Montag, 22. April 2013

Nein, wie überraschend: "Geplanter Verschleiß ist ein Massenphänomen"


Weiche Gummisohlen, nicht austauschbare Akkus, billiges Plastik: Zahlreiche Geräte sind so gebaut, dass sie just dann kaputt gehen, wenn die Garantie abläuft. Zufall? Eine Studie sagt: Nein. Und spricht von "geplanter Obsoleszenz" zur Renditemaximierung.

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Anmerkung: Die "geplante Obsoleszenz" war schon des Öfteren Thema in diesem Blog, und allmählich kann ich diesem "Captain Obvious" nur noch mit kopfschüttelndem Zynismus begegnen - denn offensichtlicher könnten die absurden Mechanismen des Kapitalismus doch gar nicht zutage treten, als sie es hier - freilich, wie immer, konsequenzlos - tun. Wir können diese Frage ja probehalber einmal Erstklässlern stellen: Ein "Unternehmen", das immer mehr produzieren und verkaufen, das also "wachsen" will, konzipiert

1. nachhaltige, langlebige, hochwertige Produkte, oder
2. möglichst minderwertige Produkte, die ihren Dienst gerade solange tun, wie es die lächerliche gesetzliche [sic!] Garantiezeit erfordert?

Na, wer kann erahnen, welche Antwort die Erstklässler hier mehrheitlich wohl geben? - Aber das sind ja nur Kinder, die verstehen die großen Zusammenhänge der Welt und vor allem der Wirtschaft nicht - ich höre die "Experten" mit ihren schwingenden Schlipsen und ihren Geldbörsen voller raschelnder Banknoten förmlich zu langen Monologen ansetzen, durchsetzt von Vokabeln wie "Wettbewerb", "Arbeitsplätze", "Märkte" und ähnlichem Bullshit. Dabei reicht es durchaus, auch nur einmal das Gehirn anzuwerfen und einige Minuten nachzudenken, um zu dem schnöden Schluss zu kommen, dass dieses kapitalistische "Konzept" zwingend zur logischen Folge hat, dass in sämtlichen Bereichen das Minderwertigste, Billigste, Kurzlebigste zur Perfektion gebracht wird - also das genaue Gegenteil dessen, was nach gesundem Ermessen wünschenswert wäre. Das betrifft nicht nur technische Geräte, sondern tatsächlich alles, was im Rahmen dieses perversen Systems produziert oder "getan" wird - Lebensmittel gehören genauso dazu wie Arzneien, Dienstleistungen oder wissenschaftliche Forschung u.v.m.

Selbstverständlich ist auch dies kein neues "Phänomen", das von der Süddeutschen nun "aufgedeckt" wurde - es ist vielmehr so alt wie der Kapitalismus selbst und daher auch ebenso lange schon ein Thema gewesen, das es aber dank der allgegenwärtigen Propaganda nie ins kollektive Bewusstsein geschafft hat. Und auch jetzt wird der Artikel in der SZ selbstredend keine Auswirkungen haben - er ist dort einfach noch einige Zeit abrufbar, während die Wirtschaft ihre geplanten Obsoleszenzen weiter optimieren wird. Eine entsprechende Dokumentation zum Thema habe ich ja schon mehrfach hier verlinkt.

Jeder Außerirdische, der an der Erde vorbeikommt, muss sich zwangsläufig vor die Stirn oder das entsprechende Körperteil schlagen und schnellstens wieder verschwinden, denn ein solcher Irrsinn ist nicht mit dem Begriff "intelligentes Leben" in Einklang zu bringen, so sehr man sich auch bemüht.

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Fords Vaterfreuden


"Je kürzer meine Kinder leben, desto besser ernähren sie mich."

(Zeichnung von Olaf Gulbransson [1873-1958], in "Simplicissimus", Heft 23 vom 05.09.1927)

Kommentare:

µnÐ3rÐ09 hat gesagt…

Ja, das ist klar. Offensichtlich eben. Niemand hat etwas davon, wenn ene Glühbirne 50 Jahre hält, nur der Kunde, aber um den geht es nicht, geht es nie.

Charlie hat gesagt…

Wieso erkennen Du und ein paar weitere das so mühelos, und fast 80 Millionen andere Menschen in diesem Land erkennen das nicht - sogar dann nicht, wenn man sie mit der Nase darauf stößt?

Liebe Grüße!