Mittwoch, 22. Juni 2016

Faulfuß: Weg mit Gott!


Mein guter Freund und intellektueller Minderleister Roland Faulfuß hat schon wieder zugeschlagen und im Wecker-Blog "Jenseits der Realität" einen Text über die anstehende Revolution das "Vater unser" veröffentlicht. Ja, der Mann schreibt allen Ernstes über dieses christliche, stumpfsinnige Gebet aus einer archaischen Zeit, in der die Erde noch eine flache Scheibe und überhaupt der Mittelpunkt des Universums war.

Das ist schon lustig genug - Faulfuß betätigt sich hier aber gleich als - freilich gänzlich inkompetenter - Literaturwissenschaftler und versucht mit der Hilfe eines halbseidenen Eso-Spinners namens Neil Douglas-Klotz, den ohnehin bescheuerten Text dieses Gebetes in den "Urtext" zurückzuführen. Jener Bekloppte - Douglas-Klotz - hat Bücher wie "Das Vaterunser: Meditationen und Körperübungen zum kosmischen Jesusgebet" oder "Segen aus dem Kosmos. Die schönsten Worte Jesu" herausgehauen, die jeden halbwegs vernunftbegabten Menschen schon durch ihre Titel in schreiende Agonie stürzen.

Das reicht dem Religioten Faulfuß aber noch nicht - er wiederholt allen Ernstes die völlig sinnfreie Argumentation dieses offensichtlich Irren, indem er behauptet, es gebe ein in aramäischer Sprache verfasstes "Original" dieses Gebetes, das aufgrund diverser Übersetzungen heute gänzlich verfälscht sei. Einerseits ist das eine wissenschaftlich nicht haltbare Behauptung - schon ein schnöder Blick zu Wikipedia hilft da weiter (einen Besuch in einer entsprechend gut sortierten Bibliothek ersetzt das freilich nicht):

Manchmal wird diskutiert, ob Teile des Neuen Testaments ursprünglich in Aramäisch verfasst seien, der Sprache Jesu und der ersten Christen. Es gibt für solche Annahmen jedoch keine antiken Textzeugnisse; alle neutestamentlichen Handschriften, auch die ältesten, sind in griechischer Sprache verfasst.

Andererseits bleibt diese Argumentation aber sowieso redundant, da es sich hier - selbst wenn es diese ominösen Textdokumente in aramäischer Sprache gäbe - lediglich um nacherzählte Floskeln handelte, die viele Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte nach dem angeblichen Leben Jesu niedergeschrieben wurden. Auch diese "Textquelle" - die es, wie gesagt, gar nicht gibt - wäre demnach nichts weiter als bloßes Hörensagen.

Auch die generelle Problematik, die bei übersetzten Texten stets auftritt, wird hier nicht erwähnt - ganz zu schweigen von den zeitbezogenen, gesellschaftlichen Besonderheiten der jeweiligen Epoche. Ich will das an einem Beispiel illustrieren: Faulfuß argumentiert hier wie ein geistig Verwirrter im Jahr 4000, der die Texte eines John Lennon aus dem Jahr 1969 bewerten will, die von einem "Jünger" 200 Jahre später nach "mündlicher Überlieferung" in französischer Sprache niedergeschrieben und im Verlaufe der Jahrhunderte erst ins Russische, dann ins Chinesische und schließlich wieder ins Englische übersetzt wurden. Wer meint, er könne angesichts einer solchen Ausgangslage nach 2000 Jahren auch nur rudimentär auf den Ausgangstext schließen, ist komplett irre und muss ein esoterischer Spinner sein.

Das ficht Faulfuß aber alles nicht an - hier sind schließlich keine Fakten gefragt und Wissenschaft ist in diesen Kreisen sowieso Ketzerei. Es geht um Glauben, nicht um Wissen. Und so versteigt sich der "hochsensible" Verrückte zu solchen Formulierungen (ich zitiere wörtlich, also inklusive aller Schreib- und Interpunktionsfehler):

Das aramäische Vaterunser entführt uns in eine erstaunlich frische wirkende, unverstaubte Welt mystischer und undogmatischer Spiritualität. Es führt uns in die Nähe und zielt auf die Vereinigung mit einer liebenden, allgegenwärtigen Gottheit. (...) Ich mache auch darauf aufmerksam, dass das aramäische Vaterunser einen aussergewöhnlich schönen Klang hat. Es anzuhören und nachzusprechen versetzte mich in eine "gehobene" Stimmung, ähnlich eine sanfte Trance. Nicht alle Worte, nicht einmal alle Mantras, hatten auf mich eine solche Wirkung.

Dies sei als Warnung an alle gedacht, die sich mit religiotischem Irrsinn zu befassen gedenken: Man kann sich auch gleich ein dickes Loch in die Schädeldecke bohren und beherzt einen Sahnequirl aufsetzen, der das Gehirn ordentlich vermatscht - die liebende, allgegenwärtige, heute natürlich korrekt gegenderte "Gottheit" wird sich dann gewiss von selbst einstellen.


(Jawohl: Hinweg mit dem Mumpitz.)

Dienstag, 21. Juni 2016

Song des Tages: Stellar Tombs




(Draconian: "Stellar Tombs", aus dem Album "Sovran", 2015)

A place where daylight aches
It's all unreal to you
A sunset calls me here
I swear to love it's true

So alien this vaulted screen
And patterns form into contours
The dark around me as dense as matter
A stellar quake fills the astral space

How dare you not to see?
My tears are gifts to you
A heart you must set free
How dare you not believe?

"Became I freeze in the warmth, in the glow of Helios -
Sweat in the heart of summers drained
And radiant life to falter and beautiful tears to dry:
I’m gracefully bowing ... in horror"

Waterless like the ocean –
Drizzling like the deserts;
Come emerge and wallow!
Pretend like nothing at all
Along the whirlwinds in your head
A place where daylight aches
It’s all unreal to you
A world we must set free
I swear to love it’s true

Petrified spirit, dilated stare
I’m piercing through these icy shackles
Somehow cast around this nebula
Unwilling to enter my birth

"Would you take my hand and follow through the ether?
Would you sweat and dance in winter's bloom?
For radiant life to falter and beautiful tears to dry:
I'm gracefully bowing ... in sorrow"

Waterless like the ocean –
Drizzling like the deserts;
Come emerge and wallow!
Pretend like nothing at all
Along the whirlwinds in your head
Along the whirlwinds in your head

(Frailty and strength marry and dissolve
And the sky fills up with poetry and song ...
Into the soothing black we go.)


Montag, 20. Juni 2016

Buchempfehlung: Die Kolonie


Heute möchte ich einmal mehr auf ein Buch aufmerksam machen, das mich seinerzeit sehr beeindruckt hat und dessen bittere Thematik im Jahr 2016 aktueller ist denn je. Ben Bovas Roman "Die Kolonie" aus dem Jahr 1978 beschreibt eine Zeit in der nahen Zukunft, deren Probleme uns heute allzu bekannt vorkommen dürften. Der Einfachheit halber zitiere ich wieder aus dem Klappentext:

"Die Erdölvorkommen des Planeten sind erschöpft. Die Staaten der Erde sind völlig von der Energieversorgung aus dem Orbit abhängig: Eiland Eins, eine künstliche Insel in einem der Librationspunkte des Erde-Mond-Systems, betreibt die Sonnenkraftwerke und schickt Tag und Nacht über Mikrowellensender die unentbehrliche Energie zur Erde.

Doch Eiland Eins ist gleichzeitig eine Kolonie für Zehntausende von Siedlern, die der Hölle der überbevölkerten Erde entronnen sind, auf der sich eine schwache Weltregierung und separatistische Nationalisten erbittert bekriegen.

Und eine Gruppe von multinationalen Konzernen, denen die Weltregierung mit ihren Kontrollen [Neusprech: "Regulierungen"] längst ein Dorn im Auge ist, schürt die Konflikte durch Waffenlieferungen und meteorologische und ökologische Anschläge, durch die ganze Landstriche verwüstet werden.

David Adams, auf Eiland Eins geboren und aufgewachsen, ist als Mensch ein genetisches Experiment und darf die Raumstation nicht verlassen. Dennoch flieht er zur Erde und lernt das dortige harte Leben aus eigener Anschauung kennen. Er begreift, dass Eiland Eins der Schlüssel ist - nicht nur zur Macht, das haben die Multis längst begriffen, sondern auch zum Frieden. - Und er hat einen Plan ..."

Bova, der später - vermutlich aus schnöden Broterwerbsgründen - auch manch redundantes Zeug veröffentlicht hat, ist mit diesem Roman ein kleines Meisterwerk gelungen, das gerade heute wieder massenhaft LeserInnen verdiente.

Dem Roman ist ein Zitat des ehemaligen Generalsekretärs der Vereinten Nationen, Sithu U Thant, aus dem Jahr 1969 vorangestellt:

Ich will die Zustände nicht dramatisieren. Aber nach den Informationen, die mir als Generalsekretär der Vereinten Nationen zugehen, haben nach meiner Einschätzung die Mitglieder dieses Gremiums noch etwa ein Jahrzehnt zur Verfügung, ihre alten Streitigkeiten zu vergessen und eine weltweite Zusammenarbeit zu beginnen, um das Wettrüsten zu stoppen, den menschlichen Lebensraum zu verbessern, die Bevölkerungsexplosion niedrig zu halten und den notwendigen Impuls zur Entwicklung zu geben. Wenn eine solche weltweite Partnerschaft innerhalb der nächsten zehn Jahre nicht zustande kommt, so werden, fürchte ich, die erwähnten Probleme derartige Ausmaße erreicht haben, dass ihre Bewältigung menschliche Fähigkeiten übersteigt.

Wenn der Mann, der bereits 1974 verstarb, miterlebt hätte, was seit den siebziger Jahren auf diesem verkommenen Planeten - massiv verstärkt seit der Jahrtausendwende - geschehen ist, wäre er wohl auf der Stelle irre geworden. Es ist immerhin beachtlich, dass zumindest viele SF-Autoren - wie eben auch Bova - das nahende kapitalistische Fiasko des globalen Elends der großen Mehrheit ausführlich beschrieben und analysiert haben.

Man müsste das - gerade in der heutigen irren Glitzerwelt der kapitalistischen Endzeit - einfach nur lesen.



(Benjamin William Bova [*1932]: "Die Kolonie", 1978; dt. Heyne 1980)

Samstag, 18. Juni 2016

USA: Ärzte definieren die humane Folter


Ich weiß nicht, wie es anderen Menschen ergeht, aber mich überkommt beim Lesen so mancher Nachricht aus unserer schauderhaften Horrorwelt nicht mehr nur ein Brechreiz, sondern ein unbändiger Zorn, den ich kaum kontrollieren kann. Vorgestern war das wieder einmal der Fall, als ich bei n-tv die schrille Meldung fand:

Ärzte zeigten der CIA, wie es "richtig" geht / Wie weit kann man gehen? Diese Frage haben Mediziner den Folterknechten des US-Geheimdienstes CIA in einer Richtlinie beantwortet.

Es geht hier um ärztliche Anweisungen, wie eine "freiheitlich-demokratische", "humane" Folterung von Menschen, die aus irgendwelchen Gründen irgendeinem - im Zweifel willkürlichen - Verdacht ausgesetzt sind, im "Land of the Free" abzulaufen hat. Die brutalen Schergen des "engsten Verbündeten Deutschlands" werden hier also von Ärzten [sic!] angeleitet, wie Folterungen durchzuführen seien - und zwar bis in kleinste Details hinein:

Ärzte, die dem sogenannten Office of Medical Staff (OMS) des CIA zugeordnet waren, empfahlen in den Richtlinien unter anderem, Häftlinge auf Hungerstreik rektal statt intravenös zwangszuernähren. Sie legten dar, dass zwar 1500 Kalorien am Tag für einen erwachsenen Mann die empfohlene Menge darstellten, dass aber auch 1000 Kalorien am Tag über Wochen hinaus ausreichen würden.

Wer das komplett nachlesen möchte, kann das hier tun (Vorsicht: Link geht zur Webseite der CIA).

Unseren amerikanischen Freunden ist der Humanismus eben sehr wichtig - jenseits des Atlantiks kümmern sich sogar Ärzte, die allesamt den hippokratischen Eid geschworen haben, um die menschenfreundliche Begleitung von zu folternden Verdächtigen. Möglicherweise hilft diesen Folteropfern die "Behandlung" durch die CIA ja sogar bei der Genesung und der Abkehr von ihrem Irrweg, der sie zu Verdächtigen hat werden lassen? Folter muss in den USA wohl als anerkannte medizinische Therapie gelten, wenn diese Ärzte sich nicht des Meineides schuldig machen möchten; und ein Verdacht ist dort offenbar gleichzusetzen mit einem Urteil: im Zweifel für die Folter.

Wir dürfen nun dreimal raten, wie die schmierige deutsche Politmischpoke der korrupten Einheitspartei auf diese Nachricht reagiert hat. - Richtig: Russland ist schuld, und nun folgt das Wetter und dann der obligatorische Krimi. - Und morgen wird zurückgeschossen.

Manchmal reicht es nicht mehr aus, einfach nur laut zu schreien. Manchmal müsste man sich die Pulsadern aufschneiden, wenn man halbwegs angemessen auf den Irrsinn reagieren möchte.


Freitag, 17. Juni 2016

Politische Exzellenz-Kompetenz: Das "Cyber-Abwehrzentrum"


Der Begriff "Cyber" wird momentan wieder einmal inflationär - und meist von möglichst inkompetenten Personen - benutzt. Beispielsweise arbeitet Stahlhelm-Uschi eifrig am Aufbau einer "Cyberarmee", welche die "digitale Sicherheit Deutschlands" sicherstellen und im Bedarfsfalle auch "digitale Angriffe" ausführen soll. Jedem halbwegs mit der Materie vertrauten Menschen ist ohnehin klar, dass es sich hier um ein Nebelkerzenfeuerwerk handelt, in dem es vornehmlich um Pöstchen, Machtgerangel, Budgets und Theaterdonner für die mediale Aufbereitung handelt. Die glorreiche "Cyberarmee" der Bundeswehr stürzt schon jetzt ganze Bataillone von fiesen Hackerterroristen in pure Angstschweißbäder, in denen sie reihenweise ertrinken.

Kompetenz, Exzellenz und Effizienz sind schließlich einige der wichtigsten ENZ-Schlagworte der habgierigen Bande - und gewiss auch die ersten, an die man im Zusammenhang mit dieser Bagage denkt.

Der tolle Plan von der Leyens hat indes einen direkten Vorläufer: Vor genau fünf Jahren haben die korrupten Flitzpiepen unter Federführung der CSU-Hohlbirne Hans-Peter Friedrich das "Cyber-Abwehrzentrum" gekreißt, das seitdem mit sagenhaften zehn Mitarbeitern das gesamte Land vor terroristischen Angriffen aus dem "Darknet" - oder wahlweise von der dunklen Seite des Mondes - beschützt. Oder stimmt das am Ende gar nicht?

Der WDR-Blogger Peter Welchering hat zu diesem Thema einen hübschen Beitrag geschrieben, den ich hier eigentlich komplett zitieren müsste - da ich das aber nicht darf, beschränke ich mich auf kurze Auszüge:

Nicht umsonst urteilte der Bundesrechnungshof im Jahre 2014, das Abwehrzentrum würde seine Aufgaben nicht erfüllen. Die Kritik am Abwehrzentrum ist nicht verwunderlich. Es war ja von der Politik eigens so konstruiert worden, dass dieses Zentrum eines garantiert nicht kann: Cyberangriffe abwehren. / (...) Zersplitterte Zuständigkeiten, Eifersüchteleien unter Behördenchefs und Ministerien sowie weitgehend fehlende Sachkenntnis in der IT-Politik haben dazu geführt, dass das Nationale Cyber-Abwehrzentrum in den fünf Jahren seines Bestehens eine Fähigkeit nicht entwickelt hat: Cyberangriffe abzuwehren.

Der gesamte Text ist zur Lektüre empfohlen. - Hier studieren wir wieder einmal ein glänzendes Beispiel dafür, was die neoliberale Einheitspartei unter Kompetenz, Exzellenz und Effizienz versteht: Es ging und geht hier nicht um "Cyber-Abwehr" (allein dieses Wortkonstrukt ist eine plumpe Beleidigung jedes Primatengehirns), sondern um Macht, Geld und medial verbreitetes, lautes Tamtam, um die erwünschte Botschaft ins Land zu plärren: "Seht her - wir tun etwas gegen die bösen Terrorangriffe!"

Es gäbe hundert Möglichkeiten, gegen tatsächliche Bedrohungen effektiv, schnell, preiswert und vor allem möglichst lautlos [sic!] anzugehen - das "Cyber-Abwehrzentrum" gehört aber ebensowenig dazu wie die geplante, noch absurdere "Cyberarmee" der Bundeswehr. - Ich frage mich schon seit Jahrzehnten, ob diese in fast sämtlichen politischen Bereichen immer wiederkehrende Erkenntnis tatsächlich "nur" auf die völlige Inkompetenz der jeweiligen Politmarionetten zurückzuführen ist. Allmählich bildet sich eine ernüchternde Anwort heraus: Nö.


(Bild: extra 3)

Donnerstag, 16. Juni 2016

Song des Tages: Anesthetize




(Porcupine Tree: "Anesthetize", live in den Niederlanden 2014; Original aus dem Album "Fear of a Blank Planet", 2007)

A good impression of myself
Not much to conceal
I'm saying nothing
But I'm saying nothing with feel

I simply am not here
no way I ...
Shut up be happy stop whining please

And because of who we are
We react in mock surprise
The curse of "there must be more"
So don't breathe here, don't leave your bags

I simply am not here
no way I ...
Shut up be happy stop whining please

***

The dust in my soul
makes me feel the weight in my legs
My head in the clouds
and I'm zoning out

I'm watching TV
but I find it hard to stay conscious
I'm totally bored
but I can't switch off

Only apathy from the pills in me
It's all in me, all in you
Electricity from the pills in me
It's all in me, all in you
Only MTV and cod philosophy

We're lost in the mall,
shuffling through the stores like zombies
Well what is the point?
What can money buy?

My hands on a gun
and I find the range, God tempt me
Well what did you say?
Think I'm passing out

Only apathy from the pills in me
It's all in me, all in you
Electricity from the pills in me
It's all in me, all in you
Only MTV and cod philosophy

***

Water so warm that day
I counted out the waves
As they broke into surf
I smiled into the sun

The water so warm that day
I was counting out the waves
And I followed their short life
As they broke on the shoreline

I could see you
But I couldn't hear you
You were holding your hat in the breeze
Turning away from me

In this moment you were stolen
There's black across the sun


Mittwoch, 15. Juni 2016

Zitat des Tages: Alter Schlaf


Alter Schlaf, wo hast du deine Söhne?
Junge, starke Söhne sollst du haben,
solche Kerle, die noch mehr vermögen
als bloß kommen und die Lampe löschen.

Einer soll zu meiner Angst sich legen,
einer sich auf meine Sehnsucht knieen,
feste Fäuste müssen beide haben,
dass die Nachbarn keine Schreie hören.

Was willst du in meine Augen streuen?
Sand? - Ich lache! - eine ganze Wüste
kann ich dir für solche Augen schenken,
die damit sich schon zufrieden geben.

Meine, weißt du, sind zwei Feuersäulen,
einmal wird der Himmel davon brennen!
Aber vorher möcht ich endlich schlafen.
Alter, Alter, hast du keine Söhne?

(Christine Lavant [1915-1973], in: "Die Bettlerschale. Gedichte", Otto Müller 1956)


Dienstag, 14. Juni 2016

Verschwörungstheoretiker Maaßen enthüllt Sensation


Der hochseriöse, integere Chef des "Verfassungsschutzes", Hans-Georg Maaßen, hat während seiner Vernehmung im NSA-Untersuchungsausschuss sensationelle Erkenntnisse enthüllt, welche die westliche Welt in ihren Grundfesten erschüttern. Zunächst beklagte er bitterlich die "Behinderungen" der Behörde durch den Ausschuss, um sodann - laut Zeit Online - nachzulegen:

Maaßen zweifelte vor dem Ausschuss auch die Rolle von Edward Snowden an, der mit seinen Enthüllungen die NSA-Affäre ans Licht gebracht hatte. Der Ex-NSA-Mitarbeiter könnte nicht der selbstlose Whistleblower sein, der die überwältigende NSA-Spionage öffentlich machte, sagte er. Snowden könnte vielmehr im Dienste russischer Geheimdienste stehen. "Dies wäre eine Spionage-Operation verbunden mit einer Desinformations- und Einflussnahme-Operation", sagt Maaßen. "Ein Keil würde getrieben zwischen die USA und deren engste Verbündete, insbesondere Deutschland."

Snowden ist also laut Maaßen in Wahrheit ein russischer Spion, der selbstverständlich nichts Gutes im Schilde führen kann - ein Spaltpilz der besonders perfiden Art eben, der die "enge Partnerschaft" zwischen Deutschland und den USA bombardiert. Beweise - oder auch nur Indizien - für diese Behauptung besitzt der Herr Maaßen zwar nicht, aber solch schnöde Details benötigt ein solcher offensichtlich korrumpierter Mensch auch gar nicht. In seinem strahlenden Weltbild gilt: USA und "Verfassungsschutz" sind gut, daher müssen der Untersuchungsausschuss (auch wenn dieser selbstverständlich ein völlig harm- und zahnloser Tiger ist) und auch Snowden zwangsläufig böse sein. Das reicht in solchen Kreisen offenbar als Beweis.

Kafkas helle Freude

Es lässt sich zumindest erahnen, in welch einer abstrusen, völlig irrwitzigen Zeit wir leben, wenn eine kriminell agierende deutsche Behörde von einem irren Verschwörungstheoretiker geleitet wird, die im Geheimen mit einem nicht minder irren us-amerikanischen Regime samt ebenfalls kriminell agierenden Geheimbehörden kooperiert. Kafka hätte seine helle Freude - bzw. seinen schlimmsten Albtraum - in unserer Gegenwart. - Ob beim "Verfassungsschutz" inzwischen auch schon Aluhüte getragen und Jebsen-Videos konsumiert bzw. "ausgewertet" werden, ist mir leider nicht bekannt. Möglicherweise werden Schlussfolgerungen dort auch aus geworfenen Tierknochen, dem Kaffeesatz oder schwingenden Pendelbewegungen gezogen.


Auch architektonisch ein deutliches Sinnbild für das "freiheitlich-demokratische" Verständnis dieser Behörde: Das BfV in Köln. Eigentlich fehlen nur noch die Wachttürme.

Glaube, du Schaf

Seiner Treue zum "engsten Verbündeten" jenseits des Atlantiks verlieh der Verschwörungstheoretiker ebenfalls deutlich Ausdruck:

Maaßen sagte dazu, die an die USA weitergegebenen Daten zu deutschen Islamisten "durften und dürfen nicht zu militärischen Zwecken verwendet werden". Zudem reichten Handynummern nicht für die Lokalisierung von Personen aus. / Maaßen versicherte, dass der Verfassungsschutz die Daten von Bürgern keineswegs massiv und anlasslos ausspähe. Auch erklärte er, warum seine Behörde die Software XKeyscore des US-Geheimdienstes NSA zur Analyse von Daten in Deutschland nutzt: Die eigenen Möglichkeiten zur Datenanalyse reichten nicht.

Selbstverständlich präsentierte der Schlipsgewürgte auch hierzu keinerlei Belege - man muss das eben glauben, wie das in einem religiotischen System des kapitalistischen Irrsinns eben so üblich ist. Wenn die amerikanischen Freunde beteuern, dass keinerlei Daten aus Deutschland für widerwärtige, kriminelle, andauernde Drohnenmorde benutzt wurden und werden, ist das Beweis genug - und dasselbe gilt freilich für die Beteuerung Maaßens, dass es keine flächendeckende und anlasslose Ausspähung deutscher BürgerInnen durch den "Verfassungsschutz" gebe.

Schlafen Sie, es gibt hier nichts zu sehen

Es ist interessant zu beobachten, dass die gesamte Berichterstattung der Systempresse inzwischen bemüht ist, den "NSA-Skandal" - sofern er überhaupt noch medial stattfindet - als ein Vorkommnis der Vergangenheit darzustellen, so als sei die Totalüberwachung durch NSA, "Verfassungsschutz" und all die anderen in- und ausländischen Geheimbehörden längst eingestellt worden. Nirgends wird auch nur in einer Randbemerkung explizit erwähnt, dass das Prozedere unvermindert andauert und ungehemmt weiter ausgebaut wird.

Gehen wir doch einfach noch ein paarmal schlafen - dann wachen wir endlich in der schönen neuen Welt auf:


("Brazil", ein äußerst empfehlenswerter Film von Terry Gilliam, 1985. - Der Film wird sicher nicht lange bei youtube verfügbar sein - wer ihn sich anschauen möchte, sollte das schnell tun.)

Samstag, 11. Juni 2016

Schöne neue Welt: Reklamepest


In Jörg Schiebs WDR-Blog "Digitalistan" war kürzlich zu lesen:

Und plötzlich zeigt der Fernseher Werbung / Die Hersteller von Fernsehgeräten stecken ganz schön in der Klemme: In den letzten Jahren haben die meisten von uns schicke HD-Fernseher gekauft: flache Geräte, die eine Menge können. Mittlerweile ist jedoch eine Marktsättigung eingetreten – und neue Trends wie 3D oder 4K werden vom Kunden nicht angenommen. Der Kauf-Boom ist vorbei. Womit also Geld in die Kassen spülen? Mancher Hersteller kommt da auf abenteuerliche Ideen. Samsung zum Beispiel: Der Koreaner zeigt Werbung in seinen Geräten.

Gut, ich fragte mich beim Lesen verwundert, wer denn wohl mit den "meisten von uns" gemeint sein könnte, denn Erwerbslose, Armutsrentner, Kranke, Aufstocker oder prekär dahin vegetierende junge Menschen - also etwa die Hälfte der deutschen Bevölkerung - müssen selbstredend auf ein TV-Gerät dieser Preisklasse, das selbst im irrwitzigen "Sonderangebot" noch mehr kostet als das vierfache "Existenzminimum", verzichten - aber an diese Unnützen richtet sich der innovative Vorstoß der schlipsgewürgten Habgierigen auch gar nicht, denn wieso sollte man Verarmte auch mit dämlicher, zusätzlicher Reklame zumüllen. Das tut man doch lieber dort, wo zumindest noch ein wenig zu holen ist und sorgt auf diese Weise dafür, dass der unbedarfte, ausgebeutete Noch-Mittelschichtler selbst beim Anschauen einer DVD oder eines bezahlten - also eigentlich werbefreien - Streams in regelmäßigen Abständen mit "Verbraucherinformationen" versorgt wird, damit er nicht vergisst, wo er seine in der Sklavenarbeit sauer erworbenen Penunzen lassen soll.

Das ist ein richtig tolles Konzept: Wer tatsächlich so blöd ist, TV zu glotzen und dafür auch noch ein "smartes" [sic!] TV-Gerät zu benötigen glaubt, hat es nicht anders verdient, von den Arschgeigen der kapitalistischen Abzocker bis zum Zustand der Besinnungslosigkeit für dumm verkauft zu werden.

Die Reklamepest ist schon jetzt - natürlich nicht bloß im TV - längst nicht mehr erträglich; wir dürfen aber sicher sein, dass sie erst am Anfang ihres Siegeszuges steht, solange dieses grauenvolle System den Planeten zerstört. - Vielleicht könnte dem Herrn Schieb beizeiten noch jemand leise mitteilen, dass diese Geschäftsidee im Rahmen des Kapitalismus keineswegs "abenteuerlich", sondern vollkommen logisch und regelkonform ist - auch wenn der gute Mann das gewiss nicht verstehen wird bzw. darf, wenn er seinen fürstlich bezahlten Job als "Internetexperte" beim WDR behalten möchte.

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Fortschritt


"Um die unerhört gestiegenen Unterhaltskosten der Friedhöfe aufzubringen, dürfen von jetzt ab gegen entsprechende Gebühren an den Grabmälern Reklametafeln angebracht werden."

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 29 vom 12.10.1921)

Donnerstag, 9. Juni 2016

Song des Tages: Mistreated




(Deep Purple: "Mistreated", live in Kalifornien, USA, 1974; Original aus dem Album "Burn", 1974)

Anmerkung: Der Text dieses Songs ist irrelevant. Man genieße das Werk in brüllender Lautstärke - David Coverdales Stimme und Ritchie Blackmores Gitarrenspiel haben nicht umsonst Musikgeschichte geschrieben. Solche entwaffnend emotionale Musik, die den Blues ins totale Extrem treibt, gibt es in der weichgespülten Glitzerwelt heute nicht mehr. - Dasselbe gilt allerdings für die Frisuren. ;-)

Mir fällt momentan kein anderes Musikstück ein, das den ausgepressten, aussortierten Verlierern des kapitalistischen Systems noch besser aus der Seele spräche.


Mittwoch, 8. Juni 2016

Leseempfehlung: Über die Sklaverei


Nach einer längeren Zeit des Schweigens hat der Kollege vom "Dudentity"-Blog nun einen äußerst beachtenswerten Text ins Netz gestellt, der sich mit verschiedenen, medial kaum beachteten Facetten des staatlichen Hartz-Terrors beschäftigt. Es ist in unserer Orwell-Zeit geradezu selbstverständlich, dass auch weiterhin die SPD federführend an vorderster Front dabei ist, das Asoziale zur Gewöhnlichkeit auszubauen und Minderheiten unentwegt die Stiefel in die Fresse zu treten - hier kann man das aber komprimiert und nett aufbereitet in wenigen Zeilen nachlesen.

Ich habe drüben schon einen Kommentar dazu hinterlassen und möchte hier nicht allzu viel hinzufügen. Es bleibt zu wünschen, dass zukünftig noch viel mehr Berichte aus der Hölle der kapitalistischen Zwangsverarmung, die sich selbstverständlich zuerst an den Schwächsten abarbeitet, bevor sie ihren Siegeszug in der restlichen Bevölkerung antritt, geschrieben werden.

Wenn ich hier verlauten lasse, dass ich mich aktuell entscheiden muss, ob ich Lebensmittel einkaufen oder doch lieber dem Telekom- oder Energiekonzern meine letzten Mücken in den Rachen werfen soll, lockt das niemanden mehr hinterm Ofen hervor - und ich kann nicht einordnen, ob dafür Abstumpfung und Zustimmung oder doch eher bittere Ohnmacht verantwortlich sind. So geht der Faschismus seinen anfangs schleichenden Weg - der aber rapide an Fahrt aufnimmt:

An Demenzkranken und geistig Behinderten sollen künftig auch Medikamente getestet werden, von denen die Probanden keinen Nutzen haben.

Auschwitz lugt mit gierigen Augen wieder in unsere pervertierte Welt. Das überflüssige Menschenmaterial, das der Kapitalanhäufung unnötig im Wege steht, ist nun wieder Verfügungsmasse. Man wird in dieser narkotisierten, dummgehaltenen, konsequent verarmten Bevölkerung nicht lange nach einem neuen Dr. Mengele suchen müssen.

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Sparmaßnahmen


"Wir müssen unsere Lebenshaltung jetzt auf eine schmalere Basis stellen!"

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 41 vom 07.01.1924)

Filmtipp: Wie der Wind sich hebt


Am kommenden Sonntag (12. Juni) läuft auf Arte der bislang und womöglich überhaupt letzte Film des japanischen Anime-Regisseurs Hayao Miyazaki, den ich sehr verehre: "Wie der Wind sich hebt" aus dem Jahr 2013 (dt. 2014). Das Werk ist danach hoffentlich für einige Tage auch in der Mediathek verfügbar - und kann von halbwegs versierten Menschen, die eine entsprechende (kostenlose) Software installiert haben, auch heruntergeladen und lokal archiviert werden.

Der Film ist trotz aller gesungenen Lobeshymnen und erhaltenen Preise durchaus auch kontrovers diskutiert worden - eine kleine Übersicht mit entsprechenden weiterführenden Verweisen bietet der oben verlinkte Wikipedia-Artikel. Ich selbst bin hier ebenfalls zwiegespalten und kann mich noch immer nicht entscheiden, ob ich dem unvergleichlichen Zauber, der den Filmen von Miyazaki stets innewohnt, oder doch eher der inhaltlichen, teils durchaus nachvollziehbaren Kritik folgen soll. In jedem Falle lohnt sich das Ansehen sehr - und sei es auch nur aus schnödem Unterhaltungsinteresse. Es versteht sich von selbst, dass auch dieser Film des japanischen Meisters nichts mit dem üblichen Hollywood- oder gar Disney-Kitsch gemein hat. Auf der Arte-Seite zum Film heißt es dazu schlicht:

Ein atemberaubender Film, der zeigt, wie wichtig Fantasie und Träume sind. Taumelnde Zeit und wirres Wetter, rollendes Gelände und schwebende Flugobjekte - man möchte eintauchen in diese Welt ...

Meine persönlichen Favoriten unter den Filmen dieses Genies bleiben aber "Das Schloss im Himmel" (1986), "Mein Nachbar Totoro" (1988), "Das wandelnde Schloss" (2004) und vor allem "Chihiros Reise ins Zauberland" (2001).


Dienstag, 7. Juni 2016

Zitat des Tages: Am gleichen Strang


Für Erich Fried.

Wir ziehen doch beide
am gleichen Strang:
Sagte der Boss
zum Proleten.

Sagte der Henker
zum Mann unterm Galgen:
Wir ziehen doch beide
am gleichen Strang.

(Volker von Törne [1934-1980], in: Born / Delius / von Törne: "Rezepte für Friedenszeiten. Gedichte", Aufbau 1973; geschrieben 1971)




Montag, 6. Juni 2016

Rassismus: Deutsche Kultur und Werte


Wieder einmal hat Stefan Gärtner in seiner Titanic-Kolumne den verdorbenen Nagel auf den Kopf getroffen und diesmal den latenten Rassismus, der in Deutschland quer durch alle "Klassen" aufblüht, in genau die Jauche einsortiert, in die er gehört:

Nehmen wir abschließend an, ein Politiker der sog. Alternative für Deutschland hätte gesagt: "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut, aber wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben", und nach dem üblichen Entrüstungsgeplärre hätte eine Umfrage ergeben, 82 Prozent der Deutschen (sogar 87 Prozent der AfD-Anhänger) hätten einen Boateng sehr gern als Nachbarn, praktisch lieber als jeden anderen: müssten wir da nicht finden, Alexander Gauland habe ganz unrecht, und dieselben Leute, die sonst Schaum vorm Mund kriegen, wenn ihnen wer verbieten möchte, "Neger" zu sagen, möchten durchaus mit und neben Artfremden wohnen, mindestens dann, wenn es sich um solvente Nationalspieler handelt und nicht um die türkische oder sonstwie südliche Großfamilie, die die Wohnungen runterwohnt, die Kindergärten verstopft und die wir uns immer dann vom Hals halten, wenn sie nicht gerade Gemüse verkauft?

Mir persönlich sind vereinzelte Fußballspieler, die in jungen Jahren immer wieder erfolgreich mit für den Normalsterblichen monströsen, für Superreiche allerdings müde belächelten Summen gekauft werden, ohnehin schnurz - ganz egal, welche Pässe oder Migrationshintergründe sie besitzen. Dumm bleibt dumm, und das gilt nicht nur für stupide Balltreter, sondern in weitaus gesteigertem Maße erst recht für die dumpfen Fans dieser pseudosportlichen Veranstaltung, die nicht bemerken, wie sie permanent ausgelacht, ausgenutzt und bloßgestellt werden. Von der offensichtlich korrupten "Führungsmannschaft" (FIFA & Co.) und der begleitenden Medienkakophonie schweige ich an dieser Stelle lieber.

Ich will mir gar nicht ausmalen, welche diabolischen Vorhaben die finstere Bande der Merkels, Schäubles, Gabriels & Co. geplant hat, während die Tölpel der europäischen Bevölkerung wie erwartet zuhauf im nationalistischen Wahn verharren bzw. immer tiefer darin versinken. Der gemeine, stumpfsinnige Rassismus, der Deutschland nach 1945 nie verlassen hat, ist mit vollen Segeln, schriller Prachtbeleuchtung und lauthals kreischend wieder da und innerhalb kürzester Zeit erneut zum bitteren Alltag geworden.

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Tender Lie



(Gemälde von Francesco Clemente [*1952] aus dem Jahr 1984, Mischtechnik auf Holz und Aluminium, Privatbesitz [sic!], Zürich, Schweiz)

Samstag, 4. Juni 2016

Song des Tages: Leider nur ein Vakuum




Freitags abends steckt er sich 100 Mark
und 'ne Zahnbürste ein,
er zieht sich die schnellen Stiefel an -
das ist ein gutes Gefühl, "frei zu sein".

Bis Montagmorgen rennt er rum,
zwischendurch kommt er nicht mehr nach Haus.
Er sieht sich auf der Szene um
und nachts probiert er fremde Betten aus.

Normalerweise läuft das sehr gut,
doch manchmal gibt es auch 'ne Pleite:
dann wacht er morgens auf
und Lady Horror liegt an seiner Seite.

Ihr Make-up ist verschmiert,
die Sonne scheint ihr brutal ins Gesicht,
und dass ihm so was immer noch passiert,
das liegt am Suff und am dunklen Kneipenlicht.

Er geht in die Madman Discothek,
da soll die große Action sein!
Da sind zwar jede Menge Leute,
doch er fühlt sich trotzdem sehr allein.

Die Musik ist laut und die Leute sind stumm,
die hängen da rum und manche gucken sehr dumm,
so als hätten sie in ihren schönen Köpfen
leider nur ein Vakuum.

Leider nur ein Vakuum.

(Udo Lindenberg & Das Panik-Orchester: "Leider nur ein Vakuum", aus dem Album "Ball Pompös", 1974)