Montag, 30. Mai 2016

Musik des Tages: Sinfonie in h-moll - die "Unvollendete"




  1. Allegro moderato
  2. Andante con moto

(Franz Schubert [1797-1828]: "Sinfonie in h-moll" [die "Unvollendete"] aus dem Jahr 1822, Chamber Orchestra of Europe, Leitung: Trevor Pinnock, 2013)

Anmerkung: In dieser Aufführung wird aus mir unbekannten Gründen zum Abschluss - als "dritter Satz" - zusätzlich das "Presto vivace" aus Schuberts dritter Sinfonie in D-Dur gespielt.

Donnerstag, 26. Mai 2016

Realitätsflucht (30): Fall of Setarrif


Über das Hauptspiel "Arcania" habe ich mich hier vor einiger Zeit schon ausführlich ausgelassen - jetzt habe ich auch endlich das Add-on "Fall of Setarrif", das eigentlich gar kein Add-on, sondern - wie so oft - ein künstlich herausgetrennter Teil des Hauptspieles ist - durchspielen können. Das schaurige Pseudofinale von "Arcania", das ich in meiner Rezension aus dem vorigen Jahr bemängelt habe, wird hier nachgeholt.

Es versteht sich von selbst, dass fast sämtliche Berichte, die im Netz zu finden sind, dem Spiel ungenügende Noten ausstellen - was aber, wie schon in der ursprünglichen Rezension angemerkt, größtenteils auf dem fatalen Irrtum beruht, es handele sich hier um ein Spiel aus der "Gothic"-Reihe. Das ist indes Unsinn.

"Fall of Setarrif" führt die Geschichte aus "Arcania" konsequent an ihr Ende und macht dabei - sofern man eben kein "Gothic" erwartet - eine Menge Spaß. Es bleibt dabei, dass das Spiel viel zu einfach ist, was man aber durch die einstellbare Schwierigkeitsstufe ("leicht", "normal", "schwer" oder "gothic" [sic!]) ausgleichen kann. Doch selbst ein Grobmotoriker wie ich hat es bis auf wenige Ausnahmen problemlos geschafft, das Spiel im "schweren" Modus bis zum Ende durchzuspielen. Ein solches Erfolgserlebnis ist für Opas wie mich gar nicht hoch genug zu bewerten.

Ansonsten gibt es nicht viel dazu zu sagen - man schnetzelt sich halt genretypisch durch Horden von Bestien, Untoten, Monstern, Dämonen und ähnlichem Viehzeug und hat dabei doch hin und wieder Spaß, wenn der politisch inkorrekte Humor in diversen Dialogen auftritt:

Du hast keinen Sack - Du hast nur ein Säckchen.

"Fall of Setarrif" ist auch ohne das Hauptspiel installier- und spielbar. Es gibt nur vereinzelte Bugs, die eher lustig sind; das Spiel läuft unter Windows 7 einwandfrei (der peinliche Fauxpas des Hauptspieles, das nur dann startet, wenn die Soundqualität auf 48.000 Hz heruntergeschraubt wird, wird hier nicht wiederholt). Die deutsche Vertonung ist professionell und - erkennbar - dieselbe wie beim Hauptspiel. Dasselbe gilt für die Musik - das brandenburgische Staatsorchester hat die wundervollen Plagiate der romantischen Musik aus dem 19. Jahrhundert perfekt eingefangen.

Wer der Schnauze voll von der unsäglichen Realität unserer untergehenden Zeit und Spaß an solchen Fluchtszenarien hat, sollte sich dieses Spiel nicht entgehen lassen.


Zitat des Tages: Offener Brief an Angestellte


Vorgesetzte muss es geben.
Angestellte müssen sein.
Ordnung ist das halbe Leben.
Brust heraus und Bauch hinein!

Vorgesetzte tragen feiste
Bäuche unter dem Jackett.
Feist ist an dem Pack das meiste,
und sie gehn nur quer ins Bett.

Sie sind fett aus Überzeugung.
Und der bloße Anblick schon
zwingt uns andre zur Verbeugung.
Korpulenz wird Religion!

In den runden Händen halten
sie Zigarren schussbereit.
Jede ihrer Prachtgestalten
wirkt, als wären sie zu zweit.

Manche sagen (wenn auch selten),
sie verstünden unsre Not.
Und wir kleinen Angestellten
schmieren uns den Quatsch aufs Brot.

Atemholen sei nicht teuer,
sagen sie, und nahrhaft auch!
Und dann hinterziehn sie Steuer
und beklopfen sich den Bauch.

Nagelt ihnen auf die Glatzen
kalten Braten und Coupons!
Blast sie auf, und wenn sie platzen!
Gibt es schönre Luftballons?

Lasst sie steigen und sich blähen,
über Deutschland, hoch im Wind!
Bis sie alles übersehen,
weil sie Aufsichtsräte sind.

Wenn sie eines Tags verrecken,
stopft sie aus und weckt sie ein!
Tiere kann man damit necken,
Kinder kann man damit schrecken,
aber euch? Ich hoffe: Nein!

(Erich Kästner [1899-1974], in: "Lärm im Spiegel. Gedichte", mit Illustrationen von Rudolf Großmann, C. Weller 1929)


Mittwoch, 25. Mai 2016

Flatter und die faulen Hartzies


Über die angebliche Dummheit, Lethargie und Passivität der versammelten Horde der Opfer des Hartz-Terrors in diesem furchtbaren Land, denen es ja laut offizieller Propaganda "gut" gehe, ist schon viel geschrieben worden. Entsetzt habe ich nun aber zur Kenntnis nehmen müssen, dass selbst linke Blogger, denen ich ein Mindestmaß an Empathie zugetraut habe, in exakt dieselbe Kerbe hauen und die Opfer-Täter-Verkehrung geradezu mit Wollust zelebrieren.

Der ansonsten oft geschätzte flatter versteigt sich in den Kommentaren zu seinem jüngsten Beitrag zur folgenden Aussage:

Es ist ja wie gesagt nicht so, als hätte ich noch kein Jobcenter von innen gesehen - eine Konsequenz daraus ist btw. die, nie nicht einen Antrag zu stellen -, es gibt aber ja so viele Hartzer und noch mehr von Hartz Bedrohte und 'Prekäre', dass abzüglich der Deprimierten noch genügend Potential bleibt. Auch die Deprimierten schreibe ich übrigens nicht ab. Hätten sie eine Lobby, könnten sie durchaus erwachen. Das Problem ist vordergründig, dass deren Stammvetretung, Sozen und Gewerkschaften, ihre eifrigsten Peiniger sind. Ein Albtraum. Deshalb frage ich hier nach Möglickeiten massenhafter Organisation. Woanders geht das ja.

Das saß schon, aber es geht leider noch schlimmer, denn flatter legt nach einem allzu berechtigten Veto nach:

"Das ist ein Luxus, den man sich wohl irgendwie leisten können muss...?" - Ja, man muss im Zweifelsfall körperlich fit genug sein, um sich seinen Lebensunterhalt durch Klauen und Abzocken zu verdienen. / "zudem haben sie einfach keine Zeit für sowas, sie sind vollauf damit beschäftigt ..." - So, haben sie nicht? Weil sie ganz wichtig[e] Jobs machen müssen, von denen sie nicht leben können? Fernsehn gucken? Seite drei lesen? Glaube ich nicht.

- um dann in der gruseligen Rhetorikfrage zu enden, ob die Kritik an dieser grobsinnigen Situationsbeschreibung lediglich der "Glitzerlack für die Friedhofsbank" sei.

Puh. Das saß. Wenn derlei Schmonzes aus der Springer-Presse oder von den Schlips-Borg der "Tagesschau" auf mich einprasselt, kann ich das ja einordnen und routinemäßig unter dümmlicher Propaganda abheften - aber hier? Wenn ausgerechnet der "Feynsinnige", der ansonsten oft so gute Texte schreibt, hier ins selbe Horn stößt und dumpfe, neoliberale, menschenverachtende Propaganda zum Besten gibt, wie sie übler auch die kapitalistische Presse nicht hinbekäme, ist der "Glitzerlack für die Friedhofsbank" tatsächlich - wieder einmal - selbstgemacht, während die Herrschaft amüsiert zuschaut.

Ich tue das nicht gerne, muss aber hier einmal aus meinem ganz persönlichen Nähkästchen plaudern, um den Irrsinn dieser gruseligen Pauschalbewertungen ersichtlich zu machen: Momentan stehe ich wieder einmal - und das ist keine Ausnahmesituation, sondern in immer wiederkehrender Endlosschleife die Regel - vor der Wahl,

  1. mir entweder genug Lebensmittel für die nächsten zwei Wochen zu kaufen, oder
  2. die Telekom zu bezahlen, damit ich auch weiterhin Telefon und Internet zur Verfügung habe, oder
  3. dem örtlichen Energiekonzern Kohle zu überweisen, damit mir der Zugang zur Stromversorgung nicht gekappt wird.

Es darf nun wild gemutmaßt werden, mit welchen hochphilosophischen Fragen ich mich - nicht nur ausnahmsweise - alltäglich herumplage und wieso da zunehmend weniger Raum für konstruktive Beiträge im Blog oder gar bezüglich der "Organisation der Prekären" bleibt.

Lieber Herr flatter, wenn Du tatsächlich in der Lage bist, dem staatlichen Hartz-Terror einfach dadurch zu entgehen, indem Du keinen Antrag stellst, ist das wunderschön für Dich und stellt Dich in eine Reihe mit den Schlips-Borg, die genau das ja beabsichtigen, geht aber an der Realität der meisten Menschen völlig vorbei. Es ist kein Zufall, dass die Rate der Suizide im hartz-terrorisierten Westen ebenso stetig zunimmt wie die Organisation der Abgehängten sich auflöst. Einige Gründe dafür nennst Du sogar, lässt aber die wesentlichsten außen vor. Auch der stärkste Charakter wird durch kontinuierliche Existenzangst letzlich geschliffen und auf die existenziellen Fragen nach Brot, Wohnung und rudimentärer sozialer Teilhabe durch das Internet zurückgeworfen - und all das ist kein Zufall, sondern beabsichtigte und geplante Konsequenz des Hartz-Terrors.

Es geht nicht darum, den Schwächsten, den Abgehängten und Aussortierten mangelnde Organisation, dümmlichen Fernsehkonsum und Lethargie vorzuwerfen. Anzuklagen sind hier vielmehr die sogenannten Mittelschichtler, die sich noch in der Kotspur des Kapitals eingerichtet zu haben glauben; die ihre SUV-Panzer durch die Straßen steuern und ihrem Nachwuchs durch private Nachhilfe zu einem besseren Start in das Leben im Haifischbecken verhelfen möchten, während sie Arme bis hin zur Obszönität und faschistischen Menschenfeindlichkeit verachten.

Ich habe meine Wahl getroffen und verbringe den Rest dieses Monats ohne frische oder gar gesunde Lebensmittel, hoffe auf die Kulanz der Telekom und verschulde mich lieber, um dem Stromkonzern auch weiterhin seine Ausschüttungen an die Aktionäre zu ermöglichen, damit ich wenigstens noch elektrisches Licht in der Wohnung habe. Man könnte das auch "Glitzerlack für den Untergang des faulen Charlie" nennen.

---

Sklavenmarkt



(Gemälde von Jean-Léon Gérôme [1824-1904] aus den Jahren 1870/80, Öl auf Leinwand, Sterling and Francine Clark Art Institute, USA)

Montag, 23. Mai 2016

Buchempfehlung: Die Kuppel der Hoffnung


Den Beginn des heute gar nicht mehr so furchtbar utopischen Romans "Die Kuppel der Hoffnung", den der sowjetische, nicht unumstrittene Autor Aleksandr Kazancev im Jahre 1980 (dt. 1984) veröffentlicht hat, zieren gleich mehrere bedenkenswerte Vorbemerkungen und Zitate - ich konzentriere mich hier jedoch auf das Zitat Goethes, das dem unmittelbaren Beginn des vom Autor als "Traumbuch" bezeichneten Science-Fiction-Romans, nämlich dem ersten Kapitel ("Ein Feind des Hungers - Unser tägliches Eiweiß") vorangestellt ist:

Es gibt nur wenige Menschen, deren Fantasie auf die Wahrheit der realen Welt gerichtet ist. Gewöhnlich ziehen sie es vor, in unerforschte Länder zu entweichen und in Verhältnisse, von denen sie nicht die geringste Vorstellung haben und welche die Fantasie auf die wunderlichste Weise ausschmücken kann.

Dies ist in der Tat das Programm dieses ungewöhnlichen Romans, der sich mit dem Hunger in der Welt, seiner Bekämpfung und damit - wen wundert's angesichts der Herkunft des Autors und der Zeit der Entstehung - selbstverständlich auch mit den bösen Auswirkungen des Kapitalismus beschäftigt: Kazancev hat nämlich eine sehr genaue Vorstellung vom Thema seines Romanes und präsentiert dem geneigten Leser ein profundes Wissen über Zusammenhänge und Selbstverständlichkeiten, die unseren heutigen Massenmedien ferner sind als die übernächste Galaxie.

Im Klappentext heißt es:

"Den Wissenschaftlern aller Länder ist klar, dass es keine Raumfahrt, keinen Flug zu den Sternen geben wird, solange die Probleme der Erde nicht gelöst sind, allen voran Problem Nummer eins: der Hunger. Auf nationaler Ebene jedoch lässt es sich nicht lösen, internationale Zusammenarbeit ist dazu nötig, und die Forscher müssen dem Zugriff und dem Einfluss der Getreidemultis und anderer Privatinteressen entzogen sein, die mit dem Hunger der Welt ihre Geschäfte machen.

Einer Gruppe internationaler Wissenschaftler gelingt es, die UNO für ein gigantisches Projekt zu interessieren und es in Angriff zu nehmen: Eine Forschungsstation im Eis der Antarktis, geschützt durch eine riesige Kuppel, in der Forscher aus allen Ländern der Erde (...) an der Herstellung künstlicher Nahrung auf der Basis von Kasein, Soja-Öl und Candida-Hefen arbeiten sollen.

Doch was als geschütztes Refugium geplant war, erweist sich als verletzliches Gebilde, das die Gegner des Projekts mit allen Mitteln zu sabotieren und zu vernichten bestrebt sind: Die Kuppel der Hoffnung."

Wir können heute, 36 Jahren nach der Erstveröffentlichung dieses Buches, allenthalben verfolgen, wie "Getreidemultis und andere Privatinteressen" den Hunger in der Welt geflissentlich zu ihrem eigenen Profit zementieren und ausbauen - sogar gänzlich ohne ein ehrgeiziges, wenn auch nicht unumstrittenes Projekt wie die "Kuppel der Hoffnung".

Der Roman regt in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken an - beispielsweise ob es tatsächlich eine Lösung sein kann oder sollte, künstliche Nahrung, wie sie heute ja schon vielfach industriell produzierte Grusel-Realität im Sog des Profitzwangs ist, zu präferieren - und bietet darüber hinaus viel Spielraum für gedankliche Alternativen zum zerstörerischen Kapitalismus. Auch über den Schluss des "Traumbuches" kann man trefflich streiten - aber ich will nicht spoilern und verrate hier nichts weiter.

Fakt bleibt aber: Im Jahre 2016 gibt es nichts, das auch nur annähernd eine Bezeichnung wie "Kuppel der Hoffnung" verdiente - heute müssen wir uns längst wieder mit Begriffen wie "Szenario der möglichst wenigen Toten" oder "Wenn schon Hunderttausende Hunger leiden und sterben, soll das wenigstens nicht vor meiner Haustür geschehen" zufrieden geben. Und der grausige Abgrund rückt unaufhaltsam näher, für uns alle.

Und die "Elite" schlemmt und lacht weiter in ihren Luxusvillen an den schönsten, für alle anderen Menschen selbstredend verbotenen Orten dieses sterbenden, schreienden, traumlosen Planeten.



(Aleksandr Kazancev [1906-2002]: "Die Kuppel der Hoffnung", 1980, dt. Heyne 1984)

Freitag, 20. Mai 2016

Song des Tages: Epitaph




(King Crimson: "Epitaph", aus dem Album "In The Court Of The Crimson King", 1969)

The wall on which the prophets wrote
Is cracking at the seams
Upon the instruments of death
The sunlight brightly gleams
When every man is torn apart
With nightmares and with dreams
Will no-one lay the laurel wreath
When silence drowns the screams

Confusion will be my epitaph
As I crawl a cracked and broken path
If we make it we can all sit back and laugh
But I fear tomorrow I'll be crying
Yes I fear tomorrow I'll be crying
Yes I fear tomorrow I'll be crying

Between the iron gates of fate
The seeds of time were sown
And watered by the deeds of those
Who know and who are known
Knowledge is a deadly friend
When no-one sets the rules
The fate of all mankind I see
Is in the hands of fools

The wall on which the prophets wrote
Is cracking at the seams
Upon the instruments of death
The sunlight brightly gleams
When every man is torn apart
With nightmares and with dreams
Will no-one lay the laurel wreath
When silence drowns the screams

Confusion will be my epitaph
As I crawl a cracked and broken path
If we make it we can all sit back and laugh
But I fear tomorrow I'll be crying
Yes I fear tomorrow I'll be crying
Yes I fear tomorrow I'll be crying


Donnerstag, 19. Mai 2016

Weimar 2.0: Lügen, Korruption und systematischer Betrug


Überrascht es eigentlich noch jemanden, wenn sich wieder einmal herausstellt, dass Figuren wie Sigmar Gabriel und viele andere in beharrlicher Konsequenz Lügen in die medial bereitgestellten Mikrofone plärren und sodann das Gegenteil dessen, was sie dort verbal erbrechen, tun? Ich jedenfalls habe nicht einmal mehr müde mit der Wimper gezuckt, als ich vorgestern bei Zeit Online zum Thema der "privaten TTIP-Schiedsgerichte" las:

Entgegen öffentlicher Äußerungen von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hält die Bundesregierung an umstrittenen privaten Schiedsgerichten fest. In einem informellen sogenannten Non-Paper von Anfang April, das der ZEIT vorliegt, wirbt die Bundesregierung gemeinsam mit Österreichern, Finnen, Franzosen und Niederländern für den Erhalt privater Schiedsgerichte in der EU.

Jou. Mir war das schon klar, als ich die ersten herausposaunten Äußerungen des schmierigen Vorsitzenden der Zombiepartei ASPD hörte, mittels derer dieser aalglatte, eigennutzmehrende Seidenklops medienwirksam gegen die "Paralleljustiz", die in Wahrheit ja das Gegenteil einer unabhängigen Justiz ist, agitierte. Das ist "business as usual" im politischen Betrieb der kapitalistischen Korruption und Scheindemokratie, die keineswegs nur Gabriel oder die SPD betrifft, sondern selbstverständlich sämtliche Parteien und deren Sprachpuppen in diesem verfaulten System. Die Beispiele quer durch alle Fraktionen - von NPD/AfD, CSU/CDU, FDP, SPD, den Grünen bis hin zur Linken - sind längst Legion.

Bezeichnend ist wieder einmal die Wortwahl der "freien Presse", in diesem Beispiel also der Redaktion der Zeit, die lediglich von "Tricks" fabuliert, während es in Wahrheit natürlich um dreiste Lügen und Täuschungen der übelsten Sorte geht, die eben diese Kuhmedien ansonsten nur in "Unrechtsregimen", also beispielsweise in Russland [sic!], der ehemaligen DDR oder Nordkorea, ausmachen. Im "freiheitlich-demokratischen" Deutschland sind das natürlich nur bedauerliche Einzelfälle und damit läppische "Tricksereien".

Ich glaube, es war der unsägliche Helmut Schmidt, der einmal gesagt hat, dass man "keine Politik gegen die Wirtschaft" machen könne. Dieser dreisten Lüge, die einem politisch-sozialen Meineid gleichkommt, ist die gesamte politische, korrupte Kaste in der Welt des "freien Westens" längst nachgefolgt und devot erlegen. Im Umkehrschluss heißt dies ja nichts anderes, als dass es im Rahmen dieses perversen Systems keine Politik für das Wohlergehen der Mehrheit der Menschen geben kann. Indizien und Belege dafür sind ebenfalls Legion.

Die korrupte Bande macht einfach immer weiter.

Im Gegenzug versteige ich mich nun auch in antidemokratische Gefilde und fordere private Tribunale, die Superreiche und ihre politischen Marionetten und andere Analplugs enteignen und zu sozialen Arbeiten verpflichten dürfen - Berufungen oder Revisionen werden natürlich nicht zugelassen. Die Tribunale sollen zufallsgeneriert aus den Datenbanken der Hartz-Terror-Behörden ernannt werden und genießen selbstverständlich Immunität. - Sigmar Gabriel könnte beispielsweise als Betreuungsassistent in einem Obdachlosenheim eingesetzt werden, Thomas "die Misere" als Klofrau in einer Asylunterkunft, Andrea Nahles als Maurerin im sozialen Wohnungsbau und Angela Merkel als gewerkschaftliche Vertreterin der Schneeschipper am Nordpol. So könnte man - wenn man es denn wollte - der korrupten Bande doch noch einen halbwegs sinnvollen Lebenszweck bescheren. Für die elitäre Bande der - dann ehemaligen - Superreichen indes bliebe am Ende nur die Psychiatrie.

---

Ein Wichtigtuer im Amt



(Porträt von Robert Dighton [1752-1814], Federzeichnung in Aquarell, in "Charing Cross", London, 01.03.1791)

Samstag, 14. Mai 2016

Mediengroteske: "Fast die Hälfte aller Bürger kann sich eine Autoreparatur von 400 Dollar nicht leisten"


Die Zeit Online ist aktuell wieder einmal in vorderster Front dabei, die fatalen Auswirkungen des kapitalistischen Systems zu vernebeln und in dumpfe, natürlich "eigenverantwortliche" Bereiche der jeweiligen Opfer zu entführen. In einem Bericht zur wachsenden Armut in den USA heißt es dazu:

In den USA ist es einfacher, auf Pump zu leben, als zu sparen. Die Armut nimmt zu. Fast die Hälfte aller Bürger kann sich eine Autoreparatur von 400 Dollar nicht leisten.

Es lohnt sich, den ganzen Text zu lesen, auch wenn das bisweilen arg schmerzt. Mit keinem Wort wird hier der Kapitalismus erwähnt - laut Zeit sind die Menschen in den USA offenbar einfach zu dumm und verschulden sich deshalb massenhaft. Der publizistische Irrsinn könnte indes gar nicht offensichtlicher sein. Ein hanebüchenes "Bildungssystem", das Menschen nach der Uni mit immensen Schulden ins Dasein des Ausgebeuteten entlässt, wird hier ebenso als gottgegebene Rahmenbedingung angesehen wie die perversen Niedrigstlöhne, die trotz einer Arbeit in Vollzeit nicht ausreichen, um ein halbwegs menschenwürdiges Leben zu führen.

Sehr berühmt ist die Zeit ja für ihre nicht vorhandenen Übertragungen. Es fällt jedenfalls mir nicht sonderlich schwer, von den beschriebenen Auswüchsen in den USA auf deutsche Verhältnisse zu schließen, wo sich ja ganz ähnliche Tendenzen abzeichnen. Es gibt nicht mehr nur "ein paar" Menschen, die sich beispielsweise nicht nur keine Reparatur, sondern überhaupt kein Auto mehr leisten können - die Zahl geht längst in die Millionen (mit zunehmender Tendenz), und der Kapitalismus setzt darauf, dass es dafür eben mehr "privilegierte" Menschen gibt, die sich zwei oder noch mehr Autos leisten können, um den Rubel weiter rollen zu lassen. Das lächerliche, menschenfeindliche Spiel ist so alt und übel wie der Kapitalismus und Faschismus selbst.

Dasselbe betrifft das unsägliche Verschuldungsthema. Schulden bzw. Kredite sind der Nährboden des Kapitalismus, ohne den er gar nicht existieren könnte. Entsprechend werden auch hierzulande die Menschen - auch vom Staat, nicht bloß von den verbundenen Konzernen - in die Schuldenfalle gestoßen. Das fängt beim Hartz-Terror-Opfer, das beispielsweise eine neue Waschmaschine benötigt und dafür ein "Darlehen" beim Amt aufnehmen muss [sic!], an und hört beim Angestellten, der sich ein "Eigenheim" schaffen will, noch lange nicht auf.

Der Zeit-Artikel von Thorsten Schröder liest sich so, als habe der Autor eine finstere Haftanstalt besucht (ohne das dem Leser mitzuteilen) und sich nun darüber echauffiert, dass alle Insassen sich perversen Regeln unterwerfen - als gebe es keine Alternative. Ich formuliere es - extra für Herrn Schröder - einmal aus: Im Kapitalismus gibt es in der Tat nur die Wahl zwischen Ausbeutung, Verschuldung und Sklaventum auf der einen und der "völlig freien" Obdachlosigkeit auf der anderen Seite. Das ist die "Freiheit", die Kapitalisten - und mit ihnen auch die Zeit - in höchsten, gerne elfischen Tönen besingen.

--

Das Ende des Kapitalismus


"Im wunderschönen Monat Mai ---"

(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 6 vom 06.05.1919)

---

Anmerkung: Der Text zur Zeichnung bezieht sich auf Heinrich Heines Gedicht "Lyrisches Intermezzo" aus seinem "Buch der Lieder" (1827):

Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Knospen sprangen,
Da ist in meinem Herzen
Die Liebe aufgegangen.

Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Vögel sangen,
Da hab ich ihr gestanden
Mein Sehnen und Verlangen.

Freitag, 13. Mai 2016

Song des Tages: Lieblingsfarben und Tiere




(Element of Crime: "Lieblingsfarben und Tiere", aus dem gleichnamigen Album, 2014)

Schön, dass Du anrufst, leider umsonst,
dass mein Handy abgestellt ist, hast Du schon geschnallt.
Denn warum solltest Du sonst mein völlig sinnloses Festnetztelefon
zum Klingeln bringen - mach's wie ich, leg Dich hin und mach die Augen zu.

Denk an Lieblingsfarben und Tiere,
Dosenravioli und Buch und einen Bildschirm mit Goldfisch,
das ist für heute genug.

Schön, dass Du persönlich an der Tür die Klingelleitung testest,
Du hast Recht, da ist technisch nicht alles 1-A.
Im Schwachstromsignal-Übertragungsweg gibt es Durchleitungsprobleme,
doch wer wirklich zu mir will, kommt damit klar.

Er braucht nur Lieblingsfarben und Tiere,
Dosenravioli und Buch und einen Bildschirm mit Goldfisch,
das ist für heute genug.

Meine Lieblingsfarbe ist eigentlich grün, aber manchmal blau,
und gestern war es rot, das war auch ganz schön.

Die E-Mails und die Kurznachrichten kannst Du zusammen
mit den Excel- und Word-Dokumenten dahin tun,
wo die Sonne auch an warmen Tagen niemals scheint und wo
auch schon die Meetings und die Skype-Kontakte ruh'n.

Denk an Lieblingsfarben und Tiere,
Dosenravioli und Buch und einen Bildschirm mit Goldfisch,
das ist für heute genug.


Donnerstag, 12. Mai 2016

Bloggerprobleme: Hilfe bei einem Script


Seit einigen Tagen funktioniert das Script, mit dem bisher in der rechten Spalte die "neuesten Kommentare" angezeigt wurden, nicht mehr (oder nur noch sporadisch). Ich habe nun schon diverse Scripte, die ich im Internet fand, ausprobiert, allerdings ohne Erfolg - sie funktionieren hier allesamt nicht. Vielleicht kann mir ja irgendein hilfsbereiter Bloggerkollege auf die Sprünge helfen und ein Script posten oder verlinken, das bei blogspot auch tatsächlich zuverlässig funktioniert? Vielen lieben Dank im Voraus! :-)

Dieses ist das aktuelle Script, das seinen Dienst verweigert:


Mittwoch, 11. Mai 2016

Der "Nachtwächterstaat" im Kapitalismus


Die neoliberale Bande schwafelt seit Jahrzehnten davon, dass "der Staat" sowie dessen minimaler Einfluss auf "die Märkte" schlicht Teufelszeug seien, die es zu bekämpfen und zu beschneiden gelte. Selbstverständlich gilt das aber nur, wenn es um die "Freiheit" der korrupten Profitgeier der selbsternannten "Elite" geht - in allen anderen Bereichen darf und soll der "schlanke", rigoros autoritäre Staat zu einem fettleibigen Monstrum werden, das beispielsweise Arbeitslose, Flüchtlinge, Kranke oder Alte rigoros verfolgt, drangsaliert und ihnen jede verbliebene Form der gern gepriesenen Freiheit unmöglich macht. Die Hartz-Terror-Gesetze sind ebenso ein beredtes Beispiel dafür wie der schikanöse Umgang mit Flüchtlingen (konsequente Zwangsverarmung, "Residenzpflicht", geplante Zwangsassimilation etc.).

Wie der "schlanke Staat" nach kapitalistischer Sicht auszusehen hat, zeigen die jüngsten Vorstöße der menschenfeindlichen Bande nur allzu deutlich: Thomas "die Misere" will das Personal des BKA um 1.500 neue Bürgerüberwachungsvasallen aufstocken und Stahlhelm-Uschi von der Leyen möchte die "Verteidigungs"-Armee Deutschlands gleich um mehrere zehntausend potenzielle, gelernte Mörder erweitern.

Das ist gewiss genau das, was diese Welt gerade braucht: Mehr Überwachung der BürgerInnen und noch mehr Militär, um die furchtbar bedrohten Grenzen Deutschlands in aller Welt mit Bomben und mörderischem Terror zu "sichern". Da spielt es auch keine Rolle, was das den "Steuerzahler" kostet - massenhafte Altersarmut, eine ebenfalls in der Armut verschwindende Mittelschicht und eine zunehmend marode Infrastruktur müssen in Kauf genommen werden, wenn der "schlanke Staat" seine diktatorischen, zunehmend monströsen Muskeln spielen lässt und dabei Milliarden Euro verschlingt. Es geht im Kapitalismus schließlich klar erkennbar nicht um das Wohl der Menschen, sondern um den Erhalt des kranken Systems um jeden Preis, um die Privilegien, die Macht und den Reichtum der "Elite" zu sichern.

Dummerweise bemerkt der Großteil der betroffenen Menschen das nicht und verhält sich wie das Schlachtvieh vor 90 Jahren, das willfährig dem braunen Grauen den Weg geebnet hat. Angesichts der zunehmenden staatlichen Überwachung und der militärischen Aufrüstung kann ich mir den ohnmächtigen Gruß nicht verkneifen: Herzlich willkommen im untergehenden Weimar 2.0.

Und nun schlafen wir - wie damals - selig weiter. Gute Nacht allerseits.

---

Taverne



(Gemälde von Andrei Petrowitsch Rjabuschkin [1861-1904] aus dem Jahr 1891, Öl auf Leinwand, Tretjakow-Galerie, Moskau, Russland)

Dienstag, 10. Mai 2016

Neues von der Veganerfront


Kürzlich las ich eine Meldung, die mich einmal mehr tief berührt und in den Grundfesten meines Denkens erschüttert hat. Ich esse ja bekanntlich gerne - wenn auch aus finanziellen Gründen eher selten - Fleisch und vor allem echten, handgemachten Käse, der nichts mit den industriell hergestellten Gummiwaren aus den Supermärkten gemein hat. Nun gerät diese Vorliebe wieder einmal ins Wanken, denn auf dem seriösen Info-Portal Paramantus musste ich lesen:

Die Welt der Medizin steht Kopf. Zum ersten Mal ist es Ärzten gelungen, einem Menschen vollständig den Kiefer zu entfernen und ihn durch den eines Schafs zu ersetzen. Der Grund ist naheliegend: Der überzeugte Veganer Dennis Kokoschka aus Berlin wollte mit dieser einmaligen Transplantation seine Lebenseinstellung untermauern.

Mein erster Gedanke war, dass ich mir - diesem Beispiel folgend - vielleicht das Gebiss eines Löwen implantieren lassen könnte, um das zarte Fleisch junger Lämmer und Antilopen noch besser genießen zu können. Dann gewann aber schnell der Pragmatismus die Oberhand und ich gelangte zu der Überzeugung, dass ich mit einem Schafskiefer doch besser beraten wäre, da ich so auf Lebensmitteleinkäufe zukünftig gänzlich verzichten und mich stattdessen auf den Wiesen und Weiden der Umgebung mit der notwendigen Nahrung eindecken könnte. Außerdem dürfte ich in diesem Falle zumindest Schafskäse noch essen, sagte mir zumindest mein verzweifelter Verstand.

Die Anfrage bei meiner Krankenkasse ist bislang leider unbeantwortet geblieben.

Alternativ habe ich auch um die Implantation des Fresswerkzeuges der Buckelwale gebeten, die einfach mit geöffnetem Maul durchs Meer schwimmen und dabei Krill und kleine Fische in großen Mengen verspeisen. Das ist zwar ebenfalls nicht vegan, dafür aber vollkommen natürlich und vor allem gänzlich anstrengungslos.


Der Albtraum der Veganer: Die Natur

Montag, 9. Mai 2016

Wenn der Stumpfsinn zweimal klingelt: Die schrumpfende Mittelschicht


Die kapitalistische Mainstreampresse hat wieder einmal ein Glanzstück abgeliefert, das keine Fragen mehr offen lässt, ob es sich bei vielen Verlautbarungen aus jenen Kreisen nun um Dummheit und gnadenlose Inkompetenz oder doch eher um Vernebelung und bewusste Propaganda handelt. Am vergangenen Freitag im Jahre des Spaghettimonsters 2016 - satte elf Jahre nach der Einführung des Hartz-Terrors - verkündeten n-tv & Co. melodramatisch:

Mittelschicht schrumpft in Deutschland / Wenn man Mittelschicht sagt, schwingt in Wahlkampfzeiten schnell das Wort Abstiegsangst mit. Eine neue Studie zeigt: Deutsche und US-amerikanische Verhältnisse sind nicht mehr so weit voneinander entfernt.

Beim Barte des Propheten, dachte ich beim Lesen dieser Überschrift, haben die Enddarm-JournalistInnen nun doch endlich verstanden, wie Kapitalismus funktioniert und beginnen womöglich mit der so dringend notwendigen Aufklärung? - Okay, ich dachte das nicht wirklich, und selbstverständlich fand auch diesmal nichts dergleichen statt - dafür wirft der Autor des Beitrages mit albernen Plattitüden, Dummheiten und Nebelkerzen um sich, dass es nur so knallt und zischt. Er ist sich nicht einmal zu blöde, aus der - offenbar ebenso dämlichen Studie des "Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung" (DIW) - knallhart zu zitieren und diese Entwicklungen - ich musste arg an mich halten beim Lesen - gar "überraschend" zu nennen.

Jedem, der sich auch nur rudimentär mit den kapitalistischen Verwerfungen der Weimarer Endzeit und ihren heutigen Parallelen beschäftigt hat, ist seit langem klar, dass die Verarmung der unteren Schichten (und dazu gehört aus elitär-kapitalistischer Sicht selbstredend auch die so genannte Mittelschicht) eine logische und unausweichliche Konsequenz in diesem fatalen System sein muss. Selbst wer nur für 10 Cent kurz nachdenkt, muss angesichts der Faktenlage unweigerlich zu diesem Schluss kommen. Die abstürzende bzw. sich auflösende Mittelschicht - selbstverständlich in zunehmendem Maße insbesondere bei jungen Menschen, wie sollte das denn auch anders sein - in dieser Endphase des Kapitalismus ist ungefähr so überraschend wie unmittelbar auftretender Gehirnkrebs nach der Lektüre eines esoterischen Textes.

Aber damit nicht genug. Der "wissenschaftliche Mitarbeiter" Markus Grabka, der die in Rede stehende Studie beim DIW "begleitet" hat, plärrt laut n-tv allen Ernstes ins Mikrofon, dass die verarmten Menschen (in den USA) "verstärkt in den unteren Einkommensbereich abgewandert" seien. - Abgewandert. Sie haben also die Koffer gepackt, fröhlich "Adieu, Mittelstand!" gesagt und sind einfach verschwunden. Vollkommen freiwillig natürlich. Wahrscheinlich hatten sie keinen Bock mehr auf ein "Eigenheim", ein Auto, genug zu essen oder eine Krankenversicherung. Sie sind eben abgewandert, da kann man nichts machen.

Nach den tatsächlichen Ursachen für die selbstverständlich grassierende Verarmung auch in der Mittelschicht fragt in diesem Text niemand - das ganze liest sich wie ein Bericht aus dem göttlichen Reich des Sonnenkönigs, der nichts weiter als die alternativlosen, gottgewollten Entwicklungen beschreibt, die nun gefälligst zu ertragen seien, da es keine Gründe und damit auch keine Möglichkeiten zur Gegenwehr gibt. Ich frage mich ernsthaft, wer so etwas lesen kann, ohne sich die Haare bis zur Glatze oder gar bis auf die blutige Kopfhaut zu raufen.

Die radikale Zwangsverarmung der breiten Masse ist das erklärte, nicht einmal leicht verschleierte Konzept der neoliberalen Einheitspartei, um der grenzenlosen Profit- und Hortungsgier der selbsternannten "Elite" auch in der Endphase des kollabierenden Kapitalismus devot Rechnung zu tragen. Das war vor 90 Jahren so und findet heute in derselben Weise wieder statt.

Und morgen lesen wir in der Mainstreampresse auf Seite 13: "Unglaublich - Konzerne und Geheimdienste überwachen und kontrollieren alle Bürger! Welch ein obszöner Skandal!", während auf Seite 1 die Überschrift prangt: "Irre: So pimpt Heidi Klumpfuß ihre Brüste - mit diesen Wearables schaffen Sie das auch!"

---

Der deutsche Mittelstand



(Radierung von Kurt Meyer-Eberhardt [1895-1977], in "Simplicissimus", Heft 39 vom 27.12.1922)

Samstag, 7. Mai 2016

Song des Tages: Yesterday is Dead and Gone





"No gods, no masters!"

(Arch Enemy: "Yesterday is Dead and Gone", aus dem Album "Khaos Legions", 2011)

The fire's inside us tonight
These bridges will burn so bright
Tomorrow bears our name
No more power games

Reaching for the light beyond
We will rise through the dark again
Ready to fight for what we believe to be right
Yesterday is dead and gone

Rattling the chains, shaking the cage
Heed our war cry
Let there be no doubt, we want out
This is reckoning day

We are standing in the flames
Reaching for the sky
Fight until the end
Yesterday is dead and gone

Under a blood red sky
Our voice will be heard in a world
Where compassion is lost
You try to control us
This is so absurd
Freedom will be won at any cost

Breaking the chains, shaking the cage
Heed our war cry
Let there be no doubt, we walked out
This is reckoning time

We are standing in the flames
Reaching for the sky
Fight until the end
Yesterday is dead and gone

This is reckoning day
Yesterday is dead and gone


Freitag, 6. Mai 2016

Zitat des Tages: Landschaft


Aus der Ebene sind bebende Häuser geflüchtet,
weit, wo sie am glühenden Horizont durcheinanderstürzen,
der die kreischenden Bäume schüttelt,
die verkrallt den verschwelten Himmel festhalten,
den ausgebrannten, mürben Himmel,
aus dem die Menschen wie Rußflocken gefallen sind,
Menschen, auf Äckern und Straßen klebend.
Blumen und Ähren stehen im Fieber und alles verdorrt.
Ist so elend verdorrt.
Angst umstellt das bittende Herz.

(Richard Oehring [1891-1940]: "Landschaft", in: "Die Aktion", 5. Jg., Nr. 31/32 vom 07.08.1915)



Anmerkung: Dies ist eines der Gedichte, die mein diskussionsverweigernder Lieblingsfan Holdger Platta jüngst als "Weltschmerzlyrik", die ich hier angeblich verbreite, diffamiert hat. Er erweckt damit den Anschein einer grandiosen Unwissenheit bezüglich der expressionistischen Lyrik und ihrer politischen Bedeutung, beweist aber unwillkürlich eine gewollte Irreführung seiner LeserInnen, da er als Philologe selbstverständlich weiß, dass derlei Texte mit dem Begriff "Weltschmerz" allenfalls auf BLÖD-"Zeitungs"-Niveau bezeichnet werden können. So findet ein blind gackerndes Huhn letzlich auch sein Eso-Körnchen.

Oehring hat dieses Gedicht nach seinen ersten Erlebnissen im Ersten Weltkrieg geschrieben, an dem er - wie so viele andere damals junge Menschen - aktiv teilnehmen musste. Diese furchtbaren Erfahrungen haben ausgereicht, ihn zum Pazifisten reifen zu lassen und sich jeder weiteren Teilnahme am großen Morden geschickt zu verweigern. Seine melancholisch-pessimistische Sicht auf die damalige Zukunft entspringt keiner diffusen "Weltschmerz"-Doktrin, sondern dem ganz realen Erleben des Horrors, den auch Oehring, der spätestens seit den Kriegserlebnissen Kommunist und ein Wegbegleiter Franz Pfemferts war, als logische Folge des krebsartigen Untergangs des Kapitalismus sah.

Sein Leben endete 1940 im Suizid, als auch sein gewähltes Exil - Holland - von den Nazis überfallen und okkupiert wurde.

Diese Lyrik hat nichts mit "Weltschmerz" zu tun, sondern ist hochaktuell - und Holdger Plattfuß sollte sich solcher dummen Äußerungen schämen - nicht zuletzt, da er selber auch einmal einen Text über den expressionistischen Dichter Armin T. Wegner, der ebenfalls vor den Nazis flüchten musste, geschrieben hat.

Menschen beispielsweise aus Syrien verbinden heute mit diesem Gedicht sicherlich etwas andere Ereignisse, die fernab jedes "Weltschmerzes" liegen.