Anmerkung: Wenn ich diese entwaffnend grandiose Musik höre, verfalle ich immer wieder in den Wahn, dass die Evolution möglicherweise doch nicht so falsch lag, als sie den Menschen auf seine irrwitzige Reise ins höhere Primatendasein geschickt hat. Allerdings währt dieser Irrglaube stets nur für kurze Zeit - ein Blick in die Nachbarschaft oder die aktuellen Nachrichten reicht schon aus, um wieder auf den Jauchegrubenboden der stinkenden menschlichen Realität zurückzukehren.
Und dennoch liebe ich diese geistig-spinnerten Ausflüge in die abgeschiedene, sterile Welt der "Might-have-beens" der menschlichen Entwicklung ... einfach weil sie eindrücklich illustrieren, was Kapitalismus und stumpfe Habgier letzlich alles zerstören. Was im Elfenbeinturm der Musik inzwischen völlig selbstverständlich ist - ein deutsches Orchester (in dem freilich nicht bloß Deutsche spielen) und eine ukrainische Pianistin führen das Werk eines russischen Komponisten im niederländischen Amsterdam unter der Leitung eines bulgarischen Dirigenten auf -, bleibt der Lebensrealität im finsteren Lande Kapitalistan weiterhin und dauerhaft völlig fremd. Wie sollte das auch anders sein, wenn die offizielle Parole weiterhin mantraartig "Jeder gegen jeden (mit Ausnahme der Superreichen)!" lautet?
Ich bin es so müde, gegen den kapitalistischen Irrsinn anzuschreiben.
Anmerkung: Diesen Film, der momentan in der deutschen Fassung (wenn auch, wie gewohnt, leider in schlechter Qualität) auf youtube verfügbar ist, möchte ich nicht nur allen Cineasten sehr ans Herz legen. Wer ihn noch nicht kennt, sollte sich die 80 Minuten Zeit nehmen und das Werk aufmerksam anschauen - und zwar ohne zuvor den oben verlinkten Wikipedia-Text zum Film oder andere Inhaltsangaben voller Spoiler gelesen zu haben.
Ein Film, der in der nahen Zukunft spielt, der Themen wie "Energie", "Rohstoffausbeutung" und "Klontechnik" näher beleuchtet und mit einem wie gewohnt lächerlichen Werbevideo eines fiktiven kapitalistischen Energiekonzerns namens "Lunar Industries" beginnt, in dem die paradiesische "heile Welt für alle" nicht mehr nur beschworen, sondern als bereits "erreichtes Ziel" dargestellt wird, verdient in der Tat eine Menge Aufmerksamkeit.
Falls jemand diesen Film für nicht weiter zu beachtende Science Fiction halten sollte, ergebe ich mich umgehend, spende mein Gehirn als Futtermittel für die geheimen Zombiefabriken in der "Area 51" und lasse meinen Restkörper von der nächsten verfügbaren US-Drohne freudig in die Luft sprengen. - "Wake me" steht in dicken Buchstaben auf dem T-Shirt, das der Protagonist zu Beginn des Filmes trägt. Ob eine solch subtile Botschaft wohl ankommt?
Anmerkung: Auch nach weiteren 100 Jahren hat sich diese Binsenweisheit noch immer nicht herumgesprochen und der religiöse Wahn in all seinen Schattierungen und teils nebulös-verbrämten Varianten ("Spiritualität" bzw. "Esoterik") feiert nach wie vor stumpfsinnige Triumphe. Die Steinzeit, in der es wohl lediglich rudimentäre religiöse Wahnvorstellungen gab, war der heutigen Welt offensichtlich weit voraus.
Aber wir wissen ja: "Gott" liebt uns alle. Deswegen leben wir in einem Paradies für alle. Und allen Menschen darin geht es prächtig. Und wem es doch nicht so prächtig geht, der ist ein Ungläubiger, den "Gott" zwar auch liebt, aber trotzdem lieber verrecken oder ermorden lässt. Denn wer sich nicht unterordnet, ist gar kein Mensch und darf mit göttlichem Segen geschlachtet werden.
Auf diesem einfachen, faschistischen Prinzip fußen das Christentum und der Islam ebenso wie die heilige Religion des Marktes (Kapitalismus), die weltweit weitaus mehr Opfer gefordert hat und weiterhin fordert als alle anderen hohlköpfigen Religionen zusammengenommen. Die Bekloppten sterben einfach nicht aus - und bemerken auch im Jahr 2015 nicht, dass ihnen der Blödsinn größtenteils von äußerst interessierten Kreisen schlicht als Ablenkung und zur Schaffung von Ersatzzielen für die allzu berechtigte Empörung vor die dumme Nase gesetzt wird.
Beim "Spiegelfechter" ging es kürzlich zum Thema "Flüchtlinge" hoch her. Rassisten feierten Triumphe, die sprachschwache "Moderation" des Blogs schwieg größtenteils dazu und am Ende bleibt wohl nur die schnöde Vermutung, dass es hier einmal mehr um die billige Reklame für des Bergers neues Buch über das entwaffnend bedrohliche Thema Untergang der Menschheit aufgrund kapitalistischer, habgieriger Umtriebe einer kleinen MinderheitFußball ging. Für ein solches "spätrömisch-dekadentes" Thema (G. Westerwelle) bieten sich Rassisten als potenzielle Käufer des philosophischen Meisterwerkes aus Bergers Feder geradezu an.
Ein Gastbeitrag von Altautonomer.
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Zunächst einige unveränderte Zitate aus dem Kommentarbereich des "Spiegelfechters":
Rassismus gab es in Deutschland nur zwischen 1933 und 1945.
98 % aller Einwanderer sind Wirtschaftsflüchtlinge.
Ich sehe Deutsche Rentner die arm sind in Mülltonnen nach Flaschen suchen die nach 45 Jahre Arbeit Mini Renten bekommen Deutsche Hartz IV Empfänger die seziert werden ob Sie nicht doch eine Goldene Uhr besitzen die drangsaliert und schikaniert werden für 1€ Arbeiten sollen jede Arbeit annehmen. Und dann kommen Menschen nach Deutschland die hier nie gearbeitet haben und stellen Forderungen wer kann kontrollieren ob Sie bedürftig sind. Ob Sie nicht Häuser Geld Gold im Ausland haben.
Darauf antwortete Jens Berger exemplarisch:
Wer aus wirklich armen Ländern nach Europa flieht, gehört selbstverständlich in diesen Ländern nicht zur breiten Unterschicht!"
Was wir bräuchten, wäre ein ausgewogenes Einwanderungsgesetz.
Das "echte" Asyl für politisch Verfolgte ist eh eine ganz andere Sache – das würde wohl niemand, der noch bei Verstand ist, kritisieren.
Das alles sind keine Kommentare von Pegida-Webseiten, BLÖD-Leser-Stammtischheinis, PI- oder irgendwelchen NPD-Fan-Blogs. Sie stammen vom Premium-Blog der Aufklärer, Systempressekorrektoren, Gegenöffentlichkeitsherstellern und kritischen Linken des "Spiegelfechters". Hier wurde Rassisten auf einer sich selbst als links resp. linksliberal eingeordneten Plattform unter dem verfassungskonformen Mäntelchen der Gewährung des Rechts auf freie Meinungsäußerung das Diskussionsfeld überlassen. Kritiker fühlten sich durch die rassistenfreundliche Moderation und die dumpfen, als Argumente geadelten Polemiken der Rassisten dermaßen in die Enge getrieben, dass sie sich zum Teil entweder freiwillig verabschiedeten oder eine Sperre provozieren mussten.
Stichwortgeber ist unter anderem der Blogherr, der sich als "Verfassungspatriot" auf die geltenden Normen des Asylrechts beruft, das 1993 seinem eigentlichen Kern beraubt wurde (sog. Asylkompromiss). Dabei geht es im Asylrecht nicht nur um "politisch Verfolgte", sondern beispielsweise auch um sexuelle Asylgründe, wie z.B. Homosexualität oder Vergewaltigung im Heimatland. Dass nur wenig Asylanträge positiv beurteilt werden, liegt nun nicht an den Asylsuchenden, sondern an der verfassungswidrigen, völkischen Rechtsprechung der obersten Gerichte. Und selbst bei abgelehnten Asylanträgen gibt es noch verschiedene Abschiebehindernisse, die zu einem legalen Aufenthalt mit Duldung in diesem Land führen. Berger irrt bzw. vernebelt, wenn er behauptet, das "echte" Asylrecht werde von niemandem kritisiert.
Ich habe schon an anderer Stelle versucht darzulegen, warum sogenannte "Wirtschaftsflüchtlinge" auch politisch Verfolgte im Sinne des Art. 4 GG sind.
Zum ersten Berger-Zitat oben ist zu sagen, dass dies in Einzelfällen zutreffen mag. Warum die "afrikanische Mittelschicht" (Definition?) ihren Nachwuchs mit einem iPhone 6 ausstattet und ihn dennoch sehenden Auges dem drohenden Tod durch Ertrinken im Mittelmeer aussetzt, weiß Berger allerdings nicht zu beantworten.
Besonders skandalös ist aber der - ich bin geneigt zu sagen: schon fast traditionelle - Umgang des "Spiegelfechters" mit Kommentatoren, die sich die Mühe machen, eigene Gedanken oder das Ergebnis sorgfältiger Recherche in die Diskussion einzubringen. Das sorgt beim rassistischen Pöbel natürlich für reichlich Zündstoff und Unmut. Nun könnte doch angenommen werden, dass in einem "linksliberalen" Blog die ernsthaft an einer inhaltlichen Diskussion Interessierten geschützt und die Pöbler von rechts ermahnt bzw. gesperrt werden. Leider ist das Gegenteil der Fall. Das hat aber nichts mehr mit Liberalität, Authentizität, Dokumentationspflicht, Toleranz oder etwa Garantie der "Meinungsfreiheit" zu tun. Es ist vielmehr das logische Ergebnis, wenn sich Typen wie die beiden "Redakteure" vom "Spiegelfechter" anmaßen, Journalisten zu imitieren, nur weil sie früher mal ein Poesiealbum besessen haben. Es drängt sich hier die Vermutung auf, dass die Sucht nach Aufmerksamkeit und kommerziellem Erfolg um jeden Preis einen derartigen Umgang mit rechtsradikalen "Gästen" steuert.
Die Vorstellung des neuen "Knaller-Buches" von Berger generierte seit dem 11.8.2015 nur 14 Kommentare, während das Thema "Flüchtlinge" über 320 Rückmeldungen zu verbuchen hat. Da liegt in der Tat die Vermutung nahe, dass es den Betreibern der Webseite in erster Linie um Krawalldiskussionen mit rechten Trollen und Arschlöchern ging, weil damit eine hohe Kommentarquote erzielt werden kann und gerade die Hohlbirnen angesprochen werden, die zu den potenziellen Käufern des Berger'schen Fußball-Mists zählen.
Deshalb gilt mein besonderer Dank der Kommentatorin "Marie" und dem feynsinn-Stammkommentator "R@iner", die in dieser allzu mühseligen und letzten Endes sinnfreien Debatte viel zu lange ausgehalten haben.
Niemand weiß, wie arm du bist ...
Deine Nachbarn haben selbst zu klagen.
Und sie haben keine Zeit zu fragen,
wie denn dir zumute ist.
Außerdem, - würdst du es ihnen sagen?
Lächelnd legst du Leid und Last,
um sie nicht zu sehen, auf den Rücken.
Doch sie drücken, und du musst dich bücken,
bis du ausgelächelt hast.
Und das Beste wären ein Paar Krücken.
Manchmal schaut dich einer an,
bis du glaubst, dass er dich trösten werde.
Doch dann senkt er seinen Kopf zur Erde,
weil er dich nicht trösten kann.
Und läuft weiter mit der großen Herde.
Sei trotzdem kein Pessimist,
sondern lächle, wenn man mit dir spricht.
Keiner blickt dir hinter das Gesicht.
Keiner weiß, wie arm du bist ...
(Und zum Glück weißt du es selber nicht.)
(Erich Kästner [1899-1974]: "Keiner blickt dir hinter das Gesicht (Fassung für Beherzte)", in: "Doktor Erich Kästners lyrische Hausapotheke", Atrium 1936)
Anmerkung: Dieses kleine Büchlein, das eine Auswahl von Kästners Gedichten enthält, wurde erstmals im furchtbaren Jahr 1936 in der Schweiz veröffentlicht, während der Autor sich weiterhin in Dunkeldeutschland aufhielt und sich mit den zunehmenden Schikanen und Verfolgungen der Nazibande herumzuschlagen hatte. Es verwundert nicht weiter, dass dieses Gedicht heute wieder brandaktuell ist und den Zustand der zerfallenden bzw. von interessierter Seite einmal mehr bewusst zur Zerstörung freigegebenen Gesellschaft heute ebenso trefflich beschreibt wie damals.
Eine besondere "Berühmtheit" erlangte das Büchlein durch Marcel Reich-Ranicki, der 1999 in seiner Autobiographie darüber berichtet. Die FAZ dazu: "Für den jungen Marcel Reich war die 1936 in Zürich erschienene Sammlung von Gedichten Kästners, auf die er bei einem Bekannten im Warschauer Getto stieß, ein glücklicher, gänzlich unerwarteter Fund. In seiner Autobiographie 'Mein Leben' hat Reich-Ranicki festgehalten, was der damals Zwanzigjährige nach der Lektüre der ersten Seiten empfand: 'Ich wollte dieses Buch unbedingt haben.' Aber es war im Getto nicht zu bekommen. Reich-Ranickis Wunsch ging dennoch in Erfüllung: Teofila Langnas, die junge Tochter eines Nachbarn, der sich aus Verzweiflung im Getto das Leben genommen hatte, schrieb 56 der insgesamt 119 Gedichte mit der Hand ab, versah die Seiten mit eigenen Zeichnungen und heftete sie sorgfältig zusammen." - Dieses Zeitdokument hat die finsteren Zeiten überdauert und wurde im Jahr 2000 erstmals publiziert.
Ihr habt sicher schon von den Mini-Wohnungen in Japan gehört. Gerade in Großstädten gilt dort auch für die so genannte Mittelschicht: "Wer in Tokio lebt, muss sich oft mit weniger als zehn Quadratmetern begnügen. Nur wer reich ist, hat's besser." Der Grund dafür ist relativ einleuchtend: Japan ist klein und extrem überbevölkert - da muss man in der Großstadt eben "zusammenrücken", wenn man das perverse Prinzip des ewigen Wachstums (eben auch der Bevölkerung) sowie die gottgegebenen Privilegien der wenigen Reichen nicht in Frage stellen will bzw. darf.
Merkwürdigerweise finden sich ähnliche Entwicklungen aber auch in Ländern, die trotz hoher Bevölkerungszahlen nun gewiss nicht unter einem Platzproblem leiden, wie das beispielsweise in China der Fall ist: "Zwei Quadratmeter Wohnraum braucht der Mensch / Um die Wohnungsprobleme in Peking zu verbessern, hat ein chinesischer Ingenieur Wohnkapseln nach japanischem Vorbild entwickelt". Eine tolle Innovation ist das: Während große Landstriche veröden, stopft man die Menschen halt in "Ballungsräumen" eng zusammen, damit sie sich noch profitabler ausbeuten (und austauschen) lassen. Diese alte kapitalistische "Logik" erfährt heute ganz neue, immer absurdere Auswüchse. Ein besonders widerliches Beispiel bleiben weiterhin die "Käfigmenschen" in Hongkong, über die ich vor fast drei Jahren schon einmal geschrieben habe.
Seitdem hat sich selbstverständlich weder in Japan, noch in China oder anderen Regionen etwas zum Guten verändert - der Kapitalismus kennt schließlich nur eine Richtung, und die führt stets weiter nach unten. Stattdessen erreichen diese Auswüchse immer offensichtlicher auch den "reichen, freien Westen": Nach dem Hartz-Terror der Zwangsverarmung mit seinen massenhaft erzwungenen Umzügen von Betroffenen in "angemessene" (sprich: kleinere, billigere, oftmals gettoisierte) Wohnungen liegt nun der nächste ekelige Anschlag auf dem Tisch. Bei n-tvlas ich kürzlich:
Zur Bekämpfung der Wohnungsnot sollen in Ballungsräumen mehrere Tausend sogenannter Mikrowohnungen entstehen. Dazu werde die Bundesregierung 120 Millionen Euro in die Entwicklung solcher Kleinstunterkünfte investieren, sagte Bundesbauministerin Barbara Hendricks der "Bild". Die Unterkünfte seien vor allem für Studenten und Auszubildende gedacht.
Dort ist von sagenhaften 14 Quadratmetern Wohnraum pro "Wohnzelle" die Rede - damit liegt die SPD[!]-Ministerin immerhin knapp über dem japanischen Vorbild. Es ist offensichtlich, dass es hier selbstverständlich nicht vornehmlich um Wohnraum für Studierende und Azubis geht - dafür könnten schließlich, wie das in vergangenen Zeiten der Fall war, entsprechend viele Wohnheime gebaut bzw. eingerichtet werden, die auch nur diesen Gruppen vorbehalten sind. Die tatsächliche Absicht dieses "Wohnzellen"-Konzeptes dürfte angesichts der genannten Beispiele doch recht offensichtlich sein. Der "angemessene" Wohnraum für Kranke, Alte, Behinderte, Arbeitslose, Flüchtlinge, Ausgebeutete etc. dürfte zukünftig noch weitaus bescheidener ausfallen als heute schon.
Selbstverständlich darf in einem solchen propagandistischen Bericht auch der zuständige Lobbyverband der Wohnungsmafia nicht fehlen, der mutmaßlich (also wie gewohnt) nicht ganz unbeteiligt an diesem Vorhaben sein dürfte:
Nach den Vorstellungen des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) soll es von Bund und Ländern finanziert werden [und] drei Milliarden Euro umfassen. / (...) Die Baukosten in Deutschland seien inzwischen so hoch, dass ohne öffentliche Förderung gebaute Mietwohnungen sich für den Bauherrn erst ab einem Quadratmeterpreis von elf bis zwölf Euro rechneten.
Drei Milliarden Euro. Aus der Staatskasse. Als "Förderung" für private Bauunternehmen. Weil sich das sonst "nicht rechnet". Für "Wohnzellen". --- Sie verarschen uns mit direkter, lauter Ansage; sie schreien uns die Verarschung, Verarmung und Niedertracht sogar mitten ins Gesicht, und kaum jemand merkt's.
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Wie werde ich im Jahr 2000 leben?
(Zeichnung des damals 12jährigen Vincenzo Busacca; Beitrag zur gleichnamigen Ausschreibung der Neuen Zürcher Zeitung und dort als erster Preis veröffentlicht am 19. Juli 1979)
(Joe Hisaishi [*1950]: "One Summer's Day", aus dem Soundtrack zu dem Film "Spirited Away", 2002; Klavier: Joe Hisaishi, Gesang: Ayaka Hirahara)
Anmerkung: Ich verlinke dieses feine, kleine Musikstück aus dem fernen Japan nicht nur aus offensichtlichen Gründen. Der Film, aus dem es stammt, ist nämlich mein persönlicher Lieblingsfilm aus dem Bereich des Anime-Genres. Er wurde geschaffen von Hayao Miyazaki, dessen Werke ich fast alle heiß und innig liebe, und trägt in Deutschland den wenig fantasievollen, dem grandiosen Werk nicht angemessenen Titel "Chihiros Reise ins Zauberland".
Ich möchte an dieser Stelle keine Filmkritik verfassen. Dennoch ist es mir ein Bedürfnis zu betonen, dass "Spirited Away" aus meiner Sicht ein vollkommenes Meisterwerk ist, das ich auch nach dem dreißigsten Anschauen immer noch ebenso verehrungswürdig finde. Es handelt sich tatsächlich noch um einen handgezeichneten Film und nicht um computergenerierte Animationen; die Bildsprache ist dennoch gewaltig und die Geschichte kann man mit der Formulierung, sie sei ein "Jahrhundertfeuerwerk der explodierenden Fantasie", nur unzureichend beschreiben. Wer das Stück noch nicht gesehen hat, sollte das tunlichst nachholen. Das Werk ist kein "Kinderfilm", auch wenn es meines Wissens in Deutschland die Einstufung "FSK 12" erhalten hat - ich jedenfalls würde es einem zwölfjährigen Kind gewiss nicht zumuten, zumal die vielen tieferen Aussagen und Verweise, die an allen Ecken und Enden zu finden sind, von den meisten Kindern ohnehin noch nicht verstanden werden können. Exemplarisch sei dazu auf die deutsche Synchronisation hingewiesen: Der Part der "bösen Hexe" Yubaba (die hier nichts mit den üblichen, meist reaktionär-konservativen Disney- oder Märchen-Klischees gemein hat) wird von Nina Hagen gesprochen - und zwar in einem derartig gruselig-rauen Bass [!], der selbst einem alten Haudegen wie mir tief unter die Haut geht.
Ich erinnere mich noch gut an mein "erstes Mal" - es passiert mir verdammt selten, dass mich die Geschichte und vor allem die Atmosphäre eines Films noch tagelang verfolgt und berührt. Die Sozial- und Gesellschaftskritik, die dieser Film fast beiläufig transportiert, wirkt nachhaltig.
Der den Tod auf Hiroshima warf
Ging ins Kloster, läutete dort die Glocken.
Der den Tod auf Hiroshima warf
Sprang vom Stuhl in die Schlinge, erwürgte sich.
Der den Tod auf Hiroshima warf
Fiel in Wahnsinn, wehrte Gespenster ab,
Hunderttausend, die ihn angehen nächtlich
Auferstanden aus Staub für ihn.
Nichts von alledem ist wahr.
Erst vor kurzem sah ich ihn
Im Garten seines Hauses vor der Stadt.
Die Hecken waren noch jung und die Rosenbüsche zierlich.
Das wächst nicht so schnell, dass sich einer verbergen könnte
Im Wald des Vergessens. Gut zu sehen war
Das nackte Vorstadthaus, die junge Frau
Die neben ihm stand im Blumenkleid
Das kleine Mädchen an ihrer Hand
Der Knabe der auf seinem Rücken saß
Und über seinem Kopf die Peitsche schwang.
Sehr gut erkennbar war er selbst
Vierbeinig auf dem Grasplatz, das Gesicht
Verzerrt vor Lachen, weil der Photograph
Hinter der Hecke stand, das Auge der Welt.
Anmerkung: Heute vor 70 Jahren - am 6. August 1945 - wurde auf Geheiß des damaligen Präsidenten der USA, Harry Truman, die erste Atombombe, die kriegerischen Zwecken diente, über der japanischen Stadt Hiroshima gezündet. Drei Tage später folgte die zweite, noch verheerendere Bombe, welche die Stadt Nagasaki in Schutt und Asche legte. Dieses beispiellose Kriegsverbrechen kostete mehreren hunderttausend Menschen - größtenteils natürlich Zivilisten - das Leben. Neben den unmittelbar Getöteten starben ebenso viele an den Folgen der Verbrennungen und radioaktiven Verstrahlung. Bei n-tv gibt es eine Fotoreihe, die einen kleinen, aber keineswegs umfassenden Einblick in das Ausmaß der Zerstörungen bietet.
Paul Tibbets war der Name des Piloten, der im Cockpit des Flugzeuges saß, das die erste Bombe nach Hiroshima transportierte. Er hat seine Tat - zumindest öffentlich - bis zu seinem Tode 2007 nie bereut. Dasselbe gilt freilich für die Verantwortlichen der damaligen US-Regierung.
Heute sind unsere amerikanischen Freunde längst wieder bereit. Kürzlich las ich einen Bericht über das "Center for Strategic and International Studies" (CSIS), in dem es unter anderem heißt:
Der CSIS-Bericht argumentiert, hochentwickelte taktische Atomwaffen würden es Washington ermöglichen, kleinere Atomkriege anzudrohen und zu führen, ohne sich von der Gefahr eines nuklearen Holocausts abschrecken zu lassen.
Die hiesige Propagandapresse übertrifft sich momentan gegenseitig mit immer alarmistischeren "Katastrophenmeldungen", in denen von einer "Flüchtlingsflut" und ähnlich hirnlosen Begriffen die Rede ist. Ich mag nicht entscheiden, ob diese geist- und faktenfreie Propaganda nun Ursache oder Symptom der zu beobachtenden, stetig anschwellenden Rassismuswelle ist, die heuer einmal mehr in ihrer ganzen Hässlichkeit und schnöden Dummheit über Deutschland schwappt - festzuhalten aber ist, dass sie offenkundig wirkt.
Selbst ehemals "gemäßigte" Menschenfeinde oder gar solche, die sich einst des Gegenteiles rühmten, ergreifen heute eifrig das Wort, plappern den strunzdämlichen Blödsinn von der "Überfremdung" oder gar vom "Asylmissbrauch" nach und sehen im braunen Mob oftmals nur noch "besorgte Bürger". Das betrifft die Medienlandschaft ebenso wie (natürlich) die Politiksimulation - und diese Entwicklung macht auch vor der Bloggerszene nicht halt.
Es gibt eine ganze Reihe von Beispielen für diesen unheilvollen Trend, weshalb ich hier ein aus meiner Sicht besonders widerliches Beispiel herausgreifen möchte: Gestern las ich einen Text des "Alpha-Bloggers", der sich "Don Alphonso" nennt, mit dem schönen Titel "Wie das geht". Dort ist die oben genannte fatale Entwicklung nahezu in "arischer Reinkultur" nachzulesen. Der kleine Alphons schreibt beispielsweise:
Aber jetzt gibt es eine Krise durch eine Wanderungsbewegung und wer das nicht glaubt, kann sich gerne mal anschauen, wie die Rechtsextremen in Europa Zulauf bekommen, selbst wenn die Migration vor allem Deutschland als Ziel hat.
Das muss man sacken lassen und ggf. mehrmals lesen: Es gibt laut Alphons also eine "Wanderungsbewegung", deren Ursachen ihn offensichtlich nicht interessieren, die aber dafür eine "Krise" zur Folge habe. Welche Krise meint er damit wohl? Die Krise der Menschenrechte wird es wohl nicht sein - wahrscheinlich meint er also auch den unkontrollierten "Flüchtlingsstrom" von einigen hundertausend Menschen, der in einem Land mit 80 Millionen Einwohnern unweigerlich zum Kollaps führen müsse. Und selbstverständlich sei nach Alphonsens Stammtischmeinung "vor allem Deutschland" das Ziel, da hierzulande ja geradezu paradiesische Zustände - gerade für Arme - herrschen.
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, um so viel geballte Dummheit und Unwissenheit angemessen zu kritisieren. Nach seiner Darstellung sind nun wieder einmal die Flüchtlinge selbst daran schuld, dass die rechtsextreme Brut in Deutschland und im übrigen Europa kontinuierlich an Zulauf gewinnt. Dass allein eine solche hanebüchene Pseudoargumentation bereits zutiefst rassistisch ist, fällt dem guten Mann nicht einmal auf. Die Opfer werden wie gewohnt zu Tätern stilisiert, während die wirklichen Ursachen (und Täter!) nicht einmal in einem Nebensatz Erwähnung finden. Dieses perverse Prinzip kennen wir aus der deutschen Geschichte nur allzu gut - und es lässt sich überall wiederfinden, wo konservative Unlogik das Sagen hat.
Auch vor stumpfsinnigen, stereotypen Verunglimpfungen von Flüchtlingen schreckt der kleine Alphons nicht zurück:
Und nein, die Mütter empfinden es vorne am nächsten Gymnasium nicht als Bereicherung, wenn beim Schulschluss Gruppen von jungen Migranten gegenüber stehen, gaffen und anzügliche Bemerkungen machen.
Das reicht locker für den örtlichen NPD- oder CSU-Stammtisch - und für unseren Alphons ist diese stramme, nationalpatriotische Aussage ein nachvollziehbarer Grund dafür, dass die "Stimmung kippen kann". - Mir fällt dazu, abgesehen vom riesigen Kotzeimer, nichts Sinnvolles ein. Vielleicht sind ja auch die Hakennasen schuld daran, dass die "Stimmung kippen kann" - oder das minderwertige Erbgut solcher Untermenschen, lieber Alphons? - Es ist wahrlich zutiefst erschütternd, in welchen braunen Jauchegruben der Autor hier wie selbstverständlich fischt, ohne den grauenvollen Gestank zu bemerken.
Die Begründung für derlei rassistischen Gedankenmüll liefert der Alphons gleich nach, denn er stellt schlicht fest:
Ich will, dass es mir gut geht.
Diese nicht näher erläuterte Aussage ist unmissverständlich, und sie beinhaltet unter anderem den ungesagten Zusatz: "Egal auf wessen Kosten und zu welchem Preis". So ist er, der hässliche, egoistische, vom kapitalistischen System vollkommen deformierte Eigennutzmehrer, der selbst dann, wenn es ihm vergleichsweise gut geht (Alphons meint gar, es gehe ihm "sehr sehr gut"), allzu gerne bereit ist, rassistische Plattitüden zu vertreten, um bloß keinen auch noch so kleinen Krümel an andere Menschen, denen es alles andere als "sehr sehr gut" geht, abgeben zu müssen. - Noch viel widerlicher können sich kapitalistisch verkrüppelte Menschen in diesem Terrorsystem kaum verhalten.
Der kleine Alphons ist kein Einzelfall - Deutschland bleibt sich treu.
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(Titelblatt der rassistischen Nazi-Hetzschrift "Der Stürmer" vom Juli 1934)
Hübsch gekleidete junge Mädchen auf dem Schiff zu den Princess-Inseln
Über die Reisenden auf dem Weg vom Bahnhof Haydarpaşa nach Anatolien
Orientalische Nacht
Finale
(Fazıl Say [*1970]: Sinfonie Nr. 1: "Istanbul Symphony", Op. 28 aus den Jahren 2009/10; Frankfurt Radio Symphony Orchestra, Leitung: Howard Griffiths, 2012)
Anmerkung: In diesem faszinierenden sinfonischen Werk versucht der türkische Komponist Fazıl Say die grundverschiedenen musikalischen Wurzeln des Orients und Okzidents miteinander zu verbinden. So ist eine Sinfonie entstanden, die ein eindrucksvoller Beleg dafür ist, wie sehr sich verschiedene Kulturen gegenseitig befruchten und damit über den jeweiligen Tellerrand hinaus erweitern können.
Say gibt zu Beginn des Konzertes eine kleine Einführung in das Werk, so dass ich dazu hier nichts weiter schreiben muss. Bemerkenswert finde ich noch das kleine Detail, dass der Komponist, der nach eigenem Bekunden Atheist ist, dem Thema "Religion" gleich zwei Teile seines Werkes gewidmet hat; bezeichnender Weise sind dies einerseits der religiöse Fanatismus (die "negative" Seite der Religion) und andererseits - man lese, staune und lächle - die "schöne Architektur" der Istanbuler Sultan-Ahmed-Moschee, die dem Komponisten als dringlichstes Beispiel für die "positiven" Wirkungen von Religion eingefallen ist. Diese Art des subtilen Humors mag ich doch sehr.
Heute kann ich dich ruhig
Schlafen gehen lassen,
Während ich mit einigen Männern
Noch eine Weile in der Straße
Den Mond betrachte.
Langsam wird er sich
Vor unseren Augen verändern,
Da der Zyklus sich nähert.
Wenn es mir gelänge,
Die Hunde zu überhören,
Die sich in der Ferne
Um die ersten Toten zanken!
Ihr Gebell hat schon das heisere Metall,
Das auch in unseren Stimmen sein wird,
Morgen,
Wenn die verbrannten Gesichter
Aus den Fenstern hängen
Und die blauen Silben des Wassers
Zu roten Buchstaben zerfallen.
Anmerkung: Über den Dichter Krolow habe ich vor neun Monaten bereits einige Zeilen geschrieben, die ich hier zur Vermeidung von Wiederholungen einfach verlinke. - Dieses Gedicht jedenfalls beschreibt nach meiner Wahrnehmung sehr eindringlich das Lebensgefühl einer nicht so lang vergangenen Zeit der vehementen Warnungen, über die wir heute aber schon längst weit hinaus sind: Wie immer sind alle Warnungen ungehört und wirkungslos verhallt und der stetig wiederkehrende, zyklische Wahnsinn der kapitalistischen Habgier hat den Bereich des Erahnten/Befürchteten längst verlassen und ist erneut in die Todeszone des schauderhaften Faktischen eingetreten.
In einem der vielen, vielen Nachrufe zum Tode Krolows im Jahr 1999 hieß es beispielsweise im Freitag: "Mit Krolow ist ein Dichter jener großen deutschen Literatur gestorben, der zweifellos zum gesicherten Bestand dieses Jahrhunderts zählen wird. Und wie jetzt eine mit Tinte beschriebene Serviette am leeren Platz seines Esstisches liegt, so auch bleiben die Bücher." - Wir erleben heute allerdings - in allzu trister Wiederholung - das Gegenteil und dürfen einmal mehr der Farce beiwohnen, dass für den kapitalistischen "Zeitgeist" bzw. deren UrheberInnen auch heute wieder läppische 16 Jahre ausreichen, um aus einem "gesicherten Bestand" eine vollkommen vergessene, redundante Randnotiz der jungen Geschichte zu machen, die fast niemand mehr kennt.
Nichts in dieser verkommenen Welt des billigen Scheins ist so "effizient" wie das kapitalistisch motivierte bzw. bewusst forcierte Vergessen.
Jörg Wellbrock goes Lapuente. Er meint, mit populistischer Kritik am rassistischen Pöbel und seiner militanten Fraktion antifaschistischen Eindruck bei seinen Lesern machen zu können. Dabei übersieht er, dass seine eigenen Begrifflichkeiten genauso in die Kategorie der verharmlosenden Sprache gehören.
Wellbrock verharmlost in diesem Text die rechten Brandstifter und Schläger wie ein "Rechtsstaatpatriot" und verortet sie lediglich in der strafrechtlichen Kategorie der "Verbrecher" und "Kriminellen". Die nationalistische, völkische und volksverhetzende Komponente der Motive stellt er dabei gar nicht heraus. Es wäre in einem derartigen Text eine gute Gelegenheit gewesen, den gesellschaftlich-rassistischen Konsens hinter derartigen Gewalttaten explizit herauszuarbeiten.
Unbedarfte LeserInnen könnten angesichts dieses Textes nämlich den Eindruck gewinnen, dass diese militanten Rechten tatsächlich für eine Mehrheit agierten und dass das, was numerisch als Minderheit in Erscheinung tritt, in gesellschaftlichem Sinne eine Mehrheit hinter sich habe - so etwas wie eine "kulturelle Hegemonie", was die Straße, den öffentlichen Raum, den Diskurs, die Zuspitzungen und die klammheimliche Freude anbelangt. Und das alles auch noch mit der Gewissheit, beim Erwischtwerden ja doch bloß mit einer resozialisierenden Bewährungsstrafe davonzukommen, weil ja auch nach 1945 die Großväter schon für ihre Massenmorde mit einem Verwarnungsgeld hart bestraft wurden.
Im ersten Absatz erwähnt Wellbrock in einem begrifflichen Eintopf unter anderem den euphemistischen Begriff für Rassisten: "Ausländerfeinde", der zur Vermeidung des Substantivs "Rassist" besonders gern von der politischen Elite benutzt wird. Damit soll ausgedrückt werden, dass es gegenüber den fremden Ethnien doch nur an mehr "Freundlichkeit" fehle. Diese "Feindlichkeit" (Unfreundlichkeit) gegenüber (inländischen) Ausländern bedürfe demnach doch nur einer Überleitung in eine "Willkommenskultur". Der Begriff "Ausländerfeindlichkeit" suggeriert verharmlosend so etwas wie "schlechtes Benehmen".
Im vorletzten Absatz bestätigt Wellbrock seinen semantischen Fauxpas noch einmal mit dem Satz: "Und ein menschenverachtender Ausländerfeind wird nicht sympathischer, wenn man ihm einen neuen Namen gibt." - Ich ergänze: Und ein Rassist wird nicht durch problemflankierende Sprachregelungsanästhesie verdelt, indem man ihn zum "Ausländer-" oder "Fremdenfeind" befördert.
Die Akteure der rassistisch motivierten Gewaltexzesse in Dresden und anderswo sind dieselben Gesinnungstypen, die auch in den letzten Jahren über 170 Morde an "undeutschen" Deutschen und "Nichtdeutschen" begangen und all diejenigen deutschen Staatsbürger drangsaliert haben, die nicht in ihr irrsinniges Menschenbild von der "arischen" Herrenrasse passten, wie beispielsweise auch Behinderte, Punks, Obdachlose usw. Meines Wissens hat der NSU auch keine Ausländer ermordet.
Deshalb gebe ich Herrn Wellbrock seinen Schluss-Satz mit der Bitte, ihn noch einmal gründlich zu durchdenken, zurück: "Wir sollten uns Sorgen machen, ja. Um eine verschleiernde Sprache, die die Dinge nicht mehr beim Namen nennt."
Im Kommentarbereich beim Spiegelfechter finden sich dann auch die in den Mainstreammedien üblichen Hasskommentare bis hin zur "Viktimisierung" der zündelnden Schreiberlinge und Brandstifter. Angesichts der üblichen Beleidigungen wie "Spinner", "Linksfaschist" und "Gutmensch" bleiben die antifaschistischen Argumente nicht nur in der Minderzahl, sondern werden auch von der Seite der "Gutmenschen" so gut wie gar nicht erwähnt. In einigen Kommentaren sind es sogar wieder einmal die Flüchtlinge selbst, die allein durch ihre Anwesenheit die "berechtigten Ängste" erzeugen und damit den Täterstatus erhalten. Ein gewisser "Andreas" bringt das - sprachlich verpackt mit der Standardbemerkung "ich bin kein Nazi" - auf den BLÖD-"Zeitungs"-Niveauhöhepunkt: "Am späten Abend ziehen abgerissene Gestalten in Gangs [???] durch die Straßen und sammeln sich nachts, oft lautstark diskutierend, an einer Bushaltestelle." Ein anderer bezeichnet die Ärmsten zwar nicht als "Gangs", meint aber, dass "die Horden von Wirtschaftsflüchtlingen" von ihm als "Steuerzahler durchgefüttert" werden müssten. Die Krönung des Ganzen ist dann dieser Satz desselben Typen, den ich nur als Satire verstanden wissen will: "Bei uns in Hinter-Tupferheimstetten war es genauso: Am Anfang saßen sie nur an der Bushaltestelle und unterhielten sich laut. Da reichte es noch, das Fenster zu schließen. Später hörte man regelmäßig die Schreie von Frauen die vergewaltigt wurden."
Der Stammkommentator GrooveX bringt es letztlich auf den Punkt: "der müll hier wird langsam unerträglich. seit wann kann der spiegelfechter sich leisten, zur ausweichstelle für pi-anhänger zu dienen?" - Mit vermeintlicher Dokumentationspflicht hat dies nichts zu tun. In den 90er Jahren landeten Leserbriefe mit rassistischen Inhalten bei den Printmedien wie selbstverständlich im Papierkorb.
(Antisemitische, zum Erbrechen lächerliche Nazi-Hetzschrift eines gewissen Wilhelm Matthießen aus dem Jahr 1938, ganz im Stile des heutigen "KOPP-Verlages" und ähnlicher Bekloppter)
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Anmerkung des Kapitäns: Als ich den oben verlinkten Beitrag des Spiegelfechters und insbesondere die Kommentare dazu gelesen hatte, habe ich endlich beschlossen, mein Restgehirn zu trocknen, zu zerbröseln und nach und nach in schönen, dicken Tüten zu rauchen. Es ist aus meiner Sicht gar nicht zu fassen, mit welcher Unverfrorenheit und offensichtlichen Dummheit nicht nur die üblichen Rassisten, von denen man ja nichts anderes erwartet, sondern auch die vermeintlichen Verfechter des Humanismus' dort an dieses Thema herangehen. In Sachen Dämlichkeit tun sich beide Seiten (von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen) hier nicht viel - dieser Beitrag Wellbrocks inklusive der Kommentare ist ein beredtes Beispiel für die vollendete Verblödung der Menschheit.
Ich danke dem Altautonomen sehr, dass er sich die Mühe gemacht hat, sich in diesem stinkenden Sumpf umzusehen und etwas dazu zu schreiben. Ich selber hätte hier wohl nur bösartige Beschimpfungen und sabbernde Halbsätze der Fassungslosigkeit zustande gebracht.
(Epica: "Victims Of Contingency", aus dem Album "The Quantum Enigma", 2014)
Your words are meaningless, as pain fills the void
Hollow words won't hurt no longer
You will regret every life you've destroyed
Blaming the whole world will never make you stronger
Be prepared for the righteous self
If you blame all your failures on someone else
Without any remorse
Without your remorse
If you don't face the weakness of your own self
You will take the same course
You'll take the same course
Your deeds are reasonless, you adore yourself
Empty deeds impress no longer
You will regret everyone you've envied
Blaming it on life will never make you stronger
Be prepared for the confrontation
If you blame all your failures on someone else
Without any remorse
Without your remorse
If you don't face the weakness of your own self
You will take the same course
You'll take the same course
If you blame all your failures on someone else
You avoid every chance
You've lost your last chance
To learn from yourself
If you blame all your failures on someone else
Without any remorse
Without your remorse
If you don't face the weakness of your own self
You will take the same course
You'll take the same course
We can't blame all our failures on someone else
For our own protection
So much to protect
We can't learn from decisions in our own lives
Without self-reflection
We will never flee from contingency
We will never flee from contingency
Anmerkung: Das superreiche Gaunergesindel versteht solche Texte einfach nicht ... davon konnten schon Erich Kästner ("Ansprache an Millionäre", 1932) und Joachim Ringelnatz ("Rachegelüst", 1927) ein frustriertes Liedchen singen. Die perverse Zeitschleife des Irrsinns dreht nunmehr unbehelligt ihre nächste Runde.
Der Kollege vom Blog "Dudentity" hat kürzlich einen entwaffnenden Text ins Netz gestellt, den ich hier sehr gern unterstützen möchte. Er beschreibt dort in klaren Worten, wie er in das menschenverachtende Hartz-Terror-System gerutscht ist, das von "Sozialdemokraten" und "Grünen" in wunderbarer Eintracht mit den üblichen Menschenfeinden von der CDU/CSU und FDP ersonnen und in die Tat umgesetzt worden ist.
Die politischen "Architekten" bzw. Exekutoren dieses staatlichen Zwangsverarmungsterrors sind heute größtenteils Millionäre und befassen sich längst nicht mehr mit den Belangen der verarmten Bevölkerung, sondern leben in fürstlichen Villen, beziehen horrende, meist leistungslose Vergütungen und genießen das süße Luxusleben, das die "Elite" ihren kleinen SteigbügelhalterInnen und devoten DienerInnen in der Regel angedeihen lässt.
Am Rande sei noch darauf hingewiesen, dass dieses neoliberale, asoziale Konzept zuerst in den USA erprobt und erst danach von Widerlingen wie Roland Koch (natürlich CDU) nach Europa importiert und später von Arschlöchern wie Schröder und Fischer umgesetzt wurde. Selbstverständlich ist auch Herr Koch - trotz seiner vielfältigen Pleiten nach seiner politischen Karriere - heute Millionär. Ich möchte lieber gar nicht wissen, welche königlichen Bezüge allein diese schmierige Figur aus der Staatskasse für seine vergangenen Minister- und Ministerpräsidentenposten monatlich erhält - natürlich zuzüglich seiner momentanen Einkünfte in der freien Wirtschaft kapitalistischen Mafia. Über den ergaunerten Reichtum der Schröders und Fischers, die an diesem ekelhaften Coup beteiligt waren, rede ich lieber erst gar nicht.
Für das individuelle Opfer des staatlichen Hartz-Terrors spielt das aber ohnehin keine Rolle, denn dieses ist - wie in Deutschland seit vielen, vielen Jahrzehnten üblich - nicht nur mit korrupten, widerwärtigen PoltikerInnen, sondern auch mit willigen, widerstandslos ablaufenden Zahnrädern in der Bürokratie konfrontiert. Da wird das angebliche "Existenzminimum", das freilich keines ist, von den staatlichen Schergen wollüstig gekürzt, dass die Schwarte kracht; und wie im kaptalistischen System üblich (um nicht zu schreiben: "zwingend erforderlich") wird auch hier behördlicherseits regelmäßig und bewusst gelogen, betrogen und gefälscht. In dieser Hinsicht unterscheiden sich korrupte PolitikerInnen und die auf ihren Job angewiesenen BehördenmitarbeiterInnen (die heute dank des neoliberalen Terrors nur noch selten "Beamte" und damit nicht mehr unkündbar sind) nicht.
Und sie machen immer weiter: Zwangsarbeit, Reiseverbot, Gettoisierung, Verhinderung der freien Berufswahl, Zwangsverarmung bis aufs letzte Hemd und so vieles mehr haben sie bereits umgesetzt - der nächste logische Schritt wäre nun die Vernichtung. Aus kapitalistischer Sicht ist es bloß doof, dass das Grundgesetz und gewisse historische Elemente sie daran noch hindern - aber da dieses dumme Gesetz all das Vorgenannte sowie die Abweisung von Asylsuchenden, Kriegshandlungen und so vieles mehr ebenfalls verbietet, während die korrupte Bande es mit juristischer Legitimation dennoch fleißig tut, ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis auch die Vernichtungsfrage "grundgesetzlich" bzw. im Sinne des Kapitals - also marktkonform und juristisch abgesegnet - geklärt ist.
Die austauschbaren Herren und Damen Koch, Schröder, Fischer, Gabriel, Merkel und wie sie auch alle heißen mögen, köpfen derweil eine Champagnerpulle nach der anderen und lassen es sich gut gehen, während die nach eigener Wahrnehmung nicht austauschbare "Elite" der Superreichen wie immer unsichtbar bleibt. Und der Kranke, Alte, Behinderte, Arbeitslose, Flüchtling ... guckt wie immer dumm in die Röhre - und hofft inständig, dass dies doch noch nicht die braune Glut des Krematoriums sei.
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Pfändung für den Verleih
(Gemälde von David Wilkie [1785-1841] aus dem Jahr 1815, Öl auf Leinwand, National Gallery of Scotland)
Ein Musik- und Literaturwissenschaftler auf der heiteren Odyssee bzw. vergeblichen Suche nach dem Humanismus.
Ich verstehe dieses Blog weder als "links", noch als "linksliberal" - es versucht, schlicht der Logik zu folgen, sucht die oft verschleierte Wahrheit und landet daher fast zwangsweise immer wieder in sozialistischen Regionen, in die es nie wollte. Die Logik lässt sich nicht so leicht austricksen wie es der interessengeleitete menschliche Geist tut.
Dennoch gilt auch weiterhin Spocks weiser Spruch: "Logik ist nur der Beginn aller Weisheit - und nicht ihr Ende."
Der Blogbetreiber stellt sich vor - auf dass NSA, "Verfassungsschutz", BKA und so viele andere nicht mehr so ausufernd suchen müssen:
Facebookfreie Zone
Das gilt selbstredend auch für alle anderen Datenkraken und "sozialen Netzwerke".
Statt Facebook lieber Ghostery :-)
Dieses kleine, kostenlose Plugin gibt's für alle gängigen Browser - macht es den Werbefuzzis und Überwachungsfetischisten doch wenigstens ein bisschen schwerer, Euren Spuren im Netz zu folgen ...