Montag, 9. Januar 2017

Brave New World


Es nützt alles nichts: Die Menschheit kommt nicht darum herum, über die Zukunft des Arbeitsfetisches im Kapitalismus neu nachzudenken. Es ist kein Zufall, dass sich in den letzten 10 Jahren Schlagzeilen wie diese vom vergangenen Donnerstag bei n-tv häufen: "Computer statt Mensch: KI macht Büroangestellte arbeitslos".

Selbstverständlich benötigt man für diese Erkenntnis keine derartig oberflächlichen Texte aus den kapitalistischen Medien - es reicht ja schon aus, einfach mal eigenständig zu überlegen, wieviele Arbeitsstellen in den vergangenen Jahrzehnten unwiderruflich verschwunden sind, weil irgendwelche Roboter oder Computer deren Aufgabe übernommen haben und wieviele es wohl in naher Zukunft zusätzlich sein werden. Dennoch ist diese textliche Häufung symptomatisch, denn allmählich lässt sich das lächerliche Märchen von der Verlagerung der Arbeitsplätze - beispielsweise in den prekären Dienstleistungsbereich - nicht mehr aufrechterhalten, ohne dass viele Menschen die Lüge erkennen, da auch dieser Bereich längst vom Jobabbau betroffen ist.

Und so gab es kürzlich bei Zeit Online (selbstverständlich im Ressort "Kultur" und nicht etwa "Wirtschaft") einen recht langatmigen Bericht des Politik- und Rechtswissenschaftlers Adrian Lobe, den ich nicht kenne, zu diesem Thema zu lesen, der in vielen, meist überflüssigen Worten das Dilemma auf den Punkt bringt, ohne es zu wollen. Eigentlich ist ein journalistischer Text schon von vorn herein zum Klopapierersatz bestimmt, wenn ein ironiefreier Satz mit den Worten beginnt: "Schon der große Ökonom John Maynard Keynes sagte voraus, dass (...)". - Nein, das muss man nicht lesen, die Intention steht ohnehin so felsenfest wie die Vatikanmauer - und trotz aller Schwurbeleien karikiert sich Lobe doch noch selbst, indem er hinzufügt:

Linkssein ist irgendwie wieder schick, das wurde spätestens mit dem Erfolg des Sozialisten Bernie Sanders klar.

Da platzt der zermürbte Schädel mit einem dumpfen, hässlichen Geräusch, als sei eine bauchige, wassergefüllte Karaffe mit Schmackes auf den Betonfußboden gefallen: Linkssein ist also schick und Sanders ist ein Sozialist? In welchem grotesken Ferengi-Paralleluniversum lebt dieser Mensch bloß, wenn er so etwas nicht in der Titanic, sondern in der Zeit zum Besten gibt, während jedermann doch allerorten zusehen kann, wie die komplette kapitalistische Welt gerade wieder im finstersten Faschismus versinkt und sich auf den Untergang einstellt?

Lobe rührt wild im kapitalistischen, stinkenden Brei herum, benennt jedoch keine Ursachen und erst recht keine sinnvollen Lösungen - er tut mithin genau das, was die korrupte Politbande seit Jahrzehnten vormacht, indem sie vorgibt, an irgendwelchen Symptomen herumdoktern zu wollen (ohne es freilich jemals zu tun) und stattdessen dennoch mit Pauken und Trompeten rauschend weiter dem Gegenteil huldigt und in den kapitalistischen, braunen Abgrund hastet.

Einige der im Text zitierten Philosophen, wie beispielsweise Marx, Adorno oder Fourier, schlössen sich der auf den Betonboden fallenden Karaffe gewiss sofort an, wenn sie den Lobe'schen Sermon lesen müssten: Im Jahr 2017 ist die einstige Aufklärung längst auf den Stand eines hundeverschissenen Sandkastens in einer zerbröckelnden Kita zurückgefallen, in die Kinder von ihren ehrgeizigen, kapitalistisch angefixten ElterndarstellerInnen outgesourct werden, während sie selbst an ihren von Robotern und Computern schon bald übernommenen Strohhalmkarrieren basteln.

Es soll tatsächlich vereinzelte Menschen geben, die noch immer bezweifeln, dass die Zombieapokalypse längst begonnen hat. Denen wünsche ich ein frohes neues und besinnliches Jahr. Alle anderen wissen, was kommt.

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Totenkopflinde



(Zeichnung von Rudolf Schlichter [1890-1955], in: "Der Simpl", Nr. 8 vom Juni 1947)

Kommentare:

Guy Fart hat gesagt…

"Die Arbeit ist die Quelle alles Reichtums (...). Aber sie ist noch unendlich mehr als dies. Sie ist die erste Grundbedingung alles menschlichen Lebens, und zwar in einem solchen Grade, dass wir in gewissem Sinn sagen müssen: Sie hat den Menschen selbst geschaffen."
(Friedrich Engels: Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen)

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Arbeit weniger werden wird. Ohne Arbeit kämen die Leute auf dumme Gedanken, denken sich die Herrschenden. Ohne Geld und damit ohne Nahrung würden sie den Gehorsam verweigern.

Anonym hat gesagt…

"Ohne Geld und damit ohne Nahrung würden sie den Gehorsam verweigern."
ohne geld, aber mit nahrung, würden sie's vermutlich auch tun. und sie hätten ihren spaß! das ist tröstlich. wir müssen nur allen genug geben, dann will keiner mehr arbeiten und die ganze plastikschalenmüllindustrie geht sofort pleite.

Charlie hat gesagt…

@ Guy Fart alias Bonetti alias ...: Deshalb ist seit geraumer Zeit ja eine deutliche Zunahme von Bullshit-Jobs - also Arbeit um der Arbeit Willen - zu beobachten, die auch staatlicherseits wie von Sinnen forciert wird. Die selbsternannte "Elite" weiß selbstverständlich, wieso sie das tut - zum Scheitern ist diese Strategie dennoch verurteilt.

Troptard hat gesagt…

Hier geht es ja nicht um die Frage, was ich mir vorstellen kann oder nicht.

Das Arbeit durch den Zwang zur Produktivkraftentwicklung in der Konkurrenz immer mehr aus dem Arbeitsprozess herausgedrängt wird und nicht mehr durch andere Produktionszweige kompensiert werden kann, weil der Trend sich verallgemeinert hat, ist ziemlich unumstritten. Selbst dort, in denen die neuen Techniken hergestellt werden.

Was bürgerliche Medien und deren berufene Experten verbreiten ist der bewusst erzeugte Fehlschluss, dass die neuen Technologien, die Maschinen, also das fixe Kapital selbst Wert erzeugen können und diese Maschinen/Technologien unsere Rente erarbeiten würden und den Menschen sozusagen das Paradies bevorsteht.

Dazu berufen sie sich auch noch ungeniert auf das Maschinenfragment von Karl Marx und lassen den entscheidenden Punkt daraus aus, dass mit zunehmender Verwissenschaftlichung der Arbeit, in der die Arbeitskraft nur noch Anhängsel der Maschinerie ist, auch die warenproduzierende Gesellschaft ihr Ende finden muss, der Kapitalismus an seine innere Schranke stösst.

Für mich ist das aus mehreren Gründen auch einsichtig: Da Arbeitskraft eine Ware ist und sich im Arbeitsprozess nur selbst reproduzieren kann, kann sie nicht die Mittel zur Reproduktion derjenigen aufbringen, die im Arbeitsprozess nicht mehr nutzbringend verwurstet werden können.

Höhere Produktivität führt zwar zu einem höheren Mehrwert im Vergleich zu den Kosten der Arbeitskraft, verteilt sich aber auf eine quantitativ anwachsende Menge von Waren , der in der Zirkulationssphäre auch realisiert werden muss, um Mehrwert/Profit zu realisieren und mit dem sehr unangenehmen Nebeneffekt, dass damit die Ausbeutung der Ressourcen, und der Menschen ständig zunimmt.

Dass das bereits jetzt an seine Grenzen stösst, lässt sich aus der Überakkumulation von Kapital ablesen, das in die Spekulation fliesst, weil es in der realen Wirtschaft keine ausreichenden Renditen mehr erzielen kann. Und daran, dass der Mangel an Profit zunehmend durch die gnadenlose Abschöpfung der Reproduktionsmittel des Bürgers ersetzt werden muss: Absenkung von Löhnen, Renten und Sozialleistungen Inflationierung der Preise für Lebensmittel, Mieten, Gesundheit, Steuern und vieles mehr. Manche linken Kritiker nennen das Feudalkapitalismus.

Das alles verwaist auf den Zerfall der bürgerlichen Gesellschaft . Deutlichste Ausdrucksform davon ist das Anwachsen rechter Ideologien und das Bekenntnis dazu in den Parteien und dem ihm entsprechenden Ausdruck auf der Strasse.













jakebaby hat gesagt…

"Es soll tatsächlich vereinzelte Menschen geben, die noch immer bezweifeln, dass die Zombieapokalypse längst begonnen hat. Denen wünsche ich ein frohes neues und besinnliches Jahr. .... "Alle anderen wissen, was kommt.""
Sowas solltest du zumindest als extrem humoristischen irrealen Sarkasmus kennzeichnen. ..

Mit den bisherigen Kommentaren dazu, kann ich auch nicht viel anfangen ... vielleicht noch Troptards(love you Man;)Ending "Deutlichste Ausdrucksform davon ist das Anwachsen rechter Ideologien und das Bekenntnis dazu in den Parteien und dem ihm entsprechenden Ausdruck auf der Strasse." ..... Auch das 'scheinen "alle anderen" nicht wirklich moegen/koennen/wollen zu wissen. ... sonst waer dies und andere Scheisse nicht so wie sie ist.

Un:)Natuerlich bin ich fuer absolut jeglichste Automatisierung jeglichst erdenklicher Maloche. Ach wie schoen!

Gruss
Jake



altautonomer hat gesagt…

jake: Der Satz von Charlie ist mir auch aufgefallen. Er erinnerte mich sofort an die derzeitige Diskussion bei flatter und seine linke Endzeittheorie. Da machen sich einige anscheinend Illusionen über die Kreativkräfte, das Innivationspotenzial und die Neuentdeckung von Verwertungsmöglichkeiten (z. Mensch, Genom, künstliche Intelligenz - sanfter Faschismus in weißen Laborkitteln oder mit Anzug und Krawatte).

Die Barbarei wird sich viel schneller in den unteren Schichten entwickeln, als dass das Kapital an seine Grenzen stößt. Beide Prozesse bedingen sich aber gegenseitig (Verarmung und Kampf ums Überleben).

Troptard hat gesagt…

Ich persönlich unterschätze nicht das Innovationspotential des Kapitals, dass es ständig auf der Suche nach neuen Verwertungsmöglichkeiten ist.

Die Frage, die sich dabei für mich stellt ist, ob das über die zusätzliche Vernutzung von Arbeit realisiert wird oder wie z.B. an der Privatisierung des Wassers deutlich wird (Nestle USA), die Gewinnmargen nicht aus der Verausgabung abstrakter Arbeit erzielt werden, sondern über Bodenrente.

Dem Kapital ist es egal, womit es seine Gewinne erzielt. Den Menschen kann das allerdings nicht egal sein, weil ihnen damit weitere Mittel für ihre Reproduktion entzogen werden, ihre Lebensbedingungen weiter verschlechtert, wenn sie für ein lebensnotwendiges Lebensmittel teuer bezahlen sollen.

Hier wird kein Mehrwert aus der Nutzung von Arbeit mehr gewonnen, sondern hier wird auf die verfügbaren Mitteln zur Lebenserhaltung der Menschen direkt zugegriffen, was u.a. die Misere der Kapitalverwertung verdeutlicht.

Ich interpretiere Charlys Aussage anders. Nicht als Untergangsprophezeiung, sondern als drohendes Szenario. Es gibt so viele Anhaltspunkte dafür, dass dieses Szenario Wirklichkeit werden könnte. Dazu braucht es nicht viel Fantasie.

kritischer Beobachter hat gesagt…

@Charlie:
Es soll tatsächlich vereinzelte Menschen geben, die noch immer bezweifeln, dass die Zombieapokalypse längst begonnen hat.

Mich erinnert dies an zwei Szenen:

Anfang der 70-er Jahre skandierten Studenten (noch) auf Demonstrationen:
„ Kapitalismus – führt zum Faschismus!“.

Mein Freund, damals Soziologiestudent und leider früh verstorben, meinte dazu:
„Warum wird immer nur der Faschismus thematisiert? Der Kapitalismus ist doch schon schlimm genug!“

Einige Jahre später (1975) - in einem sozialwissenschaftlichen Seminar an der Uni Frankfurt – befassten wir uns mit der Aussage von F. Engels und R. Luxemburg: „Sozialismus oder Barbarei“.

Die Kommilitonen waren erstaunt über meine These: „Wir leben doch schon längst in der Barbarei!“ Denn sie erlebten dies nicht so.

Das weist auf einen entscheidenden der Unterschied in der Bewusstseins- und Identitätsbildung im Vergleich zu 1967/68 hin.. Damals erlebte die Protestbewegung die kapitalistische Politik als barbarisch, namentlich den Vietnamkrieg der US-Amerikaner, den Schah-Faschismus und die Verelendung der Dritten Welt durch den kapitalistischen Neo-Kolonialismus.

Unsere Eltern und Großeltern waren der Hölle von Faschismus und Krieg entronnen, aber diese Hölle existierte in der kapitalistischen Welt weiter. Nicht in den Industriemetropolen des Kapitalismus – sieht man von den Slums in den USA ab -, aber in jenen Ländern, die Opfer der imperialistischen Politik waren.

Mit diesen betroffenen Menschen identifizierte sich die „Love & Peace“-Bewegung der 68-er-Generation, dagegen demonstrierte und kämpfte sie, zum Teil unter Einsatz des eigenen Lebens, weil sie mit einer Revolution die alten, menschenfeindlichen Verhältnisse beseitigen und einen humanistischen Sozialismus wollte.

1973 beim Putsch in Chile und Errichtung der Pinochet-Diktatur entlarvte sich das Establishment der kapitalistischen Welt. Die angeblichen Ideale von Demokratie. Freiheit und Menschrechte erwiesen sich als hohle Phrasen. Die Realität wurde bestimmt durch einen knallharten US-NATO-Imperialismus, der seine Herrschaft und Ausbeutung mit allen Mittel erhält.

Aussichtlos, unter den herrschenden Machtverhältnissen einen demokratischen und friedlichen Systemwandel herbeiführen zu können.

Das Ziel eines humanistischen Gesellschaftswandels war inzwischen von den meisten Menschen aus der Protestgeneration als unerreichbar aufgegeben worden.

Die Post-68-er- Generationen waren bereits systemkonform sozialisiert worden, d.h. sie hatten keine humanistische (mitmenschlich-solidarische) Wir-Identität entwickelt, sondern sie waren im wortwörtlichen Sinne mitleidslos. Das Leiden von anderen Menschen berührte sie nicht.

Nunmehr ging es den meisten Menschen nur noch darum, sich möglichst gut innerhalb der herrschenden Verhältnisse einzurichten, die nicht (mehr) als barbarisch erlebt wurden, weil man sich nicht (mehr) mit den betroffenen Menschen identifizierte, sondern sich nur noch auf die egozentrische (narzisstische) Bedürfnisbefriedigung in der eigenen privaten Welt fokussierte, auf Konsum, Kohle und Karriere.

Für theoretisch gebildete Systemkritiker war es klar, dass die Hölle der Barbarei früher oder später auch die Metropolen des Kapitalismus erreichen würde.

Denn der Kapitalismus kann seine Kapitalakkumulation nur durch Expansion erhalten, wie R. Luxemburg in ihrer Imperialismus-Theorie ausführte.

Zunächst sind die Länder und Bevölkerungen in der Peripherie – in der sog. III. Welt - die Opfer von Imperialismus und Neo-Kolonialismus, später wendet sich der Kapitalismus zwangläufig(!!!) „auto-kannibalistisch“ gegen die eigenen Bevölkerungen in den kapitalistischen Metropolen und zunehmend sind auch die Mittelschichten davon betroffen.

Troptard hat gesagt…

Hallo altautonomer!

Dein letzter Absatz bleibt mir vollkommen unverständlich. Vielleicht hasst Du Lust, den noch einmal zu präzisieren.

Ich sehe da zumindest eine wechselseitige Beziehung. Kapital hat ja in seinem Selbstverständnis noch nie viel Wert darauf gelegt, sich moralisch rechtfertigen zu müssen. Wenn es um seine Verwertung geht, ist es ihm ziemlich egal, mit wem es seine Geschäftsbeziehungen pflegt, und wie es die Menschen verwurstet.

Ob es eine innere Schranke der Verwertung gibt oder einen ewig prosperierendes Kapital, dass ist für mich zunächst mal nur eine notwendige Auseinandersetzung unter Linken, ein Analyseproblem Wirtschaftskrisen aktuell hinreichend zu bewerten, sozusagen als Wiederkehr des immer Gleichen zu begreifen oder als substanzielle Veränderung im Krisenprozess.

Wo ich mit Dir quer liege ist die Aussage, dass sich die Barberei "viel schneller in den unteren Schichten" entwickeln wird. Damit vernachlässigst Du für mich, dass die Barbaresierung der gesellschaftlichen Verhältnisse in den gesellschaftlichen Beziehungen selbst angelegt sind und die Politik, ihre Parteien und sog. Experten, diese Barbaresierung von oben nach unten auch wohlwollend befördern.

altautonomer hat gesagt…

toptard: 2016 gabe es rd. 800 Angriffe auf Flüchtlingenterkünfte. Nicht wenige Täter meinten dabei, den Volkswillen zu vollstrecken. In den sozialen Beziehungen außerhalb familiärer Strukturen ist ein zunehmender Verlust der humanen Orientierung zu erkennen. Mitleidlosigkeit, Vereinzelung, Faustrecht.

2005 gab es in vielen franz Städten die Aufstände in den Banlieues - Fazit u. a. 8.500 zerstörte Pkw. Dauer 20 Tage.

https://de.wikipedia.org/wiki/Unruhen_in_Frankreich_2005

In mehreren Städten Englands fanden 2011 Plünderungen statt. Ursachen waren in beiden Fällen vergleichbar.

https://de.wikipedia.org/wiki/Unruhen_in_England_2011

Zur Zeit Aufstände und Plünderungen in Mexiko wegen Erhöhung der Benzinpreise. In Deutschland kaum vorstellbar. Eher schon bei der Einführung von Tempo 100 auf deutschen Autobahnen.

Aus linker Sicht könnte man dieser Ereignisse als revolutionäre Vorbeben bewerten. Das wäre aber nur Wunschdenken. Noch hält die dünne Zivilisationsdecke und die Aggressionen auf die herrschende Politik werden von "unten" auf der Autobahn, in den Fussballarenen und bei der Parkplatzsuche ausgelebt. Das kann aber schnell kippen.





kritischer Beobachter hat gesagt…

@Charlie

Die Rede von der „Zombieapokalypse“ kann die Vorstellung aufkommen lassen, als d ein zivilisatorischer und ökonomischer Niedergang ein drohendes Schicksal der gesamten Menschheit.

Eine solche Vorstellung ist falsch.

Denn in der globalen Betrachtung sehen wir zwei gegenläufige Entwicklungsprozesse:
In der westlich-kapitalistischen Welt geht es abwärts, während es insbesondere in China aufwärts geht.
Im letzten Vierteljahrhundert hat sich die ökonomische Situation für einen großen Teil der Bevölkerung in China gewaltig verbessert. In dem Jahrzehnt von 2010 bis 2020 ist es das Ziel, die Reallöhne zu verdoppeln. Bereits jetzt umfasst die Mittelschicht rund 500 Mio. Menschen.

Fazit:
Die drohende „Zombieapokalypse“ ist ein Phänomen der Menschen im Herrschaftsbereich des US-NATO-Imperiums, aber kein Schicksal, welches der Menschheit insgesamt droht.

jakebaby hat gesagt…

Troptard,

"Wo ich mit Dir quer liege ist die Aussage, dass sich die Barberei "viel schneller in den unteren Schichten" entwickeln wird. Damit vernachlässigst Du für mich, dass die Barbaresierung der gesellschaftlichen Verhältnisse in den gesellschaftlichen Beziehungen selbst angelegt sind ""und die Politik, ihre Parteien und sog. Experten, diese Barbaresierung von oben nach unten auch wohlwollend befördern.""

Damit liegst du mit AA's Aussage nicht quer.
Die nachfolgenden Ausfuehrungen des Altautonomen sind die Spitze des Eibergs. Realpolitisch/gesellschaftlich sieht das momentan(nur mal Deutschland) so aus. http://www.wahlrecht.de/umfragen/dimap.htm ... "Das kann aber schnell kippen." ... Tut es gerade und schon immer. (nicht nur in Deutschland)
Da kann auch gerade eben und gerade mal seit 70 Jahren irgend ein Depp wiedermal unaufhoerlich "Nie mehr wieder" & "Wehret den Anfaengen" bruellen. Offensichtlichst fuer die fucking Umme! Weiterhin zunehmend global gesehen stecken wir nicht in irgendwelchen beschissenen Anfaengen, sondern in deren ewigen Kontinuitaeten seit dessen Menschengedenken.

Ich labe mich am furchtsamen winden der sogenannten politischen Eliten/Etablierten, vor den Rechten, welche sie selbst nachdruecklichst etablierten, welche sie niemals an ihrem rechtesten Rand zulassen wollten.
Warten wir mal die naechsten paar Wahlen ab.

Gruss
Jake


jakebaby hat gesagt…

"Fazit:
Die drohende „Zombieapokalypse“ ist ein Phänomen der Menschen im Herrschaftsbereich des US-NATO-Imperiums, aber kein Schicksal, welches der Menschheit insgesamt droht."
etc.?

GENAU! ... you shouldn't drink se Bongwater!!


Charlie hat gesagt…

Ich hoffe doch inständig, dass niemand meine Äußerungen allen Ernstes als "prophetisch" auffasst. Schließlich gebe ich hier lediglich meine ureigensten Meinung zum Besten, und es liegt in der Natur der Sache, dass diese Meinung gewiss nicht immer von allen Mitlesenden geteilt wird.

Zur "Zombieapokalypse" möchte ich nur anmerken, dass ich dieses satirische, ganz leicht überzeichnete Bild insbesondere für die deutsche Bevölkerung gewählt habe, von der - aus meiner Sicht - nicht einmal im bösesten, schönsten oder feuchtesten Traum eine antikapitalistische oder gar humanistische "Rebellion" ausgehen wird. Das halte ich für völlig ausgeschlossen. Eher lässt sich der Papst beim öffentlichen Gangbang mit verschiedenen Frauen und Männern filmen, verschenkt die gehorteten Vatikan-Milliarden an die Armen der Welt und verkündet selig-orgiastisch lächelnd das Zeitalter der sexuellen Freizügigkeit, als dass in Deutschland der Humanismus Einzug hielte. In dieser Hinsicht ist diese Bevölkerung sogar den USA voraus - und das will etwas heißen.

Wenn man diesen - leicht dahergesagten - Spruch partout global interpretieren möchte, lässt sich vielleicht noch anmerken, dass das "Wirtschaftswunder" in China - wie eben immer! - auch nur eine Minderheit betrifft. Gemessen an der Einwohnerzahl dieses riesigen Landes profitiert zurzeit nur ein vergleichsweise kleines Grüppchen vom kapitalistischen "Wachstum", während die Mehrheit (und, wie immer, natürlich die Natur) das Nachsehen hat und in die bittere Röhre guckt. Wir kennen diese Phasen der kapitalistischen Entwicklung doch bis zum Erbrechen - es wird auch in China nicht allzu lange dauern, bis die wenigen Profiteure jenseits der "Elite" von ihren kleinen "Wohlstandsinseln" wieder vertrieben werden, weil das System anders (längerfristig) gar nicht funktionieren kann.

Mein Fazit bleibt daher: Die drohende bzw. längst begonnene bzw. nie beendete "Zombieapokalypse“ ist und bleibt eine permanente Bedrohung für alle Menschen auf diesem Planeten, solange dieses Wirtschafts-, Gesellschafts- und Politiksystem nicht endlich unwiderruflich im Müllhaufen der Geschichte verbuddelt worden ist. Das genaue Gegenteil ist überall auf diesem verkommenen Planeten zu beobachten.

Liebe, ganz und gar unprophetische Grüße!

altautonomer hat gesagt…

kritischer Beobachter und Charlie: In China warten 300 Mio Mernschen auf ihr erstes Auto. Was die Realisierung dieses Wunsches für das Klima und die Erölreserven bedeutet
würde ich mal so formulieren: Vielleicht könne sie einmal um den Kreisverkehrs fahren, dann ist Schluss.

Fluchtwagenfahrer hat gesagt…

Moin, zum Thema Barbarisierung folgendes:
siehe Wiki. https://de.wikipedia.org/wiki/Barbar
1.) Stammeln, lallen etc. z.B. deutsche Sprache nicht beherrschen= passt
geh mal z. B. aufn Schulhof Haupt/Realschule
2.) rohe, unzivilisierte, ungebildete Menschen= passt
Wohnort Platte, Ghetto, how ever, BILDUNGSREFORMEN hahahaha

Auszug Wiki: "Parallel dazu geht eine stark rhetorisch-propagandistisch aufgeladene Verwendung des Begriffs, die selten die reale Nähe oder Ferne der jeweils gegenübergestellten Kulturen trifft. „Die Sprachfigur blieb erhalten, sofern der negativ besetzbare Pol des Barbaren oder der Barbarei immer zur Verfügung stand, um die jeweils eigene Stellung per Negationen abzuschirmen oder expansiv auszubreiten.“[3]"=passt auch
wir Mitte(lStand),(Bildungs / Erben)Elite,Ich Chef du Ali,du nix.

Fakt ist m. M. n. das die zivilisatorische Decke nicht nur Dünn ist, sondern teilweise faustgroße Löcher hat. Buden anzünden, Straßenverkehr (auch du RADFAHRER), Veganebiogendermoralquerapostteln usw. usw.

Aber GOTT(TdM/H. MAAS) SEI DANK wird jetzt endlich wieder vermehrt in Sicherheit Polizei, Bw, Bewaffnung, Überwachung investiert und nicht zuletzt im Strafrecht ganz grandiose Änderungen beschlossen.

Ja so`n scheiß Barbar ist halt nur zu gebrauchen wenn er schön fleißig malocht und den anderen in die Fresse haut, aber wehe der wendet sich gegen das Herr`chen dann brennt der Baum.
Aber keine Sorge vor der Zukunft Charles, wir füllen gerade eine ganze Generation von Zappel-Philippen, Beruflich ausgebrannten und weiteren verkrachten Existenzen mit schönen Downern (SOMA) (sponsort by z. B. Bayer)ab, das keine Gegenwehr mehr zu erwarten ist. Skalieren den Bildungs/Wissenshorizont nach unten, sorgen dafür das alle Antworten schon da sind (Goggel) und zwar alternativlos, so das keiner mehr neugierig wird und sich fragt ob das denn alles so sein muss.
Sollte sich wieder Erwarten ein resistenter Rest herauskristallisieren, lassen wir den entweder zocken oder ziehen ihn mit Lockangeboten (Job, Gehalt, Posten) auf die vermeintliche Seiten der GUTEN.
LG aus der Hölle

Martin Däniken hat gesagt…

Also ich sehe Zombies eher als Konsum-und Kapitalismusverweigerer...tragen ihre Klamotten bis sie von ihnen abfallen,brauchen kein Mäckes,keinen Pizzablitz.
Nur ein bisserl Hirn oder Menschenfleisch,wobei sie unterschiedslos armes und reiches verputzen wollen.
wenn man aber den Verbraucher Heinz Mustermann nimmt,so glaubt er sich in Besitz von Vernunft-dieses Bewusstsein geht dem Zombie total ab
-es interessiert nicht mal ansatzweise
Auch Vampire sehe ich als Konsumverweigerer-sie tragen z.B.jahrhundertelang das selbe Cape von einem guten Schneider gefertigt.
Vom gut gefertigten Sarg mal ganz zuschweigen...
Da sollte man sich mal bei der Linken um eine Definitionklarheit kümmern!

Charlie hat gesagt…

@ Martin Däniken: So habe ich das noch gar nicht gesehen ... aber Du hast ja so recht! :-)

Martin Däniken hat gesagt…


Der amerikanische Katastrophenschutz (Fema,bei Vtlern sehr beliebt)hat die Zombie-Apokalypse wie in TwD als Anregung benutzt,das sich die Leute auf Fluten,Erdbeben vorratstechnisch vorbereiten.

Ausserdem würde ich bei den jetzt noch als Zombies gescholtenen Konsumenten eher von Wohlstands- oder Kapitalismuskonditionierten sprechen...
Wie heisst es bei Leben des Brian so schön:
„Ihr braucht mir nicht zu folgen.
Ihr braucht niemandem zu folgen.
Ihr seid alle Individuen.
Lasst euch von niemanden sagen, was ihr zu tun habt."
https://www.youtube.com/watch?v=rhJCQCk3sO0
Aber kriegt man das hin das sich die Menschen ihrer Einzigartigkeit bewusst werden,aber andererseits mit ihrer Existenz als soziales Wesen in Einklang.
..denn wir brauchen andere Menschen und andere Gedanken,damit wir uns weiter entwickeln
Dazu kann man ja die Leute nicht zwingen ;-) oder
Sorry wenn ich abschweifte
aber das ist ein unlösbarer Konflikt mit dem ich herumlaboriere...

kritischer Beobachter hat gesagt…

CHINA – linke Vorurteile und Projektionen

@Charlie
Wenn man diesen - leicht dahergesagten - Spruch partout global interpretieren möchte, lässt sich vielleicht noch anmerken, dass das "Wirtschaftswunder" in China - wie eben immer! - auch nur eine Minderheit betrifft. Gemessen an der Einwohnerzahl dieses riesigen Landes profitiert zurzeit nur ein vergleichsweise kleines Grüppchen vom kapitalistischen "Wachstum", während die Mehrheit (und, wie immer, natürlich die Natur) das Nachsehen hat und in die bittere Röhre guckt. Wir kennen diese Phasen der kapitalistischen Entwicklung doch bis zum Erbrechen - es wird auch in China nicht allzu lange dauern, bis die wenigen Profiteure jenseits der "Elite" von ihren kleinen "Wohlstandsinseln" wieder vertrieben werden, weil das System anders (längerfristig) gar nicht funktionieren kann.

Aufgrund meines Wissens über China und meiner Erfahrungen durch Gespräche und Reisen, muss ich entschieden widersprechen.

Sind 500 Mio. Menschen bei insgesamt ca. 1,4 Miard. Menschen ein „ein vergleichsweise kleines Grüppchen“? Diese 500 Mio. bilden den Mittelstand.

Aber auch bei den sog. Wanderarbeitern hat sich die ökonomische Lage in den letzten Jahren deutlich gebessert.

Es ist sehr schwierig, mit Linken über China zu diskutieren, weil deren China-Bild voller Vorurteile und Projektionen ist.

In China herrscht eine Diktatur der KPCh. Aber die Mehrzahl der Chinesen halten eine Demokratie nach westlichen Muster für einen Schwindel, weil in Wirklichkeit immer eine latente Diktatur herrscht. Da bevorzugen sie eine offene Diktatur.
Die Systemzufriedenheit ist bei der chinesischen Bevölkerung sehr hoch.

Die Mehrzahl der Chinesen akzeptiert eine hierarchische Struktur mit Verteilungsungleichheit, allerdings verlangen sie, dass die privilegierten Führer im Interesse des Gemeinwohls arbeiten. In keinem Land der Welt werden Verstöße gegen das Gemeinwohl, Korruption und illegale Selbstbereicherung so hart bestraft bis hin zur Todesstrafe.

Völlig falsch ist die Vorstellung, dass China eine kapitalistische Ökonomie habe und dort die Kapitalistenklasse herrsche. Die meisten Linken glauben dies jedoch.

Richtig ist, dass dort eine „Mixed Economy“ existiert. Es gibt große privatwirtschaftliche Bereiche, die kapitalistisch funktionieren, aber die polit-ökonomischen Rahmenbedingungen und –entscheidungen setzt die KPCh.

Die Behauptung, dass das chinesische System – so wie es ist - längerfristig gar nicht funktionieren kann, wird in den westlichen Medien immer wieder propagiert. Ständig werden „Blasen“ und „Krisen“ prognostiziert.

Tatsächlich funktioniert dieses System mit kontinuierlichem Wachstum und zunehmenden Wohlstand für alle , ganz im Gegensatz zur wirtschaftlichen Realität in den westlich-kapitalistischen Staaten.

Lesenswert: „China: Der Crash blieb mal wieder aus“
https://www.heise.de/tp/news/China-Der-Crash-blieb-mal-wieder-aus-3590498.html

Siehe dazu auch den Kommentar:
https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/China-Der-Crash-blieb-mal-wieder-aus/chinas-erfolg-und-was-die-chinesen-von-ihren-politikern-halten/posting-29751353/show/

Dass sich in China etwas Neues und Zukunftsträchtiges entwickelt, passt nicht in das westliche TINA-Bild, wo die kapitalistische Marktwirtschaft als höchstes Stadium der Menschheitsgeschichte angesehen wird.

Es passt auch nicht zur psychosozialen Verfassung der Linken, insbesondere in Deutschland.

Diese Linken befinden sich in einem depressiven Zustand.

Die depressiven und resignierten Linken können aufgrund ihres psychischen Zustandes gar nicht anders, also die Gegenwart und Zukunft düster erleben.

Die revolutionäre 68-er-Bewegung befand sich in einer ganz anderen psychosozialen Verfassung.

Damals wusste man noch:
Depression ist internalisierte Repression.

Troptard hat gesagt…

@ kritischer Beobachter,

ich würde es ganz angenehm finden, wenn Sie hier ihre pauschalen Vorurteile bzw. wenn Sie hier andere Einschätzungen über das sog. Wirtschaftswunder in China nicht durch den Rückgriff auf bürgerlich, psychische Krankheitsbilder diskriminieren würden.

Ob man die 68-er-Bewegung als revolutionäre Bewegung begreifen darf, auch darüber gibt es sicherlich unterschiedliche Auffassungen.

Selbst dann, wenn das bürgerliche Subjekt die Verarbeitung der gesellschaftlichen Umwelt gegen sich selbst richtet, so halte ich das immer noch für eine vergleichsweise gesunde Reaktion, im Gegensatz zu denen, die irgendwo auf der Welt
immer wieder einen Ansatz für ihre Hoffnungen finden, die sich an der Realität bisher ziemlich schnell blamiert haben.

Ich bezeichne das jetzt extra nicht als Krankheit unter deutschen Linken, die sehr schnell dabei ist, ihre Hoffnungsträger ausserhalb ihrer eigenen Scholle auszumachen, weil sie selbst ziemlich wenig bis gar nichts auf die Spur bringt.

China, soll das jetzt (wieder einmal) die neue Hoffnung für deutsche Linke sein?

Charlie hat gesagt…

Auf diese Diskussion kann ich mich nicht einlassen, da ich viel zu wenig über China weiß. Was ich aber weiß ist dies:

Depression ist die einzig gesunde Reaktion auf die heutige Zeit. Da kannst Du lamentieren bis zum Erbrechen: Diese bittere Erkenntnis nimmt mir niemand mehr. Gottfried Benn schrieb einmal: "Die Depression ist der Realismus dieses Jahrhunderts."

Liebe Grüße!

Martin Däniken hat gesagt…

Was china angeht,gehe ich immer davon aus das die Vorgänge bezüglich Blasen usw gesteuert werden. und die Regierung oder Teile davon finanziellen Gewinn haben,von Machtpolitischen Überlegungen mal ganz zuschweigen und Journalisten,die jammern oder feixen keine Ahnung haben.
Die chnesische Geschichte ist der Mastelplan "Der Sieger schreibt die Geschichte!"
Empfehle dazu das STrategeme-Buch von Harro von Senger

Und was die Zombies angeht bin ich auf eine Kombination von Wutbürger und Kruger-Dunning Effekt gekommen
-den Vollpfosten oder Vollhorst oder Politspacken genannt

kritischer Beobachter hat gesagt…


@Charlie:
Depression ist die einzig gesunde Reaktion auf die heutige Zeit. … Gottfried Benn schrieb einmal: "Die Depression ist der Realismus dieses Jahrhunderts."

Der depressive Affektzustand kann eine gesunde Reaktion auf aktuelle Ereignisse sein, so auf Erlebnisse, die mit Verlust einhergehen: Verlust eines geliebten Menschen, Verlust von Freiheit, Sicherheit, Gesundheit etc.

Depression als chronischer Zustand ist häufig verbunden mit Ohnmacht, Resignation und Isolation.

Solange ein Mensch kämpft und nicht sich aufgibt, ist er nicht depressiv. Die Kämpfer um Fidel Castro und Che Guevara waren nicht depressiv, auch nicht die Kämpfer der Resistance oder die Partisanen in Jugoslawien (vgl. z.B. Paul Parin).

Mich stören die unendlichen „linken“ Betroffenheitsdiskurse im Internet, das Jammern über die schlechten Verhältnisse, verbunden mit politischer Passivität und Inaktivität. Diese Unfähigkeit, im Real Life etwas zustande zu bringen, sich zu organisieren etc.

Ich finde dieses depressive politische Klima in Deutschland unerträglich. Noch schlimmer sind eigentlich die karnevalähnlichen Massenveranstaltungen. Wie z.B. „Rock gegen Rechts“, „Love Parade“, „Street Parade“, Massenpartys etc., wo in zwanghafter Weise versucht wird, „Spaß zu haben“. Der Konsum von Alkohol und Drogen gehört immer dazu.

Sieht man von der Zeit um 1970 ab, so habe ich danach ein gutes kollektives Lebensgefühl nur bei Reisen in andere Länder erlebt: auf Kuba, auf Bali und in China.

Deutschland erlebe ich sozio-emotional als bedrückend. Seit 20 Jahren lebe ich im benachbarten Ausland. Daher erlebe ich diese Differenz bei meinen Besuchen in Deutschland.

Deutschland ist nicht anders, weil die Deutschen als Menschen anders sind. Denn im Ausland sind die Deutschen anders.

Es ist soziokulturelle Kontext in Deutschland, der sich mit der Regierung Kohl entscheidend wandelte. Mit Kohl kam der hässliche Deutsche wieder an die Macht. Seitdem herrscht dort proletarisch-kleinbürgerliche (plebejische) Mischkultur mit all ihrer Spießigkeit, Kleingeistigkeit, ihrem Anti-Intellektualismus und ihrer Eliten-Feindlichkeit etc. Mit Kohl kam das Privatfernsehen mit seinen Trash-Sendungen usw.

Aber der geistig-kulturelle Niedergang in Deutschland begann früher, nämlich mit der Brandt-Regierung, mit der Zerstörung der humanistischen Gymnasien und der klassischen Universitäten. Mit der Arroganz und dem Machergehabe eines Kanzler-Schmidt gegenüber den Intellektuellen und insbesondere gegenüber Linksintellektuellen.

Heute ist Deutschland in Europa isoliert und befindet sich in kulturellem und wirtschaftlichem Niedergang. Niemand in Europa versteht, warum Merkel die Grenzen für eine islamische Invasion öffnete. Nirgendwo auf der Welt gibt es derartige destruktive Tendenzen, die gegen die eigene Kultur und gegen das eigene Volk gerichtet sind, wie sie sich den grün-alternativen und linken antideutschen Strömungen manifestieren.

Deutschland befindet sich im Selbstzerstörungsmodus.

jakebaby hat gesagt…

K B,

Ich moecht nicht noch mal vorm Bongwasser warnen, aber zwischendurch haust du als Dinger raus.

"Heute ist Deutschland in Europa isoliert und befindet sich in kulturellem und wirtschaftlichem Niedergang. Niemand in Europa versteht, warum Merkel die Grenzen für eine islamische Invasion öffnete. Nirgendwo auf der Welt gibt es derartige destruktive Tendenzen, die gegen die eigene Kultur und gegen das eigene Volk gerichtet sind, wie sie sich den grün-alternativen und linken antideutschen Strömungen manifestieren."

Hast du das bei PegidAfDStuerzi/etc. geklaut?

Dirk hat gesagt…

Tja, so schnell geht das manchmal mit der Querfront... eben noch andere angeschwärzt, hängt man kurz darauf selbst mittendrin...

jakebaby hat gesagt…

Tja, was man nicht alles so blubbert, gegen die Selbstzerstoerung dieser Kultur dieses Volkes. http://jakester-express.blogspot.com/2016/02/schutz-der-deutschen-kultur.html

Troptard hat gesagt…

@jakebaby
Zumal wenn es vorher so schön mit linker Rhetorik unterfüttert worden ist. Ich warte jetzt nur noch auf den Link zu der Seite von "ProDeutschland".

kritischer Beobachter hat gesagt…

Es ist nicht das erste Mal, dass ich im Medium Internets versuchte, Zeitfragen kritisch zu diskutieren. Im Real Life ist dies, wenn überhaupt, nur punktuell möglich und die meisten Diskursversuche endeten frustrierend.

Man könnte mich als „Alt-68-er“ bezeichnen, als jemanden in der Tradition der revolutionären emanzipatorischen Linken, wie sie von Dutschke und Krahl repräsentiert wurde, steht, beeinflusst – um einige Namen zu nennen - von Soziologen der Frankfurter Schule, von „Freudomarxisten“ wie W. Reich, E. Fromm und H. Marcuse, von K. Marx, Rosa Luxemburg und O. Rühle, und – last not least - A. Sohn-Rethel.

Sohn-Rethel besitzt einen besonderen Stellenwert, zum einen durch seine Theorie der geistigen und körperlichen Arbeit und vor allem durch sein Konzept von einer gebrauchswertorientierten Ökonomie, welches m. E. nach wie vor einen Schlüssel zur gesellschaftlichen Transformation beinhaltet.

In den Internetdiskussionen sind mir so gut wie gar nicht „Alt-68-er“ begegnet.

Sondern das Gros der linken Diskutanten (und Blogbetreiber) bestand aus ehemaligen frustrierten und prekarisierten Sozialdemokraten. Ein Teil ist bei der Linkspartei engagiert, aber der größte Teil ist im „Real Life“ politisch inaktiv, schwätzt nur und pflegt seine linke Identität.

Mit einer gesellschaftskritischen Theoriearbeit, welche die „Neue Linke“ kennzeichnete, haben die heutigen Linken nichts gemein.

Um die Marxsche Theorie und die Weiterentwicklungen richtig zu verstehen, bedarf es mehrere Jahre an intensiven Theoriestudien und zudem Diskussion.

Es gibt heute kaum Theoretiker mit vertieftem marxistischem Wissen. Daher die vielen „Systemlinken“, die überhaupt nicht begreifen, worum ihre Strategie zum Scheitern verurteilt ist.

Für die 68-er-Linken war es wichtig, die historische Entwicklung der Menschheit und insbesondere der aktuellen Gesellschaft zu studieren, um zu begreifen, wie die Gesellschaft und die Individuen geworden sind.

Man wollte verstehen, wie die aktuelle Weltsituation und die Kräfteverhältnisse sind. Logischerweise gehört heutzutage insbesondere die Entwicklung in China und die chinesische Weltpolitik dazu.

Die heutigen Linken besitzen jedoch überwiegend keine globalstrategischen Kenntnisse.

Deshalb wissen sie nicht, welche Pläne und Ziele mit der muslimischen Massenimmigration verfolgt werden.

Den heutigen Linken fehlen elementare soziologische Kenntnisse über die Voraussetzung eines Gemeinwesens mit freiheitlich-demokratischer Grundordnung. Sie begreifen nicht, dass der bürgerliche (National)Staat mit seinem Gewaltmonopol Garant des Rechts sein muss. Und dass ein freiheitliches und friedliches Gemeinwesen bestimmte soziokulturelle Voraussetzungen hat (s. Böckenförde-Theorem). Diese müssen qua Sozialisation und Erziehung vermittelt werden und so muss eine entsprechende soziokulturelle Homogenität geschaffen werden.

Die Weltentwicklung im letzten Vierteljahrhundert sehe ich insgesamt als positiv. Denn es ist nach dem Zusammenbruch des Ostblock dem US-NATO-Imperiums nicht gelungen, eine absolute Weltherrschaft zu etablieren. Im Gegenteil, es hat sich eine multipolare Welt entwickelt.

Die Weltlage sowie die Vernichtungsdrohung der Menschheit waren vor einen halben Jahrhundert weitaus schlechter.

Inzwischen ist das Bismarck’sche Zeitalter mit den sozialstaatlichen Klassenkompromissen und in Europa zu Ende gegangen.

Die Strukturen der Klassengesellschaft werden immer deutlicher. Aber immer noch leben die Pauperisierten und Prekarisierten hier in Europa besser als jene Opfer der neokolonialen Ausbeutung in der Dritten Welt, von den auch Deutschland profitierte.

Erstaunlicherweise wehren sich in Deutschland die Pauperisierten und Prekarisierten sowie jene, denen das gleiche Schicksal droht, immer noch nicht richtig.

weiter …

kritischer Beobachter hat gesagt…

weiter:

Aber Teile der Mittelklasse beginnen sich zu wehren. Sie haben erkannt, dass die Demokratie ein Herrschaftsmittel der Reichen und Mächtigen ist, dass alle etablierten Parteien korrumpiert sind und ihnen sozialer Abstieg droht. Daher ist eine Hauptforderung der „neuen APO“ die Möglichkeit zu direkt-demokratischen Entscheidungen.

Auch wenn mich ist die gesellschaftliche Situation häufig bedrückend ist, werde ich nicht resignieren und mich einer Depression hingeben.

Charlie hat gesagt…

@ Kritischer Beobachter: Du schreibst:

[Die heutigen Linken] begreifen nicht, dass der bürgerliche (National)Staat mit seinem Gewaltmonopol Garant des Rechts sein muss. Und dass ein freiheitliches und friedliches Gemeinwesen bestimmte soziokulturelle Voraussetzungen hat (s. Böckenförde-Theorem). Diese müssen qua Sozialisation und Erziehung vermittelt werden und so muss eine entsprechende soziokulturelle Homogenität geschaffen werden. / Die Weltentwicklung im letzten Vierteljahrhundert sehe ich insgesamt als positiv.

Dem muss ich massiv widersprechen. Der bürgerliche Nationalstaat und sein Gewaltmonopol ist längst (wieder!!!) zu einem Herrschaftsinstrument mutiert, den ich nur noch verabscheuen kann. Da ist weder etwas "Freiheitliches", noch etwas "Friedliches" zu finden, sondern, ganz im Gegenteil, nur schnöde Herrschaft und stumpfe Gewalt. Im Übrigen war das in den letzten hundert Jahren nie anders.

Du gibst vor, die Geschichte so gut zu kennen - und schreibst dennoch einen so offensichtlichen Blödsinn? Deine nicht minder grenzwertigen Ausfälle bezüglich einer angeblichen "muslimischen Invasion" (ja, ich weiß, Du hast das etwas anders formuliert) kommentiere ich lieber gar nicht, um meinen Blutdruck etwas zu schonen.

Du schreibst viel Richtiges, aber diese absurden Spitzen erschrecken mich.

In diesem Deutschland wären "direkt-demokratische" Entscheidungen, wie Du sie forderst, nur ein weiterer Stein auf dem schon gepflasterten Weg in den Faschismus. Ich möchte diese verdummte bzw. dumm gehaltene Bevölkerung jedenfalls um nichts in der Welt darüber entscheiden lassen, ob so tolle Errungenschaften wie die Todesstrafe, die Folter, die Ausbürgerung, die Deportation unliebsamer Menschen oder dergleichen mehr - natürlich nur in besonders bösen "Einzelfällen" - wieder eingeführt werden sollen. Das Grundgesetz, das freilich längst nicht mehr das Papier wert ist, auf dem ist gedruckt wurde, legt zumindest solchen endzeitlichen Ansinnen noch immer große Hürden in den Weg. Wie lange dieser allerletzte (!) Damm noch hält, ist indes eine andere Frage.

Wer die vergangenen 25 Jahre als "insgesamt positiv" bewertet, muss offensichtlich in einem anderen Universum leben, das mit meinem keine Schnittmenge besitzt. Auch zur "Mittelschicht" gibt es inzwischen einschlägige soziologische Untersuchungen, die ich hier schon oft verlinkt und daraus zitiert habe und die allesamt das Gegenteil dessen aussagen, was Du behauptest.

Nein, mein Lieber, hier gibt es nichts Positives zu sehen: Es blubbert und stinkt und verfault wie ehedem.

Liebe Grüße!

jakebaby hat gesagt…

"Den heutigen Linken fehlen elementare soziologische Kenntnisse über die Voraussetzung eines Gemeinwesens mit freiheitlich-demokratischer Grundordnung. Sie begreifen nicht, dass der bürgerliche (National)Staat mit seinem Gewaltmonopol Garant des Rechts sein muss. Und dass ein freiheitliches und friedliches Gemeinwesen bestimmte soziokulturelle Voraussetzungen hat (s. Böckenförde-Theorem). Diese müssen qua Sozialisation und Erziehung vermittelt werden und so muss eine entsprechende soziokulturelle Homogenität geschaffen werden."

"Aber Teile der Mittelklasse beginnen sich zu wehren. Sie haben erkannt, dass die Demokratie ein Herrschaftsmittel der Reichen und Mächtigen ist, dass alle etablierten Parteien korrumpiert sind und ihnen sozialer Abstieg droht. Daher ist eine Hauptforderung der „neuen APO“ die Möglichkeit zu direkt-demokratischen Entscheidungen."

Derart weitere "Ausfälle/absurde Spitzen" kann ich auch weniger ab.
Wobei ich dann moeglicherweise wie gewohnt in den Verdacht gerate ein eingefahren intoleranter Linker zu sein, welcher out of Context/etc. basiert.
Wodurch ich immer weniger an solch Krampf teilnehme. ... Ich spiel das Spiel schon viel zu lange und habe mich ebenso zu lange mit verschraegten Typen wie K B, irgenwann mal bis dummbewusst, verschlissen. Ich bin nun mal nicht der Hellste ;-)

Nur mal Online habe ich diese Prozedur 100fach die letzten 12 Jahre vollzogen. Darauf kann ich mich seit einiger Zeit nicht mehr einlassen. Es ist schlichterweise wesentlich aufschlussreicher und befriedigender Farbe beim Trocknen zu betrachten.

Anfaenglich ausfuehrlich/lengthy, ueberschlau gelegenes Wohlfuehlgeschwalle. .....aaaarrrrgghhh .... wobei ich nicht mehr zwischen den Zeilen lesen muss, um, die Eier graulend, ueber die gewohnt kommenden "Ausfälle/absurde Spitzen", in lahm aufgegeilter Erwartung zu froehnen. .......... Das kommentiere ich zumeist nur noch mit kurzatmigem Humor/Sarkasmus/etc. woraufhin die, nicht akzeptierbaren Einschlaege, zumeist durch angebrachte Kritik getriggert, wiederum gewohnt mehr heftig und trotziger werden. ..... bla bla bla ....

..... "Plebiszit"?? ... "Deshalb wissen sie nicht, welche Pläne und Ziele mit der muslimischen Massenimmigration verfolgt werden./soziokulturelle Homogenität durch Sozialisation und Erziehung" ... "Aber immer noch leben die Pauperisierten und Prekarisierten hier in Europa besser als jene Opfer der neokolonialen Ausbeutung in der Dritten Welt, von den auch Deutschland profitiert"E"." Heute mehr denn je davon profiti"ert"!!??? etc. .... usw.

Wenn ich mich allerdings, wie vor langerlanger Zeit damit beschaeftige diesen gesamten Schmarn definiert zu zerlegen, krieg ich davon noch mehr .... oder irgendeiner dieser Penner macht sich, nie mehr gesehen von dannen und schmust sich kurz oder etwas laenger bei Anderen ein. ...... bla

Davor kriegst du fuer deine 'Grobheiten noch aus den eigenen Reihen eins aufs Dach .... bla bla

"Die Depression ist der Realismus dieses Jahrhunderts."
Ein Scheich sagte mir vor Jahren zu meinem diesbezueglichen Realismus: "Realismus klingt wie ein staendig pessimistisch, trauriges Lied" .....

Gruss
Jake





kritischer Beobachter hat gesagt…

@Charlie
Deutschland hatt eine freiheitlich-demokratische Verfassung – das Grundgesetz.
Eine der besten Verfassungen auf der Welt. Allerdings nur auf dem Papier. Denn sie ist nicht Ausdruck der realen geistig-moralischen Verfassung der Bürger.

Nach der bürgerlichen Staatsidee repräsentiert die Verfassung den Gesellschaftsvertrag, also den politischen Willen der Bürger.

Aber es mangelte in der BRD immer an den freiheitlich-demokratischen Bürgern und folglich war die BRD nie wirklich ein echter freiheitlich-demokratischer bürgerlicher Staat (s. (s. Böckenförde-Theorem). Aber immerhin gab es früher noch ein paar kritische Intellektuelle.

Doch ein gebildetes Bürgertum, da die Macht zur gesellschaftlichen Mitgestaltung besitz, gibt es in der BRD nicht mehr. Ein Hauptgrund sind die sozialdemokratischen „Bildungsreformen“, welche die Institutionen des gebildeten Bürgertums – Gymnasium und klassische Universität zerstörten. Gut nachzulesen bei Georg Bollenbeck.

Klar, das versteht der normale – sozialdemokratisch gebrainwashte - Linke nicht, sondern der findet es in seinem Anti-Intellektualismus und seiner Elitenfeindlichkeit es gut, dass es in Deutschland keine Elitenbildung mehr gibt.

Ich habe selbst erlebt, wie in der SPD von der Basis theoretische Arbeit mit dem Argument abgelehnt wurde, dass sich dann Eliten bilden.

In der BRD für eine gewisse Epoche einen Rechtsstaat, der jedoch ständig abgebaut wurde und der nur noch als Ruine existiert.

Ein Staat ohne funktionierenden Rechtsstaat tendiert zwangsläufig in Richtung Verbrecherherrschaft. In Mexiko und Brasilien herrschen Banden und Clans, in anderen „failed States“ mafiöse Netzwerke und Oligarchen.
In vorbürgerlichen Gesellschaften, wie den islamischen herrschen Familien und Clans, da gibt es nie einen Rechtsstaat.

Die Kindergarten-Linken begreifen nicht, dass in modernen Gesellschaften den Staat mit seinen Kontroll- und Repressionsapparaten braucht, damit es nicht zu einer „Brasilianisierung“ kommt. Ohne staatliche Ordnung werden Familienclans, Banden und mafiöse Netzwerke herrschen.

Geht die Entwicklung in der BRD so weiter, so werden sich auch dort „Gated Communities“ entwickeln. Sicherheit wird dann zu einer Privatangelegenheit, für jene, die es bezahlen können, weil der Staat dies nicht mehr garantiert.

Die Kindergarten-Linken werden erst begreifen, was sie verloren haben, wenn es den Staat, der Recht und Ordnung aufrechterhält, nicht mehr gibt.

Otto Normalo hat heute in Deutschland keine politische Möglichkeit, die Gesellschaft mitzugestalten. Er kann zwar wählen gehen, aber es gibt keine wählbaren Alternativen zur neoliberalen Politik.

In der Schweiz hingegen kann nicht nur das Parlament Gesetze verabschieden, sondern Resultate von Volksabstimmungen erhalten unmittelbare Gesetzeskraft.

In einer direkten Demokratie ist eine neoliberalere „Revolution von oben“ – wie bei der Agenda 2010 - nicht gegen den Willen des Volkes möglich.

Charlie, Du schreibst:
Wer die vergangenen 25 Jahre als "insgesamt positiv" bewertet, muss offensichtlich in einem anderen Universum leben, das mit meinem keine Schnittmenge besitzt.

Da stimme ich zu, wir leben in anderen Bewusstseinswelten.

Für mich war düsterste Zeit Mitte der 70-er Jahre. Da hatte die humanistisch-emanzipatorische Bewegung eine vernichtende Niederlage erlitten. Wie sollte unter diesen Kräfteverhältnisse das humanistische Ziel einer menschlichen Menschheit erreicht werden? Das war nicht mehr praktisch denkbar.

Nicht nur der kapitalistische Westen sah die revolutionäre emanzipatorische Bewegung als zu bekämpfenden Feind an, sondern gleichermaßen der Sowjetkommunismus.

Damals war die Gefahr einer atomaren Selbstvernichtung unmittelbar gegenwärtig. Heute wissen wir, dass ein atomarer Weltkrieg nur mit Glück und das heldenhafte Handeln einiger Menschen verhindert wurde.

weiter …

kritischer Beobachter hat gesagt…

weiter:

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gab es zum US-NATO-Imperium keine ernsthafte Gegenmacht auf diesem Planeten. Inzwischen gibt es Russland und China.

Länder wie z.B. Thailand konnten dank der Kooperation mit China sich der neo-kolonialen Ausbeutung vermittels IMF etc. entziehen und können nun viel höhere Reispreise erzielen.

Wie gesagt, ca. 2 Mrd. Menschen sind Partner und Freunde des US-NATO-Imperialismus, von über 5 Mrd. Menschen wird er gehasst.

Die Länder des US-NATO-Imperiums befinden sich im wirtschaftlichen und sozio-kulturellen Niedergang, während China sich im Aufschwung befindet und zudem einen kontinuierlichen Machtzuwachs entwickelt.

Als Humanist erlebe ich diese Weltentwicklung als positiv.

Geschichtlich betrachtet, ist die Menschheitsentwicklung einerseits durch den Niedergang von Gesellschaften, Imperien und Regionen gekennzeichnet, andererseits entstehen neue Gesellschaften und Kulturen.

Die kapitalistischen Gesellschaften haben ihren Zenit längst überschritten und gegenwärtig sind es erstarrte Gesellschaften, die immer mehr verfaulen.

Europa – einst Zentrum der Welt und Motor des Fortschritts, aber auch eines menschenfeindlichen Kolonialismus und Imperialismus – befindet sich in ständigen Niedergang. Am deutlichsten ist dies bei den PIIGS-Staaten zu beobachten.

Die Chinesen investieren zunehmend in Europa und kaufen z.B. Firmen, Häfen etc. auf. Auch in Deutschland.

Inzwischen lebt ein großer Teil der chinesischen Bevölkerung besser als z. B. der Großteil der griechischen.

Wie gesagt, als Humanist sehe ich die Weltentwicklung im letzten Vierteljahrhundert als insgesamt positiv an.

Deutschland befindet sich auf dem absteigenden Ast, und zwar selbstverschuldet. Schade um Deutschland, das Land meiner Eltern und Großeltern, für das sie so viel geopfert haben. Auch ich habe – vergeblich - für eine bessere Zukunft gearbeitet und gekämpft. Aber „mein“ Deutschland, in dem sich in der Nachkriegszeit so etwas wie eine humanistische Renaissance entwickeln schien, gibt es nicht mehr. Manchmal kommt noch etwas Phantomschmerz auf.

Aber menschheitsgeschichtlich betrachtet, ist es um dieses heutige Deutschland nicht schade.

Es gab Zeiten, in denen wichtige humanistische und fortschrittliche Impulse auch aus Deutschland kamen, aber diese Zeit ist lange vorbei.

Charlie hat gesagt…

@ Kritischer Beobachter: Du schreibst:

Ohne staatliche Ordnung werden Familienclans, Banden und mafiöse Netzwerke herrschen.

Da stellt sich mir unwillkürlich die Frage: Möchtest Du mich auf den Arm nehmen? Wo, wenn nicht in Deutschland und im Rest des "freiheitlich-demokratischen Westens", herrschen denn HEUTE Familienclans, Banden und mafiöse Netzwerke???

Liebe Grüße!

jakebaby hat gesagt…

Charlie,

"Wo, wenn nicht in Deutschland und im Rest des "freiheitlich-demokratischen Westens", herrschen denn HEUTE Familienclans, Banden und mafiöse Netzwerke???" .... ;-)

Diese unnoetige Frage haette ich (vor&seit dem 2ten Weltkrieg) u.A. auch gestellt.
Schwachsinnige Kommunikation ueber Irrsinn. WTF ...

kritischer Beobachter hat gesagt…

@Charlie

Zum mafiösen Netzwerk:
https://www.welt.de/finanzen/article13407540/Im-Wuergegriff-der-Mafia-aus-Finanzwelt-und-Politik.html

Wer herrscht in den USA, wer in Italien, wer in Griechenland etc.?

Die islamischen Gesellschaften werden von Familienclans und Banden beherrscht, es sei denn, es gibt einen Diktator. Nirgendwo gibt es Demokratie und Rechtsstaat.

In Deutschland werden die islamischen Parallelgesellschaften von den gleichen Strukturen beherrscht, nämlich von Familienclans und organisiertem Verbrechen.


Charlie hat gesagt…

@ Kritischer Beobachter: Mit diesem verschwörungstheoretischen Islamgeschwurbel hast Du dich nun endgültig selbst disqualifiziert. Ich gehe davon aus, dass Du hier nicht mehr kommentieren wirst. Danke.

Viele Grüße von den Quandts und Mohns.

kritischer Beobachter hat gesagt…

@Charlie
Richtig, ich werde hier weder weiterhin lesen noch kommentieren.

Mit meiner Bewusstseinswelt und mit meinem Real Life hat dieser soziale Kontext hier nicht viel gemeinsam.

Aus materialistischer Perspektive leben wir zwar alle in einer Welt, aber es existiert kein gemeinsames Bewusstsein.

Psychosozial besteht die heutige Gesellschaft größtenteils aus vereinzelten Einzelnen mit einem Bewusstseinszustand von Autisten. Das gilt auch für die Internet-Linken, die in ihrem Kleinbloggersdorf in kleinen und kleinesten Bewusstseinsblasen agieren.

Insgesamt sind dies vermutlich nicht mehr ein paar hundert Menschen.

Sie sind unfähig, im Real Life in relevanter Weise intellektuell zu intervenieren. Sie nehmen nicht am wissenschaftlichen Diskurs teil, sie schreiben keine Bücher und publizieren nicht in relevanten Medien mit Massenpublikum. Sie sind im Real Life kooperationsunwillig und organisationsunfähig.

Das sind politische Schrebergärtner. Wenn politische Impotenz mit Verbalradikalismus verbunden sind, dann erinnern sie an pubertierende Jugendliche. So ist dann auch ihr Verhalten.

Deutlich zu studieren z. B. im feynsinn-Blog.

Dieser Blog ist die größte linke Schwatzbude im Internet mit einem Ex-Sozialdemokraten als „Blogherr“ – einem autokratischer Alleinschreiber mit pubertären Guru-Allüren - sowie einer subalternen Anhängerschaft.

Die Liste derer, die wegen Kritik an den Positionen des Gurus aus der Blogdiskussion exkludiert wurden, ist lang. Meist wurden die Kritiker zudem abgewertet und beleidigt.

Obwohl der feynsinn-Blog schon seit vielen Jahren existiert, geht der produktive Output gegen Null. Keine eigenständige Recherche oder Analyse, die Licht und Wissen in zuvor nicht bekannte Zusammenhänge hineingebracht hat, kein Buch oder anderweitige relevante Publikation ist entstanden. Der Blog besteht aus schnell fabrizierten Artikeln und stammtischartigen Kommentaren.

Ein wissenschaftlicher Forschungs- und Erkenntnisprozess verläuft anders, nämlich stufenförmig. Man erreicht eine Stufe höheren Bewusstseins, und auf Basis dessen, versucht man eine neue, höhere Stufe zu erreichen (vgl. dialektische Entwicklungsspirale).

Der Prozess in einer linken Schwatzbude verläuft aber anders, nämlich wie ein Hamsterrad. Ähnlich wie beim Stammtisch. Das ist linkes Infotainment. Unterhaltung und Identitätspflege für die TeilnehmerInnen, an der gesellschaftlichen Wirklichkeit ändert es nichts.

Das erinnert an religiöse Sekten.

Es ist Ausdruck der gegenwärtigen soziologischen Situation in den kapitalistischen Gesellschaften. So wie es Bourdieu im „Das Elend dieser Welt“ aufgezeigt hat und wie es Zygmunt Bauman als „postmodern“ beschrieben hat.

Den Menschen müssen (noch) nicht um ihr Überleben kämpfen, dazu geht es ihnen materiell (noch) zu gut. Es gibt außerhalb der familiären Kontexte nur selten praktische Solidarität. Die Menschen solidarisieren und organisieren sich nicht, jedenfalls nicht in den „linken“ Milieus. Bei den sog. „Rechten“ sieht dies etwas anders aus.

Meinen kleinen Ausflug nach Kleinbloggersdorf sehe ich als eine Art Milieustudie und sage „Farewell“!

Troptard hat gesagt…

@kritischer Beobachter!

Ihre Reaktion war für mich ziemlich und fast zeitgenau vorhersehbar und deshalb schätze ich mich nicht so blöd ein, wie sie gewisse Linke hier gerne sehen wollen.

Vielleicht habe ich Sie bereits auf einem anderen Blog kennengelernt.

Ihre ausufernden und belehrenden Texte, ihre ungeduldige Reaktion, wenn diese nicht sofort sichtbar wurden, ihre Reaktion auf Widersprüche zu ihren Inhalten , die sich oft wie zusammengewürfelte Textbausteine lesen, die sich geschickt linker Rhetorik bedienen und dabei gleichzeitig schon den Schwenk nach rechts mit eingebaut haben, das macht verdächtig, wie der von Ihnen verfasste Satz:

"Die Menschen solidarisieren und organisieren sich nicht, jedenfalls nicht in den "linken" Milieus. Bei den sog." Rechten" sieht dies etwas anders aus."

Ich persönlich habe kein Interesse an der Solidarität der Rechten, an Volksgemeinschaft und Kammeradschaft unter Männern, gemeinsamen Duschen mit Männern und Lagerfeuer-Romantik.

Bei ihrem Versuch andere linke Blogs zu kapern, wünsche ich Ihnen ebenso wenig Erfolg wie hier. Erfolgt das aus einem eigenen inneren Antrieb oder stehen dahinter noch andere Interessen?



Charlie hat gesagt…

@ Troptard: Lassen wir den Mann in Frieden ziehen - er wird gewiss einen neuen Spielplatz finden, wo er seine wirren Kopp-Verlags-Thesen bezüglich der "islamischen Unterwanderung" des "freien Westens" ausbreiten kann. Jetzt, da Ulfkotte, der olle Zausel, von uns gegangen ist, werden in den betreffenden Kreisen händeringend neue Apologeten des Irrsinns gesucht. ;-)

Liebe Grüße!