Dienstag, 29. März 2016

Zitat des Tages: Die deutsche Sozialdemokratie


Die deutsche Sozialdemokratie ist eine Partei für Berufspolitiker geworden in der Stunde, in der sie sich dem Parlamentarismus widmete; gegen seine "Führer" war der Arbeiter ohnmächtig dank dem "straff zentralistisch organisierten" Beamtenapparat, den eben die Führer geschaffen haben, um vom Willen der Massen unabhängig zu sein. Die wenigen, die innerhalb der Sozialdemokratie für die soziale Revolution kämpfen zu können wähnten, vergeudeten ihre Kräfte vergeblich.

1913 (in "Die Aktion" Nr. 25) schrieb ich hier (nicht zum ersten Male):

Und so hat die Sozialdemokratie Diplomaten, Redner, Demagogen, Strategen, sie besitzt die reichhaltigste Musterkollektion an "Führern", sie kann auf die geistigen Sozialisten, die, wie Rosa Luxemburg, sich in ihren Reihen störend bemerkbar machen, verzichten.

Damals hoffte Rosa Luxemburg noch. Erst 1918 muss sie in einem Briefe schreiben, dass ich "leider recht" gehabt hätte.

Die Sozialdemokratie war und ist eine Führerangelegenheit, war und ist (als SPD und als USPD) keine Organisation revolutionärer Massen. (...)

Es ist nicht kurzweilig, gegen das Treiben dieser Noskehelfer zu kämpfen. Aber es ist notwendig, wenn verhindert werden soll, dass die revolutionäre Arbeiterschaft aufs neue verraten wird.

(aus Franz Pfemfert [1879-1954]: "Bankrott der KPD?", in: "Die Aktion" Nr. 1/2 vom 10.01.1920; Nachdruck in: Franz Pfemfert: "Ich setze diese Zeitschrift wider diese Zeit. Sozialpolitische und literaturkritische Aufsätze", hg.v. Wolfgang Haug, Luchterhand 1985)


Kommentare:

frei-blog hat gesagt…

Immerhin dürfen sich Parlamentarier zukünftig an einem Mindestlohn erfreuen, der sich automatisch erhöht, ohne dafür noch abzustimmen,lächerliche Diskussionen darüber führen zu müssen.
Davon träumt der kleine Gewerkschaftler mit SPD-Pateibuch, spielt weiterhin den brauchbaren Deppen, und ostermarschiert pünktlich mit einer Trillerpfeife für seine sozialgerechte Lebenslüge.

darkmoon hat gesagt…

Zu dem Thema reicht es eigentlich, die Namen der aktuellen SPD-Granden aufzuzählen: Wer die Worte Gabriel, Nahles, Steinmeier oder Kraft hört, weiß sofort, in welchem elitären Enddarm er sich befindet.

altautonomer hat gesagt…

Ich weiss gar nicht, wen ich mehr verachte, die Grünen oder die SPD. Wenn die Sozen so weitermachen, kann ich wohl beruhigt dem nächsten BT-Wahlergebnis von unter 10 % entgegensehen. Nachteil: Ein Ergebnis zugunsten der AfD.

Während meiner beruflichen Tätigkeit habe ich zu viele SPD-Parteibuchkarrieren verfolgt, die mir das Arbeitsleben schwer machten. Darunter waren die meisten tief in sich gespaltene Persönlichkeiten, die z. B. vom Weltfrieden schwadronierten, aber gegen Bundeswehreinsätze im Ausland mit Zustimmung ihrer Partei nichts einzuwenden hatten.

Wenn ich von einigen Foristen immer wieder höre, dass es auch engagierte Linke, also GUTE in der SPD, insbesondere an der Bais gäbe, dann kann ich darüber nur lachen. Diesen Leuten empfehle ich, mal als Gast eine Ortsvereinsversammlung zu besuchen und diese anschließend mit Adornos "Studien über den autoritären Charakter - übe die Genese des Vorurteils" abzugleichen.

Diese "Volks"-Partei hat fertig.

Charlie hat gesagt…

@ all: Ich weiß, dass es in Kreisen, in denen unsereins sich aufhält, ein alter Hut ist, dass die SPD eine bestenfalls lächerliche und schlimmstenfalls äußerst gefährliche Partei ist, die einmal mehr eine notwendige Alternative zum zerstörerischen Kapitalismus erfolgreich verhindert und stattdessen den devoten Stiefelknecht des elitären Gesindels spielt - in den Medien und damit immer noch beim Großteil der Bevölkerung dieses Landes ist diese schnöde Information aber immer noch nicht angekommen, so dass es leider unvermeidlich bleibt, immer wieder darauf hinzuweisen.

Wer - wenn nicht Blogger - sollte das heute denn sonst noch tun?

Eben für jene Unbelehrbaren, die heute immer noch dem Märchen nachhängen, an der "Basis der SPD" gebe es noch "aufrichtige" Sozialdemokraten, habe ich dieses Zitat herausgesucht. Es müsste doch jedem, der das liest, auffallen, dass die lächerliche Situation vor 100 (sic!) Jahren exakt dieselbe war.

Man mag es ja kaum glauben, aber selbst bei der CDU oder AfD mag es vereinzelt den einen oder anderen "aufrichtigen" Menschenfreund an der Basis geben - aber was ändert das bitte an der Ausrichtung und Zukunft dieser Parteien? Hier wiederholt sich die Geschichte - und es bleibt momentan nichts weiter, als zum Spaghettimonster zu beten, auf dass die Auswirkungen diesmal nicht ganz so verheerend sein mögen.

Liebe Grüße!