Donnerstag, 7. Mai 2015

Rassismus: Die Polizei, dein Feind und Schläger


Der WDR berichtet aktuell über einen erneuten Fall willkürlicher Polizeigewalt gegen einen Bürger, der sich, wenn man zwischen den Zeilen zu lesen vermag, wie ein böses Dokument aus der vergangenen Hölle des "Dritten Reiches" liest:

Medienberichten zufolge ist in dem Video zu sehen, wie Hüseyin E. aus seinem Auto aussteigt und sich dagegen lehnt. Er zeige seine Papiere und beteilige sich dann an einem Alkoholtest - alles offenbar vollkommen passiv. Dann, so die Beschreibung weiter, drehe der Polizist dem Mann urplötzlich einen Arm auf den Rücken, schlage mit der Faust auf ihn ein und trete mit dem Knie in Richtung seiner Genitalien.

Es versteht sich von selbst, dass der WDR mit keinem Wort darauf eingeht, dass es sich auch bei diesem Opfer polizeilicher Gewalt wiederum um einen Menschen mit "Migrationshintergrund" handelt - der geneigte Leser muss angesichts des Namens ("Hüseyin E.") eigene Schlüsse ziehen. Ein möglicher rechtsradikaler Hintergrund dieser amtlichen Gewalttat wird nicht thematisiert, stattdessen wird sehr eifrig darauf hingewiesen, dass nun alles seinen "rechtsstaatlichen" Weg gehe und der beschuldigte Schläger in Uniform "derzeit nicht im Streifendienst eingesetzt" werde. Toll. Dazu sollte man diesen Artikel und die folgende Ergänzung aufmerksam lesen.

Wir dürfen sicher sein, dass wir auch von diesem Fall aus den Untiefen der braundeutschen Sumpfprovinz nichts mehr hören bzw. lesen werden - und ganz besonders gilt das natürlich für die "weiteren Beamten", die dem Vorfall beigewohnt und vor Gericht - wie üblich - dreist gelogen und ihren Schlägerkollegen gedeckt haben. Ich fresse jedenfalls nicht nur einen, sondern gleich zehn Besen, wenn ausgerechnet im verschlafenen Provinznest Herford der braune Saustall in den Polizeirevieren endlich einmal - wenn auch nur exemplarisch - ausgemistet würde.

Hier noch einige Beispiele aus Bayern, wo seinerzeit bekanntlich die "Hauptstadt der Bewegung" (A. Hitler) verortet wurde:



Es stellt sich nun die Frage, wieso einige Beamte sich manchmal wie faschistische Schlägertrupps verhalten. Werden sie dazu explizit angehalten oder tun sie das aus eigener Motivation heraus, weil die Befugnisse, mit denen sie ausgestattet sind, allzu verlockend sind? Und welche Rolle spielt die Ausbildung dieser Polizisten, die man angesichts der mit diesem Beruf einhergehenden Machtfülle eigentlich nur prekär - oder auch schlicht lächerlich - nennen kann? Ich möchte diese Frage ums Verrecken nicht beantworten - das kann jeder mitlesende Mensch selber tun.

Dieser verkommene Staat hat das Ende des Märchens von der Weimarer Republik "freiheitlich-demokratischen Grundordnung" einmal mehr beinahe erreicht - es fehlt wahrlich nicht mehr viel.


(Neonazi-Aufkleber in einem Fahrzeug der bayerischen Polizei in Fürth, 2014: "Good night, left side")

Kommentare:

der Doctor hat gesagt…

"Hüseyin E."

Was sagt das einem Obrigkeitsideologie-verschmutzen Polizisten-Hirn? ein Muslim(egal,ob er das wirklich ist.Es gibt tatsächlich auch Christen mit solchen Vornamen)= ein Terrorist,weil das nach der vorherrschenden Ideologie ja das Selbe ist.

jakebaby hat gesagt…

Ich hab mir diesen Dreck schon vor einiger Zeit gegeben und das tut richtig weh.
Rein persoenlich/subjektiv, da selbst Vater eines "geistig Behinderten", duerfte mir nicht die Chance gegeben, meinen Sohn vor solch als auch anderer Gewaltanwendung zu schuetzen. Alle Fressen dick bishin zur Toetung, kein Kompromiss!

Die, individuel willkuerlich unverhaeltnissmaesigen Brutalitaeten kann man durchaus als Selbsjustiz bezeichnen, welche zusaetzlich von Justiz und jeweiligem Staatsorgan offensichtlich befuerwortet.
Staendig eskalierendes Resultat daraus (nicht nur in Deutschland zu beobachten) ist die steigende Gewalt gegen Polizei/Justiz/Staat.
Reaktion auf Aktion.

Weiter so and Party On!

Charlie hat gesagt…

@ der Doctor: Selbstverständlich gibt es Christen, die Hüseyin heißen oder auch Jakob, Sarah, Indra oder Wladimir. Ich vermute, dass es bei diesem flächendeckend vorkommenden Problem der Polizeigewalt (das ja auch keineswegs auf Deutschland beschränkt ist) weniger um Religionen oder eine diffuse "Terror"-Vermutung, sondern schlicht um dumpfen Rassismus geht. Der kann sich bekanntlich gegen alle möglichen Minderheiten richten, auch unabhängig von Religion, Hautfarbe etc.

Außerdem dürfte hier ein massiver, durch die außerordentlichen Befugnisse strukturell bedingter und forcierter Machtmissbrauch vorliegen, nach dem pseudoelitären Motto: "Wir dürfen das, also tun wir es auch!"

Letzlich ist das ein leider allzu bekanntes Symptom (unter vielen weiteren) für die Endphase des zum Zerfall strebenden kapitalistischen Zyklus.

Liebe Grüße!

Charlie hat gesagt…

@ jake: Ich kann Deine Haltung gut verstehen - und das nicht nur, weil ich selbst ebenfalls eine körperlich behinderte Tochter habe. Dennoch halte ich das altbekannte Muster "actio = reactio" beim Thema Polizeigewalt für den am wenigsten zielführenden Weg - jedenfalls solange es noch brüchige Reste der rechtsstaatlichen Fassade gibt.

Wenn diese Reste auch noch verschwunden sind und der Terrorstaat der kapitalistischen Diktatur vollendet ist, sieht die Sache natürlich anders aus.

Pazifistische Grüße! :-)

Kramladen hat gesagt…

Ohne mir jetzt das Video angesehen zu haben. Daß diese Obrigkeitshörigkeit so normal ist, wundert mich wenig, da sich all die Jahre bei diesem sogenannten "rechtsstaatlichen Weg" kaum etwas geändert hat. Dem Korpsgeist lügender Polizisten wird zum Schutze der FDGO noch immer LIEBER geglaubt als offensichtlichen Beweisen und ärztlichen Gutachten. (Sehr beliebt in diesem Zusammenhang trotz Fixierung selbstzugefügte Verletzungen). Folgt auf Mißhandlungen von Beamten eine Anzeige, wird selbstredend Gegenanzeige erstattet, die idR vielfach von Kollegen bezeugt wird. Besonders beliebt in diesem Zusammenhang noch die "putative Notwehr". Mir unvergessen, als vor 30(?) Jahren ein betrunkener 14/15-jähriger im bayrischen Gauting beim Einsteigen in ein JZ mittels Polizeischuß in den Rücken getötet wurde. Urteil damals, glaube ich, ca ein halbes Jahr auf Bewährung und Kollegen klatschten noch im Saal. Die Zahl ähnlich polizeistaatlicher Urteile ist mittlerweile Legion.

Daß unsere Presse lieber die Zustände der rassistischen US-Polizei analysiert als bei uns, rundet das Bild ab. Mal schauen, in welchem Umfang der NSA-Schutz-Einsatz mit Pfefferspray gegen den "NSA Spion Schutzbund" gestern am Dagger-Complex in Darmstadt beleuchtet wird. Vom zu erwartenden Urteil ... Warum muß ich nur immer an Noske oder "Der Untertan" denken?

Lieber bemühen die staatstragenden Medien (gerne sich als Qualitätsjournalismus titulierend) vermeintliche Honoratioren des Systems, die dann einen "Renegaten" wie Blüm ( ähnlich wie Todenhöfer oder Von Bülow, durchaus kritisierenswert), als nicht satisfaktionsfähig, vertrottelt, oder gar leicht debil hinstellen. Und es funktioniert sogar.

Charlie hat gesagt…

@ Kramladen: Im Video werden einige der Punkte, die Du ansprichst, aufgegriffen, verbleiben aber (es handelt sich schließlich um eine "Spiegel-TV-Reportage") an der seichten Oberfläche. Rassismus ist auch dort kein Thema.

Über Blüm, Todenhöfer, Bülow (und andere) gälte es in der Tat endlich einmal eine sinnvolle Diskussion zu führen, und zwar abseits aller ideologischen Lager, die diese Figuren immer wieder gerne als Pro- oder Kontrabeispiele instrumentalisieren. Unsere Propagandamedien werden das indes nicht tun (dürfen), so dass bei der Schafherde auch nichts ankommen wird, selbst wenn eine solche konstruktive Auseinandersetzung in alternativen Medien stattfände.

Derweil treibt der Rassismus - nicht nur in den Reihen der Polizei - munter immer weiter neue Triebe und junge Blüten. Inzwischen sind in der Propagandaschlacht offen rassistische Pamphlete auch jenseits der BLÖD-"Zeitung" an der Tagesordnung.

jakebaby hat gesagt…

OK, ich geh mal davon aus, dass ich, in Sache Gewalt, bei dir 'nen schlechten Ruf vertrete. ... aber du musst mich nicht unbedingt mit einem Krampf wie "am wenigsten zielführenden Weg"&Pazifistische Grüße! :-)" verpainigen.

Schlichtweg zunehmend gewaltprovozierende Entwicklungen sind nicht auf meinem Mist gewachsen.
Gerade die letzten 20 Jahre habe ich so oft beide Backen hingehalten, dass mich selbst Leute, die mich besser kennen sollten Feigling nannten. (ein Kompliment, solange daraus kein Schaden ensteht)
Danach (aller schlechten Dinge sind 3) zieht man moeglicherweise meine Arschbackenkarte, und die mag dann nicht ganz so nett sein wie meine sonstigen Backen. Danach frage ich nicht!

Gewalt erzeugt Gewalt und von unterst sozialer Ebene bis zu Kriegen ist dies nunmal staendig zunehmend provoziert/geplant.
Muss nicht sein, ist aber so. Gestern Heute Morgen .....

..........

Charlie hat gesagt…

@ Jake: Du hast weder "in Sachen Gewalt", noch in irgendeiner anderen Hinsicht bei mir einen schlechten Ruf - ich habe ja explizit geschrieben, dass ich Deine Sichtweise verdammt gut nachvollziehen kann.

Du solltest meine Antwort auf Deinen zu Recht zornigen Kommentar eher als ein generelles Bekenntnis zum Pazifismus verstehen und nicht als eine persönliche Kritik an Dir.

Liebe Grüße!