Donnerstag, 21. August 2014

"Es wird ernst": Das neue Kriegszeitalter der neoliberalen Bande der Habgierigen


Die deutsche Kriegslobby konzentriert sich bekannter Maßen in Bayern - daher ist es auch kein Wunder, dass in der Propagandashow "Tagesthemen" vom 20.08.14 (ab Minute 4:10) ausgerechnet der widerliche Schlips-Borg Siegmund Gottlieb von "Bayrischen Rundfunk" - gern euphemistisch als "Journalist" bezeichnet - in einem Kommentar den Aufbruch Großdeutschlands ins neue Kriegszeitalter bekannt gegeben hat. Ich dokumentiere den Wortlaut seines Pamphlets an dieser Stelle, damit er erhalten bleiben möge:

Endlich - der Tabubruch war fällig! Der jahrzehntelang gültige Grundsatz deutscher Sicherheits- und Außenpolitik ist das Papier nicht mehr wert, auf dem er geschrieben steht. "Keine Waffen in Spannungsgebiete", hieß es bis heute - das ist vorbei. Unser politisches Spitzenpersonal in Berlin hat sich nach langem Zögern für einen Sinneswandel entschieden. Nach Tagen unentschieden-unerträglicher Wortakrobatik hat die Regierung eine historische Entscheidung getroffen, die riskant ist, aber ohne Alternative.

Deutschland wird also Waffen an die Kurden liefern, weil diese zur Stunde den letzten Schutzwall gegen den Durchmarsch islamischer Terroreinheiten bieten, die in blutrünstiger Barbarei hemmungslos gegen Andersgläubige wüten.

Angesichts dieser extrem dramatischen Lage haben die Kanzlerin und der Außenminister endlich das "Prinzip Verantwortung" anstelle einer "Ohne uns"-Prinzipientreue gestellt, die sich angesichts dieses Völkermords ja zynisch als unmenschlich erwiesen hat.

Die Regierung hat sich mit dem heutigen Schritt zu einer neuen, noch ungewohnten Haltung durchgerungen. Deutschland ist dabei, seinem starken Gewicht in Europa entsprechend zu reagieren. Dieser Tag gibt unseren Verbündeten das Signal, dass wir bereit sind, auch militärisches Engagement und seine Risiken fair mit ihnen zu teilen.

Lange Zeit und immer wieder historisch begründet, haben wir ein fragwürdiges Recht auf "Wegsehen" für uns in Anspruch genommen. Das war bequem.

Ab jetzt wird es ernst.

An diesem Text ist alles falsch, was falsch sein kann. Waffenlieferungen in Kriegsgebiete bleiben nach gültigem Recht rechtswidrig, auch wenn Merkel und Gabriel das nun missachten. Zur Verantwortung ziehen wird diese Gestalten dennoch niemand in unserem tollen "Rechtsstaat". Für einen umfassenden "Völkermord" im Nordirak gibt es keinerlei Beweise - als "Beweis" muss in diesem Fall ein zweifelhaftes Video ausreichen, das den angeblichen Mord an einem US-Amerikaner zeigt. Doch selbst wenn dieses Video authentisch sein sollte, bewiese es doch lediglich die Niedertracht einer kleinen Gruppe von mordlustigen Verbrechern, aber keineswegs einen "Völkermord".

Währenddessen werden anderswo ganz offiziell und ohne Zweifel in staatlichem Auftrag die Frau und das Kind eines "Verdächtigen" ermordet, ohne dass es irgendeinen vergleichbaren Aufschrei dazu gäbe, und das ist nur ein einziges Beispiel von so vielen weltweit. Ein "Eingreifen" der "demokratischen Helden des Westens" - nach der perversen Unlogik der Kriegstreiber - wird natürlich absurd, wenn der Mord aus den eigenen Reihen erfolgt ist.

Es müsste inzwischen doch auch dem letzten Dorfdeppen klar geworden sein, dass es hier nicht um das Wohlergehen der bedrohten Menschen im Irak geht - wenn das zuträfe, wäre es die naheliegendste (und einzig legale) Möglichkeit, die UN mit einem entsprechenden Auftrag zu betreuen und die bedrohten Menschen auf diese Weise zu schützen - was ausdrücklich auch bedeutete, keinen aktiven Krieg gegen die Bedroher zu führen. Das war ursprünglich der Sinn und Zweck der UN-"Blauhelme". Gleichzeitig müsste es eine Welle der humanitären Hilfe und eine umfassende Bereitschaft geben, Flüchtlinge aus diesem Gebiet aufzunehmen. Darum geht es den Kriegstreibern in Deutschland und den USA aber nicht - die Menschen und deren Wohlergehen sind denen völlig schnurz.

Gerade die deutschen Schlips-Borg - das wird an dem Gottlieb-Pamphlet aus Bayern nur allzu deutlich - wittern hier die Chance, an den imperialistischen Kriegen der USA teilhaben zu können und davon zu profitieren. Die Religion der Habgier (--> Kapitalismus) tritt ein in eine neue Phase - und ich befürchte, es könnte die finale Phase sein.

Der einzige Ausspruch, dem ich aus dem widerlichen Kommentar des noch widerlichen Gottlieb zustimmen muss, ist dieser, wenn auch aus gänzlich anderen Gründen:

Es wird ernst.

In der Tat. Die Decke der Zivilisation ist allzu dünn, und es bedarf nur weniger Aktionen, um sie zu entfernen. Die Bande arbeitet eifrig daran.

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Das alte Spiel


Der Boden muss immer mal wieder gedüngt werden, damit der Weizen der internationalen Rüstungsindustrie blüht!

(Zeichnung von Eduard Thöny [1866-1950], in "Simplicissimus", Heft 47 vom 21.02.1932)

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

DAFÜR zahln wir Rundfunkgebüren? Damit ein solches Arschloch Kriegshetze verbreiten darf und dafür auch noch bezahlt wird, von uns allen?? Wieviel kriegt der denn von den Rüstungsfirmen für diese Arbeit?

Unfaßbar ist das, einfach unfaßbar!!!!

Manfred Peters hat gesagt…

Es ist ernst
Seit gestern „... schließen die USA auch Angriffe auf ... Syrien nicht aus.“*
Da haben die globalen US-Strategen doch endlich den Kollateralnutzen den sie durch und mit der ISIS, die zumindest mit Duldung, wenn nicht als ihre hirnkranker Ideen zur Ausschaltung Assads entstanden ist, zum Ziel hatten.
Merkels Truppe trommelt auch schon eifrig für den Einsatz deutscher Soldaten im Nordirak und die SPD wird in bekannter Manier „Deutschlands Freiheit“ im Sindschar-Gebirge verteidigen wollen.
Wer innert sich noch an den „humanitären Auftrag“, den die deutschen Soldaten im Afghanistan zum Schutz der Brunnenbohrer, Brücken- und Toilettenbauer hatten und haben.
* Den Euphemismus habe ich vorsorglich aus dem Zitat entfernt!

der Doctor hat gesagt…

Hätte nur noch gefehlt,das Gottlieb laur gerufen hätte:wollt ihr den totalen Krieg!",aber das bleibt wohl Gauck vorbehalten.
Seit gestern „... schließen die USA auch Angriffe auf ... Syrien nicht aus.“
Nun ja ,macht durchaus Sinn.Immerhin wäre es doch peinlich ,wenn man an der Seite des bösen Assad gegen ISIS kämpfen würde.Es war ja auch klar,das man nicht zusehen würde ,wie IS die Ölquellen unter ihre Kontrolle bekommt.Das Köpfvideo hat seine Wirkung schon getan,aber Emotionalisierung war ja schon immer ein gutes Mittel,um ein Volk auf Kriegskurs einzuschwören.
Das der Krieg den Terrorismus nicht bekämpfen wird ist klar.Er wird statt dessen Nährboden schaffen für neuen.Die einzigen ,die profitieren,werden die Rüstungs-und Ölkonzerne sein.Wie schrieb schon Tucholsky:"Kriege wird es solange geben ,wie es Menschen gibt,die daran verdienen."

Manfred Peters hat gesagt…

Die gute Nachricht, (noch) 67 % der Deutschen sind gegen Waffenlieferungen ins Krisengebiet.
Da muss Merkels Propagandaministerium noch etwas nachlegen.
Die schlechte Nachricht, das ficht unsere Regierungskriegstreiber nicht an und ausgerechnet am Weltfriedenstag will die Bleierne ihre Kriegserklärung angeben. :-(

Ruby hat gesagt…

Das Propagandaministerium arbeitet schon mit Hilfe der Medien daran, den 67 % Gegnern von Waffenlieferungen einzureden, dass sie nur 30% sind.

Eine ARD-Umfrage hat wohl ergeben, dass 70%

(Quelle: Deutschland Radio Kultur - heute früh 9-11 Uhr Propagandasendung für Waffenlieferungen. Das Propagandafeuerwerk wurde nur unterbrochen von sämtlichen Höreranrufen, die zu 100 % gegen Waffenlieferungen waren.)

der Teutschen für eine Unterstützung der Kurden ist, die wir natürlich bekämpfen müssen, wenn unser NATO-Partner Türkei uns ruft.

Charlie hat gesagt…

@ Ruby: Ich gehe natürlich davon aus, dass unsere Kuh-Propagandamedien urplötzlich vergessen haben, woher die kurdischen "Freiheitskämpfer", die bis dato "Terroristen" waren, ihre tollen, modernen Waffen haben, wenn sie "plötzlich" nicht mehr nur gegen die fiesen IS-Mörder, sondern auch gegen die Türkei kämpfen, um ihre Ziele zu erreichen. Der komplette "Gedächtnisschwund" der Propagandamedien ist schon jetzt, wie stets zuvor, vorhersehbar. Dann werden "wir" (also die fetten Rüstungskonzerne) eben den NATO-Partner Türkei mit Waffen beliefern "müssen", um der fiesen Bedrohung Herr zu werden. Und wenn Waffenlieferungen allein nicht ausreichen, müssen dann eben auch NATO-Armeen mal wieder zum Morden und Bomben ausgesandt werden. Wie schön, dass die Mörderbande inzwischen schon so vieles per Fernsteuerung mithilfe von Drohnen erledigen kann - da bleiben die eigenen Verluste vergleichsweise gering.

Ich bin die Ohnmacht angesichts dieses offenkundigen Wahnsinns sowas von leid.

Viele Grüße!