Freitag, 13. Januar 2017

Serdar Somuncu: Öffentlich-rechtliches TV als Keimzellen des Faschismus?


Ein Gastbeitrag des Altautonomen

Bis zur Böhmermann-Affäre sollte es noch ein ganzes Jahr dauern, da hat der Kabarettist und aktuelle "Die Partei"-Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, Serdar Somuncu, in einem Interview mit der Journalistin Mely Kiyak das Personal der öffentlich-rechtlichen TV-Sender, speziell des WDR, kollektiv als "Arschlöcher" und die Anstalten als "Keimzellen des Faschismus" bezeichnet:



Für die einen mag dies nur eine Bestätigung des Vorwurfs der "Lügenpresse" sein. Für mich sind die von Somuncu sehr emotional und mit Empörung vorgetragenen Vorwürfe der eigentliche Skandal, zu dem sich der WDR natürlich bisher nicht geäußert hat. Stattdessen hat ihn die WDR-Redakteurin Elke Thommessen (u.a. zuständig für Carolin Kebekus' "PussyTerror TV" und überdies WDR-Personalrätin) mit Unterstützung des Senders wegen Beleidigung verklagt. Sie habe erst im letzten Jahr Kenntnis von dem Video bekommen. Somuncus Humor ist nicht mein Ding, aber wie er sich in dem Video äußert, beeindruckt mich sehr. Er spricht mir aus der Seele. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass er ein paar konkrete Beispiele für die Zensur präsentiert hätte - doch vielleicht kommt das ja noch im Verlauf des nun anstehenden Zivilprozesses.

Trotzdem kann Somuncu ja noch froh sein, dass er nicht "Keimzelle des Kommunismus“ gesagt hat, denn dann wäre die kollektive Beleidigung erheblich höher bewertet worden. Schließlich haben die Öffentlich-Rechtlichen kein Problem damit, immer wieder VertreterInnen rechtsradikaler Parteien (AfD) in ihre Talkshows einzuladen, um diesen damit eine Plattform zu bieten, ihre Positionen einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Das läuft dann aber unter "Pressefreiheit, Aufklärung, Toleranz und Meinungsvielfalt". Dabei stellt sich mir die Frage, ob ein Adolf Hitler verhindert worden wäre, wenn man Goebbels ständig als Gast bei Plasberg, Will und Illner gesehen hätte.

Schon der Satiriker Wiglaf Droste schrieb 1993 zum Thema "Mit Nazis reden" folgendes:

Alle Welt sucht das Gespräch mit Rechtsradikalen. Warum? Haben sie einem etwas zu sagen? Ist nicht hinlänglich bekannt, was sie denken, fordern und propagieren? (...) / Muss man an jeder Mülltonne schnuppern? Niemand wählt Nazis oder wird einer, weil er sich über deren Ziele täuscht, – das Gegenteil ist der Fall; Nazis sind Nazis, weil sie welche sein wollen. Eine der unangenehmsten deutschen Eigenschaften, das triefende Mitleid mit sich selbst und den eigenen Landsleuten, aber macht aus solchen Irrläufern der Evolution arme Verführte, ihrem Wesen nach gut, nur eben ein bisschen labil etc., "Menschen" jedenfalls (...), "um die wir kämpfen müssen".

Warum? Das Schicksal von Nazis ist mir komplett gleichgültig; ob sie hungern, frieren, bettnässen, schlecht träumen usw. geht mich nichts an. Was mich an ihnen interessiert, ist nur eins: dass man sie hindert, das zu tun, was sie eben tun, wenn man sie nicht hindert: die bedrohen und nach Möglichkeit umbringen, die nicht in ihre Zigarettenschachtelwelt passen. (...) / Wenn sich dabei herausstellen sollte, dass es sich gegen 50, 60, 70, 80 oder 90 Prozent des deutschen Volkes richtet, dann ist das eben so.

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Letzter Bildbericht des Dritten Reiches



(Zeichnung von Hans Craemer [1891-1975], in: "Der Simpl", Nr. 10 vom August 1946)

Kommentare:

D.D. hat gesagt…

"Derartige innerlinke Dialoge sind m. E. verschwendete Energie. Immer wieder dieselbe Sturheit und die Hoffnung der einen auf ein paar Krümel, die vom Tisch fallen, während andere um den ganzen Kuchen kämpfen."

Diesen Satz sollte man all den "Linken", die heute allzu forsch und kapitaltreu auftreten, stundenlang um die Ohren hauen, in der falschen Hoffnung daß sie ihn vielleicht irgendwann doch verstehen. Es ist ein Requiem, das heute stattfindet - und die eigentlich zu Betrauernden merken's nicht einmal, sondern klatschen noch wie irre dazu.

altautonomer hat gesagt…

Wenn der intellektuelle Kabarettist Böhmermann den türkischen Präsidenten Erdoğan als „sackdoof, feige und verklemmt“ (V. 1) bezeichnet; er habe ein „schlimm nach Döner“ riechendes „Gelöt“ (V. 3), das sogar einen „Schweinefurz“ (V. 4) übertreffe. Erdoğan sei „der Mann, der Mädchen schlägt / und dabei Gummimasken trägt“ (V. 5 f.). Er möge „am liebsten Ziegen ficken“ (V. 7) und „Minderheiten unterdrücken“, dann bejubelt die Presse dies als Satire.

Deutsche Ulknudeln dürfen den gemeinen Türken auf diesem Niveau vorführen. Aber wehe, wenn ein deutscher "Kümmeltürke" deutsche Medien satirisch kritisiert, dann ist das eine strafbare Handlung (Beleidigung) und nicht mehr als Satire rechtlich geschützt.

Eine Zensur findet nicht statt:
Amüsant ist - wir erinnern uns- dass der WDR im Jahre 2013 eine Kirchen-Parodie aus der Sendung Kebekus entfernt hatte,weil religiöse Überzeugungen von Zuschauern verletzt werden könnten.

https://www.youtube.com/watch?v=4Y3IWFLFHbk

Kebekus beendete danach die Zusammenarbeit mit dem WDR.
Und jetzt noch einmal im Text nachlesen, wer die Chefredakteurin von Kebus neuer Sendung "Pussyterror" ist.

Ralf hat gesagt…

Bei denen wundert mich das nicht.

Da wird ein Astrologe(sic) nach der Wahl des Bundespraesidenten gefragt. Unsere Kanzlerin wird auch danach befragt.

Nein das ist nicht Plattas HdS, das ist die Heute Sendung.

Ich hatte es echt fuer eine Fake gehalten.

heute.de: Angela Merkel ist Krebs und im Aszendent Schütze.

Ludwig: Das könnte typischer nicht sein. Sie hat die Energie des Krebses, der etwas Mütterliches hat: Der Krebs will nähren, versorgen, sich kümmern, beschützen. Merkel als Mutti, das passt. Der Krebs hat auch ein hohes Empathie-Vermögen, deswegen kann er gut analysieren, sich in andere hinein versetzen und auch manipulieren. Dazu passt Merkels Macht-Instinkt. Vom Schützen hat Merkel ihr Visionäres. Wie der Schütze will sie hoch hinaus.

Hier ein Link zum orginal:

http://www.heute.de/astrologe-klemens-ludwig-erklaert-im-heute.de-interview-professionelle-astrologie-und-horoskope-46212144.html

Charlie hat gesagt…

@ Ralf: Das ist in der Tat starker Tobak, was Du da verlinkt hast. Ob in der Redaktion von heute.de wohl auch mit Tierknochen gewürfelt oder Voodoo-Puppen benutzt werden, um Muttis politische Gegner und andere "Fake News" auszuschalten? ;-)

Jedenfalls ist das wieder einmal ein hirnzerfressendes Beispiel für die absurde Parallelwelt, in der sich der durch Zwangsgebühren gut gemästete Kuhjournalismus der Öffentlich-Rechtlichen bewegt. Danke für die Verlinkung!

Liebe Grüße!

Tobias Claren hat gesagt…

Hat die nicht erst ein Jahr DANACH erstattet?
3 Monate nach Vollendung der "Tat" verjährt Beleidigung.
Da müsste so eine Beleidigung schon dauerhaft auf einer Webseite stehen, damit nie eine Verjährung eintritt.

Ein Pispers hat in seinem Programm, auch beim WDR am Abend von Der Leyen als "Dummes Arschloch", Riester als "Arsch", und Merkel als "Schabracke" bezeichnet...

P.S.:
Was bekommt man wohl zu sehen, wenn man Keimzelle-des-Faschismus gefolgt von Punkt "de" öffnet...?!?