Montag, 8. Mai 2017

Naidoo, das Schlossgespenst


Als Musikwissenschaftler ist es ja meine "Pflicht", mich auch zum jüngsten, umstrittenen Erguss der "Söhne Mannheims" zu äußern. Aus musikalischer Sicht lässt sich hier konstatieren, dass die Drei-Akkorde-Harmonik dieser Schlagertruppe auch diesmal hochprofessionelll produziert worden ist: Hier gibt es also im Helene-Fischer-Universum nichts weiter auszusetzen.

Der Musikexperte Tom Wellbrock von den "Neulandsozialdemokraten", der Naidoos Erguss richtig klasse findet, merkt an:

Im Netz lassen sich unter den ach so aufgeklärten Naidoo-Kritikern immer wieder Stimmen finden (und zwar nicht zu knapp), die das Wissen über die musikalische Qualität Naidoos gebunkert haben. Die weisen dann gerne und lautstark darauf hin, dass es ja eh alles scheiße ist, was Naidoo produziert. Subjektiv betrachtet ist das völlig in Ordnung, denn man muss den Burschen nun wirklich nicht mögen, auch seine Musik nicht. Das allerdings mit einem objektiven Anstrich zu versehen – und das passiert regelmäßig – grenzt an Debilität. Denn als Musiker nehme ich selbstbewusst in Anspruch, zu erkennen, ob Musik handwerklich gut gemacht ist. Und das ist die Musik von Xavier Naidoo. Deshalb muss man sie nicht mögen, aber zu behaupten, die musikalische Qualität sei Müll, ist ein Zeichen von bis in den Himmel reichender Inkompetenz. Ich vermute, neun von 10 der Leute, die meinen, Naidoo sei ein schlechter Musiker, sind selbst keine.

Ich wüsste nun gern, wie Herr Wellbrock einen "Musiker" definiert. Ist es jemand, der während der Grundschulzeit mal Blockflötenunterricht hatte? Oder reicht es schon aus, um bei Naidoo zu bleiben, wenn man wimmernde Töne in ein Mikrophon absondern kann? – Xavier Naidoo ist kein "Musiker", sondern ein "Sänger" (ich bezeichne ihn eher als "Heuler"), der meines Wissens kein Musikinstrument – nicht einmal die Blockflöte – beherrscht und entsprechend auch keine "Kompositionen" vorweisen kann – da ist ihm selbst ein Udo Jürgens um Meilen voraus.

Die Wellbrock'sche Debilität muss man wohl beim Verfasser selbst suchen, denn sogar Heinos musikalische Inkompetenz kann nicht heranreichen an diesen Triumph der intellektuellen Belanglosigkeit. Dabei ist Naidoo, wie gesagt, noch nicht einmal verantwortlich für diesen Schlager-Müll, denn er besitzt ja keinerlei musikalische Fähigkeit. Ich weiß nicht, wer diesen Schlagersong "komponiert" hat, aber ich weiß, dass Naidoo allenfalls für den Text zur Rechenschaft gezogen werden kann.

Es ist nur eine Randnotiz, dass Wellbrock sich vollkommen lächerlich macht, wenn er in diesem Zusammenhang von "handwerklich" gut gemachter Musik redet, während er doch nur professionell produzierte, geklonte Meterware aus der profitorientierten Discounterhölle meint. Nach dieser Logik ist sogar jeder Song der Wildecker Herzbuben "handgemachte" Musik", während jede progressive Band in ihrem Garagenübungsraum mangels perfekter Soundqualität unverzüglich aus seinem "Ranking" ausscheidet. Mein Gehirn explodiert schon jetzt – leise und unmerklich.



Kommen wir also zum Text – dem einzigen Bestandteil des in Rede stehenden Songs, an dem Xavier Naidoo einen erkennbaren, urheberrechtlichen Anteil hat bzw. haben kann. Wellbrock zitiert ihn in Gänze und findet ihn vollkommen in Ordnung. Mir fällt dazu allerdings nur eine Analogie ein: Dieser infantile Sermon könnte auch wortgleich in einer antikommunistischen Show von Alex Jones oder Ken Jebsen gebetet werden – denn hier werden weder die Verursacher, noch die Nutznießer des kapitalistischen Systems benannt, sondern lediglich diffuse Ressentiments "besorgter Bürger" bedient. Und diese fußen ganz offensichtlich auf menschenfeindlichen Ansichten aus pegidiotischen AfD- und NPD-Kreisen. Äußert sich Naidoo hier kapitalismuskritisch oder merkt er an, dass Superreiche enteignet werden müssen, um ein Überleben der Menschheit zu ermöglichen? Gibt es überhaupt irgendwelche antikapitalistischen Hinweise? Nein? Oh, welch ein Wunder! – Es ist geradezu erschreckend, mit welch einer bestürzenden, geradezu dümmlichen Zustimmmung das gruselige Kommentariat bei den "Neulandsozialdemokraten" diesen furchtbaren Schmonzes bejubelt – frei nach dem Kindergarten-Motto: "Wenn die Lügenpresse es verreißt, muss es also gut sein".

Ich führe die "Neulandsozialdemokraten" nur noch wegen Wellbrock in der Linkliste (über Roberto "Berufsverbote" Lapuente müssen wir nun wirklich nicht mehr diskutieren) – aber inzwischen bin ich auch hier eher skeptisch. – Herr Wellbrock, meinen Sie als "Musiker" das wirklich ernst oder darf ich Sie doch bitte "titaniclike" verstehen?

Ich bin vollkommen ratlos und erbreche mich mit Schmackes in die "Arbeitermütze", die Naidoo so gerne trägt. Wohl bekomm's!

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(der-postillon.com, Fotos von Shutterstock)

Kommentare:

Stefan Rose hat gesagt…

Jenseits des musikalischen Analphabetismus finde ich dieses, wie ich meine, überflüssige Inschutznehmen Naidoos in diesem Umfeld inzwischen sehr problematisch. Der Typ hat jenseits seines Genöles, pardon, sängerischen Schaffens, eine Reihe heftiger Sprüche abgelassen und kokettiert ziemlich eindeutig mit müffelnden Milieus. Den Herrn Schreyer zum Beispiel focht das heute auch nicht an. Der betrachtet den Text des aktuellen Songs völlig isoliert und meint über die (zum Teil überzogene) Reaktion in den Medien: Buhu, hier soll nur wieder eine unbequeme Stimme mundtot gemacht werden. Auch Wellbrocks leidenschaftliches wie kritikloses Ganser-Plädoyer Und so was wundert sich dann über Querfront-Anwürfe.

Stefan Rose hat gesagt…

"Auch Wellbrocks ... Ganser-Plädoyer ist mir in unguter Erinnerung geblieben.", sollte es eigentlich heißen. Ups.

altautonomer hat gesagt…

Stefan Rose: Ganser, Naidoo, Jebsen, Wellbrock. Querfront marschiert. Mehr fällt mir zum Inhalt des Textes auf den neulandflöten nichts ein. Außer....moment. Sie arbeiten gern mit abstrakten und Pauschalbegriffeen wie "Frieden". Hitler und Mussolini wollten doch auch Frieden......nach dem Sieg. Welllbrock beschimpft die Kritiker des Textes in übelster Form, ohne sich deren inhaltliche Argumentation zu nähern.

Auch, wenn es sich nicht schickt, als Linker auf Spon zu verweisen, aber hier hat ein Journalist sich sehr intensiv mit dem Inhalt des Songs befasst:

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/xavier-naidoo-eklat-um-marionetten-zerstoerer-statt-saviour-a-1146302.html

"Missbrauch betreiben vor allem Naidoo und seine Kollegen, indem sie ihre Popularität instrumentalisieren, um demagogische, verhetzende Inhalte massentauglich zu machen. Als Medien- und Entertainmentprofi, der seit 20 Jahren erfolgreich in Deutschland Musik macht und auftritt und es damit zu Wohlstand gebracht hat, weiß er genau, auf welche wunden Punkte er drücken muss, um maximale Aufmerksamkeit zu erhalten. "

Zur Musik. Naidoos Genöle ist die Liebingsmusik für tätowierte Hausfrauen. Er wurde auch schon als Deutschlands größter Soulsänger bezeichnet. Das empört mich als Soul und Funk-Liebhaber sehr. Denn ihn in eine Reihe mit James Brown, Sam and Dave, den Supremes, den Temptations, Undisputed Truth, Aretha Franklin, Diana Ross, Tina Turner und Edwin Starr zu stellen, ist eine Anmaßung.

Wellbrock: Wegtreten.

Arbo hat gesagt…

Charlie, jetzt hast Du mich dazu verleitet, mir diesen blödsinnigen Text durchzulesen...

Nee, von der Qualität her sollte sogar noch eine drittklassige Teenager-Punk-Band bessere Texte schreiben. Ich glaube auch, dass der nur deshalb so 'singt', weil's vom Text her auch nicht anders geht.

Inhaltlich ist das 'ganz großes Kino'. Am Ende rumnölen: "Denkt, Ihr wisst alles besser
Und besser gehts nicht, schätz ich" ... aber am Anfang von Tatsachen schwafeln, die verdreht würden, was impliziert, dass da jemand selbst offenbar der Meinung ist, ganz genau zu wissen, was die Tatsachen sind...

Nee, wenn ich was Wirtschafts- und Gesellschaftskritisches hören will, gibt's zig bessere Sachen. BodyCount ist z.B. textlich sicher auch nicht immer der lyrische Hochgenuss. Dem IceT nehm' ich aber wengistens den Ärger und die Wut ab - da gibt's was auf die Mütze, unter der sich unser näselnder Aluhut sonst ganz weinerlich zurückzieht. Ich meine, es gibt da zig Leute, die mehr zu sagen haben. Und zwar auf eine packende Art. Gesellschaftskritik usw., das geht jedenfalls auch ganz anders, wenn ich so an Skeptiker denke. Oder an "Anger!Hostility towards the opposition!"...

LG
Arbo

MT hat gesagt…

Ich kenne eigentlich niemanden in meiner Umgebung, dem der Naidoo nicht tierisch auf den Keks geht. Und das schon seit Jahren. Ich kann mich noch daran erinnern, dass er in den 90ern eine Riesenshow wegen irgendwelchen Preisverleihungen abgezogen hatte. Er wollte die Preise, die er damals bekam, nicht einfach so annehmen, sondern hat sie bei der Übergabe in Textilien eingewickelt, weil er damit nicht gesehen werden wollte, oder so. So wirklich erklären konnte er das damals nicht. Das Ganze war schon damals total durchgedreht und alle haben nur noch die Augen verdreht, wenn das Thema auf ihn kam. Dann hat er auch schon damals mit seinem angeblichen religiösen Glauben stark polarisiert und hat andauernd die Kraft von Jesus besungen. Er scheint einfach ein freakiger Typ zu sein. Was an sich nicht so schlimm wäre, wenn er das nicht öffentlich praktizieren würde.

Jetzt kommt er mit der "politischen Nummer". Und provoziert hier auch wieder. Er scheint aber auch über einen gewissen Status in der Musikbranche zu verfügen, denn sonst würde diese Vox-Sendung "Sing meinen Song" nicht so gut laufen. Die ich übrigens sehr langweilig finde. Wieso sie einen so großen Erfolg hat, erschließt sich mir nicht.

Im Grunde ist er nicht wirklich begabt und füttert diese "Söhne Mannheims" mit durch. Er fühlt sich dazu befugt andauernd irgendwelche Botschaften zu verkündigen, um die Menschen zu "erwecken". Leider sind diese Botschaften oft schnulzige Plattitüden und zusammengeklaubte semi-esoterische Behauptungen. Viel mehr habe ich in den ganzen Jahren von ihm nicht gehört. Sein eierloses Genölle tut das übrige. Wenn er wenigstens irgendeine Power hätte. Aber wirklich deutlich wird er ja auch nie, sondern verdreht seine Botschaften in einer geschwurbelten Sprache. Das Spielchen scheint ihm aber zu gefallen.

Politikerbashing kann man auch unterhaltsamer übermitteln ;-).

https://www.youtube.com/watch?v=3YA55XUOZV0

michl hat gesagt…

Das was Meister Naidoo macht ist die alte Böhse Onkelz/Rammstein Masche. Die Texte immer schön vage halten, damit mann sie so oder so lesen kann. Dabei ist immer klar wohin die Reise geht. Wenn die Kameraden Klartext singen (oder nölen) würden könnte mann nicht mehr soviel damit verdienen. Wellbrock geht der Masche voll auf den Leim, und entblödet sich nicht auf die Scherben zu verlinken, die hattens wirklich nicht nötig irgendwas zu verklausulieren (bei denen bekam der Chef aufs Maul und das haben Sie auch so gesungen)

p.s.: keine Debatte über die Onkelz und Rammstein jetzt, die waren sind und werden immer rechts sein!

Anonym hat gesagt…

Bitte denkt daran: Charlys Text hat 2 Komponenten. Der erste ist Naidoos Text, der zweite, dass ein sich links verortender Blogger einen derartigen Dreck darüber verfassen kann, dass sich die rechte Bande auf die Schenkel klopft und ohne dass sich in Kleinbloggersdorf etwas rührt. Das ist nach der Ganser-Weisswaschung vor wenigen Tagen nun der zweite Versuch Wellbrocks, die Leser auf Querfrontsympathisanten umzukrempeln.

Nur beim Käptn hier wird mal wieder das Tabu der "Kollegenschelte" gebrochen und der Corpsgeist missachtet.

Das im Dörfchen aufgewachsene schwule Paar betritt die Kirche und die Gemeinde blickt peinlich berührt zur Seite.

Martin hat gesagt…

Hilfe, da singt einer die Wahrheit - schnell weg mit dem!

Martin hat gesagt…

Ist doch das gleiche wie mit Pegida und der AfD. Wer in diesem Land die Wahrheit sagt, der wird weggemobbt und bespuckt. Das war schon immer so im Mitläufer-Deutschland. Wer nicht links ist, ist rechts. Wer Merkels Asylirrsinn kritisiert, ist noch rechter und wer sein Volk vor der Islamisierung schützen will, ist rechtsradikal. Ah ja genau!!! Fragt sich nur wer ist hier der neue Faschismus.

altautonomer hat gesagt…

Ich bin der MARTIN ne!: "Wer Merkels Asylirrsinn kritisiert, ist noch rechter und wer sein Volk vor der Islamisierung schützen will, ist rechtsradikal."

Huch!.... ein besorgniserregender Bürger!

altautonomer hat gesagt…

Ausgerechnet so eine linke Pussy wie Wellbrock kokettiert am Ende seines Textes mit der Band Ton, Steine, Scherben, die auch so etwas wie das Kampflied der Autonomen komponiert haben.

https://www.youtube.com/watch?v=pOBf8mXIhoc

Ziemlich dreist und anmaßend von einem Rechtsdrehenden.

Siewurdengelesen hat gesagt…

Dem Ganzen muss nicht mehr Bühne geboten werden als nötig. Das Naidoo hier einer - ihm nicht unsympathischen? - Klientel Nahrung bietet, ist doch recht eindeutig.
Dabei ist der Inhalt des Liedes genauso verkürzt dargeboten wie oftmals die Denkweise der angesprochenen Gesellschaftskritiker, da gibt es definitiv Besseres mit echtem Tiefgang;-)

Vermutlich will er eher seiner Popularität damit etwas auf die Sprünge helfen statt diese für seine Botschaften zu nutzen. So dolle ist das jetzt auch nicht mehr bei ihm. Aber das Spiel beherrschen andere wie Höcke, Bachmann und so mit ihrer gezielten Provokation am Rande des Erträglichen oder besser immer knapp darüber ebenfalls bestens.

So what - soll er halt weiter vor sich hin greinen im Glauben, damit ausser den Reichsdeppen und anderen Esos Volkes Stimme zu sein.

@Stefan Rose, falls Du hier mitliest:

Wieso ist das Schreiben bei Dir so schwierig? Mir ist es seit Jahren nicht gelungen, einen Beitrag bei Dir zu posten. Selbst mit abgeschaltetem Skript- und Adblocker verschwinden die Beiträge regelmässig im Nirvana.
Dabei lese ich Deine meist klugen und treffenden Gedanken sehr gerne.

Gruss
Siewurdengelesen

Stefan Rose hat gesagt…

@Siewurdengelesen:
Danke, freut mich. Ansonsten: Schwierige Frage (@Charlie: O/T, sorry). Deine Posts landen definitiv nicht bei mir im Spam, das habe ich gecheckt. Die Captchas kann ich für Kommentatoren ohne Blogger-Profil leider nicht deaktivieren, die Option habe ich nicht. Vielleicht geht da was schief. Also mal anonym oder mit einer der anderen Optionen posten. Ich habe z.B. Probleme bei Pantoufle (Wordpress) zu posten, die Dinger verschwinden immer, wenn ich meine Adresse mitschicke. Kann auch sein, dass dein Mailanbieter meine Blog-Adresse evtl. als Spam eingestuft hat (web.de z.B. hat einen fiesen Spamfilter unter der Haube laufen), also evtl. mal eine andere Mailadresse versuchen. Mehr fällt mir spontan auch nicht ein, tut mir leid.
Sollte das weiter nicht funktionieren, stelle ich die Frage gern die Tage mal in den Blog.

Charlie hat gesagt…

Vielen Dank für die ergänzenden Kommentare. Es ist beruhigend, dass ich mit meiner Einschätzung nicht ganz so isoliert dastehe, wie ich das zunächst befürchtet habe.

@ michl: Diesen Hinweis kann ich Dir aber leider nicht ersparen: Wenn Du die "Onkelz" und Rammstein allen Ernstes in dieselbe rechte Eckschublade schieben willst, bist Du damit auf dem Holzweg. Rammstein haben sich - anders als die "Onkelz" - klar und deutlich (was sie sonst eher nicht tun) zu diesem alten, inzwischen sogar von den konservativen Medien nicht mehr erhobenen Vorwurf geäußert, nämlich in dem schon 2001 veröffentlichten Song "Links 2 3 4", in dem es heißt:

"Sie wollen mein Herz am rechten Fleck
Doch seh ich dann nach unten weg
Da schlägt es links"


Das ist für Rammstein-Verhältnisse an Deutlichkeit nicht zu übertreffen - zumal es meines Wissens auch davor in keinem ihrer Songtexte irgendwelche Anzeichen für rassistische, faschistische oder deutschnationale Tendenzen gab. ;-)

Liebe Grüße!

altautonomer hat gesagt…

Siewurdengelesen: Meine Bedenken bezüglich Naidoo begründe ich damit, dass Naidoo eine nicht unbedeutende Reichweite hat und unter Verwendung bestimmter, leicht abgefälschter Codewörter ("Totschild") Messages an sein Zielpublikum sendet. Die Gefahr sehe ich darin, dass er sein bisher teilweise unpolitisches Fangemeinde damit rechtspopulistisch und antisemitisch anfixt.

Nach dem Gespräch mit dem Mannheimer Oberbürgermeister ist sein Fazit, dass er mal wieder missverstanden wurde. Eine Standardbehauptung, die wir bereits von den AfD-Promis von Storch und Petry kennen.

altautonomer hat gesagt…

Jetzt geht die Post bei den neulandrebellen aber richtig ab. Der Pazifist Wellbrock plädiert ganz im Sinne des Reformflügels der Partei die LINKE für Auslandseinsätze der Bundeswehr mit UN-Mandat und bezeichnet den Ruf nach "Nie wieder Krieg" als Abwertung der von ihm tolerierbaren Völkerrechtsmandate. Bombenkrieg lehnt diese Friedenstaube mit Blechmütze selbstverständlich ab, währen er gegen Bodentruppen nichts einzuwenden hätte.

Das Argumentationsmuster ist mal wieder dasselbe: Erst das Bekenntnis, "Ich bin ja Pazifist aber......". Das kennen wir doch bereits zur Genüge von einem anderen Thema: "Ich bin ja kein Rassist aber......"!

Ich vermute: Zu lange am Chem-Trail geschnüffelt.

Arbo hat gesagt…

@charlie:

danke dir für die ergänzung zu lindemann&co. - mir hat's auch in den fingern gejuckt, weil rammstein schon textlich in ganz anderen welten unterwegs sind. aber davon abgesehen scheint mir das bei denen eh ein ost-west-problem zu sein. die 'spielen' mit andeutungen zwischen den zeilen, was der ossi intuitiv dechiffrieren mag, während andere wie das berühmte schwein vor'm uhrwerk stehen. prinzipiell ist die gleichsetzung onkelz&rammstein auch eine frechheit, weil der hintergrund der bandmitglieder auch ganz klar gegen rechts spricht.

auf jeden fall ist links 2, 3, 4 genau das entsprechende statement (das halt auch anders ausfällt, als "schrei nach liebe" von den ärzten damals - noch viel früher -, aber genau so deutlich ist).

lg
arbo

Dirk hat gesagt…

@ Altauto:

Der Pazifismus-Beitrag auf Neuland ist aber nicht von Wellbrock, sondern von Lapuente.

altautonomer hat gesagt…

Dirk: Yepp. Ich nehme alles zurück, was Wellbrock oben betrifft. Das war der Püntes. Da wundert mich nichts mehr. Soll er sich doch selbst demontieren.

Siewurdengelesen hat gesagt…

@altautonomer

"Meine Bedenken bezüglich Naidoo begründe ich damit, dass Naidoo eine nicht unbedeutende Reichweite hat und unter Verwendung bestimmter, leicht abgefälschter Codewörter ("Totschild") Messages an sein Zielpublikum sendet. Die Gefahr sehe ich darin, dass er sein bisher teilweise unpolitisches Fangemeinde damit rechtspopulistisch und antisemitisch anfixt.

Nach dem Gespräch mit dem Mannheimer Oberbürgermeister ist sein Fazit, dass er mal wieder missverstanden wurde. Eine Standardbehauptung, die wir bereits von den AfD-Promis von Storch und Petry kennen."

Das schrieb ich ja, denn das ist dieses Spiel mit den Ressentiments und immer leicht über der Kotzgrenze, welches eben gerade die armen Missverstandenen von AfD, Pegida, Naidoos (hier weiter die Arschlöscher der Wahl einsetzen) nutzen.
Im Endeffekt hat er über die Diskussionen über sein "Werk" mehr Propaganda bekommen, als wenn sich die Medien mit ihrer "Kritik" nicht an ihm abgearbeitet hätten. In vielen Fällen ist das aus meiner bescheidenen Sicht nicht einmal mehr Zufall, sondern Absicht.
Vordergründig macht man jemanden nieder, tatsächlich ist es gut verpackte Reklame und das scheint mir hier sehr der Fall zu sein. Wer anhand des Erscheinens Naidoos bis jetzt noch nicht geschnallt hat, wie der politisch tickt. Den Reichsdeppen und anderen Esos muss man diese Gehirngrütze auch nicht nahebringen, solange der Schmonz auf deren Wellenlänge liegt, kann das noch so dümmlich sein und wird trotzdem konsumiert und als "Wahrheit" wiedergekäut...

OT@Stefan Rose

Bei Gelegenheit versuche ich mal wieder mein Glück. Vielleicht gelange ich ja durch die Google-Barriere, wobei ich mir das seitens des Providers eher nicht vorstellen kann, da es auf anderen Seiten mit ähnlicher Abfrage funktioniert und ein GMX/web.de-Konto ist es nicht.

Charlie hat gesagt…

@ Stefan Rose: Zu Wellbrocks Ganser-Lobhudelei hätte ich gerne ebenfalls etwas geschrieben. Leider hat mir da die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung gemacht, und als ich wieder halbwegs fit war, war der "Drops bereits gelutscht". Eigentlich kam ja auch - aus demselben Grund - dieser Beitrag zum "Marionetten"-Song viel zu spät.

Ich wünsche mir ohnehin, dass mehr BürgerInnen (und BloggerInnen!) von Kleinbloggersdorf derartige Vorlagen aufgriffen - eine lebendige Linke kann ohne derartige Selbstkritik doch nur verkrusten und erstarren. Lapuente ist das beste bzw. gruseligste Beispiel dafür - mit solchen (nach einem derben Hustenanfall kann ich weiter schreiben) "Linken" ist kein Blumenpott zu gewinnen, wie man im Ruhrgebiet sagt.

In Bezug auf Wellbrock bin ich mir nicht sicher, ob der wirklich immer glaubt, was er da schreibt - schließlich haut er zwischendurch auch immer mal wieder vorzügliche Texte heraus, die ich ohne Bedenken unterschreiben kann. Auf welche Weise er zu seinen Einschätzungen bezüglich Ganser und Naidoo gekommen ist, entzieht sich freilich meiner Kenntnis. Er wird sich hier gewiss auch nicht dazu äußern.

Aus meiner Sicht gibt's hier keine andere Möglichkeit als immer mal wieder die übelsten Verkrustungen aufzugreifen und sich damit den insbesondere aus rechtsradikalen Kreisen allzu bekannten Titel des "Nestbeschmutzers" einzuhandeln. Ich mäßige mich dabei schon, denn Anlässe gäbe es mehr als genug.

Liebe Grüße!