Ein us-amerikanischer Waffenhersteller hat jüngst in aller Deutlichkeit offengelegt, wie die christliche Nächstenliebe im Kapitalismus auszulegen ist. Bei n-tv durfte ich lesen:
Mit Kreuz und Bibelvers / [...] [Die Schnellfeuerwaffe] "Crusader" ["Kreuzritter"] wird mit einem ebenfalls eingebrannten Kreuz für den Preis von 1.395 Dollar (1.268 Euro) angeboten. "Wir haben schon einige Vorbestellungen. Das Interesse ist enorm", sagte Unternehmenssprecher James Judge [vom Waffenhersteller Spike's Tactical]. / [...] Auf dem Sturmgewehr steht Psalm 144,1: "Gepriesen sei der Herr, mein Fels, der meine Hände unterweist zum Kampf, meine Finger zum Krieg."
Das Portal zeigt auch ein hübsches Foto von dieser Gravierung, die nebenbei besonders durch die gewählte Schriftart auffällt, die wohl nicht zufällig an gewisse altdeutsche Varianten erinnert. Ganz am Rande sei nur angemerkt, dass es sicher nur ein versehentlicher Zufall ist, dass dieses Bild stark an eine digitale Fälschung erinnert und wenig mit einem regulären Foto gemein hat.
(Screenshot n-tv.de vom 6.9.15)
Die Marketinghuren und -callboys dieser Firma verkaufen dieses widerliche Mordinstrument laut n-tv nun ausgerechnet mit der hirnschmelzenden Vermutung, "kein Muslim würde zu dieser Waffe greifen", womit - nach amerikanischer Marketing- bzw. Sonderkindergartenlogik - diese Waffe niemals von den "Bösen", sondern stets nur von den "Guten" zum Morden verwendet würde. Ich habe bei der Nachformulierung dieser "Marketingstrategie" schon meine Probleme, mir nicht unentwegt den Kopf blutig zu schlagen vor lauter Irrsinn, der da auf mich einhämmert - und gleichzeitig glaube ich den verkommenen Krämergesellen durchaus, dass es eine gewisse "Nachfrage" für dieses "Gottesgewehr" gibt, was die Einströmung des Irrsinns in mein Gemüt noch erheblich vergrößert. Es werden sich, wie gewohnt, überall gewiss auch hier Pfaffen und andere "Gauckler" finden, welche die Mordwaffen zusätzlich mit einem "göttlichen Segen" versehen.
Dabei ist mit Händen zu greifen, dass auch dieser Waffenproduzent einen solchen infantilen Quatsch nicht aus "religiöser Überzeugung" oder irgendwelchen anderen esoterischen, patriotischen oder gar "ethischen" Gründen [an dieser Stelle muss ein dumpf gegrunztes *LOL* sein] heraus betreibt, sondern dass auch hier der einzige Beweggrund, weshalb Firmen im Kapitalismus überhaupt "unternehmerisch" tätig werden, im alleinigen Zentrum des Tuns steht: Sie wollen Profite generieren, und zwar so viele wie möglich und egal auf wessen Kosten.
Es verwundert nicht weiter, dass diese Reklamestrategen sich einen der widerlichsten Texte aus der Bibel ausgesucht haben, den man zu diesem Thema überhaupt finden kann - wer mag, kann sich den in Rede stehenden "Psalm 144" gerne mal in Gänze durchlesen, wenn ein großer Kotzeimer bereit steht. Auch liegt es auf der Hand, weshalb diese schmierigen Profitmaximierer sich stattdessen nicht etwa für ein Zitat entschieden haben, das laut Bibel vom "Sohn Gottes" höchstselbst stammen soll und das auf Muslime womöglich einen noch viel "abschreckenderen" Einfluss ausüben könnte, wie etwa "Was siehst du aber den Splitter im Auge deines Bruders, den Balken aber in deinem Auge bemerkst du nicht?" (Matthäus 7,3) oder "Jesus aber sprach: Du sollst nicht töten" (Matthäus 19,18). Schließlich müssten diese schlichten Zitate auch die - offenbar noch schlichteren - "Guten" vom Morden abhalten - und das ist im Kapitalismus bekanntermaßen unerwünscht.
Weit, sehr weit ist es gekommen - nun zitiere ich tatsächlich schon Bibelverse, um den Irrsinn als solchen kenntlich zu machen, obwohl er sowieso offensichtlich ist.
Vor einiger Zeit hat mich die evangelische Kirche aber ohnehin darüber aufgeklärt, was sie vom Thema "Krieg" bzw. "Frieden" hält: Anlässlich meines bereits vor knapp fünf Monaten erwähnten Besuches in dieser surrealen Institution habe ich im aktuellen Gesangbuch dieser Sekte das folgende Zitat entdeckt, das unterhalb eines sogenannten "Segensliedes" [sic!] abgedruckt ist:
Friede ist nicht Abwesenheit von Kampf, aber Anwesenheit von Gott. (Eva von Tiele-Winckler)
Also denn, lasst uns munter rauben, vergewaltigen, foltern und morden - solange "Gott anwesend" ist, was selbstverständlich stets nur geglaubt, nie aber belegt werden kann, ist alles gut. Mir fällt zu diesem religiösen, steinzeitlichen Wahn - egal ob instrumentalisiert oder tatsächlich auch im 21. Jahrhundert "des Herrn" immer noch geglaubt - nichts Sinnvolles mehr ein.
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Te deum laudamus!
[Dich, Gott, loben wir!]
Dankgottesdienst der internationalen Rüstungsindustrie nach Beendigung der Londoner Konferenz.
Wacht auf, – denn eure Träume sind schlecht!
Bleibt wach, – weil das Entsetzliche näher kommt.
Auch zu dir kommt es, der weit entfernt wohnt
von den Stätten, wo Blut vergossen wird,
auch zu dir und deinem Nachmittagsschlaf,
worin du ungern gestört wirst.
Wenn es heute nicht kommt, kommt es morgen,
aber sei gewiss.
"Oh, angenehmer Schlaf
auf dem Kissen mit roten Blumen,
einem Weihnachtsgeschenk von Anita,
woran sie drei Wochen gestickt hat.
Oh, angenehmer Schlaf,
wenn der Braten fett war und das Gemüse zart.
Man denkt im Einschlummern an die Wochenschau von gestern Abend:
Osterlämmer, erwachende Natur,
Eröffnung der Spielbank in Baden-Baden,
Cambridge siegte gegen Oxford mit zweieinhalb Längen –
das genügt, das Gehirn zu beschäftigen.
Oh, diese weichen Kissen, Daunen aus erster Wahl!
Auf ihnen vergisst man das Ärgerliche der Welt,
jene Nachricht zum Beispiel:
Die wegen Abtreibung Angeklagte sagte zu ihrer Verteidigung:
'Die Frau, Mutter von sieben Kindern,
kam zu mir mit einem Säugling,
für den sie keine Windeln hatte und der
in Zeitungspapier gewickelt war.'
Nun, das sind Angelegenheiten des Gerichtes, nicht unsre.
Man kann dagegen nichts tun, wenn einer etwas härter
liegt als der andere. Und was kommen mag ... -
unsere Enkel mögen es ausfechten."
Ach, du schläfst schon? Wache gut auf, mein Freund!
Schon läuft der Strom in den Umzäunungen,
und die Posten sind aufgestellt.
Nein, schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind!
Seid misstrauisch gegen ihre Macht,
die sie vorgeben für euch erwerben zu müssen.
Wacht darüber, dass eure Herzen nicht leer sind, wenn mit
der Leere eurer Herzen gerechnet wird!
Tut das Unnütze, singt die Lieder,
die man aus eurem Mund nicht erwartet!
Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!
(Günter Eich [1907-1972], aus dem Hörspiel "Träume", geschrieben 1950, erstmals produziert und gesendet vom NWDR 1951; gedruckt zuerst erschienen in: "15 Hörspiele", Suhrkamp 1966)
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Anmerkung: Das gesamte Hörspiel ist auf youtube in verschiedenen Versionen kostenfrei verfügbar. Wer es nicht kennt, sollte sich etwas Zeit nehmen und es aufmerksam verfolgen. Hier beginnt beispielsweise die Originalproduktion aus dem Jahr 1951.
Gestern las ich bei n-tv einen kurzen Text, der mich wieder einmal ziemlich schockiert zurückgelassen hat. Dort wird unter anderem berichtet:
Der Spitzenverband der 295 deutschen Landkreise schlägt vor, den Mindestlohn für Asylbewerber vorübergehend zu senken. Die ankommenden Menschen sollen so schneller zu Lohn und Brot gelangen.
Zum einen ist es ja so, dass Asylsuchende und sogenannte "Geduldete" in den ersten drei Monaten ihres Aufenthaltes in Dunkeldeutschland ohnehin keine Ausbildung beginnen bzw. nicht arbeiten dürfen. Eine Ausnahme stellt hier lediglich die Schulpflicht für Kinder dar - wobei auch diese bereits in gewohnt asozialer Weise in Frage gestellt wird. Auch staatlich "anerkannte" Flüchtlinge müssen zunächst eine behördliche "Arbeitserlaubnis" beantragen, bevor sie sich um einen Job oder einen Ausbildungsplatz bemühen dürfen - dabei gilt für "Arbeitgeber" allerdings, dass "bevorrechtigte Arbeitnehmer" (also Deutsche und EU-Bürger) stets zu bevorzugen sind. Für Menschen, deren Asylverfahren sich in die Länge zieht oder die in diesem Land nur "geduldet" sind, endet das staatlich verordnete Arbeitsverbot erst nach ganzen 15 Monaten - erst dann dürfen auch diese Menschen eine "Arbeitserlaubnis" beantragen.
Dies als generelle Info vorweg, da sie im n-tv-Artikel vollständig fehlt. Im Text ist zunächst nur von "Asylbewerbern" die Rede, also von Menschen, die einen Asylantrag gestellt haben, über den noch nicht entschieden wurde. Später wird als Synonym plötzlich das Wort "Flüchtling" benutzt, das ja weitaus umfassender als der Begriff "Asylbewerber" ist. Ob das schlicht journalistische und/oder politische Schluderei ist oder ob hier ganz bewusst Konfusion erzeugt bzw. verstärkt werden soll, vermag ich nicht zu entscheiden.
Im Kern zielt auch dieser Vorstoß klar erkennbar darauf ab, das allgemeine Lohnniveau weiter massiv zu drücken und den ohnehin lächerlichen und längst nicht "flächendeckend" gültigen Mindestlohn noch weiter ad absurdum zu führen. Es geht hier natürlich nicht darum, einen "guten Beitrag zur Integration" von Flüchtlingen zu leisten, sondern um möglichst billige Arbeitssklaven, die sich zum Zwecke der Profitmaximierung der Unternehmen willig und umfassend ausbeuten lassen.
Das Geheul des DGB und der SPD, das im Text zitiert wird, ist indes genauso infam und verlogen wie der Vorschlag selbst - schließlich gibt es längst "Arbeitnehmer zweiter und sogar dritter Klasse", für die der Mindestlohn nicht gilt und die ständig von (teils sogar völlig entgeltlos zu leistender) Zwangsarbeit bedroht sind, nämlich die Millionen Opfer des staatlichen Hartz-Terrors, für den DGB und insbesondere SPD und Grüne hauptverantwortlich sind. Wenn DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell nun also in die Pressemikrofone plärrt, einzelne Beschäftigungsgruppen vom Mindestlohn auszunehmen und das als Beitrag zur Integration zu bezeichnen sei "reiner Zynismus", ist die zynische Kafkaeske komplett und ich kann nur noch irre schreiend und wild die Haare raufend davonrennen.
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Das letzte Bad
(Lithografie von Honoré Daumier [1808-1879], aus der Serie "Sentiments et passions", in: "Le Charivari", 1840)
Zwischen den Schornsteinen eines zerschossenen Hauses
sitzt der Mond und glotzt ins brennende Dorf
und heult.
Wie Schleier kriechen seine Tränen über die Dächer.
Manchmal kläfft ein Gewehr,
und eine Kugel frisst sich durch Holz oder Scherben -
Manchmal grölt ein Geschütz,
und dann flattern singende Fetzen umher
wie Fledermäuse,
irgendwo stürmt ein Schrei durch die Gassen.
Am Christuskreuz blinkt hell ein Schädel.
Als bekennender und überzeugter TV-Boykotteur habe ich aus Gründen, die hier nichts zur Sache tun, die Nacht vom vergangenen Samstag auf den Sonntag dennoch vor einer Flimmerkiste verbringen müssen und bin dabei auf 3sat unfreiwilliger, zufälliger Zuschauer eines Bühnenprojektes des Burgtheaters Wien geworden, von dem ich, obwohl es bereits im Oktober 2013 erstaufgeführt wurde, bislang nichts gehört hatte. Momentan ist diese Aufzeichnung noch in der Mediathek des Senders abrufbar - wer sich das ansehen möchte (und das lege ich wahrlich jedem Menschen nahe), sollte das also tunlichst sehr bald tun, da in Kürze - wie gewohnt - die kapitalistisch motivierte Depublizierung droht.
Das Video findet Ihr zurzeit hier oder alternativ bei youtube:
Es handelt sich um ein Projekt, in dem sieben recht unterschiedlichen Zeitzeugen aus den finsteren Jahren zwischen 1933 und 1945 eine Bühne geboten wird, um ihre jeweilige persönliche Geschichte des grauenhaften Leids und glücklichen, meist zufälligen Überlebens zu dokumentieren. Dies geschieht - trotz der Anwesenheit von noch sechs dieser Personen, die zur Zeit der Aufführung noch lebten - durch Schauspieler, die jene Berichte ausschnitthaft und abwechselnd - am Redepult stehend und manches Mal um Fassung ringend - vortragen. Unterbrochen werden diese himmelschreienden, teilweise unkommentierbaren Berichte aus der tiefsten Hölle, von denen mir viele trotz meiner jahrelangen Beschäftigung mit diesem Thema bislang unbekannt waren, von Auftritten der hochbetagten Überlebenden, die mit persönlichen Botschaften ans Publikum ihre Motivation zur Teilnahme an diesem Projekt erklären.
Dies waren die härtesten und unerträglichsten 133 Minuten, an die ich mich in meiner jüngeren Vergangenheit erinnern kann. Wer sich das nicht anschaut, verpasst eine zwar tränenvolle, aber auch unermesslich erkenntnisreiche Gelegenheit, die Zeit des Nazi-Terrors zumindest in Ansätzen nachempfinden zu können und die notwendigen Rückschlüsse für unsere heutige Zeit, die auch in diesem Projekt thematisiert werden, zu ziehen. Einer der Überlebenden, Ari Rath aus Wien, sagt am Schluss der Aufzeichnung deutliche, wichtige Worte dazu (Minute 127:46):
Es hat bis 2012 gedauert, bis auch Österreichs Regierung des Bundeskanzlers Faymann den 8. Mai 1945 als "Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus" anerkannt hat. Ich bin mir schon viele Jahre der Tatsache bewusst, dass es bei den Österreichern nicht viel Reue über ihre aktive Teilnahme an den Nazi-Verbrechen gab. Obwohl zwei Drittel der österreichischen Juden noch rechtzeitig fliehen konnten und den Holocaust überlebt haben, war der Anteil der Juden, die nach Österreich zurückkehren durften, nur minimal. Es dauerte noch über 40 Jahre, bis als Folge der Waldheim-Affäre Österreich begonnen hat, sich mit seiner Nazi-Vergangenheit auseinanderzusetzen. Die Verbrechen, die während der Nazi-Zeit begangen wurden, waren grausam und unmenschlich. Doch eines kann ich bis heute nicht begreifen: Dass man bis zum letzten Ende Juden ermordet hat, obwohl schon alles verloren war. Bei seinem Staatsbesuch in Jerusalem 1993 hat Bundeskanzler Franz Vranitzky im Gedenkbuch der Shoah-Gedenkstätte Yad Vashem den folgenden Satz eingetragen: "Die Gefahr ist noch nicht gebannt - wir müssen wachsam sein." - Dieser Satz stimmt leider noch heute - mehr als je zuvor.
Schaut euch das an. Hört aufmerksam zu, auch wenn es sehr, sehr weh tut. Und glaubt insbesondere keinem Politiker, der salbungsvolle Sätze in Gedenkbücher schreibt oder in Mikrophone absondert, ohne entsprechende und unmissverständliche Taten unverzüglich folgen zu lassen - und das gilt gewiss nicht bloß für Österreich. Wenn gerade ein Überlebender des Nazi-Terrors befindet, dass die Wachsamkeit heute "mehr als je zuvor" geboten sei, spricht das angesichts der grauenhaften, beispiellosen Ereignisse, von denen in diesem außergewöhnlichen Theaterprojekt berichtet wird, mehr als nur Bände.
Faschismus, Rassismus und Menschenfeindlichkit stehen nicht mehr vor unseren Türen, sondern sitzen längst auf unseren Wohnzimmersofas und machen es sich inmitten der verrohten, ausgebeuteten, verarmten und ohnmächtigen Gesellschaft wieder gemütlich. Die nächste, wiederholte Runde des kapitalistischen Ablenkungsterrors mit den immer gleichen, nie benannten Ursachen beginnt spätestens heute.
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Ein Zeitkind
"Lasst mich aus mit Idealismus, Ehrlichkeit und so weiter. Die jetzige Zeit verlangt Politiker."
(Zeichnung von Rudolf Grieß [1863-1949], in "Simplicissimus", Heft 49 vom 04.03.1919)
In Dunkeldeutschland erreicht der rassistische Populismus Tag für Tag neue Tiefpunkte - dabei es ist völlig egal, welches Massenmedium man zur Information konsultiert, denn der Tenor ist überall derselbe: Deutschland scheint von "Flüchtlingsmassen", die größtenteils "unrechtmäßig" um Asyl bitten, geradezu "überflutet" zu werden. Wie hanebüchen und grotesk falsch diese Darstellung ist, muss ich - hoffentlich - nicht näher beleuchten.
Die Ursachen für diese Entwicklung, die der kapitalistische Westen bekanntlich größtenteils selbst zu verantworten hat, spielen weder in der propagandistischen Pseudo-Berichterstattung, noch in den meist extrem dümmlichen Aussagen irgendwelcher PolitikerInnen der neoliberalen Einheitspartei eine wesentliche Rolle. Dafür glänzt momentan ausgerechnet die SPD mal wieder mit einem ganz besonders ekeligen, rassistischen Vorschlag, der an Dummheit und Menschenfeindlichkeit allenfalls noch von der CSU/NPD übertroffen werden kann - und so wundert es nicht weiter, dass natürlich die Union hier Beifall spendet. Beim MDR las ich gestern:
Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein, der auch Chef der Thüringer SPD ist, sieht in der Asylfrage die Kommunen überlastet. In einem offenen Brief forderte er daher, abgelehnte Asylbewerber schneller abzuschieben - und Flüchtlingskinder ohne Asylbescheid nicht in die Schulen [zu] lassen.
Neben dem üblichen populistischen Geschrei nach "schneller Abschiebung" und einer Ausweitung der völlig irrsinnigen "Liste der sicheren Herkunftsländer", auf der sich aktuell unter anderem bereits so überaus "sichere" Länder wie Ungarn, Rumänien, Ghana und der Senegal befinden, fällt hier besonders der sozialdemokratische Unterleibsschlag gegen Kinder auf. Ganz unabhängig von der Frage, wie sinnvoll die hierzulande praktizierte, auf stupider Konkurrenz und Aussiebung basierende Schulbildung überhaupt ist (dazu äußere ich mich vielleicht an anderer Stelle), ist es dem werten Herrn Bausewein offenbar äußerst recht, wenn das undeutsche Pack gar nicht erst die Schulen durchseucht, selbst wenn der amtliche Arschtritt, der diese Menschen barsch wieder des Landes verweist, auf sich warten lassen sollte. - Ich bin hoffentlich nicht der einzige, der bei derlei "Vorschlägen" unwillkürlich und mit furchtbarem Grausen an die finstere Zeit nach 1933 denken muss.
Offensichtlich dauert es nicht mehr allzu lange, bis bundesweit solche Schilder wieder zum normalen Alltag gehören, wobei die Bezeichnung "städt. Bäder" durch mannigfaltige Begriffe wie "Schulen", "Kindergärten", "Parkbänke", "Busse und Bahnen" etc. - frei nach dem historischen Vorbild - zu ergänzen ist:
(Offenbach 1935)
Wer ganz besonders starke Nerven und einen tunlichst leeren Magen hat, sollte sich zusätzlich noch einige der bis dato 105 Kommentare unter dem verlinkten Beitrag des MDR durchlesen. Ich zitiere ein vergleichsweise eher harmloses und dennoch in seiner abgrundtiefen Dummheit und Hässlichkeit bezeichnendes Beispiel von einem gewissen "Dr. Schneider":
Ich finde es sehr vernünftig und mutig, was Herr Bausewein da vorgeschlagen hat. Keine rechte Polemik, sonder durchdachte Überlegungen mit politischer Weitsicht. Endlich mal ein Politiker der die wirklichen Probleme sieht und sich nicht hinter gefühlsduseliger Programmatik versteckt. Mit so jemanden an der Spitze wird die SPD für mich auch wieder wählbar – andere SPD Politiker wie Gabriel und Nahles sind dagegen nur eine Karikatur ihrer Selbst! Sehr gut, Herr Bausewein, da muß nichts relativiert werden und wir Wähler haben das Zeichen eindeutig verstanden; daß jetzt ein gewisser Rückzuck gegenüber den zögerlich und ohne Rückgrat agierenden Koalitionspartnern von B90/Grüne und Linke erfolgen muß – geschenkt!
Die braune Jauchegrube dort ist bis zum Rand gefüllt mit ähnlichen Anmerkungen. Ich kann mir diesen menschenfeindlichen Hass und diese zur Schau gestellte Dummheit nicht mehr erklären. Bemerken diese Deppen denn wirklich nicht, dass sie am Nasenring vorgeführt bzw. instrumentalisiert werden und als nützliche Idioten ausgerechnet den wenigen superreichen Arschlöchern, die für ihre Verarmung verantwortlich sind, dienen? Weshalb sehen diese hirnamputierten Vollidioten nicht, dass Herr Bausewein eher ein "Grauseschwein" ist und stinkdämliche, ablenkende Nazi-Parolen ins Land trötet, die weder etwas mit dem aufgebauschten Flüchtlings-"Problem" und erst recht nichts mit den Sorgen der verarmten, ausgebeuteten Bevölkerung zu tun haben?
Ja, mir graust es wirklich vor diesem Land, seinen propagandistischen Massenmedien, seinen neoliberal-faschistoiden PolitikerInnen und seiner dummdeutschen Bevölkerung, die einmal mehr nichts kapiert.
(Jan Böhmermann: "Besoffen bei Facebook", aus dem "Neo Magazin Royale", August 2015. Den kompletten Beitrag zu diesem Video inklusive erhellender "Vorgeschichte" gibt's hier.)
Bir! Iki! Üç! Dört! ("Eins! Zwei! Drei! Vier!")
Ich bin besoffen bei Facebook! (Ich schreibe alles klein!)
Ich schreib' besoffen bei Facebook!
Bin wie Till Schweiger bei Facebook! (Ich schreibe alles groß!)
Besoffen bei Facebook! (Ausrufezeichen!)
Ich hau' mir 'nen Weißwein rein und schreibe nur, was ich mein'!
Sigmar Gabriel, lad' mich ein!
Ich bin besoffen bei Facebook! (Punkt Punkt Punkt Punkt!)
Till Schweiger bei Facebook!
Till:
"Ihr seid so arm ... !!! Und dumm ... !!!"
"Ich scheiß auf euch!" (Punkt Punkt Punkt Ausrufezeichen!)
"Ich guck auf euch runter, voller Mitleid und Verachtung ... !!!"
(42 Ausrufezeichen!)
"Ich scheiß auf euch und zieh mein Ding durch!!!"
"Jetzt geht pennen, zu mehr langt es eh nicht bei euch ...!!!"
"Sigmar Gabriel ist ein gerader Mann!!! Respekt!!!!"
"Schämt euch!!!"
Ich bin besoffen bei Facebook! (Armes Deutschland!)
Schreib' besoffen bei Facebook!
Bin Dieter Nuhr bei Facebook! (Is' ja wieder typisch!)
Ich bin wie Joko bei Facebook!
Riecht man meine Fahne schon? Ich scheiße auf Interpunktion!
Das hier ist pure Emotion!
Ich bin besoffen bei Facebook! (Meinungsfreiheit! Meinungsfreiheit!)
Drei Promille bei Facebook!
Joko:
"ein multimillionen unternehmen kopiert den drink meines freundes"
"und ich frage mich! ist das fair?!"
"macht sie bitte fertig! danke!!!"
"SHARE IT!!!" - "SHARE IT!!!" - "SHARE IT!!!"
Dieter:
"Schaum vor dem Mund zeugt nicht von geistiger Tiefe"
(Findet auch die FAZ!)
"weil hier ganz vielen die Birne durchbrennt"
"Digitales Mittelalter!"
Ich bin besoffen bei Facebook! (Shitstorm im Anzug!)
Besoffen bei Facebook! Prominent und
besoffen bei Facebook! (Fuck you, Gemeinschaftsstandard!)
Besoffen bei Facebook!
Mit Pinot Grigio im Kopp
habe ich immer recht und ihr seid nur der Mob!
Ich bin besoffen bei Facebook! (Ich schreibe, was ich will!)
Besoffen bei Facebook! (Meine Feststelltaste klemmt!)
Besoffen bei Facebook! (Jan Leyk gefällt das.)
Besoffen bei Facebook!
Besoffen bei Facebook! (Ihr seid alles Hater!)
Besoffen bei Facebook! (Und ich bin authentisch!)
Besoffen bei Facebook! (Didinanana!)
Besoffen bei Facebook!
Heute führt mich meine Realitätsflucht schnurstracks ins Irrenhaus. Es geht um das "Point & Click"-Adventure "Edna bricht aus", das vom Entwickler Daedalic im Jahr 2008 herausgebracht wurde.
Zum Inhalt des Spiels sei nur soviel verraten: Man steuert die Figur der jungen Edna, die zu Beginn mit einem - in Computerspielen so oft üblichen - "gelöschten Gedächtnis" in einer engen, natürlich verschlossenen Gummizelle erwacht, und muss fortan dafür sorgen, dass die Ärmste der abstrusen Geschichte, die sie dorthin gebracht hat, auf die Spur kommt, um das schreckliche Gefängnis wieder verlassen und den/die wirklich Schuldigen finden zu können.
Unterstützt wird Edna dabei von ihrem zynischen Stoffhasen Harvey, der selbstverständlich ein Eigenleben führt, mit Edna ausführlich kommuniziert und sie sogar gelegentlich auf eine mentale Zeitreise in die Vergangenheit schickt, wo das Mädchen bestimmte Schlüsselerlebnisse "nacherleben" kann, um dem finsteren Geheimnis ihrer Vergangenheit auf die Spur zu kommen. Viel mehr will ich hier nicht verraten.
Diese kurze Beschreibung mag an ein infantiles Spiel für GrundschülerInnen erinnern. Es hat aus guten Gründen aber lediglich die Einstufung "FSK 12" erhalten - die ich allerdings ebenfalls für völlig unsinnig halte, da Kinder die vielen ironischen, sarkastischen und teilweise äußerst schwarzhumorigen Botschaften und Szenarien, die es hier in schierer Hülle und Fülle gibt, schlichtweg noch nicht verstehen können. Es handelt sich also in erster Linie um ein Spiel für "Erwachsene". Dies lässt auch der Titel schon vermuten, denn es ist keineswegs ein Zufall, dass der Name "Edna" genauso klingt wie der berüchtigte, italienische Vulkan. An diesem kleinen Beispiel wird schon deutlich, dass die Handlung dieses Spiels auf vielen versetzten Ebenen wirkt und entsprechend mehrdeutig zu verstehen ist - und das wird insbesondere an den vielen, vielen bissigen und absurden Dialogen deutlich, die - wie es sich für eine gute Geschichte ziemt - den eigentlichen Kern des Ganzen ausmachen.
Eingerahmt wird diese Geschichte von einigen teils knackigen, oft sehr witzigen Rätseln, die man auf dem Weg durch das Labyrinth der Anstalt und danach zu lösen hat. Man trifft auf wunderliche, groteske, witzige und auch tragische Charaktere, hat eine Menge Aufgaben zu erledigen und findet sich beim Spielen immer wieder vor Lachen prustend unter dem Tisch wieder - auch wenn das Gelächter gelegentlich böse im Halse stecken bleibt.
Grafisch ist das Spiel recht anspruchslos - es beruht aber immerhin auf handgezeichneten Vorlagen, die dann digitalisiert und animiert wurden. Besonders zu empfehlen ist der Kommentar des Urhebers und Hauptentwicklers Jan Müller-Michaelis (verantwortlich für Handlung, Dialoge und Grafik), der in den heute vertriebenen Versionen des Spiels zu jedem Raum, den Edna betritt, abgerufen werden kann. So erfährt man witzige Details und absurde Anekdoten zur Entstehungsgeschichte des Spiels.
Ich habe es auf einem Win7/64-System völlig problemlos und ohne Abstürze gespielt.
Das kafkaeske Werk hat 2011 mit "Harveys neue Augen" einen äußerst würdigen, nicht minder schwarzhumorigen Nachfolger erhalten, über den ich sicher später noch etwas schreiben werde. Zum Abschluss sollen aber Edna und Harvey zu Wort kommen - wobei diese wenigen Dialogschnipsel keinesfalls die epische Breite und Tiefe, die dieser Aspekt in dem wundervollen Spiel innehat, dokumentieren:
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Edna: "Brauchst du einen Helm, Harvey?" Harvey: "Nein, danke. Wenn man nur Watte im Kopf hat, verliert man sein Gefahrenbewusstsein." Edna: "Ja. Dieselben Tabletten habe ich auch bekommen."
(Nach "Benutze Ketchup mit Poloschläger"): Edna: "Das Blut meiner Feinde klebt an diesem Poloschläger!" Harvey: "Hmm. Das Blut deiner Feinde schmeckt nach künstlichen Geschmacksverstärkern." Edna: "Psst."
(Nach "Benutze Stinkdrink mit Schloss"): Edna: "Verflucht! In 'Monkey Island' hat das doch geklappt! Na toll. Dafür stinkt es hier jetzt bestialisch."
(Nach "Rede mit Waschbecken"): Edna: "Vorhin saß ich noch in einer Zelle und redete mit der Wand, doch nach stundenlanger Kombinationsarbeit stehe ich endlich auf der Herrentoilette und rede mit einem Waschbecken." *seufz* Waschbecken: "Du denkst, DU hast Probleme? Mann, ich BIN das Waschbecken!"
(Nach "Benutze Kleiderbügel Nr. 3 mit Schaufel"): Stimme: "Herzlichen Glückwunsch. Sie haben die unwahrscheinlichste Kombination gefunden. Sie hätten einen Preis verdient. Leider machen wir nur Adventure-Spiele und keine Ego-Shooter. Dabei weiß doch jeder, dass man mit Adventures kein Geld machen kann. Darum können wir uns leider auch keine Preise leisten. Sorry." Edna: "Hast du etwas gehört, Harvey?" Harvey: "Wenn du mich nicht fragst, kann ich dich auch nicht belügen. Also sprechen wir nicht mehr davon, okay?"
(Anarchistische Kernaussage an jeder passenden und unpassenden Stelle im Spiel): Harvey: "RANDALE!!!"
Es war in der Zeit der Depression:
Ihr Karren kam nicht mehr weiter.
Sie hatten Angst vor der Revolution,
die apokalyptischen Reiter.
Sie wechseln die Knochen. Sie wechseln die Haut.
Sie bleiben doch immer die alten.
Sie heulten sich heiser. Sie brüllten laut:
Erbarmen! Ihr müsst uns behalten!
Sie haben das Abendland ausverkauft
samt Gott und seinen Engeln.
Sie haben sich einen Gaul gekauft.
Sie sagten: Mit kleineren Mängeln.
Sie wechseln die Knochen. Sie wechseln die Haut.
Sie bleiben doch immer die alten.
Sie haben dem Gaul ins Maul geschaut.
Sie sagten: Den wolln wir behalten.
Sie machten einen mächtigen Krieg.
Ihr Schinder war keine Niete.
Und gab es am Ende auch keinen Sieg:
Es gab doch ganz schöne Profite.
Sie wechseln die Knochen. Sie wechseln die Haut.
Sie bleiben doch immer die alten.
Ihr habt ihnen wieder ein Haus gebaut,
in dem sie euch niederhalten.
(Volker von Törne [1934-1980], in: Born / Delius / von Törne: "Rezepte für Friedenszeiten. Gedichte", Aufbau 1973)
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Anmerkung: Was soll ich zu einem Gedicht, das in wenigen Versen den Kern der Misere der narkotisierten Menschheit offenbart, anmerken? Es hat sich nichts geändert - die Welt befindet sich auch im Jahr 2015 in genau demselben kapitalistischen Katastrophenzustand, der für die überwältigende Mehrheit der Menschen wie gewohnt nur bitterstes Unheil bedeutet, während "sie" - also "die apokalyptischen Reiter" aka die superreiche "Elite" - ungeachtet aller Katastrophen stets ihren absurden Reichtum, ihre Macht und ihre Privilegien erhalten und ausgebaut hat.
Heute benötigt diese furchtbare Bande nicht einmal mehr einen Hitler-"Gaul" - inzwischen erledigen die "freien Demokratien" bzw. deren "gewählte VolksvertreterInnen" ihren perversen Job willfährig gegen entsprechende Bezahlung, während die begleitende mediale Propaganda wie von Sinnen von "westlichen, freiheitlich-demokratischen Werten" schwadroniert. Das ist angesichts des aktuellen Zustands dieser verkommenen Welt voller Krieg, Rassismus, Armut, Ausbeutung, Zerstörung, Gewalt und Vergiftung so dermaßen absurd, dass mir beim Nachdenken darüber der Schädel zu zerplatzen droht.
Derweil trinken die Superreichen in ihren Villen weiterhin Champagner, schlemmen fürstlich und amüsieren sich köstlich darüber, dass sie heute keinen irren Diktator mehr brauchen, der ihnen den verkrusteten Anus leckt, die Bevölkerung knechtet, profitfeindliche Elemente eliminiert und erwünschte Kriege anzettelt. Die neoliberale Einheitspartei (NED) aus CDU/CSU/SPD/FDP/AFD/NPD/Grünen sorgt gewissenhaft und verlässlich dafür.
Anmerkung: Wenn ich diese entwaffnend grandiose Musik höre, verfalle ich immer wieder in den Wahn, dass die Evolution möglicherweise doch nicht so falsch lag, als sie den Menschen auf seine irrwitzige Reise ins höhere Primatendasein geschickt hat. Allerdings währt dieser Irrglaube stets nur für kurze Zeit - ein Blick in die Nachbarschaft oder die aktuellen Nachrichten reicht schon aus, um wieder auf den Jauchegrubenboden der stinkenden menschlichen Realität zurückzukehren.
Und dennoch liebe ich diese geistig-spinnerten Ausflüge in die abgeschiedene, sterile Welt der "Might-have-beens" der menschlichen Entwicklung ... einfach weil sie eindrücklich illustrieren, was Kapitalismus und stumpfe Habgier letzlich alles zerstören. Was im Elfenbeinturm der Musik inzwischen völlig selbstverständlich ist - ein deutsches Orchester (in dem freilich nicht bloß Deutsche spielen) und eine ukrainische Pianistin führen das Werk eines russischen Komponisten im niederländischen Amsterdam unter der Leitung eines bulgarischen Dirigenten auf -, bleibt der Lebensrealität im finsteren Lande Kapitalistan weiterhin und dauerhaft völlig fremd. Wie sollte das auch anders sein, wenn die offizielle Parole weiterhin mantraartig "Jeder gegen jeden (mit Ausnahme der Superreichen)!" lautet?
Ich bin es so müde, gegen den kapitalistischen Irrsinn anzuschreiben.
Anmerkung: Diesen Film, der momentan in der deutschen Fassung (wenn auch, wie gewohnt, leider in schlechter Qualität) auf youtube verfügbar ist, möchte ich nicht nur allen Cineasten sehr ans Herz legen. Wer ihn noch nicht kennt, sollte sich die 80 Minuten Zeit nehmen und das Werk aufmerksam anschauen - und zwar ohne zuvor den oben verlinkten Wikipedia-Text zum Film oder andere Inhaltsangaben voller Spoiler gelesen zu haben.
Ein Film, der in der nahen Zukunft spielt, der Themen wie "Energie", "Rohstoffausbeutung" und "Klontechnik" näher beleuchtet und mit einem wie gewohnt lächerlichen Werbevideo eines fiktiven kapitalistischen Energiekonzerns namens "Lunar Industries" beginnt, in dem die paradiesische "heile Welt für alle" nicht mehr nur beschworen, sondern als bereits "erreichtes Ziel" dargestellt wird, verdient in der Tat eine Menge Aufmerksamkeit.
Falls jemand diesen Film für nicht weiter zu beachtende Science Fiction halten sollte, ergebe ich mich umgehend, spende mein Gehirn als Futtermittel für die geheimen Zombiefabriken in der "Area 51" und lasse meinen Restkörper von der nächsten verfügbaren US-Drohne freudig in die Luft sprengen. - "Wake me" steht in dicken Buchstaben auf dem T-Shirt, das der Protagonist zu Beginn des Filmes trägt. Ob eine solch subtile Botschaft wohl ankommt?
Anmerkung: Auch nach weiteren 100 Jahren hat sich diese Binsenweisheit noch immer nicht herumgesprochen und der religiöse Wahn in all seinen Schattierungen und teils nebulös-verbrämten Varianten ("Spiritualität" bzw. "Esoterik") feiert nach wie vor stumpfsinnige Triumphe. Die Steinzeit, in der es wohl lediglich rudimentäre religiöse Wahnvorstellungen gab, war der heutigen Welt offensichtlich weit voraus.
Aber wir wissen ja: "Gott" liebt uns alle. Deswegen leben wir in einem Paradies für alle. Und allen Menschen darin geht es prächtig. Und wem es doch nicht so prächtig geht, der ist ein Ungläubiger, den "Gott" zwar auch liebt, aber trotzdem lieber verrecken oder ermorden lässt. Denn wer sich nicht unterordnet, ist gar kein Mensch und darf mit göttlichem Segen geschlachtet werden.
Auf diesem einfachen, faschistischen Prinzip fußen das Christentum und der Islam ebenso wie die heilige Religion des Marktes (Kapitalismus), die weltweit weitaus mehr Opfer gefordert hat und weiterhin fordert als alle anderen hohlköpfigen Religionen zusammengenommen. Die Bekloppten sterben einfach nicht aus - und bemerken auch im Jahr 2015 nicht, dass ihnen der Blödsinn größtenteils von äußerst interessierten Kreisen schlicht als Ablenkung und zur Schaffung von Ersatzzielen für die allzu berechtigte Empörung vor die dumme Nase gesetzt wird.
Beim "Spiegelfechter" ging es kürzlich zum Thema "Flüchtlinge" hoch her. Rassisten feierten Triumphe, die sprachschwache "Moderation" des Blogs schwieg größtenteils dazu und am Ende bleibt wohl nur die schnöde Vermutung, dass es hier einmal mehr um die billige Reklame für des Bergers neues Buch über das entwaffnend bedrohliche Thema Untergang der Menschheit aufgrund kapitalistischer, habgieriger Umtriebe einer kleinen MinderheitFußball ging. Für ein solches "spätrömisch-dekadentes" Thema (G. Westerwelle) bieten sich Rassisten als potenzielle Käufer des philosophischen Meisterwerkes aus Bergers Feder geradezu an.
Ein Gastbeitrag von Altautonomer.
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Zunächst einige unveränderte Zitate aus dem Kommentarbereich des "Spiegelfechters":
Rassismus gab es in Deutschland nur zwischen 1933 und 1945.
98 % aller Einwanderer sind Wirtschaftsflüchtlinge.
Ich sehe Deutsche Rentner die arm sind in Mülltonnen nach Flaschen suchen die nach 45 Jahre Arbeit Mini Renten bekommen Deutsche Hartz IV Empfänger die seziert werden ob Sie nicht doch eine Goldene Uhr besitzen die drangsaliert und schikaniert werden für 1€ Arbeiten sollen jede Arbeit annehmen. Und dann kommen Menschen nach Deutschland die hier nie gearbeitet haben und stellen Forderungen wer kann kontrollieren ob Sie bedürftig sind. Ob Sie nicht Häuser Geld Gold im Ausland haben.
Darauf antwortete Jens Berger exemplarisch:
Wer aus wirklich armen Ländern nach Europa flieht, gehört selbstverständlich in diesen Ländern nicht zur breiten Unterschicht!"
Was wir bräuchten, wäre ein ausgewogenes Einwanderungsgesetz.
Das "echte" Asyl für politisch Verfolgte ist eh eine ganz andere Sache – das würde wohl niemand, der noch bei Verstand ist, kritisieren.
Das alles sind keine Kommentare von Pegida-Webseiten, BLÖD-Leser-Stammtischheinis, PI- oder irgendwelchen NPD-Fan-Blogs. Sie stammen vom Premium-Blog der Aufklärer, Systempressekorrektoren, Gegenöffentlichkeitsherstellern und kritischen Linken des "Spiegelfechters". Hier wurde Rassisten auf einer sich selbst als links resp. linksliberal eingeordneten Plattform unter dem verfassungskonformen Mäntelchen der Gewährung des Rechts auf freie Meinungsäußerung das Diskussionsfeld überlassen. Kritiker fühlten sich durch die rassistenfreundliche Moderation und die dumpfen, als Argumente geadelten Polemiken der Rassisten dermaßen in die Enge getrieben, dass sie sich zum Teil entweder freiwillig verabschiedeten oder eine Sperre provozieren mussten.
Stichwortgeber ist unter anderem der Blogherr, der sich als "Verfassungspatriot" auf die geltenden Normen des Asylrechts beruft, das 1993 seinem eigentlichen Kern beraubt wurde (sog. Asylkompromiss). Dabei geht es im Asylrecht nicht nur um "politisch Verfolgte", sondern beispielsweise auch um sexuelle Asylgründe, wie z.B. Homosexualität oder Vergewaltigung im Heimatland. Dass nur wenig Asylanträge positiv beurteilt werden, liegt nun nicht an den Asylsuchenden, sondern an der verfassungswidrigen, völkischen Rechtsprechung der obersten Gerichte. Und selbst bei abgelehnten Asylanträgen gibt es noch verschiedene Abschiebehindernisse, die zu einem legalen Aufenthalt mit Duldung in diesem Land führen. Berger irrt bzw. vernebelt, wenn er behauptet, das "echte" Asylrecht werde von niemandem kritisiert.
Ich habe schon an anderer Stelle versucht darzulegen, warum sogenannte "Wirtschaftsflüchtlinge" auch politisch Verfolgte im Sinne des Art. 4 GG sind.
Zum ersten Berger-Zitat oben ist zu sagen, dass dies in Einzelfällen zutreffen mag. Warum die "afrikanische Mittelschicht" (Definition?) ihren Nachwuchs mit einem iPhone 6 ausstattet und ihn dennoch sehenden Auges dem drohenden Tod durch Ertrinken im Mittelmeer aussetzt, weiß Berger allerdings nicht zu beantworten.
Besonders skandalös ist aber der - ich bin geneigt zu sagen: schon fast traditionelle - Umgang des "Spiegelfechters" mit Kommentatoren, die sich die Mühe machen, eigene Gedanken oder das Ergebnis sorgfältiger Recherche in die Diskussion einzubringen. Das sorgt beim rassistischen Pöbel natürlich für reichlich Zündstoff und Unmut. Nun könnte doch angenommen werden, dass in einem "linksliberalen" Blog die ernsthaft an einer inhaltlichen Diskussion Interessierten geschützt und die Pöbler von rechts ermahnt bzw. gesperrt werden. Leider ist das Gegenteil der Fall. Das hat aber nichts mehr mit Liberalität, Authentizität, Dokumentationspflicht, Toleranz oder etwa Garantie der "Meinungsfreiheit" zu tun. Es ist vielmehr das logische Ergebnis, wenn sich Typen wie die beiden "Redakteure" vom "Spiegelfechter" anmaßen, Journalisten zu imitieren, nur weil sie früher mal ein Poesiealbum besessen haben. Es drängt sich hier die Vermutung auf, dass die Sucht nach Aufmerksamkeit und kommerziellem Erfolg um jeden Preis einen derartigen Umgang mit rechtsradikalen "Gästen" steuert.
Die Vorstellung des neuen "Knaller-Buches" von Berger generierte seit dem 11.8.2015 nur 14 Kommentare, während das Thema "Flüchtlinge" über 320 Rückmeldungen zu verbuchen hat. Da liegt in der Tat die Vermutung nahe, dass es den Betreibern der Webseite in erster Linie um Krawalldiskussionen mit rechten Trollen und Arschlöchern ging, weil damit eine hohe Kommentarquote erzielt werden kann und gerade die Hohlbirnen angesprochen werden, die zu den potenziellen Käufern des Berger'schen Fußball-Mists zählen.
Deshalb gilt mein besonderer Dank der Kommentatorin "Marie" und dem feynsinn-Stammkommentator "R@iner", die in dieser allzu mühseligen und letzten Endes sinnfreien Debatte viel zu lange ausgehalten haben.
Ein Musik- und Literaturwissenschaftler auf der heiteren Odyssee bzw. vergeblichen Suche nach dem Humanismus.
Ich verstehe dieses Blog weder als "links", noch als "linksliberal" - es versucht, schlicht der Logik zu folgen, sucht die oft verschleierte Wahrheit und landet daher fast zwangsweise immer wieder in sozialistischen Regionen, in die es nie wollte. Die Logik lässt sich nicht so leicht austricksen wie es der interessengeleitete menschliche Geist tut.
Dennoch gilt auch weiterhin Spocks weiser Spruch: "Logik ist nur der Beginn aller Weisheit - und nicht ihr Ende."
Der Blogbetreiber stellt sich vor - auf dass NSA, "Verfassungsschutz", BKA und so viele andere nicht mehr so ausufernd suchen müssen:
Facebookfreie Zone
Das gilt selbstredend auch für alle anderen Datenkraken und "sozialen Netzwerke".
Statt Facebook lieber Ghostery :-)
Dieses kleine, kostenlose Plugin gibt's für alle gängigen Browser - macht es den Werbefuzzis und Überwachungsfetischisten doch wenigstens ein bisschen schwerer, Euren Spuren im Netz zu folgen ...