Freitag, 4. Juni 2010

Banken: Terrorismus an den Finanzmärkten

[Der] Würzburger Professor Karl-Heinz Brodbeck übt scharfe Kritik an Banken und Politik (...)

Brodbeck: Die garantierte Geldsumme, von der jetzt die Rede ist [750.000.000.000 Euro], bekommen letztlich die Banken. Und das heißt nichts anderes, als dass die Banken das Recht durchgesetzt haben, für jedes Risiko, das sie eingehen, zu 100 Prozent eine staatliche Garantie zu erhalten. Das haben 2008 zuerst die Amerikaner gemacht, und jetzt machen es die Europäer nach. Jeder mittelständische Unternehmer hat das Risiko des Scheiterns. Aus diesem ehernen Marktgesetz haben sich die Banken ausgeklinkt. Der Steuerzahler trägt ihr Risiko. (...)

Ich würde sagen, wir haben längst keine "Marktwirtschaft", keinen funktionierenden Kapitalismus mehr. Wir haben einen vom Banksystem und den Hedgefonds vollständig kontrollierten und manipulierten Finanzmarkt. (...)

Ich habe leider nicht die frohe Botschaft, dass die Politik es schon richten wird. Wir müssen dahin kommen, dass die Bürger zur Politik einfach "Nein!" [sagen], "Nein" zur bisherigen Strategie des Nichtstuns. Ich blicke mit Sympathie nach Island, wo die Rettungspakete in einem Volksbegehren von der Bevölkerung einfach abgelehnt worden sind. Die haben einfach gesagt: Wir zahlen die Banken nicht aus. Das hat ein großes Geschrei gegeben, aber sie haben es geschafft, die Lasten und Schulden wenigstens teilweise dahin zurückzugeben, wo sie herstammen: An die Zocker im Banksystem. Ich hoffe, bei uns lernt man diese Lektion auch. Es muss aufhören, dass man den Banken Geld hinterherwirft, damit sie keine Verluste machen. Und wir bezahlen den Preis durch Staatsschulden oder Inflation.

(Weiterlesen)

Anmerkung: Bei allem Respekt vor den Äußerungen Prof. Brodbecks, denen in weiten Teilen zuzustimmen ist und die im heutigen neoliberalen medialen Einheitsbrei sehr wohltuend auffallen: Das, was wir da gerade ohnmächtig und fassungslos erleben - die Verselbstständigung des Finanzsektors, die Abwälzung der Risiken und Kosten auf die Bevölkerung und die unermessliche Bereicherung privater Banken (und damit konkreter, sehr reicher Personen) -, ist ein Teil der neoliberalen Ideologie. Es ist richtig, dass das mit "Marktwirtschaft" nichts zu tun hat - eine wirkliche Marktwirtschaft - gar eine "soziale" - hat es jedoch nie gegeben. Aber es ist die reinste Form des Kapitalismus, was wir sehen und erdulden müssen.

Davon abgesehen droht in Deutschland momentan keine Inflation - die "Elite" samt anhängender Politmarionetten wird schon dafür sorgen, dass ihre Schäflein im Trockenen bleiben! Viel drohender zeichnet sich doch eine Deflation ab. Und die wird - wen wundert's - natürlich wieder hauptsächlich die Bürger betreffen, während das Großkapital weitgehend unangetastet bleibt. Wir dürfen also getrost davon ausgehen, dass genau dieser Plan verfolgt wird.

Keine Kommentare: