Montag, 21. Juli 2014

Song des Tages: My Mind's Eye




(Sirenia: "My Mind's Eye", aus dem Album "Nine Destinies and a Downfall", 2007)

If you were here
I'd whisper sweet nothings in your ear
And appeal to all your fears.
If you were mine (if you were only mine)
I'd bring you so much further down
And twist your mind until the end of time.

You will never realize
What darkness lies inside
Inside my mind

If you are down
I will come to chain you to the ground
And penetrate your mind.
If you are lost (if only you were lost)
I'll be there to break your trust
And ravage all your lust for life, my love.

You will never realize
What darkness lies inside
Inside my mind.



Anmerkung: Wir lauschen hier textbezogen einem der banalsten, seit Jahrhunderten immer wiederholten Gründe, weshalb die Menschheit unentwegt auf demselben steinzeitlichen Entwicklungsstand verharrt und sich standhaft und äußerst erfolgreich weigert, dem schnöden Rachegedanken zu entfliehen und sich statt dessen Höherem zu widmen. Allein: Auch ich kann mich nicht von derlei Emotionen freisprechen, so dass sich allmählich vielleicht doch die Frage stellen muss, ob die Menschheit hier nicht doch in einer evolutionären Sackgasse gelandet ist.

Rachegelüste und vor allem deren Ausleben bringen niemanden voran - ganz im Gegenteil. Und dennoch scheinen diese niederen Emotionen fast unausweichlich, quasi "schicksalhaft" zu sein. Wie ausgeprägt ist es wohl um die menschliche Intelligenz bestellt, wenn wir allenthalben denjenigen, die uns böse mitgespielt haben, ebenso fiese Dinge und oftmals eben noch viel mehr an den Hals wünschen - ohne dass dadurch irgendetwas vom bereits geschehenen und erlittenen Leid gemildert würde?

Ich hasse meine Rachegelüste, wenn ich sie in mir entdecke. Und wieviel Größe steckt in einem ernst gemeinten Ausspruch, der einem Täter - egal auf welcher Ebene - seine Taten vergibt. Kein "Auge um Auge" mehr, oder, wie es der Songtext nahelegt, gar "zwei Augen für ein Auge" - sondern ein "Hör auf, ein menschenfeindliches Arschloch zu sein und werde einfach glücklich". Ohne "Strafe", ohne Rache, ohne böse Gedanken.

Diese Menschheit (wohlgemerkt: einschließlich mir selber) ist davon offenbar noch weiter entfernt als die Sonne vom Zentrum der Galaxie - oder, um vergleichbare Bilder zu bemühen, als die VertreterInnen unserer korrupten, neoiberalen Einheitspartei vom Humanismus. Es wird wohl so weitergehen, auch bis zur millionsten Wiederholung.

Ich wünsche der Merkel und ihren ErfüllungsgehilfInnen in der ganzen Welt von Herzen die Pest und alle vefügbaren begleitenden Krankheiten an den Hals - und wünschte dennoch, ich könnte ihnen ein schönes, zufriedenes, kleines, erfülltes Leben gönnen, wenn sie endlich mit ihrem korrupten Tun aufhörten. Vielleicht schaffe ich das irgendwann ja noch - dann darf ich aber nicht mehr solche Lieder wie dieses von Sirenia anhören.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Was du nicht willst das man dir tu ... Kennen wir alle ;o) Und die Musik - hör sie einfach nicht mehr. Also mir gefällt sie sowieso nicht. Drück dich lieb <3

Charlie hat gesagt…

Weil Dir die Musik nicht gefällt, soll ich sie nicht mehr hören? Interessante Argumentation ... ;-)

Liebe Grüße!

Anonym hat gesagt…

"..... dann darf ich aber nicht mehr solche Lieder wie dieses von Sirenia anhören" .- deswegen! ;o)

Nina Tabai hat gesagt…

Ich lese gerade "A long walk to freedom", die Autobiographie von Nelson Mandela. Mir scheint, dass er in der Erinnerung der meisten Menschen als eine Art südafrikanischer Dalai Lama verbleibt. Dabei wird gerne vergessen, dass der gütige, vergebende Mann an den wir uns erinnern, ein Vierteljahrhundert im Gefängnis geschmort hat - für Terroranschläge gegen die rassistische weiße Apartheidsregierung.

Der Weg in die Freiheit war für Mandela auch ein Metaphysischer, nicht nur das Zurücklassen der Gefängnismauern in Robben Island, sondern vor Allem die Überwindung des Gefängnisses in seinem Geist, die Überwindung seines berechtigten Durstes nach Rache und Vergeltung. Diesen ewigen Kreislauf von Hass, Gewalt und Gegengewalt hat er erst in den langen, einsamen Jahren in seiner Zelle hinter sich gelassen, denn dort konnte er nicht vor seinen eigenen Dämonen fliehen.

Mandela schreibt am Ende seines Buches:
"No one is born hating another person because of the color of his skin, or his background, or his religion. People must learn to hate, and if they can learn to hate, they can be taught to love, for love comes more naturally to the human heart than its opposite."

Mandela hat erkannt, was nur Wenige vermögen: Dass Menschen lernen können zu lieben, dass man es ihnen beibringen kann. Dass in jedem Menschen, auch in den schlimmsten Monstern, ein Potenzial schlummert, ein besserer Mensch zu werden als man ist. Dass Vergebung und nicht Rache einem Menschen die innere Freiheit schenkt - jene innere Freiheit, welche die Grundlage von Zivilisation ist.

Leider sind Menschen wie Mandela rar, gerade in Machtpositionen, die so oft von psychopathischen Persönlichkeitstypen angestrebt werden.

Hieran kann nur die Systemkritik anschließen: So lange wir in einem System leben, dass durch seine brutalisierende Konkurrenzlogik fast nur Psychopathen an die Schalthebel spült, so lange wird es auch Krieg und Barbarei geben.

Innerhalb dieses kapitalistischen Systems wird ein Mandela immer eine Anomalie bleiben.

Charlie hat gesagt…

@ Nina: Vielen Dank für diesen ausgefeilten, vorzüglichen Kommentar, dem ich kaum etwas hinzuzufügen habe. Widersprechen muss ich einzig dem sehr geschätzten Mandela, den Du zitierst, denn ich halte das Fazit, das er zieht, keineswegs für selbstverständlich oder gar "bewiesen". Wenn er schreibt: "love comes more naturally to the human heart than its opposite", klingt das wundervoll und erstrebenswert - hat aber mit der bitteren Wirklichkeit, die wir alle (in mehr oder minder starken Abstufungen) tagtäglich erleben bzw. erleiden müssen, nichts zu tun.

Unabhängig davon pflichte ich sowohl Mandela, als auch Dir natürlich bei, dass prinzipiell dennoch jeder Mensch das Potenzial besitzt, über seine eigene Enge, Kleinheit und Dummheit hinauszuwachsen - aber ich halte das keineswegs für die "natürlichere" oder "logischere" Option. Wenn das zuträfe, gäbe es dieses furchtbare kapitalistische System schließlich gar nicht - und erst recht nicht in einer solchen grausamen Stringenz schon seit so vielen, vielen Jahrzehnten.

Wenn ein System, das nur einer kleinen Minderheit (allerdings auch nur scheinbar und temporär) nutzt, während es der überwältigenden Mehrheit bösen Schaden zu fügt und gleichzeitig für ökologische Katastrophen in planetarischem Ausmaß sorgt, trotzdem seit einer gefühlten Ewigkeit trotz aller Revolutionen und kurzen Auszeiten immer wieder die dominierende Rolle bis hin zur postulierten "Alternativlosigkeit" einnimmt, muss allmählich die Frage gestellt werden, ob die Menschheit, wie sie sich heute immer noch darstellt, nicht doch einfach zu dumm für eine Weiterentwicklung ist.

Was im Kleinen nicht klappt (Überwindung der fruchtlosen Rachegelüste gegenüber anderen, durchaus schuldigen Menschen) gelingt im Großen nimmermehr.

Liebe Grüße!

jakebaby hat gesagt…

"[...], muss allmählich die Frage gestellt werden, ob die Menschheit, wie sie sich heute immer noch darstellt, nicht doch einfach zu dumm für eine Weiterentwicklung ist."
Dumm ist zu einfach und kaeme gar einer unverdienten Entschuldigung gleich.

"[...] gäbe es dieses furchtbare kapitalistische System schließlich gar nicht - und erst recht nicht in einer solchen grausamen Stringenz schon seit so vielen, vielen Jahrzehnten."
Wie auch immer man dieses furchtbare System vor seiner kapitalistischen Namensgebung nannte, 'Kapitalismus ruled schon seit Anbeginn der Zeit.
Human Nature ist zugegebener Massen ziemlich abgewaschen aber anders war sie nie, sie hat sich nur ihrer Entwicklung angepasst.
Keine Dummheit, keine Fehler, ... Intention ...

Charlie hat gesagt…

@ Jake: Völlig unabhängig von der Frage, ob das alles schon immer so war, bleibt es doch dabei, dass Kapitalismus schlicht und ergreifend dumm ist - und demnach eine ebensolche Dummheit auch bei den sich ihm unterwerfenden Menschen voraussetzt.

Der Begriff "Intention" trifft ja nur auf die wenigen Nutznießer dieses Systems (oder solche, die sich dafür halten) zu - einem beispielsweise in Afrika vor Hunger sterbenden Menschen möchtest Du doch gewiss keine Absicht unterstellen, diese Situation bewusst und gewollt herbeigeführt zu haben.

Es sind die selbsternannten "Eliten", die diese Entscheidungen treffen und stets getroffen haben - alle anderen, die darunter zu leiden hatten und haben, waren und sind bis heute schlichtweg zu dämlich, sich diesem Irrsinn erfolgreich und dauerhaft zu widersetzen.

Die Dummheit scheint doch ein elementares, wesentliches Merkmal dieser Spezies zu sein.

Liebe Grüße!