(Turisas: "A Portage To The Unknown", aus dem Album "The Varangian Way", 2007)
We've sailed across the sea
Rowed for miles and miles upstream
Passed by Aldeigjuborg
Seen Lake Ilmen gleam
Ingvar took the lead
After Holmgard as agreed
What the end of Lovat meant
Was soon to be seen
Dripping with sweat a new day dawn on
The ropes cut flesh, as they've done in times foregone
I see my breath, my hands are going numb
Far from home we have come
An endless trail in front my eyes
A swift take off, had no time for goodbyes
What will we find and what was left behind
There's no return, get it off your mind
The water's changed to sand
Lakes and rivers turned to land
Plough up the rocky seas
Ride felled down trees
Foot by foot we edge
Once a ship, now a sled
Six regular edges and six vertices
Six equilateral triangles
Six square faces in another direction
Plato's earth transparent
Give me all you have!
Pull as hard as you can
Plough up the rocky seas
Ride felled down trees
The water's changed to sand
Lakes and rivers turned to land
The rug has been pulled from under my feet
All my life made of lies and deceit
All I have left is a symbol on my chest
My only lead on my desperate quest
Branded at birth with the sign of Perun
East of the sun and West of the moon
The road now continues, Northwind be my guide
Wherever I'm going, the Gods are on my side.
Anmerkung: Und schon wieder ein "Seemannslied", ein ambivalentes zumal, dem ich meine Empfehlung beifügen möchte, zum Anhören den Verstärker an die Schmerzgrenze zu bringen, sich mit geschlossenen Augen im Dunklen zwischen die hämmernden Boxen zu legen (oder - bei empfindlichen Nachbarn oder Mitbewohnern - Kopfhörer zu benutzen), den tiefen Griff in die finnische Mythologie samt Gottheiten zu ignorieren und sich einfach hinwegspülen zu lassen ... ;-)
Für mich ist "A Portage To The Unknown" keine Beschreibung der Fahrt irgendwelcher längst verwester Wikinger, sondern eine mögliche Art der Hörbarmachung unserer heutigen verfahrenen Situation - nicht nur in Finnland, sondern selbstredend auch im biederen, erzkonservativen und neoliberal verseuchten Deutschland (und anderswo). Lasst Euch auf das Experiment ein und spürt den Sog. - "Wer es fassen kann, der fasse es", so lautet ja das altbekannte Credo der Katholiken, und es gilt natürlich hier in diesem Höllenpfuhl erst recht. ;-)
Regieren wäre gar nicht schwer,
Wenn die Bevölkerung nicht wär',
Die man indessen schlecht entbehrt
Von wegen dem Besteuerungswert,
Und dann von wegen der Ernähr-
Ung und dem schönen Militär.
Und dann kommt auch die Industrie
Bisher noch schwer aus ohne sie,
Denn leider, dass der Schornstein raucht,
Wird sie noch ab und zu gebraucht.
Fatal für Schlote und Barone,
Denn sie regierten lieber ohne.
Das gegenwärtige neoliberale Modell kann auf empirisch belastbare Grundlagen nicht verweisen. Es war immer schon eine Glaubenssache, ein Mythos, und später eine knallharte Ideologie eben, die uns als gottgegeben verkauft wurde.
Anmerkung: Dieser Kommentar von Konstantin Wecker ist durchaus empfehlenswert. Bezüglich Griechenland sollte man aber insbesondere bedenken, was Jens Berger auf den Nachdenkseiten geschrieben hat:
“Über das Schicksal Griechenlands wird längst nicht mehr in Athen entschieden. Wie die griechische Tragödie enden wird, liegt in der Hand der Troika. Griechenland hängt am finanziellen Tropf seiner Geldgeber und nicht das griechische Volk oder die Politik, sondern sie [die Geldgeber] entscheiden über die Zukunft des Landes.”
Ansonsten freue ich mich über diese deutlichen Worte sehr und hoffe, dass sie noch von vielen Menschen gelesen werden. In Deutschland ist Aufklärung ja dringend nötig, wie die letzten Landtagswahlen wieder einmal eindrucksvoll gezeigt haben: Solange noch immer so viele Menschen die heutige SPD und die heutigen Grünen für eine (gar “linke”) Alternative zur schwarz-gelben Zerstörerbande halten (oder aus Frust gar nicht mehr wählen gehen), kann sich nichts am Katastrophenkurs verändern.
Ein Wort noch zu den im Text erwähnten Opfern der neoliberalen Ideologie: Es gibt durchaus eine Stimme, die seit vielen Jahren nicht müde wird, immer und immer wieder die erschreckenden Fakten und Zahlen zu nennen, die der Kapitalismus zu verantworten hat – Jean Ziegler. Hier ein Beispiel von vielen:
“Die Goldberge steigen im Westen und die Leichenberge im Süden. Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren, 47.000 Menschen sterben jeden Tag an Hunger und mehr als eine Milliarde Menschen, fast ein Sechstel der Menschheit, ist permanent schwerst unterernährt.”
Eindrucksvoller könnte ein System kaum belegen, dass es schlichtweg pervers ist und keinesfalls dem Wohl der Menschheit dient. Dennoch feiert es seit hunderten von Jahren Triumphe und ist heute einmal mehr auf dem allerbesten Wege, neben den üblichen “Kollateralschäden” in Afrika, Asien und Südamerika auch den reichen Westen in den Abgrund zu stoßen. Die Situation in Griechenland und anderen europäischen Staaten (Portugal, Spanien, Italien, Irland u.a.) erinnert fatal an das Ende der Weimarer Republik in Deutschland.
“Letztes Jahr haben die fünfhundert größten Privatkonzerne der Welt nach Weltbankstatistiken gemeinsam über 52 Prozent des Weltsozialproduktes beherrscht. Dieses Finanzkapital in den Händen einiger westlicher Oligarchen hat eine Macht, die nie zuvor in der Geschichte der Menschheit ein König, ein Kaiser oder ein Papst gehabt hat. Diese Finanzdiktatur wird von den südlichen Völkern als letzte Etappe der Ausbeutung und Unterdrückungsstrategie des Westens gesehen. Die Sklavenhalter sitzen heute in den Börsen, bestimmen die Rohstoffpreise durch Spekulation und sind – wenn auch der Allgemeinheit nicht sichtbar – verantwortlich für den Hunger hunderttausender Menschen. Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter 10 Jahren. Dieses Jahr im April hat zum ersten Mal die Zahl der permanent unterernährten Menschen die Milliardengrenze überschritten. Und das auf einem Planeten, der vor Reichtum überquillt.”
Dies alles wissen die Menschen, die heute den Kapitalismus wählen, indem sie bei der CDU, der FDP, der SPD oder den Grünen ihr Kreuz machen – sie müssten es zumindest wissen. Offensichtlich nehmen diese Menschen den verhängnisvollen Superreichtum einiger Weniger und das damit einhergehende Leid so vieler anderer aber in Kauf, solange sie selbst noch ein erträgliches Auskommen haben – auch wenn dies Not, Elend und Tod für Millionen andere zur Folge hat, die momentan noch in weit entfernten Regionen wohnen. Was soll man als halbwegs vernunftbegabtes Wesen dazu noch großartig sagen? Mir fallen da nur die Worte Erich Kästners ein, der in seinem Gedicht “Misanthropologie” 1929 resümierte:
“Und man kommt, geschult durch das Erlebnis,
wieder mal zu folgendem Ergebnis:
Diese Menschheit ist nichts weiter als
eine Hautkrankheit des Erdenballs.”
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[Die neoliberalen Erfolge]
"Der Patient scheint gar nicht zu merken, dass unsere Wunderkur gelungen ist. Das Fieber steigt immer weiter!"
(Voltaire: "This Ship's Going Down", aus dem Album "To the Bottom of the Sea", 2008)
A gargantuan hole in the bow will the ocean to enter allow.
Oh, but more a sin than letting it in, it's letting our good fortune out.
The nest to the storm did succumb, while the crow hid his fear in the rum.
And the mast, it broke and threw out the bloke and well now he's surely my chum.
Love letters from under his bed, holds the cabin boy over his head
A futile try to keep it dry what tears have already wet.
They were penned by a girl in Merak, and the Javanese value their tact.
She'll conclude he's horribly rude 'cause he's sure as hell not writing back.
'Cause this ship's going down,
All on account of the weather.
Though we'll drown, there's no need to frown
'Cause we're all going together.
And I won't say: "Woe is me"
As I disappear into the sea,
'Cause I'm in good company
As we're all going together.
I've had women of every kind, but the only one truly was mine
Is the one at home who'll be alone when I am full-up with brine.
For my son I had always a plan, for to raise him as best as I can.
Oh well, you can bet, my only regret is to not see him grow to a man.
'Cause this ship's going down,
All on account of the weather.
Though we'll drown, there's no need to frown
'Cause we're all going together.
And I won't say: "Woe is me"
As I disappear into the sea,
'Cause I'm in good company
As we're all going together.
I was sinking down into the brine, when a curious sight caught my eye.
Seaman Shaft had found him a raft and was makin' a speedy goodbye.
At the risk of sounding absurd, I have always been good as my word.
So a fishgig I lanced into his eye and I knocked his ass overboard.
'Cause this ship's going down,
All on account of the weather.
Though we'll drown, there's no need to frown
'Cause we're all going together.
And I won't say: "Woe is me"
As I disappear into the sea ...
Oh hell!
'Cause you've all been so good to me,
So we're all going together.
In "Wir müssen leider draußen bleiben" hat Kathrin Hartmann viele Mosaiksteine eines verschärften Klassenkampfs von oben zusammengetragen. Rasant geschrieben berichtet sie über ein Land, in dem das Mitgefühl für Arme und Arm-Gemachte verschwunden ist.
Dieses Buch ist eine grandiose Philippika, die zweite der Journalistin Kathrin Hartmann. In "Ende der Märchenstunde" (2009) hatte sie sich die "politisch korrekt konsumierende" neue Mittelschicht vorgeknöpft und enttarnt, dass die "Lohas" (Kürzel für Lifestyle of Health and Sustainability) weder zur Gesundheit noch zur Nachhaltigkeit beitragen. Im Gegenteil.
Jetzt legt sie nach. Es geht um Armut in unserer modernen Gesellschaft. Neu, wie der Untertitel sagt, ist die nicht, und sie findet auch nicht nur in Konsumgefilden statt. Aber sie hat schärfere Züge bekommen. In ein Bild gefasst: Wenn man sich Armut und Wohlstand als zwei tektonische Platten vorstellt, wirkt die Globalisierung wie eine seismische Verwerfung, die die eine Platte nach oben reißt und die andere brachial weiter nach unten presst. Das Gefälle zwischen Arm und Reich ist inzwischen gefährlich steil für Frieden, Demokratie und all die schönen Dinge des menschlichen Lebens auf diesem Planeten.
Anmerkung: Über das verrohte Bürgertum und dessen gefährliche, asoziale Verachtung der Armut, die in der inzwischen recht bekannten Studie des Soziologen Wilhelm Heitmeyer ("Deutsche Zustände") beschrieben werden, habe ich schon mehrfach berichtet (z.B. hier). Hartmanns sehr lesenswertes Buch illustriert nun noch einmal in aller Deutlichkeit, dass diese an Faschismus grenzenden Zustände sich keineswegs verbessert haben - gamz im Gegenteil: Der angeblich alternativlose Zerstörungskurs der neoliberalen schwarz-gelb-rot-grünen Bande wird unvermindert fortgesetzt und verfehlt seine Wirkung bei vielen Bürgern der Mittelschicht und vielen Wohlhabenden nicht. Ein Ende dieses neoliberalen Terrors ist nicht absehbar.
Klar absehbar hingegen ist die Tatsache, dass sich dadurch die Armut und Zwangsverarmung weiter massiv ausbreiten wird - mitten hinein in genau die Kreise, die heute noch voller Verachtung, Arroganz und Abscheu auf die Ärmsten und Schwächsten der Gesellschaft herabblicken. Auch weitere Feindbilder sind schon klar erkennbar: Waren es früher Juden sowie Sinti und Roma, sind es heute Muslime und generell "die Ausländer", die nur zu gerne als Sündenböcke instrumentalisiert werden. Sehr beliebt ist auch ein neidvolles Schimpfen auf die "Privilegien der Beamten", das in Deutschland eine ebenso weit zurückreichende Tradition hat wie der Faschismus. Die Initiatoren und einzigen Nutznießer der erneuten globalen neoliberalen Zerstörungsorgie - die Superreichen - kommen in der Gedanken- und Vorstellungswelt der meisten Menschen dagegen gar nicht vor - da leisten die Propagandainstitutionen in der Politik und den Medien ganze Arbeit.
Gerade in den "besseren Kreisen" der deutschen Mittel- und Oberschicht sollte das Buch Hartmanns zur Pflichtlektüre werden, damit der eine oder die andere aus dem lethargischen Tiefschlaf geweckt und die dümmliche neoliberale Propagandablase in Bezug auf Armut zum Platzen gebracht werden kann.
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Ärztlicher Trost
"Appetitlosigkeit? Gute Frau, betrachten Sie dieses Übel als ein Geschenk des Himmels in dieser knappen Zeit."
Der 13. Mai 2012 stellt eine Zäsur dar - eine Zäsur in meinem persönlichen politischen Denken und Empfinden und ebenso eine Zäsur in der Nachhaltigkeit der medialen Manipulation in diesem Land. Der Ausgang der Wahlen in NRW zeigt unmissverständlich - und in dieser Hinsicht habe ich meine bisherige Ansicht bzw. Hoffnungen zu revidieren -, dass im Rahmen dieses Popanzes, der sich "demokratischer, gar freiheitlicher Rechtsstaat nennt, weder Demokratie, noch Freiheit irgendeine Bewandnis haben können.
Wir haben massivste neoliberale Propaganda, üble Kampagnen und gleich massenweise leere Worthülsen, Sprechblasen, auf irgendwelche austauschbare Personen ausgerichtete Werbestrategien, manipulierende "Wahlprognosen" und derlei mehr Schnickschnack erlebt, die nun am vergangenen Sonntag ihre fauligen Früchte eingefahren haben. Konkret haben wir in NRW:
Die größte "Partei" der Nichtwähler - die nichts bewirken, nichts beeinflussen, dennoch aber die medial nicht stattfindende überwältigende Mehrheit stellen. Wie mag man sich fühlen als jemand, der eigentlich die Mehrheit stellt aber trotzdem nichts zu melden hat?
Zwei Parteien namens SPD und Grüne, die sich als "Wahlgewinner" postulieren, obwohl sie für genau denselben neoliberalen Untergangskurs stehen, den Merkel und ihr gelber Analplug auf Bundesebene verfolgen (und der zuvor von Rot-Grün und Schwarz-Rot zementiert wurde ... ich mag das ja schon gar nicht mehr alles immer und immer wieder wiederkäuen).
Eine Piratenpartei, die "Protestwählerstimmen" en masse eingefangen hat, obwohl niemand weiß, wofür diese Partei nun tatsächlich steht und welche Ziele sie zukünftig verfolgt.
Last but not least die Partei der schwankenden Wiedergänger, die sich einer extremen, wahrscheinlich kostenlosen Wahlwerbehilfe quer durch alle Mainstreammedien erfreuen durften und die gestern trotz des gleich gebliebenen Personals und der natürlich ebenfalls gleich gebliebenen radikalen Inhalte eine wundersame Reanimation durchlebt hat.
Diese Wiederbelebung der FDP samt ihrem vor kurzem erst "abgetretenen" Fanboy Lindner ist der deutlichste Hinweis auf die Manipulationen, die im Rahmen dieser Wahl stattgefunden haben. Da nützt auch das vermeintliche "Bauernopfer" nichts, dass mit dem ach-so-schrecklichen "Absturz" der CDU geleistet wurde - es war angesichts der Medienkampagnen im Vorfeld der Wahl doch völlig offensichtlich, dass Röttgen diesen Tribut zu leisten haben wird. Wer in den letzten Wochen Mainstreamzeitungen gelesen oder gar die offiziellen Propagandasender ARD und ZDF eingeschaltet hat, dürfte nicht einmal entfernt überrascht von diesem Ergebnis sein - einschließlich der sofort erfolgten Erklärung Röttgens, dass er selbstverständlich nicht in NRW zu verweilen gedenkt. Oh, wie überaus überraschend.
Diese gesamte Wahl war so dezidiert vorgeplant und vorbereitet, dass es mich selber erschreckt, wie sehr mich diese Deutlichkeit des Ergebnisses dennoch so entsetzt. Ich war zu blauäugig, das habe ich gestern - mancher mag hinzufügen: "endlich" - bemerkt. Ich weiß nicht, welchen Teilbereich ich da gruseliger finden soll: Die Unverfrorenheit, mit der von interessierter Seite diesmal Manipulationen und Kampagnen betrieben wurden; oder die Willfährigkeit und Dummheit, mit denen so viele Menschen diesen Rattenfängern einmal mehr aufgesessen sind; oder vielleicht doch meine persönliche Bereitschaft, dieses Wahlergebnis für noch weitaus manipulierter als beschrieben - also für schlicht gefälscht - anzusehen.
Der 13. Mai 2012 hat nun auch für einen überzeugten Demokraten wie mich die Ära der Endzeit eingeläutet. Arge Zweifel waren ja schon lange vorhanden, wie jeder, der ab und an mal mitgelesen hat, wissen mag - diese Zweifel sind nun zementiert. Eine Demokratie findet nicht statt in Deutschland - emtweder sind die Menschen schlicht nicht fähig zu denken und so zu wählen, dass nicht nur eine kleine Minderheit priviligiert wird und das Sagen hat - oder die Wahlergebnisse sind gefälscht. Ich kann nicht entscheiden, welche der beiden Alternativen beängstigender ist. Im Ergebnis bleiben sie sich gleich.
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Die Wiederkehr der Gleichen
"Das neue Ministerium?! Die Physiognomien kommen mir alle so bekannt vor."
Herr, wissen Sie einen Ort auf der Welt,
wohin Sie gern führen, wo's Ihnen gefällt?
Ich selbst muss die Frage verneinen:
ich weiß nämlich leider keinen -
Bei uns ist überall Elend und Not,
man redet, verleumdet und schießt sich tot;
statt Silberstreif-Horizonten
grün-rot-braun-eiserne Fronten!
In Amerika gibt's keinen Alkohol,
in Indien fühlt man sich auch nicht wohl,
und China und Japan bereiten
sich vor zu "großen Zeiten".
In Spanien ist immer noch Revolution,
in Polen hängt man dich auf als Spion -
und wo die Gewehre nicht knallen,
hört man die Währungen fallen.
Am liebsten führ' man nach Afrika,
doch leider sind nur noch Filmleute da,
die alles niedermähen,
um einen Kulturfilm zu drehen.
Auch die Südsee war schön. Doch gerade zur Zeit
treten dort Vulkane in Tätigkeit.
Weshalb ich abends oft bete:
Herr, schenk' uns die Mondrakete!
-- Na und? Dann wäre sofort der Mond
von Kapital-Flüchtlingen bewohnt
und man träfe am Ende der Mondfahrt
womöglich grad Herrn von Gontard -
Groß war die Welt und schön war die Welt,
bis der Mensch sie verkleinert und bös entstellt!
Man kann nur auf geistigen Gleisen
per Alkohol flüchtend verreisen ---
Reiche in diesem Land ziehen derzeit Millionen steuerfrei aus Unternehmen – der Unternehmenssteuerreform II sei Dank. Die von Bundesrat Hans-Rudolf Merz vorangetriebene und vom Parlament und den belogenen StimmbürgerInnen knapp abgesegnete "Reform" entzieht Bund, Kantonen und Gemeinden in den nächsten Jahren Steuern in Milliardenhöhe und Jahr für Jahr AHV-Beiträge im hohen dreistelligen Millionenbereich. Mit unabsehbaren Folgen. (...)
Das verfassungsrechtliche Prinzip der Besteuerung nach Leistungsfähigkeit wird zur Farce. Während Bund und Kantone den Unternehmen unter dem Titel "Wirtschaftsförderung" Steuerrabatte in Milliardenhöhe gewähren und systematisch Steuergeschenke verteilen, verlieren Menschen mit unteren und mittleren Einkommen an Kaufkraft, den RentnerInnen muten die bürgerlichen PolitikerInnen Rentensenkungen zu (gegen den Verfassungsauftrag), und die Lohnentwicklung hinkt seit Jahren eklatant den Produktivitätszuwächsen hinterher. Die Einkommens- und Vermögensschere öffnet sich weiter. Die Mehrheit der gewählten VolksvertreterInnen betreibt also eine Steuerpolitik gegen die eigene Bevölkerung, die längst nicht mehr angemessen am Wirtschaftswachstum partizipiert. Sie soll froh sein, wenn sie überhaupt Arbeit hat.
Was das heisst, zeigt ein Blick zum nördlichen Nachbarn: Trotz boomender Wirtschaft können acht Millionen Deutsche nicht von ihrem Einkommen leben. Sie heissen Mini- und Ein-Euro-Jobber. Die Sprache sagt alles. Aber immerhin haben sie Arbeit. Von der sie allerdings nicht leben können. Toll. Wenn sich Arbeit in einem reichen Land nicht mehr lohnt, sollte man sie verweigern. Den Dreck wegräumen, die Büros putzen, die Kinder hüten und so weiter – sollen es doch die Topshots selbst erledigen.
Anmerkung: Dies ist mal wieder ein treffender, prägnanter Artikel der WOZ, der in wenigen Absätzen die völlig irrsinnige, leider aber ungebrochen wütende neoliberale Ideologie demontiert.
Die Schweiz ist im Übrigen ein guter Indikator für die katastrophale Entwicklung der sozialen Lage in Deutschland: Noch vor 10, 15 Jahren galt die Schweiz hierzulande als wenig erstrebenswertes Ziel für gut qualifizierte Menschen, die eine Arbeitsstelle suchten - die Löhne waren zwar durchaus angemessen hoch, die rechtliche Absicherung jedoch war weniger ausgeprägt als in Deutschland. Heute hat sich das völlig verändert - die Zahl der deutschen Arbeitsemigranten in der Schweiz ist seit dem Beginn der neoliberalen Zerstörungen durch Rot-Grün sprunghaft angestiegen. Das Lohnniveau liegt heute in der Schweiz deutlich über dem deutschen, und die rechtliche Absicherung in Deutschland ist dank Leiharbeit, befristeter Stellen und natürlich des Hartz-Terrors für ganze Bevölkerungsteile nicht mehr wirksam.
Mit etwas Verspätung zeigt die global angelegte neoliberale Abwärtsspirale des elitären Gesindels nun auch in der Schweiz ihre Wirkung - und auch dort wiederholt sich nun das altbekannte Spiel des begleitenden medialen Propagandafeuerwerks, das zum Ziel hat, die Menschen für dumm zu verkaufen und ihnen diese Zerstörungen als "alternativlos" und "gut" ins Hirn zu hämmern.
Es ist wunderbar, dass die WOZ nun dazu aufruft, nicht angemessen bezahlte Arbeit schlichtweg zu verweigern. In der Schweiz mag das (noch) möglich sein - wer das aber heute in Deutschland versucht, wird konsequent und knallhart (und grundgesetzwidrig) mit dem Entzug der Existenzberechtigung staatlich sanktioniert. Die Bürger der Schweiz sollten also ganz genau auf den Nachbarn nach Norden schauen, damit ihnen ein solcher staatlicher Terror erspart bleibt.
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Die Zukunft Europas
"Wenn niemand mehr etwas anzuziehen hat, ist das dann das Paradies?"
Seit Jahren gibt es eine stattliche politische Mehrheit {jenseits] der CDU. Doch diese Mehrheit kann nicht wirksam werden. Denn die Opposition hat sich dummerweise vierteilen lassen.
Die SPD, das muss man sagen, ist hart im Geben: Ende der siebziger Jahre schenkte sie uns die Grünen. Die wollten damals eine andere Friedens- und Umweltpolitik als Helmut Schmidt. Zu Anfang des Jahrtausends schenkte uns die SPD dann die Linken. Die wollten eine andere Wirtschafts- und Sozialpolitik als Gerhard Schröder. Die Grünen (als ehemalige Koalitionspartner von Gerhard Schröder) schenkten uns schließlich die Piraten. Die wollen ein anderes demokratisches Verfahren. / Von der guten alten Tante SPD blieb ein Torso: zementhart und innovationsresistent.
Anmerkung: Dieser kleine Text ist schlecht geschrieben und erzählt uns nichts Neues, dient aber gerne als willkommener Anlass für einige Worte zur SPD, die ich schon lange loswerden wollte. Dieser asoziale Verein rund um Steinmeier, Gabriel, Nahles & Co. sollte seit mehr als einem Jahrzehnt kleinlaut und mit Eselsmütze in der Schamecke stehen und sich kleinlaut darüber wundern, wieso er noch immer nicht auf dem Ramsch-Niveau der FDP angekommen ist. Was Helmut Kohl gemeinsam mit der FDP in 16 Jahren nur zaghaft begonnen hatte, haben SPD in Grüne nach 1998 zur perversen Vollendung geführt: Die bewusst geplante, kontrollierte Zerstörüng des Sozialstaates, die gewollte Verarmung der Bevölkerung und die gnadenlose Mästung des Superreichtums.
Die "Opposition" hat sich keineswegs vierteilen lassen, wie der Autor des verlinkten Beitrags meint - diese "Opposition" ist schlichtweg keine Opposition. SPD und Grüne haben nachhaltig und eindrucksvoll bewiesen, dass sie in Regierungsverantwortung genau das tun, was man von der Union und der FDP (oder wahlweise anderen rechtsextremen Parteien) erwartet, und seit der unseligen Schröder/Fischer-Regierung und den anschließenden Jahren der bleiernen großen Koalition hat sich nicht das Geringste an diesen Tatsachen und diesen Parteien verändert. Nur ein Beispiel aus einer fast unendlichen Reihe: Kürzlich sah ich irgendwo im Netz ein aktuelles Wahlplakat der NRW-SPD, das mit einem vermeintlichen Erfolg aufzutrumpfen versuchte: "Studiengebühren abgeschafft!" stand da in großen Lettern zu lesen. Glauben diese Clowns denn wirklich, dass sich niemand daran erinnert, dass eben jene Studiengebühren auf Bundesebene von der SPD extrem forciert und schließlich ermöglicht worden sind? Wieviel Orwell mutet diese Bande den Menschen noch zu? Das SPD-Geschwurbel und -Lamentieren für Studiengebühren ist noch nicht ganz kalt, und schon will uns die SPD erzählen, dass die Abschaffung dieser asozialen Gebühren in NRW ein Verdienst der SPD sei?
Es gab vor ein paar Jahren mal einen SPD-Superminister in Berlin, der zuvor nicht gewählter, sondern nur "nachgerückter" Ministerpräsident in NRW gewesen war und dessen Name sich entfernt auf "Demenz" reimt. Dieser feine Herr Clement fand, dass Leiharbeit eine tolle Sache ist, ebnete ihr den Weg und deformierte das Arbeitsrecht entsprechend, so dass massenweise Menschen aus gesicherten, halbwegs angemessen bezahlten Jobs ins unsichere Prekariat der Leiharbeit entlassen wurden. Parallel dazu ließ er sein Superministerium in altfaschistischer Tradition verkünden, dass Arbeitslose "Parasiten" seien - und kurze Zeit später, als sein Superministerium wieder aufgelöst war, fand er die SPD und die Politik nicht mehr so toll und verließ beide, um fortan im Aufsichtsrat eines der größten Leiharbeitsunternehmen sein karges Dasein zu fristen bzw. sich ein luxuriöses Leben zu ergaunern. So etwas nennt man in "Unrechtsstaaten" Korruption und Faschismus. Sein ehemaliger SPD-Chef Schröder und der grüne Kollege Fischer haben es nicht anders gemacht - und diese drei stehen nur stellvertretend für ein ganzes Heer von rot-grünen Seitenwechslern, die ehemals "die Interessen des Volkes vertreten" und heute nur noch ihre eigenen finanziellen Interessen im Sinn haben. Eine kleine (unvollständige) Liste dieser sauberen Herr- und Frauschaften findet sich bei Lobbypedia.
Die SPD hat allerspätestens seit der Agenda 2010, die sie nach wie vor befürwortet, bewiesen, dass sie weder für soziale, noch für demokratische und erst recht nicht für sozialdemokratische Politik steht. Diese Partei ist nichts weiter als ein verlängerter Arm des Kapitals, der sich in nichts von den asozialen Zerstörern der Union und der FDP unterscheidet. Wer SPD oder Grüne wählt, der wählt nicht "links" - auch wenn er das vielleicht wollte. Man muss sich doch nur ansehen, was diese Clowns tun, wenn man ihnen die Macht gibt - diese "Parteienlandschaft" rechter Parteien ist nichts weiter als ein hochalbernes neoliberales Affentheater, das nichts mit Meinungsvielfalt, dafür umso mehr mit Diktatur gemein hat.
Und erneut überrascht es wohl niemanden, dass auch diese opportunistische, korrupte Rolle der SPD keine neue ist.
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Not bricht Grundsätze
[oder: Die SPD einst und jetzt]
"SPD einst: 'Nieder mit Kapital, Thron und Altar!'"
"SPD jetzt: 'Hilfe, unser Kapital und die Kirche sind in Gefahr!'"
Die zehn reichsten Italiener besitzen so viel wie ärmsten drei Millionen, geht aus einer neuen Studie der italienischen Notenbank hervor. Die zehn reichsten Menschen des Landes, angeführt vom Chef des Süßwarenproduzenten Ferrero, Michele Ferrero - Hersteller des weltbekannten Schokoladen-Aufstrichs Nutella - besitzen insgesamt ein Vermögen von 50 Milliarden Euro. (...)
Platz zwei in der Liste der reichsten Italiener besetzt der Gründer des weltweit größten Brillenkonzerns Luxottica, Leonardo Del Vecchio, mit 8,6 Milliarden Euro Vermögen. Auf Platz drei schaffte es laut einer Forbes-Studie der Modepapst Giorgio Armani, gefolgt von seiner Kollegin Miuccia Prada und dem italienischen TV-Tycoon und Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi. Unter den Top Ten der zehn reichsten Italiener sind auch Pradas Ehemann Patrizio Bertelli, der Chemiekönig Stefano Pessina, gefolgt von Carlo, Giuliana, Gilberto und Luciano Benetton, Gründer der gleichnamigen Modegruppe. Auf Platz zehn schaffte es der Gründer und Chef des Schuhkonzerns Geox, Mario Moretti Polegato.
Anmerkung: In diesem kurzen Artikel aus Österreich wird das Gesindel endlich einmal beim Namen genannt und ins Licht der Öffentlichkeit gerückt - ein Umstand, der in deutschen Mainstreammedien bezüglich des bei uns heimischen Superreichtums nahezu nicht stattfindet. Es ist allerdings davon auszugehen, dass ein solcher Bericht in Deutschland nicht einmal für große Aufregung sorgen, sondern bei vielen Menschen eher Neid auslösen würde - denn den Kapitalismus findet der gemeine Michel ja bekanntlich super, während der Sozialismus dem Fegefeuer gleichzusetzen ist. - Ob der Standard auch österreichische Milliardäre genauso offen beim Namen nennt, ist mir hingegen unbekannt.
Interessant sind auch einige der Kommentare unter dem Text, die sich nach meinem Empfinden doch deutlich von dem neoliberalen, nachgeplapperten Propaganda-Blabla unterscheiden, das sich so oft unter Artikeln der deutschen Mainstreampresse findet. Eine Kostprobe eines Kommentators namens NONE:
"Es wird Zeit für eine Umverteilung. / So geht es nicht weiter. / Virtuelles Geld (Schulden) wird dem Gros der Menschen aufgezwungen von Goldman sucks Verrätern, aber Reiche werden noch reicher? / Das geht so einfach nicht mehr weiter. / Die Revolution wird kommen. / Lieber gemeinsam arm, als ein paar reiche Verräter."
Da geht einem doch das Herz auf - und gleichzeitig steigt der Blutdruck immens, wenn man im gleichen Atemzug an die steigenden Wahlerfolge der Faschisten in ganz Europa denkt.
Aber zurück zu Italien: Für die im Text erwähnte extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit hätte der ebenfalls zum superreichen Gesindel gehörende Mafia-Boss Berlusconi sicher eine angemessene Lösung - jedenfalls solange es sich um weibliche Jugendliche mit großer Oberweite und einer extrem hohen Ekelgrenze bzw. entsprechend großen materiellen Not handelt. Es gibt Dinge, die man sich aufgrund ihrer Widerwärtigkeit einfach nicht vorstellen will - und dennoch sind sie alltäglich. Ich muss mich dem Standard-Kommentator anschließen: Das geht so tatsächlich nicht mehr weiter - jedenfalls nicht mehr allzu lange. Die Frage der Fragen ist bloß, welche Art der Revolution sich anschließen wird. Momentan sehe ich da nichts als Schwärze - es sind nirgends irgendwelche Anzeichen zu erkennen, dass die Entwicklung diesmal in anderen Bahnen verlaufen wird als vor 80 Jahren.
Wenn der Kapitalismus wütet, macht er keine Gefangenen - auch dann nicht, wenn das Ende längst absehbar ist. Es wird "geschossen bis zum letzten Mann". Und wenn danach wieder alles in Trümmern liegt, fängt man wieder von vorne an und baut alles langsam wieder auf - die Wirtschaft "floriert" erneut und die von oben herabfallenden Brotkrümel werden als neues "Wirtschaftswunder" religiös gefeiert, während das superreiche Pack hinter den Kulissen immer noch die Champagnerkorken knallen und die verbliebenen Massen weiter für sich schuften lässt.
Zweite Anmerkung: Mehr über Karl Arnold, der auch zu den Verrätern gehörte, die ab 1933 die Seiten gewechselt und den Nazi-Terror mitgetragen haben, kann man hier lesen.
(Vocomotion: "Money", aus dem Album "Voices On The Dark Side", 2005)
Money, get away.
Get a good job with more pay and you're okay.
Money, it's a gas.
Grab that cash with both hands and make a stash.
New car, caviar, four star daydream,
Think I'll buy me a football team.
Money, get back.
I'm alright Jack, keep your hands off of my stack.
Money, it's a hit.
Don't give me that do goody good bullshit.
I'm in the high-fidelity first-class-travelling set
And I think I need a Lear jet.
Money, it's a crime.
Share it fairly but don't take a slice of my pie.
Money, so they say
Is the root of all evil today.
But if you ask for a raise it's no surprise that they're
giving none away ...
Anmerkung: Diese reine A-Capella-Version des alten Pink-Floyd-Songs aus dem Jahr 1973 ("The Dark Side Of The Moon") finde ich sehr beeindruckend - zeigt sie doch, dass man auch mit sehr bescheidenen musikalischen Mitteln eine eigentlich gigantomanisch angelegte Musik sehr eindrucksvoll wiedergeben kann. Wer dennoch lieber das Original bevorzugt, kann es sich (zumindest jetzt noch) hier anhören:
Es wächst auf Erden manches Ding
vom Strohhalm bis zur Maggisuppe.
Und wo es nur zu machen ging,
ergab das eine Wirtschaftsgruppe.
Ergab es so Kartell wie Trust
zum Absatz von Bedarfsartikeln
und um auch möglichst preisbewusst
die Konsumenten einzuwickeln.
Denn die Weltwirtschaft, die Weltwirtschaft,
die will betrieben sein.
Und der Mensch, sofern er aufwärts strebt
und die Kultur der Erde hebt,
der muss gerieben sein.
Es wächst auf Erden Gras und Korn
und drunter Erz und Kohle.
Das gäb' den materiellen Born
zum allgemeinen Wohle.
Das gibt hauptsächlich Börsenwerte
als exklusiven Daseinssinn,
und deshalb wächst auf dieser Erde
das Allgemeinwohl ziemlich dünn.
Denn die Weltwirtschaft, die Weltwirtschaft
hat folgendes ausgeheckt:
Der eine bringt etwas hervor,
der andre speichert im Tresor
den finanziellen Effekt.
Es wächst auf Erden der Bedarf.
Das Geld wächst leider nicht so mit ...
Reklame macht den Menschen scharf
auf dies und das bei jedem Schritt.
Reklame hin, Reklame her:
zum Kaufen braucht man Geld ---
Brasilien schmeißt Kaffee ins Meer,
damit der Preis sich hält.
Denn die Weltwirtschaft, die Weltwirtschaft
ist augenscheinlich verrückt.
Wir leben nicht im Paradiese,
wir leben in der Wirtschaftskrise
und sind davon entzückt.
Anfang Februar versetzten Pressemeldungen über geplante massive Stellenstreichungen bei IBM-Deutschland die Belegschaft des IT-Unternehmens in helle Aufregung. Bis zu 8.000 der rund 20.000 in Deutschland beschäftigten IBM-Beschäftigten würden in den nächsten Jahren ihren Arbeitsplatz verlieren, ließen Spitzenmanager gegenüber dem Handelsblatt durchsickern. (...)
Die Ahnung vieler Mitarbeiter, dass gerade bei IBM-Deutschland "etwas passieren" würde, resultiert aus den Renditevorgaben, die laut der Konzernstrategie von 10 US-Dollar pro Aktie in 2010 auf 20 US-Dollar in 2015 verdoppelt werden sollen. Zuletzt konnte die neue IBM-Chefin Virginia Rometty eine Rendite von "nur" 13,09 Euro pro Aktie vermelden. (...)
"Big Blue" will künftig viele Softwareprojekte auf eigens eingerichteten Internetportalen (Liquid Portal) ausschreiben, bei denen zertifizierte freie Softwareentwickler sich anmelden können [sic!], um sich für die jeweils von IBM ausgeschriebenen Projekte zu "bewerben". Auf diesen "Projektbörsen" - die eine Art Ebay der Lohnarbeit darstellen dürften - sollen auch die derzeit noch fest angestellten IBM-Mitarbeiter um neue Aufträge "mitbieten".
Anmerkung: Was IBM und vermutlich viele weitere Konzerne hier umsetzen wollen, existiert für viele "freie" Berufe ja schon längst - derartige "Portale" gibt es z.B. für Schreiberlinge, Zeichner und Werbefachleute, ebenso auch für Handwerker, Umzugsunternehmen und viele andere. Die Konsequenzen für die Betroffenen, die im Artikel eher kurz angerissen werden, sind da deutlich erkennbar: Das Arbeitsrecht wird untergraben, die Scheinselbstständigkeit entbindet den Arbeitgeber von sämtlichen Pflichten und Sozialleistungen, und selbstverständlich hat eine solche Arbeit in den allermeisten Fällen eine schnelle Prekasierung der Betroffenen zur Folge. Die Bezeichnung "Tagelöhnertum" trifft den Nagel auf den Kopf. Der Personalchef von IBM nennt das Kind sogar beim Namen - und glaubt offenbar tatsächlich, damit etwas "Positives" verkündet zu haben: "Es gäbe keine Gebäudekosten, keine Renten und keine Kosten für das Gesundheitswesen, was enorme Einsparungen bedeutet", sagte er - laut dem verlinkten Artikel - der Fachzeitschrift Personnel Today.
Ich frage mich bei solchen Meldungen ja immer, ob diese neoliberalen Unheilsbringer tatsächlich einmal über das, was sie vorhaben und tun, nachgedacht haben - oder ob es ihnen einfach völlig egal ist, was sie damit in der Gesellschaft anrichten. Man werfe beispielsweise einen Blick auf das Portal textbroker.de, wo sich Menschen, die professionell Texte schreiben, um "Aufträge bewerben" können. Wer sich da einmal durch das Kleingedruckte klickt, wird schnell feststellen, dass er 24 Stunden am Tag unaufhörlich recherchieren und schreiben müsste, um einen monatlichen Geldbetrag in Höhe des Hartz-Terror-Satzes zu erhalten (den er dann natürlich noch ordnungsgemäß versteuern müsste). An eine Kranken- oder gar Renten- oder Arbeitslosenversicherung ist da nicht einmal im Traum zu denken, und wer gelegentlich auch mal Pause machen, etwas essen oder schlafen möchte (von solchem Luxus wie Urlaub, Freizeit, sozialen Kontakten oder gar Kultur möchte ich gar nicht erst anfangen), muss dann eben einige Tage im Monat hungern und/oder auf anderen Schnickschnack wie Strom oder Heizung verzichten.
Dies sind übrigens beileibe keine zynischen Übertreibungen, sondern selbst erlebte Erfahrungswerte. Ich kann also gar nicht anders als diese perversen Pläne auf das Allerschärfste zu verurteilen und der Politik mit Eisenklemmen die Ohren in die Länge zu ziehen, damit dieser Auflösung der solidarischen Sozialsysteme und der weiteren Verarmung und Versklavung der Menschen - ausgerechnet unter dem Diktat der Neusprechvokabel "Freiheit" - endlich ein Riegel vorgeschoben wird. Die absurden "Renditeerwartungen" der Superreichen gehören - verdammt nochmal - endlich in die Mülltonne der Geschichte! Wenn dieses gierige Gesindel unbedingt aus ihren Milliarden noch mehr Milliarden machen will, soll es sich gefälligst eigene Casinos schaffen und dort munter mit ihresgleichen spielen - und dann eben auch das Risiko tragen, den Einsatz zu verlieren. Die normale Bevölkerung hat damit nichts zu tun.
Im Grunde zeigen diese immer grotesker in Erscheinung tretende Habgier, dieser Wachstumswahn und das neoliberale, religionsgleiche Geschwurbel doch nur, dass das unlogische kapitalistische System sich mal wieder seinem systemimmanenten Ende nähert. Ich habe das schon so oft geschrieben: Es wäre nun an der Zeit, dieser ewigen Wiederholung, dieser unerträglichen Zeitschleife des Grauens endlich ein würdiges Ende zu bereiten. Wir wissen nur zu genau, wie weit die neoliberale Bande am Ende geht, wenn wir das nicht tun.
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Ablösung
"Wissense, ich habe so viel für Hitlers Wahlrummel ausgegeben, dass ich mich nicht auch noch persönlich mit kleinen Leuten zur Urne drängeln brauchte."
Überall wird in Hellas gespart, nur bei den Waffen-Einfuhren so gut wie gar nicht. Könnte dies daran liegen, dass sie größtenteils aus Deutschland kommen?
(...) Dennoch gibt Griechenland, gemessen an seinem Bruttoinlandsprodukt, nach wie vor mehr für Kriegsgerät aus als alle anderen EU-Mitglieder und bleibt einer der größten Waffenimporteure weltweit. Auch haben Angela Merkel und Nicolas Sarkozy während der Verhandlungen über das jüngste Rettungspaket immer wieder Druck auf die Regierung in Athen ausgeübt, an den bestehenden Waffengeschäften festzuhalten. (...)
Interessanterweise ist Portugal – ein weiteres Land, das sich in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten befindet – nach Griechenland Deutschlands zweitgrößter Abnehmer von Rüstungsgütern.
Anmerkung: Abgesehen von der ärgerlichen Tatsache, dass die dramatischen, existenzbedrohenden Kürzungs- und Kahlschlagszwänge in Griechenland in diesem Artikel völlig verharmlost werden, sind einige der genannten Zahlen schon sehr erhellend: Wenn man bedenkt, dass die damalige griechische Regierung beispielsweise im Jahr 2007 insgesamt 6,2 Milliarden und im Jahr 2010 sogar 7,1 Milliarden Euro für Rüstungsgüter ausgegeben hat und dies mit der erzwungenen Kürzungssumme in den sozialen Systemen (1,8 Milliarden Euro in 2011) vergleicht, stehen einem entsetzt die Haare zu Berge. Das ist purer menschenverachtender Wahnsinn, und deshalb überrascht es auch nicht, dass ausgerechnet Merkel und Sarkozy diesen schäbigen Vertreterjob für die Rüstungsindustrie - im Verbund mit weiteren Banditen - erledigt haben.
Einmal mehr stellt sich die Frage, die auch im Text kurz angerissen wird: Was zur Hölle wollen all diese kleinen Staaten wie Griechenland oder Portugal mit so vielen Waffen? Vor den Geschenkmilliarden an private Banken (die der Öffentlichkeit fälschlicher Weise und fortdauernd als "Rettungspakete für Griechenland" verkauft werden) war die internationale Rüstungsmafia wohl kaum in der Lage, der griechischen oder einer anderen Regierung ihre sauberen Geschäfte abzupressen. - Und wie krank im Kopf muss man sein, wenn man wie selbstverständlich der perversen Rüstungsindustrie zu "mehr Wachstum" verhilft und dabei die ansonsten mantraartig beschworenen "Gesetze des freien Marktes" vollkommen ad absurdum führt?
Diese korrupte Bande wird von Tag zu Tag unerträglicher.
Doch auch die Erkenntnis, dass Waffen und Kriege in erster Linie dazu dienen, die Profite der Rüstungskonzerne explodieren zu lassen, ist selbstverständlich keine neue - auch das war im Kapitalismus schon immer so:
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Mal wieder Krieg
Es ist so weit. Die "Würfel sind gefallen".
Den Genfer Schwätzern stockt der Redefluss.
Gewehre knattern, Fliegerbomben knallen,
im Geiste hört man die Kommandos schallen,
dass nun en masse gestorben werden muss!
Erhebt, die Kellog-Pakte zu verfechten,
entrüstet nun die Welt sich wie ein Mann,
um den, der diesen Krieg entfacht, zu ächten
und als Vertragsbrüchigen zu entrechten?
Weltfremder Träumer! Keiner denkt daran --
Statt dessen hört man alle debattieren:
was schaut für uns bei dem Klamauk heraus?
Kann man durch fremden Krieg sich selbst sanieren,
wär's töricht, ihn als solchen zu negieren!
(Man hat ihn nur nicht gern bei sich zu Haus.)
Mag er Millionen gelbe Tote kosten -:
Wenn er die Wirtschafts-Konjunktur belebt,
stehn wir im Goethejahr auf unsrem Posten,
bereit zum Kundendienst im fernen Osten.
Es irrt der Mensch, der nicht geschäftlich strebt.
Und liegt dann drüben eine Welt in Trümmern,
dann sind wir alle wieder gern bereit,
uns um den Frieden in der Welt zu kümmern
und neu den Völkerbund-Palast zu zimmern
als Tempel hehrer Menschlichkeit!
Ein Musik- und Literaturwissenschaftler auf der heiteren Odyssee bzw. vergeblichen Suche nach dem Humanismus.
Ich verstehe dieses Blog weder als "links", noch als "linksliberal" - es versucht, schlicht der Logik zu folgen, sucht die oft verschleierte Wahrheit und landet daher fast zwangsweise immer wieder in sozialistischen Regionen, in die es nie wollte. Die Logik lässt sich nicht so leicht austricksen wie es der interessengeleitete menschliche Geist tut.
Dennoch gilt auch weiterhin Spocks weiser Spruch: "Logik ist nur der Beginn aller Weisheit - und nicht ihr Ende."
Der Blogbetreiber stellt sich vor - auf dass NSA, "Verfassungsschutz", BKA und so viele andere nicht mehr so ausufernd suchen müssen:
Facebookfreie Zone
Das gilt selbstredend auch für alle anderen Datenkraken und "sozialen Netzwerke".
Statt Facebook lieber Ghostery :-)
Dieses kleine, kostenlose Plugin gibt's für alle gängigen Browser - macht es den Werbefuzzis und Überwachungsfetischisten doch wenigstens ein bisschen schwerer, Euren Spuren im Netz zu folgen ...