Montag, 7. November 2016

Der Stahlpenis: Die CSU und die "Härte"


Von rechtsradikalen Gruppierungen ist man rhetorisches Geblubber vom "Durchgreifen" und von der "Härte" ja gewohnt, das gehört zum schlechten Ton in dieser muffigen, unschönen Gesellschaft. Keiner aber beherrscht dieses Szenario so perfekt wie die widerlichen Gestalten von der CSU, die stets den ganz großen Knüppel zu schwingen versuchen und sich für Ursachenforschung oder gar -bekämpfung nicht die Bohne interessieren.

Das BILDblog hat sich mal die Mühe gemacht, einige der diesbezüglichen Forderungen aus der bayerischen Enklave der christlich-sozialen Nächstenliebe nur der vergangenen Wochen [sic!] zu dokumentieren. Ich zitiere hier nur die Überschriften - die Screenshots und entsprechenden Links findet man drüben:

  • Innenminister Herrmann: Hart gegen Grusel-Clowns vorgehen
  • Bayerischer Innenminister Herrmann: Stärker gegen Reichsbürger vorgehen
  • Bayern will härter gegen Sexualstraftäter vorgehen
  • Bayern will härter gegen Internetkriminalität vorgehen
  • Herrmann plant härteres Vorgehen gegen Grenzkriminalität
  • Innenminister Herrmann fordert mehr Härte gegen "Wirtschaftsflüchtlinge"
  • Bayerns Innenminister Herrmann fordert ein härteres Vorgehen gegen islamistische Gefährder

So unsäglich hart ist die CSU - und leider muss man auch nicht "Herr Mann" heißen, um einen solchen grotesken Bullshit in steter Impertinenz abzusondern; bei der CSU dürfte dies sogar eine "Frau Dame" tun, ohne sonderlich aufzufallen. Bei einem "Herrn Dame" oder einer "Frau Mann" sähe das freilich wieder ganz anders aus, denn mit solchem Teufelszeug will man in christlich-sozialen Kreisen nichts zu tun haben. Da reckt man den erigierten, deutschen Penis lieber in Richtung bekannter und wie gewohnt falscher Feindbilder - die faschistoiden Ausfälle der CSU gegen angebliche "Sozialschmarotzer" sind hoffentlich noch allen in schauriger Erinnerung.

Leider ist die CSU auf ihrem Härte-Contest keineswegs alleine unterwegs - die üblichen Verdächtigen von CDU, SPD, FDP, AfD, den Grünen und der Linkspartei mischen fleißig mit und bekräftigen einmal mehr die alte Regel: Je härter der imaginierte Penis, desto weicher die Hirnmasse. Inzwischen dürfte dieses bedauernswerte, völlig überschätzte Kopforgan in weiten Parteikreisen längst dünnflüssig sein und sich damit nachhaltig verflüchtigt haben. Man kann die Welt ohne Beteiligung des Gehirnes schließlich noch viel besser in den Abgrund stürzen und dabei noch Spaß haben.

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Auf der Suche nach dem Symbol des 20. Jahrhunderts



(Gemälde von Jiří Georg Dokoupil [*1954] aus dem Jahr 1983, Dispersion auf Nessel, Privatbesitz [sic!], Köln. - Wir sehen hier unter anderem: Einen geflügelten, allzu krummen Penis sowie eine Knochenhand, die weit entfernt aus einer Vagina in die düstere Szene ragt - aber das nur am Rande. Ich möchte lieber gar nicht wissen, in welcher privaten Sammlung irgendeines obszönen, perversen Superreichen dieses Bild gelandet ist.)

Kommentare:

frei-blog hat gesagt…

Und ein Großteil der dahinblubbernden Masse klatscht dazu im Takt. Man könnte auf den Gedanken kommen, dass hierbei eine wechselseitige Beziehung zwischen unten (Machtbedürfnis) und oben (Machtanspruch) besteht. Wobei die Verlierer in diesem Spiel solange auf dem Spielbrett herumhüpfen dürfen, bis sie selbst hinweggefegt werden. Suggeriert wird die Botschaft einer notwendigen, geradezu überlebenswichtigen Vollmacht nach Oben – eine Windel, bevor sich der Bürger frühzeitig einnässt, sich aber freizügig einnässen lassen wird.
"Machtbedürfnis" möchte knüppeln, auf die Fresse schlagen, während sich "Machtanspruch" über Pegidaschwachköpfe und AfD erfreut, in wechselseitiger Beziehung mit sozial-christlich-grünverwelkten-liberalgelinkten Machtansprüchen.
:-)

Schirrmi hat gesagt…

Ja, genauso oder so ähnlich wie Du das beschreibst kommt mir das auch immer hoch. Ich wundere mich dass ich noch eine Galle habe. Aber langweilig dennoch. Aber es ist halt auch von Deiner Stimmung abhängig.

Zum Bild. Ich bin echt kein Künstler noch ein Versteher und habe sicher nur eine einfache Ästhetik. Aber dieses Bild hängt sich doch keiner auf. Oder? Wir sehen auch dass die Knochenhand näher ist als der fliegende Penis und nicht so weit entfernt. Vielmehr könnte die Hand winken und locken im übertragenen Sinne wie manche Frauen mit Ihre Fotze erst locken dann frohlocken wenn jemand angebissen hat. Die Flügel am Penis könnten eine gewisse Freiheit des Mannes ausdrücken der eine gewisse Zeit lang einer Pussi widerstehen kann.

Aber alles in allem, brrr... und da möchte ich sowieso kein Superreicher sein. Boah, da stellen sich mir die Haare auf.. sorry..

Charlie hat gesagt…

@ frei-blog: Das ist eine interessante Bildanalyse, danke für die Anregungen. ;-)

Charlie hat gesagt…

@ Schirrmi: Deiner Interpretation des Bildes muss ich aber energisch widersprechen - der Titel "Auf der Suche nach dem Symbol des 20. Jahrhunderts" gibt hier doch einen gewissen Rahmen vor, den es zu beachten gilt.

Über Ästhetik und Geschmack lässt sich im künstlerischen Bereich ohnehin nicht streiten. Ich schaue mir dieses Bild auch nicht mit "Wohlwollen" an, halte es aber dennoch für ein Meisterwerk der so genannten "jungen Wilden" der Kunstszene des späten 20. Jahrhunderts. Es illustriert unsere verkommene Welt, die nun alles andere als "schön" oder "ästhetisch" ist, äußerst trefflich, wie ich finde - und regt dabei massiv zum Nachdenken an. Was will man mehr?

Eigentlich sollte dieses Gemälde, das im Original laut Werksangabe breiter als zwei Meter ist, im Eingangsbereich der Parteizentrale der CSU hängen - ich könnte mir kaum einen besseren Ort für das Werk denken.

Liebe Grüße! :-)