Samstag, 11. Februar 2017

Bundeswehr: Exzesse bei der Ausbildung zum Mörder


Es kommt wahrlich nicht selten vor, dass ich beim Lesen der hiesigen Journaille über Textpassagen oder gleich ganze Artikel stolpere, die unweigerlich die entsetzte Frage in mir aufkeimen lassen, ob manche JournalistInnen eigentlich noch alle Latten am Zaun haben. Vor einigen Tagen ist dies wieder geschehen, als ich mich – wie immer auf das schlimmste gefasst – der täglichen Nachrichtenlektüre hingab und bei fr-online lesen musste (alternative Quelle):

Erniedrigung und Sex-Rituale bei Elite-Truppe / In einer Kaserne in Pfullendorf kommt es zu einer Häufung "ernstzunehmender Vorfälle". Laut Medienberichten soll es sich um erniedrigende Rituale, sexuelle Übergriffe und andere Straftaten handeln.

Ei der daus!, dachte ich so bei mir, als ich das las: Da werden junge Menschen zu Mördern – zu "Elite"-Tätern gar – "ausgebildet", und dennoch wundert es irgendwen, dass dies bei manchen Menschen soziopathische oder anderweitig schädigende charakterlich-emotionale Folgen hat? Was denkt der gemeine Schreibtischtäter (gemeint sind natürlich auch Frauen) sich denn, wenn jungen Menschen militärischer Drill, Uniformzwang, Gehorsam gegenüber "Vorgesetzten" und strikte Konformität eingebläut wird, während sie gleichzeitig das – möglichst effiziente – Morden "lernen" müssen? Sitzen solche JournalistInnen da an ihren Tastaturen und wundern sich allen Ernstes darüber, dass das Militär meist keine Humanisten, dafür aber manchmal arg deformierte Persönlichkeiten hervorbringt?

Und wie sollen bzw. können junge Menschen darauf reagieren, wenn ihnen gesagt wird, sie könnten am Ende der "Ausbildung" gar einer "Elite"-Truppe angehören, wenn sie denn alle Prüfungen und Anforderungen überstehen? Ist es nicht logisch, dass eine solche widerliche Haltung bei manchen Menschen den Drang erzeugt oder verstärkt, andere zu erniedrigen oder zu quälen, um sich selbst zu erhöhen? Solch einfache Fragen, die jeder gut ausgebildete Psychologe sicher relativ leicht beantworten könnte, kommen der Schreiberzunft gar nicht mehr in den Sinn und werden demnach nicht gestellt. Zu tief sitzt wohl der infantile Propagandaglaube, dass "unser" Militär ganz anders sei als beispielsweise die "böse" russische, syrische oder IS-Armee.

Überdies ist die Wortwahl in diesem Kontext wieder einmal äußerst bezeichnend: Es seien "ernstzunehmende Vorfälle", zitiert die FR das CDU-Kriegsministerium, um später im Text den Kriegsbeauftragten der Bundesregierung, Hans-Peter Bartels (SPD) zu Wort kommen zu lassen: "Alle [Truppen] gehören zur Bundeswehr, und für alle ist ein menschenwürdiger Umgang oberstes Gebot."

Nicht das Morden, nicht die verfassungswidrigen Kriege, an denen die Bundeswehr inzwischen kräftig beteiligt ist, sind im Rahmen dieser Propaganda "ernstzunehmende Vorfälle", sondern die in elitären (Ausbildungs-)Strukturen durchaus erwartbaren charakterlichen Deformierungen einiger Menschen. Und den "menschenwürdigen Umgang" dürfen auch aktuell unzählige Menschen in verschiedenen Teilen der Welt am eigenen Leib erfahren. Auch das ist aber keinen medialen Skandal wert – schließlich mordet "unser" Militär ja im Namen der Freiheit und Demokratie und metzelt einzig "die Bösen".

Mich jedenfalls wundert es nicht im Geringsten, dass es auch in der furchtbaren Ausbildung zum Mörder gelegentlich (oder auch häufiger) zu ekeligen Exzessen kommt. Wer Menschen in eine widerliche Schlammgrube stößt, wirkt ein wenig unglaubwürdig, wenn er sich darüber beschwert, dass sie schmutzig und manchmal eben auch widerlich werden.

Die Bundeswehr gehört rückstandslos abgeschafft – dieses Land benötigt wahrlich kein Militär.

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Sie können es nicht lassen


"Im nächsten Krieg lasse ich meine Armee auf dieser Linie aufmarschieren. Wir wollen doch einmal sehen, ob wir's beim dritten Mal nicht schaffen!"

(Zeichnung von Jörg Wisbeck [1913-2002], in: "Der Simpl", Nr. 8 vom Juli 1946)

Kommentare:

Martin Däniken hat gesagt…

Bei der Ausbildung von Elitetruppen geht es darum dasdas Töten selektiv stattfindet und teilweise aus verhältnismässig grosser Nähe...
Scharfschützen bleiben tagelang an ihrem Subjekt und kriegen mit was der so treibt im Guten wie im Schlechten.
Bei letzteren muss es der Soldat verkraften das er von den Vorgesetzten kein grünes Licht bekommt.
Empfehle Jeremy Clarkson Doku übers Victoria-cross:
https://www.youtube.com/watch?v=Tpg6h16k8eU
Andere "normale Soldaten" haben solche Probleme nicht-Knöpfchen drücken und aus die Maus.
Auch haben französische Elitehochschulen ihre Rituale für Frischlinge

Charlie hat gesagt…

@ Martin: Das komplette "Elite"-Konzept der kapitalistischen Ideologie ist abgrundtief menschen- und intelligenzfeindlich - das betrifft selbstredend nicht nur das Militär. "Elite"-Unis oder gar die hirnschmelzende "Exzellenz-Initiative" - insbesondere deren katastrophalen Ergebnisse - illustrieren das vorzüglich.

"Normale Soldaten" gibt es indes nicht. Im Zweifel sind sie allesamt zum Morden verpflichtet. Und was das aus Menschen macht, ist auch ohne psychologische Schulung leicht vorstellbar.

Liebe Grüße!

Ich bin kein Roboter hat gesagt…

Zum obigen Text, aber auch für die der letzten Tage und Wochen:
Einfach mal Danke! Ich lese gerne mit und es trifft grundsätzlich meine Meinung.

Du hast ja momentan einen guten "Output" (Ausstoß?); schön, dass du trotz der Wiederholung und der doch auch irgendwie immer gleichen Themen nicht müde wirst.

Wenn ich im Kollegen-/Bekanntenkreis die Empörung über so manche Sachen höre (wie z.b. das mit der Bundeswehr) denke ich mir auch immer:
"Was habt ihr denn gedacht...?" bzw. "Es ist das verf...luchte System! Checkst du es nicht?!"

Auch mag ich deine "harte"/vulgäre Sprache; vor allem mit der deutschen Sprache kann man da schön ausholen :-)

Schon mal über Battle-Rap nachgedacht? :-D

Arbo hat gesagt…

Die Abneigung gegen die Bundeswehr kann ich verstehen, meine aber trotzdem, dass das kritisierte Verhalten auf die "Ausbildung zu Mördern" zu kurz greift. Denn das eigentliche Problem scheint mir die autoritäre Struktur dahinter zu sein: Und die haben wir sowohl beim Militär, als auch bei der Polizei und anderen entsprechenden Organisationen.

Ich bin mir außerdem auch nicht sicher, ob die Ausbildung wirklich "deformiert" oder ob sie nicht bereits geistig "deformierte" Personen anzieht. Mit Blick auf die Wirtschaftswissenschaften wurde z.B. mal untersucht, ob die ökonomische Ausbildung nicht auch "deformiert" - die Studien gehen da auseinander, aber in einigen gehen die ForscherInnen davon aus, dass es einen (Vor-)Selektionseffekt gibt (also die entsprechende Ausbildung von denen gewählt wird, die z.B. egoistisch eingestellt sind). Ich kann mir gut vorstellen, dass das auch in dem Bereich Militär und Gewalttätigkeiten zutrifft.

Ein Punkt, der Dir in gewisser Weise widerspricht, wäre nämlich, dass nicht wenige SoldatInnen aus dem Einsatz psychisch belastet hervorgehen. Würde die "Deformation" wirklich Früchte tragen, sollte das dagegen kein Problem sein - was aber mE nicht der Fall ist.

Es kann also gut sein, dass Militär, Polizei usw. zwangsläufig Sadisten anzieht, die dann auch noch in Leitungspositionen kommen - weil sie wohl auch lange durchhalten - und daher von dort in der Tendenz Exzesse geduldet und vertuscht werden. Da aber Militär, Polizei usw. aus politischer Sicht "sauber" zu sein haben, wir das dann auch politisch gedeckt. Da ist also eine Doppelmoral dahinter und Widersprüchlichkeit, die nicht gerne an die große Glocke gehängt wird. Zum Teil trifft sich da wohl auch der eine oder andere feuchte konservative Traum...

Kurz: Autoritäre Ordnungsstrukturen fordern, gleichzeitig aber die Menschenwürde hochhalten, das beißt sich. Zumindest wäre es so, dass wenn Letzteres wirklich verfolgt werden soll, die Strukturen radikal anders aussehen müssten. Gut, bei der Armee ist das natürlich insoweit widersinnig, als dort - wie Du schreibst - im Zweifel zum Mord ausgebildet wird. Aber wenn ich z.B. an die Polizei denke, da lassen sich ja durchaus Gründe finden, warum es die geben soll - und da müssen wir uns dann halt überlegen, wie wir mit diesen autoritären Strukturen dort umgehen.

Charlie hat gesagt…

@ Arbo: Den Widerspruch sehe ich nicht. Menschen reagieren generell unterschiedlich auf äußere Einflüsse - deswegen werden auch nicht alle Soldaten, die in den Krieg geschickt wurden, psychisch krank. Es bleibt aber wohl unbestritten, dass viele Menschen, die zum Morden geschickt oder auch nur dazu ausgebildet werden, psychische Schäden erleiden, die sich möglicherweise auch in soziopathischem Verhalten zeigen.

Die autoritäre Struktur dieses gesamten Systems - und das betrifft, wie Du richtig schreibst, keineswegs nur das Militär - ist ein anderes Thema, das zweifellos ebenso gewichtig ist und gruselige Auswirkungen hat. Hier ging es mir aber vornehmlich um die "skandalösen" Vorgänge in der Bundeswehr sowie den "Elite"-Gedanken, und es ist doch nur ein kleiner intellektueller Schritt, von diesen eigentlich nicht überraschenden Vorkommnissen den Sprung ins Gesamtgesellschaftliche zu wagen.

Ich habe keine belastbaren Zahlen dazu, würde aber rein intuitiv nicht so weit gehen, allen PolizistInnen, SoldatInnen etc. quasi "von Natur aus" eine sadistische Motivation zu unterstellen. Um einen weiteren Bogen zu schlagen: Ich glaube auch nicht, dass alle "Jobcenter"-Angestellten Menschenfeinde sind, auch wenn ich persönlich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, eine solche widerwärtige Arbeit zu tun.

Das Problem ließe sich aus meiner illusorischen Sicht ganz einfach lösen: Nämlich durch die Abschaffung des Kapitalismus' und der damit verbundenen Ungleichheit der Menschen. Wenn sich niemand mehr persönlich bereichern kann, wäre ein Großteil der heutigen Kriminalität - bis hin zu Kriegen - obsolet.

Selbstverständlich ist ein solcher Gedanke in der heutigen Affenwelt vollkommen utopisch, ich weiß.

Liebe Grüße!

Charlie hat gesagt…

@ no robot: War das ein Kompliment oder doch eher Sarkasmus? ;-) Ich sage vorsichtshalber mal "danke". :-)

Mit "Rap" habe ich leider nicht das Geringste am Hut - ich äußere meine "vulgäre Sprache" dann doch lieber schriftlich. ;-)

Liebe Grüße!

NO GLORY IN WAR hat gesagt…

@Däniken
"Scharfschützen bleiben tagelang an ihrem Subjekt und kriegen mit was der so treibt im Guten wie im Schlechten."

Scharfschützen sind das Ergebnis perversester Auswüchse militärischer Drills, z.B. solche abgerichteten Idioten à la “American Sniper”. Ein dekorierter Navy SEAL - Killer von mehr als 150 "savages" im Irak - der sich folgendermaßen über Araber auf der falschen Seite seines Gewehrlaufes ("on the wrong side of his gun scope") äußerte:
...
"Ein Haufen Leute, einschließlich mir, bezeichnete den Feind als Wilde (‘savages'). Ich wünschte nur, ich hätte mehr gekillt. Nicht aus Angeberei, sondern weil ich glaube[sic!), die Welt ist ein besserer Ort ohne diese Wilden da draußen, die Amerikaner umbringen."
...
Zu welchen Auswüchsen der Glaube solcher Elite-Idioten in der Lage ist, ist in dieser empfehlenswerten Recherche von Mattew Cole zu lesen:
~~~
The Crimes of SEAL Team 6
~~~
Eine Anmerkung zu Jeremy Clarkson War Stories: THE VICTORIA CROSS - FOR VALOUR
Die alte Lüge: Dulce et decorum est
pro patria mori.

Das "Victoria Cross", awarded for:

"... most conspicuous bravery, or some daring or pre-eminent act of valour or self-sacrifice, or extreme devotion to duty in the presence of the enemy"

ist eine dieser idiotischen Auszeichnungen - gegossen aus den Überresten zweier chinesische Kanonen, erbeutet von den Briten während der Belagerung von Sewastopol, mit denen die kriegslüsternde Elite Menschen wie Robert Henry Cain dekoriert, die seit Jahrhunderten so blöde sind "in hervorragender Pflichterfüllung", für die Profite eben dieser gierigen und machtgeilen Elite den Arsch hinzuhalten.

"Ⓐcts of bravery and valour"
sind nötiger denn je, und zwar nicht FÜR sondern GEGEN die faschistischen Eliten, damit es in Zukunft erst garnicht zu solchen "Battles of Arnhem" mehr kommen kann.

¡NO PASARÁN!

Fluchtwagenfahrer hat gesagt…

Moin,
MORD=
vorsätzliche Tötung einer Person unter qualifizierten Umständen. Nach deutschem Strafrecht ist ein Mörder, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet.
Sorry, da habe ich wohl in den letzten 31 J ganz jämmerlich versagt.
Und hör mir auf mit diesen albernen ELITEN,ich kann es nicht mehr hören.
Nehmen wir mal an das die Bw wirklich ein "Spiegel"bild der Gesellschaft ist, na Schlussfolgerung!???
Fakt ist: In keiner bekannten Vorschrift, Neu "Regelung" oder Eidesformel/wird mir vorgeschrieben ein Mörder zu sein.
Die meisten Deformierten die mir in all der Zeit übern Weg gelaufen sind, hatten schon vorher einen an der Marmel, entweder waren sie in der Körperlänge zu kurz oder hatten einen Kleinen oder sonst irgendwelche Probleme mit sich selbst.
Die Bw ist ein Werkzeug im sog. politischen Leben, mehr nicht.

Und bitte mach jetzt nicht den Kurt.


LG
p.s. Ich wollte erst nicht in die Möhre beißen....
p.p.s
Wir können uns ja mal über Gewaltanwendung und erzeugtes Leid durch Arbeitgeber unterhalten, die angebliche Rechtstaatlichkeit, meine Frau und ich können da gerade ein Liedchen von trällern.

jakebaby hat gesagt…

Dazu ein paar aeltere Zahlen zu den Upgefuckten, als das Land der Freiheit und des Friedens noch halbwegs 'richtig Krieg machte(oh heil den Dronen). http://jakester-express.blogspot.com/2008/04/krank-tot-gelogen-die-demokratischen.html

Uebrigens gibt es die Bundeswehr seit Anfang 90ger nicht mehr.
Seither heist sie AKA Angriffs Kriegs Armee und ist seit ein paar Jahren freiwillig.
Gefickt eingeschaedelt.

Gruss
Jake

Arbo hat gesagt…

@ Charlie:

Wegen dem Widerspruch: Mir ging's hauptsächlich um den Punkt, dass solche Strukturen auch Leute anziehen, die nicht erst durch's System "asozial" gemacht werden müssen. Das heißt nicht, dass die alle (!) dort so sein müssen. Aber die Struktur bedingt wohl, dass sich asoziales, menschenfeindliches Verhalten in besonders exzessiver Form "ausleben" kann. Das wiederum schafft mehr solches Verhalten. Und wenn Du dieses System abschaffst, dann wirst Du vielleicht dieses Mehr an "deformierten" Geistern nicht mehr haben. Aber die Idioten, die von vornherein schon so waren und nicht erst "deformiert" werden mussten, wo landen die?

>> Hier ging es mir aber vornehmlich um die "skandalösen" Vorgänge in der Bundeswehr sowie den "Elite"-Gedanken, und es ist doch nur ein kleiner intellektueller Schritt, <<

Das komische bei dem "Elite-Gedanken" ist ja, dass diese "Eliten" ja eigentlich sowieso nur "Schein-Eliten" sind, sozusagen das privilegierte Schlägerfußvolk für die "echten" Eliten.

Aber mal abgesehen davon: Hast Du irgendwo in einem Bericht mal etwas zum sozialen Hintergrund der Beschuldigten gelesen? Ich frage nur, weil in den Berichten, die ich las, bislang wenig davon zu lesen war.

>> Das Problem ließe sich aus meiner illusorischen Sicht ganz einfach lösen<<

Ui, das hängt natürlich davon ab, was Du unter "Kapitalismus" verstehst. ;-) Meine Vermutung ist, dass "Kapitalismus", wie Du ihn wahrscheinlich verstehst, das Problem mitbedingt und begünstigt, es aber nicht verschwinden lassen wird, wenn er selbst abgeschafft ist. Mir ist die antikapitalistische Position zwar sympathisch, aber ich glaube, dass das ebenso zu kurz greift, wie die teilweise in feministischen Kreisen kursierende Überlegung, dass mit der Abschaffung des Kapitalismus auch das Patriarchat und damit Misogynität abgeschafft wäre... außer, Du siehst jegliche Form von Ausbeutung und Diskriminerung als Ausfluss von "Kapitalismus" an. Aber damit schweife ich ab - das sollte wohl eher in einem anderen Beitrag diskutiert werden. ;-)

LG
Arbo

Charlie hat gesagt…

@ Fluchtwagenfahrer: Ich habe mir schon gedacht, dass Du das anders sehen wirst. Das ändert indes nichts an meiner Haltung. Und selbstverständlich darf auch Tucholsky in diesem Zusammenhang nicht fehlen:

"Da gab es vier Jahre lang ganze Quadratmeilen Landes, auf denen war der Mord obligatorisch, während er eine halbe Stunde davon entfernt ebenso streng verboten war. Sagte ich: Mord? Natürlich Mord. Soldaten sind Mörder. / (...) Die [Feld-]Gendarmen aller Länder hätten und haben Deserteure niedergeschossen. Sie mordeten also, weil einer sich weigerte, weiterhin zu morden. Und sperrten den Kriegsschauplatz ab, denn Ordnung muss sein, Ruhe, Ordnung und die Zivilisation der christlichen Staaten." (aus: Kurt Tucholsky: "Der bewachte Kriegsschauplatz", in: "Die Weltbühne", Nr. 31 v. 04.08.1931)

Bezüglich des elitären Gehabes ist es schon richtig, was Arbo dazu geschrieben hat: Im Kapitalismus sind dies stets Pseudoeliten, die aber von allen Seiten (also auch bürgerlicherseits) umso vehementer verteidigt und befeuert werden - und das betrifft bei weitem nicht nur die Bundeswehr, sondern das gesamte Leben in diesem System. Über "Arbeitgeber", Rechtsstaatlichkeit und derlei Dinge mehr gilt es in dieser Hinsicht natürlich ebenfalls zu reden - hier aber ging es mir eben um das Militär.

Es ist aus linguistischer Sicht kein Zufall, sondern pure Logik, dass die Begriffe "Militär" und "Militanz" eng miteinander verwandt sind und denselben Ursprung haben. Dass Du als Berufssoldat das anders siehst, überrascht mich nicht - allerdings ändert das an den genannten Thesen nichts, auch wenn ich Dir jederzeit glaube, dass Dir persönlich jedweder Mordgedanke ebenso fern ist wie mir oder anderen.

Liebe Grüße!

Martin Däniken hat gesagt…

@no glory at war: das Victoria-cross wurde das letzte Mal an zwei Falklandkriegs-Soldaten verliehen-
Posthum-da zeigz sich der spezielle Sinn der Engländer für Humor :-7
Der Orden wurde gegen die Widerstände der Offizierskaste eingeführt,die sich gerne gegenseitig Lametta verpassten und das jetzt Mannschaften tapfer sein sollten,ging nicht in ihre Schädel...
Und das gezielte Töten von Militärpersonal durch Sniper ist "humaner" als ganze Gegende durch Brandbomben unbewohnbar zumachen!Von der psychologischen Wirkung mal ganz abgesehen...
Mannschaften denen ihre Führung neutralisiert wurden sind demoralisiert!
Wenn schon bewaffnete Konflikte dann unter Profis,die wissen was sie tun!!!
Und überleg mal warum es so wenig Sniiper und Elitetruppen gibt-solche Leute kann man nicht klonen.

Charlie hat gesagt…

@ Martin: "Wenn schon bewaffnete Konflikte dann unter Profis, die wissen was sie tun!!!"

Mit Verlaub - aber einen solchen Unsinn möchte ich hier nicht lesen! Es ist hanebüchener Irrsinn, verschiedene Arten des Tötens abgestuft zu bewerten. Das Töten muss gänzlich, ohne jede Einschränkung, unverzüglich eingestellt werden! Es ist abgründig pervers, "gezieltes Töten" gar als "humanere" Art des Mordes darzustellen.

Liebe Grüße!

jakebaby hat gesagt…

Bundeswehr/Andere:

.Vorsätzliche Tötung einer Person unter qualifizierten Umständen. check

.Morden aus niedrigen Beweggründen. check

.Heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln morden. check

.Vorgeschriebenes Morden. check

.etc. check

auch ansonsten ??


Fluchtwagenfahrer hat gesagt…

Moin Jake,
ja kann man so sehen, im Zusammenhang mit der Bw aber auch nicht.
In erster Linie sind wir eine sog. Parlamentsarmee.
Der Bund stellt Streitkräfte zur Verteidigung auf..
In meinem Bw Leben habe ich auch an Grenzen mit meinem Boot gestanden, um andere Staaten daran zu hindern zu töten. Medikamente verschenkt. Katastrophenopfer geholfen und andere rein humanitäre Dinge. Alles was so ein bewaffnetes techn. Hilfswerk so macht. Und das war gut so.
So wie es allerdings die letzten Jahre läuft,die Sicherheitsinteressen Deutschlands am Hindukusch verteidigen and so one ist,mit Verlaub Bullshit.
Und das scheint sich rum zu sprechen, kommen ja nur noch wenige zum Bund.
Aber was sag ich,bin auch nur ein Bauer auf dem Schachbrett.
Die meisten Zivilisten und auch Militärs die ich in den unzähligen Ländern gesprochen habe, wollten genau das Selbe wie ich. Frieden,Familie,Kinder,die Kerle ein schnelles Auto und ne heiße Frau,genug Geld zum Leben. Keiner wollte töten oder getötet werden.
LG
p.s. Charles mein Lieber,da hast du doch den alten Kurt bemüht,schlimmer Finger du.