Samstag, 23. September 2017

Merkel und die legalisierte Korruption


Es ist keine Neuigkeit, dass in Regierungskreisen haufenweise bezahlte Agenten der Kapitalmafia unterwegs sind, um "Abgeordnete" zu bestechen und politische Entscheidungen zugunsten der eigenen Klientel zu forcieren. Beschönigend werden diese zwielichtigen Gesellen "Lobbyisten" genannt. Das ist schon Skandal genug, aber der Kapitalismus wäre nicht das gewinnende System, wenn er nicht auch die Gerichte unter seiner Fuchtel hätte. "Im Namen des Volkes" (*lol*) hat das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg nun geurteilt, dass das Merkelmonstrum seine tiefen Verfilzungen mit der kapitalistischen "Elite" nicht weiter offenlegen muss. n-tv berichtete kurz:

Bundeskanzlerin Angela Merkel muss vor der Bundestagswahl keine Auskunft mehr über mögliche Abendessen mit Lobbyisten geben. Ein entsprechender Eilantrag der Internetplattform abgeordnetenwatch.de scheiterte vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg, das damit die Entscheidung der Vorinstanz kippte.

Wir erfahren daher nicht, mit welchen illustren Gestalten aus der Mafia sich "unsere Mutti" wie oft trifft, denn das muss den Pöbel auch nicht weiter interessieren: Wichtig allein ist schließlich, dass der "Souverän" das Maul hält, nichts weiß und brav CDU, FDP, SPD, Grüne, Linke oder AfD wählt. Nun können die Geschäfte in den finsteren Hinterzimmern weitergehen und das bodenlose Grauen rückt immer näher.

Es bleibt ein nicht erschließbares Rätsel, weshalb in diesem verkommenen Land noch immer keine revolutionären Zustände herrschen und sich so viele VollidiotInnen stattdessen wieder instrumentalisieren lassen, um irgendwelchen Minderheiten die Schuld zuzuweisen, anstatt die wirklich Schuldigen ins Visier zu nehmen. Und während die grenzdebilen Pegida-Deppen auf ihren grölenden Fackelmärschen sind und die nicht minder merkbefreiten Linksparteisoldaten immer noch an Madonna Wagenknecht glauben als sei sie der weibliche Jesus, sitzen Merkel und ihre KumpanInnen aus der Neoliberalen Einheitspartei (NED) mit der "Finanzelite" längst beim luxuriösen Abendessen und planen den Untergang.

Wie man auf den absonderlichen Gedanken kommen kann, einer solche korrupten Verfilzung könne man Herr werden, indem man entweder auf Schwache (Flüchtlinge) einprügelt oder auf eine pseudolinke Blockpartei, die längst im System angekommen ist, setzt, wird wohl das Geheimnis dieser dummen Menschen bleiben. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat jedenfalls eine sehr schöne Zunge, mit der es den Anus der Kapitaleigner zärtlich liebkost.

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"Also nicht wahr, mein Lieber, das Aktenstück verschwindet und Sie bekommen den Posten in meinem Konzern."

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 49 vom 02.03.1925)

Freitag, 22. September 2017

Du bist arm – und ich verdiene daran!


Den Kapitalismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf. Es ist kein Geheimnis, dass die korrupte schwarz-rot-gelb-grüne Politbande alles dafür tut, den Kapitaleignern weitere Profite zu bescheren – egal ob das nun die Privatisierung von Autobahnen, die Schaffung mafiöser und rechtsstaatsfreier "Freihandelsabkommen" oder sonstige Streicheleinheiten für Mafiabosse (die hierzulande gerne als "Reiche" umschmeichelt werden) betrifft: Die Zombiebande will immer noch reicher werden als sie ohnehin schon ist und sucht beständig nach neuen Quellen, um dieses Ziel zu erreichen.

Ein diesbezüglich bislang wenig beachteter "Markt" ist hier der Sozialstaat. Der Geschäftsführer der Hilfsorganisation "Medico International", Thomas Gebauer, hat dazu einen kleinen Text in der Frankfurter Rundschau veröffentlicht, in dem es heißt:

Die Lücke[n], die der sozialpolitische Kahlschlag hinterlässt, machen sich inzwischen auch Kapitalanleger zunutze, die in Bildung, Gesundheit, Jugend- und Altenhilfe sowie andere soziale Belange investieren. Von der Schaffung einer "Sozialbörse" ist bereits die Rede, die privaten Investoren renditeträchtige Anlageoptionen sichern soll. (...) / "Impact investing", so das Zauberwort der Branche, soll soziale "Wirkung" erzielen, zugleich aber auch Gewinne erwirtschaften und mithelfen, ein ramponiertes Image aufzupolieren. (...) Andere drängen sich klammen Kommunen auf und finanzieren Erziehungsbeihilfen, um sich bei Erfolg aus Steuermitteln refinanzieren zu lassen – gewinnmaximiert versteht sich. / Wie absurd der eingeschlagene Weg ist, zeigt England. Denn Rendite versprechen die dort privatisierten Gefängnisse nur bei hoher Auslastung.

Ich wiederhole noch einmal: Den Kapitalismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf. Selbstverständlich ist dieser Weg ein Pfad in den stupiden Irrsinn; selbstredend will niemand auf diesem Planeten – abgesehen von den "oberen 10 Prozent" – ein "kapitalisiertes" Sozialsystem; und natürlich möchte kein denkender Mensch, dass auf Kosten der Schwächsten und Ärmsten Profit für die Ekelbagage der Reichen generiert wird. Trotzdem wird das massiv umgesetzt – und die Polithuren, die das zu verantworten haben, erfreuen sich an ihren Schmiergeldern und geben weiterhin den "seriösen Politiker".

Hier geht gar nichts mehr. Wenn der Kapitalismus nicht schnellstmöglich auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen wird – was ungefähr so wahrscheinlich ist wie die bevorstehende Ankunft eines religiösen Erlösers –, wird das kapitalistische System einmal mehr zu einem stumpfen Faschismus reifen, der das pure Grauen der von der Nazibande vor 80 Jahren verursachten Verbrechen noch weit übertrifft.

Bereitet euch darauf vor – oder bringt euch schnell um. Orwell wies schon damals den Weg, als er schrieb: "Wenn Sie ein Bild von der Zukunft haben wollen, so stellen Sie sich einen Stiefel vor, der auf ein Gesicht tritt. Unaufhörlich." – Diese wunderschöne FDP-Zukunft steht unmittelbar vor unserer Haustüre.

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Arbeiter auf dem Heimweg



(Gemälde von Edvard Munch [1863-1944] aus den Jahren 1913/15, Öl auf Leinwand, Munch-Museum, Oslo, Norwegen)

Donnerstag, 21. September 2017

Zitat des Tages: Holzbeschaffung


Es gab schon immer Leute
mit einem langen Zopfe
und viele tragen heute
erst recht ein Brett vorm Kopfe.

Könnt' man sie nur bewegen,
– so was gelingt bisweilen –
die Bretter abzulegen
und sterweis' zu verteilen,

man bräuchte, – Kinder, Kinder –
mit Brennholz nicht zu geizen
und könnte noch zehn Winter
von diesem Vorrat heizen.

(Walter Bemmer [1913-19??]: "Holzbeschaffung", in: "Der Simpl", Nr. 3 vom Februar 1947)

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Neujahrschoral der Parteien


Liegt's denn am Text, dass es nicht zusammenklingt?

(Zeichnung von Helmut Beyer [1908-1962], in: "Der Simpl", Nr. 16 vom Dezember 1946)

Mittwoch, 20. September 2017

Lapuente wählt die AfD, oder: Manche Menschen sind gleicher


Ein Gastkommentar des Altautonomen zu Lapuentes Erguss "Wie Linke Rechte stärken"

Am 5. September 2017 begann vor dem Landgericht Freiburg der Strafprozess gegen den afghanischen Flüchtling Hussein K., der beschuldigt wird, die 19jährige Studentin Maria L. vergewaltigt und getötet zu haben. Angesichts des großen medialen und öffentlichen Aufsehens ließ sich die organisierte Rechte in Gestalt der "Jungen Alternative Freiburg" – also der Jugendorganisation der AfD, die für Lapuente einfach "die AfD" ist – mit zehn "Frühaufstehern" die Gelegenheit nicht entgehen, vor dem Gerichtsgebäude pauschal gegen Flüchtlinge zu polemisieren. Ihr Transparent hatte die Aufschrift: "Grenzen schützen, Leben retten". Auf Facebook gibt es zwei Videos dazu, in denen der übliche, rechtsradikale Generalverdacht gegenüber "Fremden" verbreitet wird: Hunderttausende potenzielle Gewalttäter seien aufgrund der "offenen Grenzen" ins Land gelassen worden.

Die Gegendemonstration auf der gegenüberliegenden Straßenseite war von der "Jungen Linken" aus Freiburg organisiert, die für Lapuente jedoch in einen Topf mit Antifa, Linksextremisten und Indymedia-AktivistInnen gehören. Diese DemonstrantInnen wollten den Rechten nicht die Straße überlassen und ein Zeichen dafür setzen, dass ein Einzelfall nicht geeignet ist, alle jungen Männer unter den Geflüchteten unter Generalverdacht zu stellen, und dass Gewalt gegen Frauen ein patriarchalisches und kein nationales Problem ist.

Lapuente behauptet, ohne das zu recherchieren oder zu belegen, dass die DemonstrantInnen im "Kielwasser dieses Mordprozesses" in der Öffentlichkeit den Eindruck hinterließen, sie solidarisierten sich mit dem vermeintlichen Täter. Zweimal verwendet er in seiner Verwirrtheit das Wort "verkaufsstrategisch", dessen Bedeutung und Einordnung sich wohl nur ihm selber erschließt. Diese Unterstellung ist Teil seiner steilen These. Dann geht es weiter: "Dabei geht um zentrale Werte, um Sicherheit etwa oder um Gerechtigkeit – zwei Aspekte, die man nicht der AfD überlassen darf."

Das leuchtet ein. Leider meint der Autor aber nicht die Sicherheit der Flüchtlinge vor Brandanschlägen und anderen – auch staatlichen – Übergriffen, sondern die dumpfen Ängste und seltsamen Bedürfnisse der "besorgten Bürger", als deren Anwalt er sich offenbar versteht. Für mich jedenfalls sind zentrale Werte, die auch für lebenslänglich verurteile Mörder gelten, beispielsweise das Recht auf körperliche Unversehrtheit und die unverhandelbare Menschenwürde. Wenn Hussein K. nach Afghanistan abgeschoben würde, das derzeit nicht als ein "sicheres Drittland" gelten kann, auch wenn die Damen und Herren von der CDU/SPD das anders sehen, wäre das sein Todesurteil. Da die Todesstrafe laut Grundgesetz aber abgeschafft ist, gibt es dieses "Abschiebehindernis".

In dem Facebook-Video der "Jungen Alternative" behauptet deren stellvertretender Bundesvorsitzende, Raimond Hoffmann, dass "ein Flüchtling den deutschen Steuerzahler jährlich 60- bis 80.000 Euro kosten" würde, und er lamentiert weiter darüber, was man mit diesem Geld zum Beispiel in Syrien alles an "guten Taten" vollbringen könnte. In dieses verabscheuungswürdige Horn bläst auch Lapuente, der dummdämlich ins Netz blubbert:

Man sollte ferner auch mal fragen, wie man das als gerecht empfinden kann, dass jemand ins Land kommt, mordet und dann womöglich lebenslänglich mit anschließender Sicherheitsverwahrung weggesperrt wird, um so den Steuerzahler für viele Jahre zu belasten. Solche Fragen dürfen nicht den Rechtspopulisten überlassen werden.

Lapuente verzichtet, wie immer in seinen Wegwerftexten, auf Quellenangaben oder Links. Denn dann bräche sein schäbiges Kartenhaus unverzüglich zusammen, denn die GegendemonstrantInnen haben bezüglich des Angeklagten mit keinem Wort Verständnis für die ihm angelastete Tat, Solidarität oder Nachsicht gezeigt. Dokumentiert ist dagegen, dass sie nicht zulassen wollten, dass dieser Strafprozess der rassistischen Verallgemeinerung durch die AfD-Jugend anheim fällt.

Ich habe ein wenig recherchiert zum Thema "Demonstration vor dem Freiburger Landgericht" und konnte weder in den Zeitungsartikeln, noch in den Leserbriefspalten auch nur annähernd den Effekt des Missverständnisses finden, den Lapuente sich mühsam zurechtkonstruiert hat.
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Weitere Quellen zum Thema:

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Anmerkung von Charlie: Ich nehme diesen unsäglichen, geradezu faschistoiden Text Lapuentes zum Anlass, die "Neulandsozialdemokraten", die inzwischen fast ausschließlich aus Lapuentes unerträglichem Geblubber bestehen, aus meiner Blogroll zu entfernen. Für einen solchen menschenfeindlichen Bockmist – sorry, Mr. Wellbrock, Du bist nicht gemeint – möchte und kann ich keine Reklame mehr machen. Lapuente hat es nach "Ad sinistram" nun zum zweiten Male fertiggebracht, mich zum Löschen eines Links zu veranlassen – das muss man erst einmal schaffen.

Mindestens ebenso grausig wie Lapuentes rechtsdrehendes Gefasel sind auch die dortigen Kommentare zu diesem Erguss: Da geben sich die Idioten, die insbesondere den Zeitpunkt des Postings monieren, da es "so kurz vor der Wahl" der Linkspartei schaden könne, und die üblichen Rechtsradikalen die Klinke in die Hand. Es ist zum schreienden Davonlaufen – das sollte wirklich niemand lesen müssen.

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Harlekin und Tod



(Grafik von Konstantin Andrejewitsch Somow [1869-1939] aus dem Jahr 1907, unbekannter Verbleib)

Dienstag, 19. September 2017

Schlips-Borg-Nachrichten aus dem Paralleluniversum des sabbernden Irrsinns (5): Das Paradies


Seit Jahrzehnten verbreitet die kapitalistische Propagandapresse das Märchen, allen Menschen in Deutsch-Kapitalistan gehe es nicht nur gut, sondern – man horche und staune – immer besser. Das Paradies scheint nur wenige Fußschritte entfernt zu sein, wenn man diesen Orwell'schen Berichten folgt. Anfang des Monats war bei n-tv wieder einmal ein solcher Jubelpsalm zu lesen, in dem es hieß:

Große Ausgabebereitschaft / Deutsche strotzen vor Optimismus: Die deutschen Verbraucher schätzen die derzeitige wirtschaftliche Lage sehr gut ein. Dementsprechend locker sitzt das Geld in ihren Portemonnaies. (...) Die deutschen Verbraucher blicken einer Studie zufolge derzeit so optimistisch in die Zukunft wie noch nie.

Das Paradies ist nahe. Die deutsche Bevölkerung war noch niemals zuvor so dicht dran an dem mythischen Land, in dem Milch und Honig fließen und die gebratenen Tauben ohne eigenes Zutun in die Mund fliegen. Die Qualitätspresse hat's geschrieben, also muss das wohl stimmen. Es gibt keine Armut, keine Obdachlosigkeit, keine um sich greifende, materielle Existenzangst in diesem Land – die Hoheiten haben das angesagt, also ist das auch so und wird folgsam ausposaunt.

Da trübt die einen Tag zuvor veröffentlichte Meldung im selben Medium die Heilige Messe nur am Rande, denn nichts ist unwichtiger als alte Nachrichten:

Trotz guter Konjunktur ist das Armutsrisiko in Deutschland nicht gesunken. Besonders betroffen sind Erwerbslose und Alleinerziehende, aber auch Kinder und Heranwachsende sind zunehmend armutsgefährdet. (...) Mittlerweile ist jeder fünfte unter 18-Jährige von Armut bedroht.

Tja. Wie soll die Propaganda damit auch anders umgehen als die Realität schlicht zu ignorieren und stattdessen "alternative Fakten" zu präsentieren? Wenn die Herrschaft sagt, dass es "allen gut" zu gehen habe, dann haben Qualitätsjournalisten das nicht zu hinterfragen: Schließlich weiß das Merkelmonster, dass wir hier allesamt "gut und gerne leben" und dass "Wohlstand für alle" das inzwischen fast erreichte Ziel sei. Und wenn Queen Angela, die sich mit Ausnahme der Kopfbedeckung längst so kleidet und präsentiert wie die originale Queen in England, alles super findet, dann findet das auch die "vierte Gewalt". Armut, staatliche Zwangsverarmung, Obdachlosigkeit und Existenzangst gibt es nicht in Deutschland – und wenn, dann ist das Leid selbst verschuldet. Dafür kann doch die Königin nichts!

Wir leben im Paradies. Besser kann es eigentlich nicht mehr werden – aber wir dürfen dennoch gewiss sein, dass es auch weiterhin Meldungen in den Systemmedien geben wird, die trotz alledem weiterhin stetige Verbesserungen verkünden werden. Wie das sein kann – denn was soll am Paradies noch verbessert werden? –, fragen indes nur schändliche, linksextreme Terroristen, die das Paradies wieder abschaffen wollen. – Die Kapitalisten haben von Orwell gut gelernt und folgen einmal mehr der braunen Tradition.

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Die Zukunft Europas


"Wenn niemand mehr etwas anzuziehen hat, ist das dann das Paradies?"

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 21 vom 18.08.1920)

Montag, 18. September 2017

Qualitätsjournalismus: "Die Partei" und die Propaganda


Gestern war wieder einmal ein wunderbares Beispiel für die "unabhängige Presse", die bekanntlich unabdinglich für die "freiheitlich-demokratische" Welt sei, bei n-tv zu finden. Ein gewisser Benjamin Konietzny, der sich an anderer Stelle selbst als "Kind (*1984) des Ruhrgebiets" beschreibt, das "Geschichte und Politikwissenschaft studiert" und sich zum Journalisten ausgebildet gelassen habe, hat dort einen Kommentar hinterlassen, der so kurz vor der "Wahl" (*lol*) ein beredtes Beispiel für die grenzdebile Verkommenheit dieser Journaille im Endstadium des kapitalistischen Unterganges bietet.

Unter dem vielsagenden Titel "Verachtung für alles: Wahre Demokratiefeinde wählen 'Die Partei'" zieht der Mann dermaßen vom Leder, dass es eine wahre Wucht ist und jedem Leser das vielleicht noch verbliebene Restgehirn aus dem Schädel haut. Ein paar besonders feine Beispiele seiner stumpfsinnigen Wahlpropaganda müssen leider sein. Er schreibt:

Wer diese Partei wählt, ist noch demokratieschädlicher als jeder Nichtwähler. Denn während dieser, frustriert vom immer gleich scheinenden Politikbetrieb, in seiner Passivität gefangen ist, schmeißt der Wähler der Partei "Die Partei" seine Stimme aktiv auf den Müll.

Belege für diese steile These bleibt er freilich schuldig – schließlich ist jede Stimme in diesem System "auf den Müll geschmissen"; dafür fährt er gleich fort und steigert seine Hasstirade:

Denn die fast 25.000 Parteimitglieder werden nichts weiter tun, als das, was sie auch die letzten Jahre getan haben: sich selbst und ihre scheinbare moralische Überlegenheit zu feiern. Frei von irgendwelchen konstruktiven Ansätzen zelebriert diese elitäre Gesellschaft ihre eigene Resignation und perfektioniert seine [sic!] Jovialität, alles, aber auch alles verachten zu dürfen und verpulvert damit obendrein hunderttausende Euro an staatlichen Zuschüssen.

Eigentlich müsste allerspätestens an dieser Stelle das Satirometer schrill anschlagen. Tut die kapitalistische Einheitspartei denn etwas anderes – mit dem kleinen Unterschied, dass die schwarz-rot-grün-gelben Gestalten nicht nur hunderttausende, sondern gleich viele Millionen Euro Steuergelder einstreichen (und damit sinnlos verpulvern)? Welche "konstruktiven Ansätze" zur Verbesserung der in den Faschismus kippenden Lage in diesem Land gibt es denn von Seiten der kapitalistischen Bande? Wer verachtet die Mehrheit der Menschheit und erklärt diesen Krieg gegen die Bevölkerung zur aktuellen, weiterzuführenden Politik, wer fördert elitäre Dünkel und wähnt sich selbst als zur "Elite" zugehörig, wer kriecht Superreichen in den Anus und tritt Armen mit Stahlstiefeln in die Fresse, wer überwacht die gesamte Bevölkerung und arbeitet stringent gegen die Interessen der Mehrheit und für die "Elite", wer lässt Flüchtlinge ertrinken und schiebt Diktaturen Geld zu, um "Flüchtlingslager" zu errichten, und wer stempelt Arbeitslose, Kranke, Alte und Behinderte zu Kriminellen? – Konietzny hat das uralte Prinzip des "Spiegel-Vorhaltens" wohl noch immer nicht kapiert. Deshalb resümiert er – und beweist endgültig, dass er nicht im Ansatz verstanden hat oder ganz bewusst propagiert, was in diesem zerbröselnden System gerade vonstatten geht:

Und dann gibt es "Die Partei", die sich genährt von den Errungenschaften der Wohlstandsgesellschaft zurücklehnt und in ihrer grenzenlosen Arroganz der Welt den Mittelfinger zeigt. Das beweist im Grunde die größte Demokratiefeindlichkeit aller Parteien.

Ich spare mir weitere Kommentare zur Demokratiesimulation und zur Wohlstandsgesellschaft, die unter vielem anderen im Müll wühlende RenterInnen und steigende Obdachlosenzahlen hervorgebracht hat. Eine größere Ehrung kann Satire eigentlich gar nicht erfahren: Sie sagt letztlich exakt dasselbe wie die menschenfeindliche Bande und wird von den Propagandanutten des herrschenden Systems inzwischen trotzdem ernst genommen und damit unfreiwillig geadelt – stets in der Hoffnung, dass der doofe Wähler gar nicht merkt, dass hier nur eine Wiederholung des schauerlichen Gefasels aus CDU-, SPD- und Co-Kreisen schon ausreicht, um das Bestehende ad absurdum zu führen. – Ich befürchte allerdings, dass diese dämliche Strategie tatsächlich aufgehen könnte und der "Durchschnittsdeutsche" allen Ernstes nicht mitbekommt, dass hier mit Atomkanonen auf Witze, die aus den Schloten der Schussvorrichtungen der "etablierten" Parteien rauchen, geschossen wird.

Um die Propaganda des Herrn Konietzny in den richtigen Journaille-Kontext einzuordnen, füge ich hier einmal einen Screenshot aus dem Ressort "Politik" vom gestrigen Tage bei n-tv ein – und das ist, wohlgemerkt, nur ein einziges Medium von vielen an einem einzigen Tag kurz vor dem absurden Wahltheater. Die "freie Presse" sei gebenedeit und schwanzgelutscht.


(Screenshot n-tv vom 17.09.17)

Mir fällt angesichts der vielen Schmerzen dazu nur noch ein Aphorismus von Erich Kästner ein, der in der tiefbraunen "Kakao"-Zeit des Untergangs geschrieben hat:

Was auch immer geschieht:
Nie dürft ihr so tief sinken,
von dem Kakao, durch den man euch zieht,
auch noch zu trinken.

(Erich Kästner [1899-1974], in: "Gesang zwischen den Stühlen. Gedichte", Deutsche Verlags-Anstalt 1932)

Freitag, 15. September 2017

Realitätsflucht (38): Lost Horizon 2


Die heutige Flucht entführt uns ins Jahr 1956, wo wir ganz im Stile von "Indiana Jones" über den halben Globus reisen, um einem alten Artefakt, das die Geschicke der gesamten Menschheit beeinflussen kann, nachzujagen: Es geht um das Adventure-Spiel "Lost Horizon 2" des deutschen Entwicklerstudios Animation Arts aus dem Jahr 2015.



Es handelt sich um ein mehr oder weniger klassisches "Point & Click"-Spiel in einer dreidimensionalen Umgebung, das inhaltlich unmittelbar an den ersten Teil anknüpft – allerdings ist es nicht notwendig, diesen Vorgänger zu kennen, um das Spiel genießen zu können. Gleich vorweg sei angemerkt, dass das Spiel "unfertig" auf den "Markt" gebracht wurde – was, wie gewohnt, sicher rein kapitalistische Ursachen hatte. So ist aus einem Spiel, welches das Potenzial zu einem Highlight birgt, nur ein durchschnittliches, eben unfertiges Werk geworden.

Dabei beginnt die Geschichte gleich mit einem donnernden, dunklen Prolog: Der Spieler übernimmt den Charakter eines jüdischen Wissenschaftlers, der irgendwo in Deutschland im Jahre 1942 seine beiden Kinder vor den ins Haus einbrechenden SS-Schergen beschützen muss. Dieses bedrückende Szenario endet – man ahnt es – natürlich nicht gut. Danach startet die eigentliche Geschichte, in der man den Briten Fenton Paddock auf seiner Suche nach dem besagten Artefakt, die ihn von Europa über Asien und Afrika bis in die Einöde des isländischen Nordens führt, begleitet. Es ist nicht bloß eine Randnotiz, dass er sich dabei auch gleich auf die Suche nach seiner vom KGB entführten Tochter Gwen begibt und von einer ominösen Agentin des israelischen Geheimdienstes Mossad unterstützt wird. Viel mehr möchte ich zur teils hanebüchenen, stets aber spannenden und abwechslungsreichen Geschichte nicht spoilern.

Wie im Adventure-Genre üblich, nehmen auch in "Lost Horizon 2" die Rätsel einen breiten Raum ein. Diese fallen höchst unterschiedlich aus: Es gibt lächerliche Varianten, die selbst eine Hohlbirne aus der AfD mit etwas Glück oder Hilfe lösen könnte; gleichzeitig wird man aber auch mit einigen recht knackigen Aufgabenstellungen konfrontiert, die zudem nicht immer logisch sind – was die Lösungen natürlich nicht einfacher macht. Auch das ist allerdings ein bekanntes Merkmal dieses Spielegenres. Die Entwickler haben dem eventuell aufkommenden Frust aber vorgebeugt, indem sie eine stichwortartige Komplettlösung ins Spiel integriert haben, die man jederzeit per Mausklick aufrufen kann, wenn man an irgendeiner Stelle partout nicht mehr weiterkommt.



Grafisch ist das Spiel auf der Höhe der Zeit – die Schauplätze sind detailreich und atmosphärisch gestaltet: Wenn sich Fenton in einer herrschaftlichen Villa, einer Tempelruine, einer orientalischen Stadt oder im Lenin-Mausoleum in Moskau herumtreibt, sind die Umgebungen stets passend und angemessen. Einzig die Videosequenzen, die es zuhauf im Spiel gibt, geben Anlass zur Kritik, denn sie sehen teilweise so aus als stammten sie aus dem Jahr 2005. Auch einige eigentlich vielversprechende Features des Spieles, wie beispielsweise den im Inventar integrierten "Basteltisch" oder die beispielsweise aus "Amnesia" bekannte direkte Interaktionsmöglichkeit, mit der gedrückten Maustaste Türen oder Behältnisse zu öffnen, sind offenbar dem Zeitdruck zum Opfer gefallen und tauchen entsprechend nur sporadisch am Anfang des Spiels auf.

Auf meinem Win7/64-System läuft das Spiel problemlos und ohne Abstürze. Die vielen Dialoge sind professionell und angemessen vertont, die orchestrale Musik ist passend und unaufdringlich. Leider ist das Abenteuer viel zu kurz – nach nur 12 Stunden lief schon der Abspann. Der Vorgänger war doppelt so lang. Und das größte Ärgernis kommt tatsächlich zum Schluss: Die animierte Schlussszene des Spieles ist dermaßen dilettantisch umgesetzt worden, dass hier die Vermutung naheliegt, die Entwickler könnten das Video in der Nacht vor der Veröffentlichung noch schnell zusammengeschustert haben. Ein derartig zerstörtes Ende einer Geschichte habe ich zuvor noch nicht erlebt.

"Lost Horizon 2" hätte ein richtig gutes Spiel werden können – herausgekommen ist aber ein nur mäßig zu empfehlendes Durchschnittsspiel, das zwar Spaß macht, gleichzeitig aber auch verdeutlicht, dass die bescheuerte Gier nach Profit auch in kreativer Hinsicht stets zerstörerisch ist. Vermutlich sehen die Entwickler das ebenso – es ist sicher kein Zufall, dass dieses Spiel auf deren Internetseite gar nicht erwähnt wird und auch in der Liste der Spiele nicht auftaucht.


Donnerstag, 14. September 2017

12.000 Euro: Und der Eso, der hat Zähne ...


Meine liebsten Esoterikerfreunde von "Jenseits der Realität" werden nicht müde, um Geld zu betteln. Sie tun es mit Inbrunst und hören damit auch nicht wieder auf: Schon vor einem halben Jahr habe ich mich mit diesem unschönen Thema beschäftigt – und seitdem ist die Eso-Seite gleich geblieben.

Aktuell kopiert der Oberesoteriker Faulfuß mal wieder Textbausteine, die er schon mehrere Male zu diesem Zweck verwendet hat – es ist sicher zu aufwändig oder zu schwierig, einfach mal neue Formulierungen für die wiederkehrende Bettelei zu finden. Effizienz ist eben auch in Esoterikstan das oberste Gebot – auf dass die Kohle der blökenden Schafherde sprudele.

Eigentlich könnte ich meinen oben verlinkten Beitrag ebenfalls einfach kopieren und danach schlafen gehen – schließlich hat sich in den vergangenen sechs Monaten nichts verändert. Ich schreibe aber trotzdem lieber einen neuen Text, da ich andere Ansprüche an ein politisches Blog stelle als die Esoteriker. Dabei ist es äußerst amüsant, dass der Oberguru sein realitätsfernes Blog weiterhin und ohne jede Ironie als "Magazin" bezeichnet. Wäre er ein Soldat, könnte ich das noch verstehen – schließlich muss das Magazin immer gut gefüllt sein, wenn die Gesinnungsfreunde in die Schlacht ziehen, um die vielen "Feinde", zu denen unter vielen anderen auch ich gehöre, auszumerzen.

Doch in Faulfußens Text geht es ja in erster Linie um Geld, worum auch sonst. Er möchte nicht 50, nicht 100, nicht 500 und auch keine 1.000 Euro haben – ihm schwebt eine Summe von 12.000 Euro vor dem irren Auge, die er gerne jährlich einsacken möchte. Wofür dieses Geld verwendet werden soll, bleibt natürlich im nebulösen Wabern verborgen – es ändert sich ja nichts daran, dass das Betreiben jenes Blogs schlichtweg gar kein (!) Geld kostet. Trotzdem fabuliert der Mann: Wenn nach Abzug aller ominösen "Kosten" noch etwas übrigbliebe, solle vielleicht auch irgendwann mal ein "Honorar" für AutorInnen gezahlt werden – wobei sich da sofort die Frage stellt, welche AutorInnen damit wohl gemeint sein sollen, da in diesem Katastrophenblog ja fast ausnahmslos Beiträge veröffentlicht bzw. verlinkt werden, die anderswo bereits zuvor erschienen sind.

Das soll 12.000 Euro pro Jahr "im Normalbetrieb" (*glucks*) kosten, meint der Faulfuß – und erntet schallendes Gelächter. Vielleicht sollte ich endlich damit beginnen, mir solche kapitalistischen Ziele auch zu setzen. Mich kostet das Bloggen zwar ebenfalls keinen läppischen Cent, wenn ich die DSL-Gebühren, die ich aber ohnehin hätte, mal ausklammere – aber 12.000 Euro im Jahr könnte auch ich wahrlich gut gebrauchen! Es ist ein wahrer Jammer, dass ich kein Eso-Spinner, sondern bloß ein doofer Kommunist bin.

Ich prostituiere mich aber herzlich gerne und kopiere die Faulfuß'sche Behauptung zur Legitimation dieser habgierigen Aktion deshalb frank und frei:

Mystik, undogmatische Spiritualität, die das Innerste im Menschen berührt, macht die Verbundenheit allen Lebens erfahrbar. Sie erinnert an nicht-materielle Werte und hilft dem Einzelnen, sich durch Selbst-Besinnung destruktiven Zwängen und Manipulationen zu entziehen.

Das tut sehr, sehr weh. An "nicht-materiellen Werten" ist Faulfuß offenkundig gar nicht interessiert – die "sehr-materiellen" Werte sind dagegen wesentlich interessanter. Mir ist übel, das Gehirn schmerzt und ich fühle mich schmutzig. Ich habe die Rechtschreibung, das logische Denken und die kritische Distanz nunmehr verlernt und zusätzlich meinen Intellekt in den nächstbesten Gulli am Marktplatz jenseits der Realität geschmissen – also müsst ihr mir jetzt mindestens 12.000 Euro jährlich spenden! – Ja, wie – niemand hat Bock darauf? Was seid ihr denn bloß für ekelige, unsolidarische Arschlöcher!?! Ihr werdet alle in der Hölle schmoren – das hat sogar Faulfuß bestätigt!

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Bestrafte Ketzerei


"Die glaubten nicht an Darwin."

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 28 vom 12.10.1925)

Der redundante Einwurf (9): Die Jugend und der übergriffige Kanzlerkandidat


Ein Gastbeitrag des Altautonomen

Vorgestern Abend hatte ich, um besser einschlafen zu können, das ZDF eingeschaltet und mir die Sendung "Klartext mit Martin Schulz" ein wenig angesehen. Dort wurde dem Kanzlerkandidaten von der Moderatorin Bettina Schausten die (Originalzitat) "Klasse 12" des Humboldt-Gymnasiums in Neumünster vorgestellt. Tatsächlich handelte es sich um den "Leistungskurs Politik" der Jahrgangsstufe 12. Dabei musste ich meine bislang optimistische Meinung über die heutige Jugend korrigieren: Angepasst und kein bisschen aufmüpfig.

Was mir aber besonders auffiel, war das autoritäre Verhalten des Kandidaten Schulz. Aus den Sozialwissenschaften kenne ich im Bereich der Formen nonverbaler Kommunikation bestimmte körpersprachliche Regeln, die situationsangemessen dem Respekt des Gegenübers geschuldet sind; zum Beispiel die Rededistanz (mindestens 1 Meter). Daneben gibt es die wesentlich größere Aggressionsdistanz und die sehr nahe Intimdistanz bzw. olfaktorische Distanz (bis hin zum oberflächlichen Körperkontakt).

Wie er es zuvor schon bei erwachsenen Gästen praktiziert hatte, setzte Schulz sich direkt neben einen jugendlichen Fragesteller, nachdem ein anderer zwangsläufig seinen Platz für den Kandidaten räumen musste. Vielleicht wollte er damit Bürgernähe und menschlichen Kontakt signalisieren, denn sein Stehpult aus durchsichtigem Acryl stand verlassen mitten in der Arena.

Schulter an Schulter saßen dann Schulz und der Gymnasiast nebeneinander. In zwei Fällen war zu beobachten, dass Schulz sogar kurz seine Hand auf die Schulter des Schülers legte. Ein derartiger Körperkontakt wäre umgekehrt nicht denkbar und dient eigentlich, abgesehen von der Übergriffigkeit, Respektlosigkeit und Dreistigkeit des Herrn Möchtegernkanzlers, nur der sozialen Kontrolle, indem klargestellt wird, wer in der Hierarchie "oben" und wer "unten" steht (ab Minute 30:31 hier zu sehen).

Vielleicht waren die Jugendlichen auch einfach nur überrumpelt. Außerdem wird ihnen von Eltern und Schulpersonal ja permanent eingetrichtert, immer schön höflich zu bleiben, wenn eine "wichtige Person aus der politischen Elite" Platz fordert.

NEU IM DUDEN ab 2018: "Jemanden anschulzen". Worttrennung: "an|schul|zen" = Sich jemandem auf plump-vertrauliche Weise nähern.

Ich resümiere erfreut: Schulz ist bereits politisch tot, er ist nur zu faul zum Umfallen.


Dienstag, 12. September 2017

Song des Tages zum Wahltheater: Füchschen




(Reinhard Mey [*1942]: "Füchschen", aus dem Album "Flaschenpost", 1998; Text nach Goethes Dichtung "Reineke Fuchs", 1830)

Hör, was der alte Reineke dir sagt:
Wenn auch nur der allerkleinste Zweifel an dir nagt,
Füchschen, glaub ihm nicht!

Hey Füchschen, siehst du Isegrimm, den Ehrenmann,
das noble Wams mit dem Designertüchlein dran?
Wie er so erdverbunden scherzt, bemüht, sich anzubiedern.
Wie er so freundlich tut, wie er so volksnah lacht,
wie er auf "Ich bin doch auch einer von Euch!" macht.
Der Isegrimm beginnt mich anzuwidern.
Hat er doch lange schon vergessen, wo und wer wir sind,
vor Geltungssucht zerfressen und vor Machtgier blind,
sieht er sich nur noch selbst, der aufgeblas'ne Gockel.
Der beim Försterball noch eben mit der Wölfin tanzt
und dreist schon hinterm Schuppen mit der Ziege ranzt,
will jetzt mit eit'lem Ehrgeiz auf den Sockel.
Du hast gesehn, wie Isegrimm die Treue bricht.
Und wenn er dir das Blaue vom Himmel verspricht:
Füchschen, glaub ihm nicht!

Hör, was der alte Reineke dir sagt:
Wenn auch nur der allerkleinste Zweifel an dir nagt,
Füchschen, glaub ihm nicht!

Und vor Schwarzkittel, Füchschen, nimm dich ja in acht!
Er heuchelt Demut, doch er schielt nach der Macht,
er täuscht und trügt mit frommen Redensarten.
Er predigt Wasser und trinkt selber Wein
und redet dir Schuld und Sünden ein
und wildert an der Brut im eignen Garten.
Immer salbungsvoll, immer verkorkst und geil,
sorgt sich der schlimme Finger um dein Seelenheil.
Sieh ihn selbstgerecht die teig'gen Hände reiben!
Er will dich eingeschüchtert und verschreckt und brav,
will dich als willenloses, stummes Schaf,
denn nur mit Ahnungslosen kann er's so bunt treiben.
Doch gleichviel ob der schmierige Wicht
dir Fegefeuer oder Paradies verspricht:
Füchschen, glaub ihm nicht!

Hör, was der alte Reineke dir sagt:
Wenn auch nur der allerkleinste Zweifel an dir nagt,
Füchschen, glaub ihm nicht!

Und Füchschen, hüte dich vor der Frau Gieremund!
Nur Gift und Geifer sprudeln aus ihrem Schlund.
Sie unterwirft sich hündisch und aus freien Stücken.
Mit ihrem immer gestrigen Gejaul
redet sie dem Pfaffen nach dem Maul
und fällt den eignen Schwestern in den Rücken.
Und meide klug den Bullenbeißer Rüsteviel,
seine Spießgesellen und sein Narrenspiel.
Wo du die witterst, musst du schlimmes ahnen.
Sie haben nie dem dunklen Bösen abgeschwor'n,
sie ziehen dir das Fell über die Ohr'n
und die alte Losung* steht noch auf ihren Fahnen.
Und wenn da einer von Ehre, Stolz und Pflicht,
von Vaterland und Gehorsam spricht:
Füchschen, glaub ihm nicht!

Hör, was der alte Reineke dir sagt:
Wenn auch nur der allerkleinste Zweifel an dir nagt,
Füchschen, glaub ihm nicht!

Ich bin ein alter Knochen und mein Fell wird grau,
ich kenn die Fallen und die Wolfseisen genau,
kenn die Schrunden und die Beul'n, wenn sie das Fell dir gerben.
Ich kann dich lehr'n, vor der kläffenden Meute zu fliehn,
die Kunst, den Kopf aus der Schlinge zu ziehn,
diesen Schlitz im Ohr, den kann ich dir vererben.
Lehr dich geschmeidig gehn, gegen den Wind,
lehr dich Worte, die wie giftige Köder sind,
dann werd ich lautlos seitwärts im Gebüsch verschwinden.
Dann halt die Augen auf, pass auf wie ein Luchs!
Wasch dich mit allen Wassern, kleiner Fuchs,
du musst allein die eigne Wahrheit finden.
Und wenn dann jemand aus dem Unterholz bricht
und die allein seligmachende Weisheit verspricht:
Füchschen, glaub ihm nicht!

Hör, was der alte Reineke dir sagt:
Wenn auch nur der allerkleinste Zweifel an dir nagt,
Füchschen, glaub mir nicht!

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*: In der Waidmannsprache: Kot

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(Zeichnung von Wilhelm von Kaulbach [1805-1874] zu Goethes "Reineke Fuchs", um 1840)

Montag, 11. September 2017

Bildung: Wer "Elite" sagt, meint Faschismus


Nun hat sich auch der geschätzte Stefan Gärtner aus seinem Sommerurlaub in Dänemark zurückgemeldet und gleich mal – passend zum "Aufstieg der Begabten" – einen wunderbaren Text zur haareraufenden Bildungssituation in Deutschland abgeliefert, den ich in weiten Teilen nur wärmstens empfehlen kann. Er schließt mit den wohlfeilen Worten:

Ein mir nahestehender Verwandter berichtet von einem dieser Elternabende, die man lieber in Dänemark hätte: "Die Leistungen der hessischen Grundschulen werden verglichen. Damit man nicht die Bad Homburger Privatschule mit einer im Frankfurter Gallusviertel vergleicht, werden die Schulen kategorisiert, nach Lehrer-Schüler-Schlüssel etwa oder nach dem Bildungsgrad der Eltern. Wie denn dieser gemessen werde? Man lässt die Kinder malen, wie viele Bücherregale es zuhause gibt, je mehr, desto gebildeter."

Zauberhaft; als würden die Mittelschichtsregale (feat. Fitzek, Zeh und Rita Falk) nicht immer kleiner und werde nicht längst sehr viel mehr Zeit mit Netflix und Thomas Müller als mit Nietzsche und Thomas Mann verbracht. Aber was ein kulturelles, (im Doppelsinn) symbolisches Kapital ist, das sollen auch die Kleinen gleich lernen, und wer hat, der hat und messe sich nicht mit Habenichtsen, denn wozu sollte das gut sein, wenn nicht zu irgendwelchen Umverteilereien? Sollen sich die Restschulen für Regalferne ruhig untereinander vergleichen, das ist eh eine eigene Welt; derweil schauen wir, wer die meisten Fremdsprachen hat, denn nach oben ist wieder Luft: "Heute ist Lukas 16, er spricht Französisch, Englisch, Russisch, Spanisch und Chinesisch und peilt das deutsch-französische Abitur Abibac an" (SZ). Das ist, ganz ohne Ironie, schön für ihn, und mit der gewissen Grundhomogenität hat es das Milieu nun mal.

Solange die das Milieu nicht verlässt.

Das trifft – wie so oft – mitten ins Schwarze und entlarvt den gesamten "Eliten"-Karneval, der in diesem verkommenen Land in Sachen Bildungsmythos seit langem eine üble Schimmelpilzblüte nach der anderen treibt und immer weiter ins Absurde getrieben wird, als menschenfeindlichen Unfug. Man lese sich das sehr aufmerksam durch.

Dennoch muss auch hier Kritik erlaubt sein. Ich kann jedenfalls in keiner Weise verstehen, weshalb Gärtner das "dänische Modell" für Kleinkinder über den Klee lobt. Ist es denn wirklich erstrebenswert, wenn "neunzig Prozent der Kinder [zwischen einem und drei Jahren] eine vuggestue, die Kinderkrippe" besuchen? Was ist denn dagegen einzuwenden, wenn Kinder im Vorschulalter ein ganz "normales Familienleben" zuhause erleben und nicht bereits in diesem zarten Alter, in dem freundschaftliche Bindungen zu anderen Kindern oder Erwachsenen oder ähnliche pädagogisch erstrebenswerte Ziele noch gar nicht vorstellbar sind, in irgendwelchen Einrichtungen verwahrt und stattdessen auf das kapitalistische Haifischbecken vorbereitet bzw. schlicht dafür abgerichtet werden? Der einzige und offensichtliche Grund, der mir einfällt, weshalb die kapitalistische Bande so sehr an einer umfassenden "Kita-Betreuung" – möglichst schon ab dem Kleinkindalter – interessiert ist, besteht darin, dass beide Elternteile sofort nach der Geburt eines Kindes wieder der Ausbeutungsmaschinerie zur Mehrung der Profite der Kapitaleigner zur Verfügung stehen sollen, anstatt sich um ihre Blagen zu kümmern. Mit dem Kindeswohl hat das ganz gewiss nichts zu tun. Einen Grund, weshalb Gärtner das nicht ebenfalls scharf kritisiert, suche ich indes – nicht bloß in seinem Text – vergebens.

Letzten Endes ist das nichts anderes als die zeitgemäße Adaption des neofeudalen Konzeptes – bestens bekannt aus so illustren bzw. verkommenen Kreisen wie beispielsweise dem kaltherzigen, sich stets um ihre Kinder kümmernden Haus von der Leyen. Es gibt da nur den kleinen Unterschied, dass der gemeine Pöbel, zu dem selbstredend auch die sich, aus welchen Gründen auch immer, "elitär" wähnende Mittelschicht bzw. das "Bürgertum" gehört, heute natürlich keinerlei Einfluss mehr darauf hat, welche Ideale und Ideen den Kindern und Jugendlichen dort nahegebracht werden: Wenn eine Kita, eine Schule, ein Internat oder eine Uni viel Geld kostet, ist das für solche Leute schon ein ausreichender Beleg für die Qualität der Einrichtung. Wie dämlich das ist, fällt wohl nur den allerwenigsten auf – und auch das erst dann, wenn es längst zu spät ist.

Es ist schlimm genug, dass man in Kapitalistan seinen Kindern den Besuch der staatlich erzwungenen Schule und die damit verbundenen geistigen, emotionalen und sozialen Deformierungen nicht ersparen kann – zumindest in den wenigen Jahren davor sollte man sie diesem Terror aber doch bitte tunlichst nicht aussetzen. Was habe ich mir vor Jahren die Gosche fusselig geredet und dies und das und jenes getan, um meinen Töchtern den Weg zu einem sozialen Denken und solidarischen Leben zu ebnen. Die Erfolge sind zwar mäßig, aber beileibe auch nicht unsichtbar.

Ich lehne mich jetzt mal – ganz gegen den perversen Zeitgeist – weit aus dem Fenster und behaupte: Wer seine Kinder schon ab dem ersten, zweiten oder dritten Lebensjahr "fremdbetreuen" lassen möchte, ist ein ausgemachtes Arschloch, sofern keine anderen als "berufliche" Gründe genannt werden. Und wer seinem Kind den Kaputtalismus lehrt und ihm Egoismus (also Konkurrenz) einimpft, anstatt es humanistisch zu betreuen, sollte sich doch lieber einen devoten Köter zur Befriedigung seiner Krankheit zulegen.

Wer von "Elite" spricht, ist sich auch stets des "minderwertigen Lebens" sicher. Und das ist – wir wissen es alle und dennoch nennt es kaum jemand so – stumpfer Faschismus.

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Wölfe und Menschen

Eines Nachts, kurz nach zwölfe
(wo ist einerlei)
begegneten sich im Wald zwei Wölfe;
sie gingen still aneinander vorbei
und jeder dachte für sich:
Ein Wolf wie ich.

In derselben Nacht,
einerlei wo,
ging es zwei Menschen ebenso.
Kaum war der eine am andern vorbei,
hat jeder gedacht,
dass der andre ein Dieb oder Mörder sei.

Mir soll keiner mehr auf die Wölfe schelten:
sie lassen einander doch als Wölfe gelten.

(Rolf Mayr [1899-1961], in: "Der Simpl", Nr. 1 vom Januar 1947)

Samstag, 9. September 2017

Der Wahl-o-mat: Ein Angebot der AfD


Ein Gastbeitrag des Altautonomen

Die Bundeszentrale für politische Bildung ist Herausgeberin des als Informationsangebot und Entscheidungshilfe bezeichneten Fragenkatalogs des "Wahl-o-maten". Einige Fragen sind darunter, die fernab jeglicher Information schlichte AfD-Propaganda darstellen. Als Reaktion darf die so examinierte Testperson innerhalb eines engen Entscheidungskorsetts wählen zwischen "stimme zu", "neutral" und "stimme nicht zu".

Eine Auswahl:

1/38: Bundeswehr im Inneren
Bei der Terrorismusbekämpfung soll die Bundeswehr im Inland eingesetzt werden dürfen.

Mit dieser inneren Militarisierung wird nicht nur gegen das Grundgesetz verstoßen, sondern gleichzeitig werden die Bürger an die Terrorismusbekämpfung gegen die Bevölkerung gewöhnt. Die schwarz-gelbe Koalition hatte dies im Jahr 2009 in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben. Leider hat das Bundesverfassungsgericht mit Urteil vom 4.7.2012 den Einsatz der Bundeswehr im Inland unter bestimmten Bedingungen nicht gänzlich ausgeschlossen.

3/38: Obergrenze für Asylsuchende
Für die Aufnahme von neuen Asylsuchenden soll eine jährliche Obergrenze gelten.

Und der Rest ersäuft im Mittelmeer, während Herr Seehofer mit Frau Merkel und Herrn Gabriel ein Bier trinkt und bajuwarischen Spaß hat.

13/38: Kindergeld für Deutsche
Kindergeld soll nur an deutsche Familien ausgezahlt werden.

Ein AfD-Klassiker in Sachen Menschenfeindlichkeit.

17/38: Erinnerungskultur
Der Völkermord an den europäischen Juden soll weiterhin zentraler Bestandteil der deutschen Erinnerungskultur sein.

Hier zitiere ich Leo Fischer, der im "Neuen Deutschland" schrieb: "So ist über den Umweg der sogenannten politischen Bildung letztlich gelungen, woran rechtsextreme Parteien seit Jahrzehnten scheitern: die Schlussstrichdebatte auf das Niveau eines Sportpalastentscheids herunterzubrechen. Man mag sich gar nicht ausmalen, wie viele in der Anonymität des Internets hier ihrem antisemitischen Ressentiment freien Lauf lassen."

24/38: Nationale Währung
Deutschland soll zu einer nationalen Währung zurückkehren.

Diese Forderung könnte direkt von Gauland und seinen SpießgesellInnen erfunden und diktiert worden sein.

27/38: Verurteilung von Kindern unter 14 Jahren
Für begangene Straftaten sollen auch Kinder unter 14 Jahren verurteilt werden können.

Jawoll! Kriminelle Rotzgören gehören hinter Gitter. Ohne Bewährung.

29/38: Projekte gegen Rechtsextremismus
Der Bund soll weiterhin Projekte gegen Rechtsextremismus fördern.

Der Kampf gegen Rechts wird hier zur Disposition gestellt.

34/38: Leistungskürzungen für Flüchtlinge
Anerkannten Flüchtlingen, die sich Integrationsmaßnahmen verweigern, sollen die Leistungen gekürzt werden können.

Wie sagte schon der berühmte sozialdemokratische Philosoph Müntefering: "Wer nicht integrationswillig ist, soll auch nicht essen."

Was mich weniger wundert, ist die Tatsache, dass ausgerechnet mal wieder so jemand wie Lapuente von den "Sozialdemokratenrebellen" auf das System des Wahl-o-maten hereinfällt und mit seinem gruseligen Hofstaat über die persönlichen Ergebnisse wie über das Jahreshoroskop diskutiert, ohne dieses Instrument in Grund und Boden zu kritisieren. Als Kinder sagten wir immer:

DBDDHKPUKKU ("Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen und keine kalten Umschläge").

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Anmerkung von Charlie: Es bleibt noch die Frage offen, wie weit nach rechts die Journaille, die Politik und die Gesellschaft noch rücken können, bis das "TILT!"-Zeichen erscheint. Weit entfernt ist dieser Zustand sichtlich nicht mehr. Aber auch dann wird der braune Reigen munter weitergehen, darauf verwette ich meinen noch immer knackigen Arsch ...

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Aufstieg der Begabten


"Man sollte ihnen die Regierungsbildung nicht verweigern – irgend 'ne Bildung muss der Mensch schließlich haben!"

(Zeichnung von Olaf Gulbransson [1873-1958], in "Simplicissimus", Heft 28 vom 06.10.1930)

Freitag, 8. September 2017

Schöne neue Welt, Beispiel 759: Die Strahlenkanone


Ich bin ja ein bekennender und enthusiastischer Science-Fiction-Fan, der liebend gerne gute SF-Bücher liest oder SF-Filme schaut und sich auch ansonsten sehr gerne mit Zukunftsszenarien befasst. Schlimm wird es aber – natürlich nicht überraschend – stets dann, wenn SF-Szenarien in den realen, kapitalistischen Untergang Einzug halten. Die – stets dystopischen – Beispiele dafür sind inzwischen schon so mannigfaltig, dass ich sie hier nicht alle auflisten kann: Staatliche Überwachungsorgien, Mikrowellenwaffen gegen DemonstrantInnen oder flächendeckende DNA-Datenbanken, um nur drei völlig willkürliche Beispiele zu nennen, sind heute keine Science Fiction oder Verschwörungstheorien mehr, sondern bereits Realität oder zur solchen in naher Zukunft auserkoren.

In diesen finsteren Reigen reiht sich nun die sagenumwobene "Strahlenkanone" aus den Anfängen der SF ein. Bei Zeit Online war kürzlich zu lesen:

Aufgrund der jüngsten Attacken in Barcelona und Cambrils rückt daher eine neue Technik in den Fokus der Sicherheitskräfte: eine Strahlenpistole, mit der elektromagnetische Impulse und Hochleistungs-Mikrowellen abgefeuert werden können. Trifft die Strahlung ein Auto, versagt dessen Elektronik – der Motor bleibt abrupt stehen und lässt sich auch nicht wieder starten, solange der Strahlenbeschuss andauert. / Was nach einer futuristischen Waffe klingt, hat die EU-Kommission in den vergangenen Jahren mit zwei Forschungsprojekten vorangetrieben.


(Die "Strahlenkanone" von Captain Proton, aus der Holodeck-Episode "Bride of Chaotica" der Serie "Star Trek: Voyager", 1999; basierend auf den amerikanischen SF-Filmen aus den 1940er Jahren.)

Eigentlich lohnt sich die Lektüre dieses gruseligen Textes nicht, denn dort wird lediglich blödsinnige Propaganda betrieben, aber keine sinnvolle Information geliefert. Es liegt auf der Hand, dass sich mit einer solchen Technik kein einziger Terroranschlag verhindern ließe – es sei denn, man installierte diese "Kanonen" flächendeckend und könnte sie im "Notfall" innerhalb von wenigen Sekunden aktivieren. Dieses Szenario ist indes so utopisch bzw. albern, dass es selbst in der Science Fiction meines Wissens noch nicht angedacht wurde. Die eigentliche Anwendungspraxis soll also wohl eine ganz andere sein, für die der Terrorwahn wie so oft nur als dümmliche Scheinbegründung herhalten muss.

Welche das sein könnten, lässt sich leicht vermuten – schließlich ist es kein Geheimnis, dass die kapitalistische Welt seit Jahren eine immense militärische Aufrüstung betreibt, die insbesondere erwartete "soziale Unruhen" ins Visier nimmt. Da ließen sich Bullenpanzer, die mit einer solchen Waffe ausgerüstet sind, doch sehr gut einsetzen. Auch gegen jede andere Art von Elektronik – seien es nun Dumpfphones, Computer, Laptops oder was auch immer – ließe sich das herrschaftliche Spielzeug zur elektronischen Abschaltung aus der Ferne sehr wirkungsvoll benutzen.

Dabei ist aus propagandistischer, also streng kapitalistischer Sicht weniger wichtig, welche eventuellen Auswirkungen die Strahlen auf Menschen – auch auf "Unbeteiligte" (als sei dieser alberne Hinweis von Belang für die Schlips-Borg) – haben könnten. Im Text heißt es dazu lapidar:

Die Ergebnisse zeigen, dass von der Strahlung wahrscheinlich keine Gefahr ausgeht.

Na, dann ist doch alles gut und die Strahlenkanone kann kommen: Hier gibt es schließlich einen totalitären Überwachungsstaat aufzubauen, wodurch Konzerne nebenbei ordentlich Profite generieren sollen. Bullshit-Technologie wie diese, die keinen sinnvollen, dafür aber einen äußerst repressiven und zudem propagandistischen Zweck erfüllt, ist das perfekte Beispiel für die Denkweise der korrupten Bande. Was schert diese Leute denn auch das Wohlergehen der Menschen, die sie stattdessen konsequent verarmen – hier geht es, wie immer, nur um Geld, um Macht und um Kontrolle für eine kleine selbsternannte "Elite" – und die Maximierung von alledem. – "1984" oder das schöner-schlimmere "Brave New World" waren einmal Science Fiction, sind es heute aber längst nicht mehr.

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Orgelmann



(Gemälde von Felix Nussbaum [1904-1944] aus dem Jahr 1943, Öl auf Leinwand, Felix-Nussbaum-Haus, Osnabrück.)

Mittwoch, 6. September 2017

Rassistischer Hass und semi-religiöse Selbsterhöhung: Der "bürgerliche" Nazi


In der Frankfurter Rundschau war vor kurzem ein Beitrag zu lesen, in dem die Autorin Katja Thorwarth sich einiger widerlicher Kommentare annahm, die LeserInnen zum Thema "Rettung von Ertrinkenden im Mittelmeer" hinterlassen hatten. Zunächst umreißt sie die Ausgangslage:

Was wurden öffentlichkeitswirksame Krokodilstränen vergossen, als in der Nacht zum 19. April 2015 etwa 500 Flüchtlinge im Mittelmeer ertranken. Selbst Innenminister Thomas de Maizière fand die Seenotrettung "erheblich" verbesserungswürdig. "Wir sind es uns insgesamt selbst schuldig, dass wir hier mehr tun", lehnte sich gar Chefin Angela Merkel aus dem Fenster. / Wie mittlerweile bekannt, viel zu weit. Denn was die EU bis dato verweigert, hatten bis vor kurzem noch NGOs wie Sea-Eye übernommen: das Massensterben im Mittelmeer einzudämmen. Und obwohl Sigmar Gabriel sich von den "KZ-ähnlichen Zuständen" (Auswärtiges Amt) in libyschen Flüchtlingslagern ein Bild machen konnte, ist der Berliner Politapparat nach wie vor einzig daran interessiert, die personifizierte Armut gefälligst dort zu belassen, wo sie hingehört – auf dass sie niemandem das Abendbrot verhagelt.

Das sind sehr deutliche, viel zu selten geäußerte Worte zu diesem Themenkomplex, vor denen ich demütig meinen Hut ziehe. Was danach allerdings an Beispielen aus dem Kommentariat genannt wird, zerfetzt mir eben jene Hutschnur rückstandslos: Ich möchte nichts davon hier wiederholen, lest Euch das drüben bei der FR durch. Was sind das bloß für widerwärtige Gestalten, die einen solchen rassistischen, menschenfeindlichen Nazi-Dreck in die Welt koten und das allen Ernstes für eine "legitime Meinung" halten? Sind die alle irre oder einfach so dumm, dass jede halbtote Mücke es intellektuell mit ihnen aufnähme? Ich glaube das nicht und komme somit zu dem Schluss, dass es schlichtweg dumpfe FaschistInnen sind, die ganz bewusst elitäres Denken hegen und sich selbst für (weitaus!) wertvoller halten als andere Menschen. Damit sind sie de facto nicht mehr zu unterscheiden von den vielen braunen Arschlöchern unter unseren Vorfahren, die willig und enthusiastisch "dem Führer gefolgt" sind und die größte humanistische Katastrophe angerichtet haben, zu der Menschen auf diesem Planeten – bislang – jemals fähig waren.

Ich bin allerdings sicher, dass die degenerierte Bande diesen "Rekord" im nächsten, sich längst ankündigenden Versuch noch toppen kann. Sie ist auf dem besten übelsten Wege dorthin.

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Flüchtlinge



(Gemälde von Abdalla Al Omari [*1986] aus dem Jahr 2016, das unter anderem Merkel, Putin und Obama als Flüchtlinge zeigt. Mehr Infos dazu.)

Montag, 4. September 2017

Das "TV-Duell": Wenn fiese Revolverhelden aufeinander schießen


Auf Seite 37 der heute in der Reichshauptstadt Bonn erscheinenden Tageszeitung "Das Narrenschiff" – direkt zwischen einer Empfehlung für den besten Hundefriseur für schwule Pudel und einem Party-Rezept für die "zeitgemäßeste Bowle" namens "Das gänzliche, reuelose Vergessen" – findet sich die folgende kurze Notiz des rasenden Reporters Charlie Charlieson, die er vermutlich direkt vom Ort des Grauens, der nationalen Messe für Schlafanzüge, Nachthemden und pharmazeutische Ergänzungsnahrungsmittel in der brandenburgischen Provinz "Berlin", an die Redaktion geschickt hat:

Am Sonntag taten zwei schaurige, zombieeske, jederzeit austauschbare Gestalten der kapitalistischen Einheitspartei so, als stritten sie miteinander, obwohl beide Blöcke (oder waren es Böcke?) dasselbe wollen. Ich empfehle zum Schlafengehen dann doch lieber ein großes Glas mit heißer Milch, in das man einen deftigen Liter billigen Fusels von Herrn Albrecht ("Aldi"; sehr reich), Herrn Schwarz ("Lidl"; noch reicher), Herrn von und zu Guttenberg ("Hirnfäule", am ekeligsten) oder ein beliebiges Dokument der AfD ("Mein Führer!", doch noch ekeliger) schütte.

Tippfehler wurden für diese Online-Meldung korrigiert. Charlieson hat den national mit anhaltender Schlafsucht erwarteten Showdown des "12 Uhr nachts"-Dramas der beiden Gesinnungsgenossen Cherkel und Mulz gar nicht verfolgt, sondern befand sich zu diesem Zeitpunkt längst im Delirium und träumte von einem beherzten Eingreifen Darth Vaders, einem dunklen Sinfoniekonzert und einer verflossenen Jugendliebe.

Unbestätigten Berichten zufolge soll Charlieson um 20:15 Uhr, als die bleierne Nocturne begann, noch Wortfetzen wie "Auferstanden aus Ruinen ..." und "Peitsche und quäle mich, Angie" gelallt haben. Es ist dennoch nicht auszuschließen, dass der Reporter tatsächlich den Bezug zur Realität verloren hat und die beiden Scheinkontrahenten am Ende wirklich für ernsthafte Vertreter verschiedener politischer Strömungen gehalten hat. Der Verlag trennte sich noch am Abend wortkarg von dem zwielichtigen Gesellen.

Derweil steht das Ergebnis des "Duells" von der Schlafanzugsmesse fest, ohne dass auch der Praktikant, der diesen Bericht verfasste, es verfolgt hat (die "Lindenstraße" war einfach spannender): Der Kapitalismus, wer denn auch sonst, siegt – es ist ja auch niemand sonst angetreten. Lol. Täterää! Und die deutsche Fußballdeppenbevölkerung grölt trotzdem weiter wie von Sinnen im stumpfsinnigen Chor:

He-ho-hey-ho!
Wir sind asozial!
Wir sind dumm!
Wir finden Eliten geil!

He-ho-hey-ho!
Wir sind völkisch!
Wir schlafen!
Wir schicken Fremde ins KZ!

He-ho-hey-ho!
Wir merken nicht,
dass wir uns ins Knie ficken
und verarscht werden!

He-ho-hey-ho!
Wir merken nichts!
Wir merken nichts!
Wir merken nichts!

Wir sind Elite!
He-ho-hey-ho!

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Unterwegs


"Emil, die Politik ist zum ---" — "--- Wem sagste das, Otto?!"

(Zeichnung von Henry [Henri] Bing [1888-1965], in "Simplicissimus", Heft 42 vom 12.01.1925)

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Anmerkung des Verlages: Der durch besorgniserregende Terrorgedanken infiltrierte Praktikant wurde ebenso wie Herr Charlieson inzwischen entfernt. Die Misere ermittelt. Wir bitten den Zwischenfall zu entschuldigen und setzen unsere Qualitätsberichterstattung fort. Und nun das Wetter.