Freitag, 26. September 2014

Bildungskino für lau: LEXX - The Dark Zone


Wer kennt heute eigentlich noch LEXX - The Dark Zone aus den späten 1990er Jahren? Nahezu niemand, nehme ich an? - Nun, es handelt sich dabei um eine kanadisch-deutsch-britische Koproduktion aus dem Genre der Science Fiction, die heute (laut Wikipedia) gerne als "Serie" bezeichnet wird, ursprünglich aber lediglich ein Epos war, das aus vier Spielfilmen bestand. Diese vier Filme gehören für mich zum besten, was der Science-Fiction-Film in dieser Zeit überhaupt hervorgebracht hat, und das aus ganz unterschiedlichen, vielfältigen Gründen.


Es handelt sich hier nicht um eine Star-Trek- oder (weitaus schlimmer) Star-Wars-Kopie, sondern um ein ganz eigenständiges Konzept, das es in dieser Form danach im Filmbereich meines Wissens bisher nicht wieder gab. Die Macher dieses Epos haben versucht, ein ganz neues, logisch nachvollziehbares Zukunftsszenario zu erschaffen, das eine völlig andere Technik als die aus sonstigen SF-Filmen bekannte bemüht und dabei trotzdem nicht in die altbekannte "Space-Opera" (analog zur "Soup-Opera" wie beispielsweise Star Wars) abdriftet, sondern den kritischen Bezug zur heutigen Realität stets behält. Dieser Versuch ist mehr als gelungen, wie ich finde.

Die Serie, die nach diesen vier Spielfilmen (mit größtenteils anderen Darstellern, Autoren, Regisseuren und Produzenten) folgte, klammere ich hier ausdrücklich aus, denn die kenne ich nicht gut genug.

Wir werden also konfrontiert mit einem komplett neuen Universum - in dem es zwar auch wieder einen Bösewicht gibt, der diesmal von der Spezies der "Insektoiden" ausgefüllt wird. Da es hier aber nicht schwarz-weiß zugeht, haben natürlich auch andere Spezies ihre Techniken entsprechend entwickelt und benutzen daher Raumschiffe, die beispielsweise an Libellen erinnern. Auch die "LEXX" - das Raumschiff, mit dem sich die HeldInnen der ersten vier Filme auf die Suche nach einer neuen Heimat begeben - ist keine "Enterprise", sondern ein organischen Lebensformen ähnelndes Technikwerk, das einem Insekt nachempfunden ist und entsprechend von Zeit zu Zeit "fressen" (also Energie aufnehmen) muss.

Es ist also nicht immer leicht, im LEXX-Universum "Gut und Böse" auseinanderzuhalten - was im krassen Gegensatz zu sonstigen Kino- und Fernsehproduktionen, aber dafür im Einklang mit unserer eindimensionalen Realität steht.

Ich empfehle jedem, sich diese vier Filme anzusehen - den ersten gibt's momentan (wer weiß, wie lange noch) bei youtube in der deutschen Version, die übrigen habe ich im Netz leider nicht gefunden.


Kommentare:

Mollbert hat gesagt…

@Charlie
Jetzt staune ich aber. Vor ein paar Wochen noch ging mir dieses martialische „Brunnen-G“-Lied plötzlich wieder durch den Kopf. Aus irgendeinem Grund hat sich das bei mir bis heute ins Gedächtnis eingebrannt und geistert hin und wieder mal da durch. Und jetzt schreibst du diesen Artikel und lieferst den Wiki-Link dazu und ich stelle etwas geschockt fest, dass die Erstausstrahlung von Lexx fast 18 Jahre her ist.

Allein deshalb werden die Serie (der Einfachheit halber nenne ich sie mal so) wohl nicht mehr viele kennen. Im TV war ihr scheinbar kein großer Erfolg beschert, was nicht verwunderlich ist, denn wie du schon schreibst ist „Lexx“ absolut nicht massentauglich. Atmosphäre, Design und Sound versprühen schon einen sehr speziellen, bizarren Charme. Anfangs gefiel mir das. Und trotzdem verlor ich damals recht schnell das Interesse an der Serie.

Das lag einmal an den Charakteren/Darstellern. Eva Habermann hat mich in der Rolle als frühere Liebessklavin Zev nicht so wirklich überzeugt, dafür wirkte sie auf mich zu bieder und zu steif in ihren Dialogen. Der Charakter Stanley Tweedle ging mir schon nach kurzer Zeit auf die Nerven (kann auch am Darsteller liegen) und dieser anzügliche Roboterkopf 7-90 ebenso. Die Tricktechnik schwankte zwischen „gut“ und „gerade erträglich“, Kulissen und Kostüme wirkten dagegen oftmals trashig. Die ganze Mischung aus Space-Opera und bizarrer Fantasy gefiel mir nicht so richtig, dafür empfand ich die ständigen Wechsel zwischen Ernsthaftigkeit, makabrer Gewalt und plattem Trash-Humor als zu heftig.

Dennoch: Genre-Fans sollten auf jeden Fall reinschauen. Wie bei so Vielem wird man’s wohl schnell lieben oder hassen. Bei mir hat’s nicht gefunkt, bei Charlie scheinbar total . Und da das Ganze jetzt schon so lange her ist werde ich dem vielleicht nochmal eine Chance geben und schauen, ob mein Eindruck heute ein Anderer ist.

ulposch hat gesagt…

Hmmm, ist das jetzt ein Fehler bei Wikipedia oder warum steht da, das die Filme 2 Stunden lang wären. Selbst eine genauere Recherche bei IMDB und OFDB ergibt immer ca 90 Min pro Film??? Egal, du kannst sie bei nox.to finden.
Ich habe es aber nicht ausprobiert. Qualität und Fassung wären also eine Überraschung. ;-)

Charlie hat gesagt…

@ Mollbert: Gerade diese Ambivalenz, die Du recht treffend mit den Worten "die ständigen Wechsel zwischen Ernsthaftigkeit, makabrer Gewalt und plattem Trash-Humor" beschrieben hast, sind einer der Hauptgründe für mich, wieso ich diese Tetralogie auch heute noch so wunderbar finde - trotz aller Schwächen, die sie zweifelsohne auch hat.

Mich persönlich hat schon damals (und heute gilt das erst recht) insbesondere die religiöse Verbrämung gestört, die dort immer wieder auftritt - allerdings habe ich auch erst kürzlich durch Wikipedia erfahren, dass diese größtenteils wohl auf die deutsche Synchronisierung zurückzuführen ist und im englischsprachigen Original gar keine solche Bedeutung hat.

Übrigens hat sich da ein kleiner Fehler in Deine Beurteilung eingeschlichen, denn Zev ist ja keine "frühere Liebessklavin", sondern sie ist von jenem faschistischen "Maschinengericht" aus absurden Gründen dazu verurteilt worden, zukünftig als "Liebessklavin" leben zu müssen, hat aufgrund der Ereignisse im ersten Film aber lediglich die entsprechende "Körperumformung" erduldet, während sie dem zugehörigen mentalen Teil - also der "Gehirnwäsche" - entkommen konnte (diese ist dann dem besagten Roboterkopf in den elektronischen Schädel gebrannt worden, weshalb er eben so "liebestoll" ist und oft äußerst witzige Bemerkungen fallen lässt - insbesondere, wenn er "Liebesgedichte" verfasst). Vor diesem Hintergrund finde ich die Art und Weise, wie Eva Habermann ihre Rolle spielt, weitestgehend plausibel und angemessen.

Über Stanley Tweedle kann man natürlich trefflich streiten, da hast Du völlig recht. Damals fand ich ihn auch nervig und überflüssig - heute empfinde ich das etwas anders und denke, dass er einen wichtigen Gegenpart im ansonsten oft sehr düsteren Szenario darstellt. Gerade diese äußerst heftigen Ambivalenzen sind es, die - wie gesagt - für mich den Reiz dieser an sich so dunklen SF-Welt ausmachen.

Den Song von Kai, "The Last of the Brunnen-G", findest Du übrigens beispielsweise hier - er war in späteren Staffeln der folgenden Serie offenbar die Titelmelodie.

Falls Du Deine Meinung änderst oder zu anderen, gegenteiligen Erkenntnissen gelangst, wäre es interessant für mich, wenn Du Dich wieder meldest.

Liebe Grüße!

Charlie hat gesagt…

@ ulposch: Also, ich lese im verlinkten Wikipedia-Text dies: "Die erste Staffel besteht aus vier 90-minütigen Filmen (...)". Wo hast Du denn etwas anderes gelesen? ;-)

Dein Hinweis auf diese ".to"-Seite ehrt Dich zwar, dennoch muss ich Dich bitten, das zukünftig zu unterlassen, denn ich will und darf hier keine Links zu "illegalen" Seiten dulden, sorry!

Mir hättest Du das ohnehin nicht schreiben müssen, denn ich habe die beiden DVDs mit den Filmen schon seit Jahren im Regal stehen. ;-)

Liebe Grüße!

ulposch hat gesagt…

Hi Charlie,
diese blöden Gesetze. In Zeitungen dürfen solche Seiten erwähnt werden oder auch nicht. Und in Blogs??? Da blickt doch keiner mehr durch! Ich merke es mir für die Zukunft, da ich deinen Blog viel zu gerne lese, als das ich wollte das du ärger bekommst oder auch nur verärgert bist. Leider kann ich meinen Post nicht bearbeiten. Ich habe aber nichts dagegen, wenn du das übernimmst und den Namen entfernst oder unkenntlich machst.
Die 2 Stunden stehen in dem Artikel zur Episodenliste bei Wikipedia.
http://de.wikipedia.org/wiki/Lexx_%E2%80%93_The_Dark_Zone/Episodenliste
Hätte ich mal deinen Link angeklickt und nicht selbst die Suchmaschine benutzt, wäre das nicht passiert. Aber so sehen wir mal, wie vorsichtig man bei Wikipedia sein muss!
Liebe Grüsse :-)