Dienstag, 8. Mai 2012

Italien: Wenn der Kapitalismus wütet

Die zehn reichsten Italiener besitzen so viel wie ärmsten drei Millionen, geht aus einer neuen Studie der italienischen Notenbank hervor. Die zehn reichsten Menschen des Landes, angeführt vom Chef des Süßwarenproduzenten Ferrero, Michele Ferrero - Hersteller des weltbekannten Schokoladen-Aufstrichs Nutella - besitzen insgesamt ein Vermögen von 50 Milliarden Euro. (...)

Platz zwei in der Liste der reichsten Italiener besetzt der Gründer des weltweit größten Brillenkonzerns Luxottica, Leonardo Del Vecchio, mit 8,6 Milliarden Euro Vermögen. Auf Platz drei schaffte es laut einer Forbes-Studie der Modepapst Giorgio Armani, gefolgt von seiner Kollegin Miuccia Prada und dem italienischen TV-Tycoon und Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi. Unter den Top Ten der zehn reichsten Italiener sind auch Pradas Ehemann Patrizio Bertelli, der Chemiekönig Stefano Pessina, gefolgt von Carlo, Giuliana, Gilberto und Luciano Benetton, Gründer der gleichnamigen Modegruppe. Auf Platz zehn schaffte es der Gründer und Chef des Schuhkonzerns Geox, Mario Moretti Polegato.

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Anmerkung: In diesem kurzen Artikel aus Österreich wird das Gesindel endlich einmal beim Namen genannt und ins Licht der Öffentlichkeit gerückt - ein Umstand, der in deutschen Mainstreammedien bezüglich des bei uns heimischen Superreichtums nahezu nicht stattfindet. Es ist allerdings davon auszugehen, dass ein solcher Bericht in Deutschland nicht einmal für große Aufregung sorgen, sondern bei vielen Menschen eher Neid auslösen würde - denn den Kapitalismus findet der gemeine Michel ja bekanntlich super, während der Sozialismus dem Fegefeuer gleichzusetzen ist. - Ob der Standard auch österreichische Milliardäre genauso offen beim Namen nennt, ist mir hingegen unbekannt.

Interessant sind auch einige der Kommentare unter dem Text, die sich nach meinem Empfinden doch deutlich von dem neoliberalen, nachgeplapperten Propaganda-Blabla unterscheiden, das sich so oft unter Artikeln der deutschen Mainstreampresse findet. Eine Kostprobe eines Kommentators namens NONE:

"Es wird Zeit für eine Umverteilung. / So geht es nicht weiter. / Virtuelles Geld (Schulden) wird dem Gros der Menschen aufgezwungen von Goldman sucks Verrätern, aber Reiche werden noch reicher? / Das geht so einfach nicht mehr weiter. / Die Revolution wird kommen. / Lieber gemeinsam arm, als ein paar reiche Verräter."

Da geht einem doch das Herz auf - und gleichzeitig steigt der Blutdruck immens, wenn man im gleichen Atemzug an die steigenden Wahlerfolge der Faschisten in ganz Europa denkt.

Aber zurück zu Italien: Für die im Text erwähnte extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit hätte der ebenfalls zum superreichen Gesindel gehörende Mafia-Boss Berlusconi sicher eine angemessene Lösung - jedenfalls solange es sich um weibliche Jugendliche mit großer Oberweite und einer extrem hohen Ekelgrenze bzw. entsprechend großen materiellen Not handelt. Es gibt Dinge, die man sich aufgrund ihrer Widerwärtigkeit einfach nicht vorstellen will - und dennoch sind sie alltäglich. Ich muss mich dem Standard-Kommentator anschließen: Das geht so tatsächlich nicht mehr weiter - jedenfalls nicht mehr allzu lange. Die Frage der Fragen ist bloß, welche Art der Revolution sich anschließen wird. Momentan sehe ich da nichts als Schwärze - es sind nirgends irgendwelche Anzeichen zu erkennen, dass die Entwicklung diesmal in anderen Bahnen verlaufen wird als vor 80 Jahren.

Wenn der Kapitalismus wütet, macht er keine Gefangenen - auch dann nicht, wenn das Ende längst absehbar ist. Es wird "geschossen bis zum letzten Mann". Und wenn danach wieder alles in Trümmern liegt, fängt man wieder von vorne an und baut alles langsam wieder auf - die Wirtschaft "floriert" erneut und die von oben herabfallenden Brotkrümel werden als neues "Wirtschaftswunder" religiös gefeiert, während das superreiche Pack hinter den Kulissen immer noch die Champagnerkorken knallen und die verbliebenen Massen weiter für sich schuften lässt.

In Ewigkeit. Amen.

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[Der dicke Kapitalist]


"Tja - große Gewinne erfordern kleine Opfer!"

(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 7 vom 12.05.1920)

Zweite Anmerkung: Mehr über Karl Arnold, der auch zu den Verrätern gehörte, die ab 1933 die Seiten gewechselt und den Nazi-Terror mitgetragen haben, kann man hier lesen.

Kommentare:

TTT hat gesagt…

Du zeichnest aber ein düsteres Zukunftsbild. Sind die Wahlen in Griechenland und Frankreich denn nicht ein Lichtblick?

Charlie hat gesagt…

Du nennst das einen Lichtblick? Ich erinnere mal an 1998, als 16 bleierne Jahre Kohl, angefüllt mit neoliberalen Änderungswünschen, endlich zu Ende gegangen sind und die "progressiven Sozialdemokraten" mit grüner Unterstützung das Ruder übernommen haben ... und das Ergebnis war der soziale Kahlschlag in Deutschland und der Neubeginn faschistischer Traditionen.

Warten wir also mal ab, was Hollande in Frankreich tun wird ... ein "Sozialist", wie es unsere Medien uns erzählen, ist er ja nun nicht, sondern ein Sozialsemokrat - aber auch das heißt ja nichts, wie wir allerspätestens seit Schröder wissen.

Auch kleine Korrekturen am neoliberalen Untergangskurs ändern nichts am Ergebnis.

Und was Griechenland betrifft: Die Faschisten haben auch dort Einzug ins Parlament gehalten - die Verhältnisse erinnern noch viel stärker als in Deutschland an die Endzeit der Weimarer Republik. Das kann nur jemanden wundern, der nicht aufgepasst hat - ich schreibe seit Jahren über diese Gefahr, und ich bin nur ein kleines Licht unter vielen anderen, die dasselbe tun.

Es wäre mir einen Kniefall wert, wenn die neoliberale Zerstörungswelle endlich gestoppt wäre - aber ich kann nicht daran glauben. Wenn Hollande mich in dieser Hinsicht positiv überraschen sollte, diene ich mich ihm lebenslang als Leibeigener an!

Anabelle hat gesagt…

Ich finde das Bild auch keinesfalls zu düster, es ist wohl eher realistisch.

Das Bild (bzw. das, was dahinter steckt) macht einem richtiggehend Angst. Solche Reiche gibt es wirklich, und zwar nicht nur vereinzelt.