Dienstag, 23. August 2016

Blackout


Über die Suggestion vom Überleben im Katastrophen- oder Kriegsfalle durch Bevorratungs-Propaganda der Bundesregierung

Ein Gastbeitrag des Altautonomen

Am Mittwoch, dem 24.08.2016 wird die Bundesregierung in Gestalt des Innenministers Thomas de Maiziere der Öffentlichkeit ein Konzept vorstellen, nach dem die Bevölkerung im Notfall sich selber ausreichend für mindestens 10 Tage mit Lebensmitteln, Wasser, Energie (Taschenlampen) und Bargeld versorgen soll. Als größte Gefahr für die Existenz der Bundesrepublik wird nach den bisherigen Medienberichten die Bedrohung der Infrastruktur durch Computerviren und Sabotage, eventuell verbunden mit Massenvernichtungswaffen gesehen.

Diese Nachricht erzeugt spontane Ängste, Panik und Spekulationen. Wird Russland angegriffen? Wird Russland "freie" Länder angreifen? Soll die hiesige Bevölkerung so auf einen bevorstehenden Krieg vorbereitet werden? Dabei ist meines Erachtens das Szenario eines großräumigen Stromausfalls durch eine Cyberattacke das Naheliegendste (man erinnere sich beispielsweise an Stuxnet!). Als Ursachen für einen lange andauernden und überregionalen Stromausfall kommen aber auch technisches und menschliches Versagen, Epidemien, Pandemien oder Extremwetterereignisse infrage. Vielfach wird erwartet, dass künftig die Ausfallwahrscheinlichkeit größer wird, unter anderem deshalb, weil die Gefahr terroristischer Angriffe und klimabedingter Extremwetterereignisse als Ursachen eines Netzzusammenbruchs zunehmen werden.

Die von Elektrizität abhängige Infrastruktur hat sich inzwischen derart komplex und störanfällig entwickelt, dass ganze Heere von Technikern permanent damit beschäftigt sind, neue Lücken in den Sicherheitskonzepten zu schließen. Unser Stromnetz ist aus vielen kleinen Einheiten aufgebaut, die alle genau aufeinander abgestimmt arbeiten. Greift eine Schadsoftware an einem Knotenpunkt an, könnte sie einen großen Teil des Netzes lahmlegen. Die Gesellschaft und ihr Versorgungs-, Gesundheits- und Verkehrssystem würde unverzüglich kollabieren. Kühlketten würden unterbrochen, Supermarktkassen, Geldautomaten und Tanksäulen würden nicht mehr funktionieren, Tiermastbetriebe, Busse und Bahnen, Operationssäle und der Flugverkehr müssten den Betrieb einstellen. Telefonie und Internet, Ampeln und Schranken lägen lahm.

Im Bereich der Wasserversorgung wird elektrische Energie in der Wasserförderung, -aufbereitung und -verteilung benötigt. Besonders kritisch für die Gewährleistung der jeweiligen Funktion sind elektrisch betriebene Pumpen. Fallen diese aus, ist die Grundwasserförderung nicht mehr möglich und die Gewinnung von Wasser aus Oberflächengewässern zumindest stark beeinträchtigt.

Dies sind nur ein paar Beispiele, dass mit der Bevorratung von Lebensmitteln und Wasser ein soziales Chaos und Barbarei nicht verhindert werden können. Dafür treten derartige Ausfälle erfahrungsgemäß viel zu abrupt und massiv auf. Ausführlichere Folgen eines Blackouts können beispielsweise hier [pdf] nachgelesen werden.

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Anmerkung des Altautonomen: In dem gleichnamigen Roman von Marc Elsberg werden die katastrophalen Folgen eines "Blackouts" sehr einleuchtend beschrieben: Halb Europa ist wochenlang dank eines Hackerangriffs von Cyberpiraten ohne Strom.


Kommentare:

frei-blog hat gesagt…

Mein Strom kommt aus der Dose,
mein Wasser aus dem Hahn,
mein Brot kauf ich beim Bäcker ein,
mein Schnitzel hat der Metzger,
die Miete zahl ich über Bank,
den Schuh bei Amazon.
Der nächste Winter kommt bestimmt,
mein Urnengrab braucht Gas.

Notfalls köchel ich auf einem Espidkocher herum, mach Dosen auf, saufe Brackwasser aus Pfützen. Habe noch Notfalljacke aus Bundeswehrbeständen ... Fjällräven ist mir zu teuer. Für ein Überleben mußt du zahlungswürdig sein, ohne Kohle vereist du schnell in einem atomarer Winter. Da hilft keine Mikrowelle, auch kein Gebet.

Nur noch Insekten –




Hubert Farnsworth hat gesagt…

Vielleicht sehe ich das zu blauäugig, aber ich hab mal bei einem großen Energieversorger gearbeitet und die Netze waren (damals) sehr sicher und auch mit ausreichenden Redundanzen aufgebaut. Meine Angst vor einem wochenlangen totalen Blackout hält sich daher in Grenzen.
Ok das war noch vor dem Internet und Stuxnet und Co., aber trotzdem kann ich mir nur schwer vorstellen dass die EVUs sich so doof anstellen wie die Siemens Deppen damals. Das waren (zumindest zu meiner Zeit) noch richtige Inschinöre, die wussten was sie taten.

Andererseits, wenn da der Putin mit seinen ganzen cyberterroristas kommt... man weiss ja so wenig.
BTW: wo bleibt meine Sonderzahlung zum Hamster kaufen? Ach, die gibts nich? Wer hätte das gedacht.

jakebaby hat gesagt…

Vor ein paar Tagen stiess ich auf diese Headline und klickte sie erst gar nicht an.
"Germans Will Be Asked to Stockpile Food and Water ‘in Case of a Catastrophe’"

Die Leutchen schreiben als einen Quatsch! https://www.yahoo.com/news/germans-asked-stockpile-food-water-044757109.html?nhp=1

Natuerlich haett ichs besser wissen muessen, da Deutschland schon immer fuer jeglichsten Scheiss offen ist.
Was ne insgesamt monstroese Panik/Angstmache fuer eine Handvoll, bisherig total upgefuckt dilettantische Terroristenveschnitte, den boesen Russen und die Sintflut ...etc.
Eure Volksvertreter muessen vor lauter Freude ueber den fortschreitenden Stand ihrer Dinge, kolerisch entzueckt in die feuchtfettigen Haendlein klatschen um ihre einschlaegig gewohnt zu erwartend verschissenen Massnahmen, feiernd zu geniessen.

Im Extremfall nennt man sowas bei uns momentan Trump. Der regiert aber (noch) nicht im Gegensatz zu Merkel&Co ...&.
Satire, leider eine staendig aetzendmutierende Realsatire .. Hier&Da .. und man muss vor nichts auf dieser Welt mehr Angst haben, denn vor dieser Handvoll dummpervertierten Evolutionsfehlern.

Eine Handvoll Arschloecher reichen schon immer vollkommen.

Gruss
Jake



darkmoon hat gesagt…

Ich mußte ja hieran denken:

https://www.youtube.com/watch?v=qGPT1kfaSEs

jakebaby hat gesagt…

Im grossen Ganzen ist es voellig egal welch Scheiss gerade tieffliegt, alle machen mit.
Nicht das erstemal aber immer passend https://www.youtube.com/watch?v=3L_isSGyVqU

Just like the Pied Piper
Led rats through the streets
We dance like marionettes,
Swaying to the Symphony...
Of Destruction

.... Sanitarium ist auch eine passende Beschreibung: (Love that Song)

Welcome to where time stands still
No one leaves and no one will
Moon is full, never seems to change
Just labeled mentally deranged
Dream the same thing every night
I see our freedom in my sight
No locked doors, No windows barred
No things to make my brain seem scarred

Sleep my friend and you will see
That dream is my reality
They keep me locked up in this cage
Can't they see it's why my brain says Rage

Sanitarium, leave me be
Sanitarium, just leave me alone

Build my fear of what's out there
And cannot breathe the open air
Whisper things into my brain
Assuring me that I'm insane
They think our heads are in their hands
But violent use brings violent plans
Keep him tied, it makes him well
He's getting better, can't you tell?

No more can they keep us in
Listen, damn it, we will win
They see it right, they see it well
But they think this saves us from our hell

Sanitarium, leave me be
Sanitarium, just leave me alone
Sanitarium, just leave me alone

Fear of living on
Natives getting restless now
Mutiny in the air
Got some death to do
Mirror stares back hard
Kill, it's such a friendly word
Seems the only way
For reaching out again.
https://www.youtube.com/watch?v=0qB54PNb4hA

Gruss
Jake

altautonomer hat gesagt…

Bis jetzt kenne ich niemanden, der vorhat, sich einzudecken (außer mit Gras).

Charlie hat gesagt…

Nachdem ich nun wieder mal aus den heiligen Hallen der Klinik daheim angekommen bin, kann ich bestätigen: Ich decke mich auch nicht ein. Mir war es viel zu warm und ich schlafe ohne Decke.

Von den sagenhaften 100 Euro, die ich für den laufenden Monat zur Verfügung hatte, habe ich mir in den vergangenen Sahara-Tagen ganze drei dekadente Eisportionen für insgesamt 3,90 € gegönnt - das grenzt an spätrömische Dekadenz. Der Charlie kennt keine Vorsorge - ich bin ja auch selber schuld, wenn ich nächste Woche wieder nur trockenes Brot aus der Vorwoche zu knabbern habe, bis die prekäre Überweisung endlich auf meinem Konto ankommt und ich mich wieder in die soziale Hartz-Hängematte legen kann - für ein paar Tage.

Das Leben ist wunderschön und ich darf im Paradies erblühen.