Montag, 29. Mai 2017

Schlips-Borg: Nachrichten aus dem Paralleluniversum des sabbernden Irrsinns (1)


Diese Überschrift – dessen dürfte sich die überwiegende Mehrheit der Mitlesenden gewiss sein – ist eine knappe Zusammenfassung des alltäglichen Mehrheitsauswurfes der kapitalistischen Systemmedien und daher in etwa so neu wie die endlich einmal "prominent" formulierte Erkenntnis, dass beispielsweise Seehofer ein "Parafaschist" (Stefan Gärtner) ist.

Dennoch kommt es immer wieder vor, dass ich mir beim Lesen der Kuhmedien im besten Fall vor lauter Verwunderung die Augen reibe oder mich im schlimmsten Fall sehr schnell zwischen gefährlichen, geradezu hysterischen Lachattacken (akute Erstickungsgefahr) und einem unvermittelten, spontanen Freitod entscheiden muss, weil die Grenzen der gerade noch vorstellbaren Absurdität so oft mühelos gesprengt werden. Ab heute möchte ich ausgewählte Beispiele für diese ständig wiederkehrende mentale Belastungsprobe gelegentlich hier dokumentieren.

Vor einigen Tagen las ich – gänzlich unvorbereitet – bei n-tv den folgenden Satz, den man sich selber und anderen wiederholt laut vorlesen sollte, um ihn tatsächlich intellektuell zu begreifen:

Angela Merkel und Barack Obama sind sich einig, dass die Welt eigentlich immer besser wird.

Pause. Das muss man wirken lassen und mehrfach wiederholen: "Angela Merkel und Barack Obama sind sich einig, dass die Welt eigentlich immer besser wird." Den Rest des allzu langen Textes kann man sich getrost schenken, denn mit diesem surrealen Einsteiger, neben dem die Malerei eines René Magritte wie beinharte, realistische Fotografie aus dem elendigen Arbeitermilieu wirkt, ist klar, wohin die üble Propagandareise geht. Ich kann und will diesen Satz auch nicht "kritisch kommentieren", weil er offensichtlich aus einem Paralleluniversum stammen muss, in dem fiese, drachenköpfige Dämonen mit übelriechendem Feueratem lächelnd über geknechtete und gequälte Menschen herrschen, während ein verfaulender Apfel, sobald er sich vom Ast löst, auf güldenen Schwingen unter elfischen Klängen in Richtung Sonne fliegt und sanft verglüht, anstatt zermatscht, fliegenumsurrt und stinkend auf dem Boden zu landen.

Selbstverständlich wissen sowohl Merkel, als auch Obama – ebenso wie der Qualitätsjournalist Hubertus Volmer, der diese perversen Borg-Assimilationsfantasien unters narkotisierte Volk gebracht hat –, dass sie tumben Schmonzes noch weit jenseits des BLÖD-"Zeitungs"-Niveaus verkünden und dem Großteil aller Menschen in Europa (vom Rest der Welt, der in diesen dämonischen Kreisen ohnehin keine Bedeutung hat, gar nicht zu reden) damit ungeniert ins Gesicht urinieren. Genau dies ist jedoch ihr Programm – dafür stehen sie, dafür wurden sie aufgestellt und gewählt bzw. eingestellt; und solange die kontinuierlich angepisste Bevölkerung diesem widerwärtigen Treiben kein Ende bereitet, werden sie damit wonnevoll fortfahren.

Bis zum bitteren Ende. Wie so viele Male zuvor.

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Die schöne Welt



(Gemälde von René Magritte [1898-1967] aus dem Jahr 1962, Öl auf Leinwand, Privatbesitz [sic!], erworben im Jahr 2014 für 9,5 Mio. €)

Samstag, 27. Mai 2017

Hartz-Terror: Verarmung reicht nicht mehr - mit staatlicher Unterstützung gewollt in die Verschuldung


Ein Gastkommentar von Volker

Ich hörte eine Kurzmitteilung aus den Radionachrichten, dass Hartz IV-Empfänger zunehmend Kredite benötigen, um beispielsweise eine neue Waschmaschine finanzieren zu können, oder eben anderen (un)wichtigen Luxus, der aus dem Regelsatz nicht zu finanzieren sei.

Kreditgeber Jobcenter, der einen – immerhin! – zinslosen Kredit monatlich aus dem Existenzminimum tilgen lässt, verwaltet nicht nur Armut, er regelt sie sogar über Darlehen. Wobei zehn Prozent Rückzahlung aus dem Regelsatz Betroffene zwangsläufig vor weitere Probleme stellen werden, sei es der Verzicht auf ausreichende Nahrung, oder der Verzicht auf Schuhe.

Man staune darüber: Armut verschuldet sich, um Armut weiterhin finanzieren zu können.

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Dieser Text erschien unter dem Titel "Hartz IV-Tagebuch – aufstockende Kredite für Verarmte" zuerst im "Frei-Blog" und wird hier mit freundlicher Genehmigung des Verfassers wiedergegeben.

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Anmerkung von Charlie: Deutschland geht es gut, sagen Merkel und die Hofberichterstatter. Es ist kein Zufall, dass ich auf dieses, äh, großzügige, behördliche Angebot zur Verschuldung auch weiterhin dankend verzichte und stattdessen lieber seit nunmehr drei Jahren ohne Kühlschrank lebe. Man muss in der Tat bis tief hinein ins Knochenmark pervers sein, wenn man Zwangsverarmten, die nur noch vom sogenannten "Existenzminimum" (das gar keines ist), leben dürfen, allen Ernstes Kleinstkredite "anbietet", die sodann aus eben diesem Existenzminimum zu tilgen sind. Die Schlips-Borg, die sich diese Tortur ausgedacht haben, dürfen die hakenbekreuzte Armbinde voller Stolz tragen – und die Behördenschergen, die diesen Untergang des humanistischen Denkens - wie in Deutschland üblich – willfährig exekutieren, sind mit dem Namenszusatz "Eichmann" im Personalausweis umfänglich entlohnt.

Das "Existenzminimum" ist in Kapitalistan – entgegen der Meinung des Bundesverfassungsgerichtes, das vor fünf Jahren noch urteilte, das Grundrecht des Sozialstaatsprinzps sei "dem Grunde nach unverfügbar und muss eingelöst werden" – durchaus verfüg- und beschneidbar. Die (von den kapitalistischen Blockparteien "berufenen") Systemjuristen dieses Gerichtes werden aber auch hierfür geeignete Floskeln finden, um auch diese offensichtliche Grundgesetzwidrigkeit dieser Vorgehensweise zu billigen – dafür benötigt man heute gar keine offensichtliche Terrorjustiz und keinen Herrn Freisler mehr. Das Bundesverfassungs- bzw. Systemerhaltungsgericht hat das 2012 in geradezu perfekter Weise vorgemacht, indem es der angeblichen "Unverfügbarkeits"-Feststellung in Sachen "Existenzminimum" mittels eines Kommas hinzufügte, dass dieses "Minimum" einer "Konkretisierung und stetigen Aktualisierung durch den Gesetzgeber [bedürfe], der die zu erbringenden Leistungen an dem jeweiligen Entwicklungsstand des Gemeinwesens und den bestehenden Lebensbedingungen auszurichten" habe. Ein solche brutale Vergewaltigung des Grundgesetzes können sich nur Juristen – zumal solche mit einem bestimmten Parteibuch – ausdenken, während sie selbst sehr fürstlich (und völlig ohne Angst vor Arbeitslosigkeit) aus derselben Kasse bezahlt werden, die eigentlich allen Menschen das erwähnte "Existenzminimum" garantieren sollte. Anders ist auch die gerichtliche Billigung der deutschen Kriegsführung ("Auslandseinsätze" der Bundeswehr) nicht erklärbar.

Vor 20 Jahren wurde armen Menschen noch staatliche Hilfe gewährt, wenn beispielsweise die Waschmaschine den Geist aufgab – heute ist das längst "sozialromantische" Geschichte. Wie soll man das denn auch finanzieren, wenn Milliarden in die Aufstockung der Rüstung fließen und zeitgleich die Vermögenssteuer abgeschafft wurde? Das geht ja gar nicht. Wieso waschen Betroffene ihre Wäsche eigentlich nicht am Flussufer, wie das Millionen von anderen Menschen weltweit ebenfalls tun? Für ein entsprechendes Waschbrett – das deutlich günstiger als eine Waschmaschine ist – können sie ja gerne ein zinsloses Darlehen vom Staat bekommen. Ein paar Wochen ohne Nahrung wird die Habenichtse schon nicht umbringen ... und der Profit für die Kriegskonzerne ist ohnehin wichtiger. Waschmaschinen kann man auch wunderbar exportieren!

Wäre ich kein Pazifist, müsste ich nun schreiben: Es ist an der Zeit, militant zu werden. Zum Glück für die Schlips-Borg bin ich aber ein dummer, Gewalt verabscheuender Mensch. Manchmal bedaure ich das sehr.

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Trost in Tränen


"Zu arbeiten gibt's schon lange nichts mehr – das letzte Hemd haben wir auch schon hergeben müssen – wenn jetzt noch die Preise so weit gesenkt werden, dass man alles umsonst haben kann, dann ist Deutschland das reinste Paradies!"

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 46 vom 16.02.1932)

Song des Tages: Anaemia




(Novembre: "Anaemia", aus dem Album "The Blue", 2007)

A certain feeling assails
Visions form to wonder why
It still keeps fading
Away to the stars

The sanitarium is the night of the mind
Hidden where no-one wants to know
As nightside keeps saving your life
With its silver-painted dawn

The sanitarium holds the keys of the night
In a place no-one wants to know
And dance, dance for staying alive tonight
And you're not alone

On and on the rains with their anaemic crystals wash the pitch away
And I will follow you through centuries of famine
And there will still be horror

Nightly blood, anaemia
Night and blood, anaemia

As black sprites keep draining your life
When at night you're all alone
And dance, dance to remain alive
As this night beholds no dawn



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Anmerkung: Den Song und das Video dieser italienischen Band aus dem Jahr 2007 kann man heute getrost mit dem abgedroschenen Wort "prophetisch" belegen. Musikalisch werden hier keine neuen Pfade geebnet (ein wenig Chameleons, etwas Sisters of Mercy, eine hübsche Portion Metal, eine Prise Doom und eine Wand aus schreiendem "gothic feeling"), aber der vorhersehbare Abstieg in die Finsternis ist hier klar und ohne Hintertürchen umgesetzt – Politik und Wirklichkeit sind dem vorgezeichneten Weg seitdem konsequent gefolgt und tun dies auch weiterhin. Besonders beflügelnd finde ich persönlich das Fazit der Band: "As this night beholds no dawn". Wenn schon Endzeit, dann auch richtig – und ich kann diesem dunklen Absolutismus noch nicht einmal ein kleines Hoffnungsblümchen in den Weg pflanzen. Die "finstern Zeiten", die beispielsweise auch Bertolt Brecht seinerzeit klar ausmachte, stehen offenkundig einmal mehr vor unseren Türen.

Donnerstag, 25. Mai 2017

Zitat des Tages: Die verdiente Revolution


Der unbeirrbare Stumpfsinn, mit dem diese Kapitalisten ihre törichte Geldpolitik fortsetzen, immer weiter, immer weiter, bis zur Ausblutung ihrer Werke und ihrer Kunden, ist bewundernswert. Alles, was sie seit etwa zwanzig Jahren treiben, ist von zwei fixen und absurden Ideen beherrscht: Druck auf die Arbeiter und Export.

Für diese Sorte sind Arbeiter und Angestellte, die sie heute mit einem euphemistischen und kostenlosen Schmeichelwort gern "Mitarbeiter" zu titulieren pflegen, die natürlichen Feinde. Auf sie mit Gebrüll! Drücken, drücken: Die Löhne, die Sozialversicherung, das Selbstbewusstsein – drücken, drücken! Und dabei merken diese Dummköpfe nicht, was sie da zerstören. Sie zerstören sich den gesamten inneren Absatzmarkt.

Sie scheinen ihn nicht zu wollen – dafür haben sie dann den Export. Was dieses Wort in den Köpfen der Kaufleute angerichtet hat, ist gar nicht zu sagen. Ihre fixe Idee hindert sie nicht, ihre Waren auch im Inland weiterhin anzupreisen; ihre Inserate wirken wie Hohn. Wer soll sich denn das noch kaufen, was sie da herstellen? Ihre Angestellten, denen sie zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel geben, wenn sie sie nicht überhaupt auf die Straße setzen? Die kommen als Abnehmer kaum noch in Frage. Aber jene protzen noch: dass sie deutsche Werke seien, und dass sie deutsche Kaufleute und deutsche Ingenieure beschäftigen – und wozu das? "Um den Weltmarkt zu erobern!"

So schlau wie die deutschen Kaufleute sind ihre Kollegen jenseits der Grenzen noch alle Tage. Es setzt also überall jener blödsinnige Kampf ein, der darin besteht, einen Gegner niederzuknüppeln, der bei vernünftigem Wirtschaftssystem ein Bundesgenosse sein könnte. Die Engländer preisen rein englische Waren an, die Amerikaner rein amerikanische, und das Wirtschaftsinteresse tritt als Patriotismus verkleidet auf. Eine schäbige Verkleidung, ein jämmerlicher Maskenball. (...)

Wie immer in ungesunden Zeiten ist der Kredit in einer geradezu sinnlosen Weise überspannt. Das Wort "Wucher" ist ganz unmodern geworden, weil der Begriff niemand mehr schreckt, er erscheint normal.

Nun haben aber Kartelle und kurzfristige Bankkredite die Unternehmungslust und die sogenannte "freie Wirtschaft" völlig getötet – es gibt sie gar nicht mehr. Fast jeder Unternehmer und besonders der kleinere ist nichts als der Verwalter von Bankschulden; geht's gut, dann trägt er den ungeheuren Zins ab, und geht's schief, dann legen die Banken ihre schwere Hand auf ihn, und es ist wie in Monte Carlo: die Bank verliert nicht. Und wenn sie wirklich einmal verliert, springt der Steuerzahler ein: also in der Hauptsache wieder Arbeiter und Angestellte. (...)

Wo steht geschrieben, dass es gerettet werden muss? Warum ist die Menschheit nicht stärker als dieser Popanz? Weil sie den Respekt in den Knochen hat. Wiel sie gläubig ist. Weil man sie es so gelehrt hat. Und nun glaubt sie. (...)

Doch schweigen sie [die Politiker und "Wirtschaftsführer", Anm.d.Kap.] nicht. Sie haben die Dreistigkeit, unter diesen Verhältnissen noch "Vertrauen" zu fordern, dieselben Männer, die das Unglück verschuldet haben. Und keiner tritt ab, nur die Gruppierung ändert sich ein wenig. Das verdient die schärfste Bekämpfung. (...)

Bleiben die Wirtschaftsführer bei dieser ihrer Wirtschaft, dann ist ihnen die verdiente Revolution sicher.

(Auszüge aus: Kurt Tucholsky [1890-1935]: "Die Herren Wirtschaftsführer", in: "Die Weltbühne", Nr. 33 vom 18.08.1931)

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Hamburger Werftarbeiter



(Gemälde von Heinrich Vogeler [1872-1942] aus dem Jahr 1928, Öl auf Leinwand, Eremitage, St. Petersburg, Russland)

Mittwoch, 24. Mai 2017

Big Brother: "Ich liebe euch alle!"


Die korrupte Bande ist auf ihrem menschenfeindlichen Weg in Richtung Panopticon einen bedeutenden Schritt vorwärts gegangen. Vor einigen Tagen wurde – ohne große mediale Aufregung – die in jenen schauderhaften Kreisen heiß ersehnte Totalüberwachung aller BürgerInnen durch den Staat um einen wesentlichen Faktor ausgeweitet, wie man beispielsweise bei Zeit Online nachlesen kann:

Personalausweise im Scheckkartenformat werden künftig standardmäßig mit einer einsatzbereiten Online-Funktion ausgegeben. Dies beschloss der Bundestag am späten Donnerstagabend und votierte auch für eine weitere Änderung des Personalausweisgesetzes: Sicherheitsbehörden können künftig massenhaft auf die Ausweisbilder zugreifen – Datenschützer sind alarmiert. (...)

Scharfe Kritik kam vom ehemaligen Bundesdaten-schutzbeauftragten Peter Schaar. Er beklagte, in dem Gesetz stecke eine "datenschutzrechtliche Ungeheuerlichkeit". Vorgesehen ist darin auch, dass die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern in Zukunft das biometrische Lichtbild im Ausweis "zur Erfüllung ihrer Aufgaben im automatisierten Verfahren" abrufen dürfen. Bislang ist dies nur in begrenzten Fällen und durch [wenige] Stellen erlaubt. Schaar befürchtet eine Massenüberwachung. Er sprach von einem "Big-Brother-Gesetz".

Es sollte den BürgerInnen dieses Landes arg zu denken geben, wenn selbst einige kapitalfreundliche, gewiss nicht systemkritische Schlips-Borg inzwischen schon vor der "Big-Brother-Gefahr" der Totalüberwachung warnen. Das ist vergleichbar mit dem blutenden Frontsoldaten, der seine "Kameraden" zum Pazifismus aufruft. – Doch was können "Staatsführer" wie Erdoğan, Trump, Orbán, Merkel oder Macron schon mit dieser albernen Überwachungstechnik anfangen? Es existieren hier ganz gewiss keinerlei Gefahren, denn der kapitalistische Staat des freiheitlichen Westens will schließlich immer nur das Beste für alle Menschen. Das ist so. Gehen Sie doch einfach weiter, konsumieren Sie weiter Müll und denken Sie nicht nach – denn hier gibt es nichts zu sehen.

Ich oller Zausel kann mir indes lebhaft vorstellen, wie das "automatisierte Verfahren" im Alltag der "Sicherheitsbehörden" [sic!] aussehen wird, wenn diese gruselige Perversion Orwell'schen Ausmaßes nicht doch noch gestoppt wird – die dystopische Science-Fiction-Literatur der vergangenen Jahrzehnte bietet reichlich Anschauungsmaterial dafür. Eigentlich reicht es schon aus, sich vorzustellen, ein menschenfeindliches Terrorregime, dem ein größenwahnsinniger Vollidiot mit Schnauzbart und brauner Uniform vorsteht, hätte diese Überwachungsmöglichkeiten besessen. Man möchte sich wirklich nicht ausmalen, welche Konsequenzen das gehabt hätte und wieviele Millionen Ermordete heute zusätzlich zu beklagen wären.

Mir läuft es jedenfalls eiskalt den Rücken herunter, wenn ich mir vorstelle, dass irgendwelche Behördenschergen bzw. entsprechende Computerprogramme zukünftig Zugriff auf mein (biometrisches) Passfoto haben – der Weg zur allumfassenden Datenbank, die auch genetische Profile aller BürgerInnen enthält, ist da nur noch ein sehr kurzer. Im Verbund mit den staatlichen Wanzen ("Smartphone", "GPS-Sender" in Automobilen, Internetüberwachung etc.) wird daraus ein durch und durch terroristisches, totalitäres Überwachungsinstrument, das in der menschlichen Geschichte bislang beispiellos ist. Und die korrupte Bande der rot-grün-schwarz-gelb-blauen kapitalistischen Einheitspartei begrüßt es wohlwollend. – Wieso zur Hölle stehen hier nicht Millionen von Menschen protestierend auf der Straße, um diesem furchtbaren Endzeittreiben dieser zerstörerischen Bande endlich, endlich Einhalt zu gebieten?

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Der neue Polizist


"Ich fürcht' mich vor keinem Schutzmann. Der Mann ist doch zu meiner Sicherheit da!"
"Ja, das weißt du und das weiß ich! Aber ob der Mann das auch weiß?!"

(Zeichnung von Josef Nyary [1910-1973], in: "Der Simpl", Nr. 6 vom April 1947)

Dienstag, 23. Mai 2017

Esoterik und Intelligenz: Ein "Pöbler" sinniert


Eine durch und durch esoterische Glosse

Bei spektrum.de habe ich vor einigen Tagen einen interessanten Text zu einem wissenschaftlich leider noch nicht abschließend geklärten Thema gelesen, in dem es heißt:

Sind Menschen mit höherem Intellekt tendenziell eher Atheisten? Mit dieser Hypothese haben sich Forscher und Denker schon von der Antike bis ins Internetzeitalter herumgeschlagen, und so stehen Edward Dutton vom Ulster Institute for Social Research und Dimitri Van der Linden von der Erasmus-Universität Rotterdam in guter Tradition: Die beiden Sozialwissenschaftler veröffentlichten jetzt in "Evolutionary Psychological Science" ihrer neuen Versuch, Erklärungen für die negative Korrelation von Religiosität und Intelligenz zu finden, die immer wieder in historischen Aufzeichnungen auftaucht und durch allerlei Erhebungen gestützt wird.

Beim Lesen dieses witzigen, empfehlenswerten Textes musste ich unwillkürlich an meine besten Freunde aus der Eso-Filterblase von "Jenseits der Realität" denken, die unentwegt weitere Indizien für diese sehr alte These nachliefern. Wer dort gelegentlich mal hineinschaut und all die meist unkommentierten Verlinkungen oder gar Übernahmen aus anderen Quellen – seien es nun esoterische oder politische – außen vor lässt, kann schnell erkennen, dass intelligente Menschen eher selten esoterischen Wahnvorstellungen anhängen. Eine dieser Ausnahmen ist Herr Plattfuß, der sich aus mir unbekannten Gründen devot in den Dienst dieser Betgeschwister gestellt hat – wobei ich mir angesichts seiner gruseligen "Ausflügen in die Poesie", die einem Literaturwissenschaftler regelmäßig fiese nekromantische Geschwüre im Gehirn bescheren, nicht ganz sicher bin, ob hier die Intelligenz oder doch bloß die literarische Kompetenz vorgetäuscht ist. Aber das mag einjede/r selbst entscheiden.

Ein besonders herausragendes Beispiel für die im Raum stehende These ist indes Roland Faulfuß, dessen Texte sich zuweilen so lesen, als sei beispielsweise ein für jeden erkennbar denkbefreiter Mensch wie Lapuente endlich seinem "Schicksal" [sic!] gefolgt und in ein SPD-Kloster gegangen, um dem sozialdemokratischen, verrottenden Spaghettimonster demütig zu huldigen. Faulfuß (nomen est omen) befindet sich schon längst in einem solchen intelligenzfeindlichen Hort der Dumpfheit, und er entblödet sich nicht, Kritiker inzwischen gar als "Pöbelblogger" zu bezeichnen (einen Direktlink zum Kommentar gibt's bei den Esos nicht). Das lässt tief blicken – auch wenn es wohl kaum (intelligente) Menschen gibt, die in eine solche schauderliche Grube blicken möchten.

Der Aberglaube gehört zum Wesen des Menschen und flüchtet sich, wenn man ihn ganz und gar zu verdrängen denkt, in die wunderlichsten Ecken und Winkel, von wo er auf einmal, wenn er einigermaßen sicher zu sein glaubt, wieder hervortritt.

(Johann Wolfgang von Goethe, aus: "Wilhelm Meisters Wanderjahre", 1807/29)

Nun kann man trefflich darüber streiten, ob der offenbar nicht ganz so intelligente Faulfuß mit diesem liebevollen Begriff des "Pöbelbloggers" schlicht "das Pöbeln" oder vielleicht doch eher "den Pöbel" gemeint haben mag – ich weiß also nicht, ob ich aus seiner Sicht ein "pöbelnder Blogger" oder doch bloß ein Teil des "bloggenden Pöbels" bin, oder ob er diesen, äh, kleinen Unterschied gar nicht macht bzw. versteht. Daher werde ich einfach weiter "pöbeln" und mich parallel dem "plebs" zugehörig fühlen, während im stumpfsinnigen Eso-Kuckucks-Land unbeirrt ganz munter weiter an der evolutionären Ausrottung der Intelligenz gearbeitet wird.

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Die treusorgende Glucke


"Und sie breitete ihre Fittiche schützend über sie."

(Zeichnung von Max Radler [1904-1971], in: "Der Simpl", Nr. 8 vom Juli 1946)

Samstag, 20. Mai 2017

Song des Tages: The Dragonborn Comes




(Jeremy Soule: "The Dragonborn Comes", aus dem Soundtrack zu dem Spiel "The Elder Scrolls V: Skyrim", 2011; Coverversion des Swedish Radio Symphony Orchestra, Gesang: Sabina Zweiacker, 2016)

Our hero, our hero claims a warrior's heart
I tell you, I tell you, the Dragonborn comes
With a voice wielding power of the ancient nord art
Believe, believe, the Dragonborn comes

It's an end to the evil, of all Skyrim's foes
Beware, beware, the Dragonborn comes
For the darkness has passed and the legend yet grows
You'll know, you'll know the Dragonborn's come.

Dovahkiin, dovahkiin
naal ok zin los vahriin
wah dein vokul mahfaeraak ahst vaal!
Ahrk fin norok paal graan
fod nust hon zindro zaan
dovahkiin, fah hin kogaan mu draal!


A battle, a battle brought on Dragonwing
Not far, not far, the Dragonborn comes
And all will be measured, both coward and King
I know, I know, the Dragonborn comes


Donnerstag, 18. Mai 2017

Hartz-Terror: Ich bin ein Krimineller


Ich bin ein Krimineller. Das jedenfalls legt mir der jüngste Bescheid des "Jobcenters" nahe, das dafür zuständig ist, meinen viel zu geringen Arbeitslohn aufzustocken, damit ich von der erwirtschafteten Summe auch "leben" kann. Konkret geht es hierum:



Diese Passage bedeutet, dass die Behörde im Dezember 2016 offensichtlich einen Fehler gemacht und sich trotz der vorgelegten Unterlagen bei der Berechnung des "Aufstockungsbetrages" verrechnet hat. Das kann ja mal vorkommen. Nun ist dies nach staatlicher Auffassung aber selbstredend kein Behördenfehler, sondern ein kriminelles Verhalten des bösen Charlie, der den Rechenfehler böswillig und in eindeutig krimineller, eigennütziger Art und Weise nicht unverzüglich "gemeldet" hat.

Das kafkaeske Schreiben umfasst inklusive des "neuen" Bescheides und eines "Anhörungsbogens", den man ansonsten eigentlich nur aus dem Strafrecht kennt, insgesamt 15 (in Worten: fünfzehn) Seiten. Nun darf man sich gerne ausmalen, wieviel die Erstellung (Arbeitszeit der beteiligten "Sachbearbeiter"), der Ausdruck und der Versand dieser 15 Seiten wohl gekostet haben mag – die Folgekosten berücksichtige ich lieber gar nicht. Ich komme da auch bei einer kurzen Überlegung auf einen Betrag, der deutlich über 42,60 € liegt – aber das ist in einem bizarren Land wie Kapitalistan völlig unerheblich, denn hier geht es in sozialen Fragen nicht um "Kostenersparnisse", sondern um ein möglichst asoziales, menschenfeindliches Verhalten, um betroffene Menschen einzuschüchtern, zu schikanieren, zu verarmen und zu kriminalisieren. Entsprechend endet das behördliche Schreiben auch nicht mehr mit der – sogar in Jobcenter-Kreisen – ansonsten üblichen Floskel "Mit freundlichen Grüßen", sondern nur noch mit dem Hinweis "Im Auftrag".

Nun darf ich mich also darauf einstellen, zukünftig mit 7,10 € weniger im Monat auskommen und einmalig einen Abzug von 42,60 € verkraften zu müssen. Was sich für einen halbwegs gut verdienenden Menschen vielleicht wie eine Lappalie anhört, ist für einen "grundgesicherten" Menschen ein großes, existenzielles Problem, denn hier zählt jeder Cent. Wenn man in der Mitte des Monats im Supermarkt steht und abwägt, ob man sich den Blumenkohl, der momentan fast doppelt so teuer ist wie noch vor einem Jahr, leisten sollte, wird das Problem deutlich sichtbar.

Selbstverständlich sind für diese faschistoiden Entwicklungen in erster Linie Gerhard Schröder und seine BandenkumpanInnen von der SPD und den Grünen verantwortlich. Man sollte aber nicht vergessen, dass auch zuvor den Ärmsten stets die strengste staatliche Gewalt ins Gesicht geschmettert wurde und das auch heute nach wie vor der Fall ist, während Steuerbetrüger aus der "Elite" weiterhin als "Sünder" verharmlost und "notleidende" Banken mit Milliarden "gerettet" werden und generell den Superreichen das Geld, das dem Rest der Bevölkerung erbarmungslos aus dem blutigen Fleisch geschnitten wird, überbordend in den Anus geschoben wird. Die Gangart wurde von den "Genossen" deutlich verschärft (und es ist hier kein Ende abzusehen), die Richtung aber war stets dieselbe. Wer sich von der CDU, FDP oder gar der AfD [*glucks*] Linderung erhofft, gehört in die geschlossene Psychiatrie.

Nun bin ich also ein Verbrecher. Ich möchte lieber gar nicht wissen, ob ich vom LKA schon überwacht werde – es ist ja gar nicht auszudenken, welche maßlosen materiellen Schäden ich der Bunten Republik Deutschland zufügen könnte, wenn ich auch weiterhin meinen kriminellen Beschäftigungen nachginge und den Steuerzahler um horrende 7,10 € monatlich betröge, ohne es zu wissen. Wäre Kafka seinerzeit nicht krankheitsbedingt gestorben, würde er heute wohl freiwillig von jeder sich anbietenden Brücke springen, um dem sich ausweitenden Irrsinn zu entkommen. – Ich folge ähnlichen Gedanken.

P.S.: Wie man in einem auf Textbausteinen basierten System, in das man als Anwender nur wenige Worte einfügen muss, dennoch so viele Rechtschreibfehler unterbringen kann, wird wohl das Geheimnis der "Jobcenter-Experten" bleiben.

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Putting A Propagandist Under Arrest



(Gemälde von Ilja Jefimowitsch Repin [1844-1930] aus den Jahren 1880/92, Öl auf Leinwand, Tretjakow-Galerie, Moskau, Russland)

Zitat des Tages: Der Große Bär


In unvorstellbarer Größe erstrahlt
das Sternbild des Großen Bären
als Zeichen göttlicher Allgewalt
herab aus unendlichen Sphären.

"O Großer Bär", sprach ich grüblerisch,
"wie groß man Dich auch erfunden,
einen zehnmal größeren Bären als Dich
hat man uns aufgebunden."

(Walter Bemmer [1913-19??]: "Der Große Bär", in: "Der Simpl", Nr. 9 vom Juni 1947)

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(www.dravenstales.ch)

Mittwoch, 17. Mai 2017

Kampfpanzer vom Trödelmarkt


Bei meiner täglichen Nachrichtenlektüre stoße ich unentwegt auf bizarre Meldungen, die aus einem höllengleichen Paralleluniversum stammen müssen. Vor einigen Tagen war das wieder einmal der Fall, als ich bei n-tv diesen Bericht entdeckte, in dem es heißt:

Die Bundeswehr soll auf Weisung aus dem Verteidigungsministerium die Zahl ihrer Kampfpanzer in den kommenden Jahren um ein Drittel aufstocken. Um dieses Ziel zu erreichen, kauft das Bundesamt für Ausrüstung der Bundeswehr nun vom Hersteller alte [gebrauchte, Anm.d.Kap.] Panzer und noch brauchbare Fahrgestelle auf.

Einerseits war mir bislang gar nicht bekannt, dass es in Deutschland eine kafkaeske Behörde namens "Bundesamt für Ausrüstung der Bundeswehr" gibt, die zudem gegenüber dem Kriegsministerium weisungsgebunden ist – man lernt doch nie aus in diesem Orwell'schen Dschungel der Abscheulichkeiten. Wer "arbeitet" denn dort und inwiefern sind Rüstungskonzerne involviert? Andererseits fragte ich mich beim Lesen, wofür in des Teufels Namen diese – laut Grundgesetz einzig zur Verteidigung bestimmte – Armee Kampfpanzer [sic!] benötigt? Steht "der Russe" schon vor den Toren Berlins oder hat im Westen gar die französische Streitmacht unbemerkt den Rhein überquert? Droht eine belgische Invasion oder hat "uns" Österreich den Krieg erklärt? Was soll der Quatsch? Was will die Bundeswehr mit Kampfpanzern?

Zudem wirft der wie immer extrem oberflächliche und lückenhafte Bericht eine Menge weiterer Fragen auf: Wieso werden "gebrauchte" Panzer (für schlappe 760 Millionen Euro Steuergelder) gekauft und sodann (für einen unbekannten bzw. schlichtweg nicht genannten Betrag) "aufgerüstet"? Ist das tatsächlich "billiger" als die Anschaffung von "Neuware"? Zu welchen Bedingungen hat der Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann (KMW) seinerzeit die Panzer von der Bundeswehr "zurückgenommen" und weshalb befinden die alten Karren sich auch nach Jahrzehnten immer noch (oder wieder?) in dessen Besitz?

Man weiß so wenig. – Die profitgeilen Asozialen von KMW dürften indes erneut die Champagnerkorken knallen lassen, denn die sprudelnden Gewinne aus dem Füllhorn der Steuerkasse sind damit einmal mehr garantiert. Mordinstrumente in einem Mördersystem machen's möglich – Halleluja!

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Der müde Tod


"Auch ich bin für ruhigere Zeiten!"

(Zeichnung von Otto Nückel [1888-1955], in: "Der Simpl", Nr. 2 vom Januar 1947)

Dienstag, 16. Mai 2017

Drogen oder Gewalt: Schlips-Borg vs. Arbeitslose


Australien ist weit entfernt. Und doch bietet auch dieses kapitalistisch verseuchte Land immer mal wieder Beispiele an, wie man ganz besonders asoziale, menschenfeindliche Politik machen kann, die über das übliche Maß der faschistischen Perversion noch hinausgeht – die Schlips-Borg der hiesigen Katastrophenverwaltung nehmen das sicher sehr wohlwollend und begierig lernend zur Kenntnis. Bei n-tv war kürzlich zu lesen:

Wer staatliche Zuwendungen bekommt, soll sie nicht in Drogen investieren. Deswegen starten die Behörden in Australien ein Pilotprojekt: Wer sich arbeitslos meldet, muss zum Drogentest. Wenn der Test positiv ist, gibt es nur noch bargeldlose Unterstützung.

Das muss man sich, wie so oft im finsteren Kapitalistan, auf der Zunge zergehen lassen. Wer am Boden liegt, bekommt nun auch in Australien erst einmal einen deftigen Tritt mit Schmackes in die Fresse, während zugekokste Banker und Politiker, die genau diese Vorgehensweise beschlossen haben, weiterhin das Geschick der Welt bestimmen. Ich brülle mir lachend die Seele aus dem Hals, wenn ich so einen abgrundtief menschenfeindlichen Bockmist lesen muss.

Zunächst ist natürlich zu fragen, ob zwangsverarmte Menschen, die kaum genug Geld haben, um sich halbwegs gesund zu ernähren, überproportional auch Konsumenten von teuren Drogen sind. Ich denke, dass allein die Logik hier schon weiterhilft und dem geneigten Leser nahelegt, dass Sozialhilfeempfänger – ganz im Gegensatz zu Bankstern und Politkrimininellen – eher weniger Geld für teure Drogen zur Verfügung haben. Die Asozialität dieser Denkweise wird also sofort offensichtlich.

Gleichzeitig wird hier ein generelles Phänomen in den Fokus gerückt: Es ist keine neue Erkenntnis, dass der Rausch ein essenzielles Faktum fast jeder menschlichen Gemeinschaft ist – sei es nun eine abgeschottete Gruppe indigener Menschen in Südostasien oder eine Kleinstadt in Irland oder Westfalen. Nach kapitalistischer Unlogik wird das "Recht auf Rausch" von der Obrigkeit aber nur jenen zugestanden, die über entsprechend viel Geld verfügen – allen anderen wird es rigoros verwehrt.

Wieso kommt eigentlich niemand auf die Idee, nach Drogentests in Banker- und Politikerkreisen zu fragen? Und was sollte "schlimm" daran sein, wenn beispielsweise ein Arbeitsloser, der keine Perspektive in diesem System und entsprechend keine kapitalistische Zukunft mehr besitzt, anstelle von Bohnen und Kartoffeln gelegentlich mal eine "funny cigarette" raucht, um das triste, gruselige Dasein etwas zu versüßen? Ich persönlich leiste mir das nicht – aber ich kann jeden verstehen, der das anders handhabt.

Aber wir befinden uns nicht im Paradies, sondern in Deutschland – und hier wird wie gewohnt nicht das Beste, sondern das Allerschlimmste in die Tat umgesetzt: Australien ist in diesem Fall ein guter Wegweiser der korrupten Bande, für die arbeitslose, arme, kranke und alte Menschen ein auszumerzendes, unproduktives Gräuel sind. Im Text heißt es dazu:

Das Projekt solle Menschen helfen, die bestmögliche Chance auf einen Arbeitsplatz zu erhalten, betonte Sozialminister Christian Porter. Es gehe um eine Verhaltensänderung.

An diesem Punkt muss ich mich entscheiden, ob ich mir voller Wonne 10 Liter Aldi-Schnaps in den Schädel schütte (ich trinke nie Schnaps) oder doch lieber die verantwortlichen Schlips-Borg – langsam und genüßlich – ermorde. Eine Verhaltensänderung dürfen solche Leute aber durchaus erwarten: Ich bin Pazifist und verabscheue Gewalt in jeder Form – hier stoße ich allerdings an meine Grenzen. Die Wahl zwischen Drogen und Gewalt ist in diesen untergehenden, verfaulenden Zeiten wahrlich nicht einfach.

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Das Haus des Henkers


(Zeichnung von Otto Nückel [1888-1955], in: "Der Simpl", Nr. 15 vom Dezember 1946)

Samstag, 13. Mai 2017

Wahlzirkus: Wenn der Irrsinn zweimal klingelt


Das Wahltheater nimmt immer groteskere Ausmaße an. Die zwangsgebührenfinanzierte Propagandapresse überschlägt sich in den Bemühungen, dem bedeutungslosen Zirkus einen staatstragenden Wert zu verpassen. Angesichts der bevorstehenden, völlig redundanten Landtagswahl in NRW kennt der Irrsinn kein Grenzen mehr. Exemplarisch möchte ich auf diesen hirntötenden Text vom WDR hinweisen, der vom Autor Sebastian Döring oder irgendwelchen zugekoksten PraktikantInnen mit dem sagenhaften Titel versehen wurde: "Wenn das Volk nicht herrschen will".

Ich erspare mir und allen Mitlesenden Zitate aus diesem Dokument des Wahnsinns – wer das lesen möchte und über ein stählernes Nervenkostüm verfügt, mag den obigen Link anklicken; alle anderen sollten das tunlichst vermeiden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Döring selber nicht an den Schmonzes glaubt, den er da in die Welt posaunt – so dumm dürfte sogar ein Lapuente nicht sein (obwohl ich in dieser Hinsicht doch eher unentschlossen bin). Oder gibt es abgesehen von irgendwelchen Hohlbirnen, die CDU, SPD, Grüne, FDP, AfD oder die Linkspartei wählen, noch zusätzliche Deppen, die allen Ernstes glauben, dass die "Parteiendemokratie" die "Herrschaft des Volkes" bedeute? Ich vermag mir eine solche intellektuelle Obszönität nicht auszumalen.

Da wage ich gar nicht mehr die Frage zu stellen, ob es überhaupt erstrebenswert ist, dass irgendeine Partei oder politische Gruppe den Rest der Bevölkerung "beherrscht". In der kapitalistischen Propaganda taucht diese ketzerische Frage natürlich nicht auf, denn selbstredend muss es in diesem System (sehr wenige) Herrschende und (sehr viele) Beherrschte samt willfährig leckenden Stiefelknechten geben. Das ist eine der Grundvoraussetzungen, damit Ausbeutung im großen Stil widerspruchs- und widerstandslos funktioniert.

Es ist doch offensichtlich, dass es völlig unerheblich ist, wie die "Wahl" am morgigen Sonntag ausgeht: Ob nun die asoziale SPD oder die unchristliche, noch asozialere CDU "gewinnt" und dabei von kriegsgeilen Grünen, kapitallechzenden "Liberalen", jogginghosenverpissten Deutschnationalen oder korrumpierten "Realos" der Linkspartei gestützt wird, ist ebenso wichtig wie die Frage nach der Farbe des Merkel'schen Hosenanzugs oder gar – man will das wirklich, wirklich nicht wissen – ihrer Unterwäsche. Das Ergebnis wäre stets dasselbe. Dennoch wird nach wie vor ein dümmliches Geschrei darum veranstaltet, als ginge morgen die Welt unter.

Selbstverständlich geht die Welt in der Tat viel schneller unter als sie es müsste – das liegt aber nicht am Ausgang des lächerlichen Wahltheaters, sondern am Kapitalismus.

Ich möchte auf den WDR-Text gar nicht weiter eingehen, da er sich selbst ad absurdum führt. Dennoch frage ich mich, welche Menschen diesen Stuss eigentlich noch glauben (sollen), der da munter verbreitet wird? Wie kann ein halbwegs denkfähiger Mensch auf den absonderlichen Gedanken kommen, ein Nichtwähler sei nicht an der "Herrschaft des Volkes" oder, besser formuliert, an humanistischen Prinzipien, die den Superreichen an den Kragen, an die Kasse und an die widerwärtigen Privilegien gehen, interessiert? Ich kann mir das nicht anders erklären, als dass hier ganz bewusst schäbige Propaganda betrieben wird. Mit strohgleicher Dummheit allein ist das jedenfalls nicht mehr nachvollziehbar.

Und trotzdem wird es am Sonntag wieder Sondersendungen und "Elefantenrunden" geben, in denen die beteiligten "Gewinner" und "Verlierer" der kapitalistischen Einheitspartei ihren schaurigen Sprachmüll in die Welt entlassen können, während sich an der katastrophalen Entwicklung – unter tatkräftiger, aktiver und stetiger Mithilfe eben jener korrupter Bande – einmal mehr nicht eine Nuance ändern wird.

Die Irrsinn klingelt sich tot.

Anmerkung am Rande: Ich bin meiner "Bürgerpflicht" natürlich nachgekommen und habe wild entschlossen eine linke Kleinstpartei gewählt – mit dem erfreulichen Wissen, dass ich genausogut auch einen stinkenden Kackhaufen im Garten hinterlassen haben könnte. Das wäre indes nicht anders gewesen, wenn ich mein Kreuz stattdessen bei einer Partei gemacht hätte, welche die ominöse Fünf-Prozent-Hürde voraussichtlicht meistern wird – es ist also, wie gewollt in diesem System, gehopst wie gesprungen. Der Kackhaufen bleibt – und stört niemanden.

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Die Wiederkehr der Gleichen


"Das neue Ministerium?! Die Physiognomien kommen mir alle so bekannt vor."

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 14 vom 02.07.1928)

Song des Tages: Heaven's a Lie




(Lacuna Coil: "Heaven's a Lie", aus dem Album "Comalies", 2002)

Oh no,
Here it is again.
I need to know
When I will fall in decay.

Something wrong
With every plan of my life.
I didn't really realize that you've been here.

Dolefully desired,
Destiny a lie.

Set me free,
Your heaven's a lie.
Set me free with your love,
Set me free.

Oh no,
Here it is again.
I need to know
When did I choose to betray you?

Something wrong
With all the plans in my life.
I didn't realize that you've been here.


Donnerstag, 11. Mai 2017

Zitat des Tages: Kurt Schmidt, statt einer Ballade


Der Mann, von dem im weiteren Verlauf
die Rede ist, hieß Schmidt (Kurt Schm., komplett).
Er stand, nur sonntags nicht, früh 6 Uhr auf
und ging allabendlich Punkt 8 zu Bett.

10 Stunden lag er stumm und ohne Blick.
4 Stunden brauchte er für Fahrt und Essen.
9 Stunden stand er in der Glasfabrik.
1 Stündchen blieb für höhere Interessen.

Nur sonn- und feiertags schlief er sich satt.
Danach rasierte er sich, bis es brannte.
Dann tanzte er. In Sälen vor der Stadt.
Und fremde Fräuleins wurden rasch Bekannte.

Am Montag fing die nächste Strophe an.
Und war doch immerzu dasselbe Lied!
Ein Jahr starb ab. Ein andres Jahr begann.
Und was auch kam, nie kam ein Unterschied.

Um diese Zeit war Schmidt noch gut verpackt.
Er träumte nachts manchmal von fernen Ländern.
Um diese Zeit hielt Schmidt noch halbwegs Takt.
Und dachte: Morgen kann sich alles ändern.

Da schnitt er sich den Daumen von der Hand.
Ein Fräulein Brandt gebar ihm einen Sohn.
Das Kind ging ein. Trotz Pflege auf dem Land.
(Schmidt hatte 40 Mark als Wochenlohn.)

Die Zeit marschierte wie ein Grenadier.
In gleichem Schritt und Tritt. Und Schmidt lief mit.
Die Zeit verging. Und Schmidt verging mit ihr.
Er merkte eines Tages, dass er litt.

Er merkte, dass er nicht alleine stand.
Und dass er doch allein stand, bei Gefahren.
Und auf dem Globus, sah er, lag kein Land,
in dem die Schmidts nicht in der Mehrzahl waren.

So war's. Er hatte sich bis jetzt geirrt.
So war's, und es stand fest, dass es so blieb.
Und er begriff, dass es nie anders wird.
Und was er hoffte, rann ihm durch ein Sieb.

Der Mensch war auch bloß eine Art Gemüse,
das sich und dadurch andere ernährt.
Die Seele saß nicht in der Zirbeldrüse.
Falls sie vorhanden war, war sie nichts wert.

9 Stunden stand Schmidt schwitzend im Betrieb.
4 Stunden fuhr und aß er, müd und dumm.
10 Stunden lag er, ohne Blick und stumm.
Und in dem Stündchen, das ihm übrigblieb,
brachte er sich um.

(Erich Kästner [1899-1974]: "Kurt Schmidt, statt einer Ballade", in: "Ein Mann gibt Auskunft. Gedichte", mit Zeichnungen von Erich Ohser alias e.o. plauen, Deutsche Verlags-Anstalt 1930)


Mittwoch, 10. Mai 2017

Der redundante Einwurf (4): Mit I-Phone und Botox im Supermarkt


Eine (selbst erlebte) Gastglosse des Altautonomen

Ich stehe mit meiner Freundin und einem halbgefüllten Einkaufswagen im Supermarkt an der Kasse. Ein Teil unserer Waren liegt bereits auf dem Band. Vor uns hat eine ca. 45 Jahre alte Frau, groß, stabil, normal gekleidet, bereits die Bankkarte in der Hand, um zu bezahlen. Im Eingangsbereich hören wir zwei Hunde ohrenbetäubend und aggressiv bellen. Der freundliche Security-Typ, der sich an den Wochenenden hier immer die Beine in den Bauch stehen muss, lockert schon mal das Waffenholster (Gas, Schreckschuss?). Aufgeschreckte Markt-Mitarbeiterinnen laufen in Richtung Eingang.

Die Frau vor uns ruft ständig in den Hintergrund der Warenregalkulisse: "I-Phone!", "I-Phone, wo bist Du?" und "I-Phone, komm hier!" (nicht her). Dann rennt sie zum Ausgang, kommt aber wenige Sekunden danach wieder an die Kasse zurück. Offenbar handelt es sich bei einem der kläffenden Köter um ihren. Beide sind angeleint und – wie ich vermute – in einen Konflikt geraten, den sie mit zunehmender Lautstärke verbal ausfechten.

Inzwischen kommt auch "I-Phone" aus den Gängen des Waren-Labyrinths auf seine Mutter zugelaufen: Es ist ein ca. 4-jähriger Junge mit zwei Plastikautos in der Hand. Die hat er aus ihrer Verpackung geschält und in Unkenntnis des Straftatbestandes des Ladendiebstahls am Alarmscanner vorbeigeschmuggelt. Denn der Strichcode war weg.

Die Mutter fordert ihn auf, doch mal nach "Botox" zu schauen und ihn zu beruhigen. "I-Phone" schmollt und weigert sich nonverbal, worauf ihn seine Mutter wortlos in einen leeren Einkaufswagen stopft. Der Security-Mann kommt und fragt die Frau, ob es sich bei dem Kampfhund draußen um ihren Hund handele. Sie: "Ja, es ist ein Staffordshire Terrier, der will nur spielen." (Vermutlich Killerspiele.) Außerdem sei er noch "ein Welpe". – Der Sicherheitsmann darauf: "Na ja, so groß wie Ihr Welpe ist auch ein ausgewachsener Labrador."

Beim Verlassen des Ladens sehe ich "Botox": Ein Anabolikaschwein mit spitz kupierten Stehohren und Rattenschwanz, dessen Muskelpakete von der (gebotoxten?) Haut so eben noch zusammengehalten werden. Auf ihn kann ich als Spielkameraden gerne verzichten.

Während die Rufe nach der Öffnung einer zweiten Kasse jetzt durch die Filiale bis nach draußen dröhnen, frage ich meine germanistisch gebildete Freundin im Flüsterton: "Lassen die Standesämter denn jetzt auch solche Namen wie 'I-Phone' in den Personenstandsregistern zu? Ich hab' so etwas noch nie gehört." – Sie: "Menno, der heißt Taifun und ich kenne mehrere Kinder, die so heißen."

Kurz stelle ich mir vor, wie der kleine Ladendieb später mal im Alter von 18 Jahren mit 120 kg Lebendgewicht auf andere Jugendliche trifft und sich mit den Worten "Hey, ich bin der Taifun!" vorstellt, während ein Mädchen ihm schallend lachend antwortet: "Jep, und ich bin die Tsunami!"

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Unterhaltung



(Zeichnung von Markus von Gosen [1913-2004], in: "Der Simpl", Nr. 8 vom Juli 1946)