Donnerstag, 15. Juni 2017

"Freiheit den Palästen, Krieg den Armen!"


Der kapitalistische Krieg gegen Arme geht munter weiter: Jüngst hat sich die korrupte Bande, diesmal in Dänemark, wieder weit aus dem Fenster gelehnt und einen weiteren Schritt in Richtung rechts außen angekündigt. Nun soll es "Bettlern" an den Kragen gehen, die ja bekanntlich zu den schlimmsten Feinden von "Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit" gehören, die man sich überhaupt vorstellen kann, sofern man solchen widerwärtigen, beschlipsten Menschenfeinden zuhört.

"Aktives Betteln" – also "die aktive Nachfrage nach Geld oder das Aufstellen eines Schildes mit der Aufforderung, Geld zu geben" – ist in Dänemark schon jetzt strikt verboten. Das reicht den fürstlich aus Steuergeldern entlohnten Schlips-Borg aber noch nicht, wie vor einigen Tagen bei n-tv nachzulesen war:

Arme Bettler: Die dänische Regierung will rasch härtere Strafen für Bettler einführen. Justizminister Søren Pape Poulsen zufolge soll aggressives Betteln mit zwei Wochen Gefängnis geahndet werden.

Selbstverständlich ist die dänische Räuberbande in dieser braunen Jauchegrube keineswegs allein – es gehört inzwischen (wieder) in vielen Staaten des "freiheitlich-demokratischen Westens", darunter selbstredend auch Deutschland, zum guten Ton, mit staatlicher Ordnungsmacht gegen Obdachlose und Arme vorzugehen, anstatt ihnen zu helfen. Wie lange mag es wohl noch dauern, bis in dieser stetig "besser werdenden Welt" (A. Merkel und B. Obama auf dem jüngsten "Kirchentag") des obszönen Glitzerkapitalismus' nicht mehr "nur" Flüchtlinge und Asylsuchende in Lagern oder Gefängnissen zwangsinterniert werden, sondern auch wieder Arme (die in der Nazi-Sprache vor 80 Jahren schlicht als "Asoziale" beschimpft wurden) oder politische Systemgegner?

Wer agiert hier klar erkennbar asozial bis ins Knochenmark – Menschen, die sich aus welchen Gründen auch immer zum Betteln genötigt sehen, oder diejenigen, die sie ausgerechnet deswegen in den Knast stecken wollen? Und ist eine "aktive" und vergleichsweise aggressive Bettelaktion, wie sie beispielsweise von den ebenfalls hochbezahlten Redaktionen der "Tagespropaganda" kürzlich wieder einmal verbreitet wurde, in diesem kranken Kontext nicht ebenfalls ein zu ahndendes Verbrechen? Wo ist doch gleich der Unterschied? – Man weiß so wenig in dieser verkommenen Welt, die jeden Tag ein Stück ekelerregender, brauner und grotesker wird.

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Alter Bettler mit einem Knaben



(Gemälde von Pablo Picasso [1881-1973] aus dem Jahr 1903, Öl auf Leinwand, Pushkin Museum of Fine Arts, Moskau, Russland)

Kommentare:

Arbo hat gesagt…

Ich hab's gestern auch gelesen. Was mich selbst an der ganzen Sache - an mir selbst - ärgert: Ich bin's übergangen, mir hat die Überschrift gereicht und ich dacht' so bei mir 'Typisch, aber was willst' machen?'. Mittlerweile sind solche Dinge so sehr zur Normalität geworden, dass es mich kaum noch wundert.

Habe gerade auch die Pressemitteilung von Ärzte ohne Grenzen für das Jahr 2016 mitbekommen, da werden auch Zustände beklagt, die zum Himmel schreien.

Kannst' eigentlich kaum nüchtern ertragen sowas...

Eike Brünig hat gesagt…

Ich sehe das differenziert. Das Problem ist halt die Bettelmafia, die in jeder größeren Stadt aktiv ist. Ob es da hilfreich ist, alle Bettler über einen Kamm zu scheren, ist allerdings fraglich.

Charlie hat gesagt…

Entschuldige, Eike, aber falls es das genannte Problem des "Missbrauchs" tatsächlich in derartig gesteigertem Maße geben sollte (was ich bezweifle), dass gesetzliche Regelungen erforderlich erscheinen, bleibt es doch eine absurde Widerwärtigkeit ohnegleichen, anstelle des eigentlich notwendigen Versuches, jene "Missbraucher" an ihrem Tun zu hindern, gleich das Ganze, nämlich das Betteln an sich, für alle (mit Ausnahme der staatlichen oder massenmedialen Stellen, siehe oben) unter Strafe zu stellen.

Im Kapitalismus wird es immer und in jedem nur denkbaren Szenario Kriminalität geben, die auf schnöde Bereicherung aus ist - das ist so sicher wie der krähende Hahn auf dem bäuerlichen Misthaufen bzw. dies ist der Wesenskern dieses Systemes. Kapitalismus beruht auf individueller Habgier.

Du bist doch - hoffentlich! - auch nicht der Ansicht, der Staat dürfe beispielsweise Erkrankten kein Geld mehr zahlen, weil es gewiss auch Kriminelle gibt, die eine Krankheit nur vortäuschen, oder?

Liebe Grüße!

Ich bin kein Roboter hat gesagt…

Einfach mal so zwischendurch:
Danke für die letzten (allesamt sehr guten) Beiträge!

Bezüglich des Themas "Der hässliche Deutsche" hattest du auch vorgeschlagen, bei dir eingehende Braunkot-Mails zu veröffentlichen und zu kommentieren:
Bitte mach dies, ich denke es ist sehr erheiternd und erhellend, und genau die richtige Art mit diesen Knallköppen abzurechnen.
Das Titanic-Magazin macht dies ja auch regelmäßig (wenn sich bspw. wieder ein paar Verwirrte über das aktuelle Zeitschriften-Cover aufregen) :-)

Zum obigen Thema: Diese bigotte Welt wird nicht nur gefühlt immer schlimmer. Es ist tatsächlich so.
Ich bin ja ein großer Sci-Fi-/Dystopie-"Fan" ... und ich beobachte wie die Einschläge immer näher kommen...

Eike Brünig hat gesagt…

Charlie, da sind wir doch einer Meinung! Ich sehe aber schon, dass die Bettelmafia ein Problem in Großstädten ist und damit meine ich ganz sicher nicht die Obdachlosen und die anderen Verlierer des Systems.
Und Nein, ich halte eine Krankenversicherung, die auch gerade für die Schwächsten da ist und die Behandlungskosten übernimmt, für die absolute Mindestvoraussetzung eines Staates.

frei-blog hat gesagt…

Mein Zahnarzt wird mich demnächts – wieder einmal – mit seinem bettelnden Blick begutachten und darauf hoffen, dass sich sein Einkommen noch weiter steigern lässt, mit allen Tricks medizinischer Bettelkultur, der sehrwohl weiß, worauf er zu achten hat. Blöd ist nur, dass ich in seiner EDV als Härtefall geführt werde (oder auch vorgeführt), als bettelnder Krankenkassen-Bettler, der sich einmal im Jahr darüber erfreuen darf, seine Zuzahlungsunfähigkeit zu bekräftigen.
Und da dies so lustig ist, fordert mich meine Krankenkasse jährlich dazu auf, mein Einkommen überprüfen zu müssen (ist gesetzlich geregelt), da sich des Bettlers Vermögensverhältnisse wohl schlagartig ändern könnten.
Und weil dies so ist mit dem Bettler, braucht's verschärfte Gesetze, eine jährliche Diätenerhöhung für bettelnde Leistungsbettler, in deren Händen sich vereint, was dem Bettler aberkannt werden sollte.

Polly Jean hat gesagt…


Als Jacob Riis 1890 "Wie die andere Hälfte lebt" veröffentlichte, war die Empörung groß und führte tatsächlich zu einigen Verbesserungen der Lebensbedingungen.
Heute ist Armut in der westlichen Welt nicht sichtbar, wenn doch, dann voller Klischees im sogenannten "Bildungs-fern-sehen" oder in der Blöd-Zeitung.
Ab und an gibt es eine stylische Fotostrecke (z.B in der Zeit), aber strukturelle Ursachen von Armut werden kaum thematisiert. Die Meinung: "DIE sind selber schuld" hat sich durchgesetzt, da vom Fernsehen erlaubt, bzw. vorgegeben.

Anderes Thema: Kunst und Politik

Habe mich gefragt, was sagt eigentlich Gerhard Richter, der ja aus Dresden kommt, zu Pegida. Was soll ich sagen, habe dieses Interview gefunden:

http://www.deutschlandfunk.de/deutschland-maler-gerhard-richter-rechnet-mit-merkels.1818.de.html?dram:article_id=371553

Ich muss jetzt erstmal brechen.
Man sieht sich auf der "Enterprise"