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Mittwoch, 17. Januar 2018

Der bombastische Niedergang: Zurück ins Neandertal


Mal wieder ist es "die Wissenschaft", die darüber aufklärt, auf welcher degenerativen Stufe der Rückentwicklung zum Affen sich der Mensch inzwischen befindet. Der WDR berichtete vor einigen Tagen kurz über eine soziologische Studie der Universität Düsseldorf zum Thema "Wahlerfolg", die dort allerdings weder verlinkt noch sonstwie näher erläutert wird (wie sollte es auch anders sein). Dort heißt es:

Einer Studie der Universität Düsseldorf zufolge ist die [physische, Anm.d.Kap.] Attraktivität die zweitwichtigste Eigenschaft der Kandidaten für den Wahlerfolg. Allein der Bekanntheitsgrad habe größeren Einfluss, teilten die Studienautoren am Mittwoch (10.01.2018) mit.

Wer nähere Informationen dazu erhalten möchte, muss wie immer selber suchen, denn die per Gerichtsvollzieher eingetriebenen Zwangsgebühren für den Rundfunk gehen ja für ModeratorInnen und IntendantInnen mit Millionengehältern, Spocht-Sendungen und sonstigen Boulevard-Quatsch drauf, da bleibt kein Geld für einen halbwegs sauberen oder auch nur informativen Journalismus übrig. Aber das nur am Rande.

Bemerkenswert daran ist aus meiner Sicht vor allem, dass ausgerechnet eine schmierige Schlips-Borg-Figur wie Lindner von der FDP hier als "attraktivster männlicher Politiker" ausgemacht wurde. Das allein sagt aus meiner bescheidenen Sicht weit mehr über den Zustand dieser verkommenen, im kapitalistischen Dreck wühlenden bzw. zum Wühlen gezwungenen Bevölkerung aus als die gesamte Studie. Ein windiger Typ, dem zumindest ich nicht einmal einen gebrauchten Kühlschrank abkaufen würde, weil ich ohne Zögern Betrug witterte, rangiert auf dem ersten Attraktivitätsplatz? Ich habe auch in der Vergangenheit ja schon sehr oft nicht verstanden, was irgendwelche Menschen an so mancher Gestalt "attraktiv" fanden (ich erspare allen Mitlesenden eine entsprechende Liste) – aber hier ist eine neue Grenze überschritten.

Dass die angebliche Attraktivität sowie der Bekanntheitsgrad irgendwelcher Flitzpiepen dann auch wichtiger für die Wahlentscheidung des "Bildungsbürgers" sind als politische Inhalte und (vorgebliche) Ziele, rundet das Bild nur ab: Der schnaufende Gorilla, der sich am lautesten auf die Brust trommelt, und die geschickt agierende Gorilladame, die am besten für die Nachzucht der Brut geeignet erscheint, ernten die meiste Zustimmung. Was zur Hölle unterscheidet diese Bevölkerung doch gleich vom Affen?

Nicht erklärlich sind vor diesem Hintergrund allerdings noch wesentlich exzentrischere Phänomene wie Helmut Kohl, Angela Merkel, Donald Trump, Maggie Thatcher, Martin Schulz, Markus Söder oder Beatrice Storch, um nur wenige Beispiele zu nennen. Womöglich handelt es sich bei dieser Studie doch nur um einen sehr spezifischen, auf einen bestimmten Bevölkerungsteil zutreffenden Teilaspekt, der in der Gesamtheit tatsächlich vielschichtiger, aber gewiss nicht weniger gruselig ist. Zusammenfassend lässt sich sagen: Wer Lindner attraktiv findet, ist doof. Wer Merkels Politik gut findet, ist doof. Wer Storchs rassistische Ausfälle mag, ist doof. Wer Wagenknecht toll findet, weil er sie gerne mal im Bett hätte, ist doof. Und so weiter und immer so fort – die Liste ist schier endlos.

Eine wesentlich sinnvollere, aber in diesem System bestimmt nie zu realisierende soziologische Studie wäre doch eine, die beispielsweise der Frage nachspürte, weshalb manche oder auch viele Menschen "innerlich" immer hässlicher werden und dann konsequenterweise "innerlich" hässliche Figuren – nicht nur, aber auch – in der Politik verehren und unterstützen. Das Ergebnis wäre vermutlich nicht sonderlich überraschend, denn es liegt ja auf der Hand, dass das menschenfeindliche kapitalistische System hier zumindest einen nicht unerheblichen Einfluss besitzt. In dieses Szenario passt das "Attraktivitäts"-Modell aus Düsseldorf – für eine gewisse Klientel – vorzüglich, das sich im Übrigen auch auf viele andere gesellschaftliche, politische oder sonstwie abgrenzende Gruppen anwenden lässt: Radikale VeganmissionarInnen finden Fleischesser unattraktiv, während für esoterische Geistergläubige und sonstige Religioten die Realisten, Aufgeklärten und sonstigen Atheisten der "unschöne", zu verdammende Feind sind. Letzten Endes bleibt es dabei, dass all das nur das grunzende Geschrei einer dummen Affenhorde ist, die sich nicht darauf verständigen kann und will, das finstere Neandertal endlich hinter sich zu lassen.

Die Evolution hat beim Menschen schon vor Jahrzehnten den Rückwärtsgang eingelegt – eine derartig offensichtliche Sackgasse wie der inzwischen "alternativlose" Kapitalismus kann ja gar keinen anderen "natürlichen" Ausweg mehr anbieten: Selbst Genies wie Albert Einstein, Thomas Mann, Stephen Hawking oder Hector Berlioz (das ist eine nicht repräsentative Auswahl) haben trotz ihrer immensen "Influencer"-Möglichkeiten letztlich nichts bewirken können: Heute sind "Influencer" stattdessen auf youtube und in Blogs unterwegs, um im Auftrag kapitalistischer Konzerne Käufer für lächerlichen Tand anzuwerben. Welch ein grandioser, geradezu bombastischer Niedergang einer Spezies, die sich – ich kann das nicht ohne tiefstes Glucksen formulieren – für die "Krone der Schöpfung" hält.

Das Neandertal ist unsere gesicherte Zukunft – und falls irgendein Schlaumeier jetzt darauf hinweist, dass Neandertaler ohnehin keine Vorfahren des "homo sapiens" waren: Ja, das weiß ich. Eben deshalb wählte ich dieses Bild.

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Zukunftsbild


"Die letzten Menschen haben einander umgebracht. Jetzt heißt es, wieder von vorn anfangen."

(Zeichnung von Erich Schilling [1885-1945], in "Simplicissimus", Heft 23 vom 06.09.1922)

Samstag, 6. Januar 2018

Der Austrofaschismus, der ein europäischer Faschismus ist


Ich habe seit Wochen darauf gehofft, dass der Blogger-Kollege Arbo etwas darüber schreibt, der sich ja südlich der Alpen aufhält, bin aber leider bislang enttäuscht worden: Also muss ich nun heute selber etwas über den wirklich schlimmen und gefährlichen Rechtsruck im Nachbarland Österreich erbrechen, der vollkommen symptomatisch für diese untergehende Zeit ist, wie sie unter vielem anderen auch an dem Empfang des ungarischen Rechtsextremen Orbán bei der ebenfalls rechtsrextremen CSU klar erkannt werden kann.

Fangen wir also an. Die FR berichtete einen Tag nach Weihnachten:

Die Asylpläne der neuen rechtspopulistischen Regierung in Österreich zwingen Schutzsuchende unter das Existenzminimum und sind voll von surrealen Verboten.

Da Österreich bekanntlich vor allem unter einer nicht einzudämmenden Asylflut zu leiden und mitnichten, wie der Rest der Welt, mit dem kapitalistischen Untergang zu kämpfen hat und zudem vor lauter "Fremden" gar in Kürze unterzugehen droht, stürzen sich Kurz und Strache mit wehenden Schlipsen schon zu Beginn ihres Zerstörungswerkes auf die Schwächsten, nämlich die Flüchtlinge, um sie brutal niederzuknüppeln und aus dem Alpenland möglichst fernzuhalten. Was liegt da näher als schutzsuchenden Menschen das "Existenzminimum" zu kürzen? So handeln eben echte Christen, Demokraten und schmutzige Kapitalhuren. Die CSU dürfte ebenso interessiert zugehört haben wie die CDU, die FDP, die SPD und die Grünen, während sich die Faschisten von der AfD nur ins braune Fäustchen lachten. Davon ist in der FR freilich nicht die Rede, denn irgendeinen sinnvollen politisch-gesellschaftlichen Hintergrund für diese üble Schmierenkomödie bietet die Zeitung nicht – es ist halt alles aus dem heiteren Himmel gefallen und niemand konnte etwas ahnen. Die bösen Ösis aber auch – sie sollten sich mal ein Beispiel am großen Bruder mit ihrer Merkel-Kaiserin oder zumindest der "funktionierenden Demokratie" nehmen, meint zumindest die FR.

In den österreichischen Medien wurde derweil klar benannt, wofür die Austrofaschisten stehen:

Als wichtige Themenpakete beschrieben Kurz und Strache vor allem jene Themen, die auch schon im Wahlkampf im Fokus gestanden waren. Geplant seien ein Sicherheitspaket und zahlreiche Verschärfungen im Asylrecht, wesentliche Änderungen gibt es etwa bei der Grundversorgung. Für Gewalt- und Sexualverbrechen soll es härtere Strafen geben, der Kampf gegen den politischen Islam soll zu den Prioritäten der neuen Regierung gehören.

Mit anderen Worten: Der überlebende Mittelmeerflüchtling, der Muselmann und der böse Neger sind schuld; andere Schuldige gibt es nicht, und faules, arbeitsscheues Pack wird künftig heftig in den Hintern getreten mithilfe eines Hartz-Terror-Gesetzes, das aus Deutschland importiert wird. Dort kennt man sich schließlich sehr gut aus mit Menschenfeindlichkeit. Gleichzeitig muss natürlich die komplette Bevölkerung rigoros überwacht werden, denn diese zwielichtigen GesellInnen sind alle arg verdächtig. Wie in Deutschland und in weiten Teilen Resteuropas folgt auch die Schlips-Borg-Bande in Österreich damit dem albernsten von allen erdenklichen Märchen – und wird dennoch ernst genommen. Ich kann Leuten, die derartigen Schmonzes immer noch glauben, nur noch mitleidig gegenübertreten, um nicht ausfällig zu werden. Die widerlichen Arschlöcher wissen, dass sie stumpfsinnigen Mumpitz erzählen, und ihnen wird dennoch geglaubt???

Kürzlich hat der Oberfaschist Strache auch noch diesen Kothaufen abgesetzt – auch wenn der stramme Hitlerknabe inzwischen medial wieder zurückgerudert ist, ohne allerdings seine menschenfeindlichen Ansichten in irgendeiner Weise zu revidieren:

Ausgangssperre vorgeschlagen / Strache will Asylbewerber kasernieren

Auf genau diesem äffischen Niveau, das intelligente Menschen eigentlich nur mit schallendem Gelächter beantworten können und das sich irgendwo zwischen 1932 und 1933 befindet, bewegen wir uns heute. Österreich ist leider nur ein Beispiel – ich könnte einen fast gleichlautenden Text über Deutschland, Frankreich, England oder die USA schreiben. Der Faschismus ist heute keine diffuse Bedrohung mehr, sondern sitzt fest im Sattel aller wesentlichen Institutionen in Kapitalistan – und er ist im Begriff, das vermoderte, kapitalistische Ruder einmal mehr zu übernehmen.

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Aus der guten alten Zeit



(Paul Konewka [1841-1871], Scherenschnitt, in: "Das schwarze Bilderbuch", hg.v. Rolf von Hoerschelmann, 1911)

Dienstag, 2. Januar 2018

Das braune Jahr beginnt: Barbaren, kriminelle Kinder und muslimische Vergewaltiger allerorten


Das Jahr fängt erwartungsgemäß genauso irrsinnig an, wie das vorangegangene endete. Noch an Silvester schwappte der angeblich adeligen und seltsamerweise trotzdem "volksnahen" AfD-Fregatte Beatrix von Storch eine braune, übelriechende Kotwelle aus dem entzückenden, anatomisch sehr merkelähnlichen Mund, wie u.a. n-tv berichtet:

Von Storch hatte sich in dem Kurznachrichtendienst [Twitter] am Silvesterabend über einen Tweet der Kölner Polizei aufgeregt, die Neujahrsgrüße in mehreren Sprachen veröffentlicht hatte, darunter Arabisch. "Was zur Hölle ist in diesem Land los? Wieso twittert eine offizielle Polizeiseite aus NRW auf Arabisch. Meinen Sie, die barbarischen, muslimischen, gruppenvergewaltigenden Männerhorden so zu besänftigen?", schrieb von Storch.

Da sprüht der glühende Humanismus aus jedem Buchstaben – und man möchte der Dame, die in meinen subversiven Augen stets so aussieht, als habe ihr gerade jemand gewaltsam den Lieblingslolli weggenommen, beruhigend über das schmollende Haupt streicheln und ihr versichern, dass es auf diesem Planeten sicherlich so einige Perverse gibt, von denen aber nur sehr wenige ein Interesse daran haben dürften, sich an einem (solchen) Storch zu vergehen. (Asche auf mein Haupt für diese Entgleisung.)

Der Boulevard meldet unterdessen gewissenhaft:

Die Kölner Polizei zeigt die AfD-Politikerin Beatrix von Storch an: Es werde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Volksverhetzung eingeleitet, sagte eine Polizeisprecherin dem Portal "faz.net".

Man kann indes sicher sein, dass dieses medial aufgebauschte Ermittlungsverfahren – wie fast immer in solchen Fällen – still und leise im Sand versickern wird und die Störchin mit dem blauen braunen Blut keinerlei ernsthafte Konsequenzen zu befürchten hat. Die im gewohnt rassistischen Jargon beschworenen "barbarischen, muslimischen, gruppenvergewaltigenden Männerhorden" sind derweil allerdings in der Welt und befeuern die rassistischen Stammtische landauf, landab weiter.

Auf derselben braunen Welle reiten aber auch weitere politische Geistes- und Gewissensgrößen, von denen an Neujahr in den Medien die Rede war: Der bayerische Innenminister Herrmann (CSU) will beispielsweise "jugendliche Flüchtlinge konsequent abschieben, wenn diese straffällig werden. Ein schwieriger Vorsatz, mit dem Joachim Herrmann da ins neue Jahr startet: Mit europäischem Recht ist die Forderung nämlich nicht zu vereinbaren." Auch hier blinkt die pure Menschenfreundlichkeit und christliche Nächstenliebe samt postweihnachtlicher Barmherzigkeit – gerade in Bezug auf Kinder und Jugendliche – aus allen braunen Löchern. Kapitalistische Faschisten aus der CSU und der AfD (und anderen politischen Parteien der rechtsradikalen "Mitte") kommen gar nicht erst auf den absonderlichen Gedanken, dass man Menschen zunächst einmal helfen sollte – sogar dann, wenn sie "straffällig" geworden sein sollten. Ob Herrmann seine eigenen Kinder bzw. Enkel mit derselben faschistischen Haltung behandelt und entsorgt, ist bislang leider unbekannt.

In die gleiche braune Kerbe haut auch Christian Lindner (FDP): "Der Vorsitzende der FDP, Lindner, spricht sich für einen harten Kurs gegenüber minderjährigen kriminellen Asylbewerbern aus. Es müsse möglich sein, diese auch abzuschieben." Auch hier findet sich die stets gleiche, sattsam bekannte Menschenfeindlichkeit Kapitalistans, die mir regelmäßig die kalte Kotze aus dem Gesicht treibt. Fiese, korrupte GesellInnen wie diese schmierigen Schlips-Borg kloppen mit Vorliebe vehement auf die Schwächsten ein – immer in der (leider allzu berechtigten) Hoffnung, dass die etwas weniger Schwachen den miesen Trick nicht durchschauen und fleißig mitkloppen. Das perverse Prinzip Kapitalistans funktioniert aus Sicht der "Elite" auch nach hunderten von Jahren noch immer vorzüglich.

Wenn ein Jahr schon am Neujahrstag so beginnt, kann man eigentlich nur noch sehnsüchtig auf einen baldigen Kometeneinschlag hoffen.

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Dead Planet


Mittwoch, 6. Dezember 2017

Alle Jahre wieder: Advent, Advent, Gehirnchen brennt


"Alle Wochen wieder kommt das Propagandakind ..."

Ich kann es nicht mehr zählen, wie oft ich mich in den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren über die stets überschwenglich herausposaunten "Verbesserungen" auf dem kapitalistischen "Arbeitsmarkt" ausgelassen habe. Die Propagandakanone der Kapitalhuren hört damit jedoch nicht auf, so dass auch ich dazu gezwungen bin, die ewige Wiederholung immer und immer wieder zu praktizieren. Gerade durfte ich bei n-tv (und gleichlautend in fast allen anderen Qualitätsmedien) lesen:

Engpässe in ersten Branchen: Arbeitslosenzahl sinkt auf historisches Tief / Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft geht ins achte Jahr – und auch auf dem Arbeitsmarkt hält der Boom an. Nie zuvor waren im wiedervereinigten Deutschland weniger Menschen ohne Job.

Das muss man erst einmal verdauen: Seit nunmehr mindestens acht Jahren geht es "uns" also so gut wie "nie zuvor". Das sitzt. Was soll ein linksgrün-versiffter Kommunist wie ich dagegen bloß haben können, wenn es nun sogar schon "Engpässe" in gewissen Branchen gibt? Ob das wohl an der mangelhaften Qualifikation des zur Verfügung stehenden Schröder'schen Heers der verzweifelt nach Erwerbsarbeit Suchenden oder doch eher am ungenügenden Angebot der Ausbeuter liegt? Solch dumme Fragen stellt in Kapitalistan aber niemand mehr, denn hier herrscht der "Eigenverantwortungs-" und "Konkurrenz"-Wahn: Wenn Du keinen Porsche, keine Villa und keine Segeljacht besitzt, bist Du eben selber schuld!

"... auf die Erde nieder, wo wir Schafe sind"

Da fällt auch niemandem mehr auf, dass in derselben Kuhpresse – meist auf Seite 39ff unter "Ferner liefen" und nach den Lokalnachrichten über den Taubenzuchtverein – immer wieder Meldungen wie diese an die braune Oberfläche ploppen wie auf der gärenden Oberfläche eines vulkanischen Sees:

Das ist Volksverdummung / (...) Zunächst einmal fehlt die eine Million Menschen, die von Fremdfirmen vermittelt werden oder zum Zeitpunkt der Erfassung krank sind. Auch Hartz-IV-Empfänger über 58 Jahre und Ein-Euro-Jobber werden nicht als arbeitslos registriert. Das weist die Statistik als Unterbeschäftigte aus, im Kleingedruckten. Dann sind wir statt bei 2,4 Millionen Arbeitslosen in Deutschland schon bei 3,3 Millionen. Aber das ist auch noch nicht die volle Wahrheit. Da fehlen noch die Teilzeitangestellten, die gerne 30 Stunden in der Woche arbeiten würde, aber nur zehn oder 20 Stunden arbeiten können, weil sie keine andere Möglichkeit finden. Von den zwölf Millionen Teilzeitbeschäftigten sind das sechs Millionen. (...) Wenn Sie alle mitrechnen, von denen ich gerade gesprochen habe und dann noch die stille Reserve derjenigen dazurechnen, die sich nicht bei der Arbeitsagentur melden, sind Sie schnell bei fünf bis sechs Millionen und nicht mehr bei 2,4 Millionen.

Nun, das wissen "wir" ja alles seit geraumer Zeit und glauben dem albernen Schmonzes daher nicht mehr, nicht wahr. Es ist zwar dumm, dass die aktuelle Politik sich nach wie vor auf diese in penetranter Vehemenz wiederholenden Falschmeldungen bezieht und die Regionalseiten des Blätterwaldes nicht beachtet, aber Schafe revoltieren nicht, sondern blöken bloß und folgen brav den Anweisungen der Herrschaft. Die versorgt "uns" unablässig mit weiteren Wohlfühlmeldungen (zitiert nach n-tv):

Deutsche gerade sehr entspannt: Kaum Sorgen bei der "Generation Mitte" / Den 30- bis 59-Jährigen in Deutschland geht es gut, so gut wie noch nie sogar. Das sorgt für Gelassenheit und Zufriedenheit.

"Kehrt mit seinem Segen ein in jedes Haus ..."

Da haben wir es schwarz auf weiß: Wenn Du noch immer nicht "gelassen" und "zufrieden" bist, machst Du wohl etwas falsch – wir leben mitten im Paradies und können bzw. dürfen uns nichts besseres vorstellen als diese göttliche Segnung des kapitalistischen Ausbeutersystems. Merke: Du lebst, um Profit für Reiche zu erwirtschaften – wenn Du das nicht kannst oder ("Jessusmaria!") nicht willst, hast Du Deine Existenzberechtigung verwirkt.

Der kapitalistische Segen macht sich für jeden bemerkbar in diesem verkommenen Land breit:

422.000 Menschen haben keine Wohnung / Die Zahl der Menschen in Deutschland ohne Wohnung schnellt nach oben. Mehr als jeder zehnte Wohnungslose lebt auf der Straße. Ein Wohnungslosenverband macht vor allem die Privatisierungswut der öffentlichen Hand verantwortlich (...).

Diese Menschen sind eben selber schuld, dass sie kein Dach mehr über dem Kopf haben, gelle. Der gnadenvolle Segen des kapitalistischen Wohlstandes hat ihnen die Hand gereicht, diese VerräterInnen haben sie aber dreist ausgeschlagen! Erst letztes Jahr – wiederum zu Weihnachten – durfte ich im Rahmen eines sehr bürgerlichen, geradzu spießigen Weihnachtsfestes den Ausführungen eines SUV-Fahrers und ehemaligen DDR-Bürgers lauschen, der damals bemerkte: "Rausschmeißen sollte man das Gesocks. Ab nach Rumänien, da können sie betteln und schmarotzen!" – Zuvor saßen wir brav gemeinsam in der Dorfkirche und lauschten mehr oder weniger andächtig den Klängen des christlichen Weihnachtsmärchens, während draußen, was ich erst später erfuhr, ein Mann in der Kälte erfror – er war nicht in die warme Kirche gelassen worden, weil er "betrunken" oder sonstwie nicht "angemessen" aufgestellt war. Wieviele Menschen in Deutschland müssen wohl dieses Jahr sterben, weil auch der Staat bzw. seine bürokratischen ErfüllungsgehilfInnen ihnen mit festen Stahlstiefeln ins Gesicht tritt, anstatt ihnen zu helfen?

"... geht auf allen Wegen mit uns ein und aus"

Die Zahlen sind umstritten – bei Zeit Online war beispielsweise zu lesen:

Die Zahl der wohnungslosen Menschen ist in Deutschland im vergangenen Jahr stark gestiegen: Insgesamt waren 2016 etwa 860.000 Menschen ohne Wohnung, wie die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) mitteilte.

Aber auch das ändert nichts daran, dass sowohl die Politik, als auch die "bürgerliche" Meinung bei ihrer vehement menschenfeindlichen Linie verbleibt. Wann hat man zuletzt davon gehört, dass irgendein Politiker oder "Bürger der Mitte" den Kapitalismus kritisiert habe? Ist das 50, 70 oder schon 100 Jahre her? Wer spricht heute noch davon, dass es ein ausgemachter Skandal ist, wenn es einerseits ein paar wenige GesellInnen gibt, die Millionen und Milliarden horten, während so viele, viele andere sogar im Herzen Kapitalistans nicht wissen, wie sie die nächste Woche ohne Hunger, Stromsperre und/oder den Verlust der Wohnung überstehen sollen?

Immerhin wissen wir dank der Kuhpresse, was Madame Merkel und die übrigen Polithuren in Berlin ganz und gar nicht interessiert:

In Berlins Straßen wächst das Elend / Die Temperaturen nähern sich dem Gefrierpunkt. Der bevorstehende Winter bringt Tausende Menschen in Berlin in Lebensgefahr.

Es sind ja bloß "Nutzlose". Die dürfen ruhig verrecken, auch wenn das niemand öffentlich sagt. So denkt man in Kapitalistan – nicht bloß in der "Regierung", sondern auch im faschistischen Umfeld der Bevölkerung. Es wird endlich wieder Zeit für braune und schwarze Uniformen und rote Armbinden unterm Weihnachtsbaum. – Wenn ich soviel kotzen würde wie ich müsste, wäre mein Klo seit Langem verstopft und mein Wohnort nicht mehr nur eine intellektuelle Kloake.

Es geht uns so gut wie nie zuvor, sagen sie.

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Abseits



(Zeichnung von Anton Hansen [1891-1960], in "Simplicissimus", Heft 42 vom 12.01.1925)

Freitag, 1. Dezember 2017

Realitätsflucht (39): BioShock Infinite


Es ist wieder einmal Zeit für eine wilde Flucht aus der bösen Realität, die immer bizarrer und unerträglicher wird. Mein heutiges Ziel ist erneut die Spielwelt von "BioShock": Es geht um den dritten und bislang letzten Teil des Werkes, das vom amerikanischen Entwicklerstudio "Irrational Games" entwickelt und im Jahr 2013 veröffentlicht wurde (über den zweiten Teil habe ich vor knapp zehn Monaten berichtet), nämlich um "BioShock Infinite".



Um eine "richtige" Flucht handelt es sich hier allerdings nicht, denn auch dieses Science-Fiction-Spiel bezieht sich inhaltlich auf die heutige Zeit, ganz gemäß der groben literaturwissenschaftlichen Definition:

"Science Fiction [in ihrer nicht rein auf kommerzielle Interessen ausgerichteten Form, Anm.d.Kap.] entwirft keineswegs Zukunft, sondern Alternative; sie springt in die andere Wirklichkeit und meint nicht die Zukunft, sondern die Gegenwart." (Dieter Wuckel: "Science Fiction. Eine illustrierte Literaturgeschichte", 1986)

Zur Geschichte möchte ich aus Spoilergründen nicht allzu viel schreiben. Anders als in den ersten beiden Teilen spielt man hier einen typischen Antihelden – den Herrn Booker DeWitt –, der sich 40 Jahre vor den Ereignissen in den Vorgängerteilen aus zunächst mysteriösen Gründen aufmacht, eine junge Frau namens Elizabeth aus der "fliegenden Stadt" Columbia zu befreien, wo sie gefangen gehalten wird. Wie auch zuvor entblättert sich die Geschichte im Verlauf des Spieles nur langsam – und auch nur dann, wenn man Augen und Ohren offenhält, sich in der Spielwelt aufmerksam – auch abseits des meist vorgezeichneten Weges – umschaut und all die Ton- und Bildaufzeichnungen, die sich überall finden lassen, aufmerksam anhört bzw. anschaut. Es geht – und das ist nicht übertrieben oder überinterpretiert – um die Geißel des Kapitalismus', um religiösen Wahn, Nationalismus, Rassismus und dumpfen Faschismus. Dieses unappetitliche, tiefbraune Szenario wird extrem anschaulich und unmissverständlich am Beispiel eines ins Extreme bzw. Absurde überzeichneten "American Exceptionalism" – also der in den USA bis heute weit verbreiteten Vorstellung von der "Einzigartigkeit der amerikanischen Nation" [*glucks*] – dargestellt.

Dabei ist die Überzeichnung – beispielsweise bezüglich des religiösen Fanatismus' oder des Rassismus' – heute erschreckenderweise gar nicht mehr so realitätsfern, und das bezieht sich keineswegs bloß auf die USA.


("For God and Country")

Diese Geschichte, die dieses dramaturgisch vorzüglich inszenierte Spiel erzählt, ist ein wirkliches Highlight aus der kompletten, genreübergreifenden Branche. Dennoch bleibt das Werk weit hinter seinen Möglichkeiten zurück, denn letzten Endes bleibt es ein "Shooter", wenn es auch angereichert ist durch einige (wenige) Rollenspielelemente. Neben der Geschichte und dem grafisch entwaffnend gut umgesetzen Szenario der "fliegenden Stadt" besteht der Großteil des Spieles nach wie vor daraus, mithilfe verschiedenster Waffen, Spezialfertigkeiten und taktischer Vorgehensweise haufenweise Gegner niederzumetzeln, ohne dabei selber ins Gras zu beißen. – Was für ein wegweisendes Spiel hätte "Infinite" werden können, wenn die Entwickler sich dazu entschlossen hätten, stattdessen ein tiefsinniges Rollenspiel ohne dauerndes Herumgeballere daraus zu machen!

Die Atmosphäre einer amerikanischen Stadt aus dem Jahr 1912, die sich dank "moderner Technik" vom "ketzerischen, liberalen und demokratischen" Rest der USA in die Wolken verabschiedet hat, um dort das kapitalistische, gottgewollte Paradies der weißen Herrenrasse zu errichten, ist jedenfalls perfekt umgesetzt worden. Ich wüsste nicht, wie man das noch besser machen könnte. Dazu zählen neben der Architektur und all den kleinen und großen Details – wie beispielsweise Schallplatten statt Tonbändern, die es 1912 in der bekannten Form noch gar nicht gab – auch die Musik, die ganz im Zeichen des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts (in den USA) steht. Ein Beispiel:


(Garry Schyman: "Elizabeth", aus dem Soundtrack zum Spiel)

Einen weiteren Kritikpunkt will ich nicht verschweigen: Man merkt dem Spiel an allen Ecken und Enden an, dass es für die Konsolenpest konzipiert bzw. optimiert wurde. So gibt es kein wirkliches Inventar, keine Karte, die Steuerung per Maus und Tastatur ist extrem eintönig und wenig intuitiv, die eingeblendeten Symbole sind so groß wie Mühlräder (auf dass man sich als Spieler wie ein infantiler Hampelmann fühle), und vor allem gibt es nicht nur keine Schnellspeicherung, sondern überhaupt keine freie Speichermöglichkeit mehr: Man muss also warten, bis das Spiel automatisch einen "Sicherungspunkt" anlegt, bevor man es beendet – ansonsten darf man bei der nächsten Spielsession wieder beim letzten erreichten Punkt beginnen. Was treibt Entwickler dazu, einen solchen Mumpitz auch für den PC zu kreieren? Die Konsolenkacke ist eine wahre Seuche.

Dafür lief "Infinite" auf meinem Win7/64-System völlig stabil und ohne jeden Absturz. Bugs sind mir nicht aufgefallen. Die deutsche Sprachausgabe ist professionell und ohne jeden Makel – dass sich die optional einblendbaren Texte gelegentlich vom gesprochenen Wort unterschieden, kann man leicht verschmerzen. Leider ist das Werk genretypisch sehr kurz: Selbst ein "Alles-Erforscher" und Langsamspieler wie ich hatte es in weniger als 30 Stunden durch.


(Der Antiheld "Booker DeWitt" auf einem Plakat aus Columbia)

Das Ende der Geschichte – manch einer mag sich fragen, wieso DeWitt angesichts dieser Abbildung ein "Antiheld" sei – verliert sich leider in allzu peinlichen, fast schon absurden SF-Klischeegefilden, die dem brisanten Thema und seiner Auflösung gekonnt ausweichen (was auch schon beim ansonsten so grandiosen "The Moment of Silence" der Fall war). So ein alberner Schluss verdirbt so vieles. Da hat wieder einmal der "Markt" bzw. der angestrebte Profit seinen Duft hinterlassen und vieles zerstört. Man vergleiche dazu einmal den offiziellen, ganz oben eingebetteten Trailer zum Spiel mit dem älteren Gameplay-Trailer aus dem Jahr 2012, bevor das Spiel veröffentlicht wurde (siehe unten): Nahezu keine der dort so wunderbar ausgewalzten systemkritischen Szenen hat es ins fertige Spiel geschafft. Hier war offensichtlich ein (vermutlich kapitalistisch motivierter) Zensor am Werk:



Es gibt (meinens Wissens) drei Addons zu diesem Spiel, von denen ich jedoch nur eines gespielt habe, nämlich "Seebestattung" ("Burial at Sea", zwei Episoden). Hier verschlägt es den Spieler wieder in die aus den ersten beiden BioShock-Teilen bekannte Unterwasserstadt "Rapture", was zwar für viel nostalgischen Flair sorgt, ansonsten aber wenig erwähnenswert ist: Dort geht es nur noch um Ballerei, während das Unterwasser-Szenario zur bloßen Kulisse verkommt. Eine tiefgründige Geschichte sucht man hier vergebens.

Als Resümee kann ich festhalten: "BioShock Infinite" erzählt eine hochaktuelle, beklemmende dystopische Geschichte, kleidet diese jedoch in ein allzu oberflächliches, manchmal gar infantiles Gewand, das dem Thema nicht gerecht werden kann. Damit steht es auf derselben, leider wenig erbaulichen Stufe wie "The Last of Us" (das ich mangels Konsole nicht selber gespielt, sondern nur teilweise angesehen habe). Einen zweiten Durchlauf habe ich vor einigen Wochen nach der Hälfte des Spieles abgebrochen, weil ich die Geschichte schon kannte und mir das ständige, stumpfsinnige Ballern schlicht langweilig wurde.



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Bonmot am Rande, zitiert nach Wikipedia:

Im Dezember 2013 verwendete die der US-amerikanischen "Tea-Party"-Bewegung nahestehende "The National Liberty Foundation" ein Artwork des Spiels, u.a. mit der Inschrift "For God and Country – It Is Our Holy Duty To Guard Against The Foreign Hordes", als Ausdruck ihrer Ablehnung von Zuwanderung. Das Artwork dient im Spiel zur Illustration der rassistischen Einstellung der Gründer und wurde mancherorts auch als karikative Anspielung des Entwicklerteams auf die "Tea Party" interpretiert. 2014 verwendete der konservative US-Fernsehsender "Fox News" das Logo-Artwork von "BioShock Infinite" mit dem Schriftzug "Defending the Homeland" zur Illustration eines Interviews mit dem texanischen Gouverneur Rick Perry, unter anderem über das Thema illegale Einwanderung. Levine [einer der Entwickler des Spiels, Anm.d.Kap.] bezeichnete die Verwendung des Logos in diesem Zusammenhang als Ironie.

Montag, 13. November 2017

CDU und AfD: Lügireuter und der braune Haufen


Es war ja abzusehen, dass es nicht lange dauern wird, bis sich die kapitalistische CDU und die kapitalistische AfD ihrer reichen Herrschaften besinnen, zu deren Stiefelleckzwecken sie existieren. Dass es allerdings so schnell gehen könnte, habe sogar ich oller Schwarz- bzw. Braunmaler nicht für möglich gehalten. In der FR war vor zwei Wochen zu lesen:

Die CDU in der erzgebirgischen Universitätsstadt Freiberg fordert laut und deutlich den Rücktritt von Parteichefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Außerdem, so der örtliche Vorsitzende und Baubürgermeister Holger Reuter, solle die sächsische CDU ernsthaft über Bündnisse mit der AfD nachdenken: "Wenn sich die AfD stabilisiert und zu einer Politik kommt, die dem Bürger auch wirklich Wege zeigt, wie es besser werden kann, dann halte ich persönlich auch eine Koalition mit der AfD für möglich", sagte er dem MDR.

Lügireuter und der braune Haufen

Das sitzt – und sollte nun auch dem letzten merkbefreiten "Protestwähler" deutlich die Augen öffnen, mit was für korrupten Abziehbildern sie sich da eingelassen haben. Leider wirkt das "sollte" nicht so, wie es müsste, denn noch immer liegt die AfD in der "Wählergunst" an derselben Stelle. Das legt aus meiner Sicht die Vermutung nahe, dass es sich bei diesen WählerInnen mehrheitlich gerade nicht um "ProtestlerInnen" handelt, sondern um schnöde RassistInnen und NationalistInnen, die einen ausländerfeindlichen Kurs in der Politik selbst dann gut finden, wenn sie dafür weniger Gehalt, weniger Rente, weniger Arbeitslosengeld und einige aus den Fugen quellende, überlaufende Geldspeicher einer kleinen, kriminellen "Elite" bekommen (um nur wenige Beispiele zu nennen). Mit Dummheit allein lässt sich das jedenfalls – aus meiner Sicht – längst nicht mehr erklären.

Man vergleiche diese Ungeheuerlichkeit der sächsischen CDU nur einmal mit der medialen Hinrichtungskampagne gegen Frau Ypsilanti (SPD), als diese es vor Jahren wagte, nach einer Landtagswahl über ein Bündnis mit der Linkspartei nachzudenken. Das Szenario wird nicht erst rückblickend umso lächerlicher, wenn man bedenkt, dass auch eine damalige Koalition von SPD und Linkspartei nichts anderes getan hätte als die Mafia-KollegInnen aus der CDU, FDP und den Grünen. Wer hier noch immer nicht im kristallklaren "Wasser der Erleuchtung" schwimmt und endlich bemerkt, auf welch üblem Rechtskurs mitten hinein in die Latrine der NPD sich die Politik und "freien Medien" befinden, dem ist wahrlich nicht mehr zu helfen. – Genauso verhält es sich heute bezüglich der AfD: Mir hat beispielsweise noch niemand nachvollziehbar den Unterschied zwischen den politischen Zielen der AfD und jenen der CSU erklären können. Falls sich jemand dazu berufen fühlt: Ich bin ganz und gar Ohr!

"We love to verarsch you"

Dasselbe gilt freilich auch für die übrigen kapitalistischen Blockparteien, die sich einzig durch die Balkenfarbe in den Diagrammen der Kuhmedien und den vielfältigen rhetorischen Popanz, nicht aber durch ernstzunehmende Inhalte voneinander unterscheiden. Ich bin sehr gespannt (*gähn*), wie schnell statt "Jamaika" nun die "Schwafaschampel" (CDU/CSU, AfD, FDP) ins Rennen um den schnellsten Weg in den Abgrund geht und wie lange es dauert, bis SPD, Linkspartei und Grüne den längst aufgestellten Turborekord im Umfallen und rechtsspurigen Überholen der Menschenfeinde noch einmal übertrumpfen werden.

Eine Lanze für Merkel

Angesichts des vorgelegten Tempos aus Sachsen kann es sich hier nur um wenige Monate handeln, falls die Bleierne abgesägt wird. Insofern sollte man heute schon überaus dankbar sein, wenn das Merkelmonster trotzdem weiterhin am vermeintlichen Chefsessel klebt wie zähflüssiger, übelriechender, brauner Darmausfluss. Nichts, was da nachzufolgen gedenkt, könnte auch nur ein bisschen weniger furchtbar sein als diese Sockenpuppe der kapitalistischen Mafia aus der Uckermark.

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Charlie im Augenblick des Versuchs, eine Lanze zu brechen.

Donnerstag, 9. November 2017

Als die Synagogen brannten


Die Novemberpogrome 1938

Fast 80 Jahre sind vergangen seit den Novemberpogromen 1938. Sie sind eine der zentralen Wegmarken des Völkermords. Während die Juden in Deutschland seit der Machtübernahme bereits systematisch ausgegrenzt und ausgeplündert wurden, so zeigte sich in der sogenannten Kristallnacht offen das mörderische Gesicht der Hitlerdiktatur.

Am 9. und 10. November 1938 brannten in ganz Deutschland rund 400 Synagogen, SA-Männer verwüsteten 7.000 jüdische Geschäfte. Über neunzig Menschen wurden vom Mob ermordet, etwa 600 begingen Selbstmord. Mehr als 26.000 Männer wurden - angeblich zu ihrem eigenen Schutz - in Konzentrationslager verschleppt und dort misshandelt. Spontane Aktionen aufgebrachter Bürger seien es gewesen, behaupteten die Nazis, als sich ein Proteststurm im Ausland erhob, tatsächlich war es der Höhepunkt einer staatlich gelenkten Welle antisemitischer Gewalt in Deutschland.

Autor und Regisseur Michael Kloft hat für seine Dokumentation kaum bekanntes Material und Fotos gefunden und er hat Zeitzeugen befragt, die heute noch die damaligen schrecklichen Ereignisse vor Augen haben.



("Als die Synagogen brannten", Dokumentation von Michael Kloft, NDR 2008)

Siehe dazu auch: "Die letzten Zeugen".

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(Titelseite des Nazi-Hetzblattes "Der Stürmer. Deutsches Wochenblatt zum Kampfe um die Wahrheit", hg.v. Julius Streicher, Nr. 48 vom Dezember 1938)

Mittwoch, 8. November 2017

Die "bürgerliche Mitte": Von Ratten und Menschen


In der jüngsten Ausgabe der Satiresendung "Die Anstalt" haben die Kabarettisten Max Uthoff, Claus von Wagner und ihre Mitstreiterinnen sehr hübsch herausgearbeitet, wie der neoliberale Umbau der Welt seit 1947 gezielt und geplant von diversen LobbyistInnen und entsprechenden, für diesen Zweck gegründeten und miteinander vernetzten "Think Tanks" durchgezogen wurde. Leider wird auch dort das Wort "Kapitalismus" strikt vermieden, so dass wieder einmal die – möglicherweise gar nicht beabsichtigte – Illusion kolportiert wird, es könne im Gegensatz zum bösen, neoliberalen Kapitalismus auch einen "guten" Kapitalismus geben. Das ist freilich absurder Blödsinn.

Was diese schäbige, zerstörerische und zutiefst infantile Ideologie, die längst religiöse, fundamentalistische Züge angenommen hat, mit vielen Menschen anrichtet, ist indes allerorten zu beobachten. Ein weiteres von so vielen Beispielen las ich kürzlich in einer Kolumne von Mely Kiyak bei Zeit Online. Dort heißt es zum Thema Obdachlosigkeit in Berlin unter anderem:

Der grüne Berlin-Mitte-Bürgermeister Stephan von Dassel ließ mit großem Tamtam und flankiert von Interviews verlauten, dass "50 besonders aggressive" osteuropäische Obdachlose den Tiergarten verdrecken würden. Er forderte Abschiebungen nach Polen. (...) / "Die Ratten kann man nur bekämpfen, wenn die Menschen weg sind", sagte die Pressesprecherin des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg. Sie ließ eine "Räumung aus hygienischen Gründen" anordnen. (...) / Gern wäre man dabei gewesen, wenn zwei Sozialarbeiter die Menschen darauf hinwiesen, dass sie sich in einem Wärmebus einen Becher Tee abholen dürfen, derweil ihre Zelte und Matratzen und ihr letztes Hab und Gut vor ihren Augen auf den Müll wanderten. Worauf sie wohl in den kommenden Nächten schliefen? Auf nassem Laub?

So sind sie, die kapitalistisch verdorbenen Menschen – und dies ist exakt die perverse Welt, die sich Kapitalisten ("Neoliberale") herbeiträumen und die sie in weiten Teilen längst erreicht haben. Da fällt einem "Grünen" die abgrundtiefe Menschenfeindlichkeit, die er ausposaunt, gar nicht mehr auf; und für den angeschlossenen Partei- und Behördenapparat ist es offenbar eine Selbstverständlichkeit, eine wie auch immer postulierte "Rattenplage" mit – in diesem Fall etwa 50 – obdachlosen Menschen in Zusammenhang zu bringen, was an sich schon grotesk ist, und in der Folge nicht etwa diesen Menschen zu helfen, indem man ihnen beispielsweise schlicht Wohnraum anbietet, sondern sie stattdessen polizeilich vertreiben lässt.

Aus allen diesen Worten und Taten brüllt uns der Faschismus entgegen – und zwar unverhohlen und ganz ohne pseudodemokratische Maske. Man sieht: Die AfD wird gar nicht gebraucht – die Drecksarbeit der menschenfeindlichen Umsetzung der kapitalistischen Zerstörung erledigen die Parteien der "bürgerlichen Mitte" auch ganz ohne die Hilfe der offen Rechtsradikalen. Das obige Beispiel ist nur das Schneeflöckchen auf der Spitze des Eisberges.

Es führt wohl kein Weg daran vorbei endlich anzuerkennen, dass die "bürgerliche Mitte" Deutschlands mittlerweile wieder Hakenkreuzarmbinden trägt, auch wenn sie dies reflexartig sehr erbost von sich weist. Mir wird speiübel, wenn ich mir vorstelle, wohin das führen kann – bzw. zwangsläufig führen muss.

Montag, 30. Oktober 2017

Christentum und Faschismus


Pünktlich zum bevorstehenden "Reformationstag" – dem Höhepunkt der seit zehn Jahren [sic!] währenden und vom Staat mit dreistelligen Millionenbeträgen finanzierten "Lutherdekade" – haben die Macher des atheistischen Blogs Man glaubt es nicht einen hübschen Text veröffentlicht, in dem auf einen schon etwas älteren Beitrag zum Antisemiten, Frauenhasser und Obrigkeitsapostel Martin Luther eingegangen wird, der seinerzeit einen beachtlichen Shitstorm ausgelöst hat. Die AutorInnen verwenden hierfür den aus meiner Sicht nicht sonderlich gelungenen – weil allzu verharmlosenden – Begriff der "Schnullernazis" für jene fundamental-"christliche" Vollidioten, die ihren Nazi-Dreck hemmungslos ins Netz kippen und sich dabei des "göttlichen Beistandes" gewiss sind – aber das soll nun nicht weiter stören.

Ich zitiere aus dem Posting:

Okay, Luther war also wirklich ein Hassprediger, ein Vordenker für die Faschisten, der im "Dritten Reich" ausführlich gefeiert wurde. Wie äußern sich die Schnullernazis zu ihm? / "Luther war ein großartiger Mann. Heute bräuchten wir ihn – als Prediger gegen alles Linke, Zerstörende. […] Lieber noch die Ayatollahs als die linken Satanspäpste." / In einem anderen Kommentar sehnt sich ein Schnullernazi einen weiteren Hassprediger herbei: "Einen Luther bräuchten wir heute wieder: gegen Linke, Femastasen-Weiber und ausländische Invasoren." / Nicht nur Luthers Antisemitismus, sondern auch sein Frauenbild wird geteilt, es werden sogar biologische Ursachen für deren vermeintliche Unterlegenheit ermittelt: "frauen sind halt OHNE EIER GEBOREN, wobei man sich in dieser Situation schon eher einen ‚SAUDI-ARABISCHEN‘ Umgang mit Frauen wünscht, niemals das weibliche Geschlecht an irgendwelchen Machtpositionen zu setzen."

Und so geht das munter weiter. Hier findet sich fast jedes bornierte Klischee, das man rechtsradikalen Hohlbirnen – ob nun mit oder ohne pseudotheologischem Unterbau – gemeinhin zuordnet. Die Lektüre wäre sehr lustig, wenn sie nicht die böse Gefährlichkeit der Dummheit, die sich hier förmlich und äußerst bedrohlich manifestiert, so schauerlich illustrierte. Lest Euch das inklusive der Kommentare in aller Ruhe – sofern das Nervenkostüm das mitmacht – durch und beachtet auch das Ursprungsposting und die dort noch erhalten gebliebenen Kommentare. Dies sind Stimmen aus Deutschland im "Jahre des Herrn 2017", die unmittelbar erklären, weshalb Rassismus und Faschismus hier längst wieder eine heimelige, bis ins Knochenmark vergiftete Wohnstatt haben.

Mich erinnert das an meinen aussichtslosen Kampf, den ich vor Jahren mit Foristen (es waren ausschließlich Männer) des inzwischen zum Glück abgeschalteten Idiotenportals "kreuz.net" geführt habe. Dort posteten ebensolche – allerdings katholische – Nazihorden exakt denselben menschenfeindlichen Müll – bloß ohne Bezug auf Luther. Einige von diesen Gesellen belästigen mich per Mail auch heute – nach fast zehn Jahren – immer noch mit ihrer ewig gleichen braunen Kotze.

Wer nun einwendet, dies seien ja nur die "extremen Ränder" der Religioten, die man nicht weiter ernst nehmen müsse, sollte sich mit den entsprechenden Positionen der "christlichen" Parteien (CDU/CSU für die Katholen und die Grünen für die Evangelen) befassen – wobei ich damit nicht irgendwelche wohlfeilen Programme oder andere Druckwerke, sondern das konkrete Handeln meine. Anlässlich eines nicht weiter erwähnenswerten Besuchs in einem Gottesdienst erzählte mir noch vor einigen Wochen eine Pfarrerin mit belehrender Stimme von der Kanzel herab: "Wir Menschen sind alle Sünder, aber wir können etwas dagegen tun: Der Glaube ist der erste Schritt."

Yeah. Ich glaube inzwischen nur noch an den Untergang dieser Spezies und hoffe inständig, dass ich ihn nicht mehr persönlich erleben muss. Die Hoffnung darauf schwindet allerdings zunehmend.

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Passion 1932



(Zeichnung von Erich Schilling [1885-1945], in "Simplicissimus", Heft 52 vom 27.03.1932)

Samstag, 28. Oktober 2017

Die Fähnchenschwenker und ihre Jeanne d'Agenknecht


Der Kollege Arbo vom Blog Krautism hat jüngst einen lesenswerten Text – eigentlich eine Aktualisierung eines älteren Beitrages – über das seltsame Fischen der Frau Wagenknecht am rechten Rand geschrieben, in dem es unter anderem heißt (Quellenangaben im Originalposting):

Zurück zur Nüchternheit: Würde Frau W. nun – eingedenk der eben geschilderten Situation – über den Libanon sprechen und sagen ‚Dort sind die Kapazitätsgrenzen (langsam) erreicht.‘, wer würde ihr widersprechen? Der Punkt ist nur, dass sie nicht vom Libanon spricht, sondern von Deutschland. Daher mal ein Vergleich: Deutschland hat laut Destatis 82 Millionen Einwohner, konnte 2016 auf ein BIP von 3.144,1 Milliarden Euro bzw. 3,466 Billionen USD blicken; im gleichen Jahr 2016 wurde über die Asylanträge von 695.733 Personen entschieden (BAMF) und zwischen Januar und September 2017 lag die Zahl der registrierten Asylsuchenden laut Bundesstelle für Politische Bildung bei 139.635 Personen (die Bundesregierung gibt für den gleichen Zeitraum 168.306 Personen an).

Dagegen liegt die Bevölkerung des Libanon aktuell bei ca. 6,2 Millionen Menschen, das BIP bei (nominal) 52 Milliarden USD (Wikipedia) und die Zahl der aufgenommenen Flüchtlinge liegt geschätzt zwischen 1 bis 2 Millionen Menschen (Zahlen laut nachrichten.at vom Dezember 2016). Die so rhetorische wie ‚nüchterne‘ Preisfrage lautet nun: Welches Land von beiden wird wohl am ehesten an ‚Kapazitätsgrenzen‘ stoßen?

Inhaltlich habe ich dem nichts hinzuzufügen – Dank an Arbo für die gründliche Recherche. Mich treibt aber die Frage in den Wahnsinn, was zur Hölle Wagenknecht und Lafontaine mit diesen Aktionen zu bezwecken gedenken? So dumm sind diese Menschen (hoffentlich) nicht, dass sie tatsächlich daran glauben, auf diese schäbige Weise bei den "besorgten BürgerInnen" und anderen Pegidioten Wahlstimmen einsammeln zu können – andererseits möchte ich ihnen aber auch keine bösen, nationalistischen Intentionen unterstellen. Was also steckt dahinter? Naivität? Populismus? Aktionismus? Oder doch nur Dummheit, völkisches Denken – oder noch etwas ganz anderes, das mir partout nicht einfallen will?

Es ist ja kein Geheimnis, dass Wagenknecht die "Überwindung des Kapitalismus" – auch das übrigens eine offen populistische, extrem dumme und inhaltlich groteske Formulierung, die einzig dem kapitalistischen, alles indoktrinierenden Zeitgeist geschuldet ist – längst nicht mehr vertritt. Hat auch sie inzwischen von der Lapuente'schen Verdummungsdroge der "Realpolitik" gekostet und dabei ebenso ihren Verstand verloren wie all die braven FähnchenschwenkerInnen, die unbeirrt und von der Realität unberührt in der Linkspartei das Seelen- und Nationalheil sehen wollen? Ich verstehe das nicht. Und trotzdem wird diese Dame von Teilen der "Linken" nach wie vor als glühende Jeanne d'Arc angepriesen, so als sei eine Personalie – welcher Art auch immer – in einer "repräsentativen" Demokratiesimulation tatsächlich entscheidend für den "Sieg der guten Sache". Das ist so albern und bizarr, dass es mir die Sprache verschlägt.

Wie soll der kapitalistische Horror, der im Begriff ist, den kompletten Planeten zu zerstören und der für den weit überwältigenden Teil der Menschen nicht erst seit gestern ein einziger, tödlicher, nicht endender Albtraum ist, mittels einer Partei "bekämpft" werden, die sich einer solchen perfiden Rhetorik bedient wie Wagenknecht sie wiederholt bemüht?

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Jeanne d'Arc



(Illustration von Albert Lynch [1851-1912], in: "Le Figaro", 1903)

Montag, 23. Oktober 2017

Der linke Konservative


Eine Glosse am Rande des glucksenden Wahnsinns

Eigentlich hatte ich ja vor, mich inhaltlich nicht mehr mit den Auswürfen meines geschätzten Freundes Roland Faulfuß, die er – sofern er denn gelegentlich mal einen selbst verfassten Text veröffentlicht – in seine esoterische, wirre Filterblase entlässt, die er merkwürdiger Weise für "das Internet" oder gar "die Welt" hält, zu befassen. Heute muss ich mit diesem Grundsatz leider brechen (und ich sehe schon die genervt rollenden Augen einiger MitleserInnen, denen mein ganzes, aufrichtiges Mitgefühl gilt), denn der Mann hat wieder einmal so viel geballten Blödsinn aus seinem hypersensiblen Hirn gesaugt und in pseudointellektuelle Worthülsen gezwängt, dass mir gar keine andere Wahl bleibt. Es nützt ja schließlich nichts, sich bloß in den eigenen vier Wänden oder im kleinen Kreis aufzuregen – das ist nicht gut für den Blutdruck und die gehaltvolle Verdauung.

Faulfuß hat sich nun – wenn auch über Bande und mit dem obligatorischen Fragezeichen versehen, auf das sich Leute seines windigen Schlages stets herausreden können, wenn es "hart auf hart" kommt – als "linker Konservativer" geoutet. Da schmerzt sogar das schmerzunfähige Stammhirn und die Fußnägel rollen sich beherzt auf, dass es eine wahre Wonne ist. Für den Eso gehört nun also "Computer- und Kommunikationsspielzeug" zu irgendwelchen "vielen skurrilen Interessengebieten, denen man frönen, denen man sich aber auch entziehen" könne. Das ist mal eine Aussage, die so dämlich ist, dass auch die weiteren Ausführungen daran nichts mehr ändern, denn offenbar versteht der "linke Konservative" darunter lediglich oder zumindest vornehmlich die Dumpf-Phone-Besessenheit der hiesigen (keineswegs nur jungen) Bevölkerung.

Dass er selbst dem "Computer- und Kommunikationsspielzeug" frönt, indem er seit Jahren an einem obskuren Blog mitarbeitet, fällt ihm nicht auf – und so merkwürdige, lächerliche Menschen wie beispielsweise ich fallen ganz durch sein monokausales Raster: Ich boykottiere Dumpf-Phones seit vielen Jahren und lasse es mir dennoch nicht nehmen, mich ausgiebig mit dem Computer, mit diverser Software und gelegentlich sogar mit (*Jesses hilf!*) Computerspielen zu beschäftigen. Damit bin ich in des Faulfußes kleiner Biene-Maja-Welt schon ein Sektierer, ein Menschenfeind, ein Aussätziger.

Das war aber bloß der Prolog. Was der Mann danach vom Stapel lässt, offenbart das ganze Ausmaß der intellektuellen Einöde, in der er sich befindet bzw. befinden muss. Es sprengte den Rahmen, jede einzelne Äußerung des Wahn- und Irrwitzes hier zu kommentieren, so dass ich mich auf eine Auswahl im Nano-Bereich beschränke. Faulfuß schreibt beispielsweise:

Ich selbst will den Status Quo nicht "einfrieren". Entwicklung ist unvermeidlich und oft auch gut. Aber das Tempo der Veränderung muss sich den Menschen und ihren Bedürfnissen anpassen, nicht umgekehrt. Heute haben wir es geradezu mit einem Innovationsterror zu tun.

Abgesehen davon, dass diese Passage – wie auch der gesamte Text – mit keiner Silbe darauf eingeht, weshalb diese Forderung im kapitalistischen System vollkommen blödsinnig ist, da dem Kapitalismus "der Mensch und seine Bedürfnisse" schlichtweg scheißegal sind – hier geht es einzig um möglichst viel Profit für die "Elite" –, ist auch der letzte Satz hanebüchener Unsinn. Die technische Innovation – egal, wie man diese nun im einzelnen bewerten möchte – ist seit mehr als hundert Jahren in einem wahnwitzigen Tempo auf ihrem dampfenden Weg. Das kein neues Phänomen. Die technischen "Quantensprünge" beispielsweise der Elektrizität, der Dampfmaschine und damit der Eisenbahn oder der Verbrennungsmotoren haben in der Vergangenheit für ähnlich dramatische Veränderungen und natürlich auch Verwerfungen gesorgt. Faulfuß plappert hier schlicht esoterischen Bockmist nach, für den er sogar einen "Zeugen" (Harari) benennt und den er als "Bestseller-Autor" vorstellt, so als seien die Verkaufszahlen eines Printwerkes ein Indiz für die Relevanz oder Qualität desselben. Einige der üblichen Propagandatechniken der korrupten Bande beherrscht der Hochsensible bereits. Er zitiert Harari:

Obwohl sich Geschichtswissenschaftler mit fast jedem erdenklichen Thema beschäftigen – von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft über Geschlechter und Sexualität bis zu Krankheiten, Essen und Kleidung –, haben sie sich nie gefragt, welchen Einfluss das alles auf das Glück der Menschen hat. Das ist die größte Lücke in der Geschichtsschreibung.

Auch diese Aussage, die sich Fauli zu eigen macht, ist falsch. Einerseits ist es ja nicht die primäre Aufgabe der Geschichtswissenschaft, dem "Glück der Menschen" nachzuforschen – und es ist damit auch keine "Lücke"; andererseits sollte der Verfasser einfach mal einen Blick in die langen Buchregalreihen dieser Wissenschaft riskieren, um festzustellen, dass es trotzdem sehr wohl Veröffentlichungen, die zu diesem Themenkomplex zählen, gibt. Arbeiten aus anderen Wissenschaftsbereichen oder gar fachübergreifende Forschung will ich hier gar nicht erst erwähnen. Die Behauptung ist stumpfsinniger Mumpitz.

Es folgt ein Highlight der Faulfuß'schen Blümchenwelt:

Leider gelten zufriedene Menschen aber heute als Feinde einer florierenden Wirtschaft. Sie weigern sich, den Herstellern von technischem Schnickschnack als Zielgruppe zur Verfügung zu stehen.

Beim ersten Lesen war ich froh, dass ich gerade keinen Kaffee trank, der sich sonst unweigerlich über meinen technikfreundlichen, scharf zu verdammenden Monitor ergossen hätte. "Heute" sind also Menschen, die sich dem Konsum verweigern, "Feinde der Wirtschaft"? Ah ja? Was waren solche Menschen denn vor 20, vor 40 oder vor 100 Jahren? Des Kapitalisten liebste Freunde? Oder gab es die vormals gar nicht? Und wieso betrifft das heute nur "zufriedene" Menschen? Können nicht auch gänzlich Unzufriedene die viel "besseren" – weil schlagkräftigeren – Feinde des Kapitals sein? Man weiß so wenig, wenn die Sprachkunst des Autors sich auf einem derartig befremdlichen, semi-religiösen Niveau bewegt.

Selbstverständlich führt Faulfuß diese an sich schon absurden Gedanken noch weiter fort und kommt zu dem Schluss, den ich zur Illustration seiner Absurdität in die Sprache der vergleichbaren Menschen von vor hundert Jahren übersetzen möchte: "Heute ist der Eisenbahner dieses prägende Leitbild unserer Kultur. Ob wir wollen/können oder nicht – wir müssen, um im modernen Alltag überleben zu können, zumindest partiell so werden wir 'die'. Eine Zwangsbekehrung zur Religion der Dampfmaschinen-Enthusiasten findet derzeit statt. In der Folge verbrauchen wir viel Zeit und Energie, um mit Hilfe von Technologien Probleme zu lösen, die ohne sie gar nicht entstanden wären."

Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Auch das Eisenbahnzeitalter hat seinerzeit extrem viel Leid, Elend und Not verursacht und massenhaft Menschen in Abhängigkeiten, Armut und finstere Ausbeutung gestürzt, während wie gewohnt nur eine kleine Minderheit davon profitiert hat und steinreich auf Kosten der übrigen Menschen geworden ist – aber trotzdem war diese Technologie ein Meilenstein der wenig ruhmreichen Menschheitsgeschichte. Die Pervertierung bezieht sich ja nicht auf die Technologie, sondern auf deren "leitende" Anwender und deren Ziele. Dasselbe trifft heute auf Computer und auch das Internet zu. Die kapitalistischen Auswüchse bzw. "normalen" Ausformungen der Ausbeutung, Armut und imperialistischen Widerlichkeiten, die zu einem technologischen Sprung im Kapitalismus eben immer dazugehören, gilt es heute ebenso scharf zu bekämpfen wie damals. Solch einfache Schlussfolgerungen aus der Primarstufe zieht Faulfuß jedoch natürlich nicht.

Letztlich kommt auch in diesem Text wieder das altbekannte, zum wiederholten Kotzen bemühte "Naturverständnis" dieser verblendeten Eso-Heinis zutage, das auch gerne mit dem abergläubischen Begriff "Schöpfung" belegt wird. Ich frage mich jedesmal, wenn ich so einen Kappes lese, ob der Urheber tatsächlich in derselben Welt lebt wie ich: Schließlich handelt es sich bei "der Natur" um ein System, das essenziell und primär auf dem völlig perversen Prinzip des "Fressens und Gefressen-Werdens" beruht. Wenn Faulfuß sich also in seinem "Biotop", das er in seinem wirren Beitrag visuell angedeutet hat, befindet, ist er sich offensichtlich nicht bewusst, dass um ihn herum zu jeder Sekunde tausende von Lebewesen andere Lebewesen töten und auffressen, um sich selbst am Leben erhalten zu können. Eine andere Wahl haben sie nicht. Das ist "Natur". Wer so etwas auch noch einem "Gott" als "Schöpfung" in die Schuhe schieben will, hat offensichtlich noch größere psychische und intellektuelle Probleme als die AfD oder die CDU. – Merke (es folgt eine steile, aber nicht von der Hand zu weisende These): Wer "die Natur" als "gutes Beispiel" bemüht, muss zweifellos ein übler Faschist sein.

So sind sie eben, die "Konservativen" bzw. Kapitalisten bzw. Esoteriker bzw. Faschisten: Jenseits der Realität.

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Naturidyll


Der Löwe (der Konservative) und das Zebra (die Linke) chillen friedlich gemeinsam im Paradies der Natur.

Freitag, 13. Oktober 2017

Die AfD und der Dietrich


Für all diejenigen, die vielleicht nicht wissen, um welche Person es hier geht – so etwas soll es ja leider geben –, sei angemerkt: Dietrich Bonhoeffer war "am deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt. (...) / Etwa ab 1938 schloss er sich dem Widerstand um Wilhelm Franz Canaris an. 1940 erhielt er Redeverbot und 1941 Schreibverbot. Am 5. April 1943 wurde er verhaftet und zwei Jahre später [nur wenige Tage vor dem Ende des Nazi-Terrors, Anm.d.Verf.] auf ausdrücklichen Befehl Adolf Hitlers als einer der letzten NS-Gegner, die mit dem Attentat vom 20. Juli 1944 in Verbindung gebracht wurden, hingerichtet."

Kürzlich war nun beim WDR anlässlich einer eher informationsarmen Kurzmeldung ganz am Rande und daher von vielen wohl unbemerkt die folgende, unkommentierte Bemerkung zu lesen:

Am kommenden Wochenende veranstaltet die AfD ihren Landesparteitag in der Schulaula des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums in Wiehl [NRW].

Welch eine Ungeheuerlichkeit in einem solchen lapidaren Satz steckt, muss ich eigentlich nicht näher erläutern, tue es aber gleichwohl: Was zur kochenden Hölle hat ein Landesparteitag in der Schulaula eines Gymnasiums verloren? Und was denken sich die Verantwortlichen zu allem Überfluss der Idiotie dabei, ausgerechnet einer rechtsradikalen Partei Zugang zu einer Schule, die einen solchen Namen trägt, zu gewähren? Befinden sich in diesem Land inzwischen denn nur noch Irre in "führenden Entscheiderpositionen" – sogar auf Kreisebene in der Provinz?


(Zeichnung von Hauck & Bauer, in: Titanic Online vom 09.10.2017)

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Zum Tag der deutschen Rassisten


Rassismus ist eine Form der absoluten menschlichen Niedertracht, mit der sich insbesondere Deutschland traditionell ganz besonders gut auskennt. Heute, im sich allmählich dem Ende zuneigenden Jahr 2017, ist er von den Stammtischen, aus den Hinterzimmern und den verdeckten politischen Phrasen der Nachkriegsjahrzehnte keck herausgetreten und wieder salonfähig geworden, woran nicht zuletzt auch die als "Wiedervereinigung" postulierte Annexion der DDR durch die damalige BRD und die politisch-mediale Begleitung dieses Ereignisses einen großen Anteil haben. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich 1989 in nächtlichen Aktionen große Plakatklebeaktionen, die den Slogan "Wider Vereinigung ohne demokratische Abstimmung" trugen, in mehreren westdeutschen Großstädten unterstützt habe, die aber bekanntlich dem aufsteigenden schwarz-rot-uringelben Sog der patriotischen Kakophonie und dem wirren Gefasel der Kohls und Genschers von den "blühenden Landschaften" und der "neuen Freiheit" leider nichts mehr entgegenzusetzen hatten.

Dazu passt auch gut eine Szene aus Volker Schlöndorffs Film "Die Stille nach dem Schuss" (2000), in dem die (fiktive) Ex-RAF-Terroristin und Protagonistin des Films, die in jener Geschichte inzwischen unter einem neuen Namen in der DDR lebt und den Umbruch dort miterlebt, ihren verständnislos dreinblickenden MitbürgerInnen sinngemäß und verzweifelt zuruft: "Wisst ihr denn eigentlich, was ihr hier habt?" – Sie wussten es offensichtlich nicht.

Nun zeigt der Kapitalismus wieder sein wirkliches, monströses Gesicht, das weder etwas mit "Freiheit" oder "blühenden Landschaften", dafür aber ausschließlich mit Ausbeutung, Abhängigkeit, Staatsterror, Überwachung, Armut, Menschenfeindlichkeit, Rassismus und Faschismus zu tun hat – und das alles wegen der Profitgier einer kleinen, "elitären" Minderheit. Früher nannte man das Feudalismus.

Vor einigen Tagen habe ich dazu ein bezeichnendes Beispiel bei Zeit Online gelesen. Dort geht es zwar um Magdeburg – allerdings ist das Phänomen keineswegs auf Ostdeutschland beschränkt, auch wenn die Massenmedien das inzwischen gerne und oft so darzustellen versuchen. Ich zitiere sehr verkürzt aus dem Bericht und empfehle die komplette Lektüre:

In einem Magdeburger Stadtteil gibt es große Aufregung um neue Nachbarn aus Rumänien. Bürgermeister und Lokalzeitung sprechen von Ghetto, Sozialbetrug, Lärm und Müll. / (...) "Die Frage ist ja: Warum sind die Rumänen alle gerade hierher gekommen?", fragt Lutz Trümper [SPD, Oberbürgermeister]. "Sicher kann man das ja nicht sagen, aber: Ich glaube, das ist organisiert." / (...) Lutz Trümper sagt, wenn die Rumänen sich von Anfang an an "unsere Regeln und Normen" gehalten hätten, dann wäre man gar nicht aufmerksam geworden auf sie. Aber jetzt will er gegen den vermuteten Sozialbetrug vorgehen. / (...) Seit einigen Wochen patrouilliert jetzt der Ordnungsdienst täglich zwischen 6 und 20 Uhr durch die Neue Neustadt. Und auch die Polizei lässt sich häufiger mal blicken. Nicht, weil die Kriminalität gestiegen wäre: Laut der Kriminalstatistik, das sagt auch Lutz Trümper, hat es keinen Anstieg an Kriminalität in dem Viertel gegeben in den letzten Jahren.

Wer den Text aufmerksam liest, wird gleich an mehreren Stellen stutzig und erkennt die üblichen, rein rassistisch motivierten Ressentiments, in diesem Fall gegenüber den Sinti und Roma, die seit Jahrhunderten allzu bekannt sind. Politik, Medien und der "Wutbürger", den man einmal mehr besser "Dummbürger" nennen müsste, reichen sich die Klinke in die Hand und bestärken sich gegenseitig, wie man das aus solchen "Filterblasen" so kennt. Irgendwelche sinnvollen oder belastbaren Fakten, die zur strikten Ablehnung dieser Menschen taugen könnten, werden mangels Vorhandenseins nicht genannt – abgesehen vom Vorwurf des "Lärms". Auch der hat allerdings nichts mit der ethnischen Zugehörigkeit eines Menschen zu tun – davon kann ich in meinem dörflichen Umfeld, in dem fast ausschließlich Deutsche (Spießer) leben, ein langes, wirklich sehr langes Lied singen. Alles andere sind diffuse Wahnvorstellungen, haltlose Verdächtigungen und schnöde Diffamierungen, wie man sie aus der finstersten Zeit Deutschlands kennt.

Dazu reicht es aus, sich das Beispiel des "vermuteten Sozialbetruges" auf der Zunge zergehen zu lassen: "Was Lutz Trümper so ärgert, ist die Tatsache, dass EU-Ausländer, die in Deutschland arbeiten, ebenso wie auch Deutsche ihr Einkommen mit Hartz 4 aufstocken können, wenn es nicht zum Leben reicht." Eigentlich muss man zu diesem ekelhaften Irrsinn nichts mehr sagen, denn er spricht für sich selbst. Die faschistische Devise des SPD-Mannes lautet: Wenn es den "Deutschen" schon so schlecht geht (weshalb das so ist und was seine Partei oder gar der Kapitalismus damit zu tun haben, fragt er gar nicht), soll es zumindest anderen, nämlich "Nicht-Deutschen" noch schlechter gehen, damit der "sozialen Gerechtigkeit" Genüge getan ist. Wenn das Geld für jene "Untermenschen" nicht mehr zum Leben reicht, ist das aus seiner Sicht "sozial gerecht". Auf diesem unterirdischen, tiefbraunen Niveau bewegt sich inzwischen nicht nur wieder die Politik der neoliberalen Bande, sondern auch die begleitende Medienpropaganda (siehe u.a. die MDR-Zitate im Bericht). Mich macht das völlig fassungslos.

Ein weiteres Beispiel aus der rechtsdrehenden Politik hat der Kollege Arbo kürzlich gepostet. Er schrieb:

Nicht nur die CDU hat am rechten Rand gefischt. Sondern, wie an anderer Stelle behandelt, auch Teile der Linken taten und tun das. Nun, nach der Wahl, hat sich Herr [Lafontaine] dazu angehalten gesehen, seiner Partei und insbesondere der Parteiführung die Leviten zu lesen: Zu viel Zurückhaltung in der Flüchtlingsfrage, d.h. dass die Ängste der Bürger hätten ernster genommen werden sollen, denn es kann ja nicht jede(r) nach Deutschland kommen; die Interessen der Geflüchteten [seien] ernster genommen worden als die der Einheimischen [Quellenangaben im verlinkten Text]. Das klingt wie bei Tillich (CDU), also nach einem Einschwören auf einen Rechtskurs.

Es ließen sich noch dutzendweise ähnliche Äußerungen aus sämtlichen etablierten Parteien (natürlich einschließlich der Linkspartei) sowie den Massenmedien zitieren, die allesamt in dieselbe, gruselige Richtung tendieren. Einmal mehr wird hier nahezu flächendeckend ein unbeteiligter, schwacher Sündenbock bemüht und übelst geschlagen, der für die Misere gar nicht verantwortlich, sondern seinerseits ein noch viel schlimmer gestraftes Opfer desselben menschenfeindlichen Systems ist – und keiner will's bemerken, zur Kenntnis nehmen oder auch nur flüsternd aussprechen. Das ist nicht nur kafkaesk, sondern die Betonierung des Rassismus' im "freiheitlich-demokratischen" System Kapitalismus.

Den aus meiner Sicht treffendsten Kommentar zum Thema hat am vergangenen Sonntag wieder einmal Stefan Gärtner verfasst, dem ich, wie so oft, nichts weiter hinzuzufügen habe (auch hier empfehle ich dringlich die komplette Lektüre):

Der "den Linken nahestehende" Kultursoziologe fand gestern, es müsse darum gehen, "auch Dinge sagen zu können, wie einem der Schnabel gewachsen ist, ohne sich sogleich außerhalb des Kreises der zur Äußerung Zugelassenen wiederzufinden". / Also eine Protestwahl gegen das Verbot, "Neger" zu sagen, gegen Neger, die nach Deutschland wollen, und dagegen, im wunderbaren Wettbewerb immer bloß der Neger zu sein. Also eine genuin faschistische Wahl, wenn auch weniger aus Überzeugung denn aus Angst mal autoritärem Charakter. Dass die AfD dann auch noch wirtschaftsfreundlich ist, macht es dem Proseminar zum Thema Faschismus aber vielleicht ein bisschen sehr einfach.

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Die weiße Rose


(Spielfilm von Michael Verhoeven aus dem Jahr 1982)

Mittwoch, 20. September 2017

Lapuente wählt die AfD, oder: Manche Menschen sind gleicher


Ein Gastkommentar des Altautonomen zu Lapuentes Erguss "Wie Linke Rechte stärken"

Am 5. September 2017 begann vor dem Landgericht Freiburg der Strafprozess gegen den afghanischen Flüchtling Hussein K., der beschuldigt wird, die 19jährige Studentin Maria L. vergewaltigt und getötet zu haben. Angesichts des großen medialen und öffentlichen Aufsehens ließ sich die organisierte Rechte in Gestalt der "Jungen Alternative Freiburg" – also der Jugendorganisation der AfD, die für Lapuente einfach "die AfD" ist – mit zehn "Frühaufstehern" die Gelegenheit nicht entgehen, vor dem Gerichtsgebäude pauschal gegen Flüchtlinge zu polemisieren. Ihr Transparent hatte die Aufschrift: "Grenzen schützen, Leben retten". Auf Facebook gibt es zwei Videos dazu, in denen der übliche, rechtsradikale Generalverdacht gegenüber "Fremden" verbreitet wird: Hunderttausende potenzielle Gewalttäter seien aufgrund der "offenen Grenzen" ins Land gelassen worden.

Die Gegendemonstration auf der gegenüberliegenden Straßenseite war von der "Jungen Linken" aus Freiburg organisiert, die für Lapuente jedoch in einen Topf mit Antifa, Linksextremisten und Indymedia-AktivistInnen gehören. Diese DemonstrantInnen wollten den Rechten nicht die Straße überlassen und ein Zeichen dafür setzen, dass ein Einzelfall nicht geeignet ist, alle jungen Männer unter den Geflüchteten unter Generalverdacht zu stellen, und dass Gewalt gegen Frauen ein patriarchalisches und kein nationales Problem ist.

Lapuente behauptet, ohne das zu recherchieren oder zu belegen, dass die DemonstrantInnen im "Kielwasser dieses Mordprozesses" in der Öffentlichkeit den Eindruck hinterließen, sie solidarisierten sich mit dem vermeintlichen Täter. Zweimal verwendet er in seiner Verwirrtheit das Wort "verkaufsstrategisch", dessen Bedeutung und Einordnung sich wohl nur ihm selber erschließt. Diese Unterstellung ist Teil seiner steilen These. Dann geht es weiter: "Dabei geht um zentrale Werte, um Sicherheit etwa oder um Gerechtigkeit – zwei Aspekte, die man nicht der AfD überlassen darf."

Das leuchtet ein. Leider meint der Autor aber nicht die Sicherheit der Flüchtlinge vor Brandanschlägen und anderen – auch staatlichen – Übergriffen, sondern die dumpfen Ängste und seltsamen Bedürfnisse der "besorgten Bürger", als deren Anwalt er sich offenbar versteht. Für mich jedenfalls sind zentrale Werte, die auch für lebenslänglich verurteile Mörder gelten, beispielsweise das Recht auf körperliche Unversehrtheit und die unverhandelbare Menschenwürde. Wenn Hussein K. nach Afghanistan abgeschoben würde, das derzeit nicht als ein "sicheres Drittland" gelten kann, auch wenn die Damen und Herren von der CDU/SPD das anders sehen, wäre das sein Todesurteil. Da die Todesstrafe laut Grundgesetz aber abgeschafft ist, gibt es dieses "Abschiebehindernis".

In dem Facebook-Video der "Jungen Alternative" behauptet deren stellvertretender Bundesvorsitzende, Raimond Hoffmann, dass "ein Flüchtling den deutschen Steuerzahler jährlich 60- bis 80.000 Euro kosten" würde, und er lamentiert weiter darüber, was man mit diesem Geld zum Beispiel in Syrien alles an "guten Taten" vollbringen könnte. In dieses verabscheuungswürdige Horn bläst auch Lapuente, der dummdämlich ins Netz blubbert:

Man sollte ferner auch mal fragen, wie man das als gerecht empfinden kann, dass jemand ins Land kommt, mordet und dann womöglich lebenslänglich mit anschließender Sicherheitsverwahrung weggesperrt wird, um so den Steuerzahler für viele Jahre zu belasten. Solche Fragen dürfen nicht den Rechtspopulisten überlassen werden.

Lapuente verzichtet, wie immer in seinen Wegwerftexten, auf Quellenangaben oder Links. Denn dann bräche sein schäbiges Kartenhaus unverzüglich zusammen, denn die GegendemonstrantInnen haben bezüglich des Angeklagten mit keinem Wort Verständnis für die ihm angelastete Tat, Solidarität oder Nachsicht gezeigt. Dokumentiert ist dagegen, dass sie nicht zulassen wollten, dass dieser Strafprozess der rassistischen Verallgemeinerung durch die AfD-Jugend anheim fällt.

Ich habe ein wenig recherchiert zum Thema "Demonstration vor dem Freiburger Landgericht" und konnte weder in den Zeitungsartikeln, noch in den Leserbriefspalten auch nur annähernd den Effekt des Missverständnisses finden, den Lapuente sich mühsam zurechtkonstruiert hat.
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Weitere Quellen zum Thema:

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Anmerkung von Charlie: Ich nehme diesen unsäglichen, geradezu faschistoiden Text Lapuentes zum Anlass, die "Neulandsozialdemokraten", die inzwischen fast ausschließlich aus Lapuentes unerträglichem Geblubber bestehen, aus meiner Blogroll zu entfernen. Für einen solchen menschenfeindlichen Bockmist – sorry, Mr. Wellbrock, Du bist nicht gemeint – möchte und kann ich keine Reklame mehr machen. Lapuente hat es nach "Ad sinistram" nun zum zweiten Male fertiggebracht, mich zum Löschen eines Links zu veranlassen – das muss man erst einmal schaffen.

Mindestens ebenso grausig wie Lapuentes rechtsdrehendes Gefasel sind auch die dortigen Kommentare zu diesem Erguss: Da geben sich die Idioten, die insbesondere den Zeitpunkt des Postings monieren, da es "so kurz vor der Wahl" der Linkspartei schaden könne, und die üblichen Rechtsradikalen die Klinke in die Hand. Es ist zum schreienden Davonlaufen – das sollte wirklich niemand lesen müssen.

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Harlekin und Tod



(Grafik von Konstantin Andrejewitsch Somow [1869-1939] aus dem Jahr 1907, unbekannter Verbleib)

Samstag, 9. September 2017

Der Wahl-o-mat: Ein Angebot der AfD


Ein Gastbeitrag des Altautonomen

Die Bundeszentrale für politische Bildung ist Herausgeberin des als Informationsangebot und Entscheidungshilfe bezeichneten Fragenkatalogs des "Wahl-o-maten". Einige Fragen sind darunter, die fernab jeglicher Information schlichte AfD-Propaganda darstellen. Als Reaktion darf die so examinierte Testperson innerhalb eines engen Entscheidungskorsetts wählen zwischen "stimme zu", "neutral" und "stimme nicht zu".

Eine Auswahl:

1/38: Bundeswehr im Inneren
Bei der Terrorismusbekämpfung soll die Bundeswehr im Inland eingesetzt werden dürfen.

Mit dieser inneren Militarisierung wird nicht nur gegen das Grundgesetz verstoßen, sondern gleichzeitig werden die Bürger an die Terrorismusbekämpfung gegen die Bevölkerung gewöhnt. Die schwarz-gelbe Koalition hatte dies im Jahr 2009 in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben. Leider hat das Bundesverfassungsgericht mit Urteil vom 4.7.2012 den Einsatz der Bundeswehr im Inland unter bestimmten Bedingungen nicht gänzlich ausgeschlossen.

3/38: Obergrenze für Asylsuchende
Für die Aufnahme von neuen Asylsuchenden soll eine jährliche Obergrenze gelten.

Und der Rest ersäuft im Mittelmeer, während Herr Seehofer mit Frau Merkel und Herrn Gabriel ein Bier trinkt und bajuwarischen Spaß hat.

13/38: Kindergeld für Deutsche
Kindergeld soll nur an deutsche Familien ausgezahlt werden.

Ein AfD-Klassiker in Sachen Menschenfeindlichkeit.

17/38: Erinnerungskultur
Der Völkermord an den europäischen Juden soll weiterhin zentraler Bestandteil der deutschen Erinnerungskultur sein.

Hier zitiere ich Leo Fischer, der im "Neuen Deutschland" schrieb: "So ist über den Umweg der sogenannten politischen Bildung letztlich gelungen, woran rechtsextreme Parteien seit Jahrzehnten scheitern: die Schlussstrichdebatte auf das Niveau eines Sportpalastentscheids herunterzubrechen. Man mag sich gar nicht ausmalen, wie viele in der Anonymität des Internets hier ihrem antisemitischen Ressentiment freien Lauf lassen."

24/38: Nationale Währung
Deutschland soll zu einer nationalen Währung zurückkehren.

Diese Forderung könnte direkt von Gauland und seinen SpießgesellInnen erfunden und diktiert worden sein.

27/38: Verurteilung von Kindern unter 14 Jahren
Für begangene Straftaten sollen auch Kinder unter 14 Jahren verurteilt werden können.

Jawoll! Kriminelle Rotzgören gehören hinter Gitter. Ohne Bewährung.

29/38: Projekte gegen Rechtsextremismus
Der Bund soll weiterhin Projekte gegen Rechtsextremismus fördern.

Der Kampf gegen Rechts wird hier zur Disposition gestellt.

34/38: Leistungskürzungen für Flüchtlinge
Anerkannten Flüchtlingen, die sich Integrationsmaßnahmen verweigern, sollen die Leistungen gekürzt werden können.

Wie sagte schon der berühmte sozialdemokratische Philosoph Müntefering: "Wer nicht integrationswillig ist, soll auch nicht essen."

Was mich weniger wundert, ist die Tatsache, dass ausgerechnet mal wieder so jemand wie Lapuente von den "Sozialdemokratenrebellen" auf das System des Wahl-o-maten hereinfällt und mit seinem gruseligen Hofstaat über die persönlichen Ergebnisse wie über das Jahreshoroskop diskutiert, ohne dieses Instrument in Grund und Boden zu kritisieren. Als Kinder sagten wir immer:

DBDDHKPUKKU ("Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen und keine kalten Umschläge").

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Anmerkung von Charlie: Es bleibt noch die Frage offen, wie weit nach rechts die Journaille, die Politik und die Gesellschaft noch rücken können, bis das "TILT!"-Zeichen erscheint. Weit entfernt ist dieser Zustand sichtlich nicht mehr. Aber auch dann wird der braune Reigen munter weitergehen, darauf verwette ich meinen noch immer knackigen Arsch ...

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Aufstieg der Begabten


"Man sollte ihnen die Regierungsbildung nicht verweigern – irgend 'ne Bildung muss der Mensch schließlich haben!"

(Zeichnung von Olaf Gulbransson [1873-1958], in "Simplicissimus", Heft 28 vom 06.10.1930)

Mittwoch, 6. September 2017

Rassistischer Hass und semi-religiöse Selbsterhöhung: Der "bürgerliche" Nazi


In der Frankfurter Rundschau war vor kurzem ein Beitrag zu lesen, in dem die Autorin Katja Thorwarth sich einiger widerlicher Kommentare annahm, die LeserInnen zum Thema "Rettung von Ertrinkenden im Mittelmeer" hinterlassen hatten. Zunächst umreißt sie die Ausgangslage:

Was wurden öffentlichkeitswirksame Krokodilstränen vergossen, als in der Nacht zum 19. April 2015 etwa 500 Flüchtlinge im Mittelmeer ertranken. Selbst Innenminister Thomas de Maizière fand die Seenotrettung "erheblich" verbesserungswürdig. "Wir sind es uns insgesamt selbst schuldig, dass wir hier mehr tun", lehnte sich gar Chefin Angela Merkel aus dem Fenster. / Wie mittlerweile bekannt, viel zu weit. Denn was die EU bis dato verweigert, hatten bis vor kurzem noch NGOs wie Sea-Eye übernommen: das Massensterben im Mittelmeer einzudämmen. Und obwohl Sigmar Gabriel sich von den "KZ-ähnlichen Zuständen" (Auswärtiges Amt) in libyschen Flüchtlingslagern ein Bild machen konnte, ist der Berliner Politapparat nach wie vor einzig daran interessiert, die personifizierte Armut gefälligst dort zu belassen, wo sie hingehört – auf dass sie niemandem das Abendbrot verhagelt.

Das sind sehr deutliche, viel zu selten geäußerte Worte zu diesem Themenkomplex, vor denen ich demütig meinen Hut ziehe. Was danach allerdings an Beispielen aus dem Kommentariat genannt wird, zerfetzt mir eben jene Hutschnur rückstandslos: Ich möchte nichts davon hier wiederholen, lest Euch das drüben bei der FR durch. Was sind das bloß für widerwärtige Gestalten, die einen solchen rassistischen, menschenfeindlichen Nazi-Dreck in die Welt koten und das allen Ernstes für eine "legitime Meinung" halten? Sind die alle irre oder einfach so dumm, dass jede halbtote Mücke es intellektuell mit ihnen aufnähme? Ich glaube das nicht und komme somit zu dem Schluss, dass es schlichtweg dumpfe FaschistInnen sind, die ganz bewusst elitäres Denken hegen und sich selbst für (weitaus!) wertvoller halten als andere Menschen. Damit sind sie de facto nicht mehr zu unterscheiden von den vielen braunen Arschlöchern unter unseren Vorfahren, die willig und enthusiastisch "dem Führer gefolgt" sind und die größte humanistische Katastrophe angerichtet haben, zu der Menschen auf diesem Planeten – bislang – jemals fähig waren.

Ich bin allerdings sicher, dass die degenerierte Bande diesen "Rekord" im nächsten, sich längst ankündigenden Versuch noch toppen kann. Sie ist auf dem besten übelsten Wege dorthin.

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Flüchtlinge



(Gemälde von Abdalla Al Omari [*1986] aus dem Jahr 2016, das unter anderem Merkel, Putin und Obama als Flüchtlinge zeigt. Mehr Infos dazu.)

Samstag, 12. August 2017

Fragmente: Gedanken aus den Fieberträumen


Nach einigen Tagen des persönlichen Totalausfalles aus gesundheitlichen Gründen reiche ich heute ein paar kommentierte Meldungen der letzten Wochen nach, die ich eigentlich viel ausführlicher im Blog behandeln wollte. Ich bitte um Nachsicht, dass dies nun nur fragmentarisch geschieht und ich nur wenige meiner Gedanken dazu hier unterbringen kann.

1. Mythos Elektroauto

In der Zeit war vor einigen Wochen zu lesen:

Ab 2040 dürfen in Großbritannien keine Dieselfahrzeuge oder Benziner mehr verkauft werden. Ähnliche Pläne werden nun auch in Deutschland diskutiert.

Gerade dies ist ein Thema, zu dem ich mich eigentlich sehr ausführlich äußern wollte, denn ich halte diesen Elektro-Hype und die zugrundeliegende, aufgrund eines "plötzlichen Skandals" in Bewegung gesetzte Verteufelung des Verbrennungsmotors (aktuell muss der Diesel dafür herhalten, aber dabei wird es gewiss nicht bleiben) nicht nur für einen wahnwitzigen Irrweg, sondern für gezielt verdummende, kapitalistische Propaganda, die einzig dazu dient, der Automobilindustrie zu noch mehr Neuwagenverkäufen zu verhelfen, um den Profit weiter zu steigern.

Die Indizien dafür sind so reichhaltig wie der Sand im Watt von Ostfriesland. Es ist beispielsweise jedem, der ein halbwegs funktionsfähiges Gehirn besitzt, bekannt, dass jede automobile "Dreckschleuder" im Vergleich mit einem Neuwagen um Längen "ökologischer" ist, je älter sie ist. Soviel Dreck kann eine alte Karre auch in hundert Jahren nicht ausstoßen, wie die Produktion eines Neuwagens – egal welcher Art – an ökologischen Schäden und Ressourcenverschwendung verursacht.

Die Fragen nach der Herkunft und der Speicherung des benötigten Stroms sind ebenso ungeklärt wie die alltagstauglichen Lademöglichkeiten für Millionen von Fahrzeugen. Von den benötigten Rohstoffen allein für die heute verwendeten Batterien, die erforderlich wären, wenn dieser Irrweg weiter verfolgt wird, will ich gar nicht erst reden.

Die Gründe liegen indes auch klar und offen auf dem Tisch: Im Kapitalismus muss stetig neuer Schrott produziert und verkauft und "Altes" entsorgt werden, sonst funktioniert dieses absurde, zerstörerische System nicht einmal scheinbar. Dennoch sieht diese Gründe niemand und die Propagandapresse brüllt weiterhin im Chor mit den Irren aus der Politik und Wirtschaft das alte, böse, so unsäglich dämliche Lied: "Wachstum, Fortschritt, Wachstum, Fortschritt! Krebs bis zur Unendlichkeit!"

2. Flächendeckende Gesichtserkennung im deutschen Orwell-Staat

Jörg Schieb hat zum entsprechenden "Pilotprojekt" in Berlin Stellung bezogen. Dort werden am "Ostkreuz" seit dem 01.08. "probehalber" Kamerasysteme eingesetzt, die in Echtzeit Gesichter erkennen und mit staatlichen Datenbanken abgleichen können. Es versteht sich von selbst, dass niemand weiß, wie diese ominösen Datenbanken zustandekommen, wer die Kriterien festlegt, nach denen ein Mensch dort geführt wird oder von wem das ganze eigentlich kontrolliert wird. Das interessiert in Kapitalistan aber auch niemanden – Hauptsache, die Bevölkerung wird flächendeckend überwacht und zukünftig auch sofort "erkannt".

Schieb, der in seiner Eigenschaft als öffentlich-rechtlicher Redakteur nun wahrlich nicht dem Verdacht ausgesetzt ist, irgendwelchen Verschwörungstheorien anzuhängen, kommt zu dem Resümee:

Dem Überwachungsstaat ist damit Tür und Tor geöffnet. Harmlose Menschen verhüllen sich nicht – und werden zuverlässig erkannt. Der Schwarzfahrer. Der Sprayer. Vor allem Du und ich. Es setzt schon eine Menge Vertrauen voraus, davon auszugehen, dass solche Technologien nicht missbraucht werden – jetzt nicht und auch in Zukunft nicht. Dieses Vertrauen habe ich nicht. (Hervorhebung von mir, Anm.d.Kap.) / Lässt sich zusammenfassen: Die echten Straftäter haben nichts zu befürchten. Alle anderen schon. Klingt nach keinem guten Deal.

Das ist zwar arg harmlos formuliert, enthält aber trotzdem wesentliche Elemente der allzu nötigen und dennoch ignorierten Kritik – wenngleich, wie immer, die kapitalistischen Ursachen konsequent ausgeblendet werden.

3. Die unsäglichen Freuden des Kapitalismus

Diese Meldung muss ich eigentlich nicht weiter kommentieren, denn sie spricht für sich. n-tv meldete vor zehn Tagen:

9.500 Euro erhalten Bundestagsabgeordnete seit dem 1. Juli monatlich als Diät. Doch jeder vierte Parlamentarier verdient nebenbei dazu – in der Summe mindestens 26,5 Millionen Euro. Vor allem Abgeordnete von CDU und CSU bessern ihren Verdienst auf.

Das sind übrigens dieselben schmierigen Gestalten, die – inzwischen sogar unter Strafandrohung – Millionen von zwangsverarmten Menschen strikt verbieten, auch nur läppische 50 Euro hinzuzuverdienen. Das wird dann nämlich auf die Diät "Transferleistung" angerechnet. Wundert sich ernsthaft jemand darüber, dass solche Figuren den Kapitalismus toll finden, obwohl auch sie nur zu den Schuhputzern der Reichen gehören?

4. SPD: "Dinner for One"

Im Verlauf des bekannten Kindergartenspieles "Bäumchen, wechsle dich" innerhalb der kapitalistischen Einheitspartei hat es natürlich die SPD mal wieder zu Höchstleistungen des absurden Rinderwahnsinns gebracht. Nachdem die olle Eiter-Elke in Niedersachsen von der rechts-olivgrünbraunen auf die rechts-olivschwarzbraune – im Propagandasprech der alarmistischen Medien natürlich "völlig konträre" – Seite gewechselt war, meinte der rechts-olivrotbraune Thomas Oppermann voller Entrüstung (das Wort darf bitte nicht ernstgenommen werden, denn "Rüstung" ist schließlich ein wesentliches Kernthema des Kapitalismus):

Der ganze Vorgang verstößt gegen den politischen Anstand und ist ein beispielloser Verfall der politischen Moral.

Ich verschluckte mich heftig, als ich das las, und riss mir danach – wahrscheinlich irre lachend und hasenhaft umherhüpfend – büschelweise die Haare aus dem Schädel, um den Schmerz zu bändigen, den dieser Ausspruch ausgelöst hatte: "Politischer Anstand" und "politische Moral"!!! Mir blieb am Ende die Luft weg, ich lief blau an und schämte mich deswegen, weil ich um alles in der Welt nicht mit den Rechtsradikalen der AfD in Verbindung gebracht werden wollte. Der Oppermann muss einfach ein U-Boot der Titanic-Redaktion sein! Er muss! Er muss! Er muss! – Ich wiederholte diese Aussage solange, bis mein Kopf, den ich bei jedem dieser Worte mit sozialdemokratischer, schrödianischer Wucht auf die Tischplatte geknallt hatte, endlich dem blutigen Brei der CDU-Hirne glich, die in diesem lächerlichen Propagandatheater nicht minder hirnzersetzende Äußerungen in die Welt gefurzt und gekackt hatten.

Ich weise explizit darauf hin, dass ich der CDU hier immerhin etwas Blut, also ein Mindestmaß an Sauerstoffversorgung in der Hirnregion, unterstellt habe. Oh ja, ich weiß, ich bin völlig irre.

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Vielleicht bleibe ich doch lieber weiter krank und beschäftige mich nicht mehr mit diesem hirnverbrannten, menschenfeindlichen, abgrundtief dämlichen Bockmist, über den man so herzlich lachen könnte, wenn er nicht so unsagbar fürchterliche Auswirkungen auf die Menschen und diesen verzweifelt um Gnade winselnden Planeten hätte. Realitätsfluchten sind doch so viel schöner.

Komm, Fieber, oh komm schnell zurück.

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Wald draußen



(Gemälde von Renate Sautermeister [1937-2012] aus dem Jahr 1982, Acryl auf Leinwand, unbekannter Verbleib)