Samstag, 1. November 2014

Musik des Tages: Klaviersonate Nr. 1




(Stefan Wolpe [1902-1972]: "Klaviersonate Nr. 1", 1925; gespielt von David Holzmann)

  1. Sehr schnell
  2. Fast langsam (warm, aber nicht zimperlich)
  3. Schnell

Anmerkung: Der oben verlinkte Wikipedia-Text zu Wolpe ist, wie so oft, äußerst unvollständig und teilweise fehlerhaft. Dort wird unter Anderem behauptet, lediglich der erste Satz der ersten Klaviersonate des Komponisten sei "erhalten" geblieben - wie im Clip zu hören und auch zu sehen ist, liegt das Werk aber bereits seit mehreren Jahren vollständig vor. Es gäbe noch sehr viel mehr zu diesem Text zu sagen, allerdings gehe ich davon aus, dass hier ohnehin keine Wolpe-Experten mitlesen, so dass ich einfach dazu anrege, sich dieser fantastischen Musik zu öffnen, die zu Beginn vielleicht arg sperrig und unzugänglich erscheinen mag, bei näherer Betrachtung aber einen tiefen, emotionalen Glanz entfaltet, der - zumindest für mich - geradezu umwerfend ist.

Dies ist keine "Musik für die Massen" - es ist vielmehr der klangliche Ausdruck eines musikbesessenen, jugendlichen Herzens, das Leidenschaft, Wut und Aggression genauso kennt oder erahnt wie Trauer, Hingabe und Anmut. Es ist die Musik eines Aufbruchs, geschrieben von einem 23jährigen deutschen Juden und Kommunisten, der kurze Zeit später von den braunen Horden auf eine Odyssee der Flucht getrieben wurde, die er - zumindest emotional - wohl nie wirklich beenden konnte.

Abgesehen von diesem historischen Hintergrund ist das Stück aber auch einfach grandiose Musik und ein gewichtiger Meilenstein der Musikgeschichte, der auch deutlich zeigt, zu welchen außerordentlichen Werken Menschen fähig sind - und in weitaus größerem Umfang fähig sein könnten, wenn sie nicht in diesem stumpfen, völlig verblödenden System der kapitalistischen Habgier und infantilen Konkurrenz gefangen wären.

Freitag, 31. Oktober 2014

Immer weiter in den Abgrund: Die "Agenda 2020" der CDU


Ich weiß, es ist ein alter, übelriechender Hut - zur Kenntnis nehmen muss man ihn aber trotzdem, auch in der gefühlt 184. Wiederholung und Verschärfung. Die neoliberale Bande vertritt klar erkennbar nicht die Interessen der großen Mehrheit der Menschen in diesem Land, sondern agiert stets zugunsten des Großkapitals. Diese menschenfeindliche, kapitalhörige Politik ist allerdings kein statischer Zustand, sondern ein Prozess, der die ohnehin schon furchtbare Lage mit jedem weiteren Schritt noch furchtbarer macht.

So passt diese Meldung aus dem Neuen Deutschland vom 13.10. wunderbar ins kranke Weltbild der Habgierigen:

Die knapp 50 jüngeren Politiker hatten am Sonntag in Berlin mit dem Düsseldorfer Ökonomieprofessor Justus Haucap diskutiert, mit welchem Wirtschaftskurs die Union bei der Bundestagswahl 2017 Erfolg haben kann. Die nach der Bundestagswahl 2013 initiierte Gruppe drängt Merkel zu einer wirtschaftsfreundlichen "Agenda 2020" und denkt dabei etwa an eine Weiterentwicklung der von SPD-Kanzler Gerhard Schröder durchgesetzten Sozialreformen der "Agenda 2010".

Liest man den gesamten Text, passt da wieder einmal alles wie "Arsch auf Eimer": Es werden die immer gleichen asozialen, neoliberalen Mantras heruntergebetet, die allesamt lediglich dem einen Ziel der weiter an Fahrt aufzunehmenden Umverteilung von Arm zu Reich verpflichtet sind, da wird ein alter neoliberaler Zombie wie Friedrich Merz aus seiner vermodernden Anwaltsgruft ausgebuddelt, und natürlich wird das große Zerstörungswerk von Schröder und Fischer - die "Agenda 2010" - wie eine goldkälbische, perverse Monstranz herumgetragen. Da fällt es schon fast nicht mehr auf, dass es ein einziger schriller Irrsinn ist, Merkel zu einer "wirtschaftsfreundlicheren" Politik aufzufordern.

Wenn diese kriminelle Bande - zu der selbstredend auch die SPD und die Grünen gehören - weiterhin am politischen Ruder verbleibt, wird der neoliberale Zerstörungsprozess unweigerlich weitergehen. Die SPD exerziert das aktuell mit ihrem lächerlichen "Mindestlohn"-Murks und dem verfassungswidrigen Versuch der weiteren Beschneidung des Streikrechts wieder einmal vor. Ich weiß, dass es zermürbend ist, immer und immer wieder über die einzelnen Bau- und Puzzleteile dieses fortschreitenden Prozesses lesen zu müssen - mir geht es da wahrlich nicht anders. Aber welche Alternative bleibt sonst? Wenn mir jemand fortdauernd in die Fresse schlägt, bringt es nichts, irgendwann nur noch abzuwinken und die Schläge still zu ertragen bzw. sie, wenn möglich, gar auszublenden - ich muss mich stattdessen weiter dagegen wehren, auch wenn das zum hundertsten, zum zweihundertsten Mal geschieht.

Noch ist Gegenwehr möglich - die Historie lehrt uns aber auch, dass dieser Zustand keinesfalls dauerhaft ist.

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Sparmaßnahmen


"Wir müssen unsere Lebenshaltung jetzt auf eine schmalere Basis stellen!"

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 41 vom 07.01.1924)

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Propagandanarkotikum, Stufe 511: "Deutsche sind so glücklich wie nie zuvor"


Und wieder einmal tischen uns die Propagandamedien ihr debiles Märchen von den paradiesischen Zuständen in Deutschland auf - quer durch alle gleichgeschalteten gleich "berichtenden" Qualitätsorgane hieß es Anfang Oktober wie hier in der FAZ:

Die Deutschen sind so glücklich und zufrieden wie nie zuvor, vor allem im Norden.

Potzblitz - welch ein gnadenvoller Segen, dass "wir" in diesem wundervollen Land leben dürfen, in dem sich Milch, Honig und Glückseligkeit eine dauerhafte Heimstatt gesucht haben! Nun mag man fragen, worauf diese mannigfach verbreitete Jubelmeldung denn wohl zurückgeht, aber sowohl die FAZ, als auch all die anderen Papageienmedien nennen hier allenfalls ein ominöses "sozio-oekonomisches Panel" sowie eine "repräsentative Forsa-Umfrage" als Quelle. Wie Forsa- und andere "repräsentative" Umfragen bzw. deren erwünschte Ergebnisse zustande kommen, hat ein Kommentator bei der FAZ recht anschaulich zusammengefasst: "Wie war das gleich: 'Was ist Ihnen lieber: Reich und gesund oder arm und krank', oder so ähnlich." Verlinkungen auf die genannten Quellen oder irgendwelche nähere Erläuterungen gibt es dazu aber sowieso nicht - das muss der Qualitätskonsument nicht wissen, das verwirrt ihn nur.

Die FAZ rudert im Text auch gleich zurück - dort wird aus dem "nie" aus der Überschrift im Text urplötzlich ein "selten". Diese beiden Wörter ähneln sich zwar, schließen sich aber dennoch gegenseitig aus. Dafür ist aber gewiss nur der unbezahlte Praktikant verantwortlich, der diese dpa-Meldung kopieren und ins Online-Portal einpflegen musste, gell, liebe Qualitätsredaktion von der FAZ?

Ein bisschen Bashing muss aber auch sein, das gehört in den Kuhmedien schließlich zum guten Ton: Die undankbaren Ossis, die "wir" selbstlos und heroisch vom finsteren Unterdrückungs- und Terrorjoch des Sozialismus befreit haben, wollen und wollen einfach nicht so glücklich sein wie das westliche Stimmvieh. Jesus und Maria, so geht es aber nicht - laut den zugrunde liegenden Quellen sind Menschen in Ostdeutschland satte "0,36 Punkte" weniger zufrieden als ihre KonkurrentInnen im Westen! Diese Brut soll doch nach Moskau gehen, wenn sie unsere wundervollen Segnungen des Kapitalismus' nicht zu schätzen weiß!

Wenn man die Ironie- und Satireschalter mal auf "Aus" stellt, kann man angesichts dieser journalistischen und informationellen Farce aber gar nicht mehr lachen, sondern muss unentwegt kotzen, bis die Galle glüht. Es gehört meines Erachtens eine Menge kriminelle Energie dazu, in Zeiten der zunehmenden, drastischen Verarmung der Bevölkerung bei gleichzeitiger obszöner Mästung einiger weniger Superreicher, der Totalüberwachung, der zunehmenden Kriege, des dramatischen Demokratieabbaus ... einen solchen kafkaesken Text zu veröffentlichen, der so dermaßen absurd ist, dass mir beim Lesen der Schädel explodierte, wenn ich ihn nicht unverzüglich in ein großes Fass voller Vodka tauchte.

Das Schlimme ist, dass ich einer nicht unerheblichen Anzahl von Menschen in diesem Land tatsächlich zutraue, diesen infantilen Blödsinn - auch wenn er den jeweils eigenen Erfahrungen vollkommen widerspricht - zu glauben. Dazu gehören auch intelligente Menschen - eine simple Erklärung wie "Dummheit" kann also nicht greifen.

"Wir" werden unterdessen immer reicher, immer glücklicher, immer dämlicher, immer zombieesker ... bis die Zündschnur ihr schon heute klar erkennbares Ende erreicht hat. Und wenn's dann wieder "Bumm!" macht, war auch die FAZ natürlich nicht schuld, sondern wird wieder von vorn beginnen. Ebenso wie der Rest der Menschheit, falls es einen solchen dann noch gibt. Und das kennen wir nicht erst seit 1945.


Montag, 27. Oktober 2014

Zitat des Tages: Reime II


Keine Ahnung, wie es weitergeht.
Man singt von Wolken, die schmutzig sind:
tatsächlich, man tut es, nur längst zu spät,
vergisst nicht mehr Wetter und Wind.

Keine Ahnung: aber das klingt so schön
wie früher bei Tag und Nacht.
Der Kühlschrank summt weiter mit leisem Getön
und die Jeans sind aus Leinen gemacht.

Geht es so weiter? Es gibt den Markt
für Dichtung, Maschinen und Gunst.
Was liegenblieb, wird zusammengeharkt
mit lässiger Gärtner-Kunst.

Man fasst die andere Hand nicht an,
die sich irgendwo zeigt und streckt.
Man lässt das so. Sieht sich staunend an,
was alles dahinter steckt.

(Karl Krolow [1915-1999], in: "Gesammelte Gedichte, Bd. 3", Suhrkamp 1985)


Anmerkung: Auch dieses entlarvende Gedicht bedarf keiner Erläuterung - aber einmal mehr der Anklage gegen das kollektive Vergessen einer ganzen, so wichtigen Dichtergeneration, deren Werk heute - nur wenige Jahrzehnte später - schlichtweg nicht mehr existent ist, sondern allenfalls noch in antiquarischen Ausgaben oder fein von der Öffentlichkeit abgetrennten wissenschaftlichen Diskursen Erwähnung findet. Selbst Letzteres findet aufgrund der neoliberalen Verödung der geisteswissenschaftlichen Forschung und Lehre immer seltener statt - in den verbliebenen Ruinen beispielsweise der Literaturwissenschaft befasst man sich heute auch eher mit "Lernmodulen", "Leistungspunkten" und den "Klassikern" der Literatur - zumindest solange sie ins zeitgenössische, unheilvolle Mikroweltbild der herrschenden Klasse passen.

Ein Schriftsteller wie Krolow, der sich nach jugendlichen Verirrungen in die damalige braune Kloake rapide zum Humanisten und Sozialisten entwickelt und ein äußerst umfang- und einflussreiches lyrisches Werk geschaffen hat, das noch vor 30 Jahren ein selbstverständlicher Bestandteil der zeitgenössischen, damals noch meist gesellschaftskritischen Lyrik war, passt heute natürlich erst recht nicht mehr in das erzählte Märchen vom "freien Westen" und dem "Sieg des Kapitalismus", der ja allenthalben in vielfältigen Kriegen, sozialen Verelendungen und ökologischen Katastrophen in seiner ganzen Erhabenheit zu bewundern ist. Da verwundert es auch nicht weiter, dass dem Dichter in einer (unvollständigen) Biographie (z.B. Wikipedia) die jugendliche "Nähe zum Nationalsozialismus" vorgeworfen wird, während eine andere (ebenso unvollständige Biographie) ihn als "Hauptvertreter des sogenannten Anarchokommunismus" (whoswho.de) bezeichnet.

Beides ist selbstverständlich falsch - man müsste sich nur ein wenig näher mit Krolow und seinem Werk befassen, um das schnell zu begreifen. Ernstzunehmende Mono- und Biographien über den Dichter und sein Werk sind bereits mehrfach geschrieben worden - diese vermodern heute allerdings ebenso hinter den fauligsten Kellerwänden der Bibliotheken wie die Schriften des Dichters selbst.

Und solange der Kühlschrank weiter "summt mit leisem Getön", während um uns herum und sogar aus der eigenen Mitte die ganze Welt in den bodenlosen Abgrund stürzt, wird sich daran wohl auch nichts ändern. - Ich jedenfalls staune schon lange nicht mehr. Ich registriere bloß noch.

Samstag, 25. Oktober 2014

Song des Tages: Lethean




(Katatonia: "Lethean", aus dem Album "Dead End Kings", 2012)

How long
Is the pattern going to speak for you
How far can your voice reach
Your song below the night
From my view
I can see you
Shudder where you are standing
In the vision
Cyan blue

Now
October
This time you won't be needing me

To run along the freeway
To weigh one's heart against the oncoming dark
You left me with the pills
We had plans but you couldn't make it
Through the trees
What took you so long
The high grass
What took you so long

Translate the fire
The venom's rush inside your heart
How long can winter
Colour your every word
And the skyline
Past the houses and the cities
Hyperopia
Carmine red

Now
This river
This time I will


Freitag, 24. Oktober 2014

Wehret den Fortschreitungen: Der gelbe Stern




Anmerkung: Diese bemerkenswerte und äußerst bedrückende Dokumentation aus dem Jahr 1980, für die der Autor Dieter Hildebrandt (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Kabarettisten) seinerzeit den "Bayerischen Filmpreis" sowie eine "Oscar-Nominierung" erhalten hat, lässt mich, je öfter ich sie sehe, immer sprachloser zurück. Im Begleittext der DVD zum Film heißt es:

Dieser Film unternimmt es, mit teilweise unveröffentlichem Archivmaterial ein authentisches Bild jener Vorgänge zu zeichnen, deren letzte Station die Vernichtungslager waren. Warum konnte sich die antisemitische Organisation Hitlers so rasch mit den Vorurteilen vieler Millionen Deutscher zu einem derartigen Verfolgungswahn verbinden? Der Film fragt vor allem auch nach den Anfängen, denen nicht gewehrt wurde. Die Ächtung begann nicht mit dem Pogrom 1938, nicht mit Buchenwald und Dachau oder den fernen Ghettos - sie begann in Dörfern und Städten, an Universitäten und Ministerien, in Sportvereinen und Amtsstuben, im Freundeskreis und in den Schulen, auf dem Weg zur Arbeit. (...) [Der Film] zeigt die Zerstörungswut der Nazis in der Kristallnacht des November 1938, und er dokumentiert die Fluchtwege, Rettungsversuche und Überlebenskünste in den Wochen und Monaten danach.

Es bleibt jedem Zuschauenden selbst überlassen, in den furchtbaren Darstellungen dieses Films - insbesondere in den Themenbereichen der menschenfeindlichen Bürokratie und beginnenden Ausgrenzung und Entrechtung ganzer Bevölkerungsgruppen - die furchteinflößenden Parallelen zur heutigen Zeit zu entdecken und die notwendigen Schlüsse daraus zu ziehen. Den "Anfängen" ist auch heute einmal mehr nicht "gewehrt" worden - die erneute Entrechtung und Verfolgung bestimmter Menschengruppen hat längst wieder begonnen und entfaltet sich, von interessierter Seite forciert, stetig weiter.

Der Satz des Autors, am Ende des Films geäußert, soll und muss uns allen eine böse Mahnung und dringliche Aufforderung zu entsprechenden Taten sein:

Die Vernunft, wenn sie zu lange unterdrückt wird, schafft sich zuletzt nur noch in Trauergesängen Gehör.


Mittwoch, 22. Oktober 2014

Anonyme Denunziation: Alltag in der behördlichen Willkür des Hartz-Terrors


Der gesetzlich legitimierte, politisch gewollte Hartz-Terror nimmt in Deutschland immer bedrohlichere Formen an. Laut einem Bericht von Telepolis hat das Landessozialgericht Rheinland Pfalz Anfang Oktober geurteilt, dass die anonyme Denunziation eines Betroffenen beim "Jobcenter" einen "begründeten Verdacht" darstelle, der die Behörde dazu ermächtige, "Sozialdetektive" loszuschicken und bei einer "mangelnden Mitwirkung" des Betroffenen sogar die Mietzahlungen inkl. der Nebenkosten komplett einzustellen. Im Text heißt es:

Im konkreten Fall bekam ein Jobcenter im nördlichen Rheinland-Pfalz einen anonymen Hinweis, dass die 64-jährige Hartz IV-Bezieherin bei ihrer Tochter wohnt und die Wohnung, die sie seit 40 Jahren gemietet hat, nicht mehr regelmäßig bewohnt. Darauf verlangte das Jobcenter, die Frau solle Sozialdetektiven Zugang zu der Wohnung ermöglichen. Das lehnte sie aber ab, weil sie nicht einsah, dass sie auf einen anonymen Hinweis die Verletzung ihrer Privatsphäre zulassen soll. Dabei hat die Frau auch Angaben zu ihren Wohnverhältnissen nicht verweigert, sondern mit Fotos und einer eidesstattlichen Versicherung kund getan, dass sie die Wohnung nutzt und dort recht spartanisch lebt.

Trotzdem entschied das Gericht nun, dass sie bis zur Klärung des Sachverhalts die Kosten für Miete und Heizung selber tragen muss. Damit reicht ein anonymer Hinweis aus und die Denunzierte muss einen Verdacht entkräften, der von ihr unbekannten Menschen, die sich nicht einmal zu erkennen geben müssen, erhoben wird. Das gibt natürlich Menschen Gelegenheit, ihnen missliebige Nachbarn und Kollegen mit Vorwürfen zu überziehen, wie es eine Hartz IV-kritische Seite mit einem Foto gut dokumentierte.

Das ist indes keine neue "Entgleisung" und erst recht kein "Einzelfall", sondern gängige Praxis innerhalb dieses furchtbaren behördlichen Willkür-Molochs, das die rot-grün-schwarz-gelben Hartz-"Gesetze" vorsätzlich geschaffen haben. Aus meiner eigenen Mitarbeit in einem Bürgerverein sind mir mehrere Fälle bekannt, in denen ähnlich willkürlich und brutal gegen verschiedene Menschen vorgegangen wurde - einen möchte ich exemplarisch herausgreifen:

Herr X (58) wird von einem Nachbarn beim "Jobcenter" denunziert, weil er angeblich nicht mehr in seiner Wohnung wohne. Das "Jobcenter" schickt daraufhin Schnüffler los, die ebenfalls niemanden in der Wohnung antreffen. Daraufhin verschickt die Behörde einen Bescheid an Herrn X und stellt die Miet- und Nebenkostenzahlungen ein. Einige Zeit später wird Herr X aus dem Krankenhaus, in dem er sich aufgrund eines Herzinfarktes befunden hatte, entlassen und findet den besagten Bescheid sowie eine Mahnung des Vermieters zuhause im Briefkasten vor.

Um es kurz zu halten: Alle "Klärungsversuche" gegenüber dem "Jobcenter" verliefen fruchtlos. Es musste der Bürgerverein eingeschaltet werden, der eine Klage beim Sozialgericht einreichte, bis dem Mann, der sich inzwischen glücklicherweise in einer Reha-Klinik befand, geholfen werden konnte und das Amt die verweigerten Mietzahlungen endlich überwies. Im Nachhinein stellte sich noch heraus, dass die "anonyme Anzeige", die laut "Jobcenter"-Bescheid zu dieser Farce geführt hatte, gar nicht anonym gewesen war. Die Behörde hat ihren "Kunden" also schlichtweg "amtlich" und wissentlich belogen.

Für mich war es ein Wunder, dass der Mann aufgrund dieses Behördenterrors nicht augenblicklich einen weiteren Herzinfarkt erlitten hat. Man stelle sich das einmal bildlich vor: Da erleidet jemand einen Herzinfarkt, kämpft um sein Leben, springt dem Tod noch einmal von der Schippe - und erfährt nach der glücklichen Rückkehr in sein Zuhause, dass er nun nicht mehr nur von bitterer Armut, sondern zusätzlich noch von Obdachlosigkeit bedroht ist. - Der Gipfel des Zynismus war aber ein nachgelagertes Gespräch mit dem zuständigen "Bereichsleiter" des "Jobcenters", dem ich beigewohnt habe. Dieser Mensch - ein hagerer Hornbrillenträger Anfang 30, der mit halblangen Haaren, verblichenen Jeans und Turnschuhen den optischen Prototypen des eigentlich "sozialen" Arbeiters abgab -, entschuldigte sich bei dem betroffenen Bürger nicht etwa, sondern rechtfertigte das Vorgehen des Amtes mit Aussagen wie "Herr X hätte uns sofort benachrichtigen müssen, er ist selber schuld" (mit dem Wissen, dass der Mann sich auf der Intensivstation des Krankenhauses befunden hatte), "Andere Leute sind eine Woche nach einem Infarkt schon längst wieder bei der Arbeit" oder "Das Attest [womit er die Bescheinigung des Krankenhauses über den Aufenthalt dort meinte] halte ich für ein Gefälligkeitsgutachten".

Mit solchen existenziellen, völlig grotesken, geradezu kafkaesken Problemen müssen sich Hartz-Terror-Opfer in diesem "freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat" neben ihrer staatlich verordneten Zwangsverarmung herumschlagen - ganz egal, ob sie alt, krank oder behindert sind. Da ist es doch wahrlich sehr ermutigend, wenn das Landessozialgericht Rheinland-Pfalz nun ausgerechnet solchen Figuren wie dem besagten "Bereichsleiter" das asoziale, faschistoide Treiben weiterhin fröhlich legitimiert.

Einmal mehr ist es an der Zeit, "Danke" zu sagen: Danke, Herr Schröder, Herr Fischer, Herr Steinmeier, Frau Göring-Eckardt - und ein nicht minder enthusiastischer Dank gebührt der damals hämisch lauernden schwarz-gelben Bande, der dieser schaurige Terror noch lange nicht weit genug ging und geht. Ich werde und werde den Verdacht nicht los, dass diese schmierigen Figuren erst dann zufrieden sind, wenn es endlich wieder "Lager" bzw. deren "moderne" Äquivalente gibt.

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"Der Zigarrenstummel des Proletariers"

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 19 vom 05.08.1919)

Montag, 20. Oktober 2014

Zitat des Tages: Die Stille zu ernten


Wie ein Apfel fällt im August,
Im Gehäuse die Stille
Eines unendlichen
Atemlosen Selbstgesprächs -
Des Sommers
Mit dem Sommer -

So fällt uns das Rauschen
Das Rote im Ahorn
Das Brio der Bienen -
Schlagen wir nieder
Verstummte
Im Staub -

Wir haben das Ohr nicht mehr
Der Stille zu begegnen -
Und schlüge sie
Mit Paukenschlegeln nach uns -
Die Nüsse die wir ernten
Sind taub.

(Ernst Günther Bleisch [1914-2003], in: "Zeit ohne Uhr. Ausgewählte Gedichte. 1952-1982", Limes 1983)


Freitag, 17. Oktober 2014

Song des Tages: This Is War




(Thirty Seconds To Mars: "This Is War", aus dem gleichnamigen Album, 2009 [Video: 2011])


If we don't end war
war will end us. (H.G. Wells)
This is a song about peace.

A warning to the people, the good and the evil
This is war
To the soldier, the civilian, the martyr, the victim
This is war

It's the moment of truth and the moment to lie
The moment to live and the moment to die
The moment to fight, the moment to fight
To fight, to fight, to fight

To the right, to the left
We will fight to the death
To the edge of the earth
It's a brave new world from the last to the first

To the right, to the left
We will fight to the death
To the edge of the earth
It's a brave new world, it's a brave new world

A warning to the prophet, the liar, the honest
This is war
Oh, to the leader, the pariah, the victim, the messiah
This is war

It's the moment of truth and the moment to lie
The moment to live and the moment to die
The moment to fight, the moment to fight
To fight, to fight, to fight

To the right, to the left
We will fight to the death
To the edge of the earth
It's a brave new world from the last to the first

To the right, to the left
We will fight to the death
To the edge of the earth
It's a brave new world, it's a brave new world

I do believe in the light
Raise your hands up to the sky
The fight is done, the war is won
Lift your hands toward the sun

Toward the sun ... the war is won

To the right, to the left
We will fight to the death
To the edge of the earth
It's a brave new world from the last to the first

To the right, to the left
We will fight to the death
To the edge of the earth
It's a brave new world, it's a brave new world
It's a brave new world

A brave new world
The war is won
The war is won
A brave new world.



Anmerkung: Das Video spricht für sich selbst. Am Schluss wird uns dort lapidar mitgeteilt: © 2011 Sisyphus Productions. Ob beabsichtigt oder nicht: Eine feinere und gleichzeitig so bittere und bitterböse Ironie habe ich wirklich selten zuvor so bewusst wahrgenommen.

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Realitätsflucht (5): Oblivion


Es ist mal wieder soweit: Die sirenenhaften Rufe aus den virtuellen Welten haben mich genötigt, mich ein weiteres Mal auf eine Abenteuerreise zu begeben, diesmal ins Land bzw. die Tamriel-Provinz "Cyrodiil". Ich habe das Spiel "The Elder Scrolls IV: Oblivion" vor einigen Jahren schon einmal gespielt, muss aber sagen, dass ich es jetzt - nachdem ich "Skyrim" gespielt habe - noch um einiges besser finde als damals.

Das Spiel ist, wie man es inzwischen aus der Elder-Scrolls-Reihe gewohnt ist, extrem opulent, sehr detailverliebt und dialogreich. Und auch wenn sich ein Vergleich mit dem Nachfolger "Skyrim" förmlich aufdrängt, sollte man den (abgesehen von der Story) tunlichst unterlassen, denn 2006 waren die grafischen Möglichkeiten und die so genannte "Künstliche Intelligenz" (KI) für derartige Spiele noch nicht in der Lage, das zu leisten, was für "Skyrim" fünf Jahre später bereits obligatorisch war. Wenn überhaupt ein Vergleich vonnöten ist, sollte man dafür Spiele wie "Risen" oder "Fable - The Lost Chapters" heranziehen.

Man merkt dem Spiel das Alter zwar an, selbst dann, wenn man die Auflösung, grafischen Details etc. aufs Maximum stellt, aber ich persönlich empfinde das keineswegs als störend - ich kann mich nach wie vor an dem grafischen Standard dieser Zeit erfreuen und brauche für ein gutes Spielerlebnis keine "HD-Grafik". Ich habe mich nach dem Start des Spiels in wenigen Minuten daran gewöhnt und im weiteren Verlauf nichts vermisst. 2006 gehörte "Oblivion" im Bereich der Grafik zum Besten, was damals möglich war.

Kommen wir aber zum eigentlichen Spiel, also zur Handlung und deren Umsetzung (eine Inhaltsangabe voller Spoiler lässt sich bei Wikipedia nachlesen). Das Spiel beginnt in einer fast schon traditionellen Szenerie: Unser Held, den wir spielen und dessen Erscheinungsbild wir wie gewohnt recht detailreich bestimmen können (Geschlecht, Spezies, Erscheinungsbild etc.), findet sich in einer Gefängniszelle wieder und erhält als erste Quest den Auftrag, daraus zu entkommen. Der Beginn ist, wie gewohnt, wie eine Art "Tutorial" gestaltet, in dem der Spieler die grundlegenden Funktionen und Aktionen kennen lernt. Gleichzeitig ist dieser Teil auch ein dramatischer Prolog, der den Auftakt für das folgende Spiel darstellt - ohne groß spoilern zu wollen, kann ich doch verraten, dass wir auf unserer Flucht Zeuge des Mordes an "Kaiser Uriel Septim VII." werden und von diesem, kurz bevor er stirbt, den "Hauptauftrag" erhalten, der durch das gesamte weitere Spiel führt.

Die Spielwelt, in die man nach der erfolgreichen Flucht gelangt, ist riesig und frei begehbar. Es gibt unzählige Orte (Städte, Dörfer, Höhlen, Ruinen, Grabstätten, Schreine etc.) zu entdecken, und man sollte tunlichst einen Notizblock neben der Tastatur liegen haben und akribisch jeden Ort, den man entdeckt und nicht sofort besucht, aufschreiben - ansonsten verliert man nach kurzer Zeit den Überblick und weiß nicht mehr, wo man bereits gewesen ist und wo noch nicht. Das Spiel gibt dazu nämlich leider keine Hinweise.

Überall trifft man auf NPCs, mit denen man sich unterhalten kann und dies auch in jedem Fall tun sollte, denn oft gelangt man so an wichtige Informationen oder erhält eine der unzähligen Quests, die in diesem Spiel zu erledigen sind. Dabei ist es allerdings wichtig, wie "freundlich" einem ein NPC gesonnen ist - dies lässt sich während jedes Dialoges mittels eines Minigames beeinflussen. Alternativ kann man auch "Bezauberungs-Magie" einsetzen, sofern man über diese Fähigkeit verfügt, um Personen "positiv zu stimmen". - Subjektiv empfinde ich "Oblivion" als weitaus dialoglastiger als jedes andere mir bekannte Rollenspiel (einschließlich "Skyrim"), was ich persönlich auch sehr gut finde. Allerdings sollte man das Spiel besser auf Englisch spielen, denn die deutsche Übersetzung wie auch die deutsche Synchronisation sind teilweise unterirdisch schlecht.

Was die Quests und Questreihen betrifft, muss ich ebenfalls feststellen, dass es in "Oblivion" weitaus abwechsungsreicher zugeht als in vergleichbaren Spielen. Hier heißt es nicht ganz so oft: "Betritt den Ort X, haue alles zu Klump, was sich dir in den Weg stellt, besiege den Endgegner und kassiere die Belohnung!" Es gibt ganze Questreihen, in denen man Leute beispielsweise verfolgen, belauschen, manchmal auch bestehlen soll, um weiterzukommen, und gelegentlich wird der Spieler auch völlig im Regen stehen gelassen und muss selber herausfinden, wie ein Problem denn nun zu lösen ist - Hinweise gibt es in diesen Fällen nicht. Das mag ich an solchen älteren Spielen sehr - leider ist diese Facette inzwischen fast gänzlich ausgestorben. Natürlich gibt es in "Oblivion" auch die verschiedenen "Gilden" (Magier, Kämpfer, Diebe) sowie die "Dunkle Bruderschaft" samt den jeweils zugehörigen Questreihen.

Außerdem gibt es noch die zweite Ebene dieses Spiels, nämlich die namensgebende Welt von "Oblivion", in der die "Daedra-Fürsten" und ihre bestialische Brut hausen. Ich möchte dazu nicht viel schreiben, dies hier muss reichen: "Cyrodiil" wird von den "Daedra" aus "Oblivion" bedroht und angegriffen, überall in der ganzen Provinz tun sich immer weitere "Tore" in dieses Höllenland auf, und es versteht sich von selbst, dass unser Held sie allesamt beherzt durchschreiten und in "Oblivion" gegen die "Daedra" kämpfen muss, um die Höllentore wieder zu schließen.

Bei diesem zweiten Ausflug in diese Welt von "Cyrodiil" und "Oblivion" habe ich eine Spielweise gewählt, die mir eigentlich gar nicht liegt: Ansonsten schwinge ich in solchen Rollenspielen stets mit Wonne große Schwerter oder dicke Äxte, diesmal aber habe ich mich entschieden, endlich auch einmal den Weg des Magiers auszuprobieren - obwohl ich zu Beginn gar keine Lust dazu hatte. Aber was soll ich sagen: Ich habe das Spiel jetzt etwa zu zwei Dritteln durch, und es macht wahrhaft höllischen Spaß, all die Skelette, Zombies, Goblins, Orks, Trolle, Geister, Daedra und was sich da sonst noch so alles in den finsteren Abgründen tummelt, mit Feuerbällen oder Blitzen zu überziehen, sie einzufrieren oder ihnen den Lebenssaft einfach aus der Ferne abzusaugen. Die Möglichkeiten für einen Magier sind äußerst vielfältig. Freilich muss man auch hier mit entsprechender Gegenwehr rechnen - es ist manchmal schon extrem witzig, mit welchen fiesen Zaubern und Flüchen starke Gegner agieren, auf die man als Spieler wiederum kreativ reagieren muss, wenn man nicht plötzlich in Unterhose völlig schutzlos vor dem Monstrum stehen und in kurzer Zeit den Löffel abgeben will.

Ich spiele die "Game-of-the-year"-Edition, welche die beiden Add-ons "Knights of the Nine" und "Shivering Isles" enthält. Beide sind durchaus empfehlenswert, allerdings sollte man beim ersten, das nahtlos in die Spielwelt integriert wird und schlicht eine eigene Questreihe darstellt, darauf achten, dass man sie konsequent von Anfang bis zum Ende weiterverfolgt und zwischendurch nichts anderes unternimmt - sonst kann es zu Problemen bei der Lösung kommen, die ich hier aus Spoilergründen nicht näher ausführen möchte. "Shivering Isles" hingegen ist eher das Rollenspiel-Äquivalent zu einem schrillen, abgefahrenen LSD-Trip, den ich so noch in keinem anderen Spiel dieser Art gefunden habe.

Fazit: "Oblivion" ist ein Spiel, das 2006 Maßstäbe gesetzt und Grenzen gesprengt hat und das auch heute noch zum Besten gehört, das auf dem Gebiet der Rollenspiele geschaffen wurde.


Mittwoch, 15. Oktober 2014

Song des Tages: Welcome to the Black Parade




(My Chemical Romance: "Welcome to the Black Parade", aus dem Album "The Black Parade", 2006)

When I was a young boy, my father took me into the city
To see a marching band, he said: "Son, when you grow up,
Would you be the savior of the broken, the beaten and the damned?"

He said: "Will you defeat them, your demons and all the non-believers,
The plans that they have made, because one day I'll leave you,
A phantom to lead you in the summer to join the Black Parade."

Sometimes I get the feeling he's watching over me,
And other times I feel like I should go,
And through it all, the rise and fall,
The bodies in the streets, and when you're gone
We want you all to know:

We'll carry on, we'll carry on,
And though you're dead and gone, believe me,
Your memory will carry on! - We'll carry on,
And in my heart, I can't contain it,
The anthem won't explain it.

And while that sends you reeling from decimated dreams,
Your misery and hate will kill us all,
So paint it black and take it back,
Let's shout out loud and clear,
Defiant to the end we hear the call:

To carry on, we'll carry on,
And though you're dead and gone, believe me,
Your memory will carry on! - We'll carry on,
And though you're broken and defeated,
Your weary widow marches.

On and on we carry through the fears,
Disappointed faces of your peers,
Take a look at me 'cause I could not care at all.

Do or die, you'll never make me,
Because the world will never take my heart,
Though you try, you'll never break me,
We want it all, we wanna play this part.

Won't explain or say I'm sorry,
I'm unashamed, I'm gonna show my scar,
Give a cheer for all the broken,
Listen here, because it's who we are.

I'm just a man, I'm not a hero,
Just a boy who wants to sing his song,
Just a man, I'm not a hero,
I don't care ...

We'll carry on ...



Statt einer Anmerkung: Das Schlussbild zu diesem Song aus dem offiziellen Musikvideo. Mehr gibt es dazu wohl nicht zu sagen - es geht eben alles immer wieder denselben Gang und fängt stets immer wieder von vorne an, ganz egal, was zuvor geschehen sein mag. Wir lauschen der hörbar gemachten Sinnlosigkeit der bisher gelebten Erfahrungen. Wenn man da nicht resignieren soll - wann denn dann?


Dienstag, 14. Oktober 2014

Enddarmleckerei in den Propagandamedien: Die "Mär vom Heiligen Heinz-Horst"


Heinz-Horst Deichmann ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Anlässlich dieses Sacks Reis, der in China bzw. Essen (NRW) umgefallen ist, beehrten uns die kapitalistischen Propagandamedien in den vergangenen Tagen mit vielerlei "Nachrufen" auf diesen "bedeutenden Mann". Herausgreifen möchte ich hier die Variante des WDR, die ganz besonders schmierig-schleimig und hirnzersetzend ausgefallen ist. Dort lesen wir:

Selbstdisziplin, Bescheidenheit im Privaten und Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und Gesellschaft prägten Heinz-Horst Deichmann. Er hat das elterliche Geschäft zur größten Schuhhandelskette Europas aufgebaut.

Damit ist die Richtung vorgegeben und der für diesen Text verantwortliche "Journalist" Christoph Stehr kann so richtig vom Leder bzw. aus dem Enddarm ziehen - ich empfehle vor der Lektüre den Konsum einer Flasche billigen Fusels, um den Inhalt des erbrochenen Textes satirisch auffassen zu können und nicht den Drang zu verspüren, den Schädel unentwegt gegen die Wand zu schlagen oder sich stundenlang unter die Dusche zu stellen.

Stehr zeichnet hier das Bild eines seligen Heiligen, der an Güte, Menschlichkeit und Selbstaufopferung kaum mehr zu überbieten ist. "Deichmann tut Gutes", fasst der Autor das zusammen, und nennt danach gleich reihenweise "soziale" Stiftungen und Projekte, die der Verblichene monetär unterstützt habe; sogar eine völlig verblödende, an biblische Jesus-Geschichten erinnernde Formulierung wie die folgende rutscht ihm aus dem Enddarm des Kapitalismus' auf die Zunge:

1977, während eines Besuchs in Indien, trifft er eine Gruppe von Leprakranken. Diese Begegnung veranlasst ihn, das Hilfswerk "wortundtat" zu gründen. Seit Jahrzehnten fördert es humanitäre Projekte in Indien, Tansania und der Republik Moldau. Kranke werden versorgt, Kinder erhalten eine Ausbildung, um später eine Familie ernähren zu können.

Man sieht den Heiligenschein über des Deichmanns Haupt förmlich leuchten, während man diese salbungsvollen Zeilen liest - und ich könnte noch weitere Beispiele anführen, was ich aufgrund meines akuten Brechreizes aber unterlasse. Interessierte lesen die "Mär vom Heiligen Heinz-Horst" ohnehin direkt beim WDR. - Lassen wir Herrn Deichmann lieber selber zu Wort kommen. Der Autor zitiert ihn so: "Unternehmer ist für mich nur der, der immer wieder sein ganzes Besitztum in das Geschäft steckt." Nur einen Absatz später schreibt er aber: "Deichmann steht wieder einmal auf der Liste der reichsten Menschen Deutschlands." - Ja, wie denn nun? Offenbar war der Mann doch nicht ganz so selbstlos, sondern hat stets so wenig wie möglich "investiert", um den größtmöglichen Profit für sich selbst daraus zu ziehen, wie es die kapitalistische Ideologie vorgibt - und keineswegs "sein ganzes Besitztum".

Es wird aber noch kruder: "Ohne Wachstum kein gesundes Geschäft", zitiert der Autor den Heiligen und geht, wie gewohnt, nicht weiter auf das kapitalistische Paradoxon des "unendlichen Wachstums" ein. Dieser Satz wird einfach als "Pater noster" der "Marktwirtschaft" in den textlichen Kontext gerotzt, das selbstverständlich nicht zu hinterfragen, sondern lediglich zu verbreiten ist. Passend dazu wird dann auch die offizielle religiöse Büchse aufgemacht, denn der Heilige war natürlich nicht nur raffender Kapitalist ("Unternehmer"), sondern auch Christ - ein studierter zumal. Stehr dreht auf:

Den Antrieb für seine karitative Arbeit schöpft Deichmann aus dem christlichen Glauben. In seinem Elternhaus wird zu jeder Mahlzeit gebetet und täglich aus der Bibel vorgelesen. "Der Ruf Gottes trifft einen auch als Unternehmer", sagt Deichmann. Seine Mitarbeiter sollten gern für ihn arbeiten, denn "sie gehören zum Unternehmen genauso wie der Unternehmer".

An dieser Stelle habe ich mich schnaufend übergeben - diese schrille Zeichnung eines "karitativen", gar "bescheidenen" Milliardärs ist an Wahnwitz gar nicht mehr zu überbieten. Man könnte genausogut auch vom "humanistischen" Nazi oder vom fleischfressenden Veganer schwadronieren. Der "Ruf Gottes" hat für Deichmann, wie für alle Kapitalisten ähnlichen Rangs, stets nur bedeutet, möglichst viele Menschen möglichst gnadenlos auszubeuten, um für sich persönlich möglichst viel absurden Reichtum anzuhäufen. Auf andere Weise wird in diesem furchtbaren System niemand zum Milliardär, ohne zu erben.

Mein persönlicher Nachruf auf diesen Habgierigen fällt entsprechend anders aus: Deichmann war einer dieser skrupellosen Verbrecher, die Billigware in Fernost zu Dumpinglöhnen produzieren und diese trotz des vergleichsweise niedrigen Preises anderswo äußerst gewinnbringend verkaufen ließen. Die vielen, vielen Millionen Euro, die andere Menschen so für ihn erwirtschaftet haben, hat er gerne an sich genommen, und es tat ihm nicht weh, einen Portokassenanteil davon für "soziale Projekte" auch wieder auszugeben. Wenn es einen Gott gäbe, schmorte diese Figur jetzt in der Hölle - so aber dürfen sich bloß die Erben seines ergaunerten Superreichtums darüber freuen, in die perversen Fußstapfen ihres bigotten Erblassers zu treten und das perfide Ausbeutungs- und Zerstörungswerk fortzuführen, bis das kranke System wieder einmal kollabiert.

Der Herr Stehr vom WDR hat sich mit diesem Orwell'schen Stück zu höheren Weihen im "Qualitätsjournalismus" bzw. Enddarm des Kapitals qualifiziert. Herzlichen Glückwunsch. Der Heilige Heinz-Horst wird ihn sicher reich beschenken.

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[Der Heilige Heinz-Horst]


"Tja - große Gewinne erfordern kleine Opfer!"

(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 7 vom 12.05.1920)

Montag, 13. Oktober 2014

Zitat des Tages: Flockenfall


Es hat geschneit, mein Leben zugeschneit.
Hat zugeschneit,
zur Ruh geschneit,
was gestern war, Vergangenheit,
was ich vergaß, was ich besaß,
besaß und dennoch nie besaß:
die Kindheit und der Jugend Zeit,
Hass, Liebe, das erlittne Leid ...
(Das zugefügte liegt schon weit,
so weit vielleicht, dass nie ein Schnee
es decken wird. Wer weiß das je ...)
Und weiter schneit es und begräbt,
was sich nur noch als Hügel hebt,
darunter ich begraben hab
der Wünsche viel im Massengrab:
die Hoffnung auf Gerechtigkeit,
Vernunft, auf Frieden allezeit,
ein reines Bett für jedermann ...
ist alles, alles zugeschneit,
ist zugeschneit,
zur Ruh geschneit.

So wäre dann, was jeder haben kann
zu seiner Zeit
und keiner Zeit
das reine Bett Vergessenheit ...
in dem ihm endlich Ruh gedeiht,
in dem er ruht und doch nicht ruht;
denn immer ist sein Fuß beschuht,
und immer, wie die Flocke treibt,
des Vogels Fittich Spannung bleibt,
sind wir im Fallen, sind der Fall
der Flocken hier und überall,
sind eine leichte Flocke Schnee,
die diesen Ort seit eh und je
geschlechterweis im Fall bedeckt
und die kein zweiter Frühling weckt.
Denn wo wir sind, ist dünne Luft,
und wo wir landen, ist schon Gruft.
Nicht mehr als eine Flocke breit
so schnein wir zu, was zugeschneit,
und sind bald selber zugeschneit,
sind zu
und sind zur Ruh geschneit.

(Rudolf Hagelstange [1912-1984], in: "Zwischen Stern und Staub. Gedichte", Insel 1953)


Anmerkung: Auch Hagelstange gehört zu den hunderten von AutorInnen der Nachkriegszeit, die in den vergangenen drei bis vier Jahrzehnten konsequent dem kollektiven Vergessen preisgegeben wurden - es ist ein unerhörter literarischer Schatz, der da allein in deutschsprachigen Landen in Gänze zu verloren gehen droht. Ich will hier gewiss keine wilden Verschwörungstheorien bemühen - aber die gängige "marktwirtschaftliche" Erklärung (so sie denn überhaupt auf die Literatur angewandt werden sollte oder auch nur darf - aber das ist ein anderes Thema), nach der das "Alte" eben vom "Neuen", gar "Besseren" ersetzt werde, zieht hier einmal mehr nicht: Wo sind denn all die "neuen" LyrikerInnen, ErzählerInnen, DramaturgInnen unserer heutigen Zeit, die auch nur ansatzweise eine vergleichbare kritische Qualität aufzuweisen haben?

Mich erinnert das - wenn auch etwas zeitversetzt, also "in die Länge gezogen" - an das Los so mancher ehemals sehr erfolgreicher, sogar populärer Schriftsteller aus der Zeit des expressionistischen Jahrzehnts zu Beginn des 20. Jahrhunderts, von denen so viele nur zwei, drei Dekaden später (und damit oft noch zu ihren Lebzeiten) dasselbe Los erlitten haben. Wer kennt heute beispielsweise noch einen Walter Hasenclever, der einstmals als Begründer des expressionistischen Dramas und der neuen politischen Lyrik galt und der bis ca. 1920 im deutschsprachigen Raum etwa so populär war wie es heute ein Michael Schumacher ist? Abgesehen von einigen alten literaturwissenschaftlich Interessierten wohl niemand, nehme ich an. Hasenclever, ein Freund Tucholskys, musste nach 1933 miterleben, wie auch seine Bücher verboten und verbrannt wurden und floh danach aus Deutschland. Auch er nahm sich, wie Tucholsky, kurze Zeit später im Exil das Leben.

Heute allerdings ist es nicht mehr nötig, theatralische Bücherverbrennungen von unliebsamen Werken aus der Nachkriegszeit durchzuführen - die AutorInnen sind größtenteils sowieso bereits verstorben und ihre Bücher auch ohne offensichtliche Repressionen aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden. Das ist die "marktwirtschaftliche" Version der Bücherverbrennung: Das "kennt niemand" (weil es nicht neu aufgelegt oder in Anthologien nicht berücksichtigt wird), das "will niemand" (weil es eben deshalb niemand mehr kennt), das ist also "irrelevant" (weil es nicht in den kapitalistischen Zeitgeist passt).

Auch literarisch sind wir dem Jahr 1933 bedenklich nahe.

Als ich in den 80ern ein junges Bürschlein war, habe ich mich glühend für die Lyrik des so weit entfernten expressionistischen Jahrzehnts interessiert - ob es heute wohl auch junge Menschen gibt, die ein ebenso glühendes Interesse beispielsweise an der Lyrik der Nachkriegszeit entwickeln? Ich bin damals von außen dazu angestoßen worden, das zu tun (Schule, Bücher, Umfeld) - und wie ist das heute?

Oder haben die neuen, flammenlosen Bücherverbrenner bereits gewonnen?

Freitag, 10. Oktober 2014

Die Rückkehr des "Judensterns"


Fast unbeachtet ist vor einigen Tagen eine Meldung durch die Propagandamedien gerutscht, nach der es in den Kreisen der Polithuren in Berlin momentan verschiedene "Diskussionen" gebe, die unter anderem eine "Markierung von Reisepässen" zum Inhalt haben. Konkret geht es darum, irgendwelchen angeblichen "Dschihadisten" die "Ausreise aus Deutschland" zu erschweren [sic!]. Die Propagandaredaktion der "Tagesschau" formuliert das so:

Potenziellen Terrorkämpfern soll die Ausreise aus Deutschland erschwert werden. Aber wie? Verschiedene Vorschläge kursieren, der neueste: eine Markierung im Personalausweis. Mit diesem Ausreise-Sperrvermerk könnten deutsche Extremisten sich nicht mehr so leicht Richtung Dschihad aufmachen.

Im Grunde ist es müßig, auf einen solchen "Vorschlag" überhaupt einzugehen, denn er ist nun klar erkennbar grundgesetzwidrig und daher ohnehin nur eine weitere Nebelkerze im neoliberalen Krieg des Kapitals gegen die Demokratie und den Humanismus. Dennoch verbreitet die "Tagesschau" diesen Irrsinn willfährig, und zwar - wie gewohnt - vollkommen kritikfrei. Dabei wird einmal mehr versucht, den Eindruck zu erwecken, es handele sich hier um eine "rechtsstaatlich normale" Forderung. Das Gegenteil ist indes der Fall, denn hier wird nicht nur die amtliche "Kennzeichnungspflicht" irgendeiner Bevölkerungsgruppe gefordert, was für sich genommen schon verfassungswidrig und zutiefst menschenfeindlich ist, sondern sogar die amtliche "Kennzeichnungspflicht" aller Personen, die auch nur "potenziell" (!) einer diffusen Gruppe "zugeordnet" werden. Wer da allerdings zuordnet, unter welchen Umständen, aus welchen Gründen das geschehen und inwiefern das rechtsstaatlich abgesichert vonstatten gehen soll, bleibt selbstredend unerwähnt.

Die "Tagesschau" verbreitet hier also faschistische Pläne, die über den "Judenstern" auf der Kleidung, den Aufdruck "J" im Ausweis und den erzwungenen Namenszusatz "Israel" bzw. "Sarah" für jüdische Menschen im "Dritten Reich" noch hinausgehen: Inzwischen ist nicht mehr allein "das Blut" auschlaggebend für die staatliche Diskriminierung, es reichen stattdessen bereits Mutmaßungen und "Erkenntnisse" (vermutlich von irgendwelchen obskuren, unkontrollierten Geheimdiensten), um Menschen stigmatisieren und ausgrenzen zu wollen. Ich muss stundenlang unentwegt kotzen, wenn ich versuche, darüber nachzudenken.

Der Kotzreiz verstärkt sich allerdings noch, wenn ich im Propagandatext weiter lese:

Die SPD steht dem Vorschlag aufgeschlossen gegenüber. Mit der Union habe man sich verständigt, zu prüfen, "künftig auch Personalausweise zu kennzeichnen, damit diese nicht zur Ausreise etwa über den Transitstaat Türkei verwendet werden können", sagte die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Eva Högl. / (...) Der Grünen-Innnenpolitiker Volker Beck unterstützte den Vorschlag, mehr noch: Er forderte die Bundesregierung auf, möglichst rasch eine Kennzeichnung von Personalausweisen mutmaßlicher Terrorkämpfer zu beschließen.

Was soll man dazu noch sagen. Die Einheitspartei ist sich eben, wie immer in solchen Dingen ... EINIG. Und wenn man der "Umfrage", die unter dem "Tagesschau"-Text abgerufen werden kann, Glauben schenken will, dann ist zumindest eine deutliche Mehrheit der LeserInnen dieses üblen Propagandatextes derselben furchtbaren Meinung.

"Sieg Heil!" - Mehr weiß ich dazu nicht zu sagen - vielleicht mit Ausnahme der leider aussichtslosen Forderung, "mutmaßliche Rechtsextremisten" künftig einfach zum Mond zu schießen.

Wir leben erneut in einer Zeit des völligen Irrsinns.


("Markierter" Ausweis des deutschen Staatsbürgers Josef Heinrich "Israel" Chotzen von 1939, der zudem noch den Fingerabdruck enthält, der heute ebenfalls wieder von interessierter Seite wild gefordert wird.)

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Song des Tages: To Kill The Child




(Roger Waters: "To Kill The Child", Single, 2004)

The child lay in the starlit night
Safe in the glow of his Donald Duck light
How strange to choose to end a life
How strange to choose to kill a child
Hoover, Blaupunkt, Nissan, Jeep
Nike, Addidas, Lacoste and cheaper brands
Cadillac, Amtrak, gasoline, diesel
Our standard of living - could this be a reason
That we would choose to kill the child
That we would choose to kill the child

Allah, Jehovah, Buddah, Christ
Confucius and Kali and reds, beans and rice
Goujons of sole, ris de veau, ham hocks
Lox bagels and bones and commandments in stone
The Bible, Koran, Shinto, Islam
Prosciutto, risotto, falafel and ham
Is it dogma, doughnuts, ridicule faith
Fear of the dark, or shame or disgrace
That we would choose to kill the child
That we would choose to kill the child

It's cold in the desert and the space is too big
The rope is too short and the walls are too thick
I will show you no weakness, I will mock you in song
Berate and deride you, belittle and chide you
Beat you with sticks and bulldoze your home
You can watch my triumphant procession to Rome
Best seat in the house, up there on the cross
Is it anger or envy, profit or loss
That we would choose to kill the child
That we would choose to kill the child

Take this child and hold him closely
Keep him safe from the holy reign of terror
Take this child, hold him closely
Take this child to the moral high ground
Where he can look down on the bigots and bully boys
Slugging it out in the yard



Anmerkung: Ich finde es bemerkenswert, dass ein alternder Multimillionär wie Waters, der laut "Forbes" allein im Jahr 2012 satte 88 Millionen US-Dollar allein durch seine Bühnenshows (man beachte den Preis für ein einfaches Ticket!) hinzugerafft hat, sich dennoch kritisch mit solchen Themen befasst und gar einigen Firmen munter ans Bein pinkelt. Grotesk wird das ganze aber, wenn ausgerechnet ein so reicher Mensch gleichzeitig beklagt, dass womöglich "our standard of living" ein gewichtiger Grund für das furchtbare Elend auf diesem Planeten sei.

Ich will dem Mann gewiss nicht die ehrbaren, hochmoralischen Motive absprechen - Waters hat bis heute in vielerlei Hinsicht ein durchaus prägendes, auch sozialkritisches musikalisches Werk hinterlassen, das in der Geschichte der Rockmusik völlig zu Recht einen gewiss nicht unbedeutenden Platz einnimmt. Dennoch komme ich nicht umhin, auch hier zu fragen: Was soll diese Anhäufung von Millionen und Abermillionen? Der Mann ist heute 71 Jahre alt - wofür kann er dieses viele Geld, das anderswo so dringend, dringend fehlt, wohl noch gebrauchen? Warum nimmt jemand, der bereits so grotesk reich ist, überhaupt noch Eintritt für seine Bühnenshows bzw. beschränkt diesen Preis nicht auf eine Summe, die seine eigenen Ausgaben deckt? Ich werde diese kapitalistische Gier nach mehr und immer mehr, sogar bis ins hohe Alter hinein, wohl niemals begreifen.