Mittwoch, 9. September 2015

Wenn Esos weinen


Ich habe in der Vergangenheit ja ausführlich dargelegt, was ich von esoterischen SpinnerInnen und ihren Auswürfen halte - wer das nicht verfolgt hat, kann das unter dem Label "Esoterik" gerne jederzeit nachlesen. Besonders stand dabei das Wecker-Blog "Jenseits der Realität" in meinem Blickfeld, dessen Schreiberlinge sich gern hochtrabend als "Redakteure" bezeichnen und trotz religiöser Wirrnis politisch "links" verorten.

Nach meiner langen, massiven Kritik am esoterischen Unsinn, der dort ebenso lange verbreitet wurde, erntete ich bekanntlich lediglich eine infantil herausgestreckte, leider übelriechend belegte und anonymisierte Zunge - und seitdem ist es, was esoterische Spinnereien betrifft, erstaunlicherweise relativ ruhig dort geworden. Offenbar nutzt massive Kritik letzten Endes doch etwas, auch wenn es nur ein oberflächlicher "Nutzen" ist, denn die spinnerten, wirren Gedanken sind ja nicht aus den weichen Köpfen der Macher verschwunden, nur weil sie nicht mehr ganz so offensiv in die Welt geplärrt werden.

Jüngst hat sich nun einer der dortigen Schreiberlinge darüber echauffiert, dass er auf eine Spendenanfrage bei der Rosa Luxemburg Stiftung keine explizite Antwort, sondern lediglich die Aufforderung "Bitte löschen Sie meine Adresse aus Ihrem Verteiler" erhalten hat. In epischer Breite lässt er sich über dieses böse "Sakrileg" aus und macht sich damit - freilich ohne es zu bemerken - so lächerlich, dass es eine wahre Wonne für ein Lästermaul wie mich ist. Ich hatte endlich mal wieder richtig Spaß beim Lesen im Netz.

Der Autor bezeichnet sich an anderer Stelle selbst als "Agnostiker" [sic! bzw. *lol*] und hat trotzdem kein Problem damit, mit radikalen Esos wie Häuptling Faulfuß unter der Schirmherrschaft der Weckers (deren Bücher zur Realsatire zu zählen sind, wie beispiesweise "Mönch und Krieger" von Konstantin W. oder "Anniks göttliche Kuchen" von Annik W.) gemeinsame Sache zu machen. Und selbstverständlich benennt er in seiner weinerlichen Anklage, die er an die Rosa Luxemburg Stiftung richtet, auch nicht den offensichtlichsten, naheliegendsten Grund für diese lapidare Antwort: Wie sollten progressive, gar sozialistische Ideen mit dem esoterischen, religiösen Bullshit vereinbar sein?

Es ist doch - bei aller Heiterkeit, die diese Peinlichkeit auslöst - auch immer wieder erhellend, mit welcher "Selbstverständlichkeit" sich manche EsoterikerInnen inzwischen als "Teil der linken Szene" darzustellen versuchen. Dabei möchte ich nicht missverstanden werden: Mir ist es völlig gleichgültig, was Menschen in ihrem privaten Umfeld tun - sie können herzlich gerne Gott, Baal, den Teufel, mich oder das Spaghettimonster anbeten, Voodoo-Puppen basteln, im Kaffeesatz lesen, Heilsteine in ihren Enddarm einführen oder leidenschaftlich mit Mett kopulieren - sobald aber der elendige, widerwärtige Missionsgedanke sichtbar wird, muss ich widersprechen und meine Stimme erheben. Und daran ändern auch Aktionen nichts, die zunächst unterstützenswert erscheinen, es aber aufgrund des dubiosen Umfeldes gar nicht sein können. Wenn beispielsweise Nazis zu Spenden für Verarmte aufriefen, käme schließlich auch kein gesunder Mensch auf die absonderliche Idee, das unterstützen zu wollen. Wer Menschen beispielsweise in Griechenland helfen möchte, kann das auf vielfältige Weise tun und bedarf gewiss keiner esoterischen Unterstützung aus einem derartig halbseidenen Umfeld.

Ich lege dem merkbefreiten Autor, der ausgerechnet den MitarbeiterInnen der Rosa Luxemburg Stiftung - wohlgemerkt aufgrund eines einzigen Satzes - in seinem ausfälligen, unterhaltsamen Text ausdrücklich empfiehlt, "wieder mal Rosa Luxemburg [zu] lesen", nahe, endlich einmal Rosa Luxemburg zu lesen, auch wenn der Erkenntnisgewinn vermutlich weiterhin ausbleiben dürfte:

Da die Arbeiterklasse ihre Erlösung nur erhalte, wenn sie die kapitalistische Produktionsweise beherrsche und diese nicht als “Spielball unkontrollierbarer Mächte” betrachte, sondern als Produkt ganz konkreter gesellschaftlicher Zustände, die es zu erkennen gelte, ergebe sich die Distanz der Arbeiterbewegung zur Religion. / Nur so sei deren Losung von der Religion als einer Privatsache richtig zu würdigen. Doch werde diese Losung in der Sozialdemokratie inzwischen missbraucht von Leuten, die gern "religiöse Elemente" einbringen möchten. Ludwig Feuerbachs "Das Wesen des Christentums" zitierend, wendet sie sich gegen solche Bestrebungen. Der "Befreiungskampf der modernen Arbeiterklasse" ist das Gegengift gegen jede Religion.


Kommentare:

Matthias Eberling hat gesagt…

Ich würde ja gerne ein Eil- oder Bekenntnisplätzchen bestellen, aber deine Einstellung zum Thema "Mett" gefällt mir nicht. Wer gegen Mett lästert, lästert gegen Gott!

Nach Diktat in Richtung Kühlschrank verreist

Andy Bonetti

altautonomer hat gesagt…

Fürs Logbuch des Narrenschiffes:
Mit dem "Hinter die Fichte" bin ich nicht nur wegen Entfernung meiner sachlichen Kommentare fertig. Die Diskussion bei Klaus Baum, der ebenfalls ein Fan von Wecker zu sein scheint, habe ich mich nicht zuletzt auch wegen der verweigerten Solidarität anderer Stammkommentatoren dort zu 99% aus Kleinbloggersdorf verabschiedet. Die Reichweite dieses Gehirnwäscheblogs HdS sollte daher nicht unterschätzt werden, wenngleich dort immer nur dasselbe geistig und ideologisch inzestuöse Kommentariat aufschlägt.

Ich halte es nämlich stets so,. dass ich mit Leuten, die sich netzsolidarisch hinter eine Plattform stellen, dessen Chefredakteuer einen Otto Max Bruker, einen Dalai Lama und eine Barbara Rütting sowie einen Silvio Gesell sympathisch findet, gleichzeit aber Worte von Brecht, Marx und Adorno im Munde führt, nicht diskutiere. Denn sie sind diejenigen, die die linken Ränder eifrig ausfransen und andere Linke zu Brüchen mit ihrer politischen Identität verleiten wollen. Ins Gehirn geschissen und vergessen umzurühren.

H. Platta erlebt jetzt mal am eigenen Leib, wie es ist, nassforsch und schnoddrig ohne jegliche Erklärung abgewatscht zu werden. Wo doch gerade die "Fichten" gerne unbequeme Kommentare löschen,ohne dies zu begründen. Meinungsfreiheit, Kontroversen aushalten und Gegensätze tolerieren sind dort nur Lippenbekenntnisse.

In Bezug auf meine evtl. Vorbildfunktion gestehe ich hier mal, dass ich die Griechenlandhilfe keinesfalls unterstützen werde. Denn die Ethiopia-Hilfe vor Ort, ein Bündnis von Medizinern, bekommt von mir jährlich einen vierstelligen Betrag, den ich mal nicht so aus der Portokasse abzweige.

frei-blog hat gesagt…

@Charlie,
einen Privatkrieg gegen HdS zu führen, Deine Meinung dazu kundzutun, ist das eine, wenn auch sehr oft in einer beleidigenden Sprache.
Dass Du nun sogar die "Griechenlandhilfe" durch den Dreck ziehst, dafür solltest Du dich wirklich schämen.

Charlie hat gesagt…

@ Matthias: Ich lästere lediglich die esoterischen Spinner. Weder gegen Mett, noch gegen Menschen, die mit Mett kopulieren, habe ich etwas. ;-)

Charlie hat gesagt…

@ altauto: Es ist davon auszugehen, dass (zumindest hier) keine Reaktion von H.P. zu erwarten ist. Deinem Kommentar pflichte ich voll umfänglich bei.

Charlie hat gesagt…

@ Volker: Eine Satire ist kein "Privatkrieg", ebensowenig wie die generelle Kritik an esoterischen Umtrieben. Nach Deiner Definition gäbe es überhaupt keine Kritik mehr, sondern bloß noch "Krieg". - Vielleicht kannst Du mir aber auch auf die Sprünge helfen und mir erklären, inwiefern das Gefasel von "Gott" oder einem diffusen "Göttlichen" in ein politisch linkes Grundkonzept passen soll? Bisher waren alle mir bekannten diesbezüglichen Versuche entweder dumm, unseriös und/oder bis zur akuten Hirnschmelze unlogisch.

Es gibt indes viele Dinge, für die ich mich schäme - beispielsweise für dieses Land und insbesondere seine Politik. Auch für Menschen, die selbst im 21. Jahrhundert die steinzeitliche Religiösität - ein finsteres Relikt aus den Urzeiten der beginnenden Bewusstwerdung des menschlichen Geistes - noch immer nicht überwunden haben, schäme ich mich. Mein kleines Posting allerdings finde ich nicht beschämenswert, sonst hätte ich es ja nicht geschrieben. ;-)

Liebe Grüße!

altautonomer hat gesagt…

"Wo wir hinspenden, wächst kein Gras mehr"! (Wolfgang Neuss)

Haiti, fünf Jahre nach dem Erdbeben. Spendengelder fehlen.

Spenden für die Erdbebenopfer in Nepal 2015.Aktion "Deutschland hilft." mit Schirmherr Horst Köhler und Kuratoriumsvors. Walter Steinmeier.

"Empört Euch, helfen wir Menschen in Griechenland" Spendenaufruf von Konstantin Wecker.

Ich möchte mich anschließen und bitte darum, für die in Ungarn festgehaltenen Flüchtlinge Bolzenschneider zu spenden.;-)

Muss ich jetzt meine bisherigen Spenden zurückfordern, um sie bis auf den letzten Euro meines Monatseinkommens gerechter aufzuteilen und um ein guter, gewissenhafter und effektiv wirksamer Linker zu sein und solidarisch mit den Menschen in den Entwicklungsländern in Armut leben?

Spenden fällt in die Kategorie Sozialarbeit und ist erst mal keine primär politische Aktion. Macht ein gutes Gewissen, den Aufrufern verschafft es Popularität und nen schlanken Fuss!!!

"Schenk dem Inder einen Fisch und er ist heute satt.
Schenk dem Inder eine Angel und er ist auch morgen satt."



frei-blog hat gesagt…

Charlie,
ich wünsche mir, dass Du hierbei ein paar grundsätzliche Dinge trennen sowie auch reflektieren könntest.
Oftmals widersprichst Du dich in Deiner Meinung und Denkweise. Das finde ich schade, bei all Deiner Intelligenz, die ich Dir auch nicht absprechen möchte.
Volker

Charlie hat gesagt…

@ Volker: Welche "grundsätzlichen Dinge" sollte ich trennen - und weshalb? Was gibt es bezüglich meiner Bloggerei noch ausführlicher zu reflektieren? Inwiefern habe ich mir in der Vergangenheit eklatant selbst widersprochen? Bekomme ich noch eine Antwort auf die vorherige Bemerkung vom 10.09.?

Fragen über Fragen, und so wenige Antworten. ;-) Wir können herzlich gerne kontrovers diskutieren - dazu ist es aber notwendig, dass ich weiß, was genau Du mir vorwirfst und wieso Du das tust.

Liebe Grüße!

jakebaby hat gesagt…

"...- und seitdem ist es, was esoterische Spinnereien betrifft, erstaunlicherweise relativ ruhig dort geworden."

Einen Tag nach Plattas selbstherrlich ueberarrogantempoertem Rosa Luxemburg-Bashing haut Rottenfoot eine ellenlange, brachial"spirituelle Orgasmusstörung" raus, welche nichts zu 'wuenschen' uebrigt.
Um diesen gesamten Scheiss real zu kontern, muesste man wahrlich ein Buch schreiben.
http://hinter-den-schlagzeilen.de/2015/09/09/hingabe-der-mensch-im-akkusativ/

... was sich dann, wie rein grundsaetzlich gegeben, natuerlich mit dem diesbezueglich bewusst ignoranten Bashing der Rosa beisst.

armseelige, wachspuppenstechende Arschloecher ....

Gruss
Jake

PS. Nur zur Erinnerung, das Rottenfoot vor 4 Jahren http://jakester-express.blogspot.com/2014/11/roland-rottenfuer-sagt-zb.html?zx=29ae6f4dd358748c
http://hinter-den-schlagzeilen.de/2011/11/25/verzweifelt-gesucht-die-realitat/

.... some Shit never Change ....

Charlie hat gesagt…

@ Jake: Jepp, ich habe den neusten Klamauk des Faulfußes inzwischen auch bemerkt - das war ein bemerkenswertes "Timing"; fast als wolle er mich Lügen strafen. ;-) Man muss sich diesen neuerlichen Erguss der totalen Wirrnis und Hirnfäule im Endstadium nicht durchlesen, ein kurzes Zitat wie das folgende reicht aus, um entweder in hysterische Lach- oder noch hysterischere Weinkrämpfe zu verfallen:

"Ein Bild für Hingabe im christlichen Kulturkreis ist vor allem die Geschichte von Marias Empfängnis. Was auch immer die historische Wahrheit über die Mutter Jesu sein mag, als Archetyp des Empfangens, der Bereitschaft und des Gottvertrauens ist ihre Gestalt auch für moderne Menschen ansprechend. Maria ist nicht die Sucherin, die sich in einem spirituellen Kraftakt bei der Bewerberauslese um den Job der Gottesgebärerin durchsetzte. Sie ist die Gefundene, die Erwählte."

Da schreit jedes einzelne Wort laut und verzweifelt danach, in der schauerigen Jauchegrube unverzüglich wieder versenkt zu werden, der es entstammt. Rechnen diese Gestalten allen Ernstes damit, von rational oder gar progressiv denkenden Menschen auch nur im Ansatz ernstgenommen zu werden? Das grenzte ja schon fast an eine psychische Krankheit ... ;-)

Danke auch für den Link auf den Beginn dieser unsäglichen, ergebnislosen Auseinandersetzung vor vier Jahren.

Liebe Grüße!

altautonomer hat gesagt…

Charlie und jakebaby:
Jetzt bin ich aber baff. Vor 4 Jahren habt ihr ja noch höflich und inhaltlich mit rr korrespondiert ("Lieber Roland"). Wobei ich festellen muß, dass rr da schon einige rhetorische Spitzen abließ. "Verriß", das übliche Ausweichen auf spöttisch, satirisch und habe alles nicht so ernst gemeint" was ja als Verarsche gewertet werden kann. Dass sich diese Ignoranz des Chefschreibers von Wecker zu aggresiven Auseinandsersetzung hochschaukelte, kann ich um so besser nachvollziehen. Es blieb den Esos dann nur noch die Sperrung um Kritik zu unterdrücken - Redeverbot, Meinungsterror. Das angeschlagene Ego wird nun nur noch von den Schulterklopfern gestreichelt.

Platta dagegen, der bis zu einem gewissen Zeitpunkt in linken Zusammenhängen eine hohe Reputation genoss, hier auch schon einen Gastbeitrag veröffentlichte, hat sich zunehmend mit diesem Eso-Häuptling solidarisiert einschließlich der Exklusionspraxis unter Verlust seiner linken Identität(gabs Geld dafür?). Das zeigt sich insbesondere aktuell an der Tatsache, dass er Kritik unter seinem Text nicht zuläßt oder löscht und gleichzeitig zu feige ist, wie früher üblich, sich hier zur Wehr zu setzen, wo er nicht gesperrt wird. Doch diese Freiheit scheint mit der eigenen Praxis im Umgang mit der Meinungsfreiheit nicht vereinbar zu sein.

Feigling.

Charlie hat gesagt…

@ Altauto: Ich würde H.P. nicht als "Feigling" bezeichnen - ich vermute eher, dass er im wirren Wecker-Paralleluniversum eine eventuelle Möglichkeit sieht, der furchtbaren Tristesse und Barbarei der staatlichen Zwangsverarmung und generell dem Hartz-Terror der ständigen Gängelei zu entkommen. Insofern kann ich seine Unterwerfung sogar ein bisschen nachvollziehen (freilich ohne sie gutzuheißen) - ich bin mir selber auch nicht sicher, ob ich im Fall der Fälle gegen derlei Versuchungen völlig immun wäre, auch wenn ich das Angebot, beim Wecker-Eso-Club ebenfalls mitzumachen, seinerzeit rigoros und ohne lange nachzudenken abgelehnt habe.

Ich habe mich in meinem bisherigen Leben schon in vielerlei Hinsicht prostituiert und für schnödes Geld gegen meine Überzeugung gehandelt ... und ich halte fast jede/n, der/die etwas anderes von sich behauptet, für einen heuchlerischen Menschen (damit meine ich jetzt, wohlgemerkt, nicht Dich persönlich, sondern uns alle, die wir im Kapitalismus leben müssen).

Das kann natürlich keine Entschuldigung sein, liefert aber vielleicht eine mögliche (Teil-)Erklärung für P.s absonderliches Verhalten.

Wirklich "frei" agiert in diesem System niemand, der nicht über ein ausreichendes, regelmäßiges und nicht jederzeit willkürlich kürzbares Einkommen verfügt - das dürfen wir bei aller nötigen Kritik auch nicht vergessen.

Liebe Grüße!