Montag, 25. Juli 2016

Musik des Tages: Frozen in Time




  1. Indoafrica
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(Avner Dorman [*1975]: "Frozen in Time". Konzert für Schlagzeug und Orchester aus den Jahren 2006/07; Schlagzeug: Christoph Sietzen, Romanian National Symphony Orchestra, Leitung: Cristian Mandeal, 2015)

Anmerkung: Anschauen, aufmerksam zuhören, genießen und nachdenken. - Es ist allerdings erschreckend, dass selbst in einem solchen Konzert, in dem progressive Musik weit jenseits des kapitalistischen Mainstreams gespielt wird, trotzdem einige (zum Glück wenige) Deppen sitzen, die, anstatt die Darbietung mit allen Sinnen aufzusaugen, lieber ihr Dumpf-Phone zücken und verzückt auf das Display starren, während sie das Konzerterlebnis verpassen. Das erinnert mich an einen alten Freund, der sich gemeinsam mit mir und einigen anderen vor vielen Jahren monatelang auf eines der schon damals äußerst seltenen Pink-Floyd-Konzerte gefreut und dafür eine Menge Kohle investiert hatte, nur um den denkwürdigen Abend dann im Halbkoma und wild kotzend vor der Halle zu verbringen, weil er viel zu viel gesoffen hatte.

Ein gewisses Maß an bewusstseinserweiternden Substanzen ist indes nicht bloß für (ältere) Pink-Floyd-Konzerte, sondern auch für das Verständnis der Musik Avner Dormans recht hilfreich. Koma oder Dumpf-Phones helfen da eher nicht weiter.

Kommentare:

schirrmi hat gesagt…

Trotz Deiner Warnung hörte ich es mir grade an. Und ja, für mich war Deine Warnung berechtigt.

Erzählte ich mal dass ich mit 20 Mark in der Tasche von Bonn, über Paris nach St. Orleans unterwegs war? Meine Süße, die Eva hatte wohl nur genauso viel in der Patte. In Bonn ging der Tripp los per Mitfahrerzentrale. Wir wollten drei Wochen "Urlaub" machen.

Stell Dir vor: Zwei sehr junge Menschen die nichts anderes kannten als The Cure, Sex Pistols, Kate Bush - mussten die ganze Tour über Extrem-Jazz-Musik ertragen. Wir sind gezeichnet für das ganze Leben. Der, und da bin ich ihm noch immer dankbar, hat uns für 4 Mark an den Gard du Nord gebracht. Und unsere kleinen, jungen Seelen, musikalischen Herzen versaut :-)

Das da, aber da habe ich keine Ahnung von - hört sich recht schräg für meine Ohren an. Aber der Multipercussion-Jüngling, er kann es sehr wohl.

Brrrr, Liebe Grüße, Schirrmi

Charlie hat gesagt…

@ Schirrmi: Mit der Musik ist das immer so eine Sache. Ein wenig "Extrem-Jazz" kann doch durchaus inspirierend sein - für ungewohnte Ohren können vier Stunden aber in der Tat leicht zur Tortur werden. ;-) Dasselbe gilt ja für fast alle Musikstile: Wer es nicht gewohnt ist, kann auch Metalcore, Punk, Richard Wagner oder meinetwegen Kate Bush schnell als Ohrkrebs empfinden - das ist immer eine Frage des persönlichen Geschmacks auf der einen und der Bereitschaft, sich Neuem zu öffnen, auf der anderen Seite.

Es gibt freilich auch indiskutable Musik - stell Dir mal vor, statt Jazz hätten Deine Begleitung und Du vier Stunden lang Helene Fischer, Toni Marshall oder die Zillertaler Blasfurzkapelle anhören müssen. Ihr seid also sehr, sehr glimpflich davongekommen, finde ich. ;-)

Das hier verlinkte Werk des israelischen Komponisten Dorman ist aber in der Tat nicht so leicht zugänglich. Es wundert mich aber immer wieder, dass atonale - also "schräge" - Musik vielen noch immer so "sperrig" erscheint, denn diese Art der Tonkunst ist ja beispielsweise in der Filmmusik längst - seit Jahrzenhten - vollkommen normal, wenn spannende, bedrohliche oder gar gruselige Szenen musikalisch untermalt werden. Dies unterstreicht ja nur die emotionale Bedeutung und Wirkung solcher Musik. Die besten Szenen aus den großartigsten Filmen wären gar nicht denkbar bzw. wirkten nicht ohne atonale, "schräge" Musik. Schau Dir mal eine bedrohliche Szene in irgendeinem beliebigen Film an und schalte den Ton aus - dann weißt Du, wie das gemeint ist. :-)

Ich freue mich aber, dass Du Dir das Stück dennoch angehört hast. Das zeugt von einer Offenheit, die alles andere als selbstverständlich ist.

Liebe Grüße!