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Anmerkung: In dieser Dokumentation von Michael Kloft wird größtenteils aus der zwischen 1933 und 1945 in der Reichskanzlei eingegangenen "Fanpost" zitiert, die hunderttausende von Menschen in diesem Zeitraum an Hitler geschickt haben und die erst vor kurzem in einem russischen Archiv wiederentdeckt worden ist, wo sie nach der Beschlagnahmung durch die russische Armee nach dem Kriegsende in Vergessenheit geraten ist. Wer starke Nerven hat und etwas besser verstehen möchte, wieso eine solche widerwärtige, niederträchtige Ideologie damals solche Triumphe feiern konnte, sollte sich diesen Film ansehen und die unfassbaren Zitate, die aus allen Teilen der damaligen Bevölkerung stammen, verinnerlichen.
Dabei kommen auch damals durchaus einflussreiche Personen zu Wort - führende Vertreter der Kirchen sind beispielsweise ebenso darunter wie Unternehmer, Schriftsteller, Adelige, Schauspieler und viele, viele andere. Die oftmals fanatisch-religiös überhöhte Begeisterung für den Faschismus und die Person Hitlers schreit dabei in schrillen Tönen aus allen Worten. Das infantile Knopp-Märchen vom "irregeleiteten", "verblendeten" oder gar "verführten" Volk, das den ganzen braunen Wahnsinn "eigentlich gar nicht wollte", zerbröselt hier innerhalb von Minuten zu inhaltsleerer Asche.
Und wer meint, heute sei das ja ganz anders und die deutsche Bevölkerung sei längst im Land der "freiheitlich-demokratischen" Toleranz angekommen, sollte einen Blick in die Kommentarspalten der BLÖD-"Zeitung" oder ähnlicher Hetzblätter werfen - die Parallelen sind nicht nur erschreckend, sondern evident. Der Faschismus steht längst wieder geifernd vor unserer Tür und hat sogar seinen Fuß in die Stube gesetzt - und er ist drauf und dran, munter einzutreten und wieder einmal seine giftigen Messer kreisen zu lassen. Und die korrupten Schlips-Borg in der Politik und der Wirtschaft ebnen dem Monstrum einmal mehr den Weg und hofieren und bedienen es unablässig. Ich möchte lieber gar nicht wissen, wie die heutige "Fanpost" für das Merkelmonster oder andere Erfüllungsgehilfen der kapitalistischen Brut aussieht und wer da alles für den Erhalt des eigenen Wohlstandes zum Abschuss freigegeben werden soll ...

Es begann unmerklich. Orthez stockte der Atem. Die Stille löste sich auf, zerfiel, zerbröckelte. Winzige Geräuschfetzen überlagerten sich, bis sie einen einzigen Ton bildeten, der am Rand der Stadt widerhallte. Und allmählich wurde dieses Geräusch zum Schlurfen von Millionen Raupen, zum dumpfen Trippeln einer Horde Ratten, zum unterirdischen Wühlen einer Armee von Maulwürfen.
Es erreichte die Nachbarstraßen, kam näher, breitete sich aus, weckte das Echo zwischen den Fassaden der leeren Häuser. Es schwoll unaufhörlich an, erschütterte die Grundmauern des Hauses, ließ die Scheiben der Fenster klirren. Orthez wusste, was dies bedeutete: er war verurteilt. Verurteilt wie vor ihm die anderen Bewohner der Stadt. Aber er floh nicht.
Die Treppe erzitterte. Der Lärm wurde zum Tumult. Hinter der Tür war ein Scharren zu hören, wie das Kratzen von Krallen. Einige Schritte entfernt splitterte die Tür.
(Alain Dorémieux [1933-1998]: "Welche Katastrophe?", aus seinem Erzählband "Spaziergänge am Rande des Abgrunds", 1978; deutsche Übersetzung von Helga Abret, 1981)
Anmerkung: Der Klappentext des Buches erklärt dazu: "So endet Orthez, der letzte Mensch, in Alain Dorémieux' Erzählung 'Welche Katastrophe'. Hier, wie in seinem gesamten Schaffen, vermittelt der Autor auf besondere Weise die Atmosphäre des Unheimlichen und Bedrohlichen, kommt seine Neigung zum Absurd-Phantastischen zum Vorschein - eingebettet in die stets wiederkehrende Thematik des Weltuntergangs, der Vernichtung allen Lebens durch einen unsichtbaren Feind. Sein schmales, aber gewichtiges Werk weist Alain Dorémieux - neben Daniel Walter und Michel Jeury - als einen der bemerkenswertesten Stilisten der französischen Science Fiction aus."
Ich hätte allzu gerne den gesamten Text dieser Geschichte - und noch so manchen anderen aus diesem bemerkenswerten, fesselnden Band - hier eingestellt, darf das aus bekannten Copyright-Bullshit-Gründen aber nicht, auch wenn das Buch aktuell gar nicht mehr verlegt und höchstens noch antiquarisch zu bekommen ist. Ich habe selten Kurzgeschichten gelesen, die eine solche stilistisch-atmosphärische Dichte und oft genug geradezu kafkaeske Bedrückung besitzen wie diese. Der Klappentext des Verlages ist da - wie so oft - äußerst ungenau und oberflächlich, denn auch wenn der "Feind", also die Ursache des allgegenwärtigen Unheils, in den Texten nicht konkret benannt wird, so wird er doch zwischen den Zeilen in seiner abgrundtiefen Hässlichkeit nur allzu deutlich sichtbar.
Vor 35 Jahren war das "Science Fiction" - heute ist dieses Szenario unserer alltäglichen Realität näher, als dies den allermeisten bewusst sein dürfte. Wie Dorémieux so treffend formuliert: "Es begann unmerklich." Heute lassen sich die unaufhaltsam näher kommenden Detonationen der kapitalistischen Zerstörungsorgie eigentlich nicht mehr ignorieren - auch wenn der Großteil der bedrohten Menschen unter fleißiger Mithilfe der Propagandamedien und der politischen Eigennutzmehrer das auch weiterhin tut oder sich wahlweise auf unbeteiligte und unschuldige (möglichst schwache) Ersatzgegner hetzen lässt. Ebenso wie der Protagonist dieser Geschichte erkennen die allermeisten Menschen bis kurz vor dem Ende oder sogar darüber hinaus nicht einmal, was gespielt wird - der Titel der Geschichte, die die stattfindende Katastrophe in vielen Facetten recht detailreich beschreibt, könnte also treffender kaum sein: "Welche Katastrophe?"

(Icon & The Black Roses: "Wings of a Dreamer", aus dem Album "Thorns", 2013)
Do you light a smile
When it hurts the most
And why do you seem to thrive
On the angst you put me through
With you there's no future (at least not for me)
You make me a different man (maybe so much weaker)
All my childhood dreams will never be destroyed by your ruthless mind
I close my eyes and step to the endless fall
While you break the wings of a dreamer
Held onto your arms while I was pushed
Into the endless fall (I can't forget)
You're staring back at me
Killing me slowly
Once you were so kind
Once you believed in the future
Held the best for both of us and I believed in you
Somehow you lost those feelings (that made you different)
Something I couldn't fight (not that I hadn't tried to)
I tried to bring you back to life from hell and you came wielding a scythe
This can't be you
Who are you?
I close my eyes and step to the endless fall
While you break the wings of a dreamer
Held onto your arms while I was pushed
Into the endless fall (I can't forget)
You're staring back at me
Killing me slowly
Kill me
Don't inflict this pain in vain
A desert lies where all hope was once a leafless tree
Too strong to fall on its own
Finish what you have begun
When all love inside has died
Like a river dried no longer runs
No love, no love, no love
Tell me, who will pray?
'Cause tonight the angels fall
While you break the wings of a dreamer
Held onto your arms
My arms while you were sucked
Into the endless fall (I can't forget)
You're staring back at me
Drowning slowly
You're staring back at me
Drowning slowly
Wings of a dreamer

Anmerkung: Du weißt, dass Du in der Endphase eines kapitalistischen Zyklus' lebst, wenn selbst das Propagandafernsehen, das am grassierenden Eso-Wahn einen nicht unerheblichen Anteil hat, gelegentlich solche Dokumentationen zeigt - auch wenn hier wie üblich nur die Oberfläche angekratzt und die schauderhafte Tiefe dieses Themas gar nicht ausgelotet wird. Einen weitaus besseren und detailreicheren Überblick bietet beispielsweise das Buch "Die Renaissance der Esoterik. Eine kritische Orientierung" von Jörg Wichmann, der die grotesken Auswüchse bereits 1990 fundiert beschrieben und vorgezeichnet hat. Wichmann entlarvt in diesem Buch auch die bis heute immer wieder gerne verwendeten und gebetsmühlenartig wiederholten Nebelkerzen, dass es irgendeinen substanziellen Unterschied zwischen Religion, Esoterik und Spiritualität gebe, als blanken Unsinn - allein aus diesem Grund sollte das Buch schon zur Pflichtlektüre an Schulen werden.
Das Thema ist nun beileibe nicht neu: Es war auch in der Vergangenheit stets so, dass esoterischer Mumpitz immer dann einen verstärkten Zulauf erfahren hat, wenn die furchtbare kapitalistische Welt sich immer bedrohlicher gezeigt hat. Je "alternativloser" das furchtbare System sich gegeben hat, desto stärker war der Zulauf zur Esoterik. Die auf einen "Bewusstseinssprung" hoffende Menschheit ist auch heute offenbar noch viel dümmer als feist lachende Superreiche sich das erhoffen.
Die kapitalistischen Trittbrettfahrer, die den Hype nur ausnutzen um Geld zu scheffeln und die den Kern der oben verlinkten Dokumentation ausmachen, sind dabei aber das geringste Problem. Aus psychologischer Sicht muss man hier tatsächlich von einem Wahn sprechen, wenn die offensichtlichen, tatsächlichen Ursachen der zunehmenden Verelendung der Menschheit gar nicht mehr als alleinige Ursachen erkannt und die Lösungswege entsprechend abstrus werden. Die in der Doku vorgestellten Personen, die den Halsabschneidern auf den Leim gegangen sind, illustrieren das ja anschaulich: Solche Leute führen ein so abgehobenes, realitätsfernes Leben im Wahn, dass ihnen sogar in der Rückschau nicht der naheliegende Gedanke einfällt, dass der ganze esoterische Mist nichts, aber auch gar nichts mit den Problemen, die sie in diese Scheinwelt getrieben haben, zu tun hat. Von Verrückten, die nach einem "höheren Bewusstsein" suchen, darf man offensichtlich keine Empathie oder gar Solidarität mit anderen, benachteiligten Menschen erwarten - der von der dem Wahn verfallenen Frau verlassene Mann in der Doku bringt das auf den Punkt, wenn er sinngemäß bemerkt, dass er laut seiner Frau "Sicherheit und Geborgenheit nicht mehr in der Beziehung, sondern nur in sich selbst" finden könne.
Hier treffen wir - oh, welch Wunder - auch wieder auf das Credo der Neoliberallalas: "Wenn alle nur an sich selber denken, ist doch an alle gedacht!" - Und so erklärt sich auch, wieso Religion, Esoterik und Spiritualität im kapitalistischen System so wunderbar funktionieren und gedeihen. Gleich und gleich gesellt sich gern, sagt der Volksmund - und nie war es treffender als hier.
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Der letzte Halt

"Ich glaube nicht mehr an Gott, ich glaube nicht mehr an die Menschen - und jetzt wollen Sie mir auch noch die Karten verekeln!"
(Zeichnung von Olaf Gulbransson [1873-1958], in "Simplicissimus", Heft 44 vom 31.01.1923)
1. Ausgangslage samt ersten Reaktionen:
Artgerecht ist nur die Freiheit / Ungefähr sieben Millionen Vegetarier gibt es in Deutschland. Viele davon wollen mit ihrer Entscheidung die Massenhaltung und das Töten von Tieren nicht länger unterstützen. Aber auch hinter fleischloser Kost wie Milch, Käse und Eiern verbirgt sich Tierleid in riesigem Ausmaß.
(Weiterlesen)
2. Resümee:
Lieber Roland,
einmal mehr irrst Du dich leider – auch durch eine neuerliche Verlinkung Deiner Texte über die “besseren Sozialisten” wird der Inhalt nicht plausibler oder weniger schlimm. Das genaue Gegenteil ist ja der Fall: Mich stören weniger die ständigen Missionierungsversuche in dieser Richtung (auch wenn sie zweifelsohne lästig und überflüssig sind), sondern vielmehr diese furchtbare Form der Sektiererei, die das Thema hier angenommen hat. Du formulierst das etwas gediegener und verklausulierter, Häuptling leichenfressende Eule tut das ganz offen und eben auch offensichtlich menschenfeindlich, indem er Menschen in verschiedene “Klassen” einteilt, von denen die einen “wertvoller” seien als andere – es bleibt aber gruseliges Sektierertum, und so etwas muss ich aus tiefster Überzeugung ablehnen und scharf verurteilen.
Auch ist es keineswegs so, dass dieses extreme Thema irgendeine bedeutende Relevanz innerhalb der linken Philosophie bzw. Weltsicht hätte – es war, ist und bleibt zunächst eine Randnotiz, über die man sich auf einer neutralen Ebene durchaus konstruktiv austauschen kann (was gerade hier aber nicht geschieht), ansonsten aber keinerlei Bedeutung hat. Dass Du zu diesem Thema ausgerechnet auf diesen infantilen Text aus dem Eso-Dunstkreis verlinkt hast, spricht da ja schon Bände.
Ich schrieb schon an anderer Stelle, dass ich mich hier keineswegs mit dem Anspruch zu Wort melde, die UrheberInnen dieser sektiererischen Tendenzen von der Schändlichkeit ihres Tuns “überzeugen” zu können – genausogut könnte ich auch mit Merkel über Humanismus oder mit Gabriel über die Ursprünge der Sozialdemokratie diskutieren wollen: Das unvermeidliche Scheitern läge bereits in der Absichtserklärung vergraben. Ich hoffe vielmehr, dass andere, vielleicht in mancher Hinsicht noch unbedarftere Mitlesende nicht dem irrigen Eindruck verfallen, derlei extreme Haltungen hätten irgendetwas Substanzielles mit linkem Gedankengut zu tun. Sektierertum und Sozialismus sind (glücklicherweise!) einander ausschließende Begriffe.
Mir persönlich geht es im Übrigen gar nicht um Fleischkonsum – ich selbst esse nur recht selten Fleisch und bewege mich in einem sozialen Umfeld, in dem Vegetarier, Veganer und Fleischesser auf Augenhöhe und völlig entspannt miteinander umgehen. In der beginnenden Grillsaison werden wir gewiss wieder oft im Garten beieinander sitzen und unsere jeweiligen Lieblingsspeisen – egal ob Fleisch, vegetarisch oder vegan – auf ein- und demselben Grill zubereiten.
Wer als Vegetarier, Veganer oder Fleischesser leben will, soll das bitte tun – der Kampf muss doch den kapitalistischen Auswüchsen gelten, die sowohl die Tierhaltung, als auch die Produktion von Getreide, Gemüse und Früchten betrifft.
Dieses "Schlachtfeld" ist ein alberner Nebenschauplatz, der sichtlich erfolgreich von den wirklich zu bekämpfenden Ursachen ablenkt, Kräfte bindet und so letzlich nur einer Seite nützt – nämlich den Kapitalisten.
Wir sind hier nicht auf dem Ponyhof – sondern "wir stecken bis zum Hals im Kapitalismus" (Heiner Müller)!
Liebe Grüße!
3. Anmerkung:
Und wenn sie nicht gestorben sind, missionieren sie eifrig weiter und diskutieren noch heute darüber, ob das Haar in der Suppe dieselbe nun bis ins Mark versaut oder ob derlei Kleinkram vielleicht doch eher zunächst zu vernachlässigen sei. Derweil ist die gruselige kapitalistische Realität schon erfolgreich im übernächsten Kapitel angekommen und hat den Orwell-Alptraum schon fast gänzlich in die Tat umgesetzt.
Wir lernen also: Solange wir uns noch nicht über die Art und Konsistenz der Zahnfüllungen von Kängurus einig geworden sind, solange können wir auch nichts gegen den Kapitalismus tun. Also diskutieren wir als nächstes doch vielleicht über die frauenfeindliche Tradition, dass Kanonen, Pistolen und Gewehre in unserer furchtbaren Sprache tatsächlich feminin sind, während ausgerechnet der Friede dem bösen Maskulinen zugeordnet ist. Die Menschheit entwickelt sich stetig weiter - der Sprung zur hyperintelligenten "Superspezies" ist tatsächlich nur noch einen Atombombenwurf entfernt.
Oder müsste es nicht eher "eine Atombombenwürfin" heißen? - Ich bin wohl etwas verwirrt. Nebenschauplätze sind etwas so Wundervolles, Zartes für Kapitalisten.
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[Ein weiterer Nebenschauplatz: Pornographie]
Entgötterte Welt

"Amor ist tot. Es lebe das Schwein!"
(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 1 vom 01.04.1921)
Mehr Jodtabletten, mehr Evakuierungen: Bund, Länder und Experten wollen Lehren aus der Fukushima-Katastrophe ziehen und sich besser gegen mögliche Atomunfälle wappnen. Die Umweltministerin will die Pläne europaweit vereinheitlichen.
(Weiterlesen)
Anmerkung: Diesen Propagandatext sollten sich wirklich alle durchlesen, die auch nur einen einzigen Moment daran geglaubt haben, dass die neoliberale Bande ernsthaft vorhat, dauerhaft und umfänglich auf den Wahnsinn der Atomkraftwerke zu verzichten. Dass es keinen "Atomausstieg" gibt, sondern lediglich eine in die ferne Zukunft verschobene politische Absichtserklärung, dürfte inzwischen ja jedem bekannt sein - diese hochalbernen Pläne der NRW-"Umweltministerin" Hendricks (SPD) zeigen darüber hinaus deutlich, dass selbstverständlich keinerlei "Lehren" aus der Fukushima-Katastrophe gezogen werden, sondern dass statt dessen einmal mehr politischer Aktionismus ohne Sinn und Verstand darüber hinwegtäuschen soll, dass die Verantwortlichen nicht den Hauch einer Ahnung haben, was im Falle eines "Super-GAUS" zu tun ist. Die "Maßnahmen" gleichen den irrsinnigen Empfehlungen aus den 50er Jahren, im Falle einer Atombombenexplosion in der näheren Umgebung unter einen Tisch zu kriechen und sich einen Aktenkoffer über den Kopf zu halten.
Diese Leute wissen sehr genau, dass sie im Falle einer Katastrophe ebenso hilf- und machtlos wären wie das in Japan offensichtlich geworden ist. Die einzig logische Konsequenz daraus - also den sofortigen und unwiderruflichen Ausstieg aus dieser katastrophalen Technologie - ziehen sie jedoch weiterhin nicht. Statt dessen schwadronieren sie über "Jodtabletten" und Kilometergrenzen, die gezogen werden sollten, falls die Katastrophe eintritt - so als sei es auch nur in einem Ammenmärchen vorstellbar, eine Großstadt wie beispielsweise Aachen samt allen angrenzenden Regionen zeitnah komplett zu evakuieren, wenn das nahegelegene Atomkraftwerk in die Luft fliegt. Einen solchen Unsinn können sich nur korrupte Politiker ausdenken - und nur Propagandisten können ihn unkritisch verbreiten.
Beim Thema "Abschalten von Atomkraftwerken" sollte man auch stets im Hinterkopf behalten (was Politik und Propaganda uns liebend gerne verschweigen): Ein Atomkraftwerk kann man nicht "abschalten". Wenn dieser Begriff in den Medien gebraucht wird, ist damit schlicht gemeint, dass das Werk die weiterhin stattfindene Erwärmung der Brennstäbe nicht mehr zur Stromerzeugung benutzt. Einen "Knopf" zum "Abschalten" gibt es da nicht, und solange das radioaktive Material sich dort befindet, ist jedes Atomkraftwerk - egal ob "abgeschaltet" oder nicht - ganz genauso gefährlich wie es das auch zuvor stets gewesen ist.
Ich weiß nicht, wie diese Bande es noch deutlicher machen könnte, dass ihr das Wohl der Menschen am Anus vorbeigeht - hier geht es, wie immer in dieser perversen Welt, schlicht um die weitere Bereicherung der "Elite" - so schnöde und gruselig sich das auch lesen mag. Oder fällt jemandem ein anderer, plausibler Grund ein, weshalb diese Leute allen Ernstes über die Verteilung von Jodtabletten nachdenken, anstatt den Irrsinn sofort zu stoppen?
Solange es um Geld geht, geht es nicht um Menschen. So einfach ist das.
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(Der Song beginnt bei Minute 23:21 - bei Problemen einfach hier klicken.)
(Asia: "After The War", aus dem Album "Astra", 1985)
For those that are able to go underground
Missiles disenable, they hit faster then sound
They're coming and you have no choice
The helpless with one human voice
You will categorically say:
"This underdog will have his day ..."
One more dead is one more
Than it ought to be, a travesty.
One more missed will be kissed
To eternity or purgatory ...
AFTER THE WAR
Red button he's pressing but he knows not why
He's programming orders, war lights up the sky
He's on the hot-line tonight
His mind is high as a kite
His fingers decide wrong or right -
This man has it all in his sights ...
Used as tools to believe in autonomy
Minorities are no more
Men are fools, one last cry to humanity
No sanity anymore
AFTER THE WAR
On my arm a tattoo for my sons to be
That numbers you and me
There's a scar on my face
That is photographed for all to see ...
AFTER THE WAR

's ist Krieg!
Die fetten Hände behaglich verschränkt
vorn über der bauchigen Weste,
steht einer am Lager und lächelt und denkt:
"'s ist Krieg! Das ist doch das beste!
Das Leder geräumt, und der Friede ist weit.
Jetzt mach' ich in anderen Chosen –
Noch ist die blühende, goldene Zeit!
Noch sind die Tage der Rosen!"
Franz von der Vaterlandspartei
klatscht Bravo! zu donnernden Reden.
Ein ganzer Held – stets ist er dabei,
wenn sich Sprecher im Saale befehden.
Die Bezüge vom Staat, die Nahrung all right –
lass Stürme donnern und tosen –
Noch ist die blühende, goldene Zeit!
Noch sind die Tage der Rosen!
Tage der Rosen! Regierte sich je
so leicht und bequem wie heute?
Wir haben das Prae und das Portepee
und beherrschen geduckte Leute.
Wir denken an Frieden voll Ängstlichkeit
mit leider gefüllten Hosen –
Noch ...
Noch ist die goldene, die blühende Zeit!
Noch sind die Tage der Rosen!
(Kaspar Hauser alias Kurt Tucholsky [1890-1935], in "Die Weltbühne", Nr. 32 v. 31.07.1919)
---
Krieg dem Kriege
Sie lagen vier Jahre im Schützengraben.
Zeit, große Zeit!
Sie froren und waren verlaust und haben
daheim eine Frau und zwei kleine Knaben,
weit, weit -!
Und keiner, der ihnen die Wahrheit sagt.
Und keiner, der aufzubegehren wagt.
Monat um Monat, Jahr um Jahr ...
Und wenn mal einer auf Urlaub war,
sah er zu Hause die dicken Bäuche.
Und es fraßen dort um sich wie eine Seuche
der Tanz, die Gier, das Schiebergeschäft.
Und die Horde alldeutscher Skribenten kläfft:
"Krieg! Krieg!
Großer Sieg!
Sieg in Albanien und Sieg in Flandern!"
Und es starben die andern, die andern, die andern ...
Sie sahen die Kameraden fallen.
Das war das Schicksal bei fast allen:
Verwundung, Qual wie ein Tier, und Tod.
Ein kleiner Fleck, schmutzigrot -
und man trug sie fort und scharrte sie ein.
Wer wird wohl der nächste sein?
Und ein Schrei von Millionen stieg auf zu den Sternen.
Werden die Menschen es niemals lernen?
Gibt es ein Ding, um das es sich lohnt?
Wer ist das, der da oben thront,
von oben bis unten bespickt mit Orden,
und nur immer befiehlt: Morden! Morden! -
Blut und zermalmte Knochen und Dreck ...
Und dann hieß es plötzlich, das Schiff sei leck.
Der Kapitän hat den Abschied genommen
und ist etwas plötzlich von dannen geschwommen.
Ratlos stehen die Feldgrauen da.
Für wen das alles? Pro patria?
Brüder! Brüder! Schließt die Reih'n!
Brüder! Das darf nicht wieder sein!
Geben sie uns den Vernichtungsfrieden,
ist das gleiche Los beschieden
unsern Söhnen und euern Enkeln.
Sollen die wieder blutrot besprenkeln
die Ackergräben, das grüne Gras?
Brüder! Pfeift den Burschen was!
Es darf und soll so nicht weitergehen.
Wir haben alle, alle gesehen,
wohin ein solcher Wahnsinn führt -
Das Feuer brannte, das sie geschürt.
Löscht es aus! Die Imperialisten,
die da drüben bei jenen nisten,
schenken uns wieder Nationalisten.
Und nach abermals zwanzig Jahren
kommen neue Kanonen gefahren. -
Das wäre kein Friede.
Das wäre Wahn.
Der alte Tanz auf dem alten Vulkan.
Du sollst nicht töten! hat einer gesagt.
Und die Menschheit hört's, und die Menschheit klagt.
Will das niemals anders werden?
Krieg dem Kriege!
Und Friede auf Erden.
(Theobald Tiger alias Kurt Tucholsky [1890-1935], in "Ulk", Nr. 24 v. 13.06.1919)
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Der Krieg, wie ich ihn sah

(Zeichnung von Fritz Arnold [1883-1921], in "Simplicissimus", Heft 46 vom 11.02.1919)
Anmerkung: Das erste Gedicht - "'s ist Krieg" - hat Tucholsky schon während des Krieges 1914-18 geschrieben, durfte es damals aber nicht veröffentlichen. Der Titel nimmt Bezug auf das glühend-pazifistische Gedicht "Kriegslied" von Matthias Claudius. Der zweite Text darf also durchaus als "Nachschlag" verstanden werden, als der Autor zu Beginn des ersten Demokratieversuches auf deutschem Boden nach 1918 doch endlich in der Lage war, pazifistische Texte gegen den Kriegswahnsinn publizieren zu können.
Heute verbietet solche Texte niemand mehr - die neoliberale Bande weiß schließlich, dass sie ihre Kriegstreiberei dennoch ungehindert weiter verfolgen kann und mit keiner nennenswerten Gegenwehr mehr zu rechnen braucht. Solange nicht die eigenen Gartenzwerge weggebombt werden, interessiert den deutschen Durchschnittsnarkotisierten heute wie damals nicht, was auch seine "Vertreter" weltweit für Gräueltaten anrichten. All die Appelle und Bekenntnisse wie "Nie wieder Krieg!" sind nur noch ein Treppenwitz der Geschichte - heute greift der moderne Neoliberale längst wieder beherzt zur Waffe, wenn er irgendwo etwas stehlen kann, um sich zu bereichern - und die furchtbare Ideologie ist natürlich längst auch in der Gesellschaft angekommen und hat sich dort festgefressen wie ein übler Parasit, der aus ehemals denkfähigen Individuen egozentrische, habgierige Monster gemacht hat.
Die Wiederholungsschleife nimmt Fahrt auf.
Der Whistleblower Edward Snowden sieht in der Abhöraffäre durch den US-Geheimdienst NSA eine Mitschuld der Bundesregierung. Unter dem Druck der NSA habe die Regierung ein Gesetz aufgeweicht - zum Schaden der Bürger - und deren Ausspähung erleichtert. In einer Antwort auf Fragen des Europaparlaments schreibt Snowden: "Deutschland wurde bedrängt, sein G-10-Gesetz zu ändern, um die NSA zu befriedigen, und hat die verfassungsmäßigen Rechte deutscher Bürger untergraben." Das G-10-Gesetz regelt Eingriffe in die Telekommunikationsfreiheit und das Abhören von Telefonen. / Ähnliche Einflussnahmen habe es auch in Schweden, den Niederlanden und Neuseeland gegeben, schreibt Snowden weiter.
(Weiterlesen)
Anmerkung: Nein, welch eine Überraschung - deutsche Regierungen haben also auf Weisung der USA die deutschen Gesetze so "angepasst", dass den Geheimdiensten das Schnüffeln nicht nur erleichtert, sondern sogar hochoffiziell (wenn auch geheim) "erlaubt" wurde - und das alles natürlich "zum Schaden der Bürger". Es ist gut, dass Snowden das explizit so erwähnt hat - überraschen kann das aber nur Märchengläubige, die seit mindestens 30 Jahren die Augen und Ohren fest verschließen und laut trällernd vor sich hin singen: "La la la - Deutschland ist ein souveräner, freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat", während jeder andere klar erkennen muss, dass in dieser Zeit selbstredend eine umfassende Politik zum nachhaltigen Schaden der BürgerInnen, des Rechts, der Freiheit und der Demokratie betrieben worden ist und auch weiterhin betrieben wird.
Was jeder, der es wissen wollte, schon seit langer Zeit wusste, weiß nun also endlich auch die Tagespropagandashow - und wir fragen uns gespannt, welche weitreichenden Konsequenzen aus dieser furchterregenden Erkenntnis denn nun zu erwarten sind. - Die Antwort ist so nüchtern wie vorhersehbar: Natürlich gar keine. Die Bande wird einfach so weitermachen und massive Schäden anrichten, und die Tagespropagandashow hat ihren eigenen Bericht vom 7. März schon jetzt längst wieder vergessen und wird weiter Propaganda betreiben und der Öffentlichkeit eine "freie Presse", ein "souveränes Land", "demokratische Verhältnisse" und eine Regierung, die selbstverständlich die "Interessen der BürgerInnen" vertritt, vorgaukeln. Das Perfide an der Sache ist nur, dass die narkotisierte Mehrheit der Menschen diesem mehr als absurden Theater wohl auch weiterhin blindlings folgen wird.
Wir haben inzwischen einen Grad der Skandalverzerrung und gleichzeitigen Skandalresistenz erreicht, wie er eigentlich nur in bösartigen Diktaturen möglich ist. Einerseits werden Lächerlichkeiten bis ins Absurde aufgebauscht, die gar keine Skandale sind (Beispiel Edathy, der legale Bilder angeguckt haben soll, dafür aber nachhaltig und umfassend hingerichtet wurde) - und andererseits taucht ein echter Skandal nach dem anderen auf, die allesamt sämtliche Menschen in diesem Land massiv betreffen und eigentlich die Grundfesten des gesamten "freiheitlich-demokratischen" Konstruktes dieses verkommenen Staates zum Einstürzen bringen müssten ... aber nichts geschieht. Das Merkelmonster grinst und sabbert weiter grandiosen Schwachsinn in die Kameras, die Zerstörungen gehen ungehemmt weiter und überall werden parallel wieder einmal die Kriegshörner ausgegraben und man trötet entschlossen und kriegslüstern hinein. Und die "Elite" reibt sich die schmierigen Hände. - Es läuft alles in geordneten, perversen Bahnen.
Ich kann mein Entsetzen nicht mehr bändigen, das mich durchströmt, wenn eine solche Meldung durch den Nachrichtenticker der Medien läuft und man danach wie gewohnt zum Sport und zum Wetter übergeht - und das Land bleibt so ruhig wie zuvor, so als sei über einen Sack Reis aus China berichtet worden und nicht über das Ende des Märchens von der "freiheitlichen Demokratie". Was muss denn bloß geschehen, damit diese Bevölkerung endlich die Schnauze voll hat und die Blutsauger nachhaltig aus dem Land jagt, wie sie das damals in der DDR auch getan hat? Damals war es freilich etwas einfacher, denn die Blutsauger waren größtenteils bekannt und identisch mit den politischen Figuren. Im West-Kapitalismus ist das etwas komplizierter, denn da bleibt die "Elite" unsichtbar und schickt lieber Polit-Marionetten vor. Dieses infantile, dümmliche Szenario reicht aber offenbar schon aus, um die meisten Menschen erfolgreich zu manipulieren. Und das funktioniert offenkundig auch dann immer noch tadellos, wenn die Marionetten sogar von der Propaganda als Laufburschen einer anderen Macht identifiziert worden sind.
Kein satirischer Text könnte eine noch gruseligere Groteske anbieten, die diese verzerrte Realität noch überbietet - wir haben das Orwell'sche Endstadium offenkundig längst erreicht.
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Der letzte Demokrat

"Der liebste Platz, den ich auf Erden hab', das ist die Rasenbank am Elterngrab."
(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 27 vom 05.10.1931)
(Anathema: "A Dying Wish", aus dem Album "The Silent Enigma", 1995)
I bear the seed of ruin
A golden age turned to stone
Elysium ... to dust
For this, a tragic journey
A vision of a dying embrace
Scattered earth
Silence ...
Where Echonia wept
I sank into the silent desert
Fallen am I,
In a solitude of a broken promise
... I cried alone
My empyrean is a scar
From the memory of her beautiful life
Forever was her name
Fulfillment lost in a lifetime of regret
Ornate peace would cover me
As I would die now ...
For one last wish

Anmerkung: Es kann angesichts der inflationären Anzahl der veröffentlichten Abgesänge und Untergangshymnen seit mehr als 20 Jahren niemand mehr behaupten, es habe keine Anzeichen oder Warnhinweise gegeben - die Analogie zur ins Nihilistisch-Apokalyptische driftenden Musik, Malerei und Literatur der 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts ist mehr als offensichtlich. Dieses dunkle Stück von Anathema ist prinzipiell nichts anderes als beispielsweise das leider wegweisende, weil allzu prophetische Gedicht "Weltende" von Jakob van Hoddis aus dem Jahr 1911:
Weltende
Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen Lüften hallt es wie Geschrei,
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.
Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.
(Jakob van Hoddis [1887-1942], in: "Der Demokrat", 1911)
Wie damals ignoriert aber auch heute die große Mehrheit der Menschen diese Hinweise, bleibt passiv, zieht sich ins Private zurück oder vergeudet ihre Kraft sinnlos auf albernen Nebenschauplätzen - oder radikalisiert sich sogar im Sinne des Kapitals, indem die vorhandenen und stetig wachsenden, immer existenzieller werdenden Probleme irgendwelchen Minderheiten in die Schuhe geschoben werden, die damit nicht das Geringste zu tun haben, während die wirklich Schuldigen in ihren Palästen sich feist ins goldene Fäustchen lachen und den beginnenden Faschismus von ihren Lakaien munter anheizen lassen. So ist das erneute "Weltende" vorprogrammiert und nicht aufzuhalten - und einmal mehr werden wir miterleben müssen, wie der Kapitalismus aus einem vermeintlichen "golden age" eine große Kloake des Todes, Irrsinns und Untergangs macht.
Der Kunst bleibt einmal mehr nur die leidvolle Rolle des kommentierenden Begleiters in den Untergang - mit dem kleinen, aber sehr feinen Unterschied, dass die "offizielle" Kunst (also die, die aus den entsprechenden Töpfen noch halbwegs bezahlt wird) heute auch längst korrumpiert ist und wir deshalb meist in den alternativen Nischen suchen müssen, um nicht manipulierte Kunst zu finden. Mit jedem vollendeten Zyklus des kapitalistischen Wahnsinns lernt die widerliche Bande etwas dazu - ich will mir gar nicht ausmalen, wie das in 80 Jahren aussehen wird, sofern der Planet und die verbliebene Menschheit diese Perversionen so lange überhaupt noch aushalten. Ich befürchte, dass es dann gar keine Kunst, keine Alternativen, keine Meinungsäußerungen wie diese mehr geben wird, sondern nur noch Dauerbeschallung, Dauerpropaganda, Dauerberieselung - das ist heute ja schon (bezogen auf den größten Teil der westlichen Bevölkerung) erfolgreich umgesetzt. Und das trotz prinzipiell noch vorhandener Alternativen wie dem Internet.
"Der Sturm ist da" - in der Tat. Und wenn die Welt ihm standhalten soll, müssten unsere Politiker und ein Großteil der hier lebenden Menschen Gedanken zulassen, denen sie nicht einmal im wildesten Fiebertraum frönten. Folgt man der bitteren Logik, bleibt da nur noch eine Alternative übrig, und die heißt: Stellen wir die Uhr zurück auf 1933 - ohne die Festlegung, wo der furchtbare Alptraum erneut beginnen soll. Der Ort ist der kapitalistischen Bande nämlich egal, ihren Palast in Griechenland, Portugal, auf der Krim oder wo auch immer kann sie jederzeit durch ein neues Domizil ersetzen.
Wir steuern einmal mehr in eine wahrlich glorreiche, so finstere Zukunft - und müssten es eigentlich doch so viel besser wissen.
Alle sind sie hinter ihm her. Alle grenzen sie ihn aus und schweigen ihn tot. Meint Thilo Sarrazin. Aus diesem diffusen Gefühl hat er ein Buch gemacht (siehe Rezension) und er posaunt es weitgehend unwidersprochen in Talkshows und Interviews hinaus. Christoph Baumgarten wagt einen persönlichen Blick in die Untiefen des Sarrazinschen Geistes. (...)
Um es in den Stammtischparolen zu sagen, derer er sich befleißigt: Thilo Sarrazin ist ein geistiger Minderleister und war Zeit seines Lebens Sozialschmarotzer auf hohem Niveau, ein Parteibonze, wie er im Buche steht [-] und hält das alles für seine eigene Leistung. Er ist eine lächerliche und widerliche Figur, die allen, die nicht seiner Meinung sind, den Mund verbieten will.
Das wird man doch noch sagen dürfen.
(Weiterlesen)
Anmerkung: Eigentlich sollte man einem hohlbirnigen Rechtsradikalen gar keine Plattform mehr bieten - auch nicht in kritischer Form. Angesichts der im Text genannten Zahlen (inzwischen 1,5 Millionen verkaufte Exemplare seines ersten Schmutzergusses und einer Anfangsauflage von 100.000 Stück dieses neuerlichen Angriffes auf alles Humanistische) erscheint es aber dringend geboten, hier doch immer wieder zu intervenieren und dem Brandstifter fortdauernd in die böse, braune Glut zu pinkeln.
Der Text des Humanistischen Pressedienstes ist eine wahre Offenbarung - wenn man einmal von dem Fauxpas absieht, dass der Autor die taz sowie ausgerechnet die Zeit für die "führenden linken Medien" zu halten scheint. Andererseits muss ich konstatieren, dass er mit dieser Feststellung ja leider gar nicht so falsch liegt, denn andere führende Medien in diesem Land, die links von diesem journalistischen Elend einzuordnen sind, gibt es tatsächlich nicht mehr. Da versöhnt mich die benutzte Formulierung etwas, wenn in diesem Zusammenhang von "halbwegs linken Medien" die Rede ist.
Wie auch immer: Wer das gruselig-schmierige Phänomen Sarrazin auf den Punkt gebracht nachlesen möchte, sollte sich diesen Text nicht entgehen lassen - auf genau diesem Niveau muss sich eine Auseinandersetzung mit dieser schaurigen, erbärmlichen Figur abspielen. Intellektuell kann es keine sinnvolle Auseinandersetzung mit erstunkenem, erlogenem und aus tiefbraunen Zeiten hervorgekramtem Blödsinn geben. Als Fazit bietet sich hier bloß noch eine der vielen Subüberschriften aus dem Text an: Sarrazin und seine an debilen Schwachsinn grenzenden Äußerungen sind nichts weiter als ein "Verbrechen am An- und Verstand". Dem ist nichts hinzuzufügen.
Wunderbar ist übrigens auch das für diesen Artikel ausgewählte Foto, das den sauberen Kämpfer für reine Gene und Ariertum auf einer Veranstaltung der rechtsradikalen Haider-Partei FPÖ in Österreich zeigt. Braune Haufen ziehen Fliegen eben unweigerlich magisch an. Im Ein-Euro-Blog gibt's noch mehr dazu.
Der Mann ist nach wie vor SPD-Mitglied - während die SPD-Oberen aktuell öffentlich darüber diskutieren, ob beispielsweise ein Edathy (dessen einziger Verstoß darin besteht, legale Fotos angeguckt zu haben) nicht besser aus der Partei ausgeschlossen werden müsse. Da weiß man, was man hat - Sieg H..., äh, guten Abend.

(Thilo Sarrazin, wie er sich vermutlich selber sieht)
I
Wie kann man nur
gegen den Hunger in der Welt kämpfen,
glückliche Schweine sind wichtiger.
Wie kann man nur
Fleischkonsum befürworten,
sollen die Menschen doch Gras essen.
Wie kann man nur
den Kapitalismus in Frage stellen,
der für Wohlstand bei manchen gesorgt hat.
Wie kann man nur
den Kampf für eine bessere Welt so torpedieren,
den einzigen Weg dahin kennen schließlich nur wir.
II
So wundern sich manche
der Kämpfer für eine bessere Welt,
während sich andere verwundert die Augen reiben
und nicht mehr verstehen,
wieso es überhaupt Streit gibt. Derweil
zerstört der Kapitalismus wieder die Welt.
III
Und nach dem erwartbaren Ende
werden alle Beteiligten wieder proklamieren:
"Aber wir - wir gehörten doch zum Widerstand!"
[to be repeated endlessly]
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(Variation des Gedichtes "Wie kann man nur" von Holdger Platta, veröffentlicht im Blog "Hinter den Schlagzeilen" am 05.03.2014)

(Jim Matheos: "Remembering Rain", aus dem Album "First Impressions", 1993)
Anmerkung: Jim Matheos, im "Hauptberuf" Gitarrist in Metal-Bands wie Fates Warning, OSI oder Arch, wandelt auf diesem Album auf rein akustischen Pfaden, die einmal mehr seine Virtuosität und Klasse unterstreichen. Dieser Musiker hat mit diesem leisen Album schon sehr früh deutlich gemacht, dass das alleinige Eindreschen auf sein Instrument im Metal-Stil ihn nicht erfüllt. Gleichzeitig ist es aber ein bewegendes Beispiel dafür, dass gerade auch in Metal-Musikern oftmals allzu zarte Seelen wohnen. Die Melancholie ist das tragende Element des gesamten Albums.
Um wieviel schöner und lebensfreundlicher wäre diese pervertierte Welt, wenn so mancher Schlips-Borg diese Ambivalenz teilte! Aber nein, die Habgier ist viel größer. Metaller können es auch leise, Kapitalisten können es aber niemals sozial.

Wal-Mart ist der größte Arbeitgeber der Welt. Und wie die Aldi-Kette ein Familienbetrieb: Hinter dem Handelsriesen stehen die Waltons, die reichste Familie der Erde. Sie zahlt ihren Mitarbeitern Billiglöhne. Und spendet Milliarden.
(Weiterlesen - aber bitte nur mit eingeschaltetem Gehirn)
Anmerkung: Hier haben wir wieder ein solches Beispiel, in dem nahezu sensationsheischend über den "reichsten Clan der Welt" berichtet wird - stets getreu dem absurden Motto: "Wer will und genug arbeitet, kann es ebenso 'weit' bringen" und natürlich der impliziten Umkehrung: "Wer es nicht so weit bringt, ist ein persönlicher Versager und somit selbst schuld". Ich weiß gar nicht, wo genau ich mit meiner Kritik beginnen soll, denn auch dieser Text lässt wie gewohnt jegliche Ursachenerwähnung aus und behauptet statt dessen wie immer auf dummdreiste Weise, dass es diesen Personen auf wundersame Weise gelungen sei, von "Tante-Emma-Laden-Besitzern" zu den reichsten Menschen auf diesem Globus zu mutieren, als sei nichts "normaler" und nachvollziehbarer auf der Welt. Dieses Szenario für sich genommen ist schon so grotesk, dass nicht nur jeder tatsächlich hart arbeitende Mensch auf diesem Planeten dem Verfasser einen ganzen Reigen von Ohrfeigen verpassen müsste - es genügt tatsächlich auch das schlichte Nachdenken, dass an diesem Märchen angesichts des gewaltigen globalen Elends und der gleichzeitigen Konzentration von absurden Summen Geldes in sehr wenigen Händen irgendetwas nicht stimmen kann. Und auch die einzig kritisch erwähnten Dumpinglöhne, die nicht nur Wal-Mart oder Aldi ihren "Angestellten" zahlen, können das "Wunder" eines solchen Superreichtums allein natürlich nicht erklären - der ganze Rattenschwanz von allen möglichen Abhängigkeiten, Erpressungen und sklavenähnlichen Zuständen im gesamten kapitalistischen Produktions- und Vertriebsprozess kommt im Text erst gar nicht vor. Über das Geld- und Zinssystem will ich da besser gar nicht erst beginnen zu schreiben.
Fast im gleichen Atemzug wie die zahnlose und völlig unzureichende Anklage bezüglich der Billiglöhne wird auch gleich ein entsprechender "Ausgleich" mitgereicht: Diese hochsozial denkenden Profitgeier spenden ja schließlich "Milliarden" ihres hart erworbenen Vermögens für soziale Zwecke und sind somit augenblicklich wieder rehabilitiert. Genaueres weiß man zwar nicht - der Text schwadroniert da etwas von einer "Familienstiftung" sowie von "Umweltschutz, Bildung und [der] Förderung der Region Arkansas" - das war's dann aber auch schon in Sachen Information. Mehr soll und darf der Pöbel nicht wissen, Details verwirren ihn bloß. Leider lässt allein der Begriff "Familienstiftung" bei kritischen Zeitgenossen unverzüglich alle Alarmglocken schrillen und er möchte dringend mehr wissen - aber kritische Zeitgenossen sind leider eine kleine Minderheit in unserer schönen kapitalistischen Glitzerwelt und werden daher geflissentlich ignoriert. (Randnotiz: Eine Milliarde Dollar entspricht angesichts eines Vermögens von 145 Milliarden Dollar einem Volumen von weniger als 0,7 % - eine wahrlich fürstliche Spendenbereitschaft, die man gar nicht ehrfürchtig genug bewerten kann!)
Das ganz große Highlight seines preisverdächtigen Textes hat der Autor Hannes Vogel aber ganz am Schluss versteckt, wenn er dort schreibt: "Doch nicht nur die Armen, sogar die Freunde der Wal-Mart-Brüder hat die Firma reich gemacht (...)". Nein, welch eine Offenbarung: Die Firma des reichsten Clans dieses Planeten macht nicht nur (alle?) Arme reich (!!!), sondern entfaltet sogar noch segensreichere Kräfte, indem sie die (zuvor offenbar nicht armen?) "Freunde" des Clans auch noch viel reicher macht, als sie es vorher gewesen sind! Der Segen des kapitalistischen Systems beschert uns hier also gleich eine dreifache Win-win-win-Situation, um im Orwell-Sprech der neoliberalen Bande zu bleiben - Verlierer gibt es laut diesem Text hier nicht mehr. Das Paradies ist nicht mehr jenseitig - wir erleben es hier und jetzt! Man soll den Superreichen auf Knien dafür danken, dass sie uns allen ein so wundervolles, sorgenfreies und luxuriöses Leben ermöglichen. Gebenedeit sei die Frucht eurer heiligen Geldbörsen!
Wenn man dem üblen Propagandatext bis zu diesem finalen Blattschuss tatsächlich (ohne psychische oder intellektuelle Schäden zu nehmen) gefolgt ist, weiß man allerspätestens an diesem Punkt, dass man das Leben in einem freiheitlich-demokratischen oder gar sozialen System Zeit seines Lebens voraussichtlich niemals kennenlernen wird. Aber die gütigen Waltons spenden Milliarden (Milliarden!!!) für soziale Zwecke und die Armen werden reich - und die "Freunde" der Reichen sowieso.
Die allerbitterste Pointe an der Sache bleibt aber diese: Und fast keiner merkt's. Alle rennen weiterhin wie von Sinnen dem Geld hinterher und wundern sich vielleicht gelegentlich über die perversen Auswüchse, die das selbstredend hat, kommen aber nicht auf den naheliegenden Gedanken, dass das Behandeln von Symptomen nichts an der Situation an sich ändert. Die Farce könnte aussichtsloser kaum sein. Geld, Geld, Geld über alles - ganz besonders über die Vernunft.
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Börsenpanik

"Wie meine beiden Söhne fielen, war ich nicht so verzweifelt wie Sie, da Ihre Papiere gefallen sind."
(Zeichnung von Wilhelm Schulz [1865–1952], in "Simplicissimus", Heft 31 vom 29.10.1918)
Die Kinder spielen ein Märchen. Hauptpersonen sind ein Wirt, ein Soldat auf Herbergssuche, eine Tochter des Wirts und der Teufel.
Wir erleben achtmal das gleiche Stück. Wirt, Tochter und Soldat werden sehr unterschiedlich dargestellt.
Der Teufel ist durchwegs glänzend besetzt.
(Heinz Stalder [* 1939], aus dem Programmheft des Schauspielhauses Zürich zur Uraufführung seines Bühnenstückes "Ein Pestalozzi", 1979)

Anmerkung: Quod erat demonstrandum.