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(The Chameleons: "View From A Hill", aus dem Album "Script Of The Bridge", 1983)
Feel myself falling to the ground
Solitary silence - there's no sound
Open my eyes and look around
Colours and concepts that confound
All around
You wait until your time comes round again
Pick myself up and take the air
The fragrance of children everywhere
Slowly absorbed into my square
Debating what is and isn't there
Who cares
Just wait until your time comes round again

Kurzfassung: Einem Touristen werden im Urlaub auf Ibiza im Dezember 2012 einige Dinge im Strand gestohlen, darunter auch sein Handy. Der Dieb hat leider (oder auch glücklicherweise) übersehen, dass auf dem Handy eine Foto-App installiert ist, die jedes aufgenommene Foto automatisch in den dropbox-Fotoordner des ursprünglichen Besitzers ins Netz hochlädt, so dass dieser nach seiner Rückkehr nach Deutschland erstaunt mitverfolgen konnte, wie immer neue Fotos aus Dubai, wo der Dieb sich nun offenbar wieder aufhielt, erschienen.
Nachlesen könnt ihr diese Brüllnummer inklusive einer hübschen Fotoauswahl hier. Um chronologisch zu lesen, müsst ihr ganz nach unten scrollen, und auf der Seite 1 geht es dann unten weiter.
Der letzte Eintrag ist vom 14. August - anscheinend hat das Diebesgenie immer noch nicht bemerkt, dass seine Handyfotos weitaus mehr Betrachter haben, als er sich das vorstellen mag ... ;-)

(Unkenntlichmachung von mir)
Etwas vergleichbar Transparentes wünsche ich mir ja sehnlichst bezüglich der ganzen kriminellen Schlips-Borg in den Chefetagen der Wirtschaft und natürlich in der Politik.
Neulich mittag saß auf einer deutschen Anklagebank – also einem durchaus reputierlichen Ort – ein Ding, das der ziemlich guten Nachahmung eines Menschen glich. Es war ein ehemaliger Soldat.
Als der Stumpf noch ein Mensch war, hatte er während des Krieges derart schwere Verletzungen erlitten, dass die jahrelangen ununterbrochen anhaltenden Schmerzen nicht anders zu dämpfen waren als mit Morphium. Der Staat, der seinem entlaufenen Kaiser monatlich 50.000 Mark zahlen kann, ungerechnet die Werte, die ER sich hat über die Grenze schieben lassen – der Staat hatte für das Bündel Schmerzen kein Geld, aber Morphium in natura. Der Mann bekam also, wie im Gerichtssaal angegeben wurde, ›Staatsmorphium‹. Alle paar Tage ein paar Gramm.
Immer, wenn die Nerven dumpf aufheulen wollten, piekte die kleine Spritze in die schmutzige Haut, und dann legten sie sich wieder zu scheinbarer Ruhe. Wie hinter Watte tat es nur noch weh.
Sie hatten den Stumpf wegen Bettelei angeklagt, was gleichgültig ist, und der Staatsanwalt kam zu irgendeinem juristischen Resultat, die Einstellung des Verfahrens betreffend, was noch gleichgültiger ist, Verwaltungsmaßnahmen sind auch dann nicht der Nachprüfung wert, wenn sie sich Urteile nennen. Der Mensch ging im Dämmerzustand heraus. Er wusste gar nichts von sich. Er lebt ständig im Dusel: voll von Staatsmorphium.
Er ist nicht allein, sondern hat Kollegen: 60 Millionen.
(Ignaz Wrobel alias Kurt Tucholsky [1890-1935], in "Die Weltbühne", Nr. 46 vom 17.11.1925)
Anmerkung: An diesen Tucholsky-Text musste ich unwillkürlich denken, als ich gestern zufällig Ausschnitte aus der Wahlkrampf-Propaganda-Show der Merkel sah - inklusive völlig hirnverbrannter Ochsen und Ziegen, die dem dicken Schleimbolzen aus der Uckermark am Wortblasenpult wie von Sinnen zujubelten und dabei "Angie"-Schilder schwenkten. In welchem Paralleluniversum leben solche Gestalten, welche Drogen muss man konsumieren, um in diese Raum-Zeit-Verzerrung abzugleiten? Da reicht "Staatsmorphium" doch längst nicht mehr aus, das muss ein weitaus härterer Stoff sein ...
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Deutscher Herbst

"Obsternte gleich Null und dabei diese Blumenpracht! Auch in der Natur überall Pleite, verdeckt durch Festlichkeiten."
(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 25 vom 21.09.1925)
Ich bin momentan so träge, was das Schreiben von Blogtexten betrifft. Ich habe hier einen längeren Text vor mir, der die Anbiederungsversuche der Linken an SPD und Grüne zum Inhalt hat, um den ich mich seit Tagen immer wieder drücke ... es kommt mir alles so sinnlos vor, ich habe starke Fluchttendenzen zur Zeit und würde mich am liebsten aus dem politischen Geschehen vollkommen ausklinken, auch wenn das gar nicht geht und es zudem grundfalsch ist, wie ich weiß, wenn ich das Gehirn wieder anwerfe. Woher soll bloß die Motivation kommen, wenn das gesamte Ausgangsbild so dermaßen falsch, grotesk und verzerrt ist und unaufhaltsam weiter in die falsche Richtung driftet?
Ich weiß, gerade bei denjenigen, die hier mitlesen, renne ich damit offene Türen ein ... aber ich brauche mich nur mit "normalen BürgerInnen" zu unterhalten, wie ich das am Sonntag wieder getan habe, um zu wissen, dass der Zug längst an der Eisenwand zerschellt ist. Da ist nichts zu machen, die erkennen und wissen es nicht, und wenn entgegen jeder Vermutung tatsächlich der völlig absurde "Erdrutsch" stattfindet und der Steinbrück im September Kanzler wird, wird sich dennoch nichts verändern. Den wirklichen Erdrutsch, der stattfinden müsste, begreifen die allermeisten Menschen in diesem Land gar nicht. Denen könnte ich genauso etwas vom Aluhut, vom fliegenden Spaghettimonster oder von dem überaus schäbigen Volk der Ferengi erzählen - das hat exakt denselben Stellen- und Relevanzwert.
Den Vogel abgeschossen hat dann am Sonntagabend eine Passage im "Tatort", den ich aufgrund meines komatösen Zustandes laufen hatte, während ich (vergeblich) versucht habe, endlich ins traumlose Land des Schlafes zu wechseln: Da brüllte irgendein aufgebrachter, von der Kündigung bedrohter Mensch in die Kamera, dass Menschen, denen man "die Arbeit nehmen" wolle, ja alles (mit mindenstens drei Ausrufungszeichen) täten, um das zu verhindern. Das ist ein Paradebeispiel für die groteske und zutiefst verinnerlichte Perversion des Kapitalismus. Was diese Filmfigur wirklich meinte, war natürlich, dass ein Mensch selbstverständlich auf die Barrikaden geht, wenn man ihn der materiellen Existenzgrundlage beraubt. Soweit hatte er recht. Aber die Gleichsetzung von "Existenzgrundlage" und "Arbeit" ist so weit fortgeschritten in dieser Alptraumgesellschaft, dass es niemandem mehr einfällt, ein "gutes Leben" jenseits der Arbeit einzufordern. Und niemand stellt mehr das kapitalistische, abgrundtief perverse Grundprinzip in Frage, das da lautet: Ich muss mich, in welcher Form auch immer, prostituieren (also "arbeiten" bzw. meine Arbeitskraft ausbeuten lassen), um überhaupt erst ein Recht auf ein halbwegs angemessenes Leben zu erwerben. Das ist ein Kernelement der kritisch angestrichenen Sonntagabendunterhaltung im öffentlich-rechtlichen TV heute - untermalt von viel Gewalt, Polizeiunrecht und dem üblichen Bild des generalverdächtigen Bürgers, der sich der Obrigkeit selbstverständlich rund um die Uhr zur Verfügung zu halten hat und auch nichts dagegen unternehmen kann (bzw. soll), dass sich die Polizei zu jeder Zeit und in jeder Form Zutritt zur Wohnung und zum intimsten Umfeld verschaffen kann.
Danach hatte ich keine Lust mehr auf Opposition. Das ist nicht nur ein Kampf gegen Windmühlen, sondern ein Kampf gegen einen gewaltigen, dermaßen widerwärtigen und übermächtigen Strom, der schlicht niemals zu gewinnen ist. Die alberne Geschichte von "David gegen Goliath" steht ja nicht zufällig gerade in dem Verdummungsbuch Nr. 1 der abendländischen Welt - nämlich in der Bibel, der wir ja unter Anderem auch entnehmen dürfen, dass Jesus etwas gegen "Händler im Tempel", gegen Zinshaie und Superreiche, die niemals "ins Himmelreich gelangen", und gegen Gewalt gegen wirkliche oder vermeintliche "Sünder" hatte. Angesichts der Gesellschafts- und Kirchengeschichte kann man darüber nicht einmal mehr müde lächeln - besteht sie doch im Wesentlichen aus eben diesen Elementen, die angeblich zu bekämpfen seien.
Wenn ich irgendwo dieses erbärmliche Schauspiel miterleben muss, wie sich CDU, SPD, Grüne und FDP in so dermaßen peinlichen Wahlkampfallüren in hochalbernen Minidetails gegeneinander auspielen, während doch für jedermann offenkundig sichtbar und nicht im Entferntesten bezweifelbar ist, dass diese "Wahlkämpfer" eben "Wahlkämpfer" sind und unterm Strich alle dasselbe stinkende kapitalistische Kloakedepot anstreben ... dann bleibt mir nicht mehr viel übrig, was außer multiplen Kotzanfällen und eine sich fast zwangsläufig anschließenden Flucht in den Boykott - oder besser noch: in die geistige Ausklinkung aus diesem Theater für Irrsinnige und Dummgehaltene - noch bleibt.
Es ist nur gut, dass es den einen oder anderen lieben Menschen in meinem Umfeld gibt, der mich vor diesem fatalen, kontraproduktiven Ausstieg doch immer wieder bewahrt - tausend Dank an M. in diesem Falle. Der - keineswegs einzige, aber durchschlagendste - Grund dafür ist dieser:
"Also werde ich – auch wenn ich die Faust balle in der Tasche – zur Wahl gehen. Ich werde eine kleine Partei wählen, die wirklich links ist und das herrschende System überwinden will. Vielleicht scheitert auch sie an der 5-Prozent-Hürde. Sie ist ja auch schon unter Kohl gescheitert. Hauptsache, Rechtskonservative und Rechtsextreme bleiben unter den magischen 5 Prozent. Wenn 10 Millionen Leute wählen gehen, liegt die Hürde bei 500.000 Wahlzetteln. Wenn aber 20 Millionen Zettel abgegeben werden, liegt die Hürde bei einer Million Zetteln! Hohe Hürde für die Rechtsextremen!"
Ich höre meine innere Stimme schon wieder, die mir angesichts dieser Aussage erzählt, dass CDU, SPD, FDP und Grüne ja nichts anderes als faschistische Parteien sind bzw. dass sie ein entsprechendes faschistisches System, das sie ja längst geschaffen haben, betonieren wollen und dass sie die NPD, AfD, PdV oder wie sich die braunen Vasallen des Kapitals auch immer nennen mögen, gar nicht brauchen, aber ...
... was zum Teufel sollen Wahlboykotte oder ungültige Stimmen an dieser Totalkatastrophe denn ändern? - Wählt die MLPD, wenn es sein muss, oder "Die Partei" - das wäre ein Zeichen, das diese Schlips-Borg zur Kenntnis nähmen. Alles andere juckt sie nicht und macht ihre Schlipse und ihre Habgier nur noch geschmeidiger.
(Supertramp: "If Everyone Was Listening", aus dem Album "Crime Of The Century", 1974)
The actors and jesters are here,
The stage is in darkness and clear
For raising the curtain,
And no-one's quite certain whose play it is.
"How long ago, how long?" -
If only we had listened then.
If we'd known just how right we were going to be.
For we dreamed a lot, and we schemed a lot,
And we tried to sing of love before the stage fell apart.
If everyone was listening, you know
There'd be a chance that we could save the show!
Who'll be the last clown to bring the house down?
Oh no, please no, don't let the curtain fall ...
Well, what is your costume today?
And who are the props in your play?
You're acting a part which you thought from the start
Was an honest one.
Well, how do you plead? -
An actor, indeed! -
Go, re-learn your lines!
You don't know what you've done -
The finale has begun.
If everyone was listening, you know
There'd be a chance that we could save the show!
Who'll be the last clown to bring the house down?
Oh no, please no, don't let the curtain fall ...

Anmerkung: Auch hier möchte ich nicht viel beisteuern, denn Roger Hodgson und Rick Davies haben mit diesem Song alles Relevante gesagt und eine ultimative Abschieds- und Untergangshymne geschrieben, die bis heute unübertroffen ist, wie ich finde.
Vielleicht kann ich noch auf das wunderbare Sprachspiel hinweisen, das die beiden Autoren hier bemühen: "To bring the house down" ist ja eine im Englischen gerne benutzte Metapher für tosenden Applaus im Theater. In dem hier gezeichneten Kontext des "letzten Clowns" dürfte es aber nicht so schwierig sein zu erraten, welche Nixons, Reagans oder Bushs damit wohl gemeint sein könnten, während sich der tosende Applaus als der tatsächliche Lärm der einstürzenden Ruinen der "freiheitlichen Demokratie" entpuppt: Das Finale hat begonnen.
Überhaupt könnte man über diesen Text sehr feinsinnige Interpretationen anfertigen, was für die Musik ebenso gilt: Die einzigen beiden Textzeilen, die in reinem Dur erklingen, sind die ersten beiden Zeilen des Refrains - der Rest ergeht sich in zutiefst melancholischem Moll bzw. harmonisch zugehörigen Mixturen, und der Übergang ist mit der wiederholten Synkope und der Dominant-Terz im Bass nur allzu offensichtlich dramatisch gestaltet. Der Song weckt oder schürt keine Hoffnungen, er stellt vielmehr den Punkt am Schluss des bitteren Fazits dar.
In einer Anmerkung in den "Hinweisen das Tages" der NachDenkSeiten vom 3. Juli 2013 zu einem n-tv-Artikel ("Agenda 2010 als Vorbild – Merkels Nachhilfe für Schuldenstaaten") fragte ein/e gewisse/r "J.K.": "In welcher Welt lebt diese Frau eigentlich?"
Nun, liebe/r "J.K.", diese Frage kann ich wohl beantworten: Frau Merkel und der Rest der neoliberalen Bande lebt in einer Welt, die nach den Gesetzen und Interessen einer superkleinen, dafür aber superreichen Minderheit gestaltet wird. Diesem elitären Gesindel ist die Dame hündisch ergeben und liest ihnen förmlich jeden Wunsch von den Lippen ab - in der gar nicht abwegigen Erwartung, nach dem Ende ihrer Amtszeit (möglicherweise auch schon davor) für ihre Dienste immerhin so reichhaltig entlohnt zu werden, dass auch sie selbst sich zu den "Reichen" zählen darf. Dass auch das nur Almosen aus den Portokassen der "Elite" sind, die ihr zudem auch jederzeit wieder entzogen werden können, falls sie in "Ungnade" fallen sollte, weiß sie, und das macht sie noch etwas gefügiger und gleitfähiger.
Die Welt, in der Frau Merkel lebt, hat in jedem Falle nichts mit dem "Wohl des deutschen Volkes", erst recht nichts mit dem Wohl aller Menschen zu tun - die gesamte Restbevölkerung ist in diesem Weltbild einzig dazu da, ausgebeutet und ausgepresst zu werden, um den Luxus und Superreichtum des elitären Gesindels zu festigen und zu mehren. Anders gesagt: Sie steckt tief und fest im Enddarm des von einer kleinen Bande zusammengeraubten Kapitals, wo es dunkel, braun, warm, faulig und überaus ekelerregend ist. Steinbrück, Trittin und die anderen Trittbrettfahrer in der Kloschüssel der Pseudodemokratie möchten auch gerne in diesen braunen Schoß und sich hemmungs- und rücksichtslos im Sud wälzen, aber die böse Angela will selber noch eine Weile dort bleiben - oder muss es auf Geheiß der Darmbesitzer wollen, das weiß man nicht so genau.
Vielleicht ist "J.K" nun ein wenig schlauer und muss angesichts der immer grotesker werdenden Meldungen über Merkel und ihre KumpanInnen nicht mehr über das Wesen der Welt rätseln, in der diese Gestalten leben.
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"Wie fleißig du warst, mein guter Junge! Kaum zwei Monate Abgeordneter und schon ein Automobil!"
(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 49 vom 02.03.1925)
Sie scheinen so gar nichts miteinander gemein zu haben. Doch der Schein trügt, wie meistens. Die Rede ist vom türkischen Ministerpräsidenten Tayyip Erdoğan und seinem japanischen Kollegen Shinzō Abe. Beide streben nach Größerem für ihr Land, beide mittels reichlich demokratieferner, den Willen ihrer Völker ignorierender Methoden. Ungleiche Brüder, aber gleiche Kappen ...
(Weiterlesen)
Anmerkung: Das ist wieder einmal ein "echter Bräutigam", wie ich ihn aus der Feder dieses Autors so schätze. Schonungslos und mit klaren, deutlichen Worten erzählt er die uns öffentlich-rechtlich verschwiegene Atom-Geschichte von den Wahnsinnigen (oder wahlweise Skrupellosen) aus der Türkei und Japan und lässt den "Dummspruch-Rekordler" Erdoğan auch höchstselbst zu Wort kommen: "Vermeiden wir es, uns ins Auto zu setzen, weil ein Unfall passieren könnte? Bei der Verwendung der Nuklearenergie werden die höchstentwickelten Technologien angewandt, alle denkbaren Investitionen dafür gemacht. Unser Ansatz muss sein: Die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls ist eine Million zu eins." - Bei soviel geballtem Unsinn und lächerlicher Dreistigkeit in nur drei kurzen Sätzen muss auch ich kapitulieren und kann nur noch müde abwinken und zur Flasche greifen.
Lest das einfach selbst und denkt Euch Euren Teil. Fukushima wird nicht der letzte "GAU" der Atomkrafttechnologie gewesen sein und er hat selbstverständlich auch kein "Umdenken" in Gang gesetzt, wie unsere Medien uns immer wieder einflüstern wollen - schon allein der Terminus des deutschen "Atom-Ausstiegs", der gebetsmühlenartig wie ein Fakt immer wiederholt wird, ist angesichts der sich auch in Deutschland weiterhin in Betrieb befindlichen Atomkraftanlagen eine dermaßen absurde Groteske, dass ich persönlich jedesmal Pickel an den Augen bekomme, wenn ich es wieder einmal lese. Der "Atom-Ausstieg" ist nichts weiter als die Ankündigung der Merkel, irgendwann einmal - so ganz genau festlegen will sie sich da wie gewohnt nicht - die Atomkraftwerke nach und nach abzuschalten (womit diese Person ebenso in die Riege der "Dummspruch-Rekordler" gehört). Nichts genaues weiß man nicht und der nächste Kanzlerdarsteller mag das auch wieder ganz anders sehen (müssen); damit hat die Merkel dann sowieso nichts mehr zu tun. Derweil wird auch hierzulande weiterhin die hochalberne Mär von der "sauberen" und "billigen" Atomenergie und deren "Sicherheit" weitererzählt - zur Not wird man eben Atomstrom aus Frankreich oder anderen Ländern "importieren", denn ein Boykott kommt selbstredend für diese Bande niemals in Frage - für die ist sogar der neoliberale Teufel "Import" das kleinere Übel.
Im Grunde ist es nur folgerichtig, dass Erdoğan nachziehen will und Abe sich sowieso auf die berühmte Lethargie der leidenswilligen japanischen Mehrheit verlässt - die nicht nur die Risiken und gesundheitlichen Folgen dieser Mordstechnologie, sondern selbstredend auch die Kosten für die ungeklärte Müllentsorgung, den Rückbau veralteter und verstrahlter Anlagen und natürlich die verheerenden Folgen der Atomkatastrophe zu tragen hat - eine klassische "Win-win-Situation" für Energie- und sonstige Industriekonzerne und Politmarionetten. Die Arschkarte hat - wie immer - die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung. Auch in der Türkei und in Japan ticken die kapitalistischen Uhren nicht anders als bei uns - das tödliche Hämmern klingt überall gleich knöchern und menschenfeindlich - um das vergewaltigte Wort "demokratisch" gar nicht erst zu bemühen.
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(Cover des Supertramp-Albums "Crisis? What Crisis?", 1977. - Auch die Kopperschlaeger-Version ist recht anschaulich.)
Der vierzehnjährige palästinensische Junge wurde am 3. März um zwei Uhr nachts im Haus seiner Familie von sechs maskierten israelischen Soldaten aus dem Schlaf gerissen. Sie legten ihm Handschellen an und verbanden ihm die Augen. Der verzweifelten Mutter gaben sie keine Auskunft. Der Junge wurde ins Gefängnis von Megiddo gebracht. Am 22. April stand er bleich und zitternd vor dem Militärgericht von Salem. Anklage: Steinwurf gegen einen israelischen Panzer. (...)
Das Urteil steht noch aus. Die gängige Praxis der Kolonialjustiz ist jedoch bekannt: Steinewerfende Kinder können mit bis zu neun Jahren Gefängnis bestraft werden. In ihrem neusten Lagebericht (2013) befasst sich die Unicef, die Kinderhilfsorganisation der Uno, mit minderjährigen Gefangenen in israelischen Gefängnissen. Wörtlich heisst es: "Die Misshandlung palästinensischer Kinder in den Gefängnissen der israelischen Militärjustiz ist weit verbreitet, systematisch und institutionalisiert." Über 700.000 Kinder haben seit Beginn der Besatzung vor 46 Jahren diese Misshandlung erlebt. Und natürlich geht es der Regierung in Tel Aviv nicht darum, Panzer vor Steinen zu schützen, sondern darum, in den besetzten Gebieten Druck auf die palästinensischen Familien auszuüben.
(Weiterlesen)
Anmerkung: Dies ist eines der vielen, vielen Themen, die in den deutschen Propagandamedien schlichtweg nicht stattfinden - man muss schon exotische Quellen oder eben Jean Ziegler bemühen, damit man überhaupt davon erfährt. Es ist eines der vielen Verdienste Zieglers, dass er auch hier die Finger unablässig in die Wunde legt und unnachgiebig anklagt, was anzuklagen ist - auch wenn es sonst fast niemand tut.
Die Geschichte böte so viele Ansätze für eine kritische Presse, die menschenfeindliche Politik der Regierung in Tel Aviv anzuklagen - aber nichts dergleichen geschieht. Da kann es noch so hanebüchen sein, dass Kinder wegen eines Steinwurfes auf einen Panzer - man stelle sich das einfach bildlich vor - verfolgt, kriminalisiert und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt werden ... da fragt kein westlicher Journalist nach: "Moment - ein Kind hat einen Stein [sic!] auf einen Panzer [sic!] geworfen und wird dafür zu neun Jahren Haft verurteilt?" Das ist die Welt 2013 - diese unsägliche Posse aus Israel ist dabei leider nur eine Randnotiz, die die gesamte Perversion dieser Welt aber schrill illustriert.
Ähnlich schrille Beispiele finden wir auch direkt vor der Haustür, wenn wir denn die Augen aufsperren. Ich erinnere da nur an die zum Hungern verurteilten Kinder in Deutschland, deren Eltern beispielsweise den willkürlichen Befehlen des örtlichen "Jobcenters" nicht folgen und die "sanktioniert" und denen deshalb die Existenzgrundlage genommen wird - ganz "legal" und ohne gesellschaflichen Aufschrei. Das geschieht jeden Tag mannigfaltig in diesem Horrorland, auch wenn die Tagespropaganda um 20 Uhr im Ersten nicht darüber berichtet.
Eigentlich ist es ein Wunder, dass die vierzehnjährigen Töchter und Söhne der Hartz-Terror-Opfer in diesem Land nicht auch längst Steine in die gepanzerten Fenster der "Jobcenter" werfen. Man würde sie selbstverständlich auch hierzulande kriminalisieren und verfolgen, wenn sie es täten - so furchtbar verschieden sind Israel und Deutschland im Jahre 2013 nicht mehr. Und das ist - anders als man historisch vermuten und eigentlich erhoffen mag - keineswegs ein Lob. Die Menschen, die damals hierzulande unter dem Naziterror gelitten haben und noch rechtzeitig fliehen konnten, würden auch heute einen großen Bogen um Deutschland - genauso aber auch um Israel - machen. Eine solche Katastrophe hat sich kein Endzeitliterat ausdenken können - die Realität ist weitaus schlimmer als jede Fiktion der vergangenen 65 Jahre.
"Das Spiel ist aus!" riefen in der Schlussszene die endlich siegreichen Gegenspieler den entlarvten bösen Machthabern zu, verstellten ihnen den Weg zur Flucht oder zu den Waffen, nahmen sie fest und führten sie, ohne sie noch eines Blickes zu würdigen, in die Kulisse ab, während der Vorhang fiel.
Als er aber dann zum Applaus wieder hochging, kamen die besiegten Machthaber schon Hand in Hand mit den neuen Siegern zurück, und alle verneigten sich artig vor dem Publikum, das ihnen zurief und wie von allen guten Geistern verlassen Beifall klatschte.
(Erich Fried [1921-1988], aus: "Fast alles Mögliche", Berlin 1975)
Anmerkung: Wenn es nicht so bitterernst wäre, müsste man über Frieds hübschen Theatervergleich schallend lachen. So aber bleibt nicht viel mehr als schnöde, lähmende Ohnmacht - gerade angesichts der zurückliegenden Jahrhunderte ohne wesentliche Veränderungen dieses absurden, ständig wiederholten Schauspiels, das freilich nicht nur das immer wiederkehrende Wahltheater, sondern genauso auch anders herbeigeführte "Wechsel" - also Revolutionen - abdeckt. - Um die Zeichnung unten noch etwas deutlicher (und wahrhafter) zu machen, müsste man zum Thema "Wahl" allerdings das Wort "Kampf" durch "Schaukampf" und das Wort "Ausschlafen" durch "Ausplündern" ersetzen.
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Die Neugewählten

"Das war ein harter Kampf, Herr Kollege ... aber jetzt haben wir ja ein paar Jahre Zeit zum Ausschlafen."
(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 11 vom 09.06.1920)
(Hanns Eisler [1898-1962]: Kleine Sinfonie Op. 29 [1931/1932]; Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Hans E. Zimmer)
1. Thema mit Variationen
2. Allegro assai. Sostenuto
3. Invention
4. Allegro

(...) Roland Jahn sprach an anderer Stelle davon, dass "wir alle noch ein bisschen im Nebel stochern" – aber das hinderte die Stiftung ["zur Aufarbeitung der SED-Diktatur"] nicht daran, in einer "Dokumentation zur Haftzwangsarbeit in der DDR" festzustellen, dass "Haftzwangsarbeit ein wesentlicher Teil des Strafsystems" und "der zwangsweise Einsatz von Arbeitskräften eine wesentliche Stütze" [gewesen seien], "um die Produktion in den volkseigenen Betrieben, im Bergbau, der Industrie und der Landwirtschaft sicherzustellen". (...)
Schon ein Blick in das Grundgesetz zeigt, dass im Rechtsstaat BRD alles rechtens zugeht. So heißt es denn auch im Absatz 3 des Artikels 12: "Zwangsarbeit ist nur bei einer gerichtlich angeordneten Freiheitsentziehung zulässig." (...) Aber wenn "Zwangsarbeit" "zulässig" ist, bleibt die Frage, ob sie auch für alle Gefängnisinsassen Pflicht ist? Die Antwort gibt Paragraph 41 des Strafvollzugsgesetzes, in dem es einleitend heißt: "Der Gefangene ist verpflichtet, eine ihm zugewiesene, seinen körperlichen Fähigkeiten angemessene Arbeit, arbeitstherapeutische oder sonstige Beschäftigung auszuüben, zu deren Verrichtung er auf Grund seines körperlichen Zustandes in der Lage ist." Eine Verweigerung der Arbeitspflicht kann zu strengen Disziplinarmaßnahmen führen.
(Weiterlesen)
Anmerkung: Einmal mehr macht sich der deutsche Staat resp. seine Vertretung in Gestalt der "Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur" lächerlich: Zwangsarbeit in der DDR war also "böse", in der BRD hingegen war und ist sie so freiheitlich-demokratisch-voll-in-Ordnung, dass man sie nicht einmal zu erwähnen - geschweige denn in Frage zu stellen - braucht?
Nach meiner bescheidenen Meinung ist Zwangsarbeit in jeder Form scharf zu kritisieren und komplett abzulehnen - sie ist weltweit zu ächten!
Leider ist dem Autor des Textes die kleine Nebensächlichkeit entgangen, dass in Deutschland seit den Hartz-Verwüstungen Menschen gleich millionenfach zur Arbeit gezwungen werden - nämlich von den "Jobcentern". Diese Ämter können Menschen nach Belieben und unter Androhung des sofortigen Entzuges der materiellen Lebensgrundlage (auch für Familienangehörige inkl. Kindern) zu willkürlich auswählbaren "Jobs" zwingen, die zumeist - wie in den Haftanstalten - prekärer Natur sind und selbstverständlich größtenteils keinerlei arbeitsrechtliche Absicherung wie etwa Kündigungsschutz, Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle etc. bieten. Damit hat sich die heutige BRD wiederum stark der DDR angenähert, in der bekanntlich auch eine "Arbeitspflicht" bestand. Vielleicht ist das einer der Gründe, weshalb Merkel sich in diesem "verhartzten", verwüsteten Land so wunderbar wohl fühlt.
Es gab noch einen weiteren deutschen Staat, in dem es vorkam, dass ehemalige Professoren oder Ärzte gezwungen wurden, den Park oder die Straße zu fegen - später waren es dann industrielle und schwerste Bauarbeiten und am Schluss warteten unsägliche Foltern, Hunger und das Massengrab. Alles gesetzlich legitimiert, versteht sich - auch das war schließlich Deutschland.
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Der Diktator

[Prophetische Zeichnung von Albert Burkart [1898-1982], in "Simplicissimus", Heft 42 vom 17.01.1927]
Am 6. Juni 2013 hat ein Abgeordneter des griechischen Parlaments, Mitglied der neofaschistischen Partei "Goldene Morgendämmerung", den Völkermord an den Juden geleugnet. Der Komponist Mikis Theodorakis reagierte darauf mit einem Text, der am 12. Juni 2013 zunächst in der griechischen Tageszeitung Ta Nea veröffentlicht worden ist.
(Weiterlesen)
Anmerkung: In jungen Jahren habe ich die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel besucht – das hat mich damals so dermaßen erschüttert und tief berührt, dass es bis heute nachwirkt. Vielleicht sollte man Menschen wie diesem griechischen Faschisten und anderen "Leugnern" ebenfalls einen Besuch dort nahelegen.
Für Yad Vashem gilt dasselbe wie das, was ein Reporter einmal über die heutige KZ-Gedenkstätte in Auschwitz gesagt hat (laut Gedächtnisprotokoll): "Niemand verlässt diese Gedenkstätte als derselbe Mensch, als der er gekommen ist."
Und jede/r, wirklich jede/r sollte die Dokumentation “Nacht und Nebel” von Alain Resnais (aus dem Jahr 1955), mit Texten von Jean Cayrol, übersetzt von Paul Celan, und Musik von Hanns Eisler, gesehen haben. Der Schlusskomentar aus dieser Doku lautet wie folgt:
"Wer von uns wacht hier und warnt uns, wenn die neuen Henker kommen? Haben sie wirklich ein anderes Gesicht als wir? Irgendwo gibt es noch Kapos, die Glück hatten, Prominente, für die sich wieder Verwendung fand, Denunzianten, die unerkannt blieben; gibt es noch all jene, die nie daran glauben wollten – oder nur von Zeit zu Zeit.
Und es gibt uns, die wir beim Anblick dieser Trümmer aufrichtig glauben, der Rassenwahn sei für immer darunter begraben, uns, die wir dieses Bild entschwinden sehen und tun, als schöpften wir neue Hoffnung, als glaubten wir wirklich, dass all das nur EINER Zeit und nur EINEM Land angehört, uns, die wir vorbeisehen an den Dingen neben uns und nicht hören, dass der Schrei nicht verstummt."

In den Lebensmittelskandalen der letzten Monate wird nur auf besondere Weise sichtbar, wie der Nahrungsmittelmarkt im Spätkapitalismus funktioniert. (...)
Spätestens wenn die nächsten ekligen Schweinereien, die uns die Lebensmittelindustrie auftischt, infolge medialer Abnutzungseffekte keine größere Empörung mehr auslösen, werden wir anfangen, mit der permanenten Lebensmittelkrise als einer Normalität zu leben – bis wir an der schleichenden Vergiftung zugrunde gehen, der wir im Spätkapitalismus unausweichlich ausgesetzt sind. (...)
Welche Bedeutung der Verbraucherschutz für die derzeitige Bundesregierung hat, lässt sich etwa am Wahlkampfprogramm der CDU von 2005 ablesen, in dem die gänzliche Abschaffung der staatlichen Lebensmittelkontrollen gefordert wurde, um so die "Verantwortlichkeiten nicht zu verwischen" und die "Eigenmotivation" in der Branche aufrechtzuerhalten. (...)
Selbstverständlich sind landesweite oder internationale Lebensmittelskandale nicht neu; sie sind so alt wie die Lebensmittelindustrie, die seit den fünfziger Jahren die Landwirtschaft industrialisiert und entlang der Verwertungszwänge des Agrarkapitals transformiert hat. In der gegenwärtigen Systemkrise spitzen sich diese systemisch bedingten Defizite und Instabilitäten der kapitalistischen Agrarwirtschaft aber weiter zu, während die Sicherungssysteme erodieren.
(Weiterlesen)
Anmerkung: Tomasz Konicz arbeitet in diesem exzellenten Artikel nachvollziehbar die systemisch bedingte (Un-)Logik des Kapitalismus' heraus, die zwangsweise in immer minderwertigeren, zunehmend auch ungenießbaren und gesundheitsgefährdenden - um nicht zu sagen: giftigen - Nahrungsmitteln enden muss. Anhand dieses Textes kann wirklich jeder verstehen, wieso Lebensmittelskandale keine Skandale, sondern systembedingte Selbstverständlichkeiten sind, die weder überraschen dürfen, noch im Rahmen dieses Systems tatsächlich und nachhaltig aus der Welt geschafft werden können.
Es ist so simpel wie uralt: Wer sich einigermaßen gesund und bewusst ernähren will, darf nicht im Kapitalismus leben - denn die dort angebotenen Produkte bieten im Rahmen des Systems immer nur das Minderwertigste an, das sich zu einem möglichst hohen Preis gerade noch verkaufen lässt. Dass dieses System - bei zudem kaum mehr stattfindenden staatlichen Kontrollen und lächerlichen Strafen im "Entdeckungsfalle" - nur allzu anfällig ist für kriminelle Machenschaften, wodurch Abfälle und Gifte in die Nahrung gemischt werden, kann nun nicht einmal mehr Vollidioten überraschen.
Auch der gesamte Bio-Wahn, der das Land durchzieht, ist denselben kapitalistischen Kriterien unterworfen. Auch bei "Bio" gilt im Kapitalismus: Setze als Anbieter so wenig Geld wie nur irgend möglich ein und kassiere so viel wie möglich. Dass dieses absurde Prinzip niemals zu einer guten, ausgewogenen, gesunden, ökologisch sinnvollen oder gar nachhaltigen Ernährung - vom Tierschutz will ich in diesem Zusammenhang besser gar nicht erst reden - einen Beitrag leisten kann, sollte doch auch dem letzten marktgläubigen Vollhorst noch einleuchten. Das marktwirtschaftliche Label "Bio" ist nichts weiter als das im Kapitalismus übliche "Premium"-Label, das (zum Teil erheblich) teurer ist als der Rest, im Grunde aber denselben Müll zum Inhalt hat wie das "Angebot" für das gemeine Volk. Dass dieses finanziell begründete Mehrklassensystem ohnehin aufs Schärfste zu verurteilen ist - das ist nun wirklich nicht auf Nahrungsmittel begrenzt -, steht auf einem anderen Blatt.
Wenn wir uns gesund und vernünftig ernähren wollen, müssen wir dieses groteske Wirtschaftssystem vollkommen auf den Kopf stellen - oder zu Selbstversorgern werden. Letzteres ist angesichts der vom Kapitalismus verursachten globalen Naturschädigungen aber so gut wie aussichtslos, denn der Dreck bleibt in der Nahrungskette und in der Umwelt, auch wenn wir selber zu Ziegenhirten, Fischern oder Gemüsebauern werden.
Auch aus dem Fiasko des Nahrungsmitteldrecks, der uns von diesen schmierigen Konzernen dargeboten wird, folgt also nur eines: Wir brauchen eine Revolution. - Im illustren Kontrast dazu dokumentiere ich hier mal einen Dialog, den ich anlässlich eines leider notwendigen Besuches in einem Supermarkt vor einigen Tagen mitbekommen habe:
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Person 1: Die Hühnerbrust ist ja heute im Angebot, da nehme ich mal ein paar mehr mit und friere die ein.
Person 2: Die gibt es doch auch eingefroren, wieso nehmen Sie denn die nicht, die ist doch billiger?
Person 1: Das ist doch viel frischer, wenn ich die selber einfriere! Und das ist auch viel gesünder, wissen Sie ...
Person 2: Ja, da haben Sie natürlich recht.
(Ich stand daneben, glotzte wie eine explodierende Supernova und dachte: "Herr, auch wenn es dich nicht gibt, warum erlöst du mich nicht aus diesem endlosen, sinnfreien Elend?", dann kaufte ich drei Flaschen Billig-Korn und versank im hirnlosen Nirwana - also in der Alltagswelt dieses Landes.)
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Die hohen Preise

"Lasst die Fliege nicht aus dem Zimmer, Kinner! Se hat Kunsthonig an die Beene!"
(Zeichnung von Rudolf Grieß [1863-1949], in "Simplicissimus", Heft 27 vom 01.10.1920)
Die alte Frage, ob der Mensch gut sei oder schlecht, lässt sich mindestens insoweit beantworten, als er unter dem Regime von Haben und Nichthaben, von Macht und Ohnmacht dazu neigt, ein Monster, eine Drecksau, eine Schande fürs Universum zu sein.
(Stefan Gärtner in seiner aktuellen Kolumne in der Titanic Online: "Eigentum vernichtet")
Anmerkung: Wie immer hat der Gärtner sich hier selbst übertroffen und einen Text verfasst, der tief, ganz tief unter die Haut geht. Er zitiert dabei aus einer Reportage aus dem Magazin der Süddeutschen ("Im Reich des Todes" von Michael Obert, aus Heft 29), die online leider (noch?) nicht frei verfügbar ist. Sollte der Text in den nächsten Tagen oder Wochen doch noch freigeschaltet werden, solltet ihr ihn unbedingt lesen. Die Passagen, die Gärtner zitiert hat, haben mein Blut gefrieren lassen - und das trotz der ekeligen Hitze zur Zeit.

Ein Unbekannter verbreitet über Jahre Angst und Schrecken auf deutschen Straßen. Er schießt hundertfach bevorzugt auf fahrende Lastkraftwagen. Nun haben die Ermittler den mutmaßlichen Täter gefasst - dank verdeckter Lesegeräte für Kennzeichen an Autobahnen.
(...) Deswegen habe man sich zu einer großangelegten Datenerhebung entschieden. / An strategischen Stellen auf den betroffenen Autobahnabschnitten positionierte ein Einsatzkommando verdeckte Kennzeichenlesegeräte, berichtete der Südwestrundfunk. Diese zeichneten massenhaft Daten auf. Nach einem neuen Anschlag wurden demnach die gespeicherten Daten mit der Fahrtroute des beschossenen Lkw abgeglichen. Auch Verbindungsdaten von Mobilfunkmasten nahe der Strecken wurden verwendet (...).
(Weiterlesen - aber nur mit eingeschaltetem Hirn)
Anmerkung: Und wieder einmal müssen "Angst und Schrecken" dafür herhalten, eine groß angelegte Totalüberwachung und "massenhaft aufgezeichnete Daten" im Nachhinein zu rechtfertigen. Ich will den konkreten Fall gar nicht weiter bewerten und verkneife mir auch jede Bemerkung über eine eventuelle "Inszenierung" oder Instrumentalisierung - da soll einjede/r die eigenen grauen Zellen bemühen. Wir dürfen aber davon ausgehen, dass es nicht mehr allzu lange dauern wird, bis eine lückenlose und flächendeckende Totalüberwachung des Autobahnverkehrs in diesem Land zur Normalität geworden ist - und der hier beschriebene Fall wird dafür sicherlich als schlagkräftige Begründung dienlich sein.
Wir erinnern uns: Im März 2008 hat das Bundesverfassungsgericht die anlasslose Totalüberwachung von KFZ-Kennzeichen für verfassungswidrig erklärt. Dennoch hielten sich nicht alle Bundesländer (Bayern, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Baden-Württemberg) daran und überwachten und speicherten fleißig weiter. Seitdem ist es auf medialer Ebene relativ still um das Thema geworden. Weiterhin ist nicht öffentlich bekannt, was mit den gespeicherten "massenhaften Daten" geschah und geschieht und inwieweit sie polizeilich - und weiterhin verfassungswidrig - genutzt wurden und werden. Das gilt gleichermaßen für Datenerfassungen, die, wie im obigen Fall, an einen konkreten polizeilichen Fall gebunden sind (also "anlassbezogen" erhoben wurden und damit nicht mehr unter das Verbot des Verfassungsgerichtes fallen) - auch wenn es nach wie vor grotesk ist, schlichtweg alle Menschen zu überwachen, um eine Einzelperson ausfindig zu machen. Niemand, der mit dem Auto durch diese Republik fährt, kann noch sicher sein, dass nicht in irgendeiner Datenbank genauestens gepeichert und abrufbar ist, wann er wo gewesen ist - und wie und von wem diese Informationen genutzt werden.
Ebenso sollte sich niemand in diesem verkommenen Staat der albernen Illusion hingeben, die Totalüberwachung beträfe "nur" das Internet und die telefonische Kommunikation. Die korrupte Bande ist viel, viel weiter - und die letzte Instanz, die uns BürgerInnen noch vor der auch offiziellen Totalüberwachung rudimentär schützt, ist das Bundesverfassungsgericht. Es gehört nicht sonderlich viel Fantasie dazu, sich eine nahe Zukunft auszumalen, in der auch dieser kärgliche letzte Damm, der auch heute schon allzu oft einfach missachtet wird, bricht.
