Samstag, 12. August 2017

Fragmente: Gedanken aus den Fieberträumen


Nach einigen Tagen des persönlichen Totalausfalles aus gesundheitlichen Gründen reiche ich heute ein paar kommentierte Meldungen der letzten Wochen nach, die ich eigentlich viel ausführlicher im Blog behandeln wollte. Ich bitte um Nachsicht, dass dies nun nur fragmentarisch geschieht und ich nur wenige meiner Gedanken dazu hier unterbringen kann.

1. Mythos Elektroauto

In der Zeit war vor einigen Wochen zu lesen:

Ab 2040 dürfen in Großbritannien keine Dieselfahrzeuge oder Benziner mehr verkauft werden. Ähnliche Pläne werden nun auch in Deutschland diskutiert.

Gerade dies ist ein Thema, zu dem ich mich eigentlich sehr ausführlich äußern wollte, denn ich halte diesen Elektro-Hype und die zugrundeliegende, aufgrund eines "plötzlichen Skandals" in Bewegung gesetzte Verteufelung des Verbrennungsmotors (aktuell muss der Diesel dafür herhalten, aber dabei wird es gewiss nicht bleiben) nicht nur für einen wahnwitzigen Irrweg, sondern für gezielt verdummende, kapitalistische Propaganda, die einzig dazu dient, der Automobilindustrie zu noch mehr Neuwagenverkäufen zu verhelfen, um den Profit weiter zu steigern.

Die Indizien dafür sind so reichhaltig wie der Sand im Watt von Ostfriesland. Es ist beispielsweise jedem, der ein halbwegs funktionsfähiges Gehirn besitzt, bekannt, dass jede automobile "Dreckschleuder" im Vergleich mit einem Neuwagen um Längen "ökologischer" ist, je älter sie ist. Soviel Dreck kann eine alte Karre auch in hundert Jahren nicht ausstoßen, wie die Produktion eines Neuwagens – egal welcher Art – an ökologischen Schäden und Ressourcenverschwendung verursacht.

Die Fragen nach der Herkunft und der Speicherung des benötigten Stroms sind ebenso ungeklärt wie die alltagstauglichen Lademöglichkeiten für Millionen von Fahrzeugen. Von den benötigten Rohstoffen allein für die heute verwendeten Batterien, die erforderlich wären, wenn dieser Irrweg weiter verfolgt wird, will ich gar nicht erst reden.

Die Gründe liegen indes auch klar und offen auf dem Tisch: Im Kapitalismus muss stetig neuer Schrott produziert und verkauft und "Altes" entsorgt werden, sonst funktioniert dieses absurde, zerstörerische System nicht einmal scheinbar. Dennoch sieht diese Gründe niemand und die Propagandapresse brüllt weiterhin im Chor mit den Irren aus der Politik und Wirtschaft das alte, böse, so unsäglich dämliche Lied: "Wachstum, Fortschritt, Wachstum, Fortschritt! Krebs bis zur Unendlichkeit!"

2. Flächendeckende Gesichtserkennung im deutschen Orwell-Staat

Jörg Schieb hat zum entsprechenden "Pilotprojekt" in Berlin Stellung bezogen. Dort werden am "Ostkreuz" seit dem 01.08. "probehalber" Kamerasysteme eingesetzt, die in Echtzeit Gesichter erkennen und mit staatlichen Datenbanken abgleichen können. Es versteht sich von selbst, dass niemand weiß, wie diese ominösen Datenbanken zustandekommen, wer die Kriterien festlegt, nach denen ein Mensch dort geführt wird oder von wem das ganze eigentlich kontrolliert wird. Das interessiert in Kapitalistan aber auch niemanden – Hauptsache, die Bevölkerung wird flächendeckend überwacht und zukünftig auch sofort "erkannt".

Schieb, der in seiner Eigenschaft als öffentlich-rechtlicher Redakteur nun wahrlich nicht dem Verdacht ausgesetzt ist, irgendwelchen Verschwörungstheorien anzuhängen, kommt zu dem Resümee:

Dem Überwachungsstaat ist damit Tür und Tor geöffnet. Harmlose Menschen verhüllen sich nicht – und werden zuverlässig erkannt. Der Schwarzfahrer. Der Sprayer. Vor allem Du und ich. Es setzt schon eine Menge Vertrauen voraus, davon auszugehen, dass solche Technologien nicht missbraucht werden – jetzt nicht und auch in Zukunft nicht. Dieses Vertrauen habe ich nicht. (Hervorhebung von mir, Anm.d.Kap.) / Lässt sich zusammenfassen: Die echten Straftäter haben nichts zu befürchten. Alle anderen schon. Klingt nach keinem guten Deal.

Das ist zwar arg harmlos formuliert, enthält aber trotzdem wesentliche Elemente der allzu nötigen und dennoch ignorierten Kritik – wenngleich, wie immer, die kapitalistischen Ursachen konsequent ausgeblendet werden.

3. Die unsäglichen Freuden des Kapitalismus

Diese Meldung muss ich eigentlich nicht weiter kommentieren, denn sie spricht für sich. n-tv meldete vor zehn Tagen:

9.500 Euro erhalten Bundestagsabgeordnete seit dem 1. Juli monatlich als Diät. Doch jeder vierte Parlamentarier verdient nebenbei dazu – in der Summe mindestens 26,5 Millionen Euro. Vor allem Abgeordnete von CDU und CSU bessern ihren Verdienst auf.

Das sind übrigens dieselben schmierigen Gestalten, die – inzwischen sogar unter Strafandrohung – Millionen von zwangsverarmten Menschen strikt verbieten, auch nur läppische 50 Euro hinzuzuverdienen. Das wird dann nämlich auf die Diät "Transferleistung" angerechnet. Wundert sich ernsthaft jemand darüber, dass solche Figuren den Kapitalismus toll finden, obwohl auch sie nur zu den Schuhputzern der Reichen gehören?

4. SPD: "Dinner for One"

Im Verlauf des bekannten Kindergartenspieles "Bäumchen, wechsle dich" innerhalb der kapitalistischen Einheitspartei hat es natürlich die SPD mal wieder zu Höchstleistungen des absurden Rinderwahnsinns gebracht. Nachdem die olle Eiter-Elke in Niedersachsen von der rechts-olivgrünbraunen auf die rechts-olivschwarzbraune – im Propagandasprech der alarmistischen Medien natürlich "völlig konträre" – Seite gewechselt war, meinte der rechts-olivrotbraune Thomas Oppermann voller Entrüstung (das Wort darf bitte nicht ernstgenommen werden, denn "Rüstung" ist schließlich ein wesentliches Kernthema des Kapitalismus):

Der ganze Vorgang verstößt gegen den politischen Anstand und ist ein beispielloser Verfall der politischen Moral.

Ich verschluckte mich heftig, als ich das las, und riss mir danach – wahrscheinlich irre lachend und hasenhaft umherhüpfend – büschelweise die Haare aus dem Schädel, um den Schmerz zu bändigen, den dieser Ausspruch ausgelöst hatte: "Politischer Anstand" und "politische Moral"!!! Mir blieb am Ende die Luft weg, ich lief blau an und schämte mich deswegen, weil ich um alles in der Welt nicht mit den Rechtsradikalen der AfD in Verbindung gebracht werden wollte. Der Oppermann muss einfach ein U-Boot der Titanic-Redaktion sein! Er muss! Er muss! Er muss! – Ich wiederholte diese Aussage solange, bis mein Kopf, den ich bei jedem dieser Worte mit sozialdemokratischer, schrödianischer Wucht auf die Tischplatte geknallt hatte, endlich dem blutigen Brei der CDU-Hirne glich, die in diesem lächerlichen Propagandatheater nicht minder hirnzersetzende Äußerungen in die Welt gefurzt und gekackt hatten.

Ich weise explizit darauf hin, dass ich der CDU hier immerhin etwas Blut, also ein Mindestmaß an Sauerstoffversorgung in der Hirnregion, unterstellt habe. Oh ja, ich weiß, ich bin völlig irre.

---

Vielleicht bleibe ich doch lieber weiter krank und beschäftige mich nicht mehr mit diesem hirnverbrannten, menschenfeindlichen, abgrundtief dämlichen Bockmist, über den man so herzlich lachen könnte, wenn er nicht so unsagbar fürchterliche Auswirkungen auf die Menschen und diesen verzweifelt um Gnade winselnden Planeten hätte. Realitätsfluchten sind doch so viel schöner.

Komm, Fieber, oh komm schnell zurück.

---

Wald draußen



(Gemälde von Renate Sautermeister [1937-2012] aus dem Jahr 1982, Acryl auf Leinwand, unbekannter Verbleib)

Kommentare:

altautonomer hat gesagt…

1. Meine Behauptung, dass der Kapitalismus sehr flexibel ist und immer wieder neue Profitquellen erschließt, wird durch den kommenden E-Auto-Boom und den ersten Teil Deines Textes bestätigt. Linke Untergangsszenarien sind nach wie vor Wunschdenken.

2. Der Verbrennungsmotor ist allein aufgrund der begrenzten Erdölvorkommen und der Fördermenge (oil-peak) ein Auslaufmodell.
http://www.sueddeutsche.de/wissen/erdoel-wird-knapp-luxusgut-benzin-1.154334

3. Nicht nur die Produktion des Fahrzeugs, sondern insbesonder die des Akkus ist eine unübertroffene CO2-Schleuder. So soll allein die Produktion des Akkus für den Tesla 17 t CO2 erzeugen.
https://www.mobilegeeks.de/artikel/umweltsau-elektromobilaet-akkus-co2/

4. Tipp für Charlie: Jägerschnitzel meiden, dann klappts auch mit dem Kaka.

LG vom Veggi

Siewurdengelesen hat gesagt…

Die E-Mobilität ist eine Sackgasse, wenn dabei der Individualverkehr als Credo bestehen bleibt. Es hat keinen Sinn, Verbrennungsmotoren durch E-Antrieb zu ersetzen, wenn nicht im selben Atemzug die Zahl an PKW drastisch verringert wird zugunsten eines leistungsfähigen Nah- und Fernverkehrs, der weitestgehend kostenlos ist.
Wie die Interessen der Industrie und daran angehängt die Sprachrohre Politiker sind, zeigt das Lobbytreffen zu den manipulierten Dieselmotoren.
Erst einmal reiten wir das tote Pferd Verbrennungsmotor weiter und bieten dem willigen Bürger für teuer Geld das nächste Auslaufmodell an, welches nicht ansatzweise die versprochenen Werte bringt. Dann geht es für wieder teuer Geld darum, denselben Ramsch als E-Auto anzupreisen. Einziger Sinn dabei ist der Profit der Autobranche bei möglichst geringem Einsatz und notfalls am Ende wieder mit dem Killerargument Arbeitsplätze. Umwelt, Klima und eventuell das Fortbestehen der Menschheit? Egal und drauf geschissen...

Gesichtserkennung ist doch nur ein Puzzleteil im Bestreben, die totale Kontrolle über alle und alles zu erlangen. Schlimm genug, dass sich dafür tatsächlich "Freiwillige" gefunden haben, um das Experiment möglich zu machen. Am Ende kann man davon ausgehen, dass es andernorts bereits genutzt und im Zweifel lediglich im Nachhinein legitimiert wird. fefe spräche bei Bekanntwerden solcher Dinge dann vermutlich wieder von einem "versehentlichen Datenreichtum".

Die Parlamentarier könnten von mir aus Geld haben, bis die Schwarte knackt, wenn deren Politik jedem Anderen ebenfalls genügend zum Leben liesse. Mitnehmen können die es auch nicht und von mir aus gehört Geld um des Geldes willen komplett entsorgt. Wenn stattdessen dieses Umrechnen von allem und jeden in irgendwelche Werte wegfällt und man sich einfach nur das leisten und nehmen kann, was man braucht, wäre das auch in Ordnung. Ein spannender Beitrag dazu findet sich bei Mechthild Mühlstein, die jedoch auch gleich mitliefert, warum dieser Ansatz innerhalb dieses Systems nicht möglich ist:

https://1-euro-blog.blogspot.de/2017/08/geldfrei-mitten-im-kapitalismus.html

Tscha - und Moral und Politik?

Moral wird immer von den jeweiligen Verhältnissen bestimmt und kann sich daher jederzeit ändern. Manches Moralische vergangener Zeiten wird heute belächelt, manches wurde als moralisch zu vertreten angesheen, was uns heute die Haare zu Berge stehen lässt und für blankes Entsetzen sorgt.
So gesehen ist diese Aussage nur Floskel und im Kontext der betreffenden Personen ein purer Treppenwitz.

Arbo hat gesagt…

@Charlie:

Ganz kurz zum EAuto. Ich denke, das Hauptproblem ist eher, dass die Städte Ärger wegen Feinstaub usw. bekommen und sich deshalb was einfallen lassen müssen. Die E-Autos könnten dann eine Möglichkeit sein (auch, wenn dann das Problem der Verschmutzung verlagert wird, weil - wie Du richtig schreibst - die Produktion trotzdem schmutzig ist).

Ich seh's aber aktuell trotzdem mit einer gewissen schadenfreudigen Genugtuung, was da gerade in Sachen Auto, Diesl und Auto-Kartell abgeht. Bin leider etwas zu faul, um das mit einer Quelle herauszukramen. Aber vor nicht all zu langer Zeit hatte ich einen Artikel über die Produktion von E-Auto-Transportern für die Post gelesen. Auto-Industrie wollte das nicht produzieren. Also hat's eine Ausgründung - ich glaube, der Uni Aachen - gemacht. Finde ich übrigens jetzt so schlecht nicht. Naja, weil's gut läuft, wagen die sich auch an einen PKW ran, der wohl ab nächstem Jahr vom Band geht. Und was macht "unsere" Auto-Industrie? Die schickt die Politik in China vor, um deren E-Auto-Quoten aufzuweichen. Also selbst wenn Du's kapitalistisch sehen willst, scheinen die den Knall noch nicht gehört zu haben. Und ehrlich gesagt kann ich mir auch überhaupt nicht vorstellen, dass die den Abstand überhaupt noch aufholen können.

Ansonsten ist's so, wie hier oben im Kommentar geschrieben wurde: Eigentlich müsste es weg vom Individualverkehr, hin zum Ausbau der Öffis gehen. Aber schau' ich mir das in DE an, dann kann ich ob der Preise nur noch den Kopf schütteln. Hier in Wien bekommst Du für ca. 365,00 Euro ein Jahresticket. Ein Euro pro Tag, das war die ganz bewusste Stadtpolitik. Davon sind diverse Kommunen in DE sehr, sehr weit entfernt.

LG
Arbo

Ich bin kein Roboter hat gesagt…

Gute Besserung an Charlie!

Und auch deine "kurzen" Texte finde ich sehr gut!
Man muss ja nicht immer zu jedem Thema zwei Seiten schreiben, zumal ja letztlich alles auf "Kapitalismus/Irrsinn" hinausläuft.

Und kurze Texte laden ja auch zum Kommentieren ein - welche ich ebenfalls hier sehr gerne lese.

Schöne Grüße!

Eike Brünig hat gesagt…

Ich verstehe nicht, was Du hast. Allein der Grundgedanke, mit Rennwagen die Welt zu retten, ist doch zutiefst menschlich. Tesla geh kacken! VW kommt! Undläuftundläuftundläuftundläuft.....

Gesichtserkennung ist doch geil oder wie willst Du sonst Deine Milliarden Fotos sortieren? Etwa mit der Hand?

9500 sind doch ein schlechter Witz! Ein Radiologe würde sich dafür nicht mal in der Nase bohren!


Politische Moral ist auch eher ein Sparwitz. Erst kommt das Fressen oder wie war das noch mit dem Jägerschnitzel?
Volksparteien haben ein Problem: Das Volk! Wie in jeder deutschen Drecksklitsche setzt sich auch dort der Von Dominanz und Geltungssucht zerfressene Drecksnormalo durch. Dementsprechend gebiert sich auch das Verhalten. Wie anders dagegen verhält es sich doch bei der Partei die Partei. Sie glänzt nicht nur mit gutem, ja bisweilen sogar klugen Personal, selbst ihre Jugendorganisation muss sich für ihre Jugend nicht schämen. Leider ist sie damit komplett inkompatibel zu Drecksnormalos, was auch die bisherigen Urnengänge bezeugen.

epikur hat gesagt…

Willkommen zurück!

Ich vermute auch, es war das verdammte Jägerschnitzel! Die E-Auto-Kampagne ist absolut durchsichtig. Es geht, wie Du schon sagst, nur darum, wieder etwas zu verkaufen. Alter Wein in neuen Schläuchen. Von der Musikkassette zur CD zur DVD zur Blueray. Nach diesem Prinzip wird überall verfahren. Der Inhalt bleibt der Gleiche, nur der Service wird schlechter und der Preis teurer.

Gute Besserung!

Troptard hat gesagt…

@altautonomer,

ich stimme Dir insofern zu, dass das Kapital sehr flexibel ist (sein muss), um sich neue Profitquellen zu erschliessen. Und weil es diese Profitquellen nicht aus eigener Kraft erschliessen kann , Vorleistungen und Ertrag dabei langfristig in einem Missverhältnis stehen, muss der Staat quasi als vorausschauender Unternehmer agieren, immer mehr in Vorleistung gehen und unternehmerische Risiken abfedern.

Und weil er selbst kein Unternehmer ist, sondern nur Konsument, hat er als einzige Quelle nur den Bürger, den er notfalls in Regress nehmen kann, wenn die untenehmerischen Innovationen sich als wertlos erweisen, national und international nicht konkurrenzfähig sind und abgeschrieben werden müssen.

Ich sehe die Problematik allerdings noch auf einer anderen Ebene, auf der Ebene des Produktivitätsfortschrittes und das vorab von mir genannte nur als einen verzweifelten Versuch, die Tendenz der fallenden Profite irgendwie aufzuhalten oder umzukehren. Einfach ausgedrückt: Der Produktionsfortschritt sorgt dafür, dass die Waren immer günstiger werden und der Profitanteil an der Ware schrumpft. Für den gleichen Gesamtprofit muss eine immer grössere Warenmenge produziert und auch umgesetzt werden. Also heisst das Credo: Wachstum, Wachstum mit immer weniger Erfolg dieses Wachstum in Profit realisieren zu können.

Was da so oft als Untergangsszenarien oder Apokalypse aufgebaut wird, ist für mich insofern auch nicht der Untergang des Kapitals, sondern eher sein ungeheuer destruktives Potential, was sich irgendwann und ebenso zwangsläufig wieder entladen muss und für mich auch entladen wird.

Was für mich in solchen Diskussionen immer sehr befremdlich bleiben wird, dass das Massenmorden im Zwanzigsten Jahrhundert (WKI,WKII, und die Massenvernichtung von Juden und anderem unwerten Lebens) nicht als Apokalypse des Kapitals begriffen wird,
sondern noch als Modernisierungsschub aufgefasst wird.

So wundere ich mich auch schon gar nicht mehr darüber, dass das bürgerliche Bewusstsein sich gar nicht mehr anders wahrnehmen kann, dass es die Leichenberge, auf denen es mal marschiert ist noch als auf Vorraussetzung für den menschlichen Fortschritt nimmt.

P.S. Ansonsten gute Kommentare hier und guten Tag Charlie. Hatte schon so eine Ahnung, weil ich selbst ja immer an einem dünnen Faden mich versuche festzuhalten.

LG

Charlie hat gesagt…

Vielen Dank für die Genesungswünsche - und noch viel mehr für die substanziellen Kommentare! Ich kann leider im einzelnen nicht darauf eingehen, allerdings ist das auch gar nicht notwendig, da ich nur wenig zu ergänzen hätte. Daher wiederum nur einige Fragmente:

@ Altautonomer: Der Begriff "Verbrennungsmotor" ist in diesem Zusammenhang nicht ganz korrekt, denn beispielsweise ein wasserstoffgetriebenes Auto hätte ja ebenfalls einen solchen - allerdings einen vergleichsweise "sauberen".

@ Siewurdengelesen: Die Abschaffung des Geldes müsste schon seit langem ein Thema sein, um die übelsten Auswüchse dieses zerstörerischen Systems abzuwenden. Ich gehe aber jede Wette ein, dass nicht nur zu unseren Lebzeiten, sondern auch zu denen unserer Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Enkel davon nicht die Rede sein wird. Die selbsternannte "Elite" ist eben gerne elitär - ganz egal, was das kostet. Solange es Menschen gibt, die allen Ernstes der Meinung sind, dass die Anhäufung von Reichtümern und "Eigentum" eine tolle Sache sei, solange wird sich das kapitalistische Todeskarussell weiter munter drehen.

@ Arbo: Du meinst das aber nicht ernst, dass Du es für eine sinnvolle Maßnahme hälst, zur Reduzierung der Feinstaubbelastung in Innenstädten ausgerechnet auf E-Autos zu setzen, oder? Du schreibst doch selbst, dass damit - wenn überhaupt etwas - lediglich eine Verlagerung der Verschmutzung zu bewirken wäre, während gleichzeitig Unmengen an weiteren Ressourcen verschwendet würden. Dieses akute Problem müsste man doch ganz anders lösen: Beispielsweise durch einen massiv ausgebauten, kostenlosen (!) öffentlichen Nahverkehr für alle, eine Dezentralisierung (also "Anti-Urbanisierung") der Ballungszentren und die Verbannung der schlimmsten Feinstaubproduzenten aus diesen Gebieten. Das ist mitnichten der heutige Individualverkehr.

@ Jägerschnitzel: Habt ihr denn nicht richtig gelesen? Ich habe doch gerade kein solches Gericht zu mir genommen, auch wenn ich es so gern getan hätte. Wie also sollte es verantwortlich für meine Erkältung sein? ;-)

Schniefende Grüße!

Fluchtwagenfahrer hat gesagt…

Moin Charles,
also wenn es das fehlende Schnitzel nicht war,
muss es das Nickerchen am offenen Nenster gewesen sein.
LG und werde bald wieder gesund

altautonomer hat gesagt…

Heuchler unter sich:
Übermorgen wird Siegmar Gabriel im Untersuchungsuausschuss zur Abgasaffaire befragt. Im Vertrauen auf die politische Kraft der LINKEN (?) habe ich dem Vorsitzenden Herbert Behrens folgende Info gegeben:

"Gabriel ist mit seiner Aussage zum Tempo 120 ein Heuchler. Erinnert sei deshalb an den Bundesparteitag der SPD am 27. Oktober 2007. Die SPD forderte ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf deutschen Straßen. Dies beschloss der Bundesparteitag der Sozialdemokraten an diesem Samstag in Hamburg. Der Antrag wurde gegen die ausdrückliche Empfehlung von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel und der Antragskomission mehrheitlich verabschiedet. Darin heißt es: “Ein schneller und unbürokratischer Weg zum Klimaschutz ist die Einführung einer allgemeinen Geschwindigkeitsbegrenzung von 130 km/h.” Die SPD schloss sich mit dem Beschluss zugunsten eines Tempolimits Forderungen von Umweltverbänden sowie der Grünen an.

Seine Leidenschaft für die Autoindustrie dokumentierte er bereits im Jahre 2005 nach der Wahl. Als im Herbst 2005 die große Koalition gebildet wurde, nahm er an dem Ausschuss, der den Koalitionsvertrag ausarbeitete als zukünftiger Umweltminister teil. Zu diesem Zeitpunkt war Gabriel Mitinhaber der Firma Cones, die in Brüssel Lobbyarbeit für VW und für den Verband Europäischer Automobilhersteller, Alcea, machte. Der damalige Alcea-Präsident war VW-Chef Bernd Pietschesrieder. Ein Jahr zuvor war Gabriel in seiner Funktion als niedersächsischer Min.-Präs. noch stellvertr. Aufsichtsrats-Chef von VW. Auf diese Weise fanden Alcea-Positionen Wort für Wort Eingang in die entscheidenden Passagen zum Abschnitt Umwelt in die Koalitionsverhandlungen. Unter anderem die Selbstverpflichtungsforderung an die Automobilindustrie, den CO2-Ausstoß auf 120 g pro kg ab 2012 zu senken."

Mal sehen, was er daraus macht.

Auch aktuell vom Rest der politischen Elite mal wieder nur freundliche Appelle an die Verantwortung der Autoindustrie. Wann fahren die Verantwortlichen endlich ein?

Eike Brünig hat gesagt…

@Troptard Ich denke schon, dass einige Leute begreifen woher der Wind wohin weht:
https://www.theguardian.com/commentisfree/2017/aug/14/1939-second-world-war-fascist-thundering-approach-hitler

Es nützt bloß nichts, wenn die Mehrheit das so will und gut findet.

Troptard hat gesagt…

Hallo Charlie,

immer noch krank bzw. geschwächt oder eher lustlos oder beides zusammen?

LG Troptard

Charlie hat gesagt…

@ Troptard: Krank, geschwächt und lustlos - das trifft's ziemlich genau auf den Punkt.

Liebe Grüße!

Troptard hat gesagt…

Hallo Charlie,

was ist los mit Dir? Muss ich mir Gedanken machen?

Mir fehlen Deine schonungslosen und rücksichtslosen Texte, wenn Du das Elend der bürgerlich, kapitalistischen Gesellschaft in seinem regressiven Voranschreiten, auch emotional aufgeladen, in Worte fasst, wovon diese Gesellschaft denkt, sie könnte ihre neu erwachten Vernichtungsfantasien zur eigenen Selbstäuschung und Täuschung der Menschen noch irgendwie mit einem humanistischen Selbstbewusstsein und Anspruch verkleiden.

Der Fortschritts-Kitt, der länger gehalten hat als ich persönlich erwartet habe,
verliert zunehmend seine Bindekraft und ruft wieder die Geister hervor, die er nur notdürftig darunter besänftigen konnte, mit Arbeit und Konsum.

Das "Prinzip Hoffnung" (Bloch) habe ich inzwischen fahren lassen und bin ziemlich resitent geworden gegen Zukunftsvisionen von einer besseren Gesellschaft. Die bessere Zukunft fängt im "Hier und Jetzt" an und verlangt keinen Aufschub.

Was jetzt nicht gelingt, wird in einer vertagten Zukunft auch nicht gelingen.
Melde Dich, wenn Du etwas brauchst.

LG

Charlie hat gesagt…

@ Troptard: Allzu Persönliches verlegen wir lieber auf eine andere, nicht ganz so öffentliche Ebene (also E-Mail - da lesen ja "nur" Konzerne, der Staat und diverse Geheimdienste mit), ok? ;-)

Mir geht's jedenfalls gesundheitlich allmählich besser und ich muss vorerst auch nicht ins Krankenhaus. Zum Glück. :-)

Liebe Grüße und herzlichen Dank für die Anteilnahme!