Donnerstag, 27. Juli 2017

Der redundante Einwurf (7): Die kernlosen Trauben


Der Kapitalismus bringt ja so manche bizarre Entwicklung auf den Weg. Eigentlich sind die allermeisten nichts weiter als eine Pervertierung der eigentlich sinnvollen und notwendigen Ziele, die unter anderem mit Begriffen wie Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung, Gemeinwohlorientierung oder auch Sinnhaftigkeit nur sehr verkürzt beschrieben sind. Beispielsweise ist jedes uralte Auto, das auch nach 20 Jahren noch gefahren wird, weitaus energieeffizienter, ressourcenschonender und ökologisch sinnvoller als jedes neu produzierte, ach so "saubere" Vehikel (einschließlich jedes E-Autos) – aber dazu schreibe ich später vielleicht noch mehr, falls ich dazu komme. Das gilt für fast alle Produkte unserer heutigen grotesken Welt, die wie von Sinnen unablässig neu produziert und verkauft werden, während "Altgeräte" millionen-, gar milliardenfach in den Müll geschmissen werden, anstatt sie zu reparieren und weiterzuverwenden.

Aktuell ist mir im Supermarkt jedenfalls wieder einmal aufgefallen, dass dort – für einen um fast 50 Prozent höheren Preis – kernlose Trauben angeboten werden, die offenbar im Gegensatz zu kernhaltigen Trauben weitaus besser zu genießen und somit ein "Luxusprodukt" sind, denn sonst gäbe es diese gezielt gezüchtete Frucht ja gar nicht. Es mag nun einjede/r selbst entscheiden, wie sinnvoll es ist, nicht reproduktionsfähige Früchte zu "designen" – mir jedenfalls kommt dabei regelmäßig die kalte Kotze hoch und ich frage mich, ob ich denn der einzige bin, dem diese Perversion auffällt. Der Mist wird trotzdem besinnungslos gekauft – so als sei es wirklich eine nicht hinnehmbare Geißelung durch die Natur, die kleinen Traubenkerne beim Verzehr entweder mit herunterzuschlucken oder während des Essens durch bedachte Kauvorgänge einfach auszuspucken.

Es wäre wohl eine richtig gute Idee für irgendeinen menschenfeindlichen, profitgierigen Konzern wie beispielsweise Monsanto, sich die Kreierung des endlich nicht mehr reproduktionsfähigen Menschen patentieren zu lassen: Damit ließe sich zunächst sehr viel Geld verdienen und gleichzeitig die Überbevölkerung dieses Planeten in den Griff bekommen – und das in einer Weise, die den "Eliten" sehr gelegen käme, da sich nur noch finanzkräftige Menschen fortpflanzen könnten. Damit wäre die kapitalistische Hölle auf Erden in ihrem Endstadium angelangt: Die noch notwendige Arbeit wird zukünftig von Robotern erledigt und die "Elite" hockt in ihren Villen und Palästen und genießt das schöne, arbeitslose, sehr lange und immer länger werdende Leben, ohne auf weiteren Profit angewiesen zu sein, da sie längst den kompletten Planeten besitzt. Den Pöbel – also die 99 Prozent der restlichen Menschen – braucht man dann allenfalls noch als Organspender, solange das noch nicht im Labor möglich ist. Danach wird selbstredend auch dieser Rest entsorgt.

Die kernlosen Trauben sowie das Monsanto-Getreide, das kein Saatgut mehr hervorbringt, sind ein weiterer Schritt auf einem schaurigen Weg, der noch vor 30 Jahren ein Thema der Science-Fiction-Literatur gewesen ist. Ich erinnere in diesem Zusammenhang dringlich an den Roman "Der genetische Krieg" von Christof Schade aus dem Jahr 1985. Dort wurde das heute aktuelle Szenario schon ausführlich beschrieben.

Das kapitalistische Todeskarussell wird sich trotzdem unbeirrt weiterdrehen und an Fahrt aufnehmen. Das ist so sicher wie der Duktus des Merkelmonsters und die Besinnungslosigkeit der Bevölkerung.

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UPDATE 29.07.17: "Warum aber gibt es Trauben, die keine Kerne, also keine Samen enthalten? Eigentlich dürften die sich ja gar nicht vermehren lassen. / (...) In freier Wildbahn wäre diese Mutante mangels Nachwuchs schnell untergegangen. Aber der Mensch hat ihre Reiser auf andere Weinstöcke gepfropft und bis heute weiterkultiviert." (Deutschlandfunk) – Ich lerne nie aus und halte dennoch vieles für pervers und verwerflich, was heute von vielen nicht mehr in Frage gestellt wird. ;-)

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The Seedless Watermelon


(warandpeas.com)

Kommentare:

Charlie hat gesagt…

@ André alias Herr Karl: Du kannst noch weitere zehnmal versuchen, Deinen themenfernen, propagandistischen Scheiß hier in die Kommentare zu koten - ich werde ihn auch beim elften Mal wieder löschen. Ich frage mich lieber gar nicht erst, welch einen widerwärtigen Charakter ein Mensch haben muss, der auch nach der zehnten Bitte, der fünfzigsten Aufforderung und der hundertsten Löschung immer noch wie eine Schmeißfliege agiert und den immer gleichen intelligenzfreien Sermon absondert.

Bei Dir sind Hopfen und Malz nicht nur verloren, sondern nie angekommen.

André hat gesagt…

themenfremd...?

Charlie hat gesagt…

Du hast recht ... "dumm" wäre das passendere Adjektiv gewesen.

Eike Brünig hat gesagt…

Irgendwie bekomme ich gerade Angst, etwas dazu zu schreiben. Diese Verschwörungstheorie ist schon Realität. Ansonsten gäbe es ja auch keine Designerbabies, die auch schon im Mittelstand Gang und Gebe sind . Nur das Patentrechliche muss wahrscheinlich noch geklärt werden.

Troptard hat gesagt…

@Charlie,
ich weiss nicht worüber ich mich mehr aufregen soll, über die kernlosen Trauben oder die entkernten Gehirne, die da alles so begierig aufnehmen, was ihnen die Brust der "Amme" Nahrungsmittelindustrie so anbietet.

Ich bin mir nicht sicher, ob der Begriff der Fragmentierung geläufig ist. Er wird wohl eher selten in der Sozialwissenschaft verwendet und beschreibt dort das Bedürfnis der bürgerlich, kapitalistischen Gesellschaft sowohl Mensch und Natur in immer kleinere Teile zu zerlegen, um diese Zerstückelung dann wieder in eine neue Ordnung zu bringen.

Ein Beispiel dafür wäre der Taylorismus, wo der Produktionsprozess in viele einfache, von jedem beherrschbare Schritte zerlegt wurde. Was dabei möglicherweise untergegangen ist, das dabei auch der Rhythmus des Menschen, seine Herzfrequenz, seine Motorik, seine Notdürftigkeit dem Rythmus der Produktion angepasst, also Mensch und Produktion fragmentiert, um sie dann in eine neue Ordnung einzupressen.

Ähnliches hat sich auch in der Medizin ereignet, wo man sich zunächst der Leichen von Verbrechern bedient hat, um sie zu zerlegen, ihre Organe freizulegen, und dann wieder zusammenzuflicken.

Das regt heute keinen grossen und kleinen Geist mehr auf, sondern geht weitgehend als Fortschritt der Menschheit durch.

Damit es nicht zu lang wird: Diese Fragmentierung ist noch lange nicht beendet, sondern wird für mich geradezu gemeingefährlich fortentwickelt. Ganz offen wird inzwischen auch davon ausgegangen, dass der Mensch ohne Eingriffe in seine DNA nicht mehr fähig sein soll, sich den verändernden Bedingungen der Erdatmosphäre anzupassen.

Um wieder zum eigentlichen Thema zurückzukommen: Ich als Hobbygärtner, der von seinen Pflanzen natürlich auch immer Samen für das nächste Jahr zurückbehält, dem ist es verboten, diese Samen an Dritte weiter zu geben. Dem Gemüsebauern selbstverständlich auch. Er braucht dafür eine Genehmigung, die er für nicht wenig Teuro beantragen muss und, und, und.

Und so wird auch diese unkontrollierte Artenvielfalt der Natur auf das reduziert, was für das " selbst eintragen " überschaubar und kontrollierbar ist und sich nicht seinem Zugriff entzieht.

LG Troptard

Troptard hat gesagt…

Was ich bei meinen Ausschwitzungen vergessen habe ist, auf die Zerstückelung der Zeit hinzuweisen, den bisherigen (zyklischen) Rhytmus des Menschen in einen linearen zu zerlegen und ihn damit in einen neuen Zeitryhtmus reinzuzwingen, der nicht mehr seinem natürlichem Rythmus folgt, sondern dem Takt der 24-Stunden-Maschine.

Ich habe nie das schändliche Vergnügen gehabt Schichtarbeit zu leisten: Ich kenne auch nur zwei Beispiele aus meiner nahen Umgebung: Meinen Vater und meinen Jugendfreund und zusammengefasst, beide nach ihrer Verrentung in einem erbärmlichen Gesundheitszustand.

Mein Vater inzwischen verstorben und beide danach eigentlich nur noch Dauerpatienten in Krankenhäusern.

Michl hat gesagt…

Kernlose Trauben sind ein alter Hut. Wahrscheinlich als natürliche Mutation vor ca. 100 Jahren entstanden (Sultaninen). Werden durch aufpfropfen vermehrt. Darum waren in Rosinen auch noch nie Kerne. nur so neben bei sagt der Gärtner Viele Grüße

Charlie hat gesagt…

@ Michl: Sagen bzw. behaupten kannst Du eine Menge. Solange Du das aber nicht belegst, bleibt Dein Einwurf ebenso redundant wie mein Posting, das nicht zufällig diesen Titel trägt. Ich lerne ja gerne immer wieder dazu, also scheue Dich nicht, Unwissende wie mich an Deinen Erkenntnissen teilhaben zu lassen! :-)

Liebe Grüße!

Arbo hat gesagt…

Lieber Charlie,

ich selbst seh's ganz pragmatisch: Wenn kernlose Trauben schmecken, was solls.

Ich ärgere mich eher über andere Dinge. Zum Beispiel über Früche, die über zig Kilometer hergekarrt werden. Jetzt habe ich irgendwo in einem Artikel mal gelesen, dass es bisweilen auch umweltfreundlicher sein kann, manche Früchte herkarren zu lassen, statt sie hier vor Ort anzubauen (wo ebenfalls CO2 anfällt, Wasser verbraucht wird etc.). Bin da etwas "between two minds". Ich stelle nur fest, dass vielen Menschen das Gefühl für Zyklen bzw. Jahreszeiten abhanden gekommen ist. Ich meine, ich weiß, dass Erdbeeren nur für eine kurze Zeit im Sommer wachsen. Dann futtere ich mich dick und rund, schmachte das restliche Jahr und den Anfang des neuen Jahres bis wieder Erdbeerzeit ist... aber ich muss doch nicht das ganze Jahr über geschmacklose Wasserbehälter in Erdbeerform haben. ;-)

Jedenfalls bin ich Dir dankbar, dass Du das Traubenbeispiel bringst. Regelrecht ekelhaft ist ja das, was in der "Fleischindustrie" passiert. Da frage ich mich, was in einem Aaß-Vertilger schief läuft, wenn er oder sie mit Genuß in's Fleisch von gezielt gezüchteten Viechern beißt. Die Bilder von den Puten mit übergroßen Brustpartien sind ja zB noch bekannt. Wie gesagt, das ist Tierleid. Und darüber hinaus wird vergessen, dass diese Über- und Verzüchtung natürlich auch bei Pflanzen praktiziert wird.

So verschwinden dann alte Sorten, die vielleicht nur "kurzlebig" oder leicht anfällig für Stöße etc. waren (Letzteres: was sie nicht so transportfähig macht), aber dagegen wohlschmeckend. Der "Knaller" ist, dass wir auf diese Weise auf Geschmäcker konditioniert werden. Eine Tomate, eine Erdbeere etc. ... die schmecken dann überwiegend so und nicht anders, und zwar global. Das ist mE auch eine üble Wirkung davon, was Troptard weiter oben bzgl. den Schwierigkeiten der normalen Saatgutweitergabe schreibt. Im Grunde gibt's damit kaum einen Anreiz, irgendwo hin zu fahren und den lukullischen Genüssen vor Ort zu frönen. Schmeckt ja eh alles gleich oder ähnlich ...

So wie ich darüber nachdenke, scheint mir, dass es ohnehin eine Paradoxie des Kapitalismus ist: Wo anfangs das Versprechen vielfältiger Möglichkeiten stand, endet's doch häufig in der Einfalt.

LG
Arbo

Charlie hat gesagt…

@ Arbo: Ich habe ebenfalls eine "pragmatische" Lösung entdeckt: In einem Café, in dem ich mir manchmal Sonntags für 1,80 EUR einen Kaffee gönne, wird auf derselben Karte auch ein Jägerschnitzel angeboten, das mitsamt der Beilagen (Pommes und Salat) für 4,50 EUR zu haben ist. Da ich selber kein Billigfleisch mehr im Supermarkt kaufe, bestelle ich mir hier also gerne mal ein Schnitzel, denn der Betreiber des Cafés wirbt mit der Reklame, dass er "gute Qualität trotz niedriger Preise" zu bieten habe.

Der Kapitalismus erschafft eine kaputte Welt und kaputte Menschen, und ich esse dort mein Jägerschnitzel, das ich für diesen Preis nicht einmal in der heimischen Küche selbst zubereiten könnte, während der Kaffee dort das zehnfache dessen kostet, was er mich daheim kosten würde.

Wer mit dem Irrsinn permanent konfrontiert ist, wird irgendwann selber irrsinnig.

Liebe Grüße!

Troptard hat gesagt…

@Arbo,

denk doch mal nach, bitte. Pflanzen verbrauchen CO2 und je nach Pflanze etwas mehr oder auch weniger. Wasser ebenso. Ich vermute mal, mit Wasser und CO2 gibt es in Deutschland eher weniger Probleme.

Womit es in Deutschland allerdings ziemlich grosse Probleme geben soll ist der Umstand, dass die Flächen für den Gemüse- und Getreideanbau sehr stark schrumpfen, weil inzwischen riesige Flächen an Monokulturen für den Biogasanbau vorgehalten werden.

Ich persönlich kann das natürlich nicht selbst beurteilen. Inzwischen soll es zahlreiche kritische Stimmen geben, die eine ständig zunehmende Verödung der Kulturlandschaft durch Monokulturen beklagen.

In diesem Zusammenhang wäre dann wohl eher dass Methan-Gas in die Kritik zu nehmen als das CO2-Gas.

Aber für mich eine spannende Diskussion, die ich auch unbedingt weiterhin gerne verfolgen werde und wo ich keinesfalls Partei sein will ist, welche kapitalistische Fraktion die Deutungshoheit über die zukünftige klimatische Entwicklung unseres Planeten gewinnt und damit auch die weitere technische Entwicklung, insbesondere die mobile bestimmt, insofern auch die Richtung für die künftige und weitere Ausbeutung unseres Planeten.

Wobei ich ich hier bereits die Anmerkung mache: Es wird gehupft wie gesprungen.
LG


Wissen macht aaah hat gesagt…

Schon mal was von Pfropfen und Okulieren gehört?
Garantiert noch NIE in deinem Leben!
Ansonsten würdest du nicht in einem derart blödsinnigen Blogbeitrag solche Sätze rauskloppen, die dein akademisches Halbwissen mal wieder zum Besten geben:
...
Es mag nun einjede/r selbst entscheiden, wie sinnvoll es ist, nicht reproduktionsfähige Früchte zu "designen"
...
Wenn man schon keine Ahnung von Ackerbau und Viehzucht hat, geschweige denn vom Weinbau, wäre von solchen Gegenöffentlichkeitsaposteln wie dir zu erwarten, dass man sich wenigsten mal kurz über das Objekt seiner Kritik schlaumacht. Eine 10 Sekunden Recherche via Suchmaschine deiner Wahl, hätte allerdings für dich bedeutet, dir einen neuen Aufhänger für deine immer gleichen morbiden Welt-Untergangprophezeiungen aus dem Ärmel zu leiern.

Anonym hat gesagt…

Was haben Fleisch und Erdöl gemeinsam? Beides wird in wenigen Jahren (1 Generation) nicht mehr verfügbar sein.

Rolf hat gesagt…

Monsanto hat Spermazid Gen Mais im Sortiment.Nachzulesen im Internet.Stopt die Spermaprodukt.

Mechthild Mühlstein hat gesagt…

Der obenstehende artikel legt mal wieder recht anschaulich dar, weshalb ich von verblödungsfiction wenig halte - der begriff »science« ist da wohl eher unangebracht. Mag sein, daß das erwähnte buch von Christof Schade unterhaltsam ist, der wissenschaftliche gehalt dürfte jedoch eher gegen null tendieren. Was den einen als weltverschwörung einer geldgeilen industriemafia erscheint, ist für die anderen einfach biologie.

Kernlose traubensorten sind keine dekadente züchtung der letzten jahre, die gibt es schon seit jahrzehnten und der wein ist bis jetzt deshalb noch nicht ausgestorben. Schon allein, weil wein generell nicht über samen sondern auf vegetativem weg vermehrt wird. Das gleiche gilt weitgehend für alle im handel erhältlichen obstsorten, beim wein kommt hinzu, daß ausschließlich pflanzen angebaut werden dürfen, die auf reblausresistente unterlagsreben veredelt wurden.

In der landwirtschaft, im obst- und gemüsebau werden oft f1hybride sorten verwendet. Das sind kreuzungen aus zwei verwandten arten, das ist vorteilhaft, weil die pflanzen meist vitaler und weniger anfällig für krankheiten sind und außerdem wesentlich bessere erträge bringen. Der nachteil ist, daß solche pflanzen für die saatzucht eher ungeeignet sind. Nicht weil die, wie kernlose früchte, unbedingt steril sein müssen, sondern weil sich in der f2generation die unerwünschten eigenschaften wieder auskreuzen. Beispielsweise bei getreide muß man dann mit ertragseinbußen von ca. einem drittel rechnen, weshalb die meisten landwirte in den industrieländern eher von saatzuchtbetrieben kaufen, wenn man den esos aus der antroposophischen landwirtschaft absieht, denen die verwendung von hybridsaatgut verboten ist.

Was die gentechnisch veränderten pflanze betrifft: die könnte man relativ problemlos weiterzüchten. Das ist allerdings aus patentrechtlichen gründen verboten, weil die großkonzerne, die solche pflanzen entwickeln, das bekanntermaßen nicht wegen der nützlichkeit für die menschheit, sondern zum geldverdienen tun.

Das problem ist kein biologisches, sondern ein kapitalistisches.

Charlie hat gesagt…

@ Mechthild: Bei allem Respekt: Dein Pauschalurteil über ein komplettes literarisches Genre ist schlichtweg Mumpitz und zeugt nicht gerade von Kompetenz. Du kannst von Christof Schades Buch gerne halten, was immer Du möchtest - aber zumindest solltest Du es zuvor gelesen haben.

Auch Deine wiederholte Parteinahme für die Gentechnik verstehe ich nicht. Es mag durchaus sein, dass mithilfe der gezielten gentechnischen Veränderung von Pflanzen auch positive, wünschenswerte Ergebnisse zu erzielen sind - der bekannte "goldene Reis" ist ja ein solches Beispiel. Allerdings wird diese Forschung und Entwicklung heute fast ausschließlich aus kapitalistischen Beweggründen durchgeführt, was man am Beispiel Monsanto ja sehr gut nachvollziehen kann. Oder fällt Dir irgendeine sinnvolle Begründung ein, weshalb dieser Konzern patentiertes (!) Getreide "auf den Markt" gebracht hat, das nach der Ernte nicht mehr aussaatfähig ist, so dass betroffene Bauern stets neues Saatgut - natürlich exklusiv bei Monsanto - einkaufen müssen? Das ist eine widerliche, ausbeuterische, kapitalistische Gelddruckmaschine, keine sinnvolle Gentechnik. Genau hiervon handelt Schades Roman. Dein Schlussatz ist mir daher völlig unverständlich, denn es geht hier um Kapitalismus.

Was die kernlosen Trauben oder Wassermelonen betrifft, mag ich mich geirrt haben - ich bin in der Tat kein Landwirt oder Agrarwissenschaftler. Dennoch bleibe ich dabei, dass ich nicht reproduktionsfähige Pflanzen für einen kompletten Irrweg halte - ganz egal, ob diese "Mutation" nun zufällig entstanden ist oder gezielt gezüchtet wurde. Die besagten "Veredelungen" können sich die Damen und Herren Weinbauern gerne in den Allerwertesten schieben - ich esse ohnehin lieber Birnen oder Kirschen aus dem Garten: Die sind zwar nicht so "schön" und nicht so süß wie vergleichbare Früchte aus der kapitalistischen Agrarindustrie, aber sie schmecken mir gerade deshalb bestens. :-)

Im Übrigen handelt es sich bei dem obigen Posting nicht um einen "Artikel", sondern um eine Glosse, die zudem schon im Titel auf die Redundanz und in den Tags darunter auf Satire hinweist. Aber das nur am Rande.

Liebe Grüße!

(Doku-Tipp: "Monsanto - Mit Gift und Genen")

Troptard hat gesagt…

@Charlie,

ich habe mir das Video angesehen und ich muss zugeben, dass ich inzwischen grosse Schwierigkeiten habe, mir die Leidensgeschichten von Menschen und Tieren immer wieder auf's neue reinzuziehen.

Womit ich ebenso meine Schwierigkeiten habe sind diese oft vorgebrachten Einwände, die der Wissenschaft dieses Mäntelchen der unbefleckten "Empfängnis" umhängen wollen, und all diese extremen Verwerfungen nur aus dem Resultat des kapitalistischen Profitstrebens erklären. Richtig! Ein treibendes Motiv, dass allerdings nicht alles erklärt, aber es dann doch so schön einfach und plausibel für Menschen, die ungebrochen an Wissenschaft und Fortschritt glauben.

Für mich ist das allerdings eine beschränkte Sichtweise und blendet bewusst aus, was die bürgerliche Gesellschaft und ihr Verständnis von Wissenschaft ausmacht: Die ständige Fragmentierung in den einzelnen Wissenschaften in immer mehr Teildisziplinen, die Übersichtslosigkeit in der Vermittlung der Forschungsergebnisse für die Allgemeinheit, persönliche Eitelkeiten der Forscher und zunehmende Abwehrreflexe gegen eine Öffentlichkeit, die sich nicht mehr so leicht für die exakte Wissenschaft, auf die sog. unwiderlegbaren Fakten einlassen will.

Mein persönlich stärkster Einwand gegen eine Wissenschaft, die eigentlich kaum noch etwas dazu beiträgt, den Menschen ein besseres Leben zu eröffnen, was für mich vorrangige Aufgabe wäre, sondern ausgerechnet dort ihre Energien verschleisst,in vielen unergiebigen Nebenschauplätzen, wo sie selbst sich durch eigene Erkenntnisse profilieren könnte.

Was passiert dann weitgehend,selbstverständlich mit wohltuenden Ausnahmen, diese Wissenschaft profiliert sich als Sprachrohr von Politik und Ökonomie.


Und damit ich mich nicht dem Vorwurf aussetze, dass Wissenschaft im Sozialismus, also befreit vom kapitalistischen Profitstreben sich davon deutlich unterscheiden will, es war ein sozialistischer Wissenschaftler, der als erster einer (sozialistischen) Katze den Kopf abgetrennt hat, um diesen an den Kopf eines (sozialistischen) Hundes zu montieren. Der Herzchirurg Bernard hat das dann später mit einem (kapitalistischen) Hundekopf nachvollzogen.

Schluss jetzt! Mir wird gerade wieder schlecht, wenn ich diese Bilder vor meinen Augen sehe!

altautonomer hat gesagt…

Troptard: So sehr ich -wie Du weisst - Deine Beiträge hier und anderswo schätze, umso mehr erstaunt mich dieser pauschal polemische Vorwurf, der mit keinen Beispielen unterfüttert wird.

Differenzierung wäre doch etwas, was uns gut zu Gesicht stünde:

1. Seit 2014 ist eine Therapieoption auf dem Markt, die mit 99 %em Erfolg auch das hartnäckige Hepatitis-C-Virus- Genotyp 1b -(besonders resistent und aggressiv) eleminiert. Drei Monate lang schluckt der Patien 1 Pille (Polymerase und Proteasehemmer) und nach einer Wartezeit von weiteren 4 Wochen kann durch eine PCR festgestellt werden, ob er dauerhaft geheilt ist. Hepatitis C gilt seit über einem Jahr unter den Hepatologen und Gastroenterologen weltweit als ausgerottet.

2. Die Ergenissse der Erforschung des Klimawandels sind verifizierbar, sichtbar und in meinen Augen seriös ermittelt. Ich stelle sie nicht in Frage.

3. Insektensterben und Bienensterben werden wissenschaftlich erforscht und sind kein Spass. Da kommt noch etwas auf uns zu.

4. EU-weit sterben jährlich mehr als 18.200 Menschen vorzeitig an den Folgen der Verschmutzung durch Kohlekraftwerke, ergab die am Mittwoch in Berlin auf Deutsch vorgestellte Untersuchung der Health and Environment Alliance (Heal). In Deutschland seien es etwa 2700 Todesfälle. Die wirtschaftlichen Kosten durch die gesundheitlichen Schäden schätzen die Studienautoren auf 42,8 Milliarden Euro pro Jahr in der EU und auf 2,3 bis 6,4 Milliarden Euro in Deutschland. Anzweifeln tun dies nur die Atomkraftwerkebetreiber.

5. Als sich 1980 auch in Deutschland die Lithotripter zur nichtoperativen Beseitigung von Nierensteinen (ESWL) etablierten, war dies ein Segen für Patienten. Natürlich haben sich die Hersteller (Siemens, Dornier) dieser nichtoperativen, extrakorporalen Nierensteintherapie dumm und dämlich verdient. Offene Op's gibt es seither kaum noch.

Im med. Bereich könnte ich noch zahlreiche Beispiele anführen, die im Ergebnis nicht zu einer Kostensteigerung geführt sondern sogar mit weniger Kosten und Aufwand den Menschen enorme gesundheitliche Vorteile brachten (Z.B. bei der Dupuytrenschen Kontraktur löste die PNF die Fasziektomie ab).

Womit wieder bei dem Thema Studien angelangt wären. Studien, die behaupten, Rauchen sei nicht gesundheitsschädlich verfolgen ein zweifelsfrei einseitiges Interesse. Eine Studie, die besagt, dass 1 Glas Rotwein am Tag, vor koronaren Herzerkrankungen schütz, ist Unsinn.

Ehrlich ist die Wissenschaft im gegenwärtigen Erkenntnisstand bei der Nanotechnologie. Eine kanzerogene Wirkung kann weder bestätigt, noch ausgeschlossen werden. Nanos befinden sich aber in jeder wasserfesten Sonnencreme mit dem SF 50 und höher.

Troptard hat gesagt…

Hallo Altautonomer,

ich kann Deine Skepis gegenüber meinen Ausführungen durchaus verstehen, weil diese wohl weitgehend nicht mit einer fragmentierten Sichtweise der heutigen Wissenschaft zu verstehen sind, sondern sich ausschliesslich auf meine eigene lange Krankheitsgeschichte berufen kann.

Während dieser 30ig-jährigen Krankheitsgeschichte habe ich mich auch auf das eingelassen, was man heute ziemlich heftig als Esoterik einstufen würde, auf eine andere Ernährung, vegetarisch und heute bereits weitgehend vegan.

Ich mag darüber eigentlich auch nicht schreiben, weil ich die feindlichen Reaktionen von sog. Linken sehr gut kenne. Und ich mag mich auch nicht darüber auslassen, dass ich während dieser dreissig Jahre nur zwei Ärzte hatte, die beide nicht der "Schulmedizin" verpflichtet waren.

Während dieser Zeit sind von von dreizehn verordneten Medikamenten, die ich mein Leben lang einnehmen sollte, nur noch zwei übrig geblieben. Gut, alle drei vier Jahre besuche ich auch noch einmal einen Kardiologen im Uni-Krankenhaus, der dann ganz entsetzt ist, wie lange ich mich habe nicht blicken lassen und dann dennoch erstaunt ist, in welch relativ guter Form ich mich auch ohne ihn befinde.

Und vielleicht für Dich auch ein wenig merkwürdig, ich habe keine Angst vor dem Tod. Wovor ich mich am meisten fürchte ist dieses ewig lange Leiden im Alter, die ständige Einnahme von Tabletten.

Für mich ist es nicht erstrebenswert besonders alt zu werden, sondern ohne diese sog. Alterskrankheiten friedlich aus dem Leben zu scheiden.

Troptard hat gesagt…

Hallo Altautonomer,

ich nehme den Faden noch einmal auf, weil mich meine beiden Frauen zum Abendessen gerufen haben und ich deshalb nicht mehr so konzentriert im Thema war.

Wir müssen ja nicht unbedingt immer einer Meinung sein und auch eine andere Meinung mal so stehen lassen auch wenn es da manchmal ordentlich kneift.

Was mich dann doch ziemlich übel gelaunt macht sind so Einführungen ins Thema wie:

"Differenzierung wäre doch etwas, was uns gut zu Gesicht stünde:"
Und wenn Du das so locker voranstellst, dann fühle ich mich gleich zu Anfang ziemlich abgewatscht, wenn darauf nicht folgt, woran Du eigentlich an meinem Text Anstoss nimmst.

Mechthild Mühlstein hat das ja bereits beim Charlie vorgemacht indem sie schreibt, " der wissenschaftliche Gehalt dürfte jedoch gegen null tendieren ."

So führt man sich selbst in das Thema ein, wenn man gleich zu Beginn eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema verweigert. Ich persönlich habe mich an dem Thema von Charlie ausgerichtet, habe mir dieses entsetzliche Video angetan und so leid es mir immer noch tut, was ja auch aus dem Video ausreichend hervorgeht, da wird über Leichen gegangen und diejenigen, die noch ein Gewissen haben eiskalt abserviert.

Woran Du Dich an meinen Ausführungen möglicherweise gestört hast ist, dass ich den Begriff der Fragmentierung hier eingeführt habe, der Fragmentierung des bürgerlichen Bewusstseins, welche es selbst nicht mehr wahrnimmt, sondern auch als vollkommen normal in seiner wissenschaftlichen Betrachtungsweise.

Wie der bürgerliche Blick auf die Wissenschaft funktioniert, das hat Claus Peter Ortlieb in einem Video auf Youtube für mich sehr gut beschrieben.

Bei Deinen weiteren Ausführungen fehlt mir dann allerdings wirklich der Bezug zu meinem Text und was Dich dazu angetrieben hat.

Charlie hat gesagt…

@ Troptard: Allein für diese Aussage falle ich vor Dir auf die Knie:

"Für mich ist es nicht erstrebenswert besonders alt zu werden, sondern ohne diese sog. Alterskrankheiten friedlich aus dem Leben zu scheiden."

Nach einer bislang "erst" zehnjährigen Krankheitsgeschichte unterschreibe ich jedes einzelne Wort. Wenn ich all die Tabletten, die mir seitdem von diversen Ärzten verordnet wurden, tatsächlich eingenommen hätte, wäre ich vermutlich längst tot - denn selbstredend hat niemand von denen sich ernsthaft dafür interessiert, welche Medikamente ich - abseits des jeweiligen fachärztlichen Problems - sonst noch so schlucken soll.

Damit möchte ich gewiss nicht zum Ausdruck bringen, dass Arzneien generell zu verdammen seien - aber die Art und Weise, wie deren Verordnung und Verteilung im kapitalistischen System geschieht (in dem es ja, wie wir alle wissen, vornehmlich um die Generierung persönlichen Profits und nicht um das Wohlergehen des Menschen geht), ist eine ekelhafte Pervertierung des ursprünglich sehr humanistischen Gedankens.

Wer Krankenhäuser als "Wirtschaftsunternehmen" betrachtet, die "profitabel" für die Eigner sein müssen, der kommt selbstverständlich auch auf solch absurde Gedanken, dass eine Versorgung von Kranken an das Bankkonto gebunden sein muss (Trump) oder dass es das wirtschaftliche Ziel der Gesundheitsversorgung sein müsse, profitabel für die "Anbieter" zu sein (FDP und Pharma-Industrie).

In der heutigen Zeit bin ich vermutlich einer der letzten, denen unverzüglich das Gehirn platzt, wenn Krankenhäuser und Arztpraxen wie selbstverständlich als "Wirtschaftsunternehmen" betrachtet werden. Diese verkommene Menschheit ist gewiss nicht mehr zu retten.

Liebe Grüße!

Mechthild Mühlstein hat gesagt…

Okay, wahrscheinlich wäre mein kommentar unter Deiner buchkritik besser platziert gewesen. Ich habe nicht geschrieben, daß ich das gesamte sf-genre für mumpitz halte, es gibt durchaus auch brauchbares, das ist aber eher selten.

Das buch von Schade hat mit sicherheit sehr gut in den zeitgeist der 80er jahre gepaßt. Unsachgemäße kritik an der »grünen revolution« und an den haaren herbeigezogene weltuntergangsszenarien aller art waren damals »voll modern«. Den inhalt des buches kann und will ich überhaupt nicht bewerten. Allerdings habe ich den eindruck, daß Du es als mehr als bloß fiction bewertest, was vermutlich vom autor auch so gewollt war und das halte ich für keine gute idee.

Weshalb sollte ein agrarkonzern wollen, daß viele menschen verhungern? Wohlverhalten konnte man bereits in den 80ern ganz anders erzwingen. Natürlich ist es agrarkonzernen egal, wenn ein paar geldlose hungerleider über die klinge springen, aber am aushungern der menschheit sind die eher nicht interessiert. Wer soll ihnen den kram, den sie für teuer geld entwickelt haben denn dann noch abkaufen?

Mal so nebenher: 1960, als die »grüne revolution« wegen des hungerproblems begann, hungerten 1,2 milliarden menschen. Das entsprach damals 40% der weltbevölkerung. Heute hungern noch 0,8 bis 0,9 milliarden menschen. Das klingt nicht nach einer großen verbesserung. Allerdings hat sich die bevölkerung seit damals mehr als verdoppelt: 1960 lebten ca. 3 milliarden menschen auf der erde, heute sind wir fast 7,5 milliarden. Je nach berechnungsgrundlage sind es heute 13 bis 15%, die hungern. Das sind immer noch zu viele, vor allem, wenn man bedenkt, daß es nach dem heutigen stand der technik möglich wäre, mindestens 10 milliarden menschen anständig zu ernähren.

Klar bin ich für gentechnik. Die technik an sich kann hilfreich sein. Es kommt auf den gesellschaftlichen und ökologischen einsatz an.

altautonomer hat gesagt…

Troptard: Vielleicht ist mir das Bezugszitat untergegangen, denn mich störte speziell auf diese Ausage von Dir: "Mein persönlich stärkster Einwand gegen eine Wissenschaft, die eigentlich kaum noch etwas dazu beiträgt, den Menschen ein besseres Leben zu eröffnen,usw..............!"

Diese pauschale Verurteilung mit geschickten, rhetorischen Einschränkung auf "Ausnahmen" teile ich nicht. Um zu zeigen, wielches Ergenis eine differenzierte Meinung dazu ist, habe ich ein paar Beispiele erwähnt. Sicher kennst Du auch Beispiele, die belegen, dass Wissenschaft gegen die Interessen von Menschen gerichtet ist (z. B. Atomtechnik). (Auch gegen Grippe -pharmagestütz 7 Tage - Hausmittel 1 Woche -, Nagelpilz und Haarausfall gibt es noch keine sofort wirkenden und sicheren Mittel.)

Meine Aussage wäre eher die, dass die Wissenschaft an der Entwicklung von Medikamenten z. B. dann kein Interesse hat, wenn die Prävalenz niedrig ist. An seltenen Krankheiten stirbt man dann eher.

Die von Dir erwähnten Kontraindikationen bei der Verordnung von Medikaenten ist kein Problem der Wissenschaft, sondern eine Verletzung med. Sorgfaltsplicht der behandelnden Ärzte.

Mechthild: Neulich sah ich an einer Pizzeria ein Schild "Unsere Tomaten sind frei von Genen!";-)

altautonomer hat gesagt…

Nachtrag auch von mir: Mich enttäuscht es, wenn hier ohne Belege und Beispiele über Forschung diskutiert wird. Wobei kernlose Trauben so gut wie keine Rolle spielen. Ich möchte in diesem Zusammenhang auf meinen Text zum Thema KI verweisen:

http://narrenschiffsbruecke.blogspot.de/2015/10/auslaufmodell-mensch.html

Ein Jahr nach meinem Artikel erschien dieser Bericht über ein Experiment, bei dem sich zwei Computer völlig selbständig ohne vorherige Programmierung durch Menschen gegen Hackerangriffe eines dritten Computers wehrten. Das hat mich schockiert, denn es scheint nicht mehr lange zu dauern, bis sie (die Wissenschaftler) den Geist aus der Flasche lassen..

https://www.forschung-und-wissen.de/nachrichten/technik/ki-entwickelt-verschluesselung-die-selbst-experten-nicht-verstehen-13372358

Troptard hat gesagt…

@ Altautonomer
Andreas Urban
Ein Schnellkurs zur Apologie der modernen Medizin
Eindrücke eines Besuchs im Wiener „Narrenturm“

Ich hatte kürzlich das Vergnügen, zum ersten Mal in Wien den sogenannten „Narrenturm“ zu besuchen. Dabei handelt es sich um ein turmähnliches Gebäude des früheren Allgemeinen Krankenhauses (von Wiener/innen schlicht „altes AKH“ genannt), in dem die größte Sammlung pathologisch-anatomischer Präparate der Welt untergebracht ist. Diese umfasst aktuell etwa 45.000 Objekte – sowohl Feuchtpräparate (in Formaldehyd eingelegte und konservierte Organe) als auch Trockenpräparate (hauptsächlich Knochen und Skelette), aber auch sogenannte Moulagen (form- und farbgetreue Abbildungen erkrankter Körperstellen aus Wachs oder Paraffin, die speziell in der medizinischen Ausbildung als Anschauungsmaterial dienten, bevor die Möglichkeit der Fotografie zur Verfügung stand). Diese anatomische Sammlung ist ausgesprochen sehenswert, besonders sollte man sich eine Führung durch das Museum nicht entgehen lassen, denn dabei wird man – worüber im Folgenden berichtet werden soll – in konzentriertester Form mit dem nahezu ungebrochenen Fortbestand der ältesten und krudesten Ideologeme konfrontiert, die der modernen Medizin und der Naturwissenschaft insgesamt seit ihrer „Geburt“ in der Frühphase der kapitalistischen Moderne als gesellschaftliche Legitimationsgrundlage dienen und das Selbstverständnis von Generationen von Mediziner/innen1 nachhaltig geprägt haben. Ein wahrer Schnellkurs in der Apologie der modernen Medizin ist das, was einem im „Narrenturm“ geboten wird.
I.

Der (vermutlich austauschbare2) Guide meines Rundgangs durch das pathologisch-anatomische Museum war ein junger Medizinstudent im sechsten Semester, der auf eine im Grunde zutiefst erschütternde Art und Weise demonstrierte, dass die Verbreitung von Mythen über die Geschichte und die „Fortschritte“ der modernen Medizin – praktisch völlig unbeeindruckt von Befunden historischer Forschungen der letzten Jahrzehnte über die Geschichte und die Grundlagen moderner Naturwissenschaft, wie etwa solche eines Michel Foucault oder diversen anderen, vor allem feministischen Wissenschaftlerinnen – bis heute zur Grundausbildung medizinischen Personals gehört. Los ging es bereits zu Beginn bei einem einführenden Abriss über die Geschichte des „Narrenturms“, der bereits erahnen ließ, in welcher Tonart es den Rest der Führung weitergehen würde.

http://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=aktuelles&index=3&posnr=672

Mechthild Mühlstein hat gesagt…

@ altautonomer

Tomaten ohne gene sind schau. Ich werd, glaub ich, mal meine eltern verklagen, weil sie mir gene mitgegeben haben - und dann auch noch die falschen!

@ troptard

Sicher, wer sich nicht mit fiktiven problemen auseinander setzt, weigert sich, kritisch mit einem thema auseinanderzusetzen. Tut mir leid, ich bin halt ein bißchen dusslig, ich denk halt lieber über realexistierende probleme nach.

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Zumal insgesamt fehlende quellenangaben zu »forschung« kritisiert wurden: biologieunterricht ca. achte oder neunte klasse (lang ists her). Vererbungslehre. Sollte ich die einzige sein, bei der wenigstens für fünf pfennig was hängengeblieben ist?

Troptard hat gesagt…

@all

Es ist in der Tat wohl so, dass auch die Einschätzung darüber, was reale oder nur fiktive Probleme sind, einer sehr subjektiven Einschätzung unterliegen, welches Gewicht ihnen das Subjekt beimessen will, was es an sich heranlässt oder lieber verdrängt.

Ich persönlich neige ganz sicher dazu, die negativen Aspekte der Vergesellschaftung des Subjektes in der bürgerlich kapitalistischen Gesellschaft, sein destruktives Potential im den Vordergrund meiner Betrachtungen zu stellen, als in der aktuellen globalen Entwicklung die positive Ansätze für eine Emanzipation der Menschheit zu suchen.

Für mich hat das dann auch einen sehr bitteren Geschmack, wenn der "Todeskampf" einer durch Monsanto toxaminierten Kleinstadt als Kolleteralschaden kapitalistischer Profitlogik abgehakt wird und die Verwertungslogik, die "leider" immer noch der Nachfrage bedarf, eben aufgebaut auf Leichenbergen, dann dennoch noch einen tieferen Sinn im Sinne eines allgemeinen Fortschritts der Menschheit erfüllt (sh. auch meinen Link zum Thema "Apologie der modernen Medizin").

Da ich mir nicht vorstellen kann, dass es so gemeint sein will, sondern für mich dahinter eine ziemlich unkritische Haltung zur Genforschung steht, deshalb verwundern mich dann auch nicht solche Aussagen, dass es der Menschheit, festgemacht an der Hungerproblematik, unterfüttert mit Zahlen, zwar immer noch nicht gut genug, aber dennoch immer besser geht.

Das erinnert mich an eine Professorin an der Uni von der DKP, die mir ständig vorwarf, ich wäre ihr zu kritisch, weil ich doch auch sehen müsste, dass schon so viel erreicht worden sei.

Ich vermute mal, dass die Differenzen, die auch im Positivismus des Marxismus begründet liegen, und sich aus dem "produktiven" Fortschritt der kapitalistischen Gessellschaft für eine künftige sozialistische ergeben sollen, für mich keinerlei tragfähige Substanz enthalten, sich wesentlch von einer bürgerlich, kapitalistischen zu unterscheiden und auch historisch widerlegt sind.

Insbesondere wenn ich daran denke, wie dass jetzige bürgerliche Subjekt dazu neigt, sich immer wieder kollektiv zu formieren und das Individeum nach seinen kollektiven Vorstellungen ein-und unterzuordnen, Abweichungen vom Kollektiv zu sanktionieren, an jeder Individualität das Mass des kollektiv erwünschten anzulegen.

LG Troptard

Charlie hat gesagt…

Ebenfalls @ all: Ich weiß leider gar nicht, wo genau hier das Problem liegt. Dass die "kernlosen Trauben" ein Griff ins Klo meinerseits waren, ist ja zum Glück gar kein Thema mehr - und zur generellen Entwicklung der Wissenschaften im Kapitalismus lässt sich doch, zumindest aus meiner Sicht, festhalten, dass es hier lediglich ein mehr oder weniger gleichgewichtiges Pro und Contra gibt. Sicher gibt es sinnvoller wissenschaftliche Forschung und Errungenschaften; gleichzeitig gibt es aber auch korrumpierte oder sogar völlig hanebüchene oder gefährliche Beispiele, und das nicht bloß aus den "MINT"-Fächern.

Nach meiner - selbstverständlich subjektiven und damit sehr selektiven - Wahrnehmung nimmt der wissenschaftliche Irrsinn seit Jahrzehnten zwar gehörig zu, aber das kann auch völliger Mumpitz sein: Belegen kann das mangels entsprechender "objektiver" Übersicht wohl niemand.

So bleibt es eben dabei, sich immer mal wieder Beispiele herauszugreifen, um die eine oder andere Seite - oder auch beide - zu beleuchten. Eine Glorifizierung der sog. "grünen Revolution" ist mir beispielsweise ebenso suspekt wie eine strikte Ablehnung jedweder Gentechnologie. Dass ein Konzern wie Monsanto (bald vermutlich zu Bayer gehörig) aber keinesfalls zu den "Guten" gehört, dafür lege ich nicht nur meine Hand, sondern gleich meinen rechten Arm ins Feuer. Die Argumentation, dieser Konzern sei doch schon aus schnöden Profitinteressen nicht am Tode irgendwelcher Menschen interessiert, ist mir denn doch zu flach, um darauf näher einzugehen.

Ich denke, damit sollte die Diskussion hier geschlossen werden, damit dieses wirklich schlechte Posting - ja, ich habe das mit Eselshut in der Ecke stehend eingesehen - in der Versenkung verschwindet. Danke an alle TeilnehmerInnen! :-)

Liebe Grüße!

dlog hat gesagt…

Mechthild Mühlsteins Argument in Form der Frage, weshalb Agrarkonzerne daran interessiert sein sollten, dass Menschen verhungern, lässt sich nicht von der Hand weisen. Der Schaden, den sie anrichten ist allerdings unverkennbar. Muss ich da auf die allseits bekannten Details eingehen? Und wer Saatgut patentiert, führt nichts Gutes im Schilde. Es handelt sich schliesslich nicht um technische Geräte, sondern um Nahrungsmittel, deren "Design" und Verkauf von einer Oligarchie kontrolliert wird, die nur an finanziellem Gewinn interssiert ist. Sollten deren Felder von Plagen heimgesucht oder auf andere Art und Weise "unrentabel" werden, dann werden halt die bis dato erwirtschafteten Gewinne "umgeleitet" und in andere "Projekte" investiert. Dann liegen sie halt brach, die riesigen Flächen, auf denen einst Monokulturen geerntet wurden. "Scheiss drauf".

Was sind im Vergleich dazu schon kernlose Trauben? (Charlie, dass war im schlechtesten Falle ein unglücklicher Vergleich - mir war jedenfalls klar, worauf Du hinauswolltest).

Und Gentechnik? Verhält es sich da nicht so wie auch in allen anderen Forschungsbereichen? Also dass es immer darauf ankommt, wer die Forschung betreibt und mit welchem Ziel?



Mechthild Mühlstein hat gesagt…

@ dlog,

was mich an diskussionen über gentechnik ärgert, ist daß im grunde selten oder nie über die sache selbst geredet wird. Was gentechnik ist, welchen nutzen sie hat und wo die risiken und nebenwirkungen liegen, scheint ehrlich kein schwein zu interessieren.

Stattdessen geht es immer nur um patentrechte und wenn man den namen »Monsanto« fehlerfrei schreiben kann und schon einmal davon gehört hat, welche sauereien dieser konzern den menschen auftischt, dann muß man über gentechnik an sich schon gleich gar nichts mehr wissen.

Die woche hatte ich ein paar zeilen über einen der väter der »grünen revolution«, Norman Borlaug, geschrieben. Der mann aus Iowa ging in den 1940er jahren nach Mexiko. Dort gab es damals ein hungerproblem, weshalb der staat viel geld in forschung investierte, um bessere ernten zu erzielen. Das damalige programm kann durchaus als erfolg gewertet werden, es wurden z.b. weizensorten gezüchtet, die bis zu drei mal höhere erträge hatten und sogar in regionen angebaut werden konnten, in denen zuvor weizenanbau unmöglich war. Das vergleichsweise arme land Mexiko leistete es sich, diese neuentwicklungen zur weiterzucht anzubieten, wodurch auch anderswo der hunger gelindert werden konnte. Bei den heutigen möglichkeiten wäre da mit sicherheit noch einiges drin. Nur leistet sich kein staat mehr solche forschungsprogramme. Und das reiche Deutschland schon gar nicht, weil man hier, wenn über gentechnik nur laut nachdenkt, sofort die »Monsantopompfe« auf die omme kriegt.

Es ist ein denkfehler, bei gentechnik auch immer gleich an patente zu denken. Auch konventionell gezüchtete pflanzen können patentiert werden. Wer einen pfirsichbaum hat, kennt vielleicht das problem: diese bäume sind anfällig für eine pilzekrankung, die man kräuselkrankheit nennt. Wenn ein baum befallen ist, kann man ihm entweder beim sterben zuschauen oder ihn mit fungizid behandeln. Letztens habe ich im gartenmarkt gesehen, daß es eine neue sorte gibt, die dagegen resistent ist. Teuer allerdings und patentiert, darf man nicht zum veredeln anderer bäume benutzen. Das wäre sonst eine raubkopie.

Das ist halt kapitalismus: das gejaule von jedem popsternchen ist rechtlich geschützt und nützliche dinge leider auch. Das wird alles zum geldverdienen gemacht - nur daß hinter neuzüchtungen von pflanzen oft jahrzehntelange arbeit und eine ganze menge fachwissen steckt.

Charlie hat gesagt…

Mir reicht das jetzt - diese völlig absurde Diskussion über den Sinn und Unsinn bzw. die Nützlichkeit und Gefährlichkeit der Gentechnologie im Rahmen des bestehenden kapitalistischen Systemes ist nunmehr beendet.

Es steht ja jeder und jedem frei, ein solches explizites Thema anderswo zur Diskussion zu stellen. Ebenso ist freilich auch jedem Menschen, der sich dazu näher äußern möchte, die Möglichkeit eingeräumt, mir einen entsprechenden Text per Mail zu schicken, damit ich ihn hier als Gastbeitrag einstellen kann: Dort könnte die - aus meiner Sicht völlig redundante, weil systemimmanente - Scheindiskussion dann fortgeführt werden und ich könnte mich haareraufend heraushalten und stattdessen lieber voller Genuss ein Jägerschnitzel essen oder eine Zigarre rauchen.

Und falls irgendjemand tatsächlich immer noch dem naiven Wunschdenken nachhängt, irgendeine Technologie oder Wissenschaft könne im Kapitalismus anderen Interessen als dem schnöden Profit folgen und dienen, kann sowieso gewiss sein, dass mein Schädel blutverschmiert und regungslos auf der Tischplatte ruht und ich sowieso zu keiner weiteren Anmerkung mehr in der Lage bin.

Letzteres kann ich aber nicht versprechen. ;-)

Liebe Grüße!