Freitag, 17. Juli 2015

Der kapitalistische Irrsinn, Alarmstufe Rot: "Asien wird zu teuer"


Sie machen einfach immer weiter. Die uferlose Habgier treibt die kapitalistische Bande rund um den Globus, um auch noch die letzten Cents aus der gepeinigten Menschheit herauszupressen. Bei n-tv war gestern unter dem nur noch zynisch zu nennenden Titel "Asien wird zu teuer: Textilindustrie sucht 'Made in Africa' zu lesen:

Vietnam, China, Bangladesh: In der Nähstube der Welt steigen Lebensstandards und Löhne. Gut für die Menschen vor Ort, schlecht für den Verbraucher im Westen, der es zumeist einfach billig haben will. Nun sucht die Industrie neue Märkte - und ist fündig geworden.

Ich empfehle ausdrücklich, diesen Artikel, der von irgendeinem perversen Schlipsborg mit dem Kürzel "bdk/DJ" verfasst worden ist, nicht zu lesen, da er akute Anfälle von Brechreiz, wilden Schlägen gegen den Kopf und unkontrollierten Schreiattacken zur Folge haben kann. So viel Irrsinn in so wenigen Worten zu transportieren - das muss man auch erst einmal schaffen.

Im Grunde ist jede einzelne sachbezogene Aussage in diesem Text grotesker, kapitalistischer Propagandamüll, der mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat. Ich müsste stundenlang schreiben, wenn ich das alles auflisten wollte - dazu fehlen mir aber die Zeit und die Lust, so dass ich mich auf einige Beispiele beschränke.

  1. Die Lebensstandards steigen in Vietnam, Kambodscha oder Bangladesch nicht. Wenn jemand statt vormals 20 Reiskörnern am Tag nun sagenhafte 30 zur Verfügung hat, ist eine solche Formulierung in ihrer Absurdität kaum noch zu steigern. Die bettelarmen Menschen in Asien bleiben - man hört das in kapitalistischen Kreisen nicht so gerne - auch in der Versklavung bettelarm. Und wenn die Heuschrecken dann weiterwandern und sich anderswo neue, billige Sklaven suchen, wird dieses Argument sogar textimmanent zur haareraufenden Kafkaeske, denn dann bleiben unterm Strich noch null Reiskörner.

  2. Nicht der "Verbraucher" im goldenen Paradies des Westens, der es "einfach billig haben will", ist an dieser himmelschreienden Misere, die euphemistisch konsequent "Geschäft" genannt wird, schuld. Auch in unseren Breiten gibt es Millionen von Menschen, die inzwischen so zwangsverarmt wurden, dass sie überhaupt keine Wahl mehr haben - es muss das jeweils Billigste gekauft werden, wenn überhaupt etwas gekauft werden soll. Und auch für die meisten anderen gilt im widerlichen Rattenrennen dasselbe perverse Prinzip. Es ist an Heuchlerei gar nicht zu überbieten, dies als "Argument" dafür anzuführen, dass "die Industrie" nach billigeren Sklaven sucht. - Die wirkliche Absicht ist natürlich, wie immer, die reine Profitgier der EignerInnen.

  3. Im Text wird tatsächlich die gehirnzersetzende Behauptung aufgestellt, dass "mehrere tödliche Unfälle" in Textilsklavenfabriken in Bangladesch "die Industrie" dazu zwängen, sich "nach Alternativen umzuschauen". Damit ist nun nicht die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Sicherheit in diesen maroden Folterstätten gemeint, sondern die Suche nach Ausweichmöglichkeiten - und da bietet sich für diese Arschlöcher gerade Afrika an, denn: "Afrika ist der letzte weiße Fleck im globalen Bekleidungsgeschäft, der letzte fast noch unangetastete Kontinent mit billigen und zahlreichen Arbeitskräften. Im äthiopischen Textilsektor zum Beispiel gibt es keinen Mindestlohn." - Das ist doch eine Information, die uns alle glücklich macht - dann sollen demnächst die Menschen in Asien eben wieder verhungern, während einige Menschen in Afrika sagenhafte fünf Reiskörner pro Tag erhalten, wenn sie sich versklaven lassen. Tödliche Unfälle wird es dann gewiss auch geben, aber dann kann "die Industrie" ja wieder weiterziehen - vielleicht nach Grönland oder auch zum Mars.

  4. Die folgende, zutiefst menschenverachtende Passage aus dem Artikel hat mich fast sprachlos gemacht: "Äthiopien ist dabei das am meisten versprechende Land für die sich entwickelnde Textilproduktion in Afrika, sagen Fabrikbesitzer und Markenunternehmen. 'Äthiopien scheint hinsichtlich der Regierung, der Arbeitskräfte und des Stroms der beste Standort zu sein', sagt M. Raghuraman, der Chef für Unternehmensmarketing bei Brandix Lanka. Der größte Textilexporteur Sri Lankas ist am Potenzial Afrikas interessiert. / Außerhalb von Addis Abeba hat die Regierung vor kurzem für 250 Millionen Dollar den Industriepark Bole Lemmi errichtet. Er steht ausschließlich ausländischen Investoren der Textilindustrie offen. Riesige Hangars stehen auf dem Land, wo zuvor Gerste, Erbsen und Zwerghirse angebaut wurden." - Äthiopien ist eines der ärmsten Länder dieses Planeten, in dem kontinuierlich Menschen an Hunger und behandelbaren Krankheiten sterben - da ist es sicher eine wirklich gute Idee, dass die Regierung nun 250 Millionen Dollar aus der Staatskasse dafür benutzt, Infrastruktur und Arbeitslager auf ehemaligen Ackerflächen für "die Industrie" zu bauen, in denen neue Sklaven ausgebeutet und ausgepresst werden können, während in Asien die "Lebensstandards" logischer Weise wieder sinken.

Es ist nicht auszuhalten. Und solche Leute, die derartig widerwärtigen Ideologien anhängen, bestimmen das Geschick dieser Welt. Ist es denn da wirklich ein Wunder, dass immer wieder nur eine große, stinkende Jauchegrube herauskommt? - Es ist nicht auszuhalten.

---

Selbstportrait in der Hölle



(Gemälde von Edvard Munch [1863-1944] aus dem Jahr 1903, Öl auf Leinwand, Munch-Museum, Oslo, Norwegen)

Kommentare:

frei-blog hat gesagt…

Der Neger hat noch nicht ausgedient, sein Sklavendasein im 21. Jahrhundert wird nicht nur mit aller Macht vorangetrieben, es wird dazu noch verfestigt, eingefordert und als nötige Konsequenz eingekriegt. Wer sich nicht für eine Schüssel Reis, ein paar Zwiebeln knechten lässt, läuft Gefahr, als Neger und Sklave nicht mehr beachtet zu werden. Dann macht man eben den Negersklaven platt –

jakebaby hat gesagt…

Farbe/etc. macht nicht wirklich einen Unteschied. So einigen Sklaven im Sueden Amerikas ging es zeitgleich durchaus 'besser, denn zB. nahezu durchweg weissen Eisenhuetten'Arbeitern etc. in ihren versifften Werksbehausungen im Norden. ... und ja, auch Groenland, Mars, etc. waeren reif, wenns noch billiger und qualvoller denn fuer umsonst was zu holen und wen zum ausbeuten gibt.

Zu Afrika ein Beispiel des, diesbezueglich, weissen Handlanger-Schlipsborg, in seiner vorortig als auch deutschen(5:55 - 6:15)Ekelhaftigkeit. https://www.youtube.com/watch?v=K2pN0G_ztiM&feature=player_embedded

To be continued!

Charlie hat gesagt…

@ Jake: Die ganze Geschichte ist ja widerwärtig, die Du verlinkt hast, aber der deutsche "Unternehmer", der da allen Ernstes "argumentiert", Dumpinglöhne in Afrika seien allein deshalb schon gerechtfertigt, weil die dummen Sklaven ohnehin nicht mit Geld umgehen könnten, schlägt dem Fass tatsächlich den Boden aus.

Derweil war Gabriel mit einer Bande habgieriger "Industrie"-Vertreter im Schlepptau in China unterwegs, um "neue Märkte" zu erschließen und "Kontakte zu knüpfen" - Irrsinn und Korruption feiern unaufhaltsam einen Triumph nach dem anderen.

Liebe Grüße - und vergiss mich nicht, falls die "Enterprise" bei Dir doch noch aufkreuzen sollte: Ich muss und will hier dringend weg!!! :-)

jakebaby hat gesagt…

Charlie,

Da man Genaueres nie so recht weis, begnuege ich mich mit den rund 3,5 Milliarden Menschen auf diesem Planeten, welche um die 2 $/Euro/Stunde machen. Das sind dann die 'Superreichen im Vergleich zu den Beschriebenen, welche pro Monat so'viel machen, wie die 2$/Euro/pro-Stunde pro Tag. Auch unter den Armen gibt es Klassen/Schichten und die gehen auch oberhalb der unteren 3,5 Milliarden einen weiteren, langen vielschichtigen Weg. Die widerwaertige Rosenstory kratzt nur die Oberflaeche.
Im Zusammenhang ist diese http://jakester-express.blogspot.com/2010/08/bescheuerlte-kik-story.html Geschichte aufschlussreich, wenn man beachte, welche variable Scheisse auch nur ein einziges Arschloch/Scheuerl insszeniert.

Gruss
Jake