Donnerstag, 28. Juli 2016

Song des Tages: Stolen Life




(Arch Enemy: "Stolen Life", aus dem Album "War Eternal", 2014)

Everything so clear now
It's written on your face
In a world within a world
I can smell the bridges burn

Sharks ever circling
They never go away
In these dark, murky waters
So hard to navigate and so easy to hate

Paint me black, demonize me, this is how you pay me back?
Do you ever really know someone until you look away?
Misplaced my trust, only to learn ... honesty is just a word

This is a stolen life
Before you walk away
Don't forget to turn the knife

What's next, more betrayal?
Have I not suffered enough?
You made me feel so alive
Now you're just killing me
Killing me

Carve away the rotten flesh
It's time to burn
Strip away the dirty lies
Expose the ugly truth.



Anmerkung: Ob Faulfuß soviel Schmutz, Schwärze und geballte Nekrophilie - zumal von femininer Seite - wohl erträgt, ohne seinen Psychiater bzw. Priester aufsuchen zu müssen? Man weiß ja so wenig.

Mittwoch, 27. Juli 2016

Die nekrophilen Fantasien der Esoteriker


Meine liebste Gebetsschwester, Roland Faulfuß, hat schon wieder esoterischen Schwachsinn in die böse Welt des Darknet gekotet: Zuerst hat er vergangene Woche einen hirnmalträtierenden Text über die "Biophilie" erbrochen, der an dümmlich-religiotischer Verklärung gar nicht mehr zu überbieten ist und die "Natur" ins Korsett einer derartig infantilen Benjamin-Blümchen-Welt zwängt, die man nur noch wahnhaft nennen kann. Dieses Meisterwerk esoterischer Dämlichkeit hat er nun getoppt mit einem "Yang"-Beitrag, in dem der selbsternannte Magier sich dem bösen Widersacher der heilen Blümchenwelt widmet, nämlich - man lese und staune - der "Nekrophilie".

Ich will auf beide Predigten, die ihren absurden Stumpfsinn auch ohne jeden kritischen Kommentar lauthals in die Welt schreien, nicht weiter eingehen - allerdings möchte ich hier dokumentieren, wen der hochsensible Priester denn wohl als Gralshüter des satanischen Weltuntergangs ausgemacht hat. Er schreibt allen Ernstes - und das ist wirklich kein Text von Volker Pispers oder Oliver Kalkofe, auch wenn das wimmernde Gehirn bittend darum fleht:

Der Gegensatz Biophilie / Nekrophilie eignet sich trefflich, um konstruktive Ideologien innerhalb ein- und desselben politischen Spektrums von den destruktiven zu unterscheiden. Fäkalsprache, eine Vorliebe für Totenköpfe, Horro[r]filme und die Farbe Schwarz sind somit auch, wenn sie im „linken“ Milieu auftreten, ein Alarmsignal. [Hervorhebung von mir, Anm.d.Kap.] (...) Allerdings ist eine generelle Scheu vor der Welt „draußen“, eine einseitige Faszination für Technik, Stadtlandschaften, für die pflanzen- und lichtlosen Kunstwelten der Kellerlokale und Diskotheken unter dem Gesichtspunkt der psychosomatischen Gesundheit zumindest bedenklich.

Ich habe brüllend, prustend und nach Luft schnappend vor dem geliehenen Notebook gesessen, als ich das gelesen habe - und mich sodann in meiner schwarzen Kleidung unverzüglich in den Aufzug begeben, um dem Leichenkeller des Krankenhauses, in dem ich gerade "Gast" bin, einen Besuch abzustatten. Dort habe ich 666mal laut "Scheiße!" gerufen, eine große Piratenfahne an die Wand gehängt, finstere Metalmusik in ohrenbetäubender Lautstärke aufgelegt, die tote Oma aus der dritten Leichenbox zu schwängern versucht und beim Orgasmus "Roh-Land, ich komme!" geschrieen. - Und Faulfuß hat es gewusst - er muss ein göttlicher Prophet sein, dem wir alle folgen sollten! Leider hat der Heilige allerdings Killerspiele, Tarantino-Filme und einen Großteil der Musik, Malerei und deutschsprachigen Dichtung, die sich ausgiebig und andauernd mit dem Tod befassen, vergessen. Aber das sehen wir einem Hassprediger und Gotterwählten, der die marginalisierte Linke noch weiter spalten will, doch gerne nach, gelle.

So gern ich auch zu einzelnen Passagen aus den verlinkten Predigten trotz allem etwas sagen möchte, verkneife ich mir das an dieser Stelle. Realsatire ist schließlich stets die beste Satire. Lest das, aber schützt - verfickt nochmal! - Eure Stirn vor den Schlägen auf die harte Tischplatte, die unweigerlich folgen werden.


Charlie und eine unbekannte Dame.

Dienstag, 26. Juli 2016

Buchempfehlung: Das Janus-Syndrom


Das kleine Büchlein, das ich heute empfehlen möchte und das ich gerade zum wiederholten Male gelesen habe, gehört selbstverständlich zum heute völlig vergessenen, literaturwissenschaftlich größtenteils ignorierten Genre der Science Fiction. Es existiert nicht einmal ein deutschsprachiger Wikipedia-Eintrag zu diesem Autor, obwohl er mehr Bücher geschrieben hat als beispielsweise Hermann Hesse. Die Ignoranz, die dem Label "SF" von Seiten des seriösen Kulturbetriebes entgegengeschlagen ist und weiterhin entgegenschlägt, war und ist legendär.

Diese vom Goldmann-Verlag fälschlicher Weise als "technisch-utopischer Roman" titulierte Erzählung ist - wie so oft in diesem Genre - eine wunderbare Parabel auf die kapitalistische, stets autoritärer werdende Endphase unserer heutigen Zeit. Im Klappentext heißt es:

"Dr. Mark Brant arbeitet als Wissenschaftler auf einem außerirdischen Planeten. Durch den terrestrischen Geheimdienst kann man ihn zwingen, in dessen Auftrag auf diesem Planeten - Ladros - zu spionieren. / Ein Auftrag, der zum Scheitern verurteilt scheint, denn dort hat man einen Apparat entwickelt, der alle Gehirnvorgänge wiedergeben kann - auch die eines Spions."

Wer gerne nachlesen möchte, welche Auswüchse der feuchte Traum der totalen Überwachung in der kapitalistischen Diktatur annehmen kann, dem sei Masons Büchlein, das es heute selbstverständlich nur noch antiquarisch gibt, wärmstens ans Herz gelegt. Ich habe es am Sonntag mit großem intellektuellem Gewinn einmal mehr verschlungen.



(Douglas Rankine Mason [1918-2013]: "Das Janus-Syndrom", 1969; dt. Goldmann 1973)

Montag, 25. Juli 2016

Musik des Tages: Frozen in Time




  1. Indoafrica
  2. Eurasia
  3. The Americas

(Avner Dorman [*1975]: "Frozen in Time". Konzert für Schlagzeug und Orchester aus den Jahren 2006/07; Schlagzeug: Christoph Sietzen, Romanian National Symphony Orchestra, Leitung: Cristian Mandeal, 2015)

Anmerkung: Anschauen, aufmerksam zuhören, genießen und nachdenken. - Es ist allerdings erschreckend, dass selbst in einem solchen Konzert, in dem progressive Musik weit jenseits des kapitalistischen Mainstreams gespielt wird, trotzdem einige (zum Glück wenige) Deppen sitzen, die, anstatt die Darbietung mit allen Sinnen aufzusaugen, lieber ihr Dumpf-Phone zücken und verzückt auf das Display starren, während sie das Konzerterlebnis verpassen. Das erinnert mich an einen alten Freund, der sich gemeinsam mit mir und einigen anderen vor vielen Jahren monatelang auf eines der schon damals äußerst seltenen Pink-Floyd-Konzerte gefreut und dafür eine Menge Kohle investiert hatte, nur um den denkwürdigen Abend dann im Halbkoma und wild kotzend vor der Halle zu verbringen, weil er viel zu viel gesoffen hatte.

Ein gewisses Maß an bewusstseinserweiternden Substanzen ist indes nicht bloß für (ältere) Pink-Floyd-Konzerte, sondern auch für das Verständnis der Musik Avner Dormans recht hilfreich. Koma oder Dumpf-Phones helfen da eher nicht weiter.

Samstag, 23. Juli 2016

Der erschütterte Bundesinnenminister: Aus dem Innenleben der Kloake


Die Leichen von München sind noch keine 24 Stunden kalt - und mein Brechreiz dauert nunmehr genauso lange an. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Was deutsche Medien - allen voran die ARD - angesichts der Amoktat von München abgeliefert haben, ist selbst mit Orwell'schem Neusprech nicht mehr adäquat in Worte zu fassen. Das Gefasel vom "Terror" war und ist hier genauso absurd wie die mediale Aufmerksamkeit, die diesem Thema gewidmet wurde. Da wartete der geneigte, dumpfbirnige ARD-Zuschauer auf sein gewohntes bescheuertes Krimi-Gedöns, das ihm am Freitagabend in schöner Regelmäßigkeit nahebringen soll, dass Mord und Totschlag sowie perverse Bullen, die völlig selbstverständlich im "rechtsfreien Raum" zum Wohle der Allgemeinheit agieren, in unserer tollen Welt völlig normal seien - und dann wird er von 20 Uhr bis weit nach Mitternacht mit den immer gleichen, völlig idiotischen "Berichten", verwackelten Handy-Videos und haltlosen Unterstellungen aus München abgespeist, in denen wild spekuliert wurde, ohne einen nennenswerten Informationswert zu vermitteln.

Der Amoklauf von München hatte unmittelbar einen nicht minder fatalen Amoklauf der deutschen Systemmedien zur Folge. Das ist kein Zufall, denn schon monatelang ist dort die "Terrorgefahr" - natürlich durch "Islamisten", nicht etwa durch Rechtsradikale oder andere vom Kapitalismus deformierte Menschen - geradezu beschworen worden. Es schlich sich geradezu das Gefühl ein, deutsche Medien seien neidisch auf Frankreich. Seit Freitag ist das anders - jetzt endlich haben auch deutsche Medien die sich selbst generierenden Schlagzeilen, die eine Menge Klicks und damit Kohle versprechen.

Wie bigott das ganze Szenario ist, muss ich eigentlich gar nicht erwähnen - es geschieht in diesem System nahezu täglich, dass Menschen grundlos zu Tode kommen. Wieso gab es keine inhaltslose Dauerwerbesendung im Fernsehen, als wiederholt hunderte Menschen im Mittelmeer ertranken oder völlig Unbeteiligte von us-amerikanischen Drohnen ermordet wurden? Menschen in Einkaufzentren [sic!] - zumal wenn sie einen deutschen Pass besitzen - gelten den widerlichen Machern unserer Nachrichten-Reklamewelt ganz offensichtlich weitaus mehr.

Es versteht sich von selbst, dass auch die politische Bande unverzüglich auf den kranken Karren aufgesprungen ist. Ich kann und will hier nicht alle Beispiele der letzten Stunden anführen, sondern konzentriere mich auf den ausgemachten Widerling Thomas de Maizière (CDU), der stellvertretend für die gesamte Bagage seine Verkommenheit rückhaltlos offengelegt hat. Bei n-tv heißt es:

Sichtbar erschüttert hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière auf dem Amoklauf eines 18-Jährigen in München reagiert. "Wenn man sieht, wie viele Kinder und Jugendliche aus wie vielen unterschiedlichen Nationen unter den Opfern sind, zerreißt es einem schier das Herz", sagte der CDU-Politiker in Berlin.

Man lese das gesamt Pamphlet - allerdings nicht ohne zuvor einen großen Kotzeimer neben sich zu platzieren. Neu ist hier vor allem, dass diese aalglatte Sprechpuppe allen Ernstes behauptet, ein Herz zu besitzen. Die korrekte Überschrift hätte eher lauten müssen: "Kaum zu glauben und wahrscheinlich unwahr: De Maizière ist doch kein neoliberaler Cyborg!" Selbstverständlich nimmt der Bürstenfresse dieses "Menscheln" aber ohnehin niemand ab, was auch im weiteren Verlauf des kurzen Textes, in dem selbstverständlich "die Kinder" - wer denn auch sonst - beschworen werden, deutlich wird:

Schließlich fordert de Maizière eine neue Debatte um den Einfluss von etwa Gewaltvideos. Das unerträgliche Ausmaß von gewaltverherrlichenden Spielen habe eine schädliche Wirkung auf die Entwicklung junger Menschen, sagt der CDU-Politiker. Dies könne kein vernünftiger Mensch bestreiten. Das sei auch in diesem Fall so gewesen.

Da spricht ein ausgewiesener Fachmann, der vor lauter Mitleid mit den Toten, insbesondere den Kindern, "sichtbar erschüttert" geradezu zerfließt, und den Fakten und Wissenschaft nicht im Ansatz interessieren - Hauptsache, er fordert irgendeinen dämlichen Blödsinn, ohne an den tatsächlichen Ursachen dieser letztlich einmal mehr durch den Kapitalismus erzeugten Gewalt auch nur zu rühren. Etwas noch Übleres als diese Medien und diese Politbande lässt sich im Rahmen dieses Systems kaum mehr denken. Kriege, staatliche Drohnenmorde, Zwangsverarmung bis hin zur Obdachlosigkeit, schamlose Ausbeutung der großen Masse zur Bereicherung einer kleinen, längst superreichen "Elite" etc. sind vollkommen okay - zu verdammen sind hingegen "Gewaltvideos" und "Killerspiele". Immer wenn man meint, noch dümmer ginge es nicht mehr, kommt irgendein Hampelmann wie de Maizière (der hier, wohlgemerkt, nur stellvertretend für die komplette Bagage steht) daher, belehrt uns eines Besseren und findet willige mediale Helfer zur Verbreitung des grenzenlosen Schwachsinns. Ich gehe dann mal killerspielen.

Der Mann ist "erschüttet" (ohne "r") von Habgier, Machtbesessenheit und Menschenfeindlichkeit und damit ein treffliches Synonym für diesen verkommenen Staat, seine "Repräsentanten" und seine bigotten Medien. Und letztlich ist er auch ein genaues Abbild der kapitalistischen "Elite".

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Bildnis eines toten jungen Wissenschaftlers



(Gemälde von Jiří Georg Dokoupil [*1954] aus dem Jahr 1982, Dispersion auf Nessel, Privatbesitz [sic!], Köln)

Freitag, 22. Juli 2016

Der Rechtsstaat: Eine absurde Utopie


Gestern Abend gab der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof (GBA) bekannt, dass mehrere Verdächtige festgenommen worden seien, die terroristische Angriffe auf die Bevölkerung geplant und bereits mehrfach durchgeführt haben sollen. Es wird ein kapitalistischer, habgieriger Hintergrund vermutet.

Die deutsche Bundespolizei hat reihenweise Terrorverdächtige festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, Anschläge auf die Bevölkerung geplant und bereits mehrfach durchgeführt zu haben. Alle Verdächtige seien Deutsche und Angehörige der üblichen Terrororganisationen wie "CDU/CSU", "FDP", "SPD", "AfD" oder "Die Grünen". All diese menschenfeindlichen Milizen verfolgen zwar dasselbe perfide Ziel, bekämpfen sich - zumindest scheinbar - aber trotzdem permanent gegenseitig, um im "Elite"-Ranking der Menschenfeindlichkeit weiter aufzusteigen. Die Festnahmen seien in hunderten unterschiedlichen Städten erfolgt, darunter vor allem Berlin, Köln und München. Nach mehreren Verdächtigen werde noch gefahndet. "Es ist eine durch und durch korrupte, widerliche Struktur", sagte der Sprecher des GBA. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die natürlich zu den Festgenommenen gehört, berief noch am Abend aus dem Gefängnis den kurz zuvor neu geschaffenen Erdoğan-Ausschuss ein, um die handelnde Justiz zeitnah abzusetzen.

Auch verschiedene Behörden stehen im Zentrum der staatsanwaltlichen Ermittlungen. So wurde beispielsweise das "Bundesamt für Verfassungsschutz" - ein grundgesetzwidriger, schamloser Club von Rechtsextremisten - kurzerhand verboten und aufgelöst. Der Kopf dieser Terror-Miliz, Hans-Georg Maaßen, wurde zusammen mit weiteren rechtsextremen Beamten in Haft genommen. Auch die "Jobcenter" genannten Schikanierungsanstalten, die sich bereits krebswuchernd über das gesamte Land ausgebreitet und den kapitalistischen Terror selbst bis in das entfernteste Dorf getragen haben, wurden gestern abend geschlossen. Die sanktionierenden Behördenangestellten müssen ebenfalls mit drastischen Anklagen rechnen.

Laut dem Sprecher des GBA gibt es evidente Hinweise auf einen kapitalistischen Hintergrund der praktizierten Menschenfeindlichkeit. Die Verdächtigen gehörten zwar verschiedenen Gruppierungen an, die allerdings allesamt dasselbe Ziel verfolgten - nämlich die Sicherung des obszönen Reichtums und der allumfassenden Macht einer kleinen "Elite" von degenerierten Extremisten. Diese befinden sich laut dpa momentan im Ausland - überwiegend in den USA, in Japan und Südkorea. Asyl müssen diese Menschenfeinde dort selbstverständlich nicht beantragen - reiche Mafiosi sind überall in Kapitalistan stets hochwillkommen. Liz Mohn, Friede Springer und andere haben bereits Vergeltungsmaßnahmen angekündigt und den globalen NATO-Bündnisfall ausgerufen, um gegen den "widerlichen Putsch in Deutschland" (Susanne Klatten) militärisch vorzugehen.

Die Zeitung "Der Postillon" berichtet, die Gruppe der Merkels, Steinmeiers, Schäubles und Gabriels sei auf Basis eines neuen Anti-Terror-Gesetzes festgenommen worden. Demnach wurden die Verdächtigen ausschließlich nach ihrem Verhalten und ihren Taten beurteilt und nicht nach ihren - meist konträren - Äußerungen. So war es letzlich recht einfach, die Anschlagsziele, Waffenverkäufe und kriminelle Energie der verkommenen Bande schnell zu identifizieren und entsprechend zu handeln.

Der Sprecher der Terrororganisation "CDU", Steffen Seibert, sprach gestern abend auf einer Pressekonferenz mit Schaum vor dem Mund von "Ketzerei" und "Gotteslästerung" und kündigte mit bebender Stimme an, dass die Miliz sich gegen die Verhaftungen "mit allen juristischen und militärischen Mitteln" zur Wehr setzen werde. "Wer Gott lästert, hat nichts als den Tod verdient - einen langsamen, qualvollen Tod", so Seibert mit blutunterlaufenen Augen. Andrea Nahles, die der Verhaftung zunächst nur deshalb entkommen war, weil sie gerade "Pokemon-Go" spielte und sich daher zum Zeitpunkt des Zugriffes in der Berliner Kanalisation aufhielt, applaudierte frenetisch, bevor sie abgeführt wurde.

In der deutschen Bevölkerung ist dieser Schlag gegen das organisierte Verbrechen eher ambivalent aufgenommen worden. In Berlin, Dresden, Frankfurt und weiteren Städten kam es spontan zu Solidaritätsdemonstrationen für die verhaftete Bande, in deren Verlauf immer wieder Sprechchöre zu hören waren wie "Deutsch ist deutsch und bleibt deutsch", "Juda verrecke" oder "Wir sind Weltmeister - Freiheit für Merkel, ab ins Gas mit dem Asylantenpack!"

"Ich liebe Deutschland", sagte Thomas de Maizière salbungsvoll, bevor er eingesperrt wurde. Berichte, nach denen er sich darauf freue, im Knast "von richtig potenten Mithäftlingen mal so richtig rangenommen zu werden", ließen sich allerdings nicht bestätigen.

Die Partei "Die Linke", die bis zu den kommenden Neuwahlen die Regierungsarbeit übernommen hat, hat heute eine Pressemeldung herausgegeben, in der es heißt: "Wir setzen uns für eine umfassende Amnestie der Beschuldigten ein, denn es kann ja nicht sein, dass Politiker und brave Beamte eingesperrt werden, nur weil sie strikten Befehlen gehorcht haben. Wo kämen wir denn da auch hin? Solidarität mit Merkel und Gabriel ist das Gebot dieser dunklen Stunde."

Im fast leeren Reichstag zittert, bibbert die Stille, während auf den Straßen wieder der braune Mob tobt.

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Die Logenbrüder



(Gemälde von Lovis Corinth [1858-1925] aus den Jahren 1898/99, Öl auf Leinwand, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München)

Donnerstag, 21. Juli 2016

Musik des Tages: Los Endos




(Steve Hackett: "Los Endos", aus der DVD "Once Above a Time", 2004; Original aus dem Album von Genesis: "A Trick of the Tail", 1976)


Dienstag, 19. Juli 2016

Zitat des Tages: Ein Traum macht Vorschläge


Ich träume - man kann das ja ruhig gestehen - fast nie.
Ich schlafe lieber, sobald ich liege.
Aber kürzlich hab ich trotzdem geträumt, wissen Sie.
Und zwar vom kommenden Kriege.

Aus den Gräbern krochen Millionen Männer hervor
(lauter Freiwillige, wie eine Stimme betonte),
die hoben ihre Gewehre zur Schulter empor
und prüften, wen zu erschießen sich lohnte.

Sie kamen einander entgegen, fertig zum Schuss und stumm ...
Doch da schrie eine Stimme, als wäre jemand in Not!
Da drehten die Männer, wie auf Kommando, die Flinten herum
und schossen sich selber tot.

Sie fielen um in endlosen Reihn.
Ich träume doch eigentlich nie ...
Und wer mag das nur gewesen sein,
der so schrie?

(Erich Kästner [1899-1974], in: "Herz auf Taille. Gedichte", mit Zeichnungen von Erich Ohser alias e.o. plauen, Deutsche Verlags-Anstalt 1928)


Montag, 18. Juli 2016

Korruption und Privatisierung: "Zahlt, ihr Narren!"


Es ist ja nichts neues, dass das Merkel-Monstrum in den wenigen Momenten, in denen es tatsächlich belastbare Aussagen formuliert, der Bevölkerung grinsend ins Gesicht lügt. Heuer dürfen wir ein weiteres Bespiel für diese Regel bestaunen, denn noch im letzten Wahlkampf behauptete "IM Erika" schamlos: "Mit mir wird es keine PKW-Maut geben", während die korrupte Bande, wie Zeit Online berichtet, nunmehr beschlossen hat:

Die Bundesregierung plant, die Autobahnen in eine eigene Gesellschaft auszugliedern, eine Art Autobahn AG. Dafür will sie sogar die Verfassung ändern. Ein Entwurf, der dazu kursiert, sieht vor, dass Versicherungen, Pensionsfonds und Banken bis zu 49 Prozent der Anteile an dieser Gesellschaft übernehmen könnten. Das würde eine echte Privatisierung bedeuten. Völlig unklar ist aber, aus welchem der drei beteiligten Ministerien der Entwurf stammt. Die ZEIT hat im Wirtschafts-, Finanz- und Verkehrsministerium nachgefragt. Alle drei haben nur ausweichend geantwortet, betonen aber, dass die Autobahngesellschaft vollständig im Besitz des Bundes bleiben soll. Die Echtheit des öffentlich gewordenen Entwurfs aber dementieren sie auch nicht.

Ganz abgesehen von der intransparenten Vorgehensweise, wie sie in dieser Form wohl nur im kapitalistisch-korrupten Filz des "freien Westens" vorkommen kann, ist es offensichtlich, dass irgendwelche "Investoren" ihr überschüssiges Geld natürlich nur dann in ein solches Projekt stecken werden, wenn auch eine entsprechende - im schlimmsten, aber wahrscheinlichsten Fall sogar staatlich garantierte - Rendite zu erwarten ist. Dies wiederum legt den Schluss nahe, dass die Benutzung der in Rede stehenden, vom Steuerzahler finanzierten Infrastruktur über kurz oder lang gebührenpflichtig für alle werden muss, um die ersehnten Profite für die "Investoren" zu generieren. Dass dies weder für die ohnehin steuerzahlenden Bürger, noch für die Qualität der Infrastruktur von Vorteil ist, versteht sich sogar ohne weiteres Fachwissen von selbst.

Selbstverständlich ist dies nur eine Randerscheinung der kapitalistischen Abzocke, in der Versicherungen, Pensionsfonds und Banken sicherlich die seriösesten Kokskonsumenten Teilnehmer sind und die längst das gesamte Leben in dieser verkommenen Welt erreicht hat. Wenn selbst Krankenhäuser inzwischen völlig selbstverständlich als "Wirtschaftsunternehmen" bezeichnet und geführt werden, die zu allererst dem finanziellen Profit der wenigen Eigner zu dienen haben, weiß man schon, in welcher grotesken, schrillen Horrorwelt man sich aufhält. Ich befinde mich gerade in einer solchen Institution und weiß schon jetzt, dass ich den "Eigenanteil" für diese (größtenteils unsinnige) Behandlungszeit in Höhe von 10 Euro pro Tag keinsfalls bezahlen kann, so dass die nächste Zwangsvollstreckung unweigerlich auf mich wartet. Die Unsummen, die meine Krankenkasse diesem Krankenhaus-"Unternehmen" in den Rachen werfen muss, erwähne ich lieber gar nicht.

Es gibt - neben der reinen Logik - gleich reihenweise Beispiele für die abstrusen Ergebnisse bereits erfolgter "Privatisierungen" (und für schlechten Journalismus - siehe Link). Das interessiert die korrupte Bande aber nicht, denn die zukünftig sprudelnden Gelder auf dem eigenen Konto sind verlockender als langweilige Fakten oder gar das Wohlergehen irgendeiner Bevölkerung, mit der die Damen und Herren Entscheider in ihren lächerlichen (Hosen-)Anzügen ohnehin nichts weiter zu tun haben wollen.

Wer denkt sich einen solchen absurden Bullshit aus, fragt man sich unwillkürlich, wenn Wasserwerke, Stromproduzenten, Post, Bahn oder eben auch der Straßenbau an profitgierige Heuschrecken verscherbelt werden, deren Ziel nicht gutes, sauberes Wasser oder eine gesicherte Mobilität für die Bevölkerung, sondern möglichst viel Profit ist? Die Antwort ist so schnöde wie einfach: Das denken sich korrupte Hanswürste aus, denen die Bevölkerung am Arsch vorbeigeht und die ihrerseits lieber an das eigene Konto denken, um sich den ersehnten Pool im Garten oder den bescheuerten Luxus-Benz leisten zu können. Andere sinnvolle Argumente lassen sich jedenfalls auch bei dauerhaftem Nachdenken nicht finden.

Das Wort "Korruption" ist ein treffliches Synonym für "Kapitalismus" oder "freiheitlich-demokratische Werte". - Und jetzt zahlt, ihr Narren!

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"Aus der Partei habe ich rausgemusst wegen meiner dicken Taschen, und zu meiner Haustür komm ich nicht mehr rein."

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 49 vom 02.03.1925)

Freitag, 15. Juli 2016

Lapuente und die "Fiktionalpolitik"


Er hat es schon wieder getan. Diesmal allerdings ist der Schwurbelmeister Lapuente über seinen eigenen Gnom hinausgewachsen und hat beim Spiegelfechter einen reformistischen, an Dummheit kaum zu überbietenden Text veröffentlicht, den man unbedingt gelesen haben sollte, auch wenn das geneigte Gehirn schon nach wenigen Zeilen beginnt zu schmerzen und um Gnade zu flehen, da man hier eindrücklich nachvollziehen kann, wie "Realpolitik" aus asozialer, scheindemokratischer Sicht auszusehen habe.

Allein der Begriff "Realpolitik" schreit schon so schrill vor lauter Stumpfsinn, dass der inhaltliche Blödsinn dieses Textes offenbar gar nicht mehr wahrgenommen wird, wenn man sich in einem derartig absurden Paralleluniversum aufhält wie das in SPD- und sämtlichen anderen kapitalistischen Kreisen - keineswegs nur in der Politik - üblich ist. Die sprachliche Entsprechung dieses Unwortes ist demnach die "Fiktionalpolitik", und diese wird laut Lapuente - im harmonischen Einklang mit den Systemmedien und der Neoliberalen Einheitspartei (NED) - von all jenen "Weltfremden" bzw. "Radikalen" angestrebt, die es tatsächlich wagen, den Heiligen Kapitalismus in Frage zu stellen. Welch ein Sakrileg! - Einer solchen geistigen Umnachtung muss man sich argumentativ nicht stellen - das käme dem Versuch gleich, mit einem Torfklumpen diskutieren zu wollen.

Ich will auf einzelne Aspekte dieser unsäglichen Gehirnkotze gar nicht eingehen, da sie sich ganz von selbst als konzentrierte, propagandistische Gülle erweist, sobald man beim Lesen auch nur das Rückenmark in den Denkprozess einbindet. Bemerkenswert ist hier aber, dass der lernunwillige, offenkundig völlig ahnungslose Autor allen Ernstes einen neuen "Radikalenerlass" für die Linkspartei [sic!] fordert, mit dessen Hilfe "Radikale" aus der Partei besser zu entfernen seien. So etwas zu formulieren, ist nicht nur demokratiefeindlich und geradezu faschistoid, sondern auch vollkommen grotesk angesichts einer Partei, die längst im "Parteienspektrum" des Kapitalismus angekommen ist und sich "realpolitisch" - also in koalitionärer "Regierungsverantwortung" - bislang stets stramm systemkonform verhalten hat, ohne auch nur den Schatten irgendeiner linken, progressiven, menschenfreundlichen Politik erkennen zu lassen.

Dem Manne ist nicht mehr zu helfen - der schmisse sich, wenn es ihm jemand anböte, gewiss auch in einen Seidenanzug samt Würgeschlips und verhandelte mit den widerlichen Menschenfeinden aus der CDU oder von den Olivgrünen über die Höhe des zukünftigen "Mindestlohnes". Mit solch debilen Gestalten waren und sind keine systemischen, nachhaltigen, wirksamen Veränderungen möglich - und sie sind vor allem eines nicht: links.

Radikal ist heute wie damals in erster und mit großem, uneinholbarem Abstand bedeutendster Linie der Kapitalismus: Kriege, Hunger, Armut, konsequente Zerstörung des Planeten, korrupte Pseudodemokratien überall, Überwachung, staatlich organisierte Ermordungen von "Verdächtigen" und so vieles, vieles mehr sprechen eine beredte Sprache, die Leute wie Lapuente aber offensichtlich nicht verstehen wollen oder können. Diese Menschheit lernt nicht, sie wiederholt nur stets dasselbe in leicht modifizierten Varianten.

Gleichzeitig wird hier das alberne Gefasel von den "Spaltungstendenzen" der Linken, die, wie Systemgläubige nicht müde werden zu betonen, selbstverständlich stets von den "Radikalen" ausgingen, sehr deutlich als propagandistisches Dummgeschwätz offenbart. Dabei "spaltet" Lapuente die Linke nicht einmal, sondern macht lediglich offenkundig, dass es schlichtweg keine grundlegenden Gemeinsamkeiten von Systemerhaltern und Systembekämpfern geben kann - was allerdings auch ohne den Schwurbelautor sehr leicht gedanklich nachzuvollziehen ist. Wer nicht links ist, kann auch nichts zur "Spaltung der Linken" beitragen - selbst wenn dabei einmal mehr ein peinliches linkes Tarnmäntelchen getragen wird.

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Die Blutsauger


"Alles geht vorzüglich. Sogar die Parteiunterschiede verschwinden mehr und mehr."

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 49 vom 02.03.1925)

Mittwoch, 13. Juli 2016

Song des Tages: My Eternal Dream




(Stratovarius: "My Eternal Dream", aus dem Album "Eternal", 2015)

I still remember when I was a child
So curious, adventurous and wild
Looked at the world with open eyes
I couldn't tell the truth from all the lies

I was taught how to live, how to behave
I was told how to walk, to talk, to know my place
All those years I was searching for my way
All the world was my stage

So I will turn every dream
Into reality
And through the dark they will be
The light to guide me

I'm on my own, walking down this road alone
I'll go on, I'll be strong, all I need is my eternal dream

Now I can see it all so clear
There are no boundaries and no frontiers
I wouldn't change the road I'm on
My dream lives on long after I am gone

I have learned I must do whatever it takes
I made mistakes, I must fall to rise again
Break the rules, all the chains that hold me down
I may sink but I won't drown

So I will turn every dream
Into reality
And through the dark they will be
The light to guide me

I'll show that I can't be tamed
When I'm gone remember my name
And I won't give up the fight
Go gently into the night

I'm on my own, walking down this road alone
I'll go on, I'll be strong, all I need is my eternal dream


Montag, 11. Juli 2016

Zwischendurch: Der Traum vom Durchfall


Kennt jemand moviprep? Mit diesem wundervollen Medikament darf ich mich heute wieder einmal herumschlagen, um meinen Darm vollständig zu entleeren. Die Wonnemomente, die wässriger, unaufhaltbarer Durchfall einem Menschen über Stunden bescheren, kann wohl nur jemand nachvollziehen, der das ebenfalls durchleben durfte.

Ich gäbe etwas darum, wenn es ein vergleichbares Medikament auch fürs Gehirn gäbe: Ich liefe trotz aller Beeinträchtigungen auf der Stelle los und schüttete es höchstpersönlich in großen Dosierungen in die Bottiche der örtlichen Wasserwerke, damit sich die braune, kapitalistische, zunehmend nationalistische Gülle, die sich in diesem verkommenen Land festsetzt, ohne mögliche Gegenwehr wie ein Wasserfall aus den Schädeln der bornierten Vollidioten in die Gosse ergießt und auf Nimmerwiedersehen in der Kanalisation, in die sie gehört, verschwindet.

Man darf noch träumen. Hoffe ich. Aber jetzt muss ich wieder aufs Klo.


Samstag, 9. Juli 2016

Ommas Teppichklopfer: "Nein, diese Jugend von heute!"


Ich frage mich ja schon seit längerem, was mit der "heutigen Jugend" los ist und weshalb gerade diese Menschen, deren Zukunft gerade wieder einmal an menschenfeindliche Konzerne verhökert oder gleich unwiederbringlich zerstört wird, größtenteils schweigen, mitlaufen und sich dem Irrsinn des ihnen aufgezwungenen Haifischbeckens fast wortlos ergeben, anstatt dem perversen System unverzüglich die rote Karte zu zeigen. Eine mögliche Erklärung ist mir bislang nicht eingefallen - bis ich kürzlich ein Interview mit dem Professor für Politikwissenschaft, Wolfgang Merkel (für den grausigen Namen kann er ja nichts), bei Zeit Online las. Dort heißt es unter der Überschrift "Junge Linke haben Bezug zur Unterschicht verloren":

Die Frage danach, wie sich gesellschaftlicher Wohlstand gerecht verteilen lässt, war ja seit jeher der Wesenskern linker Politik. Und der ist unter jungen Linken heute fast gänzlich in den Hintergrund getreten. Stattdessen dominieren kulturelle und identitätspolitische Themen, über die sich junges Linkssein heute definiert. Das zentrale progressive Anliegen ist mittlerweile die unbedingte Gleichstellung von Minderheiten. Das können ethnische, religiöse oder sexuelle Minderheiten sein. / Gerade im Fall der Religion hat dies jedoch hochproblematische Konsequenzen: Denn die junge Linke neigt dazu – entgegen einer aufklärerischen oder marxistischen Tradition der Religionskritik – Religion unter Immunitätsschutz zu stellen und Kritik am Islam unmittelbar als "rechts" oder als "Phobie" zu brandmarken. Linke Religionskritik gerät dann in Vergessenheit, kritische Diskurse werden schlicht nicht mehr geführt – und das ist ein großes Problem.

Man darf hier freilich keinen intellektuell befriedigenden Text erwarten - es versteht sich von selbst, dass Herr Merkel, wie in unserer Systempresse üblich, völlig unkritisch von der "Globalisierung" faselt und diese - man möchte den Kopf mit Wucht auf die Tischplatte schlagen - gar als "Modernisierungsprozesse der letzten Jahrzehnte" kategorisiert; und auch die Fragestellungen des Interviewers Robert Pausch lassen jede auch nur versuchte tiefergehende Analyse vermissen. Kapitalismuskritik findet nicht mehr statt in deutschen Massenmedien und hat - wie es scheint - auch in dem winzigen Teil der dort veröffentlichten Wissenschaft keinen Raum mehr.

Dennoch empfehle ich das Interview zur Lektüre, denn auch eine rein kapitalistisch gefilterte Symptombeschreibung, welche die Ursachen gewohnt konsequent außer acht lässt, ist in diesem Zusammenhang durchaus erhellend und nimmt zumindest mir partiell das böse Gefühl, mich zuweilen wie ein "ewig gestriger Opa" aufzuführen, der blindlings auf die "Jugend von heute" eindrischt. Wenn Merkel einen Klopper heraushaut wie "Die junge, intellektuelle Linke hat den Bezug zu der Unterklasse im eigenen Land fast gänzlich verloren. Da gibt es vonseiten der Gebildeten weder eine Sensibilität noch eine Aufmerksamkeit und schon gar keine Verbindungen mehr", dann fällt dem geneigten und allmählich wohl aussterbenden Eigenhirnbenutzer der Schluss nicht sonderlich schwer, dass wir es hier offensichtlich mit dem intellektuellen Armutsergebnis einer jahrzehntelangen kapitalistischen Indoktrination - sowohl in der Familie, als gerade auch in den verblödenden Verbildungseinrichtungen - seit der frühesten Kindheit zu tun haben, die nun allmählich ihre verfaulten Blüten öffnet.

Dass der Herr Professor es gewissenhaft unterlässt, den offenkundigen Bogen zu schlagen und explizit zu benennen, dass dieses niederschmetternde Urteil keineswegs nur die "junge, intellektuelle Linke" betrifft, sondern längst vollkommen selbstverständlich ist in den etablierten gesellschaftlichen und politischen Kreisen sowie weiten Teilen der zugehörigen Systemmedien inklusive der Zeit, entlastet die Jugend dennoch nicht. Ganz im Gegenteil: Gerade wer aus einem zutiefst verkommenen Umfeld stammt, steht in der Pflicht, subversiv tätig zu werden und sich - verdammt noch mal - gegen die Obrigkeit aufzulehnen. Warum zur Hölle lassen sich heutige junge Menschen so oft auf alberne Nebenschauplätze wie Genderdumpfheit, Veganismus, Sexismus oder Mohrhuhnismus locken, wo ihr Widerstand meist völlig wirkungslos verpufft oder sogar systemstärkend wirkt? Die tatsächlich Verantwortlichen für all diese - teilweise zu Recht kritisierten - Nebensymptome halten sich dort gewiss nicht auf und saufen unterdessen weiter lachend Champagner.

Auch die inzwischen völlig obsolete Religionskritik ist ein solcher Punkt, den ich - auf Teufel komm raus - nicht nachvollziehen kann. Es versteht sich doch von selbst, dass eine ernsthafte Kritik nichts zu tun hat mit der dumpfen, rassistischen Nazi-Propaganda der Pegidioten und NPD/AfD-Fraktion. Ich habe sehr oft das Gefühl, dass jedwede Aufklärung vergangener Jahrhunderte völlig vergeblich gewesen ist, wenn der absurde, magische Aberglaube an irgendwelche "Gottheiten" heute kein Thema in "jungen, linken" Kreisen mehr ist. Religionskritik ist kein Rassismus - sie kann lediglich, wie nahezu jedes andere Thema ebenfalls, von interessierter Seite schamlos instrumentalisiert und verballhornt werden. Wenn das geschieht, wird die substanzielle Kritik aber nicht gegenstandslos. Es kommt wahrlich nicht oft vor, dass ich einen Schwurbeltext von Lapuente einigermaßen lesenswert finde, aber kürzlich hat er dazu etwas halbwegs Intelligentes geschrieben. Noch wesentlich prägnanter und vollkommen ohne dummes Geschwurbel auskommend sind indes die Worte Heinrich Heines:

Kampf der Philosophen gegen die Religion: [sie] zerstören die heidnische, aber eine neue, die christliche, steigt hervor, auch diese ist bald abgefertigt, doch es kommt gewiss eine neue, und die Philosophen werden wieder eine neue Arbeit bekommen, jedoch wieder vergeblich: die Welt ist ein großer Viehstall, der nicht so leicht wie der des Augias gereinigt werden kann, weil, während gefegt wird, die Ochsen drinbleiben und immer neuen Mist anhäufen. - (Heinrich Heine: "Aphorismen und Fragmente")

Ich erinnere mich noch gut, dass ich als Kind mal - zwischengeparkt bei der Omma in Gelsenkirchen, die die glorreiche Zeit des braunen Terrors noch hautnah miterleben musste - eine mir heute nicht mehr bekannte Verfehlung begangen hatte und daraufhin von der alten Dame mit dem Teppichklopfer verprügelt wurde, dass mir der Hintern glühte. Es verursacht mir einen unbändigen Brechreiz, dass ich mich heute in derselben Rolle sehe und die ahnungs- und kritiklosen Idioten ebenso bearbeiten möchte, die heute die Schulen und rudimentären Reste dessen, was einst "freie" Universitäten waren, bevölkern. - Sicher, dieses Resümee ist überspitzt, böse, nicht nur politisch inkorrekt und zudem übel generalisierend - gänzlich falsch ist es aber dennoch nicht. - Oder?


(Omma und Charlie: der Teppichklopfer fehlt auf dem Bild.)

Donnerstag, 7. Juli 2016

Buchempfehlung: Nach dem Ende


Friedrich Scholz, den heute kaum jemand außerhalb der kleinen kulturellen Filterblase mehr kennt, war ein sehr umtriebiger, kreativer Mensch: Er war Komponist und hat sowohl "seriöse" großartige Orchester- und Kammermusik, als auch Film-, Fernseh- und Hörspiel-Soundtracks verfasst. Gleichzeitig war er aber auch als Schriftsteller tätig und hat vornehmlich Hörspiele, Kurzgeschichten und kürzere Prosa geschrieben - und eben den hier in Rede stehenden, epischen Science-Fiction-Roman "Nach dem Ende".

Ich zitiere der Einfachheit halber aus dem Klappentext der Originalausgabe:

"Die Zivilisation, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Sie wurde im nuklearen Feuersturm des letzten Krieges hinweggefegt. Doch es gibt Überlebende: die 'Betonmenschen', die im 'Rhein-Main-Beton' und im 'Ruhr-Beton' hausen und in den Ruinen der Großstädte nach Zivilisationsmüll suchen: Nadeln, Messer, Äxte sind Schätze, die auf den Märkten des 'Bappen' ein Vermögen bringen.

Überlebt haben auch die 'Super', ein paar reiche Familien, die relativ unversehrt aus ihren Atombunkern gekrochen sind und die Welt unter sich aufgeteilt haben. Sie haben die Monopole für Information, Ernährung, chemische Industrie, Verkehr und die Reste militärischer Macht, mit denen sie die 'Betonmenschen' in Abhängigkeit und Rechtlosigkeit halten, während sie mit ihren willfährigen Lakaien ein Leben in Luxus führen, ängstlich darauf bedacht, den Status quo unangetastet zu lassen.

Dies ist die Geschichte von Frank Fürst aus dem 'Rhein-Main-Beton', eines postatomaren Simplicissimus, der bei aller Naivität mit allen Wassern gewaschen ist und dem es gelingt, die Liebe einer 'Super' zu erringen und - fast - bis an die Hebel der Macht zu gelangen, die seine erbärmliche Welt bestimmen."

Bevor nun scheltende Stimmen wegen eines angeblich zu oberflächlichen Ansatzes dieses wegweisenden Buches laut werden, rufe ich die bis heute schlüssigste Definition der literarischen Science Fiction in Erinnerung:

Science Fiction [in ihrer nicht rein auf kommerzielle Interessen ausgerichteten Form, Anm.d.Kap.] entwirft keineswegs Zukunft, sondern Alternative; sie springt in die andere Wirklichkeit und meint nicht die Zukunft, sondern die Gegenwart. (In: Dieter Wuckel: "Science Fiction. Eine illustrierte Literaturgeschichte", 1986)

Das sollte jedem den Wind aus den Segeln nehmen, der hier eine alberne "Space Opera" vermutet - denn nichts liegt diesem Buch ferner. Es ist ein sperriges Werk, das den Leser intellektuell herausfordert und schon damit beginnt, dass es sich einer ungewöhnlichen, ungebräuchlichen Sprache bedient, die es auf sämtlichen 541 eng bedruckten Seiten konsequent durchhält. Scholz hat hier ein linguistisches Neuland betreten, das - nach meiner Kenntnis - noch immer seiner literaturwissenschaftlichen Erschließung harrt. Als illustrierendes Beispiel mag der Beginn des Romans dienen:

Es gab einmal eine Zeit, die nennt man die Alte Zeit, da sind die Menschen nicht gestorben, nicht vor Hunger und Kälte und nicht vor Seuche und Gebrechen, sondern lebten lange, erzeugten Kinder, bis es so viele waren, dass sie ihre Häuser aufeinanderstellen mussten, und sie lebten bald übereinander in hundert aufeinandergestellten Häusern, die errichteten sie überall auf der Welt, wo fester Grund war. Als aber aller fester Grund vollgestellt war mit ihren Häusern, da reichten die immer noch nicht für alle Menschen.

Das sah das Weltenauge, hatte ein Einsehen und machte, dass die Menschen sterben mussten, und die wollten auch gerne sterben, starben auch alle bis auf wenige, und sind auch wenige geblieben bis zum heutigen Tage. Aber aus dieser Zeit sind uns die aufeinandergestellten Häuser geblieben, weil sie aus Gestein sehr dauerhaft und fest errichtet sind, das sind die Hochsteine, die nennt man auch Hohlsteine, weil sie hoch und hohl sind, und alle Hochsteine zusammen mit den Weiden und dem Gehölz dazwischen nennt man das Beton.

Scholz entwirft hier - sowohl bildlich, als auch sprachlich - ein konsequent schlüssiges Szenario einer albtraumhaften, postatomaren, kapitalistisch verkommenen Horrorwelt, das dennoch aus jeder Pore den irrsinnigen, aber jederzeit schlüssigen Bezug zu unserer Wirklichkeit atmet. Der Leser schaut hier keineswegs in eine dystopische, ferne Zukunft - sondern schlicht in den dümmlichen, allzuoft blinden Spiegel seiner eigenen, oftmals naiven und eindimensionalen Realität. Ich halte es nicht für vermessen, diesen Roman mit Kafkas "Das Schloss" zu vergleichen; und es ist mir ein völliges Rätsel, weshalb ein solches literarisches und gesellschaftskritisches Kleinod vollkommen unbeachtet geblieben und inzwischen längst vergessen ist.

Unsereins sollte spätestens seit 1945 wissen, dass der Albtraum "nach dem Ende" stets wieder aufs Neue beginnt. In diesem Roman ist die literarische, artistisch konzipierte Konzentration dieses schaurigen Prozesses - inklusive des religiösen Irrsinns - detailliert nachzulesen.

Ich habe das Buch seinerzeit - während ich mich zeitgleich ausgiebig mit Eichendorff ("Aus dem Leben eines Taugenichts"), Novalis ("Heinrich von Ofterdingen"), Hesse (sämtliche Werke) und vielen, vielen anderen beschäftigte - geradezu verschlungen und seitdem mehrfach wieder gelesen.



(Friedrich Scholz [1926-2008]: "Nach dem Ende", Heyne 1986)

Dienstag, 5. Juli 2016

Musik des Tages: Kindertotenlieder




(Gustav Mahler [1860-1911]: "Kindertotenlieder", Liederzyklus für mittlere Singstimme und Orchester nach Gedichten von Friedrich Rückert, aus den Jahren 1901/04; Bariton: Dietrich Fischer-Dieskau, Berliner Radio-Symphonieorchester, Leitung: Riccardo Chailly, 1988)



Dies ist das "Komponierhäuschen" am österreichischen Wörthersee, in dem Mahler viele seiner Werke - unter anderem auch die "Kindertotenlieder" - geschaffen hat und das er nach dem Tod seiner damals vierjährigen Tochter 1907 nie wieder betreten hat. Eigentlich ist diese Hütte nur ein gezimmerter Raum von etwa 20 qm. In dem Häuschen befand sich nur ein Arbeitstisch, ein Flügel, ein Regal mit den Gesamtausgaben von Kant und Goethe und ein Ofen zum Erwärmen des Kaffees. Leider ist heute nichts mehr von der Einrichtung erhalten.