Was hab' ich nicht alles schon probiert: jeden Morgen die Arbeits-Annoncen studiert. Ich stehe um fünf Uhr auf, um der erste zu sein, aber nie bin ich allein.
Ich notiere schnell und laufe im Trab auch die entferntesten Stellen ab. Freilich, mein Äußeres ist nicht mehr repräsentativ - die Absätze sind schief, und jung bin ich auch nicht mehr. Mit leerem Magen fällt Haltung schwer.
Wenn ich Adressen zu schreiben bekäme, ich machte es billig. Wenn man mich wo als Ausgeher nähme, ich liefe willig.
Ich war einmal Bürochef in erster Firma und sah dazumal bessere Zeit; meine Frau stammt aus gutem Haus und heißt Irma, nun geht es ihr schlecht, und das tut mir leid.
Die wertvollen Sachen sind im Pfandhaus verfallen. Die Halsabschneider haben uns längst in den Krallen.
Zum Glück gibt das Wohlfahrtsamt jetzt Kohlen und Holz, damit unser Hunger nicht friert. Früher hätten wir uns der milden Gaben geniert, aber Not kennt keinen Stolz.
Die Buben sollten aufs Gymnasium gehn - das ist nun aus. Ich weiß nur eines bestimmt, wir sehn uns nicht mehr hinaus.
Neulich fuhr mein Abbaudirektor vorbei, er lehnte im Auto in molligen Polsterkissen. Zwischen ihm und mir steht mein christlich' Gewissen und schließlich - die Polizei.
Anmerkung: Der Zeichner Erich Schilling gehörte - ganz im Gegensatz zum Dichter Julius Zerfaß - zu den schmierigen Zeitgenossen, die nach der Übergabe der Macht an die Nazis im Jahre 1933 von ehemals "scharfen Gegnern" zu "glühenden Verehrern" der braunen Terrorbande avancierten. Ist es legitim, Werke dieses schäbigen Opportunisten aus der Zeit vor 1933 trotzdem zu würdigen - was meint Ihr? Ich bin unschlüssig.
Die Menschenwürde ist absolut. Das menschenwürdige Existenzminimum muss durch den Staat in jedem Einzelfall "stets" gewährt werden. Kürzungen des ALG-II-Anspruchs (Sanktionen) durch die Jobcenter sind verfassungswidrig. Jeder Mensch in einer existenziellen Notlage hat einen Anspruch auf ein Minimum staatlicher Leistung. Ihre Gewährung darf nicht von "Gegenleistungen" abhängen. Dies macht den Kern des Sozialstaats aus.
Anmerkung: Dieser fundierte Text stammt von ausgewiesenen Fachleuten - nämlich von einem ehemaligen Richter des Bundesgerichtshofs sowie einer Assessorin und derzeitigen Doktorandin der Rechtswissenschaften. Er beleuchtet den juristischen Hintergrund einer Frage, die auch hier in diesem Blog in laienhafter Weise (ich bin kein Jurist) bereits einige Male aufgeworfen wurde, und es ist wenig überraschend, dass auch dieser Fachtext zu demselben Ergebnis kommt: "Sanktionen" sind klar verfassungswidrig.
Es wird auch Kritik am Bundesverfassungsgericht geübt, das sich hinsichtlich dieser Thematik bisher bekannter Weise nicht zu einer klaren, eindeutigen Aussage durchringen konnte, sondern sich zumeist in eher nebulösen Andeutungen ergangen und auch in Widersprüche verstrickt hat.
Ich jedenfalls habe noch nie nachvollziehen können, wie eine als "Existenzminimum" ausgewiesene Leistung überhaupt in irgendeiner Form "sanktioniert" - also gekürzt oder sogar ganz verweigert - werden darf. So wird der Begriff "Existenzminimum" ad absurdum geführt, weil eine "Sanktion" gleichbedeutend mit der erheblichen Verkleinerung oder gänzlichen Aufhebung der Existenzberechtigung wäre. Unterhalb eines Minimums kann es per definitionem nichts geben. Ein "negatives Existenzminimum" wäre mit dem Ende der Existenz - also mit dem Tod - verbunden.
Leider werden in diesem Text viele andere Fragen, die bei diesem Thema evident sind, nicht behandelt. Die allerwichtigste scheint mir dabei die Frage nach der Höhe der Leistung zu sein, die man als "Existenzminimum" bezeichnet. Jedem Betroffenen, aber auch jedem klar denkenden anderen Menschen muss sofort klar sein, dass die Höhe des ALG II in einem so reichen Land wie Deutschland eine Farce, ein Almosen, ein äußerst übler und menschenverachtender Scherz ist. Während einige Wenige nicht mehr wissen, was sie mit ihren stetig hereinfließenden Millionen noch alles Sinnloses oder Katastrophales anstellen sollen und der Staat als Handlanger und Spucknapfhalter dieser Superreichen den großen Rest der Bevölkerung und sich selbst zunehmend verarmt, speist man Millionen von Menschen mit ein paar lausigen Abfällen ab und stellt sie gleichzeitig unter Generalverdacht und in die Abhängigkeit von einer monströsen Bürokratie, die mit einer schieren Allmacht bezüglich Überwachung, Kontrolle, Willkür und jederzeit verhängbaren "Sanktionen" ausgestattet ist.
Dieser faschistoide Wahnsinn muss endlich gestoppt werden. Die Uhr tickt, und sie tickt schnell.
Ich hoffe sehr, dass sich bald Menschen finden, die die nötige Kraft, den familiären / freundschaftlichen Rückhalt und den nötigen kompetenten juristischen Beistand haben, um die Frage nach der Verfassungswidrigkeit von "Sanktionen" und möglichst auch die dringend notwendige Korrektur bezüglich der Höhe der Leistungen höchstrichterlich klären zu lassen. Ich befürchte, dass dazu nicht mehr allzu viel Zeit bleibt.
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Dieser Zeichner jedenfalls kam zu spät - als seine Karikatur an der Zensur vorbeirutschte, war die Diktatur bereits bittere Realität:
"Gut, dass ich dich treffe, Gustav, mir fehlen gerade zwei Mark für Benzin!" - "Bedaure, die fehlen mir gerade für Schuhsohlen."
(...) Seit die hessische Landesregierung eine Universitätsklinik an einen privaten Klinikkonzern namens Rhön verkauft hat, fallen mir ganz andere Dinge ein, wenn ich den Namen Rhön höre: Haustarifvertrag, unbezahlter Sonderurlaub, Rhön-Vorstandsmitglied Christoph Straub wird Chef der Barmer Ersatzkasse (nachdem die bisherige Chefin Birgit Fischer Chef-Lobbyistin des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller wurde),
(...) Aufkauf von Kassenarztsitzen zur Gründung konzerneigener medizinischer Versorgungszentren, der hessische SPD-Sprecher Frank Steibli wird Pressesprecher des Rhön-Klinikums, verfassungswidrige Überleitungen der Arbeitsverträge, unerträgliche Arbeitshetze und unbezahlte Überstunden, bis an die Grenzen ausgedünnte Personaldecke, Schließung "unrentabler" Abteilungen, Aushilfen statt qualifiziertem Personal.
Anmerkung: CDU und FDP machen mit der schon in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begonnenen und von SPD und Grünen danach zur Perversion getriebenen Privatisierung der öffentlichen und allgemeinen Daseinsfürsorge in allen Bereichen einfach weiter - so als habe es all die katastrophalen Berichte über die für fast jeden Menschen wahrnehmbaren Auswirkungen gar nicht gegeben. Der hier verlinkte kleine Artikel aus der Frankfurter Rundschau steht nur stellvertretend für sogar in der Mainstreampresse mannigfaltige Katastrophenberichte aus allen [sic!] betroffenen Sparten.
Wie schon so viele Male zuvor muss einmal mehr das irreführende Wort "Privatisierung" relativiert werden - denn auch die in diesem Text erneut massiv kritisierte Rhön Klinikum AG ist ja nicht im Besitz irgendwelcher "Bürger", sondern gehört der Kaste der Superreichen, die auch diese AG - wie die Rechtsform schon zeigt - einzig deshalb betreibt, um damit erheblichen zusätzlichen Profit zu ergaunern. Der eigentliche Sinn und Zweck einer Klinik gerät dabei - wie immer bei solchen "Privatisierungen", die eigentlich Kapitalvermehrungschimären heißen müssten - ins Abseits. Und natürlich liegt es auf der Hand, dass dabei erhebliche Summen aus dem ehemals solidarischen Gesundheitssystem unwiderruflich in die Kassen dieser wenigen Personen abfließen.
Es war mir schon immer ein Rätsel, wieso es offenbar nicht jedem Menschen sofort klar ist, dass ein Krankenhaus nicht dasselbe ist wie ein Autohaus. Die neoliberale Bande will uns aber genau dies seit Jahrzehnten auf die verdunkelte Brille malen: Patienten in Krankenhäusern seien nichts anderes als Autokäufer, die verschiedene "Anbieter" nach dem "besten Angebot" abklappern und dabei "Schnäppchen" machen wollen, weswegen die "Anbieter" in einem "Wettbewerb" stünden ... - Lacht da vielleicht jemand? Ich tue es, wenn auch unter argen, stechenden Bauchschmerzen - denn das Groteske dieser Sichtweise, die zugleich zutiefst menschenverachtend und gesundheitsgefährdend (und oft genug auch tödlich) ist, ist kaum anders kommentierbar.
Dass dieser Privatisierungswahn, wie im Artikel angedeutet, natürlich stets mit Korruption verbunden ist, kann da nur noch Unbedarfte überraschen. Es geht dabei schließlich einzig und allein und die Profite einer kleinen Minderheit, die sich dann auch erkenntlich zeigt, wenn ihre raffgierigen Wünsche umgesetzt werden. Niemand in irgendeinem Staat dieser Welt profitiert von solchen Privatisierungen und der daraus zwangsläufig resultierenden Mehrklassenmedizin - mit Ausnahme derer, die über sehr viel Geld verfügen.
Wundern darf sich darüber allerdings auch niemand, denn genau dies ist das Prinzip des Kapitalismus. Eine Politik, die diesen spalterischen Interessen folgt, ist eine Politik der Superreichen, die sich gegen die gesamte restliche Bevölkerung richtet. Sogar einige privilegierte Ärzte scheinen das inzwischen erkannt zu haben, wie es beispielhaft der verlinkte Text und die verschiedenen Initiativen gegen weitere Privatisierungen von Kliniken zeigen. Dessen ungeachtet machen die Parteien der Neoliberalen Einheitspartei Deutschlands (NED) unaufhaltsam weiter - und dabei ist es unerheblich, welcher der Blockparteien CDU, CSU, SPD, FDP oder Grüne sie sich zugehörig fühlen.
Regelmäßige Leser dieses Blogs dürfte es nur wenig überraschen, dass auch diese humanistische Perversion keineswegs neu ist - es handelt sich auch hier lediglich um die Wiedereinführung eines sehr alten und allzu bekannten Klassensystems:
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Klassenunterschied
"Sehen Sie, Kollege, den Dritte-Klasse-Patienten darf man wenigstens ganz offen gestehen: 'Das Leben des Menschen steht in Gottes Hand!'"
(Zeichnung von Marcel Frischmann [1900-1952], in "Simplicissimus", Heft 46 vom 16.02.1932)
(Element of Crime: "Irgendwo im Nirgendwo", aus der gleichnamigen EP, 2000)
Die einen sind alt und hässlich, die andern sind jung und schön, die dritten sind bloß Wilde, die von Schönheit nichts versteh'n. Und wie der eine aussieht, so ist der andre innen drin, und weil alle nur verloren sind, ist alles halb so schlimm.
Und wir folgen euren Spuren - wenn wir euch kriegen, seid ihr tot ... Das muss so sein, da haben wir keine Wahl - das ist auch besser so, denn im Nirgendwo ist alles egal.
Die einen sind ohne Mitleid, die andern sind ohne Furcht, die dritten ohne Hoffnung - das macht zufrieden, durch und durch. Und was der eine nicht hat, das hat der andre nie geseh'n, und am Ende kann der eine nur mit dem andern untergeh'n.
Und wir folgen euren Spuren - wenn wir euch kriegen, seid ihr tot ... Das muss so sein, da haben wir keine Wahl - das ist auch besser so, denn im Nirgendwo ist alles egal.
Die einen sind ohne Sünde, die andern sind ohne Arg, die dritten sind viel zu dämlich - und so geht das, Tag für Tag. Hätten alle eine Mutter, wären alle gar nicht hier, was dann irgendwo im Nirgendwo auch ziemlich schade wär'.
Und wir folgen euren Spuren - wenn wir euch kriegen, seid ihr tot ... Das muss so sein, da haben wir keine Wahl - das ist auch besser so, denn im Nirgendwo ist alles egal.
Anmerkung: Zu Element of Crime gäbe es eine Menge zu sagen - ich beschränke mich an dieser Stelle aber auf den Hinweis, dass die Songs dieser EP für eine Theaterinszenierung von James Matthew Barries "Peter Pan" am Schauspielhaus Bochum unter der Regie von Leander Haußmann entstanden sind, und wünsche allen Leserinnen und Lesern - je nach religiöser Ausrichtung - mehr oder weniger fröhliche Ostern. ;-)
Zweite Anmerkung: Ich bitte die Belästigung durch dämliche Werbung beim Klick auf das Video zu entschuldigen - bei youtube ist der Clip natürlich gesperrt und auf anderen Portalen, die eine werbefreie Einbettung ermöglichen, habe ich ihn gar nicht erst gefunden. Auf der offiziellen Homepage von Element of Crime konnte man bis vor kurzem noch sämtliche Videos der Band kosten- und werbefrei ansehen, aber auch dieser Link geht jetzt ins Leere.
Thomas Frantz ist die Hauptfigur von "Gehwegschäden". Er ist freier Journalist, am Rande des Existenz-Minimums, wie so viele Kreative in Berlin. Dort geraten immer mehr Kreative wie er in Bedrängnis.
(Kurzrezension des Buches von Helmut Kuhn: "Gehwegschäden". Roman, 2012, aus der Sendung "Kulturzeit" von 3sat)
Anmerkung: Allmählich hält die zwangsverarmte Mittelschicht auch Einzug in die etablierte Literatur - ausgerechnet im angeblich so paradiesischen Deutschland, dem es laut Merkel ja "gut gehe". Die klaffende, sich stetig verbreiternde Lücke zwischen Reichen und Verarmten wird hier sehr deutlich sichtbar.
"Mit brillanter fragmentarischer Ästhetik, in scharfsinnigen und grotesken Miniaturen beschreibt 'Gehwegschäden' die schleichende, gewaltige Veränderung einer Gesellschaft, in der gradlinige Lebensgeschichten längst der Vergangenheit angehören. In literarischer Auseinandersetzung mit Döblins 'Berlin Alexanderplatz' und Musils 'Der Mann ohne Eigenschaften' nimmt es dieses Buch mit einem Thema auf, das keine klassische Form mehr zulässt und das evident wird in einer Stadt, in der die auf Gehwegschäden hinweisenden Schilder an jeder Ecke zur Normalität geworden sind: Es wird hier nichts mehr repariert, wir haben uns abgefunden." (Quelle: sf magazin)
Ich will und kann mich mit dieser an Fahrt aufnehmenden Katastrophe jedoch nicht abfinden und lege dieses Buch daher allen ans Herz. Vielleicht kann es ein wenig dazu beitragen, etwas von der in Deutschland so schmerzlich vermissten revolutionären, solidarischen Energie aus dem lähmenden Tiefschlaf zu wecken. Der Held des Buches macht uns schließlich ausgiebig vor, wie es ganz gewiss nicht geht ...
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"Es ist kaum zu glauben, so habe ich [vor acht Jahren] ausgesehen!"
Die Krise in Griechenland ist auch eine Krise der Medien. Der Umsatz in der Branche ist auf die Hälfte geschrumpft. Zeitungen und Lifestyle-Magazine verschwinden vom Markt – und mehr als tausend Journalisten befinden sich in psychiatrischer Behandlung. (...)
Schon jetzt geht es für die Journalisten im Land ums nackte Überleben. Viele Arbeitslose warten vergeblich auf die Zahlung der fälligen Abfindungen. Das ohnehin nicht üppige Arbeitslosengeld betrug in Griechenland bislang einheitlich 461,50 Euro pro Monat. Nach den jüngsten Sparbeschlüssen wird es auf 359,97 Euro pro Monat gesenkt. Nach einem Jahr ist auch damit Schluss, es droht der totale Absturz. Denn eine Grundsicherung wie in Deutschland existiert in Griechenland nicht.
Anmerkung: Deutsche Medien berichten momentan kaum noch über die sich immer weiter verschärfende Lage in Griechenland, die selbstverständlich auch die Medienbranche erreicht hat. Erst recht wird nicht darüber berichtet, dass eben diese katastrophale Situation von Merkel, Sarkozy & Co. ausdrücklich gewünscht wurde und stetig weiter radikalisiert wird. Um private, meist internationale Banken zu mästen, werden ein ganzes Volk mit voller Absicht radikal verarmt und eine ehemals halbwegs funktionierende Infrastruktur zerstört. Heute braucht diese Bande offenbar nicht einmal mehr Armeen und Waffengewalt, um einen Krieg zu führen und nachhaltige Zerstörungen, Not und Elend anzurichten.
Wenn im Text angeführt wird, dass ein "gut verdienender", nach Tarif bezahlter Journalist nach 10 Dienstjahren ein Gehalt von 1.665 Euro pro Monat erhält und damit in Athen kaum über die Runden kommt - wie um alles in der Welt soll ein Arbeitsloser mit zunächst 359,97 Euro pro Monat und nach einem Jahr gänzlich ohne Geld das schaffen? Was ist das für ein Irrsinn, den Merkel und die übrigen Verantwortlichen der griechischen Bevölkerung da zumuten?
Letztlich tut diese neoliberale Bande aber auch in Griechenland nichts anderes als das, was sie ohnehin ständig tut, wenn sie an der Macht ist - sie verarmt, entrechtet und überwacht die Menschen, zerstört den Staat samt öffentlich-rechtlicher Infrastruktur und schüttet die satte Beute an die Superreichen und sich selbst aus. Nebenbei schafft sie noch die kläglichen Reste der Demokratie ab, welche die kapitalistischen Zerstörungen der vergangenen Jahrzehnte noch überdauert hatten. In Griechenland und Italien herrschen inzwischen schon nicht gewählte, von der neoliberalen Bande eingesetzte Diktaturen - der Rest Europas wird schnell folgen, wenn wir das weiterhin zulassen.
Es ist doch offensichtlich: Was Merkel in Griechenland anrichtet, wird sie (oder irgendein nachfolgender Schlips- oder Knopfleisten-Borg aus derselben Marionettenkiste) ohne mit der Wimper zu zucken auch in Deutschland auf die Agenda setzen. Der Hartz-Terror samt Schröders Niedriglohnsektor und Clements entfesselten Leiharbeitssklaven war nur der Anfang - die gezielte Verarmung und Entrechtung der Menschen ist erneut in vollem Gange.
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Opfer der Pietät
"Lehmanns haben sich von einer Siebenzimmerwohnung auf eine Zweizimmerwohnung verkleinert, wollen sich aber von ihren Möbeln nicht trennen!"
Und kriegt das Volk den alten Schwindel satt, dann wird es langsam reif für einen neuen -: zu diesem Zwecke finden Wahlen statt mit einer Umgruppierung der Parteien.
Wer jetzt von Hugenberg die Nase voll hat, der denkt sich: Hitler macht's - verdammt juchhe! Und wem die SPD zu viel auf "Soll" hat, erhofft ein "Haben" bei der KPD.
Man weiß nur: sooo kann es nicht weiter gehn und träumt das alte Weltverbess'rungs-Träumchen - um schließlich beim Erwachen einzusehn: man spielte kindlich "Wechselt eure Bäumchen" --
Jedoch die Führer, die du dir erkoren, die haben unterdessen sich saniert -: du warst das Schaf - drum wurdest du geschoren -- und wirst zum Schluss zur Schlachtbank noch -- geführt --
Anmerkung: Nach der hirnzersetzenden Wahl im Saarland und vor den ebenso lächerlichen Wahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen sollten wir uns nachhaltig bewusst machen, welchem Irrsinn wir aufsitzen, wenn wir weiterhin dem üblichen Wahlkampfgetöse folgen. Die Geschichte lehrt uns unmissverständlich dreierlei:
1. Ein Wahlboykott oder eine ungültige Stimme kratzt die Bande nicht - ganz im Gegenteil. 2. Ein Kreuz bei den etablierten Parteien stärkt die Bande sogar - ganz egal, ob es nun bei der CDU, der SPD, den Grünen oder der FDP erfolgt. 3. Ein Kreuz bei den Faschisten führt zur unmittelbaren und extremen Totalkatastrophe.
Welche Alternativen bleiben da wohl übrig? Dieser schwierigen Denkaufgabe sind Millionen von Wählern in Kürze wieder ausgesetzt. Es ist klar absehbar, dass sie auch diesmal wieder grandios daran scheitern werden.
Das Erste Deutsche Fernsehen zeigte Höhepunkte der Rosenmontagszüge. Darunter war in Köln der Motiv-Wagen "Kernspaltung". Zu sehen war laut Fernsehkommentator einer der "gefährlichsten Politiker" unserer Zeit, der mit der Atombombe hantiert und sie in das New Yorker UN-Gebäude rammt. Es gab Karnevalisten, die sich dabei an den Kölner Rosenmontagszug des Jahres 1936 erinnert fühlten und dies auch öffentlich zum Ausdruck brachten.
Anmerkung: Es ist seit über einem Jahrzehnt überdeutlich, dass der heutige Islamhass dieselben Funktionen erfüllen soll, die zur Nazizeit dem Antisemitismus zugedacht waren. Da ist es nur konsequent, dass nun auch der Karneval wieder auf diesen Zug aufspringt und rassistische "Motivwagen" fahren lässt - gerade in Köln hat man damit ja Erfahrung:
("Dem haben sie auf den Schlips getreten" - Der Wagen des Kölner Karnevals von 1936 zeigt die hässliche Karikatur eines jüdischen Menschen, dem ein dicker Paragraph bildlich "auf den Schlips tritt". Gemeint waren damit die rassistischen Nürnberger "Rassegesetze" der Nazi-Bande, die das Leben der Juden in Deutschland 1935 in menschenverachtender Weise massiv eingeschränkt und den juristischen Grundstein für den systematischen Mord an diesen Menschen gelegt haben.)
Die Parallelen, die zwischen dem damaligen Antisemitismus und dem heutigen Islamhass - längst nicht nur im Karneval - offenbar werden, sind erschreckend. Ich will hier keine Links auf entsprechende Internetseiten setzen, aber wer gelegentlich bei den Menschen- und Demokratiefeinden von PI, den fundamentalistischen "Christen" oder den anderen rechtsradikalen Gruppierungen vorbeischaut, um sich über den Stand der Radikalisierung zu informieren, der bekommt eine Ahnung davon. - Ein recht aufschlussreiches Dossier zum Thema findet sich bei der Frankfurter Rundschau: "Die neue Rechte".
Es darf aber nicht übersehen werden - was die Mainstreampresse nur allzu gerne tut -, dass rassistisches Gedankengut längst wieder in der so genannten "Mitte der Gesellschaft" und selbstverständlich auch in den etablierten politischen Parteien angekommen ist. Sarrazin ist nur die populistische Spitze des Eisberges. Die Gefahr droht im Deutschland des Jahres 2012 weniger von der Seite erklärter Faschisten wie beispielsweise der NPD, sondern vielmehr von rassistischen und faschistischen Strömungen innerhalb der Union, der SPD, der FDP und der Grünen.
Und wieder einmal wird dieses gesamte Höllenspektakel nur deshalb inszeniert, um vom erneuten Versagen des Kapitalismus und seinem unausweichlichen, bevorstehenden Scheitern abzulenken, indem die Sorgen, Ängste und Schuldzuweisungen der Masse auf einen Scheingegner gelenkt werden, der als klassischer Sündenbock dienen soll, mit den Ursachen aber überhaupt nichts zu tun hat. Es ist mir vollkommen unerklärlich, wieso das auch diesmal wieder so erschreckend widerstandsfrei zu funktionieren scheint. Nicht irgendwelche bärtigen Männer aus Arabien, sondern die aalglatten, egoistischen Schlips-Borg und ihre superreichen Marionettenspieler aus heimischen Gefilden müssten am Pranger der Öffentlichkeit stehen und laut ausgebuht, mit faulen Eiern und Schuhen beworfen und möglichst zum Mond geschossen werden. Wieso nur bemerkt der Homo demens nicht, dass er einmal mehr verarscht, betrogen und belogen wird, während sich die "Elite" hämisch ins Fäustchen lacht und weiter die Milliarden scheffelt?
Wenn es nicht so grotesk, menschenverachtend, dumm und gefährlich wäre, müsste man sich stundenlang vor Lachen am Boden wälzen - statt dessen wird man aber dazu gebracht, die Stirn ohnmächtig auf den Boden zu knallen, bis auch der letzte Hauch von Intelligenz in den dumpfen Schlägen verschwunden ist. Und dann darf der Rassismus wieder Triumphe feiern und der Kapitalismus bzw. die "Elite" rettet sich ein weiteres Mal ins "Jahr Null". Und der Alptraum beginnt wieder von vorn.
Die bittere Erkenntnis, dass nicht nur das profitierende elitäre Gesindel an diesem Feldzug beteiligt ist, sondern auch diesmal von einem Heer aus wahnwitzigen Dummköpfen, Lemmingen und Schlachtschafen willig und oft gar inbrünstig unterstützt wird, lässt mich wahrlich verzweifeln.
(Coil: "Who By Fire", aus dem Album "Horse Rotorvator", 1986)
And who by fire? Who by water?
Who in the sunshine? Who in the night time?
Who by high ordeal? Who by common trial?
Who in your merry merry month of May? Who by very slow decay?
And who shall I say is calling?
And who in her lonely slip? Who by barbiturate?
Who in these realms of love? Who by something blunt?
Who by avalanche? Who by powder?
Who for his greed? Who for his hunger?
And who shall I say is calling?
And who by brave assent? Who by accident?
Who in solitude? Who in this mirror?
Who by his lady's command? Who by his own hand?
Who in mortal chains? Who in power?
And who shall I say is calling?
Anmerkung: Dieser Song über den Tod stammt aus der Feder Leonard Cohens ("New Skin for the Old Ceremony", 1974) und wurde - wie so viele andere seiner Songs auch - unzählige Male von unterschiedlichsten Musikern gecovert. Von allen mir bekannten Versionen dieses unglaublich intensiven Songs kommt für mich die hier vorgestellte Fassung der britischen Progressivband Coil von 1986 dem Kern dieses grandiosen, minimalistischen Kunstwerkes am nächsten.
Cohen selbst war und ist ja bekannt dafür, dass er seine Werke immer wieder vollkommen neu interpretiert - ich möchte beispielhaft nur zwei seiner eigenen Versionen dieses Songs, die im Laufe der Jahre entstanden sind, erwähnen. Es gibt noch viele weitere.
Mit dem weltweiten rasanten Wachstum der Städte nimmt die Zahl der Kinder zu, die im Elend der Slums aufwachsen. Jedes dritte Kind wird in einem der vielen unsicheren und überbevölkerten Slums groß, oft unterernährt, ohne Zugang zu Schulen und Gesundheitsversorgung. Das berichtet Unicef im Jahresreport "Zur Situation der Kinder in der Welt 2012". (...)
In den Slums Indiens etwa sind 54 Prozent der Jungen und Mädchen infolge von Unterernährung körperlich und geistig zurückgeblieben.
Anmerkung: Auch wenn in diesem n-tv-Text zur Fotogallerie selbstredend keinerlei kritischen Bezüge zum Kapitalismus hergestellt werden (was im Übrigen auch Unicef nicht tut), sind die Zahlen und einige Fotos doch in höchstem Maße erschreckend und erschütternd. Die Information, dass weltweit jedes dritte Kind in einem Slum leben bzw. vegetieren muss, sollte uns allen, ganz besonders aber den Reichen und ihren politischen Marionetten die Schamesröte ins Gesicht, die Tränen in die Augen und die Kettensäge ins Gewissen treiben.
Dabei sind diese Entwicklungen ja keineswegs überraschend - es liegt in der Logik dieses Geld- und Finanzsystems, dass einem exponentiell wachsenden Reichtumsberg ein ebenso wachsendes Schulden- bzw. Armutstal gegenübersteht. Seit so vielen Jahrzehnten sind die Probleme der erzwungenen Landflucht und der daraus erwachsenden Slums in Megastädten bekannt - der heutige Status war nicht nur klar vorhersehbar, sondern ohne systemische Veränderungen gar unvermeidlich. Das interessiert die raffgierige kapitalistische Bande aber nicht - auch heute nicht. Da wird gelegentlich Mitleid geheuchelt, gerne werden auch ab und an einige Almosen gespendet oder medienwirksame "Projekte" unterstützt, aber an ihrem geliebten Kapitalismus und ihrer Marktreligion halten sie unbeirrbar fest - ganz egal, wieviele Menschenleben das auch kostet und wieviel Natur unwiederbringlich zerstört wird.
Geradezu putzig und gleichzeitig extrem zynisch und sarkastisch lässt n-tv den kleinen Bericht mit den Worten enden: "Oft bewirken schon kleine Projekte, dass Menschen ihre Lebensbedingungen verbessern und das Elend des Slums verlassen können." Da haben wir sie wieder, die ekelhafte Heuchelei der Systemschergen, die gerne dramatische Bilder und grausame Schicksale ins Rampenlicht zerren, ohne die tatsächlichen Ursachen und Verursacher zu benennen, die vor der eigenen Haustür zu finden sind. Statt dessen wird in knappen Worten ein hochalbernes positives Schlussbild herbeifabuliert und man wendet sich wieder den "wirklich wichtigen Dingen" - also der eigenen Geldvermehrung - zu.
Kaum einer dieser armen Menschen wird jemals die Slums, das Elend, die Not und Armut verlassen können - dafür werden aber immer weitere Menschen hinzukommen. Die Slums breiten sich immer weiter aus - in abgeschwächter Form sind sie ja auch längst in den reichen kapitalistischen Staaten angekommen, und auch dort wachsen sie rasant.
Wer angesichts solcher Zustände vom Kapitalismus als dem "besten aller möglichen Systeme" sprechen kann, muss entweder ein völlig perverser Triebtäter oder ein in einem noch perverseren elitären Rassenwahn halluzinierender Faschist sein. Oder beides zugleich. Solche Gestalten haben das Sagen auf diesem Planeten - wer kann da noch ernsthaft von "intelligentem Leben" sprechen?
Passend dazu: Schuld. Die Barbarei Europas
Ehemalige Bankerin: "Mein Geschäftsgebiet war der Hunger. (...) Ich weiß nicht, wieviele Tote es sind, ich hab' keine Ahnung, aber ganz sicher habe ich mehr Menschenleben auf dem Gewissen als all die Generäle und Politiker, die man wegen Kriegsverbrechen vor Tribunale gestellt hat. Der Unterschied ist nur: Mich wird man nie vor Gericht stellen."
Ich weiß gar nicht so genau, weshalb ich diesen Text schreibe. Der Ursprung liegt in einer kleinen Diskussion mit Charlie über Computerspiele, die ich hier im Blog geführt und in deren Folge ich mich bereit erklärt habe, über das Spiel Amnesia - The Dark Descent zu berichten. Dieses Versprechen will ich nun einlösen.
Eigentlich passt das Thema gar nicht hierher, denn was könnte weiter voneinander entfernt sein als das politische Zeitgeschehen auf der einen und die Welt der fiktionalen Computerspiele auf der anderen Seite? Und dennoch sehe ich hier Parallelen, die ich etwas erklären muss.
Erst einmal zum Spiel selbst: Es handelt sich bei Amnesia um ein so genanntes Adventure aus dem Horror-Genre. Anders als viele andere Spiele basiert es aber nicht auf einem auszutragenden Kampf - ganz im Gegenteil: Der Spieler hat keine Waffen zur Verfügung und kann den Bedrohungen, denen er im Verlaufe des Spiels begegnet, nur ausweichen. Flucht und Verstecken sind die einzigen Möglichkeiten, die ihm bleiben. Insofern ist es - trotz des allgegenwärtigen Horrors, der wirklich fantastisch umgesetzt ist - ein pazifistisches Spiel, das allein durch seine unvergleichliche Atmosphäre und die zu lösenden Rätsel besticht. Es versteht sich auch von selbst, dass eine Bedrohung, die man als Spieler nicht bekämpfen kann, umso bedrohlicher wirkt. Die visuelle und akustische Umsetzung in diesem Spiel tut ihr Übriges - ich war nie zuvor so "in Beschlag genommen" von einem Spiel. Es hätte schon das Haus über mir zusammenbrechen müssen, damit ich überhaupt mitbekommen hätte, was sich außerhalb des Spiels ereignet.
Zur Handlung will ich nicht viel schreiben, denn ich möchte ja nicht spoilern. Nur soviel: Der "Abstieg in die Finsternis", den der Spieler bei Amnesia sehr konkret durchlebt, ist für mich ein Spiegel der gesellschaftlichen und sozialen Zerstörung, die momentan über Europa und die Welt hereinbricht. Dabei gibt es so manche Details zu bestaunen, die wahrlich schreckenerregend sind - denn die Geschichte, die sich im Laufe des Spiels offenbart, ist eine zutiefst faschistische. Im Grunde kann man sagen, dass man mit Amnesia den Verfall einer als zivilisiert angenommenen Gesellschaft in ein menschenverachtendes, absolutes Horrorszenario miterlebt.
Ich fürchte, es ist kein Zufall, dass ein solches Spiel gerade heute entstanden ist und dass es ausgerechnet in Deutschland spielt (die Entwickler sitzen in Skandinavien).
Ich möchte es jedem ans Herz legen - es ist als Download für wenig Geld (15 Euro) zu haben. Wer lieber andere spielen lässt und dabei zuschaut, kann bei youtube zwischen mehreren verschiedenen "Let's play"-Versionen wählen und sich so einen Eindruck verschaffen. Ich garantiere aber, dass kein Zuschauen das Selberspielen ersetzen kann.
Wenn hier im Blog immer wieder Texte und Zeichnungen publiziert werden, die auf den bevorstehenden Untergang des zivilisierten, sozialen Europas Bezug nehmen, dann soll auch dieses Spiel als zeitgemäße Entsprechung Erwähnung finden. Es illustriert mindestens genauso gut wie Kästner, Lierke oder Tucholsky den Niedergang - erreicht aber meines Erachtens wesentlich mehr junge Menschen.
Anmerkung: Dieser Film, der erstaunlicher Weise komplett in deutscher Synchronisation auf youtube verfügbar ist, ist von deutschen Kritikern überwiegend verrissen worden. In anderen Ländern - u.A. in Ungarn und in den USA - ist er weitaus positiver aufgenommen worden.
Macht Euch selbst ein Bild und schaut ihn Euch an: Erzählt wird die Geschichte eines 14jährigen jüdischen Jungen aus Budapest, der 1943 in die furchtbaren Mühlen der Nazi-Maschinerie gerät und eine Odyssee durch mehrere Konzentrationslager durchleben muss. Dabei wird konsequent die filmische Sicht aus eben der Perspektive dieses Jungen beibehalten - man sieht also wenige Täter in diesem Film, dafür umso mehr die wahrgenommenen Opfer und die ganz subjektiven Auswirkungen dieses Terrors auf diesen jungen Menschen.
Bei aller Kritik, die ich teilweise teile und die sich vornehmlich auf die technische Umsetzung dieses schwierigen Stoffes, der auf dem "Roman eines Schicksallosen" des Literaturnobelpreisträgers Imre Kertész basiert, bezieht, finde ich doch, dass dieser Film sehr sehenswert ist und einen recht "anschaulichen" Einblick in den grauenhaften Alltag eines Konzentrationslagers und in die Auswirkungen des Faschismus gibt.
Heute sind wir dieser scheinbar so weit entfernten Zeit näher als mancher glauben mag. Es ist schon ein groteskes Szenario, dass ausgerechnet in Ungarn, dem Heimatland des Protagonisten des Films, heute ein autoritäres, rechtspopulistisches Regime am Ruder ist. Auch in Ungarn - wie im Rest der Welt - hat man nichts aus der Vergangenheit gelernt.
Deutschlands Gefängnisse erweisen sich immer mehr als verlängerte Werkbank für das verarbeitende Gewerbe. Wie das Wirtschaftsmagazin impulse (...) berichtet, können allein in Bayern Unternehmen an 37 Standorten auf insgesamt 90.000 qm Produktionsfläche zurückgreifen, beispielsweise um Produktionspitzen bei gleichbleibend hoher Qualität und mit Tageslöhnen zwischen 8,51 bis 14,18 Euro zu günstigen Kosten abzufedern.
Bayerns Strafanstalten sollen laut impulse pro Jahr mit solchen Geschäften bereits rund 45 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften. Besonders gut im Geschäft ist das zweitgrößte Gefängnis Bayerns in Straubing, das allein rund sieben Millionen Euro umsetzt. Für den Triebwerkshersteller MTU arbeiten dort rund 100 Insassen der Justizvollzugsanstalt. MTU-Werksleiter Karl-Heinz Bischoff sagte gegenüber impulse: "Es beeindruckt mich immer wieder, mit welcher Begeisterung hier für 1,80 Euro die Stunde gearbeitet wird."
Regierungsamtsrat Gunther Zettl will das Straubinger Gefängnis zur Top-Adresse für die Wirtschaft machen und damit gleichzeitig den Durchbruch zur Vollbeschäftigung schaffen. Die Auftraggeber schätzten den Mix aus Niedriglöhnen und hoher Qualität. Oft sei die Qualität der Produkte besser als im Billiglohn-Ausland, was Unternehmen dazu veranlasse, Fertigung aus dem Ausland wieder zurück nach Deutschland zu holen.
Anmerkung: Zwangsarbeit zu lächerlichen Billigstlöhnen gibt es also nicht nur für Hartz-Terror-Opfer in Deutschland - und wie gewohnt jubilieren die neoliberalen Menschenfeinde aus der Politik und Wirtschaft in den höchsten Tönen und können ihre Begeisterung kaum zügeln. Mir wird bei derartigen Meldungen so unglaublich schlecht, dass ich selbst nach zwei Wochen Fastenzeit noch einen 10-Liter-Eimer vollkotzen könnte.
Diese Bande macht nicht einmal mehr einen Hehl daraus, dass Zwangsarbeit bei möglichst gänzlich wegfallender Entlohnung das paradiesische Ziel ihrer feuchten Träume ist. Und wie dankbar und enthusiastisch die ausgebeuteten Zwangsarbeiter dann auch noch sind bzw. zu sein haben - da scheint der gemeine Schlips-Borg seine besten Orgasmen zu erleben!
Es ist immer wieder entblößend und entwaffnend, wie widerlich und asozial sich manche Menschen anderen Menschen gegenüber verhalten können. Jeder behaarte Affe verhält sich kultivierter und sozialer als diese raffgierige Bande, die neben Arbeitslosen und Behinderten ausgerechnet auch noch eingesperrte, ihrer Freiheit beraubte Menschen in einer so perfiden Art und Weise ausbeutet, sich damit rühmt und das sogar weiter ausbauen will.
Es bringt mich immer wieder um den Verstand, mit welcher Begeisterung hier abhängige Menschen, die sich nicht wehren können, konsequent ausgepresst werden. Man muss kein Prophet sein um zu erahnen, wieviel von den erwähnten 45 Millionen Euro Umsatz wohl bei den Eingesperrten, die eben dieses Geld erwirtschaftet haben, angekommen ist. Die fröhlichen Schlips-Borg verraten es uns.
"Der Song Contest ist nicht einfach eine unpolitische Musikveranstaltung"
Nachdem Roman Lob das Deutschland-Finale des Eurovision Song Contests (ESC) gewonnen hat und somit Deutschland am 26. Mai 2012 beim ESC in Baku vertreten wird, ruft Reporter ohne Grenzen (ROG) alle Beteiligten auf, sich intensiv mit dem Gastgeberland Aserbaidschan auseinanderzusetzen und öffentlich Position zu den Verletzungen der Presse- und Meinungsfreiheit dort zu beziehen.
Was hat der Eurovision Song Contest mit Lobbyismus zu tun? Viel, wenn er in Aserbaidschan stattfindet. Um sein Image im Vorfeld des Medienspektakels zu polieren, setzt das autoritäre Regime auf einen PR-Berater aus Deutschland, der Schlagzeilen wie "Menschenrechtsverletzungen" und "Einschränkungen der Pressefreiheit" mit der prosperierenden Wirtschaft und guten Investitionsmöglichkeiten ersetzen soll.
Anmerkung: Noch hält sich die Berichterstattung über das alberne Schlager- und Pop-Event ja in überschaubaren Grenzen - das wird sich spätestens im Mai aber erfahrungsgemäß ändern. Ich gehe jede Wette ein, dass die unsäglichen Zustände in Aserbaidschan dabei nur eine kleine Nebenrolle spielen werden - und zwar je kleiner, desto mehr Erfolg der "deutsche Kandidat" dort hat. Sollte die deutsche Hupf- und Trällerdohle hingegen auf mittleren oder gar hinteren Plätzen landen, werden sich die üblichen Medien sicherlich vermehrt auf die plötzlich entdeckten "skandalösen Zustände" in jenem Land stürzen.
Im Filmbericht wird ja die Hoffnung einiger politischer Aktivisten und Bürgerrechtler aus Aserbaidschan formuliert, den Grand Prix dafür nutzen zu können, die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die schlimmen Zustände in diesem Land zu lenken. Ich möchte diese Hoffnung nicht zerstören, auch wenn ich sie - insbesondere auf Deutschland bezogen - sehr skeptisch betrachte.
In jedem Falle sollten alle Zuschauer, die aus welchen Gründen auch immer diesen peinlichen, nichtssagenden Wettbewerb verfolgen möchten, stets im Hinterkopf behalten, welches Leid und Elend hinter der glitzernden und höchstwahrscheinlich perfekt inszenierten Show steht. Noch besser wäre aus meiner Sicht ein vollständiger Boykott dieser Veranstaltung, die ähnlich groteske Züge trägt wie die Olympischen Spiele 1936 im faschistischen Deutschland:
"Während die Sportler um Medaillen kämpften, errichteten Häftlinge vor den Toren Berlins ein KZ: Die Olympischen Spiele verschafften dem NS-Regime einen internationalen Triumph - dass alle Boykott-Aufrufe erfolglos blieben, verdankte Hitler ausgerechnet einem Amerikaner." (Weiterlesen)
Es versteht sich von selbst, dass heute ein Boykott des ESC von der neoliberalen Bande und den begleitenden Medien nicht einmal erwähnt oder gar diskutiert wird. In Aserbaidschan herrscht eine Diktatur? Hey, wen stört's, wenn der Rubel fleißig in die richtigen Taschen rollt!
Anmerkung: So wichtig dieses Thema auch ist, so schlecht ist leider diese Dokumentation, die das Problem nicht wirklich beim Namen nennt und statt dessen gnadenlos verharmlost und in die Irre führt.
Die Beißreflexe der "Mittelschicht" richten sich groteskerweise ausnahmslos nach unten – dabei wäre es doch die Aufgabe gerade einer solchen Dokumentation, diesen Unsinn beim Namen zu nennen und die Zuschauer darauf hinzuweisen – wenn sie es selber noch nicht bemerkt haben –, dass der Angriff auf ihren "Status" nicht von Armen, sondern von sehr reichen Menschen erfolgt. Hier wird jedoch wieder einmal der völlig absurde Eindruck erweckt, dass der schöne Wohlstand der "Mittelschicht" irgendwie diffus von der "Unterschicht" bedroht wird, so dass die zu verzeichnende Abschottung dagegen irgendwie nachvollziehbar werden soll.
Die Wahrheit sieht indes anders aus. Die Superreichen führen Krieg gegen den Rest der Bevölkerung – und selbstverständlich sitzen die "Mittelschicht" und die "Unterschicht" im selben Boot und müssten sich dringend solidarisieren – was aber aufgrund solcher Propaganda, wie sie auch in diesem Film verbreitet wird, nicht geschieht.
Die wichtigste und einfachste Lösung dieses Problems wird auch nicht angesprochen: Ebenso wie im Gesundheits- und Rentensystem müsste es einfach verboten werden, private Parallelstrukturen zu schaffen. Wir brauchen keine privaten Krankenkassen, keine privaten Rentenversicherungen und keine privaten Schulen – das ist doch einfach grotesk. Wir brauchen stattdessen ein solidarisches System, aus dem sich niemand ausklinken kann – das hat einige Jahre relativ prächtig funktioniert, wurde in den letzten Jahrzehnten allerdings systematisch und gewollt zerstört.
Diesem Vollidioten, der im Film davon schwadroniert, dass ein "Wettbewerb" zwischen privaten und staatlichen Schulen ein Segen sei, möchte man doch unentwegt auf den hohlen Kopf schlagen. Was für ein Irrsinn. Eine der Ursachen der neoliberalen Katastrophe erklärt er zu ihrer Lösung.
Außerdem ist festzuhalten, dass das neoliberale Credo "gute Bildung bedeutet automatisch Wohlstand" heutzutage nichts weiter als eine Chimäre ist. Diese Zeiten sind lange vorbei – auch heute befinden sich schon Massen von Akademikern längst in den Mühlen der Hartz-Terror-Behörden. Und das wird weiter zunehmen. Die gesamte Ausgangslage der Doku ist also bereits Humbug. Die Probleme liegen nicht vornehmlich im Bereich der Bildung.
Wenn die "Mittelschicht" nicht endlich begreift, dass nicht die Armen im Land ihre Gegner sind, sondern die Superreichen, wird es gewaltig krachen – mit dem Ergebnis, dass auch die im Film vorgeführten Kinder des "Mittelstandes" am Hungertuch nagen und um ihre nackte Existenz kämpfen werden.
Das hatten wir alles schon einmal – damals lautete das Ergebnis: Nazi-Terror, Diktatur, 2. Weltkrieg. Wohin mag es diesmal führen? Die Aussichten sind alles andere als rosig.
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Die abgebauten Junglehrer
"Sie müssen Ihre Existenz dem Staatswohl opfern, meine Herren! Analphabeten lassen sich leichter regieren, und die Notverordnungen werden sowieso durch den Rundfunk bekannt gemacht."
(Zeichnung von Wilhelm Schulz [1865–1952], in "Simplicissimus", Heft 29 vom 19.10.1931)
Ein Musik- und Literaturwissenschaftler auf der heiteren Odyssee bzw. vergeblichen Suche nach dem Humanismus.
Ich verstehe dieses Blog weder als "links", noch als "linksliberal" - es versucht, schlicht der Logik zu folgen, sucht die oft verschleierte Wahrheit und landet daher fast zwangsweise immer wieder in sozialistischen Regionen, in die es nie wollte. Die Logik lässt sich nicht so leicht austricksen wie es der interessengeleitete menschliche Geist tut.
Dennoch gilt auch weiterhin Spocks weiser Spruch: "Logik ist nur der Beginn aller Weisheit - und nicht ihr Ende."
Der Blogbetreiber stellt sich vor - auf dass NSA, "Verfassungsschutz", BKA und so viele andere nicht mehr so ausufernd suchen müssen:
Facebookfreie Zone
Das gilt selbstredend auch für alle anderen Datenkraken und "sozialen Netzwerke".
Statt Facebook lieber Ghostery :-)
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