Montag, 2. März 2015

Religiöse Irre unter sich


Man glaubt es kaum: Häuptling Verfaulter Fuß hat im Eso-Blog "Jenseits der Realität" nun endlich herausgefunden, wo der wahre Feind seiner Glaubenslehre, die alle Menschen zu einem liebevollen Miteinander in seliger Dummheit führen könnte, zu finden ist. Potzblitz! Wer sich das zweiteilige pseudowissenschaftliche Geschwurbel selber durchlesen möchte, sei dringend vor akuter Hirnfäule gewarnt oder fasse es als vollendete Satire auf - für alle anderen verkünde ich das sensationelle Ergebnis des Rottenfuß'schen Verdauungsprozesses hier vorab: The Loser is ... *Trommelwirbel-mit-drohenden-Jericho-Posaunen* ... der "Satanismus - die versteckte Agenda des Neoliberalismus"!

Das steht da wirklich. Ich habe keine Lust dazu, auf irgendwelche Details aus diesem hanebüchenen Text, der sich, wie so oft, in epischer Länge durch die Belanglosigkeiten müht und dabei quasi nebenbei immer wieder in der schieren Textmasse allzu viele haarsträubende Absurditäten, haltlose Behauptungen und an Schwachsinn grenzende Schlussfolgerungen versteckt - das fängt beim äußerst amüsanten Definitionsversuch des Begriffs "Satanismus" an (Hauptquelle dafür ist, natürlich, ein Eso) und endet noch lange nicht bei der semi-klerikalen Feststellung, dass es sich dabei selbstverständlich nicht um eine Religion oder auch nur etwas "Glaubensähnliches" oder gar "Spirituelles" handele. Ich wüsste wirklich nicht, wo ich anfangen sollte, wenn ich diesen esoterischen Erguss des totalen Irrsinns tatsächlich ernsthaft kritisieren wollte. Es muss sich um Satire handeln.

Wenn ein religiöser Irrer, der sich im Besitz der einzig gültigen Wahrheit wähnt, einen religiösen Wahn wie den Kapitalismus zu ergründen versucht, ist es nur logisch, dass im Ergebnis ebenfalls ein religiöser Wahn zu finden ist - auch wenn der verkündende Guru diesem Ergebnis das Religiöse gleich wieder abspricht. Das "falsche Religiöse" ist eben nicht religiös in dieser aberwitzigen Denkweise: Das "TINA"-Prinzip ist das wesentlichste Merkmal aller religiösen Gruppierungen, ganz egal welcher Couleur.

Fazit: "Alles Fotzen außer Mutti."

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(Der Häuptling, wie ihn aufgeklärte, humorvolle Menschen gerne wahrnehmen.)


"Der Aberglaube gehört zum Wesen des Menschen und flüchtet sich, wenn man ihn ganz und gar zu verdrängen denkt, in die wunderlichsten Ecken und Winkel, von wo er auf einmal, wenn er einigermaßen sicher zu sein glaubt, wieder hervortritt."

(Johann Wolfgang von Goethe, aus: "Wilhelm Meisters Wanderjahre", 1829)

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P.S.: Ich habe diesmal erst gar nicht versucht, einen Kommentar bei den Esos zu hinterlassen - falls das jemand nachholen möchte, um den Häuptling auf diesen Kurzkommentar hinzuweisen, sei sich diese Person des höllischen Zornes der "Hochsensiblen" und der Nicht-Freischaltung dort drüben gewiss. :-)

P.P.S.: Ich weiß, ich weiß - ich sollte es lassen. Aber wenn der Wahnsinn so laut schreit, wie sollte ich da einfach weghören?

Kommentare:

altautonomer hat gesagt…

Monika Herz und r rottenfußer haben zusammen auch einen Text über das Beten verfasst. Gleicher, entpolitisierender Quark.

http://hinter-den-schlagzeilen.de/2014/12/18/gebete-gottes-selbstgespraech/

Auch Lapunten hält viel vom Beten:

http://ad-sinistram.blogspot.de/2015/02/das-gebet-ohne-gott.html

Rottenfußer irrt, wenn er als Darwinismus das Recht und Überleben der Stärekeren bezeichnet. Darwin meinte nämlich, dass die Lebewesen die größte Überlebens-Chancen haben, die am besten angepasst sind. Insekten z. B. Starke Dinos starben aus.

Rottenfußer kann man nicht angreifen, da er vermeidet, konkrete Ausssagen zu machen. Beim Lesen des ersten Textes habe ich mich gefragt, ist das jetzt ein Fremdzitit, ist das seine eigene Meinung oder eine von jemand anderem übernomme Definition. Einen derart völlig verstrubbelten Text hab ich selten gelesen. Das macht agressiv.

Daher ist hohe Wachsamkeit angezeigt, wenn jemand uns in anteilnehmendem Gestus unterstellt, nicht richtig zu fühlen, verzerrt wahrzunehmen oder Konflikte und gesellschaftliche Widersprüche falsch zu interpretieren bzw. zu verarbeiten. Gegen dieses Diktat der "Freundlichkeit", der stets gute Absichten und der permanenten Pose des allwissenden Erklärbären hat ein durchschnittlich Informierter Leser kaum Abwehrmechanismen. Derartiger Eigentlichkeitspudding ist an keine Wirklichkeitswand zu nageln.

Mechthild Mühlstein hat gesagt…

Freundlicherweise hatte Jake doch letztens daran erinnert, daß »häuptling rottenfoot« eher bereit ist, an einen elefantenrüsseligen gott zu glauben als an die evolution.

Damit ist der käse doch schon gegessen: kannste unter »ulk« verbuchen.

Charlie hat gesagt…

@ Altauto: Rottenfußer irrt nicht nur hinsichtlich des sogenannten Darwinismus - seine gesamte "Argumentation" ist eine komplette Irrung. Aber ich will, wie gesagt, auf einzelne Aussagen gar nicht näher eingehen, da das ein Fass ohne Boden ist.

Solange diese Gesellen sich mit dem Beten oder meinetwegen auch mit dem Masturbieren oder mit Bauklötzen beschäftigen, soll mir das völlig recht sein - das tun sie hoffentlich daheim im stillen Kämmerlein und können zumindest in dieser Zeit keine größeren Schäden anderswo anrichten.

Liebe Grüße!

Charlie hat gesagt…

@ Mechthild: Du hast durchaus recht; das Dumme ist aber, dass der Häuptling und seine GlaubensgenossInnen dank des prominenten "Herausgeber"-Namens Konstantin Wecker eine relativ große Reichweite besitzen - und da kann aus dem albernen Ulk eben auch schnell etwas durchaus Bedrohliches werden.

Vielleicht wäre ein Watchblog für den verfaulten Fuß doch gar keine so schlechte Idee? Das könnte ich aber unter keinen Umständen allein bewerkstelligen, da schon eine gelegentliche Lektüre solcher Pamphlete meine persönliche Schmerzgrenze deutlich übersteigt und ich - wie auch hier leider geschehen - unwillkürlich in eine unflätige Sprache verfalle.

Liebe Grüße!

altautonomer hat gesagt…

Charlie: Vielleicht ist angesichts der Gäste diese Sendung zum Thema bei Maischberger nicht uninteressant.

http://www.daserste.de/unterhaltung/talk/menschen-bei-maischberger/sendung/die-psychotricks-der-gurus-glauben-glueck-gehirnwaesche-100.html

rr ist nicht eingeladen.

jakebaby hat gesagt…

Mechthild, ...

Genau dies ist auch durchweg sein antreibendes Bestreben. Ich gehe (logischerweise:) davon aus, dass dieser ganze Unsinn nicht seiner eigenen Ueberzeugung entspricht, sondern rein opportunistischer Natur ist. Ohne seinen Spirit, Voodoo, Goetter und uns, als auch andere bewusst wahrnehmende Wesen, als deren Augen/Ohren/etc. wuerde nichts, nicht einmal das Universum existieren. Und das Boese kommt alleinig vom Unglauben, wie auch zum Thema
Part1 Punkt2 "2. In einem gott- und sinnentleerten Universum ist sich der Mensch selbst der einzige ethische Orientierungspunkt." ...welcher natuerlich von vornherein vollkommen unmoeglich ist, da ohne Gott/etc. eh nichts existiert, ebensowenig wie ein Tisch, an dessen Kante man sich gerade stiess! ..... ;-)

Ich persoenlich moechte mich, was er eh nicht mehr zulaesst, nicht mehr mir rr zu diesem Thema auseinandersetzen. Er mag Religionsfreiheit akzeptieren, was er allzu offensichtlich und aggressivst in keinster Weise duldet, ist die Freiheit von Religion/Spirit/Glauben und Goettern. etc. ...

Damit ist der Käse total gegessen.


PS. Charlie,
anhand deiner/anderer Kritik der letzten Jahre, hast du den Laden immerhin dazu gebracht, sich weiterhin zu radikalisieren, umzubauen und eine haertere Gangart gegen notwendige Kritik zu etablieren.
Es strietzt sie auch sicherlich jedesmal, wenn ihnen ein Atheistenpack&Co ihren kreationellen Esoscheiss schlechtredet. (was der Rottenfoot mit verweis auf dich im letzten Thema offenbahrte.)

Ein Stich (die damit verbundenen Schmerzen einfach wegsteckend:)hier und da schadet nichts. Unangenehm wahrnehmen tun sie's mit Sicherheit.



jakebaby hat gesagt…

Nochwas verheuchelt Ekehaftes zu rr.

Er verteilt wiederholt heftigverurteilende Seiteniebe gegen diverse Esoterik. Zwischen meinem alten und dem jetzigen Beispiel liegen Jahre ...

2011
"Übrigens mag auch ich es nicht, wenn in seichten Esoterik-Büchern schlicht behauptet wird: “Wir erschaffen uns unsere Wirklichkeit selbst”, einfach, weil man das glauben will, nicht weil man von Physik eine Ahnung hat (siehe etwa das Buch “The Secret”). Das suggeriert eine beliebige Formbarkeit der Wirklichkeit durch unseren Geist, vor allem die Formbarkeit unseres Lebens, unserer Beziehungen, unseres Bankkontos usw. Daraus resultiert oft die Beschimpfung derer, denen es schlecht geht nach dem Motto: “Wer arm ist, hat sich Reichtum nur nicht intensiv genug vorgestellt.”"

... wobei, rein opportunistisch gelegen, diesen boesen Esoterikern, dieses ebenso boese, neoliberalkapitalistische Eisen verpasst wird.

2015
".“ Wir finden dergleichen sehr häufig in der Selbstermächtigungs- und Selbstoptimierungs-Esoterik. Dort wird Eigenverantwortung gepredigt und eine moderne Spielart der Populärmagie. Man solle sich das Gewünschte – etwas Reichtum oder erfüllende sexuelle Beziehungen – einfach mit Hilfe seiner Vorstellungskraft kreieren, die Realität folge dann den Gedanken." ...... und direkt darauffolgend mein Zusammenhangsversuch ... "Eigenverantwortung ist aber auch das Mantra des Neoliberalismus, der die Daseinsvorsorge für die Bürger individualisieren und einen Entsolidarisierungseffekt erzielen möchte."

Ein total bekennend, upgefuckter Esoteriker verurteilt wiederholt schaerfstens eine Fraktion seines 'Glaubens?, um sich von seiner schwerst esoterischmissionierenden Propaganda zu verabstanden?

Soviel verrotteten Kaese kann man gar nicht fressen.

Charlie hat gesagt…

@ Jake: Es ist ja seit langem offensichtlich, dass Rottie stets versucht, das Gegensatzpaar "gute Esoterik - böse Esoterik" zu konstruieren, natürlich mit dem allzu durchschaubaren Ziel, die eigene Glaubenslehre dem "guten" Lager zuzuordnen und sie mit dem Verweis auf die "Bösen" aufzuwerten.

Das ist eine übliche, dumpfe Strategie, nicht nur in Eso-Kreisen.

Allerdings glaube ich nicht, dass es Rottie oder seine MitläuferInnen auch nur entfernt kratzt, wenn ich hier meine unmaßgebliche Meinung zu ihrem Geschwurbel kundtue - darum geht's mir aber auch gar nicht. Bei denen sind Hopfen und Malz ohnehin verloren.

Gegenstimmen finde ich vielmehr für LeserInnen wichtig, die vielleicht noch unentschlossen sind oder sich mit dem Thema noch nicht intensiver auseinandergesetzt haben - und davon dürfte es eine ganze Menge geben. Deswegen ist jede Stimme, die den Rattenfängern immer mal wieder in die Wade beißt, wichtig.

Gerade zum Thema "Satanismus" wird seit über 40 Jahren so unglaublich viel Schwachsinn verbreitet (und gerne auch medial transportiert), der auf keine Kuhhaut passt. Und der Schwachsinn lässt nicht nach, wie man sieht.

Liebe Grüße!