Samstag, 26. Juli 2014

Musik des Tages: You And Me And Rainbows




(The Tear Garden: "You And Me And Rainbows", aus dem Album "Tired Eyes Slowly Burning", 1987)

You're number eight. Your name is Jane,
with black hair, braids, and black lines around your eyes.
Shades to hide your habit.
I don't know your age, though you guessed mine.
My sign. Your sign!
The opening line is always just the same.
The same intention, destination.
Just you and me and rainbows.

Loaded guns attract.
We know the rules, we don't react.
We wait in hope, we don't expect.
Just you and me and rainbows.

Down here everything is fine.
We have a straw, we have a line.
We have a bag, a rock, a mountain,
With a string of shepherds driving lions.
Aiming skewers at the sheep; face down, asleep, in onion fields.
The frying fields.
The worms - they peep through holes which once were eyes.
They thrive, they bake although we painted out the sky, the sun.
There's only thunder, and you and me and rainbows.

Let's hide out in the lay-by, let the time fly by.
Tonight's disguise:
A car crash with our wheels like shattered stars - dashboard charred.
Our windscreen like a graveyard for the flies (we're fast!).
The hungry flies are circling,
mourning as the watchers squat with cameras, cakes and flasks.
They're spying, spitting as the blue lights flash,
Axes, axes, axes swing! (We're broken!)
Broken wings, but sure we'll fly and reach our destination.
You and me and rainbows.

And if we turn the lights down low
And watch the sky cry through the window,
Will I watch your fingers grow and stretch like butterflies?
The shadows flexing, licking toes,
And blinding as slowly sun sets on the same old hill.
The same red glow. We're quite alone.
Just you and me and rainbows.

Everything I own is in the corner of your room.
It's covered with a sheet just like it died.
But I will take a broom; I'll sweep it new again, arrange it.
Oh, I'll grow a dozen hands.
No, I never will neglect my world again.
I'm safe beneath my blanket.
Come home. For you, for me - and rainbows.

Loaded guns attract.
We know the rules, we don't react.
We wait in hope, we don't expect.
Just you and me and rainbows ...

... looking down.


Freitag, 25. Juli 2014

Zitat des Tages: Der Wind geht ums Haus


Der Wind, der Wind, der geht ums Haus,
wir löffeln unsre Suppe aus,
dann gehn wir fröhlich schlafen.

Doch plötzlich sind wir wieder wach,
was ist das für ein wehes Ach,
wir können nicht mehr schlafen.

Es ist ein Ach und ist ein Weh
wie damals in Gethsemane,
da konnt auch keiner schlafen.

Das ist kein Wind, das ist kein Sturm,
das ist auch nicht im Holz der Wurm,
das ist ein armes Weinen.

Die Kinder weinen in dem Wind,
die all die Jahr gestorben sind,
die hörn wir draußen weinen.

Sie weinen, die der Hitler schlug
ins weiße, weiße Leichentuch,
die hörn wir schrecklich weinen.

Die Kinder sinds, soviel, soviel,
auf die die Glut vom Himmel fiel,
die jammern in der Stube.

Die andern auch, aus Schnee und Eis,
sind voll des wimmernden Geschreis
in unsrer warmen Stube.

Die ungeheure Kinderwelt
hat tot sich um das Haus gestellt,
wir frieren in der Stube.

Wir frieren und wir schlafen nicht,
wir liegen auf dem Angesicht,
wir schämen uns zu Tode.

Wir decken mit dem Bettzeug zu
das eigne Kind, ach, bleibe Du
bewahrt vor ihrem Tode,

die weiterziehn, von Haus zu Haus.
Wir löschen unsre Lampe aus
und zittern vor dem Tode.

(Wolfgang Weyrauch [1904-1980]: "Der Wind geht ums Haus", in: "Gesang um nicht zu sterben. Neue Gedichte", 1956)

Donnerstag, 24. Juli 2014

Auch am Rande des Abgrunds: Humor muss sein!


Eigentlich wollte ich heute einen bösen Text über die korrupte, bis ins Mark verlogene Kriegstreiberbande einstellen, die sich - fleißig befeuert von der gleichgeschalteten, offenbar ebenso kriegsgeilen Mainstreamjournaille - momentan geradezu in kafkaesken, nur noch durch exzessiven Drogenrausch erklärbaren Bemühungen überbietet, ein neues 1914 herbeizuschrei(b)en, auf dass endlich wieder die Waffen das alleinige Sprachrecht bekommen und die allseits gepriesene westliche, kapitalistisch-freiheitlich-demokratische Diktatur erneut ihren Siegeszug gen Osten antreten kann - allerdings haben das viele andere in der Zwischenzeit bereits getan, so dass ich mich, wenn auch schlechten Gewissens, banaleren Dingen zuwenden kann:

Wer auch am Rande des Abgrunds nicht darauf verzichten will, endlich wieder einmal herzhaft und aus vollem Halse lachen zu können, sollte sich dieses neue Pamphlet vom Eso-Blog "Hinter den Schlagzeilen" (das sich vielleicht doch endlich in "Jenseits des Intellektes" umbenennen sollte) nicht entgehen lassen. Es sind genau diese Juwelen des entwaffnenden esoterischen Schwachsinns, die ich dort zu finden hoffe und die naturgemäß auch immer wieder dort auftauchen - ich lege jedem Menschen, der diesem Link an einem PC folgt, eindringlich nahe, dabei keinen Kaffee oder gar Kakao zu trinken: Die Folgen für den Monitor, die Tastatur und den Rest der auf dem Schreibtisch befindlichen Utensilien sind wahrlich fatal und nur sehr schwer zu beseitigen.

Die "weit greifenden philosphischen Betrachtungen", die im Teaser großspurig angekündigt werden, haben mein Herz in dieser bösen Zeit zärtlich und sanftmütig erwärmt und große Erwartungen geweckt, die nicht enttäuscht wurden: Wenn Schramm oder Pispers nicht mehr weiter wissen, sollte man zukünftig diesem großen Biene-Maja-Künstler und erleuchteten Heilsbringer namens Wolf Schneider das Mikrophon in die Hand drücken. Er wird alles zum Guten richten - jedenfalls solange, bis die anstürmenden kapitalistischen Zombiehorden ihn auf seiner "Lichtung eines mitteleuropäischen Mischwalds", "umgeben von Himbeeren und dem Summen von Insekten", dumpf grunzend und genüsslich zerfleischt haben, damit auch er als tumber Zombie wiederkehren und das Zerstörungswerk weiter vorantreiben kann. Oder ist das am Ende gar nicht nötig, da er das ja jetzt bereits tut? ;-)

Rhetorische Fragen müssen nicht beantwortet werden. Ich entferne jetzt noch die letzten Reste der Kakaopampe (oder ist es doch vielleicht verspritzte, ungenutzte Gehirnmasse?) von meinem Monitor und Schreibtisch und freue mich auf die nächste brüllende Humorattacke dieses lustigen Blogs. Wenn die kapitalistischen Kriegstreiber, deren Handlungen jetzt so viel wichtiger sind, mich und die Satiriker von "Jenseits des Intellektes" bis dahin noch nicht ermordet haben, gibt's vielleicht sogar ein Wiedersehen.

Montag, 21. Juli 2014

Song des Tages: My Mind's Eye




(Sirenia: "My Mind's Eye", aus dem Album "Nine Destinies and a Downfall", 2007)

If you were here
I'd whisper sweet nothings in your ear
And appeal to all your fears.
If you were mine (if you were only mine)
I'd bring you so much further down
And twist your mind until the end of time.

You will never realize
What darkness lies inside
Inside my mind

If you are down
I will come to chain you to the ground
And penetrate your mind.
If you are lost (if only you were lost)
I'll be there to break your trust
And ravage all your lust for life, my love.

You will never realize
What darkness lies inside
Inside my mind.



Anmerkung: Wir lauschen hier textbezogen einem der banalsten, seit Jahrhunderten immer wiederholten Gründe, weshalb die Menschheit unentwegt auf demselben steinzeitlichen Entwicklungsstand verharrt und sich standhaft und äußerst erfolgreich weigert, dem schnöden Rachegedanken zu entfliehen und sich statt dessen Höherem zu widmen. Allein: Auch ich kann mich nicht von derlei Emotionen freisprechen, so dass sich allmählich vielleicht doch die Frage stellen muss, ob die Menschheit hier nicht doch in einer evolutionären Sackgasse gelandet ist.

Rachegelüste und vor allem deren Ausleben bringen niemanden voran - ganz im Gegenteil. Und dennoch scheinen diese niederen Emotionen fast unausweichlich, quasi "schicksalhaft" zu sein. Wie ausgeprägt ist es wohl um die menschliche Intelligenz bestellt, wenn wir allenthalben denjenigen, die uns böse mitgespielt haben, ebenso fiese Dinge und oftmals eben noch viel mehr an den Hals wünschen - ohne dass dadurch irgendetwas vom bereits geschehenen und erlittenen Leid gemildert würde?

Ich hasse meine Rachegelüste, wenn ich sie in mir entdecke. Und wieviel Größe steckt in einem ernst gemeinten Ausspruch, der einem Täter - egal auf welcher Ebene - seine Taten vergibt. Kein "Auge um Auge" mehr, oder, wie es der Songtext nahelegt, gar "zwei Augen für eine Auge" - sondern ein "Hör auf, ein menschenfeindliches Arschloch zu sein und werde einfach glücklich". Ohne "Strafe", ohne Rache, ohne böse Gedanken.

Diese Menschheit (wohlgemerkt: einschließlich mir selber) ist davon offenbar noch weiter entfernt als die Sonne vom Zentrum der Galaxie - oder, um vergleichbare Bilder zu bemühen, als die VertreterInnen unserer korrupten, neoiberalen Einheitspartei vom Humanismus. Es wird wohl so weitergehen, auch bis zur millionsten Wiederholung.

Ich wünsche der Merkel und ihren ErfüllungsgehilfInnen in der ganzen Welt von Herzen die Pest und alle vefügbaren begleitenden Krankheiten an den Hals - und wünschte dennoch, ich könnte ihnen ein schönes, zufriedenes, kleines, erfülltes Leben gönnen, wenn sie endlich mit ihrem korrupten Tun aufhörten. Vielleicht schaffe ich das irgendwann ja noch - dann darf ich aber nicht mehr solche Lieder wie dieses von Sirenia anhören.

Freitag, 18. Juli 2014

Zitat des Tages: Wenn man stirbt


Du wirst bald sterben.
Der Regen fällt schon dichter.
Vogelzüge stürzen
Im Zick-Zack in die Leere.
An den Brücken
Sind die Kontrollen verstärkt.
Ins Trommelfell
Werden Signale eingebaut.
Alle Wohnungen
Sind ohne Türen.
Der Regen fällt schon dichter.

Nur die Nacht lässt noch
Auf sich warten,
Sie sucht nach ihrem
Dunkelsten Gewand. -

Du wirst bald sterben.

(Horst Bienek [1930-1990], in: "Traumbuch eines Gefangenen. Prosa und Gedichte", 1957)

Donnerstag, 17. Juli 2014

Das Ende der Zivilisationssimulation


Civilization was pretty great while it lasted, wasn't it? Too bad it's not going to for much longer. According to a new study sponsored by NASA's Goddard Space Flight Center, we only have a few decades left before everything we know and hold dear collapses. / The report, written by applied mathematician Safa Motesharrei of the National Socio-Environmental Synthesis Center along with a team of natural and social scientists, explains that modern civilization is doomed. And there's not just one particular group to blame, but the entire fundamental structure and nature of our society.

(Weiterlesen)

Anmerkung: Ich habe die Studie, die diesem Bericht zugrunde liegt, nicht gelesen - allerdings muss man auch kein Soziologe (oder Mathematiker) sein um zu bemerken, dass sich "unsere Gesellschaft" auf einem äußerst unheilvollen Weg befindet, der schnurstracks in die neuerliche Vollendung der puren Barbarei führt. Die wenigen Informationen, die dem Artikel zu entnehmen sind, lassen darauf schließen, dass auch hier wieder einmal die tatsächlichen Ursachen nicht genannt werden - es reicht eben nicht aus, die stetig zunehmende Spaltung der Menschheit in "reiche Eliten" und "arme Massen" zu kritisieren, wenn nicht gleichzeitig auch Ross und Reiter genannt werden, die eben genau dies systemisch verursachen. Man mag den Autoren unterstellen, dass sie mit dieser Formulierung ("the entire fundamental structure and nature of our society") den Kapitalismus meinen - aber wenn sie ihn nicht beim Namen nennen, sondern wild um ihn herum schwurbeln, nähert sich der Erkenntnisgewinn der RezipientInnen der Nulllinie.

Es ist ohnehin fraglich, ob das, was im "Westen" nach 1945 entstanden ist bzw. einmal mehr wieder neu gestartet wurde, überhaupt die Bezeichnung "Zivilisation" verdient. Ich jedenfalls halte es für abgrundtief unzivilisiert, auf Kosten anderer Menschen zu leben und sich selbst einen stetig steigenden Luxus zu gönnen, der auf dem Elend, der Ausbeutung und dem Tod so vieler anderer Menschen beruht. Wie man überhaupt auf den Gedanken kommen kann, dass ein perverses, inhumanes Prinzip der Konkurrenz und des gegeneinander Agierens zum persönlichen Vorteil und zum Nachteil aller anderen so etwas wie "Zivilisation" sein soll, wird mir zeitlebens ein unlösbares Rätsel bleiben. Ein Haifischbecken ist nicht zivilisiert, der Kapitalismus ist es unfraglich auch nicht.

Ein wenig amüsiert hat mich der Vergleich im Artikel, der illustrierend das "Ende der Maya" oder das "Ende des römischen Reiches" bemüht - so weit müssen wir nun wahrlich nicht in die Vergangenheit blicken, um jüngere Beispiel des immer wiederkehrenden kapitalistischen Endes der Zivilisation bzw. deren Simulation zu sehen. Vielleicht bedeutet das Wort "Zivilisation" aber auch in gewissen Kreisen etwas ganz anderes? Ich werde den Eindruck nicht los, dass im irrsinnigen Neusprech unserer untergehenden, verkommenen Zeit damit doch eher zunehmend Einkaufszentren, tolle Autos, "Smartphones", Kühlschränke und andere Konsumartikel gemeint sein sollen. In einem solchen Sinne ist diese kapitalistische, pervertierte Welt natürlich sehr "zivilisiert" - jedenfalls für eine gewisse "Elite". Eine "Zivilisation für manche", sozusagen.

Ich nenne das Barbarei. Und was die Studie da vorhersagt, hat nichts mit Zivilisation oder ihrem Ende zu tun, sondern mit der Rückkehr der bisher einmal mehr in ferne Regionen ausgelagerten Barbarei in den heimischen Garten - bald dürfen auch die Menschenmassen in Europa und in den USA wieder verstärkt vom perversen, verdorbenen Nektar des Kapitalismus kosten und müssen ihre kleinen Privilegien nach und nach wieder abgeben. Der Zyklus geht einmal mehr in die nächste Runde - beispielsweise in Griechenland, Spanien und Portugal ist die böse Saat gesät und gut gedüngt.

Es ist alles beim Alten und geht den gewohnten Gang in den Untergang.

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Der Krieg, wie ich ihn sah



(Zeichnung von Fritz Arnold [1883-1921], in "Simplicissimus", Heft 50 vom 11.03.1919)

Montag, 14. Juli 2014

Musik des Tages: Mars, the Bringer of War




(Gustav Holst [1874-1934]: "Mars, the Bringer of War", aus der Suite für Orchester "The Planets", Op. 32; The Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, Charles Mackerras)


Anmerkung: Holst hat diese bis heute wegweisende Musik 1914 veröffentlicht und sie demnach in den Monaten und vielleicht Jahren davor komponiert. Ich kann mir keine treffendere, furchtbarere Hymne auf den physikalischen Beginn des kapitalistischen Zerfalls der gesamten "zivilisierten" Welt und die daraus resultierenden Jahrzehnte zweier Weltkriege, die beide für sich genommen jeder auch nur vorstellbaren Enthumanisierung und Gewaltverstärkung schon gedanklich entgleiten, vorstellen.

Hier hat der Komponist, der damals nicht einmal ansatzweise erahnen konnte, welche barbarischen Horrorszenarien in Kürze folgen würden, genau diesen Horror schon im Vorfeld in laute (Miss-)Töne gegossen - und es ist nur eine folgerichtige und noch perversere Entwicklung unserer heutigen abartigen Zeit, dass ausgerechnet diese Musik heute zu einer maßgeblichen Inspiration für die vielen Musikplagiatoren aus der banalen Filmindustrie geworden ist. Was damals bahnbrechende musikalische Kunst war, ist heute in einer endlosen Wiederholungsschleife zur billigen, effektheischenden Untermalung für die meist unkritische, oft sogar befürwortende filmische Darstellung von Gewalt, Kriegen oder bewusst herbeigeführten Katastrophen mutiert. Noch viel tiefer kann die Kunst - und mit ihr der Humanismus - kaum sinken.

Stellen wir uns für einen kurzen Moment doch einmal den glühenden Kriegstreiber Gauck vor, wie er in einem Konzertsaal diesen Tönen andächtig lauscht (oder lauschen muss) - um danach ans Rednerpult zu treten. Aber ich verlange und erwarte offensichtlich viel zu viel von der heutigen Menschheit, die auch ein Gauck ja nicht maßgeblich formt, sondern eher abbildet. Gauck würde nichts verstehen, allenfalls noch Vergleiche zur Filmmusik von "Star Wars" ziehen, und danach weiter pathetisch zum "gerechten", gar "freiheitlich-demokratischen" Krieg gegen "die Bösen" aufrufen.

Die Degeneration dieser tumben Menschen ist nicht nur im vollen Gange, sondern steht kurz vor einem neuen Meilenstein - allerspätestens dann, wenn die Generation, die den Horror der beiden Weltkriege noch miterlebt hat, endlich komplett auf die Friedhöfe verbracht ist, wird das böse Spektakel wieder von vorn losgehen. Und auch diesmal werden es dieselben "seriösen Herrschaften" sein, die wider besseres Wissen lächelnd die Startpistole heben und beherzt abfeuern - wie immer ohne zu wissen, welche neue, bisher nie dagewesene Greuel sie damit lostreten.

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Der Krieg, wie ich ihn sah



(Zeichnung von Fritz Arnold [1883-1921], in "Simplicissimus", Heft 48 vom 25.02.1919)

Samstag, 12. Juli 2014

Kurz vorm "Finale": Das Banditenlager in Berlin füllt sich die Taschen


Bundespräsident Joachim Gauck hat das Gesetz zur umstrittene[n] Diätenerhöhung für Bundestagsabgeordnete unterschrieben. Seine Sprecherin teilte mit, Gauck habe das Gesetz auf eine Übereinstimmung mit dem Grundgesetz "intensiv geprüft". "Im Ergebnis waren die verfassungsrechtlichen Bedenken nicht so durchgreifend, dass sie den Bundespräsidenten an einer Ausfertigung gehindert hätten", erklärte die Sprecherin. (...)

Nach Gaucks Unterschrift können die Diäten nun rückwirkend zum Juli auf 8.667 von 8.252 Euro steigen. Für Januar 2015 ist eine weitere Erhöhung auf 9.082 Euro geplant.

(Weiterlesen)

Anmerkung: Da jubeln nicht nur die Mitläufer und Hinterbänkler im Bundestag (wenn auch nur auf dem stillen Örtchen oder an anderen nicht öffentlichen Plätzen, um ja keine Wähler zu verschrecken): Eine satte Erhöhung der Bezüge um 415 Euro pro Monat und in fünf Monaten gleich nochmal soviel obendrauf, also ab Januar 2015 insgesamt 830 Euro mehr jeden Monat - das ist selbst für die fürstlich versorgten "Volksvertreter" ein hübsches Sümmchen, mit dem sich in Abstimmungen gewiss so manche Stimme trefflich kaufen lässt.

Und auch wenn dieses groteske Mondgehalt von 9.082 Euro monatlich für viele dieser Figuren nur ein Zubrot darstellt, da sie in ihren "eigentlichen" Berufen und/oder durch "Nebentätigkeiten" bereits ein Vielfaches dessen scheffeln, bleiben es trotzdem dieselben schmierigen Gestalten, die gerade eben ein vollkommen durchlöchertes "Mindestlohn"-Gespenst (zur Erinnerung: in Höhe von 8,50 Euro pro Stunde) beschlossen haben und zeitgleich am zwangsverarmenden Hartz-Terror für die Bevölkerung festhalten und diesen sogar noch weiter verschärfen wollen.

Über den Hampelmann Gauck und seine natürlich in fußballvernebelter Zeit kurz vorm "Finale" erfolgte Unterschrift unter dieses abstruse Gesetz möchte ich mich hier gar nicht weiter auslassen - ich denke, jede/r Leser/in besitzt genug Fantasie, um das freiheitsschwadronierende, tattrige Knautschgesicht in die ihm gebührende Kategorie der kapitalhörigen Huren einzuordnen.


Donnerstag, 10. Juli 2014

Gewollte und forcierte Armut in Deutschland und Europa: Logische Folgen des Kapitalismus


(...) Armut und Reichtum sind keine unsozialen Kollateralschäden der Globalisierung, wie man die Menschen glauben machen möchte, sie sind im kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftssystem vielmehr strukturell angelegt. Armut ist gewollt und bewusst erzeugt, weil sie die "Aktivierung", Motivierung und Disziplinierung der Bevölkerungsmehrheit gewährleistet. Die (Angst vor der) Armut sichert den Fortbestand der bestehenden Herrschaftsverhältnisse. Während der Reichtum als Belohnung für "Leistungsträger" dient, gilt die Armut als gerechte Strafe für "Leistungsverweigerer", "Faulenzer" und "Sozialschmarotzer".

Somit bilden Armut und Reichtum zwar ein begriffliches Gegensatzpaar, aber in gewisser Weise auch zwei Seiten derselben Medaille: Wenn etwa Geringverdiener aufgrund der sie hart treffenden Krisenfolgen häufiger ihr Girokonto überziehen und hohe Dispozinsen zahlen müssen, werden die Eigentümer der Banken noch reicher, und wenn noch mehr Familien beim Lebensmittel-Discounter einkaufen müssen, um über die Runden zu kommen, häufen die Eigentümer solcher Discountketten wie Aldi Nord und Süd, die zu den vermögendsten Deutschen gehören, noch mehr Privatvermögen an.

(Weiterlesen)

Anmerkung: Der Autor dieses Artikels, Prof. Christoph Butterwegge, ist Armutsforscher an der FH Köln und wird seit so vielen Jahren nicht müde, immer wieder auf die fatalen Folgen des seit einigen Jahrzehnten wieder einmal verstärkt stattfindenden systembedingten neoliberalen Ausbaus des kapitalistischen Systems hinzuweisen - freilich ohne nennenswerte politische Resonanz. Schließlich weist er ja selbst darauf hin, dass diese konsequente Verarmung und Verelendung breiter Bevölkerungsschichten systemimmanent und politisch gewollt ist - wer also sollte da auch politisch gegensteuern (wollen)?

Die Umverteilung von Arm zu Reich und die vollkommen pervertierte Vermögenskonzentration in den Händen einiger weniger wird also auch weiterhin ungehindert voranschreiten und von den neoliberalen Blockparteien selbstverständlich weiter gefördert werden. Einsichten oder ein Umdenken sind nirgends in Sicht, und so ist es nur eine Frage der Zeit und der Leidensfähigkeit der betroffenen Menschen in Europa, bis einmal mehr entweder die Mistgabeln geschwungen werden und "elitäre" Köpfe rollen - oder ein großer Krieg das Gespenst des drohenden Unheils in ganz andere Bahnen lenkt, die den herrschenden "Eliten" nicht gefährlich werden, sondern sie sogar noch weiter bereichern können. Es gehört nicht allzuviel Fantasie dazu sich auszumalen, welche Variante diese "Herrschaften" wohl bevorzugen werden.

Wer sich ein etwas anschaulicheres Bild von der Armut machen möchte, die in den reichsten Ländern der EU politisch gewollt um sich sich greift, mag sich die unten verlinkte Doku anschauen - dort sehen wir, wohin Merkel, Seehofer, Gabriel, Steinmeier, Göring-Eckardt, Trittin und die Splitter-Partei FDP ganz bewusst steuern. Diese korrupte und bis auf die Knochen verkommene Bande weiß ganz genau, was für eine schändliche Arbeit sie da verrichtet.


Dienstag, 8. Juli 2014

Brüllnummer des Tages: Die "Grüne Jugend" und die Diskriminierung von Geschlechtern


Der gute Fefe hat mich dankenswerter Weise auf dieses herrliche Beitrittsformular der "Grünen Jugend" aufmerksam gemacht, in dem sich - neben allerlei anderen ausufernden Datenerhebungen - die folgende kafkaeske Passage findet:



Die grünen Jugendbewegten begründen diesen Irrsinn mit dieser Stellungnahme - allerdings fällt es mir doch relativ schwer, der dort angebotenen "Argumentation" logisch zu folgen, ohne in heiseres (oder eher hustend-keuchendes) Gelächter auszubrechen. Inwiefern wäre es zu "statistischen Zwecken" denn anders oder schwieriger, den Frauenanteil zu messen, wenn dem an der "Grünen Jugend" interessierten Menschen dort wahlweise auch die böse Option "Mann" und meinetwegen weitere Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung stünden? Auch dem zweiten "Argument" nähme diese schlichte, jedem Dorfdeppen einfallende Variante unverzüglich jedes verfügbare laue Lüftchen aus den allzu großen Segeln.

Auf dermaßen naheliegende Lösungen sind die Jugendbewegten der Grünen aber nicht gekommen, denn es geht hier klar erkennbar um etwas ganz anderes: Auf die zweifellos noch immer ungelösten Ungerechtigkeiten des Patriarchats reagieren diese "Rebellinnen und Rebellen" schlicht mit der Umkehrung der Ungerechtigkeiten - und diskriminieren flugs die andere, diesmal die männliche Seite, offenbar in der irrwitzigen und allzu dämlichen Annahme, damit "etwas mehr Gerechtigkeit" herstellen zu können. Wir lernen einmal mehr: Dümmer geht's immer.

Und während die "Rebellion" sich auf solche hirnschmelzende Nebenschauplätze auslagern lässt, die mit nur ein wenig gutem Willen und etwas Kreativität in kürzester Zeit zu lösen wären, beispielsweise so:

Geschlecht: vollkommen egal!

nimmt die real stattfindende fatale Reise in den kapitalistischen Faschismus stetig an Fahrt auf, und die Initiatoren halten sich einmal mehr die fetten Bäuche vor Lachen über die so gut steuerbaren, immer doofen Linken, die heute nicht einmal mehr zur Rolle der "lästigen Fliegen" taugen, sondern zur unbändigen Lachnummer verkommen sind.

Montag, 7. Juli 2014

Song des Tages: Jelena




(The Gathering: "Jelena", aus dem Album "Souvenirs", 2003)

My friend, she tipped over
Out of childhood into sadness
She's always shining, but nevertheless
Her beautiful heart is drowned in grief

Sugar horse lives inside
Like a friend in need

Far and wide she'll gaze
Upon the flowers bloom
Jaded, her mind in a daze
From the medicine gloom

They leave her with her friend
A force of nature filled with strength

Sugar horse lives inside
Like a friend in need



Anmerkung: Zum Anhören dieses wundervollen akustischen Ergusses sei einmal mehr die totale Dunkelheit und brüllende Lautstärke empfohlen - vielleicht noch verbunden mit der Aufforderung, sich bei diesem Versuch unsere habgierige neoliberale Bande (vielleicht den Feingeist Niebel oder die zarte Merkel?) vorzustellen, wie sie mit der Hilfe von "funny cigarettes" oder anderen Drogen dem Geheimnis dieser zauberhaften Musik vollkommen vergeblich nachzuspüren versucht. Die Ergebnisse solcher Versuche sind jedenfalls weitaus psychedelischer als jede Droge das je verursachen könnte.

Samstag, 5. Juli 2014

Staatliche Verfassungsfeinde: Die Stasi unserer schönen Bananenrepublik


Verbrecherjagd durch Handy-Spionage / Stille SMS, Funkzellenabfrage, WLAN-Catcher - die Polizei in Nordrhein-Westfalen setzt zunehmend auf verdeckte elektronische Ermittlungsmethoden - und vermeldet einzelne Erfolge. Die NRW-Piraten sehen die teure Überwachung allerdings kritisch.

(Weiterlesen, wer starke Nerven hat)

Anmerkung: Ich bin mir keineswegs sicher, ob diese veröffentlichten Zahlen sowie die Arten der durchgeführten polizeilichen Überwachungsmaßnahmen der Wahrheit entsprechen - die Erfahrung der letzten Jahre nötigt hier durchaus zur Skepsis. Es bleibt aber festzuhalten, dass zusätzlich zur sowieso schon stattfindenden, "streng geheimen" Totalüberwachung der Menschen in diesem Land durch in- und ausländische Geheimdienste nun auch noch die Überwachung durch die Polizei kommt. Ganz abgesehen davon, dass diese Praxis durch und durch verfassungsfeindlich ist, stellt sich hier auch die Frage, ob irgendjemand tatsächlich noch daran glaubt, dass Polizei und "Verfassungsschutz" hier wirklich "getrennt ermitteln"? Eine Zusammenarbeit ist bekanntlich aus guten Gründen nicht erlaubt.

Wie gewohnt, berichtet der WDR aber in einer Weise darüber, als handele es sich um das Jubiläum des Taubenzuchtvereins Dortmund-Brakel. Darüber hinaus nennt der Sender als einzigen erwähnswerten Kritikpunkt an dieser Vorgehensweise allen Ernstes finanzielle Gründe - diese Überwachung sei schlicht "zu teuer". Ich fasse es nach wie vor noch immer nicht, wie weit die neoliberale Zerstörung und Deformation bereits um sich gegriffen und längst zur vollkommen pervertierten Normalität - selbstverständlich auch in den "öffentlich-rechtlichen" Medien - geworden ist.

Obwohl ich persönlich mein letztes Handy bereits vor Jahren genussvoll verschrottet habe, gebe ich mich hier keinerlei Illusionen hin: Mein Internetanschluss dürfte längst in mehreren staatlichen Überwachungsdatenbanken registriert sein. Das grundgesetzlich festgeschriebene "Fernmelde-" und "Briefgeheimnis" ist inzwischen zu einer grotesken, lächerlichen Farce verkommen - die staatlichen Schnüffelheinis der bundesdeutschen Stasi drücken sich gegenseitig die Klinke in die Hand und das Grundgesetz in den Anus, wenn es um das permanente Abschnorcheln von BürgerInnen geht. Und wohin derartig mäandernde staatliche Überwachungskrebsgeschwüre unweigerlich führen, dürfte wohl jedem unmittelbar klar sein.

Daraus folgt, dass dies selbstredend auch der neoliberalen Bande klar ist - woraus wir wiederum auf deren tatsächlichen Ziele schließen können. Es gehört nicht sonderlich viel Fantasie dazu, sich auszumalen, wieso diese Bande eine konsequent menschenfeindliche und elitenhörige Politik, eine großangelegte Zwangsverarmung breiter Bevölkerungsschichten und eine parallel vorangetriebene Totalüberwachung aller BürgerInnen betreibt. Umso irrwitziger ist es, dass es weitgehend ruhig im Land bleibt und die Protagonisten dieses furchtbaren Weges in den Faschismus sogar noch von vielen gewählt werden.

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Das versprochene Paradies


"Darum wähle!"

(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 43 vom 21.01.1919)

Donnerstag, 3. Juli 2014

Video des Tages: "Eine Lanze gegen den Sport"




Statt einer Anmerkung: "Dem Sport ist zu aller Zeit und vor allem von allen Regierungen aus gutem Grund immer die größte Bedeutung beigemessen worden: er unterhält und benebelt und verdummt die Massen; und vor allem die Diktatoren wissen, warum sie immer und in jedem Fall für den Sport sind."

(Thomas Bernhard [1931-1989], aus: "Die Ursache. Eine Andeutung", 1975)

Dienstag, 1. Juli 2014

Zitat des Tages: Ein Kubikkilometer genügt


Ein Mathematiker hat behauptet,
dass es allmählich an der Zeit sei,
eine stabile Kiste zu bauen,
die tausend Meter lang, hoch und breit sei.

In diesem einen Kubikkilometer
hätten, schrieb er im wichtigsten Satz,
sämtliche heute lebenden Menschen
(das sind zirka zwei Milliarden) Platz!

Man könnte also die ganze Menschheit
in eine Kiste steigen heißen
und diese, vielleicht in den Kordilleren,
in einen der tiefsten Abgründe schmeißen.

Da lägen wir dann, fast unbemerkbar,
als würfelförmiges Paket.
Und Gras könnte über die Menschheit wachsen.
Und Sand würde daraufgeweht.

Kreischend zögen die Geier Kreise.
Die riesigen Städte stünden leer.
Die Menschheit läg' in den Kordilleren.
Das wüsste dann aber keiner mehr.

(Erich Kästner [1899-1974], in "Doktor Erich Kästners lyrische Hausapotheke", 1936)


Anmerkung: Gut, heute bräuchte man eine etwas größere Kiste, die etwa vier Kubikkilometer Volumen aufweist - davon abesehen hat sich aber seit damals nichts Grundlegendes geändert. Dummheit und Ignoranz sind nach wie vor die tragenden "Säulen" dieser Spezies, und die dafür verantwortlichen "Eliten" sind ebenso habgierig, strunzdämlich und menschenfeindlich wie eh und je. Es ist alles beim Alten.

Samstag, 28. Juni 2014

Song des Tages: This Ship's Going Down




(Voltaire: "This Ship's Going Down", aus dem Album "To The Bottom Of The Sea", 2008)

A gargantuan hole in the bow will the ocean to enter allow.
Oh, but more a sin than letting it in, it's letting our good fortune out.
The nest to the storm did succumb, while the crow hid his fear in the rum.
And the mast, it broke and threw out the bloke and well now he's surely my chum.

Love letters from under his bed, holds the cabin boy over his head
A futile try to keep it dry what tears have already wet.
They were penned by a girl in Merak, and the Javanese value their tact.
She'll conclude he's horribly rude 'cause he's sure as hell not writing back.

'Cause this ship's going down,
All on account of the weather.
Though we'll drown, there's no need to frown
'Cause we're all going together.
And I won't say: "Woe is me"
As I disappear into the sea,
'Cause I'm in good company
As we're all going together.

I've had women of every kind, but the only one truly was mine
Is the one at home who'll be alone when I am full-up with brine.
For my son I had always a plan, for to raise him as best as I can.
Oh well, you can bet, my only regret is to not see him grow to a man.

'Cause this ship's going down,
All on account of the weather.
Though we'll drown, there's no need to frown
'Cause we're all going together.
And I won't say: "Woe is me"
As I disappear into the sea,
'Cause I'm in good company
As we're all going together.

I was sinking down into the brine, when a curious sight caught my eye.
Seaman Shaft had found him a raft and was makin' a speedy goodbye.
At the risk of sounding absurd, I have always been good as my word.
So a fishgig I lanced into his eye and I knocked his ass overboard.

'Cause this ship's going down,
All on account of the weather.
Though we'll drown, there's no need to frown
'Cause we're all going together.
And I won't say: "Woe is me"
As I disappear into the sea ...
Oh, hell!
'Cause you've all been so good to me,
So we're all going together.



Anmerkung: Ich weiß, ich hatte diesen Song schon vor zwei Jahren hier im Blog, aber das ändert nichts daran, dass ich ihn einfach klasse finde und ihn immer wieder gerne höre - ganz besonders dann, wenn wieder einmal offensichtlich wird, dass wir alle gemeinsam in eben jenem besungenen Schiff hocken, das sich unweigerlich auf seinem klar erkennbaren kapitalistischen Weg "to the bottom of the sea" befindet. Es ist dabei nur eine bemerkenswerte, wahrlich nicht ironiefreie Randnotiz, dass es sich ausgerechnet um einen us-amerikanischen Musiker handelt, der sich heute den wunderbaren Namen "Voltaire" gegeben hat.