Montag, 8. April 2013

Die Gaga-Politik der Großen Koalition - und die Gaga-Lösungen der Kapitalismusromantiker


[Wahlkampfredenklamauk der Heinis und Trullas von SPD/CDU/FDP/Grünen]

Der Wähler sollte sich allerdings durch diese absurden Scharmützel nicht in die Irre führen lassen. Ihm muss klar sein, dass Union, FDP, SPD und Grüne trotz des öffentlich vorgetragenen Theaters in den wichtigen Fragen natürlich einer Meinung sind. Dazu gehört auch, das absurde deutsche Wirtschaftsmodell weiter zu verteidigen.

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Anmerkung: Eine schöne und knappe Zusammenfassung des lächerlichen Wahlkampftheaters der NED. Einzig die Schlussfolgerung des Kollegen Tautenhahn scheint mir persönlich nicht minder "gaga" zu sein - auch dieser Mensch hängt offenbar dem irrsinnigen Wahnglauben an, das System des Kapitalismus ließe sich durch eine entsprechende Politik in "soziale" oder gar "Wohlstand für alle" verheißende Bahnen umlenken bzw. "regulieren". Auch er kann oder will Ursachen und Symptome nicht korrekt voneinander unterscheiden, wenn er beispielsweise schreibt: "Wenn die Kanzlerin daran tatsächlich etwas ändern wollte, müsste sie eine Politik verfolgen, die den Abbau der Ungleichgewichte zum Ziel hat." - als ob jene zweifelsfrei vorhandenen Ungleichgewichte (siehe Grafik im Artikel) eine der Ursachen für die stattfindende Katastrophe sei und nicht nur eines der Symptome. Eine Symptombekämpfung ist jedoch - nicht nur im Kapitalismus - stets von vorn herein zum Scheitern verurteilt, weil eben die Ursachen nicht angetastet werden und der Windmühlenkampf selbst bei einem temporären Erfolg lediglich neue, meist noch verheerendere Symptome zur Folge hat.

Es ist frappierend und erschreckend, wieviele Menschen mit wachem Verstand trotz aller Offensichtlichkeiten aus ihrem altkapitalistischen Rahmendenken einfach nicht herausfinden. Das stelle ich immer wieder ernüchtert fest, wenn ich in kritischen Blogs wie beispielsweise den Nachdenkseiten lese - die Mainstreamjournaille erwähne ich in diesem Zusammenhang besser gar nicht erst. An dem verlinkten Beispiel ist es mir besonders aufgefallen, weil der Autor mit starken Worten nicht spart ("Gaga-Politik"), die Symptome klar erkennt - und dennoch nur eine idiotische Vision von der "Jugendzeit des Kapitalismus", als dieser noch "gebändigt" erschien, obwohl er es für Millionen von Menschen auch damals nicht im Entferntesten war, anbietet.

Auch nach über 200 Jahren des ständigen Scheiterns, der permanenten Kriege und Massenmorde, der andauernden und ausufernden Ausbeutung, der massivsten und zunehmenden weltweiten Not und Armut, eines sich immer stärker in einem kleinen elitären Kreis konzentrierenden Superreichtums, der stetig schlimmer werdenden ökologischen Katastrophen (diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen) steht am Ende der geistigen Auseinandersetzung mit dem Irrsinn der heutigen Wirtschaft und Politik bei so vielen Menschen wieder nur in leicht abgewandelter Form der üble Kapitalismus. Es ist zum Verzweifeln und gleicht einem Mediziner, der die eindeutige Ursache für eine leicht vermeidbare tödliche Krankheit klar vor Augen hat und diese Ursache dennoch - in leicht abgeschwächter Form - als einzige Medizin empfiehlt.

Es gibt keinen "guten Kapitalismus" - Kapitalismus enteignet, verarmt, beutet aus, zerstört und tötet - und er mästet eine winzige, abgehobene "Elite". Immer. Wenn er das nicht (mehr) tut, funktioniert er nicht und kollabiert zwangsläufig - mit den allzu bekannten katastrophalen Folgen.

Ist es vielleicht doch so, dass die meisten Menschen - einschließlich vieler kritischer Geister - sich selbst am nächsten stehen und ein trügerisches Idyll in heimischen Gefilden, in dem es scheinbar allen oder den meisten oder vielen oder zumindest ihnen selbst gut geht, als "positiv" und "richtig" zu akzeptieren bereit sind, auch wenn dafür beispielsweise auf der anderen Seite des Planeten Millionen von Menschen in bitterster Not vor sich hin vegetieren und sterben müssen? Dieser böse Eindruck wird immer deutlicher für mich, und ich hoffe inständig, dass er trotzdem falsch ist.

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"Unterm Strich zähl' ich!"


(Bild: Charlie; freie Abwandlung der Titelseite der Zeitschrift "Focus Money" vom Februar 2013, Text nicht verändert)

4 Kommentare:

Anabelle hat gesagt…

"Kapitalismusromantiker" ist ein schönes Wort, gut getroffen! Ich fürchte nur, dein Eindruck ist ganz und gar nicht falsch, ich erlebe genug Menschen jeden Tag um das zu bestätigen. :( Wenn die Dämme brechen, geht diese Lebensform mit einem Lächeln über Leichen...

Die Desillusionierte

Charlie hat gesagt…

Ja, mach mir Mut ... ;-) Ich bin mir halt nicht ganz so sicher, ob der überbordende Egoismus, die grenzenlose Habgier und die zunehmende Feindseligkeit bzw. der zunehmende Hass so vieler Menschen nicht auch "nur" Symptome des Kapitalismus sind. Wenn dem so wäre, änderte das zwar die aktuelle Lage nicht, böte aber immerhin etwas Hoffnung für eine in einer weit entfernten Zukunft liegende kapitalismusfreie Gesellschaft.

Liebe Grüße!

dede hat gesagt…

Ne ich sach besser nix. Aber das Bild tut echt und krass weh. Also nicht das Bild sondern das wofür es steht. Diese Augen des sterbenden Kinds und dann die lachenden "Strategen", das ist so ekelig daß ich erstmal weg muß. Ich ertrag echt Vieles aber wenn mir das tolle System so vor die Nase gehalten wird ist Schluß. du bist echt gemein.

KOTZUGERÄUSCHE UND VORBEREITUNG ZUM SELBSTMORD IM HINTERGRUND

Charlie hat gesagt…

Immer mit der Ruhe, dede - es ist doch nichst Neues, was ich hier verkünde. Und wenn Worte offenbar keine große Wirkung mehr haben (Jean Ziegler beispielsweise stellt seit vielen Jahren immer wieder die erschreckenden Fakten und Zahlen zu den Opfern des Kapitalismus vor), muss man sie eben sichtbar machen und den Vorschlaghammer auspacken. Wenn solche Börsenheinis über "große Gewinne" (für die elitäre Bande der Aktienbesitzer) quatschen, reden sie immer auch über millionenfaches Leid und den qualvollen Tod unzähliger Menschen. Das war in diesem System schon immer so und ändert sich nicht dadurch, dass man es ignoriert.

Face the facts, mein Lieber.

Liebe Grüße!