Freitag, 6. Januar 2017

Die Leistungselite und ihr journalistischer Darminhalt


"Leistung muss sich wieder lohnen" - mit diesem peinlichen Slogan hat vor geraumer Zeit die kapitalistische Lobbyorganisation "FDP" in einem längst vergessenen Wahlkampf um die Gunst der hirntoten Wählerschaft geworben. Was es mit diesem Orwell'schen Unsinnsbegriff genau auf sich hat, wurde jüngst vom früheren Vorstandschef des "Volkswagen"-Konzerns, Martin Winterkorn, verdeutlicht: Trotz seines längst angehäuften Vermögens - allein im Jahr 2011 strich er für seine überaus wichtige, schwmierige Arbeit knapp 17,5 Millionen Euro ein - lässt er sich nun den Ruhestand von den Arbeitern Sklaven des Konzerns zusätzlich süß vergolden. Bei n-tv las ich:

Das sogenannte Ruhegehalt für Winterkorn - festgesetzt als Anteil von 70 Prozent an der letzten Grundvergütung - beläuft sich auf rund 1,2 Millionen Euro oder umgerechnet knapp 3.100 Euro pro Tag.

Es gibt doch nichts schöneres als ein hochrangiges Mitglied der kapitalistischen Mafia zu sein! Selbst Betrug, Lügen und umfassendes Versagen garantieren in solchen semifeudalen Sphären einen wahrlich königlichen Geldsegen, der mit dem Adjektiv "absurd" nur unzureichend beschrieben ist. In solchen Kreisen gilt selbstverständlich nicht das sogenannte Leistungsprinzip, das für die Sklavenbande ehernes Gesetz zu sein hat, sondern die schlichte Formel: "Hier bin ich, hier setze ich meinen fetten Arsch hin, also werde ich mit Gold überschüttet".

Es gibt ja viele, sehr viele Beispiele für den kafkaesken Irrsinn des Kapitalismus, aber dieses ist ein besonders deutliches, das selbst dem dumpfesten Pegidioten oder Sozialdemokraten noch einen Restfunken an Erkenntnis schenken mag. Die Systempresse indes kann das so natürlich nicht stehen lassen - und so war nur kurze Zeit später ebenfalls bei n-tv ein relativierender Kommentar zu lesen, der in meinem - freilich recht gebeutelten - Gehirn ein wild blinkendes "TILT!"-Schild zur Folge hatte: Man solle "über die Rolle von Top-Managern und deren Vergütung in Relation zu ihrer Verantwortung" nachdenken, meint der Kommentator mit wild qualmendem Kopf. Und weiter:

Der Mensch lebt von seinen Egoismen. Klar ist auch, dass unser heutiges Leben in weiten Teilen der Welt aus Angebot und Nachfrage besteht. (...) / Ein Recht auf Enteignung gibt es aber in Deutschland nicht.

Ein derartig stupider, geradezu faschistoider Schwachsinn, der sich nicht zu blöde ist, sogar die komplette Entwicklung der Menschheit als Resultat des kapitalistischen Prinzips zu deuten, wird hierzulande als Qualitätsjournalismus gepriesen. Da wird das widerliche kapitalistische Prinzip des stumpfsinnigen Egoismus' und der gnadenlosen Konkurrenz als quasi gottgegeben und noch dazu fortschrittlich [sic!] angepriesen, als gebe es die real existierende Hölle für die überwältigende Mehrheit der Menschen auf diesem verkommenen Planeten nicht. Und gegen die wenigen profitierenden Millionäre könne man gar nichts unternehmen, so wird dem verblüfften Leser schroff mitgeteilt - da müsse man sich schon an "Recht und Gesetz" halten, auch wenn der betreffende Millionär sich exakt darum einen feuchten Kehricht schert.

Ich weiß wirklich nicht, was ich widerlicher finde: Habgierige Arschlöcher wie Winterkorn oder die salbungsvolle Propagandapresse, die diese hämorrhoidengespickten Arschlöcher gewissenhaft und kontinuierlich mit Gleitcreme einschmiert, auf dass des Redakteurs Haupt huldvoll im verklebten Anus des Fürsten der Finsternis "Leistungselite" verschwinde.

---

Die Armen



(Lithographie von Pablo Picasso [1881-1973], in: "Der Simpl", Nr. 11 vom Juli 1947)

Kommentare:

Troptard hat gesagt…

Hallo Charlie,

Du verlängerst hier etwas, was unter Linken immer wieder mal für Aufregung sorgt und auch von den Medien gern kolportiert wird, die Gehälter von Managern, also von Personen, die Unternehmerfunktion wahrnehmen oder wo die Person mit Manager und Unternehmer zusammenfallen.

Das hier das Leistungskriterium vollkommen deplaziert ist und sich vergleicht mit den Einkommen der sog. Lohnsklaven, lässt sich ziemlich leicht entschlüsseln, wenn man den Blick auf ihre Funktion wirft.

Sie werden eben nicht nach den Kriterien von Leistung belohnt, die eine sog. Arbeitssklave erbringt, sondern danach, was so ein Manager aus seinen Arbeitssklaven versteht in der allgemeinen Konkurrenz herauszupressen, an Profit herauszuholen. Wie das geht, ist wohl kein Geheimnis mehr.

Worin besteht also der eigentliche Skandal? Für mich darin, dass die sog. Arbeitervertreter gegen die Ausbeutung ihrer Klientel wenig Einsprüche erheben, weil sie selbst mit Jahreseinkommen davon profitieren, ¨wofür sich ihre Klientel Jahrzehnte krummlegen muss.

Um noch einmal an meinen ersten Absatz anzuknüpfen: Welche Absicht verfolgen eigentlich die öffentlichen Medien, wenn sie solche Nachrichten unter das Volk bringen. An Aufklärung sind sie sicherlich nicht interessiert. Sie werfen ihnen Futter vor die Füsse, um sie wie üblich von den eigentlichen Problemen abzulenken und sie auf das Terrain von persönlichen Verfehlungen zu lenken.



Schirrmi hat gesagt…

Jetzt habe ich zufällig aber passend FDP gelesen.

Heute musste ich über mehrere Minuten im Radio einen Bericht über ein sogenanntes, dubioses 3-Königstreffen hören. Irgendeine kleine, nicht nennenswerte Partei tagt und es werden teure Minuten im vom Bürger zwangsfinanzierten Radio verschleudert. Und dann noch Live-Berichte mit Worthülsen wie "man sollte", "man müsste" etc.

Ich verriss das Steuer und fuhr auf glatter Fahrbahn einem FDP-Wähler in die Bredouille (oder wie das heißt)..

Kann gar nicht so viel saufen wie ich kotz... mag

Schirrmi

altautonomer hat gesagt…

Troptard: Die Reformis würden so einen Typen hoch besteuern (Millionärssteuer oder so), die Primeure in enteignen.

Was macht so ein Typ eigentlich mit dem ganzen Geld? Von Lottogewinnern, die den Jackpott geknackt haben, liest man ja immer wieder mal, dass es denen gelungen ist, mehrere Mio Euro innerhalb kurzer Zeit zu verballern. Bei Winterkorn versiegt die Quelle jedoch nicht. Und so viele Lebensjahre dürfte eer auch nicht mehr auf dem Tacho haben, dass er sich davon noch ein Leben aufbauen kann.

Es zeitg mir mal wieder: Geld genug ist da. Es befindet sich nur in falschen Händen.
Über die begleitende hündische Journallie ist alles gesagt.

Charlie hat gesagt…

@ Troptard: Es ist sicher richtig, was Du schreibst - aber mich bringt es trotzdem regelmäßig auf die Palme, wenn ich wieder einmal erfahre, welche absurden Summen da - quasi leistungslos - an Gestalten wie den Winterkorn ausgezahlt werden. Ich fasse das allerdings nicht als "persönliche Verfehlungen" solcher Menschen auf, sondern sehe selbstverständlich den systemischen Zusammenhang. Das ändert aber nichts daran, dass ich mich in Habgierige, die immer mehr Geld anhäufen und anderen damit wegnehmen, ohne dass sie es auch nur ansatzweise benötigen, einfach nicht hineinversetzen kann.

Die absurden Managergehälter, Boni, Abfindungen und Pensionen sind selbstverständlich nur ein weiteres Symptom im Reigen der Ausbeutung - aber es ist eben eines, das den Irrsinn dieses Katastrophensystemes auch Menschen, die sich mit den kapitalistischen Hintergründen nicht näher beschäftigen, sehr gut veranschaulichen kann.

Anders gesagt: Natürlich ist jemand wie Winterkorn habgierig und damit menschenfeindlich bis ins vergammelte Knochenmark - allerdings muss er das auch sein, denn sonst wäre er nie Vorstandschef dieses Konzerns geworden. Diesen kleinen logischen Schluss sollte man indoktrinierten Menschen schon zutrauen - hoffe ich zumindest.

Liebe Grüße!

Charlie hat gesagt…

@ Schirrmi: Über die FDP lasse ich mich zu gegebener Zeit noch ausführlich aus - noch befindet sie sich ja zum Glück der Welt im Loch der Bedeutungslosigkeit. Ich befürchte allerdings auch, dass sie dort - freilich dank der Qualitätsmedien - nicht verbleiben wird. Spare Dir das Erbrechen also lieber auf ... ;-)

Liebe Grüße!

Martin Däniken hat gesagt…

"Leistung muss sich lohnen" immer wenn ich auf Klo und zufrieden war!
Wie von Marx und Konsorten nicht erfahren habe,sondern aus einem buch zum Thema Serienkiller:
"das Verhalten des Menschen ist Bedürfnisorientiert!"
Was aber Überlegungen auslöste,
ob sie manipuliert durch Medien/Werbung oder anerzogen wurden durch Erziehungsberechtigte,die ihrerseits Bedürfnisse haben usw...
Und was Manager-Boni angeht,sie sind für mich kein Ausdruck von Macht,die belohnt wird..
Wahre Macht hat die Mutter des Managers oder seine Frau,Geliebte,was auch immer
Solange man sich nur das offizielle Bild anguckt wird man nicht weiterkommen
-aber vielleicht gibt es bei manchen Linken ein entsprechendes Bedürfnis nicht weiterzukommen-
Psychologische,soziologische Erkenntnisse zuerlangen und anzuwenden...