Dienstag, 4. Oktober 2011

Es wird Winter: England schafft den Sozialstaat ab

(...) David Cameron ist offenbar entschlossen, [den britischen Wohlfahrtsstaat] endgültig zu fällen. Nach den "Blackberry-Krawallen" Anfang August, den Brandschatzungen und Plünderungen in den heruntergekommenen Stadteilen von London, Manchester, Liverpool und Birmingham, stellte er noch einmal klar, dass er an den Einsparbeschlüssen festhalten werde und die Zeiten "des Wohlfahrtsstaates, der Nichtstun belohnt", vorbei seien. Die Kommunen rief er dazu auf, verurteilten Randalierern umgehend die Sozialwohnung zu kündigen. Von den heftigen Kürzungen des Polizei-Etats – einschließlich des Stellenabbaus um zwölf Prozent – will der Regierungschef nicht abrücken. Bei weiteren Krawallen könne man ja die Armee oder (wie einst in Nordirland) Wasserwerfer und Gummigeschosse einsetzen.

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Anmerkung: Der Bürgerkrieg scheint in greifbare Nähe zu rücken - die neoliberale Bande zeigt nicht den Hauch einer Einsicht. Auf der Insel werden Arme und Abgehängte eiskalt in die Knäste oder die Obdachlosigkeit geschickt, in der EU werden weiterhin privaten Banken permanent Milliarden Steuergelder in die unersättlichen Rachen gestopft, während die Bevölkerungen weiter verarmt und ausgeblutet werden - allen voran auch dort natürlich die Ärmsten.

Merkt von diesen Schlips-Borg denn tatsächlich niemand, dass sie da permanent an den Lunten eines riesigen europäischen Pulverfasses zündeln - oder meinen sie allen Ernstes, die Polizeien und Armeen würden das Problem schon richten, wenn es explodiert?

Zumindest Herr Cameron scheint diese Meinung ja zu vertreten. Ich schließe mich allerdings dem Autor des verlinkten Textes an, der meint: "Wie lange wird es wohl dauern, bis die Mehrheit der britischen Gesellschaft die herrschende polit-ökonomische Klasse satt hat und ihr in einem Schnellverfahren die Freiheit nimmt, immer mehr (jungen) Menschen die Chance auf ein würdiges Leben in Freiheit zu rauben?"

Kommentare:

Nuntius hat gesagt…

Die Radikalisierung der neoliberalen Menschenfeinde steigt stetig. Jeder Gewaltausbruch der unterdrückten Unterschicht wird als Vorwand für weitere Repressionen genommen. Dabei formen sich die Staaten zu vollstreckern einer mächtigen Finanzelite. Der Überwachungsstaat ist die logische Konsequenz. Und die gleichgeschalteten Systemmedien senden ihre auf Lügen, Halbwahrheiten und bewusster Aussonderung wichtiger Themen basierende Propaganda, so dass die Mittel- und Oberschicht weiterhin an das Unrechtssystem glaubt und sich in ihren Vorurteilen gegenüber der Unterschicht bestätigt fühlt. Die komplette Herzlosigkeit hat sich Bahn gebrochen und der totale Kult des Geldes ist dabei, die Welt in Geiselhaft zu nehmen.

Charlie hat gesagt…

So ist es - vielleicht mit der kleinen Korrektur, dass sich die Welt bzw. weite Teile davon bereits in der Geiselhaft der Finanzelite befindet.

Es ist an Grotesken kaum mehr zu überbieten: In einer Zeit, in der mehr Geld existiert als jemals zuvor, versinkt der überwältigende Großteil der Menschheit in Armut, an allen Ecken "fehlt das Geld" - während eine verschwindend kleine Minderheit fett grinsend auf sich immer weiter aufblähenden Vermögen sitzt. "Tollhaus" ist ein viel zu mildes Wort für die Beschreibung des Zustandes dieser Welt.

Kein anderes System hat in der Weltgeschichte so nachdrücklich und wiederholt bewiesen, dass es nicht funktioniert und unweigerlich in die Katastrophe führt, wie der Kapitalismus. Die neoliberale Bande wird auch diesmal nicht vorzeitig aufgeben, sondern bis zum bitteren Ende weitermachen - wie auch immer das bittere Ende diesmal aussehen wird. In keinem Fall wird dieses Ende für die große Mehrheit der Menschen - einschließlich der verblendeten Mittel- und Oberschicht - erfreulich ausfallen.

jakebaby hat gesagt…

Das ist genau das, was ich in Geschichte/Gegenwart nie kapiert habe oder werde.

Immer schoen weiter so.
Die Groessenordnung wurde immer fataler, letztendlich Global.
Man scheint nicht zu verstehen, dass wir in einem geschlossenen System leben, aus dessen Atmosphaere keiner rauskommt.

"- oder meinen sie allen Ernstes, die Polizeien und Armeen würden das Problem schon richten, wenn es explodiert?" ...implodiert?

Auch davon muss man ausgehen.
Auf die jetzig aufkommende Gewalt, fuer welche sie mit ihrem Tun vollstens verantwortlich sind, reagieren sie ja schon rein ausschliesslich mit Gewalt.
Auch dieses Urprinzip der Gewalt durch Gewalt - Spirale scheint Ihnen vollkommen fremd.

Wie gesagt, ich kann es nicht verstehen!
Gar kommt es mir vor wie extrem kindlichste Naivitaet, Unvernunft, Unreife, ... und je mehr Gefahren man produziert, desto gefaehrlicher wird das Spiel.

Sicherlich ist Kapitalismus/Neoliberalismus ausschlaggebend. Aber ersteres mag keiner mehr hoeren, letzteres versteht kaum jemand.
Ehh nur Worte, deren globaltechnische Folgen vor allem Gesichter haben, die die wenigsten Menschen als solche erkennen.

Letztendlich ein semigeplanter Irrsinn, dessen Ausgang, vor allem absolut keiner der Planer, zu sehen vermag.

Schnell und schneller muss es gehen, und beim kommenden Verfalldatum sitzen Alle auf dem globalen Roulette-Tisch, irgendwer schnippt die letzte Kugel in die Umlaufbahn und fluestert .........