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Montag, 5. Juni 2017

Zitat des Tages: Das Leid und das Glück


Wenn man etwas schlimmes träumt, dann bedeutet das, dass man noch kämpft, dass man noch lebt. Wenn man erstmal anfängt, von schönen Dingen zu träumen, sollte man sich Sorgen machen.

(Der "namenlose Mann" in John Hillcoats Spielfilm "The Road", 2009)



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Anmerkung: Zu Flatters Frage nach der künstlerischen Gestaltung einer "lebenswerten Zukunft" merkte ich drüben an:

Ich halte die Frage, "ob es in diesen Zeiten quasi kritisch ist, eine Perspektive in der Kunst zu entwickeln, die anders wäre als niederschmetternd", für banal und wenig zielführend.

Einerseits ist das, was heute gemeinhin als "anerkannte" Kunst gilt, längst bis ins Mark durchkommerzialisiert – und zwar in einem weitaus rigoroserem Rahmen als das beispielsweise vor 100 Jahren der Fall gewesen ist. Andererseits legt diese These ja die Frage nahe, welche (gesellschaftliche, soziale, kulturelle, politische, unterhaltende, informative etc.) "Aufgabe" Kunst denn zu erfüllen habe – und schon an diesem Punkt kann ich nur noch das wallende Haupthaar heftig schütteln und muss mich gedanklich ausklinken.

Es ist aus meiner Sicht schlicht Unsinn, künstlerische Entwürfe danach zu beurteilen, ob sie – verkürzt gesagt – eher utopischen bzw. visionären oder dystopischen Pfaden folgen. Beides hat seine Berechtigung: Der visionäre Entwurf ebenso wie das dystopische Szenario, das die gegenwärtigen Zustände illustriert und – gerne auch ins Absurde – weiterdenkt. Und nebenher gibt es – das sei nur am Rande bemerkt – noch 1001 weitere Pfade, denen Kunst folgen kann, darf und bitte auch – ohne jede Einmischung von außen – soll.

Man lasse KünstlerInnen einfach machen. Anders als exemplarisch "Pelzer" meint, gibt es hier gewiss keinen "geistigen Stillstand" – der findet, wie immer, vornehmlich in der Rezeption, also in den Medien und finanzierenden Institutionen statt, ganz bestimmt aber nicht in den künstlerischen Tätigkeiten, von denen viele Menschen heute aus eben diesen Gründen gar nichts mehr erfahren.

Die eingangs erwähnte Frage ist also nicht nur redundant, sondern auch falsch: Zielführender wäre es, jedwede Kunst aus der kapitalistischen Verwertungsunlogik zu befreien, damit nicht mehr das, was "am meisten Kohle einbringt" oder politisch gerade opportun erscheint, gefördert, beworben und propagiert wird, sondern endlich wieder ein halbwegs sachlicher Diskurs über die künstlerische Qualität einsetzte.

In vergangenen Jahrzehnten gab es das zumindest rudimentär. Ich befürchte bloß, dass es dazu im Rahmen des untergehenden kapitalistischen Systemes selbstredend nicht kommen wird bzw. kann. Daran ändern auch "Rülpsfilme" nichts – wobei ich eine TV-Serie wie "The Walking Dead" nicht als "Kunst" betrachte, sie aber dennoch nicht so schlecht einschätze wie Epikur. Ein gutes Beispiel dafür ist der Film "The Road", der gänzlich ohne Zombies im herkömmlichen Sinne auskommt und die wenigen Überlebenden auf der sterbenden Erde aus reinem Nahrungsmangel zu Menschenfressern macht. Und das ist aus meiner Sicht ein äußerst künstlerischer, hervorragender Film, der an jeder Schule zum Pflichtprogramm gehören sollte, sobald es um das unsägliche Thema "Eigenverantwortung" bzw. "Eigennutz" geht.


Ergänzend möchte ich hinzufügen, dass es aus meiner selbstverständlich sehr subjektiven Sicht ein Wesensmerkmal von "guter" Kunst ist, wenn sie unablässig Salz, Schwefel oder schlimmeres in die Wunden ihrer Zeit streut. Das gilt umso mehr, wenn – wie heute – der "offizielle" Kunstbetrieb völlig korrumpiert ist und man beispielsweise in der öffentlich propagierten Musik lieber den belanglosen Volksweisen Mozarts als den drohenden Klangkulissen Mahlers lauscht – und letztere, wenn sie denn stattfinden, gar nicht mehr in einem aktuellen gesellschaftlich-politischen Rahmen interpretiert. So verliert Kunst jede Bedeutung, die sie einstmals hatte.

Es mag auch meinem persönlichen Geschmack geschuldet sein, aber mir sind aus den vergangenen 100 Jahren kaum Kunstwerke bekannt, die eine positive, visionäre Sicht auf die Zukunft zum Thema haben – diese Rolle hat fast immer nur der Kitsch der systemerhaltenden Propaganda, also der Boulevard, übernommen. Heute ist diese Verkitschung zur Perfektion gereift. Man kann das auch so formulieren, wie der in dieser Hinsicht unverdächtige Émile Zola es vor über 100 Jahren getan hat:
Das Leid ist ein großartiger Dramaturg – das Glück ist ein Stümper.

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Der Dichter, der für seine Zeitung eine Variation über "Das Glück" schreiben sollte

(Zeichnung von Franziska Bilek [1906-1991], in: "Der Simpl", Nr. 2 vom Januar 1948)

Donnerstag, 16. März 2017

Star Trek: Erinnerungen an "Deep Space Nine"


Science Fiction entwirft keineswegs Zukunft, sondern Alternative; sie springt in die andere Wirklichkeit und meint nicht die Zukunft, sondern die Gegenwart.

(aus: Dieter Wuckel: "Science Fiction. Eine illustrierte Literaturgeschichte", 1986)

Kürzlich habe ich mir – nach langer Zeit – mal wieder sämtliche Folgen der Star-Trek-Serie "Deep Space Nine" (DS9) angeschaut. Ich habe diesen Teil des Star-Trek-Universums lange gescheut und erst relativ spät damit angefangen, mich damit auseinanderzusetzen – umso erhellender war nun die erneute Sichtung.

Ich weiß, dass es sehr konträre Meinungen zu dieser Serie gibt. Auch ich gehöre zu denjenigen, die diesem dritten Ableger nach der Originalserie aus den 60er Jahren und der Neubelebung mit dem unvergesslichen Captain Picard aus den 80er und 90er Jahren ("The Next Generation") sehr skeptisch gegenüberstehen. Seinerzeit habe ich diese Serie "übersprungen", also nicht angeschaut, da ich sie nach den ersten Folgen schlichtweg schlecht und langweilig fand. Später habe ich das aber nachgeholt.

Aus heutiger Sicht muss ich mein damaliges Urteil relativieren. Die Serie ist nicht so übel, wie ich damals vermutet habe. Es gibt hier eine Menge zu entdecken, auch wenn die Charaktere trotz allem allzu platt und eindimensional wirken. Insbesondere bietet DS9 einige der besten, teilweise auch witzigsten Folgen zum Ferengi-Thema (also der Star-Trek-Allegorie zum Kapitalismus). Es ist eine wahre Lust, dem Ferengi Quark und seinen Spießgesellen immer wieder dabei zuzuschauen, wie sie auf der Suche nach immer neuen, völlig sinnlosen Profiten die wunderlichsten, lächerlichsten und auch gefährlichsten Dinge anstellen – in dieser Hinsicht "funktioniert" DS9 tadellos.


(Quark und sein geliebtes "goldgepresstes Latinum")

Überhaupt kommt der Humor hier nicht zu kurz. Es gibt haufenweise Szenen, die zum brüllenden Lachen oder auch leisen Schmunzeln anregen - und für Star-Trek-Kenner gibt es gleich reihenweise "Insider"-Witze, die ich hier nicht näher erklären mag. Erinnern möchte ich lediglich an die Folge mit den "Tribbles", die auf eine der lustigsten Episoden der Originalserie zurückgeht und hier nicht minder herzerfrischend ist.

Gleichwohl bleiben einige Kritikpunkte bestehen, die ich schon damals unausstehlich fand. Dazu gehören in erster Linie die allzu kriegerische Ausrichtung dieser Serie, die ich nach wie vor ekelhaft finde, sowie die völlig hanebüchene esoterische Komponente. Es "passt" nicht ins Star-Trek-Universum, dass sich die Sternenflotte verhält wie die US-Regierung, welche die infantile Fabel vom "von außen aufgezwungenen Krieg" erzählt. Das ist dusseliger Bullshit – hier artet das Szenario in dumpfe Propaganda aus, die gewiss mit der US-amerikanischen, imperialistischen Realität jener Zeit etwas zu tun hatte, gewiss aber nichts mit "Star Trek", wie Gene Roddenberry es gedacht hatte. All die Folgen, die sich mit dem "Krieg gegen das Dominion" sowie der "Taktik", wie diesem "Feind" zu begegnen sei, befassen, kann man also getrost auslassen oder sich gleich entsprechende Kriegsfilme aus Hollywood ansehen.

Dasselbe gilt für sämtliche Folgen, die sich mit dem unsäglichen Thema der Esoterik beschäftigen. Es ist auch aus heutiger Sicht geradezu eine Peinlichkeit, dass ausgerechnet ein Vertreter der "Föderation der Vereinten Planeten" als religiöser "Prophet" etabliert wird – es fehlt eigentlich nur noch, dass der Mann damit beginnt, Tarotkarten zu legen oder weinende Madonnenfiguren anzubeten. Die Folgen, die mit diesem unsäglichen Thema zu tun haben, sollte man unbedingt in den Faulfuß'schen Abort werfen und sich nicht ansehen: Sobald es um "Drehkörper" und ähnliche Spinnereien geht, ist es an der Zeit, schreiend davonzulaufen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die überaus offensichtliche Fixierung auf die amerikanische "Kultur". Ein amerikanischer, gar grausiger Schnulzensänger (vergleichbar mit einer Helene Fischer hierzulande) ist dort nicht nur eine Randfigur, sondern ein immer wiederkehrendes Element, das nicht nur unsäglich nervt, sondern grobe musikalische Schmerzen verursacht – während sämtliche Figuren der Serie, vom Menschen über Ferengi bis zum Klingonen (sic!) dem süßlichen, ohrtötenden Gesäusel wohlgesonnen lauschen. Der widerwärtige Zausel – Vic Fontaine – sieht aus wie eine schmierige Karikatur aus dem US-TV, ist aber offensichtlich nicht so angelegt, sondern durchaus ernst gemeint. Noch schlimmer hätten die Macher der Serie gar nicht ins verunreinigte Klo greifen können.

Als Resümee bleibt mir nur: Die eine Hälfte dieser Serie ist geniale, witzige, kritische, bedenkenswerte Star-Trek-Kost – die andere Hälfte kann man getrost in die Tonne kloppen. Es ist immerhin erfreulich, dass die Themen Krieg und Esoterik in der nachfolgenden, um Längen sehenswerteren Serie "Voyager" eine ganz andere Beurteilung erfahren haben – aber dazu schreibe ich vielleicht ein anderes Mal etwas mehr.


Freitag, 2. September 2016

FIlm des Tages: Die Weimarer Republik


1. Die schwierige Geburt


2. Der schöne Schein


3. Der Weg in den Abgrund


Anmerkung: Selbstverständlich spielt auch in dieser Dokumentation der Kapitalismus keine Rolle - die tatsächlichen Ursachen werden also auch hier, wie gewohnt, nicht benannt. Dennoch ist der Film informativ.

Freitag, 19. August 2016

Film des Tages: Die verlorene Zeit




Anmerkung: Dieser Spielfilm von Anna Justice aus dem Jahr 2011 erzählt die erschütternde Geschichte der deutschen Jüdin Hannah Silberstein, die 1944 mit der Hilfe des polnischen, politischen Häftlings Tomasz Limanowski aus dem KZ Auschwitz-Birkenau fliehen konnte. Die Handlung orientiert sich an der Autobiografie "Wer ein Leben rettet: Die Geschichte einer Liebe in Auschwitz" von Jerzy Bielecki (1921-2011).

Es ist davon auszugehen, dass der Film nicht allzu lange bei youtube verfügbar sein wird. Wer ihn sich anschauen möchte, sollte das schnell tun.

Freitag, 5. August 2016

Star Trek: Der Traum vom Kommunismus


Schon lange wollte ich mal etwas über mein Lieblings-Universum aus der Science-Fiction-Welt schreiben, dem durch die vergifteten Sargnägel der jüngsten drei Kinofilme endgültig das Leben entzogen schien. Spielfilme waren ja - bis auf wenige Ausnahmen - ohnehin eher eine minderwertige Randerscheinung in diesem Universum, aber seit dem "Reboot" 2009 kann man diesen Teil ohnehin nicht mehr ernst nehmen, sondern getrost in der Hollywood-Akte "Profit ist unser Gott, Halleluja" abheften bzw. in den Müll schmeißen.



Bezüglich der Serien war das - zumindest zu Beginn - noch anders. Die erste Serie will ich hier nicht weiter besprechen, dazu gibt es haufenweise lesenswerte Betrachtungen. Der erste Neustart mit der "nächsten Generation" und dem Captain Jean-Luc Picard in den 80er Jahren hat ein neues Zeitalter - und eine neue Qualität - in die Welt der Föderation der vereinten Planeten gebracht, die es zuvor in keiner anderen populären Nischenwelt gegeben hat. Sicherlich gab es auch hier manch redundante Folge und die eine oder andere Nerverei (beispielsweise den aalglatten Aktenkofferträger Wesley Crusher), unterm Strich aber kann man reinen Gewissens behaupten, dass die Charaktere und Geschichten dieser Serie wegweisend waren. Die Episoden, die sich beispielsweise mit den Menschenrechten des Androiden Data, mit den kapitalistischen Ferengi, mit den philosophisch-humorvollen Dialogen zwischen Picard und "Q" oder mit der Entwicklung des martialischen Klingonen Worf befassen, gehören zum besten, was Star Trek hervorgebracht hat.

Ein erster Dämpfer war dann bei "Deep Space Nine" zu spüren: Auch hier gibt es sehr viele gute, aber leider auch fast ebenso viele dämliche Folgen, die sich mit religiösem Tand und einer der uninteressantesten Spezies des Star-Trek-Universums, nämlich den Bajoranern und der gähnend langweiligen Figur der Kira befassen. Was haben dieses unsägliche Thema und diese religiöse, dumme Tusnelda samt allen mystischen Verklärungen hier verloren? Zum Glück gibt es aber auch hier genügend alternative Folgen - insbesondere die Stellvertreter unserer heutigen lächerlichen Welt, die Ferengi, haben hier wahre Glanzmomente, die man auf jedem "Wirtschaftstreffen" den albernen Schlips-Borg in Davos zeigen sollte.

Diese Fehler bügelt die nachfolgende Serie "Voyager" aber wieder aus und sie reiht sich uneingeschränkt wieder in die Qualitätsgeschichte ein. Hier gibt es aus meiner Sicht nur ganz wenige Folgen, die zu kritisieren wären - der überwiegende Teil greift wiederum - manchmal ernst, manchmal humorvoll, manchmal sehr subtil - bedeutende Themen auf, die ansonsten in solchen Serien und Filmen nicht vorkommen. Nervige Figuren wie Neelix kann man getrost ausblenden. Ich kann mir die gesamte Serie heute immer noch mit viel Gewinn ansehen.

Dann kam lange Zeit nichts - bis Captain Archer in der Serie "Enterprise" wieder auf große Fahrt ging. Das war ein Fehlstart, der sich gewaschen hat: Diese Crew ist viel zu "amerikanisch" und hat - völlig zu recht - am Anfang viele ZuschauerInnen vergrault. Erst ab der dritten Staffel wurde das Szenario besser und steigerte sich kontinuierlich - aber die vorzeitige Absetzung war trotzdem nicht mehr aufzuhalten. Hier hätten die Macher, sofern sie über ein gewisses Maß an Weitsicht verfügten, bereits erkennen können, was geschieht, wenn sie das kosmopolitische Konzept von Star Trek über Bord werfen. Von der Verballhornung der Vulkanier, die in dieser Serie fast schon absurde Ausmaße annimmt, will ich lieber schweigen.

Und nun gibt es also Pläne für eine weitere Serie, von der aber noch nicht sonderlich viel bekannt ist. 2017 soll es soweit sein. In der Süddeutschen war beispielsweise im November 2015 zu lesen:

Die Voyager-Kapitänin Kathryn Janeway war eine frühe weibliche Führungsfigur und der Klingone Worf gab über zwei Serien hinweg ein spannendes Beispiel für gelungene Integration. / Das war nicht alles, was Star Trek utopisch [sic! - gemeint ist wohl eher vorbildlich, Anm.d.Kap.] gemacht hat. Auch gesellschaftlich hatte es den großen Entwurf parat: Jeder Mangel ist überwunden, Geld abgeschafft, das Essen kommt aus dem Replikator, und in der Freizeit kann man auf dem Holodeck alle nur denkbaren Fantasien ausleben. Die Welt der Vereinigten Föderation der Planeten ist eine Art Luxus-Kommunismus [sic!], in der jeder seine Leidenschaft zum Beruf machen kann. Nur der Wissensdurst der Menschen ist nicht stillbar. Jede andere Form von Gier hat ihren Sinn verloren. / Utopien zu entwickeln, heißt, der Welt noch eine Chance zu geben. Sich für sie zu interessieren und darüber nachzudenken, wie man sie besser machen könnte. Star Trek hat das immer getan. Nicht nur mit Technik, sondern in seinen besten Momenten immer auch durch Begegnungen mit dem Fremden, das das Eigene herausfordert, in Frage stellt oder auch seinen Wert unterstreicht.

Das sind starke Worte. Den hirnzersetzenden Begriff "Luxus-Kommunismus" lasse ich hier mal unkommentiert - er dürfte von geneigten LeserInnen ohnehin als systemkonformes Bullshit-Bingo erkannt werden. - Ob die Star-Trek-Macher diesem formulierten Anspruch tatsächlich einmal mehr gerecht werden können, wird sich zeigen - ich habe leider arge Zweifel daran, lasse mich aber höchst gerne eines Besseren belehren.

Mittwoch, 3. August 2016

Film des Tages: Endstation Villa Bockschuss




(Originaltitel: "Another Fine Mess", Film von James Parrott mit Stan Laurel und Oliver Hardy aus dem Jahr 1930)

Anmerkung: Auch in diesem Meisterwerk der Filmkunst wirkt der unvergleichliche James Finlayson (in der Rolle des "Oberst Bockschuss") mit, ohne den so manches Kleinod des unerreichten Komiker-Duos nur noch halb so witzig wäre:



Bei aller Dunkelheit gilt es doch, das Lachen nicht zu verlernen - das einem allerdings gleich wieder im Halse stecken bleiben kann, wenn man bedenkt, dass es heutzutage hirnbefreite Vollpfosten wie Mario Barth, Atze Schröder oder "Cindy aus Marzahn" sind, denen die johlenden Massen - teils sogar in Stadien - zujubeln. Der Niedergang in die Gosse ist eben auch im Bespaßungsgenre mit Händen zu greifen.

"Früher war mehr Lametta", brummelt Opa Hoppenstedt leise und klopft mir heiser hustend auf die Schulter.

Mittwoch, 8. Juni 2016

Filmtipp: Wie der Wind sich hebt


Am kommenden Sonntag (12. Juni) läuft auf Arte der bislang und womöglich überhaupt letzte Film des japanischen Anime-Regisseurs Hayao Miyazaki, den ich sehr verehre: "Wie der Wind sich hebt" aus dem Jahr 2013 (dt. 2014). Das Werk ist danach hoffentlich für einige Tage auch in der Mediathek verfügbar - und kann von halbwegs versierten Menschen, die eine entsprechende (kostenlose) Software installiert haben, auch heruntergeladen und lokal archiviert werden.

Der Film ist trotz aller gesungenen Lobeshymnen und erhaltenen Preise durchaus auch kontrovers diskutiert worden - eine kleine Übersicht mit entsprechenden weiterführenden Verweisen bietet der oben verlinkte Wikipedia-Artikel. Ich selbst bin hier ebenfalls zwiegespalten und kann mich noch immer nicht entscheiden, ob ich dem unvergleichlichen Zauber, der den Filmen von Miyazaki stets innewohnt, oder doch eher der inhaltlichen, teils durchaus nachvollziehbaren Kritik folgen soll. In jedem Falle lohnt sich das Ansehen sehr - und sei es auch nur aus schnödem Unterhaltungsinteresse. Es versteht sich von selbst, dass auch dieser Film des japanischen Meisters nichts mit dem üblichen Hollywood- oder gar Disney-Kitsch gemein hat. Auf der Arte-Seite zum Film heißt es dazu schlicht:

Ein atemberaubender Film, der zeigt, wie wichtig Fantasie und Träume sind. Taumelnde Zeit und wirres Wetter, rollendes Gelände und schwebende Flugobjekte - man möchte eintauchen in diese Welt ...

Meine persönlichen Favoriten unter den Filmen dieses Genies bleiben aber "Das Schloss im Himmel" (1986), "Mein Nachbar Totoro" (1988), "Das wandelnde Schloss" (2004) und vor allem "Chihiros Reise ins Zauberland" (2001).


Montag, 23. November 2015

Film des Tages: Nackt unter Wölfen




(Spielfilm von Philipp Kadelbach aus dem Jahr 2015)

Anmerkung: Dieser Film, der auf dem in der ehemaligen DDR zur Pflichtlektüre gehörenden, gleichnamigen autobiografischen Roman von Bruno Apitz beruht, beschreibt das zufällige Überleben und massenhafte Sterben im KZ Buchenwald kurz vor dem Ende des faschistischen Terrors 1944/45. Ich empfehle ausdrücklich, jede Lektüre aus der Mainstream-Presse zu dieser Neuverfilmung zu meiden, da diese selbstverständlich vor lauter DDR- und "Kommunismus"-Schelte nur so strotzt, was mit dem Roman, dem Film, dem Thema und letzlich auch der Realität gar nichts zu tun hat.

Hier wird schlicht die Geschichte einiger Menschen erzählt, die Kommunisten waren und von den Nazis in die Hölle der Konzentrationslager deportiert und dort gewissenhaft gefoltert und größtenteils ermordet wurden. Ausschnitthaft kann der Zuschauer hier nachvollziehen, was faschistischer Staatsterror für das einzelne Individuum bedeutet.

Es ist ein Film, der starke Nerven erfordert - auch wenn er, dem Zeitgeist entsprechend, bereits arg weichgespült daherkommt und den tatsächlichen Horror der KZs nicht einmal ansatzweise zeigt. Für dümmliche Pegidioten und ähnliche Gesellen mag er aber ein Anstoß sein, das abgeschaltete Gehirn endlich wieder anzuwerfen - und für alle anderen ist der Film eine sehr wertvolle Erinnerung daran, was geschehen kann, wenn der Kapitalismus an sein logisches, vorhersehbares Ende kommt.


Mittwoch, 19. August 2015

Film des Tages: Moon




("Moon", Spielfilm von Duncan Jones aus dem Jahr 2009)

Anmerkung: Diesen Film, der momentan in der deutschen Fassung (wenn auch, wie gewohnt, leider in schlechter Qualität) auf youtube verfügbar ist, möchte ich nicht nur allen Cineasten sehr ans Herz legen. Wer ihn noch nicht kennt, sollte sich die 80 Minuten Zeit nehmen und das Werk aufmerksam anschauen - und zwar ohne zuvor den oben verlinkten Wikipedia-Text zum Film oder andere Inhaltsangaben voller Spoiler gelesen zu haben.

Ein Film, der in der nahen Zukunft spielt, der Themen wie "Energie", "Rohstoffausbeutung" und "Klontechnik" näher beleuchtet und mit einem wie gewohnt lächerlichen Werbevideo eines fiktiven kapitalistischen Energiekonzerns namens "Lunar Industries" beginnt, in dem die paradiesische "heile Welt für alle" nicht mehr nur beschworen, sondern als bereits "erreichtes Ziel" dargestellt wird, verdient in der Tat eine Menge Aufmerksamkeit.

Falls jemand diesen Film für nicht weiter zu beachtende Science Fiction halten sollte, ergebe ich mich umgehend, spende mein Gehirn als Futtermittel für die geheimen Zombiefabriken in der "Area 51" und lasse meinen Restkörper von der nächsten verfügbaren US-Drohne freudig in die Luft sprengen. - "Wake me" steht in dicken Buchstaben auf dem T-Shirt, das der Protagonist zu Beginn des Filmes trägt. Ob eine solch subtile Botschaft wohl ankommt?


Freitag, 7. August 2015

Song des Tages: One Summer's Day




(Joe Hisaishi [*1950]: "One Summer's Day", aus dem Soundtrack zu dem Film "Spirited Away", 2002; Klavier: Joe Hisaishi, Gesang: Ayaka Hirahara)

Anmerkung: Ich verlinke dieses feine, kleine Musikstück aus dem fernen Japan nicht nur aus offensichtlichen Gründen. Der Film, aus dem es stammt, ist nämlich mein persönlicher Lieblingsfilm aus dem Bereich des Anime-Genres. Er wurde geschaffen von Hayao Miyazaki, dessen Werke ich fast alle heiß und innig liebe, und trägt in Deutschland den wenig fantasievollen, dem grandiosen Werk nicht angemessenen Titel "Chihiros Reise ins Zauberland".

Ich möchte an dieser Stelle keine Filmkritik verfassen. Dennoch ist es mir ein Bedürfnis zu betonen, dass "Spirited Away" aus meiner Sicht ein vollkommenes Meisterwerk ist, das ich auch nach dem dreißigsten Anschauen immer noch ebenso verehrungswürdig finde. Es handelt sich tatsächlich noch um einen handgezeichneten Film und nicht um computergenerierte Animationen; die Bildsprache ist dennoch gewaltig und die Geschichte kann man mit der Formulierung, sie sei ein "Jahrhundertfeuerwerk der explodierenden Fantasie", nur unzureichend beschreiben. Wer das Stück noch nicht gesehen hat, sollte das tunlichst nachholen. Das Werk ist kein "Kinderfilm", auch wenn es meines Wissens in Deutschland die Einstufung "FSK 12" erhalten hat - ich jedenfalls würde es einem zwölfjährigen Kind gewiss nicht zumuten, zumal die vielen tieferen Aussagen und Verweise, die an allen Ecken und Enden zu finden sind, von den meisten Kindern ohnehin noch nicht verstanden werden können. Exemplarisch sei dazu auf die deutsche Synchronisation hingewiesen: Der Part der "bösen Hexe" Yubaba (die hier nichts mit den üblichen, meist reaktionär-konservativen Disney- oder Märchen-Klischees gemein hat) wird von Nina Hagen gesprochen - und zwar in einem derartig gruselig-rauen Bass [!], der selbst einem alten Haudegen wie mir tief unter die Haut geht.

Ich erinnere mich noch gut an mein "erstes Mal" - es passiert mir verdammt selten, dass mich die Geschichte und vor allem die Atmosphäre eines Films noch tagelang verfolgt und berührt. Die Sozial- und Gesellschaftskritik, die dieser Film fast beiläufig transportiert, wirkt nachhaltig.

Montag, 6. Juli 2015

Film des Tages: Die letzten Zeuginnen




("Die letzten Zeuginnen. Vom Überleben in Auschwitz", Dokumentation von Sibylle Bassler, 2015)

Anmerkung: Wir sollten uns, ganz im Gegensatz zur politisch allzu "korrekten" Autorin des Filmes, peinlichst davor hüten, diesen grauenhaften Wahnsinn einzig einem bestimmten, womöglich gar "zeitbezogenen" Rassenwahn anhängen und lediglich die Einzelperson Hitler und dessen willige Schergen dafür verantwortlich machen zu wollen. Die Historie erzählt eine gänzlich andere Geschichte, die man hier - wenn auch eher zwischen den Zeilen - doch nachvollziehen kann.

Wer von uns wacht hier und warnt uns, wenn die neuen Henker kommen? Haben sie wirklich ein anderes Gesicht als wir? Irgendwo gibt es noch Kapos, die Glück hatten, Prominente, für die sich wieder Verwendung fand, Denunzianten, die unerkannt blieben; gibt es noch all jene, die nie daran glauben wollten - oder nur von Zeit zu Zeit.

Und es gibt uns, die wir beim Anblick dieser Trümmer aufrichtig glauben, der Rassenwahn sei für immer darunter begraben, uns, die wir dieses Bild entschwinden sehen und tun, als schöpften wir neue Hoffnung, als glaubten wir wirklich, dass all das nur EINER Zeit und nur EINEM Land angehört, uns, die wir vorbeisehen an den Dingen neben uns und nicht hören, dass der Schrei nicht verstummt.

(Jean Cayrol [1911-2005]: Schlusskommentar in der Dokumentation "Nacht und Nebel", 1955, übersetzt von Paul Celan [1920-1970])

Montag, 15. Juni 2015

Film des Tages: 14-18: Europa in Schutt und Asche




(Dokumentation von Jean-François Delassus aus dem Jahr 2008, Originaltitel: "14-18: Le bruit et la fureur")

Anmerkung Dieser bedrückende und dennoch äußerst eindrückliche Film beschreibt den Beginn und Verlauf des Ersten Weltkrieges aus der Sicht eines französischen Menschen, der 1914 im zarten Alter von 24 Jahren schnell zum "Soldaten" mutierte bzw. gemacht wurde. Er beginnt mit der folgenden gesprochenen Eingangssequenz: "Ich denke noch immer an sie, an diese von Granaten zerpflügten Schlachtfelder. Der Krieg lebt in meiner Seele weiter, als ein grausamer, bilderspeiender Vulkan, mit seinem Gestank, seinem Lärm. Und heute erkenne ich, wie aus dieser beispiellosen Tragödie all die Katastrophen des 20. Jahrhunderts erwachsen konnten - als Kinder dieses Krieges." - wobei ich nicht sicher bin, ob das hier falsch verwendete Wort "Tragödie" auf einen - bewussten oder unbewussten - Übersetzungsfehler in der deutschen Fassung, auf Schludrigkeit oder auf eine gewollte Falschaussage zurückzuführen ist. Der Film jedenfalls verdeutlicht eindrucksvoll, dass es sich bei diesem bodenlosen Abstieg ins Barbarentum keineswegs um eine "Tragödie" im Sinne der eigentlichen Wortbedeutung gehandelt hat, die ja per definitionem unter Anderem eine "schuldlose" und "unabwendbare" Entwicklung hin zur Katastrophe bedeutete. Das genaue Gegenteil ist der Fall.

Der Film ist trotz einiger solcher Mängel sehr sehenswert und vermittelt einen recht anschaulichen, zuweilen äußerst verstörenden Eindruck in die Zeit zwischen 1914 und 1918, die wohl nicht zufällig unserer heutigen furchtbaren Welt in vielerlei Hinsicht sehr ähnelt:

1914 - Wo man auch hinsieht, ist Fortschritt. Wir sind alle geradezu verrückt nach Automobilen. (...) Das neue Jahrhundert fängt vielversprechend an. Wir ahnen nicht, welche Grausamkeiten uns erwarten. Wie beginnt man, wenn man von der nackten Gewalt erzählen will, der wir ausgesetzt waren, von dem stinkenden Brei menschlicher Überreste? Die Bilder verfolgen mich noch immer.

Freilich unterlässt es auch dieser Film, nach den tatsächlichen, systemischen Ursachen zu forschen oder auch nur zart zu fragen - ansonsten hätte er vermutlich gar nicht erst produziert und im "freiheitlichen" TV des "Westens" (freilich im Nachtprogramm oder in mehrheitlich unbekannten Nischenkanälen) ausgestrahlt werden können. Ein durch und durch pazifistisches Ausrufezeichen mit deutlichem Bezug zu Jetztzeit bleibt er aber allemal.


Samstag, 6. Juni 2015

Kurzfilm des Tages: The Saga Of Biorn, oder: Die böse Rache der Religioten




Anmerkung: Diese geniale Filmchen aus Dänemark dürfte jedem geneigten Rollenspieler ein äußerst fettes Grinsen ins Gesicht zaubern - ebenso wie es die üblichen Verdächtigen aus den mittelalterlichen, religiotischen Kreisen wild erbosen wird. Das Werk macht also alles richtig, und wer des Englischen halbwegs mächtig ist, sollte es sich dringend ansehen: Dies ist exakt die Art des Humors, die jedem religiösen Wahn den Wind komplett aus allen verfaulten Segeln nimmt und ihn als den lächerlichen Popanz entlarvt, der er naturgemäß ist.

Folgen wir also dem aufrichtig strebenden, aber glücklosen Wikinger Björn auf seinem ambitionierten Weg, endlich "ehrenhaft" ins jenseitige "Valhalla" zu gelangen, um in alle Ewigkeit in Ruhe saufen, fressen und anderen wikingergemäßen Späßen nachgehen zu können. Man sollte dieses Meisterwerk vor jedem christlichen Gottesdienst in allen Kirchen weltweit zeigen. Die Resonanz wäre sicherlich ... revolutionär.

Freitag, 22. Mai 2015

Film des Tages: Die Klotzköpfe, oder: Der übergeschnappte Popanz




("Die Klotzköpfe" [Originaltitel: "Blockheads"], Film von John G. Blystone mit Stan Laurel und Oliver Hardy aus dem Jahr 1938)

Anmerkung: Aus gegebenem Anlass (siehe ausführlicher hier und auch hier) schenke ich mir herzlich gerne - zumindest heute - einen längeren Kommentar zu diesem kafkaesken, fortgesetzten Irrsinn und lasse stattdessen lieber die ehrwürdigen Großmeister der subtilen, humoristischen Selbstzerfleischung zu Wort und bewegtem Bild kommen. Ob die betroffenen Damen und Herren es wohl vermögen, sich selbst und auch mich in diesem wunderbaren Kunstwerk (sic!) wiederzufinden? ;-) Meine argen Zweifel sind wohl sehr berechtigt - der "übergeschnappte Popanz", wie Oliver Hardy es im Film so wunderbar treffend formuliert, betrifft bekanntlich stets ausschließlich "die anderen" und niemals das eigene, oftmals allzu erbärmliche Spiegelbild und Selbstverständnis.

Die Komik der Zerstörung streift sowohl den surrealistischen (...) wie den verbalen Humor. / Diesen herrlichen Film müsste man Einstellung für Einstellung beschreiben, um seine gesamten Reichtümer ausreichend bewundern zu können.

(Raymond Borde / Charles Perrin, zitiert nach: Rainer Dick: "Laurel und Hardy. Die größten Komiker aller Zeiten", Heyne 1995)

Freitag, 24. April 2015

Ambivalenter Film des Tages: Der Marsch


Ein Gastbeitrag von Altautonomer.

"Der Marsch" ist ein Spielfilm des Regisseurs David Wheatley über den Auswanderungsdruck aus den Entwicklungsländern. Der Film stammt aus dem Jahr 1990 und basiert auf einem Roman von William Nicholson, der auch das Drehbuch verfasst hat. Das Szenario des Films geht von einer unbestimmten Zukunft aus, in der aufgrund des Klimawandels große Teile Afrikas unbewohnbar geworden sind und zeitgleich in Europa die rassistischen Spannungen stark zugenommen haben. Als monokausale Ursache des "Marsches" - also der Flucht der betroffenen Menschen nach Europa - wird fälschlicherweise einzig der Kimawandel herangezogen.

Zu Anfang des Filmes wird ein Schwarzer von der Filmfigur Clare Fitzgerald, der irischen "Kommissarin für Entwicklung" bei der Europäischen Gemeinschaft, interviewt. Er sagt (geringfügige Änderungen und Ergänzungen vom Verfasser): "Ich habe gelesen, dass ihr für eure Haustiere durchschnittlich 200,00 Euro im Jahr ausgebt. Wir möchten gerne eure Haustiere sein. Nehmt uns dafür, denn wir sind stubenrein, genügsam und im Unterhalt billiger als Haustiere, weil die meisten von uns bereits jetzt von weniger als 200,00 Euro im Jahr leben müssen."

In Deutschland wird von privaten Haushalten mehr Geld für Tiernahrung ausgegeben als die Summe des Staatsetats manch eines afrikanischen Landes beträgt. Soviel zur Polemik des Films. Eine sehr gute Kritik dazu findet sich hier:

Unvermittelt ist der Hunger als Ergebnis von fünf regenlosen Jahren, als naturgegebene Katastrophe, Ausgangspunkt der Filmhandlung. Die Ursachen für diese Katastrophe und andere Krisen, wie Bürgerkriege, werden nicht genannt. Weder die ökologischen, noch die politischen, sozialen und ökonomischen Auswirkungen werden als Ergebnis von jahrhundertelanger Ausbeutung, Raub und Vernichtung in Afrika angesprochen. Der "Zivilisationstransfer" als Hauptursache vieler Krisen wird genauso verschwiegen, wie die als humanitär ausgegebenen Militäraktionen mit ihren verheerenden Folgen, und wie die Folgen der Entwicklungshilfe. / Der Film erzeugt ein Gefühl der Bedrohung und Angst.

Er fügt sich daher propagandistisch sowohl positiv, als auch negativ in die Zeit der "Wende" und der damaligen Pogrome in Solingen, Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen etc. ein.

Zum Schluss eine Bemerkung zu der von konservativen Politikern häufig geäußerten Abwehrbehauptung, Europa könne "nicht alle Flüchtlinge dieser Welt aufnehmen": Heute noch fließen nachweislich mehr Waren und Rohstoffe aus Asien, Lateinamerika und Afrika in die "Erste Welt" als umgekehrt - inkl. der sog. Entwicklungshilfe. Es ist daher kein Ende der postkolonialistischen Ausbeutung in Sicht.


(Aus der Produktbeschreibung dieses edlen Fresschens: "Zusammensetzung: 55% Bio-Hühnerfleisch* (Muskelfleisch luftgetrocknet), Bio-Kartoffelflocken*, Bio-Karotten*, Bio-Aprikosen*, Bio-Kokosflocken*, Bio-Apfel*, Bio-Eierschalen*, Bio-Propolis* / *kontrolliert biologischer Anbau")

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Anmerkung des Kapitäns: Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann sich den Film momentan - allerdings in einer leider furchtbaren Bild- und Tonqualität - auf youtube ansehen. Ich habe das getan und kann dem obigen Fazit nur zustimmen: Hier wird weniger die Empathie des Zuschauers oder dessen Solidarität mit Flüchtlingen gefördert, sondern eher eine diffuse, gar ins Bedrohliche driftende Angst, die letztlich nur zur weiteren Radikalisierung des ohnehin schon erblühenden Rassismus' im "freiheitlich-demokratischen" Europa führt (dazu möchte ich dringlichst das Buch "BrandSätze. Rassismus im Alltag" von Prof. Siegfried Jäger vom Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung empfehlen, das hier als pdf kostenlos abgerufen werden kann). - Ob die Macher des Films das so auch beabsichtigt haben, weiß ich aber natürlich nicht. Schaut selbst:


Samstag, 28. Februar 2015

Lived long and prospered: Leonard Nimoy ist tot, Spock lebt weiter


Leonard Nimoy ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Für mich ist das ein wehmütiger Anlass, meine freie Zeit in den kommenden Tagen und Wochen auch dazu zu nutzen, mir wieder einmal die komplette Spielfilmreihe von Teil 1 bis 10 anzusehen (die beiden fürchterlichen Schrottfilme danach, mit denen jede Vision zu Grabe getragen wurde, gehören selbstredend nicht mehr dazu).



Filmszene aus "Star Trek V: Am Rande des Universums": Kirk, Pille und Spock machen Landurlaub in der Natur und sitzen spät abends am Lagerfeuer. Kirk und Pille stimmen schließlich den alten Kanon mit dem Text an: "Row, row, row your boat gently down the stream. Merrily, merrily, merrily, merrily, life is but a dream." Als später alle drei im Finsteren in ihren Schlafsäcken liegen, entspinnt sich zu einem schwarzen Bildschirm der folgende Kurzdialog:

Spock: Captain?
Kirk: Was ist, Spock?
Spock: Captain, der Text ist Unsinn. Das Leben ist kein Traum.
[Pause]
Kirk: Schlafen Sie, Spock.


Freitag, 24. Oktober 2014

Wehret den Fortschreitungen: Der gelbe Stern




Anmerkung: Diese bemerkenswerte und äußerst bedrückende Dokumentation aus dem Jahr 1980, für die der Autor Dieter Hildebrandt (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Kabarettisten) seinerzeit den "Bayerischen Filmpreis" sowie eine "Oscar-Nominierung" erhalten hat, lässt mich, je öfter ich sie sehe, immer sprachloser zurück. Im Begleittext der DVD zum Film heißt es:

Dieser Film unternimmt es, mit teilweise unveröffentlichem Archivmaterial ein authentisches Bild jener Vorgänge zu zeichnen, deren letzte Station die Vernichtungslager waren. Warum konnte sich die antisemitische Organisation Hitlers so rasch mit den Vorurteilen vieler Millionen Deutscher zu einem derartigen Verfolgungswahn verbinden? Der Film fragt vor allem auch nach den Anfängen, denen nicht gewehrt wurde. Die Ächtung begann nicht mit dem Pogrom 1938, nicht mit Buchenwald und Dachau oder den fernen Ghettos - sie begann in Dörfern und Städten, an Universitäten und Ministerien, in Sportvereinen und Amtsstuben, im Freundeskreis und in den Schulen, auf dem Weg zur Arbeit. (...) [Der Film] zeigt die Zerstörungswut der Nazis in der Kristallnacht des November 1938, und er dokumentiert die Fluchtwege, Rettungsversuche und Überlebenskünste in den Wochen und Monaten danach.

Es bleibt jedem Zuschauenden selbst überlassen, in den furchtbaren Darstellungen dieses Films - insbesondere in den Themenbereichen der menschenfeindlichen Bürokratie und beginnenden Ausgrenzung und Entrechtung ganzer Bevölkerungsgruppen - die furchteinflößenden Parallelen zur heutigen Zeit zu entdecken und die notwendigen Schlüsse daraus zu ziehen. Den "Anfängen" ist auch heute einmal mehr nicht "gewehrt" worden - die erneute Entrechtung und Verfolgung bestimmter Menschengruppen hat längst wieder begonnen und entfaltet sich, von interessierter Seite forciert, stetig weiter.

Der Satz des Autors, am Ende des Films geäußert, soll und muss uns allen eine böse Mahnung und dringliche Aufforderung zu entsprechenden Taten sein:

Die Vernunft, wenn sie zu lange unterdrückt wird, schafft sich zuletzt nur noch in Trauergesängen Gehör.


Freitag, 26. September 2014

Bildungskino für lau: LEXX - The Dark Zone


Wer kennt heute eigentlich noch LEXX - The Dark Zone aus den späten 1990er Jahren? Nahezu niemand, nehme ich an? - Nun, es handelt sich dabei um eine kanadisch-deutsch-britische Koproduktion aus dem Genre der Science Fiction, die heute (laut Wikipedia) gerne als "Serie" bezeichnet wird, ursprünglich aber lediglich ein Epos war, das aus vier Spielfilmen bestand. Diese vier Filme gehören für mich zum besten, was der Science-Fiction-Film in dieser Zeit überhaupt hervorgebracht hat, und das aus ganz unterschiedlichen, vielfältigen Gründen.


Es handelt sich hier nicht um eine Star-Trek- oder (weitaus schlimmer) Star-Wars-Kopie, sondern um ein ganz eigenständiges Konzept, das es in dieser Form danach im Filmbereich meines Wissens bisher nicht wieder gab. Die Macher dieses Epos haben versucht, ein ganz neues, logisch nachvollziehbares Zukunftsszenario zu erschaffen, das eine völlig andere Technik als die aus sonstigen SF-Filmen bekannte bemüht und dabei trotzdem nicht in die altbekannte "Space-Opera" (analog zur "Soup-Opera" wie beispielsweise Star Wars) abdriftet, sondern den kritischen Bezug zur heutigen Realität stets behält. Dieser Versuch ist mehr als gelungen, wie ich finde.

Die Serie, die nach diesen vier Spielfilmen (mit größtenteils anderen Darstellern, Autoren, Regisseuren und Produzenten) folgte, klammere ich hier ausdrücklich aus, denn die kenne ich nicht gut genug.

Wir werden also konfrontiert mit einem komplett neuen Universum - in dem es zwar auch wieder einen Bösewicht gibt, der diesmal von der Spezies der "Insektoiden" ausgefüllt wird. Da es hier aber nicht schwarz-weiß zugeht, haben natürlich auch andere Spezies ihre Techniken entsprechend entwickelt und benutzen daher Raumschiffe, die beispielsweise an Libellen erinnern. Auch die "LEXX" - das Raumschiff, mit dem sich die HeldInnen der ersten vier Filme auf die Suche nach einer neuen Heimat begeben - ist keine "Enterprise", sondern ein organischen Lebensformen ähnelndes Technikwerk, das einem Insekt nachempfunden ist und entsprechend von Zeit zu Zeit "fressen" (also Energie aufnehmen) muss.

Es ist also nicht immer leicht, im LEXX-Universum "Gut und Böse" auseinanderzuhalten - was im krassen Gegensatz zu sonstigen Kino- und Fernsehproduktionen, aber dafür im Einklang mit unserer eindimensionalen Realität steht.

Ich empfehle jedem, sich diese vier Filme anzusehen - den ersten gibt's momentan (wer weiß, wie lange noch) bei youtube in der deutschen Version, die übrigen habe ich im Netz leider nicht gefunden.


Samstag, 23. August 2014

Film des Tages: Harodim




Anmerkung: Dieser Spielfilm (2012) mit Travis Fimmel, Michael Desante und dem Altmeister Peter Fonda ist natürlich Fiktion, so wie alle Spielfilme - auch wenn sie historische Begebenheiten zum Thema haben - stets Fiktion und keine Dokumentationen sind. Eine kurze Inhaltsangabe von Blickpunkt:Film dazu (obwohl die gleich in mehreren Details falsch ist - aber das soll und kann jeder Zuschauer beim Ansehen selbst bemerken):

Lange Jahre hat der ehemalige Elitesoldat Lazarus privat und geheim nach jenem hochrangigen Al-Quaida-Führer gefahndet, der nun gefesselt in einem versteckten Bunker unter einem Wiener Bahnhof in seiner Gewalt ist. Für Lazarus ist die Zeit gekommen, Rache zu nehmen an dem Mann, der an den Anschlägen am 11. September beteiligt war und den Tod seines Vaters verschuldet hatte. Doch der überaus rechtschaffene Gefangene packt aus - und erzählt dem ungläubig Staunenden seine Version über Afghanistan, Al-Quaida, die CIA und ihre schmutzigen Machenschaften.

In diesem brillant inszenierten und von den drei Darstellern eindrücklich gespielten Kammerspiel werden viele der gängigen Verschwörungstheorien zu den Ereignissen am 11. September 2001 aufgegriffen, so dass der Film sich schon allein deshalb wohltuend von der üblichen Hollywood-Kost zu diesem Thema unterscheidet. Drehbuchautor und Regisseur Paul Finelli hat diesen Film allerdings in Österreich gedreht, weil er nach eigenen Angaben in Hollywood keine Financiers für den Streifen finden konnte.

Ich empfehle das Ansehen nachdrücklich - nicht etwa, weil ich jeder einzelnen Aussage zum 11. September, die hier getroffen wird, zustimme (zumal zum Ende hin der verschwörungstheoretische Teil ins fast Absurde driftet), sondern weil der Film - anders als viele Dokumentationen oder Pseudo-Dokumentationen - tatsächlich zum eigenen Denken (als Kontrast zum bloßen Rezipieren konträrer Meinungen) anregt und den Zuschauer eindringlich daran erinnert, wie wichtig in unserer Welt das kritische Nachdenken und nicht zuletzt auch der Zweifel sind. Ich will nicht zuviel vorwegnehmen, aber der lange Monolog, den Peter Fonda am Schluss des Films in seiner Rolle als Solomon Fell hält und der exemplarisch die brutale, faschistische Weltsicht eines Teils der globalen Finanz-"Elite", also der Superreichen, zum Inhalt hat, gehört zum Besten, was dieser Schauspieler in seinem langen Leben abgeliefert hat.

Einzig der entnervende, völlig deplatzierte und allzu dümmliche Abspann, der die gesamte bis dahin aufgebaute Atmosphäre des Films mit einem Schlag rückhaltlos zerstört, schmälert den Genuss doch arg. Man kann ein Shakespeare-Drama natürlich auch mit einem dummen Modern-Talking-Trällerliedchen enden lassen - aber was der Regisseur sich dabei wohl gedacht haben mag, bleibt - zumindest mir - ein Geheimnis.

Der Film ist hier in deutscher Synchronfassung zu sehen - Ihr solltet ihn Euch wirklich anschauen, und das möglichst bald, denn wer weiß schon, wie lange er bei youtube noch verfügbar ist. Es ist eher unwahrscheinlich, dass unser Propaganda-TV ihn in näherer Zukunft ausstrahlen wird.

Anmerkung: Falls jemand Probleme mit dem Abspielen des Videos haben sollte, bitte einfach auf das "youtube"-Logo, das sich unten rechts im Videofenster findet, klicken, dann kann man es direkt bei youtube anschauen:

Ich wusste nicht, dass dies noch nicht allgemein bekannt ist, sorry.