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Mittwoch, 17. Januar 2018

Der bombastische Niedergang: Zurück ins Neandertal


Mal wieder ist es "die Wissenschaft", die darüber aufklärt, auf welcher degenerativen Stufe der Rückentwicklung zum Affen sich der Mensch inzwischen befindet. Der WDR berichtete vor einigen Tagen kurz über eine soziologische Studie der Universität Düsseldorf zum Thema "Wahlerfolg", die dort allerdings weder verlinkt noch sonstwie näher erläutert wird (wie sollte es auch anders sein). Dort heißt es:

Einer Studie der Universität Düsseldorf zufolge ist die [physische, Anm.d.Kap.] Attraktivität die zweitwichtigste Eigenschaft der Kandidaten für den Wahlerfolg. Allein der Bekanntheitsgrad habe größeren Einfluss, teilten die Studienautoren am Mittwoch (10.01.2018) mit.

Wer nähere Informationen dazu erhalten möchte, muss wie immer selber suchen, denn die per Gerichtsvollzieher eingetriebenen Zwangsgebühren für den Rundfunk gehen ja für ModeratorInnen und IntendantInnen mit Millionengehältern, Spocht-Sendungen und sonstigen Boulevard-Quatsch drauf, da bleibt kein Geld für einen halbwegs sauberen oder auch nur informativen Journalismus übrig. Aber das nur am Rande.

Bemerkenswert daran ist aus meiner Sicht vor allem, dass ausgerechnet eine schmierige Schlips-Borg-Figur wie Lindner von der FDP hier als "attraktivster männlicher Politiker" ausgemacht wurde. Das allein sagt aus meiner bescheidenen Sicht weit mehr über den Zustand dieser verkommenen, im kapitalistischen Dreck wühlenden bzw. zum Wühlen gezwungenen Bevölkerung aus als die gesamte Studie. Ein windiger Typ, dem zumindest ich nicht einmal einen gebrauchten Kühlschrank abkaufen würde, weil ich ohne Zögern Betrug witterte, rangiert auf dem ersten Attraktivitätsplatz? Ich habe auch in der Vergangenheit ja schon sehr oft nicht verstanden, was irgendwelche Menschen an so mancher Gestalt "attraktiv" fanden (ich erspare allen Mitlesenden eine entsprechende Liste) – aber hier ist eine neue Grenze überschritten.

Dass die angebliche Attraktivität sowie der Bekanntheitsgrad irgendwelcher Flitzpiepen dann auch wichtiger für die Wahlentscheidung des "Bildungsbürgers" sind als politische Inhalte und (vorgebliche) Ziele, rundet das Bild nur ab: Der schnaufende Gorilla, der sich am lautesten auf die Brust trommelt, und die geschickt agierende Gorilladame, die am besten für die Nachzucht der Brut geeignet erscheint, ernten die meiste Zustimmung. Was zur Hölle unterscheidet diese Bevölkerung doch gleich vom Affen?

Nicht erklärlich sind vor diesem Hintergrund allerdings noch wesentlich exzentrischere Phänomene wie Helmut Kohl, Angela Merkel, Donald Trump, Maggie Thatcher, Martin Schulz, Markus Söder oder Beatrice Storch, um nur wenige Beispiele zu nennen. Womöglich handelt es sich bei dieser Studie doch nur um einen sehr spezifischen, auf einen bestimmten Bevölkerungsteil zutreffenden Teilaspekt, der in der Gesamtheit tatsächlich vielschichtiger, aber gewiss nicht weniger gruselig ist. Zusammenfassend lässt sich sagen: Wer Lindner attraktiv findet, ist doof. Wer Merkels Politik gut findet, ist doof. Wer Storchs rassistische Ausfälle mag, ist doof. Wer Wagenknecht toll findet, weil er sie gerne mal im Bett hätte, ist doof. Und so weiter und immer so fort – die Liste ist schier endlos.

Eine wesentlich sinnvollere, aber in diesem System bestimmt nie zu realisierende soziologische Studie wäre doch eine, die beispielsweise der Frage nachspürte, weshalb manche oder auch viele Menschen "innerlich" immer hässlicher werden und dann konsequenterweise "innerlich" hässliche Figuren – nicht nur, aber auch – in der Politik verehren und unterstützen. Das Ergebnis wäre vermutlich nicht sonderlich überraschend, denn es liegt ja auf der Hand, dass das menschenfeindliche kapitalistische System hier zumindest einen nicht unerheblichen Einfluss besitzt. In dieses Szenario passt das "Attraktivitäts"-Modell aus Düsseldorf – für eine gewisse Klientel – vorzüglich, das sich im Übrigen auch auf viele andere gesellschaftliche, politische oder sonstwie abgrenzende Gruppen anwenden lässt: Radikale VeganmissionarInnen finden Fleischesser unattraktiv, während für esoterische Geistergläubige und sonstige Religioten die Realisten, Aufgeklärten und sonstigen Atheisten der "unschöne", zu verdammende Feind sind. Letzten Endes bleibt es dabei, dass all das nur das grunzende Geschrei einer dummen Affenhorde ist, die sich nicht darauf verständigen kann und will, das finstere Neandertal endlich hinter sich zu lassen.

Die Evolution hat beim Menschen schon vor Jahrzehnten den Rückwärtsgang eingelegt – eine derartig offensichtliche Sackgasse wie der inzwischen "alternativlose" Kapitalismus kann ja gar keinen anderen "natürlichen" Ausweg mehr anbieten: Selbst Genies wie Albert Einstein, Thomas Mann, Stephen Hawking oder Hector Berlioz (das ist eine nicht repräsentative Auswahl) haben trotz ihrer immensen "Influencer"-Möglichkeiten letztlich nichts bewirken können: Heute sind "Influencer" stattdessen auf youtube und in Blogs unterwegs, um im Auftrag kapitalistischer Konzerne Käufer für lächerlichen Tand anzuwerben. Welch ein grandioser, geradezu bombastischer Niedergang einer Spezies, die sich – ich kann das nicht ohne tiefstes Glucksen formulieren – für die "Krone der Schöpfung" hält.

Das Neandertal ist unsere gesicherte Zukunft – und falls irgendein Schlaumeier jetzt darauf hinweist, dass Neandertaler ohnehin keine Vorfahren des "homo sapiens" waren: Ja, das weiß ich. Eben deshalb wählte ich dieses Bild.

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Zukunftsbild


"Die letzten Menschen haben einander umgebracht. Jetzt heißt es, wieder von vorn anfangen."

(Zeichnung von Erich Schilling [1885-1945], in "Simplicissimus", Heft 23 vom 06.09.1922)

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Der redundante Einwurf (10): Spaßlektüre bei den Eso-Spinnern


Meine lieben Freunde vom Sekten- und Priesterseminar des Eso-Blogs "Jenseits der Realität" rufen allen Ernstes aktuell dazu auf, ihr "Angebot" zu "bewerten". Es versteht sich dabei von selbst – schließlich soll das über das "Kommentariat" geschehen –, dass teuflische Unheilige wie ich und unzählige andere Menschen, die den Priestern nicht in den sektiererischen Kram passen, an dieser "Befragung" nicht teilnehmen dürfen – es darf dort drüben also ein äußererst aussagekräftiges Resultat ("100 Prozent für Chulz!" oder "99,5 Prozent für die SED!") erwartet werden. Zensur ist manchmal so schön, Herr Faulfuß, nicht wahr?

Da ich mein Schandmaul trotzdem nicht halten kann und außerdem auch gar kein Interesse an dem ausgelobten "Preis" habe, der unter den Teilnehmenden verlost werden soll (Was zur Hölle soll ich denn mit einer Bohlen-, Naidoo- oder Wecker-Biografie anfangen, wenn ich sie nicht im Klo als Spaßlektüre für BesucherInnen auslege oder zumindest als Toilettenpapierersatz an die Wand hänge?), verlagere ich den ausgefüllten Fragebogen also in die diabolischen Untiefen des "Narrenschiffes". Gelesen wird es von den entsetzten Religioten sicherlich – verstanden vermutlich nicht. Aber das ist ja nun nichts Neues.

Beginnen wir also:

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(1) Welche Note würdest Du "Hinter den Schlagzeilen" geben – auf einer Skala von 1 (= sehr gut) bis 6 (= [ungenügend - hier steht bei den Priestern merkwürdigerweise "mangelhaft"])?

Diese Frage stellt mich schon vor ein Dilemma. Als Satire-Seite bekommt der Eso-Spuk eine glatte 4, ansonsten muss man wohl tiefer in die Bewertungsunlogik, die dieser absurden Befragung zugrundeliegt, eintauchen und sich zwischen "mangelhaft" und "ungenügend" entscheiden. Ich möchte das nicht und entscheide mich daher für eine 5-. Mit anderen Worten: Es wäre ein "Segen" für die gemarterte Welt, wenn diese Eso-Schleuder endlich vom Netz ginge.

(2a) Wie beurteilst Du die grafische und visuelle Qualität? (Bitte jeweils Noten von 1 bis 6 vergeben)

Diese Seite ist eine Scripthölle, die für jeden Datenschützer ein Grund zum Weinen und Verzweifeln ist. Das Design entspricht dem Inhalt: Es ist plump, verlogen und hinterhältig. Ich kann die Seite nur dann aufrufen, wenn ich meine Schutzprogramme deaktiviere. Eine Schulnote verbietet sich hier.

(2b) Wie beurteilst Du die sprachliche Qualität der Texte [?]

Welche Texte meint ihr denn? Der überwiegende Anteil Eurer Beiträge besteht doch aus Zitaten und Verlinkungen auf andere Webseiten. Die übrigen Texte sind wiederum überwiegend Zweit- oder Drittverwertungen irgendwelcher Beiträge, die bereits anderswo publiziert worden sind. Es verbleibt also nur ein sehr kleiner, nicht weiter ins Gewicht fallender Anteil, der "exklusiv" im Eso-Blog in die Welt gebrochen wird – und das betrifft wohl meist die Beiträge Plattas. Diese sind sprachlich sehr divergent und schwanken zwischen "gut" und "radebrechend". Es ist bezeichnend, dass hier die Frage nach der inhaltlichen Qualität gar nicht erst gestellt wird, denn diese Antwort fiele wesentlich böser aus.

(2c) Wie beurteilst Du die Relevanz der angesprochenen Themen [?]

Meint ihr damit die Verlinkungen oder die ausformulierten Texte? Oder beides? Nun, es gibt gelegentlich auch eine Verlinkung, die sinnvoll ist – ansonsten tendiert die Relevanz aber gegen null. Eigentlich könntet ihr von jetzt auf gleich aufhören mit dem Schmonzes, den ihr zur Erheiterung des linken Spektrums "Webmagazin" nennt, ohne dass irgendetwas fehlen würde – die entsprechenden Verlinkungen übernehmen ja bereits die Nachdenkseiten oder viele andere Blogs, von denen ihr nur kopiert.

(2d) Wie beurteilst Du die Bandbreite der Themen und Ausdrucksformen (wie abwechslungsreich sind wir[...]) [?]

Das ist eine redundante Frage, die bereits beantwortet wurde. Wer im Wesentlichen Links und zweit- oder drittverwertete Texte postet und ansonsten wild im abzockenden und teils braunen Eso-Sumpf wühlt, sollte das Wort "Bandbreite" besser gar nicht erst in den Mund nehmen. Das schmeckt übel – vor allem dann, wenn man den glaubensbereinigten Kommentarbereich, in dem nur Ausgewählte schreiben dürfen, noch hinzunimmt.

(2e) Wie beurteilst Du die Musik- und Videoauswahl [?]

Gäbe es neben der "Sechs" noch eine schlechtere Benotungsmöglichkeit, wäre sie euch sicher. Es ist nicht auszuhalten, was ihr da an Musikbeiträgen verlinkt – und ebenso ist es nicht erträglich, was irgendein Hansel – wer auch immer das jeweils ins Blog stellt – dazu schreibt: Stets spricht hier die Dummheit, die von Tuten und Blasen in Bezug auf den jeweiligen Interpreten oder das musikalische Genre keine Ahnung hat. Beispielhaft sei hier Heinz Rudolf Kunze erwähnt, der laut "Jenseits der Realität" ein "Deutschrocker" sei, der in den 80ern mit dem Schlagersong "Dein sei mein ganzes Herz" "durchgestartet" sei. Noch dümmer könnte man das sehr zwiespältige, vielfältige Werk dieses ebenfalls zwiespältigen Mannes gar nicht zusammenfassen. Inkompetenz ist Chefsache bei "Jenseits der Realität".

(3) Welches sind für Dich die wesentlichen Stärken dieser Seite?

Äh ... wie meinen?

(4) Welches sind die gravierendsten Schwächen?

Äh ... wie meinen?

(5) Von welchem Autor/welcher Autorin würdest Du Dir wünschen, dass er oder sie (auch) künftig [eine] wichtige Rolle auf HdS spielt?

Ich fasse das mal so zusammen: Eigentlich gibt es ja nur einen "HdS-Autor", und das ist Holdger Platta. Ich könnte auf dem Narrenschiff auch ständig Beiträge von anderen AutorInnen veröffentlichen und dann so tun, als seien das Narrenschiff-Mitarbeiter. Das wäre indes lächerlich. Wer also – abgesehen von Platta – schreibt denn exklusiv für die Eso-Schleuder? Nicht einmal der "Chefredakteur" (bei diesem Wort muss ich unweigerlich laut lachen) Faulfuß lässt sich dazu herab, endlich mal etwas Neues für die Eso-Schleuder zu schreiben – die 12.000 Euro Spendengelder, die er dennoch munter anstrebt, müssen auch ohne irgendeine Arbeit, die er zu leisten bereit ist, drin sein.

(6) Um welche Themenbereiche sollte sich HdS künftig stärker kümmern?

Das ist doch sonnenklar: Um die dort leider so ferne Realität.

(7) Welche Themenbereiche nerven eher und könnten reduziert werden?

You're kidding me. Das ist nicht nett. Aber das sind EsoterikerInnen, die Geld wollen, ja schließlich nie, ich weiß.

(8) Welche "Ausdrucksformen" und Rubriken auf HdS gefallen Dir besonders (z.B. Musikvideo, Kabarettvideo, Satire, Gedicht, Essay, Sachartikel)? Welche weniger?

Das ist wiederum eine redundante Frage, die bereits beantwortet wurde. Hier tun die Bekloppten wieder so, als seien die verlinkten Dinge in irgendeiner Weise mit der Eso-Schleuder verbunden. Nichts könnte der Wahrheit ferner liegen. Und wenn ihr eine Live-Kamera aus dem Inneren von Marxens Grab verlinkt: Es bleibt dabei, dass der alte Knabe im selbigen wild rotierte, wenn er wüsste, dass sich heute ausgerechnet geistergläubige Vollidioten auf ihn beziehen.

(9) Welche Webseiten, zu denen wir oft verlinken, gefallen Dir besonders? Welche weniger?

Da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Besonders toll sind beispielsweise irrational.de, verrückt.de und ich-glaube-an-geister.de – aber auch all die anderen Seiten, auf denen eine Hohlbirne wie Bettina Bettdröge ein feuchtes Höschen bekommt, sind einfach geil. Wenn es dann auch noch Links zu Abzockangeboten irgendwelcher Scharlatane gibt, die bei "Jenseits der Realität" ja sehr gern hofiert und beworben werden, ist das Herz jedes Esoterikers befriedigt und die 12.000 Euro sind gewiss bald erreicht. Und das ist ja der Sinn und Zweck der ganzen Veranstaltung.

(10) Gibt es einen Link zu einem Artikel oder zu einer Webseite, den wir auf HdS mal bringen sollten?

Ernsthafte Texte haben dort nichts verloren und würden die Gläubigen nur unnötig irritieren bzw. vom Denken und vor allem vom Spenden abhalten. Daher empfehle ich hier die deutsche Flat Earth Community – das fehlt auf "Jenseits der Realität" noch und würde den abstrusen Reigen abrunden.

(11) Gibt es ein Musikvideo, das Du uns besonders empfehlen würdest?

Nein. Es gibt tausende Musikvideos, die ich solchen Flachpfeifen wie euch nicht nur "empfehlen würde", sondern tatsächlich empfehle – wenn ich mich aber tatsächlich für eines entscheiden soll, fällt meine Wahl auf dieses:


(Orden Ogan: "F.E.V.E.R.", aus dem Album "Ravenhead", 2015)

(12) Gibt es weitere Anregungen, die Dir einfallen?

Die einzige sinnvolle Anregung, die mir einfällt, ist diese: Hört doch um des Spaghettimonsters Willen damit auf, die Leute unablässig zu verarschen und abzuzocken und legt die Eso-Schleuder endlich still. Es ist schlimm genug, dass es vereinzelt Menschen gibt, die ausgerechnet euch dem linken Spektrum zuordnen – umso wichtiger sollte es sein, dass diesem intellektuellen Irrsinn nicht noch weitere Menschen folgen. Ich verstehe schon, weshalb es für euch keine Option ist, eurem Geisterglauben nur noch im heimischen Keller zu huldigen – dort gibt es schließlich keine Kohle abzugreifen. Oder gibt es noch einen anderen Grund, weshalb ihr eine reine Privatangelegenheit ganz und gar nicht privat behandelt, sondern in epischer Breite zu einer öffentlichen Sache macht? Selbst die fiktive Figur "Jesus" hätte Gestalten wie euch längst aus dem "Heiligen Tempel" vertrieben.

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Ich weiß, das waren schon wieder viel zu viele Worte für eine eigentlich redundante Sache. Ihr habt ja recht. Die Geistergläubigen machen aber trotzdem immer weiter und lassen sich nicht beirren, ganz egal, was anderswo dazu geschrieben oder gesagt wird. So funktioniert Religion – und ein Aspekt dieses Beitrages soll darauf hinweisen, dass Religion eben nicht nur auf obskuren Eso-Seiten im Internet zu finden ist, sondern überall in unserem Umfeld: Die Politik handelt semi-religiös (auch wenn ihr unterstellt werden darf, gegen besseres Wissen zu handeln); die Filterblase ist religiös und das eigene Denken ist oft ebenfalls religiös. Es gilt, den Kopf gelegentlich aus dem Sumpf zu heben, um einen Rundblick bis zum Tellerrand – und wenn der schneidige Wagemut reicht, sogar darüber hinaus – zu wagen. Religiöse und Esoteriker können und wollen bzw. dürfen das nicht – alle anderen aber sollten das dringend immer wieder tun.

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This is beautiful


(warandpeas.com)

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Des Popen Poltergeist


Wusstet Ihr schon, dass der Satan tatsächlich existiert? Das jedenfalls hat der aktuelle Papst herausgefunden und er ließ dementsprechend jüngst verlautbaren:

Papst Franziskus hat die Katholiken eindringlich vor jeglicher Kontaktaufnahme mit dem Teufel gewarnt: Die Gläubigen sollten "nicht mit dem Satan reden", weil dieser eine sehr intelligente, rhetorisch überlegene "Person" sei. (...) / Satan stehe für das konkrete Böse und nicht für eine diffuse Sache, warnte der Papst. "Wenn du anfängst, mit Satan zu reden, bist du verloren. Er verdreht dir den Kopf." Es sei besser wegzugehen. Auch Priestern und Bischöfen gaukle Satan Gelehrtheit vor. "Und wenn du es nicht rechtzeitig bemerkst, dann endet es böse", fügte der Pontifex hinzu.

Zuerst habe ich ja gedacht, dass der senile Opi meinen geschätzten Freund Faulfuß meint, bis mir auffiel, dass hier ja von "Gelehrtheit" die Rede ist, womit der nun leider ausscheidet. Wer also könnte mit jener "Person" gemeint sein? Irgendwelche PolitikerInnen kommen aus demselben Grund nicht in Frage, habgierige KapitalistInnen und KriegstreiberInnen erst recht nicht, und über Nazis müssen wir uns in diesem Zusammenhang gar nicht unterhalten. Wer ist also "gelehrt", "rhetorisch begabt" und aus der lodernden Hölle emporgestiegen, um Menschen hinterlistig auf absurde, teuflische Wege mitten hinein ins "Böse" zu führen? Hat der Greis wohl doch einmal in den Spiegel geschaut, bevor er zu dieser Erkenntnis gelangt ist? ;-)

Ach nein, das "glaube" ich nicht – ich befürchte vielmehr, dass der arme, sehr reiche Mann in seinem Wahn gar nicht bemerkt, dass er eigentlich in eine geschlossene psychiatrische Einrichtung gehört, da sein abstruser, infantiler Geisterglaube nun wahrlich keine "Privatsache" ist, sondern viele weitere Menschen, die leider ebenso anfällig für derlei Erkrankungen sind, massiv beeinflusst. So auch meinen besagten Freund Faulfuß, denn der hat sich des Popen Anweisung zum Umgang mit dem Gehörnten schon längst zu eigen gemacht:

So hatte Franziskus in der Vergangenheit Priestern empfohlen, lokale Exorzisten hinzuzuziehen, sollten sie im Beichtstuhl Zeuge großer spiritueller Unordnung werden.

Gut, Fauli ist kein Priester und sein Eso-Blog kein Beichtstuhl – aber warum sollte man es da auch so genau nehmen! Während dort nämlich unverhohlen und fleißig Werbung für esoterische Abzocker gemacht wird, ist der Exorzismus im Kommentarbereich stets aktiv: Blasphemische – also allzu kritische – Kommentare werden brav getilgt und literweise mit Weihwasser und Papsturin besprüht, um die "spirituelle Ordnung" nicht zu gefährden. Endlich verstehe ich diese Zensur – dem Popen sei's gedankt – und weiß damit auch, wer zur Hölle jener ominöse Poltergeist des Popen sein muss ...

Ich versichere reinen und lodernden Herzens: Der Exorzismus wirkt nicht, und ein Gespräch mit mir und anderen Atheisten endet auch niemals böse – ganz im Gegenteil. :-)


Dienstag, 12. Dezember 2017

Ökologismus: Die Religion der Vernebelten


Vor zwei Wochen habe ich mit Interesse und großem Vergnügen bei spektrum.de die Glosse "Was wäre, wenn Weltretter gar nicht die Welt retten möchten?" von Vince Ebert gelesen. Dabei handelt es sich um einen – freilich stark komprimierten und selbstredend nicht alle Facetten beleuchtenden – Text zum komplexen Thema "Ökologie", das Ebert mit einem Zitat von Prof. Josef Reichholf zusammenfasst:

Der Ökologismus hat sich vor einem Dritteljahrhundert der Ökologie bemächtigt und zu einem religionsartigen Lebensmodell entwickelt, das uns in immer stärkerem Maße vorschreibt, was zu tun und zu lassen ist.

Den lesenswerten Beobachtungen Eberts kann ich – gänzlich unwissenschaftlich und aus rein persönlichen Erfahrungen heraus, wie das auf diesem Gebiet allgemein üblich ist – nur beipflichten: Der "Ökologismus" als Religionsersatz begegnet mir seit Jahren (eher: seit Jahrzehnten) in immer radikalerer und stets vehement missionierender Form – und er ist dabei keineswegs nur auf diverse "NGOs" beschränkt, sondern hat sich bereits bis weit in die – meist "bürgerliche" oder sich dafür wähnende – Gesellschaft ausgebreitet.

Ob es nun darum geht, beispielsweise "Wale zu retten", indem man einen kapitalistischen "Erlebnistourismus" wie "Whale watching" etabliert; ob man besonders "niedliche" Tiere wie beispielsweise den Pandabären instrumentalisiert, der inzwischen strikt geschützt wird, während weniger "niedliche" Tiere weiterhin gnadenlos und oft unbeachtet ausgerottet werden; oder ob es um das leidige Thema der "gesunden" Ernährung geht, zu der es selbst in der Wissenschaft fast so viele unterschiedliche Thesen wie Lehrstühle gibt – letztlich verfolgt die ökologistische Religion doch allzu oft ganz andere Interessen, die eher mit persönlichem Profit und weniger mit Ökologie zu tun haben. Ebert bringt ein hübsches Beispiel dafür:

Können Sie sich noch an den Skandal um Brent Spar erinnern? Greenpeace behauptete damals, dass die Ölplattform so stark mit Giftstoffen belastet wäre, dass eine Versenkung im Meer das Ökosystem dort hochgradig belasten würde. Die Behauptungen über die Schadstoffe waren nachweislich aus der Luft gegriffen, und die Umweltorganisation entschuldigte sich später dafür. Dennoch wurde das Ungetüm für 60 Millionen Euro an Land entsorgt. Hätte man es stattdessen im Nordatlantik versenkt, wäre es sehr schnell zu einem Lebensraum für Meerestiere geworden. Salopp gesagt hat Greenpeace den Shell-Konzern gezwungen, 60 Millionen Euro für die Zerstörung eines seltenen Korallenriffs auszugeben.

Ein weiteres Exempel ist die aktuelle, unsägliche Debatte um Glyphosat, die ebenfalls größtenteils kampagnenartig und weniger bzw. gar nicht mit Fachwissen geführt wird. Auch hier zeigt sich die religiotische Tendenz des Ökologismus', bestimmte Produkte, Ereignisse oder Aspekte herauszugreifen, ohne einen Blick über den jeweiligen, sehr begrenzten Tellerrand hinaus zu wagen: Wer – aus welchen "ökologischen" Gründen auch immer – gegen den Einsatz von Glyphosat ist, muss logischerweise auch gegen den Einsatz aller anderer Herbizide in der Landwirtschaft – und selbstverständlich auch im eigenen Garten bzw. auf der gepflasterten Zufahrt zur SUV-Garage – sein. Alles andere ist populistischer Schmonzes und letzten Endes nichts weiter als eine der üblichen Ablenkungen vom eigentlichen Problem. Die naheliegende Frage, wie eine Landwirtschaft aussehen müsste, die auch ohne den Einsatz von Herbiziden die wachsende Weltbevölkerung ernähren könnte bzw. ob das überhaupt sinnvoll oder machbar wäre, kommt im Kontext der Anti-Glyphosat-Kampagnen schlicht gar nicht vor. Die Monstranz wird dennoch tapfer hochgehalten.

Ebenso sind "Bio-Produkte" aus meiner unmaßgeblichen Sicht inzwischen oft nichts weiter als Nebelkerzen der Reklame, die in erster Linie – wie sollte es in Kapitalistan auch anders sein – Profitzwecken dienen. Letzte Woche im Supermarkt sah ich doch allen Ernstes Kiwi-Früchte aus Neuseeland, die mit dem Label "Bio" angepriesen wurden – für weniger als zwei Euro für sechs Stück, hübsch verpackt in Plastikfolie. Da freut sich die Natur ein dickes, eiterndes Loch in den Bauch. Und diese absurde Liste ließe sich fast beliebig ins schier Unendliche verlängern.

Vince Ebert beschließt seinen Beitrag mit einer Anekdote, die ich hier nicht unerwähnt lassen kann:

Neulich kam ich übrigens mal in der Fußgängerzone mit einem jungen Umweltschützer ins Gespräch. Als ich ihn fragte, warum seine Organisation denn immer nur gegen Pelzmäntel demonstriert, aber nie gegen Lederbekleidung, zuckte er mit dem Schultern: "Weil man ältere Damen risikoloser anpöbeln kann als die Hells Angels!"

In diesem Sinne: Amen.

(Oder vielleicht doch eher ein satirisches "Fuck you".)

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Take me already


(warandpeas.com)

Freitag, 17. November 2017

Religiöse Fundamentalisten, der pure Zufall und der Eigennutz


Wohl jeder hat schon einmal etwas von den "Kreationisten" gehört – jener fundamental-christlichen Sekte, die insbesondere in den USA aus den Reihen der "Evangelikalen" hervorgegangen ist und die inzwischen auch in anderen "westlichen", also kapitalistischen Ländern – einschließlich Deutschland – immer mehr Anhänger findet. In jenen Kreisen glaubt man brav an das "Wort Gottes", wie es in der Bibel steht – jeweils basierend auf der bevorzugten Übersetzung der Rückübersetzung der Übersetzung des längst verschollenen Urtextes. Wenn in jenem "Buch der Bücher" also zu lesen ist, dass "Gott die Welt in sieben Tagen schuf", dann glauben Kreationisten dies, während die Evolutionstheorie Teufelszeug für diese Gläubigen darstellt. So weit, so lächerlich und irgendwie lustig.

Weniger bekannt ist allerdings, dass es eine ebenfalls zunehmende Anzahl von Menschen gibt, die ohne den konkreten Bezug auf eine bestimmte Religion oder deren "göttliche" Schriften ebenfalls die "These" des "Intelligent Design" vertreten, die im Grunde dasselbe verkündet. Vince Ebert hat dazu kürzlich eine amüsante Glosse bei spektrum.de veröffentlicht, aus der ich zitiere:

Betrachtet man die Idee allerdings etwas genauer, so treten viele Widersprüche auf. Wenn uns angeblich tatsächlich ein kluger, allmächtiger Designer erschaffen hat, warum hat er dann so etwas Unnötiges wie den Blinddarm entwickelt? Gut, vielleicht war er Chirurg … / Wenn man sich etwas intensiver im menschlichen Körper umschaut, muss man ohnehin an einem intelligenten Designer zweifeln. Das linke Ohr ist mit der rechten Hirnhälfte verbunden, Luft- und Speiseröhre sind gekreuzt, die Abwasserleitung läuft direkt durch das Vergnügungsviertel. Kein Bauleiter würde so eine Butze abnehmen. Intelligenter Schöpfer hin oder her – Innenarchitektur ist mit Sicherheit nicht seine Stärke.

Die Lektüre macht durchaus Spaß. Selbstverständlich muss man diesem semi-religiösen Irrsinn aber noch auf ganz andere Weise begegnen, beispielsweise indem man fragt, was dem "intelligenten Designer" denn wohl an Darmwinden durch den Kopf gegangen sein mag, als er das irdische Prinzip des Fressens und Gefressenwerdens "geschaffen" hat. Wie intelligent ist es, dass beispielsweise manche Fische millionenfachen Nachwuchs in die Welt setzen (müssen), von dem der allergrößte Teil allerdings von anderen Lebewesen aufgefressen wird, so dass nur eine vergleichsweise geringe Anzahl der "Kinder" der Arterhaltung dient? Beispiele wie dieses gibt es tausendfach in der Natur. Ein "intelligenter Schöpfer", der sich so etwas ausdenkt und umsetzt, muss wohl ein pathologischer Sadist, ein Geisteskranker oder ein Kapitalist (okay, das ist ein Synonym für beides) sein.

Derlei Einwände berühren wahre Gläubige jedoch nicht – weshalb die Frage gestattet sein muss, ob eine solche bescheuerte "These" wie das "Intelligent Design" tatsächlich die Ursache oder nicht doch vielmehr ein nachgeschobenes, allzu konstruiertes "Bekräftigungsargument" des auch vorher schon vorhandenen Aberglaubens darstellt. Wie so oft, findet man auch dazu eine passende Antwort bei den esoterischen Glaubensspinnern von "Jenseits der Realität" (Klicken und Lesen auf eigene Gefahr!):

Monika H., Heilerin mit eigener Praxis, erzählt in diesem Auszug aus ihrem Buch "Sei still meine [sic!] Herz, die Bäume beten", wie man im Sinne des Weisen Lao Tse Vertrauen vermehren kann.

Wer sollte einer selbsternannten Heilerin [sic!] – mit "eigener Praxis" gar, ähnlich einer Kardiologin –, die Bäume beten hört und "Gebetsheilung" anpreist, auch widersprechen? Nein, das verbietet sich strikt – man darf psychisch Kranke nicht an den Pranger stellen. Es sei denn, sie sind gar nicht psychisch krank, sondern verfolgen heimlich ganz andere – in diesem Segment meist sehr eigennützige, nämlich schnöde finanzielle – Interessen.


(Die Karte "9 Scheiben: Gewinn" aus dem "Röhrig-Tarot")

Dazu noch einmal Vince Ebert:

Würde die Naturgeschichte noch einmal ablaufen, so verliefe sie vollkommen anders. Genau das ist wahrscheinlich der Grund, weshalb die Evolutionstheorie bei christlichen Fundamentalisten so unbeliebt ist. Weil sie zeigt, dass der pure Zufall zu unserer Existenz führte.

Ich sollte mir endlich überlegen, ob ich nicht auch auf das Business "Esoterik" umsattele: Damit lässt sich im Gegensatz zu linken Blogpostings offenkundig richtig viel Geld verdienen, ohne tatsächlich arbeiten oder denken zu müssen. Wieso in des Spaghettimonsters Namen habe ich bloß immer diese vielen Skrupel, die andere gar nicht zu kennen scheinen?!? Ich besitze schließlich mehr als 40 Tarotkarten-Sets aus drei Jahrhunderten, die ich vor Jahren mal aus wissenschaftlicher Tollheit angeschafft habe (kein Scherz), weil ich mich mit dem literarischen Thema "Humbug, der seit Jahrhunderten immer wieder neu aufgelegt wird" beschäftigt habe und nach passenden Illustrationen für diese Arbeit suchte – und dort natürlich reichlich fündig wurde.

Ich biete also ab sofort Tarot-Sessions an: Für nur 873,99 Euro pro angefangener Stunde zzgl. Mehrwertsteuer lege ich Euch die Karten Eurer Wahl und sage Eure Heilung voraus! Wer bucht zuerst? Monika H., möchtest Du beginnen? Die ersten zehn BucherInnen bezahlen nur 647,39 Euro! Ihr spart euch reich – entdeckt Eure Heilung!

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Der letzte Halt


"Ich glaube nicht mehr an Gott, ich glaube nicht mehr an die Menschen – und jetzt wollen Sie mir auch noch die Karten verekeln!"

(Zeichnung von Olaf Gulbransson [1873-1958], in "Simplicissimus", Heft 44 vom 31.01.1923)

Mittwoch, 8. November 2017

Die "bürgerliche Mitte": Von Ratten und Menschen


In der jüngsten Ausgabe der Satiresendung "Die Anstalt" haben die Kabarettisten Max Uthoff, Claus von Wagner und ihre Mitstreiterinnen sehr hübsch herausgearbeitet, wie der neoliberale Umbau der Welt seit 1947 gezielt und geplant von diversen LobbyistInnen und entsprechenden, für diesen Zweck gegründeten und miteinander vernetzten "Think Tanks" durchgezogen wurde. Leider wird auch dort das Wort "Kapitalismus" strikt vermieden, so dass wieder einmal die – möglicherweise gar nicht beabsichtigte – Illusion kolportiert wird, es könne im Gegensatz zum bösen, neoliberalen Kapitalismus auch einen "guten" Kapitalismus geben. Das ist freilich absurder Blödsinn.

Was diese schäbige, zerstörerische und zutiefst infantile Ideologie, die längst religiöse, fundamentalistische Züge angenommen hat, mit vielen Menschen anrichtet, ist indes allerorten zu beobachten. Ein weiteres von so vielen Beispielen las ich kürzlich in einer Kolumne von Mely Kiyak bei Zeit Online. Dort heißt es zum Thema Obdachlosigkeit in Berlin unter anderem:

Der grüne Berlin-Mitte-Bürgermeister Stephan von Dassel ließ mit großem Tamtam und flankiert von Interviews verlauten, dass "50 besonders aggressive" osteuropäische Obdachlose den Tiergarten verdrecken würden. Er forderte Abschiebungen nach Polen. (...) / "Die Ratten kann man nur bekämpfen, wenn die Menschen weg sind", sagte die Pressesprecherin des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg. Sie ließ eine "Räumung aus hygienischen Gründen" anordnen. (...) / Gern wäre man dabei gewesen, wenn zwei Sozialarbeiter die Menschen darauf hinwiesen, dass sie sich in einem Wärmebus einen Becher Tee abholen dürfen, derweil ihre Zelte und Matratzen und ihr letztes Hab und Gut vor ihren Augen auf den Müll wanderten. Worauf sie wohl in den kommenden Nächten schliefen? Auf nassem Laub?

So sind sie, die kapitalistisch verdorbenen Menschen – und dies ist exakt die perverse Welt, die sich Kapitalisten ("Neoliberale") herbeiträumen und die sie in weiten Teilen längst erreicht haben. Da fällt einem "Grünen" die abgrundtiefe Menschenfeindlichkeit, die er ausposaunt, gar nicht mehr auf; und für den angeschlossenen Partei- und Behördenapparat ist es offenbar eine Selbstverständlichkeit, eine wie auch immer postulierte "Rattenplage" mit – in diesem Fall etwa 50 – obdachlosen Menschen in Zusammenhang zu bringen, was an sich schon grotesk ist, und in der Folge nicht etwa diesen Menschen zu helfen, indem man ihnen beispielsweise schlicht Wohnraum anbietet, sondern sie stattdessen polizeilich vertreiben lässt.

Aus allen diesen Worten und Taten brüllt uns der Faschismus entgegen – und zwar unverhohlen und ganz ohne pseudodemokratische Maske. Man sieht: Die AfD wird gar nicht gebraucht – die Drecksarbeit der menschenfeindlichen Umsetzung der kapitalistischen Zerstörung erledigen die Parteien der "bürgerlichen Mitte" auch ganz ohne die Hilfe der offen Rechtsradikalen. Das obige Beispiel ist nur das Schneeflöckchen auf der Spitze des Eisberges.

Es führt wohl kein Weg daran vorbei endlich anzuerkennen, dass die "bürgerliche Mitte" Deutschlands mittlerweile wieder Hakenkreuzarmbinden trägt, auch wenn sie dies reflexartig sehr erbost von sich weist. Mir wird speiübel, wenn ich mir vorstelle, wohin das führen kann – bzw. zwangsläufig führen muss.

Montag, 23. Oktober 2017

Der linke Konservative


Eine Glosse am Rande des glucksenden Wahnsinns

Eigentlich hatte ich ja vor, mich inhaltlich nicht mehr mit den Auswürfen meines geschätzten Freundes Roland Faulfuß, die er – sofern er denn gelegentlich mal einen selbst verfassten Text veröffentlicht – in seine esoterische, wirre Filterblase entlässt, die er merkwürdiger Weise für "das Internet" oder gar "die Welt" hält, zu befassen. Heute muss ich mit diesem Grundsatz leider brechen (und ich sehe schon die genervt rollenden Augen einiger MitleserInnen, denen mein ganzes, aufrichtiges Mitgefühl gilt), denn der Mann hat wieder einmal so viel geballten Blödsinn aus seinem hypersensiblen Hirn gesaugt und in pseudointellektuelle Worthülsen gezwängt, dass mir gar keine andere Wahl bleibt. Es nützt ja schließlich nichts, sich bloß in den eigenen vier Wänden oder im kleinen Kreis aufzuregen – das ist nicht gut für den Blutdruck und die gehaltvolle Verdauung.

Faulfuß hat sich nun – wenn auch über Bande und mit dem obligatorischen Fragezeichen versehen, auf das sich Leute seines windigen Schlages stets herausreden können, wenn es "hart auf hart" kommt – als "linker Konservativer" geoutet. Da schmerzt sogar das schmerzunfähige Stammhirn und die Fußnägel rollen sich beherzt auf, dass es eine wahre Wonne ist. Für den Eso gehört nun also "Computer- und Kommunikationsspielzeug" zu irgendwelchen "vielen skurrilen Interessengebieten, denen man frönen, denen man sich aber auch entziehen" könne. Das ist mal eine Aussage, die so dämlich ist, dass auch die weiteren Ausführungen daran nichts mehr ändern, denn offenbar versteht der "linke Konservative" darunter lediglich oder zumindest vornehmlich die Dumpf-Phone-Besessenheit der hiesigen (keineswegs nur jungen) Bevölkerung.

Dass er selbst dem "Computer- und Kommunikationsspielzeug" frönt, indem er seit Jahren an einem obskuren Blog mitarbeitet, fällt ihm nicht auf – und so merkwürdige, lächerliche Menschen wie beispielsweise ich fallen ganz durch sein monokausales Raster: Ich boykottiere Dumpf-Phones seit vielen Jahren und lasse es mir dennoch nicht nehmen, mich ausgiebig mit dem Computer, mit diverser Software und gelegentlich sogar mit (*Jesses hilf!*) Computerspielen zu beschäftigen. Damit bin ich in des Faulfußes kleiner Biene-Maja-Welt schon ein Sektierer, ein Menschenfeind, ein Aussätziger.

Das war aber bloß der Prolog. Was der Mann danach vom Stapel lässt, offenbart das ganze Ausmaß der intellektuellen Einöde, in der er sich befindet bzw. befinden muss. Es sprengte den Rahmen, jede einzelne Äußerung des Wahn- und Irrwitzes hier zu kommentieren, so dass ich mich auf eine Auswahl im Nano-Bereich beschränke. Faulfuß schreibt beispielsweise:

Ich selbst will den Status Quo nicht "einfrieren". Entwicklung ist unvermeidlich und oft auch gut. Aber das Tempo der Veränderung muss sich den Menschen und ihren Bedürfnissen anpassen, nicht umgekehrt. Heute haben wir es geradezu mit einem Innovationsterror zu tun.

Abgesehen davon, dass diese Passage – wie auch der gesamte Text – mit keiner Silbe darauf eingeht, weshalb diese Forderung im kapitalistischen System vollkommen blödsinnig ist, da dem Kapitalismus "der Mensch und seine Bedürfnisse" schlichtweg scheißegal sind – hier geht es einzig um möglichst viel Profit für die "Elite" –, ist auch der letzte Satz hanebüchener Unsinn. Die technische Innovation – egal, wie man diese nun im einzelnen bewerten möchte – ist seit mehr als hundert Jahren in einem wahnwitzigen Tempo auf ihrem dampfenden Weg. Das kein neues Phänomen. Die technischen "Quantensprünge" beispielsweise der Elektrizität, der Dampfmaschine und damit der Eisenbahn oder der Verbrennungsmotoren haben in der Vergangenheit für ähnlich dramatische Veränderungen und natürlich auch Verwerfungen gesorgt. Faulfuß plappert hier schlicht esoterischen Bockmist nach, für den er sogar einen "Zeugen" (Harari) benennt und den er als "Bestseller-Autor" vorstellt, so als seien die Verkaufszahlen eines Printwerkes ein Indiz für die Relevanz oder Qualität desselben. Einige der üblichen Propagandatechniken der korrupten Bande beherrscht der Hochsensible bereits. Er zitiert Harari:

Obwohl sich Geschichtswissenschaftler mit fast jedem erdenklichen Thema beschäftigen – von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft über Geschlechter und Sexualität bis zu Krankheiten, Essen und Kleidung –, haben sie sich nie gefragt, welchen Einfluss das alles auf das Glück der Menschen hat. Das ist die größte Lücke in der Geschichtsschreibung.

Auch diese Aussage, die sich Fauli zu eigen macht, ist falsch. Einerseits ist es ja nicht die primäre Aufgabe der Geschichtswissenschaft, dem "Glück der Menschen" nachzuforschen – und es ist damit auch keine "Lücke"; andererseits sollte der Verfasser einfach mal einen Blick in die langen Buchregalreihen dieser Wissenschaft riskieren, um festzustellen, dass es trotzdem sehr wohl Veröffentlichungen, die zu diesem Themenkomplex zählen, gibt. Arbeiten aus anderen Wissenschaftsbereichen oder gar fachübergreifende Forschung will ich hier gar nicht erst erwähnen. Die Behauptung ist stumpfsinniger Mumpitz.

Es folgt ein Highlight der Faulfuß'schen Blümchenwelt:

Leider gelten zufriedene Menschen aber heute als Feinde einer florierenden Wirtschaft. Sie weigern sich, den Herstellern von technischem Schnickschnack als Zielgruppe zur Verfügung zu stehen.

Beim ersten Lesen war ich froh, dass ich gerade keinen Kaffee trank, der sich sonst unweigerlich über meinen technikfreundlichen, scharf zu verdammenden Monitor ergossen hätte. "Heute" sind also Menschen, die sich dem Konsum verweigern, "Feinde der Wirtschaft"? Ah ja? Was waren solche Menschen denn vor 20, vor 40 oder vor 100 Jahren? Des Kapitalisten liebste Freunde? Oder gab es die vormals gar nicht? Und wieso betrifft das heute nur "zufriedene" Menschen? Können nicht auch gänzlich Unzufriedene die viel "besseren" – weil schlagkräftigeren – Feinde des Kapitals sein? Man weiß so wenig, wenn die Sprachkunst des Autors sich auf einem derartig befremdlichen, semi-religiösen Niveau bewegt.

Selbstverständlich führt Faulfuß diese an sich schon absurden Gedanken noch weiter fort und kommt zu dem Schluss, den ich zur Illustration seiner Absurdität in die Sprache der vergleichbaren Menschen von vor hundert Jahren übersetzen möchte: "Heute ist der Eisenbahner dieses prägende Leitbild unserer Kultur. Ob wir wollen/können oder nicht – wir müssen, um im modernen Alltag überleben zu können, zumindest partiell so werden wir 'die'. Eine Zwangsbekehrung zur Religion der Dampfmaschinen-Enthusiasten findet derzeit statt. In der Folge verbrauchen wir viel Zeit und Energie, um mit Hilfe von Technologien Probleme zu lösen, die ohne sie gar nicht entstanden wären."

Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Auch das Eisenbahnzeitalter hat seinerzeit extrem viel Leid, Elend und Not verursacht und massenhaft Menschen in Abhängigkeiten, Armut und finstere Ausbeutung gestürzt, während wie gewohnt nur eine kleine Minderheit davon profitiert hat und steinreich auf Kosten der übrigen Menschen geworden ist – aber trotzdem war diese Technologie ein Meilenstein der wenig ruhmreichen Menschheitsgeschichte. Die Pervertierung bezieht sich ja nicht auf die Technologie, sondern auf deren "leitende" Anwender und deren Ziele. Dasselbe trifft heute auf Computer und auch das Internet zu. Die kapitalistischen Auswüchse bzw. "normalen" Ausformungen der Ausbeutung, Armut und imperialistischen Widerlichkeiten, die zu einem technologischen Sprung im Kapitalismus eben immer dazugehören, gilt es heute ebenso scharf zu bekämpfen wie damals. Solch einfache Schlussfolgerungen aus der Primarstufe zieht Faulfuß jedoch natürlich nicht.

Letztlich kommt auch in diesem Text wieder das altbekannte, zum wiederholten Kotzen bemühte "Naturverständnis" dieser verblendeten Eso-Heinis zutage, das auch gerne mit dem abergläubischen Begriff "Schöpfung" belegt wird. Ich frage mich jedesmal, wenn ich so einen Kappes lese, ob der Urheber tatsächlich in derselben Welt lebt wie ich: Schließlich handelt es sich bei "der Natur" um ein System, das essenziell und primär auf dem völlig perversen Prinzip des "Fressens und Gefressen-Werdens" beruht. Wenn Faulfuß sich also in seinem "Biotop", das er in seinem wirren Beitrag visuell angedeutet hat, befindet, ist er sich offensichtlich nicht bewusst, dass um ihn herum zu jeder Sekunde tausende von Lebewesen andere Lebewesen töten und auffressen, um sich selbst am Leben erhalten zu können. Eine andere Wahl haben sie nicht. Das ist "Natur". Wer so etwas auch noch einem "Gott" als "Schöpfung" in die Schuhe schieben will, hat offensichtlich noch größere psychische und intellektuelle Probleme als die AfD oder die CDU. – Merke (es folgt eine steile, aber nicht von der Hand zu weisende These): Wer "die Natur" als "gutes Beispiel" bemüht, muss zweifellos ein übler Faschist sein.

So sind sie eben, die "Konservativen" bzw. Kapitalisten bzw. Esoteriker bzw. Faschisten: Jenseits der Realität.

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Naturidyll


Der Löwe (der Konservative) und das Zebra (die Linke) chillen friedlich gemeinsam im Paradies der Natur.

Donnerstag, 14. September 2017

12.000 Euro: Und der Eso, der hat Zähne ...


Meine liebsten Esoterikerfreunde von "Jenseits der Realität" werden nicht müde, um Geld zu betteln. Sie tun es mit Inbrunst und hören damit auch nicht wieder auf: Schon vor einem halben Jahr habe ich mich mit diesem unschönen Thema beschäftigt – und seitdem ist die Eso-Seite gleich geblieben.

Aktuell kopiert der Oberesoteriker Faulfuß mal wieder Textbausteine, die er schon mehrere Male zu diesem Zweck verwendet hat – es ist sicher zu aufwändig oder zu schwierig, einfach mal neue Formulierungen für die wiederkehrende Bettelei zu finden. Effizienz ist eben auch in Esoterikstan das oberste Gebot – auf dass die Kohle der blökenden Schafherde sprudele.

Eigentlich könnte ich meinen oben verlinkten Beitrag ebenfalls einfach kopieren und danach schlafen gehen – schließlich hat sich in den vergangenen sechs Monaten nichts verändert. Ich schreibe aber trotzdem lieber einen neuen Text, da ich andere Ansprüche an ein politisches Blog stelle als die Esoteriker. Dabei ist es äußerst amüsant, dass der Oberguru sein realitätsfernes Blog weiterhin und ohne jede Ironie als "Magazin" bezeichnet. Wäre er ein Soldat, könnte ich das noch verstehen – schließlich muss das Magazin immer gut gefüllt sein, wenn die Gesinnungsfreunde in die Schlacht ziehen, um die vielen "Feinde", zu denen unter vielen anderen auch ich gehöre, auszumerzen.

Doch in Faulfußens Text geht es ja in erster Linie um Geld, worum auch sonst. Er möchte nicht 50, nicht 100, nicht 500 und auch keine 1.000 Euro haben – ihm schwebt eine Summe von 12.000 Euro vor dem irren Auge, die er gerne jährlich einsacken möchte. Wofür dieses Geld verwendet werden soll, bleibt natürlich im nebulösen Wabern verborgen – es ändert sich ja nichts daran, dass das Betreiben jenes Blogs schlichtweg gar kein (!) Geld kostet. Trotzdem fabuliert der Mann: Wenn nach Abzug aller ominösen "Kosten" noch etwas übrigbliebe, solle vielleicht auch irgendwann mal ein "Honorar" für AutorInnen gezahlt werden – wobei sich da sofort die Frage stellt, welche AutorInnen damit wohl gemeint sein sollen, da in diesem Katastrophenblog ja fast ausnahmslos Beiträge veröffentlicht bzw. verlinkt werden, die anderswo bereits zuvor erschienen sind.

Das soll 12.000 Euro pro Jahr "im Normalbetrieb" (*glucks*) kosten, meint der Faulfuß – und erntet schallendes Gelächter. Vielleicht sollte ich endlich damit beginnen, mir solche kapitalistischen Ziele auch zu setzen. Mich kostet das Bloggen zwar ebenfalls keinen läppischen Cent, wenn ich die DSL-Gebühren, die ich aber ohnehin hätte, mal ausklammere – aber 12.000 Euro im Jahr könnte auch ich wahrlich gut gebrauchen! Es ist ein wahrer Jammer, dass ich kein Eso-Spinner, sondern bloß ein doofer Kommunist bin.

Ich prostituiere mich aber herzlich gerne und kopiere die Faulfuß'sche Behauptung zur Legitimation dieser habgierigen Aktion deshalb frank und frei:

Mystik, undogmatische Spiritualität, die das Innerste im Menschen berührt, macht die Verbundenheit allen Lebens erfahrbar. Sie erinnert an nicht-materielle Werte und hilft dem Einzelnen, sich durch Selbst-Besinnung destruktiven Zwängen und Manipulationen zu entziehen.

Das tut sehr, sehr weh. An "nicht-materiellen Werten" ist Faulfuß offenkundig gar nicht interessiert – die "sehr-materiellen" Werte sind dagegen wesentlich interessanter. Mir ist übel, das Gehirn schmerzt und ich fühle mich schmutzig. Ich habe die Rechtschreibung, das logische Denken und die kritische Distanz nunmehr verlernt und zusätzlich meinen Intellekt in den nächstbesten Gulli am Marktplatz jenseits der Realität geschmissen – also müsst ihr mir jetzt mindestens 12.000 Euro jährlich spenden! – Ja, wie – niemand hat Bock darauf? Was seid ihr denn bloß für ekelige, unsolidarische Arschlöcher!?! Ihr werdet alle in der Hölle schmoren – das hat sogar Faulfuß bestätigt!

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Bestrafte Ketzerei


"Die glaubten nicht an Darwin."

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 28 vom 12.10.1925)

Montag, 17. Juli 2017

Eine satirische Übung zur "humanen Revolution"


Ein schmerzhafter Gehirnspagat ist ja vorprogrammiert, wenn Esoteriker sich über das Thema "Revolution" auslassen. Ich war also vorgewarnt, als ich vor einigen Tagen bei meinen Eso-Freunden von "Jenseits der Realität" einen Satz las, den der selbsternannte "Agnostiker" (also ein "gläubiger Nicht-Gläubiger") Holdger P. unter dem Titel "Denkmal!Pflege" [sic! bzw. lol!] veröffentlicht hat. Das Elaborat ist zwar versehen mit dem hilfreichen Hinweis, dass es sich nicht nur um esoterischen Dünnschiss, sondern auch um "anderes dummes und kluges [sic! bzw. lol!] Zeug" handele, allerdings ist zu bezweifeln, dass die wenig geistaffine Leserschaft dieses Blogs, das sich hochtrabend "Magazin" nennt, mit dieser scheinbar selbstkritischen Einschränkung etwas anfangen kann.

Wie dem auch sei – Holdger P. schrieb:

Eine humane Revolution breitet sich nicht durch Abschreckung aus.

Ich verschluckte mich und spie einen halben Liter Kakao auf meinen Monitor und die davor befindliche Tastatur, und ich behalte mir vor, Regressforderungen geltend zu machen. Ich dachte kurz nach, welche wie auch immer geartete "Revolution" sich denn wohl je durch "Abschreckung" ausgebreitet habe, kam aber zu keinem sinnvollen Ergebnis. Also fragte ich mich, was der Zusatz "human" in diesem Satz verloren hat, denn das könnte den Sinn ja eventuell völlig verändern – aber auch diese Überlegungen führten ins gewohnte Nichts.

Ich gebe so schnell aber nicht auf und entschloss mich daher, trotzdem über den Begriff "humane Revolution" weiter nachzudenken. Was mag der hochsensible Künstler damit wohl gemeint haben? Sind es die DemonstrantInnen, die den aufmarschierten Soldaten Blümchen in den Gewehrlauf schieben, bevor sie erschossen und verscharrt werden? Oder meint er die "Brüder und Schwestern" aus der ehemaligen DDR, die sich wie von Sinnen vom ausgetrockneten Feld des Pseudo-Sozialismus' in die kapitalistische Jauchegrube gestürzt haben und dort reihenweise ertrinken? Möglicherweise meint er aber auch nur die Ablösung des Festnetztelefons durch die staatliche Überwachungswanze, auch "Dumpf-Phone" genannt? Man weiß wahrlich sehr wenig.

Ich sinnierte so vor mich hin, ohne zu einem Schluss zu kommen, besann mich dann aber und erinnerte mich daran, dass es hier schließlich um Esoterik geht. So wird ein Schuh daraus: Wer fest daran glaubt, dass Globuli wirken, dass Gott die Geschicke der Welt lenkt oder dass der Nicht-Glaube an ein fliegendes Spaghettimonster auch nur ein Glaube sei, der kann auch von einer "humanen Revolution" schwadronieren, die sich im Gegensatz zu anderen Revolutionen nicht durch Abschreckung ausbreitet, ohne unverzüglich Gehirnkrebs zu bekommen. Ich war somit am Ziel – dachte ich.

Mein Restgehirn war aber nur noch eine breiige, empfindungslose Masse nach dieser Übung und ich habe mich jammernd nach der Erstürmung der Bastille, nach wütend geschwenkten Mistgabeln und aus dem Land gejagten, geteerten und gefederten Politikern und nach der unweigerlichen, zwingend notwendigen Abschreckung für nachfolgende Schlips-Borg gesehnt. Sodann bin ich weinend eingeschlafen und habe von einer humanen Satire und großen, noch humaneren Scheiterhaufen, auf denen nicht die Esoteriker, wohl aber deren Gehirnauswürfe unter jubelndem Massengeschrei verbrannt werden, geträumt.

(Rush: "Bastille Day", 1975)

Als ich wieder bei Sinnen war, hatte ich einen üblen Kater, als hätte ich zuvor eine Flasche Schnaps getrunken. Ein weiß gekleideter Engel mit güldenen Flügeln, der sich "Holdgus Patrius" nannte und mir unablässig die Peitsche gab, flüsterte mir dabei ohne Unterlass ins Ohr: "Glaube (*Peitschenhieb*), Charlie, glaube (*Peitschenhieb*) daran!" – Danach erschoss ich mich ohne Zögern und erwachte in der ewigen Mitternacht. Das ziegenhörnige, teuflische Lachen des Faulfußes erfüllt seitdem die totale Finsternis bis in alle Ewigkeit.


(Faulfußens Triumph)

Dienstag, 23. Mai 2017

Esoterik und Intelligenz: Ein "Pöbler" sinniert


Eine durch und durch esoterische Glosse

Bei spektrum.de habe ich vor einigen Tagen einen interessanten Text zu einem wissenschaftlich leider noch nicht abschließend geklärten Thema gelesen, in dem es heißt:

Sind Menschen mit höherem Intellekt tendenziell eher Atheisten? Mit dieser Hypothese haben sich Forscher und Denker schon von der Antike bis ins Internetzeitalter herumgeschlagen, und so stehen Edward Dutton vom Ulster Institute for Social Research und Dimitri Van der Linden von der Erasmus-Universität Rotterdam in guter Tradition: Die beiden Sozialwissenschaftler veröffentlichten jetzt in "Evolutionary Psychological Science" ihrer neuen Versuch, Erklärungen für die negative Korrelation von Religiosität und Intelligenz zu finden, die immer wieder in historischen Aufzeichnungen auftaucht und durch allerlei Erhebungen gestützt wird.

Beim Lesen dieses witzigen, empfehlenswerten Textes musste ich unwillkürlich an meine besten Freunde aus der Eso-Filterblase von "Jenseits der Realität" denken, die unentwegt weitere Indizien für diese sehr alte These nachliefern. Wer dort gelegentlich mal hineinschaut und all die meist unkommentierten Verlinkungen oder gar Übernahmen aus anderen Quellen – seien es nun esoterische oder politische – außen vor lässt, kann schnell erkennen, dass intelligente Menschen eher selten esoterischen Wahnvorstellungen anhängen. Eine dieser Ausnahmen ist Herr Plattfuß, der sich aus mir unbekannten Gründen devot in den Dienst dieser Betgeschwister gestellt hat – wobei ich mir angesichts seiner gruseligen "Ausflügen in die Poesie", die einem Literaturwissenschaftler regelmäßig fiese nekromantische Geschwüre im Gehirn bescheren, nicht ganz sicher bin, ob hier die Intelligenz oder doch bloß die literarische Kompetenz vorgetäuscht ist. Aber das mag einjede/r selbst entscheiden.

Ein besonders herausragendes Beispiel für die im Raum stehende These ist indes Roland Faulfuß, dessen Texte sich zuweilen so lesen, als sei beispielsweise ein für jeden erkennbar denkbefreiter Mensch wie Lapuente endlich seinem "Schicksal" [sic!] gefolgt und in ein SPD-Kloster gegangen, um dem sozialdemokratischen, verrottenden Spaghettimonster demütig zu huldigen. Faulfuß (nomen est omen) befindet sich schon längst in einem solchen intelligenzfeindlichen Hort der Dumpfheit, und er entblödet sich nicht, Kritiker inzwischen gar als "Pöbelblogger" zu bezeichnen (einen Direktlink zum Kommentar gibt's bei den Esos nicht). Das lässt tief blicken – auch wenn es wohl kaum (intelligente) Menschen gibt, die in eine solche schauderliche Grube blicken möchten.

Der Aberglaube gehört zum Wesen des Menschen und flüchtet sich, wenn man ihn ganz und gar zu verdrängen denkt, in die wunderlichsten Ecken und Winkel, von wo er auf einmal, wenn er einigermaßen sicher zu sein glaubt, wieder hervortritt.

(Johann Wolfgang von Goethe, aus: "Wilhelm Meisters Wanderjahre", 1807/29)

Nun kann man trefflich darüber streiten, ob der offenbar nicht ganz so intelligente Faulfuß mit diesem liebevollen Begriff des "Pöbelbloggers" schlicht "das Pöbeln" oder vielleicht doch eher "den Pöbel" gemeint haben mag – ich weiß also nicht, ob ich aus seiner Sicht ein "pöbelnder Blogger" oder doch bloß ein Teil des "bloggenden Pöbels" bin, oder ob er diesen, äh, kleinen Unterschied gar nicht macht bzw. versteht. Daher werde ich einfach weiter "pöbeln" und mich parallel dem "plebs" zugehörig fühlen, während im stumpfsinnigen Eso-Kuckucks-Land unbeirrt ganz munter weiter an der evolutionären Ausrottung der Intelligenz gearbeitet wird.

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Die treusorgende Glucke


"Und sie breitete ihre Fittiche schützend über sie."

(Zeichnung von Max Radler [1904-1971], in: "Der Simpl", Nr. 8 vom Juli 1946)

Samstag, 13. Mai 2017

Song des Tages: Heaven's a Lie




(Lacuna Coil: "Heaven's a Lie", aus dem Album "Comalies", 2002)

Oh no,
Here it is again.
I need to know
When I will fall in decay.

Something wrong
With every plan of my life.
I didn't really realize that you've been here.

Dolefully desired,
Destiny a lie.

Set me free,
Your heaven's a lie.
Set me free with your love,
Set me free.

Oh no,
Here it is again.
I need to know
When did I choose to betray you?

Something wrong
With all the plans in my life.
I didn't realize that you've been here.


Freitag, 5. Mai 2017

Das Ende der Solidarität: "Unterm Strich zähl' ICH"


Ich erinnere mich noch gut (und äußerst ungern) an die Zeit, als eine gute Freundin Anfang der 90er Jahre in den Fängen der Osho-Sekte (vormals Bhagwan) feststeckte und ich verzweifelt darum bemüht war, sie aus diesem esoterischen, furchtbaren und zerstörerischen Sumpf wieder hinauszubegleiten. Damals begegnete mir zuerst die auch heute in solchen Kreisen übliche Geisteshaltung, die u.a. in einem Sinnspruch wie diesem zum Ausdruck kommt: "Wenn jeder nur an sich selber denkt, ist doch an alle gedacht!"

Diese zutiefst egoistische Weltsicht ist heute allerdings auch jenseits ominöser Sektenkreise weit verbreitet und muss sogar als kapitalistischer Gesellschaftskonsens angesehen werden, der – gerade auch von den Massenmedien – stetig befeuert und proklamiert wird. Eine perfide Reklamebotschaft wie "Unterm Strich zähl' ich" ist symptomatisch für diesen krankhaften Zustand.

So verwundert es nicht weiter, dass inzwischen selbst mit diesem ekelhaften Prinzip Geschäfte gemacht werden. Offensichtlich gehört das menschenfeindliche Prinzip "Jeder ist sich selbst der Nächste" längst auch zur grausigen "deutschen Leitkultur", wie sie nicht nur Thomas "die Misere" in die Welt erbricht.

Vor kurzem war auf Zeit Online ein Text zu lesen, der dies auf erschreckende Weise illustriert. Unter dem Titel "Eine Tupperparty für Apokalyptiker" berichtet die Autorin Friederike Oertel dort:

Benjamin fährt mit einem Fluchtrucksack U-Bahn, hortet zu Hause Wasserkanister und ein Notradio. Er trainiert für Katastrophen und verdient damit sogar Geld. Warum? / (...) Es ist eine Tupperparty für Apokalyptiker: Viel Theorie, keine Praxis, Teilnahmegebühr 60 Euro und die Gadgets können direkt im Anschluss bei ihm bestellt werden. Fünfzehn Leute sind gekommen: Eine Anwältin ist im Internet auf den Kurs gestoßen. Sie hat den Thriller Blackout gelesen, in dem der österreichische Schriftsteller Marc Elsberg die Folgen eines europaweiten Stromausfalls beschreibt. Nun will sie wissen, was zu tun ist, wenn das Ende naht. Ein Teilnehmer Mitte 30 sucht die extreme Naturerfahrung, ein Pärchen spürt eine diffuse Bedrohung, fühlt sich vom Staat im Stich gelassen und will die Vorsorge nun selbst in die Hand nehmen. Eine ältere Dame in rosa Tweedblazer mustert ein Pulver, aus dem man Omelett zubereiten kann und erkundigt sich nach dem Preis. Eine Monatsration mit getrocknetem Gemüse, Pumpernickel und Vollmilchpulver kostet 279 Euro. Die Rettung in postapokalyptischen Zeiten hat ihren Preis.

Die Lektüre lohnt sich. Anhand dieses Beispiels wird deutlich, welchen Stellenwert der pure Egoismus – im Zweifel stets auch auf Kosten anderer, möglicherweise völlig unbeteiligter Personen – im Weltbild des "modernen Menschen", der im Kapitalismus leben muss, inzwischen einnimmt. Das kommt in Sätzen wie diesen zum Ausdruck: "Auch ein Fluchtrucksack ist gepackt. Darin: robuste Kleidung, Seile, Messer, eine Machete – die braucht er, falls er sich den Weg freikämpfen muss." – Hier wird nicht einmal mehr ansatzweise die Möglichkeit angedacht, dass Menschen im Falle einer tatsächlichen Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes vielleicht doch besser überleben können, wenn sie gemeinschaftlich handeln und sich gegenseitig helfen, anstatt auf einzelkämpferischen Egoismus zu setzen. Die Filmindustrie der vergangenen Jahrzehnte hat hier freilich ebenso fleißig an der rückhaltlosen Auflösung jedweder Solidarität mitgestrickt wie die Politik und die politischen Medien.

Jemand wie der im Text vorgestellte Benjamin mag in diesem Szenario vielleicht nur eine "Geschäftsidee" sehen, mit deren Hilfe er auf relativ einfache Weise persönlichen Profit generieren kann – die beteiligten Firmen tun das jedoch in jedem Fall. Dennoch ist hier eine Tendenz klar erkennbar, die das kapitalistische Prinzip des "The winner takes it all" (das logischerweise impliziert, dass die überwiegende Mehrheit der "loser" nichts bekommt und somit – in diesem Szenario – schlicht krepiert) zu einem perversen "Gesetz" erhöht, welches noch weit hinter die Steinzeit zurückfällt.

Benjamin hat allerdings auch nichts dagegen, wenn die Katastrophe ausbleibt: Im Anschluss an seinen Kurs können sich die Teilnehmer für ein Survival-Training im Wald anmelden. Auf dem Programm stehen Feuer machen, Wasser filtern, Nahrungssuche, das Schlachten eines Kaninchens – Pfadfinden für Erwachsene. Solange die Apokalypse ausbleibt, ist Preppen für ihn vor allem ein gutes Geschäft.

Ein Sinnbild für diese gruselige Geisteshaltung ist der zum Sterben zurückgelassene, bis zur Nacktheit ausgeplünderte, frierende und weinende alte Mann im Ausnahmefilm "The Road", an dem auch die beiden "Helden" dieser Geschichte achtlos und unsolidarisch vorübergehen und ihn damit dem sicheren Tod überlassen. Dieser großartige Film, den ich trotz mancher Widersprüchlichkeiten nur wiederholt empfehlen kann, weil er nicht irgendeinen Idealzustand, sondern das heute wahrscheinlichste Szenario des kapitalistischen, egoistisch motivierten Unterganges auf die Leinwand bringt, in dem es selbstredend kein hollywoodtypisches Happy End gibt, zeigt das Dilemma sehr gut auf. – Ich höre schon die Einwände: Wenn es doch so wahrscheinlich ist, dass kapitalistisch (a-)sozialisierte Menschen sich im Fall der Fälle so schrecklich verhalten, wieso soll dann die Vorbereitung darauf falsch sein?

Dem halte ich entgegen: Wer sich menschenfeindlich verhält, wird stets auch nur Menschenfeindlichkeit erfahren. Es ist dringend an der Zeit, die Solidarität neu zu entdecken und dem kapitalistischen Terror des Eigennutzes endlich wieder den Stinkefinger zu zeigen. Und das müssten insbesondere junge Menschen, die anders ticken als Benjamin, tun. Nur – wo sind sie?

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"Bedaure, ich bin im Verein gegen Bettelei!"

(Lithographie von Honoré Daumier [1808-1879] aus dem Jahr 1844, aus der Serie "Les philantropes du jour"; unbekannter Verbleib)

Dienstag, 25. April 2017

Der redundante Einwurf (3): "Zeichen und Wunder" im Eso-La-La-Land


Ohne Worte – und darauf einen Schnaps:


(Screenshot von "Jenseits der Realität")

Dienstag, 28. März 2017

Die Esos und das Geld


Es ist ja nichts Neues, dass in Blogs gerne mal um Geld gebettelt wird: Die "NachDenkSeiten" tun es, die "Neulandsozialdemokraten" tun es, und auch ich habe das schon getan, als es mal wieder sehr eng wurde und der Gerichtsvollzieher vor der Türe stand. Daran ist aus meiner Sicht prinzipiell nichts auszusetzen.

Anders verhält sich das allerdings bei den Eso-Spinnern von "Jenseits der Realität". Auch dort hat mein guter Freund Faulfuß nun einen Text veröffentlicht, in dem er um "Spenden" bittet – und es ist durchaus lohnenswert, sich diesen Aufruf einmal etwas genauer anzusehen.

Zunächst fällt unweigerlich der Ausdruck "unabhängiger Journalismus" ins Auge, der jeden, der dieses obskure Blog kennt, direkt in den Slapstick-Modus versetzen muss, in dem er sogar über Torten, die irgendwem in die Fresse geworfen werden, lachen muss. Journalismus ist nun das letzte, das mit dieser Seite assoziiert werden kann; und unabhängig ist der Inhalt allenfalls vom logischen Denken. Der überwiegende Anteil der Postings bei den Esos beschränkt sich auf schnöde Verlinkungen zu anderen Webseiten – darunter auch so manche obskure Eso-Schleuder, die ich hier nicht näher benennen möchte. Dann gibt es gelegentlich Gastbeiträge irgendwelcher AutorInnen sowie Zweit- und Drittverwertungen älterer Texte der "Redaktion" (also von Faul- und Plattfuß) – und alle Jubeljahre erscheint auch wirklich mal ein redaktioneller, oft allerdings grotesk-esoterischer Beitrag, der eigens für diesen Anlass verfasst wurde. Im Wesentlichen handelt es sich also um fremde Inhalte und die gelegentliche Resteverwertung eigener, meist älterer Beiträge.

Für diese Tätigkeit, die hunderte andere BloggerInnen gleich haufenweise nebenbei erledigen und dabei immer noch eigene Texte schreiben, möchten die Esos nun also Spenden erhalten. Das ist schon irrsinnig genug, wird aber noch abstruser, wenn man bedenkt, wer der "Herausgeber" dieser ominösen Webseite ist. Der Schlagersänger Konstantin Wecker ist sicher kein "Superstar", zählt aber ganz gewiss auch nicht zu den Ärmsten. Wenn Faulfuß nun schreibt, dass "trotz jahrelangen großzügigen Sponsorings durch Konstantin Wecker" nicht genug Geld vorhanden sei, um dieses Blog weiter zu betreiben, stellen sich eine Menge Fragen:

  1. Wieso zahlt der Herausgeber bzw. "Ehrenvorsitzende" Wecker die Kleckerbeträge nicht auch weiterhin, die nötig sind, um ein solch laienhaftes, kleines Blog zu betreiben?
  2. Welche immensen Kosten fallen hier an, die Spenden nötig machten? Das Webhosting kann es nicht sein (es sei denn, die Betreiber sind strunzdämlich); die größtenteils kopierten Inhalte sind ebenfalls kein Indiz für irgendwelche anfallende Kosten.
  3. Weshalb sollte irgendwer für Eso-Kacke Geld spenden? Diese Frage ist allerdings redundant, ich weiß.
  4. Wenn Faulfuß schreibt, dass die lieben Menschenfreunde selbst den Gastautoren, die dem Hartz-Terror ausgesetzt sind, "liebend gern ebenfalls ein angemessenes Honorar zahlen würden", stellt sich unweigerlich die Frage, ob sie das in Bezug auf Autoren, die diesem Terror nicht unterworfen sind, bereits tun? Oder ist das wieder nur eine dieser radebrechenden, missverständlichen Formulierungen der "professionellen Redaktion"?
  5. Im Text benennt Faulfuß ausnahmsweise (vermutlich versehentlich) sogar das Ziel des Eso-Blogs: "PR". Dafür soll gezahlt werden?
  6. Eine unmittelbare Drohung ist ebenfalls zu finden, denn die Esos wollen ihr "Angebot auch ausbauen und verbessern." Es kann sich jeder selbst ausmalen, in welche geistige Ödnis das wohl führen mag.

Wenn ich weiterhin lese: "Wir haben uns daher entschlossen, Euch, liebe Leserinnen und Leser, um Mithilfe bei der Finanzierung zu bitten, einfach deshalb, um bei HdS in Zukunft noch besser und stressfreier für Euch arbeiten zu können" – dann liest sich das für mich wie eine verklausulierte Feststellung, dass Herr Faulfuß (und möglicherweise auch Herr Platta) gerne für die äußerst dürftige Tätigkeit als Blogger entlohnt werden möchten. Das ist eine grobe Mutmaßung, keine Unterstellung – vielleicht kann mir beim Verständnis dieser Bettelei ja auch jemand auf die Sprünge helfen.

Selbstverständlich besitzt auch dieser Betteltext aus der Faulfuß'schen Feder massiv humoristische Elemente. Ich möchte nicht ins Detail gehen und beschränke mich daher auf diese Aussage:

Die Seite soll helfen, den Wirkungskreis kritischer Stimmen zu erweitern, Inseln in den Seichtgebieten der Verdummungskultur zu schaffen (...).

Beim Lesen dieses Satzes fühlte ich mich sogleich wieder in den quälenden Dick-und-Doof-Modus versetzt und hatte glucksende Lachtränen in den Augen: Esoteriker schreiben nun schon gegen die Verdummungskultur an! Demnächst ist in jenem Blog sicher noch zu erfahren, dass Gott vom Mars stammt, in Wahrheit Krishnamurti oder E.T. heißt und nur deshalb Geld einsammelt, weil er es vernichten möchte. Glaubt das gefälligst!

In den Seichtgebieten der Esoterik lässt sich Geld noch leichter versenken als im Casino. Also haut mal ordentlich rein bzw. raus und spendet fleißig!

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[Die esoterische Wahrheit]


(warandpeas.com)

Donnerstag, 16. März 2017

Star Trek: Erinnerungen an "Deep Space Nine"


Science Fiction entwirft keineswegs Zukunft, sondern Alternative; sie springt in die andere Wirklichkeit und meint nicht die Zukunft, sondern die Gegenwart.

(aus: Dieter Wuckel: "Science Fiction. Eine illustrierte Literaturgeschichte", 1986)

Kürzlich habe ich mir – nach langer Zeit – mal wieder sämtliche Folgen der Star-Trek-Serie "Deep Space Nine" (DS9) angeschaut. Ich habe diesen Teil des Star-Trek-Universums lange gescheut und erst relativ spät damit angefangen, mich damit auseinanderzusetzen – umso erhellender war nun die erneute Sichtung.

Ich weiß, dass es sehr konträre Meinungen zu dieser Serie gibt. Auch ich gehöre zu denjenigen, die diesem dritten Ableger nach der Originalserie aus den 60er Jahren und der Neubelebung mit dem unvergesslichen Captain Picard aus den 80er und 90er Jahren ("The Next Generation") sehr skeptisch gegenüberstehen. Seinerzeit habe ich diese Serie "übersprungen", also nicht angeschaut, da ich sie nach den ersten Folgen schlichtweg schlecht und langweilig fand. Später habe ich das aber nachgeholt.

Aus heutiger Sicht muss ich mein damaliges Urteil relativieren. Die Serie ist nicht so übel, wie ich damals vermutet habe. Es gibt hier eine Menge zu entdecken, auch wenn die Charaktere trotz allem allzu platt und eindimensional wirken. Insbesondere bietet DS9 einige der besten, teilweise auch witzigsten Folgen zum Ferengi-Thema (also der Star-Trek-Allegorie zum Kapitalismus). Es ist eine wahre Lust, dem Ferengi Quark und seinen Spießgesellen immer wieder dabei zuzuschauen, wie sie auf der Suche nach immer neuen, völlig sinnlosen Profiten die wunderlichsten, lächerlichsten und auch gefährlichsten Dinge anstellen – in dieser Hinsicht "funktioniert" DS9 tadellos.


(Quark und sein geliebtes "goldgepresstes Latinum")

Überhaupt kommt der Humor hier nicht zu kurz. Es gibt haufenweise Szenen, die zum brüllenden Lachen oder auch leisen Schmunzeln anregen - und für Star-Trek-Kenner gibt es gleich reihenweise "Insider"-Witze, die ich hier nicht näher erklären mag. Erinnern möchte ich lediglich an die Folge mit den "Tribbles", die auf eine der lustigsten Episoden der Originalserie zurückgeht und hier nicht minder herzerfrischend ist.

Gleichwohl bleiben einige Kritikpunkte bestehen, die ich schon damals unausstehlich fand. Dazu gehören in erster Linie die allzu kriegerische Ausrichtung dieser Serie, die ich nach wie vor ekelhaft finde, sowie die völlig hanebüchene esoterische Komponente. Es "passt" nicht ins Star-Trek-Universum, dass sich die Sternenflotte verhält wie die US-Regierung, welche die infantile Fabel vom "von außen aufgezwungenen Krieg" erzählt. Das ist dusseliger Bullshit – hier artet das Szenario in dumpfe Propaganda aus, die gewiss mit der US-amerikanischen, imperialistischen Realität jener Zeit etwas zu tun hatte, gewiss aber nichts mit "Star Trek", wie Gene Roddenberry es gedacht hatte. All die Folgen, die sich mit dem "Krieg gegen das Dominion" sowie der "Taktik", wie diesem "Feind" zu begegnen sei, befassen, kann man also getrost auslassen oder sich gleich entsprechende Kriegsfilme aus Hollywood ansehen.

Dasselbe gilt für sämtliche Folgen, die sich mit dem unsäglichen Thema der Esoterik beschäftigen. Es ist auch aus heutiger Sicht geradezu eine Peinlichkeit, dass ausgerechnet ein Vertreter der "Föderation der Vereinten Planeten" als religiöser "Prophet" etabliert wird – es fehlt eigentlich nur noch, dass der Mann damit beginnt, Tarotkarten zu legen oder weinende Madonnenfiguren anzubeten. Die Folgen, die mit diesem unsäglichen Thema zu tun haben, sollte man unbedingt in den Faulfuß'schen Abort werfen und sich nicht ansehen: Sobald es um "Drehkörper" und ähnliche Spinnereien geht, ist es an der Zeit, schreiend davonzulaufen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die überaus offensichtliche Fixierung auf die amerikanische "Kultur". Ein amerikanischer, gar grausiger Schnulzensänger (vergleichbar mit einer Helene Fischer hierzulande) ist dort nicht nur eine Randfigur, sondern ein immer wiederkehrendes Element, das nicht nur unsäglich nervt, sondern grobe musikalische Schmerzen verursacht – während sämtliche Figuren der Serie, vom Menschen über Ferengi bis zum Klingonen (sic!) dem süßlichen, ohrtötenden Gesäusel wohlgesonnen lauschen. Der widerwärtige Zausel – Vic Fontaine – sieht aus wie eine schmierige Karikatur aus dem US-TV, ist aber offensichtlich nicht so angelegt, sondern durchaus ernst gemeint. Noch schlimmer hätten die Macher der Serie gar nicht ins verunreinigte Klo greifen können.

Als Resümee bleibt mir nur: Die eine Hälfte dieser Serie ist geniale, witzige, kritische, bedenkenswerte Star-Trek-Kost – die andere Hälfte kann man getrost in die Tonne kloppen. Es ist immerhin erfreulich, dass die Themen Krieg und Esoterik in der nachfolgenden, um Längen sehenswerteren Serie "Voyager" eine ganz andere Beurteilung erfahren haben – aber dazu schreibe ich vielleicht ein anderes Mal etwas mehr.


Donnerstag, 9. März 2017

Wissenschaft versus Religion: Ein Widerspruch?


Es gibt zahlreiche Beispiele für die These, dass nicht wenige anerkannte Wissenschaften, die selbstverständlich an Universitäten und Fachhochschulen gelehrt werden und in denen reichlich Forschungsarbeit betrieben wird, tatsächlich eher semireligiöse Glaubenslehren sind. Als Beispiele sind – aus im Rahmen dieses Blogs wohlfeilen Gründen – die Ökonomie (BWL/VWL) zu nennen oder auch die Astronomie (Kosmologie). Letztere fußt zwar auf physikalischen Erkenntnissen, die im von Menschen erlebbaren Raum durchaus als gesichert gelten können, besteht aber dennoch zu weiten Teilen aus bloßen Spekulationen – wie beispielsweise der in dieser Disziplin generell gehegten Vermutung, "Leben" auf anderen Planeten könne nur in einem ganz besonders engen – natürlich "erdähnlichen" – Rahmen entstehen, der u.a. ein fest definiertes Temperaturspektrum, das Vorhandensein von flüssigem Wasser und diverse weitere gemauerte "Säulen" umfasst. Die Liste der Beispiele allein aus dem Fachbereich der Kosmologie, der mich persönlich sehr interessiert, ist schier endlos – dazu weiter unten noch mehr.

Ein anderer Wissenschaftszweig, der auf ähnlich tönernen Füßen zu stehen scheint, ist die Ernährungswissenschaft. In einer Rezension zu dem Buch "Ernährungswahn" von Uwe Knop aus dem Jahr 2016 las ich kürzlich bei "Wissenschaft aktuell":

Die Liste der möglichen Ernährungsphilosophien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten scheint nahezu endlos. Nicht selten kommt es einem heutzutage so vor, als sei die Nahrungsaufnahme beinahe schon zur Ersatzreligion avanciert. Um die richtige und falsche, gesunde und ungesunde Ernährung ranken sich mehr Mythen, Ideologien, Ratschläge und Dogmen denn je.

In einem Radio-Interview beim WDR legte der Autor, der selbst Ernährungswissenschaftler ist, vor einigen Tagen nach:

Das sind Studien, die keine Kausalitäten liefern können, also Ursache-Wirkungsbeziehungen. Sie liefern nur ganz schwache, vage Korrelationen im Ernährungsbereich. Das sind statistische Zusammenhänge. (...) / Dafür gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis, dass Obst und Gemüse irgendeinen Effekt auf die Gesundheit haben. Das wird immer gerne aus dem Bereich der Ernährungsfunktionäre und Ernährungsinstitutionen propagiert. Aber sie haben keinen Beweis dafür. Auch dafür, dass man fünfmal am Tag Obst und Gemüse essen soll, wie eine Kampagne sagt, gibt es keine Beweise.

Das ist ein weiteres, sehr anschauliches Beispiel für die große, giftige Nebelwolke, die heute mehr denn je um die hehre, seriöse Wissenschaftlichkeit wabert. Weder in den Medien, noch in gewissen Teilen der wissenschaftlichen Fakultäten wird beispielsweise mehr ein erkennbarer Unterschied zwischen Evidenz (logischer, nachvollziehbarer Beweis) und einer vermuteten Korrelation, die anhand irgendwelcher Studien "nachgewiesen" werden soll, benannt. Die Beispiele, die Knop im Interview nennt, veranschaulichen das sehr gut: Obwohl dieses Interview vom WDR ausgestrahlt und ins Netz gestellt wurde, sind die meisten anderen Beiträge dieses Senders, die sich dem Thema Ernährung widmen (und das sind verdammt viele!), durchsetzt mit nebulösen, teils obskuren Ratschlägen, Tipps und sogar Diätanleitungen, die allesamt auf irgendwelchen Glaubensgrundsätzen beruhen, mit Wissenschaftlichkeit aber soviel zu haben wie die CDU oder SPD mit Seriosität.

Es bleibt also festzuhalten, dass stets dann eine große Skepsis angesagt ist, wenn sich irgendwer vornehmlich oder gar einzig auf "Studien" beruft – die sind nämlich oft genauso aussagekräftig wie die Bibel oder der Koran. Insbesondere muss dann nachgeprüft werden, wer besagte "Studien" in Auftrag gegeben und/oder finanziert hat, und wie sie "angelegt" sind: Mit der "richtigen" Fragestellung und Konstruktion der "Untersuchung" lassen sich bekanntermaßen nahezu beliebige, schon vorher festgelegte Ergebnisse erreichen. Ich gehe jede Wette ein, dass ich mit einer entsprechenden Studie mühelos "nachweisen" könnte, dass LeserInnen dieses Blogs mit einer 30prozentig erhöhten Wahrscheinlichkeit an einer verschluckten Erdbeere ersticken als LeserInnen der Springer-Presse. Die Wissenschaft und die Medien folgerten sodann daraus: "Narrenschiff böse, Springer gut".

Welche bizarren Stilblüten die Wissenschaft sonst noch so hervorbringt, lässt sich beispielsweise auch in dem unten genannten Buch des Physikers Frank Tipler nachlesen, in dem der Mann allen Ernstes den "physikalischen Beweis der Existenz Gottes" zu führen versucht. Im Klappentext heißt es:

Die Auferstehung der Toten, die Existenz von Himmel und Hölle und Gott sind physikalisch belegbar – das ist die These des international renommierten Physikers Frank J. Tipler. Mit der analytischen Schärfe eines Naturwissenschaftlers und mit physikalischen Argumenten rekonstruiert er fundamentale Glaubenssätze der Religion und beweist, dass Gott existiert und dass das ewige Leben des Menschen nicht Glaubens-, sondern Tatsache ist. Ein Manifest zur Versöhnung von Wissenschaft und Religion, von Verstand und Gefühl.



(Frank Tipler: "Die Physik der Unsterblichkeit. Moderne Kosmologie, Gott und die Auferstehung der Toten", Piper [sic!] 1994 sowie dtv [sic!] 1995)

Das sehr umfangreiche, schwer lesbare Buch hat einen knapp 130seitigen "Wissenschaftlichen Anhang", der aus für den Laien unverständlichen mathematischen Formeln und "erklärenden Texten" besteht, die eben diesen "Beweis" nachvollziehbar machen sollen. – Und der Osterhase grinst schelmisch aus einer dunklen Ecke und trägt inzwischen einen quietschgelben Doktorhut, während er weiterhin nach der Unsterblichkeits-Formel sucht.


(Scan aus dem "Wissenschaftlichen Anhang" des "Gottesbeweises")

Dienstag, 7. März 2017

Wissenschaft, Verschwörungstheorien und Esoterik


Ein Gastbeitrag von Arbo Moosberg

NSU, NSA, Snowden, Ramstein und Drohnen sowie die Armutsberichte der Bundesregierung sind nur einige wenige Beispiele, die genügend Stoff liefern, um "offiziellen" Darstellungen von Regierungen grundsätzlich und mit gutem Grund skeptisch gegenüber zu treten. Daraus speist sich letztlich die Notwendigkeit und Bedeutung von kritischen und alternativen Medien und Medienformaten wie u.a. Makronom, Wirtschaft und Gesellschaft oder Tilo Jung. Zu diesem Kreis zählen für viele auch die Nachdenkseiten (NDS).

Am 7. September 2016 wurde dort ein Beitrag zu 9/11 eingestellt, der an der "offiziellen" Darstellung des Anschlags auf das WTC zweifeln lässt. Nun will ich gerne zugestehen, dass das ein kontroverses Thema ist und es auch Gründe geben kann, gerade die offiziellen Darstellungen zu kritisieren. Aber wer den Beitrag auf den NDS las, der oder die musste sich verwundert die Augen reiben, da der Beitrag vom Niveau her locker aus der "Truther"-Bewegung (Wikipedia) stammen könnte. Die ewigen Besserwisser mögen nun mit Häme einwenden, dass der Qualitätsverlust der NDS doch schon länger greifbar gewesen sei. Spätestens mit dem Weggang von Wolfgang Lieb (23.10.2015) hätte ein nun für alle sichtbarer Grund vorgelegen, die NDS stärker zu hinterfragen. Dennoch hatte ich persönlich nicht mit einem solchen Tiefpunkt gerechnet. Ich war deshalb reichlich schockiert, dass die Leserinnen und Leser hier mit diesem Beitrag in den Sumpf esoterischer Verschwörungstheorien (VT) geführt werden sollten.

Einige Gründe, die den NDS-Beitrag als esoterisch und verschwörungstheoretisch einordnen lassen, finden sich auf endless.good.news. Vor diesem Hintergrund möchte ich auf einen Artikel von Kai Ruhsert verweisen, der im Januar 2017 auf dem "Blog der Republik" (BdR) publiziert wurde und sich kritisch mit einem Video-Vortrag über den Anschlag auf das WTC auseinandersetzt. Interessant ist Ruhserts Artikel deshalb, weil viele der dortigen Argumente auch auf den besagten NDS-Beitrag übertragen werden können. Aber noch interessanter wird dieser Artikel dadurch, dass Ruhsert selbst einmal bei den NDS tätig war und zu seiner Zeit der besagte NDS-Beitrag zu 9/11 sicher nicht publiziert worden wäre. Allerdings zeigt die Diskussion, die sich in den Kommentaren zu Ruhserts Kritik auf BdR entspann, ein sehr grundlegendes Problem im Umgang mit Esoterik und esoterischen VTs im Speziellen. Vom naturwissenschaftlichen Weltbild der "wahren Fakten" ausgehend mag es nämlich konsequent sein, "fakes", Halb- und Unwahrheiten sowie Manipulationsversuche durch Sachargumente, "Fakten" usw. zu entkräften. Doch droht die Diskussion dann in Fachdetails abzudriften und sich auf Nebenschauplätzen zu verlaufen. Wer als Laie ohne Fachwissen diese Debatten verfolgt, ist deshalb vor das Problem gestellt, ob und wem geglaubt werden kann.

Allerdings liefern oft bereits die Art der Argumente, ihr Kontext sowie die konkrete Struktur der Argumentation und (ggf.) Diskussion erste Anhaltspunkte dafür, was – auch ohne Fachdetails kennen zu müssen – von den jeweiligen Beiträgen und Aussagen zu halten ist. Zur Klarstellung will ich betonen, dass ich damit nicht das Gewicht einer "Fakten"-, Fach- und Detaildiskussion schmälern möchte. Aber wer über kein Fach- und Detailwissen verfügt, dem oder der hilft die Sensibilität für bestimmte Argumentationsstrategien oder -muster, um Fragen zu stellen, deren Antworten zumindest ein wenig Orientierung in der Einschätzung bestimmter Aussagen, Darstellungen usw. liefern.

Von Zirkelschlüssen bis Schopenhauer

Das fängt bei ganz allgemeinen Argumentationsmustern wie logischen Zirkeln bzw. Zirkelschlüssen an, wo eine Argumentationskette aufgebaut wird, an deren letzter Stelle der Verweis auf ein bereits erwähntes Argument erfolgt. Verfeinert werden kann diese Technik dadurch, dass die Argumentationskette über eine "lange Strecke" aufgebaut wird (d.h. verschiedene Absätze, Seiten, Kapitel usw.). Leserinnen und Lesern ist dann nicht immer sofort bewusst, dass es sich um logische Zirkel handelt. Etwas erscheint dann als "begründet", obwohl es nur die Wiedergabe eines bereits genannten Arguments ist.

Ein anderes Argumentationsmuster läuft auf Argumente hinaus, die nicht mehr hinterfragt werden oder hinterfragt werden sollen oder können. Gemeint ist damit der Verweis auf "Selbstevidenz", Selbstbegründung, "Selbsteinsicht", Intuition oder Erfahrung. Der Klassiker ist der Verweis auf den "gesunden Menschenverstand". Vorsicht ist deshalb angebracht, weil die Frage im Raum steht, wer festlegt, was "gesund" und "Menschenverstand" (also "vernünftig") ist. Sobald der Verweis auf den "Menschenverstand" erfolgt, kann jedenfalls mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass es hier nicht ums "Verstehen" eines Sachverhalts geht, sondern darum, dass eine Behauptung einfach "geglaubt" werden soll.

Aktiv bewirkt werden kann dieser Effekt zum Beispiel durch das Zeigen eines Fotos oder eines Videos, bei dem die entsprechende Interpretation gleich mitgeliefert wird: Die Kritik von Kai Ruhsert (BdR) hinsichtlich der Verwendung einer ganz bestimmten Videosequenz, die dem Publikum den Eindruck eines symmetrischen Einsturzes des WTC-7-Gebäudes vermittelt, läuft im Grunde auf diese Strategie hinaus. Das Publikum sieht dann in unmittelbarer Erfahrung, dass das WTC-7 symmetrisch eingestürzt ist und dann muss es wohl auch so gewesen sein. Der Trick ist, dass unmittelbar wohl auch niemand auf die Idee kommt, das zu hinterfragen. (Was auch am "Gruppeneffekt" liegen kann. Denn das, was gezeigt wurde, das ist eine "Gruppenerfahrung", und wer stellt sich gerne gegen die Gruppe?)

Darüber hinaus gibt es auch verschiedene Immunisierungsstrategien. Diese können darauf gerichtet sein, bestimmten Kritikpunkten präventiv – also im Vorfeld – bereits den Wind aus den Segeln zu nehmen, z.B. durch "Leerformeln" bzw. schwammige Begriffe oder Aussagen oder den eben erwähnten Verweis auf den "gesunden Menschenverstand". Aber auch über längere Argumentationssequenzen (Artikel- und Buchserien) und in konkreten Diskussionen können Immunisierungsstrategien beobachtet werden. Diese modifizieren den Gehalt oder die Ausrichtung der ursprünglichen Aussage. Das kann einerseits erneut durch die eben genannten Präventivstrategien erfolgen, aber andererseits auch durch die Ausweitung der ursprünglichen Aussage, die Verlagerung ursprünglich genannter Gründe oder durch andere rhetorische Finten, wie z.B. das bewusste Abdriften in Details, das Werfen von "Nebelkerzen" oder das Ausnutzen von Wissensdefiziten.

Der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt, weshalb ich an dieser Stelle der Einfachheit halber auf Schopenhauers "Eristische Dialektik" (Wikipedia) verweisen möchte, die zahlreiche Argumentationsstrategien bereithält und auch für den Umgang mit Esoterik und VTs aktuell ist. Wegen des zum Teil recht illustrativen Wortlauts empfehle ich auf jeden Fall einen Blick ins Original (z.B. beim Projekt Gutenberg).

Da Immunisierungsstrategien nicht immer auf den ersten Blick erkennbar sind, kann es ratsam sein, sich bei Debatten und Artikeln, bei denen Esoterik vermutet wird, erst einmal zurückzunehmen und sie aus einer gewissen Distanz zu betrachten. Wenn die Kritik an bestimmten Aussagen, Darstellungen etc. dem Versuch gleicht, den bekannten Pudding an die Wand zu nageln, dann deutet das auf Immunisierungsversuche hin. Hilfreich kann es sein, nach dem "springenden Punkt" – also den zentralen Argumenten – zu fragen. Welche Argumente bilden das Fundament der Aussagen? Hilfreich wird es dann ebenso, bei den als "zentral" empfundenen Argumenten nachzuhaken, was denn eigentlich genau gemeint ist. Wenn darauf nur Leerformeln geliefert werden (also keine Kriterien, mit denen eine Aussage oder ein Argument auch abgelehnt werden kann), dann liegt ziemlich sicher ein Immunisierungsversuch vor. Ein wichtiger Prüfstein findet sich außerdem in der Frage, ob es sich hinsichtlich bestimmter Aussagen, Darstellungen etc. auch anders verhalten kann als es vorgegeben wird. Gibt es die Argumentation her, auch eine ganz andere Schlussfolgerung zuzulassen? Wenn nicht, dann sollte mensch große Skepsis walten lassen.

Von der Theorie zur Praxis

Neben Schopenhauers allgemeinen Argumentationsstrategien können weitere Argumentationsmuster benannt werden, die mir in esoterischen Beiträgen – zu denen auch Verschwörungstheorie-Beiträge zählen – geradezu archetypisch auffallen. Davon seien ein paar kursorisch genannt, die sich zum Teil auch im erwähnten NDS-Beitrag finden lassen.

  1. Präventive Distanzierung und Umdeutung: Um dem negativen Ruf esoterischer Verschwörungstheorien entgegenzutreten, mag es hilfreich sein, den entsprechenden Vorwurf aktiv aufzugreifen und zu thematisieren. Dies kann z.B. durch eine Distanzierung von "esoterischen" Verschwörungstheorien erfolgen, wobei die eigene VT natürlich als "seriös" dargestellt wird. Diese Distanzierung ist auch im erwähnten NDS-Beitrag zu finden, wobei sich die Frage stellt, inwiefern die dort genannten esoterischen VTs nicht vielleicht sogar nur Strohpuppen oder "rosa Elefanten" sind (Distanzierung von VTs, gemäß der das WTC mit Atombomben gesprengt worden sei oder gar keine Flugzeuge existiert hätten). Begleitet ist diese Strategie von der präventiven Umdeutung. Das, was "esoterische" Verschwörung ist, wird dort auf eine so harmlose wie kritisch notwendige Infragestellung "offizieller" Darstellungen reduziert. Zusammen ergibt beides eine recht clevere Strategie, denn indem die Distanzierung von offensichtlich abstrusen esoterischen VTs erfolgt, wird auf der anderen Seite durch die Umdeutung genau diesen VTs die Türe geöffnet. Der besondere Trick liegt auch darin, das eigentliche Problem esoterischer VTs zu überspielen. Es ist nämlich nicht so, dass esoterische VTs abstrus sein müssen, sondern im Gegenteil, dass sie durch das Erheischen von "Glaubwürdigkeit" fragwürdige und einseitige Erklärungsmuster bieten und bestimmte Vorbehalte verstärken können (z.B. Antisemitismus, Antiamerikanismus, Anti-Islamismus etc.) oder schlicht darauf abzielen, uns das Geld aus der Tasche zu ziehen (z.B. über Buchverkäufe oder Klicks auf Youtube).

  2. Das Prinzip gewandelter Verleugnung: Um eine esoterische VT glaubhaft zu machen, kann es eine Strategie sein, diese erst einmal zu verleugnen. Im Gegensatz zur eben erwähnten präventiven Distanzierung läuft diese Verleugnung aber darauf hinaus, sich vorgeblich – zum Teil widerwillig – von den "Fakten" der VT belehrt haben zu lassen. Mensch hat es nicht glauben wollen, aber die "Fakten" haben keine andere Schlussfolgerung zugelassen. Der rhetorische Effekt ist dabei, dass ich den Leser- und ZuhörerInnen meine (ursprüngliche) Fehlbarkeit zeige und dadurch Sympathien wecke, die mich seriös oder zumindest "glaubhaft" erscheinen lassen. Genau diese Strategie ist auch im erwähnten NDS-Beitrag zu erleben.

  3. Ich weiß es auch nicht besser: Ein ähnlicher Trick ist es, wenn ich betone, es auch nicht genau zu wissen. Ich mache mich damit ebenfalls "verletzlich" und "fehlbar". Gerade bei Themen, bei denen Fachwissen gefragt ist, kann ich so aber auch eine emotionale Brücke zum Publikum bauen, das aller Wahrscheinlichkeit nach selbst nicht über das Fachwissen verfügt. Im Grunde lässt sich damit aus der Not eine Tugend machen, wenn ich als Fachfremder mir die notwendigen Fachkenntnisse aneignen musste. Die Botschaft dahinter: Seht her, mir ging’s auch nicht anders, ich wusste – wie Ihr – nichts, habe mich deshalb erstmal mit der Materie beschäftigen müssen und dann festgestellt, da stimmt doch was nicht.

  4. Wissenschaftlichkeit und Quellen-Autorität: Um seriös zu wirken, arbeiten esoterische VTs oft mit wissenschaftlichen Fachbegriffen. Ein gutes Beispiel für das Einkleiden in wissenschaftliche Fachbegriffe und Argumente hatte ich selbst einmal vor langer Zeit hier im Blog angesprochen, als es um den Salzboom (Himalaya-Salz) ging, was natürlich umso besser funktioniert, wenn auf nicht vorhandenes Fachwissen gebaut werden kann. Bestimmte Bezeichnungen, wie z.B. Institut und Studie sind rechtlich gesehen frei verwendbar. Ähnlich wirkt das besondere Hervorheben wissenschaftlicher Attribute, wenn also im Text ganz besonders und/oder wiederholt betont wird, dass eine Person "Wissenschaftler(in)" ist (z.B. mehrmaliger Verweis darauf, längerer Verweis auf die Forschungsinstitution, Verweis auf Literaturliste, Forschungsgegenstand oder "eine neue Studie"). Das sollte erst einmal vorsichtig werden lassen und zu einer kurzen Recherche anhalten. In dem Sinne ist der Verweis auf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie wissenschaftliche Publikationen ein beliebtes Stilmittel. Der Knackpunkt ist hier, dass oft die entsprechende Einordnung fehlt, so dass Dritte nur zur Kenntnis nehmen können, dass da irgendwas mit "Wissenschaft" im Zusammenhang steht. Klarzustellen ist, dass es natürlich auch in der Wissenschaft Minderheitenpositionen gibt und es fatal wäre, diese allesamt als "unwissenschaftlich" darzustellen (selbst wenn das in den Wissenschaftskreisen gerne gemacht wird). Mein Punkt hier ist aber, dass sich diese marginalisierten WissenschaftlerInnen wohl auch selbst oft entsprechend verorten. Wenn ich z.B. im Diskurs um Wirtschaftspolitik einen Gewerkschaftsökonomen, einen Marxisten oder Keynesianer habe, dann werden die sich vielleicht selbst so bezeichnen. Zumindest sind sie im Diskurs zuordenbar. Gerade bei heiklen Themen, wie sie die esoterischen VTs immer behaupten aufzugreifen, ist diese Einordnung aber notwendig. In den esoterischen VTs unterbleibt aber oft diese Einordnung. Im übelsten Falle ist es dann also Vorsatz, um davon abzulenken, dass die Quelle und Position vielleicht doch nicht so seriös sind. Im "einfachsten" Falle mag es schlicht Faulheit sein, weil die Einordnung Arbeit macht und dann vielleicht doch mehr Einarbeitung in Fachdebatten erfordert, als zur Bestätigung der eigenen Meinung notwendig ist. Egal, was zutrifft, ein Schuss ins Knie der Glaubwürdigkeit ist es dennoch. Wenn also immer wieder WissenschaftlerInnen oder Studien zitiert werden, ohne dass eine Einordnung erfolgt, darf auch das Anlass zur Skepsis sein.

  5. Tarnkappen-Argumente: Beobachten lässt sich auch die Taktik, den eigentlichen "verschwörerischen" Tobak in "Nebensätze" zu schieben oder als "Nebenaspekt" zu tarnen. Im oben erwähnten Beitrag zu 9/11 auf den Nachdenkseiten wurde das mit der Behauptung gemacht, dass die Flugzeuge elektronisch ferngesteuert in die Wolkenkratzer flogen. Die dann weiter dahinter liegende – aber nicht ausbuchstabierte – Verschwörungsfrage hängt natürlich mit der Frage zusammen, wer (warum) die Flugzeuge (fern)gesteuert habe.

  6. Wir-gegen-die-Konstruktion: Ein weiteres Merkmal von Verschwörungstheorien ist die Konstruktion von Gegensatzgruppen. Typischerweise sind das a) die "Verschwörer" und b) die, die die "Verschwörung" erkennen. Weil das aber zu offensichtlich ist, kann hinsichtlich a) auch verallgemeinert vom "Mainstream" gesprochen werden. Auch das ist im NDS-Beitrag zu finden – einmal direkt, aber auch indirekt darüber, wenn sich AutorInnen als "Märtyrer" darstellen. Streng genommen kann auch differenziert werden nach 1) denen, die die "Verschwörungsfakten" kennen, 2) denen, die bestimmte "Verschwörungsfakten" nicht anerkennen, "gehirngewaschen" oder schlicht (zu) "dumm" sind, und 3) denen, die zu den "Verschwörern" zählen. Wichtig ist, dass dabei oft auch eine gewisse Wertigkeit mitgeliefert wird, d.h. 3) ist klar abzulehnen, 2) wird bestenfalls bemitleidet und muss "aufgeklärt" werden und 1) sind ganz klar die "Guten".

  7. Andeutungen: Esoterische Verschwörungstheoretiker sind nicht blöd und wissen, dass eine direkte Verschwörungszuweisung unseriös wirkt und wohl auch nicht oder nur sehr, sehr schwierig belegt werden kann. Es wundert daher nicht, dass die eigentliche "Verschwörung" oft nur angedeutet und im Subtext (zwischen den Zeilen) zu finden ist, sich gleichwohl aber zum Greifen nah befindet. Im erwähnten NDS-Beitrag wird z.B. nicht direkt gesagt, dass die US-Administration den Anschlag auf das WTC plante oder durchführte. Aber es wird von Manipulation der Deutungshoheit, von der vermutlichen Verstrickung des CIA, von ferngesteuerten Flugzeugen, Sprengung usw. gesprochen, die insgesamt auf genau diese Schlussfolgerung zulaufen. Ob das rhetorisches Kalkül ist, lässt sich schwer sagen. Der Effekt ist jedoch sicher nicht zum Nachteil der esoterischen VTlerInnen. Es wird nichts Genaues gesagt, also auch von keiner "Verschwörung" gesprochen. Wer den entsprechenden Personen eine esoterische Verschwörungstheorie vorwirft, der oder die kann sich nicht auf handfeste belastbare Aussagen berufen. Die Weste bleibt rein.

Zu diesen Strategien tritt z.B. das Ausblenden von Gegenmeinungen oder deren Verächtlichmachung (wer die "offizielle" Version glaubt, ist halt reichlich dumm).

Als weiteres Merkmal lässt sich beobachten, dass zu bestimmten Themen auf eine Quelle oder einen Autor immer und immer bevorzugt verwiesen wird und zwar sowohl innerhalb einzelner Beiträge, als auch über verschiedene Beiträge/Bücher hinweg oder sogar innerhalb der entsprechenden VT-Szene. Sarkastisch ließe sich dazu anmerken, dass dies wohl auch nicht anders sein kann, denn wenn in der Wissenschaft oder in den Medien insgesamt die Argumente einer "esoterischen" VT geteilt werden, würde es sich nicht mehr um eine "Verschwörung" handeln. Damit ließe sich auch nicht unbedingt die Aufmerksamkeit erreichen, die dann in bare Münze umgewandelt werden kann. Die VTler suchen sich folglich die Personen, Studien usw., die ihre Behauptungen stützen – und die liegen typischerweise in Randbereichen.

Das ist natürlich nichts, was nur in Kreisen von VT angetroffen werden kann. Selbst in der Wissenschaft und im Journalismus findet sich häufig das Phänomen, nur die "Fakten" und "Belege" wiederzugeben, die einer bestimmten (eigenen) Denkhaltung entsprechen. Natürlich gilt auch da, dass es auf den Kontext ankommt. Gleichwohl ist es auch in Wissenschaft und Journalismus nicht gerade ein Ausweis von Seriosität, sich im schlimmsten Falle nur auf eine Quelle oder eine äußerst überschaubare Zahl an Quellen oder Belegen zu berufen. Und ebenso wie ich dann die Qualität eines wissenschaftlichen Papiers bemängle, muss ich natürlich auch bei esoterischen VTs auf diesen Mangel verweisen. Wichtig ist mir an dieser Stelle, darauf aufmerksam zu machen, dass es zur Skepsis mahnen sollte, wenn immer wieder auf bestimmte Publikationen oder Personen verwiesen wird und diese Verweise eine gewisse Exklusivität aufweisen.

Schlussbemerkung

Die Liste an Argumentationsmustern und -strategien, die auf esoterische VTs hindeuten, kann sicherlich noch erweitert werden. Ich will es bei den obigen Ausführungen belassen und mir abschließend noch ein paar Klarstellungen erlauben.

Viele der Argumentationsmuster und -strategien im Esoterik-Bereich finden sich auch im Alltag, in der Wissenschaft, Politik und im Journalismus. Nicht immer handelt es sich um Esoterik oder eine esoterische VT, aber diese Muster sind aus naheliegenden Gründen besonders in den letzteren Bereichen anzutreffen. Die Existenz von esoterischen VT besagt ferner nicht, dass es nicht auch tatsächlich Verschwörungen gibt oder geben kann. Erinnert sei nur an das Hitler-Attentat aus den Kreisen der Nazi-Militärs, die Iran-Contra-Affäre / Irangate oder die Powerpointshow von Colin Powell. Die zentrale Frage ist hier aber, inwiefern eine seriöse Beschäftigung damit aussehen kann.

Tatsache ist aber auch, dass die unsaubere und zum Teil dogmatische Arbeitsweise in Wissenschaft, Politik und Journalismus selbst dafür sorgt, dass esoterische VTs auf fruchtbaren Boden fallen. Und das ist das eigentliche Problem an der Sache. Wir können uns über esoterische VTs aufregen, aber in Zeiten von "fake news" und neoliberaler Propaganda drohen wir zwischen unseren "Doppelstandards" aufgerieben zu werden. Und nur, weil wir Propaganda feststellen, heißt das nicht, dass die Gegenpositionen automatisch "besser", "wahr" usw. sind. Es kann sich auch schlicht um Gegenpropaganda handeln.

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Dieser Text erschien zuerst im Blog "Krautism" und wird hier mit freundlicher Genehmigung des Verfassers wiedergegeben.

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Anmerkung des Kapitäns: Ich halte dies für einen sehr bedenkenswerten, wenn auch kritikwürdigen Text, der insbesondere deutlich macht, weshalb es eine ganz schlechte Idee ist, die notwendige Kritik an so manchen "linken MeinungsbildnerInnen" wie beispielsweise den "Nachdenkseiten" dem rechten Troll-Pöbel zu überlassen. Was die aus dieser Vorlage machen, kann man ja lebhaft beim "Herrn Karl" (den ich hier gewiss nicht verlinke) und vielen anderen nachlesen.

Gewiss pflichte ich nicht jedem Punkt, den Arbo genannt hat, bei – in der Summe jedoch bin ich ganz nah bei ihm und danke ihm wärmstens für die Erlaubnis, den Text hier ebenfalls publik machen zu dürfen.

Kritik ist nicht nur erlaubt, sondern erwünscht! Ich persönlich glaube den Mumpitz von den islamistischen Verschwörern, die am 11. September 2001 "Amerika angegriffen haben", ebensowenig wie den Gegenentwurf des nicht weniger "verschwörerisch" auftretenden Daniele Ganser, der im Text zwar nicht namentlich erwähnt wird, aber offensichtlich gemeint ist. Es ist sicherlich kein Zufall, dass dieser populäre Wissenschaftler, der völlig unwissenschaftlich agiert und argumentiert, inzwischen im (finanziell wohl sehr lohnenden) Compact- und KenFM-Sumpf angekommen ist, in dem sich dumme, verblendete und rechtsextreme Menschenfeinde die braune Klinke in die Hand geben.

Ja, Verschwörungen gab es stets und gibt es ganz gewiss auch heute – aber wer diesem Fiasko auf Nachdenkseiten-, KenFM- oder Ganser-Art beikommen möchte, springt mit voller Absicht in die Jauchegrube und suhlt sich darin wie ein hirntoter Esoteriker, der zu lange dem Faulfuß'schem Stumpfsinn von "Jenseits der Realität" ausgesetzt war.