Montag, 20. April 2015

Stasi 2.0: Der nächste Versuch


Nachdem ich vor einigen Tagen über die lapidare Nachricht gestolpert bin, dass die korrupte Bande - nun in trauter christ- und sozialdemokratischer Eintracht - den nächsten Versuch zu Einführung der grundgesetzwidrigen Totalüberwachung aller BürgerInnen dieses Landes auf den Weg gebracht hat, hatte ich eigentlich vor, etwas mehr dazu zu schreiben. Neben einem für öffentlich-rechtliche Verhältnisse vergleichsweise kritischen Text von Jörg Schieb beim WDR ist mir nun aber der Kollege flatter vom Feynsinn-Blog zuvorgekommen. Dessen Ausführungen zum Thema ist in der Tat kaum etwas hinzuzufügen - da gilt eine strikte und nachdrückliche Leseempfehlung.

Diese Bande schert sich nicht einmal ansatzweise um das Grundgesetz und erst recht nicht um höchstrichterliche Urteile dazu - allmählich schwindet meine (letzte verbliebene) Hoffnung, dass das Bundesverfassungsgericht und der Europäische Gerichtshof diesem stetig wiederholten Ansturm der feuchten Totalüberwachungsfantasien der "Elite"-Marionetten dauerhaft wirklich standhalten können - bzw. wollen bzw. "dürfen".

Besonders hervorzuheben ist im aktuellen Fall - neben der wie immer standhaft verfassungsfeindlichen Konsequenz der Union in dieser Frage - selbstredend die Verräterpartei der asozialen Antidemokraten (SPD). Schieb schreibt dazu:

Obwohl [der Minister für staatliche Gewalt und Allmacht] Heiko Maas [SPD] die VDS noch vor einigen Wochen vehement abgelehnt hatte, ist er jetzt vorne mit dabei und setzt sich für eine VDS 2.0 ein. / (...) Wer sich intensiver mit der Thematik beschäftigt und sich nicht zum Unterstützer eines Überwachungsstaates machen möchte, muss deshalb früher oder später zu dem Schluss kommen: Der Schaden ist weitaus schlimmer als der Nutzen. Vor allem, weil es kaum [gar keine, Anm.d.Kap.] Belege dafür gibt, dass mit der Vorratsdatenspeicherung deutlich mehr Straftaten aufgedeckt werden können. Verhindert schon gar nicht. Denn dann müssten wir angesichts der von der NSA angehäuften Daten uns ja über eine nahezu 100-prozentige Aufklärungsrate freuen dürfen.

Inzwischen reichen für die "GenossInnen" bereits "einige Wochen" aus, um von der einst propagierten Meinung zum genauen Gegenteil zu konvertieren - das grenzt schon fast an die bizarren Merkel'schen Verhältnisse. Inzwischen müsste aber sowieso jedem klar sein, dass diese Gestalten allesamt austauschbar sind: Wenn Maas, Gabriel, Merkel, "die Misere" und all die anderen aktuellen Sockenpuppen den schmierigen Job auf dem Weg in die Diktatur nicht mehr machen, werden es eben irgendwelche neuen Klone aus den schier endlosen Reihen der korrumpierten, eigennutzfixierten Schlips-Borg tun, die heute schon wild mit den Hufen im braunen Schlamm scharren und ihre Schäfchen ebenfalls ins Trockene bringen wollen - je mehr, desto besser.

Lest den flatter. Er hat - leider, leider, leider! - recht.

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Aktuelles: Die Verfassung auf dem Seziertisch



(Lithografie von Honoré Daumier [1808-1879], in: "Le Charivari", 1869)

Samstag, 18. April 2015

Realitätsflucht (19): Risen




Mein heutiger Fluchtexkurs in die Virtualität führt in die Welt des deutschen Entwicklerstudios Piranha Bytes und deren Spiel "Risen" aus dem Jahr 2009. Dieser Nachfolger der wohlbekannten Gothic-Reihe war für mich persönlich das - nach "Fable" - zweite Rollenspiel dieser Art, das ich überhaupt gespielt habe. Und, um das Fazit vorwegzunehmen, es bleibt für mich eines der besten Spiele, die auf diesem Gebiet bisher entwickelt worden sind.

Zur Geschichte gibt es nicht viel zu sagen: In altbewährter Gothic-Tradition findet sich der Spieler am Beginn als natürlich "namenloser Held" als Schiffbrüchiger am Strand einer ebenso namenlosen Insel wieder, von wo er sich sodann aufmacht, eben diese zu erkunden und sie nebenher vor dem Untergang zu bewahren. Der Rahmen dieser Geschichte ist sehr krude und lautet verkürzt so: Die Götter, die seit Urzeiten herrschten und die Titanen im Zaum hielten, haben die Welt verlassen, weshalb nun der Untergang der Welt durch jene, nun entfesselten Titanen droht. Es versteht sich von selbst, dass es auch in dieser Geschichte einen größenwahnsinnigen Vollidioten (nämlich den Inquisitor Mendoza) gibt, der meint, die bösen Mächte beherrschen und für seine eigenen Zwecke nutzen zu können - ganz so, wie es ähnliche Gesellen in unserer realen Welt auch heute immer noch tun.

Bis dieser lächerliche CDU-Trottel im Vorbeigehen besiegt werden kann, vergehen viele Stunden voller Spielspaß, die es in sich haben: Der namenlose Held hat unzählige Quests zu erledigen, die ihn sowohl bezüglich des Kampfes, als auch in Sachen sozialer Kompetenz stetig voranbringen. Der Spieler hat die Wahl, ob er aus seinem Helden einen kraftstrotzenden Kämpfer, einen mächtigen Magier, einen weisen Alchemisten, einen fiesen Dieb oder einen fabulösen Schmied machen möchte - oder ob er eine wilde Mixtur all dieser Fähigkeiten bevorzugt.

Zu Beginn muss man sich bereits entscheiden, ob man lieber den Weg des Magiers oder den des Kämpfers bevorzugt - das Spiel nimmt einem unwilligen Spieler die Entscheidung allerdings ab, indem es den namenlosen Helden, wenn der Spieler nicht aufpasst, ziemlich schnell als Zwangsrekrut in die Magierfestung katapultiert. Wer das nicht möchte, sollte dem Rat des ersten Banditen, dem man im Spiel begegnet, schnell Folge leisten.

Wie in solchen Spielen gewohnt, gibt es für jede erledigte Aufgabe Erfahrungspunkte, die regelmäßig zu Level-Aufstiegen führen. Über die damit verbundenen Lernpunkte kann der Spieler frei verfügen und bei verschiedenen Lehrern im Spiel ganz unterschiedliche Fertigkeiten erlernen. Besonders hervorheben möchte ich hier die Waffenart der Armbrust, die in anderen Spielen dieser Art eher selten vorkommt. Bogenschießen in "Skyrim" macht schon Spaß - aber gegen die Armbrust in "Risen" kann das nicht anstinken.

Das Spiel ist anfangs sehr leicht, wird zunehmend aber immer schwieriger. Die aus "Gothic III" (das ich persönlich erst später gespielt habe) bekannte Taktik, aus einer größeren Gruppe mittels Fernkampfwaffe einzelne Gegner herauszulocken, um sie dann leicht nacheinander zu erledigen, funktioniert hier leider nur sehr selten. Dafür kann man in Gefahrensituationen fast immer die Beine in die Hand nehmen und vor den Feinden fliehen - oder sie zu Verbündeten führen, die sie dann bekämpfen.

Ein totaler Stilbruch ist allerdings der Endkampf mit dem Feuertitan, den man angesichts der zuvor im Spiel verbrachten vielen Stunden einfach nicht ernstnehmen kann. Hier haben die Entwickler offensichtlich Konzessionen mit billigen Konsolenspielen gemacht - anders ist das alberne Herumgehopse, das man hier absolvieren soll, nicht erklärbar. Es ist schade, dass hier kurz vorm Orgasmus ein so lächerlicher coitus interruptus eingebaut wurde.

Die Grafik des Spiels ist zeitgemäß, die deutsche Sprachausgabe ist professionell, die Musik ist minimalistisch, aber passend. Ich habe nach "Risen" kein Rollenspiel mehr gespielt, das mir mehr Spaß gemacht und das mich mehr in seinen Bann gezogen hat. Auch der Vorgänger "Gothic III" und der Nachfolger "Risen II" (über die ich beide sicher noch schreiben werde) können daran nichts ändern. Wer das Spiel noch nicht ausprobiert hat, sollte das dringlichst tun.


Freitag, 17. April 2015

Song des Tages: Cold Cell




(Coil: "Cold Cell", aus dem Album "The Ape of Naples", 2005)

O Lord, save my sinful soul
From local punishment
From the far-away zone

From being frisked
From the tall fence
From the severe prosecutor
From the Devil or from the devil owner
From small rations
From dirty water
From steel handcuffs
From hidden obligations

A cold cell
And short haircuts
Save us from the death penalty
Amen
Amen
Amen



Anmerkung: Der Text dieses Songs ist laut CD-Booklet die ins Englische übertragene Version eines "russischen Häftlingsgebets" aus der dunklen Zeit Stalins und der Gulags. Das Album wurde kurz nach dem tragischen Tod des Sängers John Balance [1962-2004] veröffentlicht und gehört nach meinem Empfinden zu den besten Arbeiten dieser großartigen Ausnahmeband.

Ganz am Rande: Wer auf dem Cover lediglich einen "brüllenden Affen mit zum Gebet erhobenen Händen" erkennt, sollte sich das Bild einmal auf dem Kopf stehend ansehen und dabei an das böse Szenario einer Kastration denken.

Donnerstag, 16. April 2015

Triumph der Bigotterie (2): "Nationale Betroffenheit"


Die widerliche, menschenfeindliche Bande zieht ihren verabscheuungswürdigen Heuchelkurs unbeirrt durch (hier geht's zum ersten Teil). Was interessieren Merkel, Gabriel & Co. tote "Neger", wenn es stattdessen auch medienwirksam Deutsche zu "betrauern" gibt?

Ein Gastbeitrag von Altautonomer.

Wenn die politische Elite der "Weltmeister der Herzen" eines perfekt beherrscht, dann ist es die öffentliche Trauer-"Arbeit", das Zelebrieren von angeblicher Betroffenheit. Für die "größte Trauerfeier Deutschlands" (Vorsicht: Link geht zur BLÖD-"Zeitung") im Kölner Dom werden neben Ana Pastor Julián (Spaniens Verkehrsministerin) und Laurent Fabius (Frankreichs Außenminister) die üblichen Repräsentanten des geheuchelten Mitleids aus Deutschland dabei sein: Bundespräsident Joachim Gauck, Bundestagspräsident Norbert Lammert, Kanzlerin Angela Merkel, NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sowie Hessens Ministerpräsident Volker Buffier.

Niemand denkt daran, diese Trauerzeremonie abzusagen, sie zu verschieben oder eine weitere für die neuen Opfer zu planen. Denn am vergangenen Wochenende sind vor der Küste Libyens 400 Flüchtlinge ertrunken, weil ihr überladenes Boot kenterte. Darunter auch eine schwangere Frau, während eine weitere Frau noch auf dem Rettungsschiff der italienischen Kriegsmarine ein Baby zur Welt brachte. Für diese Toten aus armen Ländern bricht kein Politiker seine Urlaubsreise ab, es fliegen auch weder Merkel noch Steinmeier nach Lampedusa, um mit einem italienischem Hubschrauber über die Stelle im Mittelmeer zu fliegen, an der das Boot gekentert ist. Es macht sich auch keine Armee von Journalisten auf nach Libyen, um dort in penetranter Art und Weise die Hinterbliebenen der Opfer, so sie dort anzutreffen wären, zu filmen oder zu interviewen.

Pech eben, dass unter den Opfern keine Deutschen waren.

Obwohl in diesem Jahr bereits rund 900 Menschen auf der Flucht im Mittelmeer, dem größten Friedhof Europas, ertrunken sind (2014 waren es über 3.000), beschränkt sich die Reaktion der Bundesrepublik auf das Statement von Regierungssprecher Steffen Seibert, der nicht müde wird, im Auftrag seiner Chefin bei Unterschlagung der Verantwortung von "Frontex" zu wiederholen, dass die Länder, aus denen die Flüchtlinge aufbrechen, "die Schlepperaktivitäten besser bekämpfen" müssten. Der Kanzlerin, dem Außenminister, dem Bundesgauckler und dem sozialdemokratischen Erzengel Gabriel ("Dick und Doof in einer Person") sind diese Toten nicht einmal eine Pressekonferenz oder irgendeine sonstige Bemerkung wert.

Das Sterben vor den Stränden der südeuropäischen Urlaubsparadiese geht unterdessen weiter. Diejenigen, die die rettenden Küsten Europas lebend erreichen, werden dagegen von den Medien zur "Asylantenschwemme" und Bedrohung für die Einwanderungsländer gebrandmarkt. Nicht wenige davon werden in Deutschland direkt in Abschiebehaft genommen und dürfen sich dort gleich wie zu Hause fühlen.

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Anmerkung des Kapitäns: Wenn ich so viel kotzen könnte wie ich müsste, wäre der Kölner Dom schon vor der Ankunft der widerwärtigen Heuchlerbande bis zum Rand gefüllt und damit nicht begehbar.

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Magenbeschwerden



(Lithografie von George Grosz [1893-1959] aus dem Jahr 1921, in: "Ecce Homo", Malik 1923)

Mittwoch, 15. April 2015

Zitat des Tages: Schlussstück


Der Tod ist groß.
Wir sind die Seinen
Lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
Wagt er zu weinen
Mitten in uns.

(Rainer Maria Rilke [1875-1926], in: "Das Buch der Bilder", 1902)

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Bildnis eines toten jungen Wissenschaftlers



(Gemälde von Jiří Georg Dokoupil [*1954] aus dem Jahr 1982, Dispersion auf Nessel, Privatbesitz [sic!], Köln)

Dienstag, 14. April 2015

Musik des Tages: Klavierkonzert Nr. 1 in e-moll




  1. Allegro maestoso
  2. Romanze – Larghetto
  3. Rondo – Vivace

(Frédéric Chopin [1810-1849]: Klavierkonzert Nr. 1 in e-moll, Op. 11; Israel Philharmonic Orchestra, Klavier: Evgeny Kissin, Leitung: Zubin Mehta, 2011)

Nachrichten aus Kapitalistan: "Weil überall Geld fehlt"?


Wer kennt ihn nicht, diesen dusseligen Spruch, der sich unter Anderem in absurden Feststellungen niederschlägt wie XY "muss den Gürtel enger schnallen" oder XY "hat über seine Verhältnisse gelebt"? Die angebliche Geldknappheit - ein systemisches Wesensmerkmal des eigentlich laut offizieller Propaganda ja "Wohlstand bringenden" Kapitalismus - wird immerzu als alternativloses Totschlagargument angeführt, wenn wieder einmal in großem Stil gekürzt, also verarmt (sprich: von unten nach oben umverteilt) werden soll.

Ein unscheinbarer Text bei n-tv klärt den so gebeutelten Verarmten oder von Armut Bedrohten nun lapidar auf:

42 Milliarden Euro für Aktionäre / Deutsche AGs zahlen Rekord-Dividenden / Nicht nur im Dax regnet es derzeit Geld für Anleger - in Summe zahlen alle börsennotierten deutschen Unternehmen laut einer Studie so viel Dividende wie noch nie zuvor.

Das widerliche Gesindel der Superreichen, das im Kapitalismus in diesem Zusammenhang gern euphemistisch als "Anleger" oder gar "Investoren" bezeichnet wird, füllt sich unverdrossen, kontinuierlich und nach wie vor völlig hemmungslos die schon lange aus allen Nähten platzenden, überquellenden Taschen, während zeitgleich das offizielle Gejammere über die angebliche Geldknappheit munter weiter aufrechterhalten wird.

So geht Orwell im 21. Jahrhundert. Und wie wir tagtäglich beobachten können, funktioniert der irrsinnige Schwindel auch heute noch immer - oder, korrekter gesagt, besser als jemals zuvor: Fast die gesamte Bevölkerung trabt grunzend wie eine Horde hirntoter Zombies im Propagandastrom mit, schuftet brav für den steten Vermögenszuwachs der feudalen Herrschaften und bemerkt nicht einmal, welche Sklavendienste sie überhaupt leistet. Es gibt massenhaft ZeitgenossInnen, die perfekt konditioniert sind und das infantile Märchen von der "Eigenverantwortung" schon so weit verinnerlicht haben, dass sie nicht einmal im Traum auf die Idee kämen, es angesichts der herrschenden Verhältnisse auch nur kurz in Frage zu stellen - während zeitgleich das "elitäre" Pack leistungs- und verantwortungslos die Milliarden auf Kosten aller anderer Menschen unaufhaltsam an sich rafft.

Dieser perversen Welt fehlt kein Geld, und zwar nirgends - dieser Welt fehlt lediglich eine ausgewachsene Revolution. - Darauf können wir im obrigkeitshörigen Dumm-Deutschland indes warten, bis der Bart gleich dreimal um den Erdball reicht und die Sonne verdunkelt.

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Gottvertrauen


"Halb sechs - sie muss kommen, die Weltrevolution!"

(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 15 vom 08.07.1919)

Donnerstag, 9. April 2015

Abmeldung - und Song des Tages: War




(Sleeping Pulse: "War", aus dem Album "Under The Same Sky", 2014)

Could I be wrong or did I just watch
You cut your own throat to maintain a sense of control?
Within, where logic sleeps with the pigs
I'm half in your world, so you drag me down with your ship

Lead us into war - leave the real world behind
Give in to scorn - burn, run and hide

Waging our war has given me something pure to believe in
From my moral high ground I'm up here looking down
At the parasites snapping at the air
And I guess I'm still somewhat confused
You put a grenade in your mouth and pulled the pin out
In the hope that I'd get hurt by the blast

I offered to drop, even begged you to stop
For your own worthless sake and I meant what I said
But you had to defile and then hid like a child
Let the grown-ups clean over the mess that you'd made ...

(Do you feel shame?)

Lead us into war - leave the real world behind
Give in to scorn - burn, run and hide

I can see the waves rushing from your shores
I can hear the praise running from your door
You sacrificed your name and all that you've worked for
Just to feed your scorn



Anmerkung: Ich weiß, momentan ist nicht viel los auf dem Narrenschiff. Das hat persönliche Gründe, die mich nachhaltig davon abhalten, allzu viel Zeit mit dem Lesen und Schreiben von tagesaktuellen Texten zu verbringen. Bis das wieder anders wird, kann vielleicht das eine oder andere Zitat oder Musikstück die sprachliche Leere ein wenig überbrücken, hoffe ich.

Dieser Song jedenfalls beschreibt meinen aktuellen Lebens- und daraus resultierenden Gemütszustand ziemlich gut. Der Krieg ist in vollem Gange - und das betrifft momentan nicht "nur" den äußeren Krieg der "Elite" gegen Humanismus, Demokratie und sämtliche Errungenschaften der einstmals "gebändigten" kapitalistischen Wohlstandsinsel in Westeuropa nach 1945, sondern leider auch den schlichten Angriff von Krankheit und Tod auf mir nahestehende Menschen. Meine Energie und volle Aufmerksamkeit wird jetzt anderswo benötigt. Mitten auf dem Schlachtfeld des Lebens.

[NSA-Service: "Der Teilnehmer hat sich vorübergehend ausgeloggt."]

Montag, 6. April 2015

Zitat des Tages: Du hast einen Feind


Was du verdienst, ist ihm egal -
solang er noch an dir genug verdient.
Was du ausgibst, ist ihm egal -
solang du nur einkaufst bei ihm.
Was du einkaufst, ist ihm egal -
solang er entscheidet, ob du anständig aussiehst.
Wie du aussiehst, ist ihm egal -
solang deine Haare nicht zu lang sind.
Wie lang deine Haare sind, ist ihm egal -
solang du die Schnauze hältst.
Deine Meinung ist ihm egal -
solang du schuftest für ihn.
Was du gegen ihn sagst, ist ihm egal,
solang du nichts tust gegen ihn.

Wo du arbeiten musst, ist ihm egal -
solang du nicht siehst, wo er faulenzt.
Wo du wohnst, ist ihm egal -
solang du pünktlich die Miete zahlst an ihn.
Welchen Hit du hörst, ist ihm egal -
solang du nach seiner Pfeife tanzt.
Welchen Krimi du siehst, ist ihm egal -
solang du nicht ihn überführst.

Versuch mit ihm zu reden -
er kann nur toben oder tätscheln.
Versuch mit ihm zu verhandeln -
er lacht und haut dich in die Pfanne.
Eh er seinen Besitz abtritt,
eh er verduftet -
schlägt er lieber die Welt kaputt
und dich mit.

Du hast einen Feind:
Schon wieder holt er aus
und drischt auf dich ein -
solang du ihn dreschen lässt.

(Friedrich Christian Delius [*1943], in: Born / Delius / von Törne: "Rezepte für Friedenszeiten. Gedichte", Aufbau 1973)


Todesstrafe: Die staatlichen Mörderbanden und die "offiziellen Zahlen"


Wie jedes Jahr hat Amnesty International auch jüngst wieder einen Report über die weltweit verhängten und vollstreckten Todesurteile veröffentlicht. Die Zahlen geben einmal mehr wenig Anlass zur Hoffnung:



Unsere Propagandamedien haben die entsprechende Agenturmeldung, ebenfalls wie jedes Jahr, dankbar aufgegriffen und sie kritiklos und weitgehend unverändert weiterverbreitet (siehe beispielsweise hier oder hier). Der Aussagewert dieses Reports, der fast ausnahmslos einzig auf "offiziellen" Zahlen der jeweiligen Staaten beruht, wird hingegen einmal mehr nicht in Frage gestellt. Einzig für China wurde die Zahl - auf welcher Datenbasis auch immer - einfach mal geschätzt und dennoch mit den übrigen "offiziellen" Verlautbarungen in eine vergleichende Reihe gestellt.

Wie hanebüchen eine solche Vorgehensweise ist, wird schon an einem einzigen Beispiel deutlich: In den USA gibt es bekanntermaßen nicht nur die "offizielle", von Gerichten verhängte Todesstrafe, sondern parallel auch die sogenannte Todesliste, anhand derer weltweit Menschen von Geheimdiensten und vom Militär ohne eine vorherige Anhörung oder gar ein Gerichtsverfahren ermordet werden - Amnesty berichtet an anderer Stelle darüber. Genaue Zahlen gibt es dazu natürlich nicht - unwidersprochen blieben bislang allerdings verschiedene Berichte über mehrere tausend allein von amerikanischen Drohnen ermordete Menschen (Beispiel Pakistan); und Drohnen stellen nur eine von vielen denkbaren Arten des staatlichen Mordes dar, der unterdessen munter immer weitergeht.

Der komplette AI-Report ist damit hinfällig und besitzt keinerlei informative Aussagekraft. Es ist davon auszugehen, dass die Regime der USA und Chinas gewiss nicht die einzigen mordenden Regierungsbanden auf diesem verkommenen Planeten sind, die selbst auf einen Rest einer rechtsstaatlichen Fassade - so bröckelig und verfallen sie auch sein mag - verzichten. Für einen betroffenen Menschen ist es vollkommen gleichgültig, ob ihm das Recht auf Leben von einem Gericht, von PolitikerInnen oder von irgendwelchen dubiosen Hinterzimmergestalten aus geheimdienstlichen, militärischen, religiösen oder sonstwie "elitären" Kreisen abgesprochen wird - verwerflich, widerwärtig, geradezu niederträchtig und scharf zu verurteilen ist das alles gleichermaßen.

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Schöpfungsgeschichte


"Als Kain seinen Bruder Abel erschlagen hatte, bekamen Adam und Eva den Friedenspreis."

(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 40 vom 03.01.1927)

Freitag, 3. April 2015

Song des Tages: Amnesia




(Dead Can Dance: "Amnesia", aus dem Album "Anastasis", 2012)

Saw the demonstration
On remembrance day
Lest we forget the lesson
Enshrined in funeral clay
History is never written
By those who've lost
The defeated must bear witness to
Our collective memory loss

With every generation comes
Another memory lapse
See the demonstrations of
Failing to learn from our past
We live in the dreamtime
Nothing seems to last
Can you really plan a future
When you no longer have a past

Memories fall from the trees
- Amnesia -
Memories like autumn leaves

If we are subject to
Empirical minds
I wonder what lies beyond
Our memory's confines
If memory is the true
Sum of who we are
May your children know the truth
And shine like the brightest star

Memories, help me see
- Amnesia -
Memories, set me free

All my love and all my kisses
Sweet Mnemosyne
All my love and all my kisses
Sweet Mnemosyne
Sweet Mnemosyne




Anmerkung: Dies ist der vielleicht eindringlichste neuzeitliche Song gegen das Vergessen, der mir bekannt ist. Wenn dieser seit Jahrhunderten andauernde, immer gleiche Ablauf derselben perfiden Mechanismen, die bislang noch ausnahmslos jede Zivilisation oder Hochkultur - oder was heute rückblickend so geschimpft wird - in die Katastrophe und nachhaltige Zerstörung und Auslöschung getrieben haben, nicht endlich gestoppt wird, sieht es auch für unsere zerbröckelnde Insel der "Zivilisation" zappenduster aus.

Anlass zur Hoffnung besteht indes nicht - die Kapelle der korrupten Bande spielt auch heute nur umso schriller, je größer die klaffenden Lecks im Rumpf des sinkenden Dampfers werden. Und so gilt auch weiterhin die allzu leidvolle Erkenntnis, die inzwischen längst zum perversen Motto der menschlichen Spezies geworden ist:

"Those who cannot remember the past are condemned to repeat it."

(George Santayana [1863-1952], in: "The Life of Reason", 1905/06)

Mittwoch, 1. April 2015

Nebenschauplatz Flugzeugabsturz: Triumph der Bigotterie


Ich hatte mir zu diesem Thema eigentlich eine Maulsperre verordnet, um angesichts eines solch sensiblen Sujets nicht ausfällig werden und möglicherweise dem einen oder anderen betroffenen Menschen pietätlos auf die Füße treten zu müssen - angesichts des anhaltenden, um sich greifenden Wahnsinns in Politik, Medien und teilweise sogar kritischen Blogs bleibt mir nun aber keine Wahl mehr und ich muss mich äußern.

Dieses Ereignis ist tatsächlich in allen Facetten ekelerregend: Es ist widerlich, dass viele Menschen gestorben sind; es ist widerlich, dass diese Tatsache innerhalb kürzester Zeit für geheuchelte politische Beileidsbekundungen missbraucht wurde; es ist widerlich, dass Politiker und Medien diesen Unfall zusätzlich unverzüglich für allerlei unterschiedliche Ziele instrumentalisiert haben und dies weiterhin tun; es ist widerlich, dass jenseits der Fakten bezüglich der Ursachen des Unglücks wild spekuliert wird, als seien alle Beteiligten vollkommen irre geworden; es ist widerlich, dass der vermeintliche Täter inzwischen posthum - samt seinem familiären Umfeld - wie eine böse Sau durchs verkommene Dorf getrieben wird.

Mich widert das nur noch an und ich ersehne seit Tagen ein Ende dieser irrwitzigen politisch-medialen Kampagne, welche die Verkommenheit des kaptitalistischen Systems noch übler gar nicht illustrieren könnte. Werfen wir doch einfach mal einen kurzen Blick auf die dünnen Fakten:

  1. Ein Flugzeug ist abgestürzt. - Das tun Flugzeuge, seit es sie gibt, leider immer wieder, und die Gründe dafür sind vielfältig. Ein bewusst herbeigeführter Absturz durch einen Piloten in suizidaler Absicht - der, wie gesagt, aktuell nicht mehr als nur eine vage Mutmaßung ist - stellt bezüglich eines großen Passagierflugzeugs die absolute Ausnahme dar, die meines Wissens bislang noch niemals zuvor dokumentiert worden ist. Weshalb ein solcher eventueller Ausnahmefall, den es nebenbei auch in allen übrigen Bereichen des menschlichen Lebens zu jeder Zeit und an jedem Ort geben kann, medial so aufgebauscht und schrill verzerrt wird, erschließt sich einem nüchternen Betrachter in keiner Weise.

  2. Seit Tagen beherrscht dieses Unglück bzw. beherrschen die wildesten Spekulationen darüber die Medienlandschaft - wodurch die Berichterstattung über andere, möglicherweise weitaus relevantere Themen erfolgreich verhindert wird.

  3. Das Thema "psychische Erkrankungen" rückt einmal mehr ins Zentrum der medialen Aufmerksamkeit. Es ist keine Neuigkeit, dass in diesem korrupten Land seit geraumer Zeit versucht wird, "abweichendem" Verhalten den Stempel der psychischen Krankheit aufzudrücken ("Jobcenter" tun das beispielsweise, wenn irgend möglich, sehr gerne) oder unliebsame Zeitgenossen auf diese Weise aus dem Weg zu räumen. Die aktuelle Propaganda illustriert das sehr anschaulich, wenn beispielsweise beim WDR zu lesen ist: "Co-Pilot galt vor Jahren als selbstmordgefährdet", um danach flugs zu relativieren und den nächsten Absatz dennoch mit der hanebüchenen, in diesem Kontext völlig irrsinnigen Headline zu beginnen: "Weiter Rätselraten um Motiv". Für die Propagandaverbreiter steht eben fest: Der "psychisch Kranke" trägt die Schuld; irgendwelcher Beweise - sowohl bezüglich der "Krankheit", als auch bezüglich der Täterschaft - bedarf es offenbar nicht. Auch die schnöde Tatsache, dass ein tatsächlich kranker Mensch in der Regel auch nicht schuldfähig sein kann, findet keinen Eingang in diese üble Hetze. Außerdem ist es ein ausgemachter Skandal, dass medizinische Details, die in der Öffentlichkeit absolut nichts verloren haben, hier nicht nur wie gewohnt von Springers Hetzblättern ungehemmt ausgebreitet werden, sondern auch von den öffentlich-rechtlichen Kuhmedien und sonstigen Qualitätsposaunen. Entsprechend wird nun bereits in einigen dieser Medien das Prinzip der ärztlichen Schweigepflicht angegriffen.

  4. Das perverse kapitalistische System produziert [!] jeden verdammten Tag zehn-, gar hunderttausende von Toten: Zu all den Verhungerten, Verdursteten und an heilbaren Krankheiten Gestorbenen kommen noch all die Ermordeten hinzu, die amerikanischen Drohnen und den imperialistischen Angriffskriegen der NATO laufend zum Opfer fallen. Millionen von Toten im Irak, alle fünf Sekunden ein verhungertes Kind unter zehn Jahren weltweit, eine drastisch erhöhte Suizidrate beispielsweise in Griechenland - die Liste ist schier endlos. Für all diese Menschen gibt es keine politischen Beileidsheucheleien, medialen Sonderberichte oder gar investigativen Untersuchungen - letzteres darf nach herrschaftlicher Weisung ja auch gar nicht sein, da man ansonsten zu dem Schluss kommen müsste, dass das kapitalistische System der Habgier die Ursache der Katastrophen ist. Und das muss um jeden Preis verhindert werden - sagen die "Eliten", und die hörigen Knappen folgen brav und willig.

Die Bigotterie, Heuchelei und Sensationsgier der korrupten Bande feiern in diesem Land ebenso ungeahnte Triumphe wie die schamlos ausgenutze Instrumentalisierung jedweder Ereignisse - je katastrophaler bzw. größer, desto besser - für eigennützige, menschenfeindliche Zwecke. Ich kann mich da tatsächlich nur noch angewidert abwenden, ab sofort erneut mein Maul halten und die Flucht in virtuelle Welten antreten. Täte ich das nicht, brächte ich meine pazifistische Gesinnung in arge Bedrängnis.

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Tender Lie



(Gemälde von Francesco Clemente [*1952] aus dem Jahr 1984, Mischtechnik auf Holz und Aluminium, Privatbesitz, Zürich)

Montag, 30. März 2015

Konzert des Tages: Roger Waters & The Bleeding Hearts Band




(Roger Waters & The Bleeding Hearts Band: "In The Flesh", Konzert in der Rose Garden Arena, Portland, Oregon, USA am 20.07.2000)

Anmerkung: Was Waters mit seinen KollegInnen in diesem 15 Jahre alten zweieinhalbstündigen Konzert abgeliefert hat, beeindruckt mich wirklich sehr. Der Mann hat hier außergewöhnliche Musiker und Sängerinnen engagiert, die allesamt virtuoser und schlicht besser spielen als die gesamte ehemalige Pink-Floyd-Mannschaft einschließlich Waters selbst. Zu Beginn wird ganze anderthalb Stunden lang eine fulminante Auswahl von Stücken aus sämtlichen Floyd-Alben von 1973 bis 1983 dargeboten, die kein Auge trocken und kein Ohr ungerührt lassen kann - einschließlich eines epischen Syd-Barrett-Memorial-Teils, der fast das gesamte Album "Wish You Were Here" umfasst, nebst einem Schmankerl aus dem Jahr 1968, das im Original vom legandären Mitbegründer der Floyds noch mit eingespielt wurde, sowie einem mit 60er-Jahre Glamour-Anzug bekleideten und Barrett-Perücke tragenden Gitarristen. Abgerundet wird das Spektakel von einigen jüngeren Waters-Songs, vor allem aus dem Album "Amused to Death", gefolgt vom unvermeidlichen Finale aus "The Dark Side Of The Moon", dem Wall-Song "Comfortably Numb" und dem eigens für diese Konzertreihe geschriebenen "Each Small Candle".

Ich habe dem Mann, den ich zuvor in den frühen 90ern einige Male live erlebt habe und davon eher mäßig angetan war, einen solchen Auftritt nicht mehr zugetraut und war hellauf begeistert, als ich ein anderes Konzert dieser Tournee kürzlich auf DVD sah. Es wird vermutlich nicht allzu lange bei youtube verfügbar sein - wer es sich dort in einer zumindest halbwegs erträglichen Bild- und Tonqualität anschauen möchte, sollte sich also sputen. Für mich persönlich war beim Ansehen die Erkenntnis ein wenig erschreckend, dass ich tatsächlich sämtliche Textzeilen nach wie vor auswendig kenne - ich habe meine bisherige Lebenszeit offensichtlich in nicht unerheblichem Maße mit Pink Floyd und Roger Waters verbracht ... ;-)


Samstag, 28. März 2015

Zitat des Tages: Der Soldat


unterm netz von stacheldraht
      hockt verlassen der soldat

sucht sich schläfrig umzudrehen
      denn er ist es müd zu sehen

wie er sich entgegengähnt
      mit dem kamm nach läusen strähnt

schaut er rechts sieht er sich rauchen
      links aus einem trinknapf tauchen

durch ein fenster sieht er sich
      zwanzigfach um einen tisch

und mit schweißverklebten haaren
      wird er in den hof gefahren

er sieht hände die ihn fassen
      und zur erde fallen lassen

hört ins manteltuch gehüllt
      wie er laut vor schmerzen brüllt

überm wald liegt feuerschein
      der soldat schläft langsam ein

(Christa Reinig [1926-2008], in: "Die Steine von Finisterre", Eremiten-Presse 1960)


Freitag, 27. März 2015

Realitätsflucht (18): Fable - The Lost Chapters


Meine heutige Flucht führt mich ins Fantasyreich "Albion", dem Handlungsort des PC-Rollenspiels "Fable - The Lost Chapters" (Lionhead Studios) aus dem Jahr 2005, das auf dem Konsolenspiel "Fable" aus dem Jahr 2004 basiert. Dieses Spiel war das allererste Rollenspiel dieser Art, das ich vor einigen Jahren überhaupt gespielt habe - deswegen hat es eine besondere Bedeutung für mich, da ich mich noch sehr gut an die Begeisterungsstürme, die es seinerzeit bei mir ausgelöst hat, erinnere.

2012 ist eine überarbeitete "Anniversary"-Version erschienen, was ich nun zum Anlass genommen habe, diese erste Spielerfahrung noch einmal zu wiederholen. Ich musste allerdings schnell feststellen, dass man das Spiel in weiten Teilen konsequent "verschlimmbessert" hat: Neben allerlei Bugs, die es zuvor nicht gab, ist hier insbesondere das komplett geänderte Menü zu nennen. Das ursprüngliche Menü war zwar ebenfalls kein großer Wurf, aber es war benutzbar, und darauf kommt es in einem solchen Spiel, in dem man diese Funktion relativ häufig benötigt, an. Die neue Version ist vollkommen unübersichtlich, potthässlich - und vor allem in der Bedienung komplett unbrauchbar, da das Menü sich - anders als in der alten Version - nicht einmal mit der Maus bedienen lässt, sondern exotische Tasten wie "Pos1" oder "Ende" bemüht. Ich habe mich drei quälende Stunden damit herumgeärgert, das Spiel dann entnervt wieder von der Platte entfernt und stattdessen die ursprüngliche Version gestartet. Um diese geht es im Folgenden.

"Fable" ist ein typisches Rollenspiel mit einer recht spannenden, wunderbar erzählten und teils sehr dramatischen Geschichte, über die ich hier nicht mehr verraten möchte. Der Spieler startet als Kind, erlebt die Kindheit und Jugend des späteren Helden quasi als Tutorial, bis er schließlich als junger, unerfahrener Heldenanwärter nach "Albion" aufbricht, um als Schwertkämpfer, Bogen- bzw. Armbrustschütze oder Magier (oder einer Kombination aus allen diesen) mannigfaltige Abenteuer zu bestehen und letztlich - natürlich - einmal mehr das ganze Land vor dem Untergang zu retten.


Im ersten "Bosskampf" tritt man gegen den Oberräuber "Zwillingskling" an.

Im Grunde handelt es sich um eine offene Welt - allerdings werden gewisse Areale erst später im Spiel freigeschaltet, wenn man bestimmte Aufgaben erfüllt und eine gewisse Stärke erreicht hat. Einen besonderen Schwerpunkt legt das Spiel auf die Atmosphäre: Dazu tragen fantasievoll und detailreich gestaltete, ziemlich unterschiedliche Areale ebenso bei wie der Tages- und Nachtrhythmus, der Wetterwechsel und die besonders zu lobende Musik, die tatsächlich im positiven Sinne Ohrwurmcharakter besitzt und ein unverwechselbares "Fable"-Gefühl produziert.

Das Spiel hat neben den üblichen Haupt- und Nebenquests, die es zu erledigen gilt, eine Menge Details zu bieten, die von verschiedenen Mini-Games bei Abzockern, die man in jeder größeren Stadt findet (u.a. Blackjack, Memory, Münzenschießen etc.), über einen Angel-Wettbewerb bis hin zu wunderbar prolligen Faustkämpfen reichen. Überall sind mehr oder weniger versteckte Truhen, vergrabene Schätze oder im Wasser verborgene Kostbarkeiten zu finden, wodurch der Anreiz, die Welt akribisch zu durchsuchen, gestärkt wird. Oft lohnt sich das, denn so lassen sich nicht nur wertvolle Gegenstände, die man verkaufen kann, finden, sondern auch Heiltränke, besondere Waffen oder Rüstungsteile sowie die im Spiel besonders wichtigen Silberschlüssel. Diese benötigt man, um besondere Truhen zu öffnen, in denen sich immer legendäre Gegenstände befinden. Fast schon sagenhaft sind die sprechenden sogenannten "Dämonentüren", von denen man in "Albion" eine ganze Reihe findet: Diese stellen dem Spieler jeweils eine bestimmte, manchmal auch verschlüsselte Aufgabe, die es zu erledigen gilt, bevor die Tür sich öffnet und ihre stets wertvollen oder nützlichen Schätze preisgibt.

Man kann sich frei entscheiden, ob man einen "guten" Helden oder einen "bösen" Tyrannen spielen möchte. Diese Entscheidung beinhaltet teilweise unterschiedliche Nebenquests und hat neben der Reaktion der Bevölkerung auf den Protagonisten (Jubel bzw. Angst und Flucht) insbesondere eine optische Konsequenz: Der Held erhält im weiteren Spielverlauf tatsächlich einen wunderbar kitschigen Heiligenschein, während dem Schurken allmählich diabolische Hörner aus der Stirn wachsen. Genauso ironisch wie dieses Detail sind weite Passagen des Spiels, das neben der ernsten, dramatischen Hauptgeschichte auch eine Menge Humor zu bieten hat.

Der Spieler kann Handel treiben, Häuser und Läden erwerben, sich verlieben, heiraten, Kinder bekommen, andere Leute bestehlen, ganze Städte ausrauben, wahllos morden und vieles mehr - alle diese Handlungen haben aber Konsequenzen, die man vorher bedenken sollte. Viel mehr will ich dazu gar nicht verraten.

Die deutsche Sprachausgabe ist äußerst gelungen und professionell umgesetzt. Das Spiel (wohlgemerkt: nicht die "Anniversary"-Version) ist frei von Bugs und läuft unter Win7/64 perfekt stabil (das Programm ist in beiden Spielverläufen kein einziges Mal abgestürzt). Der einzige wirkliche Kritikpunkt, der mir einfällt, ist die mangelhafte Speichermöglichkeit: Es gibt keine Schnellspeicherfunktion, und auch über das Menü lässt sich lediglich der "Helden-Spielstand" abspeichern, was zur Folge hat, dass man eine mit einer Bildschirmmitteilung begonnene Quest erst beenden muss, bevor man speichern und das Spiel beenden kann - ansonsten fängt man bei der nächsten Spielsession wieder am Beginn der besagten Quest an.

Es mag sein, dass ich "Fable" durch eine leicht rosa gefärbte Brille betrachte, da es ja mein "erstes Mal" in Sachen Rollenspiele gewesen ist - ich habe aber tatsächlich ansonsten nichts an diesem Spiel auszusetzen und betrachte es als eines der ganz Großen dieses Genres, das mir beim zweiten Mal genauso viel Spaß gemacht hat wie zuvor.