Donnerstag, 6. Januar 2011

Das Füllhorn der Banken: Wie Geld entsteht

(...) Bei Vorträgen frage ich manchmal ins Publikum: "Wer weiß eigentlich, wie Geld gemacht wird?" Als Antwort kommen dann häufig Sätze wie "es wird gedruckt" oder "die Zentralbank macht es." Aber wie es tatsächlich auf die Welt kommt, können sich die wenigsten vorstellen. Also bringen wir es hier auf den Punkt: Geld wird in der Regel nur aus einem erschaffen, und zwar aus Kredit - und das nicht nur von der Zentralbank. ALLE Banken machen Geld.

Nehmen wir zum Beispiel an, Sie gehen zur Bank Ihres Vertrauens und leihen sich dort 10.000 Euro. Dann entstehen 10.000 Euro, die es vorher noch nicht gegeben hat. Die Bank produziert das Geld extra für Sie, und zwar im Handumdrehen per Knopfdruck - aus dem Nichts! Sie glauben das nicht? Sie meinen, die Bank könne Ihnen doch nur etwas "leihen", das sie schon "besitzt", das es also schon gibt? Weit gefehlt. Banken verleihen Geld, das es noch nicht gibt. Sie erschaffen es erst, und zwar genau mit dem Akt der Kreditvergabe. Geld kommt also quasi aus dem Nichts.

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Anmerkung: Dieser Text sei allen dringend zur Lektüre empfohlen, die noch nicht so genau wissen, was es mit dem Geldsystem auf sich hat. Gerade zu diesem Thema gibt es leider auch viele irreführende Texte im Netz, wie beispielsweise diesen hier aus der FAZ. Dort behauptet der Autor allen Ernstes:

"Wiederum anders als vermutet, wird durch die Geldschöpfung niemand reicher: Der Bankkunde, der den Kredit aufgenommen hat, hat nun zwar 100.000 Euro auf seinem Konto, über die er verfügen kann; doch hat er auch 100.000 Euro Schulden, die er, samt Zinsen, zurückzahlen muss. Entsprechend hat die Bank nun zwar auf der Aktivseite ihrer Bilanz eine Kreditforderung gegen den Kunden, doch steht dem auf der Passivseite die Einlage des Kunden von 100.000 Euro als Verbindlichkeit gegenüber."

Diese krude Argumentation macht deutlich, dass die Bevölkerung bewusst in die Irre geführt wird, was die Geldschöpfung betrifft. Das genannte Beispiel, in dem es um den Erwerb eines Eigenheimes geht, zeigt ja unmissverständlich, wer an diesem Prozess der Gelderschaffung aus dem Nichts verdient: Der Kreditnehmer ist es nicht, denn er muss für das zuvor nicht existente Geld arbeiten und es samt Zinsen "zurückzahlen". Dafür erhält er ein Eigenheim. Der Verkäufer des Eigenheimes ist es auch nicht, denn er bekommt zwar die 100.000 Euro, hat dafür aber kein Haus mehr. Einzig die Bank gewinnt, und das maßlos: Denn obwohl sie die in Rede stehenden 100.000 Euro vorher gar nicht hatte, erhält sie dieses Geld durch die Tilgung des Kredites, und die Zinsen noch obendrauf. Die Bank ist nach dem Ende dieses Prozesses also um 100.000 Euro plus Zinsen reicher als sie es vorher war. Sie setzt NICHTS ein und wird dafür reichlich entlohnt.

Das ist in der Tat dem mythischen Füllhorn vergleichbar, das sich immer wieder über Nacht mit Geld füllt. Und so erklären sich auch die astronomischen Summen, um die es mittlerweile im Finanzsystem geht - die Geldmenge, die aus dem Nichts erschaffen wird, steigt immer weiter an und konzentriert sich einzig auf der Bankseite. Deshalb reden wir heute von Milliarden und Billionen im Finanzsystem, während es vor 20, 30 Jahren noch um Millionen ging.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die Medien über diese Sachverhalte nicht oder nur falsch informieren. Die Geld-"Elite" hat kein Interesse daran, dass ihr Füllhorn in Frage gestellt wird - obwohl das System über kurz oder lang zum Kollaps führen muss - Grundkenntnisse in Mathematik reichen aus, um sich das auszurechnen. Wahrscheinlich setzen diese Leute ihre Hoffnungen darauf, dass sie bis dahin genügend Sachwerte (Immobilien, Land, Industriebetriebe, Gold, Schmuck, nicht zuletzt Patente auf alles mögliche etc.) angehäuft haben, damit sie auch nach dem Zusammenbruch des Geldsystems wieder zur "Elite" gehören - was ja in der Vergangenheit auch prima geklappt hat. Auch nach dem Zusammenbruch 1945 waren es dieselben Leute, die wieder Drahtzieher waren.

Das war schon öfter Thema in diesem Blog, und es bleibt dabei: Ohne eine grundlegende Neuausrichtung des Geldsystems ist alles andere nur Makulatur. Es ist sinnlos, zum Beispiel über alternative Wirtschafts- und Gesellschaftsformen (die freilich auch dringend notwendig sind) nachzudenken, wenn nicht zeitgleich den Banken und damit der selbsternannten "Elite" ihr Füllhorn genommen wird. Sonst bleibt die Menschheit im ewigen Kreislauf von Wachstumszwang und logischem Zusammenbruch gefangen, bis die Erde zerstört ist oder sich eine dauerhafte Orwell'sche Alptraum-Diktatur durchgesetzt hat.

Ich hoffe auf einen mannigfaltigen Erkenntnisgewinn beim Lesen des oben verlinkten Textes.

Kommentare:

Parklife hat gesagt…

Danke für den Text und den Link auf den Brichta-Artikel - ja, es ist erstaunlich, wie wenig die menschen über das Geldsystem wissen. Selbst an der Uni wird das wohlweislich ausgeklammert... Ist auf jeden Falle demnächst eine Erwähnung auf meinem Konsumpf-Blog (http://konsumpf.de) wert!

Charlie hat gesagt…

Danke für das Feedback. In Deinem Konsumpf-Blog werde ich mich auch mal intensiver umsehen - ein erster Blick verspricht da interessante Entdeckungen. :-)

Es ist übrigens tatsächlich so, dass eine wirkliche Information über das Geldsystem auch an den Unis größtenteils nicht stattfindet. Der Volkswirtschafts-Professor Bernd Senf erzählt in seinen Vorträgen gelegentlich davon. Die findet man auf youtube oder teilweise auch auf seiner Homepage www.berndsenf.de .

Anonym hat gesagt…

Wer altes Geld verwendet, soll sich nicht wundern. Altes Geld erhält seine Kaufkraft erst durch die Akzeptanz von uns. Solange wir also dieses Geld akzeptieren, ändert sich nichts. So einfach ist das.
Es ist nun aber möglich, sein eigenes schuldfrei geschöpftes und daher natürlich zinsbefreites Tauschmittel zu verwenden.
Webseite http://www.rheingoldregio.de
Blog http://rheingoldblog.wordpress.com

romeo hat gesagt…

Die Bank wird um die Zinsen reicher, nicht jedoch um den aus dem Nichts geschaffenen Kredit von 100.000 EUR. Dieser wird durch dessen Tilgung ebenso ins Nichts verschwinden, wie er entstanden ist. Dieser bereichert somit nicht die Bank. Denn mit der Tilgung löscht sich auch der Anspruch der Bank und somit deren Kredit-Vermögen in der Höhe. Vereinfacht vorstellbar wie bei einem mthematischen Bruch: wenn im Zähler und Nenner 10 steht und beides durch 10 geteilt wird, verschwindet dadurch der Multiplikator 10 von oben und unten gleichzeitig. Die Bank ist somit nicht 10 Mal reicher als zuvor.
Gruß
Romeo Klein

Charlie hat gesagt…

Romeo, das stimmt leider nicht - denn bei der Tilgung eines Kredits wird tatsächlich existierendes - also real erwirtschaftetes - Geld an die Bank gezahlt, das dem Kreditnehmer ergo nicht mehr zur Verfügung steht, sondern eben bei der Bank landet. Der Kreditnehmer ist also (nach der Tilgung) um den kreditbetrag ülus Zinsen ärmer, als er es zuvor war - gewonnen hat er lediglich das, was er an realen Werten für jene Kreditsumme gekauft hat. Die Bank hingegen hatte vor dem Kredit in Bezug auf den beispielhaften Kreditnehmer einen Saldo von 0, der nach dem Ende der Tilgung auf die im Beispiel genannten 100.000 Euro plus der gezahlten Zinsen angewachsen ist.

Das an die Bank gezahlte (reale) Geld des Kreditnehmers verschwindet ja nicht im Nirwana (das tut es lediglich bezüglich der Buchungen), sondern landet real bei den Aktionären der Bank oder fließt in die Bonizahlungen oder Gehälter ein, die die Bank auszahlt.

Anonym hat gesagt…

Angenommen, keiner der Kreditnehmer zahlt seinen Kredit zurück und hat auch keine ausreichnende Sicherheit bei der Bank hinterlegt (siehe Immobilienblase USA), so daß bei platzen des Kredites keine Realwerte in Besitz der Bank übergehen. Könnte der Bank ja dann theoretisch egal sein, sie würde zwar nicht reicher werden, aber auch nicht pleite gehen. Aber das würde sie in dem Fall, wenn Sie Kredite ausgibt die nicht zurückgezahlt werden. Also muß die Bank verpflichtet sein das verliehene Geld auch jemanden zurückzahlen (Zentralbank?). Oder nicht?

Anonym hat gesagt…

Nach kurzem Nachdenken bin ich glaub ich selbst drauf gekommen....wenn keiner seine Kredite zurückzahlt, kann die Bank bis zum 50fachen Ihrer Einlage an Krediten ausgeben und danach nichts mehr, also ist Sie quasi pleite, weil Sie Ihren Betrieb nicht mehr finanzieren kann.

Charlie hat gesagt…

@ Anonym:

Zunächst muss man ja unterscheiden zwischen Privat-, Wirtschafts- und Staatskrediten. Bei letzteren ist es ja von vorn herein eingeplant, dass nicht die Kreditsumme an sich, sondern "nur" die Zinsen gezahlt werden (die dann aber dauerhaft - bis in alle Ewigkeit quasi). Da steigt also das Vermögen der Bank stetig, auch wenn die ursprüngliche Kreditsumme niemals getilgt wird.

Anders läuft es bei privaten Krediten: Wenn ein solcher Kredit "platzt" (also nicht "getilgt" wird und auch keine Zinsen mehr gezahlt werden), gibt es in der Regel Kreditausfallversicherungen, die dann einspringen. Versicherungen und Banken sind allerdings eng miteinander verflochten (und gehören derselben kleinen Clique von Superreichen), so dass eine Bank, wenn sich solche Scheinausfälle häufen, trotzdem in Bedrängnis kommt - denn das, was verloren geht, sind stets die ERWARTETEN Gewinne aus dem Nichts. Eine Bank, die solche Gewinne nicht liefert, wird über kurz oder lang von diesem perfiden System liquidiert - es sei denn, der Staat greift ein und ersetzt die nicht erbrachten Gewinne eben aus Steuergeldern, wie wir es in den vergangenen Jahren erlebt haben.

Merke: Eine Bank existiert nicht "für sich allein" als Einzelunternehmen - sie ist immer in ein enges Geflecht aus Versicherungen und andere Banken eingebunden. Dieses ganze Geflecht gehört denselben wenigen Personen - und am Ende profitieren diese Personen immer, ganz egal, ob eine einzelne Bank oder Versicherung pleite geht oder "gerettet" wird.

Vielleicht hätte ich den Beitrag besser "Das Füllhorn der Superreichen" betiteln sollen. ;-)