Dienstag, 15. November 2016

Nein, sie brauchen keinen Führer


Rassismus und Menschenfeindlichkeit sind wieder heimisch in Europa - natürlich gerade auch in Deutschland. Man hat sich längst daran gewöhnt. Es treibt fast niemandem mehr die Fassungslosigkeit ins Gesicht, wenn immer wieder Flüchtlingsunterkünfte brennen und Menschen von braunen Banden angegriffen oder direkt staatlich drangsaliert und terrorisiert werden. Bei n-tv las ich kürzlich:

Straftaten mehr als verdoppelt / Gewalt gegen Ausländer nimmt stark zu / Städte wie Bautzen, Heidenau oder Freital sind aufgrund rechtsextremer Gewalt in die Schlagzeilen geraten - doch sie sind keine Einzelfälle mehr. Politisch motivierte Straftaten nehmen weiter zu. In Ostdeutschland ist der Anstieg besonders deutlich.

Selbstverständlich ist dieser Rassismus nicht über Nacht vom Himmel gefallen. Er war nie verschwunden, weder im Westen, noch im Osten. Dass er sich heute wieder so vehement bemerkbar macht, hat gewiss viele Gründe, von denen die "Wiedervereinigung" nur einer ist. Es lässt sich mannigfaltig belegen, dass die Ausrichtung der europäischen und deutschen Politik seit 1990 rasant nach rechts außen gerückt ist bzw. wurde. Die menschenfeindlichen Ausfälle aus politischen und begleitenden medialen Kreisen seit dieser Zeit reißen nicht ab, sondern nehmen ganz im Gegenteil weiter an Fahrt auf. Ist es da tatsächlich verwunderlich, dass diese böse Saat teilweise auf fruchtbaren Boden fällt?

Die offiziellen, politischen Gründe für die Abwertung, Ausgrenzung und Ablehnung hilfsbedürftiger Menschen sind oftmals rein ökonomischer Natur. So war am selben Tag ebenfalls bei n-tv exemplarisch zu lesen:

Unterbringung und Betreuung / So viel kostet Deutschland ein Flüchtling / Knapp 900.000 Flüchtlinge sind im Jahr 2015 nach Deutschland gekommen - überwiegend aus Syrien. In diesem Jahr werden weniger als 300.000 Menschen erwartet, die hierzulande Schutz suchen. Besonders die Städte ächzen unter den damit verbundenen Kosten.

Natürlich wird auch in diesem Text nicht erwähnt, dass es hier wie immer um eine Schimäre geht, die sich aus Verteilungskämpfen zwischen Bund, Ländern und Kommunen ergibt. Auch der groteske Superreichtum einiger weniger Widerlinge, die sich in ihren überquellenden und stetig expandierenden Geldspeichern verschanzen, wird nicht erwähnt. Und dass allein Deutschland im kommenden Jahr beispielsweise für die militärische "Verteidigung" [sic!] satte 37 Milliarden (plus 1,7 Milliarden) Euro auszugeben gedenkt - also mehr als dreimal soviel wie die geschätzten Kosten für Flüchtlinge -, interessiert in diesem Zusammenhang weder die Politik, noch die Journaille oder die "besorgten Bürger". Die perversen Besitzer der Rüstungskonzerne freut's gewiss.

Diese ökonomisch-verzerrte Sichtweise hat gute Tradition in Deutschland, wie das unten zu sehende Plakat anschaulich illustriert. Auch damals war das bereits eine lächerliche, rassistische Milchmädchenrechnung, die fernab jeder Realität semi-religiös vor sich hin waberte - heute gilt das angesichts der abstrusen, elitären Privatvermögen in Fantastillionenhöhe gleich in potenzierter Form.



(Plakat einer faschistischen Ausstellung des Reichnährstandes über "Rassenhygiene" mit der Aufschrift: "Hier trägst Du mit. Ein Erbkranker kostet bis zur Erreichung des 60. Lebensjahres im Durchschnitt 50.000 [Reichsmark]." In: "Volk und Rasse", Illustrierte Monatszeitschrift für deutsches Volkstum [sic!], hg. v. Heinrich Himmler und Richard Walther Darré, Nr. 10, 1936)

Auf diesem verkommenen Planeten wäre längst - und das gilt wahrlich nicht erst seit Neuestem - ein von materiellen Sorgen freies Leben für alle Menschen möglich. Selbst in der kapitalistisch verseuchten Welt von heute wäre das machbar, ohne dass die selbsternannte "Elite" auf ihren dekadenten, lächerlichen, vollkommen absurden Luxus verzichten müsste: Sie könnten doch ihre Villen, ihre Automobile, ihre Jachten, ihre Flugzeuge oder Helikopter behalten - dafür benötigt man keine Milliarden. Trotzdem sind wir heute genauso weit von diesem Ziel entfernt wie vor 100 Jahren - und Politik, Medien und viele BürgerInnen gehen wieder einmal statt dem elitären Pack viel lieber den Schwächeren und Schwächsten, die sich kaum wehren können, an die Gurgel.

Ich ziehe mir die Bettdecke über den Kopf, bevor ich angesichts dieser grotesken Farce noch selber zum Menschenfeind werde.

Montag, 14. November 2016

Die Gestapo: Menschenverachtung, bürokratisch organisiert


Eine Dokumentation von Holger Hillesheim und Wolfgang Schoen aus dem Jahr 2004. Etwaige Ähnlichkeiten mit aktuellen Begebenheiten sind sicher rein zufällig und keineswegs beabsichtigt.

1. Hitlers schärfste Waffe


2. Terror ohne Grenzen


3. Henker an der Heimatfront

Schöne neue Welt, Kapitel 37: Manipulierte Audio-Dateien


Das "digitale Zeitalter" ist nicht nur eine Ära des "zukünftigen Vergessens", sondern zunehmend auch ein sumpfiger Tummelplatz der nicht mehr erkennbaren Manipulation. Ein kleiner Rückblick dazu:

Schriftliche Aufzeichnungen waren lange Zeit kaum oder nur unter großem Aufwand manipulierbar - das galt für Handgeschriebenes, aber auch für Gedrucktes gleichermaßen, sofern es nicht die ganze Auflage eines Buches oder einer Zeitung betraf. Das hat sich schon seit langem geändert - ein digital gespeicherter Text lässt sich problemlos von fast jedem innerhalb kürzester Zeit verändern, komplett umgestalten oder löschen. Dasselbe gilt seit ebenfalls geraumer Zeit für digital gespeicherte Bilder, die inzwischen auch von Laien ohne großen Aufwand fast beliebig verändert werden können. Auch Videos gehören inzwischen zu diesem Spektrum - beispielhaft dürfte wohl jedem noch der Scoop der Böhmermann-Redaktion bezüglich des angeblichen Varoufakis-Stinkefingers in Erinnerung sein.

Zukünftig wird das auch Audio-Dateien betreffen, also gesprochene, digital gespeicherte Texte. Der WDR-Blogger Jörg Schieb schrieb dazu vor zehn Tagen:

VoCo heißt das Projekt [von Adobe]. Die Idee dahinter ist so einfach wie erschreckend: Wenn alles perfekt funktioniert, soll es möglich sein, den gesprochenen Text jedes Menschen mit der Software umarbeiten zu können. Man kann den Menschen dann praktisch alles sagen lassen. Anfangs wird man das noch ein bisschen hören können, irgendwann soll es aber (nahezu) unmöglich sein zu erkennen, dass am gesprochenen Satz etwas geändert wurde. Wenn ich sage "Ich arbeite gerne beim WDR und mein Blog Digitalistan ist ein Quell steter Freude", könnte VoCo daraus mühelos machen: "Mein WDR-Blog Digitalistan ist viel Arbeit". Und das wäre noch ein harmloses Beispiel. / Die Software braucht dazu rund 20 Minuten gesprochenes Material einer Person.

Es dürfte also nicht mehr allzu lange dauern, bis man nicht nur Texten, Fotos und Videos mit einer gesunden Skepsis begegnen muss, sondern auch der aufgezeichneten, individuellen und oft unverkennbaren Stimme eines bestimmten Menschen. Da eröffnen sich nicht nur diversen Spinnern, den Widerlingen der Reklame-Pest sowie der Filmindustrie ganz neue Betätigungsfelder, sondern selbstverständlich auch den Propagandamedien, der korrupten politischen Bande und natürlich den organisierten Lobbyisten des Kapitals.

Ebenfalls gehört nicht viel Fantasie dazu sich auszumalen, wohin diese Entwicklung über kurz oder lang unweigerlich führen wird: In einer komplett digitalisierten Informationswelt wird es ein Leichtes sein, jedwede Information jederzeit zu generieren, zu unterdrücken oder beliebig zu manipulieren - völlig unabhängig vom Wahrheitsgehalt.

Im kapitalistischen Katastrophensystem kann das nicht gut ausgehen. Und das ist beileibe keine Schwarzmalerei.

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Screenshot: Original und Fälschung nach drei Minuten "Arbeit"


Samstag, 12. November 2016

Soziopathische Partei Deutschlands


Ach ja, die SPD. Eigentlich mag ich gar nicht mehr über diese widerliche Partei schreiben, die nachhaltig im Enddarm des Kapitals verschwunden ist und nur noch durch gelegentliche feuchte Fürze auf sich aufmerksam macht, mittels derer ihre Ergüsse in die Welt entlassen werden. Das Nahles-Monstrum macht den Kranken, Behinderten, Armutsrentnern und Erwerbslosen Feuer unterm Hintern, der Seidenklops-Gorilla Gabriel pimpt die "Industrie" mit satten "Rabatten" beim Klimaschutz, und vor einigen Tagen wurde auf tagesschau.de das neuste AfD-Konzept zum Thema Einwanderung vorgestellt, das selbstverständlich ebenfalls von der SPD stammt:

Fachkräftemangel durch demographischen Wandel: Diesem Problem will die SPD durch ein neues Einwanderungsgesetz begegnen, das qualifizierten Fachkräften aus dem Ausland einen leichteren und schnelleren Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt verschaffen soll. / Das Konzept, das die Partei in Berlin vorstellte, orientiert sich an dem kanadischen Zuwanderungsmodell. Es schlägt vor, dass Fachkräfte, die ein Jobangebot aus Deutschland haben, sich bei einem noch zu errichtenden Internetportal registrieren lassen. Dort werden unterschiedliche Kriterien abgefragt und mit Punkten bewertet: berufliche Qualifikation, Sprachkenntnisse, Jobangebot und ähnliches.

Wie gewohnt wird hier das lächerliche Märchen vom "Fachkräftemangel" aufgrund des "demographischen Wandels" bemüht, um einen widerwärtigen, rassistischen Plan in die Tat umzusetzen, in dem Menschen nach ihrer industriellen "Verwertbarkeit" in verschiedene "Klassen" eingeteilt werden. Mit anderen Worten: Wer sich willig für einen Appel und ein Ei ausbeuten lassen möchte, ist laut diesem geplanten Gesetz vielleicht willkommen in Deutschland, alle anderen können der SPD mal gepflegt den Buckel herunterrutschen und sollen bleiben, wo der Pfeffer wächst. Das ist ehrliche, gelebte Sozialdemokratie in Deutschland 2016.

Selbstverständlich ist der rechtsradikalen CSU dieses Konzept nicht menschenfeindlich genug: "Denn der Koalitionspartner CSU hat soeben ein Grundsatzprogramm verabschiedet, das deutlich schärfere Kriterien bei der Zuwanderung vorsieht. / So will die CSU auch 'die Nähe zum Kulturkreis' berücksichtigen." - Ich bin aber sicher, dass die Partner in der Großen Kotzkoalition zu einer Einigung kommen werden - irgendwie werden sie es auch weiterhin schaffen, das stetig wachsende Heer der "Freigesetzten" mit weiterer Konkurrenz zu versorgen. Dass es auch in dieser Geschichte nicht einmal im Ansatz um das Wohlergehen der Menschen - mit und ohne deutschen Pass - geht, hat inzwischen wohl jeder halbwegs Intelligente bemerkt - vielleicht mit Ausnahme der Kuhjournalisten von tagesschau & Co.

Sie wollen Menschen mittels eines "Punktesystems" bewerten! Klassifizieren! Für die Industrie! Und so etwas verkaufen diese Widerlinge allen Ernstes als "neues Einwanderungsgesetz"?!? - Vielleicht ist das auch eine gute, neue SPD-Strategie für den behördlichen Hartz-Terror im Inland: Wer zukünftig devot und fleißig Ärsche in den Amtsstuben leckt, erhält Punkte und ein wenig mehr Geld - wer sich aber komplett weigert, wird flugs in die "Freiheit" der Obdachlosigkeit und des Verhungerns entlassen.

Dieser endlose Albtraum ist nicht mehr auszuhalten.

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Update 12.11.16: Nach einem Hinweis des Altautonomen ist zu ergänzen: Am vergangenen Mittwoch, als Medien und Öffentlichkeit wie irre Lemminge in Richtung Washington starrten, hat die korrupte Bande in Berlin Nägel mit Köpfen gemacht. In der Süddeutschen war zu lesen:

Die Abgeordneten des Bundestages haben sich am Mittwoch nach intensiver Debatte dafür ausgesprochen, dass Demenzkranke und andere, die nicht mehr einwilligungsfähig sind, in Zukunft auch dann an Arzneimitteltests teilnehmen können, wenn die Studienteilnahme ihnen selbst keinen Nutzen in Aussicht stellt. Dabei sollen zwei wesentliche Voraussetzungen erfüllt sein: Zum einen muss die betroffene Person ihren Willen einer Studienteilnahme noch in geistig gesundem Zustand abgegeben haben und zudem von einem Arzt zwingend über die möglichen Risiken aufgeklärt worden sein. Die Reform geht auf die Initiative von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zurück.

Die Bande hätte sich keinen günstigeren Zeitpunkt aussuchen können: Die Kakophonie der Trump-Hysterie hat erfolgreich gewirkt und fast niemand hat diesen eklatanten Dammbruch zur Kenntnis genommen. Geplant war das indes schon länger - allerdings ist auch dies im allgemeinen präfaschistischen Rauschen unserer zerbröckelnden Zeit weitgehend untergegangen.

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Der Mensch ist gut



(Aquarell von George Grosz [1893-1959] aus dem Jahr 1919, in: "Ecce Homo", Malik 1923; Verbleib des Originals unbekannt)

Donnerstag, 10. November 2016

Triumph des Todes


Gestern ist ein Sack Reis auf der anderen Seite der Welt umgefallen. Die Reis-Presse hierzulande berichtet seit Wochen und Monaten über das wundersame, vorhersehbare Ereignis und überschlägt sich nun in propagandistischen, epischen Romanen, wieso dieser Sackfall trotz aller gegenteiliger Propaganda stattfinden konnte und welche unfassbaren Auswirkungen das nun auf die Welt die herrschende "Elite" hierzulande haben könnte. Mir fault beim Lesen dieser schwachsinnigen Texte, die sich quer durch alle "Qualitätsmedien" ziehen, das Hirn weg, bis es mir endlich, endlich aus den Ohren tropft.

Der umgefallene Sack Reis beschäftigt aber selbstverständlich nicht nur die Propagandapresse - auch in Kleinbloggersdorf herrscht helle Aufregung. Selbst Alpha-Tiere wie flatter und der Kiezneurotiker haben - neben den üblichen Verdächtigen aus der "Spiegelfechter"- und "Nachdenkseiten"-Fraktion, Jens Berger und dessen Stiefelknecht Wellbrock - in die Vollen gehauen und dieses überaus bedeutungslose Ereignis wort-, aber wenig sinnreich kommentiert, während ich mir genüsslich flüchtend Gustav Mahlers dritte Sinfonie zu Gemüte führte.

Nach dem Folter-, Mord- und Kriegspräsidenten Obama wird nun also der Milliardär Trump die nächste Führermarionette des "freiesten Landes der Welt", und nicht der Horror-Clown Hillary Clinton. Das ist eine Nachricht, die in Sachen Relevanz irgendwo zwischen "Neue Kehrmaschinen für die Münchner Innenstadt angeschafft" und "Taubenzuchtverein Gelsenkirchen meldet Rekordnachwuchs" angesiedelt ist. Was treibt Menschen, die nicht zum Propagandapersonal der kapitalistischen Mafia gehören, dazu, sich zu solch einem Kasperletheater zu äußern? Ich habe es ja gewagt und mir beim "Spiegelfechter" (sowohl zu Bergers, als auch zu Wellbrocks Text) die Kommentare durchgelesen - und es ist ein Wunder, dass mein Schädel noch nicht explodiert ist und seinen Inhalt über weite Teile meines Umfeldes verteilt hat. Es ist eine eiserne Regel: Immer dann, wenn ich zu der fatalistischen Meinung gelange, dass Menschen nicht mehr dümmer werden können, muss ich bloß die Kommentare beim "Spiegelfechter" lesen, um mich selbst ad absurdum zu führen. In diesem Falle betrifft das fast ausnahmslos alle - mit besonderer Berücksichtigung der Sanders-Fans, denn dieser "linke" Messias hätte selbstredend den dystopischen Katastrophenkurs des Kapitalismus geändert. Sicher. Ganz sicher. So sicher wie Schröder, Hollande oder Tsipras.

Ich frage mich zunehmend, ob es in dieser Welt überhaupt noch Reste von menschlicher Intelligenz gibt, die das völlig absurde Wahltheater der Pseudodemokratie, das in den USA längst zur nicht mehr zu übertreffenden Meisterklasse perfektioniert wurde, auch als solches erkennt und bewertet. Ich muss wohl nun auch einmal populistisch werden und frank und frei behaupten: Es ist völlig unerheblich, welche Horrorgestalt da nun ins "Weiße Haus" einzieht, denn das Ergebnis wird stets dasselbe sein. Ob Grusel-Clown-Clinton oder Zombie-Donald - diese Frage ist so wichtig wie das neuste Kostüm von Lady Gaga. - Da schreit die Mainstream-Presse, da schreien die "linken" Parteisoldaten, da schreien sogar manche linke Blogger ... denn nicht jeder umfallende Sack Reis ist gleich: manche sind wesentlich gleicher, gelle.

It's capitalism, stupid!

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Triumph des Todes



(Gemälde von Felix Nussbaum [1904-1944] aus den Jahren 1941-44, Öl auf Leinwand, Felix-Nussbaum-Haus, Osnabrück. - Dieses Gemälde, das in seiner Darstellung an einen mittelalterlichen Totentanz erinnert, ist das letzte bekannte Werk des Malers. Ein abgerissenes Kalenderblatt am rechten Bildrand gewährt Aufschluss über den Zeitpunkt der Fertigstellung: der 18. April 1944. Nur wenige Wochen später, am 20. Juni 1944, wurden Nussbaum und seine Ehefrau, die Malerin Felka Platek, nach einer gezielten Denunziation von der Wehrmacht verhaftet und kurze Zeit später in Auschwitz ermordet.)

Musik des Tages: Sinfonie Nr. 3




  1. Kräftig. Entschieden
  2. Tempo di Menuetto. Sehr mäßig
  3. Comodo. Scherzando
  4. Sehr langsam. Misterioso
  5. Lustig im Tempo und keck im Ausdruck
  6. Adagio

(Gustav Mahler [1860-1911]: "Sinfonie Nr. 3" in d-moll aus den Jahren 1892-96; Lucerne Festival Orchestra; Women of the Arnold Schönberg Choir; Vienna Tölz Boys Choir; Altsolo: Anna Larsson; Leitung: Claudio Abbado, 2007)

Mittwoch, 9. November 2016

Zitat des Tages: Der Mahner


Wo bleibt ihr nur, Genossen meiner Zeit?
Ich schau zurück und kann euch kaum noch sehn.
Ein wirres Stimmentosen hör ich weit,
weit hinter mir und kann es nicht verstehn.

Ich ruf euch zu, doch euerm Echo fehlt
der Laut, der rein aus meiner Stimme klingt.
Ich wink euch her. Doch ihr, wie unbeseelt,
horcht tauben Ohrs, ob euch ein Stummer singt.

Vergebne Zeichen! Aus den Zähnen pfeift
misstönig euer ärgerlicher Spott.
Kommt nie die Zeit, da ihr die Zeit begreift?
Tritt nie aus finstern Kirchen euer Gott?

(Erich Mühsam [1878-1934], in: "Wüste - Krater - Wolken", Paul Cassirer 1914)




Dienstag, 8. November 2016

Antikommunistische Propaganda in einer kommunismusfreien Zeit


Ich bin im Laufe meines Lebens sehr gerne und sehr viel verreist. Es hat mich schon immer in die "weite Welt" gezogen, und ich durfte schon in jungen Jahren weite Teile von Europa kennen lernen. Später folgten der nahe Osten, Teile von Afrika und Südamerika, und in ganz besonderer Erinnerung wird mir stets die lange Reise mit der transsibirischen Eisenbahn bleiben, die mich von Moskau bis in die weit entlegenen Gebiete des nordöstlichen Russlands geführt hat. Darüber ließe sich ein ganzes Buch schreiben.

Entsprechend gerne lese ich hin und wieder Reiseberichte oder Reiseempfehlungen, die ich im Internet finde. So stieß ich kürzlich auf einen n-tv-Artikel, in dem eine Dame ihre Erlebnisse in Moskau beschrieb - und musste gleich mehrmals schlucken, als ich den folgenden Absatz las:

Wer auch einmal abseits der touristischen Orte links und rechts schaut, der erkennt in Moskau aber nicht nur Prunk und Luxus. Auch Armut ist an vielen Ecken sichtbar - hochschwangere Frauen betteln am Wegesrand, alte Mütterchen verkaufen Pilze und Gemüse, um ein paar Rubel einzunehmen. Sie sitzen direkt auf der Straße neben den Metrostationen. Nur wenige Kilometer vom Prachtzentrum scheint die Zeit im Kommunismus stehen geblieben zu sein, zumindest im manchen Teilen der Region Moskau. Verarmte Gegenden, Betonklötze, die man nur als ziemlich hässlich beschreiben kann. Sie stehen im krassen Gegensatz zur Schönheit, die Moskau an vielen Stellen bietet.

"Beim Barte des Propheten!", dachte ich mir - und fragte mich, ob die Dame entsprechende Passagen wohl auch über New York, Seattle, Paris, Madrid oder Essen geschrieben hätte? Denn dort gibt es selbstverständlich auch Armuts- oder gar Obdachlosenviertel, in denen Menschen tagtäglich ums pure Überleben kämpfen müssen, während ein paar Straßenzüge nebenan der architektonische Prunk vergangener Jahrhunderte zu bestaunen ist und gut situierte BürgerInnen im perversen Konsumrausch zombiegleich durch die kapitalistischen Glitzerfassaden schwanken. Wie kommt die Dame darauf, in Moskau sei der seit vielen Jahren abgeschaffte "Kommunismus" (den es ohnehin nie wirklich gab) daran schuld, während in New York - streng nach der neoliberalen Glaubenslehre - die betroffenen Menschen selbst schuld an ihrem Los und am Zerfall ihrer Stadtviertel seien?

Man kann in diesem propagandistisch verseuchten Land nicht einmal mehr einen albernen Reisebericht lesen, ohne immer und immer wieder auf dieselben antikommunistischen Dogmen zu treffen. Es wird nicht einmal mehr hinterfragt, ob das "alte Mütterchen" oder die "hochschwangere Frau" (*oh, diese Schmerzen!*), die da in emotionaler, eindimensionaler Hollywood-Manier bemüht werden, im Kommunismus vielleicht doch etwas besser gestellt gewesen wären - und ob nicht viel eher der menschenfressende Kapitalismus als Ursache für deren heutiges Elend zu benennen sei.

Solche Fragen stellt man im Propagandistan der kapitalistischen Heilslehre nicht.


(Obdachloser in einer New Yorker "Metro-Station")

Montag, 7. November 2016

Der Stahlpenis: Die CSU und die "Härte"


Von rechtsradikalen Gruppierungen ist man rhetorisches Geblubber vom "Durchgreifen" und von der "Härte" ja gewohnt, das gehört zum schlechten Ton in dieser muffigen, unschönen Gesellschaft. Keiner aber beherrscht dieses Szenario so perfekt wie die widerlichen Gestalten von der CSU, die stets den ganz großen Knüppel zu schwingen versuchen und sich für Ursachenforschung oder gar -bekämpfung nicht die Bohne interessieren.

Das BILDblog hat sich mal die Mühe gemacht, einige der diesbezüglichen Forderungen aus der bayerischen Enklave der christlich-sozialen Nächstenliebe nur der vergangenen Wochen [sic!] zu dokumentieren. Ich zitiere hier nur die Überschriften - die Screenshots und entsprechenden Links findet man drüben:

  • Innenminister Herrmann: Hart gegen Grusel-Clowns vorgehen
  • Bayerischer Innenminister Herrmann: Stärker gegen Reichsbürger vorgehen
  • Bayern will härter gegen Sexualstraftäter vorgehen
  • Bayern will härter gegen Internetkriminalität vorgehen
  • Herrmann plant härteres Vorgehen gegen Grenzkriminalität
  • Innenminister Herrmann fordert mehr Härte gegen "Wirtschaftsflüchtlinge"
  • Bayerns Innenminister Herrmann fordert ein härteres Vorgehen gegen islamistische Gefährder

So unsäglich hart ist die CSU - und leider muss man auch nicht "Herr Mann" heißen, um einen solchen grotesken Bullshit in steter Impertinenz abzusondern; bei der CSU dürfte dies sogar eine "Frau Dame" tun, ohne sonderlich aufzufallen. Bei einem "Herrn Dame" oder einer "Frau Mann" sähe das freilich wieder ganz anders aus, denn mit solchem Teufelszeug will man in christlich-sozialen Kreisen nichts zu tun haben. Da reckt man den erigierten, deutschen Penis lieber in Richtung bekannter und wie gewohnt falscher Feindbilder - die faschistoiden Ausfälle der CSU gegen angebliche "Sozialschmarotzer" sind hoffentlich noch allen in schauriger Erinnerung.

Leider ist die CSU auf ihrem Härte-Contest keineswegs alleine unterwegs - die üblichen Verdächtigen von CDU, SPD, FDP, AfD, den Grünen und der Linkspartei mischen fleißig mit und bekräftigen einmal mehr die alte Regel: Je härter der imaginierte Penis, desto weicher die Hirnmasse. Inzwischen dürfte dieses bedauernswerte, völlig überschätzte Kopforgan in weiten Parteikreisen längst dünnflüssig sein und sich damit nachhaltig verflüchtigt haben. Man kann die Welt ohne Beteiligung des Gehirnes schließlich noch viel besser in den Abgrund stürzen und dabei noch Spaß haben.

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Auf der Suche nach dem Symbol des 20. Jahrhunderts



(Gemälde von Jiří Georg Dokoupil [*1954] aus dem Jahr 1983, Dispersion auf Nessel, Privatbesitz [sic!], Köln. - Wir sehen hier unter anderem: Einen geflügelten, allzu krummen Penis sowie eine Knochenhand, die weit entfernt aus einer Vagina in die düstere Szene ragt - aber das nur am Rande. Ich möchte lieber gar nicht wissen, in welcher privaten Sammlung irgendeines obszönen, perversen Superreichen dieses Bild gelandet ist.)

Freitag, 4. November 2016

Die "Lilis": Linksliberale und Kapitalismus - eine glühende Liebesgeschichte


"Liberal heißt im liberalen Sinne nicht nur liberal!" (Loriot)

Ein Gastbeitrag des Altautonomen

Nicht alles an der Agenda 2010 war schlecht. Aber es gibt zentrale Elemente, die den sozialen Zusammenhalt in Deutschland zerstört oder gefährdet haben, und da muss man ran. Die ganze prekäre Beschäftigung, das demütigende Hartz-System zum Beispiel. Hier sind Veränderungen dringend nötig.

(Dietmar Bartsch im Interview mit rp-online vom 28.10.2016)

Es ist nicht irgendein Hinterbänkler oder namenloses MdB aus der Provinz, der so etwas sagt, sondern der von der Basis auf den Schild gehobene Fraktionsvorsitzende der Partei DIE LINKE im Bundestag, der den Startschuss gibt für den Run auf die Futtertröge unter Aufgabe von bisher als "unverhandelbar" deklarierten Programmeckpfeilern. "Hartz IV" abzuschaffen, ist schließlich nicht mehr en vouge, wenn man sich inszestuös mit dessen Eltern ins Bett zu legen gedenkt. Mit "Veränderungen" könnte Bartsch höchstens den Verzicht auf Sanktionen meinen. Von der SPD und den Grünen ist allerdings nicht zu erwarten, dass sie es sich mit den Gönnern, Protegees und Lobbyisten, die sie bisher üppigst bedient haben, plötzlich wieder verscherzen.

Eitelkeit korrumpiert und führt nicht selten auch zum Positionswechsel

Was sich bei Bartsch verbal zugespitzt herauskristallisiert, ist die Einlösung der Tickets vieler Reform- und anderer Halblinker, auf diesen langsam anrollenden Zug "heim ins System" aufspringen zu dürfen. Wer sich als Publizist, Taschenträger, Schulterklopfer, Plakatekleber, Flugblattverteiler und fleißiger Blogger geschmeidig bei den Parteihäuptlingen anbiederte, sich entsprechend hartnäckig als pseudo-konstruktiver Kritiker des Systems oder als „schwerdenkender Parteisympathisant“ und Klugscheißer profilierte, hofft nun offenbar, dass mit dem sich intensivierenden, verlockenden Duft künftiger Diäten in einer rot-rot-grünen Koalition das Ende der eigenen Bedeutungslosigkeit und materiellen Zwangsbescheidenheit naht.

Schließlich haben linksliberale Schleimer ("Lilis") doch schon immer zu beweisen versucht, dass das kapitalistische System nicht abgeschafft werden könne, und sich gleichzeitig stets von all denjenigen dogmatisch distanziert, die bürgerliche Konservative als politisch pseudolinke Schmuddelkinder definierten: Antifa, Autonome, Anarchisten, Veganer, Feministen, Anarchisten und undogmatische radikale Linke. Völlig anders und damit nicht zu vergleichen ist ihr Umgang mit "Querfrontlern" aller Richtungen: Berührungsängste mit prominenten Vertretern diverser rechtsdrehender Grüppchen kennen sie nicht, da es angeblich so viele inhaltliche Übereinstimmungen (nicht aber mit den radikalen Linken) gebe. Beispielsweise halten sich einige Blogger offenkundig für tolerant und liberal, wenn sie auf ihren Plattformen Videos und Texte von Interviews mit Rechtspopulisten oder deren öffentlichen Reden publizieren.

Dieses Liebäugeln mit rechtspopulistischen Strömungen und die penetrante Tendenz, die Unterschiede zwischen Rechts und Links aufzuheben, zielen somit in Richtung "Querfront". Kritiker dieser unheilvollen Allianzen werden als "Spalter" und Zyniker diffamiert.

Reformistische Träume oder doch nur schnödes Eigeninteresse?

Hierarchische Verhältnisse, strukturelle Gewalt, repressive Intoleranz und das Gewaltmonopol des Staates werden von solchen "Lilis" nicht infrage gestellt, sondern als naturgegeben und verfassungskonform angebetet. Sie vergöttern die parlamentarische Demokratie als Ausdruck des Mehrheitswillens der Wählerschaft, sehen in den Gewerkschaften ein reformistisches Potenzial und träumen von der Übernahme des Staates "auf legalem Wege" anstelle sozialer Kämpfe. Die protestantische Arbeitsethik nebst der damit verbundenen Unfreiheit, Abhängigkeit und Ausbeutung ist für "Lilis" so etwas wie ein Naturgesetz. Ihre Vorstellungen vom "ökologischen und sozialen Gleichgewicht" entsprechen daher Ihrer Forderung nach "gerechter Umverteilung" statt rigoroser Enteignung (Abschaffung des privaten Eigentums an Produktionsmitteln) bzw. sozialer Revolution (Generalstreik).

Dem unvermeidlichen Vorwurf des Opportunismus' begegnen solche Leute reflexhaft mit dem Gegenvorwurf eines angeblichen Dogmatismus' der linken Kritiker, indem sie diese überheblich-spöttisch wahlweise als Vertreter der "reinen Lehre" oder als "die wahren Linken" verhöhnen. Ihre systemkonforme Liberalität mit pseudolinkem Feigenblatt bedeutet jedoch nichts anderes als dass sich diese Leute mit den Herrschenden über den Typus und die Anzahl der Opfer Ihrer "Reformen" endlich einigen möchten. Wer den unbändigen Willen der "Lilis" zur Macht bezweifelt, kann sich anhand exemplarischer Statements, Publikationen und nicht zuletzt auch Bloggertexte der letzten Zeit davon überzeugen. Diese Behauptung hier und jetzt zu dokumentieren, möchte ich mir wegen der zu erwartenden Kommentare einiger argumentationsbefreiter und kritikresistenter Leser meiner Texte ersparen.

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Anmerkung von Charlie: Es ist sehr schade, dass der Altautonome hier ganz bewusst auf die Nennung von Namen und illustrierenden Beispielen verzichtet. Mir fallen da auf Anhieb gleich reihenweise Hohlköpfe, Opportunisten, Schulterklopfer, Dampfplauderer, Papageien, esoterische Spinner und selbstverständlich ganze Legionen korrupter PolitikerInnen von der kommunalen bis zur Bundesebene ein, die man hier benennen könnte bzw. müsste - aber selbstverständlich respektiere ich die Entscheidung des Gastautors und halte mich hier entsprechend zurück.

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Lokalpolitiker



(Gemälde von George Caleb Bingham [1811-1879] aus dem Jahr 1849: "Country Politician", Öl auf Leinwand, Fine Arts Museum of San Francisco, USA.)

Mittwoch, 2. November 2016

Song des Tages: Illisit (This is a Criminal Age)




A police state invents you
Give me your name
Your birth reconnects you
To a number and age
To see through the mountain
Master and serv'
A failed-state connects us

This is a criminal age
(Your age!)

The threat aside us
Blow-back reblame
So we are the suspect
Again and again
A terrorist is suspect
A terrorist is blamed
We're the receivers
Living in a game

This is a criminal age
(Your age!)



(Skinny Puppy: "Illisit", aus dem Album "Weapon", 2013)

Anmerkung: Wer nach dem Anschauen dieses Clips sein Dumpf-Phone noch immer nicht unverzüglich zerstört oder in den Tiefen des Atlantiks versenkt, ist selber schuld - auch wenn die nächste Generation der kapitalistischen Überwachungsschergen schon mit gezogenen Waffen an der Pforte wartet.

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"Shall we further go down the SocioPath?"


(Bild: Skinny Puppy)

Montag, 31. Oktober 2016

SPD/CSU: Menschenfreunde in Aktion


Die asoziale "Sozialministerin" Andrea Nahles (SPD) ist aktuell darum bemüht, sich in populistischem, wirkungslosem Aktionismus gegen die auch von ihrer Partei herbeigesehnte und in langer Lobby-Arbeit minutiös herbeigeführte Altersarmut zu ergehen. Die olle Schrapnelle geht dabei nach dem gewohnten, kapitalistischen Muster der korrupten Bande vor: Zuerst fluten sie bewusst die Sandburg, um im nächsten Schritt lauthals deren folglich unvermeidbare Zerstörung zu bejammern und im gleichen Atemzug die Zerstörung voller Zynismus zu zementieren und auszubauen. Im Fall der Armutsrente, die unterhalb des Sozialhilfeniveaus liegt und Millionen von Menschen in diesem Land zunehmend betrifft, klingt das dann beispielsweise so:

Die Bundesregierung hat laut einem Zeitungsbericht die Bürger vor unzureichender eigener Altersvorsorge gewarnt. Das Versorgungsniveau der künftigen Rentner werde "ohne zusätzliche Altersvorsorge in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen", zitiert die Süddeutsche Zeitung aus dem ihr vorliegenden Alterssicherungsbericht 2016. Ein erhebliches Risiko bestehe vor allem für Geringverdiener. "Wird in diesem Einkommensbereich nicht zusätzlich für das Alter vorgesorgt, steigt das Risiko der Bedürftigkeit im Alter stark an", heißt es in der Regierungsanalyse.

Diese hochwissenschaftliche Analyse ist selbstverständlich ein massiver Anreiz für die Betroffenen, ab sofort mindestens 1.000 Euro monatlich auf die Seite zu legen, damit die bittere, drohende Altersarmut doch noch abgewendet werden kann. Ich mache das auch so, seit ich diesen äußerst wichtigen Hinweis unserer lieben Bundesregierung gelesen habe. Wo landete ich im Rentenalter bloß, wenn diese hellsichtigen Menschenfreunde mich nicht darauf aufmerksam gemacht hätten! Danke!

Nun wäre die korrupte Bande aber nicht konsequent, wenn sie ausschließlich die Alten und jene, die es bald sein werden, bis aufs Hemd ausplündert - zur Füllung der Geldspeicher der "Elite" müssen schließlich alle beitragen, und ganz besonders eben jene, die ohnehin nichts oder nur sehr wenig haben. Das werden sich auch Andrea Nahles und ihre widerlichen KumpanInnen aus dem Ministerium zur Förderung des Faschismus' gedacht haben, als sie vor einigen Wochen einige Ausländer-Babys brieten und verspeisten und sodann beschlossen haben:

Die Bundesregierung will Ausländer aus anderen Staaten der Europäischen Union (EU) für fünf Jahre von Hartz-IV-Leistungen und Sozialhilfe ausschließen, wenn sie in Deutschland noch nie gearbeitet haben. Einen entsprechenden Gesetzentwurf von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) brachte das Kabinett nach Angaben von Teilnehmern auf den Weg. (...) / In dem Gesetzentwurf heißt es, arbeitslose EU-Ausländer könnten aber für die Dauer von einem Monat einmalige Überbrückungsleistungen etwa für Essen und Unterkunft erhalten. Zudem könnten sie für die Rückreisekosten in ihr Heimatland ein Darlehen bekommen.

Hier sprühen die Menschenfreundlichkeit und der europäische Solidaritätsgedanke förmlich aus jeder Silbe. Eine solche Regelung, die nicht nur dem Grundgesetz, sondern auch jedem ernstzunehmenden europäischen "Unionsrecht" widerspricht, kann in guter, alter Schröder-Tradition selbstverständlich nur aus einem SPD-Ministerium kommen - und erntet, ebenfalls wie immer, besonders lauten Applaus von ganz rechts außen: "Bundessozialministerin Andrea Nahles bekommt für ihre Pläne zur Begrenzung von Sozialleistungen für EU-Ausländer Lob von der CSU."

Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang wieder einmal der hirnzersetzende Begriff "EU-Ausländer", der ähnlich sinnvoll ist wie "Bundesrepublik-Ausländer", wenn es um Menschen aus Bayern geht, die beispielsweise in Niedersachsen durch Krankheit, Alter oder Arbeitslosigkeit hilfebedürftig werden. Sollen die doch erstmal fünf Jahre [sic!] unter der Brücke oder illegal im Wald oder auf der Müllkippe hausen, bevor sie auch in den "Genuss" des überwachenden staatlichen Hartz-Terror-Almosens kommen - oder aber in ihre christlich-soziale Alpenenklave zurückkehren!

Ja, die Willkommenskultur ist in diesem furchtbaren Land des Vorzeige-Kapitalismus mindestens ebenso legendär wie die Menschenfreundlichkeit und die Solidarität. Mir quillt die kalte Kotze durch die längst säuregeschädigte Speiseröhre nach oben, wenn ich mir ausmale, in welchen schwelenden, erbärmlichen Ruinen meine Kinder in wenigen Jahren vegetieren müssen, wenn diese zerstörerische Brut nicht endlich, endlich aufgehalten wird.

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Das Frieren



(Kreidelithografie von Walter Gramatté [1897-1929] aus dem Jahr 1917, unbekannter Verbleib)

Samstag, 29. Oktober 2016

Buchempfehlung: Kryptozoikum


Die literarische Reise, die ich heute wärmstens empfehlen möchte, ist eine wahrhaft psychedelische: Der Roman "Kryptozoikum" des britischen Autors Brian W. Aldiss verlangt dem in bewusstseinserweiternder Hinsicht unbedarften Leser eine Menge ab, da er nicht nur ein höchst fantastisches Thema behandelt, sondern dieses auch sprachlich entsprechend schillernd illustriert. Das Buch gilt heute als "Meilenstein" der Science-Fiction-Literatur, ist aber gleichwohl für heutige, oft eher schlichte Lesebedürfnisse ein eher sperriges Werk, mit dem "Space Opera"-Fans vermutlich nichts anfangen können. Ich zitiere aus dem Klappentext der deutschen Erstausgabe:

Ed Bush ist ein Künstler, und er malt in seinen visionären Bildern die unberührten Landschaften längst vergangener Epochen. Die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts stempelt ihn als Geisteskranken ab. Doch er hat die Wahrheit gesehen - dass die Zeit in Wirklichkeit rückwärts fließt, so dass die Vergangenheit zur Zukunft wird, die Zukunft zur Vergangenheit. Und dass das ferne Ziel der Menschheit an ihrem Anfang liegt: dem Anbeginn des Kryptozoikums.

Diese für einen deutschen Billig-Verlag wie "Bastei Lübbe" schon damals typische Zusammenfassung im reißerisch-oberflächlichen Stil charakterisiert dieses literarische Juwel nur äußerst unzureichend. Dem Roman liegt die auch heute noch als eine von mehreren kosmologischen Thesen zur Entstehung und Entwicklung des Universums formulierte Annahme zugrunde, nach der das Universum nach einer langen Zeit der Expansion sich irgendwann wieder zusammenzuziehen beginnt, um schließlich im "umgekehrten Urknall" zu enden (und danach eventuell wieder neu zu beginnen), die "geschlossenes Universum" genannt wird (im Gegensatz zum "offenen Universum", das sich bis zum letztendlichen Erlöschen aller Sterne bis in alle Ewigkeit weiter ausdehnt). Aldiss überträgt diese These auf die kosmologische Komponente der (Raum-)Zeit und schafft so ein bizarres, überaus lesenswertes erzählerisches Szenario, das den Blick auf so manches Detail unserer heutigen, nicht minder bizarren Realität schärft.

Dazu ein kleiner Auszug aus dem Prolog des Buches:

Sie lagen in sinnlosen Haufen herum, und doch wie nach einem unbekannten, schrecklichen Plan, der auf die ungeheuren Kräfte schließen ließ, die sie dorthin geschleudert hatten. Diese Gebilde schienen zwischen organischer und unorganischer Materie die Mitte zu halten. Sie wucherten an den Rändern der Zeit und verkörperten all jene seltsamen Formen, welche die Erde erstmals tragen sollte; hier träumte die Erde einen Albtraum von der Brut, die sich einstmals über sie verbreiten würde. / Es waren kopromorphe Bildungen, sie erinnerten an Elefanten, Robben, Diplodoken, seltsame Squamaten und Sauropoden, Holzläuse, Flusspferde ... an lebendige und tote. Es tauchte auch manches auf, was von fernher an die menschliche Physis anklang: Torsi, Schenkel, geschwungene Lenden, Rücken, Brüste, Andeutungen von Händen und Fingern, massige Schultern, phallische Formen, alles unterscheidbar und doch vermischt mit den seltsamen Anatomien dieser geisterhaften Wehen der Natur, und alles seelenlos, erinnerungslos aus jenem grauen Ton geknetet, ohne einen Gedanken an Vergänglichkeit. / Sie erstreckten sich, soweit das Auge reichte, aufeinandergetürmt, als wollten sie das ganze Kryptozoikum füllen ... oder als seien sie die unheimlichen Vorschattungen von etwas, das da kommen wird - und gleichzeitig die Nachbilder von etwas sehr lange Vergangenem.

Wer sich auf diesen sagenhaften Roman, der inzwischen in mannigfaltigen Ausgaben und Verlagen erschienen ist, einlässt, braucht starke Nerven, ein sprühend fantasiefähiges Gehirn und ausreichend Ruhe, um das Gelesene zu reflektieren. Ich kann diese trotzdem gar nicht schwierige Reise, die zudem ein äußerst überraschendes Ende bereithält, nur dringend empfehlen.



(Brian Wilson Aldiss [*1925]: "Kryptozoikum", 1967; dt. Bastei Lübbe 1976)

Freitag, 28. Oktober 2016

Musik des Tages: Prism Rhapsody




(Keiko Abe [*1937]: "Prism Rhapsody" für Marimbafon und Orchester; Marimbafon: Martin Grubinger; Frankfurt Radio Symphony Orchestra, Leitung: Vasily Petrenko, 2016)

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Westliche Werte: Folter und Abschreckung


Es gibt wieder einmal ein wundervolles Beispiel für die "freiheitlich-demokratischen Werte des Westens", diesmal aus dem fernen Australien: Die dort herrschende kapitalistische Bande der Menschenfeinde, die sich in nichts von den korrupten Widerlingen in Europa oder Nordamerika unterscheidet, hat es sogar bis in den aktuellen Bericht von Amnesty International gebracht, in dem die Organisation befindet:

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft der australischen Regierung die Folter von Flüchtlingen und Asylsuchenden vor. Im Flüchtlingslager im pazifischen Inselstaat Nauru, das Australien betreibt, seien Menschenrechtsverletzungen, Missbrauch und Selbstverletzungen an der Tagesordnung, heißt es in einem Untersuchungsbericht von Amnesty International. Der menschenunwürdige Umgang mit den rund 400 auf Nauru eingesperrten Menschen erfülle auch nach internationalem Recht den Tatbestand der Folter.

Wie auch in Deutschland, Ungarn, Italien, Frankreich etc. pp. hat man auch in Australien natürlich einen triftigen Grund, Flüchtlingen nicht etwa umfassend zu helfen, sondern ihnen unentwegt in die Fresse zu treten:

Die Internierten litten unter physischer Gewalt und sexuellen Übergriffen. Häufig verletzten sie sich aus Verzweiflung selbst, berichtet Amnesty. Viele Gefangene seien erst auf Nauru psychisch erkrankt. Zudem sei die medizinische Versorgung unzureichend, und Kinder würden nicht ausreichend vor Missbrauch geschützt. (...) / Neistat wirft der australischen Regierung vor, sie betreibe auf Nauru ein "Freiluftgefängnis", mit dem Ziel, so viel Leid anzurichten, dass es die Menschen abschrecke, Schutz in Australien zu suchen. / Australiens Regierung will mit dem Lager außerhalb des eigenen Territoriums die Zuwanderung von Migranten kontrollieren und Flüchtlinge von gefährlichen Überseefahrten abhalten.

Damit befindet sich Australien auf demselben argumentativen Gülle-Niveau wie verbrecherische Gestalten wie Viktor Orbán, Horst Seehofer oder Thomas de Maizière, um nur eine kleine Auswahl der scheinheiligen westlichen Werte-Prediger zu benennen. An Widerwärtigkeit ist das kaum mehr zu überbieten - das schaffen allenfalls noch offen bekennende Faschisten, die sich nicht mehr auf die Schimäre eines nicht vorhandenen Wertesystems, sondern nur noch auf erklärte Menschenfeindlichkeit und puren Egoismus berufen. Es dauert gewiss nicht mehr lange, bis auch die letzten Reste der vergammelten Fassaden der "freiheitlichen Demokratien" im kapitalistischen Sumpf der Hab- und Machtgier untergegangen sind.

Dieser Planet und insbesondere seine selbsternannte "Krone der Schöpfung" haben den Dunstkreis der frühesten Steinzeit offenkundig nie verlassen und dümpeln weiterhin auf demselben faschistoiden Level herum, der schon in der Tierwelt seit jeher vorherrscht: Der Stärkste frisst zuerst, bis er satt ist - erst danach dürfen, wenn noch etwas übrig ist, auch Niederrangige ihren Hunger stillen. Allerdings hat der kapitalistische Mensch dieses überaus perverse Naturprinzip noch stark verfeinert, denn bei den Menschen fressen die Stärksten nicht mehr nur, bis sie satt sind, sondern schaffen den Rest der Beute habgierig in den heimischen Geldspeicher, bis der aus allen Nähten platzt - und der Rest der Sippe muss sich um die Krumen und sehnigen Brocken bekriegen, die eventuell übrig bleiben. Insofern ist die heutige Welt sogar hinter die frühe Steinzeit zurückgefallen.

Aber solange die korrupte Bande und die Propagandamedien das Märchen von den "westlichen, demokratischen Werten" erzählen, dürfen in Flüchtlingslagern weltweit Menschen wie Vieh behandelt und gerne auch gefoltert werden - schließlich dient das ja dem höheren Zweck der Abschreckung.

Falls es irgendwo in der näheren Umgebung unseres Sonnensystems andere intelligente Lebensformen gibt, haben die den Planeten Erde längst zu einer strikten Quarantänezone erklärt und werden Himmel und Hölle in Bewegung setzen, damit diese prä-steinzeitliche Menschheit ihren verkommenen Planeten bitte niemals verlässt. Und ich würde diese Bestrebungen nach Kräften unterstützen.

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"Ich war zufrieden - und ich bin gern SS-Mann gewesen!"



("Die SS: Totenkopf", Dokumentation von Stefan Brauburger & Friederike Dreykluft, 2002)