Montag, 6. Mai 2013

Im Propagandanebel: Der Exportweltmeister und seine um sich greifende Armut


Der Taxifahrer, der mich neulich zum Bahnhof fuhr, war 71 Jahre alt. Warum er noch arbeite, fragte ich ihn; eigentlich nur, um ein lockeres Gespräch zu beginnen. "Nicht aus Spaß am Taxifahren", erwiderte er. Seine Altersrente nach einem arbeitsreichen Leben betrage lediglich 750, die Miete allein schon 550 Euro.

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Anmerkung: Diesen kleinen Text des Schriftstellers Wolfgang Bittner sähe ich sehr gern weit verbreitet in diesem narkotisierten, verseuchten Land. Beim Lesen solltet Ihr stets bedenken, dass Bittner Schriftsteller und kein Journalist ist und dass auch dieser Text somit vermutlich fiktionalen Charakters ist - wir lesen also nicht, was dem Mann wirklich begegnet ist, sondern was ihm seiner - und auch meiner - Meinung nach eigentlich zunehmend begegnen sollte und sogar müsste - wenn den Menschen nicht nur in diesem Land denn auch nur die spärlichen Fakten, die im Text genannt werden, hinreichend bekannt und bewusst wären.

Tatsächlich sehen derartige Gespräche mit den Opfern des Kapitalismus in aller Regel völlig anders aus, wie man in diversen Dokus, medialen Propagandaberichten und selbstverständlich auch im eigenen Umfeld immer wieder - und zunehmend - erleben muss: Da wird in der Regel wild die dumpfe neoliberale Propaganda heruntergeleiert, nach der der ganze Wahnsinn "alternativlos" sei, weil irgendwelche [an dieser Stelle bitte beliebige Menschengruppen einfügen, wie beispielsweise "Südländer", "arbeitsscheues Gesindel", "Ausländer", "Islamisten", "Gutmenschen", "Sozialbetrüger" und derlei Unfug mehr] Schuld daran seien, gegen die man selbstverständlich hart vorgehen müsse. Da kann man sich regelmäßig nur noch die Haare raufen und kommt auch mit belegbaren Informationen nicht weiter - die Mehrheit glaubt weiterhin wie von der Tarantel gestochen den unsäglichen Stuss, dass ihnen diejenigen, die wenig oder nichts mehr haben, schon eine Menge "weggenommen haben" und das auch zunehmend weiter tun wollen, und nicht diejenigen, die heute schon im unvorstellbaren, niemals "verkonsumierbaren" Super-Luxus ertrinken.

Wenn ich jemals in meinem Leben auf einen Taxifahrer oder irgendeinen anderen Menschen aus einem ähnlichen, stinknormalen Lebensbereich treffen sollte, der derart aufgeklärt und entwaffnend-erkennend auf den Irrsinn dieser uns einlullenden kapitalistischen Katastrophe blickt, wird das der Tag sein, an dem ich den Glauben an eine kleine Chance für den Fortbestand der Menschheit jenseits der Dystopie zurück bekomme. Bis dieser unwahrscheinliche Fall eintritt, sollten all diejenigen, die Bittners Taxifahrer ebenso ins Herz und vor allem Gehirn geschlossen haben wie ich, daran mitwirken, dass solche Texte eine möglichst große Verbreitung finden - und sei es auch nur, um der stetigen Propagandaflut aus den Senkgruben der Springer-, Bertelsmann-, Burda- und sonstigen Propagandamedien und natürlich aus denen der Neoliberalen Einheitspartei etwas entgegenzusetzen.

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Schacht dekretiert


"Ich erkläre den öffentlichen Luxus für staatsfeindlich. Luxus ist Privatsache."

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 38 vom 19.12.1927. - Mehr über Hjalmar Schacht gibt's hier. Es gilt nun zu mutmaßen, welche der aktuell im Bundestag herumsitzenden elitären Damen und Herren wohl ebenso schnell wie der saubere Herr Schacht und so viele andere damals zu Vasallen der Faschisten mutieren würden - die politischen Haltungen unterscheiden sich zum momentanen Zeitpunkt jedenfalls nicht mehr. Ich mag gar nicht an solche grotesken, zumeist millionenschweren Figuren wie Westerwelle, Friedrich, Uhl, Schäuble, Steinbrück, Rösler, Özdemir, De Maizière, Trittin oder natürlich Merkel und so viele, viele andere denken - da wird es mir reichlich blümerant zumute, wenn ich freundlich bleiben will.)

Kommentare:

Anabelle hat gesagt…

Der Bittner-Text macht mich ganz wehmütig. Man darf sich gar nicht vorstellen wie es im Land aussehen MÜSSTE, wenn tatsächlich alle wüssten oder zur Kenntnis nehmen würden, wie dreist und umfassend sie allesamt von der sich selbst "Elite" schimpfenden Mini-Clique ausgenommen werden.

Schacht ist ein gutes Beispiel, ebenso wie die Zeichnung. Genauso stelle ich mir z.B. von der Leyen, Steinbrück oder Guttenberg vor, wie sie da in ihren ergaunerten Palästen hocken und den Luxus geifernd zur "Privatsache" erklären. Eine tolle Demokratie haben wir da.

jakebaby hat gesagt…

"Es gilt nun zu mutmaßen, welche der aktuell im Bundestag herumsitzenden elitären Damen und Herren wohl ebenso schnell wie der saubere Herr Schacht und so viele andere damals zu Vasallen der Faschisten mutieren würden - ..."
Ist deren Mutation nicht nahezu abgeschlossen?

Gerade heute habe ich einem Blogger-Kollegen auf "Es gibt also noch Menschen, die stramm neoliberal denken." folgendes geposted:

"Gibts in hoechst ausschlaggebenden Bereichen noch welche Die das nicht tun?

2008 hast du einen 2Teiler ueber negative Spitzenpositionen Deutschlands gebracht.
In der Zwischenzeit muss man wohl noch ein paar Dutzend Negative hinzufuegen und die meisten/alle basieren auf stramm Neoliberal.

Vom rundum ueblen Zustand Deutschlands(und man behaupted anhand seiner 'starken Position' staendig das krasse Gegenteil) mal absehend, hat sich Deutschland in kuerzester Zeit/seit Merkel, und tut das weiterhin, auch international so dermassen unbeliebt gemacht, dass man durchweg nur noch Scheisse schreien kann, wobei dies, wie sollte es auch anders moeglich, ausgerechnet die geschichtlich bewiessen verdepperten Dummdeutschen am allerwenigsten wahrnehmen und sich eher/wieder gegen den deutschfeindlichen 'Rest der Welt' aufwiegeln lassen. ... soweit wiedermal nichts Neues!!

Des Uebels nicht genug, ist Deutschland inzwischen aber auch auf den Spitzenplaetzen der gesamtwestlich-global-neoliberalen Agenda.
Waffenhandel, zukuenftig durchgespielte Kriegseinsatze/Interventionen, bewaehrt und staendig vermehrte Einmischung/Einflussnahme in internal Affairs diverser Laender .. Unterstuetzung radikalster Oppositionen.. etc. ... ganz nach dem altbewaehrten Prinzip "Lets overthrow a Democrazy and install a Dictatorship" .... was dann ebenso unter dem beliebten Motto "Wer nicht Hoeren will muss Fuehlen" laueft, unter dem dann eh Jeder zum Feind erklaert wird, sobald er nicht(mehr) spurt.

Dass Politik insgesamt auf diese Entwicklungen(nicht zum erstenmal) als letztendlich gesetzgebende Exekutive gerade mal noch die zweite Geige spielt, ist in einem nahezu abgeschlossenen WirtschaftsFaschismus eine wohlbekannte Begebenheit.

Somit passt Deutschland perfekt ins Gesamtgefuege und kann politisch gar nicht mehr anders, als auf den berechtigt aufkommenden Ruf des inter/national haesslichen Deutschen gerademal und noch dazu aggressiv/arrogant keinen Scheiss zu geben.
Vor allem gemaess/inklusive der Zukunftsplanung gibts nicht mehr allzuviel zum kaputt machen, wodurch auch ein baldiges Reparieren/Umschwenken ausgeschlossen ist.

Passt alles fuer eine globalfatale Zukunft!!"

Allzuweit brauchen die Vasallen nicht mehr mutieren.

Gruss
Jake

Charlie hat gesagt…

@ Jake: Das sehe ich ja genauso und habe es auch so geschrieben. Meine kleine Frage zielt ja darauf ab, wie lange es wohl dauern würde, bis diese Damen und Herren das alberne demokratische Mäntelchen, das sie sich jetzt noch immer salbungsvoll über die korrupten, antidemokratischen Schultern werfen, auch offiziell ablegen, wenn der Faschismus - sagen wir mal beispielhaft in Form der AfD - ebenso offiziell wieder in die Politik Einzug hält.

Ich glaube, dass das ganz schnell gehen wird - sobald irgendeine neue ultrarechte Partei wieder im Bundestag sitzt, wird die Bande sich förmlich darum reißen, mit denen zu "koalieren" und so die Geschichte wiederholen.

Liebe und gruselnde Grüße!

jakebaby hat gesagt…

OK, dann schmeiss ichs diesbezueglich.