Ich weiß, es ist ermüdend, immer wieder denselben Sermon lesen zu müssen. Ich habe gefühlt schon fünfzigmal auf den propagandistischen Unsinn, den die hiesigen Medien in fast schon trotziger Kontinuität fast jeden Monat in die Welt koten, hingewiesen (ich verzichte hier auf entsprechende massenhafte Verlinkungen - wer das trotzdem noch einmal lesen möchte, muss halt ein wenig suchen) - trotzdem muss ich das auch weiterhin tun, denn wenn die Propaganda nicht verstummt, darf es die Opposition erst recht nicht tun.
Bei Zeit Online war vor einigen Tagen also wieder einmal zu lesen:
Kauflaune der Deutschen wird immer besser / Das Konsumklima in Deutschland hat sich laut Marktforschern zum vierten Mal in Folge verbessert. Auch in die Zukunft blicken die Bürger demnach optimistisch.
Den Quatsch muss man nicht lesen, denn das erklärte Ziel steht ohnehin fest: Es gibt keine Armut in Deutschland und das Wohlbefinden der Menschen ist sowieso einzig daran gebunden, wieviel sie konsumieren - also kaufen - können. Hier ist wirklich alles absurd: die Annahme, die Untersuchung und das Ergebnis gleichermaßen. Eine so dreiste, offensichtliche Propaganda kennen Westdeutsche vor allem aus den ehemals im Westen verächtlich kommentierten Verlautbarungen aus der damaligen DDR.
Diese Propagandameldungen unterscheiden sich tatsächlich in nichts von den gelogenen "Übererfüllungsquoten" der ehemaligen DDR-Propaganda. Sie sind dafür um Längen widerlicher und menschenfeindlicher, denn in Kapitalistan werden Menschen gnadenlos in die Obdachlosigkeit geschickt, wenn sie sich nicht wehren können oder unter besonders ekeligen Eichmännern in den Behördenstuben zu leiden haben. Ist es wirklich verwunderlich, dass so viele Menschen inzwischen in den Armen der noch viel menschenfeindlicheren AfD landen, die zwar ebenfalls keine Antworten auf die drängenden Fragen bietet, dafür aber einfache, dumme Scheinlösungen? Zufällig geschieht das gewiss nicht.
Es ist nur eine Randnotiz - aber auf der Internetseite von Zeit Online war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Propagandatextes unmittelbar darunter dies zu sehen:
Was soll man zu diesem Kindergarten noch sagen. Es sind eben stets die anderen, die lügen, gelle.
Ein müder Lichtstrahl küsst eine Ruine,
In feuchten Kellern wird es langsam Nacht.
Ein blasser Mond verzieht höhnisch die Miene -
Das ist die Fratze dieser Zeit, - die lacht.
Aus kahlen Trümmern kriecht ein fahles Dämmern,
Der Abendwind umsäuselt einen Baum.
Von irgendwo erklingt noch müdes Hämmern,
Vier Menschen drängen sich in einem Raum.
Verfaultes Leben schleimt auf allen Gassen,
Die Abfallgruben stinken widerlich.
Und während in den Luxusvillen Bonzen prassen,
Gehn Huren müde auf den Abendstrich.
Vor einer Haustür steht ein fetter Mann,
In einer nahen Gosse spielen Kinder.
In einer Kirche betet's dann und wann:
Herrgott! Wir sind doch alle arme Sünder!
Und irgendwo lieben sich frohe Menschen,
Und irgendwo lauert der kalte Mord.
In einem kleinen, reichen Ländchen
Schmieden die Dichter noch das Rettungswort.
Der letzte Lichtstrahl küsst eine Ruine,
In feuchten Kellern ist stockdunkle Nacht.
Zu eines bleichen Abendhimmels Miene -
Die graue Elendsfratze höhnisch lacht.
(Heinz Schneekloth [*1924], in: "Der Simpl", Nr. 19 vom Oktober 1947)
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Dämmerstunde an der Küste
(Gemälde von Kurt Klamann [1907-1984] aus dem Jahr 1946, Öl auf Holz, Privatbesitz)
Die Überwachungspläne der korrupten Bande schreiten munter voran. Vor einigen Tagen geisterte die wenig beachtete Meldung durch die deutschen Gazetten, dass nun die Staatsgrenzen verschärft ins Visier des Großen Bruders genommen werden (alternative Quelle):
Berlin plant eine Verschärfung der Grenzkontrollen. Mit mobilen Kennzeichenlesegeräten sollen künftig alle [sic!] Fahrzeuge, die die Grenze passieren, erfasst und mit den Fahndungsdateien abgeglichen werden. Das lässt sich der Bund einiges kosten.
Die Propagandaberichte versichern natürlich - fast schon hastig - zugleich, dass diese Überwachungen "nur anlassbezogen" und "nicht flächendeckend" geplant seien, auch wenn der sonstige Text der Meldungen dem klar widerspricht. Es kommt zudem offensichtlich niemand auf den naheliegenden Gedanken, dass eine solche perverse Überwachungsstruktur jederzeit unverzüglich umgestellt werden kann auf eine anlasslose Totalüberwachung ohne irgendeine Löschung der Daten. Auch wird hier nicht deutlich, was genau mit "Fahndungsdateien" gemeint ist - oder gibt es schon die große "Big Data"-Zusammenführung verschiedenster polizeilicher, geheimdienstlicher, militärischer in- und ausländischer "Fahndungslisten", ohne dass ich das mitbekommen habe? Gehören die geplanten Mordopfer der US-Regierung ebenso dazu wie "unliebsame Zeugen" des "Verfassungsschutzes"? Man erfährt stets so wenig.
Mich gruselt es jedenfalls bis ins Knochenmark, wenn ich so etwas lese, und ich verstehe einmal mehr nicht, dass die narkotisierte Bevölkerung weiterhin lammfromm und still bleibt, anstatt den schauerlichen Figuren ihre Überwachungskameras und Fahndungsdateien an den Kopf zu werfen und sie geteert und gefedert aus den Städten zu jagen. Der Begriff der "Freiheit" war ja schon immer eine hohle Phrase in sehr engen Grenzen in der "freiheitlich-demokratischen", also kapitalistisch-unfreien Welt - inzwischen verkommt er mehr und mehr zu einem müden Schatten seiner eigenen Karikatur.
Und das alles im Namen des Terrors. - Ganz sicher wird man auf diese Weise zuhauf "Anschläge" verhindern und "Gefährder" fassen können, die gewiss stündlich mit auf den eigenen Namen zugelassenen oder angemieteten Autos die Grenzen passieren, um kleinen Kindern die Köpfe abzuschneiden, bevor sie ihren Ausweis am Tatort hinterlegen und sich dann entweder selbst in die Luft sprengen oder von den "Sicherheitskräften" erschießen lassen. - Glaubt diesen Quatsch allen Ernstes irgendwer?
Ich sehe auch eine Menge wirklich böser Gefährder in dieser völlig verkommenen, schmutzigen Welt - allerdings hocken die fast allesamt in den Geldspeichern, Villen, Banken, Lobby- und Wirtschaftspalästen, Parlamenten und Medienhäusern dieses korrupten Gebildes, das sich irrsinnigerweise noch immer "Staat" nennt - dort sind selbstverständlich aber keine Überwachungen geplant. Es gibt indes einen Begriff dafür, der weitaus passender ist: "Mafia".
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Stützen der Gesellschaft
(Gemälde von George Grosz [1893-1959] aus dem Jahr 1926, Öl auf Leinwand, Nationalgalerie Berlin)
Anmerkung: Besonders hinweisen möchte ich hier auf die Darstellung des "Journalisten" (unten links), dem Grosz einfach mal einen Nachttopf auf den Schädel gesetzt hat. - Das Bild ist indes in vielerlei Hinsicht heute ebenso aktuell wie damals. Anders als damals erkennt das heute aber kaum jemand mehr, fürchte ich.
Ich habe Deutschland zwei Jahre nach der Wiedervereinigung – meine Tochter war noch nicht geboren – verlassen. Über viele Jahre und mit viel bürokratischem Aufwand (Aufenthaltsrecht, Arbeitsgenehmigungen etc.) habe ich mir eine selbstständige Existenz in Frankreich aufgebaut. Meine Tochter ist hier aufgewachsen, hat die Schule bis zum Gymnasium durchlaufen und kannte Deutschland nur aus den Besuchen von Freunden und Verwandten. Diese hat sie in schöner Erinnerung behalten und nach dem Abitur war es ein großer Wunsch von ihr, in Deutschland zu studieren.
Da ich meine Tochter nicht unbegleitet lassen wollte, habe ich meine selbstständige Arbeit ruhen lassen, um meiner Tochter den Einstieg in das Land ihrer Eltern zu erleichtern. Ich hatte mich bereits auf Stellen beworben und eine Zusage für eine Beschäftigung als Integrationslehrerin in der Tasche, so dass wir finanziell eigentlich nichts zu befürchten hatten. Allerdings hatte ich trotz zwölfjähriger Erfahrung in der Erwachsenenbildung nur eine eingeschränkte Zulassung vom Bundesamt für Flüchtlinge (BAMF) erhalten. Das bedeutete, dass ich für 700 Euro Kurskosten eine 70stündige Weiterbildung hätte ableisten müssen, die natürlich weiter entfernt angeboten wird, während ich alle Aufwendungen dafür (Hotel, Anfahrt etc.) selber hätte tragen müssen – es sei denn, ich hätte mich verpflichtet, für ein ganzes Jahr Integrationskurse zu geben – dafür hätte es dann Zuschüsse gegeben.
Andere müssen für 1.400 Euro eine verlängerte Weiterbildung absolvieren – da war ich schon etwas besser gestellt.
Also trotz allem: Koffer gepackt und zurück mit guten Gefühlen nach Deutschland, wo uns Freunde zunächst einmal Gastrecht gewährt haben. Was wir dann erlebt haben, hat sich allerdings eher als Albtraum herausgestellt denn als Perspektive.
Die erste große Überraschung war nicht unbedingt mein Arbeitsvertrag als Scheinselbstständige – ohne finanzielle Absicherung im Falle von Krankheit, Urlaub, von Feiertagen oder bei Ferien sowie die aus eigener Tasche zu bezahlende Sozial- und Krankenversicherung – sondern der immense Arbeitsumfang, den ich täglich abzuliefern hatte, um auf ein Einkommen zu kommen, das uns erlauben würde, nicht nur zu überleben, sondern davon auch halbwegs gut zu leben. Was die Arbeitsstunden betraf, so wurden diese weitgehend eingehalten, nur in der Vergütung gab es erhebliche Unterschiede. Das bedeutete für mich Arbeitstage, die um 8:00 Uhr begannen und häufig erst um 20:00 Uhr endeten.
Während die Integrationskurse einigermaßen korrekt bezahlt wurden, war eine 35-Stunden-Woche dennoch nicht ausreichend, um davon seinen Lebensunterhalt zu sichern, denn andere Kurse – wie beispielsweise Einzelunterricht für Firmen, B2-Kurse etc. – wurden mit lediglich 16 Euro vergütet. Die notwendige Unterrichtsvorbereitung ist in den 35 Stunden nicht enthalten und wird auch nicht anderweitig bezahlt. Trotzdem erhielt ich permanent Angebote für viele verschiedene Kurse, kurzfristig angesetzt, die ich von einem auf den anderen Tag und auch an unterschiedlichen Veranstaltungsorten wahrnehmen sollte.
Nachdem der erste Schock überwunden war, haben wir uns auf die Wohnungssuche begeben, denn wir konnten ja nicht ewig bei unseren Freunden bleiben. Also hieß es: jeden Tag die Zeitungsanzeigen anschauen und im Internet suchen!
Die Wohnungssuche
Der Besuch beim Immobilienmakler hinterließ folgende Bilanz: Horrende Mietpreise für drittklassige Unterkünfte; Nichtraucher erwünscht; ohne Kinder; mit gesichertem Einkommen; wenn möglich Wochenendheimfahrer – und natürlich ohne Haustier. Schufa-Auskunft inklusive. Beim Makler sollten wir eine schöne Bewerbungsmappe vorlegen – aber der Hund ...: "Können Sie den nicht woanders lassen???"
Nur nicht den Mut verlieren! Ich stoße auf eine Anzeige bei Ebay: "Zwischenmieter gesucht, Zweizimmerwohnung – Hund kein Hindernis!" – Sofort reagiert, und siehe da, wir dürfen die Wohnung besichtigen.
Bereits beim Betreten des Treppenhauses umgibt mich ein mulmiges Gefühl – es mieft und stinkt. Die Wohnung ist möbliert, aber die Einrichtung ist selbst für den Flohmarkt nicht mehr geeignet. Trotzdem haben wir keine andere Wahl: Der Mietpreis ist horrend und die Vermieterin, die mich fatal an ein "Nazi-Girl" erinnert, äußerst unsympathisch. Am nächsten Tag unterschreibe ich den Mietvertrag – drei Monate Kündigungsfrist.
Ich fühle mich, als hätte ich mein (Todes-)Urteil unterschrieben. Mittlerweile hatte ich fast täglich acht Stunden zu unterrichten – morgens fünf Stunden und nachmittags von siebzehn bis zwanzig Uhr. Die Teilnehmer der Kurse waren glücklich, denn bei anderen Lehrern ging es ihnen immer zu schnell – der Lehrplan musste ja eingehalten werden. Ob die Leute etwas verstehen oder nicht, ist schließlich egal ...
Was man in Deutschland unter Integration versteht
Wie gründe ich meine eigene Existenz, wie fülle ich Formulare für Ämter aus, wie trenne ich meinen Müll, was ist Heimat, was ist das Oktoberfest und was gibt es über andere deutsche Bräuche zu lernen – all das ist aus Behördensicht ungemein wichtig für die Integration von Ausländern in Deutschland. Es verlangt schon einiges pädagogisches Talent und Geschick, damit nicht sehr schnell eine allgemeine Ermüdung eintritt.
Die Teilnehmer der Kurse sind oftmals noch hoffnungsfroh und voller Dankbarkeit der Frau Merkel gegenüber, die sie "vor ihrem Elend gerettet" hat, aber auch schon häufig resigniert. Manche von ihnen leben in Lagern, andere bereits in eigenen Wohnungen.
Beim Arbeits- oder Sozialamt sind sie dann alle gleich und werden nur noch als Kundennummer geführt. Für die so genannten Bildungsträger gibt's nur dann Geld, wenn die Anwesenheit der Teilnehmer gesichert, also dokumentiert ist. Deshalb wird mit pedantischer Sorgfalt die Anwesenheit kontrolliert und es werden Entschuldigungen bei Abwesenheit verlangt (Krankmeldungen etc.).
Teilweise müssen die Kosten für diese Integrationskurse von den Teilnehmern selbst aufgebracht werden, denn was unter Integration allgemein verstanden wird, das beschränkt sich weitgehend auf Flüchtlinge. Integriert werden müssen in Deutschland aber nicht nur Flüchtlinge, sondern z.B. auch eine italienische Krankenschwester, die zunächst mal 600 Euro für die Anerkennung ihrer Krankenschwesterausbildung in Italien hinlegen muss, und zusätzlich, obwohl sie zwar sehr gut deutsch spricht, aber darüber noch keine offizielle Bescheinigung vorweisen kann, einen Kurs belegen muss, der sie noch einmal schlappe 1.500 Euro kostet, während sie vom Arbeitsamt in der Zwischenzeit nur als Praktikantin eingestuft wird.
Was für eine gute Lernatmosphäre nötig wäre, wird konsequent vernachlässigt und einzig der ökonomischen Devise geopfert: Es gilt, mit möglichst geringem Aufwand einen möglichst hohen Ertrag zu erzielen: Zwei Damen- und zwei Herrentoiletten für 60 Schüler samt Lehrpersonal und Angestellte; die Unterrichtsräume so eng bemessen, die Tische so eng gestellt, dass ich mir bei den Ausflügen zu den hinteren Tischen stets blaue Flecken geholt habe.
Die Wohnung
Zunächst waren wir sehr glücklich, unsere "eigenen" vier Wände zu haben – doch dann mussten wir sehr schnell feststellen, dass bei minus 10° C Außentemperatur nachts weder die Heizung im Badezimmer, noch die in der Küche funktionierte – im Wohnzimmer machte die Heizung einen Höllenlärm und wurde nur mäßig warm. Die Waschmaschine lief lediglich auf zwei Programmen und musste manuell weitergestellt werden.
Der Wäscheständer war schief und bereits mit Isolierband "repariert worden". Nach einer Woche musste ich in der Küche feststellen, dass sich an der gesamten Wand, die nach außen geht, ein widerlicher grün-schwarzer Schimmel bildete. Als wir das der Vermieterin mitteilten, machte sie uns dafür verantwortlich. Dann die böse Überraschung – mitten in der Nacht ein furchtbarer Lärm: der Küchenschrank war zur Hälfte zusammengebrochen. Ab dem Moment hatten wir richtig Panik, etwas anzufassen.
Krankheit
Ich weiß nicht, ob ich es dem Schimmel zu verdanken hatte oder einfach der Tatsache, dass ich ziemlich überarbeitet war – jedenfalls wurde ich ziemlich heftig krank. Fieber, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, vereiterte Mandeln. Um keinen Verdienstausfall zu haben, bin ich weiterhin zur Arbeit gegangen mit dem Resultat, dass ich über mehrere Tage fast keine Stimme mehr hatte. Piepsiger Anruf beim Arbeitgeber, dass ich nicht unterrichten kann – mit der Antwort, ob ich das nicht früher hätte sagen können, ich wüsste doch, wie schwer Ersatz zu finden ist. Da kein Ersatz gefunden wurde, fielen die Kurse dann aus – selbstverständlich aber nicht die Integrationskurse, mit denen Geld zu verdienen ist.
Die Flucht
Da ich eigentlich nur Geld übrig hatte, um einigermaßen gut essen zu können – unser einziger Luxus –, beschloss ich, dem Ganzen ein Ende zu setzen. Zum Glück konnte ich vorzeitig die wunderbare Wohnung kündigen. Die Wohnungsübergabe ist mir noch immer in traumatischer Erinnerung. Die Vermieterin kam, durchschritt die 58-qm-Wohnung mehrere Male, so dass man die Erschütterung ihrer Schritte geradezu bis in Mark und Bein verspürte. Bei minus 5° C riss sie alle Fenster auf – wir saßen wie zwei Schwerverbrecher auf dem verdreckten Sofa und nun wurden alle Schränke geöffnet, der Lattenrost des Bettes inspiziert, unter das Bett geschaut, die Waschmaschine in Gang gesetzt – nichts entging ihren Argusaugen. Am Wohnzimmerfenster entdeckte sie etwas Schimmel und an den Fenstern Feuchtigkeit – merkwürdig, dass sie alle "Stellen" bereits kannte.
Alle Mängel an Inventar und Wohnung lastete sie uns an und weigerte sich deshalb, die geleistete Kaution zurückzahlen. Das Ganze eskalierte und wir wussten keinen anderen Ausweg, als unseren Freund anzurufen, damit er uns hilft. Dieser drohte ihr dann mit einer Anzeige, da er den Eindruck hatte, sie wolle sich an uns bereichern.
Nach langem Hin und Her bekamen wir endlich unsere Kaution – bis auf 20 Euro, die sie unbedingt behalten wollte für die "Reparatur" des Küchenschrankes. Es folgte noch eine Nacht bei unseren Freunden und am nächsten Tag ging es endlich zurück nach Frankreich.
Meine Tochter hat nun doch Abstand von der Idee genommen, in Deutschland studieren zu wollen, wobei ich in diesen Bericht nichts von den Erfahrungen meiner Tochter habe einfließen lassen.
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Dieser Text wurde dem "Narrenschiff" freundlicherweise von Troptard zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!
Meine esoterischen Lieblingsfeinde von "Jenseits der Realität" sind ja permanent auf der Suche nach esoterischen KünstlerInnen und graben dabei so manches verfaulte Volksmusik-Ei oder gerne auch populäre Musik vergangener Jahrhunderte ohne jeden Tiefgang aus. Ebenso gerne begeben sich Faulfuß und Konsorten aber auf die Jagd nach neuen literarischen HeldInnen und haben auf diese Weise schon für reichlich prustende Unterhaltung auf der Narrenschiffsbrücke gesorgt.
Kürzlich ist den Religioten, die sich selbst gerne "Spiris" nennen (ich verkneife mir jeden Brüllwitz dazu), ein echter Clou gelungen, denn sie haben den neuen leuchtenden Stern am deutschsprachigen Lyrikhimmel ausgemacht: "Worte – Neue Lyrik von Sabine B." - Ich empfehle die Lektüre dieser bahnbrechenden "Poesie" ausdrücklich, denn nach sieben Kästen Bier, zwei Flaschen Korn und 47 "funny cigarettes" gibt es in der Tat nichts mehr, das noch tiefgehender und ergreifender sein könnte.
Ich habe mir nun, mit etwas wissenschaftlichem Abstand, einmal die Mühe gemacht, die literarischen Heldentaten der Frau B. eingehend zu analysieren. Der Schwerpunkt lag selbstverständlich auf den ersten vier Buchstaben dieser Analyse. Dabei ist das folgende B-Plagiat entstanden, das ich der genervten Bevölkerung von Kleinbloggersdorf nicht vorenthalten mag:
Der Verlust
Für Sabine B., 2017 A.D.
Wenn der Zombie röhrend meint: "Es schmeckt!",
stellst du panisch und verzweifelt fest:
Dein Gehirn ist plötzlich, plötzlich weg!
Des Zombies grunzend' Schmatzen rülpst den Rest.
Trotzdem musst du dich nicht so furchtbar grämen,
denn letztlich ist's doch völlig einerlei,
dass dein Hirn nun im Zombiemagen 'west,
anstatt im Schädel deinen Leib zu lähmen.
Und mag der Faulfuß dich auch noch so kirren:
Schreib niemals wieder ein Gedicht, ich bitt'!
Als Zombie lebt es sich doch auch sehr nett.
Millionen Esos können sich nicht irren!
Es ist ja stets mit unfreiwilligem Slapstickhumor verbunden, wenn heutige kapitalistische Massenmedien sich dem Thema Philosophie widmen - die Beispiele dafür sind längst Legion (ich erinnere nur ungern an Peter Schlotterschwanz). Dass es aber ebenfalls in oberflächliche, geradezu lächerliche Küchentischweisheiten ausartet, wenn beispielsweise Zeit Online ein Interview mit einer Philosophieprofessorin bringt, läutet eine neue Stufe der Dämlichkeit ein, die sich gewaschen hat.
Die Rede ist von diesem Interview mit Prof. Sabine Döring, die "Praktische Philosophie" an der Uni Tübingen lehrt. Ich weiß freilich nicht, wie authentisch bzw. vollständig der wiedergegebene Text ist - was da aber zu lesen ist, muss jedem Geisteswissenschaftler und jedem denkfähigen Menschen aufgerollte Fußnägel und blutende Augen bescheren. Gerade zum Thema "Weltschmerz", das in Untergangszeiten wie heute nicht ohne Grund sehr aktuell ist, bekommt man dort hanebüchenen Unsinn zu lesen, der - wäre es nicht so ernst - karnevalistische Lachsalven zur Folge hätte. Döring vergleicht den "Weltschmerz" der Literatur der Jahrhundertwende, also ebenfalls einer Zeit des kapitalistischen Unterganges, einfach mal mit einer persönlichen "Spinnenphobie" [sic!] und negiert damit ganze Jahrzehnte der literaturwissenschaftlichen Erkenntnis gänzlich. Man könnte tonnenweise Regalwände aus literaturwissenschaftlichen Bibliotheken in die Müllverbrennungsanlage kippen, nähme man diesen grotesken Unfug ernst.
Des weiteren offenbart die Dame ein äußerst elitäres, geradezu faschistoides Menschenbild, wenn sie sagt:
Ob ich die Welt als unzulänglich erlebe oder nicht, hängt davon ab, welche Wünsche, Ziele oder Bedürfnisse ich habe. Ein Handwerker, der glücklich ist, wenn die Ziegel, mit denen er das Dach decken will, pünktlich ankommen, wird weniger Weltschmerz erleiden als jemand, der sich dafür verantwortlich fühlt, wie die Welt sich insgesamt entwickelt.
Ich weiß nicht, wie ich eine solche widerliche Aussage kommentieren soll, ohne ausfällig zu werden. Ich versuche es mal so: Eine Professorin, die im Rahmen des bestehenden und nicht angetasteten Systems bis zu ihrem Lebensende ohne materielle Sorgen leben darf, verspürt gewiss weniger Weltschmerz als ein prekärer Kollege, der sich mit unterbezahlten Zeitverträgen und zusätzlichen Taxischichten mühsam über Wasser zu halten versucht und von Monat zu Monat hangelt. Die Dame scheint aus ihrer eigenen rosafarbenen Filterblase nicht herauszukommen, wenn sie nachzudenken versucht.
Selbstverständlich darf in diesem bizarren Reigen auch die heute gängige Proklamation der "Eigenverantwortung" nicht fehlen. Frau Professor Dr. phil. meint:
Ich würde umgekehrt aus einer liberalen Tradition sagen, man macht es sich zu einfach, wenn man sagt: Jetzt ist die Politik verantwortlich dafür, dass eine Zukunftsperspektive entwickelt wird. Da sind alle verantwortlich. Wir sollten nicht in so eine Versorgungsmentalität verfallen.
Wer sich an dieser Stelle noch nicht erbricht, hat nicht verstanden, was die Frau da von sich gibt. Merkel & Co. sind entlastet - stattdessen haut die Olle den BürgerInnen, insbesondere natürlich den Ärmsten, den Kranken, den Alten, den Schwächsten den mit rostigen Nägeln gespickten Baseballschläger mit Schmackes in die Fresse, dass das Blut nur so spritzt. Das ist praktische Philosophie in Kapitalistan 2017.
Es versteht sich von selbst, dass ein solches Interview nicht ohne einen "Alles ist gut"-Höhepunkt auskommen kann. Den hebt sich die Schlägerin philosophiae aber bis zum Schluss auf, damit er richtig wirkt und keiner mehr aufstehen kann, um leise "Aber ..." oder gar "Nein" zu sagen:
Ich glaube, Weltschmerz wäre zum Teil schon therapiert, wenn man anerkennen würde, dass Prozesse wie Globalisierung, Digitalisierung oder Massenmigration zwar unaufhaltsam sind, wir sie aber durchaus steuern können. Wir sind nicht hilflos ausgeliefert. Wenn diese Ohnmacht wegfiele, wenn wir uns selber wieder ganz im Sinne der Aufklärung als autonome Individuen wahrnähmen, die eine gewisse Gestaltungsmacht haben. Und indem wir uns andererseits aber auch gleichzeitig klarmachen, dass unser Gestaltungsspielraum Grenzen hat und Antworten immer nur vorläufig sind. Wer erkennt, dass bestimmte Gefahren und Schmerzen unvermeidbar sind, muss nicht an Weltschmerz leiden.
Nachdem ich dieses unsägliche Interview gelesen hatte, beschloss ich, mich sinnlos zu betrinken, um dem aufklärerischen Weltschmerz in mir einen größeren Raum zu verschaffen, den er wahrlich verdient - leider scheiterte das an nicht vorhandenen Alkoholmengen. Vielleicht fahre ich demnächst mal nach Tübingen und hole das im Hörsaal der Frau Döring nach. Möglicherweise kann ich dann mit dieser Dame auf demselben intellektuellen Niveau diskutieren.
Der Umstand, dass es in der letzten Zeit hier im Blog etwas ruhiger war, sollte nicht drüber hinwegtäuschen, dass es nichts zu schreiben gegeben hätte. Tatsächlich hat mich im letzten Jahr vor allem die Debatte über die Äußerungen von Sahra Wagenknecht umgetrieben. Leider hatte ich arbeitsbedingt wenig Zeit, dazu etwas zu schreiben. Das will ich nun nachholen.
Mir ist natürlich bewusst, dass alle, die nicht sonderlich von einer "sozialen" Politik angetan sind, jede Unstimmigkeit aus dem "linken" Lagen freudig aufgreifen, um eben eine Partei, die auf eine "soziale" Politik hinwirken möchte, zu diskreditieren. Aber eingedenk dieses teils sehr offensichtlichen Umstands stört mich ehrlich gesagt mindestens ebenso, wie unkritisch und polarisiert die Debatte auch von "linker" Seite geführt wird, ganz so, als ob völlig auszuschließen sei, dass Wagenknecht selbst ziemlich weit daneben greift. Offen gestanden finde ich manche ihrer Argumente ziemlich fragwürdig und bisweilen auch dreist in dem Versuch, Leute wie mich für dumm zu verkaufen.
Seitens Wagenknechts heißt es dann vereinzelt, sie hätte sich "unglücklich" (offenbar aber nicht falsch) ausgedrückt, es wären Missverständnisse entstanden. Komisch nur, dass diese Missverständnisse in einem bestimmten Kontext ziemlich häufig und geradezu systematisch vorkommen. Mely Kiyak bringt das wie folgt auf den Punkt:
Sahra Wagenknecht fühlt sich missverstanden. Ausgerechnet sie, deren Popularität sich auch aus ihrer Gabe speist, komplizierte ökonomische Verhältnisse talkshowgerecht zu servieren. Bei einem Thema wie Bankenregulierung hat sie bislang nie damit kämpfen müssen, dass jemand sie falsch versteht. Ihre Einstellung zur Riesterrente kann sie ebenfalls in einer halben Minute präsentieren. Das Verzocken der Renten auf den Kapitalmärkten über Mario Draghi und die EZB ist schon fast ein geflügeltes Wort. Nichts davon musste Sahra Wagenknecht jemals korrigieren. Nie fühlte sie Erklärungsbedarf. Das Ganze noch einmal in anderen Worten erklären? Niemals! (Mely Kiyak, ZEIT, 3.08.2016)
Gastrecht und Silvester
Nehmen wir die Debatte um die Silvester-Nacht in Köln 2016: In diesem Zusammenhang sprach Wagenknecht davon, dass jene, die ein Gastrecht missbrauchen, dieses verwirkt hätten (siehe z.B. taz, 13.01.2016). Ein Gastrecht ist nun aber eine eher informelle Idee, dazu gibt es kein Gesetz. Was es gibt, das ist ein Asylrecht, das als universelles Menschenrecht gilt. Und genau dort liegt der rhetorische Trick: Das "Gastrecht" sollte als "Asylrecht" gelesen und verstanden werden, ohne auch nur Letzteres auszusprechen. Auf diesem Wege ließ sich die Einschränkung eines universellen Menschenrechts fordern, ohne es direkt auszusprechen.
Der Ehrlichkeit halber ist aber darauf hinzuweisen, dass diese Wortwahl in der Partei "Die Linke" als "unglücklich" empfunden (RND, 8.08.2016) wurde, was Wagenknecht dann in einem Interview im Sommer 2016 einräumte, wobei sie auch betonte, diese Wortwahl nicht mehr verwenden zu wollen (ZEIT, 4.8.2016).
Kapazitätsgrenzen
Wäre die Diskussion um die Silvesternacht ein Einzelfall, dann könnte ich sagen "Schwamm drüber". Tatsächlich wilderte Wagenknecht angesichts der Flüchtlinge zusätzlich im rechtspopulistischen Spielfeld, als sie von "natürlichen Kapazitätsgrenzen" sprach und vor einem "Zerreißen der Gesellschaft" warnte, sollte noch eine Million Flüchtlinge nach Deutschland kommen (RND, 14.01.2016, und RND, 14.01.2016).
Auch hier wieder ein rhetorischer Kniff, der aber reichlich plump als Spitzfindigkeit daherkommt. Natürlich hatte Wagenknecht nicht von "Obergrenzen", sondern von "Kapazitätsgrenzen" gesprochen (LVZ, 17.03.2016). Lassen wir das mal so im Raum stehen, dann bleibt das Sprechen von "Kapazitätsgrenzen" dennoch problematisch und zwar aus mindestens zwei Gründen.
Erstens: Wenn Wagenknecht von Kapazitätsgrenzen sprach und davon, dass die Flüchtlingsbewegungen die Gesellschaft auseinanderreißen könnten, mag das gerne als "Realismus" ausgelegt werden (übrigens auch eine Strategie der Neu-Rechten und Rechts-Populisten: man/frau sieht die "Realität", die anderen sehen sie nicht oder wollen sie nicht sehen). Stillschweigend werden aber mit diesem "Realismus" die vorherrschenden sozialen Verhältnisse einfach so akzeptiert (inkl. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit). Dabei hätte es Wagenknechts Aufgabe als "linke" Politikerin sein können, darauf hinzuweisen, dass die Menschen, die nach Europa kommen, letztlich ebenso "Globalisierungsverlierer" sind wie die Menschen, die bereits hier am Rande der Gesellschaft leben. Natürlich steigt mit mehr Menschen auch die Zahl der Erwerbsfähigen, so dass die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt zunimmt. Aber davon sind alle betroffen. Das hätte eine "linke" Politikerin auch zum Anlass nehmen können, um an die Solidarität zu appellieren, neue Allianzen und Möglichkeiten für sozialen Protest aufzuzeigen und auf diese Weise die bestehenden Ängste abzubauen. Stattdessen steigt sie mit "Kapazitätsgrenzen" in die Diskussion ein, mit der die Frontstellung "Wir gegen die" bedient wird und damit auch noch in eine völlig falsche Richtung: Denn die eigentlichen Probleme liegen doch in der Vernachlässigung und im Schleifen des Sozialstaats.
Es ist nicht so, dass Wagenknecht diese Aspekte völlig ignoriert hätte - sie könnte immer darauf verweisen, dass sie auf den mangelnden sozialen Wohnungsbau, die Situation der Flüchtlinge vor Ort usw. aufmerksam machte. Aber das steht dann eben neben provokativen Äußerungen, die ein konfrontatives "Wir gegen die" bedienen, statt Solidarität zu fördern und Ängste abzubauen. Anders formuliert: Wenn es mir darum geht, soziale Spaltung zu vermeiden, dann sollte ich doch alles vermeiden, was einer "Wir gegen die"-Rhetorik Nahrung gibt. Verschärft wird das dadurch, dass sie ganz klar AfD-Argumente und -Motive bedient, wenn sie z.B. meint, es müsse das Ziel sein, dass Flüchtlinge wieder heimkehren (RND, 14.01.2016). (Kritisch lässt sich hier anmerken, dass in dieser Forderung ein Mangel an Empathie für Flüchtlinge aufkommt: Können wir überhaupt verlangen, dass die Menschen wieder dorthin zurückkehren, wo sie herkommen? Existiert diese "Heimat" denn überhaupt noch? Ich kann mir jedenfalls gut vorstellen, dass es manchen Flüchtlingen aus verschiedenen Gründen nicht zuzumuten ist, wieder zurückzukehren - selbst dann, wenn dort Demokratie, Rechtsstaat usw. Einzug halten.)
Zweitens ist die Debatte um Kapazitätsgrenzen schlicht unnötig – außer natürlich für die, die am "rechten Rand" fischen wollen. Zwar wird wohl niemand bestreiten, dass es theoretisch "Kapazitätsgrenzen" für die Aufnahme von anderen Menschen geben kann. Aber sind wir denn schon an einer solchen Grenze angelangt? Dass Wagenknecht immer wieder an der Behauptung festhält, es gebe "natürliche Kapazitätsgrenzen", wirkt reichlich absurd angesichts jener Länder, die gemessen an ihrer Einwohnerzahl, ihrer im BIP gemessenen Wirtschaftsleistung usw. viel mehr Flüchtlinge z.B. aus Syrien aufnehmen als Deutschland und dabei wohl noch viel eher an Grenzen stoßen müssten (Beispiel Libanon via ZEIT, 7.05.2015). Interessant ist in diesem Kontext, was die UNO-Flüchtlingshilfe unmissverständlich feststellt:
Selbst in Zeiten stark ansteigender Zahlen sind Flüchtlinge global sehr ungleich verteilt. Reichere Länder nehmen weit weniger Flüchtlinge auf als weniger reiche. Knapp neun von zehn Flüchtlingen (86 Prozent) befanden sich 2015 in Ländern, die als wirtschaftlich weniger entwickelt gelten. (UNO-Flüchtlingshilfe, Globale Trends – Jahresbericht 2015).
Nun kommt also eine als "links" bekannte Spitzenpolitikerin und spricht ohne Not (!) über hypothetische Kapazitätsgrenzen von reicheren Ländern wie Deutschland. Dass in diesem Kontext gerade linke Politikerinnen und Politiker ein ziemliches Problem mit den entsprechenden Äußerungen von Wagenknecht haben, das ist mehr als verständlich.
Fazit
Es handelt sich bei Wagenknechts Äußerungen also um alles andere als bedauerliche Einzelfälle. Dahinter steckt etwas Systematisches. Die konkrete Strategie besteht offenbar darin, zunächst entsprechende Äußerungen zu tätigen, sie danach zu relativieren und/oder als "missverstanden" darzustellen. Das war übrigens bereits bei Wagenknechts Mann Oskar Lafontaine schon so, als er den Begriff "Fremdarbeiter" benutzte, ihn danach erst verteidigte und sich davon distanzierte (Standard, 18.06.2005; Stern, 9.10.2005). Wagenknecht verfährt ähnlich und verliert sich in Spitzfindigkeiten wie die Diskussion um "Kapazitätsgrenzen" zeigt, bei der aber für jeden und jede sichtbar ist, dass Wagenknecht damit an die "Obergrenzen-Debatte" anschließen will. Es kommt nicht von ungefähr, wenn sie mit diesen Äußerungen auch Beifall von der AfD erhält.
Im Übrigen hat Wagenknecht selbst gesagt, dass sie auch diejenigen erreichen will,
die zurzeit aus Frust, aus Verärgerung über die bisherige Politik darüber nachdenken, AfD zu wählen, aber nicht, weil sie deren Parolen unbedingt gut finden, sondern wirklich nur, weil sie sagen: "Ich will deutlich machen, dass sich was ändern muss" (zitiert nach Stern, 7.01.2017).
Das ist natürlich etwas schräg. Denn wenn es nur danach ginge, "Protest" abzuholen (es muss sich etwas ändern), dann könnte Wagenknecht das auch mit "linken" Parolen machen. Da sie aber auf Wechselwählerinnen und Wechselwähler der AfD abzielt, muss (!) sie sich begrifflich in die Nähe der Neu-Rechten und Rechtspopulisten begeben.
Angesichts der Kritik sieht sich Wagenknecht einer Kampagne ausgesetzt (Tagesspiegel, 8.01.2017; siehe auch Telepolis, 10.01.2017). Die NachDenkSeiten (NDS) springen ihr zur Seite und schreiben von einer "Neujahrskampagne" (NDS, 9.01.2017). Kein Wunder, gehen die NDS doch schon länger von einer Kampagne gegen Wagenknecht aus (z.B. 28.07.2016 oder 30.09.2016, hier zur Nominierung der SpitzenkandiatInnen des Bundestagswahlkampfs 2017) und sehen "Die Linke" von außen gesteuert, fremdbestimmt oder als Opfer einer antideutschen Kampagne.
Nun kann es tatsächlich sein, dass Wagenknecht mit einer Kampagne konfrontiert ist. Und natürlich will ich auch nicht unterschätzen, was z.B. seitens antideutscher Kritik regelrecht ins Kraut schießt. Aber erstens heißt das nicht, dass jede Kritik an ihr automatisch unberechtigt sei. Und zweitens liefert sie selbst reichlich Material für die Kritik an ihr. Letzteres ist eine zwangsläufige Konsequenz daraus, dass sie die AfD-Wechselwähler erreichen will. Damit steht sie aber zielsicher bestimmten als "links" angesehen Grundwerten entgegen.
Nun ist es so, dass Wagenknecht auch oft Dinge sagt, die vernünftig klingen und die durchaus in den Kanon einer linken Politik passen. Nur ist das schon seit längerer Zeit in einen Kontext eingebettet, der mich nachdenklich stimmt. Mag am Anfang noch das Bild einer taffen, intellektuellen und versierten linken Politikerin im Raum gestanden haben, sieht es derzeit für mich danach aus, dass Wagenknecht schlicht auf ihren eigenen politischen Vorteil aus ist, indem sie u.a. rechtspopulistischen Trends hinterherjagt. Dabei scheint sie den eigentlichen linken Werten immer mehr entgegen zu stehen, was in der Folge die entsprechende Kritik in der Linken selbst auslöst. Das hat zunächst nichts mit Kampagne oder Verschwörung zu tun (obwohl diese Kritik dafür genutzt werden kann), sondern schlicht mit dem Umstand, dass Wagenknecht knallhart auf Wahlstimmenmaximierung aus ist und dabei das als "links" angesehene Wertefundament verlässt.
Vermutlich werden die einen oder anderen ähnliche Gedanken mit sich herumtragen. Es ist schlicht so, dass es irritiert und misstrauisch macht, wenn zwischen "linken" Forderungen und dem "rechten" Spielfeld herumgewuselt wird. Eine soziale Politik möchte ich ungern von Leuten umsetzen lassen, die eine "Wir gegen die"- und nationale AfD-Rhetorik bedienen.
Ob Wagenknecht mit ihrem Kurs tatsächlich Erfolg hat und viele Wahlstimmen abholt, das werden wir sehen. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass das nach hinten losgeht. Ob das dann aber im erfolgreichen Falle zu einer "linken" Politik führt, das steht für mich ebenfalls in den Sternen. Jedenfalls erwarte ich von ihr keine "linke" Politik. Aber ich lasse mich auch gerne überraschen.
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Dieser Text erschien zuerst im Blog "Krautism" und wird hier mit freundlicher Genehmigung des Verfassers wiedergegeben.
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Deutsche Demokratie
"Ein hübsches Kind, von vorn geseh'n -
Aber hinten der Zopf ist gar nicht schön!"
(Zeichnung von Helmut Beyer [1908-1962], in: "Der Simpl", Nr. 9 vom August 1946)
Zu Donald Trump gäbe es sicherlich eine Menge zu sagen - zwei Blogger aus heimischen Gefilden haben das in den vergangen Tagen schon versucht und sind dennoch zu völlig unterschiedlichen Schlüssen gelangt. Meine eigenen Gedanken zu dieser zweifelsfrei peinlichen Gestalt behalte ich vorerst für mich, da meine Meinungsbildung mangels belastbarer Informationen noch nicht abgeschlossen ist und ich mich ungern verfrüht aus dem Fenster lehne.
Eigentlich wollte ich nichts zu dem Trump-Medien-Hype schreiben, weil mich schon bei der US-Wahl diese völlig übertriebene, geschichtsvergessene und zugleich naive Analyse aus allen politischen Lagern entsetzt zurückgelassen hat. Aber es hört scheinbar nicht auf und ich muss mir mal Luft machen. Zunächst einmal: die Macht von US-Präsidenten wird immer wieder völlig überschätzt.
Stefan vom Blog der Fliegenden Bretterfindet hingegen:
Faszinierend, wie auch dieses Mal der Weg in den Faschismus gepflastert ist mit den Sätzen: "Nun lass' ihn doch erst mal machen, vielleicht wird es gar nicht so schlimm." und: "Ich bin kein [beliebige Minderheit] und habe auch nichts zu verbergen, ich habe also nichts zu befürchten." Doch, natürlich habt ihr, ihr braven Bürgersleut', die ihr euch qua Anpassen und Kuschen einmal mehr irgendwelche Vorteile erhofft! Ihr seht nur den Hammer mal wieder nicht auf euch zufliegen. Glaubt ihr, ein Staatsoberhaupt, das sich offen für Folter ausspricht, belässt es im Zweifel bei Moslems und Mexikanern? Weil ihr immer so brav alles mitgemacht habt? Glaubt ihr ernsthaft, eure Daten, die ihr seit Jahren so treuherzigdoof an Googlefacebookamazon hergebt, werden niemals gegen euch verwendet werden? Träumt weiter.
Ich kann beiden Argumentationen mit gutem Gewissen folgen, will aber auch dritte oder vierte Varianten nicht ausschließen - das muss bzw. wird die nahe Zukunft zeigen. Die Propaganda der hiesigen Presse ("Trump ist mindestens so böse wie der Teufel oder - was in Kapitalistan dasselbe bedeutet - Putin") korrelliert hier mit der Propaganda der "alternativen Medien" ("Gegen Trump wird kampagnenartig interveniert") in einer infamen Weise, die ich nur noch befremdlich finden kann. Dabei ist es auffallend, dass ausgerechnet die Massenmedien, die das offen faschistische Gedankengut der kapitalistischen Bande stets kritiklos verbreiten, hier gegen den Trump-Faschismus argumentieren, während "alternative" Medien, die sich der "linken Sache" verpflichtet fühlen, gerade einen erzkapitalistischen, faschistoiden Menschenfeind wie Trump gerne verharmlosen.
Ich möchte hier, wie gesagt, beide Blogger, die ich sehr schätze (!), nicht diskreditieren - zumal ich mich selber oft genug weit aus dem Fenster lehne und Dinge behaupte, die durchaus diskutabel sind. Gerade diese Diskussionen aber wünsche ich mir - und ich gehe davon aus, dass auch Stefan und Epikur sie nicht ablehnen. In Sachen Trump und der ganzen verbandelten Kloake der Mainstreammedien und enttäuschten Transatlantiker in der Politik und den Medien wird diese Notwendigkeit nun offensichtlich.
Vielleicht sind Linke sich heute - auch ohne Diskussion - zumindest in dieser Hinsicht einig:
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Neo-Faschismus
Sie kannten niemals geist'ge Waffen
und diskutierten mit der Faust.
Sie nannten uns die Schwachen, Schlaffen
und rannten hirnlos wie die Affen,
die einst im Urwald roh gehaust.
Sie wandten an, was ER befohlen
und lösten alles mit Gewalt.
Sie spannten fröhlich die Pistolen
und sandten "dreschend" ihre hohlen
und dummen Phrasen jung und alt.
Sie brannten nieder, was im Wege,
und stachen, traten, schossen tot,
verwandten "schlagende" Belege
und bannten in ein Drahtgehege
der freien Geister Aufgebot.
Sie planten eine Herrenrasse,
gezeugt aus Kraft und Stolz und Mut,
entmannten andere zum Spaße
und bahnten sich brutal die Gasse
und wateten mit Lust in Blut!
Glaubt ihr, heut wären sie am Ende,
und dass man sie gewandelt hat? --
Sie werfen Bomben, legen Brände
und haben ihre schmutz'gen Hände
in jedem neuen Attentat.
Die alten Formen und Methoden!
Dasselbe blutige Geschäft!
Zeit wird's, dies Unkraut auszuroden.
Schlagt die Faschisten drum zu Boden,
wann, wie und wo ihr sie auch trefft!
(Heinz Hartwig, in: "Der Simpl", Nr. 3 vom Februar 1947)
Ein Mann, den Herr K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: "Sie haben sich gar nicht verändert!" - "Oh!", sagte Herr K. - und erbleichte.
(Bertolt Brecht [1898-1956], in: "Geschichten vom Herrn Keuner", Suhrkamp 2008; geschrieben etwa 1930)
Die korrupte Bande erzählt es uns immer wieder: Für Erwerbslose, Rentner, Flüchtlinge, Kranke, Behinderte sowie überhaupt die Sozialsysteme und die Infrastruktur ist kein Geld da. Zwar geht es "den Deutschen so gut wie nie", wie die Propaganda in stetiger Wiederholungsschleife märchenerzählt, aber dennoch müssen "wir" den Gürtel enger schnallen, denn woher soll das Geld für all die "nutzlosen Menschen" in der kapitalistischen Glaubenslehre auch kommen?
Da lohnt es sich, einmal nachzuschauen, wo die kriminelle Bande viel lieber die Steuermilliarden versenkt - und es dürfte nicht weiter verwundern, dass einer der großen Sümpfe das Militär und der Krieg ist. Bei n-tv war vor einigen Tagen zu lesen:
Mehr Milliarden für das Militär / Deutschland steigert Wehrausgaben deutlich / (...) Deutschland hat seine Rüstungsausgaben im vergangenen Jahr um mehr als zehn Prozent gesteigert. Die Investitionen in Waffen, Munition, anderes Militärmaterial sowie Forschung und Entwicklung in dem Bereich seien 2016 gegenüber dem Vorjahr um 500 Millionen Euro auf 5,1 Milliarden Euro gewachsen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Der Wehretat insgesamt vergrößerte sich danach um 1,1 Milliarden Euro auf 35,1 Milliarden Euro.
Ja, da freuen sich die Menschen in Deutschland ein kleines oder auch größeres Schussloch in den Bauch: Hauptsache, die Rüstungskonzerne haben genügend Aufträge, damit die Bundeswehr Bundeskriegsarmee tolle Mordwaffen in alle Welt tragen kann, um dort "Freiheit und Demokratie" herbeizuschießen. Die begleitende Kriegspropaganda gibt's in den Qualitätsmedien sowieso ständig und kostenlos dazu - kürzlich erst wieder bei Zeit Online, wo die Gastautorin Melanie Hauenstein [*nomen est omen*] die schaurige Stahlhelm-Uschi ganz besonders geil fand und meinte: "Der Bundeswehreinsatz in Mali ist gefährlich. Deutschland sollte trotzdem weitermachen". - Frauen sind die besseren Menschen, gelle.
Wo sollte Deutschland denn auch sonst "verteidigt" werden, wenn nicht in Mali? Es liegt doch auf der Hand, dass die deutsche Grenze dort geschützt werden muss ... so ähnlich meint die Steinhauende das wohl. Das Grundgesetz, das in meiner Bücherwand steht, ist verblasst - ich habe vorhin nachgesehen und nur noch welke, zerbröselnde Blätter vorgefunden, die in einem Ascheregen auf den Boden rieselten, als ich den schmalen Band aufschlug. Im Hintergrund war irres Gelächter zu hören - vielleicht aus Berlin, vielleicht auch nur aus dem Nachbarhaus, wo der Stumpfsinn ohnehin Triumphe feiert und die "Tagesschau" die einzige Informationsquelle ist, der man blind vertraut.
Wie absurd müssen die kapitalistische Politik und ihre mediale Verbreitung wohl noch werden, bis auch Otto Schmidt und Trude Meier endlich, endlich, endlich erkennen, dass Kafka hier längst das Zepter schwingt und der propagandistische Irrsinn wilde Partys feiert? - Ich weiß, die Antwort auf diese rhetorische Frage ist - zumindest in Deutschland - obsolet. Hier tritt der Armutsrentner, Billiglöhner, Angestellte, Arbeitslose oder Mittelschichtler 1000mal eher einem Flüchtling oder Obdachlosen hasserfüllt in die Fresse, bevor er richtige Fragen zu stellen beginnt - und wenn er doch mal richtige Fragen stellt, glaubt er 1000mal eher den seichten, menschenfeindlichen und falschen Antworten der Rechtsradikalen, bevor er sein Gehirn einschaltet und kurz nachdenkt. Das war schon immer so und es gibt nicht den Hauch eines Anzeichens dafür, dass sich das je ändern könnte.
Jetzt ist es also wieder einmal der Krieg, der von der neoliberalen Politik finanziell gepimpt und propagandistisch untermauert wird, während die Armut im Lande unaufhaltsam und millionenfach zunimmt. - Kommt das eigentlich nur mir so unsäglich bekannt vor???
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Die Kriegslüsternen
Glaubt's oder glaubt's nicht: Es gibt Leute im Land,
die freuen sich auf den Krieg.
Die träumen von Vormarsch, von Panzern und Pak,
von Kesselschlacht und von Sieg.
Keine Rüstungsbarone. (Das wäre normal.)
Nicht Generäle a.D. --
Ganz kleine Gemeine; ganz ärmliche Schweine!
Das ist's, was ich nicht versteh'.
Sie hatten doch alle die Schnauze voll
und wollten nichts mehr wissen,
und hatten allmählich erkannt, dass man sie
nur ausgenutzt und beschissen ...
Doch heut, wo von fern schon die Trommel dröhnt,
um Landsknechte zu werben,
da wissen sie nichts mehr von Stalingrad,
von Bomben und vom Sterben.
Sie sehen nur auf die Uniform,
auf Rauchen, Schnaps und Fressen,
und glauben am Ende, sie täten noch was
für Deutschlands Interessen!
Sie dürfen und können und wollen nichts seh'n.
Ihr Hirn wird täglich schwächer.
So waren sie, sind sie und bleiben sie stets:
Halb Narren - halb Verbrecher!
(Heinz Hartwig, in: "Der Simpl", Nr. 19 vom Oktober 1947)
Zu diesem Parteitheater fällt mir erst ein dicker, übelriechender Klumpen Kotze aus dem Hals und dann die Liedzeile des damals (1980) noch halbwegs integeren Udo Lindenberg ein:
"Ob blond, ob braun, ob schwarz, ob henna -
und manchmal steh' ich auch auf Männer!"
Am 27. Januar jährt sich die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch die russische Armee zum 72. Mal. Gerade heute ist es wichtiger denn je, gegen das Vergessen bzw. eine inzwischen vielfach ritualisierte und sinnentleerte Pseudoerinnerungskultur, wie sie die neoliberale, korrupte Bande gerne pflegt, anzukämpfen, da nationalistische, rassistische und faschistische Tendenzen überall in der sogenannten "westlichen Welt" wieder um sich greifen wie wuchernde Krebsgeschwüre. Damit sind beispielsweise in Deutschland keineswegs nur die üblichen Verdächtigen (NPD, AfD, Pegidioten etc.) gemeint, sondern die gesamte verrohende Gesellschaft und allen voran die "freiheitlich-demokratischen" Parteien und ihre medialen Sprachrohre.
Aus diesem Grund verlinke ich hier die Dokumentation "Sonderkommando - Auschwitz-Birkenau" von Emil Weiss aus dem Jahr 2007. In diesem Film wird zu heutigen Filmaufnahmen der Ruinen von Auschwitz ausschließlich aus aufgefundenen Dokumenten zitiert, die mehrere Häftlinge aus dem "Sonderkommando", die von der SS zur "Arbeit" an den Gaskammern und in den Krematorien des Konzentrationslagers gezwungen wurden, hinterlassen (auf dem Gelände das Lagers vergraben) haben. Es sind aufwühlende, äußerst eindringliche Texte, die jenseits des lächerlichen, bezuglosen Betroffenheitsgefasels der Gaucks und Merkels vom wirklichen Horror in den Lagern berichten.
Es gibt vereinzelt auch bildliche Hinterlassenschaften aus den Lagern. Unten sieht man beispielsweise eine von 32 Zeichnungen eines unbekannten Häftlings: "Der Zeichner, mit großer Wahrscheinlichkeit ein Häftling 'MM' (...), stopfte die [32] Blätter in eine Flasche und versteckte diese in den Fundamenten einer Baracke in der Nähe der Gaskammern und der Krematorien IV und V. Dort fand sie 1947 der Auschwitzüberlebende Józef Odi, der auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers als Wachmann arbeitete (...)."
Auf dieser Abbildung sieht man die so genannte "Boger-Schaukel": Ein Häftling ist mit den Kniekehlen an einer drehbaren Stange aufgehängt, seine Hände und Füße sind gefesselt. Hinter ihm steht ein SS-Mann, der mit einer Peitsche oder Gerte auf seinen Rücken, sein entblößtes Gesäß und die Geschlechtsteile einprügelt. Wilhelm Boger, Mitarbeiter der "politischen Abteilung" der SS im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, hatte diese Foltermethode zur willkürlichen Bestrafung von Häftlingen eingeführt. Viele der so Gequälten überlebten diese Prozedur nicht.
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Es ist vorbei,
die helle Zeit,
die Lachen uns gelehrt.
Sie ging entzwei,
Zwiespalt gedeiht -
wenn auch die Welt sich wehrt.
Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.
(Franz Kafka: "Der Prozess")
Wusstet Ihr schon, dass Arbeitslose "Anspruch auf Urlaub" haben? Das ist kein Witz, sondern geltendes Hartz-Terror-Gesetz: Wer erwerbslos ist und sein Domizil für länger als einen Tag verlassen möchte, muss beim Amt "Urlaub" beantragen und darf erst nach erfolgter Genehmigung zum Freund in den Nachbarort oder zur Omi in den Bergen reisen - sofern man sich die Fahrt leisten kann, versteht sich, denn "Urlaubsgeld" gibt es selbstverständlich nicht.
Der Grund für diese von der neoliberalen Bande erdachte Regelung ist aber nicht etwa pure Schikane und Gängelung (wer dächte auch an so etwas Absurdes im Zusammenhang mit dem Hartz-Terror), sondern die Prämisse der ständigen Erreichbarkeit des Delinquenten. Schließlich könnte sich jederzeit (!) die ultimative "Chance" auf eine "Eingliederung" in den "ersten Arbeitsmarkt" ergeben, für die der Schmarotzer binnen 24 Stunden auf der Arbeitgebermatte zu stehen und Schuhe zu lecken hat, um sie wahrnehmen zu können.
Solch irrsinnige Begründungen glauben freilich nur Menschen, die statt eines Gehirnes einen verwesten Fleischbrei im Schädel pflegen - wenn überhaupt. Selbstredend wird diese Regelung von den "Jobcentern" auch sehr gerne als weiteres Instrument benutzt, um Menschen das "Existenzminimum" kürzen oder streichen zu können - da wird entweder eine angebliche "Ortsabwesenheit" des Betroffenen unterstellt oder auch nur vage "vermutet" (das reicht für eine Sanktion im Hartz-Terror-Alltag völlig aus), oder man lehnt das "Urlaubsgesuch" aus irgendwelchen, nicht näher benannten Gründen einfach ab und verschickt danach einen Gestellungsbefehl um zu überprüfen, ob der Betroffene auch wirklich daheim geblieben ist und den willkürlich anberaumten, ansonsten sinnfreien Termin wahrnimmt - stets in der Hoffnung auf mögliche Sanktionen. Es gibt in den "Jobcentern" sogar ganz offiziell Sanktionsquoten, die zu erfüllen sind - da bleibt es nicht aus, dass die SachbearbeiterInnen "fantasievoll" agieren müssen, um diese zu erreichen und ihren schmutzigen Job behalten zu dürfen.
Allein die verwendeten Begriffe wie "Urlaub", "Antrag", "Genehmigung" oder "Eingliederung" sind in diesem Zusammenhang schon derart kafkaesk, dass ich die übrigen Orwell'schen Neusprechbegriffe aus dem sprachlichen Amtsterrorrepertoire wie "Kunde", "Einladung" oder "Angemessenheit" gar nicht weiter erwähnen möchte. Die Liste wäre auch viel zu lang. Dennoch wird dieser sprachlich wie inhaltlich perverse Blödsinn völlig selbstverständlich benutzt und auf den Gipfel der Absurdität getrieben - und kaum jemand regt sich mehr darüber auf.
Wenn in Deutschland irgendetwas in böser, alter Tradition stets perfekt funktioniert, dann ist es die möglichst menschenfeindliche, herrschaftshörige und vollkommen absurde Bürokratie samt ihrer Fantasiesprache und ihren willig vollstreckenden Eichmännern und -frauen.
K. starrte den Aufseher an. Schulmäßige Lehren bekam er hier von einem vielleicht jüngeren Menschen? Für seine Offenheit wurde er mit einer Rüge bestraft? Und über den Grund seiner Verhaftung und über deren Auftraggeber erfuhr er nichts? Er geriet in eine gewisse Aufregung, ging auf und ab, woran ihn niemand hinderte, schob seine Manschetten zurück, befühlte die Brust, strich sein Haar zurecht, kam an den drei Herren vorüber, sagte: "Es ist ja sinnlos", worauf sich diese zu ihm umdrehten und ihn entgegenkommend, aber ernst ansahen und machte endlich wieder vor dem Tisch des Aufsehers halt.
(Franz Kafka, ebd.)
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Diener des Volkes
(Zeichnung von Franz Bleyer, in: "Der Simpl", Nr. 15 vom September 1947)
Ein Musik- und Literaturwissenschaftler auf der heiteren Odyssee bzw. vergeblichen Suche nach dem Humanismus.
Ich verstehe dieses Blog weder als "links", noch als "linksliberal" - es versucht, schlicht der Logik zu folgen, sucht die oft verschleierte Wahrheit und landet daher fast zwangsweise immer wieder in sozialistischen Regionen, in die es nie wollte. Die Logik lässt sich nicht so leicht austricksen wie es der interessengeleitete menschliche Geist tut.
Dennoch gilt auch weiterhin Spocks weiser Spruch: "Logik ist nur der Beginn aller Weisheit - und nicht ihr Ende."
Der Blogbetreiber stellt sich vor - auf dass NSA, "Verfassungsschutz", BKA und so viele andere nicht mehr so ausufernd suchen müssen:
Facebookfreie Zone
Das gilt selbstredend auch für alle anderen Datenkraken und "sozialen Netzwerke".
Statt Facebook lieber Ghostery :-)
Dieses kleine, kostenlose Plugin gibt's für alle gängigen Browser - macht es den Werbefuzzis und Überwachungsfetischisten doch wenigstens ein bisschen schwerer, Euren Spuren im Netz zu folgen ...