlichkeit" fehle. Diese "Feindlichkeit" (Unfreundlichkeit) gegenüber (inländischen) Ausländern bedürfe demnach doch nur einer Überleitung in eine "Willkommenskultur". Der Begriff "Ausländerfeindlichkeit" suggeriert verharmlosend so etwas wie "schlechtes Benehmen".

Im vorletzten Absatz bestätigt Wellbrock seinen semantischen Fauxpas noch einmal mit dem Satz: "Und ein menschenverachtender Ausländerfeind wird nicht sympathischer, wenn man ihm einen neuen Namen gibt." - Ich ergänze: Und ein Rassist wird nicht durch problemflankierende Sprachregelungsanästhesie verdelt, indem man ihn zum "Ausländer-" oder "Fremdenfeind" befördert.

Die Akteure der rassistisch motivierten Gewaltexzesse in Dresden und anderswo sind dieselben Gesinnungstypen, die auch in den letzten Jahren über 170 Morde an "undeutschen" Deutschen und "Nichtdeutschen" begangen und all diejenigen deutschen Staatsbürger drangsaliert haben, die nicht in ihr irrsinniges Menschenbild von der "arischen" Herrenrasse passten, wie beispielsweise auch Behinderte, Punks, Obdachlose usw. Meines Wissens hat der NSU auch keine Ausländer ermordet.

Deshalb gebe ich Herrn Wellbrock seinen Schluss-Satz mit der Bitte, ihn noch einmal gründlich zu durchdenken, zurück: "Wir sollten uns Sorgen machen, ja. Um eine verschleiernde Sprache, die die Dinge nicht mehr beim Namen nennt."

Im Kommentarbereich beim Spiegelfechter finden sich dann auch die in den Mainstreammedien üblichen Hasskommentare bis hin zur "Viktimisierung" der zündelnden Schreiberlinge und Brandstifter. Angesichts der üblichen Beleidigungen wie "Spinner", "Linksfaschist" und "Gutmensch" bleiben die antifaschistischen Argumente nicht nur in der Minderzahl, sondern werden auch von der Seite der "Gutmenschen" so gut wie gar nicht erwähnt. In einigen Kommentaren sind es sogar wieder einmal die Flüchtlinge selbst, die allein durch ihre Anwesenheit die "berechtigten Ängste" erzeugen und damit den Täterstatus erhalten. Ein gewisser "Andreas" bringt das - sprachlich verpackt mit der Standardbemerkung "ich bin kein Nazi" - auf den BLÖD-"Zeitungs"-Niveauhöhepunkt: "Am späten Abend ziehen abgerissene Gestalten in Gangs [???] durch die Straßen und sammeln sich nachts, oft lautstark diskutierend, an einer Bushaltestelle." Ein anderer bezeichnet die Ärmsten zwar nicht als "Gangs", meint aber, dass "die Horden von Wirtschaftsflüchtlingen" von ihm als "Steuerzahler durchgefüttert" werden müssten. Die Krönung des Ganzen ist dann dieser Satz desselben Typen, den ich nur als Satire verstanden wissen will: "Bei uns in Hinter-Tupferheimstetten war es genauso: Am Anfang saßen sie nur an der Bushaltestelle und unterhielten sich laut. Da reichte es noch, das Fenster zu schließen. Später hörte man regelmäßig die Schreie von Frauen die vergewaltigt wurden."

Der Stammkommentator GrooveX bringt es letztlich auf den Punkt: "der müll hier wird langsam unerträglich. seit wann kann der spiegelfechter sich leisten, zur ausweichstelle für pi-anhänger zu dienen?" - Mit vermeintlicher Dokumentationspflicht hat dies nichts zu tun. In den 90er Jahren landeten Leserbriefe mit rassistischen Inhalten bei den Printmedien wie selbstverständlich im Papierkorb.



(Antisemitische, zum Erbrechen lächerliche Nazi-Hetzschrift eines gewissen Wilhelm Matthießen aus dem Jahr 1938, ganz im Stile des heutigen "KOPP-Verlages" und ähnlicher Bekloppter)

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Anmerkung des Kapitäns: Als ich den oben verlinkten Beitrag des Spiegelfechters und insbesondere die Kommentare dazu gelesen hatte, habe ich endlich beschlossen, mein Restgehirn zu trocknen, zu zerbröseln und nach und nach in schönen, dicken Tüten zu rauchen. Es ist aus meiner Sicht gar nicht zu fassen, mit welcher Unverfrorenheit und offensichtlichen Dummheit nicht nur die üblichen Rassisten, von denen man ja nichts anderes erwartet, sondern auch die vermeintlichen Verfechter des Humanismus' dort an dieses Thema herangehen. In Sachen Dämlichkeit tun sich beide Seiten (von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen) hier nicht viel - dieser Beitrag Wellbrocks inklusive der Kommentare ist ein beredtes Beispiel für die vollendete Verblödung der Menschheit.

Ich danke dem Altautonomen sehr, dass er sich die Mühe gemacht hat, sich in diesem stinkenden Sumpf umzusehen und etwas dazu zu schreiben. Ich selber hätte hier wohl nur bösartige Beschimpfungen und sabbernde Halbsätze der Fassungslosigkeit zustande gebracht.

Song des Tages: Victims Of Contingency




(Epica: "Victims Of Contingency", aus dem Album "The Quantum Enigma", 2014)

Your words are meaningless, as pain fills the void
Hollow words won't hurt no longer
You will regret every life you've destroyed
Blaming the whole world will never make you stronger

Be prepared for the righteous self

If you blame all your failures on someone else
Without any remorse
Without your remorse
If you don't face the weakness of your own self
You will take the same course
You'll take the same course

Your deeds are reasonless, you adore yourself
Empty deeds impress no longer
You will regret everyone you've envied
Blaming it on life will never make you stronger

Be prepared for the confrontation

If you blame all your failures on someone else
Without any remorse
Without your remorse
If you don't face the weakness of your own self
You will take the same course
You'll take the same course

If you blame all your failures on someone else
You avoid every chance
You've lost your last chance
To learn from yourself

If you blame all your failures on someone else
Without any remorse
Without your remorse
If you don't face the weakness of your own self
You will take the same course
You'll take the same course

We can't blame all our failures on someone else
For our own protection
So much to protect
We can't learn from decisions in our own lives
Without self-reflection
We will never flee from contingency

We will never flee from contingency



Anmerkung: Das superreiche Gaunergesindel versteht solche Texte einfach nicht ... davon konnten schon Erich Kästner ("Ansprache an Millionäre", 1932) und Joachim Ringelnatz ("Rachegelüst", 1927) ein frustriertes Liedchen singen. Die perverse Zeitschleife des Irrsinns dreht nunmehr unbehelligt ihre nächste Runde.

Dienstag, 28. Juli 2015

Marktkonforme Menschenfeindlichkeit: "Wir verarmen sie alle!"


Der Kollege vom Blog "Dudentity" hat kürzlich einen entwaffnenden Text ins Netz gestellt, den ich hier sehr gern unterstützen möchte. Er beschreibt dort in klaren Worten, wie er in das menschenverachtende Hartz-Terror-System gerutscht ist, das von "Sozialdemokraten" und "Grünen" in wunderbarer Eintracht mit den üblichen Menschenfeinden von der CDU/CSU und FDP ersonnen und in die Tat umgesetzt worden ist.

Die politischen "Architekten" bzw. Exekutoren dieses staatlichen Zwangsverarmungsterrors sind heute größtenteils Millionäre und befassen sich längst nicht mehr mit den Belangen der verarmten Bevölkerung, sondern leben in fürstlichen Villen, beziehen horrende, meist leistungslose Vergütungen und genießen das süße Luxusleben, das die "Elite" ihren kleinen SteigbügelhalterInnen und devoten DienerInnen in der Regel angedeihen lässt.

Am Rande sei noch darauf hingewiesen, dass dieses neoliberale, asoziale Konzept zuerst in den USA erprobt und erst danach von Widerlingen wie Roland Koch (natürlich CDU) nach Europa importiert und später von Arschlöchern wie Schröder und Fischer umgesetzt wurde. Selbstverständlich ist auch Herr Koch - trotz seiner vielfältigen Pleiten nach seiner politischen Karriere - heute Millionär. Ich möchte lieber gar nicht wissen, welche königlichen Bezüge allein diese schmierige Figur aus der Staatskasse für seine vergangenen Minister- und Ministerpräsidentenposten monatlich erhält - natürlich zuzüglich seiner momentanen Einkünfte in der freien Wirtschaft kapitalistischen Mafia. Über den ergaunerten Reichtum der Schröders und Fischers, die an diesem ekelhaften Coup beteiligt waren, rede ich lieber erst gar nicht.

Für das individuelle Opfer des staatlichen Hartz-Terrors spielt das aber ohnehin keine Rolle, denn dieses ist - wie in Deutschland seit vielen, vielen Jahrzehnten üblich - nicht nur mit korrupten, widerwärtigen PoltikerInnen, sondern auch mit willigen, widerstandslos ablaufenden Zahnrädern in der Bürokratie konfrontiert. Da wird das angebliche "Existenzminimum", das freilich keines ist, von den staatlichen Schergen wollüstig gekürzt, dass die Schwarte kracht; und wie im kaptalistischen System üblich (um nicht zu schreiben: "zwingend erforderlich") wird auch hier behördlicherseits regelmäßig und bewusst gelogen, betrogen und gefälscht. In dieser Hinsicht unterscheiden sich korrupte PolitikerInnen und die auf ihren Job angewiesenen BehördenmitarbeiterInnen (die heute dank des neoliberalen Terrors nur noch selten "Beamte" und damit nicht mehr unkündbar sind) nicht.

Und sie machen immer weiter: Zwangsarbeit, Reiseverbot, Gettoisierung, Verhinderung der freien Berufswahl, Zwangsverarmung bis aufs letzte Hemd und so vieles mehr haben sie bereits umgesetzt - der nächste logische Schritt wäre nun die Vernichtung. Aus kapitalistischer Sicht ist es bloß doof, dass das Grundgesetz und gewisse historische Elemente sie daran noch hindern - aber da dieses dumme Gesetz all das Vorgenannte sowie die Abweisung von Asylsuchenden, Kriegshandlungen und so vieles mehr ebenfalls verbietet, während die korrupte Bande es mit juristischer Legitimation dennoch fleißig tut, ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis auch die Vernichtungsfrage "grundgesetzlich" bzw. im Sinne des Kapitals - also marktkonform und juristisch abgesegnet - geklärt ist.

Die austauschbaren Herren und Damen Koch, Schröder, Fischer, Gabriel, Merkel und wie sie auch alle heißen mögen, köpfen derweil eine Champagnerpulle nach der anderen und lassen es sich gut gehen, während die nach eigener Wahrnehmung nicht austauschbare "Elite" der Superreichen wie immer unsichtbar bleibt. Und der Kranke, Alte, Behinderte, Arbeitslose, Flüchtling ... guckt wie immer dumm in die Röhre - und hofft inständig, dass dies doch noch nicht die braune Glut des Krematoriums sei.

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Pfändung für den Verleih



(Gemälde von David Wilkie [1785-1841] aus dem Jahr 1815, Öl auf Leinwand, National Gallery of Scotland)

Montag, 27. Juli 2015

Zitat des Tages: Herbstgefühl


Der große, abendrote Sonnenball
rutscht in den Sumpf, des Stromes schwarze Eiter,
den Nebel leckt. Schon fließt die Schwäre breiter,
und trübe Wasser schwimmen in das Tal.

Ins finstre Laub der Eichen sinken Vögel,
Aasvögel mit den Scharlachflügeldecken,
die ihre Fänge durch die Kronen strecken,
und Schreien, Geierpfiff, fällt von der Höhe.

Ach, alle Wolken brocken Dämmerung!
Man kann den Schrei des kranken Sees hören
unter der Vögel Schlag und gelbem Sprung

wie Schuss, wie Hussa in den schwarzen Föhren
ist alle Farbe! Von dem Fiebertrunk
glänzen die Augen, die dem Tod gehören.

(Paul Boldt [1885-1921], in: "Die Aktion", Nr. 34 vom 21.08.1912)

Anmerkung: In einem Nachruf auf den so früh verstorbenen Dichter, der schon zu Leb- und Leidenszeiten verstummte und im Vergessen versank, hieß es 2014 [sic!]: "Heute lebt niemand mehr, der Paul Boldt beschreiben könnte. Kein Bildnis hat sich erhalten, kaum Handschriftliches. / Das Überlieferte ist überschaubar, schnell gelesen: 85 Gedichte, zwei Prosa-Miniaturen, sechs Postkarten aus dem Jahre 1913. Das Wenige aber ist von elementarer Kraft, explosiv. / Vor hundert Jahren erschien der einzige Lyrikband des am Silvestertag 1885 geborenen Paul Boldt. 'Junge Pferde! Junge Pferde!' wurde von Kurt Wolff als elfter Band in der Reihe 'Der jüngste Tag' herausgegeben und machte den Verfasser schlagartig bekannt." - Das Sonett ist ein beredtes Beispiel für das "Lebensgefühl" in einer untergehenden Zeit der kapitalistischen Habgier, die als "Krisenlösung" bekanntlich einzig den bis dahin furchtbarsten Weltkrieg zur Folge hatte.

Heute treffen Boldts bittere Worte erneut das Herz der ausgeplünderten Menschheit auf der doch so "reichen" Insel des "zivilisierten Westens" [lol!]. Die ersten Stellvertreterkriege sind längst im Gange, und der nächste Weltkrieg steht unweigerlich vor der Tür, wenn dem widerwärtigen Treiben der kapitalistischen Bande nicht endlich, endlich Einhalt geboten wird.

Heute gibt es keine Zeitschrift wie "Die Aktion" und keine Verlage wie den Kurt-Wolff-Verlag mehr, die derartige "zeitgeistliche" Texte publizieren und damit viele Menschen erreichen könnten - wir sind stattdessen umfassend eingelullt von der allgegenwärtigen Propaganda und kontinuierlichen Ablenkung und "Unterhaltung" der kapitalistischen Medienindustrie. Die Lage ist somit noch viel aussichtsloser als sie es 1912 gewesen ist. Es bedarf wahrlich keiner großen intellektuellen Kompetenz, sich die drohenden Folgen in der heutigen Blütezeit der Massenvernichtungswaffen und totalen Überwachung auch nur rudimentär auszumalen.

Boldt schrieb an anderer Stelle (in dem Gedicht "Der Dichter", 1914):

Sein Mund geht lüstern auf. Er lächelt wild.
Hinter die Zähne bergend seinen Schrei.

Es ist kein großes Mysterium, dass es dennoch weiterhin erschreckend ruhig bleibt im perversen Lande Kapitalistan.


Samstag, 25. Juli 2015

Rockoper des Tages: Into The Electric Castle




(Ayreon: "Into The Electric Castle. A Space Opera", 1998)

Anmerkung: An diesem frühen Werk des Niederländers Arjen Anthony Lucassen haben neben vielen anderen auch die SängerInnen und MusikerInnen Fish (Ex-Marillion), Sharon den Adel (Within Temptation), Clive Nolan (Pendragon, Arena) und Ton Scherpenzeel (Ex-Camel) mitgewirkt. Entsprechend vielschichtig und abwechslungsreich ist die Musik, die vor lauter Zitaten aus den vergangenen Dekaden der progressiven Rockmusik nur so strotzt und in einer brillanten Perfektion produziert worden ist, die nicht nur in der "Independent"-Szene ihresgleichen sucht.

Ich empfehle, sich für diese 105 Minuten außergewöhnliche Musik viel Muße zu gönnen und sie nicht "nebenher" anzuhören, denn auch die erzählte Geschichte ist es trotz der zuweilen wenig innovativen Themen durchaus wert, beachtet zu werden. Für mich ist dieses wunderbare Konzeptalbum immer wieder eine nostalgische Reise durch die progressive Musik der späteren 70er und frühen 80er Jahre, als solche Musik noch kein "Nischenprodukt" einer durch und durch kommerzialisierten Weltperversion war, sondern auch abseits aller "Charts" selbst große Hallen füllen konnte.

Ganz nebenbei spricht es auch für sich selbst, dass der Urheber Lucassen diese Musik wie selbstverständlich für das Filmprojekt eines Fans, das ich oben verlinkt habe, freigegeben hat. So etwas käme in der kommerziellen Musikindustrie (allein dieser Begriff ist schon so pervers, dass es richtig weh tut, ihn zu schreiben) erst dann vor, wenn die Hölle zufriert und gleichzeitig der Nikolaus vom Himmel fällt.

Viel Vergnügen auf dieser großartigen Achterbahnfahrt durch ganze Jahrzehnte und entsprechend viele Stile der Rockmusikgeschichte: "Demons dance in the castle hall!" :-)


Donnerstag, 23. Juli 2015

Lügen mit Zahlen: Kapitalistische Propaganda und die Folgen


Ich habe mich in der Vergangenheit ja schon oft über die Propagandameldungen in der Systempresse lustig gemacht, die uns in regelmäßigen Abständen immer wieder das infantile Märchen vom Rotkäppchen überwältigenden, stetig zunehmenden Reichtum und Wohlbefinden "der Deutschen" verkündet. Gerade durfte ich bei n-tv die nächste Runde dieses wiederkehrenden, offensichtlich zu einem propagandistischen, heiligen Ritual der kapitalistischen Sekte gehörenden Sermons lesen:

Sparschweine sind prall gefüllt / Deutsche sind so reich wie nie / Dank Rekordbeschäftigung und steigender Einkommen legen Deutsche immer mehr Geld auf die hohe Kante. (...) / Die Geldvermögen der Menschen in Deutschland sind zu Jahresbeginn rasant auf ein neues Rekordniveau gestiegen. "Im ersten Quartal 2015 hat das Geldvermögen der privaten Haushalte gegenüber dem Vorquartal außergewöhnlich kräftig um knapp 140 Milliarden Euro oder 2,8 Prozent zugenommen und ist damit auf 5212 Milliarden Euro gestiegen", teilte die Deutsche Bundesbank mit. / Allein durch Transaktionen stieg das Vermögen in Form von Bargeld, Wertpapieren, Bankeinlagen oder Ansprüchen gegenüber Versicherungen um knapp 53 Milliarden Euro. Dank des robusten Arbeitsmarkts und steigender Einkommen legten viele Menschen mehr auf die hohe Kante. Zudem bescherten Gewinne bei Investmentfondsanteilen und Aktien den privaten Haushalten im Vergleich zum Vorquartal Bewertungsgewinne von gut 87 Milliarden Euro.

Um die ewigen Wiederholungen, die in den Qualitätsmedien offenbar zum guten Ton gehören, zu vermeiden, verlinke ich hier einfach mal auf meine letzten beiden Einträge zum Thema, die ich auf die Schnelle gefunden habe, nämlich aus dem Oktober und dem September 2014. Verändert hat sich seitdem - wie zu erwarten war - nichts.

Sie hören einfach nicht auf und tröten ihre statistischen Lügen unentwegt weiter ins Land - und ich frage mich zunehmend, wie der durchschnittlich benebelte Narkosepatient in diesem Land, der ja in der großen Mehrheit durchaus bemerkt, dass sein Wohlstand bzw. "Reichtum" bestenfalls stagniert oder sich schon längst im kontinuierlichen Schrumpfungsprozess befindet, solchen Blödsinn lesen kann, ohne zu erkennen, dass er von vorne bis hinten verarscht und ausgenommen wird. Dummheit allein, wie sie beispielsweise bei den Hirnamputierten zu finden ist, die für ihren schwindenen Wohlstand wieder einmal ausgerechnet Flüchtlinge verantwortlich machen, kann diesen Irrsinn als alleiniges Argument nicht erklären - zumal sich auch unter den FremdenhasserInnen teilweise durchaus "intelligente" - also theoretisch denkfähige - Personen befinden.

Ich persönlich vermute ja, dass Erich Fromm nicht so ganz falsch lag, als er 1976 in seinem Buch "Haben oder Sein" feststellte:

Die in der Werbung und der politischen Propaganda angewandten hypnoseähnlichen Methoden stellen eine ernste Gefahr für die geistige und psychische Gesundheit, speziell für das klare und kritische Denkvermögen und die emotionale Unabhängigkeit dar. Ich bezweifle nicht, dass durch gründliche Untersuchungen nachzuweisen wäre, dass der durch Drogenabhängigkeit verursachte Schaden nur einen Bruchteil der Verheerungen ausmacht, die durch unsere Suggestivmethoden angerichtet werden, von unterschwelliger Beeinflussung bis zu solchen semihypnotischen Techniken wie ständige Wiederholung oder die Ausschaltung rationalen Denkens durch Appelle an den Sexualtrieb. Die Bombardierung durch rein suggestive Methoden in der Werbung, vor allem in Fernsehspots, ist volksverdummend. Dieser Untergrabung von Vernunft und Realitätssinn ist der einzelne tagtäglich und überall zu jeder Stunde ausgeliefert: viele Stunden lang vor dem Bildschirm, auf Autofahrten, in den Wahlreden politischer Kandidaten etc. Der eigentümliche Effekt dieser suggestiven Methoden ist ein Zustand der Halbwachheit, ein Verlust des Realitätsgefühls.

Exakt diese Effekte können wir heute allenthalben - sowohl in weiten Teilen der Bevölkerung, als auch in der den Irrsinn wohlwollend begleitenden Presse - offen sehen. Wenn der Wahnsinn so offenkundig ist und die Qualitätsmedien wider jede Vernunft und jedes Wissen immer wieder die Mästung der superreichen Mini-"Elite" in steter Penetranz als eine "Zunahme des gesamtgesellschaftlichen Reichtums" zurechtlügen, dann ist das Orwell'sche Antiideal des dystopischen Staates doch längst erreicht.

Der Rückfall in nationalistische, längst vergangen geglaubte Jauchegruben, wie wir sie überall im ausblutenden, allmählich verelenden Europa beobachten können, ist vor diesem Hintergrund der gezielten Verdummung und Verarmung geradezu logisch. - Vor knapp 80 Jahren hat die damalige "Elite" die Staatsmacht ganz bewusst an die nationalsozialistischen Terrorbanden übergeben - und ich frage mich zunehmend, welche schauerlichen Pläne diese widerwärtige Bagage zur Rettung ihrer absurden Privilegien und Besitztümer wohl diesmal verfolgt.

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Ablösung


"Wissense, ich habe so viel für Hitlers Wahlrummel ausjejeben, dass ich mich nich' ooch noch persönlich mit kleinen Leuten zur Urne drängeln brauchte."

(Zeichnung von Erich Schilling [1885-1945], in "Simplicissimus", Heft 27 vom 29.09.1930)

Dienstag, 21. Juli 2015

Zitat des Tages: SPD


Es ist ein Unglück, dass die SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands heißt. Hieße sie seit dem 1. August 1914 Reformistische Partei oder Partei des kleineren Übels oder Hier können Familien Kaffee kochen oder so etwas –: vielen Arbeitern hätte der neue Name die Augen geöffnet, und sie wären dahin gegangen, wohin sie gehören: zu einer Arbeiterpartei. So aber macht der Laden seine schlechten Geschäfte unter einem ehemals guten Namen.

(Peter Panter alias Kurt Tucholsky [1890-1935], in: "Die Weltbühne", Nr. 29 vom 19.07.1932)






Montag, 20. Juli 2015

"Ad sinistram": Wenn "Sozialdemokraten" plärren


Der Lapuente hat wieder einmal zugeschlagen. Es war ja eine sehr gute Idee, dass ich dessen Blog "Ad sinistram" vor geraumer Zeit aus meiner Blogroll geworfen habe, weil ich mich über jeden zweiten Text, den ich dort lesen musste, sowieso nur - vergeblich - aufgeregt habe; aber gelegentlich kehren Leichen aus dem Jenseits ja auch zurück.

Jetzt hat der gute Mann also einen Abgesang auf jede politisch linke Alternative vom Stapel gelassen, der mir - wenn ich mal ganz ehrlich bin - nur ein zynisches Grinsen ins Gesicht gezaubert hat. Da verkündet der liebe Roberto nun also den "Tod der linken Politik" - und scheint nicht einmal ansatzweise zu bemerken, dass seine eigene "sozialdemokratische" und damit kapitalismusfreundliche Haltung der vergangenen Jahre maßgeblich dazu beigetragen hat. Es liegt in der Natur der Sache, dass derjenige, der meint, den Kapitalismus "bändigen" zu können, unweigerlich scheitern muss. Es gibt keinen Kapitalismus, in dem es allen Menschen gleichermaßen gut geht - und es gibt erst recht keinen "sozialdemokratischen" Kapitalismus, in dem es einer regional eingegrenzten Bevölkerung auf Kosten der restlichen Menschheit dauerhaft gut geht (ganz abgesehen davon, dass eine solche perverse Vorstellung mit "linkem Gedankengut" soviel zu tun hat wie eine Sturmflut mit der Sahara).

Von dieser schlichten, jahrhundertealten Erkenntnis scheint der Autor nach wie vor meilenweit entfernt zu sein. Stattdessen schreibt er nun einen jammervollen Text, in dem jaulend das zuvor erwartbare und nun absehbare Scheitern dieser menschenfeindlichen Albernheit beklagt wird - nicht jedoch ohne auch weiterhin um Geldspenden zu bitten, damit der "reformistische Kampf" gegen die "schlimmen Auswüchse" des Kapitalismus, die in Wahrheit ja nichts weiter als die logischen und systemimmanent gar nicht aufhaltbaren Konsequenzen der Habgier sind, fortführen zu können. Das gleicht einem Ertrinkenden, der wild nach Rettungsringen ruft und sich dabei konsequent weigert, die bösen Bleigewichte, die ihn unaufhörlich nach unten ziehen, endlich abzuwerfen. Dann muss er eben "fleißig" Wasser schlucken, der Roberto.

Ich verurteile nun gewiss nicht die Ohnmachtsgefühle des Herrn Lapuente oder die depressive Stimmung, die aus seinen Worten quillt, denn beides kenne ich selber ja leider nur allzu gut. Es ist vielmehr diese völlig irrsinnige Groteske, dass da ausgerechnet jemand, der seit Jahren für die "sozialdemokratische Bändigung" des Kapitalismus wirbt und nun zwar erkennt, dass seine Vorstellungen offensichtlich nicht umsetzbar sind, daraus aber dennoch nicht die notwendigen Schlüsse zieht, sondern - wenn auch in diesmal depressiver Weise - beharrlich und lernresistent wie im Wahn daran festhält. Nicht nur in dieser Hinsicht ähneln sich verblendete neoliberale Vasallen (also solche, die der lächerlichen Propaganda, der Kapitalismus "nütze letztlich allen", tatsächlich glauben) und kapitalistisch indoktrinierte "Sozialdemokraten" (die einem "gebändigten Kapitalismus" anhängen) frappierend. Letzten Endes dienen sie alle aber nur devot und willfährig den wenigen Superreichen - und bemerken das meist nicht einmal, sondern verharren wie von Sinnen in ihrer konsequenten Realitätsverweigerung.

Man kann das Ganze auch auf einen ganz kleinen Nenner bringen: Solange sich linke Kritik und Politik nicht endlich aus dem kapitalistischen System löst, bleibt sie nichts weiter als billige Folklore auf Dirndl-Niveau, die letztlich wiederum nur dem System dient. Dem Herrn Lapuente sei angeraten, darüber einmal eindringlich nachzudenken und die systemstabilisierende Rolle, die er in den letzten Jahren mehr oder minder eloquent ausgefüllt hat, kritisch zu reflektieren - vielleicht wird das mit dem "links herum" dann ja doch noch etwas. - Allein: Nicht nur bei Lapuente fehlt mir der "Glaube" an so viel Fähigkeit und vor allem Bereitschaft zur Selbstkritik - bei der SPD, den Olivgrünen oder der Linken verbietet sich ein solcher absurder Gedanke sowieso von vorn herein.

Es geht weiter in den Abgrund - und immer weiter in die Depression und den Faschismus. That's capitalism. Dieser Abstieg ist nicht aufzuhalten, solange die Schergen des Systems weiter plärren ohne zu erkennen, dass keine "Auswüchse", sondern das System an sich zu bekämpfen wäre, wenn eine Kursänderung erwünscht ist. Hoffnung ist nicht in Sicht: Um im merkwürdigen Sprachbild Lapuentes zu bleiben, sehen wir hier also eine "sozialdemokratische Linke", die nichts weiter als das benutzte und entsorgte Kondom der "Elite" ist, dies jedoch nicht bemerkt und stattdessen jämmerlich zu weinen beginnt.

Weine, Bajazzo - Du hast es Dir redlich verdient.

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(Plakat zu dem Nazi-Film "Lache Bajazzo" von Leopold Hainisch, 1942/43)

Samstag, 18. Juli 2015

Song des Tages: The Ocean At The End




(The Tea Party: "The Ocean At The End", aus dem gleichnamigen Album, 2014)

You want, you take
You need and you receive
I can't follow my bliss
Can't go on, can't go on
Always feeling like this now

So, my love
There's a postcard that I'll send
It's from the ocean, it's from the ocean
The ocean at the end

I can't blame this game
All my cards have been dealt
I'm trumped, I've been tamed
And lately now, lately now
I don't even feel like myself

So, my love
There's a postcard that I'll send
It's from the ocean, it's from the ocean
The ocean at the end

Lately now I don't feel like myself

So, my love
There's a postcard that I'll send
It's from the ocean, it's from the ocean
It's from the ocean, it's from the ocean

See those starlit skies, I'm so alone
I hear those angels cry, please take me home
See those starlit skies, fly so alone
'Cause I, I remember, please take me home
Take me home

Please take me home.


Freitag, 17. Juli 2015

Der kapitalistische Irrsinn, Alarmstufe Rot: "Asien wird zu teuer"


Sie machen einfach immer weiter. Die uferlose Habgier treibt die kapitalistische Bande rund um den Globus, um auch noch die letzten Cents aus der gepeinigten Menschheit herauszupressen. Bei n-tv war gestern unter dem nur noch zynisch zu nennenden Titel "Asien wird zu teuer: Textilindustrie sucht 'Made in Africa' zu lesen:

Vietnam, China, Bangladesh: In der Nähstube der Welt steigen Lebensstandards und Löhne. Gut für die Menschen vor Ort, schlecht für den Verbraucher im Westen, der es zumeist einfach billig haben will. Nun sucht die Industrie neue Märkte - und ist fündig geworden.

Ich empfehle ausdrücklich, diesen Artikel, der von irgendeinem perversen Schlipsborg mit dem Kürzel "bdk/DJ" verfasst worden ist, nicht zu lesen, da er akute Anfälle von Brechreiz, wilden Schlägen gegen den Kopf und unkontrollierten Schreiattacken zur Folge haben kann. So viel Irrsinn in so wenigen Worten zu transportieren - das muss man auch erst einmal schaffen.

Im Grunde ist jede einzelne sachbezogene Aussage in diesem Text grotesker, kapitalistischer Propagandamüll, der mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat. Ich müsste stundenlang schreiben, wenn ich das alles auflisten wollte - dazu fehlen mir aber die Zeit und die Lust, so dass ich mich auf einige Beispiele beschränke.

  1. Die Lebensstandards steigen in Vietnam, Kambodscha oder Bangladesch nicht. Wenn jemand statt vormals 20 Reiskörnern am Tag nun sagenhafte 30 zur Verfügung hat, ist eine solche Formulierung in ihrer Absurdität kaum noch zu steigern. Die bettelarmen Menschen in Asien bleiben - man hört das in kapitalistischen Kreisen nicht so gerne - auch in der Versklavung bettelarm. Und wenn die Heuschrecken dann weiterwandern und sich anderswo neue, billige Sklaven suchen, wird dieses Argument sogar textimmanent zur haareraufenden Kafkaeske, denn dann bleiben unterm Strich noch null Reiskörner.

  2. Nicht der "Verbraucher" im goldenen Paradies des Westens, der es "einfach billig haben will", ist an dieser himmelschreienden Misere, die euphemistisch konsequent "Geschäft" genannt wird, schuld. Auch in unseren Breiten gibt es Millionen von Menschen, die inzwischen so zwangsverarmt wurden, dass sie überhaupt keine Wahl mehr haben - es muss das jeweils Billigste gekauft werden, wenn überhaupt etwas gekauft werden soll. Und auch für die meisten anderen gilt im widerlichen Rattenrennen dasselbe perverse Prinzip. Es ist an Heuchlerei gar nicht zu überbieten, dies als "Argument" dafür anzuführen, dass "die Industrie" nach billigeren Sklaven sucht. - Die wirkliche Absicht ist natürlich, wie immer, die reine Profitgier der EignerInnen.

  3. Im Text wird tatsächlich die gehirnzersetzende Behauptung aufgestellt, dass "mehrere tödliche Unfälle" in Textilsklavenfabriken in Bangladesch "die Industrie" dazu zwängen, sich "nach Alternativen umzuschauen". Damit ist nun nicht die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Sicherheit in diesen maroden Folterstätten gemeint, sondern die Suche nach Ausweichmöglichkeiten - und da bietet sich für diese Arschlöcher gerade Afrika an, denn: "Afrika ist der letzte weiße Fleck im globalen Bekleidungsgeschäft, der letzte fast noch unangetastete Kontinent mit billigen und zahlreichen Arbeitskräften. Im äthiopischen Textilsektor zum Beispiel gibt es keinen Mindestlohn." - Das ist doch eine Information, die uns alle glücklich macht - dann sollen demnächst die Menschen in Asien eben wieder verhungern, während einige Menschen in Afrika sagenhafte fünf Reiskörner pro Tag erhalten, wenn sie sich versklaven lassen. Tödliche Unfälle wird es dann gewiss auch geben, aber dann kann "die Industrie" ja wieder weiterziehen - vielleicht nach Grönland oder auch zum Mars.

  4. Die folgende, zutiefst menschenverachtende Passage aus dem Artikel hat mich fast sprachlos gemacht: "Äthiopien ist dabei das am meisten versprechende Land für die sich entwickelnde Textilproduktion in Afrika, sagen Fabrikbesitzer und Markenunternehmen. 'Äthiopien scheint hinsichtlich der Regierung, der Arbeitskräfte und des Stroms der beste Standort zu sein', sagt M. Raghuraman, der Chef für Unternehmensmarketing bei Brandix Lanka. Der größte Textilexporteur Sri Lankas ist am Potenzial Afrikas interessiert. / Außerhalb von Addis Abeba hat die Regierung vor kurzem für 250 Millionen Dollar den Industriepark Bole Lemmi errichtet. Er steht ausschließlich ausländischen Investoren der Textilindustrie offen. Riesige Hangars stehen auf dem Land, wo zuvor Gerste, Erbsen und Zwerghirse angebaut wurden." - Äthiopien ist eines der ärmsten Länder dieses Planeten, in dem kontinuierlich Menschen an Hunger und behandelbaren Krankheiten sterben - da ist es sicher eine wirklich gute Idee, dass die Regierung nun 250 Millionen Dollar aus der Staatskasse dafür benutzt, Infrastruktur und Arbeitslager auf ehemaligen Ackerflächen für "die Industrie" zu bauen, in denen neue Sklaven ausgebeutet und ausgepresst werden können, während in Asien die "Lebensstandards" logischer Weise wieder sinken.

Es ist nicht auszuhalten. Und solche Leute, die derartig widerwärtigen Ideologien anhängen, bestimmen das Geschick dieser Welt. Ist es denn da wirklich ein Wunder, dass immer wieder nur eine große, stinkende Jauchegrube herauskommt? - Es ist nicht auszuhalten.

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Selbstportrait in der Hölle



(Gemälde von Edvard Munch [1863-1944] aus dem Jahr 1903, Öl auf Leinwand, Munch-Museum, Oslo, Norwegen)

Donnerstag, 16. Juli 2015

Zitat des Tages: Deutsche Gedenktafel 1938


Hier starb einer, welcher an die Menschheit glaubte.
Er war dümmer, als die Polizei erlaubte.

(Erich Kästner [1899-1974], in: "Kurz und bündig. Epigramme", Atrium 1948)


Mittwoch, 15. Juli 2015

Song des Tages: It’s All Over Now, Baby Blue




(Eric Burdon & The Animals: "It’s All Over Now, Baby Blue", aus dem Album "Before We Were So Rudely Interrupted", 1977; Original von Bob Dylan, 1965)



You must leave now, take what you need, you think will last.
But whatever'd if you think you need, you better grab it fast.
Yonder stands your orphan with his gun,
Crying like a fire in the sun.
Look out, the saints are coming through -
And it's all over now, Baby Blue.

The highway is for gamblers, better use your sense.
Take what you have gathered from coincidence.
The empty-handed painter from your streets
Is drawing crazy patterns on your sheets.
The sky, too, now is folding upon you -
And it's all over now, Baby Blue.

All your seasick sailors they are rowing home.
Your empty-handed armies are going home.
Your lover who just walked out your door
Has taken all his blankets from the floor.
The carpet, too, is moving under you -
And it's all over now, Baby Blue.

Leave your stepping stones behind, something calls for you.
Forget the dead you've left, they will not follow you.
The vagabond who's rapping at your door
Is standing in the clothes that you once wore.
Strike another match, go start anew -
'Cos it's all over now, Baby Blue.



Anmerkung: Angesichts der jüngsten Entwicklungen bezüglich Griechenland fällt mir zu der sogenannten Europäischen "Union" kein besserer Song ein, um ihren aktuellen Zustand der totalen Verkommenheit besser zu illustrieren. Wenn nicht doch noch ein "Wunder" geschieht, war's das auf absehbare Zeit für dieses Europa, und dem überall erstarkenden Nationalismus sind einmal mehr alle Wege mit roten Teppichen fürstlich bereitet.

Dass ein sehr ähnliches Szenario in Europa zwischen 1920 und 1933 schon einmal stattgefunden hat - damals, wenn auch aus gänzlich anderen Gründen, mit Deutschland in der "Rolle", die heute Griechenland aufgezwungen wird -, scheint vollkommen vergessen, ebenso wie die bösen Folgen, die hernach einfach der ominösen, nach gängiger Darstellung vom Himmel gefallenen "Machtergreifung Hitlers" zugeschoben wurden. Es ist geradezu zynisch, dass heute ausgerechnet deutsche Politmarionetten wie Merkel, Schäuble und Gabriel nebst einem entsprechenden Heer korrupter Vasallen in Politik, Medien und Wissenschaft maßgeblich mitverantwortlich für das erneute Scheitern einer "euopäischen Idee" sind und dass wieder einmal absurde Kapitalinteressen einer winzigen "Elite" und eine zutiefst menschenfeindliche Ideologie dabei die Hauptrollen spielen.

Wir dürfen uns auf das Kommende wirklich sehr freuen.

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Der Krieg, wie ich ihn sah



(Zeichnung von Fritz Arnold [1883-1921], in "Simplicissimus", Heft 6 vom 06.05.1919)

Montag, 13. Juli 2015

Unsere tägliche Propaganda gib uns heute


Kürzlich durfte ich im Online-Angebot meines Lieblingspropagandasenders WDR mal wieder ein Glanzstück und Paradebeispiel für Desinformation und intellektuellen Irrsinn lesen. Unter dem eigentlich bereits alles vorwegnehmenden, hirnschmelzenden Titel "Prognose der Bertelsmann-Stiftung: NRW schrumpft am stärksten" gab dort einer dieser überall anzutreffenden Nachwuchs-Schlipsborg, der sich hier Markus Rinke nennt, seinen üblen Durchfall zum Besten, der im Wesentlichen aus den wiedergekäuten Botschaften des neoliberalen Propagandavereins der superreichen Familie Mohn aus Gütersloh bestand. Wer das lesen will, sollte zuvor eine große Dosis Satirepillen einwerfen oder den Magen vollkommen leeren.

Selbstverständlich enthält der "Artikel" keinerlei Informationen darüber, wer sich hinter dieser "Stiftung" verbirgt, welche perversen Ziele sie verfolgt und an welchen gesellschaftlich-sozialen Katastrophen sie bereits massiv beteiligt war. Derlei Informationen verwirren die BürgerInnen nur, sie sollen schließlich glauben und nicht selber denken. Stattdessen wird hier die große kapitalistische Angstschimäre schlechthin bemüht - nämlich die böse, böse Schrumpfung, die bekanntlich des Teufels ist und im krassen Widerspruch zur heiligen Kuh des gepredigten permanenten Wachstums steht. Entsprechend stumpfsinnig fällt das "Thema des Tages" - unter diesem Motto steht der Beitrag beim WDR allen Ernstes - denn auch aus.

Die "Prognose" der "Bertelsmann-Stiftung" sowie deren Zustandekommen werden ebensowenig erklärt bzw. hinterfragt wie die Stiftung selbst; dem geneigten Leser werden lediglich kleine Bröckchen der "Ergebnisse" sowie der von interessierter Seite erwünschten "Schlussfolgerungen" vorgesetzt - das ist so offensichtliche und dabei so grottenschlechte PR (früher nannte man das einfach Reklame), dass ich mich beim Lesen unwillkürlich bei dem Gedanken ertappt habe, wer um alles in der Welt so einen absurden Blödsinn tatsächlich als "Information" einstufen solle. Vielleicht habe ich aber auch immer noch eine zu hohe Meinung vom kapitalistisch indoktrinierten Menschen.

Ich möchte im Einzelnen gar nicht auf den Schwachsinn eingehen, dafür aber einige Punkte herausgreifen, die aus meiner unmaßgeblichen Sicht eigentlich für fast jeden Menschen, der über ein halbwegs funktionstüchtiges Gehirn und einen IQ auf mindestens Primatenstatus verfügt, klar als strunzdämlicher Bullshit auf Goebbels-Niveau erkennbar sind:

  1. Der "Pflegenotstand": Hier wird wieder einmal das dümmliche Horrorszenario des "steigenden Altersdurchschnitts" der Bevölkerung beschworen, während die zeitgleich vorherrschende Massenarbeitslosigkeit - gerade auch der Jugend - ebenso ausgeblendet werden wie die Horrorzustände im Berufsalltag des Altenpflegers. Wer mieseste Bezahlung (oft nicht einmal auf Sozialhilfeniveau) bei ebenfalls miesesten Arbeitsbedingungen (erzwungene Teilzeit- und Zeitverträge) und überdurchnittliche Belastungen "anbietet", sollte sich nach kapitalistischer Logik nicht darüber wundern, dass nur wenige Menschen Lust verspüren, sich für einen Appel und ein Ei krank zu schuften und die zu Pflegenden dabei trotzdem konsequent vernachlässigen zu müssen.

  2. Die "Konkurrenz" der Städte, Gemeinden und Kommunen: Es fällt mir wirklich schwer, hierzu überhaupt etwas Sinnvolles zu schreiben. Es kann sich eigentlich nur um perverse, schwer therapiebedürftige Irre handeln, die sich ein solches Konzept der "Konkurrenz" zwischen verschiedenen Regionen eines Landes (oder auch zwischen verschiedenen Ländern beispielsweise einer Europäischen "Union") ausgedacht haben. Was soll das denn bitte auch anderes hervorbringen als (bestenfalls) einige wenige "Gewinner" und viele Verlierer, so dass letzlich fast alle im "Rattenrennen" verlieren müssen? Wer konzipiert so etwas und darf trotzdem noch Auto fahren, wählen gehen oder selbstständig einen Kugelschreiber einkaufen? Dieses stumpfsinnige Monopoly-Prinzip gehört ebenso wie das ewige Wachstum heute zu den nicht in Frage zu stellenden heiligen Kühen der neoliberalen Einheitspartei und ihren willfährigen Propagandaorganen: "The winner takes it all" - und der gesamte Rest, also die überwältigende Mehrheit, krepiert einfach. An welche finstere deutsche Zeit erinnert mich das bloß?

  3. Die gottgesandte Lösung: "Der Bürger muss sparen!" - Auch dazu fällt mir kaum etwas über der Gürtellinie Liegendes ein. Da wird laut "Bertelsmann" in der speichelleckenden Kommunalpolitik tatsächlich darüber spekuliert, der "Mittelstandsfamilie auf dem Dorf" die Kosten für den aufgrund des fehlenden öffentlichen Nahverkehrs notwendigen Zweitwagen kurzzeitig zu erlassen - ohne überhaupt darauf einzugehen, dass genau dieser fehlende oder im schlimmsten Fall "privatisierte" und damit massiv verteuerte und verschlechterte Nahverkehr ein Teil des Problems ist. Ebenso spielen dort alberne Fragen keine Rolle, weshalb die "Mittelstandsfamilie" sich diesen seit Jahrzehnten selbstverständlichen Luxus nun plötzlich nicht mehr leisten kann oder warum sich der Mittelstand ohnehin in der Auflösung in Richtung totaler Verarmung befindet, während die selbsternannte "Elite" unablässig immer reicher und reicher und reicher (und kleiner!) wird. Dass ein zunehmender Teil der Bevölkerung, der inzwischen in die Millionen geht, sich längst nicht einmal mehr einen "Erstwagen" oder auch nur eine ernsthafte Teilnahme am sozialen, gesellschaftlichen Leben leisten kann, ist da nur noch eine lästige, erst recht nicht erwähnenswerte Randnotiz. Zusammenhänge gibt es da jedenfalls laut Propaganda gewiss nicht. Diese verarmten, alten, kranken, behinderten oder einfach "ausgesourcten" Verlierer sind natürlich alle selber schuld.

Für einen der Logik verpflichteten Menschen ist es ja auf der Stelle einleuchtend, dass angesichts einer planetaren Überbevölkerung, einer grassierenden Massenverelendung ganzer Kontinente und zunehmemd auch ganzer Bevölkerungsteile innerhalb des "reichen Westens" sowie immer knapper werdender Ressourcen eine natürliche Schrumpfung der globalen Bevölkerung durch weniger Nachwuchs ein sehr sinnvolles Ziel - sogar im Rahmen des perversen kapitalistischen Systems - wäre. Ich möchte gerne einmal die betriebswirtschaftliche Sicht auf diese Frage, die sich bekanntlich durch schnöde Logik nicht beeinflussen lässt, kennenlernen: Vielleicht kann mir hier jemand auf die Sprünge helfen? Läuft das letztlich wieder nur auf "nationale" Interessen und/oder "elitäres" (also faschistisches) Gedankengut hinaus, oder treiben diese Irren ihr lebens- und damit auch menschenfeindliches Spiel einfach immer weiter, auch wider jede Vernunft und Erkenntnis? Wie - falls sie es denn tun - denken Betriebswirtschaftler?

Wenn Superreiche rigorose Sparmaßnahmen - natürlich nicht für sich selbst, sondern für alle anderen und ganz besonders die bereits bis aufs letzte Hemd Verarmten und Schwächsten - verkünden und dabei vom angeblich unabhängigen Staatsfunk derart willfährig unterstützt werden, müsste doch ... [nachfolgende Passage wurde vom Zensor marktkonformen Konsenssucher der Demokratie gestrichen].

Und wer, wie offenbar der Markus Rinke vom WDR, glaubt, dass er aus dieser kapitalistischen Katastrophe mit heiler Haut wieder herauskäme, ist entweder sehr alt, sehr dumm oder sehr, sehr reich.

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Internationale Hilfsbereitschaft


"Nur jetzt die Nerven nicht verlieren! Wir hoffen, Ihnen in vierzehn Tagen einen Rettungsring zuwerfen zu können!"

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 18 vom 03.08.1931)

Samstag, 11. Juli 2015

Zitat des Tages: Der Mord


Ein Bahndamm. Telegrafendrähte schwirren.
Lokomotivenpfiff. Gewölk. Grau. Drohend.
Fabriken. Rauchend. Hammerlaut. Zornlohend.
Rostrote Schwaden, die um Schlote irren.

Breit wuchtet vor dem Horizont die Stadt.
Qualgelbe Quadern. Mauern. Türme. Gassen
mit geilen Hunden, Menschen, die sie hassen
und nehmen und verprassen. Einer hat

ein Messer in der Hosentasche. Lauert
am Damm im Dunklen. Sprungbereit. Das Knie
am Boden festgestemmt. Heiß von der Not

des Blutes. Wartet. Fern die Melodie
des Hammers, der auf Eisen niederschauert.
Schritte - - Ein Sprung. Ein Stoß! – Ein Schrei!! – Ein Tod.

(Hans Kaltneker [1895-1919], in: "Dichtungen und Dramen", Paul Zsolnay 1925; geschrieben 1916, Ort der Erstveröffentlichung ohne weitere Recherche nicht ermittelbar)



Anmerkung: Ich kenne kaum ein anderes Gedicht, das anschaulicher illustriert, wie der ausbeutende und verarmende Kapitalismus aus einem vermutlich einstmals harmlosen Menschen einen von der Not getriebenen Verbrecher macht. Dabei könnte alles so einfach sein, wenn der überquellende Reichtum dieser Welt nur gerechter verteilt wäre: Nicht nur wäre die Not so vieler Millionen Menschen erheblich vermindert, sondern es wäre auch der überwiegend materiell begründeten Kriminalität ein wirksamer Riegel vorgeschoben: Wer keine Not leidet, kommt auch nicht so schnell auf kriminelle Gedanken, um die Not zu lindern.

Von solchen simplen Gedanken ist unsere verkommene Welt leider Lichtjahre entfernt. Stattdessen werden überall wieder die Kriegsbeile aus den geschundenen Böden gebuddelt, und im Land der Propagandaweltmeister - Deutschland - lässt man das wunderbar medial begleiten und kaschieren. Bei n-tv war kürzlich zu lesen:

Deutschland strebt für seine Rüstungsindustrie eine noch engere Zusammenarbeit mit anderen europäischen Partnern an. Das Bundeskabinett verabschiedete dazu am Mittwoch ein neues Strategiepapier. Auf eine solche "Europäisierung" der Rüstungsindustrie hatten sich Union und SPD bereits im Koalitionsvertrag festgelegt. Als Schlüsseltechnologien, die auch künftig zwingend aus Deutschland kommen müssen, werden darin Bereiche wie U-Boote und gepanzerte Plattformen, Aufklärungstechnik und Schutzausrüstung genannt. (...) / Die europäische Verteidigungsindustrie sei immer noch national ausgerichtet, heißt es in dem Papier. "Europa leistet sich den Luxus zahlreicher Programme für gepanzerte Fahrzeuge, einen intensiven Wettstreit zwischen drei Kampfflugzeugprogrammen und eine starke Konkurrenz im Überwasser- und Unterwasserbereich."

Zu einem solchen Irrsinn, der einerseits das ansonsten doch religiös gepriesene kapitalistische "Wettbewerbsprinzip" kritisiert, wenn es um nationale Staatskohle geht, und der andererseits unverhohlen der radikalen globalen Aufrüstung den Weg bereitet, fällt mir nicht mehr viel ein. Die rot-grün-schwarz-gelbe Bande demaskiert sich allerorten und gibt sich keine Mühe mehr, ihre widerliche Verkommenheit zu verschleiern. Kaltneker hat in seinem jugendlichen Leichtsinn (er war 21, als er das Gedicht schrieb) alles Wesentliche dazu gesagt.