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Ein Gastbeitrag des Altautonomen
Darf eine Tabledancerin von notgeilen Truckern angegrapscht werden? Schließlich provoziere sie das doch mit ihren aufreizenden Simultan-Fick-Bewegungen und ihrer nackten Haut. Und Männer seien nun mal Sklaven ihres Testosteronspiegels. Da müsse doch der Druck aus dem Kessel. – Doch falls das jemand wagen sollte, würde ihm vom Sicherheitspersonal schneller das Fliegen beigebracht, als er seinen Truck starten könnte.
Würden die Gäste auf einer Erotik-Messe es wagen, eines der dort um Aufträge konkurrierenden Pornosternchen körperlich zu berühren, könnte der Betreffende vielleicht frühestens nach vier Wochen wieder flüssige Nahrung aus der Schnabeltasse zu sich nehmen. – Und sind Prostituierte, die vergewaltigt werden, keine Opfer, weil diese Form zwischenmenschlicher Kontakte doch ihre eigentliche Profession sei? Auch diese Frage dürfte geklärt sein.
Beim kiezschreiber konnte ich neulich einem Text mit dem Titel "#metoo erreicht Deutschland", der sich mit dem Erotik-Model Micaela Schäfer befasste, entnehmen, dass sich derartige Frauen, die sich das Sexbusiness auf die Fahnen geschrieben haben, bitte nicht beschweren mögen, wenn sie von einem "großen Filmstar" wie Steven Seagal mal ans Knie gefasst und gefragt werden, ob sie mit auf sein Hotelzimmer gehen.
Mit rhetorischer Begleitmusik wird dort ein Kontext gezimmert, der dem Leser suggeriert, dass "Bitches" kein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung haben, weil sie es ja regelrecht mit allen Künsten einer aggressiven Sexualität darauf anlegten, betatscht zu werden. In dieser Logik trägt auch der Juwelier, bei dem eingebrochen wurde, eine Mitschuld, weil er ja die Klunker im Schaufenster ausgestellt und so den Dieb zum Zugriff provoziert habe. Das erinnert sehr an die in früheren Gerichtsverhandlungen gerne unterstellte "bedingte Einvernehmlichkeit" des Opfers einer sexuellen Straftat, weil es beispielsweise einen Minirock trug, der Einblicke bis zwischen die Mandeln ermöglichte.
Der Blogbetreiber war sich nicht einmal darüber im Klaren, dass auch das Betatschen des Knies seit Dezember 2016 strafbar ist.
Die Schauspielerin Sibel Kekilli ist vor Jahren als Hardcore-Pornodarstellerin mit türkischen Wurzeln durch die BLÖD-"Zeitung" in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit und Kritik geraten. Heute ist sie eine hochdekorierte Filmschauspielerin in Deutschland mit bester gesellschaftlicher und künstlerischer Reputation. Sie sollte sich von Steven Seagal [und vermutlich auch vom kiezschreiber, Anm.d.Kap.] tunlichst fernhalten.
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Fucking Perv

(warandpeas.com)
Von rechtsradikalen Gruppierungen ist man rhetorisches Geblubber vom "Durchgreifen" und von der "Härte" ja gewohnt, das gehört zum schlechten Ton in dieser muffigen, unschönen Gesellschaft. Keiner aber beherrscht dieses Szenario so perfekt wie die widerlichen Gestalten von der CSU, die stets den ganz großen Knüppel zu schwingen versuchen und sich für Ursachenforschung oder gar -bekämpfung nicht die Bohne interessieren.
Das BILDblog hat sich mal die Mühe gemacht, einige der diesbezüglichen Forderungen aus der bayerischen Enklave der christlich-sozialen Nächstenliebe nur der vergangenen Wochen [sic!] zu dokumentieren. Ich zitiere hier nur die Überschriften - die Screenshots und entsprechenden Links findet man drüben:
- Innenminister Herrmann: Hart gegen Grusel-Clowns vorgehen
- Bayerischer Innenminister Herrmann: Stärker gegen Reichsbürger vorgehen
- Bayern will härter gegen Sexualstraftäter vorgehen
- Bayern will härter gegen Internetkriminalität vorgehen
- Herrmann plant härteres Vorgehen gegen Grenzkriminalität
- Innenminister Herrmann fordert mehr Härte gegen "Wirtschaftsflüchtlinge"
- Bayerns Innenminister Herrmann fordert ein härteres Vorgehen gegen islamistische Gefährder
So unsäglich hart ist die CSU - und leider muss man auch nicht "Herr Mann" heißen, um einen solchen grotesken Bullshit in steter Impertinenz abzusondern; bei der CSU dürfte dies sogar eine "Frau Dame" tun, ohne sonderlich aufzufallen. Bei einem "Herrn Dame" oder einer "Frau Mann" sähe das freilich wieder ganz anders aus, denn mit solchem Teufelszeug will man in christlich-sozialen Kreisen nichts zu tun haben. Da reckt man den erigierten, deutschen Penis lieber in Richtung bekannter und wie gewohnt falscher Feindbilder - die faschistoiden Ausfälle der CSU gegen angebliche "Sozialschmarotzer" sind hoffentlich noch allen in schauriger Erinnerung.
Leider ist die CSU auf ihrem Härte-Contest keineswegs alleine unterwegs - die üblichen Verdächtigen von CDU, SPD, FDP, AfD, den Grünen und der Linkspartei mischen fleißig mit und bekräftigen einmal mehr die alte Regel: Je härter der imaginierte Penis, desto weicher die Hirnmasse. Inzwischen dürfte dieses bedauernswerte, völlig überschätzte Kopforgan in weiten Parteikreisen längst dünnflüssig sein und sich damit nachhaltig verflüchtigt haben. Man kann die Welt ohne Beteiligung des Gehirnes schließlich noch viel besser in den Abgrund stürzen und dabei noch Spaß haben.
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Auf der Suche nach dem Symbol des 20. Jahrhunderts

(Gemälde von Jiří Georg Dokoupil [*1954] aus dem Jahr 1983, Dispersion auf Nessel, Privatbesitz [sic!], Köln. - Wir sehen hier unter anderem: Einen geflügelten, allzu krummen Penis sowie eine Knochenhand, die weit entfernt aus einer Vagina in die düstere Szene ragt - aber das nur am Rande. Ich möchte lieber gar nicht wissen, in welcher privaten Sammlung irgendeines obszönen, perversen Superreichen dieses Bild gelandet ist.)
Kürzlich habe ich mit großem Vergnügen bei Zeit Online den Text "Männer sind seltsam – warum ich nach einer Woche Online-Dating am Ende bin" von Teresa Buecker gelesen. Die Autorin beschreibt dort anhand von 20 Beispielen sehr eindrücklich und witzig ihre Erlebnisse in der für sie zuvor fremden Welt des Online-Datings:
Wenn ich den Gesprächen in meinem Freundeskreis und im Büro lausche, war ich bislang Exotin: Ich hatte noch nie ein Tinder-Date oder eine Affäre, die online begann. Als Online-Dating normal wurde, war ich glücklich vergeben und in den letzten Jahren immer zu dem Zeitpunkt an dem physischen Ort, an dem mir jemand begegnete, der zu mir passte: auf Konferenzen, in Clubs, bei der Buchmesse, und meine allererste Beziehung in Berlin ging auf die gemeinsame Fahrt bei der Mitfahrzentrale zurück (Nostalgie!). Online-Dating ist etwas, über das ich gar nichts weiß, daher sind die entsprechenden Angebote und Apps für mich ein Kulturschock. Hier sind die Dinge, über die ich mich gewundert und die ich gelernt habe.
Ich habe mich beim Lesen sehr amüsiert - und das nicht bloß, weil ich gewisse berufliche Erfahrungen auf diesem Gebiet und auch ein "seriöses" Single-Portal eine Zeit lang administrativ betreut habe, sondern auch aufgrund meiner eigenen diesbezüglichen Erfahrungen aus männlicher Sicht. Ich könnte also zu jedem einzelnen der 20 Punkte ein "maskulines Pendant" - ach was, ein ganzes Buch! - schreiben, erspare das den Mitlesenden aber lieber. Verraten sei nur so viel: Die größte Beziehungskatastrophe meines bisherigen Lebens ist ebenso aufs Online-Dating zurückzuführen wie einige wunderbare Erlebnisse und Freundschaften, die mein Leben bis heute bereichern.
Falls es Mitlesende gibt, die sich - gerne anonym - über ihre eigenen Erfahrungen auf diesem Gebiet auslassen möchten: Nur zu, ich lese mir das allzu gerne durch - und ich bin sicher, dass ich nicht der einzige wäre! :-)

Captain Obvious lässt grüßen.
Vor einigen Tagen bin ich auf meiner Flucht vor dem wild um sich greifenden Fußball-Stumpfsinn bei n-tv auf ein hübsches Kleinod gestoßen, das ich zuerst für einen brachialen Aprilscherz und sodann für einen Bericht aus irgendeiner Hochburg der IS- oder US-Terror-Miliz gehalten habe. Dort ist nämlich zu lesen:
"Im Interesse gesunder Entwicklung" / Kinder klagen gegen "Safer Sex"-Kampagne
Es ist gewiss nichts Neues, dass sich die muffige Prüderie auch im "freiheitlichen Westen" seit geraumer Zeit ihren Weg zurück in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts bombt; aber dass inzwischen schon "Vier- bis Siebzehnjährige" bzw. deren Eltern mitten in Europa gegen vermeintliche "staatliche Sexvideos" klagen, die lediglich vor Geschlechtskrankheiten warnen, schraubt die Eskalation der Absurditäten auf eine neue Stufe. Lest euch den kurzen Text ruhig in Gänze durch und zählt dabei mit, wie oft ihr euch an die Stirn fasst oder selbige an die Wand knallt. Da ist allen Ernstes von "promiskuitive[m] Verhalten, welches eine der Hauptursachen für kaputte Familienbeziehungen und sexuell übertragbare Krankheiten" sei, die Rede. Laut der die KlägerInnen unterstützenden christlichen [sic!] Stiftung Zukunft Schweiz gibt es ergo nur ein probates Mittel gegen Geschlechtskrankheiten und "Promiskuität" - nämlich die völlige Enthaltsamkeit.
Demnächst können wir sicherlich die ersten Reklameanzeigen lesen, die das moderne Pendant zum mittelalterlichen Keuschheitsgürtel anpreisen: Ein "Wearable" beispielsweise, das besorgte Eltern ohne Zeitverzögerung darüber informiert, ob der pubertierende Nachwuchs gerade masturbiert oder - der Teufel muss schuld sein an diesem Höllenpfuhl - gar sexuelle Erfahrungen mit einem anderen Menschen macht.
Selbstverständlich ist auch diese absurde Entwicklung, wie alles in Kapitalistan, höchst bigott. Parallel zur zunehmenden vordergründigen Prüderie findet seit langem und für alle sichtbar eine völlige Enthemmung und Sexualisierung des gesamten Lebens statt - nicht nur in der Reklamepest oder der "Schattenwelt" der Pornografie. Dabei ist es völlig egal, ob es sich beispielsweise um hochchristliche SoldatInnen aus den prüden USA handelt, die in geheimen Folterlagern sexualisierte, sadistische Praktiken an illegal Inhaftierten durchführen und diese Untaten auch noch fotografieren, oder um islamistische "Kämpfer", die "feindliche" Frauen und Männer vergewaltigen und sogar in Zwangsbordelle für die "Kameraden" verfrachten. Die hochchristlichen Sekten, deren Mitglieder ihren Kindern regelmäßig mit Ruten und Stöcken den nackten Arsch und damit auch die Seele malträtieren, gehören ebenso dazu wie die nicht-christlichen Gurus, die ihre Schäfchen in schöner Regelmäßigkeit aufs Übelste sexuell ausbeuten.
Die vorgeblich wachsende Prüderie im Spätkapitalismus ist - wie in diesem untergehenden System üblich - nichts anderes als ein aufgebauschtes Feigenblatt für die Medienöffentlichkeit, das von interessierten, oft religiotischen Kreisen genutzt wird, um die tatsächlich fortschreitende Pervertierung alles Sexuellen zu vertuschen. Es ist kein Zufall, dass gerade aus den Reihen derjenigen, die am lautesten nach sexueller Enthaltsamkeit brüllen, immer wieder die schlimmsten Sexualstraftaten bekannt werden - und damit meine ich gewiss nicht bloß katholische Priester und Nonnen oder islamistische Fanatiker.
Die abgrundtiefe Verlogenheit in Bezug auf Sexualität, Prüderie und Freizügigkeit ist Legion auf diesem Planeten.
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Entgötterte Welt

"Amor ist tot. Es lebe das Schwein!"
(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 1 vom 01.04.1921)