Samstag, 22. Juli 2017

Der lupenreine Rechtsstaat der Raubritter


Eine Anmerkung vorweg: Ich bin kein Jurist und wollte zum Glück auch nie einer sein.

Der freiheitlich-demokratische Rechtsstaat ist schon eine tolle Sache. Das hat gerade wieder einmal das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen bewiesen, das zwielichtigen polnischen Schwerverbrechern 400.000 Euro abgenommen hat. Der WDR berichtete kurz – und gewohnt informationsarm – darüber:

Die Bundesrepublik Deutschland darf knapp 400.000 Euro behalten, die der Zoll bei drei Verdächtigen beschlagnahmt hatte. Das hat das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen am Donnerstag (20.07.2017) entschieden. Die Männer aus Polen hatten das Geld vor vier Jahren in bar dabei, als sie auf der Autobahn kontrolliert wurden. (...) / Aufgefallen war das verdächtige Trio bei der Kontrolle auf der Autobahn 2 bei Hamm. In ihren Westen trugen die Männer paketeweise Euroscheine am Körper. Die seien für den Kauf von Baumaschinen bestimmt, sagten sie. Die Zollbeamten glaubten ihnen kein Wort, vermuteten Drogengeschäfte und beschlagnahmten das Geld. / Beweise hatte der Zoll allerdings nicht, vor dem Amtsgericht Hamm wurden die Männer freigesprochen. Dennoch behielt der Zoll die gesamte Summe, zur Gefahrenabwehr[,] so die Argumentation. Zu Recht, wie das Verwaltungsgericht jetzt urteilt[e]: Da die Männer die legale Herkunft des Geldes nicht zweifelsfrei belegen konnten, wiesen die Richter die Klage ab.

Moment – polnische Schwerverbrecher? – Ja, so geht das in einem ordentlichen, lupenreinen Rechtsstaat: Wenn Dir etwas unterstellt wird, das nicht bewiesen werden kann, musst Du eben selbst das Gegenteil beweisen. Das lässt sich doch wunderbar auf alle möglichen Bereiche anwenden: Die Freunde und Helfer in Uniform Bullen vermuten, dass Du bei Rot über die Ampel gefahren bist, haben aber keine Beweise dafür? Was soll's, dann musst Du eben selbst beweisen, dass Du dich völlig regelkonform verhalten hast. Oder Dir wird unterstellt, die Omma von nebenan ermordet zu haben – nun beweise mal schön, dass Du unschuldig bist, sonst wanderst Du nämlich lebenslang in den Knast.

Nun ist es – zumindest jenseits des mafiösen, kriminellen Milieus (Politik, Wirtschaft etc.) – zwar in der Tat eher unüblich, mit 400.000 Euro in bar durch die Gegend zu gurken; allerdings ist dieses Urteil dennoch hanebüchener Irrsinn, wenn man der WDR-Kurzinformation folgt. Ob hier wichtige Details nicht genannt oder verzerrt wurden, entzieht sich meiner Kenntnis, da nicht einmal ein Aktenzeichen genannt wird. Es ist allerdings allgemein bekannt, dass man jahrzehntelang als seriöser, aus Steuergeldern fürstlich alimentierter Staatsmann, der keinerlei Bestrafung zu befürchten hat, gilt, wenn man beispielsweise Wolfgang Schäuble heißt und mit einem dicken Geldkoffer in der Hand erwischt wird: Da wird nicht einmal Anklage erhoben.

Man sollte sich also wappnen: Wenn man demnächst die kärgliche Rente oder den Hungerlohn vom Geldautomaten abhebt, sollte man am besten Beweisfotos schießen, damit die Kohle bei der nächsten Kontrolle durch die Staatsschergen nicht beschlagnahmt wird: "Aber Herr Wachtmeister, das ist doch nur meine Rente für diesen Monat!" – "Das sagen sie alle – beweisen Sie diese Behauptung bitte! Ich glaube vielmehr, Sie haben Drogen vor dem Kindergarten verkauft! Sie widerwärtiger Schuft!"

Und nun stellen wir uns mal vor, dass Opa Kowalski seit mindestens 30 Jahren zuhause einen Geldbetrag unter dem Kopfkissen aufbewahrt, und dann kommt ein solcher rechtsstaatlicher Richter des Weges und möchte "zweifelsfrei nachgewiesen" haben, dass diese Kohle "legal" sei. Da tanzt der Amtsschimmel irre kichernd und kotzend durch den Gerichtssaal, dass es eine helle Freude ist – und der Opa ist die Kohle los.

Üblicherweise wird vom Zoll beschlagnahmte Ware ja vernichtet (wer's glaubt, wird selig). Es ist schon reichlich seltsam, dass dieses Prinzip beim Thema Bargeld offenbar auch hochoffiziell nicht angewendet wird: Anstatt die Scheine zu verbrennen oder zu schreddern, streckt der Staat seine langen Finger aus und steckt sie sich elegant in die eigene Tasche, um beispielsweise Schäubles luxuriösen Dienstwagen zu finanzieren. Ich möchte die Begründung für dieses Prozedere – sofern es überhaupt eine gibt – lieber gar nicht wissen. Es muss dem Untertanen schon reichen, dass dies der "Gefahrenabwehr" dient – selbst dann, wenn Opa Kowalski der "Täter" ist, dem gar nichts zur Last gelegt werden kann.

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Der Angeklagte hat das Wort!



(Lithografie von Honoré Daumier [1808-1879], in: "La Caricature", 1835)

Freitag, 21. Juli 2017

Song des Tages: Fields of Sorrow




(Orden Ogan: "Fields of Sorrow", aus dem Album "Gunmen", 2017)



Anmerkung: Es ist nur eine Randnotiz – aber die Idee, einen solchen Song, der in Moll geschrieben ist, auf einem Dur-Akkord enden zu lassen, der letztlich aber doch wieder in die tiefer liegende Moll-Region absinkt, ist wohl einzigartig. Ich kenne kein vergleichbares Beispiel aus der Rockmusikgeschichte.

Donnerstag, 20. Juli 2017

Und Orwell tanzt


Unsere geliebte Bundesregierung arbeitet sehr fleißig daran, den dystopischen Albtraum des totalen Überwachungsstaates zu einem Abschluss zu bringen. Nach ähnlichen Projekten in den "alten" Bundesländern hat sie nun auch die Reanimation der Stasi im Osten in die Wege geleitet. Menschenfeinde wie de Maizière, Seehofer, Gabriel, Kretschmann oder Ramelow ejakulieren wohl heimlich in ihre Unterhosen angesichts dieser autoritären, faschistoiden Entwicklung:

Zur Überwachung der Telekommunikation schließen sich vier Länder in Ostdeutschland sowie Berlin zusammen. Sie lauschen künftig gemeinsam, um Straftaten zu verhindern oder aufzuklären.

Allerdings ist die Bezeichnung "Stasi" hier irreführend: Während die DDR-Behörde noch auf altertümliche, rein analoge Strukturen zurückgreifen musste, verfügt die gesamtdeutsche, neue Gestapo nicht nur über ein fast lückenloses Netz, das ihr die Überwachung der gesamten Bevölkerung ermöglicht, sondern auch über eine degenerierte Bevölkerung, die sogar voller Lust viel Geld dafür bezahlt, die staatlichen Überwachungswanzen kaufen und benutzen zu dürfen. Ein derartig devot-groteskes Szenario hat sich nicht einmal George Orwell auszudenken getraut, da er seinerzeit ansonsten sofort ausgelacht worden wäre. – Heute ist diese Groteske schnöder Alltag.

Besonders bezeichnend ist auch die Kreativität jener Menschenfeinde, welche die Totalüberwachung in progandistische, "medientaugliche" Floskeln kleiden müssen. Irgendwelche kranken Gehirne haben sich für diesen grundgesetzwidrigen Angriff tatsächlich die Bezeichnung "Gemeinsames Kompetenz- und Dienstleistungszentrum (GKDZ)" ausgedacht. Ein noch perfiderer Name wäre kaum möglich gewesen. Das kommt den zynischen, tödlichen Sprüchen "Arbeit macht frei" oder "Jedem das Seine", die wir aus den finstersten, bösesten Zeiten dieses verfaulenden Landes kennen, schon recht nahe, denn hier geht es freilich nicht um "Kompetenz" oder "Dienstleistungen", sondern um eine autoritäre, polizeistaatliche Totalüberwachung.

Wer auch nur einen Augenblick glaubt, es ginge hier tatsächlich primär darum, irgendwelche Straftaten zu verhindern oder aufzuklären bzw. Menschen zu schützen, darf sich einen lilafarbenen Eselshut auf den Kopf setzen und für mindestens 20 Jahre in die Scham-Ecke zum keifenden Herrn Karl stellen, der dort ein peinliches Dauerlager (Dank an den Altautonomen für den Hinweis) aufgeschlagen hat. Die Überwachungsexzesse dieser "freiheitlich-demokratischen" Welt – sie betreffen ja keineswegs nur Deutschland – läuten vielmehr das letzte Kapitel des kapitalistischen Untergangs ein, der laut Systemlogik unweigerlich kommen muss. Da ist es, anders als in früheren Zeiten, ungemein hilfreich, wenn die Obrigkeit nun endlich uneingeschränkten Zugriff auf die dürre Gedankenwelt dieser abstoßenden, längst verdorbenen und konsequent dumm gehaltenen Bevölkerung (siehe "Herr Karl") hat.

Es ist eine billige Lachnummer am Rande, dass die korrupte Bande diese Maßnahmen gar nicht bräuchte, da von eben dieser deutschen Bevölkerung in "guter" alter Tradition natürlich keinerlei Gefahr für die "Elite" ausgeht. Wahrscheinlich ist es wohl ein typisch deutsches Phänomen, dass die braunen Arschlöcher trotzdem wie ferngesteuert die Gestapo neu aufbauen – nur um tausendprozentig sicherzustellen, dass auch ja nichts und niemand den erwünschten Ablauf des kapitalistischen Terrors stört.

Man weiß, dass man in einem totalitären Albtraum vor sich hin vegetiert, wenn die Obrigkeit eine neue Stasi-Zentrale allen Ernstes "Gemeinsames Kompetenz- und Dienstleistungszentrum" nennt, ohne dass die Widerlinge schallend ausgelacht oder sonstwie medial kritisiert werden. Ich werde ab sofort jede E-Mail, die ich versende, per Copy-Funktion auch an unsere geliebte Sonnenkaiserin Merkel bzw. eventuell nachfolgende Ersatzdrohnen und ihre Propagandabehörde (tagesschau.de) weiterleiten, damit die elitäre Herrschaft stets weiß, wie ungemein widerwärtig und abstoßend ich sie finde.

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Kleine Hitler warten



(Zeichnung von "Hehu", unbekannter Künstler, in: "Der Simpl", Nr. 14 vom November 1946)

Mittwoch, 19. Juli 2017

Das Wahltheater, oder: Der Zombie im Keller


Vor einigen Tagen habe ich bei Zeit Online einen interessanten Bericht gelesen, der sich mit dem Wahlverhalten junger Menschen befasst und dazu drei – freilich nicht repräsentative – Beispiele aus entsprechenden Interviews benennt. Ich halte die Auswahl zwar für wenig aussagekräftig, da es sich um drei junge Menschen handelt, die sich zumindest rudimentär mit politischen Gedanken auseinandergesetzt zu haben scheinen – dennoch ist die Lektüre spannend.

Ich zitiere keine Passagen aus diesem Text, sondern empfehle ausdrücklich, das Stück in Gänze zu lesen. Selbstverständlich wird auch hier überdeutlich, dass niemand der Beteiligten – weder die drei jungen Leute, noch die Autorin – über den sehr begrenzten Tellerrand des "alternativlosen", kapitalistischen Systems hinauszuschauen vermag. Es ist wie in einem schlechten Horrorfilm: Als Zuschauer (hier also Leser) weiß man unverzüglich, dass es eine ganz, ganz schlechte Idee ist, jetzt in diesen finsteren Keller, aus dem es nach Verwesung riecht und aus dem grausige Schreie zu hören sind, zu steigen – aber natürlich tun die jeweiligen Protagonisten das trotzdem und kommen folglich regelmäßig grausig ums Leben.

So liest sich auch dieser Text – auch wenn die Autorin und die Interviewten das selbstredend empört von sich wiesen, falls man sie fragte.

Ungeachtet der Tatsache, dass hier wie immer keine Ursachenforschung – also keine System- bzw. Kapitalismuskritik – stattfindet, ist es beachtlich, dass alle drei "Wahlverweigerer" aus unterschiedlichen, meist aber rein egoistischen (kapitalistischen) Gründen zu demselben nüchternen Ergebnis kommen und feststellen, dass Wahlen in dieser albernen Demokratiesimulation so sinnvoll sind wie das Dschungelcamp oder die Wettervorhersage. Sie ahnen vermutlich nicht, dass sie damit – wenn auch aus den "falschen" Gründen – des Pudels Kern getroffen haben.

In diesem Zusammenhang – und natürlich auch in den inzwischen 584 Kommentaren unter diesem Text – wird immer wieder die Frage gestellt, was hier denn – stets vorwurfsvoll: "Bitte schön!" – Abhilfe schaffen soll. Dabei ist die Antwort doch so einfach und offensichtlich, wenn man einfach mal über den besagten Tellerrand springt: Wenn Du merkst, dass Du innerhalb eines bestehenden Systems partout nichts bewirken kannst, egal was Du auch tust, dann musst Du natürlich die Systemfrage stellen! Anders gesagt: Wenn Du dich in einem billigen Horrorfilm befindest, solltest Du gewiss nicht in den finsteren Keller hinabsteigen, sondern stattdessen die Beine in die Hand nehmen und flugs das Weite suchen, bis die Schuhsohlen glühen. Das fängt im Schädel an – schließlich kann nur dort Veränderung beginnen. Wenn Du zu diesem ersten Schritt jedoch nicht bereit, fähig oder willens bist, bleibt alles beim Alten.

Ich habe, wenn ich meine Kindheit abziehe, satte 40 Jahre für diese schlichte Kindergartenerkenntnis gebraucht. Das macht mir große, wirklich sehr große Angst. Der Zombie im Keller wird wohl auch weiterhin der Normalzustand dieser verkommenen, sich einmal mehr auflösenden kapitalistischen Welt bleiben. Ich gehe dann mal aufs Klo.

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"Scheußlich, diese Demokratie! Man muss sich von Leuten wählen lassen, die man nicht mal als Stallknecht in seinem Hause dulden würde."

(Zeichnung von Erich Schilling [1885-1945], in "Simplicissimus", Heft 7 vom 14.05.1928)

Montag, 17. Juli 2017

Eine satirische Übung zur "humanen Revolution"


Ein schmerzhafter Gehirnspagat ist ja vorprogrammiert, wenn Esoteriker sich über das Thema "Revolution" auslassen. Ich war also vorgewarnt, als ich vor einigen Tagen bei meinen Eso-Freunden von "Jenseits der Realität" einen Satz las, den der selbsternannte "Agnostiker" (also ein "gläubiger Nicht-Gläubiger") Holdger P. unter dem Titel "Denkmal!Pflege" [sic! bzw. lol!] veröffentlicht hat. Das Elaborat ist zwar versehen mit dem hilfreichen Hinweis, dass es sich nicht nur um esoterischen Dünnschiss, sondern auch um "anderes dummes und kluges [sic! bzw. lol!] Zeug" handele, allerdings ist zu bezweifeln, dass die wenig geistaffine Leserschaft dieses Blogs, das sich hochtrabend "Magazin" nennt, mit dieser scheinbar selbstkritischen Einschränkung etwas anfangen kann.

Wie dem auch sei – Holdger P. schrieb:

Eine humane Revolution breitet sich nicht durch Abschreckung aus.

Ich verschluckte mich und spie einen halben Liter Kakao auf meinen Monitor und die davor befindliche Tastatur, und ich behalte mir vor, Regressforderungen geltend zu machen. Ich dachte kurz nach, welche wie auch immer geartete "Revolution" sich denn wohl je durch "Abschreckung" ausgebreitet habe, kam aber zu keinem sinnvollen Ergebnis. Also fragte ich mich, was der Zusatz "human" in diesem Satz verloren hat, denn das könnte den Sinn ja eventuell völlig verändern – aber auch diese Überlegungen führten ins gewohnte Nichts.

Ich gebe so schnell aber nicht auf und entschloss mich daher, trotzdem über den Begriff "humane Revolution" weiter nachzudenken. Was mag der hochsensible Künstler damit wohl gemeint haben? Sind es die DemonstrantInnen, die den aufmarschierten Soldaten Blümchen in den Gewehrlauf schieben, bevor sie erschossen und verscharrt werden? Oder meint er die "Brüder und Schwestern" aus der ehemaligen DDR, die sich wie von Sinnen vom ausgetrockneten Feld des Pseudo-Sozialismus' in die kapitalistische Jauchegrube gestürzt haben und dort reihenweise ertrinken? Möglicherweise meint er aber auch nur die Ablösung des Festnetztelefons durch die staatliche Überwachungswanze, auch "Dumpf-Phone" genannt? Man weiß wahrlich sehr wenig.

Ich sinnierte so vor mich hin, ohne zu einem Schluss zu kommen, besann mich dann aber und erinnerte mich daran, dass es hier schließlich um Esoterik geht. So wird ein Schuh daraus: Wer fest daran glaubt, dass Globuli wirken, dass Gott die Geschicke der Welt lenkt oder dass der Nicht-Glaube an ein fliegendes Spaghettimonster auch nur ein Glaube sei, der kann auch von einer "humanen Revolution" schwadronieren, die sich im Gegensatz zu anderen Revolutionen nicht durch Abschreckung ausbreitet, ohne unverzüglich Gehirnkrebs zu bekommen. Ich war somit am Ziel – dachte ich.

Mein Restgehirn war aber nur noch eine breiige, empfindungslose Masse nach dieser Übung und ich habe mich jammernd nach der Erstürmung der Bastille, nach wütend geschwenkten Mistgabeln und aus dem Land gejagten, geteerten und gefederten Politikern und nach der unweigerlichen, zwingend notwendigen Abschreckung für nachfolgende Schlips-Borg gesehnt. Sodann bin ich weinend eingeschlafen und habe von einer humanen Satire und großen, noch humaneren Scheiterhaufen, auf denen nicht die Esoteriker, wohl aber deren Gehirnauswürfe unter jubelndem Massengeschrei verbrannt werden, geträumt.

(Rush: "Bastille Day", 1975)

Als ich wieder bei Sinnen war, hatte ich einen üblen Kater, als hätte ich zuvor eine Flasche Schnaps getrunken. Ein weiß gekleideter Engel mit güldenen Flügeln, der sich "Holdgus Patrius" nannte und mir unablässig die Peitsche gab, flüsterte mir dabei ohne Unterlass ins Ohr: "Glaube (*Peitschenhieb*), Charlie, glaube (*Peitschenhieb*) daran!" – Danach erschoss ich mich ohne Zögern und erwachte in der ewigen Mitternacht. Das ziegenhörnige, teuflische Lachen des Faulfußes erfüllt seitdem die totale Finsternis bis in alle Ewigkeit.


(Faulfußens Triumph)

Samstag, 15. Juli 2017

Song des Tages: Rising of the Tide




(Blackfield: "Rising of the Tide", aus dem Album "Welcome To My DNA", 2011)

Any day can be
The last day in your life
So make it an unforgettable time

Another sleepless night
And anxiety attacks
The doctor said you need some rest

But you're always on the run
Tracing after a place to hide
You were born to your mom
Shaking hands

Wolves are out tonight
And they're looking for a fight
'Cause they run at the speed of light
It seems you're home again

Don't forget to play
While time is running out
The clock tower in the window sky

Any day can be
The last day in your life
So make it an unforgettable time

Around the blinking lights
From a giant neon sign
You were born in the wrong, wrong year

Your soul is freezing ice,
But still I'm asking for a slice
You had to feed those monster hearts
And when you're home again

You feel you had enough
It's like the rising of the tide
You're a shadow just passing by

The wolves are out tonight
And they're looking for a fight
And they run at the speed of light
It seems you're home again


Freitag, 14. Juli 2017

Lapuente: Erotische Träume von Uniformen und Schlagstöcken


Zu dem allgemeinen Rechtsschwenk, der momentan wie ein brauner Wind stinkend durch die Politik und die Medien rauscht, gesellt sich nun auch ein üblicher Verdächtiger, der seine parteipolitische, korrupte Maske gar nicht mehr abnehmen muss, um als Clown identifiziert zu werden: Lapuente fordert nach dem "Festival der Demokratie" in Hamburg, auf dem sich gewaltbereite, vermummte und bewaffnete Staats-Chaoten darin geübt haben, friedfertigen BürgerInnen die Fresse zu polieren, allen Ernstes "mehr Polizei".

Ich weiß nicht, ob dieser Knabe tatsächlich so dumm oder gewalttätig ist, wie er sich gibt, oder ob er doch nur der parteipolitischen Agenda folgt, die er in seinem verbalen Auswurf anreißt. An anderer Stelle hat der Wirrkopf gar das alberne Märchen nacherzählt, dass die SPD "strukturell links" sei. SPD – links!!! Zwanzig Jahre reichen nicht, um diesem Idioten, der offensichtlich versucht, in der korrupten Linkspartei Karriere zu machen und sich ein auskömmliches Pöstchen zu sichern, ein Licht aufgehen zu lassen. Anders jedenfalls ist diese schaurige Schmierenkomödie nicht erklärbar.

Der Dummkopf schreibt allen Ernstes:

Linke und Polizisten, so paradox das in diesen Tagen für manchen auch klingen mag, sitzen gerade im selben Boot. Beide werden benötigt und beide leiden unter einem Imageproblem. Der Linke – was immer diese Klassifizierung auch heißen mag – und der Polizist müssen gar keine natürlichen Feinde sein.

Ein "Imageproblem" ist das also? Ist Lapuente nun schon die Marionette irgendeiner Werbeagentur? Ist der Kerl noch ganz bei Trost oder hat er seinen leeren Schädel schon so tief in irgendeinem Enddarm versenkt, dass er gar nicht mehr merkt, welchen Blödsinn er absondert? – Wenn es aus dem furchtbaren Ereignis in Hamburg überhaupt etwas zu lernen gibt, dann ist es – sofern man Lapuentes geistigen Schmalspuren folgt – die Erkenntnis, dass paramilitärische Polizeieinheiten auch weiterhin dafür sorgen sollen, dass jedweder demokratischer Protest gegen das kannibalische System gewalttätig niedergeknüppelt wird. Das kennen wir in Deutschland nur allzu gut – die Nazi-Bande hat das damals minutiös vorgemacht.

Aber für Lapuente gilt auch weiterhin, dass der freundliche Polizist sein persönlicher "Freund und Helfer" ist, während die widerlichen Arschlöcher, die in Hamburg völlig "rechtsstaatlich" gewütet und geprügelt haben, längst ihr Belohnungsbier in der Kneipe genießen und sich schon auf den nächsten "Einsatz" freuen. Vielleicht sollte Lapuente darüber nachdenken, ob er – falls seine angestrebte Parteikarriere nicht klappt – vielleicht in der Polizei eine neue Heimat finden könnte: Mit Uniform, Schlagstock, Pfefferspray, Sturmgewehr und Stahlstiefeln könnte er seine sozialdemokratischen, "linken" Ideale doch noch viel besser verbreiten – ganz besonders dann, wenn er sich vermummt. Ich habe mir erzählen lassen, dass diese Anonymität einen ganz besonders erotischen Kick bescheren soll.

Es ist mir ein Rätsel, wieso dieser Kerl sich nicht schämt, wenn er in den Spiegel schaut.


Donnerstag, 13. Juli 2017

Die christlichen Rechtsradikalen


Es ist ja ein alter Hut, dass die CSU der NPD oder AfD in nichts nachsteht – Belege dafür gibt es mannigfaltig. Stefan Gärtner, Kolumnist der Titanic, hat Horst Seehofer jüngst als "Parafaschist" bezeichnet und lag damit goldrichtig. Trotzdem können im Zuge des politischen und medial wohlwollend begleiteten Rechtsrucks nach Hamburg einige Faschisten ihren Mund nicht halten, so dass heute zu lesen war:

Manfred Weber fordert ein härteres Vorgehen der EU gegen Schleuser vor der libyschen Küste. Der CSU-Politiker und Vorsitzende der christdemokratischen EVP-Fraktion im EU-Parlament will dafür notfalls auch Waffengewalt als Mittel einsetzen.

Ja, so lieben wir unsere christlichen Arschlöcher: Sonntags hocken sie scheinheilig auf den Knien in ihrer prunkvoll geschmückten Kirche, und montags lassen sie auf Flüchtlinge schießen. Herr Weber ist damit ein vorzügliches Beispiel für die gesamte korrupte Bande der kapitalistischen Steigbügelhalter der etablierten, korrumpierten Parteien (CDU, SPD, FDP, Grüne, AfD, Linke) und sagt exakt das, was diese schmierigen Figuren auch tatsächlich tun. Letzten Endes fehlt eigentlich nur noch die politische Erörterung der "Endlösung", um diesen menschenfeindlichen Gesellen auch hochoffiziell das Hakenkreuz auf die Stirn zu pappen.

Wer wählt solche Zombie-Schlips-Borg? Ist der Masochismus vielleicht doch viel verbreiteter in Deutschland als vermutet?

Ich halte ja nichts von Religionen bzw. halte ich sie für giftiges Schlangenöl; aber der Herr Weber soll mir dennoch einmal erklären, wie es mit der christlichen Nächstenliebe zu vereinbaren ist, faschistische Positionen zu vertreten. Ich vermute, dass der stumpfe Kerl damit überfordert wäre und mich, statt eine Antwort zu formulieren, lieber auf die Reise ins KZ schicken würde. Fragen sind im braunen Kapitalistan unerwünscht – man hat entweder zu glauben oder muss ignoriert bzw. entfernt werden.

Es wird wahrlich Zeit, den längst gepackten Koffer unter den Arm zu klemmen und sich um Asyl – beispielsweise in Afrika – zu bemühen. In Europa warten jedenfalls nur noch Untergang und Tod. Hoffentlich finde ich einen Schleuser, der mir aus diesem Untergangsszenario heraushilft – ganz wie damals, als die "bösen Schleuser" vielen Juden geholfen haben, das untergehende Todesland "illegal" zu verlassen.

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Die Durchleuchtungsmaschine



(Zeichnung von Henry Meyer-Brockmann [1912-1968], in: "Der Simpl", Nr. 4 vom Mai 1946)

Mittwoch, 12. Juli 2017

Welch eine Jugend: "Krümm Dich beizeiten!"


Es ist ja ein sehr, sehr alter Hut, dass Ältere gerne mal auf die Jugend einprügeln, weil diese sich nicht ganz so verhält, wie der gesittete Ältere es gerne hätte – die vielen Beispiele dafür muss ich hier nicht zitieren. Als ich selber noch zu dieser jugendlichen Gruppe gehörte, habe ich mich beispielsweise köstlich darüber amüsiert, dass ich während meiner Zivildienstzeit von den mir damals "Vorgesetzten" – das waren zwei ultraspießige Hausmeister, die wohl zum ersten Mal einen "Untergebenen" hatten – konsequent als "Mädchen" bezeichnet wurde, weil ich auch damals schon lange (im Übrigen sehr schöne) Haare hatte. Ich fand das damals lustig und habe die beiden Gesellen im Gegenzug nur mit "Sire" und "Euer Hochwohlgeboren" angeredet, was die beiden wiederum gar nicht witzig fanden und mir das Zivildienstleben – freilich ohne Erfolg – erst recht zur Hölle zu machen versuchten.

Zuvor hatte ich in der Schule ausgerechnet einen Reserveoffizier der Bundeswehr als Deutsch- und Geschichtslehrer (nein, das ist kein Witz), der mich "gefressen" hatte und gerne vor dem versammelten Kurs einen "langhaarigen Affen" nannte. Als Antwort darauf habe ich mir damals eine dieser ausrangierten Bundeswehr-Jacken besorgt, die ich zuerst von dem schwarz-rot-pissgelbem Banner befreit und sodann über und über mit einem Edding beschriftet und mit drastischen Aufnähern versehen habe (ich danke noch heute meiner seligen Mutter für die sehr subversive Hilfe, denn ich konnte nicht nähen) – und auf dem Rücken prangte in großen Lettern der Schriftzug: "Lieber ein langhaariger als ein hirnloser Affe". Der Mann fand das ebenfalls nicht lustig und hat mich durch sämtliche Instanzen gezerrt und weiter gemobbt – allerdings ohne Erfolg. Er muss die Zeugnisübergabe an seinen linken Erzfeind am Tag der Abi-Feier als persönliches Waterloo empfunden haben und war danach nie wieder derselbe. Aber das nur am Rande. ;-)

Heute scheint der Wind aus einer gänzlich anderen Richtung zu wehen. Bei Zeit Online las ich vor einigen Tagen voller Entsetzen:

Die 17-jährige Julie Peuten aus Hamburg ist zufrieden, wenn sie von ihrem gerade erst bestandenen Abitur erzählt: "Es ist gut gelaufen." Tatsächlich ist es sogar sehr gut gelaufen: Julie hat einen Notendurchschnitt von 1,7 und ist damit eine von knapp 10.000 Abiturienten, die in diesem Jahr allein in Hamburg die Schulen verlassen. Sie alle wollen ihren Abschluss gebührend feiern. Doch mit einem improvisierten Fest in der Turnhalle oder Aula der Schule ist es schon lange nicht mehr getan. Abibälle folgen heute meist einem feierlichen Protokoll: Erst posieren die Schüler in einer repräsentativen Räumlichkeit vor einer Fotowand, dann folgt der Eröffnungstanz, es werden Reden gehalten und es wird diniert, bevor der Abend in eine Party übergeht.

Was zur Hölle ist da los? Die grausigen Fotos von völlig bekloppten, aufgetakelten und wie Huren geschminkten Teenagern, die diesem Bericht beigefügt sind, erinnern mich an die kapitalistische Teufelsgruft, die ich vielleicht in den USA ausmachen würde, aber doch nicht in Hamburg? Wenn man den Text in Gänze liest, wird das Grauen aber noch verstärkt und tut richtig weh:

Ein Ticket für den Abiball von Julie Peutens Jahrgang kostet 85 Euro. "Das ist schon viel Geld", meint sie, "man hätte es vielleicht auch etwas kleiner gestalten können. Andererseits: Wie oft geht man denn schon auf einen richtigen Ball?"

Ist das Satire? Oder steckt diese Jugend tatsächlich schon so tief im kapitalistischen Enddarm, dass sie gar nicht mehr bemerkt, wie grotesk sie sich verhält? Was um alles in der Welt soll man von solchen jungen Menschen erwarten, die sich schon in ihrer "Sturm-und-Drang-Phase" dem System an den Hals werfen, als gebe es kein Morgen? Geht es auch noch angepasster, unkritischer, systemkonformer, dümmer oder devoter? Um des Spaghettimonsters Willen: Es muss ja nicht gleich so ein derber Konfrontationskurs sein, wie ich ihn seinerzeit einschlagen musste – aber geht denn vielleicht ein kleines bisschen Kritik? Ich lese in diesem Bericht nichts davon und kann nur hoffen, dass diese aalglatten, furchtbaren Hamburger Systemschranzen, die da zu reinem Eigennutz herangezüchtet wurden, hoffentlich, hoffentlich nicht repräsentativ sein mögen.

Wenn es stimmt, dass die Zukunft vornehmlich von der Jugend gestaltet wird, dann ist diese Welt wohl völlig im Arsch. – Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass ich selber solche Misstöne anschlagen werde, während ich auf meine eigene Rebellion aus der Jugendzeit nostalgisch zurückblicke. Bin ich korrumpiert – oder ist es doch eher die hier dargestellte Jugend? Ist es wirklich so, dass heute die Opas und Omas rebellischer sind als die Jugend? Falls das so ist, hat es sich sehr bald "ausrebelliert" und es kehrt schauderhafte Friedhofsruhe ein im kapitalistischen Katastrophensystem.

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Tele-Kolleg



(Zeichnung von Marie Marcks [1922-2014], in: "Krümm Dich beizeiten!", 1977)


Montag, 10. Juli 2017

Zitat des Tages: Patrouille


Die Steine feinden
Fenster grinst Verrat
Äste würgen
Berge Sträucher blättern raschlig
Gellen
Tod.

(August Stramm [1874-1915]: "Patrouille", in: "Der Sturm", Heft 7/8 vom Juli 1915)


Das digitale Zeitalter des Vergessens


Mit diesem Thema habe ich mich schon öfter beschäftigt – nun habe ich aber eine sehr anschauliche, komprimierte Zusammenfassung des "zeitgeistigen" Wahnsinns gefunden, die vor einigen Tagen bei spektrum.de zu lesen war. Dort war unter dem Titel "Rettung aus der digitalen Gruft" zu erfahren:

Häufig sind die Betriebssysteme moderner Computer nicht mehr in der Lage, in alten Formaten geschriebene Dateien zu lesen. Lori Emerson, die Direktorin des Media Archaeology Lab der University of Colorado in Boulder liefert ein Beispiel: Um eine mysteriöse Datei von einer alten Zip-Diskette zu retten, musste zunächst ein passender Computer aufgespürt werden – ein Power Macintosh 8100 aus dem Jahr 1994 mit dem Betriebssystem OS 7. Die Datei entpuppte sich als Verzeichnis einer alten Version des Literaturverwaltungsprogramms EndNote.

Die Lektüre lohnt sich sehr; allerdings reißt der Artikel das viel tiefer gehende Problem dennoch nur sehr oberflächlich an – zumal ich mich frage, wie "Betriebssysteme" überhaupt Daten lesen können sollen. Aber über solche Kleinigkeiten sehen wir ja gerne hinweg. Schließlich ist es ein alter Hut, dass alles, was nur digital gespeichert wird, jederzeit auch rückstandslos gelöscht werden kann – dabei ist es völlig egal, ob das absichtlich, versehentlich oder einfach aufgrund zerstörter oder nicht mehr les- oder entschlüsselbarer Datenträger geschieht. Die Entschlüsselung "alter" Daten ist dabei nur ein Randproblem – und jedem, der jemals ein "altes" Buch, vielleicht von vor hundert Jahren, gelesen hat, sollten sofort die roten Alarmglocken im Schädel klingen, denn im Text geht es vornehmlich um Daten, die noch nicht einmal 25 Jahre alt sind und dennoch aufwändig – und im beschriebenen Fall rein zufällig – dennoch "gerettet" werden konnten.

Es ist gar nicht auszudenken, wieviele Informationen, Kunstwerke, wissenschaftliche Daten, Texte, Musikstücke, Briefe etc. durch den ungebremsten Digitalisierungswahn zukünftig unweigerlich verloren gehen werden. Da wird es in fünfzig, hundert, zweihundert oder dreihundert Jahren keine Funde mehr geben können, die in irgendeiner Form mit alten Schriftrollen, Gemälden, Büchern, Fotos, Filmen, Briefen, Partituren oder – ja, sogar das – Karteikarten vergleichbar wären.

Man stelle sich nur einmal vor, die Nazis hätten seinerzeit beispielsweise den bürokratischen Terror des Holocaust in Auschwitz digital dokumentiert und am Ende einfach löschen können – wir wüssten heute, abgesehen von mündlichen Zeugnissen und eventuellen vereinzelten Funden, nichts vom wirklichen Ausmaß der Jahrhundertverbrechen. Dasselbe betrifft sämtliche Bereiche des menschlichen Lebens – Gesellschaft, Politik, Kultur, Kunst, Wissenschaft und sogar den Boulevard. Es ist ein historisches Fiasko gigantischen Ausmaßes, das sich hier unter den Augen aller anbahnt. Und die im Spektrum-Text erwähnte "Datenrettung" ist sogar weniger als ein – zumal sehr teures, also nur ausgewählten Personen verfügbares – Feigenblatt, welches das hässliche Gemächt des kollektiven Vergessens nicht einmal im Ansatz zu verbergen vermag.

Einer der Wissenschaftler, dessen Datenrettungsversuche im Text etwas näher beleuchtet werden, kommt denn auch zu dem naheliegenden Schluss:

"Wenn man Daten erhalten will", so folgert McCarthy, "dann setzt man sich am besten in Bewegung, solange die Leute, die die Daten produziert haben, noch unter uns sind."

Wir leben in einem wahrhaft "modernen", "zukunftsweisenden" Zeitalter, fürwahr. Leider glauben diesen Unsinn die meisten Mitglieder dieser narkotisierten Bevölkerung wohl tatsächlich, während sie über ihre Dumpf-Phones bzw. Staatswanzen wischen. Das stumpfsinnige Vergessen ist offenbar nur ein Feature des Kapitalismus, aber keine zwingende Voraussetzung für die kollektive Verblödung.

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Der Mensch



(Illustration von Matt Mahurin [*1959] aus dem Jahr 1986 [?], unbekannter Verbleib)

Samstag, 8. Juli 2017

Song des Tages: Eye of Chaos




(Once Human: "Eye of Chaos", aus dem Album "Evolution", 2017)

I fear, only in death
There will be freedom
From all warkind
May we all fall a victor

They named me a killer
I learned to walk
I learned the blade
To cut the soul from the soldier
Now is the time to test my faith

I of war
I of chaos
We of gods
Create the hell
Seek the cause
My eyes, they fail me

In my world blood is priceless
Life is worth more
When it's lifeless

Death comes closer
Apprehensive delay
Hands take over
You slip away

Colors of earth
have all faded away
All that I see
Is the pale of your face
Death calls, I answer
I see it through
The voices of reason
Were buried with you

I fear, only in death
There will be freedom
For all mankind
May you all rest in pieces

I carve the earth's gutters
All will submerge in crimson lakes
In the pools of my brothers
For blood is thinner
Than my blade

I of war
Liberated the eye of chaos
And devastated
We of gods
Create the hell
Pleas are lost
Your eyes, they fail you



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Anmerkung: Derweil in Hamburg, der freiheitlich-demokratischen Grundfeste des kapitalistischen Systems der verwesenden Friedensraute:


(Gewaltbereite, vermummte Chaoten: Der schwarze Block am 7. Juli 2017)

Donnerstag, 6. Juli 2017

Die Aliens und die mit Wasser gefüllten Beutel


In einem der Blogs auf den Seiten von spektrum.de habe ich kürzlich einen hübschen, kleinen Text gelesen, in dem sich die Autorin der Frage widmet, "Warum wir [bislang] keine Aliens gefunden haben (oder sie uns)":

100 Milliarden bewohnbare Planeten könnte es allein in unserer Milchstraße geben, schätzte Seth Shostak vom SETI-Institut in einem aktuellen Vortrag (18.6.2017) auf der Future Con, einer Veranstaltung im Grenzbereich von Wissenschaft, Technik und Science-Fiction.

Als interessierter Hobby-Kosmologe und wissenschaftlich geschulter Science-Fiction-Liebhaber habe ich dort zwar nichts neues, dafür aber eine recht nett formulierte These gefunden, die ich – nicht erst seit gestern – ganz besonders bedenkenswert finde. Unter dem Titel "Die Erde steht unter Quarantäne" schreibt die Dame:

Wir sind vielleicht zu primitiv, oder zu aggressiv oder schlicht zu zerstörerisch. Möglicherweise hat der Galaktische Rat (wenn es soetwas [sic!] gibt) ein Kontaktverbot erlassen. Davon würden wir nur erfahren, wenn es jemand missachtet. Das wäre dann aber vermutlich kein angenehmer Zeitgenosse.

Mir geht diese These allerdings noch lange nicht weit genug (in diesem Kontext sei auch auf die Kommentare dort drüben verwiesen, die ungewöhnlich "untrollig" und großteils sehr lesenswert sind), denn falls es tatsächlich intelligente extraterrestrische Lebensformen geben sollte, die "unseren" [*lol*] kapitalistischen Katastrophenplaneten entdeckt haben, wäre es sogar zwingend logisch, jedweden Kontakt mit dieser Menschheit unbedingt zu vermeiden – andernfalls wäre eben jene Intelligenz ja unverzüglich in Frage zu stellen und das Thema mithin redundant. Ein intelligentes Wesen käme unvermeidlich zu dem Schluss, dass es sich bei diesen Menschen – zumal denen, die auf diesem Planeten "das Sagen haben" – lediglich um "größtenteils mit Wasser gefüllte Beutel" (Zitat aus Star Trek: Das nächste Jahrhundert) handelt, die sich selbst und ihren Lebensraum seit dem Beginn der sogenannten Zivilisation konsequent zerstören, ausbeuten, töten und zugrunde richten – und diese apokalyptische Farce mit zunehmender Technisierung immer weiter verstärken, anstatt endlich klug zu werden.

Dabei gibt es genügend Beispiele aus der Science-Fiction-Literatur, in denen höchst unterschiedliche, teilweise auch sehr komplexe Szenarien entworfen wurden, wie eine solche außerirdische Lebensform aussehen und wie sich der Kontakt zu ihr gestalten könnte – allerdings kennt die kaum jemand, denn im "Mainstream" gibt es bis auf ganz wenige Ausnahmen, zu denen Teile des inzwischen ebenfalls durch Hollywood und die übliche kapitalistische Habgier in rauchende, zerfallende Ruinen gelegten Star-Trek-Universums gehören, fast ausschließlich kriegerische, extrem dumpfe Horrorszenarien, die genau dem barbarischen Entwicklungsstand der Menschheit, nicht aber den wahrscheinlichsten Zielen irgendwelcher intelligenter Aliens entsprechen. Die bekannten, meist stinklangweiligen und oberflächlichen Hollywoodschinken aus diesem Genre ("Alien", "Independence Day", "Krieg der Welten" etc.) behandeln ja allesamt nichts weiter als eine billige Allegorie dessen, was der Kapitalismus und seine Schergen seit Jahrhunderten auf der Erde anrichten. Intelligenz sucht man hier selbstverständlich vergebens.

In diesem Zusammenhang möchte ich exemplarisch den "epischen" Roman "Der Splitter im Auge Gottes" von Larry Niven und Jerry Pournelle aus dem Jahr 1974 empfehlen. Es gibt nur wenige Bücher aus dem SF-Genre, die ich ebenso faszinierend finde und die mich so gefesselt haben, dass ich tagelang nicht ansprechbar war:

In ferner Zukunft: Die menschliche Rasse hat einen Teil der Galaxis besiedelt, hat Großreiche gegründet, die wieder zerfielen, hat Bürgerkriege ausgefochten und neue Imperien aufgebaut, ist in interstellares Neuland vorgedrungen – auf eine andere intelligente Rasse ist sie nie gestoßen. Da naht aus dem Bereich des Kohlensack-Nebels, aus einem System, dessen Zentralgestirn "Splitter im Auge Gottes" genannt wird, ein rätselhaftes Flugobjekt – eine Sonde, die von einem Lichtsegel angetrieben wird. Ein Schiff der Raumflotte fängt das Objekt ab, bevor es in eine Sonne stürzt. Das seltsame Lebewesen, das sich an Bord befindet, kommt bei dem riskanten Bergungsmanöver ums Leben. Es war der Abgesandte einer völlig andersartigen, offensichtlich uralten und technologisch hochentwickelten Rasse. Hatte er die Möglichkeit, vor seinem Tod eine Botschaft an seine Heimatwelt abzusetzen? Hat er die Begegnung mit den Menschen als Angriff auf sich und sein Schiff interpretiert? Es gibt nur eine Möglichkeit, der potentiellen Gefahr zu begegnen und guten Willen zu beweisen: das Heimatsystem der Fremden aufzusuchen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Diese Kurzbeschreibung wird dem fast 900 Seiten starken, eng bedruckten und tiefsinnigen Buch natürlich nicht gerecht, denn hier geht es – ohne spoilern zu wollen – nicht um irgendeine außerirdische "Bedrohung", sondern vielmehr um die krankhafte, paranoide, selbstzerstörerische menschliche Spezies, die selbst in "ferner Zukunft" – doch auch das ist nur ein literarisches Bild – nicht gelernt hat, das kapitalistische Denken des Eigennutzes zu überwinden. Ich empfehle die Lektüre wärmstens.

Dienstag, 4. Juli 2017

Propagandapresse: We love to manipulate you


Es ist immer wieder erhellend, der zwangsgebührenfinanzierten, kapitalistischen Staatspresse zu folgen. Vor wenigen Tagen war beispielsweise auf der Seite der Tagespropaganda ein Interview mit Jean Ziegler zu lesen, der seit vielen Jahren vehement das kannibalische Katastrophensystem des Kapitalismus' bekämpft. Ziegler sagt hier indes nichts Neues, sondern wiederholt nur die logischen Schlussfolgerungen, die er schon seit Jahrzehnten in ähnlicher Form in die Medienwelt absondert.

Die "unabhängige" Redaktion der Tagespropaganda konnte es sich dennoch nicht verkneifen, dem alten Mann, der alles verdammt, was das deutsche Regime und damit auch diese Systempresse vertritt, subtil den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ziegler sagte:

Herr Schäuble, Finanzminister der drittgrößten Finanzmacht der Welt immerhin, hat gesagt: Entschuldung kann nicht sein. Entschuldung für die 50 ärmsten Länder dieser Welt wird nicht gemacht. Obschon diese Länder ohne Entschuldung weder in Schulen, noch in Spitäler, noch in die Landwirtschaft investieren können. Das Elend ist also zementiert, wenn keine Entschuldung kommt. / Und Schäuble argumentiert und sagt: Das ist das Gesetz des Marktes, die Eigenverantwortung des Marktteilnehmers, und der Markt befiehlt. Das ist eine mörderische Aussage. Sie können Morgen [sic!] früh Jesus Christus als Präsident von Mali oder Benin oder Senegal ernennen. Er wird kein einziges Kind retten können, weil die Auslandsschuld diese Länder erdrückt. Was Herr Schäuble sagt, ist eine Aussage, die eines deutschen Ministers nicht würdig ist.

Die Redaktion der Tagespropaganda illustrierte diese Passage folgerichtig mit diesem bizarren Foto:


(Screenshot tagesschau.de vom 02.07.17)

Was soll man dazu noch sagen. Die Presse der DDR war wohl freier. Hierzulande gibt es keine Journalisten mehr, die es wagen könnten, das menschenfeindliche Merkel-Monster und ihre kapitalistische schwarz-rote Sturmtruppe ernsthaft zu kritisieren. Jean Ziegler kann seine aufklärende Botschaft noch weitere dreitausendmal verkünden: Die deutsche Systempresse steckt sich weiterhin Watte in die Ohren und singt laut "La la la, ich höre dich nicht!", während die kapitalistische Katastrophe ihren gewohnten Lauf nimmt:

Alle fünf Sekunden verhungert nach UN-Statistik ein Kind unter zehn Jahren. Ein Kind, das jetzt, während wir reden, an Hunger stirbt, wird ermordet.

Ich wundere mich, dass Herr Ziegler noch nicht wahnsinnig geworden ist und die widerlichen Arschlöcher, die diese grausige Politik zu verantworten haben, in die Luft gesprengt hat. Er ist wohl – ebenso wie ich – mit dem Dilemma des Pazifismus' gestraft.

Montag, 3. Juli 2017

Inside Auschwitz




(Kurzdokumentation von Jürgen Brügger, Jörg Haaßengier und Gerhard Schick, WDR 2017)

Anmerkung: Es ist extrem bedauerlich, dass die Autoren für dieses Werk, das eigentlich gar keine filmische Dokumentation, sondern eine anklickbare, "interaktive 360-Grad-Reportage" darstellt, so wenig Zeit, dafür aber viel sinnlose Technik eingesetzt haben. Mit den zur Verfügung stehenden Mitteln hätte hieraus ein äußerst wichtiger, hochwertiger, langer Dokumentarfilm werden können, der das grauenhafte Thema nicht nur oberflächlich anreißt, sondern tatsächlich tiefer beleuchtet. Offenbar war es den Autoren aber wichtiger, das "neue Medium" in den Mittelpunkt zu stellen, und nicht das eigentliche Thema. Was hätten die drei alten Damen, die das Grauen überlebt haben und hier zu Wort kommen, doch alles erzählen können!

Anscheinend ist das "Projekt" in seiner "ursprünglichen" Form online gar nicht abrufbar – der Sender sowie die Seite des "Grimme Online Awards", für den das Stück nominiert war, verweisen jedenfalls beide nur auf die oben verlinkte youtube-Version, in der man durch den Klick auf oben eingeblendete Pfeile lediglich die Kameraposition verändern kann. Oder ist dieses alberne "Feature" am Ende schon die ganze sagenhafte Neuerung? Möglicherweise bin ich aber auch einfach zu blöd, das will ich gewiss nicht ausschließen.

Trotz alledem lohnen sich die knapp zehn Minuten – ganz besonders in Verbindung mit dem hier vorangegangenen Posting über den "alltäglichen Rassismus".