Ein Dichter bin ich und ich schreibe
mir die Dunkelheit vom Leibe,
damit ihr nicht, wie den von Kleist,
mich nackt in eine Grube schmeißt,
bevor aus deutscher Finsternis
ich mir ein Stückchen Leben riss.
Ich grüß, getrost auf Messers Schneide,
Herrn Walther von der Vogelweide,
der auch in diesem Vaterland
erst unterm Rasen Ruhe fand -
in Würzburg, wo ein Knecht hernach
des Riemenschneiders Hände brach.
Ja, Hochverrat und Hirngespinste
nennt dieses Volk die schönen Künste:
So zog in eines Feuers Rauch
von dannen Quirin Kuhlmann auch -
ach, endlos ist die Litanei
des Leids im Lande Vogelfrei.
Oh Land der Träumer und der Toten:
dem Tod sie ihre Stirne boten,
und mussten doch ins Dunkel fliehn
wie jener Friedrich Hölderlin,
der, dass er unter Deutsche kam,
sich doch zu sehr zu Herzen nahm.
Wie in Paris einst Heinrich Heine,
so lieg ich schlaflos nachts und weine.
Oh Volk, das sich bei Marschmusik
dreht um den Hals den eignen Strick:
Du hast die Freiheitsmelodien
den deutschen Dichtern nie verziehn.
Oh Volk der treuen Untertanen,
mit Hakenkreuz und Abgasfahnen,
im Land, das mir einst Heimat war,
mit Apfelbäumen, Mädchenhaar,
das meinen Mund mit Schweigen schlägt -
und das mir doch das Herz bewegt.
(Volker von Törne [1934-1980], in: "Im Lande Vogelfrei. Gesammelte Gedichte", Wagenbach 1981)
Die Junge Welt (und meines Wissen einzig diese Zeitung) berichtet aktuell von den jüngsten Anschlagsplänen der neoliberalen Terrorbande auf die Schwachen dieser Gesellschaft:
Man will das Zweite Sozialgesetzbuch (SGB II) für die Verwaltung "vereinfachen", wird es aber, wie nach außen gedrungene Dokumente belegen, für "erwerbsfähige" Leistungsbezieher teils drastisch verschärfen. Nun wurde bekannt: Kranke, Behinderte und Rentner, die Grundsicherung nach dem Zwölften Sozialgesetzbuch (SGB XII) beziehen, müssen mit ähnlichen Einschnitten rechnen.
Das sollte sich jede/r aufmerksam durchlesen - ebenso wie den zugrundeliegenden "Arbeitsentwurf eines Gesetzes zur Änderung des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch (Stand: 13.02.2015)" (pdf), den der Sozialrechtler Harald Thomé dankenswerter Weise ins Netz gestellt hat. Da bleiben keine Fragen hinsichtlich der Gesinnung dieser Bande mehr offen: Auf Alte, Kranke und Behinderte wird nunmehr ebenso hemmungslos eingedroschen wie auf Arbeitslose - je weniger sich ein Mensch noch wehren kann, desto härter wird ihm staatlicherseits brutal in die Fresse getreten.
Ich will auf einzelne Punkte aus diesem menschenfeindlichen Klopapier gar nicht näher eingehen, weil sie allesamt den braunen, faschistischen Geist einer längst vergangen geglaubten, widerwärtigen Zeit ausdünsten - wer des Lesens und Verstehens kundig ist, wird bei der Lektüre ebenso wie ich eine mehr als nur gruselige Gänsehaut am ganzen Körper nebst gewissen Gewaltfantasien verspüren.
Der Hartz-Terror war nicht das Ende, sondern lediglich der Beginn des erneuten kapitalistischen Feldzuges gegen "unnütze Esser" und "unwertes Leben". Wir dürfen uns auch hierzulande in Bälde auf amerikanische, griechische und letzten Endes äthiopische Verhältnisse freuen, wenn dieser Bande nicht endlich das perfide Handwerk gelegt wird. Es erfüllt mich mit vollkommener Fassungslosigkeit, dass diese verkommene Bagage angesichts der allseits bekannten (und gewollt herbeigeführten) dramatischen Entwicklungen in Sachen Armut auch in Deutschland trotzdem wie vom blanken Irrsinn getrieben weitermacht und die pure Bösartigkeit ihrer perversen Strategie sogar noch weiter verschärft.
Da geschieht nichts "versehentlich" - wenn diese Figuren nun auch den Alten, Kranken und Behinderten ihre Springerstiefel elitären, mit Rasiermesserklingen ausgestatteten Lackschuhe schamlos ins Gesicht treten, dann tun sie das bewusst und in voller Absicht. Das sind die "freiheitlich-demokratischen, westlichen Werte" des Jahres 2015 in Deutschland.
Und jetzt gehe ich kotzen, bis meine Galle glüht.
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Der Morgenweg zum Amt
(Kreidelithografie von Walter Gramatté [1897-1929] aus dem Jahr 1918, unbekannter Verbleib)
Mit Inkrafttreten des Gesetzes gegen unseriöse Geschäftspraktiken am 9. Oktober 2013 wurden die gesetzlichen Regelungen über nervende Werbeanrufe verschärft. Die mögliche Bußgeldhöhe wurde von 50.000 Euro auf 300.000 Euro angehoben. Auch sind seit der Gesetzesänderung Werbeanrufe, die mittels einer automatischen Anrufmaschine durchgeführt werden, bußgeldbewehrt. Dieses Gesetz ist aus Sicht der der Call-Center und insbesondere deren Betreiber jedoch ein rechtsfreier Raum, denn das Geschäft muss wohl dermaßen profitabel sein, dass sich die Personalkosten, die Investitionen in ein Großraumbüro und die einkalkulierten Bußgelder beim Erwischtwerden immer noch amortisieren. So gingen beispielsweise von Juli bis Dezember 2009 über 28.000 Beschwerden wegen unerlaubter Telefonwerbung bei der Bundesnetzagentur (BNA) ein, von denen nicht einmal 10% in ein Bußgeld mündeten.
Während kurz nach der Gesetzesnovelle einige Werbezentralen mit der verbotenen Rufnummerunterdrückung noch einige Monate eine Meldung des belästigten "Verbrauchers" bei der BNA verhindern konnten, haben sich die Trickser inzwischen eine neue Masche, die im Merkblatt der BNA noch gar keine Berücksichtigung bei der Verbraucheraufklärung findet, einfallen lassen, mit der sie das Verbot neuerdings - angeblich juristisch einwandfrei - umgehen.
Es folgt ein persönlicher Erfahrungsbericht - aber der Reihe nach:
Ich habe niemals an irgendwelchen Gewinnspielen, Preisrätseln oder Umfragen teilgenommen und auch niemanden um einen Anruf gebeten. Mein Festnetzanschluss ist in keinem Telefonbuch vermerkt, meine Rufnummer bei ausgehenden Anrufen unterdrückt. Und trotzdem wurde ich im März über mehrere Wochen regelmäßig von Werbeanrufen belästigt (Namen der Call-Center-Sklaven und der Betreiber wurden von mir im Folgenden geändert). Dabei waren die Akteure rhetorisch dermaßen plump und einfallslos, dass ich das System bereits beim zweiten Anruf durchschaut hatte.
Eines Tages klingelt das Telefon. Im Display eine mir unbekannte Nummer mit Hamburger Vorwahl. Ich hebe ab:
Ich: Ja, bitte? Weibliche Stimme: Mein Name ist Janine Kempf, ich hätte gern mit Frau Karin Rothe gesprochen. Ich: Da haben Sie sich wohl verwählt. Welche Nummer hat Frau Rothe denn?
(Sie nennt meine Festnetznummer und erklärt dazu, Frau Rothe habe per E-Mail um einen Rückruf gebeten.) Ich: Da hat sich Frau Rothe wohl vertan. Janine: Da ich Sie aber gerade in der Leitung habe, würde ich Ihnen gerne unsere Mobilfunk-Sondertarife der "funkfit" vorstellen, die sicher auch für Sie interessant sein könnten.
(Ich will reingrätschen und sagen, dass ich nicht interessiert bin, doch sie rasselt ohne Luft zu holen weiter.) Janine: Wir könnten Ihnen z.B. zwei Prepaid-Karten zum Preis von einer anbieten.
(Mir reicht's. Ich schalte auf Angriff.) Ich: Hören Sie mal, was Sie hier machen, ist verbotene Telefonwerbung. Ich habe Ihre Nummer notiert. Sie werden demnächst Post von der Bundesnetzagentur bekommen. Janine: Wieso das denn, ich habe Sie doch gar nicht angerufen, sondern wollte Frau Rothe sprechen. Ich: Ja, nee, is' klar. Und der Papst ist Moslem.
Danach habe ich aufgelegt. Beim nächsten Anruf ein paar Tage später, wieder mit Hamburger Vorwahl im Display, eine männliche Stimme: Frank Storchmann von der Firma "Callmobile", der ebenfalls Frau Rothe sprechen möchte und mich fragte, wie denn mein Name sei:
Ich: Ich bin der Sohn von Frau Rothe und hüte momentan ihr Haus, weil sie verreist ist. Wie kommen Sie überhaupt an diese Telefonnummer?
(Er geht gar nicht auf meine Frage ein.) Frank: Herr Rothe, wie wäre es denn, wenn ich Ihnen bei dieser Gelegenheit einmal unsere Sonderkonditionen für Handytarife vorstelle? Ich: Ich habe kein Handy und Sie rufen hier einfach ohne meine Zustimmung an, das kann teuer werden. Frank: Ihre Frau Mutter hat an einem Gewinnspiel teilgenommen und ihre Telefonnummer für Werbezwecke freigegeben. Dass nun Sie sich melden, konnte ich nicht ahnen.
(Das stimmte natürlich nicht, wie sich später herausstellte - siehe weiter unten.) Ich: Herr Stroh..., äh, Storchmann, ich nehme unser Gespräch ab jetzt auf Band auf, sind Sie damit einverstanden?
(Meine Basisstation hat wirklich diese Funktion. Frank legte jedoch einfach wortlos auf.)
Eine Weile machte ich mir einen Spaß daraus, die Anrufer auf eine immer wieder andere Art zu verarschen - bis es mir schließlich zu viel wurde, weil die Netzagentur trotz meiner wiederholten Beschwerden erst reagierte, nachdem ich mich beim Bundesministerium beschwert und beim letzten Mal nach dem Abheben des Telefonhörers (wieder Hamburger Vorwahl im Display, und es war ganz sicher nicht Thomas Ebermann oder Rainer Trampert dran) auch gleich mit den Worten "Fick dich ins Knie!" verabschiedet und aufgelegt hatte.
Das System ist folgendermaßen aufgebaut: Es wird in einem Ortsnetz eine x-beliebige Festnetznummer mit niedriger Endziffer ausgesucht. Name und Anschrift des Teilnehmers stehen ja meist im Telefonbuch. Dann wird mit einem IT-Programm automatisch diese Nummer angewählt, jedoch mit jeweils anderer Endziffer. So ist garantiert, dass unter der Vortäuschung des Verwählens neue potenzielle Kunden bzw. Werbeopfer kontaktiert werden können, ohne dass das Gegenteil bewiesen werden kann.
Frau Rothe (72) wohnt in meiner Heimatstadt, nicht weit von meiner Wohnung entfernt, und hat eine bis auf die letzte Ziffer identische fünfstellige Rufnummer wie ich. In der fraglichen Zeit habe ich mehrmals mit ihr telefoniert und sie auf dem Laufenden gehalten. Sie selber habe nie einen Werbeanruf erhalten, sagte sie mir. Sie versende auch keine E-Mails, nehme an keinen Gewinnspielen teil und habe auch niemals und niemanden um einen Anruf zu irgendeiner Produktinformation gebeten. Allerdings sei sie schon einmal von einem anderen Mann angerufen worden, der ihr dasselbe geschildert habe.
Fazit: Dieses Verbraucherschutzgesetz ist wieder einmal ein Placebo.
Anmerkung: Wer dieses sinfonische Meisterwerk der zerbröckelnden Romantik noch nicht kennt, sollte sich unbedingt Muße, eine möglichst gute Musikanlage nebst guten Kopfhörern, eine entsprechende Lautstärke und eine abgedunkelte Umgebung gönnen. Insbesondere - aber keineswegs ausschließlich - ist hier der vierte Satz dieser Sinfonie mit seiner sich zeitweilig auflösenden Harmonik und dem berühmten und bis dahin meines Wissens einzigartigen "Paukenduell" hervorzuheben. Wenn ein Musikstück in die finstere Zeit zwischen 1914 und 1916 - und damit auch in unsere aktuelle, schaurige Welt - passt, dann ist es nach meinem Empfinden dieses.
Das böse Erwachen kommt heute wie damals kurze Zeit später, nachdem der Schlussakkord in strahlendem Dur schon verklungen ist: Das "Unauslöschliche" erwies sich bereits damals leider als durchaus auslöschbar; und nichts, wirklich gar nichts spricht dafür, dass es heuer anders verlaufen könnte.
Sie machen unbeirrt weiter. Die Propagandafront steht stramm wie kalter Stahl im herrschaftlichen Darmwind, und so verkündet der WDR, bar jeder auch nur ansatzweise erkennbaren Scham, nun einfach frank und frei:
Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist auf dem Rückzug, die Quoten sind so niedrig wie zuletzt vor 24 Jahren. Doch für rund eine Million Langzeitarbeitslose gibt es dennoch kaum Hoffnung auf eine Perspektive. Für Qualifizierungs- oder Beschäftigungsprogramme fehlt das Geld.
Das lassen wir mal sacken. So viele Lügen und abstruse Behauptungen in so wenigen Worten - das muss man erst einmal schaffen. Dass die "offiziellen" Zahlen zur Arbeitslosenstatistik bis ins Groteske gefälscht sind, interessiert den Qualitätsjournalisten unbezahlten Praktikanten, der den Sermon schreiben musste, nicht. Wenn das Regime sagt, dass die Zahlen stimmen, stimmen sie eben. Wer will da schon nachforschen oder dumme Fragen stellen? Orwell hat in seinem Roman "1984" dieses Prinzip des "Doppeldenkens" perfekt beschrieben: "Die Schokoladenration wird ab sofort [von vormals 30 Gramm] auf 25 Gramm heraufgesetzt." So wunderbar herrschaftstreu sind unsere Medien heute allenthalben. Volker Pispers meint dazu:
Doch, oh weh, da gibt es in der schönen, glitzerbunten neoliberalen Statistik diese verfluchten "Langzeitarbeitslosen" - von denen sich auch gleich einer am Nasenring vorbildlich durch die böse Arena führen lässt und nicht müde wird zu beteuern, dass er so gerne ein devoter Sklave wäre, wenn die Herrschaft es ihm doch bloß erlaubte. - Wie kann es nur sein, dass dieser Lump trotzdem immer noch nichts zur Vermehrung der Reichtümer der "Elite" beiträgt? Leute wie diese können eigentlich nur asoziale Faulenzer - die Nazis nannten sie schlicht "Untermenschen" - sein, da sie trotz der massiven Unterstützung durch die "Jobcenter" partout keine Arbeit finden und immer noch so tun, als seien sie "bedürftig".
"Arbeit" - egal zu welchem Lohn, zu welchen Bedingungen und zu welchem Zweck - soll schließlich das Hauptziel für jeden Menschen auf diesem Planeten sein: Das jedenfalls ist das menschenfeindliche, hanebüchene Credo der korrupten Bande der Stiefellecker aus dem feudalen Dunstkreis der neoliberalen Politik, das sich in irrsinnigen Worthülsen manifestiert wie "Sozial ist, was Arbeit schafft". Dieser Spruch könnte indes problemlos bereits vor 80 Jahren in die Welt gekotet worden sein und befindet sich auf demselben braunen Niveau wie eine Aussage wie "Liebevoll ist, was Kinder (also künftige Soldaten / Arbeitssklaven / willfährige Untertanen) schafft".
Aber folgen wir dem Text weiter: Nun erfahren wir vom Qualitätsjournalisten unbezahlten Praktikanten, dass leider, leider das Geld fehlt, um den asozialen Faulenzern bei der Optimierung ihrer Sklavenfähigkeiten zu helfen. An dieser Stelle des Textes muss ich aussteigen, weil der Irrsinn überhand nimmt, und ich muss den dämlichen WDR-Vasallen, die dieses absurde Pamphlet verbrochen haben, derbe in den propagandistisch arg geröteten Arsch treten - auf dass sie wie in Dagobert Ducks Geldspeicher in die überquellenden, giftigen und zusammengestohlenen Milliarden ihrer widerlichen Auftragsgeber fallen und dort hoffentlich schnell ersaufen.
Diese kapitalistische Welt - und mit ihr diese absurde Presselandschaft - ist nicht mehr nur bizarr; sie ist so hanebüchen, realitätsfremd und menschenfeindlich, dass mir nicht einleuchten will, weshalb eine signifikante Anzahl noch halbwegs klar denkender Menschen dieser offensichtlichen Groteske nach wie vor folgt.
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Börsianerlenz
"Sieh nur, Kurt, wie die Lerchen steigen!" - "Wie hoch stehn sie denn jetzt -?"
"Der Marsch" ist ein Spielfilm des Regisseurs David Wheatley über den Auswanderungsdruck aus den Entwicklungsländern. Der Film stammt aus dem Jahr 1990 und basiert auf einem Roman von William Nicholson, der auch das Drehbuch verfasst hat. Das Szenario des Films geht von einer unbestimmten Zukunft aus, in der aufgrund des Klimawandels große Teile Afrikas unbewohnbar geworden sind und zeitgleich in Europa die rassistischen Spannungen stark zugenommen haben. Als monokausale Ursache des "Marsches" - also der Flucht der betroffenen Menschen nach Europa - wird fälschlicherweise einzig der Kimawandel herangezogen.
Zu Anfang des Filmes wird ein Schwarzer von der Filmfigur Clare Fitzgerald, der irischen "Kommissarin für Entwicklung" bei der Europäischen Gemeinschaft, interviewt. Er sagt (geringfügige Änderungen und Ergänzungen vom Verfasser): "Ich habe gelesen, dass ihr für eure Haustiere durchschnittlich 200,00 Euro im Jahr ausgebt. Wir möchten gerne eure Haustiere sein. Nehmt uns dafür, denn wir sind stubenrein, genügsam und im Unterhalt billiger als Haustiere, weil die meisten von uns bereits jetzt von weniger als 200,00 Euro im Jahr leben müssen."
In Deutschland wird von privaten Haushalten mehr Geld für Tiernahrung ausgegeben als die Summe des Staatsetats manch eines afrikanischen Landes beträgt. Soviel zur Polemik des Films. Eine sehr gute Kritik dazu findet sich hier:
Unvermittelt ist der Hunger als Ergebnis von fünf regenlosen Jahren, als naturgegebene Katastrophe, Ausgangspunkt der Filmhandlung. Die Ursachen für diese Katastrophe und andere Krisen, wie Bürgerkriege, werden nicht genannt. Weder die ökologischen, noch die politischen, sozialen und ökonomischen Auswirkungen werden als Ergebnis von jahrhundertelanger Ausbeutung, Raub und Vernichtung in Afrika angesprochen. Der "Zivilisationstransfer" als Hauptursache vieler Krisen wird genauso verschwiegen, wie die als humanitär ausgegebenen Militäraktionen mit ihren verheerenden Folgen, und wie die Folgen der Entwicklungshilfe. / Der Film erzeugt ein Gefühl der Bedrohung und Angst.
Er fügt sich daher propagandistisch sowohl positiv, als auch negativ in die Zeit der "Wende" und der damaligen Pogrome in Solingen, Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen etc. ein.
Zum Schluss eine Bemerkung zu der von konservativen Politikern häufig geäußerten Abwehrbehauptung, Europa könne "nicht alle Flüchtlinge dieser Welt aufnehmen": Heute noch fließen nachweislich mehr Waren und Rohstoffe aus Asien, Lateinamerika und Afrika in die "Erste Welt" als umgekehrt - inkl. der sog. Entwicklungshilfe. Es ist daher kein Ende der postkolonialistischen Ausbeutung in Sicht.
Anmerkung des Kapitäns: Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann sich den Film momentan - allerdings in einer leider furchtbaren Bild- und Tonqualität - auf youtube ansehen. Ich habe das getan und kann dem obigen Fazit nur zustimmen: Hier wird weniger die Empathie des Zuschauers oder dessen Solidarität mit Flüchtlingen gefördert, sondern eher eine diffuse, gar ins Bedrohliche driftende Angst, die letztlich nur zur weiteren Radikalisierung des ohnehin schon erblühenden Rassismus' im "freiheitlich-demokratischen" Europa führt (dazu möchte ich dringlichst das Buch "BrandSätze. Rassismus im Alltag" von Prof. Siegfried Jäger vom Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung empfehlen, das hier als pdf kostenlos abgerufen werden kann). - Ob die Macher des Films das so auch beabsichtigt haben, weiß ich aber natürlich nicht. Schaut selbst:
(The Vision Bleak: "The Night of the Living Dead", aus dem Album "The Deathship Has a New Captain. 9 Songs of Death, Doom and Horror", 2003)
It was a chilly eve as fog rose from the tombs
and owls were howling, proclaiming our doom.
Look and behold! Shadows walking,
The dead are calling ...
This is the night of the living dead,
A nightmare -
The devil's called his creatures,
all are out to get your head!
This is the night of the living dead -
Oh Baby, this is the night of the undead ...
They creep and crawl down from the hills,
with penetrating stench, the air is slowly filled.
Look and behold! Shadows walking,
The dead are calling ...
This is the night of the living dead,
A nightmare -
The devil's called his creatures,
all are out to get your head!
This is the night of the living dead -
Oh Baby, this is the night of the undead ...
Anmerkung: An diesen Song musste ich unwillkürlich denken, als ich kürzlich nach längerer Abstinenz mal wieder in die "City" musste und mit den konsumwütigen Zombiehorden, die dort in Massen wie gedanken- und bewusstlos durch die schrille Einkaufshölle der glitzernden Fassaden stapften, konfrontiert wurde. Die üblichen und deutlich sichtbar zunehmenden kapitalistischen "Kollateralschäden" - wie beispielsweise Obdachlose, Bettler, herumirrende, offensichtlich narkotisierte Gestalten oder Alte, die in Mülleimern nach Pfandflaschen oder sonstigen "Wertgegenständen" suchen - gehörten wie selbstverständlich dazu, und kaum jemand nahm irgendeine erkennbare Notiz davon.
"Welch ein furchtbarer Horror", dachte ich noch, als ich mich endlich wieder auf der Rückfahrt ins ländliche, abgelegene Idyll - froh, der Zombiehölle einmal mehr entkommen zu sein - befand. Dort angekommen, musste ich mich aus Gründen, die ich hier nicht erläutern will, tatsächlich des Sonntags in die örtliche Kirche begeben. Dort erlebte ich das Folgende:
In gebührlichem Abstand zum Eingang der Kirche saß ein offensichtlich völlig verarmter, "südländisch" aussehender Mensch in zerrissener Kleidung, der eine Dose in den Händen hielt und ansonsten nichts tat - er sprach nicht, er gestikulierte nicht, er war völlig regungslos und blickte die vorbeilaufenden KirchgängerInnen lediglich an. Das war alles. Ich war gespannt, was sich nun ereignen würde und stellte mich etwas abseits unter einen Baum, rauchte eine Zigarette und beobachtete.
Ich fürchte, dass jeder schon ahnt, wie die Geschichte weiterging: Niemand beachtete den Mann - die an ihm vorbeigehenden "Gläubigen" unterließen es konsequent, ihn auch nur eines einzigen direkten Blickes zu würdigen, und es dauerte keine zehn Minuten (eher waren es fünf), bis der hochverehrte Herr Pfarrer persönlich erschien und den Mann leise, aber bestimmt des Platzes verwies.
Als ich meine Zigarette aufgeraucht hatte und das "Gotteshaus" äußerst widerwillig ebenfalls betrat, sprach mich im Foyer direkt eine ältere Dame in empörtem Tonfall an (Originalzitat): "Diese Penner werden aber auch immer dreister! Ist das eigentlich erlaubt?" - Ich hätte gerne geantwortet: "Zombie, geh' doch endlich Gehirne fressen - vielleicht wirkt's ja!", aber leider hat's nur zu einem gezischten "Ich finde es extrem beschämend, wie Sie sich hier verhalten" gereicht. Die Empörung der nach Luft schnappenden Dame wuchs dennoch und sie würdigte nunmehr mich keines Blickes mehr. Auch die Umstehenden sahen mich entgeistert an - mein relativ geruhsames Leben in der scheinbaren Dorfidylle ist nun wohl vorbei.
Das Thema der Predigt des "Gottesdienstes", dem ich sodann unter üblen Brechreizattacken folgen musste, lautete zu allem Überfluss: "Unsere christliche Solidarität mit Flüchtlingen", und die versammelte Gemeinde warf zwischen den frommen Liedern und Gebeten fleißig Spenden in den "Klingelbeutel".
Allerspätestens seit diesem surrealen Erlebnis weiß ich: Der obige Song sollte (wohl nicht nur) in dieser Kirche zur ständigen Beschallung eingesetzt werden. Zombieland ist überall in Deutschland - gewiss nicht nur in den Großstädten.
I
Auf lauten Linien fallen fette Bahnen
Vorbei an Häusern, die wie Särge sind.
An Ecken kauern Karren mit Bananen.
Nur wenig Mist erfreut ein hartes Kind.
Die Menschenbiester gleiten ganz verloren
Im Bild der Straße, elend grau und grell.
Arbeiter fließen von verkommnen Toren.
Ein müder Mensch geht still in ein Rondell.
Ein Leichenwagen kriecht, voran zwei Rappen,
Weich wie ein Wurm und schwach die Straße hin.
Und über allem hängt ein alter Lappen –
Der Himmel ... heidenhaft und ohne Sinn.
II
Ein kleines Mädchen hockt mit einem kleinen Bruder
Bei einer umgestürzten Wassertonne.
In Fetzen, fressend liegt ein Menschenluder
Wie ein Zigarrenstummel auf der gelben Sonne.
Zwei dünne Ziegen stehn in weiten grünen Räumen
An Pflöcken, deren Strick sich manchmal straffte.
Unsichtbar hinter ungeheuren Bäumen
Unglaublich friedlich naht das große Grauenhafte.
(Alfred Lichtenstein [1889-1914], in: "Dichtungen". Arche 1989. Erstdruck Teil I in: "Die Aktion", Nr. 7, 1912; Teil II in: Ebd., Nr. 32, 1912.)
Nachdem ich vor einigen Tagen über die lapidare Nachricht gestolpert bin, dass die korrupte Bande - nun in trauter christ- und sozialdemokratischer Eintracht - den nächsten Versuch zu Einführung der grundgesetzwidrigen Totalüberwachung aller BürgerInnen dieses Landes auf den Weg gebracht hat, hatte ich eigentlich vor, etwas mehr dazu zu schreiben. Neben einem für öffentlich-rechtliche Verhältnisse vergleichsweise kritischen Text von Jörg Schieb beim WDR ist mir nun aber der Kollege flatter vom Feynsinn-Blog zuvorgekommen. Dessen Ausführungen zum Thema ist in der Tat kaum etwas hinzuzufügen - da gilt eine strikte und nachdrückliche Leseempfehlung.
Diese Bande schert sich nicht einmal ansatzweise um das Grundgesetz und erst recht nicht um höchstrichterliche Urteile dazu - allmählich schwindet meine (letzte verbliebene) Hoffnung, dass das Bundesverfassungsgericht und der Europäische Gerichtshof diesem stetig wiederholten Ansturm der feuchten Totalüberwachungsfantasien der "Elite"-Marionetten dauerhaft wirklich standhalten können - bzw. wollen bzw. "dürfen".
Besonders hervorzuheben ist im aktuellen Fall - neben der wie immer standhaft verfassungsfeindlichen Konsequenz der Union in dieser Frage - selbstredend die Verräterpartei der asozialen Antidemokraten (SPD). Schieb schreibt dazu:
Obwohl [der Minister für staatliche Gewalt und Allmacht] Heiko Maas [SPD] die VDS noch vor einigen Wochen vehement abgelehnt hatte, ist er jetzt vorne mit dabei und setzt sich für eine VDS 2.0 ein. / (...) Wer sich intensiver mit der Thematik beschäftigt und sich nicht zum Unterstützer eines Überwachungsstaates machen möchte, muss deshalb früher oder später zu dem Schluss kommen: Der Schaden ist weitaus schlimmer als der Nutzen. Vor allem, weil es kaum [gar keine, Anm.d.Kap.] Belege dafür gibt, dass mit der Vorratsdatenspeicherung deutlich mehr Straftaten aufgedeckt werden können. Verhindert schon gar nicht. Denn dann müssten wir angesichts der von der NSA angehäuften Daten uns ja über eine nahezu 100-prozentige Aufklärungsrate freuen dürfen.
Inzwischen reichen für die "GenossInnen" bereits "einige Wochen" aus, um von der einst propagierten Meinung zum genauen Gegenteil zu konvertieren - das grenzt schon fast an die bizarren Merkel'schen Verhältnisse. Inzwischen müsste aber sowieso jedem klar sein, dass diese Gestalten allesamt austauschbar sind: Wenn Maas, Gabriel, Merkel, "die Misere" und all die anderen aktuellen Sockenpuppen den schmierigen Job auf dem Weg in die Diktatur nicht mehr machen, werden es eben irgendwelche neuen Klone aus den schier endlosen Reihen der korrumpierten, eigennutzfixierten Schlips-Borg tun, die heute schon wild mit den Hufen im braunen Schlamm scharren und ihre Schäfchen ebenfalls ins Trockene bringen wollen - je mehr, desto besser.
Lest den flatter. Er hat - leider, leider, leider! - recht.
Mein heutiger Fluchtexkurs in die Virtualität führt in die Welt des deutschen Entwicklerstudios Piranha Bytes und deren Spiel "Risen" aus dem Jahr 2009. Dieser Nachfolger der wohlbekannten Gothic-Reihe war für mich persönlich das - nach "Fable" - zweite Rollenspiel dieser Art, das ich überhaupt gespielt habe. Und, um das Fazit vorwegzunehmen, es bleibt für mich eines der besten Spiele, die auf diesem Gebiet bisher entwickelt worden sind.
Zur Geschichte gibt es nicht viel zu sagen: In altbewährter Gothic-Tradition findet sich der Spieler am Beginn als natürlich "namenloser Held" als Schiffbrüchiger am Strand einer ebenso namenlosen Insel wieder, von wo er sich sodann aufmacht, eben diese zu erkunden und sie nebenher vor dem Untergang zu bewahren. Der Rahmen dieser Geschichte ist sehr krude und lautet verkürzt so: Die Götter, die seit Urzeiten herrschten und die Titanen im Zaum hielten, haben die Welt verlassen, weshalb nun der Untergang der Welt durch jene, nun entfesselten Titanen droht. Es versteht sich von selbst, dass es auch in dieser Geschichte einen größenwahnsinnigen Vollidioten (nämlich den Inquisitor Mendoza) gibt, der meint, die bösen Mächte beherrschen und für seine eigenen Zwecke nutzen zu können - ganz so, wie es ähnliche Gesellen in unserer realen Welt auch heute immer noch tun.
Bis dieser lächerliche CDU-Trottel im Vorbeigehen besiegt werden kann, vergehen viele Stunden voller Spielspaß, die es in sich haben: Der namenlose Held hat unzählige Quests zu erledigen, die ihn sowohl bezüglich des Kampfes, als auch in Sachen sozialer Kompetenz stetig voranbringen. Der Spieler hat die Wahl, ob er aus seinem Helden einen kraftstrotzenden Kämpfer, einen mächtigen Magier, einen weisen Alchemisten, einen fiesen Dieb oder einen fabulösen Schmied machen möchte - oder ob er eine wilde Mixtur all dieser Fähigkeiten bevorzugt.
Zu Beginn muss man sich bereits entscheiden, ob man lieber den Weg des Magiers oder den des Kämpfers bevorzugt - das Spiel nimmt einem unwilligen Spieler die Entscheidung allerdings ab, indem es den namenlosen Helden, wenn der Spieler nicht aufpasst, ziemlich schnell als Zwangsrekrut in die Magierfestung katapultiert. Wer das nicht möchte, sollte dem Rat des ersten Banditen, dem man im Spiel begegnet, schnell Folge leisten.
Wie in solchen Spielen gewohnt, gibt es für jede erledigte Aufgabe Erfahrungspunkte, die regelmäßig zu Level-Aufstiegen führen. Über die damit verbundenen Lernpunkte kann der Spieler frei verfügen und bei verschiedenen Lehrern im Spiel ganz unterschiedliche Fertigkeiten erlernen. Besonders hervorheben möchte ich hier die Waffenart der Armbrust, die in anderen Spielen dieser Art eher selten vorkommt. Bogenschießen in "Skyrim" macht schon Spaß - aber gegen die Armbrust in "Risen" kann das nicht anstinken.
Das Spiel ist anfangs sehr leicht, wird zunehmend aber immer schwieriger. Die aus "Gothic III" (das ich persönlich erst später gespielt habe) bekannte Taktik, aus einer größeren Gruppe mittels Fernkampfwaffe einzelne Gegner herauszulocken, um sie dann leicht nacheinander zu erledigen, funktioniert hier leider nur sehr selten. Dafür kann man in Gefahrensituationen fast immer die Beine in die Hand nehmen und vor den Feinden fliehen - oder sie zu Verbündeten führen, die sie dann bekämpfen.
Ein totaler Stilbruch ist allerdings der Endkampf mit dem Feuertitan, den man angesichts der zuvor im Spiel verbrachten vielen Stunden einfach nicht ernstnehmen kann. Hier haben die Entwickler offensichtlich Konzessionen mit billigen Konsolenspielen gemacht - anders ist das alberne Herumgehopse, das man hier absolvieren soll, nicht erklärbar. Es ist schade, dass hier kurz vorm Orgasmus ein so lächerlicher coitus interruptus eingebaut wurde.
Die Grafik des Spiels ist zeitgemäß, die deutsche Sprachausgabe ist professionell, die Musik ist minimalistisch, aber passend. Ich habe nach "Risen" kein Rollenspiel mehr gespielt, das mir mehr Spaß gemacht und das mich mehr in seinen Bann gezogen hat. Auch der Vorgänger "Gothic III" und der Nachfolger "Risen II" (über die ich beide sicher noch schreiben werde) können daran nichts ändern. Wer das Spiel noch nicht ausprobiert hat, sollte das dringlichst tun.
O Lord, save my sinful soul
From local punishment
From the far-away zone
From being frisked
From the tall fence
From the severe prosecutor
From the Devil or from the devil owner
From small rations
From dirty water
From steel handcuffs
From hidden obligations
A cold cell
And short haircuts
Save us from the death penalty
Amen
Amen
Amen
Anmerkung: Der Text dieses Songs ist laut CD-Booklet die ins Englische übertragene Version eines "russischen Häftlingsgebets" aus der dunklen Zeit Stalins und der Gulags. Das Album wurde kurz nach dem tragischen Tod des Sängers John Balance [1962-2004] veröffentlicht und gehört nach meinem Empfinden zu den besten Arbeiten dieser großartigen Ausnahmeband.
Ganz am Rande: Wer auf dem Cover lediglich einen "brüllenden Affen mit zum Gebet erhobenen Händen" erkennt, sollte sich das Bild einmal auf dem Kopf stehend ansehen und dabei an das böse Szenario einer Kastration denken.
Die widerliche, menschenfeindliche Bande zieht ihren verabscheuungswürdigen Heuchelkurs unbeirrt durch (hier geht's zum ersten Teil). Was interessieren Merkel, Gabriel & Co. tote "Neger", wenn es stattdessen auch medienwirksam Deutsche zu "betrauern" gibt?
Ein Gastbeitrag von Altautonomer.
Wenn die politische Elite der "Weltmeister der Herzen" eines perfekt beherrscht, dann ist es die öffentliche Trauer-"Arbeit", das Zelebrieren von angeblicher Betroffenheit. Für die "größte Trauerfeier Deutschlands" (Vorsicht: Link geht zur BLÖD-"Zeitung") im Kölner Dom werden neben Ana Pastor Julián (Spaniens Verkehrsministerin) und Laurent Fabius (Frankreichs Außenminister) die üblichen Repräsentanten des geheuchelten Mitleids aus Deutschland dabei sein: Bundespräsident Joachim Gauck, Bundestagspräsident Norbert Lammert, Kanzlerin Angela Merkel, NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sowie Hessens Ministerpräsident Volker Buffier.
Niemand denkt daran, diese Trauerzeremonie abzusagen, sie zu verschieben oder eine weitere für die neuen Opfer zu planen. Denn am vergangenen Wochenende sind vor der Küste Libyens 400 Flüchtlinge ertrunken, weil ihr überladenes Boot kenterte. Darunter auch eine schwangere Frau, während eine weitere Frau noch auf dem Rettungsschiff der italienischen Kriegsmarine ein Baby zur Welt brachte. Für diese Toten aus armen Ländern bricht kein Politiker seine Urlaubsreise ab, es fliegen auch weder Merkel noch Steinmeier nach Lampedusa, um mit einem italienischem Hubschrauber über die Stelle im Mittelmeer zu fliegen, an der das Boot gekentert ist. Es macht sich auch keine Armee von Journalisten auf nach Libyen, um dort in penetranter Art und Weise die Hinterbliebenen der Opfer, so sie dort anzutreffen wären, zu filmen oder zu interviewen.
Pech eben, dass unter den Opfern keine Deutschen waren.
Obwohl in diesem Jahr bereits rund 900 Menschen auf der Flucht im Mittelmeer, dem größten Friedhof Europas, ertrunken sind (2014 waren es über 3.000), beschränkt sich die Reaktion der Bundesrepublik auf das Statement von Regierungssprecher Steffen Seibert, der nicht müde wird, im Auftrag seiner Chefin bei Unterschlagung der Verantwortung von "Frontex" zu wiederholen, dass die Länder, aus denen die Flüchtlinge aufbrechen, "die Schlepperaktivitäten besser bekämpfen" müssten. Der Kanzlerin, dem Außenminister, dem Bundesgauckler und dem sozialdemokratischen Erzengel Gabriel ("Dick und Doof in einer Person") sind diese Toten nicht einmal eine Pressekonferenz oder irgendeine sonstige Bemerkung wert.
Das Sterben vor den Stränden der südeuropäischen Urlaubsparadiese geht unterdessen weiter. Diejenigen, die die rettenden Küsten Europas lebend erreichen, werden dagegen von den Medien zur "Asylantenschwemme" und Bedrohung für die Einwanderungsländer gebrandmarkt. Nicht wenige davon werden in Deutschland direkt in Abschiebehaft genommen und dürfen sich dort gleich wie zu Hause fühlen.
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Anmerkung des Kapitäns: Wenn ich so viel kotzen könnte wie ich müsste, wäre der Kölner Dom schon vor der Ankunft der widerwärtigen Heuchlerbande bis zum Rand gefüllt und damit nicht begehbar.
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Magenbeschwerden
(Lithografie von George Grosz [1893-1959] aus dem Jahr 1921, in: "Ecce Homo", Malik 1923)
Wer kennt ihn nicht, diesen dusseligen Spruch, der sich unter Anderem in absurden Feststellungen niederschlägt wie XY "muss den Gürtel enger schnallen" oder XY "hat über seine Verhältnisse gelebt"? Die angebliche Geldknappheit - ein systemisches Wesensmerkmal des eigentlich laut offizieller Propaganda ja "Wohlstand bringenden" Kapitalismus - wird immerzu als alternativloses Totschlagargument angeführt, wenn wieder einmal in großem Stil gekürzt, also verarmt (sprich: von unten nach oben umverteilt) werden soll.
Ein unscheinbarer Text bei n-tvklärt den so gebeutelten Verarmten oder von Armut Bedrohten nun lapidar auf:
42 Milliarden Euro für Aktionäre / Deutsche AGs zahlen Rekord-Dividenden / Nicht nur im Dax regnet es derzeit Geld für Anleger - in Summe zahlen alle börsennotierten deutschen Unternehmen laut einer Studie so viel Dividende wie noch nie zuvor.
Das widerliche Gesindel der Superreichen, das im Kapitalismus in diesem Zusammenhang gern euphemistisch als "Anleger" oder gar "Investoren" bezeichnet wird, füllt sich unverdrossen, kontinuierlich und nach wie vor völlig hemmungslos die schon lange aus allen Nähten platzenden, überquellenden Taschen, während zeitgleich das offizielle Gejammere über die angebliche Geldknappheit munter weiter aufrechterhalten wird.
So geht Orwell im 21. Jahrhundert. Und wie wir tagtäglich beobachten können, funktioniert der irrsinnige Schwindel auch heute noch immer - oder, korrekter gesagt, besser als jemals zuvor: Fast die gesamte Bevölkerung trabt grunzend wie eine Horde hirntoter Zombies im Propagandastrom mit, schuftet brav für den steten Vermögenszuwachs der feudalen Herrschaften und bemerkt nicht einmal, welche Sklavendienste sie überhaupt leistet. Es gibt massenhaft ZeitgenossInnen, die perfekt konditioniert sind und das infantile Märchen von der "Eigenverantwortung" schon so weit verinnerlicht haben, dass sie nicht einmal im Traum auf die Idee kämen, es angesichts der herrschenden Verhältnisse auch nur kurz in Frage zu stellen - während zeitgleich das "elitäre" Pack leistungs- und verantwortungslos die Milliarden auf Kosten aller anderer Menschen unaufhaltsam an sich rafft.
Dieser perversen Welt fehlt kein Geld, und zwar nirgends - dieser Welt fehlt lediglich eine ausgewachsene Revolution. - Darauf können wir im obrigkeitshörigen Dumm-Deutschland indes warten, bis der Bart gleich dreimal um den Erdball reicht und die Sonne verdunkelt.
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Gottvertrauen
"Halb sechs - sie muss kommen, die Weltrevolution!"
Ein Musik- und Literaturwissenschaftler auf der heiteren Odyssee bzw. vergeblichen Suche nach dem Humanismus.
Ich verstehe dieses Blog weder als "links", noch als "linksliberal" - es versucht, schlicht der Logik zu folgen, sucht die oft verschleierte Wahrheit und landet daher fast zwangsweise immer wieder in sozialistischen Regionen, in die es nie wollte. Die Logik lässt sich nicht so leicht austricksen wie es der interessengeleitete menschliche Geist tut.
Dennoch gilt auch weiterhin Spocks weiser Spruch: "Logik ist nur der Beginn aller Weisheit - und nicht ihr Ende."
Der Blogbetreiber stellt sich vor - auf dass NSA, "Verfassungsschutz", BKA und so viele andere nicht mehr so ausufernd suchen müssen:
Facebookfreie Zone
Das gilt selbstredend auch für alle anderen Datenkraken und "sozialen Netzwerke".
Statt Facebook lieber Ghostery :-)
Dieses kleine, kostenlose Plugin gibt's für alle gängigen Browser - macht es den Werbefuzzis und Überwachungsfetischisten doch wenigstens ein bisschen schwerer, Euren Spuren im Netz zu folgen ...