Samstag, 16. April 2011

Im Niemandsland - rund um Fukushima




Japan bewertet die Atomkatastrophe von Fukushima nun als ebenso gravierend wie das Reaktorunglück von Tschernobyl im Jahr 1986. Die Katastrophe werde auf der Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse ("Ines") auf die höchste Stufe 7 statt bislang 5 eingeordnet, teilte die japanische Atomaufsicht (NISA) in Tokio mit. Gefahrenstufe 7 bedeutet, dass es Auswirkungen auf die Gesundheit und Umwelt in einem weiten Umfeld gibt.

(Weiterlesen)

Dazu: Bilder aus der Todeszone

Islamistischer Terror – ein Mythos

In dem halben Jahrhundert von 1961 bis 2010 starb in Deutschland durch islamistischen Terrorismus weniger als eine Person: keine einzige. Dennoch wird schon seit einigen Jahren vor islamistischem Terrorismus laut gewarnt, und der Bundestag verabschiedet immer neue Gesetze zur Bekämpfung dieser vermeintlichen Gefahr. (...)

Wäre es deshalb nicht vernünftig, den Mythos des islamistischen Terrorismus als Täuschung aufzudecken und die Propagandisten, die uns mit ständigen Terrorwarnungen weismachen wollen, unser Leib und Leben sei in ernsthafter Gefahr, wenn sie uns nicht auf Tritt und Schritt überwachten und alle unsere Daten speicherten, als Betrüger beim Namen zu nennen, statt geduldig hinzunehmen, wie unsere Freiheitsrechte, unser Rechtsstaat abgebaut werden?

(Weiterlesen)

Anmerkung: Man müsste noch viel weiter gehen: Nicht nur der Mythos vom islamistischen Terrorismus müsste als groß angelegte Lüge mit offensichtlichen Motiven aufgedeckt werden - gleichzeitig müsste auch der neoliberale Terrorismus als tatsächliche Bedrohung der Menschen, der Freiheit, der Natur und der Demokratie als solcher benannt und strikt bekämpft werden.

Mit den aktuellen Figuren in der Politik, die sich allesamt grotesker Weise in der "Mitte" verorten - also CDU/CSU, SPD, Grüne und FDP -, sowie den gleichgeschalteten Massenmedien ist das allerdings nicht zu machen. Dann könnte man auch gleich die Deutsche Bank, einen Pharma- oder Energiekonzern oder auch Bertelsmann mit dieser Aufgabe betreuen.

Es gibt noch viele weitere solcher Mythen in Deutschland, die von der Politik und den Medien liebevoll gehegt und gepflegt werden, aber irgendwo muss man ja mal mit der Wahrheit beginnen. Der vielbemühte Otto Normalbürger würde es kaum unbeschadet überstehen, abrupt aus der Matrix gerissen zu werden und die erschreckende Wahrheit zu sehen.

Derweil fürchten wir uns alle weiterhin maßlos und bestens begleitet durch die Medien vor den bösen, fiesen Islamisten, die uns alle ins Jenseits befördern wollen, während die neoliberale Bande ein Bürger- und Freiheitsrecht nach dem anderen aufweicht und abbaut ... in einem schleichenden, semiheimlichen Prozess, so dass es viel zu spät sein wird, wenn einige Bürger dann doch bemerken, dass sie in Orwells Alptraumwelt längst angekommen sind.

Umdenken

Mittwoch, 13. April 2011

Zitat des Tages: Die Gier

Was ist das für ein Tier, die Gier?
Es frisst an mir,
Es frisst in dir,
Will mehr und mehr
Und frisst uns leer.

Wo kommt das her,
Das Tier, und wer
Erschuf sie nur,
Die Kreatur?

Wo ist das finstre Höllenloch,
Aus dem die Teufelsbestie kroch,
Die sich allein dadurch vermehrt,
Indem sie dich und mich verzehrt?

Und wann fängt dieses Elend an,
Dass man genug nicht kriegen kann
Und plötzlich einfach so vergisst,
Dass man doch längst gesättigt ist
Und weiter frisst und frisst und frisst?

Und trifft dann so ein Nimmersatt
Auf jemanden, der etwas hat,
Was er nicht hat und gar nicht braucht,

Dann will er's auch.

Wie? Das soll's schon gewesen sein?
Nein, einer geht bestimmt noch rein!
Und überhaupt – da ist doch wer,
Der frisst tatsächlich noch viel mehr.
Und plötzlich sind sie dann zu zweit:
Die Gier und ihre Brut, der Neid.

Das bringt mich noch einmal ins Grab,
Dass der was hat, das ich nicht hab,
Dass der wo ist, wo ich nicht bin,
Das will ich auch, da muss ich hin!

Warum denn der?
Warum nicht ich?
Was der für sich,
Will ich für mich!
Der lebt in Saus
Und lebt in Braus
Mit Frau und Hund und Geld und Haus
Und hängt den coolen Großkotz raus.

Wahrscheinlich alles auf Kredit,
Und unsereiner kommt nicht mit.
Der protzt und prahlt
Und strotzt und strahlt.
Wie der schon geht.
Wie der schon steht.
Wie der sich um sich selber dreht.

Und wie der aus dem Auto steigt
Und aller Welt den Hintern zeigt.

Blasierte Sau!
Und seine Frau
Ist ganz genau
So arrogant
Und degoutant!

Und diese Blagen,
Die es wagen
Die Nasen so unendlich hoch zu tragen!

Dann hört er aber auf, der Spaß! –
So kommt zu Neid und Gier - der Hass.

Und sind die erst einmal zu dritt,
Fehlt nur noch ein ganz kleiner Schritt,
Bis dass der Mensch komplett verroht
Und schlägt den anderen halbtot.

Und wenn ihr fragt:

Wer hat ihn bloß so weit gebracht?
Das hat allein die Gier gemacht!

(Wilfried Schmickler [*1954]: Es war nicht alles schlecht. 30 Jahre Kabarett. 2009)

Der weltweite Sparwahnsinn

In den USA soll der Regierung der Geldhahn zugedreht werden, in Europa werden die Defizitländer in eine jahrelange Depression geprügelt. Der Hintergrund, warum wie schon in den 30er Jahren ein unsinniger Sparwahn die Welt erfasst hat.

(Weiterlesen)

Anmerkung: Dieser durchaus bemerkenswerte Artikel aus der Basler Zeitung bleibt trotz allem nur an der Oberfläche der Probleme und verschweigt weitgehend alle Hintergründe. Wir sind es ja gewohnt, dass in unseren Medien stets nur von der "Rettung Griechenlands" oder der "Rettung Irlands" die Rede ist - dabei müsste inzwischen auch jedem Provinzjournalisten klar geworden sein, dass mit jenen finanziellen "Hilfen" keine Staaten, erst recht keine Bevölkerungen, sondern schlicht die Banken, die diesen Staaten Kredite gewährt haben, "gerettet" (sprich: mit viel Gewinn bedacht) werden.

Zudem benennt der Artikel klar die Unterschiede zwischen den 30er Jahren und der aktuellen Finanzkrise: Während damals tatsächlich Banken in die Pleite geschickt wurden, hat das Kapital heute daraus gelernt und tut alles dafür, damit den Superreichen kein "Schaden" entsteht. Im Ergebnis bleibt das für die betroffenen Länder bzw. die Bevölkerungsmehrheiten dort aber das gleiche: Die Folge ist eine jahre- oder sogar jahrzehntelange Depression mit unkalkulierbaren weiteren Folgen. Lediglich die kleine Anzahl der Milliardäre ist - zumindest vorerst - aus dem Schneider.

Dieses Geldsystem ist klar erkennbar an seinem vorhersehbaren, zyklischen Ende angekommen und produziert nur noch schrille Auswüchse und groteske Zahlen mit sehr vielen Nullen, die nur virtuell existieren und mit dem wirklichen Reichtum oder der tatsächlichen Armut nichts mehr zu tun haben. Man könnte es auch so formulieren: Die handvoll Ackermänner dieser Welt schaufeln sich weiterhin virtuelle Nullen auf ihre Konten, mit denen sie dann reale Werte wie z.B. Immobilien, Land, Produktionsstätten etc. erwerben. Tatsächlich bezahlt wird das von den Bevölkerungen - und zwar von allen: Sowohl von denen der "Nicht-Defizit"-Länder in Form der Steuergelder, die letztendlich auf den Konten der Superreichen landen, als auch von denen der "Defizit"-Länder, die durch den Sparwahnsinn in die Depression getrieben werden und den Großteil ihrer Gelder für vollkommen sinnfreie, überzogene Zinszahlungen an die Banken aufwenden müssen, die ihnen "gnädigerweise" noch immer Kredite (die in Wahrheit keine sind) gewähren.

Von dieser Erkenntnis ist man auch bei der Basler Zeitung weit entfernt. Dieses System kann nicht dauerhaft funktionieren - auch dann nicht, wenn man die Spirale der ständigen "Neuverschuldung", die in Wahrheit keine Verschuldung ist, da es nicht um real existierendes Geld geht, immer weiterdreht - denn die steigenden Zinszahlungen produzieren unausweichlich eine exponentielle Kurve, die niemals dauerhaft sein kann. Ohne eine grundlegende Veränderung des Geldsystems kann es keine für die Menschen dauerhaft sinnvolle Politik geben.

Ungeachtet dessen geht der Sparwahnsinn - auch in Deutschland - munter weiter. Sowohl im Kleinen (in den Städten und Kommunen), als auch im Großen. Und die Folgen sind offensichtlich: Die Konten der Ackermänner füllen sich weiter, der Rest der Bevölkerung darf zahlen und verzichten. Das ist in der Tat reiner, purer Wahnsinn.

Gysi hält der neoliberalen Bande den Spiegel vor

Freitag, 8. April 2011

Die Politik, die Medien und die Diktaturen



Anmerkung: Screenshot von wdr.de. Ohne Worte.

Die Schulden- und Vermögensuhr - die Sichtbarmachung der Groteske des Geldsystems



(Quelle)

Anmerkung: Rufen Sie diese Seite auf und lassen Sie die sich laufend verändernden Zahlen auf sich wirken - und bedenken Sie dann erneut, welche Problematik die (trotz gegenteiliger Behauptungen stets bewusst geförderte) Staatsverschuldung tatsächlich für uns alle besitzt.

Machen Sie sich vertraut mit der Problematik des Geldsystems und bewerten Sie erst dann die von der neoliberalen Bande propagierte und bereits umgesetzte "Schuldenbremse", die angesichts der Wirklichkeit absurder und gefährlicher kaum sein könnte. - Es geht diesen Leuten nicht darum, Staatsschulden "abzubauen" oder zu verringern (denn von diesen zunehmenden Schulden profitieren sie ja maßlos) - es geht dabei einzig um die weitere Zerstörung und Ausblutung des Sozialstaates. Denn der Sozialstaat ist aus neoliberaler Irrsicht ein Hemmnis der Profitmaximierung.

Lassen Sie diese Zahlen auf sich wirken - auch wenn sie längst in einem Stadium angekommen sind, der kaum mehr vorstellbar ist: Wenn allein die reichsten 10 Prozent unserer Gesellschaft am 8. April 2011 4,9 Billionen Euro besitzen (denen 1,8 Billionen Euro Staatsschulden, die gar keine realen Schulden sind, gegenüberstehen), wird das Ausmaß der Groteske schon sichtbar. Jene 10 Prozent werden pro Sekunde (!) um 5.149 Euro reicher - das entspricht einem Zuwachs des Vermögens pro Person um 494.717 Euro.

Merken Sie was? - Richtig: Ein solches System führt zwangsläufig und systemimmanent ins Aus. Unweigerlich. Einen Dank an den Autor des Skriptes für die Sichtbarmachung des Offensichtlichen.

Demokratie in Deutschland: Der CDU-Bouffier-Clan in Hessen

Aus der Familie Bouffier ist nicht nur der Ministerpräsident politisch aktiv. Auch der Sohn, der Neffe und die Schwester engagieren sich für die CDU – und füreinander. In Gießen wurde eine Verhandlung wegen schwerer Körperverletzung gegen drei Neffen von Volker Bouffier sehr schnell beendet. (...)

Und wenn ihre Söhne in Schlägereien geraten wie etwa im Februar 2007 vor dem Vereinsheim des Männerturnvereins MTV 1846 Gießen, dann erreicht "ein Anruf" den damaligen Innenminister Volker Bouffier – und er eilt am späten Abend persönlich zum Schauplatz der Keilerei und hat gleich auch noch Gießens Polizeipräsidenten Manfred Schweizer im Schlepptau. Bouffiers Neffen sorgten öfter schon mal für Probleme: Im [Jahre] 2009 drohte einem von ihnen an der Ricarda-Huch-Schule in Gießen Ungemach, weil er trotz aller Förderung und Bemühungen der Lehrer null Punkte in Geschichte bekommen hatte und nicht zum Abitur zugelassen werden sollte. Doch er wurde wie durch ein Wunder von höherer Stelle vor dem Durchfallen gerettet: Das Staatliche Schulamt schaltete sich ein und verfügte gegen das Votum der Lehrer, dass der Junge zugelassen werden müsse.

(Weiterlesen)

Anmerkung: Wir leben in einer lupenreinen Demokratie und werden von ebenso lupenreinen Demokraten vertreten ... - Wer dieses alberne Märchen noch immer glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen.

Die Bouffier-Sippe und ihr Verhalten sind nur ein beispielhaftes Symptom für die korrupte Verkommenheit dieses Systems, in dem "Eigenverantwortung" (also reiner, ungefilterter Egoismus) als höchstes "Gut" gilt. Solche Provinzpossen wie diese, die aufgeklärte Menschen vielleicht in der ehemaligen DDR oder anderen Diktaturen für möglich gehalten hätten, kommen doch in unserem freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat nicht vor ... und wenn doch, dann hätte das auf der Stelle einschneidende Konsequenzen! Oder doch nicht?

Wie lange mag es wohl diesmal dauern, bis eine ausreichende Anzahl von Menschen von diesem uns unablässig eingetrichterten und vorgelebten Egoismus die Nase voll hat und (wahrscheinlich ebenfalls aus egoistischen Motiven heraus) auf die Straße geht, um solche peinlichen Gesellen des Landes zu verweisen?

Nicht nur für Hessen, sondern für ganz Deutschland gilt: Bislang werden wir unter teilweise grotesk anmutenden Szenarien am gülden schimmernden Nasenring namens Demokratie von einer durch und durch korrupten Bande durch die Manege geführt - und wir honorieren das immer wieder, indem wir entweder genau diese Bande oder aber niemanden mehr wählen - und dadurch dieses Herumführen weiter legitimieren. Die schrillen Ergebnisse sehen wir u.a. am Beispiel Hessen.

Dieses System ist am Ende - diesmal aber offenbar leider ohne dass eine Mehrheit der Bürger das auch bemerkt. Oder wie ist es sonst erklärbar, dass nicht nur in Gießen alles seinen gewohnten Gang geht?

Samstag, 2. April 2011

Gysi zum Thema Atomkraft

Hartz IV: Die gewollte Explosion der prekären Beschäftigung

(...) Die Genese dieser Gesetzgebung steht im unmittelbaren Zusammenhang mit der Schaffung eines Niedriglohnsektors und der gleichzeitigen Abschaffung jeglichen Statusschutzes für Arbeitnehmer in Deutschland, den bis dahin vor allem die Arbeitslosenhilfe und das System der Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsrenten bewirkten. Ziel war die Senkung des Lohnniveaus, auch aus währungspolitischem Interesse nach der Euro-Einführung, was jetzt nach der Griechenlandkrise mit allen Folgen offensichtlich wird. Mit Hartz I wurde zuerst die Leiharbeit entfesselt, der man mit Hartz IV dann die Arbeitskräfte gefügig machte. (...) Nur: Was man jetzt als Arbeitsmarkterfolg feiert, ist genau betrachtet die Explosion der prekären Beschäftigung, deren langfristige Folgen verheerend sein werden. Um zum Beispiel eine Rente in Höhe des Grundsicherungsniveaus von 700 Euro zu erhalten, muss man 40 Jahre Vollzeit zu einem Stundenlohn von 11 Euro arbeiten - das werden immer weniger schaffen. Wie soll man dann noch junge Leute motivieren, sich auf den Hosenboden zu setzen und zu büffeln, wenn sie an ihren eigenen gut ausgebildeten, ihr Leben lang hart arbeitenden Eltern sehen können, dass man am Ende dennoch ganz unten landet?! Dass die Perspektive massenhafter Altersarmut zudem der sicherste Weg zur Abschaffung der Demokratie ist, kann man an den Fingern einer Hand abzählen.

(Weiterlesen)

Anmerkung: Man darf nicht müde werden, immer wieder darauf hinzuweisen, dass die gewollte Verarmung und soziale Verunsicherung eines erheblichen Teils der Bevölkerung von der rot-grünen Schröder-Fischer-Regierung mit tatkräftiger Unterstützung von CDU und FDP ganz bewusst herbeigeführt worden ist und keineswegs ein "unvorhersehbarer Effekt" war. SPD, Grüne, CDU und FDP wollten diese Explosion, die Niedriglöhne, die Leiharbeit, die Verarmung und soziale Destabilisierung von Millionen von Menschen, und bis heute hat sich an dieser Haltung bei allen vier Parteien nichts verändert.

Das hat selbstverständlich auch verheerende Auswirkungen auf diejenigen Bevölkerungsanteile, die noch zu den "Besserverdienenden" gehören - umso unverständlicher ist es, dass es nach wie vor so viele Menschen gibt, die diesen Gesellen bei Wahlen ihre Stimme geben. Einmal mehr sind die Worte Reinhard Meys bitterlich treffend, der in seinem Lied "Das Narrenschiff" singt:

"Sie zieh'n wie Lemminge in willenlosen Horden.
Es ist, als hätten alle den Verstand verlor'n,
Sich zum Niedergang und zum Verfall verschwor'n,
Und ein Irrlicht ist ihr Leuchtfeuer geworden."

Wann endlich hat es sich in Deutschland herumgesprochen, dass weder die SPD, noch die Grünen - von der CDU und FDP ganz zu schweigen - das Wohl der Bevölkerung im Sinn haben? SIe beweisen es Jahr für Jahr wieder aufs Neue, und dennoch torkeln bei jeder Wahl tausende von Menschen in die Wahllokale und kreuzen genau diese Bande an - oder bleiben gleich ganz zuhause und wählen gar nicht mehr, was im Ergebnis einem Kreuz bei diesen üblen Gestalten gleichkommt.

Dem Sozialrichter Borchert muss also in einem Punkt widersprochen werden: Die Demokratie ist de facto abgeschafft in diesem Land. Den Menschen wird bloß suggeriert, eine Wahl zu haben. In Wahrheit besteht lediglich die Wahl zwischen dem großen neoliberalen Einheitsbrei auf der einen Seite, dem die Interessen der Bevölkerung am Allerwertesten vorbeigehen und der im Enddarm der Reichen feststeckt wie ein brauner Korken, und der Linken auf der anderen Seite, die zumindest noch nicht umfassend bewiesen hat, dass sie ebenso korrupt und verkommen ist wie CDU, FDP, SPD und Grüne. Die Gefahren der rechten Splitterparteien lauern obendrein noch zusätzlich. Was nur soll aus einer solchen grotesken Konstellation erwachsen, das auch nur den Anschein des Demokratischen wahrt?

Wieder einmal muss man konstatieren: Wir leben längst in einer Postdemokratie - was nichts anderes bedeutet als eine hübsch mit scheindemokratischen Papierblümchen dekorierte Diktatur des Kapitals. Hat man das erst einmal verstanden, erklärt sich die Agenda-Politik der vergangenen Jahre fast von selbst - denn jeder Mensch in diesem Land, der in einiger Sicherheit und noch in einem bescheidenen Wohlstand lebt, ist ein Wachstumshemmnis für die Konten der Superreichen.

Und das politische Affentheater geht weiter.

Mittwoch, 30. März 2011

Der Spiegel vor 25 Jahren - eine Zeitreise in die Gegenwart

Georg Schramm in Stuttgart - und Stéphane Hessel im Interview



Die mediale Realität des Sozialstaates - eine Farce

Das Handelsblatt bringt heute einen Auszug aus dem neuen Buch von Gabor Steingart. These: Deutschland wird immer sozialer und kann sich seinen Wohlfahrtsstaat schon bald nicht mehr leisten.

(Weiterlesen)

Anmerkung: Man kommt aus dem fassungslosen Staunen nicht mehr heraus: Der eine (Steingart) behauptet, Deutschland werde "immer sozialer", der andere (Schieritz) widerspricht und behauptet, es sei alles in bester Ordnung, da man "vor der Krise, also im Jahr 2007, (...) in etwa auf dem Niveau von 1975" gewesen sei.

Dass die erste Aussage eine Farce ist, dürfte jedem sofort wie ein Balken schmerzhaft ins Auge stechen, der sich auch nur rudimentär mit der zunehmenden Armut und Verarmung in Deutschland, den Hartz-Gesetzen, den Renten-Deformierungen etc. auseinandergesetzt hat. Doch auch die "Richtigstellung" ist der blanke Hohn für jedes halbwegs funktionierende Gehirn: Man male sich nur einmal aus, jemand argumentierte heute bezüglich der Unternehmensgewinne ähnlich: "Was wollen Sie eigentlich - die Rendite des Konzerns XY war doch 2007 (gemessen am BIP) genauso hoch wie im Jahr 1975!" - In den Schlipsträgerkreisen würde man einen so Argumentierenden unter lautestem Gelächter aus dem Saal werfen, bevor man sich wieder leidenschaftlich der Ausbeutung der Menschen und der weiteren Zerstörung des Sozialstaates widmet.

So ist das mit dem Sozialstaat in neoliberalen Zeiten: Er wird nicht nur einfach zerstört, sondern man behauptet einfach dreist das Gegenteil oder relativiert die sicht- und fühlbare Zerstörung in hochalberner Weise.

Wenn wenigstens die Medien in Bezug auf Unabhängigkeit, Kritikfähigkeit und Ehrlichkeit auf dem Level von 1975 wären, wären wir schon einen großen Schritt weiter - die Tendenz geht aber auch hier leider seit dieser Zeit in die entgegengesetzte Richtung.

Mich erinnert das in dramatischer Weise wieder einmal an Orwells "1984" und das dort beschriebene "Doppeldenk": "Doppeldenk bedeutet, an zwei sich gegenseitig widersprechende Ansichten zu glauben. Darauf fußt die gesamte Propagandamaschine der Inneren Partei. Wenn Ozeanien heute Krieg mit Ostasien führt, dann hat es schon immer Krieg gegen Ostasien geführt. Wenn sich jemand zu erinnern glaubt, das noch gestern Ostasien der Verbündete in einem Krieg gegen Eurasien war, dann ist das falsch und jedes Nachdenken über diesen Widerspruch wäre ein Gedankenverbrechen. Winston Smith hat von Berufs wegen mit solchen Widersprüchen zu tun. Er muss die Geschichte korrigieren. Daher fällt es ihm auch immer schwerer, Doppeldenk zu betreiben. Die Schokoladenration wird [offiziell] auf 25 Gramm heraufgesetzt. Aber Winston weiß, dass die Schokoladenration vorher 30 Gramm betragen hat. Doppeldenk verlangt von ihm, überzeugt zu sein, dass die Schokoladenration nicht herab-, sondern heraufgesetzt wird." (Quelle)

Mittwoch, 23. März 2011

Rassismus in Deutschland und Europa

Eine neue Studie zeichnet ein teils düsteres Bild von Vorurteilen und Intoleranz in Europa. 30 Prozent der befragten Deutschen sagten, dass sie an eine "natürliche Hierarchie zwischen schwarzen und weißen Völkern" glauben. (...)

Insgesamt stellten die Wissenschaftler ein "Syndrom der Abwertung" fest. Wer Vorurteile gegen eine bestimmte Gruppe habe, neige auch gegenüber anderen Teilen der Gesellschaft zu gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Dieser Effekt sei kein Phänomen von Randgruppen, sondern auch in der Mitte der Gesellschaft vorhanden. Auffallend sei das Gefühl politischer Machtlosigkeit und der Wunsch nach einem "starken Mann an der Spitze, der sich nicht um das Parlament oder Wahlen schert".

(Weiterlesen)

Anmerkung: Diese Studie lehrt uns das Gruseln! 66 Jahre nach dem Ende des Nazi-Horrors plappern wieder so viele Menschen die braune Gülle nach, die ihnen nun wieder - von angeblichen "Demokraten der Mitte" - vorgebetet wird - Sarrazin, Friedrich, Clement und viele, viele andere lassen grüßen.

Was sind das für Menschen, die sich nach einem "starken Mann an der Spitze" sehnen, dem demokratische Grundprinzipien egal sind? Ist das grassierende, kollektive Dummheit? Schütten sie den Menschen etwas ins Trinkwasser? Oder hat die Evolution den Rückwärtsgang eingelegt und erkannt, dass nur geschrumpfte Gehirne sinnvoll für die menschliche Spezies sind? - Man fasst es nicht - jede einzelne im Artikel genannte Zahl lässt die Stielaugen wachsen, die Fragezeichen überm Kopf wild tanzen und das Herz ungläubig und angstvoll schneller schlagen.

Ein Beispiel von vielen: "Dass Menschen jüdischen Glaubens angeblich 'Vorteile daraus ziehen, dass sie während der Nazi-Zeit die Opfer gewesen sind', denken in Polen 72 Prozent und Ungarn 68 Prozent der Befragten. In Deutschland stimmen dieser Aussage immer noch 48 Prozent zu." - Geht es noch krasser? Leute, die einer solchen perversen Aussage zustimmen, sollte man in eine Zeitmaschine setzen und sie schnurstracks ins Jahr 1944 befördern, damit sie sich direkt ansehen können, welche "Vorteile" Juden damals genossen haben. Unfassbar!

Genau dies sind die Folgen des ständigen neoliberalen Geplärres, des Wettbewerbs- und Konkurrenzgefasels und der ständig geschürten Islamphobie. Dabei liegt es doch auf der Hand, dass die neoliberale Bande diese Religion und andere Minderheiten zum Feindbild auserkoren hat, das genau dieselbe Funktion erfüllen soll wie es zur Nazi-Zeit mit dem Judentum und ebenfalls anderen Minderheiten geschehen ist. Das Ergebnis - nämlich offener Rassismus in weiten Teilen der Bevölkerung - war vorhersehbar und beabsichtigt. Das Grauen geht erneut um in Europa.

Dazu passen diese Früchte Sarrazins aus Hessen:


(Bild: Nachdenkseiten)