Donnerstag, 14. Dezember 2017

Des Popen Poltergeist


Wusstet Ihr schon, dass der Satan tatsächlich existiert? Das jedenfalls hat der aktuelle Papst herausgefunden und er ließ dementsprechend jüngst verlautbaren:

Papst Franziskus hat die Katholiken eindringlich vor jeglicher Kontaktaufnahme mit dem Teufel gewarnt: Die Gläubigen sollten "nicht mit dem Satan reden", weil dieser eine sehr intelligente, rhetorisch überlegene "Person" sei. (...) / Satan stehe für das konkrete Böse und nicht für eine diffuse Sache, warnte der Papst. "Wenn du anfängst, mit Satan zu reden, bist du verloren. Er verdreht dir den Kopf." Es sei besser wegzugehen. Auch Priestern und Bischöfen gaukle Satan Gelehrtheit vor. "Und wenn du es nicht rechtzeitig bemerkst, dann endet es böse", fügte der Pontifex hinzu.

Zuerst habe ich ja gedacht, dass der senile Opi meinen geschätzten Freund Faulfuß meint, bis mir auffiel, dass hier ja von "Gelehrtheit" die Rede ist, womit der nun leider ausscheidet. Wer also könnte mit jener "Person" gemeint sein? Irgendwelche PolitikerInnen kommen aus demselben Grund nicht in Frage, habgierige KapitalistInnen und KriegstreiberInnen erst recht nicht, und über Nazis müssen wir uns in diesem Zusammenhang gar nicht unterhalten. Wer ist also "gelehrt", "rhetorisch begabt" und aus der lodernden Hölle emporgestiegen, um Menschen hinterlistig auf absurde, teuflische Wege mitten hinein ins "Böse" zu führen? Hat der Greis wohl doch einmal in den Spiegel geschaut, bevor er zu dieser Erkenntnis gelangt ist? ;-)

Ach nein, das "glaube" ich nicht – ich befürchte vielmehr, dass der arme, sehr reiche Mann in seinem Wahn gar nicht bemerkt, dass er eigentlich in eine geschlossene psychiatrische Einrichtung gehört, da sein abstruser, infantiler Geisterglaube nun wahrlich keine "Privatsache" ist, sondern viele weitere Menschen, die leider ebenso anfällig für derlei Erkrankungen sind, massiv beeinflusst. So auch meinen besagten Freund Faulfuß, denn der hat sich des Popen Anweisung zum Umgang mit dem Gehörnten schon längst zu eigen gemacht:

So hatte Franziskus in der Vergangenheit Priestern empfohlen, lokale Exorzisten hinzuzuziehen, sollten sie im Beichtstuhl Zeuge großer spiritueller Unordnung werden.

Gut, Fauli ist kein Priester und sein Eso-Blog kein Beichtstuhl – aber warum sollte man es da auch so genau nehmen! Während dort nämlich unverhohlen und fleißig Werbung für esoterische Abzocker gemacht wird, ist der Exorzismus im Kommentarbereich stets aktiv: Blasphemische – also allzu kritische – Kommentare werden brav getilgt und literweise mit Weihwasser und Papsturin besprüht, um die "spirituelle Ordnung" nicht zu gefährden. Endlich verstehe ich diese Zensur – dem Popen sei's gedankt – und weiß damit auch, wer zur Hölle jener ominöse Poltergeist des Popen sein muss ...

Ich versichere reinen und lodernden Herzens: Der Exorzismus wirkt nicht, und ein Gespräch mit mir und anderen Atheisten endet auch niemals böse – ganz im Gegenteil. :-)


Kommentare:

Fluchtwagenfahrer hat gesagt…

Moin Charlie,
wie du schon richtig erkannt hast, kann der große SATAN™
Dump nicht gemeint sein.
Meine Vermutung, es handelt sich hier um eine konzentrierte Aktion von il papa vereint mit den JUSOS CXU gegen Linke, schw. Block, ANTIFA usw.
Alternativ, zu viel Weihrauch gekifft, aber was weiß ich alter Heide schon.
LG

altautonomer hat gesagt…

Nicht mit dem Teufel reden? Dass ich nicht schallend lache. Die Religioten kommen langsam dahinter, dass sie mit den Bibeltexten und ihren darin enthaltenen Widersprüchen verarscht wurden. Aktuell dreht sich die Dimussion um das "Varer unser". Darin wird bis auf eine Ausnahme mit Gott gesprochen. Bis auf die Bitte "und führe uns nicht in Versuchung" - ein Appell an den Teufel. Das stört die Systematik des Gebets.

Das 10. Gebot lautet: Du sollst nicht begehren deines Nächsten WEIB, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was sein ist. Diese Gebot ist nur für heterosexuelle Männer und Lesben gedacht. Heterosexuelle Frauen begehren nicht des Nächten Weib. Beim Personal dagegen wird säuberlich zwischen Knecht und Magd unterschieden. Also kein Zufall.

altautonomer hat gesagt…

Korrektur: Aktuell dreht sich die Diskussion um das "Vater unser".

(Die Finger waren mal wieder schneller, als die Gedanken.)

Arbo hat gesagt…

@altautonomer:
Jup, genau das ist der Punkt. Kann mensch natürlich immer noch doof finden, hat aber eine rein inner-theologische Ursache, da vom allgütigen Herrn ja schlecht behauptet werden kann, er verführe die Menschen. ;-)

Aber mal abgesehen davon: manch theologische Prosa finde ich echt klasse. Wenn von den Strukturen der Sünde die Rede ist, die in Macht- und Profitgier zum Ausdruck kommen, hat das schon fast anti-kapitalistische Züge. Blöd nur, dass die sich dann doch nicht soweit druchringen und an anderer Stelle wieder Blödsinn verzapfen. Aber "Strukturen der Sünde" finde ich irgendwie cool. >;-)

LG
Arbo

schadensmeldung hat gesagt…

Charlie, hast Pater Zausel also auch gelesen.
Tolles Angebot, das ich leider nur zartfühlend kommentieren konnte, ohne an ein Christenkreuz genagelt zu werden. Konnte mir gerade noch verkneifen, Platta um eine Erklärung zu bitten.
Bewundernswert ist, wie sich Zausel heimtückisch herantastet, und erst am Ende seine teufliche Begierde offenbart. Dachte bisher, dass Gottesmänner sich in Demut üben sollten, jenseits weltlicher Gelüste. Klar, das Fleisch ist schwach, nur Gotteslob macht auch nicht satt.
Mein Segen sei dir gewiss – Volker

Charlie hat gesagt…

@ Fluchtwagenfahrer: Die Pharisäer von "Jenseits der Realität" können Deine Frage sicherlich beantworten, wenn Du sie höflich (im Sinne von "gläubig") genug stellst. ;-)

Liebe Grüße!

Charlie hat gesagt…

@ Altauto: Den Kappes bezüglich des "Vaterunsers" habe ich auch gelesen - allerdings hat sich mein Gehirn geweigert, dazu irgendeinen verbalen Auswurf zu produzieren, und diesem Streik muss ich mich auch weiterhin beugen.

Ich "glaube" inzwischen ja an die Verschwörungstheorie, dass hinter all diesem religiotischen Blödsinn der letzten Jahre doch nur die Redaktion der Titanic steckt, die dann an Heiligabend die Wiederkunft des "Gottessohnes" in Gestalt von Martin Sonneborn verkünden wird. Der wird dann König und die Welt endlich zum Paradies! :-)

Liebe Grüße!

Charlie hat gesagt…

@ Volker: Lass uns doch gemeinsam auch mal ein "Online-Seminar" erarbeiten, dass wir sodann EsoterikerInnen kostenpflichtig andrehen können! Wieso sollten nur Pater Zausel, die "Heilerin" Monika H. oder irgendwelche anderen Scharlatane von der immensen Zahlungsfreude solcher verirrter Schäflein profitieren?

Als Arbeitstitel schlage ich vor: "Das gute Gewissen. Eine praktische Anleitung, wie Sie es schaffen, auch im 21. Jahrhundert noch an Geister zu glauben, ohne in der Psychiatrie zu landen". Das ist eine Marktlücke! Die Nachfrage wäre riesig; wir könnten dafür pro Lerneinheit (jeweils zwei bis drei DIN-A-4-Seiten) mindestens 79,99 € berechnen. Da uns das ganze von Engeln diktiert werden wird, wären wir inhaltlich noch nicht einmal haftbar. Ich halte das für eine richtig gute Idee! Wann beginnen wir? :-)

Habgierige Grüße!

altautonomer hat gesagt…

OT: Bloggerperlen. Das Geilste zu H4, was ich in letzter Zeit gelesen habe:

https://tinyurl.com/ycvvf8as

Charlie übernehmen ........

jakebaby hat gesagt…

"Hat der Greis wohl doch einmal in den Spiegel geschaut, bevor er zu dieser Erkenntnis gelangt ist? ;-)"

Noe noe, damit meinte er uA. zB. Dich.

jakebaby hat gesagt…

"und ein Gespräch mit mir und anderen Atheisten endet auch niemals böse – ganz im Gegenteil. :-)"

Das kann ich so nicht unterschreiben. Dies, ueber viele Jahre hinweg konseqent vermeidend, hatte ich ein paar auesserst unangenehm (von mir aus un') 'aggressive Gespraeche mit Glaeubigen, bishin zum zitternd erregten Armfuchteln inclusive der hallelujanisch, und Exorzist anheimelnd doppeldaemonischen Stimmlage und Ausdruck ... :-))) Kein Witz ... "Behold the Sinner, .... You will burn in Hell!"
Das passierte mir das erste mal '99 in meinem eigenen Haus. Ich war von der Ernsthaftigkeit der Situation so uebermannt und unverzueglich ein paar Jahrhunderte zurueck fuehlend, dass mir nichts besseres einfiel, denn ein erzuernt Dying Fetus maessig, gafaucht hoellisches "Get the Fuck out of my House".

Wahre Geschichte. Stell dir mal vor, sowas wuerde uns Beiden mit ein paar Bier und 'm Joint widerfahren. Herzinfarkte und Atemnot beim Totlachen.

Gruss
Jake

jakebaby hat gesagt…

Ganz vergessen, Stimmlage https://www.youtube.com/watch?v=F5bbeGhauWY (anyways, naturgegeben technisch genial)

Charlie hat gesagt…

@ Altauto: Ich finde den verlinkten Text, den Du richtigerweise als "OT" gepostest hast, ehrlich gesagt alles andere als witzig, sondern geradezu geschmacklos. Oder war Dein Hinweis ebenfalls kritisch bzw. sarkastisch gemeint?

---

P.S. am Rande: Es ist durchaus löblich, dass Du eine Kurz-URL verwendest - allerdings solltest Du dann (nicht bloß hier) stets auch angeben, wohin der Link führt, denn letzten Endes kann sich dahinter alles mögliche - auch eine verseuchte Seite - verbergen. Viele LeserInnen klicken auf solche Links nicht, wenn sie nicht wissen, wohin die (Daten-)Reise geht. Zudem ist zu beachten:

"Viele Link-Verkürzer wie z.B. bit.ly, tinyurl.com, ow.ly, redir.ec, goo.gl etc., sind nicht datenschutzkonform. Sie erzeugen nicht nur eine kurze URL , sondern speichern die IP-Adresse der Link-Benutzer und erstellen Statistiken über die Anzahl der Klicks, deren Herkunft, die genutzten Browser etc., ohne die Benutzer vorher zu informieren und die (datenschutzrechtlich notwendige) Einwilligung einzuholen. / Der URL-Verkürzer "t1p.de" der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) ist datenschutzkonform. Der Dienst speichert keine persönlichen oder anderen Daten der Benutzer. Dazu überprüft er die gespeicherten Links auf Malware und informiert den Nutzer, der den Kurzlink aufrufen möchte, über potenzielle Risiken. Zensiert wird allerdings nichts, nur gewarnt."

Dieser Dienst ist aus meiner Sicht also die bessere Alternative. - Noch einfacher und ganz ohne jeden zusätzlichen Dienst geht's in Kleinbloggersdorf allerdings mit HTML direkt im Kommentartext. Wenn Du das möchtest, schicke ich Dir gerne per Mail eine (sehr einfache!) Anleitung, wie das geht.

Liebe Grüße!

Charlie hat gesagt…

@ Jake: "Stell dir mal vor, sowas wuerde uns Beiden mit ein paar Bier und 'm Joint widerfahren. Herzinfarkte und Atemnot beim Totlachen."

Tja, das ist wieder einer dieser Momente, in denen ich es sehr bedaure, dass wir leider tausende von Kilometern voneinander entfernt leben. :-) Mit Halleluja-Schreiern und ähnlichen Gesellen hatte ich in meinem persönlichen Umfeld (also abgesehen vom Internet) zum Glück noch nie etwas zu tun. Dusselige, sich "moderat" gebende Missionare hingegen begegnen mir öfter. Diskussionen sind mit denen allerdings ebenso sinnfrei - ich versuche das schon seit Jahren nicht mehr.

Als ich noch dumm, jung, unschuldig und ein Schüler war, habe ich mich während einer Freistunde manchmal mit zwei Kollegen in den "Reli-Raum" unserer damaligen Schule zurückgezogen. Dort haben wir die in den dortigen Schränken gelagerten Bibeln herausgeholt (jeder bekam 20 Stück) und eine Partie Poker gespielt: Eine Bibel war jeweils ein Einsatz. Wer zum Schluss alle sechzig Bibeln aufgehäuft hatte, war der Sieger. Ich vermisse dieses Bibel-Poker heute manchmal. ;-)

Liebe Grüße!

altautonomer hat gesagt…

Charlie: Erst mal danke für die Aufklärung und den sicheren Link. Du weißt ja, dass ich in derartigen Dingen ein blindes um nicht zu sagen naives Huhn bin.

Zum Brief an das Jobcenter hab ich mir erst mal nicht so viel dabei gedacht.Ich habe mich nur in die Lage des Fallmanagers versetzt und mir vorgestellt, wie blöd der aus der Wäsche gucken würde. Zumal ich derartige Aktionen früher schon selber mit den Behörden veranstaltet habe. In dem "Handbuch der Kommunikationsguerilla" der autonomen a.f.r.i.k.a.-Gruppe von 1997 sind ähnliche Beispiele subversiver Aktionen aufgeführt.

»Als Kommunikationsguerilleras freuen wir uns über jede Aktion, die die herrschende kulturelle Grammatik unterläuft, aushöhlt, verspottet und die zeigt, dass das Leben auch ganz anders sein kann. Das können hübsche Fakes, gut platzierte Torten oder auch ein fein inszeniertes unsichtbares Theaterstück sein. Uns geht es dabei nicht um ›die‹ Wahrheit oder die richtige Ideologie, sondern um die bessere soziale Praxis. Das ist die Essenz unseres Begriffs des Politischen«

In meinen Augen enthält der Brief eine gehörige Portion Selbstironie. Wir wissen doch beide, dass die Typen vom JC niemals auf Augenhöhe mit ihren "Kunden" korrespondieren. Aber das ist ja jetzt nicht das Thema.

Und weil wir einmal im OT (nicht ganz, da auch religiös konnotiert) sind: Pantoufle hat mal wieder seine Liebe zu Xavier Naidoo entdeckt: "....weil ich Xavier Naidoo immer noch für einen außergewöhnlichen Sänger halte." Oooops. Dafür gibt es in der Kommentarspalte Haue, der er nur noch ironisch begegnen kann. Dank an Publicviewer.

Charlie hat gesagt…

@ Altauto: Mach Dir keinen Kopf. Betroffene lesen so einen Text eben anders als Unbeteiligte, zumal der Inhalt gar nicht so "satirisch" ist, wie er von außen vielleicht erscheinen mag. Du wirst es kaum für möglich halten, wie oft ich in meiner Zeit als Mitarbeiter eines Sozialvereins, der Hartz-Terror-Opfern beisteht, schon mit Suizidgedanken konfrontiert worden bin. Deswegen ist der Text aus meiner Sicht auch nicht witzig, sondern zynisch - zumal der Text auch noch falsch ist, denn ein "Total-Sanktionierter" hat auch keine Krankenversicherung mehr und würde sich im beschriebenen, fiktiven Fall - sofern er tatsächlich in einer Klinik aufgenommen würde - erheblich verschulden, da er die Kosten selber bezahlen müsste. Solche Details gehörten in einen solchen Text, wenn er denn unbedingt geschrieben werden muss.

Aus eigener Erfahrung heraus schrieb ich vor anderthalb Jahren:

"Ich befand mich damals auf der Intensivstation eines Krankenhauses und wusste nicht, ob ich dieses Haus noch einmal lebend verlassen würde. Während ich so dalag und meinen existenziellen Gedanken nachging, stürmte eine Dame herein, die sich als Mitarbeiterin der Verwaltung zu erkennen gab - und sie teilte mir mit, während ich dort lag, dass meine Krankenkasse die Übernahme der Kosten verweigere, da mich das örtliche 'Jobcenter' abgemeldet habe. Das war für meine Genesung natürlich sehr hilfreich. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass ein Schnüffler der Behörde mich, während ich im Krankenhaus war, zuhause nicht angetroffen und daraus den Schluss gezogen hatte, dass ich nicht mehr dort wohne."

Es schloss sich ein Sozialgerichtsprozess an, den ich aus der Reha heraus führen musste, die ich im Übrigen nur deshalb antreten konnte, weil meine Krankenkasse diese Kur trotz alledem bewilligt hatte. Das war eine zufällige, willkürliche und keineswegs selbstverständliche Entscheidung. Dass der Prozess letztlich zu meinen Gunsten ausging, muss ich nicht extra erwähnen. Es hätte auch völlig anders verlaufen können - ich hatte schlicht Glück.

Ein Text wie der des "Aufgewachten" (was für ein elitärer, überaus dummer Nickname, der mich ein wenig an "edelfeda" erinnert) ist vergleichbar mit einem Spottgedicht, das sich über den absurden Hunger auslässt und in einer vom Hunger betroffenen Region Afrikas vorgetragen wird. Da lacht wirklich niemand.

Ich hoffe, das erklärt meine Reaktion ein wenig besser.

Liebe Grüße!

Apôtres de la justice hat gesagt…

Mensch was für eine vertane Chance! Hätten die Beamten dich damals in die wohl verdiente Obdachlosigkeit geschickt wär uns dein ganzer Quatsch seit dem erspahrt geblieben!

Harr harr. Du Lusche.

Troptard hat gesagt…

@altautonomer,

ich habe das, was der "Hausschuh" in seinem Beitrag unter "Kontaktschuld" beschrieben hat zunächst ziemlich unkritisch wahrgenommen, eben als Rückbesinnung an ein ziemlich einschneidendes persönliches Erlebnis in seiner Biografie.

Xavier Naidoo, den habe ich, sofern ich ihn mal ungewollt hören durfte, eher als eine modernisierte Version des deutschen Schlagers wahrgenommen, viel Gefühl, Herz und Schmerz.

Ich war dann mehr als überrascht, dass der Publicviewer sich da so ins Zeug gelegt hat. Allerdings ebenso über den Flatter, der es sich nicht nehmen lassen hat, daraus wiederum einen Querfrontler-Vorwurf zu konstruieren.

Irgendwie habe ich gerade den Eindruck, die linke Bloggerszene beginnt sich neu zu sortieren. Nur scheinbar sieht es so aus, als würde sich politisch wenig bewegen und dabei sind wir voll drin in der Bewegung zur Volksgemeinschaft in der Umdeutung von demokratischen Werten.

So wie ich das aus Frankreich mitbekomme, ist die nationalsozialistische Rechte (AfD) bereits voll in den Reichstag integriert und stimmt mit den bürgerlichen Parteien.

Ich bin mal gespannt, was von der Restlinken noch übrigbleibt, und ebenso von Kleinbloggersdorf, wenn die parlamentarische Volksgemeinschaft beginnt sich auf ihre "alten Tugenden" zu besinnen.

Bestimmt auch eine neue kulturrelle Erbauung.

Troptard hat gesagt…

Fortsetzung:

Was dann blüht, ist nicht nur der unverhohlene Wunsch eines " Apostels der Gerechtigkeit" Kritiker, Arme und Fremde ihrem "selbstverschuldetem Schicksal" zu überlassen, sondern aus diesen Menschen noch das rauszuholen, was der Volksgemeinschaft dient.

Die Mittel dafür, wie das gehen kann sind natürlich im Gedächtnis der Menschheit eingebrannt. Und weil dieses Gedächtnis sich seiner barbarischen Vergangenheit gerne entledigt, deshalb ist es mehr als wahrscheinlich, dass die modernen Gesellschaften ihre Unschuld erneut ablegen und zu Wiederholungstätern werden.

Dem bereits bestehenden Zwang für Arbeitslose und Sozialhilfeempfäger, jede noch so entwürdigende Arbeit anzunehmen (jede Arbeit ist besser als keine, SPD), dem wird garantiert folgen, sobald die Groko steht, dass es für Empfänger von staatlichen Leistungen eine Arbeitspflicht geben wird ohne jeden Anspruch auf irgendeine Entlohnung, die über die staatliche Alimentation hinausgeht.

Und so lässt sich der bürgerliche Faschismus im Rahmen der bürgerlichen Demokratie wahrscheinlich ohne grösseren Widerstand durchsetzen.

Was soll denn auch folgen, wenn jetzt schon nichts folgt?

Glaubt mir niemand, dass es so kommen wird?

altautonomer hat gesagt…

Troptard: flatter hat das provokant ironisch gemeint, denn beide sind gute Freunde. Pantoufle hat es auch so verstanden.

"Xavier Naidoo, den habe ich, sofern ich ihn mal ungewollt hören durfte, eher als eine modernisierte Version des deutschen Schlagers wahrgenommen, viel Gefühl, Herz und Schmerz." Bei Schmerz stimme ich Dir zu. Nämlich den eines frisch gefickten Eichhörnchens auf Extasy.

Naidoos Genöle ist die Liebingsmusik für tätowierte Hausfrauen. Er wurde auch schon als Deutschlands größter Soulsänger bezeichnet. Das empört mich als Soul und Funk-Liebhaber sehr. Denn ihn in eine Reihe mit James Brown, Sam and Dave, den Supremes, den Temptations, Undisputed Truth, Aretha Franklin, Diana Ross, Tina Turner und Edwin Starr zu stellen, ist eine Anmaßung.

Funk & Soul geht so:
https://www.youtube.com/watch?v=1q75KKvD21E

Auf der Schrottpresse ließ ich mich vor ein paar Tagen aus Neugier dazu verführen, „Mein Lieblingssong von der neuen Scheibe.“ des Autor Pantoufle anzuhören: https://www.youtube.com/watch?v=xtO3VCu5wv4

Ja klaro, Musik ist Geschmackssache. Diese Form der Lärmerzeugung erinnert allerdings anfangs sehr stark an Fließbandgeräusche bei Opel (Heavy Metall!!). Als dann etwas zu hören war, was man großzügig als eine menschliche Stimme bezeichnen könnte, dachte ich, es handele sich hier um einen Lifemitschnitt der Jahreshauptversammlung der Hustenstörche in einer Lungenfachklinik. Die Ähnlichkeit mit dem Geschrei des Kfz.-Meisters, der den Lärm in der Produktionshalle bei Opel überbrücken muss, war verblüffend.

Nix für ungut.....




jakebaby hat gesagt…

Etwas heftiger. https://www.youtube.com/watch?v=4o3DIEL9LT0

und "Nix fuer ungut....."? Natuerlich gibts wesentlich anspruchsvollere Stuecke denn das beim Pantouffle.
Nix desto Trotz hast du dir fuer den Rest deines unmusischen Lebens einen Blutfeind geschaffen. ;-)
https://www.youtube.com/watch?v=Dv8n5bsXK2U

und eines meiner Lieblingsstuecke aud dem Mosh/indianische Lyrik :-) https://www.youtube.com/watch?v=d9iScByeLzM
https://www.youtube.com/watch?v=FWHBw_RAnTw
(hatt ich schon vor 30 Jahren live, ..was die Zeit rumgeht ...


Gruss
Jake

altautonomer hat gesagt…

Jabe: "Love Machine" ist doch o.k. Metall und Anthrax sind zwar nicht mein Geschmack, aber ich würde diesen style nicht unter Fortsetzung von Fabrikgeräuschen in der Freizeit subsumieren.

Mein Faible für Hard-Rock hat dieses Video hier ausgelöst:
https://www.youtube.com/watch?v=vUFS0mjHrnc
Dazu als Kontrast diese zierliche Person, cool und lässig. Ebenfalls Tina S:
https://www.youtube.com/watch?v=rV6SmY04WdE (very importend). Girlies rocken das Netz.

Meine kurze Rocker-Phase hatte ich vor 40 Jahren zu Zeiten von Grand Funk Railroad mit "Inside looking out".

Troptard hat gesagt…

Hallo Altautonmer,

in Hannover in der Nähe des Steintors gab es einen tollen Schuppen, das Savoy, mit Livemusik an den Wochenenden. Innerhalb der Woche gab es Musik vom Teller. Und das war zu meiner Zeit fast ausschliesslich Soulmusik. Ich war damals um die zwanzig Jahre und vom Soul und Blues so angetörnt, und zwar so, dass ich dort jeden freien Abend verbrachte. Ausserdem war ich selbst noch als Musiker unterwegs.

Dieser recht grosse Schuppen, muss wohl mal eine Sternwarte gewesen sein, denn er hatte eine Kuppel, die während der Musikerpausen geöffnet wurde, um die Rauchschwaden abzulassen.

Es ist wohl meiner Engstirnigkeit geschuldet, dass ich mich nie sehr weit vom meinem
jugendlichen Musikgeschmack entfernt habe: Besonders empfänglich für Soul und Blues-Rock mit einer guten Portion von Bläsersätzen im Hintergrund und als Sahnehäubchen dazu tolle Frauenstimmen.

Janis Joplin, Etta James, Cream, Eric Clapton, Stones, Buffalo Springfield und viele andere, das war auch einer bestimmten Zeit geschuldet, eben einer Zeit, die
unwiederholbar verloren ist, wo Hoffnung auf gesellschaftliche Veränderung und die Ahnung vom Scheitern dieser Hoffnung bereits ihren musikalischen Ausdruck gefunden haben.

Deinen Einlassungen zur "Maschinenmusik" kann ich durchaus nachvollziehen, weil die technische Entwicklung auf die Möglichkeiten der musikalischen Aüsserungsmöglichkeiten erheblichen Einfluss genommen hat und auch darin, wie sie sich gesellschaftlich äussern will bzw. muss.

Damit das nicht zu lang wird und wahrscheinlich auch in diesem Zusammenhang nicht unbedingt ganz treffend, erinnere ich mich an "Neue deutsche Welle": "Ich will Spass ich will Spass" und " Jetzt wird wieder kräftig in die Hände gespuckt, wir steigern das Brutto... ."

Endlich Ende! Was jetzt so über den Äther läuft, dass ist für mich nur noch Wiederholung, die permanente Wiederholung der Vergangenheit nach dem Motto, Zukunft das war gestern.

Charlie hat gesagt…

Falls der Austausch hier nun zu einem reinem Musikthread werden sollte, hätte ich sowohl aus persönlicher, als auch aus musikwissenschaftlicher bzw. -historischer Sicht noch einiges -
auch Kritisches - beizusteuern ... ;-)

Aber ich vermute, das interessiert sowieso niemanden. :D Also lasse ich's bleiben.

Liebe Grüße!

jakebaby hat gesagt…

Eine von vielen meiner Stationen zum Metal. https://www.youtube.com/watch?v=fmbaHaiIldA

Und macht mit dem Metalbashing ruhig so weiter. Mein Black Ops. Team wartet schon sehnsuechtig.

jakebaby hat gesagt…

Ganz vergessen ... wichtig zur Werdung auch https://www.youtube.com/watch?v=OorZcOzNcgE

altautonomer hat gesagt…

Troptard und Jake: Ist doch nett, dass wir alten Säcke doch auch kulturell einiges gemeinsam haben, wenngleich die Interpreten nicht 100%ig übereinstimmen. Ich muss gestehen, dass ich auch mit meinen musikalischen Vorlieben in den 70er stecken geblieben bin. Meine 16-jährige Enkeltochter findet diese Musik grauenhaft.

Es geht eben nichts über den Hintergundsound der Wahwah-Gitarre:
https://www.youtube.com/watch?v=nFvRvSxsW-I