Donnerstag, 10. Januar 2013

Fukushima: "Die Leute werden belogen", stören sich aber offenbar nicht daran


Anderthalb Jahre nach der Atom-Katastrophe redet die Regierung die Lage schön und kauft sich die Ärzte, die die Strahlenbelastung für unbedeutend erklären. Doch der Widerstand der Menschen im Land wächst. Japans prominenter Atomkraft-Kritiker Kazuhiko Kobayashi erklärt gegenüber dem Südkurier, wie die Menschen in Japan für dumm verkauft werden.

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Anmerkung: Lest Euch das bitte unbedingt durch - es ist nicht zu fassen, mit welchen Betrügereien, Lügen und Tricks in Japan versucht wird, die Katastrophe kleinzureden und um des Profits Willen massenhaft Menschen zu gefährden. Trotzdem bleibt da ein sehr schaler Geschmack zurück, denn Japans Bevölkerung hat gerade eine neue, konservative Regierung an die Macht gewählt, die den nach Fukushima (bis zum Jahr 2040 - *lol*) beschlossenen Ausstieg aus der Atomkraft wieder rückgängig machen will - das war sogar Wahlkampfthema dort!!! Manchmal fasst man es einfach nicht, wie unsäglich dämlich die Menschen doch sind. Das ist also der im Interview beschriebene "wachsende Widerstand"?

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Den Deutschen traue ich etwas Ähnliches - und noch weitaus schlimmere Dinge - selbstverständlich auch zu. Wer so merkbefreit wie der deutsche Michel immer wieder solche windigen Knopfleisten- und Schlips-Borg von der CDU-SPD oder gar Aktenkofferträger und heuchlerische Kirchenheinis von der FDP und den Grünen wählt und dabei dauerhaft nicht schnallt, bis aufs Hemd ausgenommen und belogen zu werden, der wählt auch zwischendurch mal wieder das alte Tiefbraun.

Aber zurück nach Japan: Was muss denn da bitte passieren, damit die Menschen dort mehrheitlich aufwachen? Wenn solche Katastrophen wie das Erdbeben, der Tsunami und die explodierenden Atomkraftwerke noch nicht ausreichen, was bitte muss dann geschehen? Im Bericht der Süddeutschen heißt es dazu: "Viele Japaner nehmen der DJP übel, dass sie die Hoffnungen auf einen politischen Neuanfang nicht erfüllt hat." - Aha ... weil die angeblich linke Partei sich als gar nicht links herausgestellt hat, wählt man danach eben wieder rechts??? Was soll das für eine bescheuerte Logik sein? Das ist wie in Absurdistan-Deutschland: Nachdem alle gemerkt hatten, dass Schröder und Fischer keinen Neuanfang nach Kohl bedeuteten, sondern eine äußerst üble Verschärfung der asozialen Politik zugunsten der Superreichen betrieben haben, wurde im Anschluss wieder das stinkende Original gewählt, das es ja bekanntermaßen genauso macht. --- Ich verstehe diese Menschen nicht. Ich verstehe sie einfach nicht.

Wo um alles in der Welt bleibt das Raumschiff, das mich endlich abholt ...?

---


"Ich erkläre hiermit meinen Austritt aus der sozialdemokratischen Partei. Wir hatten unseren Weihnachtsbaum tip-top elektrisch eingerichtet. Am heiligen Abend streikten die Arbeiter des Elektrizitätswerkes und brachten uns um unsere Festfreude."

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 38 vom 20.12.1922)

Kommentare:

dani hat gesagt…

@ charlie

schatzi, so klappt des net mit dem wunsch nach der enterprise! "wo um alles in der welt".....nö, falsch.....du musst deine wünsche ans universum schicken!!! mensch.....guck doch mal bei den esos nach, wie das funktioniert......harrharrharr....

angesichts des beitrages bleibt mir jedoch das lachen im halse stecken!!!
tja - die praktizieren "vogel strauß technik" - solange wegsehen bis......es halt dann peng macht. und wenns dann peng macht, ist eh alles wurscht.
unglaublich.

gruselgrüßle

jakebaby hat gesagt…

"Aber zurück nach Japan: Was muss denn da bitte passieren, damit die Menschen dort mehrheitlich aufwachen? Wenn solche Katastrophen wie das Erdbeben, der Tsunami und die explodierenden Atomkraftwerke noch nicht ausreichen, was bitte muss dann geschehen? Im Bericht der Süddeutschen heißt es dazu: "Viele Japaner nehmen der DJP übel, dass sie die Hoffnungen auf einen politischen Neuanfang nicht erfüllt hat." - Aha ... weil die angeblich linke Partei sich als gar nicht links herausgestellt hat, wählt man danach eben wieder rechts??? Was soll das für eine bescheuerte Logik sein? Das ist wie in Absurdistan-Deutschland: Nachdem alle gemerkt hatten, dass Schröder und Fischer keinen Neuanfang nach Kohl bedeuteten, sondern eine äußerst üble Verschärfung der asozialen Politik zugunsten der Superreichen betrieben haben, wurde im Anschluss wieder das stinkende Original gewählt, das es ja bekanntermaßen genauso macht. --- Ich verstehe diese Menschen nicht. Ich verstehe sie einfach nicht.

Wo um alles in der Welt bleibt das Raumschiff, das mich endlich abholt ...?"

Sorry, dass ich das gecopied, aber Es fuettert nunmal mein entwicklungsbedingt'auferzwungenes Grundprinzip!! ... "Schlimmer geht Immer" ..

Das beziehe ich nicht nur auf die letzten 60+ Jahre, sondern schlichtweg seit der Steinzeit und in divers milliarden Universen, zillionen Jaehrchen zuvor und danach. ..... (menschliche Untertreibung der Unendlichkeit)

Dennoch, wenn auch so gar nicht auf Hoffnung&oderSO basierend, gehe ich davon aus, dass es, Irgendwo, BESSERES gibt, wohin ich mich nur allzugerne Beamen lasse.
HIER gibt es nun mal keine Alternative in der ich jemals&heute verbleiben moechte.

Diesbezueglich auch der letzte Kommentar von HenningM- http://narrenschiffsbruecke.blogspot.com/2013/01/immer-weiter-auf-dem-weg-in-den.html?showComment=1357706105966#c7594880348642195278

;-)

Gruss
Jake


Anabelle hat gesagt…

Jake, wenn du herausgefunden hast, WO es dieses BESSERE gibt, sag mir doch bitte sofort Bescheid, bevor du verschwindest, das musst du mir versprechen!! ;-) Ich will dann bitte mit!

In Japan scheint´s wohl nicht anders zu laufen als hier oder in den andren westlichen Ländern. Wenn ich nru dran denke, was hier allein über diesen Betreiberkonzern Tepco in den Medien stand, wie sehr die da zusammen mit der Politik gelogen und Informationen zurückgehalten haben usw. dürfte dem ganzen Sauhaufen niemand mehr auch nur einen Fingerbreit über den Weg trauen.

Sorry für die derben Ausdrücke, aber diese Welt ist im Arsch!

Charlie hat gesagt…

@ dani:

Geh mir fort mit diesem Eso-Gefasel!!! *gg* Ich wiederhole aus gegebenem Anlass das Zitat von Silvester:

"Neujahrsnacht. Nach zwölf ... und du stehst da,
und du äugst vielleicht ein bisschen in den Himmel.
Und von einem Turme macht's Trara
nach dem obligaten Glockenspiel-Gebimmel.

In der Höhe stehn die Sterne und
zwar genau so teilnahmslos wie immer.
Und der Himmel ist auch heute rund
und so dunkel wie ein Kohlentrimmer.

Nichts von Neujahrsmerkmal in der Kosmosgegend.
Dort geht alles seinen steten Gang.
Nur die Menschen finden Neujahr Sensation-erregend -
Und darüber wird dir etwas bang:

Das dort oben hat gewiss nie Lust,
sich mit unserm Kleinkram zu befassen.
Wenn du dich hier unten schinden musst,
wenn es Pleite gibt in allen Kassen,

wenn du dich mit ideellen Zielen,
so veranlagt, abzuschleppen hast,
wenn Elitemenschen an der Börse spielen
und die andern jagen nach dem Pfennig fast ---;

Das ist alles Zirkus von Mikroben,
die die Erde eigentlich konstant verseuchen -
und dem ungeheuren Apparat dort oben
lohnt es nicht mal, uns davonzuscheuchen."

Liebe Grüße! :-)

Charlie hat gesagt…

@ Jake:

Da kann ich mich Anabelle nur anschließen! :-) Vergiss auch mich vor dem Beamen nicht ... ich erbitte als Vorbedingung lediglich, dass zu jenem Universum weder Ferengi, noch Schlips-Borg (die ja miteinander identisch sind) Zutritt haben. :-)

Liebe Grüße!

HenningM hat gesagt…

Japan ist gnadenloser Oberigkeitsstaat - "Staat" im Sinne von: öff. Institutionen, Behörden, aber auch Unternehmen, Konglomeraten, Kartellen, Ministerien-Firmen-Verfilzungen etc., etc. Ungefähr wie Deutschland anno 1910.
Aber Vorsicht, liebe Leute. Wir sollten uns nicht an anderen Kulturen und Sozialsystemen abarbeiten, sondern unser eigenes Haus mal unter die Lupe bringen - und, wenn's denn geht, ein wenig sauberer zu machen!
Dass nach Kohl Schröder und nach Schröder Merkel gewählt wurden, stimmt offensichtlich; aber WER wählt denn? Die Mittelschicht mit ihren speziellen sozioökonomischen Interessen. WER wählt NICHT? Ober- und Unterschicht. Die Oberschicht ist genau so "vaterlandslos" wie "das Geld", und die Unterschicht ist ein Mischmasch von Frustration, (falscher) Hoffnung auf zukünftige Teilhabe, Resignation und fast kindischer Dankbarkeit, dass jemand ihr die Verantwortung für kollektiv verbindliche Entscheidungen (= Politik) abnimmt. C'est la vie! Man glaubt gar nicht, woran sich Menschen gewöhnen können! Wir werden uns selbst an Ebooks gewöhnen, wo es doch (wenigstens für mich) nichts Schöneres gibt als ein feines, dickes Buch aus Papier mit flexiblem Einband und Lesebändchen :)
Generell würde ich vorschlagen, sich mehr auf die positiven Veränderungen zu konzentrieren und den Ozean der hirnverbrannten, destruktiven und irrationalen Entscheidungen der Mehrheit der mündigen Bürger und Bürgerinnen mal auszublenden. Sonst endet man nämlich genau in einem Geisteszustand, in dem man sich als letzte Hoffnung eine große Katastrophe herbeisehnt, analog etwa der Sehnsucht auf recht(sextrem)er Seite vor WK I, Stichwort "reinigendes Gewitter". Was kam raus? Stahlgewitter und am Ende der Gefreite aus Braunau.






dani hat gesagt…

was mir zur teleportation nur einfällt: die fliege!!!

viel spaß euch :-))*

dani

Charlie hat gesagt…

@ dani:

Dazu braucht man in Japan keine Teleportation ... siehe: "Die Mutanten-Schmetterlinge von Fukushima".

Gruselige Grüße!

Charlie hat gesagt…

@ Henning:

Da stellt sich nun bloß noch die Frage, wo denn das Positive, auf das es sich zu konzentrieren gälte, bleibt? Ich sehe leider flächendeckend nur eine steil nach unten weisende Kurve, wohin ich auch blicke.

Erich Kästner plagten 1930 offenbar ähnliche Gedanken, als er schrieb:

"Und wo bleibt das Positive, Herr Kästner?

Und immer wieder schickt ihr mir Briefe,
in denen ihr, dick unterstrichen, schreibt:
"Herr Kästner, wo bleibt das Positive?"
Ja, weiß der Teufel, wo das bleibt.

(...)

Ihr streut euch Zucker über die Schmerzen
und denkt, unter Zucker verschwänden sie.
Ihr baut schon wieder Balkons vor die Herzen
und nehmt die strampelnde Seele aufs Knie.

Die Spezies Mensch ging aus dem Leime
und mit ihr Haus und Staat und Welt.
Ihr wünscht, dass ich's hübsch zusammenreime,
und denkt, dass es dann zusammenhält?

Ich will nicht schwindeln. Ich werde nicht schwindeln.
Die Zeit ist schwarz, ich mach euch nichts weis.
Es gibt genug Lieferanten von Windeln.
Und manche liefern zum Selbstkostenpreis.

Habt Sonne in sämtlichen Körperteilen
und wickelt die Sorgen in Seidenpapier!
Doch tut es rasch. Ihr müsst euch beeilen.
Sonst werden die Sorgen größer als ihr.

Die Zeit liegt im Sterben. Bald wird sie begraben.
Im Osten zimmern sie schon den Sarg.
Ihr möchtet gern euren Spaß daran haben ...?
Ein Friedhof ist kein Lunapark."

---

Wenn irgendwann wirklich ein Silberstreif am Horizont auftauchen sollte, werde ich unter den Ersten sein, die mit großem Trara darauf hinweisen und ihn feiern werden!

Liebe Grüße!

HenningM hat gesagt…

@charlie.
Grandioses Gedicht. Wo hast du das her? Ich hielt Kästner immer für unterschätzt, und solche Zeilen wie: "Die Zeit liegt im Sterben. Bald wird sie begraben." bestätigen meine Vermutung, dass K. - trotz mancher, na ja, freundschaftlicher Kritik von Tucholsky, einer unser tieferen Denker war und ist.
Übrigens belegt gerade die oben zitierte Zeile, dass K. doch nicht nur dunkelgrau und schwarz gesehen hat, nicht wahr? Ein Anflug von (Zweck?-)Optimismus ist doch zu spüren, gell? ;)

Charlie hat gesagt…

Woher ich das Gedicht habe? - Nun, aus meinem Bücherregal natürlich, denn Kästner gehört schon lange zu meinen bevorzugten Autoren. ;-) Aber nicht nur seine Gedichte treffen oftmals den Nagel auf den Kopf, auch seine übrigen "Schriften für Erwachsene" sind auch heute noch sehr zu empfehlen. Ein kleines Beispiel:

"Und im Jahre 1933 wurden meine Bücher in Berlin, auf dem großen Platz neben der Staatsoper, von einem gewissen Herrn Goebbels mit düster feierlichem Pomp verbrannt. Vierundzwanzig deutsche Schriftsteller, die symbolisch für immer ausgetilgt werden sollten, rief er triumphierend beim Namen. Ich war der einzige der Vierundzwanzig, der persönlich erschienen war, um dieser theatralischen Frechheit beizuwohnen. Ich stand vor der Universität, eingekeilt zwischen Studenten in SA-Uniform, den Blüten der Nation, sah unsere Bücher in die zuckenden Flammen fliegen und hörte die schmalzigen Tiraden des kleinen abgefeimten Lügners. Begräbniswetter hing über der Stadt. (...) Plötzlich rief eine schrille Frauenstimme: 'Dort steht ja Kästner!' Eine junge Kabarettistin, die sich mit einem Kollegen durch die Menge zwängte hatte mich stehen sehen und ihrer Verblüffung übertrieben laut Ausdruck verliehen." (In: Erich Kästner: Bei Durchsicht meiner Bücher)

(Zweck-)Optimismus kann ich in dem zitierten Gedicht aber nicht entdecken - allenfalls den für Kästner so typischen Galgenhumor ... ;-)

Liebe Grüße!