Dienstag, 18. August 2015

Zitat des Tages: Erde


Warum stürzte mich gerade dieses Staubkorn
in Mitleid, Zorn und Tränen?
Sollen uns weiter die Götter verhöhnen?

Dass uns die Geier fraßen,
Abgrund nahm -
das Herz des Herrn schläft lahm,
er liebt die Welt nicht mehr,
die Erde liegt erfroren.

Wenn ich Gott, den reichen Bettler, treffe,
werde ich für ihn erröten.
Ihn töten, töten, töten!

(Albert Ehrenstein [1886-1950], in: "Der Mensch schreit. Gedichte", Kurt Wolff 1916)



Anmerkung: Auch nach weiteren 100 Jahren hat sich diese Binsenweisheit noch immer nicht herumgesprochen und der religiöse Wahn in all seinen Schattierungen und teils nebulös-verbrämten Varianten ("Spiritualität" bzw. "Esoterik") feiert nach wie vor stumpfsinnige Triumphe. Die Steinzeit, in der es wohl lediglich rudimentäre religiöse Wahnvorstellungen gab, war der heutigen Welt offensichtlich weit voraus.

Aber wir wissen ja: "Gott" liebt uns alle. Deswegen leben wir in einem Paradies für alle. Und allen Menschen darin geht es prächtig. Und wem es doch nicht so prächtig geht, der ist ein Ungläubiger, den "Gott" zwar auch liebt, aber trotzdem lieber verrecken oder ermorden lässt. Denn wer sich nicht unterordnet, ist gar kein Mensch und darf mit göttlichem Segen geschlachtet werden.

Auf diesem einfachen, faschistischen Prinzip fußen das Christentum und der Islam ebenso wie die heilige Religion des Marktes (Kapitalismus), die weltweit weitaus mehr Opfer gefordert hat und weiterhin fordert als alle anderen hohlköpfigen Religionen zusammengenommen. Die Bekloppten sterben einfach nicht aus - und bemerken auch im Jahr 2015 nicht, dass ihnen der Blödsinn größtenteils von äußerst interessierten Kreisen schlicht als Ablenkung und zur Schaffung von Ersatzzielen für die allzu berechtigte Empörung vor die dumme Nase gesetzt wird.

Ich bleibe bei meinem Unglaubensbekenntnis.

Kommentare:

frei-blog hat gesagt…

Passt ja zu meiner "Sonntagspredigt".
Ich hatte schon als Kind nie verstanden, warum ich vor der Nacht beten sollte:
"Lieber Heiland mach mich fromm, dass ich zu dir in den Himmel komm."

jakebaby hat gesagt…

Charlie,

Das mit dem Paradies hast du missverstanden.
Aus dem Paradies sind wir vor Kurzem rausgeflogen wofuer das Gott vor rund 6000 Jahren die Hoelle (auf Erden) bastelte um uns dort zwischenzulagern, mit der Anregung uns wieder ins Paradies zu verfrachten, wenn wir die Scheisse hier, wie auch immer, durchziehen, wobei irgendeine noch boesere Hoelle auch zur Aussicht steht, wenn wir nicht ganz besonders lieb sind.
Das Arschloch haette besser mal was Gscheites geraucht.

Gruss
Jake

Charlie hat gesagt…

Mein lieber Jake, die Sache mit dem "Paradies" war böse sarkastisch gemeint. ;-) Es ist ja ein zentrales Thema hier im Blog, immer wieder auf die allzu "paradiesischen" Lebensumstände hinzuweisen, in denen eine überwältigende Mehrheit der Menschen auf diesem Horrorplaneten auszuharren hat.

Liebe Grüße!

Ich bin kein Roboter hat gesagt…

Gott ist ein Arschloch
- Das Känguru

Eike Brünig hat gesagt…

Ob das früher so mit Moloch Baal und so unbedingt besser gewesen ist, weiß ich nicht. Der Mensch ist halt größtenteils grausam und er schafft sich Systeme in der er seine Grausamkeit auch ausleben kann.

Charlie hat gesagt…

@ Eike: My two cents zum Thema "Der Mensch ist halt größtenteils grausam":

Ich vertrete ein anderes Menschenbild. Es ist die alte Frage vom "Huhn und vom Ei" - was war zuerst da: Die Grausamkeit bzw. Blödheit so vieler Menschen oder das kapitalistische Ausbeuter-, Versklavungs-, Verdummungs- und Verarmungssystem des Kapitalismus, das genau solche deformierte Menschen hervorbringt, denen man problemlos ein X für ein U vormachen kann?

Ich bin der Meinung, dass diese Menschheit durchaus das Potenzial besitzt, sich endlich weiterzuentwickeln und den selbstzerstörerischen Kapitalismus in all seinen widerwärtigen Facetten wie beispielsweise Habgier, Rassismus, Ausbeutung, Zerstörung der Natur, Verhinderung von wirklich sinnvollen wissenschaftlichen Innovationen etc. zu überwinden - allerdings wird dieses Potenzial rigoros und umfassend von gekauften Massenverblödungsmedien, korrupten und/oder dämlichen PolitikerInnen und anderen Vasallen der Superreichen unterdrückt.

Wir leben doch längst im Orwell'schen Albtraum-Staat - auch wenn das nur wenige bemerken, weil sie zu indoktriniert, durch existenzielle Sorgen zu abgelenkt oder inzwischen gar Gefallen am Klassensystem gefunden haben, weil sie - vermeintlich? - persönlich davon profitieren. Es ist nach meiner Auffassung aber nicht sinnvoll, die Opfer des Systems - und dazu zähle ich die "breite Masse" - zu kritisieren; selbst dann, wenn sie sich äußerst widerlich verhalten.

Die Schuld an dieser Entwicklung tragen doch andere - und die gehören zuallererst an den Pranger.

Liebe Grüße!