Mittwoch, 21. März 2012

Gauck: Der Prediger der verrohenden Mittelschicht

  1. Mit Christian Wulff hat sich die politische Klasse eines lästig geworden kleinbürgerlichen korrupten Aufsteigers entledigt, während die viel größeren Geschäftemacher der Parteien weiter ungestört ihren Interessen nachgehen können.

    Um die Peinlichkeit zu übertünchen, wurde nun Joachim Gauck, der Prediger für die verrohende Mittelschicht gerufen. Dass CDU/SPD/FDP und Grüne ihn gemeinsam aufstellen, verrät uns, dass uns noch mehr Sozialstaatszerstörung, noch mehr Kriege und noch weniger Demokratie drohen. Einen wie ihn holt man, um den Leuten die Ohren vollzuquatschen.

    (Weiterlesen)


  2. (...) Joachim Gauck startete seine Bühnenkarriere in der DDR zunächst nicht als politischer Kabarettist, sondern als Comedian. In Rostock debütierte der Künstler, der sich heute insbesondere die "Freiheit" auf die Buchfahne schreibt, in der satirischen Rolle eines protestantischen Pfarrers. Mit dieser Figur bewies Gauck großen Sinn für Ironie, denn Freiheit hat im Christentum nun einmal keine nennenswerte Tradition. Im Gegenteil stützte das Christentum jahrhundertelang Leibeigenschaft, Sklavenwesen, Monarchie, Unterdrückung der Frau, Zensur, Wissenschaftsfeindlichkeit, religiöse und weltanschauliche Intoleranz und jegliche Unterordnung des Individuums gegenüber Mächtigen. Wer Gerechtigkeit im Diesseits suchte, wurde von gut betuchten Pfaffen auf das Jenseits vertröstet. Kleriker allerdings genossen stets gewisse Freiheiten, insbesondere ökonomische - auch in der DDR, als deren "Insasse" sich der nie inhaftierte Gauck stilisiert.

    (Weiterlesen)


Anmerkung: Eigentlich ist zu Gauck und seiner überaus peinlichen und aussagekräftigen Nominierung und Wahl zum Bundespräsidenten bereits alles gesagt - ich sammle daher an dieser Stelle noch einige Texte, die ich in diesem Zusammenhang für besonders signifikant und wichtig halte - quasi als Gegenpol zur uneingeschränkt positiven Hofberichterstattung der üblichen Propagandamedien.

Jutta Ditfurth hat im ersten verlinkten Text das Wichtigste prägnant und kurz zusammengefasst. Der zweite Beitrag ist eine hübsche Glosse, die ebenfalls kaum Fragen offen lässt. Zusätzlich sei noch auf die folgenden Artikel hingewiesen:



Aber eigentlich hat Jutta Ditfurth, wie gesagt, alles Wesentliche bereits in ihren sechs kurzen Absätzen zum Ausdruck gebracht - viel mehr ist zu dieser Karikatur eines Staatsmannes im sektiererischen, opportunistischen Gewand kaum zu sagen. Hoffen wir, dass wir ihn ebenso schnell wieder los sind wie den vorherigen Kasper - angesichts seines biblischen Alters ist diese Hoffnung ja nicht gänzlich unbegründet.

Das Signal, das die neoliberale Bande mit diesem Grüßaugust ins Land und die Welt sendet, ist allerdings nichts weniger als ein fettes Ausrufezeichen hinter der längst erfolgten Kriegserklärung an die Bevölkerung.

Kommentare:

Anabelle hat gesagt…

Ach, zu diesem verknautschten konservativen Freiheitsapostel fällt mir auch nichts mehr ein. Dummes Gelaber, pseudointellektuell vorgetragen und doch das Niveau der Bild-Zeitung nur knapp verfehlend ... die Dirfurth trifft des Pudels Kern, finde ich!

Wieso der Kerl im Telepolis-Artikel aber (ohne Anführungszeichen!) als "Bürgerrechtler" bezeichnet wird, ist mir unerklärlich. War Merkel in der DDR am Ende auch noch eine "Bürgerrechtlerin"? Wie weit nach rechts kann dieses Land eigentlich noch driften, ohne dass automatisch die Hakenkreuzflaggen gehisst werden?

jakebaby hat gesagt…

Das Gauck ist wirklich das volle Packet.
Seine a'soz-Sprueche von wegen Eigenverantwortung, Verweichlichung, .. anscheinen verwechselt er da was im Haertesektor!?

Mein Favorit zum Internet: "Das weltweite Internet bietet alle Voraussetzungen, um die in den ersten zehn Artikeln unserer Verfassung verankerten Grundrechte aller Bürger in diesem Land auszuhöhlen. ...."
https://www.divsi.de/sites/default/files/presse/docs/DIVSI-Milieu-Studie_Gesamtfassung.pdf

Krieg? Bitteschoen:
"„Ich wünschte mir, andere deutsche Armeen wären auch mit so edlen Zielen ausgezogen. Der Frieden muss manchmal auch erkämpft werden.“"

"„Unsere Soldaten stehen heute nicht mehr wie frühere deutsche Heere in fremden Ländern, um Deutschland Land oder Ressourcen zu gewinnen oder um unsere Lebensart anderen aufzudrängen.“"

"„Die deutschen Soldaten sind dort im Auftrag der Uno im Bündnis mit vielen anderen Nationen. Sie verteidigen unschuldige Menschen gegen Terrorismus und helfen, die Region zu stabilisieren. Sie erobern kein Land, sie wollen keine Bodenschätze sichern – deshalb kann ich diesen Einsatz nicht verurteilen…“"
..........etc.
http://www.nachdenkseiten.de/?p=12577

Auch was er ansonsten loslaesst kann ich weniger ab.
Falscher Film!

Gruss
Jake

Charlie hat gesagt…

Es gibt so viele gruselige Aussagen des "Bürgerrechtlers", der nie einer war - da kann man fast jedes beliebige Interview oder Buch bemühen, das sein Name schmückt, und man wird fündig. Wenn er dann noch mit seiner Frömmelei anfängt und irgendwelche religiösen Deutungsversuche in seine meist oberflächlichen, erzkonservativen, oft genug asozialen, fast immer aber dummen Äußerungen einfließen lässt, wird es wirklich unerträglich.

Wenn mal wieder ein üble Figur abtreten muss - egal ob sie nun Guttenberg, Wulff oder Kurt Schmidt heißt -, denkt man doch stets: Noch übler kann es ja kaum kommen! Und jedes Mal schafft diese Bande es trotzdem, einen noch schmierigeren, finstereren Gesellen aus dem ekeligen Hut zu zaubern ... - In Schlips-Borg-Kreisen herrscht offenbar nicht der geringste Fachkräftemangel.

jakebaby hat gesagt…

"... -, denkt man doch stets: Noch übler kann es ja kaum kommen!" ...

Genauso zeigt sich mir die Realitaet seit Jahrzehnten.
Mit noch ein paar wenigen Kollegen bezeichne ich das schlicht und immer wieder zutreffend und ausnahmslos als 'Schlimmer geht Immer'

Grusel Jake