Freitag, 28. Februar 2014

Hausfrauenkitsch, die Tierliebe und der Kapitalismus


Mein Name ist Penny [ein Schwein], heute habe ich das Licht der Welt erblickt. Wenn man das so nennen kann. Das Licht der Welt, die Sonne, ist nämlich nicht zu sehen. Aber dafür leuchtet ein rotes, warmes Licht. Ich habe insgesamt 13 Geschwister, glaube ich.

(Weiterlesen)

Anmerkung: Diese Geschichte ist triefender Hausfrauenkitsch, wie er übler gar nicht sein könnte. Das Pseudonym “Vincent Herz” kann man getrost im Schlagerbereich verorten, dort gehört es nämlich hin.

Wie verrückt müssen Menschen eigentlich sein, die sich hier über tatsächlich anzuklagende Missstände in der Tierhaltung echauffieren, andererseits aber ein größtenteils leidloses Leben in einer völlig perversen Welt führen, die unablässig dafür sorgt, dass alle fünf Sekunden ein Kind unter zehn Jahren verhungert?

Jedes einzelne dieser Kinder würde sofort und ohne auch nur nachzudenken Fleisch essen, um vielleicht doch am Leben bleiben zu können – und es hätte auch jedes Recht dazu. Was ist das bloß für eine perverse Diskussion angesichts des globalen Elends, das auf diesem Planeten herrscht? So können nur Leute argumentieren, die im Luxus leben und keine Not kennen.

Was wäre doch gewonnen, wenn all diese Leute ihre Wut endlich zugunsten der Menschen einsetzen würden – ganz abgesehen davon, dass der Kampf gegen den Kapitalismus letztendlich natürlich auch ein Kampf für Tiere ist, denn es ist nur der Kapitalismus, der manche unsrer Zeitgenossen dazu treibt, Tiere in großem Stil zu quälen und auszubeuten. Das Bekämpfen von Symptomen ist nicht erst seit Don Quichotte ein beliebtes Ablenkungsmanöver.

Wer das Leiden der Tiere in der Massentierquälerei des Kapitalismus nicht mehr will, der muss verdammt noch mal auch sein Herzblut gegen die Menschenquälerei, die der Kapitalismus verursacht, einsetzen, um dieses menschenfeindliche System endlich loszuwerden – ansonsten ist jede Opposition ohnehin nur Makulatur.

Diese ganze Diskussion gleicht dem Versuch, den Nazis ab 1933 den Antisemitismus ausreden zu wollen. Der Versuch ist ehrenwert, aber vollkommen sinnlos. Der Kapitalismus ist unser Problem – und mit dessen Abschaffung würde auch das Problem der Massentierquälung – als einem unter so vielen – obsolet.

Lächerliche Texte und Diskussionen wie diese helfen dabei nicht im Geringsten. Ich verstehe sehr gut, dass der Autor hier ein (wenn auch hochalbernes) Pseudonym benutzt hat – meinen Namen gäbe ich für einen solchen Groschenroman gewiss auch nicht her. Wer indes meint, es könne im Rahmen des kapitalistischen Systems eine Abkehr von der profitorientierten Fleischproduktion geben und wir könnten einfach so weitermachen und alle fünf Sekunden ein Kind verhungern lassen, während es "unseren" Schweinen und Rindern gut geht, der ist nicht nur irre, sondern ein ausgemachtes Arschloch.

Merke: So gut oder schlecht, wie es der Mehrheit der Menschen auf diesem furchtbaren Planeten geht, so gut oder schlecht geht es selbstredend auch den Tieren. Wundern können sich darüber nur ausgemachte Narren.

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Mehr Eier!


"Es ist Herrn Professor Gegenfurtner gelungen, einem Huhn eine zweite Legvorrichtung zu implantieren, so dass die Kommunalverbände von nun ab in der angenehmen Lage sind, die doppelte Zahl Eier anfordern zu können."

(Zeichnung von Erich Schilling [1885-1945], in "Simplicissimus", Heft 12 vom 18.06.1918)

Kommentare:

darkmoon hat gesagt…

Ich bewunder es ja daß du bei solchen Themen immer so ruhig und sachlich bleiben kannst. Ich hab den Text garnicht weitergelesen nachdem da was von "Chris das Schwein" stand, da war sowieso klar daß nur Flitzepiepenmist für teppichbehängte Biomamas zu erwarten ist.

Thanx für diesen Kommentar!!!! -)

Mo142 hat gesagt…

Jetzt bist du drüben bei den Esos schon der Spalter, weil du kritisierst. Merken die eigentlich noch was für einen Bullshit die schreiben? Sicher, der Kritiker ist der Böse, ohne den wär ja alles gut, weil keiner meckert. Ich fass diesen Blödsinn nicht mehr.

Die merken gar nicht mehr (oder wollen das nicht?) daß sie sich und der Sache selber schaden. Hauptsache der Schuldige ist gefunden. Und der bist du Charlie, wer auch sonst.

Ich kann dir und allen adren nur raten: Meidet die Eso-Sekten!

Charlie hat gesagt…

@ darkmoon: Sag das nicht zu laut - angesichts des geballten Schwachsinns, der dort von so manchen Leuten gepostet wurde, war es nicht so ganz einfach, Ruhe zu bewahren. ;-) Jedenfalls wissen wir nun, dass aus dieser Ecke keinerlei Solidarität zu erwarten ist - das Sektierertum feiert einmal mehr seine triumphalen Feste, wie so oft am Ende des kapitalistischen Zyklus'.

Ich bewundere ja jenen Uwe viel mehr, dessen Positionen ich zwar nicht immer folgen kann, der aber zumindest faktenreich und sachlich argumentiert hat und stets einen Brückenbau angeboten hat - was bei Sektierern aber nunmal sinnlos ist, denn Brücken interessieren sie offenkundig nicht.

Und witzig war es ja ja auch - besonders unser unfreiwilliger Realsatiriker Leichenfresser-Eule hat ja den Vogel im wahrsten Sinne des Wortes abgeschossen - ich frage mich bei dem zunehmend, ob er wirklich so bösartig ist oder ob er einfach 70 bis 80 Prozent dessen, was man ihm schreibt, einfach nicht begreift.

Du hättest eventuell noch erwähnen sollen, dass Du selber schon lange kein Fleisch mehr isst - aber damit hättest Du andererseits auch so manche eindimensionale, schlichte Weltsicht zum Wackeln gebracht. ;-)

Liebe Grüße!

Charlie hat gesagt…

@ Mo142: Das sehe ich anders: Es gibt auch bei den so genannten Eso-Sekten durchaus Menschen, die intellektuell noch erreicht werden könnten - es wäre fatal, sie gänzlich den Fängen der Sektierer zu überlassen. Widerspruch ist wichtig - gerade auch dort. Ich gebe zu, dass das gewiss alles andere als leicht ist, aber einfach das Maul zu halten und nur noch abzuwinken ist noch viel fataler, als sich - zumindest in besonders herausragenden Spitzen - doch noch einmal aufzuraffen und die Argumente nicht nur zum hundertsten, sondern vielleicht zum 857. Male zu nennen. Das ist zweifelsohne extrem entnervend und demotivierend auf Dauer, aber die Gegenseite macht's ja leider genauso. Die Kunst ist es, dabei die Unterscheidung zu lernen zwischen Sektierern, die gar nicht diskutieren wollen bzw. können, und Menschen, die intellektuell / argumentativ überhaupt noch erreicht werden können, also noch nicht ganz so tief im Sumpf der Sekte stecken. Auch das ist nicht leicht. Am vorliegenden Beispiel lässt sich das gut nachvollziehen: Mit Leichenfresser-Eule oder Meph wird jede Diskussion ergebnislos bleiben, weshalb ich sie auch nicht führe - mit anderen Menschen, die hier leider fast vollständig fehlten, ist das etwas differenzierter zu betrachten.

Der Punkt des Anstoßes bzw. Abwinkens sollte also nicht sein, wenn XY krude Thesen vertritt, sondern die Frage, ob XY das aus einer quasi-missionarischen Motivation heraus tut, oder ob XY schlicht über zu wenige oder falsche Informationen verfügt und allzu sehr manipuliert erscheint.

Differenzierung ist das wichtige Wort - wie eigentlich immer, und ganz besonders dann, wenn es um Symptomediskussionen auf Nebenschauplätzen geht. Du hast ja mitbekommen, dass der Versuch einer Umlenkung auf eine Ursachendiskussion sofort schärftens zurückgewiesen und sogar diffamiert wird. Diese Abfolge von Kommentaren, die nun das absolute Gegenteil einer tatsächlichen Diskussion darstellt, ist wiederum ein bezeichnendes Beispiel (ob nun das 100.000ste oder auch das 1.000.000ste in der Geschichte des Kapitalismus) für die offensichtliche Unwilligkeit interessierter Kreise, Diskussionen zu führen oder gar zuzulassen. Auch gegen diesen von Politik, Medien, aber leider auch Teilen der Wissenschaft forcierten Degenerierungstrend gilt es ganz genauso anzugehen.

Liebe Grüße!

Mollbert hat gesagt…

Also ich habe mir deine Kommentare bei hds jetzt nocheinmal durchgelesen und möchte dir gerne eine Frage stellen: Bist du wirklich der Meinung, dass die als Grundlage für eine wie auch immer geartete Diskussion taugen? Ein bisschen gezielte Provokation könnte ich ja verstehen, um die grauen Zellen der Leser in Wallung zu bringen. Aber warum musst du zusätzlich sofort ins Anmaßende, Beleidigende und Elitäre abgleiten? Ehrlich, ich verstehe das nicht. Die unsachlichen Kommentare und Reaktionen nimmst du als Stütze für dein Weltbild, die eher sachlichen, die sogar auf deine Argumentation eingehen, blendest du dagegen komplett aus. Da differenzierst du doch auch nicht, sondern betreibst selektive Wahrnehmung.

Charlie hat gesagt…

@ Mollbert: Wenn Du Anmaßendes, Beleidigendes oder Elitäres in einem Text von mir findest, darfst Du mich gern darauf aufmerksam machen - dasselbe gilt freilich für sachliche Antworten im aktuellen Beispiel.

Es ist zwar durchaus nachvollziehbar, dass ein Mensch wie unsere Leichenfresser-Eule zwar das Wort "Arschloch" lesen kann, den Satz, in den es eingebettet ist, aber offensichtlich nicht versteht - Dir jedoch unterstelle ich intuitiv eine etwas ausgeprägtere Lesekompetenz. ;-)

Liebe Grüße!

darkmoon hat gesagt…

Mollbert: Du stürzt dich auf den falschen. Schreib deine Kritik doch lieber dort drüben.... da wirst du bestimmt Zustimmung bekommen! -)

Inhaltlich, also zum Thema gehörendes hast du nix beizusteuern?

Mollbert hat gesagt…

@darkmoon: Ich stürze mich doch auf gar nichts. Allerdings hat mich dein Ausdruck "dort drüben" grad irgendwie zum Nachdenken gebracht. Klingt so nach "wir hier" und "die dort drüben" und dazwischen ziehen wir dann einen hübschen Graben mit Stacheldraht, schmeißen bei Bedarf mal eine Verbal-Granate rüber, lauschen dem Aufschrei der Getroffenen und erfreuen uns an deren Unvermögen die Kniffe des Argumentationskrieges zu beherrschen.
Aber ich schweife ab und gebe dir recht, zum eigentlichen Thema habe ich bislang... Nichts gesagt. Du aber auch (noch) nicht. (Ok, das mit der teppichbehängten Biomama)

Für mich ist das Thema Fleischkonsum eines der vitalsten Beispiele für kognitive Dissonanz, die es überhaupt gibt. Die überwiegende Mehrheit in Deutschland isst Fleisch, mal mehr, mal weniger oft. Sie weiß mehrheitlich um die Konsequenzen die das hat, die Massentierhaltung, die elende Quälerei, das industrielle Sterben. Das alles könnte sie eigentlich nicht befürworten. Und tut es doch jedesmal, wenn sie im Supermarkt wieder zugreift. So wie auch ich immer mal. Ich bin mir erschreckenderweise bewusst, dass ich damit meinen kleinen Teil zur Fleischmühle beitrage. Ganz persönlich.

Nun argumentiert Charlie "das ist alles der Kapitalismus schuld". Mir greift das zu kurz. Der Kapitalismus hat vielleicht das System Fleisch als Massenware perfektioniert und endgültig auf die perverse Spitze getrieben. Aber wichtig hierbei sind doch auch Aspekte, die noch lange vorher kommen: Unsere Beziehung zur Welt, zu anderen Lebewesen, zu uns selbst. Man kann durchaus auch in einer nicht-kapitalistischen Gesellschaft Massentierhaltung betreiben, wenn man Tiere nur weiterhin als verdinglichte "Ressource" betrachtet, die es lediglich zu nutzen, zu kontrollieren und zu verteilen gilt.

Charlie hat gesagt…

@ Mollbert: Mit Deiner Interpretation des Ausdrucks "dort drüben" ziehst ja Du den Graben und nicht der darkmoon. Fällt Dir auf Anhieb eine bessere, sinnigere Formulierung ein, die er da hätte verwenden können?

Zum Thema "Fleischkonsum - pro oder contra" habe ich mich im Übrigen nie geäußert und gedenke das auch weiterhin nicht zu tun. Das ist eine persönliche Sache, die jeder Mensch mit sich selbst ausmachen muss. Das Problem beginnt in dem Moment, wenn irgendwer meint, allen anderen vorschreiben zu müssen, wie sie sich zu verhalten haben - da setzt der erste Teil meiner Kritik an. Der zweite betrifft die kapitalistische, also profitorientierte Massentierquälung, die ich einfach widerlich, furchtbar und grauenvoll finde. Und hier ist eben der Kapitalismus der Grund, dass so etwas geschieht - ohne den irrsinnigen Zwang zur Profitmaximierung bestünde kein sinnvoller Anlass, Tiere massenhaft bis aufs Blut zu quälen. Das betrifft ja nicht bloß die "Fleischproduktion", sondern tatsächlich alle Bereiche des Wirtschaftens.

Es ist ernüchternd, dass Du einfach das Gegenteil behauptest. Welche anderen Gründe sollte es denn Deiner Meinung nach für diese grausame Industrie geben, wenn es nicht die Profitgier ist? Abgesehen von böswilligem Sadismus fällt mir da nichts ein, und den halte ich im großen Maßstab für so unwahrscheinlich, dass er auszuschließen ist.

Das "System Fleisch", das Du so schön benennst, war, ist und bleibt die Grundlage unserer irdischen Natur - das kann man ekelig finden (ich tue das!), aber ändern kann man es dennoch nicht. Und jeder Mensch, der aus diesem System aussteigen will, soll das herzlich gerne tun - das hat aber dennoch nichts mit Themen wie "unsere Beziehung zur Welt" oder "zu anderen Lebewesen" zu tun. Genau solche Gedanken sind eben "zu kurz gedacht" und beruhen auf einem absurden, geradezu naiven Verständnis der Natur (daher der Begriff "Hausfrauenkitsch", für den ich eigentlich eine Menge Schelte erwartet hätte, weil er frauenfeindlich ist - da kam aber gar nichts).

Da Du das Thema nun schon wiederholt angesprochen hast, möchte ich auch gerne einmal etwas von Dir zum Vorwurf des "Elitären" lesen, das Du immer wieder bei mir zu finden glaubst. Meine Haltung dazu müsstest Du ja kennen - falls das nicht der Fall ist, wiederhole ich sie hier noch einmal:

Wenn es als "elitär" gilt, Dummes tatsächlich als dumm zu bezeichnen, dann bin ich äußerst elitär. Und da mache ich keine Unterschiede zwischen Hampelmännern (und -frauen) in der Politik, in den Medien, in den Blogs oder den Kommentaren. Es gibt sie nämlich überall.

Liebe Grüße!

darkmoon hat gesagt…

Molli: Aber sicher stürzt du dich auf Charlie! Was war denn sonst dein Beweggrund hier was zu schreiben? *koppschüttel

Menschen essen Fleisch, so wie Katzen, Hunde, Schlangen oder viele andre Tiere das auch tun. Woher das Fleisch kommt, das sie essen, ist eine ganz andre Frage, und um genau die ging es doch hier. Hast du dich echt noch nie gefragt, wieso auf den Jogurtbechern immer Kühe auf grünen Wiesen abgebildet sind obwohl wir doch wissen daß die Kühe in finstren Insdustrieanlagen gequählt werden und nie auf die Wiese kommen, damit wir unsren Jogurt haben?

Wenn du wie ich drauf angewisen wärst dein Leben mit knapp 360 Euro im Monat zu führen dann wüßtest du auch weshlab Leute wie ich keine Wahl haben, sogar dann wenn sie den ganzen Tierhaltungsmist zum Kotzen finden!

WIE GERN würd ich Lebensmittel zu mir nehmen die BIO und FAIR und GUT sind, aber ich KANN das nicht! Und wer ist daran Schuld? Ich? Mein ehemaliger ARbeitgeber der pleiteging? Oder doch der Kapitalismus?

Leckt mich doch alle am Arsch mit dieser bekloppten diskussion.

Mollbert hat gesagt…

@ Charlie: Ja, Massentierquälung ist widerlich, furchtbar und grauenvoll. Für mich egal, ob nun in erster Linie eine kapitalistische/profitorientierte Absicht dahinter steckt oder eine vermeindlich rational/pragmatische Absicht (z.B. die, alle Menschen täglich massenhaft mit Fleisch versorgen zu können). Profit hin oder her. In dem Zusammenhang finde ich es seltsam, dass du da mit Begriffen wie „irdische Natur“ und dergleichen kommst. Das werden viele Leute sehr gerne hören, für die unser kapitalistisches Wirtschaftssystem eben auch nur „unsere Natur“ ist, gegen die anzukämpfen ja völlig naiv ist.

Was diese „Elitär-Geschichte“ angeht: Du hast hier an der ein oder anderen Stelle deine Verwunderung darüber zum Ausdruck gebracht hast, warum Leute so empfindlich und ungestüm auf deine Kommentare reagieren. Ich habe schon woanders geschrieben, dass es keinen Zweck hat dir das zu erklären, wenn du’s selber nicht erkennst. Das hat was mit Diskussionskultur zu tun, mit Respekt vor anderen Meinungen, auch mit Emphatie (ich weiß, ganz böses Wort). Irgendwie habe ich immer noch nicht durchschaut, ob dir all diese Dinge wirklich abgehen oder sie dir einfach scheißegal sind oder ob du bewusst nur provozieren willst. Denn das schaffst du wie man sieht: Du provozierst Kommentare, und zum Teil richtig Gute (vielleicht mal die von eulenfeder abgesehen).

Grüße erstmal
Mollbert

Charlie hat gesagt…

@ Mollbert: Diese permanente unterschwellige Aggression, die Du mir entgegen bringst, finde ich befremdlich. Wenn Du etwas zu kritisieren hast, tu das doch einfach, und zwar offen - Bemerkungen wie "Wenn du das selber nicht bemerkst, verstehst du es sowieso nicht" sind doch arg infantil. ;-) Also raus mit der Sprache, sonst bleibt Kritik sinnfrei.

Den wenigen offenen Worten, die Du geschrieben hast, kann ich aber schon entnehmen, dass Du den Unterschied zwischen einem Diskussionsbeitrag und einem Kommentar nicht beachtet hast. Das sind zwei völlig unterschiedliche Dinge - ich habe mich bei HdS ganz bewusst auf keine Diskussion eingelassen - wohl wissend, dass das bei diesem Thema und an diesem Ort sinnlos wäre. Ursprünglich war der Text sowieso nur als Blogpost fürs Narrenschiff gedacht - ich habe ihn dann auch dort hineinkopiert, weil ich mir gedacht habe, dass der Link allein (wie ich das zuvor einige Male getan habe) doch zu sehr nach Eigenwerbung aussehen könnte.

Es handelt sich also um einen Kommentar - und der darf selbstverständlich provozierend sein - Thomas Bernhard hat mal sinngemäß gesagt, dass die Provokation das wirksamste literarische Stilmittel sei, das er kenne. Begriffe wie "Respekt" haben in Kommentaren nichts verloren - dort gehören knallharte Subjektivität, Überspitzung, Überdeutlichkeit hinein - und selbstverständlich auch Angriffslust.

Wie Du allerdings von der "irdischen Natur" in scheinbar logischer Folge auf das kapitalistische System schließen kannst, erschließt sich mir nicht einmal ansatzweise. Was hat die vorgegebene Form der Ernährung mit dem prinzipiell frei wählbaren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen System zu tun, in dem Menschen (und damit auch deren Tiere) leben möchten? Das eine ist nicht veränderbar, das andere sehr wohl. Der Kapitalismus ist, wenn wir beim Beispiel der Natur bleiben wollen, allenfalls mit einem wild wuchernden Krebsgeschwür vergleichbar, das unweigerlich zum Tode führt - in der Natur gibt's ansonsten keine derartigen Konzentrationsprozesse.

Zu guter Letzt möchte ich Dir zum Thema Diskussionen noch ein kleines Leckerli kredenzen, das ich beim Schmökern in alten Zeitschriften entdeckt habe:

Die Aufgeregten

Was dies betrifft und das betrifft,
du liebst es, dein Verdikt zu fällen.
Der eine lässt sich willig prellen,
der andre spricht von Rattengift.

Das letztre ärgert dich nun wieder
und zwingt zu schlagender Replik.
Der Gegner gibt's dir knüppeldick.
Heiß wogen die erregten Glieder.

Tjaja, es ist ein rechter Spaß
um solche Meinungsdifferenzen.
Kühl sinkt die Nacht, die Sterne glänzen.
Ich hör' so hin und denk' mir was.

(Ratatöskr alias Hans Erich Blaich [1873-1945], in: Simplicissimus, Heft 41 v. 07.01.1919)

Liebe Grüße!

jakebaby hat gesagt…

"Das ändert aber nach meiner Meinung nichts daran, dass es immer wieder auch sehr gute Beiträge auf dieser Seite gibt, ..." ...?
http://narrenschiffsbruecke.blogspot.com/2014/02/tarantino-die-reale-gewalt-und-die-kunst.html#comment-form

Dieserart selektive Differenzierung ist mir schon seit langem und staendig zunehmend entfremdet.
Scheisse kenne ich zur Genuege und akzeptiere Sie in keinster Weise, wenn auch noch so umfangreich Vormaechtig.
Um 'Gutes/Positives weis ich ebenso, wenn auch noch so Unterlegen.
Wenn beides aus dem selben Rohr blaest ist das Eine des Anderen rechtfertigend/heuchelndes Placebo und somit in meiner Muelltonne schraeger Floeten.
Deine diesbezueglichen Anstrengungen weis ich so gar nicht zu schaetzen. Nicht in Bezug auf dieserrart Beitraege an sich und vor allem nicht in Bezug auf diesen nahezu total verseuchten Kommentarbereich, dessen beschissene Reaktionen du doch schon auswendig wissen solltest, bevor du postest.

Unnoetig zeitverschwendender Masochismus, wenn diesbezuegliche Authoren/Moderatoren dieser Seite jeglichsten Dreck stehenlassen, solange sich dieser mit ihrem Mist solidarisiert.

Wenn auch selten, gibt es bessere Feinde deiner Feinde.

Gruss Jake

Mechthild Mühlstein hat gesagt…

Danke, daß Du mich von zeit zu zeit daran erinnerst, weshalb ich das blog »hinter den schlagzeilen« nicht lese. Der verlinkte text ist zur abwechslung einmal wieder nicht auszuhalten.

Der herzensgute Vincent ißt selbstverständlich nicht einmal überbackenen blumenkohl mit käse, sondern veganem käseersatz. Wer »veganen käse« mag, soll ihn ruhig essen, viele leute essen schließlich auch »gouda jung« aus dem supermarkt, wie käse schmeckt beides nicht.

Ich bin ein herzloses weib, weshalb mich derartige geschichten von »schwester schwein« wenig anrühren. Auch nicht die herzzerreißend anrührende feststellung »es stinkt«.

Was soll man in einem säustall denn erwarten?

Vielleicht veilchenduft? In menschlichen elendsbehausungen ist der gestank das kleinere übel, denn meist sind es nicht die eigenen ausdünstungen aus mangelnder hygiene, sondern gift aus dem baumaterial der wohnungen, aus den fabrikschloten oder vom müll, der den leuten vor die tür gekippt wird.

Wie Du richtig feststellst, ist es nicht menschliche bosheit, daß tiere gequält werden. Die produktionsbedingungen von fleisch unterliegen, wie alles andere auch, der kapitalistischen produktionsweise. Und dementsprechend brutal geht es dort zu.

Wenn man allerdings die vorstellungen von PETA oder überhaupt veganer lebensweise zu grunde legt, geht es nicht um zwangläufigkeiten, die aus einem wirtschaftssystem kommen, sondern um die verkommenheit der menschen, die, wie ich, überhaupt nicht daran denken, sich moralisch korrekt zu ernähren.

Nahrungstabus sind keine erfindung der neuzeit. In der antike glaubten sie, daß man nichts essen dürfe, das eine »seele« hat. Und aus verqueren gründen hatten bohnen eine seele, weshalb der verzehr von bohnen geächtet war.

Und wer aus not doch welche essen mußte, war schuld an allem übel. Die heutigen veganer verhalten sich nicht wesentlich anders.

Derart irrationale ernährungsvorschriften lehne ich ab.

Steve Jobs war ein frommer mann, der vegan oder sogar frutarisch lebte. Durch seinen verzicht auf fleisch wurde die welt überhaupt nicht besser. Niemand der für Apple arbeitete bekam auch nur ein reiskorn mehr, weil der asketisch lebte. Ganz zu schweigen von geld, für das sich irgendwer sogar einen schweinsbraten zum sattwerden hätte leisten können.

Veganismus ändert NICHTS.

jakebaby hat gesagt…

Das mit den Bohnenseelen war mir bisher nicht bekannt.
Geade am Wochenende war ich beim Mexikaner. Rice(hat der womoeglich auch ne Seele) & Beans als gegebene Beilage, und heute fuehle ich mich schuldig, wobei auch "Jedes Boehnchen macht ein Toenchen" einen wesentlich dramatischeren Stellenwert erlangt.

Gruss
Jake

Charlie hat gesagt…

@ Mechthild: Danke, etwas Zuspruch war gerade nötig. ;-) Du hast das wunderbar zusammengefasst - viel mehr muss man zu diesem speziellen Nebenschauplatz-Thema gar nicht sagen.

Liebe Grüße!

Charlie hat gesagt…

@ Jake: Als Zeitverschwendung empfinde ich das keineswegs, auch wenn Du mit vielem recht hast, was Du schreibst. Du darfst aber getrost davon ausgehen, dass dort wesentlich mehr Menschen mitlesen als der einseitig dominierte, für ein doch relativ bekanntes Blog sehr spärlich frequentierte Kommentarbereich vermuten lässt. Und wenn nur ein einziger Mensch nach der Lektüre etwas differenzierter über diese Frage nachdenkt, ist doch schon etwas gewonnen.

Ich werde also auch zukünftig mein subversives, "höchstelitäres" Maul nicht halten (können), wenn dort wieder einmal hanebüchenes Zeug geschrieben wird. ;-) Und ich hoffe sehr (!!), dass auch Du nicht die Flinte ins Korn wirfst, sondern auch weiterhin laut "Nein!" sagst und ggf. schreist, wenn Dir etwas "schrägflötig" vorkommt - egal, ob das hier, bei HdS oder wo auch immer passiert.

Liebe Grüße!

jakebaby hat gesagt…

Hoffen ist Gluecksache. Ebenso waere es Diese, wenn ich letztendlich die Flinte ins Korn werfen und mein Maul halten koennte. (optimal natuerlich, wenn es keine daerbsten Gruende gaebe, es ueberhaupt aufreissen zu muessen:)

Ich bin aber auf bestem Wege, zunehmend eremitiert und wuerde die Einsamkeit noch mehr geniessen, wuerde sie woanders stattfinden koennen, was natuerlich diesen Planeten ausschliesst. ...

Eigentlich werde ich nur zunehmend selektiever und es ist mir wesentlich fruchtbarer Farbe beim Trocknen zu betrachten, denn meine Zeit mit Leuten zu verschwenden, welche nur Arschlocher sein koennen oder wollen.

Fuer divers Spirituelle/Esos auf HdS, einer meiner Favoriten ;-) http://www.youtube.com/watch?v=BXGdSjmnT6s

Auch diesbezueglich mache ich keine Gefangenen.

Gruss
Jake

Charlie hat gesagt…

@ Jake: Wenn Du einen Weg gefunden hast, diesen Planeten verlassen zu können, denk an mich und nimm mich bitte, bitte mit. ;-)

Das Video ist sehr defizil und hübsch, aber Du hattest da schon einmal ein noch schöneres Beispiel, dessen URL ich gerade aber nicht mehr finde. Es war aber recht ähnlich. Wenn Du es den Damen und Herren bei HdS nahelegen willst, solltest Du es aber besser auch dort posten - von dort dürfte inzwischen nämlich kaum jemand mehr einen Blick in mein teuflisches, rückständiges und lichtloses Blog werfen. ;-) Ich zitiere dazu mal aus einer Mail, die mich vor zwei Tagen erreicht hat und arg amüsiert hat:

"du charly wirst schmoren in der hölle und tiere werden das fleisch von deinen knochen nagen und die wirst es spühren und zwar für alle zeiten. für immer. und sow ird es gerecht sein!"

Den Rest erspare ich Dir hier lieber, denn das war noch der herzliche Teil. ;-)

Liebe Grüße!

Mechthild Mühlstein hat gesagt…

Die »tönchen« sind vermutlich die wehklagen der seelen, da muß man doch einfach mitleid kriegen.

Allerdings ist mexikanisches essen schon lecker, da kommt es auf so ein paar arme seelen auch nicht an.

Mechthild Mühlstein hat gesagt…

Ähnliche dinge habe ich auch schon gesagt, oder gemailt bekommen, weil ich nicht an gott glaube.

Nun gut, dann wird das nicht nur wegen meiner ungläubigkeit, sondern auch wegen meines fleischverzehrs stattfinden. Das beruhigt mich sehr, das erleichtert dem armen teufel doch die organisation der höllenqualen, wenn er das alles in einem aufwasch erledigen kann.

Für die veganer mußte der arme kerl eine völlig neue hölle eröffnen, wo sie von fleischfressenden pflanzen malträtiert werden. Und der gerechtigkeit halber für die armen karnivoren pflanzen die schlimmste hölle: in der müssen sie mit veganern über ernährung und so diskutieren.

Liebe Grüße

Charlie hat gesagt…

@ Mechthild: Du hast sehr amüsante Vorstellungen und Ideen - der arme Teufel wird sicher dankbar für die fantasievollen Anregungen sein! ;-)

Es gab mal eine Phase, in der ich solche und noch weitaus krudere Mails in Massen erhalten habe - nämlich als ich bei den Irren von der inzwischen glücklicherweise nicht mehr existenten Hassseite "kreuz.net" munter mitgemischt habe. Todes- und Höllendrohungen waren da die Regel, aber es kamen auch häufig regelrechte Folterfantasien wie aus "Hostel" oder "Saw" vor - unsere christlichen Fundementalisten sind schon eine liebreizende, liebevolle und herzerwärmende Truppe. :-)

Es ist ein relativ neues Erlebnis für mich, dass mancher Vegetarier oder Veganer in derselben unterirdischen Liga spielt - aber man lernt ja nie aus.

Was ich mir aber nicht erklären kann: Wie kann man eigentlich Christ und gleichzeitig Veganer sein? Schließlich hat doch seine Heiligkeit höchstselbst die Massen mit Brot (= gut) und Fisch (= teuflisch) gefüttert und sich so als minderwertiger, sadistischer und unerleuchteter Leichenfresser geoutet. Man weiß ja so wenig! ;-)

Liebe Grüße!

jakebaby hat gesagt…

"Was ich mir aber nicht erklären kann: Wie kann man eigentlich Christ und gleichzeitig Veganer sein? Schließlich hat doch seine Heiligkeit höchstselbst die Massen mit Brot (= gut) und Fisch (= teuflisch) gefüttert und sich so als minderwertiger, sadistischer und unerleuchteter Leichenfresser geoutet. Man weiß ja so wenig! ;-)"

Gluecklicherweise ist Jesus technologisch schon immer total auf dem Laufenden und hat sich die letzten 2000 Jahr zichmilliardenfach clonen lassen, um die andauernd, zichmilliardenfach'kanibalistische Sucht seiner Juenger, "Sein Blut zu trinken & von seinem Leibe zu essen", zu befriedigen. (mit billigen Kartoffelchips und noch billigerem Aldiwein;) ... weltweit & So ...

Man weiß ja so viel! ;-)


Gruss
Jake