Mittwoch, 9. Dezember 2015

Advent, Advent - ein Lichtlein brennt


Über die Lichterkette zur Volksgemeinschaft: Zum 4. Advent wird noch rechtzeitig das "große Sozialpaket" aufgemacht.

Ein Gastkommentar des Altautonomen

"Meine Kerze leuchtet für Frieden und Liebe", "Wir sind Deutschland!", "Wir sind alle Menschen!", "Gegen Hass und Gewalt!" - Der Aufruf gipfelt in einer erschreckend beliebig interpretierbaren Allgemeinheit von Begriffen und Inhalten, so dass sich viele damit identifizieren können, auch "besorgte Bürger". Selten habe ich einen Aufruf gegen Fremdenfeindlichkeit und für das "gute Exportweltmeister-Deutschland" gelesen, der so starke spontane Abwehrreflexe bei mir hervorgerufen hat.

Mit diesen Aussagen wird zum Jahresabschluss das gute Gewissen vor dem Weihnachtsfest noch mal etwas aufpoliert, damit anschließend sorgenfrei konsumiert und gefeiert werden kann. Horst Fallenbeck (43), gelernter Regierungsassistent, hat die Idee der "Lichterkette von München bis Berlin" (650 km) ins Leben gerufen. Benötigt werden mindestens 600.000 Menschen, 200.000 haben sich bereits gemeldet. Termin: 19.12.2015.

Wieder einmal geht es genau wie bei den Mahnwichteln, Querfröntlern und verkappten Antisemiten um die öffentliche Inszenierung der Auflösung von links und rechts. Denn da stehen sie dann alle im Dunkel des vorweihnachtlichen Abends: Der Chef und seine Angestellten, der Arbeitgeber und seine Gewerkschaft, die SPD und ihre Grünen, die Polizisten und ihre Demonstranten, Obdachlose neben Hausbesitzern - alle schön in Reih' und Glied, um das gute, anständige Deutschland zu verkörpern. Im Grunde tun dasselbe auch die BVB-Fans in der Nordkurve des Stadions. Wer es da noch wagt, das Trennende anzusprechen und konkret zu werden, wird ausgegrenzt. Alles, was sich sowohl unter Täter als auch unter Opfer subsumieren lässt, bildet hier eine völkische Allianz.

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Uniformverbot


Was nützt das Uniformverbot, wenn die Köpfe weiter in Uniform bleiben?

(Zeichnung von Erich Schilling [1885-1945], in "Simplicissimus", Heft 40 vom 04.01.1932)

Kommentare:

epikur hat gesagt…

Das ist pure Inszenierung, Heuchelei und Scheinheiligkeit. Soweit völlige Zustimmung.

Dennoch finde ich es nicht nachvollziehbar immer gleich mit der "Volksgemeinschaft" und/oder "Antisemiten"-Keule um sich zu werfen. Ich stelle mir bei diesen ganzen Spaltungsartikeln, der ständigen Kritik nach innen und der dauernden Suche nach "unechten Linken" folgende Fragen:

Wo fängt denn "Volksgemeinschaft" oder das "Völkische", also nationalpatriotisch-rechte Gesinnungstum an? Gibt es überhaupt eine Form von Solidarität? Nur innerhalb von Schichten/Klassen oder auch klassenübergreifend? Ist Solidarität per se "völkisch, national und braun"? Wie soll Widerstand ohne irgendeine Form von Zusammenarbeit/Solidarität jemals aussehen?

Charlie hat gesagt…

@ epikur: Meinst Du das ernst, was Du da geschrieben hast? Ich rätsele jetzt schon seit fast 20 Minuten und komme dennoch zu keinem sinnvollen Ergebnis.

Deine Frage ist ja schon falsch gestellt, denn sie müsste eigentlich lauten: Wo hört der Humanismus eigentlich auf? Eine dümmliche Lichterketten-Symbolik, an der sich rassistische Pegida-Deppen ebenso beteiligen können wie Pazifisten und sogar stramm neoliberale Spezialdemokraten, ist doch ein eindeutiger, gar nicht mehr weiter zu erklärender Hinweis auf die Spaltungsabsichten, die offensichtlich dahinter stehen.

Nicht diejenigen, die konsequent links bleiben, "spalten" hier, sondern diejenigen, die mit rotem Mäntelchen im rechten Haifischbecken der verebbenden Intelligenz nach Zustimmung und Unterstützung fahnden. Ist das denn wirklich so schwer zu verstehen? So ist keine lebenswerte Zukunft zu gestalten.

Gerade das Wort "Solidarität" ist hier ein blanker Hohn. Frage doch mal bei Pegida, bei der SPD, bei Elsässer oder den Grünen nach, was die damit meinen - es wird nie und nimmer dasselbe sein, was Du damit verbindest. Solidarität ist nur dann sinnvoll, wenn das Ziel der beteiligten Menschen zumindest annähernd ähnlich ist. Die perverse, menschenfeindliche Asylpolitik ist ein unübersehbares Zeichen dafür.

Es gilt auch weiterhin die Binsenweisheit: Der Feind meines Feindes ist nicht automatisch mein Freund. Ein Blick ins Geschichtsbuch hilft da ungemein weiter.

Der Altautonome hat völlig recht: Gerade heute gilt es, klar Stellung zu beziehen und sich von schwammigen Weichspülern konsequent abzugrenzen - ansonsten versinkt die linke Opposition hoffnungslos und unweigerlich im völkischen Sumpf und verstärkt ihn dadurch.

Ich halte es nach wie vor streng mit Wolfgang Borchert, der alles Nötige in seinen Text "Dann gibt es nur eins" gepackt hat (Link 1, Link 2).

Liebe, solidarische Grüße!

epikur hat gesagt…

@Charlie

Ich schrieb: "Das ist pure Inszenierung, Heuchelei und Scheinheiligkeit. Soweit völlige Zustimmung."

Die Lichterketten-Aktion ist völliger Bullshit. Ähnlich wie alle anderen Anti-Rassismus-Kampagnen, öffentliche Trauer-Events und dergleichen. Da stimme ich doch zu!

Ich weiß nur nicht, ob es so produktiv, kreativ, zielführend ist, stets nur (!) auf das Trennende zu schauen, statt auch mal (!) das Gemeinsame in den Blick zu nehmen. Denn ohne Solidarität wird das alles nichts. Dennoch ist es natürlich richtig, U-Boote, Weichgespülte und Spezialdemokraten zu kritisieren und bloß zu stellen.

altautonomer hat gesagt…

epikur: Deine Kommentare lassen mich vermuten, dass Du die Webseite mit dem Aufruf nicht gelesen hast. Deshalb hier ein paar Zitate aus der Rubrik "Die Aktion", damit deutlich wird, warum das mit "links" aber auch gar nichts zu tun hat:

"Und jeder, der teilnimmt, hat das Gefühl: Jetzt darf Weihnachten kommen."
"Meine Kerze leuchtet für Frieden und Liebe,- sie leuchtet für Respekt und Humanität. Sie leuchtet für alle Menschen, um in Frieden zu leben. Ich bin nicht allein."

Man nennt dieses Verführungmodell auch populistischen Humanismus. Dahinter steht eine Harmoniesucht, die charakteristisch für autoritäre Projekte ist.

Und dann noch auf der Startseite der Eso-Spruch:
"Bringe Licht, und das Übel verschwindet in einem Augenblick."
Swami Vivekânanda (1863 - 1902), Verfechter der Einheit aller Religionen"

Um mich nicht dem Vorwurf der Spaltung auszusetzen, müßte ich also meine linke Identität bis zur Unendlichkeit verleugnen, wenn ich in diesem Schmonzes etwas Gemeinsamen zu sehen glaube.

Zum Slogan "Wir sind Deutschland!"
Nachdem im letzten Jahr die »Friedensbewegung« Hauptbetätigungsfeld des Reporter- und Redneraktivismus von KenFM war, hat er nun eine neue Bewegung entdeckt: Wir sind Deutschland. Unter dieser Parole versammelt sich seit einigen Wochen in Plauen ein diffuses Spektrum, das man als PEGIDA in bürgerlich bezeichnen könnte. Wir sind Deutschland wirbt mit dem Slogan "nicht ganz links - nicht ganz rechts, nicht ganz Gutmensch - nicht ganz Pack-."

Es ist die Inszenierung der Gemeinschaft, die ohne viel Diskussion und Konflikt auf der Basis des kleinsten gemeinsamen Nenners funktioniert - oder funktionieren könnte.

jakebaby hat gesagt…

Epikur, etc. ...

"Wie soll Widerstand ohne irgendeine Form von Zusammenarbeit/Solidarität jemals aussehen?"

"Ich weiß nur nicht, ob es so produktiv, kreativ, zielführend ist, stets nur (!) auf das Trennende zu schauen, statt auch mal (!) das Gemeinsame in den Blick zu nehmen."

Was diese, mit bekannt unterschiedlichen Ambitionen versehenen, und somit sogenannte Gemeinsamkeiten angeht, ist von real linker Seite jeglichste Form von Zusammenarbeit/Solidaritaet etc. auszuschliessen.
Eh schon immer auf verlorenem Posten stehend, kann man sich nicht mit der Opposition solidarisieren, welche dir selbst nicht mal auch nur einen vereitert eingewachsenen Zehennagel geben wuerde.
Was hast du denn sonstnoch zum aufgeben?



Fluchtwagenfahrer hat gesagt…

Moin Männers,ja ja die Lichterketten, verschwitzte Händchen halten, Na gehst du gleich noch mit auf`m Pun(s)ch zu mir?? HeHeHe. Mir wird übel sprach der Dübel und verschwand in der Wand. Die Scheiße ist fast wie nen Naturgesetz, so wie die Spritpreise vor dem Urlaub steigen oder die leuchtenden, entzückten, entrückten Augen in der Christmette, bei der Weihnachtsansprache des Chefs, der Murkel oder ähnliches. Schwamm drüber das ich dich gestern noch (gefickt)zusammengestaucht habe, jetzt ist ja Weihnachten.?(Franzel says) Kann man drauf reinfallen, muss man aber nicht. Morgen ist ein neuer Tag und dann zeig ich dir Wurst wieder wer der Chef ist.
Aber in einem stimme ich Epi zu, jede Medaille hat zwei Seiten,ein geschliffener Diamant noch mehr, es kommt auf die Betrachtung, Perspektive an. Und, um einmal das wohlige Feuerchen des Disputes zu schüren: sich in die Ecke zu stellen, mit nem Schmollmund,den Effe zeigend und auf die felsenfesten Prinzipien zu beharren isoliert und nützt keinem was. Ich wünschte das wäre anders denn m. M. n. brauchen wir euch dringend vor allem um eine andere Sichtweise auf die Dinge des alltäglichen Lebens von euch serviert zu bekommen. Eines muss ich noch vorweg schicken bevor das Schlachtfest beginnt, ich bin NICHT in der Literatur die euch vertraut ist belesen, bin NICHT in meinem sprachlichen Portfolio mit Kraftausdrücken linker Gelehrter vertraut.
Also dann man(n) rinngehauen.

altautonomer hat gesagt…

Fluchtwagenfahrer. Mach doch mal den Praxistest. Im Oktober dieses Jahres war ich auf einer Demo pro Flüchtlinge mit 850 Teilnehmern. Für eine Kleinstadt eine große Zahl, darunter die lokale SPD-Prominenz bis hinauf zum Bundestagsabgeordneten (SPD) der am Pult eine großé Rede gegen Rassismus hielt. Wenige Tage später stimmte er dem Asylrechtsverschärfungsgesetz zu.

Wer ist denn jetzt der Verarschte?

Anonym hat gesagt…

Fluchtwagenfahrer: Es geht hier doch nicht um Literatur oder Belesenheit, sondern um gesunden Menschenverstand. Hat der linke Ministerpräsident Ramelow beispielsweise irgendetwas getan, um das menschenfeindliche Sanktionswesen des Hartzsystems zu unterbinden? Er könnte das tun, indem er die Jobcenter seines Bundeslandes anweist, mit dem Scheiss im Rahmen der "Kann-Bestimmungen" des SGB aufzuhören. Er tut es aber nicht.

Was lernen wir also daraus?

Fluchtwagenfahrer hat gesagt…

@altautonomer@anonym

Ja,Ja und nochmal Ja.
So ist es, wir werden am lfd. Bande verarscht, missbraucht, ausgebeutet, denunziert,usw. usw.
Bei solchen Demos habe ich immer eine größere Handvoll Eier dabei. Torten, Schuhe o.ä. sind auch nicht schlecht. Protestschreiben, Eingaben o. Sonstiges bringen meiner Erfahrung nach garnichts. Man muss diese schizoiden Charaktere da packen wo es ihnen weh tut. Der Lächerlichkeit preisgeben. Ganz platt und tief unten, zumeist lassen sie dann die Maske fallen und zeigen ihre hässliche Fratze. In ihrer Eitelkeit, Selbstverliebtheit treffen. Mediale und juristische Guerillataktiken anwenden.
Die Zeit für Nettigkeiten sind vorbei, sonst wird das Ruder nicht mehr herum gerissen.

altautonomer hat gesagt…

Nach Auffassung vieler "Man muss doch auch mit den politischen Gegner reden-Freunde"
müßten wir jetzt alle in die SPD eintreten, denn der Leitantrag zum Parteitag heute lautet "Für eine gerechte und friedliche Welt".

Ist hier jemand dagegen?

altautonomer hat gesagt…

Schade, dass derartige Diskussionen hier mittendrin abbrechen.

Um den Glauben an die Überzeugungskraft guter und richtiger Argumente/Fakten restlos zu verlieren, muss ich mir nur die Diskussion auf dem SPD-Parteitag zum Thema TTIP ansehen. Da haben sich die sogenannten Linken und TTIP-Gegner den Mund fusselig geredet. Am Ende stimmten die Gabrielvasallen mehrheitlich für TTIP. Sie wollten die Koalition nicht platzen lassen.

Andererseits stimmte ein früherer Parteitag für die Einführung einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen von 120 km/h. Das hat Gabriel aber bis heute nicht mal ignoriert.

Charlie hat gesagt…

@ altauto: Ich kann hier, ehrlich gesagt, keinen Diskussionsabbruch erkennen. Zur SPD ist ja nun schon lange alles Relevante gesagt (und jeder erneute Hinweis, wie beispielsweise Deine Anmerkungen oder auch mein nachfolgendes Posting) sind den meisten Menschen, die hier mitlesen, seit langem bekannt. Über die SPD muss nicht mehr diskutiert werden - es verbleibt allenfalls noch die Frage, wie man es anstellen kann, dass die Massenmedien (und damit auch ein immer noch viel zu großer Anteil der Bevölkerung) diese Partei nicht mehr als "links", als "Alternative" oder gar als "Arbeiterpartei" darstellen bzw. wahrnehmen. Auch das ist in diesem verkommenen System allerdings eine Sisyphos-Frage.

Trotzdem bleibt es wichtig, immer mal wieder auf die absurden, asozialen und menschenfeindlichen Haltungen und Taten der SPD hinzuweisen - vielleicht verirrt sich ja doch noch der eine oder andere Mensch hierher, dem das noch nicht so klar ist. Eine rege Diskussion darf man da aber nicht mehr erwarten.

Liebe Grüße!

altautonomer hat gesagt…

jakebaby: "Wenn Deutsche Feuer in die Hand nehmen, wird es Zeit wegzurennen.!"
(Th. Ebermann)

Zur Diskussionskultur hier: Ich hatte damit gerechnet, dass epikur noch etwas zu meinen Postings sagt, denn seine Sympathie mit Vertretern schwammiger Positionen geht einher mit seiner strikten Abweisung jeglicher innerlinker Kritik, bzw. Hierarchisierung der Kritksubjekte.