Samstag, 30. April 2016

Song des Tages: Streets of London




(Ralph McTell: "Streets of London", Single, 1973)

Have you seen the old man in the closed down market,
Kicking up the papers with his worn out shoes?
In his eyes you see no pride, hand held loosely at his side,
Yesterday's paper telling yesterday's news.

So how can you tell me you're lonely
And say for you that the sun don't shine?
Let me take you by the hand and lead you through the streets of London,
I'll show you something to make you change your mind.

Have you seen the old girl who walks the streets of London,
Dirt in her hair and her clothes in rags?
She's no time for talking, she just keeps right on walking,
Carrying her home in two carrier bags.

So how can you tell me, you're lonely ...

In the all night café at quarter past eleven
Same old man sitting there on his own.
Looking at the world over the rim of his teacup,
Each tea lasts an hour and he wanders home alone.

So how can you tell me, you're lonely ...

Have you seen the old man outside the seamen's mission,
memory fading with the medal ribbons that he wears?
In our winter city the rain cries a little pity
for one more forgotten hero and a world that doesn't care.

So how can you tell me, you're lonely ...

---

Anmerkung: Dieser Song gehört zu den meistgecoverten Liedern der frühen siebziger Jahre (Blackmore's Night, Sinead O'Connor, Sex Pistols u.v.a.). Die thematisch zugrundeliegende gesellschaftliche Perversion hat sich in den über 40 Jahren seit der Erstveröffentlichung indes nicht etwa verbessert, sondern kontinuierlich verschärft - heute gehören bittere Armut, Vereinsamung und Obdachlosigkeit wie selbstverständlich zu unserer tollen, reichen, kapitalistischen Glitzerwelt. Gerade in Bezug auf Obdachlose ist man - sowohl staatlicherseits, als auch im individuellen Umfeld - längst dazu übergegangen, nicht mehr das Problem der totalen Verarmung, sondern stattdessen die in die Obdachlosigkeit gedrängten Menschen zu bekämpfen. In diversen Metropolen der kapitalistischen Hölle trifft man seit geraumer Zeit "Maßnahmen", um die "störenden Elemente" aus dem Straßenbild zu entfernen:

In London wurde die Nische neben einem Hauseingang mit dicken Metallspitzen versehen. Das sollte Obdachlose davon abhalten, Schutz zu suchen. (...) Aus allen Ecken der Welt tauchen nun Fotos auf. Hier gestachelte Hydranten und Blumentöpfe in New York, da spitze Steine unter Brücken in Kapstadt. (...) Deswegen wird auch in Deutschland Geld in Maßnahmen statt in Hilfe investiert. Es werden Zäune unter Brücken errichtet und Bänke mit Kanten, Lehnen und Rundungen versehen. Es wird das Ordnungsamt gerufen, wenn ein Obdachloser sein Geschäft in einem Park verrichtet. Bahnhöfe werden mit klassischer Musik in Endlosschleife beschallt und Einfahrten nachts mit Wasser besprenkelt.

Gibt es tatsächlich vereinzelt Menschen, die in einer solchen widerwärtigen Höllenwelt leben möchten - oder besitzt dieses furchtbare System längst eine Eigendynamik, die es dem Bewohner des schmucken Reihenhauses, dem Kommunalpolitiker oder dem hirnlos durch Fußgängerzonen schleichenden Konsumzombie gar nicht mehr ermöglicht, anders als zutiefst menschenfeindlich und pervers auf solche Probleme zu reagieren? - So weit ist die Degeneration des kapitalistisch deformierten Menschen hoffentlich noch nicht fortgeschritten - sonderlich weit entfernt ist sie aber wohl auch nicht mehr.


Zitat des Tages: Reklame


Wohin aber gehen wir
ohne sorge sei ohne sorge
wenn es dunkel und wenn es kalt wird
sei ohne sorge
aber
mit musik
was sollen wir tun
heiter und mit musik
und denken
heiter
angesichts eines Endes
mit musik
und wohin tragen wir
am besten
unsre Fragen und den Schauer aller Jahre
in die Traumwäscherei ohne sorge sei ohne sorge
was aber geschieht
am besten
wenn Totenstille

eintritt

(Ingeborg Bachmann [1926-1973]: "Reklame", in: "Anrufung des großen Bären. Gedichte", Piper 1956)




Donnerstag, 28. April 2016

Der braune Sumpf: Die AfD und die neoliberale Einheitspartei


Volksfront, Koalitionen und gemeinsame Schnittmengen

Ein Gastbeitrag des Altautonomen

Alle demokratischen Parteien von der Linken bis zur Union müssen über ihren Schatten springen und Wege finden, den Rechtsruck in Europa und in Deutschland zu stoppen. Wenn wir diesen Trend nicht gemeinsam verhindern, begehen wir einen historischen Fehler. (Gregor Gysi, Ex-Bundestagsfraktionschef der Linken)

"Kenia-Koalition" (Schwarz-Rot-Grün): 25 AfD-Abgeordnete sitzen mittlerweile im Parlament von Sachsen-Anhalt und bilden die zweitstärkste Fraktion. Und das Bild, das sich seit einiger Zeit abzeichnet: In der CDU gibt es Vereinzelte, die lieber mit den Rechtspopulisten zusammenarbeiten würden als mit den Grünen. Linken-Fraktionschef Swen Knöchel stellte fest, "dass offenbar größere Teile der CDU kein Problem darin gesehen haben, den Kandidaten der AfD zu wählen".

Trotz vorgeschobener "großer inhaltlicher Differenzen" beginnt auch hier das bekannte Possenspiel mit der Suche nach gemeinsamen Schnittmengen, um den WählerInnen zu suggerieren, es ginge nicht um den unbedingten Willen zur Macht, sondern um Regierungssfähigkeit. Was mit der GroKo im Bund begann, als schwarz-grünes Komplizengeschäft in Hamburg scheiterte und in Hessen momentan wieder praktiziert wird, könnte unter Ausblendung der offenen Widersprüche unter dem Label des kleinsten gemeinsamen Nenners erfahrungsgemäß jederzeit auch mit der AfD geschehen, weil einzelne Passagen des AfD-Programmentwurfes mit den vorgeblichen Zielen der "demokratischen" Parteien übereinstimmen:

1. Die AfD setzt sich dafür ein, Volksentscheide in Anlehnung an das Schweizer Vorbild auch in Deutschland einzuführen. Wir wollen dem Volk das Recht geben, über vom Parlament beschlossene Gesetze abzustimmen. (Netzwerk Volksentscheid, Grüne, Linke)

2. Ohne Zustimmung des Volkes darf das Grundgesetz nicht geändert und kein bedeutsamer völkerrechtlicher Vertrag geschlossen werden. (Grüne)

3. Trennung von Amt und Mandat (ehemaliges grünes Prinzip, inzwischen abgeräumt)

4. Wider das Berufspolitikertum: Amtszeit begrenzen (Minderheitenvotum). Konkret fordern wir eine Amtszeitbegrenzung für Abgeordnete auf zwei bis vier Legislaturperioden, in Abhängigkeit von deren persönlichen Wahlergebnis. Für den Bundeskanzler schlagen wir eine Amtszeitbegrenzung auf zwei Legislaturperioden vor. (Rotationsprinzip, alter grüner Eckpfeiler, inzwischen abgeräumt)

5. Einführung eines Straftatbestandes der Steuerverschwendung: Während Steuerhinterziehung auch vergleichsweise kleiner Beträge in Deutschland konsequent verfolgt und bestraft wird, bleibt die – ebenso gemeinwohlschädigende – Steuerverschwendung straffrei. (Endlich!!! Dagegen hat wohl kein Wähler etwas!)

6. Die AfD setzt sich dafür ein, die deutsche Mitwirkung an der wirtschaftlich und rechtlich falschen Fortsetzung der "Rettungs"‐Politik zu beenden und bei mangelnder Einsicht der Partnerstaaten aus dem Euro‐Verbund auszutreten. (Sahra Wagenknecht)

7. Keine deutsche Haftung für ausländische Banken (Sahra Wagenknecht)

8. Die Einhaltung des Rechts ist die Grundvoraussetzung für die Gewährleistung der inneren Sicherheit. Sie ist eine Kernaufgabe unseres Staates. Sie garantiert ein friedliches Zusammenleben der Menschen in einer offenen und freien Gesellschaft, unabhängig von ihrer Herkunft und Religion. Sie ist Voraussetzung für unsere Freiheit, für Wohlstand und Demokratie. (Kompatibel mit Passagen aus Gauck-Reden)

9. Polizei stärken und Strafjustiz verbessern (Das fordern seit "Köln" auch alle Parteien von CSU bis Linke)

10. Das Verhältnis zu Russland ist für Deutschland, Europa und die NATO von maßgeblicher Bedeutung, denn Sicherheit in und für Europa kann ohne Russlands Einbindung nicht gelingen. Wir setzen uns daher dafür ein, Konflikte in Europa friedlich zu regeln und dabei die jeweiligen Interessen zu berücksichtigen. (Linke, Querfront, Putinversteher)

11. Mindestlohn beibehalten (SPD, Grüne)

12. Mehr Kinder statt Masseneinwanderung (CDU: "Kinder statt Inder!")

13. Die deutsche Sprache als Zentrum unserer Identität (CSU)

14. Gender-Forschung abschaffen: Viele der im Bereich des Gender-Mainstreamings vertretenen Ansichten widersprechen den Ergebnissen der Naturwissenschaft, der Entwicklungspsychologie und der Lebenserfahrung. Wir wenden uns daher gegen jede staatliche Förderung von "Gender Studies". (Grenzenloser Jubel in Kleinbloggersdorf und anderswo)

Damit wäre erst ein kleiner Teil des AfD-Programms abgearbeitet. Es dürfte aber genügen, um zu verdeutlichen, mit welchen rhetorischen Kunststückchen künftige Koalitionen geschmiedet werden könnten nach dem zynischen Motto:

"Bei Hitler war auch nicht alles schlecht, wenn er nur das mit den Autobahnen nicht gemacht hätte."



---

Anmerkung von Charlie: Bei aller Zustimmung muss ich beim klassischen Nebenschauplatz- und Bullshit-Thema "Gender Studies" ein Veto einlegen. Hierbei handelt es sich aus meiner Sicht um puren (ablenkenden) Irrsinn, der sowohl aus soziologischer, als auch aus linguistischer Sicht hanebüchener Blödsinn ist. Man muss hier differenzieren zwischen den Rechtsradikalen der AfD, CDU, CSU und anderen auf der einen Seite, die ein nazikonformes, reaktionäres Frauenbild anstreben, und den progressiven Kräften auf der anderen Seite, die sich mit Linguistik und den Grenzen der Sprache beschäftigen.

Ansonsten habe ich dem Text nichts hinzuzufügen - die rechtsradikale AfD wird gewiss als "neue FDP" für noch mehr braunen Wind im "Parteienspektrum" der kapitalistischen Einheitspartei sorgen. Im Grunde ist die AfD nichts anderes als die bundesweite Expansion der CSU: Ein brauner, übelriechender Sumpf eben.

Mittwoch, 27. April 2016

Das Ende der Zivilisationssimulation


Wie immer im Endstadium des kapitalistischen Untergangs geht es nun vermehrt den Geisteswissenschaften an den Kragen - die "produzieren" nämlich keine dumm-willfährigen Sklaven, sondern - im Idealfalle - halbwegs selbstständig denkende, kritikfähige Menschen. Nichts ist dem Kapitalismus verhasster als dies.

Es ist seit geraumer Zeit zu beobachten, dass die geld- und machtgeile "Elite" das Bildungssystem torpediert, indem es infantile "betriebswirtschaftliche" Prinzipien bemüht - die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur, die Abschaffung der akademischen Magister- und Diplomstudiengänge und die infernale Auslieferung der Universitäten an die Wirtschaft sind deutliche Indizien hierfür. Die Universitäten in Deutschland sind heute nur noch ein Schatten dessen, was sie einst waren - und das ist kein Zufall.

Zuerst trifft der Kürzungs- und Sparwahn natürlich, wie sollte es auch anders sein, die Geisteswissenschaften. In einem - freilich sehr diffusen, in Teilen gar hanebüchenen - Bericht bei Zeit Online kann man das nachlesen - und es ist gewiss kein Zufall, dass dort das Ende der Geisteswissenschaften im Ausland (Japan, USA, England etc.) besonders hervorgehoben wird, während in Bezug auf Deutschland das absurde Fazit zu lesen ist:

Noch trotzt das Land von Goethe und Nietzsche dem Niedergang des freien, effizienzunabhängigen Denkens.

Man kann mit dem Kopfschütteln gar nicht mehr aufhören, wenn man einen solchen Blödsinn liest. Deutschland ist seit Jahren (!) der Vorreiter in Sachen Dummheit, Kapitalhörigkeit und Anpassung der "Bildung" an kapitalistische Strukturen. Wenn ein Hochschulsystem, das freilich nicht perfekt war, so dermaßen zusammengestutzt und kastriert wird, wie das in Deutschland in den vergangenen Jahren der Fall war, nun als "Lichtpunkt" in der Finsternis des generellen, organisierten Unterganges gelobt wird, hat Orwell das Spiel längst gewonnen.

Hier "trotzt" nichts und niemand dem perversen Effizienzdenken der Schlips-Borg und Aktenkofferträger - ganz im Gegenteil.

Auch dies ist indes nichts Neues - ähnliche Entwicklungen kennen wir aus der Vergangenheit nur allzu gut. Die Zeit erfüllt ihren propagandistischen Auftrag hier perfekt, indem sie so argumentiert, als sei die heutige deutsche Hochschullandschaft auch nur entfernt mit dem politisch bewusst abgeschafften Ideal der "Freiheit der Lehre" zu vergleichen, die es vor 30 Jahren ansatzweise einmal gab. Das Gegenteil ist indes heute der Fall.

Mit den Geisteswissenschaften stirbt selbstredend - wieder einmal - auch die Zivilisationssimulation. Menschen lernen nicht aus der Geschichte, sondern wiederholen sie, wenn elitegesteuerte Marionetten das Sagen haben. Es wartet einmal mehr die pure Barbarei.

---

Der letzte Tag von Pompeii



(Gemälde von Karl Bryullov [1799-1852] aus dem Jahr 1833, Öl auf Leinwand, State Russian Museum, St. Petersburg, Russland)

Dienstag, 26. April 2016

Realitätsflucht: Aktion "Spiel zu verschenken"


Falls irgendjemand Interesse daran hat: Ich habe hier noch eine doppelt vorhandene DVD herumliegen, auf der sich die "Gold-Edition" des Horror-Adventures "Decay - The Mare" des schwedischen Entwicklerstudios Shining Gate befindet. Ich kenne das Spiel (noch) nicht, gebe es aber gerne an jemanden ab, der es ausprobieren möchte. Allein der Umstand, dass der Autor des verlinkten Beitrages von "4players" es mit dem legendären, auf heutigen PCs leider nicht mehr spielbaren "The Seventh Guest" vergleicht, das ich persönlich für eines der besten Spiele dieses Genres halte, macht die Sache aus meiner Sicht schon interessant. Ich selbst werde es gewiss über kurz oder lang auch spielen, sofern Zeit und Gesundheit es erlauben.

Es wäre schön, wenn der- oder diejenige nach einer gewissen Zeit eine kleine Rezension zu diesem Spiel verfassen könnte, die ich dann hier - natürlich anonym bzw. unter einem frei wählbaren Pseudonym - veröffentlichen möchte.

Wer Lust auf dieses Spiel und einen später zu schreibenden Bericht darüber hat, ist herzlich eingeladen, bis zum 15. Mai eine kurze Bemerkung in den Kommentaren zu hinterlassen. Sollte es wider Erwarten mehrere InteressentInnen geben, entscheidet das Los. Der "Gewinner" wird dann nach dem 15. Mai ebenfalls in den Kommentaren bekannt gegeben und kann mir sodann per Mail die Adresse mitteilen, an die ich die DVD schicken soll.

Es wäre schön, wenn sich jemand fände - ganz egal, ob es sich um einen "Profi-Gamer" oder einen in Bezug auf Computerspiele völlig "Unbeleckten" handelt. :-)

Montag, 25. April 2016

Musik des Tages: Sinfonie Nr. 3 in c-moll




  1. Adagio – Allegro moderato, Poco adagio
  2. Allegro moderato – Presto, Maestoso – Allegro

(Camille Saint-Saëns [1835-1921]: "Sinfonie Nr. 3 in c-moll", Op. 78 ["Orgelsinfonie"] für Orchester und Orgel aus den Jahren 1885/86; Thierry Escaich: Orgel; Orchestre de Paris; Leitung: Paavo Järvi; 2013)

Freitag, 22. April 2016

Realsatire: Gehirnkot, Zombies und Geister, oder: Die tote Tante


Eigentlich hatte ich mir Mäßigung verordnet. Die aktuelle Vorlage ist allerdings zu verlockend, als dass ich widerstehen könnte: Wenn die zu lochende Kugel ohne Not unmittelbar vor der Tasche platziert wird, kann ich nicht anders als mein Queue zu zücken und herzhaft zum Stoße anzusetzen.

Mein Lieblingsvoodoomeister Roland Faulfuß von "Jenseits der Realität" hat schon wieder zugeschlagen. Diesmal schlägt er dem Güllefass den Boden aus und beschwört Engel, Tote und Geister - und das tatsächlich völlig ironiefrei. Zu diesem Zweck bewirbt er einen Film eines gewissen Thomas Schmelzhirn mit dem antikapitalistischen, gesellschaftskritischen Titel "Die Übersinnlichen" und erbricht in der Folge eine gesichtspalmierende Realsatire, die im 21. Jahrhundert wahrlich ihresgleichen sucht. Eine kleine Kostprobe:

"Übersinnlich" – das meint hier natürlich nicht "übermäßig sinnlich" [sic! bzw. *facepalm²*], sondern tatsächlich mysteriös, medial, paranormal. Eine Reihe von bekannten Medien wird von Schmelzer interviewt (...). Dabei achtet der Regisseur sorgsam auf eine bunte Mischung. Der eine behauptet, unsere Aura sehen zu können, die andere nimmt Engel wahr, ein dritter kommuniziert angeblich mit Toten. Wir erfahren durch die engelsgleiche Jana Haas von einem apricotfarbenen Schutzengel, der den Interviewer – für ihn selbst unsichtbar – begleitet. Und durch den jugendlichen Pascal Voggenhuber von einer verstorbenen Tante, die Schmelzer auffordert, seinen wahren Weg erst noch zu finden. Ist es der Weg eines Mediums? (...)

Andererseits gibt es gerade auf dem Gebiet des geistigen Heilens so viele erstaunliche Berichte, dass man an seinen eigenen Zweifeln zu zweifeln beginnt. Die Behauptung, dass Engel über uns wachen, ist richtig oder falsch; sie ist jedoch nicht rechts oder links, gut oder böse. Mysteriöse Phänomene sind keine Erfindungen modischer "Esoterik-Wellen", sondern eigentlich anthropologische Konstanten, schwer erklärbare Phänomene, die sich in vielen Epochen und Weltregionen unabhängig voneinander zeigen: Geistererscheinungen etwa, Kommunikation mit Toten.

Und so geht das munter und pseudokritisch fort, dass sich die Balken nicht nur biegen, sondern gleich freiwillig verflüssigen, um zusammen mit dem kümmerlichen Rest des Faulfuß'schen Hirnschmalzes endlich im Gulli versickern und mit dem Abwasser und anderen Fäkalien der erlösenden Kläranlage zugeführt werden zu können. Wie kann ein Mensch, der permanent einen solchen hanebüchenen, infantilen Blödsinn schreibt, allen Ernstes erwarten, dass er nicht schallend ausgelacht und mit einem Eso-Eselshut in die Ecke oder den hintersten Keller gestellt wird? Eine alsbaldige "geistige Heilung" - im Sinne der Heilung des Geistes - sei dem Herrn Faulfuß von Herzen gewünscht. Ich befürchte allerdings, dass die Hirnschäden längst irreparabel sind.

Berichte, nach denen Faulfuß bereits vor 500 Jahren verstorben ist und seit geraumer Zeit mittels des Eso-Blogs mit den noch Lebenden zu kommunizieren versucht, konnten bislang nicht bestätigt werden. Den "apricotfarbenen Schutzengel" an meiner Seite habe ich indes vor einigen Jahrzehnten zuletzt gesehen, nachdem ich exzessiv bewusstseinserweiternde Drogen konsumiert hatte - seitdem bleibt er unauffindbar. Und meine tote Tante sieht leider auch eher wie ein Zombie aus:



Wenn ich die Dame richtig verstehe, sagt sie mir nichts über meinen "wahren Weg", sondern eher so etwas wie "Uaaaargh!" und "Gehirrrrn fressen!" Vielleicht muss ich aber auch erst Faulfuß'sche Drogen bemühen, um den wahren Sinn dieser Laute zu verstehen, die in Wahrheit sicherlich rein vegan gemeint sind.

Eso-Kacke at its best - bitte unbedingt lesen, auch wenn's unsäglich weh tut. :-) - Kugel versenkt.


Mittwoch, 20. April 2016

Zitat des Tages: Fabrikstraße tags


Nichts als Mauern. Ohne Gras und Glas
zieht die Straße den gescheckten Gurt
der Fassaden. Keine Bahnspur surrt.
Immer glänzt das Pflaster wassernass.

Streift ein Mensch dich, trifft sein Blick dich kalt
bis ins Mark; die harten Schritte haun
Feuer aus dem turmhoch steilen Zaun,
noch sein kurzes Atmen wolkt geballt.

Keine Zuchthauszelle klemmt
in ein Eis das Denken wie dies Gehn
zwischen Mauern, die nur sich besehn.

Trägst du Purpur oder Büßerhemd -:
immer drückt mit riesigem Gewicht
Gottes Bannfluch: uhrenlose Schicht.

(Paul Zech [1881-1946]: "Fabrikstraße tags", in: "Das Schwarze Revier". Neue, gänzlich umgestaltete Ausgabe, Musarion 1922)


Montag, 18. April 2016

Hirnfäule im Endstadium: Reichtumsbericht aus dem Paradies


Die kapitalistische Verdummungspropaganda wird trotz des offensichtlichen Irrsinns unbeirrt fortgeführt. Nach dem wiederholten Bullshit zum "stets wachsenden Glück" im Lande Kapitalistan folgt heute die 7.446ste Folge des zombieesken Mantras zum ebenso kontinuierlich steigenden "Reichtum der Deutschen". Bei n-tv und unzähligen weiteren Systemmedien war vor einigen Tagen wieder einmal zu lesen:

Auch ohne Immobilienbesitz / Deutsche werden immer reicher - Dank des robusten Arbeitsmarktes und steigender Reallöhne können viele Menschen hierzulande mehr auf die hohe Kante legen. Die Haushalte verfügen über ein so großes Geldvermögen wie noch nie. Aktien zahlen sich aus - doch viele Menschen horten lieber Bargeld.

Ich weiß gar nicht, was ich dazu noch weiter schreiben soll - der Irrsinn wird tatsächlich unentwegt wiederholt. Hier einige wenige Beispiele aus den vergangenen Jahren dazu (wobei die Auflistung alles andere als vollständig ist):

2011: "Deutschland: So reich wie noch nie" - 2013: "Die Börse als Quelle des Wohlstands" - 2015: "Deutsche sind so reich wie nie".

Eigentlich ist zu diesem Thema längst alles gesagt - aber die Dauerpropaganda macht trotzdem einfach weiter und erzählt das lächerliche Märchen vom steigenden Reichtum unablässig fort, während die überwaltigende Mehrheit der Menschen in diesem Land immer ärmer wird und zunehmend in großer Zahl am Existenzminimum und, dank vorsorglich installierter Sanktionspraxis, darunter lebt - Tendenz weiter unaufhaltsam steigend. Dies ist politisch gewollt und geplant und kein "Versehen". Dass es überhaupt noch irgendwelche Menschen in diesem Land gibt, die der absurden Berichterstattung über den "zunehmenden Reichtum" ohne stirnklatschendes Abwinken zuhören, grenzt an Hirnfäule im Endstadium.

Die kapitalistische Bande hat es tatsächlich geschafft, ein abgründig perverses Mehrklassensystem zu etablieren, das nicht nur aus drei "Klassen" besteht, wie die Bande immer wieder propagiert, sondern aus einer mehrheitlich anonymen superreichen "Elite", die sowohl in der Berichterstattung, als auch in der Pseudodiskussion stets außen vor bleibt auf der einen, und den drei bekannten "Schichten" auf der anderen Seite, von denen die Ober- und Mittelschichten sich irriger- oder besser irrsinnigerweise ebenfalls zur "Elite" zählen (und das auch tun sollen). Anders ist es aus meiner Sicht nicht zu erklären, dass Menschen, die ständig weniger oder bestenfalls einen stagnierenden Wohlstand genießen dürfen, das Märchen vom ständig steigenden Reichtum brav akzeptieren und dabei lediglich Schwächere (die "Unterschicht", Arbeitslose, Flüchtlinge, Rentner, Kranke etc.) als Hemmnisse ausmachen - und nicht etwa die grotesk überquellenden Geldspeicher der Superreichen.

So dumm wie die Propaganda sind offensichtlich auch die Menschen, die diesen Schwachsinn stumpf und kritiklos konsumieren. Ich persönlich weiß jedenfalls gar nicht, was ich zuerst auf die "hohe Kante legen" und "horten" soll: Meine Sammlung von Cent-Münzen, die ich in den vergangenen Jahren aus meiner Geldbörse entfernt habe (das dürften inzwischen bestimmt schon mindestens 10 oder gar 15 Euro sein!), oder doch lieber die Tütensuppen und Billigkonserven aus meinem Vorratsschrank, die mich in knappen Zeiten immer wieder mal über das Monatsende retten? Für konstruktive Vorschläge von versierten, schlipsgewürgten Anlegern bin ich sehr offen.

---

Die Enthaltsamen


"Wieviel Kartoffeln die Leute brauchen! Wir essen zu Mittag nicht mehr als zwei, drei Kartoffeln ---"

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 29 vom 13.10.1924)

Samstag, 16. April 2016

Song des Tages: Wasted Time (Black Tomorrow)




(Edguy: "Wasted Time", aus dem Album "Rocket Ride", 2006)

The dream is over, no-one's to take the blame
We believed in roses but only thorns remain

When I look into the rearview mirror
We create and we destroy
Put our blood into a street with a dead end
Walk up that stairway to jump off into the black

Here we go!
We go all the way - do we need the pain?
Waking up in a black tomorrow!
I've been there before - was it all wasted again?
We go all the way - do we need the pain?
Waking up in a black tomorrow!
I've been there before - was it all just wasted time?

Maybe I am different, maybe I'm a fool
And I wonder if it's worth it
Trying to find another you

And I look into the rearview mirror
Just to see how fucked I look
While I drive along that street with a dead end
Like a moth to the flame, it's gonna suck me into pain

Still we go!
We go all the way - do we need the pain?
Waking up in a black tomorrow!
I've been there before - was it all wasted again?
We go all the way - do we need the pain?
Waking up in a black tomorrow!
I've been there before - was it all just wasted time?

What are we heading for, why do I dare again?
Once bitten, twice shy and still we never learn

So here I'm lying - a leisure-poet in pain
Involuntary loner, I know that life is just a game
Where nobody gets out alive - a sedative shot for me
No happy man gets out alive - neither of us, you will see

Here we go!
We go all the way - do we need the pain?
Waking up in a black tomorrow!
I've been there before - was it all wasted again?
We go all the way - do we need the pain?
Waking up in a black tomorrow!
I've been there before - was it all just wasted time?



Anmerkung: Baby, schüttel' dein Haar für mich ... - Es gibt sie noch, die guten, alten Rocker, die noch wissen, dass eine Gitarre nicht bloß ein Begleit- und Rhythmusinstrument ist und die ihre Wurzeln bei Deep Purple, Rainbow, Uriah Heep oder den frühen Iron-Maiden-Werken in Ehren halten. Mir wird immer so nostalgisch zumute, wenn ich sowas höre. ;-) Und ganz nebenbei gibt der Text - wenn er auch auf eine gescheiterte Liebesbeziehung gemünzt sein dürfte - auch einen wunderbaren Abgesang auf unsere schöne, kapitalistische Glitzerwelt ab, von der die billigen Fassaden derzeit gleich zentnerweise abblättern und nur noch rauchende Ruinen offenbaren: "Waking up in a black tomorrow".

Freitag, 15. April 2016

Buchempfehlung: Tower of Glass


Am Anfang war Krug

und er sprach: "Es seien Retorten", und da waren Retorten.
Und Krug betrachtete die Retorten und fand sie gut.
Und Krug sprach: "Es seien Nukleotiden in den Retorten." Und die Nukleotiden wurden in die Retorten gegossen, und Krug mischte sie, bis sie sich miteinander verbanden.
Und die Nukleotiden bildeten die großen Moleküle, und Krug sprach: "Es werde der Vater und werde die Mutter in den Retorten, und es teilen sich die Zellen, und Leben entstehe in den Retorten."
Und es ward Leben, denn da war Reproduktion.
Und hierfür sei Krug gepriesen.

So beginnt der dystopische Roman "Tower of Glass" von Robert Silverberg, der in fesselnder, artistischer und äußerst bedrückender Weise davon erzählt, wie aus einer kapitalistischen Vorhölle innerhalb kurzer Zeit eine religiöse, kapitalistische Hölle jenseits des zuvor Denkbaren wird. Silverberg hat in diesem meisterhaften Roman die nicht erst heute sichtbar werdenden Dogmen des Kapitalismus, der letzten Endes nichts anderes als Religion ist, konsequent weitergedacht. Ich zitiere der Einfachheit halber aus dem Klappentext:

"Man schreibt das Jahr 2218 nach Christus, doch die Gebete der Hungernden und Dürstenden dieser Erde gelten Krug.

Über der arktischen Tundra erhebt sich ein riesiger Glasturm, eine gigantische Sendeanlage, mit der man die Signale beantworten will, die man seit einiger Zeit aus den Tiefen der Galaxis empfängt.

Krug, der größte und erfolgreichste Unternehmer der Wirtschaftsgeschichte, bezahlt das Projekt aus eigener Tasche. Es ist sein Hobby, er kann es sich leisten. Er persönlich will den fernen Bewohnern fremder Welten vom Ruhm des Menschen künden, der es vom Geschöpf zum Schöpfer gebracht hat.

Krug, vormals ein genialer Biochemiker, hat das Monopol auf die Herstellung von Androiden. Und er hat mit seiner Erfindung und dem Absatz seiner 'Produkte' wahrhaft eine neue Welt geschaffen, einen Albtraum von einer Welt, in der menschenähnliche Wesen, genetisch manipuliert, durch künstliche Befruchtung als Massenware produziert, in Retorten aufgezogen werden. Es sind friedfertige Zeitgenossen, fleißig und bescheiden, konditioniert fürs Existenzminimum und fürs kleine Glück, ideal angepasst. Und doch beten sie. Sie beten heimlich zu ihrem Schöpfer, dass er sie eines Tages erlösen möge.

Mehr und mehr sieht sich Krug in eine gottähnliche Stellung gedrängt, der er nicht gewachsen ist, ja - noch schlimmer - die er nicht einmal begreift.

Und doch gehen die Gebete der Androiden in Erfüllung - oder gerade deshalb."

In diesem Buch verschmelzen Kaptalismus- und Religionskritik zu einer homogenen Einheit, die sie tatsächlich auch sind. Ich habe den fantastischen Roman zum ersten Mal seinerzeit in einer einzigen, durchwachten Nacht durchgelesen und danach nie wieder vergessen. Hinweisen möchte ich an dieser Stelle aber auch auf Silverbergs Roman "To Live Again" (dt. "Die Seelenbank" oder "Noch einmal leben") aus dem Jahr 1971, der das Thema des vorherigen Postings, "Die Unsterblichkeits-Formel", behandelt.

Es ist mehr als erschreckend, dass auch 46 Jahre nach der Erstveröffentlichung dieses Buches der Religiotismus nicht nur nicht gebannt ist, sondern sich sogar erneut in der Krebsphase des unaufhaltsamen Wachstums befindet. Was treibt Menschen bloß dazu, ihr Heil in irgendwelchen obskuren magischen, esoterischen Gefilden zu suchen, anstatt die Augen zu öffnen und für eine Verbesserung des Lebens für alle im Hier und Jetzt - dem einzigen Leben, das Menschen haben - einzutreten? Wie beliebig und gleichzeitig zerstörerisch und gefährlich Religiotismus ist, veranschaulicht Silverbergs Roman aufs Deutlichste.



(Robert Silverberg [*1935]: "Tower of Glass", 1970; dt. "Kinder der Retorte", Heyne 1975)

Mittwoch, 13. April 2016

Film des Tages: Die Unsterblichkeits-Formel


Gestern lief auf Arte die Dokumentation "Die Unsterblichkeits-Formel" von Sylvie Blum, die sich mit dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung zur menschlichen Unsterblichkeit sowie den ethischen und philosophischen Aspekten dieses gruseligen Themas beschäftigt. Der sehr sehenswerte Film ist für kurze Zeit noch unter dem obigen Link in der Mediathek verfügbar - wer ihn sich anschauen möchte, sollte das also schnell tun. Auf der Arte-Seite heißt es dazu:

Unsterblichkeit und ewiges Leben: Wird dieser große Menschheitstraum wahr werden? Die Kryonik macht jedenfalls immer größere Fortschritte, das Klonen von Menschen scheint nicht mehr unmöglich, und an der digitalen Vervielfältigung des Gehirns wird geforscht. Bestandsaufnahme in den USA, in Kanada, Europa und Russland.

Oktober, 2013: Google verkündet, den Tod töten zu wollen. Der Konzern beschränkt sich nicht mehr auf Autos ohne Fahrer; die nächste Herausforderung heißt "ewiges Leben". Viele sind bereits heute davon überzeugt, dass Altern eine Krankheit ist und Sterben eine Form des Versagens. Der Dokumentarfilm führt in die USA, nach Kanada, Europa und Russland und zeigt die verschiedenen Formen auf, die das menschliche Streben nach Unsterblichkeit angenommen hat. Mit Wissenschaftlern, Anthropologen, Zukunftsforschern, aber auch mit Statements von Menschen, die sich nach ihrem Tod einfrieren lassen wollen, wird hinterfragt, was dieses Streben über unsere Gesellschaft und uns selbst aussagt.

In Arizona verspricht die Kryokonservierung eine Auferstehung nach dem Tod. Auch das Klonen von Menschen ist wissenschaftlich bereits möglich. Die Anhänger von Transhumanismus und digitalem Gehirn sowie Forscher weltweit versuchen, den Alterungsprozess zu verlangsamen und den Tod in immer fernere Zukunft zu rücken.

Der Dokumentarfilm taucht ein in eine Welt, in der allzumenschliche Menschen sich weigern, vom Tod einfach ausgelöscht zu werden. Er zeigt, wie schwer es ist, den Versprechungen eines ewigen Lebens zu widerstehen und macht auch die wirtschaftlichen Interessen deutlich, die hinter solchen Bestrebungen stehen. Der Vorstoß von Google ist nur ein Anzeichen für eine mögliche Zwei-Klassen-Gesellschaft der Zukunft: auf der einen Seite die Reichen, die Zugang zu solchen "Angeboten" haben, auf der anderen der Rest der Gesellschaft.

Mir liefen beim Ansehen reihenweise eisige Schauer über den Rücken. Ich bin heilfroh, dass ich die "schöne neue Welt", auf die wir zusteuern, nicht mehr erleben werde, und es ist mir ein völliges Rätsel, dass all die im Film vorgestellten Menschen, die sich auf unterschiedlichste Arten mit diesem hanebüchenen Thema beschäftigen - sei es als Forscher, Philosoph oder einfach als todesängstlicher Mensch -, nicht bemerken, auf welch abstrusen, dystopischen Wegen sie sich befinden.


Dienstag, 12. April 2016

Satire des Tages (nur für Insider): Ein Fleischesser plädiert für Veganerbeiträge


Meine jüngste Anmerkung zum Veganerschmonzes des Hartwut Schmerz auf meinem Lieblingsblog "Jenseits der Realität" hat ausnahmsweise tatsächlich eine Resonanz ausgelöst - manchmal geschehen doch noch Zeichen und Wunder. Der bräsige Erguss, den unser lieber Eso-Bruder Holdger Platta dort abgeliefert hat, lässt sich hier in aller Ausführlichkeit samt ulkigen Kommentaren nachlesen.

Ich habe mich beim Lesen köstlich amüsiert und insbesondere darüber gefreut, dass selbst der verschollene "Duderich", Autor des lange ruhenden Blogs Aufzeichnungen eines 'Bildungsfernen', für einen dümmlichen Schmähkommentar aus seiner Winterschlafhöhle gekrabbelt ist, dabei immer noch beleidigte Leberwurst spielt und der ebenso bildungsfernen Dumpfeule zur geifernden Seite springt. - Doch nun habe ich es schwarz auf weiß und weiß endlich, dass ich ein "Faschist", ein "Beleidigter", ein "Frustrierter" mit einem "Sprung in der Schüssel", ein "frei drehender" (?) Mensch bar jeder Toleranz, ein "ehemaliger Fan der HdS-Seite" und selbstverständlich kein "echter" Marxist bin. Das und vieles mehr wusste ich noch gar nicht - herzlichen Dank also an die Blogschreiberlinge, die sich weiterhin hochtrabend "Redakteure" nennen, sowie an die freundlichen KommentatorInnen und alle anderen "echten Marxisten" dort! :-)

Laut irgendeiner Bettina Bettdröge, die offenbar äußerst gewissenhaft in meinem Blog nachgelesen hat, ist sogar mein Nickname eine pure "Anmaßung" aus dem Höllenpfuhl der Verdammnis. Wie kann ich es bloß wagen, mich seit Jahrzehnten "Charlie" zu nennen, angesichts der "Qualität der bissigen und hervorragenden Satire" eines französischen Magazins? - Ach, ich weiß es doch auch nicht ... vielleicht sollte ich mal Charlie Chaplin fragen, was er davon hält. Liebe Bettina, Du musst nun stark sein: Ich halte "Charlie Hebdo" für ein äußerst plattes Satiremagazin, das allenfalls auf dem Niveau eines Böhmermann spielt, wenn überhaupt. Deine Fanseite "Jenseits der Realität" kann das jedenfalls - wenn auch unfreiwillig - um Längen besser!

Deshalb muss ich Asche auf mein Haupt streuen: Der Herr Plattfuß und seine stiefelleckenden Fanboys und -girls haben da ein wahres Glanzstück der Satire abgeliefert, vor dem ich meinen Hut bis zur Kniekehle ziehen muss. Trotzdem wäre noch mehr drin gewesen, Holdger. Der Verballhornung der altehrwürdigen Piratenflagge beispielsweise (also der hier "beliebten Ästhetik" - ich falle beim Schreiben fast vom Stuhl vor Glucksen) hätte es sehr gut zu Gesicht gestanden, wenn Du den Hintergrund rot, den Kreis weiß und den Totenkopf schwarz gestaltet hättest:



Damit hättest Du die skurrile Klientel Eures Blogs viel deutlicher darauf hinweisen können, um welch ein satanisches Höllenloch es sich beim "Narrenschiff" handelt. - Vielleicht mutiere ich irgendwann ja tatsächlich noch zu einem Fan des Eso-Blogs - wer weiß. :-) Bis dahin halte ich es aber, wie gewohnt, mit Erich Kästner, der über allzu Braunes einmal schrieb:

Was immer geschieht: Nie dürft ihr so tief sinken,
von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.

Kleiner Nachtrag: Selbstverständlich ist mein kleiner Hinweis, der nichts weiter als den Link zu diesem Beitrag enthielt, bei den toleranten tollwütigen Eso-Brüdern nicht freigeschaltet worden - man darf die versammelte Gemeinde der Bekloppten schließlich nicht in Versuchung führen. Holdger und Roland, ihr seid meine Helden! Darf ich mal einen teuflischen Gastbeitrag für Euer "Magazin" schreiben?

Freitag, 8. April 2016

Song des Tages: The Final Cut




(Pink Floyd: "The Final Cut", aus dem Album ""The Final Cut. A Requiem for the Post War Dream", 1983)

Through the fish-eyed lens of tear-stained eyes
I can barely define the shape of this moment in time
And far from flying high in clear blue skies
I'm spiraling down to the hole in the ground where I hide

If you negotiate the minefield in the drive
And beat the dogs and cheat the cold electronic eyes
And if you make it past the shotguns in the hall,
Dial the combination, open the priesthole
And if I'm in, I'll tell you what's behind the wall

There's a kid who had a big hallucination
Making love to girls in magazines
He wonders if you're sleeping with your new found faith
Could anybody love him -
Or is it just a crazy dream?

And if I show you my dark side
Will you still hold me tonight?
And if I open my heart to you
And show you my weak side
What would you do?

Would you sell your story to Rolling Stone?
Would you take the children away
And leave me alone?
And smile in reassurance
As you whisper down the phone?
Would you send me packing
Or would you take me home?

Thought I oughta bare my naked feelings,
Thought I oughta tear the curtain down.
I held the blade in trembling hands
Prepared to make it, but -
Just then the phone rang
I never had the nerve to make the final cut.


Donnerstag, 7. April 2016

Veganer: In der Republik der Bekloppten


In meinem Lieblingsblog "Jenseits der Realität" gab es vor kurzem ein Gastspiel, das der Realsatire in den Mund gesprungen ist. Ein Autor namens Hartwut Schmerz ließ sich dort über die böse, intelorante Gesellschaft aus, die seinem veganen Ansinnen böswillig im Wege steht. Der Tenor des Sermons lautet schlicht: "Ihr seid intolerant, weil ihr mir nicht an jeder Wegecke vegane Speisen anbietet!"

Deutlicher könnte man den Unsinn gar nicht in Worte fassen - und dennoch toppen ihn einige Kommentare mühelos. Nein, Herr Schmerz: Wenn du dich nur von Pflaumen und Haferflocken ernähren möchtest, ist Dir das unbenommen - aber die Forderung, dass derlei Schmonzes auch sonst überall verfügbar sein müsse, ist - um es diplomatisch zu formulieren - grober Bullshit.

Wie immer bei solchen Themen handelt es sich auch hier um einen Nebenschauplatz, der mit viel Energie beackert wird - während die tatsächlichen Probleme unter den Tisch fallen. Wenn man die ekelhafte Massentierquälung kritisiert, muss man zwangsweise das kapitalistische System kritisieren, das eine solche Perversion nicht nur ermöglicht, sondern erzwingt. Und das hat nichts mit Intoleranz zu tun, sondern nur mit systeminterner Logik. Selbstverständlich findet man im verlinkten Bullshit-Text nichts, das darauf hindeutet, denn dem Autor geht es nicht um die Menschen (also das System), sondern einzig um die Tiere.

Die Deppen, die bei "Jenseits der Realität" kommentieren, verstehen das freilich nicht: Dort wird die geforderte Toleranz gleich umgewandelt in ihr Gegenteil. So spalten diese Gesellen munter die so dringend notwendige Opposition - als hätten sie eifrig in der Weimarer Republik gelernt. Es ist ein Fanal der Dekadenz und des Unterganges, dass sich solche Stimmen einmal mehr Gehör verschaffen.

Es lebe die Biene Maja in der Republik der Bekloppten.

---

Geheimnis und Melancholie einer Straße



(Gemälde von Giorgio de Chirico [1888-1978] aus dem Jahr 1914, Öl auf Leinwand, Museum of Modern Arts, New York, USA)