Dienstag, 23. Mai 2017

Esoterik und Intelligenz: Ein "Pöbler" sinniert


Eine durch und durch esoterische Glosse

Bei spektrum.de habe ich vor einigen Tagen einen interessanten Text zu einem wissenschaftlich leider noch nicht abschließend geklärten Thema gelesen, in dem es heißt:

Sind Menschen mit höherem Intellekt tendenziell eher Atheisten? Mit dieser Hypothese haben sich Forscher und Denker schon von der Antike bis ins Internetzeitalter herumgeschlagen, und so stehen Edward Dutton vom Ulster Institute for Social Research und Dimitri Van der Linden von der Erasmus-Universität Rotterdam in guter Tradition: Die beiden Sozialwissenschaftler veröffentlichten jetzt in "Evolutionary Psychological Science" ihrer neuen Versuch, Erklärungen für die negative Korrelation von Religiosität und Intelligenz zu finden, die immer wieder in historischen Aufzeichnungen auftaucht und durch allerlei Erhebungen gestützt wird.

Beim Lesen dieses witzigen, empfehlenswerten Textes musste ich unwillkürlich an meine besten Freunde aus der Eso-Filterblase von "Jenseits der Realität" denken, die unentwegt weitere Indizien für diese sehr alte These nachliefern. Wer dort gelegentlich mal hineinschaut und all die meist unkommentierten Verlinkungen oder gar Übernahmen aus anderen Quellen – seien es nun esoterische oder politische – außen vor lässt, kann schnell erkennen, dass intelligente Menschen eher selten esoterischen Wahnvorstellungen anhängen. Eine dieser Ausnahmen ist Herr Plattfuß, der sich aus mir unbekannten Gründen devot in den Dienst dieser Betgeschwister gestellt hat – wobei ich mir angesichts seiner gruseligen "Ausflügen in die Poesie", die einem Literaturwissenschaftler regelmäßig fiese nekromantische Geschwüre im Gehirn bescheren, nicht ganz sicher bin, ob hier die Intelligenz oder doch bloß die literarische Kompetenz vorgetäuscht ist. Aber das mag einjede/r selbst entscheiden.

Ein besonders herausragendes Beispiel für die im Raum stehende These ist indes Roland Faulfuß, dessen Texte sich zuweilen so lesen, als sei beispielsweise ein für jeden erkennbar denkbefreiter Mensch wie Lapuente endlich seinem "Schicksal" [sic!] gefolgt und in ein SPD-Kloster gegangen, um dem sozialdemokratischen, verrottenden Spaghettimonster demütig zu huldigen. Faulfuß (nomen est omen) befindet sich schon längst in einem solchen intelligenzfeindlichen Hort der Dumpfheit, und er entblödet sich nicht, Kritiker inzwischen gar als "Pöbelblogger" zu bezeichnen (einen Direktlink zum Kommentar gibt's bei den Esos nicht). Das lässt tief blicken – auch wenn es wohl kaum (intelligente) Menschen gibt, die in eine solche schauderliche Grube blicken möchten.

Der Aberglaube gehört zum Wesen des Menschen und flüchtet sich, wenn man ihn ganz und gar zu verdrängen denkt, in die wunderlichsten Ecken und Winkel, von wo er auf einmal, wenn er einigermaßen sicher zu sein glaubt, wieder hervortritt.

(Johann Wolfgang von Goethe, aus: "Wilhelm Meisters Wanderjahre", 1807/29)

Nun kann man trefflich darüber streiten, ob der offenbar nicht ganz so intelligente Faulfuß mit diesem liebevollen Begriff des "Pöbelbloggers" schlicht "das Pöbeln" oder vielleicht doch eher "den Pöbel" gemeint haben mag – ich weiß also nicht, ob ich aus seiner Sicht ein "pöbelnder Blogger" oder doch bloß ein Teil des "bloggenden Pöbels" bin, oder ob er diesen, äh, kleinen Unterschied gar nicht macht bzw. versteht. Daher werde ich einfach weiter "pöbeln" und mich parallel dem "plebs" zugehörig fühlen, während im stumpfsinnigen Eso-Kuckucks-Land unbeirrt ganz munter weiter an der evolutionären Ausrottung der Intelligenz gearbeitet wird.

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Die treusorgende Glucke


"Und sie breitete ihre Fittiche schützend über sie."

(Zeichnung von Max Radler [1904-1971], in: "Der Simpl", Nr. 8 vom Juli 1946)

Kommentare:

altautonomer hat gesagt…

Da in Deinem Text auch der Reaktionär Püntes erwähnt wird: Er haut jetzt fast jede Woche einen Text mit SPD-Propaganda raus. Im letzten schreibt er sogar:
"Ich könnte das jetzt vertiefen, denn einen Ansatz gab es bei der Agenda 2010, den man aus linker Perspektive verteidigen muss, der auch visionär war – aber nur in der Perspektive, nicht in der Ausführung." Hartz-4 - eine für Linke verteidigungswerte Vision. Ein Kommentator meinte zu dem SPD-Geschwafel, Püntes glaube auch daran, dass eines Tages die Titanic von allein wieder an die Wasseroberfläche käme. Püntes hat angekündigt, zu dieser Aussage noch einen eigenen Text folgen zu lassen. Sagte ich nicht, es würde bis zur Wahl noch sehr häßlich?

Dieser Schleimer sollte besser mal erklären, ob das wirklich seine Überzeugung ist, oder ob er sich im Fahrwasser der Nachdenkseiten einen materiellen Vorteil erhofft, z. B. als Taschenträger des künftigen Polit-Beraters und Sozenkumpels Jens Berger.

Charlie hat gesagt…

@ Altauto: Es ist inzwischen fast müßig, auf Lapuentes Auswürfe noch einzugehen. Der Mann hat nun nachhaltig bewiesen, dass er nichts verstanden hat und auch nicht gewillt ist, sein Gehirn zu benutzen. Statt dessen schwimmt er lieber im kapitalismusfreundlichen, menschen- und denkfeindlichen Katastrophenstrom mit. Weshalb er das tut - ob er sich also persönliche, materielle Vorteile davon verspricht oder ob er einfach nur dumm ist -, weiß ich nicht.

In dieser Hinsicht ähnelt er dem selbsternannten "Hochsensiblen" der Eso-Fraktion, Roland Faulfuß, sehr stark.

Wenn ich mir den jüngsten Beitrag Wellbrocks zum Thema anschaue, stelle ich ähnliche Verwirrungen fest: Die erst drei Viertel des Textes kann ich - wenn auch unter Vorbehalten - unterschreiben, aber sobald der Mann über das "Änderungspotenzial" der SPD zu sinnieren beginnt, wird es surreal - was der Autor sogar selbst bemerkt, wodurch der ganze Text argumentativ zusammenbricht. Ich kann nur vermuten, dass hier einmal mehr entsprechende Wahlpropaganda für die Linkspartei, die dort noch gar nicht genannt wird, vorbereitet wird. Ich bin sicher, dass wir von den Neulandsozialdemokraten und ebenso von den Betschwestern der Esos bis zum Herbst noch so einiges aus dieser pseudolinken, konterrevolutionären Propagandakanone vernehmen werden.

Selbstverständlich wird das hässlich. Aber noch hässlicher wird's erst danach, wenn der Kapitalismus erneut für vier Jahre ungebremst wüten wird.

Liebe Grüße!