Samstag, 20. Oktober 2012

Schöne neue Arbeitswelt in England


Das große neoliberale Projekt der britischen Konservativen ist, im Zuge der Krisenbewältigung den Staat möglichst einzuschrumpfen und möglichst viele seiner Aufgaben zu privatisieren. Dabei entstehen viele Ideen, wie die propagierte "Große Gesellschaft" und der "Kleine Staat" aussehen könnten. Schatzkanzler oder Finanzminister George Osborne hat jetzt eine neue Idee vorgestellt, wie man die Arbeit von lästigen Regulierungen befreien und ganz flexibilisieren könnte.

Osborne will, wie er auf einer Konferenz der Konservativen am Montag erklärte, Unternehmen die Möglichkeit schaffen, den Angestellten viele Rechte zu nehmen, wenn sie ihrerseits den Arbeitnehmern Anteile ausgeben. Um dies den Unternehmern schmackhaft zu machen, will der Finanzminister, der in den nächsten Jahren weitere 10 Milliarden Pfund bei Sozialprogrammen einsparen will, 100 Millionen Pfund aufwenden, so dass die Unternehmensanteile in der Höhe zwischen 2000 und 50.000 Pfund, die den Angestellten offeriert werden, von den Steuern befreit sind.

Und Osborne entblödet sich nicht zu sagen: "Erhaltet Anteile und werdet zu Besitzern der Unternehmen, für die ihr arbeitet. Eigentümer, Angestellte und Steuerbeamte sind daran beteiligt. Arbeiter der Welt, vereinigt euch!"

(Weiterlesen)

Anmerkung: Es ist bemerkenswert, dass die neoliberale Bande trotz der katastrophalen Entwicklungen auf der ganzen Welt an ihrem Zerstörungskurs völlig unbeirrt festhält und dabei auf die irrwitzigsten Ideen kommt. Dieser Vorstoß aus England ist nun ganz besonders perfide, weil er manch einen Menschen, der in finanzielle Not geraten ist, tatsächlich dazu verleiten könnte, seine in Jahrzehnten mühsam erkämpften, unendlich wertvolleren Arbeitnehmerrechte an das Unternehmen zu verkaufen.

Wie pervers muss man eigentlich sein, um auf solche Gedanken zu kommen und sie dann auch noch allen Ernstes in die bereits zerfallende Welt zu posaunen? Die Aufstände in England waren offensichtlich noch längst nicht ausreichend - diese unverbesserliche Bande verlangt eine deutlich höhere Dosis, will mir scheinen. Und dieses infantile Gefasel von einer "großen Gesellschaft" und einem "kleinen Staat" nimmt denen doch hoffentlich sowieso niemand mehr ab. Hier geht es schlicht um die Verarmung und unkontrollierte Ausbeutung der großen Gesellschaftsmassen zugunsten einer sehr kleinen "Elite" - wie überall im neoliberalen Projekt der erneuten "Neuordnung" der Welt, das eigentlich eine Rückkehr in frühkapitalistische Zeiten darstellt, wie immer am Ende des kapitalistischen Zyklus'.

Dass diese sauberen Herren nun schon sozialistische Phrasen missbrauchen und instrumentalisieren, um ihren perfiden Gedankenmüll unter die Leute zu bringen, deutet auf eine weitere faschistoide Stufe der Eskalation hin. Nein, die Gier der Superreichen ist noch lange nicht gestillt - sie ist nie gestillt in diesem System. Auch diesmal werden sie das erbärmliche Spiel so lange vorantreiben, bis der regelmäßige "große Knall" kommt. Das war bisher unzählige Male in der Geschichte so, das wird - im Rahmen dieses Systems - unvermeidlich auch wieder so sein.

Wer sich mit den Ursachen für diesen anhaltenden Wahnsinn etwas näher auseinandersetzen will, sollte sich diese kleine Informationsveranstaltung zum Thema "Geld und Wachstum" ansehen - danach wird vieles verständlicher, was ansonsten fast unerklärlich scheint. Es diskutieren: Prof. M. Kennedy, Dirk Müller, Prof. H. Peukert, Prof. H. Spehl. Eine spannende Informationsveranstaltung, die die wichtigsten Fakten und grundlegendsten Infos bezüglich unseres Geld- und Wirtschaftssystems kompakt und auch für Laien verständlich zusammenfasst (vielen Dank an M. für den Tipp).





---

Aufkäufe


"Thyssen fragt an, zu welchen Bedingungen er das Gottesgnadentum haben kann."

(Zeichnung von Erich Schilling [1885-1945], in "Simplicissimus", Heft 12 vom 16.06.1920)

Kommentare:

darkmoon hat gesagt…

Die spinnen, die Briten. Wenn die das wirklich durchziehen, wirds das auch im Rest der Welt bald geben.

Diese youtube-Links sind tatsächlich ziemlich interessant, ich hab sie mir gestern angesehen. Sehr zu empfehlen!!

collegeboy hat gesagt…

tolle idee von diesem osbourne. warum führen die nicht gleich ein gesetz ein das besagt, dass man freiwillig in den knast gehen kann, wenn man dafür anteilseigner des privatisierten knasts wird?? oder eine börse auf der man seine verschiedenen menschenrechte meistbietend versteigern kann? und solche knallköppe sitzen wirklich in der politik?!? wtf!

die alte karikatur bringts echt auf den punkt. letzten endes versuchen diese reichen räuber wirklich alles zu kaufen. wies scheint hat sich die welt nicht verändert.

Charlie hat gesagt…

@ darkmoon: Klar sind alle diese "Vorschläge", die ständig durch die Medien geistern, Testballons, und wenn einer davon wirklich gestartet werden kann, wird das auch weiter Schule machen, keine Frage!

@ collegeboy: Schöne Ideen hast Du ja ebenfalls. ;-) Hoffentlich lesen diese Schlips-Borg hier nicht mit, sonst lassen sie sich am Ende noch inspirieren. - Nein, die Welt hat sich in den letzten Jahrhunderten einzig technologisch verändert - politisch und geistig/ethisch wohl nicht. Ehrlich gesagt: Ich glaube da vielmehr eine Rückentwicklung zu erkennen - eine De-Evolution (um das böse Wort "Degeneration" nicht zu verwenden).